4r. 191. Berlin, Sonnabend den 29. December 1866. Zweiter Zahrgaag. Gtmokrlit. Diisc Zeiwng irscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag� Donnerstag« und Sonnabend« Abend«. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von Z. B. d. Hofstetten und I B. d. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, Alte Jatobstraste Nr. 67. Abonnement«- Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 15 Sgr., monatlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den Königl. preußischen Post- ämiern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichlpreußischen Deutsch- lanü 12V2 Sgr., im übrigen Teutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., st. 1. österr. Däbr.j pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, sowie von jedem soliden Spediteur entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. v-iechner. Agentur für England, die Eolonieeu und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Linie New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Goar da Commerce Saint-Andre-des-Arts. Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Quartal für das Abonneinent aus den„Social- Demokrat." Wir bitten unsere Leser, ihre Abonnements nunmehr schleunigst erneuern zu wollen, damit sich die Höhe der erforderlichen Auflage bemessen läßt und im Betriebe keine Stockung eintritt. Zugleich fordern wir alle Parteigenossen ernstlich auf, für die Vcrbrci- tung des Parteiorgans mit Nachdruck thätig zn sein. Bei den Opfern, die wir noch fortwährend bringen müssen, glauben wir zu der Erwartung berechtigt zu sein, daß die Partei dieser Auf- forderung nachkommen werde. politischer TheU. Rundschau. Berti», 28. Dezember. In Deutsctiland sieht man noch immer einer xmtlicben Veröffentlichung de« preußischen Berfas- 'ngs-Entwurfes für den ptorddeulschen Bund 'gegen. Unterdessen bringt die neueste„Proo.- r." einstweilen einen Auszug de« Regle- menr s für die Wahlen zuni Norddeutschen Reichs- tag,.nebst Notizen über die Wahlkreise(s. dieselben unier �er Rubrik„Vermischtes").— Die Bevollmächtig en zu den hier tagenden Bundesconferenzen haben ni verflossenen Sonnabend sämmtlick Berlin verlaffm, um, von ihren Regierungen mit neuen vjnstriik.ic'neu versehen, am 2. Januar wieder hier einzulresfe n.— Nach der„Prov.-Corr." ist eine Nachrich, daß der preußische Minister-Präsident in nächster Z-'it eine Reise nach Südfrankreich an- treten werd-, grundlos; Graf Bismarck will sich nicht eher eine längere Erholung gönnen, als bis er die Sache des Norddeutschen Bundes auch mit dem Reichsta.ge durchgeführt haben wird. Der „Köln. Ztg." zufolge hätten die Aerzte des Grafen Bismarck die R'eife gewünscht, er selbst habe aber aus dem obigen Gruno. nicht darin gewilligt. Da jedoch Graf Bismarck am Freitag mit Herrn von Benedetli aus der Jagd war, muß es um seine Gesundheit wohl leoch nicht so bedrohlich stehen.