Ur. 89. Berlin, Sonntag, den 1. August 1869. lung » Uhr� p 41. ttUlll» » Uhr Elke« Fünfter Jahrgang Social- diele Zetta»,«lcheiut drei Mal«Lchentlich mld iw«: Dienkaa», Douuerstag» und »«wabendi Abend». Organ der social-demokratischen Partei. Redaction und Expedition! Berlin, Gitschlnerstraße 17. �-»«ement». Prei« sür«erlin wel. Brwgerlohu:»ierteljilhrlich lö Sgr., monat- I»estellunfttu werden anSwiirt« bei allen Postllmteru, in Berlin in der Expedition, »ch 5 Sgr., einzelne Nummern I Sgr.; bei den PostUmtern in Preußen 15 Sgr., i sowie bei jedem soliden Spediteur entgegen geusnuntn. Konat fil. anßerprenßischen Postimtern in Deutschland 12Vi Sgr.,(44«renzer � Inserate(in der Erpeditiou oufzugebeu) werden pro dreigespalteue Petit-Zeile bei Arbeiter« dcii ci? WIthr.) si«nuvuceu mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 2 sgr. berechnet. Agentur für England, di« Tolonien, Amerika, Thiua und Japan Ar. A. Daensing 8 Little-Newport-Streat, Loicetter-Square. W. C. London, n 2ln die Arbeiter Oesterreichs! Brüder! Auch Ihr werdet auf dem vom 7. August ab in ,.-ttlEisenach tagenden Congresie durch Abgeordnete ver« � � treten sein. Wir heißen dieselben im Voraus herzlich �" �»willkommen in der Ueberzeugung, daß es durch gegen- 1�0. scit'gen Austausch der Ansichten gelingen wird, unS über die Grundlage zu verständigen, auf welcher ein leschloi�gemeinsameS Vordringen zu dem gemeinsamen Ziele g de» Möglich sein wird. WaS unS bis jetzt scheinbar ge- i S. ochrennt hat, daS war nicht eine Verschiedenheit unserer eiderseitigen principiellen Bestrebungen, denn Ihr vollt. wie wir, in politischer Beziehung den einheiL w-rrflß�w!- e"r-- (üeho? .,— t.....•»""V"- dlichen, vollständig freien VolkSstaat und aus socialem -i" �Gebiete den vollen Ertrag der Arbeit für den, der die Arbeit leistet; eS war auch nicht die Verschieden- .,,«theit der Form, unter welcher Ihr und wir daS gleiche "»'Miel anstrebten;— nein, es war die reactio« � Mitg näre Gesetzgebung, welche Euch verhinderte, »' Afkitglieder eines im„Auslande" bestehen- ?en Vereines zu werden, und unS, mit an- zeren politischen Bereinen in Verbindung M je« UxUu- Aus Beseitigung dieser Gesetzgebung muß n uiiinit allem Nachdruck hingewirkt werden. Aber eS ist n jüngster Zeit die Gefahr heraufbeschworen, uns iren si>r irincipiell, und zwar für immer, zu entzweien. Es ür S�t unsere Pflicht, Euch auf diese Gefahr aufmerksam nn �n machen. Arbeiter Oesterreichs, namentlich Ihr, >.'�'Mitglieder des Arbeiter-BildungS-VereinS in Wien! f�I�hr habt vom Anbeginn der Arbeiterbewegung in Oester- eich das Banner Lasialle'S hoch und in Ehren gehalten; Zereiüan hat e« versucht, eö Euch hcimtück. scher Weise zu n g ntwinden, um eS zu besudeln, Euch selbst aber an Uhr,»<>S„liberale Bllrgerthum" zu verrathen. Schon am markt. März 1865 hat Herr Licbnech» in der„Ber- �lner Reform" eine Erklärung veröffentlicht, nack rtmaH�lcher er gegen die„sogenannte Lassallt'sche ehre nicht« Wesentliches einzuwenden hatte, da die« terse�lb« ja nur der Abglanz der seit langen 'ahren von ihm und Anderen verfochtencn � xlh�r incipien sei,"— in welcher er aber„die.Tak- sk Lassalle'« auf das Entschiedenste ver- /lmmte." Demgemäß hat Herr Liebknecht aueb ! r, OK. w.—• --------- 7--- 1' v I I � 7 Vtiiiytuiuy ltte Herr Liebknecht die schamlose Stirn Euch zu ...'�,»»»0»>ä«uu/ flu ,g°u.' daß' nicht"di? Anhänger der Selbsthlllfe die s— ü-iigner der social-demvkratischen Arbeiterpartei seien, r zur-ndern„jene Lassalleaner, welche nicht ver- imähen. aus den Händen des Herrn Bis- arck da« Gnadenbrod der Staatshülfe an- "g-'"lnehr. en."— Bruder in Oesterreich! Wir grämen ™n nicht über die absurde Beleidigung, welche un« ( �ujügte, von dem wir eS flewoynt sind, "�Iß er auS selbstsüchtigen Zwecken unsere Bestrebungen, ! offen und klar vor aller Welt Augen vor sud che« ifyn, von Anfang an zu durchkreuzen und zu ver- iln versucht; aber was wir ihm nicht verzeihen, ]A ist die absichtliche Lüge, welche er ver- r an Pen genug war, Euch aufzutischen;— waS ! nutU ihm nicht verzühen, daS ist der Versuch, Euch . BUL die Bourgeoisie zu verrathen, indem er da« ,„.,toi�ürgerministerium" glorificirte, welche« ein reactio- ückelfb t«.BereinSgesetz ausrecht erhält und Euren Be- bungen mehrfach feindlich entgegengetreten ist,— - n ferner behauptete, eS gebe der AnkaUpfungS- chlt genug, welche geeignet erscheinen, eine Ver- nicht,'Jtdigung zwischen der VollSpartei und ,, amAl Bürgermiuistcrium anzubahnen.— ästifl* j®ch0n jubelt die BourgeoiS-Preffe:„Die Ar- mdea�.terschast Wien« beginnt in ein richtiges ...chrwafser einzulenken", dieselbe Preffe. welche l��December 1867 eS„im Jntereffe der Arbeiter selbst(?) tief bedauerte, wenn sie eine Richtung einschlagen würden, welche durch eine lachende Flur verführerischer Phrasen in die Wüste der Täuschungen führt",— welche damals die Mahnung an das Bürgerthum ergehen ließ,„sich aufzuraffen, nicht zum Kampfe gegen die Arbeiter, sondern zu einem nachdrücklichen, befruchten den Eingreisen in die Bewegung",— dieselbe Preffe, welche jetzt darüber frohlockt, daß Herr Liebknecht den Arbeitern eine dem Bürger- thum feindselige Haltung abgerathen habe." — Nun, Arbeiter Oesterreichs, diese Vorgänge muffen und werden Euch die Augen öffnen über die wahren Absichten eines Mannes, von dem wir längst überzeugt waren, daß er zu selbstsüchtigen Zwecken der Arbeiterbewegung in Deutschland stets hindernd in den Weg getreten ist. Könntet Ihr noch Zweifel darüber hegen, dann müßten sie schwinden vor zwei Thatsachen: In Leipzig, dem Wohnorte dcS Herrn Liebknecht und seines Freundes Bebel, der erweislich vom Ex- Könige von Hannover eine Besoldung von 600 Thlrn bezieht, haben große Arbeiter-Versammlungen wie- verholt beschloffen, daß di-jelben in Arbeitcr-Ber sammlungen nie mehr zugelaffen werden sollen.