— Die„Nordd. Allg Ztg." schreibt osficiöS: Was die Organisa tion der neuen Landestheile betrisst, so ist von manchen Seiten die Frage angeregt worden, ob es nicht angemessen wäre, au« dem Herzogthum Nassau, der Stadl Frarekfurt nebst den zu dieser gehöri- gen Ortschasteu und den von Bayern und Oberheffen gewonnenen Distrikten eine eigene Provinz zu bilden. Nack dem jedoch, was übor das Resultat der bezüglichen ---«Hungen verlautet, ist-'« unwahrscheinlich, daß dieser zur Ausführuno mmen wird. Es dürste viel- -ohl den allg n Staatsinleressen, wie den -lsen entsp- befunden werden, jene süd- HuPk � j- öt? t* : liehen Landestheile mit Kurhessen zu einer Provinz zu : verbinden. Es wird, wie man hört, beabsichtigt, neben dem preußischen Kriegsschatze, in welchem sich gegen- wärtig 30 Millionen Thaler baares Gtld befinden, auch noch einen besonderen Kriegsschatz für die Contingente des Norddeutschen Bundes zu gründen, in der Art, daß die einzelnen Regierungen die von ihnen nach dem Berhältniß der Zahl ibrer Unter- ihanen zu leistende» Beiträge in einen gemeinsamen Schatz, der am Sive der obersten Bundesgewalt aufzubewahren ist, abzuliefern haben sollen. Diese . Einrichtung soll zugleich mit der definitiven Sanc- tion der Verfassung des Norddeutschen Bundes in's Leben treten.— Der„Hannoversche Courier" meldet: Die Deputation der Hannoverschen Offiziere äst von Wie» znrückgekehrr. König Georg bewilligt jedem Offizier, welcher darum nachsucht, die Entlassung aus dem Dienste.— Nrd) einer i Depesche aus Mün chen, 23. Dezember, wird der bayerische Landtag auf den o. Januar kommenden Jahres einberufen. Das Rescript ist vom Freiherrn v. d. Pfordten mit contrasignirt. Eine weitere Depesche meldet, daß der ätöwiß durch ein Handschreiben vom 22. Dezbr. den Over-Appella- tionsrath Lutz, früher Käbinetsrath unter Pfister- Meister, aus die erledigte Stelle seines Sekretairs berufen habe. Herr v. Neumayer ist nemlich, nach kurzer Funktion, schon wieder„aus Gesundheils» rücksichlcn" seiner Stelle enthoben worden. Die Ministerkrisis ist noch immer nicht zum Abschluß gekommen. Die„Franks. Ztg." will wissen, Herr v. Wydenbrugk, ein entschiedener Großveutscher, sei � i letzt als Premier in Aussicht genommen.— Die Adresse des ungarischen Landtags ist noch vor den Feiertagen vom Kaiser von Oesterreich entgegengenommen, und der betreffenden Deputa- tion geantwortet worden, daß die Adresse mit einem Rescript erwidert werden solle. Die Redaction dieses RescriptS wird den Verlauf der Verfassungs- krisis in Oesterreich einige Tage hindurch ins Stocken bringen, da die Minister im Augenblicke nicht sämmtlich in Wien anwesend sind, und der Schlußfassung über den Inhalt des Rescripls jeden- falls einige Conferenzen des Kabinets vorhergehen dürften. Ob die Ungarn ihre Wünsche befriedigt sehen werden, oder nicht, kann jetzt auch nicht ein- mal gemulhmaßt werden, da die bezüglichen Nach- richten einander zu sehr widersprechen. Dagegen! scheint eS, als ob man den Czechen die Genug- thuung einer Königökrönunz in Prag verschaffen wolle, da die„Nar. listy" melden, es seien Ver- ordnungen erlassen worden, bis zum Juni k. I. alle Vorbereitungen zur Krönung am Hrabschin zu treffen. Das czechische Blatt begleitet seine Mit- theilungen mit einer sarkastischen Bemerkung, welche andeutet, daß den Czechen an der Krönungs-Cere- monie sehr wenig gelegen sei, wenn nicht gleich- zeitig die alten nationalen Rechte wieder in volle Geltung eingesetzt werden sollen. Der französische Staatsrath war am 27. zu längerer Arbeit zusammen. Es erwartet eine ziem- lich große Anzahl von Gesetzentwürfen, darunter auch das Gesetz über die neue Heeresorganisation, ihre Erledigung.— Die Reise der Kaiserin Eugenie nach Rom wird nunmehr als definitiv aufgegeben' betrachtet, da die Herzogin von Montebello, welche zum Empfange der Kaiserin in Rom halte verbleiben sollen, zu dauerndem Aufenthalte in Paris eingetroffen ist. Dem italienischen Parlamente ist das Budget vorgelegt worden Dasselbe zerfällt in zwei Ab- theilungen, eine für die venelianischen Provinzen und eine für die übrigen Provinzen des König- reiches. Die erstere giebt die Einnahme zu 76 Mit- lionen und die Ausgabe zu 54 Millionen an, also i einen Ueberschuß von 22 Millionen Lire. Die zweite giebt die Einnahme zu 788 und die AuS- gäbe zu 997 Millionen an, also ein Deficit von 208 Millionen. Beide Budgets vereinigt, ergeben also ein voraussichtliches Deficit von 185 Mil- lionen Lire. Die Depulirtenkamnier hat auch den Gesetzentwurf für das provisorische Budget pro 1. Semester 1867 angenommen. In Spanien soll nach verschiedenen Berichten eine Krisis im Ministerium in Aussicht stehen. Die »och an„konstitutionellen Traditionen" festhaltenden Mitglieder des Kabinets sollen entfernt und durch reine Absolutisten, man nennt die Herren Gonzalez Bravo und General Peguela, Gouverneur von Madrid, ersetzt werden. Die Königin soll mit diesem Personenwechsel einverstanden sein. Ueber den. Stand der Beziehungen zwischen Oesterreich und Rußland liefert neuerdings das „Journal de St. Pelersbourg" eine aufklarende Nachricht, indem es alle Gerüchte über russische Truppenbewegungen in Polen für unbegründet er- klärt. Ob das Petersburger Blatt zu diesem De- menti von maßgebender Seite antorisirt wurde, ist aus dem telegraphirten Auszuge des Artikels im „Journal de St. Pelersbourg" nicht ersichtlich. Die Ereignisse im Orient nehmen, wie es scheint, einen täglich bedrohlicher werdenden Cha» rakter an. Neben der c audio tischen Jnsurrec- tion spielen die Aufstände in den nördlicher gele- genen Provinzen veS türkischen Reiches(die neuesten Wiener Blätter melden von einem Auf- stände in Thessalien) und namentlich die ser- bische Frage mit, um die Verlegenheiten der Pforte! auf's Aeußerste zu steigern. Nach einer neuesten Depesche scheinen die Türken in Candia eine sehr bedeutende Niederlage erlitten zu haben. Aus Trieft, 26. Dezbr., wird nämlich telegraphirt: Nach hier eingegangenen Berichten au« Athen vom 24. d. ist Mustapha-Pascha bei einem Angriff aus die Stellung der kandiotischen Insurgenten bei Kares in der Provinz ApokoronoS nach sechsstündigem Kampfe mit be- deutenden Lerlusten zum Rückzüge nach Lakus genöthigt worden. Es ist dem türkischen Besehlshaber durch diese Niederlage der Eintritt in die Provinz Selino« uamög- � lich gemacht. Um die Verlegenheiten der Pscrte bis auf den Gipfelpunkt zu steigern, nimmt die italienische Re- gierung die ibreni Postdampfer von türkischen Kreuzern zugefügte Beleidigung ziemli-t, ernsthaft auf, und Hai sie rem Contre-Avmiral Ribolti Auf- trag gegeben, mit zwei ÄricgSschisfen im Archipel die Rellaniationen ves italienischen Gesandten in Konstanlinopel zu unterstützen. Das alte Jahr schließt somit in, südöstlichen Europa mii einer Reihe sebr ernsthafter Verwicklungen, Deren Bedenk- lichfeit durch eine Nachrichi aus Konstanlinopel vom 26. d. nur erhöht wird. Darnach hat nämlich die Pforte„anläßlich des Umstandes, daß außer den Freiwilligen auch griechisches Militär auf Candia gelandet ist, und daß griechische Truppen an der Grenze concenirirt werden", an die griechische Rc> gierung abermals eine energische Borstellung gerichtet und dieselbe für alle Consequenzen verantwortlich gemacht. Aus den Vcreiuigten Staaten, wo die in- neren Verwickelungen immer drobender werden, wird aus New-York gemeldet, daß im Staate Missouri, wo schon vor'einiger Zeit Unruhen besorgt wur- den, die Gährung im Wachsen sei, und eine ent- setzliche Unordnung herrsche. Möglicherweise wird der Stein von dort aus ins Rollen kommen.