— In Berlin, dem Wohnsitze Schweitzers, schlagen die fem Zehntausende von Arbeiterherzen vertrauensvoll entgegen, weil die Arbeiter überzeugt sind, daß die Parteileitung nicht in befferen Händen sein könne, daß vielmehr alle Verdächtigungen deS Man- neS, der um der Sache willen, die er vertritt, gegen- wältig wieder eine mehrmonatliche Freiheitsstrafe duldet, nichts anderes sind, als eitel Dunst und leere« Geschwätz. Nochmals, Arbeiter Oesterreichs, heiße ich im Namen Hunderttausender Eurer Brüder im übrigen Deutschland Eure Abgeordneten zum Congreß herz- lich willkommen in der festen Zuversicht, daß sie ohne Vorurtheil die dargebotene Bruderhand annehmen und mit uns der Wahrheit zum Siege verhelfen werden. Es lebe Lassalle! Es lebe die universelle Social-Demokratie! Es lebe das gesammte einige und freie Deutschland! Mit social-demokratischem Gruße: Im Namen des Allg. deutsch. Arb-Vereins und des Allg. deutsch. Arbciterschafts-VerbandeS C. W. Tölcke, Sccietair. Berlin, 31. Juli 1869. Politischer Theil. Berlin, 31. Juli. II. Die Bourgeoisie Oesterreichs machte schon beim ersten Auftreten der Arbeiterbewegung in Wien am Ende des Jahres 1867 den Versuch, dieselbe in ihre Gewalt zu bekommen. Damals sollte Schulze- Delitzsch dazu dienen, um den zur Herrschaft gelangten Bourgeois, welche die Arbeiterclaffe wie das Feuer scheuten, dieselbe ins Schlepptau zu führen. Aber vergebens war das Jntriguiren. Die Arbeiter stießen verächtlich die Apostel der Selbsthülfe zurück und er- hoben zum Schreck und Entsetzen der gesammten Krämer- und Ausbeuterbande die Fahne Lassalles; und bald sahen die radicalen und liberalen Bourgeois ein, daß die wahre Demokratie, die Social-Demokratie, erstanden sei und sie selbst zur großen reaktionären Masse gehörten. Ein neues Mittel mußte also ge- sucht werden, um die Arbeiter zu beschwindeln. Bei Gelegenheit des Schützenfestes zu Wien, der wider- lichen Bourgeoisorgie, wohinein die sociale Frage so grell durch den Strikc der betrogenen Kellner klang, sammelte sich eine große Anzahl Bourgeois-Demokraten, söge- nannte VolkSparteiler. Von ihnen wurde zum zweiten Mal der Versuch gemacht, in großer Versammlung — im„Sperl"— die Arbeiter zu ködern. Die er- bitterte Stimmung deS Wiener Volks gegen die Re- aktionäre Preußens sollte dazu dienen, sie zu einem Programm zu bewegen, welches mit Hintansetzung der socialen Frage ein vereintes Vorgehen mit der Bour- geoisie auf politischem Gebiet verlangte. Die Arbeiter aber standen fest; sie protestirten energisch gegen jede Gemeinschaft mit ihren Ausbeutern und schrieben dann, zum Entsetzen der radicalen Bourgeois, welche den alten Bundestag mit etwas freiheitlichen Anhäng- seln iu ihrem Programm erstrebten, und zum Aerger der österreichischen„Bürgerminifteriellen" auf ihre Fahne:„Jnlernationaler Kamps deS gesammten Proletariats gegen jede Reaktion, gegen die gesammte Capilalistenklaffe." Die demokratischen Bourgeois zogen beschämt nach Hause; ihre reaktionären Klaffen- genoffen aber, welche die Gewalt an der Donau in Händen haben, gingen alsbald mit Verfolgunzen gegen die social-demokratischen Arbeiter vor. Proceffe waren an der TageSotdnung; die Kerker füllten sich mit Ar- bcitern, und doch war alles dies vergeblich. Der Klaffengeist hatte die Arbeitermaffen ergriffen, und vpn Stadt zu Stadt, von Torf zu Dorf, von Fabrik zu Fabrik trugen sie daS Banner Laffalle'S.— Die Bourgeois befanden sich jetzt im vollen Klassenkampfe mit dem Proletariat; sie zitterten, denn sie wußten wohl, daß Tharkraft, daß Schlagferligkeit und Opfer» Willigkeit nur auf Seite der Unterdrückten zu finden sei. Da Gewalt nicht anschlug, so mußte ein letzter Versuch gemacht werde», um sie zu ködern, um sie „hinter das Bürgerministerium" zu brin- gen. Hatte„Schulze'S Selbsthlllfe" Banquerolt ge- macht, hatte die„reine Demokratie" nicht anschlagen wollen, nun da war ja das Stichwort„Social-Demo- kratie" da, durch welches die Arteiter sich vielleicht anlocken ließen.— Rur darauf kam es an. einen Judas zu finden, der unter focialistischem Phrasen- geklingel: daS Programm der Social Demokratie: „Internationaler Kampf des Proletariats gegen alle Ausbeuterclaffen," durch ein Taschenspieler-Kunststück verschwinden.lassen konnte, und dafür dann etwa setzte:„Lösung der socialen Frage, Hand in Hand mit allen opferwilligen Bourgeois und Zerstörung Preußens unter Führung deS österreichischen Bllrger- ministeriums." War ein solcher Mann, ein so schäm- loser Verräther aber auch zu finden?— Ja, aber nicht unter den Arbeitern! Es war der Literat Liebknecht, der sich zu diesem Judasdienst hergab. Er besaß die Stirn in, einer VolkS-Versammlung in der Zobel'schen Brauerei zu Wien„im Namen der deutschen Social-Demokraten" aufautrcten und die Lassalleaner in elenbester Weise zu verläumdcn, während es doch Thatsache ist, daß am Wohnort dcS Herrn Licbkneckit in Leipzig, derselbe laut Bestbluß der dortigen Arbeiter, seiner zweideutigen Haltung wegen, in keiner öffentlichen Arbeiter- Versammlung mehr erscheinen darf; während es Thatsache ist, daß er seit einem Vierteljahr in keiner einzigen großen Volks- Versammlung in ganz Deutschland sich hat blicken lassen dürfen! Wahrlich man hat die Wiener Arbeiter auf« chändliwste betrogen!— Als wir in voriger Nummer des„Social- Demokrat" die erste Notiz über Liebknechts Auftreten in Wien brachten, hielten wir eS selbst für unmöglich, daß er so offen für die Bourgeoisregierung hätte auftreten können, wie e« wirklich der Fall gewesen ist.— Wir wollen daher nochmals unsern Lesern über jene Vorgänge berichten, und zwar nach zwei Hauptorganen der Volkspartci, dem„Frankfurter Journal", dessen Mitarbeiter Lieb- knecht ist. und der„Neuen freien Presse" in Wien, dem L-iborgan der dortigen Bourgeoisie, welche, bis- her echt Schulzeanisch, jetzt einen Lobgesang auf Lieb- knecht anstimmt. Es kann somit kein Zweifel sein, daß jene Berichte wahrheitsgetreu sind. Der Bericht des„Franks. Journ/' beginnt, wie folgt: Herr Liebknecht betritt als erster Redner die Tribüne, von stürmischen Hochrufen empfangen.„Arbeiter Wiens", begann er,„ich bin stolz auf Ihren Empfang und fühle mich glücklich in Ihrer Mitte; ich überbringe Ihnen den Gruß der deutschen Socialdemokraten, die gleich mir nnt Freude die österreichische Arbeiterbewegung verfolgen, die seit anderthalb Jahren mcteorgleich hier ausgestiegen und ihren Glanz nach Deutschland hinüberwarf." Nach diesem unverschämten Taschenspielerkunsistück, wodurch Herr Liebknecht, der aus allen Arbeitcrver- sammluugen Verbannte, sich ein Mandktt der deutschen Social-Demokraten anmaßte, hielt er einen Vortrag über Lasialle, den Allg. deutsch. Arb.-Verein, die schwankende Haltung des„Social- Demokrat",— die natürlich blos in seinem Gehirn existirt— u. f. w. Leider sind die Berichte der Zeitungen über diesen Theil der Rede so bruchstückweis, daß es uns absolut unmöglich ist, daraus zu ersehen, was Liebknecht Alles zur Verleumdung unserer Parti vorgebracht hat. Vielleicht ist dies absichtlich so unklar gebracht, damit die Lügen von uns nicht enthüllt werden können. Nur ein Ausspruch Liebknechts ist deutlich wiederge- geben. Das„Franks. Journ." giebt ihn, wie folgt: Diese Zersplitterung laste sich namentlich aus den Um» stand zurückführen, daß Herr v. Schweitzer die sociale Frage lösen wolle, ohne die politische zu berüh- ren, während in der That die eine mit der anderen auf das Innigste zusammenhängt, v. Schweitzer aber suchte der Lösung der politischen Frage aus dem Wege zu gehen, weil er sich bereits in den Bansen des„Bismarckismus" gefan- gen sah. Wir stehen nicht an, zu erklären: daß dieser Ausspruch Liebknechts eine schamlose Lüge und ein Versuch ist, die Arbeiter Oester» reichS und Preußens durch Betrug zu zer» splittern, und daß wir gewillt sind, Herrn Liebknecht dafür in Eisenach zur Rechen schaft zu ziehen.— Stets und ständig hat, wie die ganze übrige Arbeiterpartei, auch Dr. v. Schweitzer für die politische Freiheit gegen preußische und jedwede andere Reaktion gekämpft. Oder versteht Herr Liebknecht vielleicht unter den„Banden des Bis» marckismus", in denen sich Schweitzer befinden soll, daß dieser gegenwärtig für die Sache der Social- Demokratie in einem preußischen Gefängniß schmachtet, daß Schweitzer innerhalb dreier Jahre zu mindestens achtzehn Monat Strafe wegen politischer Vergehen von preußischen Gerichten verurtheilt ist? — Die MaSke herunter, Herr Liebknecht! Sie haben die Wiener Arbeiter belogen!— Und nun soll gar Dr. v. Schweitzer die sociale Frage ohne die poli- tische lösen wollen! Elender Verläumder! Weisen Sie uns einen Ausspruch Schweitzers aus, in dem dies enthalten ist; es wird Ihnen unmöglich sein. Aber wir, wir werden Ihnen nachweisen durch fünf Jahrgänge des„Social-Demckrat", daß Schweitzer immerdar erklärt hat, eine getrennte Lösung der poli- tischen und socialen Frage sei absolut unmöglich, nur im freien Volksstaat sei die Lösung der socialen Frage möglich. Dock eS ist ja bekannt, Herr Lieb- knecht, daß Sie uns stets die Worte im Munde ver- drehen. Nun, sehen wir unS noch einige andere Glanzpunkte Ihrer Rede an. Die„N. fr. Presse" schreibt, Sie hätten erklärt: Im Frühjahr dieses Jahres fand die Geueralversamm- lung des Allg. deutsch. Arb.-Vereins in Elberfeld statt. Ich versprach, Herrn Schweitzer zu beweisen, daß er für die preußische Regierung arbeite. Schweitzer wagte nicht, den Kampf auszunehmen. Die Mitglieder de« Allg. deutsch. Arb.-Vereins hatten sich überzeugt, daß Schweitzer nur Theater-Kunststücke zum Besten gab. ES ist wunderbar, wie die Wahrheit verdreht werden kann. Dr. v. Schweitzer soll nicht gewagt haben, den Kampf mit Liebknecht aufzunehmen! Und doch ist es ja Thatsachc, daß Liebknecht und Bebel die Er- laubniß erhielten, in Schweitzers Gegenwart ihre An- klagen gegen diesen zu richten, und daß. nachdem sie geendet, die Generalversammlung, ohne eine Antwort Schweitzers zu erwarten, ihm einfach ein Ver- trauensvotum ertheilte. Also wieder gelogen, Herr Liebknecht. Die„N. Fr. Presse" berichtet weiter: Auf den Stand der Mitgliederzahl der social-demokrati- scheu Partei übergehend, sagt Liebknecht, daß die Partei ungefähr 10— 12,00) Mitglieder in Deutschland zählt, dazu 5— 6000 Mitglieder des ausgelösten Allg. deutsch. Arb.» Vereins, die sich von Schweitzer lossagten; dann 2— 3000 Schweizer Arbeiter und die Arbeiter von Wien und Oesterreich. Die Wiener Arbeiter werden sich gewiß etwas wundern, wenn sie den wahren Sachverhalt ver- nehmen. Es ist nämlich Thatsache, daß schon im September 1868 an 142,000 Social-Demokraten auf dem Arbeitercongreß zu Berlin vertreten waren. Der Allg. deutsch. Arb.-Verein zählt jetzt 20— 24,000 Mitglieder, der Allg. deutsch. Arbeiterschaftsverband 50—60,000.— Die fünf sodal-demokraiischen Wahlkreise ergaben ungefähr 9000, 7000, 6000, 5000 und 3500 Stimmen, also über 30,000 Parteigenosien, die über 25 Jahr alt sind. Gegenwärtig ist die Ar- beiterpartei Uber eine halbe Million stark. Dann sind endlich nicht 5— 6000 Mitglieder des Allg. deutsch. Arb.-Vereins abgefallen, sondern höchstens 300.— Dies wiederum zum Beweis, wie genau Herr Liebknecht eS mit der Wahrheit nimmt.— Doch genug davon. ES kann unS gleichgültig sein, wenn ein Liebknecht uns verleumdet und beschimpft; nicht gleichgültig ist es uns aber, wenn die österreichische Bourgeoisie durch ihr Werkzeug, Liebknecht, die social- demokratischen Arbeiter ins Scklepptau zu nehmen sucht. Zum Schluß seiner Rede rückte Liebknecht nämlich mit seinen geheimen Plänen heraus. Die „N. fr. Presse" schreibt hierüber: Liebknecht weist auf die Schweiz, Amerika hin, wo die Freiheit den Nationalitäten-Hader gctödtct. D ies Priuci? habe Minister Beust erkannt und in den Worten aus- gesprochen, er wolle aus Oesterreich eine monarchische Eidgenossenschaft machen. Wie früher der AbsolutiS- mns ohne System, herrsche jetzt in Oesterreich der LiberaliS» mus ohne System. Das heutige Oesterreich muß voran- gehen auf dem Wege der Freiheit, jeder Fehltritt trägt es in den Abgrund.„Freiheit oder Tod" muß die von der Nothwendigkeit aufgezwungene Devise dieses Ministerium fein. Die Lösung der Arbeiterfrage auf refor- motorischem Wege Haud in Hand mit der Bour- geoisie wäre keine Unmöglichkeit, wenn die Besitzer der Macht es über sich bringen würden, auf ihr vortheil- bringendes Aarecht zn verzichten. lieber eine ähnliche Stelle in Liebknechts Rede be- richtet das„Fr. Journ.": Nachdem Tauscher versucht hatte, das alte Feld» ge schrei:„Hie Schulze! Hie. Lassalle!" wieder auf die Tagesordnung zu setzen, beschwor Liebknecht die Ver- sammlung, daß sie die Tobten ruhen lasseu möge. Nicht die Anhänger der Sclbsthülfe seien die Gegner der social-demokratijchcn Arbeiterpartei, sondern jene Lassal- lcaner, welche nicht verschmähen, aus den Händen des Herrn v. Bismarck da« Guadenbrod der Staatshülse anzu- nehmen!(Bravo! Bravo!) Gegen Preußen allein müsse der Kamvf der social-demokratischen Partei gerichtet sein und gegen die„Eitadclle der Knechtschaft", gegen Berlin, wo end- lich der große Prineipienkamps zur Austragung kommen werde. Man habe m Oesterreich eine Regierung, welche aufgeräumt hat init detnjrltcit Feudalwesen, der Pfaffen- wirthschast und dein alten Schlendrian in Kirche und Schule, und es gebe der Anknüpfungspunkte genug, welch- geeiguet erschienen, eine Verständigung zwischen der Volkspartei und dem Bürgermiuistcrium anzu- b a h u e n. So sprach Herr Liebknecht der große Demokrat! Er verdächtigte die Lassallener der Reaktion!" Er beschwor die Versammlung,„Lassalle, den Tobten, ruhen zu lassen! Er verlangte, daß die Lösung der Arbeitersrage durch Bourgeoisie und Proletariat ge- meinsam in die Hand genommen werde, und als Schutzpatron wies er auf den Minister hin, der aus Oesterreich eine„monarchische Eidgenossenschaft" machen wolle! Nun wenn die Wiener jetzt nicht merken, in was für saubere Haade sie gefallen sind, dann würden sie den Namen Social-Demokraten mit Unrecht führen, dann müßte man sie die Leibgardisteu der Bourgeoisie und die' Diener des Ministeriums heißen!