— In Nordkarolina, einem der mächtigsten Glie- der des vormaligen Südbundcs haben beide Kam- mcrn das Verfassungsamendemenl entschieden ab- gelehnt. In Mexiko soll sich der„Kaiser" Maximilian, angeeifert von den Klerikalen, am 29. November Feuilleton. Für's schwarz Land.*) Wir sitzen gedrängt Um den trauten Kamin; Es knattern die Brände, Die Kohlen glllb'n. Mit der Festreit Laub Ist da« HanS bekränzt; Die Tanne dust'er, Die Stechpalm' glänzt. Und vom Balkenknans, Weißbeerig sie, Lauschi die Mistel nieder, Die Schelmin, die! Und das Bier, e» schäumt Im zinnernen Krug; Wir leeren ihn fröhlich Aus Einen Zug! Und verschränken die Hand, Und vergessen das Leid, Sind glücklich, sind Brüder,— 'S ist Weibnachtszell! Nun die Schausei Herl Häuft die Glut im Kamin! *) Der Londoner„Hermann," dem das vorstehende Gediwl entnommen ist, fügt dem„tiefergrcifenden Appell des Dichters an die Mildtbätigkeit der Deutschen" die Erklärung hinzu, daß ein KreiS von Deutschen es sich zur Aufgabe gemacht, milde Gaben, als von Teulschen kommend, zu sammeln,»m sie dem großen Wohlthätig- keiiSwerke, zu welchem England durch die erschütternde Katastrophe im Schwarzen Lande sich ausgerafsr, zuströ- wen zu lasten. Die Gaben können an die Buchhand« lung Nie. Trltbner u. Co. 60 Paternoster Row London gesandt werden, und es wäre schön, wenn solche auch aus Deutschland dahin geschickl würden. Ueber die in den Kohlendistricten, in Barnsley, Lancashire und Staffordlhire jüngst vorgekom> menen Unglücksfälle stellen wir in gedrängtester Fassung nachstehende Auszüge aus englischen Benchien zusammen Au« London wurde unter dem 17. Dezember berichtel:„In der Kohlengrube bei BarnSlep fanden am Samstag Morgens eine und kurz darauf neun weitere Explosionen statt. Der letzten und stärksten unter den« selben folgten starke Ausströmungen schweseliger Gase, zugleich vernahm man ein zischende« Geräusch und einen dumpfen lollenden To» wie bei einem Eisenbahnzuge in einiger Entfernung. Aus diese Vorkommnisse hin, die es llar feststellen, daß Feuer und Gase in der Grube noch fortwährend in Berührung kommen, ist von der Be- Hörde der Hauptschacht geschlossen worden. Manche rllh- rende Geschichten werden von de» Männern erzählt, die die Leichen aufsuchten. In einem Falle trafen sie aus von Puebla nack Mexiko verfügt haben, d. h. in „seine Hauptstadt" zurückgekehrt sein. Wie es heißt, haben sich mehrere republikanische Führer den Im- perialisten angeschlossen, doch wird der von den Letzteren behauptete Kreis immer kleiner, da nun- mehr auch die Städte Durangc, Mazatlan i»id das wichtige San Luis de Potosi von ihnen geräumt worden sind. Deutschland. Berlin, 22. Dec. sDaö Herrenhauss hielt heute feine 17. Sitzung. Präsident Graf Slolberg eröffnet die Sitzung um IlVit Uhr. Tagesordnung: Budget pro 1867. Die Kommission beantragle I) den Etat, wie ihn das AdgeordnelenhauS angenommen, ebenfalls anzunehmen; 2) die Erllärung abzugeben, daß kein Bedürfniß zur Errichlung eines Par> lameulSgebäudes für beide Häuser vorliege, da dem Her- renbause sein jetziges Lokal genügt. Herr v. Kleist-Retzow deantragt: mit Bezug auf die Erklärung