— Aber wir wissen es bestimmt: die Wiener Arbeiter, welche den Verlockungen der Bour- geoisie zweimal so energisch Widerstand geleistet haben, sie werden auch diesmal den Verräther entlarven. Liebknecht mag sich in Acht nehmen. Die Wiener haben es 1843 gezeigt, wi« sie mit den Ver» rälhern umzuspringen wissen. Wie verhält sich aber nun die Wiener Bourgeoisie zu Liebknecht? Was schreibt ihr Leiborgan die„Neue freie Presse"? Lobt sie ihn?— Dann ist es ja offenkundig, daß Liebknecht in ihrem Interesse arbeitet- Hören wir! Als Ende des JahreS 1867 die Arbeiter Wiens Lassalles Fahne erhoben, da wollte jene Zeitung Schulze-Delitzsch hoch halten. Sie brachte sofort einen Artikel, in dem sie LassalleS Prinoip schmähte. Wir entnehmen demselben Folgendes: Wien, 19. Dezember. Mit der neuen Verfassung tritt gleichzeitig eine neue Bewegung an unS heran, welche uns bisher fremd war, die uns zwar seit Jahren an unseren Grenzen gewaltig umrauschte, die wir aber dennoch wie etwas unS gauz Ferneliegendes betrachteten. Der Bürger war ja so sehr in den Bauden einer bevormundenden Gewalt befangen, er selbst hatte noch mit den höheren ihm übergeordneten Ge- scllschaftsmächten einen so schwierigen Kampf zu kämpfe», an dessen Erfolg bi» vor kurzer Zeit mehr als gezweifelt wurde, daß man sich nicht dem Glauben hingeben konnte, der Kampf zwischen dem Arbeiterstande und dem Bürgerthum werde sich so rasch und zu einer Zeit ein- finden, wo das letztere selbst noch kaum zu Einfluß und Geltung gelangt ist, wo es eben erst im Begriffe steht, die Zügel der Regierung zu ergreisen.... Die Arbeiter haben sich zur Gründung eines Arbeiter- bildungs Vereines znsammengethan. DaS ist gut. Zahl- reiche Wortführer derselben haben sich bei der eonstituiren- den Versammlung wegwerfend über da« System wirth- schaftlicher Selbsthlllfe im Sinne Schulze'» ge- äußert und dem Systeme Laslalle'« Lobeshymnen(je- fprocheu, indem sie gleichzeitig Miene machten, dem Vereine dasselbe als sein in i.ao signo vinoes*) Oor}iijeid)neu. Das ist minder gut. Das sociale System Lassalle's ist nir- gend» gut, weil es auf einer ganz falschen Grundlage beruht; aber in Oesterreich ist der LassallianismuS am allerwenigsten gut. Bei uns ist ja seit Jahrhnndnten der Trieb der Selbstthätigkcit ertödtet, der Staat hat Alles unter seine Fittige genommen, um es zu erdrücken, ivenn es ihm schädlich schien, um eS zu pflegen und seine eigene Allmacht zu nähren, wenn es ihm unbedenklich schien. Dadurch ist der Geist der Selbsthülfe geradezu aus dem österreichischen Gedankenkreise verbannt geblieben; der Geist der Sorglosig- *) In diesem Zeichen lvirst Du siezeu. keit, der Verschwendung und Verschleuderung hat sich eiitf nistet und der Staat war unter allen Umständeu der 141. 0 Zufluchtsort. Die Bethätigung des Grundsatzes„Arbeiir und Sparen", welcher allein Individuen und Staaten t('V' gemacht, war in Oesterreich nie beliebt; auf dem bette der leichten Gewinne ohne Arbeit und des GeuM I->"gt haben wir es uns gerne gut geschehen lassen. Und wft<'01 wo die freie Organisirung des Staates auch die Kräfte � sel Arbeiter zur Eutwickelung aufruft, da hören wir m � verächtlich von dem Sparprinzipe sprechen, da? nichts en di da der Arbeiter nichts zu sparen habe, da hören wir � Selbsthülse als etwas Uubranchbares aus dem Stiebet«�1'?l'"( der Arbeiter ausschließen, da hären wir als die erste'hre des sreigewordcuen Arbeiters da» Jagen uach der glilOsilden, zenden verlockenden S taatshülfe,'' das Ren»' nach den Irrlichtern des leichten Gewinnes fremde Unkosten preisen! Ist das uicht ganz&«• Oesterreich, das wir begraben ivollen, das Oesterreich>7.. T®"1 verlotterten Unwirlhschaft, da» Oesterreich de« Verzichte«" f. en!1 die Eigenhlllfe»nd de« Pochens auf den-llmächtii'! Staat? Das erschreckt uns. Nicht das rothe Gespenst*■, Commnuismus, das man sofort au« jener Sewt(jlrm. hecausglotzen sieht, nicht der Gegensatz zn dem Bürgerth� f den man nicht ganz mit Recht in jene Bewegung hi«�.- legt, ist eS, was uns mit Bedenken erfüllt, fouderu die" �"'"8 klagenSwerthe Thatsache, daß dort, wo in Oesterreich sich',.'ss1. Streben ansthut, es sofort mit Aplomb in die Richtung t«chßülUi Unwirthschast hineiugeräth und ans fremde Kosteu statt f»'ch' w eigene zehren will. jjeche.t Und das ist es, warum wir die Arbeiterbe>» a 5": gung, so schlltzenSwerlh sie an und für sich als' Eutwickelung ist, nicht mit jener Freudigkeit � grüßen, welche wir ihr gerne entgegenbrächt' Neben einigen guten, zum Theile vortrefflichen Strebepuo!" Ji1"6 haben sich einige grundfalsche Ziele aufgkthan...■"'"Sp Hiernach suchte die„N. fr. Presse" zu beweist...°«! die Forderungen der Arbeiter seien: Abschaffung jL- Feiertage— dies sei gut(natürlich weil im Jntelsti Arbeite der Fabrikanten)— dann Coalitionsrecht— �ugherzjgk, sei„Einstoßen einer offenen Thür", d r dasselbe s»ch und von selbst gegeben werde— drittens Lassalle's Fochtwickelt h rungen, allgemeines Wahlrecht, Staatshülse»c. st"'" auf dieö sei Unsinn. Dann m';r sie fort: Q Also Lassalle, der- todle Lassalle, gefallen nicht im x-r für seine Idee, sondern erschossen im Streite um leit*®11 schaftliche Liebe, hält in Oesterreich seinen festlichen Eißf..„'..!' er ist der Patron, dem die Arbeiter ihr Fahrzeug a«' trauen!...... le 9 Wir müßten eS daher im Jutereffe der Arbeiter tief bedauern, wenn sie eine Richtung duschlaT�'"p. würden, welche durch eine lachende Flur vers»,®.'i rerischcr Phrasen in die Wüste der Täusch»»� Aber eine Mahnung ergeht a» da» B llr g er I h.u M'.»rdeu�im� aufzuraffen, nicht zum Kampfe gegen den Arbeiter,!* ,,"" dcrn zn einem nachdrücklichen, befruchtenden»LO., greisen in die Bewegung. Bleibt e» an dem Kosttisch seiner spießbürgerlichen Ideen behäbig sttzeu," kann allerdings die Arbeiterbewegung eine Bedeutung.' langen, welche sie aus sich selbst heraus nach der ihrer treibenden Idee nie beanspruchen kann. Jm �. Nun, es wird jedem Social-Demokraten klar> sendet. was er von dem damaligen Wulhgeheul der„N-,' Wiener Presse" zu halten hat. Wir wollen nur noch er»L- j,era neu, daß der„Social-Demokrat" unter Beifalls,.. Wiener Arbeiter damals schrieb: tr.daebnn Die Arbeiter werden, denken wir, diese„Mahnung da« Bürgerthum" zu einem„nachdrückliche», befruchM�.?! Eingreifen in die Bewegung", d. h. zn einer, wenn'«?°e thut, wohl auch mit dein Geldbeutel zu accompaguiri�ty finst Propaganda für die„Selbsthlllfe" zu verstehen ufläwalS hi wllrdigen wissen. ir ihn je Sie werden sich„selbst helfen" und jedes„Eingr»e Liebkne der Bourgeoisie mit Entschiedenheit zurückweisen. Jen lasse Die„N. fr. Presse" machte damals mit leinen Wc Artikel elend Fiaöko. Und seitdem verfolgte sstmüedete i scldstständige Arbeileibewegung stets mit gifli#r dies tl Haß. Jetzt aber. Arbeiter WienS hört und si"? Co lar Jetzt bringt das Euch so feindlich gesinnte Leibih, der Bourgeoisie einen Leitartikel, der mit den Waging sein beginnt: � ups kämt Die Arberterschaft Wiens beginnt in p eg richtigere» Fahrwasser einzulenken. l«stetn cie Und gleich darauf erfährt man, dies sei gescki�avjxs" seit der Abgeordnete zum Norddeutschen Reich�,,. 1 I Liebknecht, unter Zustimmung der Wiener Arbeiter. � Soclalismu« von bem Gängelbaode der sendaleu Parlet.stH'"® s insbesondere von der Bismarck'schen Obervormundschast)?n'nd losgelöst und überhaupt den Arbeitern eine wer Bürgerthume feindselige Haltung abgeratheuveiterstar Der Artikel bringt dann die gewöhnlichen dann dächtigungen gegen Schweitzer und seine Parteigcüss der und schließt folgendermaßen: mehr a! Nichtsdestoweniger können die Arbeiter Wien« v"nso gut der öffentlichen Meinung gewinnen, �wenn die am vcrßf-Kamp neu Sonntag eingeleitete Richtung Stetigkeit erlangt,«s Unj haben sich sehr geschadet, als sie sich im verflossenen tet statt sich dem großdeutsch- d-mokralischen Programme ssijt.,«, schließen, als„.Nur-Europäer" erklärten. Sie hatte">> ue den Spott nicht zu sorgen, weil sie den Schaden ihrer.7�- Zt neu Unklarheit tragen mußten. Wenn sie jetzt sich afk»« hat Nebelschleiern de« Neu-Europäerthum» herausfinden uwvn einei eine gesunde nationale Basis stellen, werden sie eine �ptzugmi Stelliwg erringen. Denn auf der ganzen socialistu'ä>e>t denken wegung ruhte bisher der Verdacht, daß sie eine künfll�tner Arb machte und von Bismarck bezahlte sei. Es ist e'M ftnb � Erfahrungsf-Y, daß sich in jede Agitation leicht, f einschieben, die nicht viel reiner sind, als die Nonne» o"- bei ihrer Entdeckung in der Cloakenstnbe. �Kaivv Wenn n»n die Arbeiter den Verdacht, bloße fremder Jntrignen zu fem, durch ihre Haltung 3� TT dann muß naturgemäß ihre Lage eine entschieden g»"'?™ l - . JKtbcn. Mindestsn« wird das Mißtraurn, welches jetzt in Bürgerschaft gegen die Arbeiter herrscht, zerstört und �Aufmerksamere Würdigung jener Forderungen, welche einen �jfcalen Boden haben, angebahnt werden. Ist aber dieses „.Abiimrauen gehoben, dann wird wohl eine der Zwischenwände „sjeistltigt sein, welche die Arbeiter von dem Bürgerthume, � nlj)- h. von demjenigen, was sie darunter verstehen, trennen. '( �Denn selbst mehr noch als de: wirkliche Jnteresicn-Gegensatz, in dem Gegensatze von Lohn und Arbeitsertrag gipfelt, � Leisten die Gefühle, Empfindungen, Verdächtignngcn eine Willst zwischen dem Arbeiter, und dem Bürgerthume auf. ?�A)ie Arbeiter werden sich dann dem Bürgerthume nähern �nd ihre Befriedigung, anstatt durch gehässige Befehdung '.ytffelben, in einer Verständigung mit- demselben suchen. �/Zenn die Arbeiter den Satz, daß sie durch ihre Feindschaft e(i5iber die Bürger-Regierung nur den Feudalen und Ultra- � viontanen in die Hände arbeiten, beherzigen, dann werden 'Ia wohl mehr für die Verbesserung ihrer Lage erreichen, wenn sie an der Uinkehrung der auf die Verfassung , ijjOsltUu freiheitlichen Verhältnisse arbeiten. zzgjr haben stets daraus Gewicht gelegt, daß das Bürger- 'Ztjum nicht engherzig fei, daß es nicht jetzt, wo es zum Be- "'Ätze der Macht gelangt ist, sich gegen den Arbeiterstand �.'jtwa ebenso epclusiv verhalte, wie früher der Adel gegeu "Jl�aS Bürgerthum. Denn es ist ja ganz erklärlich, daß nicht iL flo« dem Ardeiter, nein, jedem Staatsbürger eine Freiheil irfeiäwilltia ift. die ihm teUift s-in» '. �------ r....... v VlilV mig»'"chüültiz ist, die ihm selbst keine Vortheile bringt, an der f'"cht permöge seines eigmen Interesses theilnimmt tat, Die cbe �,......—a----- v..,v..||vv uiheit ist wohl einerseits Selbstzweck, aber auch andererseits iittcl zum Zweck. In der erstere« Richtung ist die Frei- �it ein ideales Gut, das zu schätzen nicht Jedermanns �'fache ist; in der zweiten Richtung soll sie das Mittel sein, ■ x,äl einem besriedigeuden allgemeinen Zustande zu gelangen. �I»ud diese Seite weiß jeder Staatsbürger mit einem gesun- ":n Magen vollends zn würdigen. Diese Seile der Frei- ' Ljit darf also das herrschende Bürgerthum nicht vernach- ' Äßsten, und die« nmsoweniget, als es das ideale Moment iug-r Freiheit kaum angemessen würdigt. Nun wollen wir 'ntctf't Arbeiter aufmerksam machen, daß der Haß gegen die — dsirzherzigkeit des BourgeoisthumS sich wesentlich in Franl- >e I Eine großdeutsche, von jedem biSmärckischen Verdachte .ereinigt-, dem Bürgerthume nicht feindlich gegenüberstehende � Arbeiterschaft wird ein berechtigtes Element in unserer Ent- ''riieflung sein. Diese Arbeiterschaft wird Bedeutendes für '„ji« speziellen Interessen und ihr Wohlergehen erringen kön- � n. DaS ToalitiouSrecht, dieser wichtige Regulator der schnverhältnisse, wird ihnen gewährt werden, die Fabriken slslrdeu im Jntertsse der Arbeiter durch Juspektoren über- . ��slicht werden, die Arbeltszeit der Kinder wird eine Rege- '".„iMg erfahren. Kranken- und Jnvalidenkassen werden da? Wohlwollen der Gesetzgebung und der Administration mit {cht in Anspruch nehmen können, kurz, die Arbeiter wer- AuV vermöge ihres Selbstinteresse» an der Freiheit thcil- � zmen und begreifen lernen, daß-in freie« Bürger- Jim nach ihren speziellen Interessen seine Aufmerksamkeit ,-> V'ndet. | Wiener Arbeiter! E« tritt an Euch setzt die ernste sage heran, wollt Ihr den Kamps gegen Eure Aus- uler aufgeben? Klar und deutlich geht auS jener »ndgebung de« Organs der Bourgeoisie hervor, daß H ltr�echt in ihrem Interesse handelt. DaS sog. 