der SlaatS« Regierung(baß sie versuchen werde, mit dem Budget zu regieren), dem Budget die »ersassungSmäßige Zustimmung zu ertheilen, sodann aber unter Wahrung der bisherigen Stellung de« Hauses sein Bedauern über die Absetzung des Dispositionsfonds de« Ministers de« Innern, noch mehr aber über die der Be> willigung des Haupl-Exlraordinariums hinzugefügte Be« dingung(nachträgliche Rechnungslegung)— und seine RechtSauffassung dahin auszusprechen, daß eine solche Be« dingung mit der Verfassung nicht im Einklang steht. Frhi. Senffl v. Pilsach hält die vom Abgeordne- tenhanse in Bezug aui da« Haupt« Extraordinarium be« schloflene Beschränkung für verfassungswidrig. Laßt knattern die Brände, Die Kohlen sprüh'»! Die Kohlen,— O Grau'n! Mit jähem Schrill In die leuchtende Weihnacht Ein Schalten tritt! Ein Schatten schwarz Und riesengroß: Die Kunde vom Brand In der Mine Schooß! Das die Koble bricht Die zum Feste uns glüht, Die aus Lust und Jubel Ihr Licht versprüht: Das sie mllhvoll bricht In Stollen und Schacht,— Das Heer der Arbeil Verlor eine Schlacht! Tagein, tagau« Der alle Kampf Mit der alten Urtrasi, Mit Glulb und Dampf! Sie fuhren hinab Gesund und rotb,— Sie wurden geschlagen, Sie liegen lobt! Hundert und Hunderte Tcdt, todl, todt! 20—30 Tobte, die einander in die Arme geschlossen hatten. Aus ihrer Haltung ersah man bei Andere», daß sie der Tod überrascht balle, während sie einander Lebe- wohl sagten. Wieder bei Anderen zeigten die gebogenen steifen Kniee unk die erhobenen kalten Hände, daß ihre letzte Handlung ein Gebet war. Der Held des Tage« ist natürlich der so wunderbar Gereirete, Samuel Brown. Er ist wieder bergestellt, darf aber noch nicht das HäuS verlassen, um sich nichl durch Aufregung üble Folgen zu- zuziehen. Zeh» Personen sind außerdem noch unter ärztlicher Behandlung, und nur einige lassen Hoffnung auf Wiederherstellung. ES wird voraussichtlich Monate dauern, bis die Grube wieder befahren werben kann. Wie der Telegraph meldet, sind auch wieder im Laute der Nacht Erplosionen vorgekommen, und man glaubt, das Unterwasserseven der Grube wird da« einzige Mittel sein, dem Feuer Einhalt zu thun. Gestern wurde in BarnSlep 27 und in Arcslep 26 Leichen beerdigt. An letzterem Orte wurden die Särge alle in einem großen Gewölbe, einzeln mit Mauerwerk umgeben, beigesetzt. 160 Wiilwen und 330 Kinder haben ihre Ernährer ver- loren. Neben der anderen Explosion in Stassordshire, wobei nach den neuesten Berichten 85 Menschen um- kamen, wird au« Little Hulton in Lancashire gemel- det, daß dort das schlagende Wetter ebenfalls fünf Opfer gefordert bat."————„Man schätzt die Zahl der Umgekommenen eher über al« unter 400; es waren 430 Lampen am Morgen des UnglückStage« ausgegeben wor- den, und nur wenige waren zurückgekommen. Am 14. Finanzminister v. d. Heydt bestreitet dies. Graf Bismarck tritt ein. Große Bewegung. Präsident. Wie Sie sehen, haben wir den Vorzug, den Herrn Ministerpräsidenteu nach langer Unterbrechung wieder unter uns zu sehen. Ich fordere Sie auf, sich von den Plätzen zu erbeben und mit in den Wunsch ein- zustimmen, daß die Tbätigkeit des Herrn Grasen v. Bis« marck noch lange Sr. Majestät dem Könige erhalten bleibe, und daß der Herr Ministerpräsident sich noch viele Jahre dem Heile des preußischen und deutschen Lande« widmen kann. Gras Bismarck spricht seinen herzlichsten Dank au«. Gras Riltberg spricht gegen den Bau