'Wichtige Fahrwasser," cS istdasielbe, in das man ich einst durch Schulze-Delitzsch lenken wollte. „, ,«011101« hieltet Ihr fest an Lassalle's Princip; wollt kr ihn jetzt vcrralhen! Wollt Ihr ihn, den Todten, ingri�e Liebknecht gleißuerisch Euch beschwor, im Grabe . hen lassen! Wollt Ihr den Ruf nach dem allge- ,it leinen Wahlrecht, wollt Ihr die Waffen, die Laffalle te stt üudzxU in den Kvth werfen! Nimmermehr werdet gifttgex tzjxg thun! d stü So lange ein Arbeiterherz ingrimmig pocht unter Leib» Druck des Capjtals, so lange wird Laffalle die a W�juig sein, so lange wird der Arbeiter den Claffen- �Ps kämpfen gegen die Bourgeoisie. Welcher Wahn- in n ist paß nun jetzt trügerisch von gekauften gepredigt wird, ein goldenes Zeitalter, ein �'�adieseszustand solle erfolgen, in dem der hungernde beiter und der ihn ausbeutende Fabrikant sich in Vartest-ÄM fallen. Ist daS nickt Hohn! Und welch' idfäaL- unb wird angeführt? Die Reaktion soll be- ine P!' werden. Nun, wenn die Bourgeoisie mit dem thenDeiterstande vereint die politische Freiheit erkämpfen chcn tann"aä.st« kommen, aber deswegen zu fordern Ägewä der Arbeiier den socialen Kampf einstelle, mehr als lächerlich. Da kann der Arbeiterstand n,-puso gut verlangen, daß erst der Grund deS focia- x velt�Kampfes, die Au sbeutung der Arbeit, weg- n7n 2L-. Tt■ fÜt �ck!p«sen hält die Jl fr- nme Ifc;. be,m vor? CoalitionSrechl, Aufsicht sattes Fabriken, Regelung der Kinderarbeit, Kranken- Aum Lachen; das Fordern des Coalitions ch au!'� hat vor 1',- Iahren dieselbe Zeituna:..Ein h er» nfall euch m igni' » Ur.--7" /» oumtii mrieivt Zeitung:„Ein- � niii h!» einer offenen Thür" genannt, und jetzt soll es eine i'ltvtzugmittel sein, denn alles Uebrige ist Schwindel! istisch�r denken, daß trotz des Lockvogels Liebknecht, die iüustWner Arbeiter auf solchen Köder nicht anbeißen werden. �«M find überzeugt, daß der Klaffenkampf jener Arbeiter it!?�Tag zuTagavachfen wird; ja wir sind überzeugt, daß oni> und zwar allein, den Kampf gegen die Bourgeoisie, J Kamps für die politische Freiheit führen werden. -crf* ijat das so unfreiheitliche BereinSgesctz für � gsin�rroich geschaffen? Die Bourgeoisie! Wer schmach- tet im Kerker? Die socialistischen Arbeiter! Also die Augen geöffnet, Ihr Wiener Proletarier! Steht fest im internationalen Klassenkampf! Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Rundschau. Berlin, 31. Juli. Die Pariser Blatter berichten über heftige Kämpfe, welche im Ministerrath bezüglich der Abfassung der Vorlage an den Senat stattfinden. Rouher soll fort- während im reactionären Sinne wirken.— Kürzlich sind 160,000 Nummern der Laterne, welche in den letzten Monaten mit Beschlag belegt wurden, zum Einstampfen verkauft worden. Aus Spanien verlautet, daß Don Carlos in Folge der Niederlagen, welche seine Anhänger allent- halben erlitten, wieder umgekehrt sei und sich auf französischem Boden in der Nähe der Phrenäengrenze aushalte. Nette Zustände müffen in Mexico herrschen. Im Schatze der Republik ist traurige Leere. Am 2l. waren nur 200 Dols. in der Staatskasse und die halben monailichen Gehaltszahlungen an die Gerichts- beamten sowie die Beamten des Cwildienstes waren seit dem 1. Mai im Rückstände. Andererseits haben vie Congreßmitglieder, welche für die Regierung stim- men, ihre Diäten voll ausgezahlt erhalten, während den Oppositions-Mitgliedern mitgetheilt wurde, eS fei kein Geld für sie vorhanden. In London fand letzten Sonnabend eine Be- rathung von Arbeitern über die Schädlichkeit und Nützlichkeit der bestehenden Patentgefetze statt. Hauptredner war der Vorsitzende, der den Nachweis zu liefern bemüht war, daß Patente in der Regel der Erfindung wenig Nutzen bringen, während sie den Fortschritt beeinträchtigen. Nach einer längeren DiS- cufsion, in der mehrere Redner nickt sowohl gegen die Patentgesctzgebung, als gegen die Unkosten, welche jede einzelne Patentirung verursacht, aukämpften, wurde die Resolution angenommen, daß ein nationales Er- sinder-Jnstitut gegründet werden sollte, um armen englischen Erfindern entsprechende Belohnungen zu sichern. Ein weit verzweigter Kohlengruben-Arbeiter- Strike steht in naher Aussicht. Auf einer gegen- wältig in Manchester tagenden Conferenz von Koh- lenbergleuten wurde beschlossen, die Bergleute von Nord- und Süd-WaleS und Staffordshire aufzusor- dern, binnen Monatsfrist eine Erhöhung ihrer Löhne zu verlangen. Zur Unterstützung dieses Vorhabens sollen im ganzen Lande Geldsammluugen angeregt werden. Die Blätter berichten, daß am Abend deS 26. Juli in der Pester Josephsstadt Arbeiter- Unruhen statt- gesunde» haben: Ein social-demokratischcr Arbeiter, Namen« Strobel, die Bourgeois- Zeitungen stempeln ihn natürlich gleich zum „Agenten", hatte in einem Wirthshanse den Inhalt der Lassalleschen Lehre öffemlich auseinandersetzt; die Bourgeois- Blätter drücken sich freilich ander» aus und sagen selbstver- ständlich:„er habe die Arbeiter geget; die Meister und Fa- brikbesitzer aufgereizt." Jedenfalls wurde er gänzlich unge- rechtfertigt verhastet. AIS sich die Kunde hicvon unter den Arbeitern verbreitete, verließen sie sämmtlich die Fabriken und strömten vor das Stadthauptmannschastsgebäud- der Jvsephstadt, wo sie die Freilassung de« Verhafteten forderten. Diesem Begehren wurde nicht Folge geleistet,„natürlich" setzen die Bourgeoisblätter hinzu; vielmehr wurde sofort das Pcster Stadtcommando um Militär ersucht. Gegen 4 Uhr trafen 300 Mann Infanterie ein, welche die Menge auseinander trieben. Abends gegen 9 Uhr wiederholte sich in verstärilem Maße der Anflauf, weil jetzt die ganze Ar- beitcrbevölkcrung der Franz- und Josephstadt aus den Beinen ivar. Bereits sollte wieder das Militär einschreiten, als der Director und der Oberiugenieur der„Ersten ungarischen Waggonfabrik" vor dem Stadthanptmann erschienen und dringend um Freilassung de? verhasteten Maschinisten baten. Derselbe wurde nun auch auf freien Fuß gefetzt, nachdem die beiden Erwähnten schriftlich Bürgschaft für ihn geleistet hatten. Der Freigelassene wurde bei seinem Hinaustreten auf die Straße mit stürmischem Jubel empfangen und von der zahllosen Menge nach Hause begleitet. Weitere Ruhe- störnngen fanden nicht statt; gegen den Maschinisten ist jedoch der Proceß im Gange. Dies der Vorgang, der überaus charakteristisch ist für den Bourgeois-LiberaliSmuS der in Oesterreich und Ungarn sich breit macht. Ein VereinSrecht gicbt es so gut wie gar uicht; Bereine der unschuldigsten Art werden als Verschwörungen aufgehoben. WaS bleibt übrig als zu schweigen, oder im WirthShaus mit seinen An- sichten herauszurücken und sie zu verbreiten suchen. Aber auch da ist die Polizei gleich zur Hand und verhaftet wegen Aufreizung der Arbeiter gegen die Meister und Fabrikherren, wenn Jemand so nnvor- sichtig ist, die sociale Frage in den Kreis seiner Er- örterungen zu ziehen, die Ergebnisse und Schlußfolge- rungen der strengsten Wissenschaft vorzubringen. Und wenn dann die Arbeiter ihren ungerecht verhafteten Kameraden zurückfordern, da wird ohne Weitere« das Militär aufgeboten. Doch, da kommen zwei Bourgeois, und richtig, was man Tausenden von Arbeitern durch Loslassen des Militärs beantwortet, das wird jetzt ans die Fürsprache zweier Bourgeois gewährt und man beweist zugleich, wie wenig eigentlich Anlaß zur Verhaftung gewesen. DaS ist der gepriesene Libero- liSmuS in Oesterreich und Ungarn; wahrhaftig, wenn solche Willkür, wenn solche planmäßige Unterdrückung und Beschimpfung der ArbeiterNasse nicht die Auge» öffnet, ihr nicht zeigt, was sie von jenen Bourgeois- Ministerien zu erwarten haben, dann verdienen sie von den Herren Bebel und Liebknecht an der Nase herumgeführt zu werden. Die Krakauer Klostergeschichte nimmt immer größere Dimensionen an und es wird der vereinzelte Fall sich zu der princip'ellen Frage über die fernere Einrichtung des Klosterlebens in Oesterreich gestalten. Vereins-Theil. (Für den Allg. deutschen Arbeiter-Vereiu.) * Einige interessante Notizen in der TageSpresfe in Beziehung aus den Eiscuacher Congreß glauben wir unsern Lesern nicht vorenthalten zn dürfen. Das„Eisenacher Tageblait" und mehrere andere Zeitungen schreiben: „Die Herren Social-Demolraten sind um Anslnusts- mHel nicht verlegen. Da die Leute von den Internationa« len auf dem Cong-eß in Eiscnach die Schweitzerianer sürch- ten, so hat Herr Lahlteich den einfachen Vorschlag gemacht, dieselben gar nicht zuzulassen I Das ginge denn doch nicht an, meint darauf Herr Liebknecht in seinem Wochenblatt, aber man werde sich schon zu Helsen wissen. In demselben Blatt verweist ein abtrünniger Schweitzerianer aus die letzte Geueralversammlniig in Barmen-Elberseld, wo Schweitzer seinen Gegnern Gewalt angethan, und meint, man werde wohl mit Revolvern und Todtschlägern nach Eisenach gehen müssen.— Es wird eine hübsche Geschichte werden." Die Berliner„Bolkszeitung" sagt: „Im„Social-Demolrat" erläßt heute Tölcke einen Er« laß an die Lassalleaner über die Theilnahme an dem Eon- greß in Eisenach. Es heißt darin:„Unsere Gegner provo- cireu den„Skandal"; wohlan, sie sollen ihn haben!"— Skandal giebt es also aus alle Fälle."- Die„Neue Preuß. Ztg." macht zn dem Erlaß de» Herrn Tölcke in No. 87 des„Social-Demolrat", welchen sie theil« weise abdruckt, folgende Bemerkungen: „Die Sprache der„Socialisten" gegen einander wird immer— höflicher! Jetzt handelt e« sich um den von der Partei„Liebknecht- Bebel" berufenen„Eongreß" in Eisenach, den die„Schweitzerianer" gleichfalls beschicken wolle». Au» den nachstehenden Ergüssen de«„Socialdemokrat" läßt sich ziemlich klar abnehmen, was zu erwarten ficht. Die Schweitzerianer haben schon bei mehreren Gelegenheiten be- wiesen, daß sie auch einen tüchtigen„Scandal" nicht scheiten. Nach einer Prügelei erging einmal ein Dictatur-Erlaß, worin die„tapfere Haltung" der Eombattante» belobt wurde nach dem Motto: Wenn einmal— dann feste." Die„Zukunft" enthält nachstehende„Erklärung" de» Herrn Bebel: „Herr Tölcke, Sekretair de« Herrn Jh. Schweitzer, behauptet in der heutigen Nummer des„Social-Dcmokrat", ich sei vom Exkönig Georg mit 600 Thlr. besoldet. Ich erkläre die» hiermit für eine niederträchtige Verleumdung de« Herrn Tölcke und erkläre weiter, daß- ich sofort Schritte ge- than habe, um Herrn Tölcke Gelegenheit zu geben, um für diese seine verleumderische Behauptung vor dem Berliner Stadtgericht den Beweis der Wahrheit anzutreten, indem ich die Verleumdungsklage gegen ihn erheben werde. Leipzig, den 28. Juli 1869. Bebel." Herr Tölcke hat darauf folgende Zuschrift an die Re- daktion der„Zukunft" gerichtet: In Folge der in Nr. 175 der„Zukunft" abgedruckten „Erklärung des ReichötagSabgeordneten Herrn Bebel erkläre ich meinerseits, daß ich nicht Sekretär des Herrn V.Schweitzer, sondern des Allg. deutsch. Arb.-Vereins bin, sowie, daß in dem von Herrn Bebel angeblich gegen mich ange- strengten Prozesse die Richtigkeit meiner Behauptung, daß Herr Bebel vom Ex- Könige eine Besoldung von 600 Thlrn. bezieht, beweisen werde. Um Veröffentlichung dieser Erklärung bittend, zeichne ich achtungsvoll C. W. Tölcke." Berlin, 30. Juli 1869. Crefcld, 28. Juli.(Zur Reichstagswahl.) In der am Sonntag, den 25. d. Mts., abgehaltenen Wahlver- sanimlung in der Tonhalle, welche gut besucht war(nicht wie hiesige Blätter melden, von nur 200 Mann), waren die Herren Obermann und Real anwesend, und sprachen unter häufigem Beifall der Versammlung über da« vor- gelegte Programm, den zweiten Punkt der Tagesordnung, welches wir nachstehend folgen lassen. Bei der Abstimmung wurde dasselbe mit allen gegen eine Stimme angenommen; ohne das einer der anwesenden Zeitungsschreiber dagegen gesprochen hätte. Die„Crefelder Zeitung" bemerkt hierzu: „Ueber die Versammlung ist nur wenig zu berichten, e« wurde das alte Lied von dem Elend der Arbeiter gesungen, noch durch einige neue Paradephrascn aufgestützt." Genug geschrieben sür Geld! Wir freuen uns versichern zu können» daß der Referent nach siattgefnndener Discussion selbst mit für da« Programm stimmte; es muß ihm ajso das Singen doch gefallen haben! Der dritte Punkt betraf die Anfslel« lung eine« Arbeitercandidaten. Es wurde der Aufsteller des Programm« der Schreinermeister Herrmaun Zicllen dach(früher Besitzer der hiesigen Bockhallc) als Eandidat der Arbeiterpartei unter großem Jubel von der Vcrsamm- lung mit allen gegen 4 Stimmen dazu ausersehen und ein 32 Mann starkes Wahlcomite, daß sich bereits vorher ge- bildet, anerkannt. Eine schriftliche Eiklärnng des Candidaten lautet:„Ans Ansuchen de« social-demolratischen Arbeiter- Wahlcomite«, um Uebernahme eine« Mandat« zum Nord- deutschen Reichstag sür den Wahlkreis Lrefeld, ertläre ich, eine ans mich fallende Wahl annehmen zu wollen und er- kenne nachstehendes Programm als das meine an, zugleich übergebe ich dasselbe zum beliebigen Gebrauch. 1) Ich ver- lange einen einheitlichen freien deutschen Volksstaat und be- kämpfe daher jeden despotischen Druck von oben, wie jede bnndesstaatliche Gestaltung. 