eines Parla- mernsgebäudes in monumentalem Charakter. Hr. o. Kleist-Retzow motivirt seine Anträge mit einigen Redensarten, wie„Ach du lieber Augustin." Ministerpräsident Graf Bismarck. Die Regierung hat sich bereit« in dem ankern Hause darüber erklärt, weshalb sie dem Etat zustimmt. Sie ist bewußt, kerne Ausgaben gefordert zu habe», die nicht im Interesse des Landes gelegen. Alle« hat sie nicht erreiche» lönne», sie bat aber daraus kein Motiv entlehne» können, de» Konflikt zu erneuern und das Zustandekommen des Etat« zu hindern. Was den vorliegenden Antrag de« Herrn von Kleist betrifft, so stimnit die Regierung dem ersten Tbeil deffelben vollkommen bei; was den zweiten Theil de«. selben, die Nichlbewilligung deS Extraordinarium« an- langt, so sieht die Regierung den Beschluß de« Abgeord- netenbauseS so an, daß das HanS das Haupt-Exlraordi- narium in die Kategorie der EtatS-Ueberschreitungen hat setzen wollen. In diesem Sinne kann die Regierung eine Verletzuiig der Verfassung nicht erblicken, hält sich auch nicht für berufen, wenn sie einen solchen Vorwurf aus- zusprechen hätte, dies hier zu lhun. Die Regierung hielt es für geboten, den Konflikt zu beenden. Da« verfassungs- mäßige Leben kann nicht mathematisch beurtheilt werden, Durch da« schwarze Land Gellt der Schrei der Roth! Und die Wittwe weint, Und die Waise klagt, Und über dem Sohne Die Mutter zagt! Und die Braut starrt stumm: Ein Erschlag'nei ist. Der unter der Mistel Sie einst geküßt! Heuer kein Jul Für da« Schwarze Land! Sein WeihnachtSfeuer Ist Minenbrandl O du tapfre Schaar, Die das Fest uns erhellt, Wie hat uns dein Sterben Da« Fest vergällt! E« trauert die Stadt. Es trauert da« Land,— Wir trauern, die Deutschen Aus Britenstrand! Wir schürren die Kohlen, Wir öffnen die Hand Für die Witlwen, die Waisen, M Im Schwarzen Land! Ferdinand Freiligrath. Abends untersuchten zwei Ingenieure den Schacht jeder, nahmen aber kcin Lebenszeichen wahr. Die Thei' lähme an der furchtbaren Katastrophe, da« Mitleid mit den armen Hinterbliebenen ist im ganzen Lande rege; die Königin bat fchoa eine Unteistütznng von 200 Pfd. St. nach BarnSlep gesandt, der Lordmajvr von Lo-adon schon einen Ausruf erlassen, der nicht wirkungslos r erballt ist." -„London, 19. Decbr. Mir einiger Ger ißheil läßt sich jetzt eine der furchtbare» Explosionen in. den nork- enqlischen Kohlenbergwerken auf ihren Ursp rung zurück; führen. Unier den Leichen, welche in de r Grube bei Hanlev anfgesunden worden sind, war auch diejenige eines Hufschmied«, der am Morgen de« v-.-rhänginßvollen Tages in den Schacht hinabgestiegen wa c, um Pferde zu beschlagen. Er lag in einem Stollen, den Kopf zer« schmettert, neben ihm seine Lampe, die kleine und doch so schreckliche Ursache der Katastrophe. Nachdem er sein Geschäft bei den Pferden abgelhan, i'st er wahrscheinlich au« Neugier in die Stollen hinein gegangen, so daß seine nackte Lampe die Enlzündmig de« angesammelten schlagenden Welters und die gewall ige Explosion, welche 85 Menschen da« Leben kostete, her beigefübrt haben wird. E« verbreitet sich noch kein Licht d arüber, wo die Schuld an dem noch ungleich größeren U'«glück in der Grasschast Bork zu suchen ist. Dort, in de.» Grube bei BarnSlep, sind in den letzten Tagen mehre re neue Explosionen vor» gekommen und aus dem eine n noch offenen Schacht« steigen verpestende Gase auf,>-ährend der Kuppel� fast zugeschüttet ist."