2) Gleiche sociale Rechte sür Alle: a. Allgemeines gleiches und direkte» Wahlrecht mit geheimer Abstimmung und DiStenzahlung und zwar für alle deutschen Staaten, Provinzen, Kreise und Gemeinden; K. Abschaffung aller indirekten Stenern und Einführung einer einzigen direkten progressiven Einkommenstener; c. Abschaffung des stehenden Heeres und Errichtung eines�VvlkS- Heere«; d. Gründung von Produktiv-Asiociationen von Staats- wegen nach Ferd. Lessalle, Gesetze zum Schutz der Arbeit, Beschränkung resp. Beseitigung der Kinder- und Frauen- arbeit; e. Abschaffung aller Privatbaukeu und die Errichtung einer einzigen Volksbank; k. unentgeldlichcu obligatorischen Unterricht in den Volksschulen für Alle; g. absolute Preßfreiheit, freies Vereins- und Versammlungsrecht. Im Reichs- tage werde ich mich sofort an die social-demokratische Arbei- terpartei anschließen. Herrmann Ziellenbach." Wir bitten alle Parteigenossen, uns sowohl mit Geld wie mit Rednern zu unterstützen. Etwaige Gelder sende man an W. Grüters, Königsflr. S9, alle Briefe an den Unterzeichneten St. Annsnstr. 25a. Rechnung wird später im„Soc.-Dem.", wie in der„Freien Zeitung" erfolgen. Den Herren Obermann und Real unseren herzlichsten Dank. Im Auftrage de« Comito's mit social-demokratischcm Gruß A. Friedrich. Frcibuvg, 27. Juli.(Zur Beachtung.) Wie es schon hie und da vorgekommen ist, daß die Mitglieder des Allg. deutsch. Arb.«Verein« beschwindelt wurden, so hat es sich anch leider hier gezeigt. Und zwar war es der Bevoll- mächtigte selbst, der Literat Rüdy. Derselbe wurde, nach- dem er geraume Zeit für unfern Verein thätig gewesen, zum Bevollmächtigten gewählt, namentlich sein Rednertalent hatte ihm Anhang erworben. Von Zeit zu Zeit regte sich indes- fen in manchen Mitgliedern Mißtrauen gegen ihn, hervor- gerufen durch seine zweideutige Haltung dem Berein gegen- über. Man konnte ihn aber nicht auf die Haut kommen, weil er ein zu zügellose« Maul hatte. In einer vor drei Wochen abgehaltenen Versammlung verließ er un« aufgeregt und erklärte dem Localwirth, der Verein habe sich heut auf- gelöst, er könne also das Locol anderweit vermiethen. Erst nächsten Montag erfuhren wir dies und die Versammlung sprach sich natürlich sehr entrüstet über solche« Verfahren aus. Es wurde beschlossen eine Hauptversammlung anzu- beraumen, Rüdy behufs Rechtfertigung einzuladen, ihn aber jedenfalls von seinem Amt zu suspendiren. Als das Rüdy hörte, ging er sofort zu den zweiten Bevollmächtigten, sich sauber zu waschen. Schließlich kam er zu dem uuverschäm- ten Verlangen, eine össcutliche Arbeitervcrsammlung statt einer Mitgliederversammlung anzuberaumen, da wolle er er- scheinen und im Interesse des Internationalen Arb.-Vereins Vorträge halten. Dieser Verein sei praktischer, er werde daher auch von jetzt au für ihn agitireu. Er griff auch Dr. v. Schweitzer an und schwärmte für Bonhorst und Eon- sorten. Er richtete aber damit nichts aus. Die Mitgliederversammlung ward ausgeschrieben und zeigte es sich, wie wenig an eine Auslösung de« B-rcin« zu denken, die Ber- sammlung war stark besucht und bewies, wie genug tüchtige Aiitglieder vorhanden, die fest für unsere Sache nnd Ihr v. Schweitzer einstehen. Herr Rüdy erschien schließlich auch, er glaubte wahrscheinlich mit seinem guten Maul un« zu überrumpeln. Vergebens! Allgemein sprach mau sich gegen ihn aus und wählte dann Unterzeichneten zum Bevollmäch- tigtcn. Zuletzt wollte Herr Rüdy gar noch Mitglied des Vereins bleiben, wir erklärten ihn aber, daß er statuten» gemäß ausgeschlossen sei, da er gegen den Verein agitire. Run drohte er, fortan in der Presse seine Geißel über den Allg. deutsch. Arb.-Verein zu schwingen, wie er sie bisher über die Bourgeoisie geschwungen. Der Herr ist nämlich Redakteur eines ultramvntaneu Winkclblattes. Wir sind gefaßt, mag kommen, was da will; er kann höchstens Lügen in die Welt schleudern, was ihm natürlich nicht viel Mühe machen wird, es müßte sonst kein gekaufter Zeitungsschreiber sein. Deshalb, Parteigenossen! seid wach und prüft, wen Ihr an Eure Spitze wählt, hütet Euch namentlich vor Soldschreibern, wir haben ein Beispiel davon erfahren. Mit focial-demokratischem Gruß der Bevollmächtigte M. Braun Verbands-Cheit. Für den Allgemeinen deutschen„ArbeiterschaftS- Verband". Allgemeine deutsche Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Kappenmacher. Mannheim, 28. Juli.(Aufruf.) Mitglieder! Unsere Collegen in Stuttgart in der Wcrkstelle der Herren Bender n. Co. werden gemaßregelt durch den Geschäftsführer Trimbach, indem er auf die Mitglieder unsere? Vereins riue Pression ausübt nnd Einen nach dem Andern fortschickt. Dies zu hindern beschlösse sämmtliche Arbeiter, die Entfer- nung de? Herrn Trimbach zu erwirken, wurden aber abge- wiesen, weshalb sie die Arbeit niederlegten. Da die Stntt- zarter Mitglieder nun wissen wollten, wie es denn mit der Unterstützung wäre, so entsandten sie ihren Bevollmächtigten Herrn Kränket nach Mannheim, um mit dem Ausschuß in ihrer Angelegenheit zu sprechen. Dieser erkannte und ebenso die ganze Mitgliedschaft die Gerechtigkeit ihrer Handlungs- weise an. Collegen, leider sind es zu Viele, die sich an den Ausschuß mit der Bitte um Unterstuung wenden. Darum wenden wir uns an Euch. Freilich ist es eine schlechte Zeit, aber eS ist Pflicht von uns, unsere Brüder dennoch zu unterstützen, und so ersuchen wir denn sämmtliche Bcvoll« mächtigte, dies den Mitgliedern bekannt zu machen und eine freiwillige Steuer zu erheben, damit unsere Brüder nicht verlassen dastehen. Die Mannheimer haben sich bereits wieder als gute Socialisten bewiesen. Also, Brüder, frisch ans Werk! Gelder möge man adressiren: Anton Riester, Fangebachsstr. 21, Stuttgart. Für den Ausschuß: Carl Kanz. Allgemeine deutsche Manufakturarbeiterschaft Hanau, 28. Juli.(Der Strike der Teppichweber) dauert fort, da es dem Principal gelungen, wieder zwei Arbeiter zu bekommen; e» sind dies zwei Weber, die er früher durch aus nicht brauchen konnte, weil ihre Arbeit nicht zu ver kaufen war. Jetzt sind sie auf einmal recht, sie versperren doch wenigstens uns den Platz. Man kann hier wieder die unerbittliche Härte der Capitalmacht sehen, den Arbeitern darf ein Fabrikant nichts nachgeben, wen» auch ihre For- derungen noch so gerecht und billig sind. Zwei oder drei Hudler werden aber nie 19 Teppichweber ersetzen; und wenn auch Einer von uns abgefallen, weil er eben Roth und Mangel fürchtet, so sind wir doch immer noch 18, welche die Arbeit verweigern und nicht ansangen werden, bis un- scre Forderungen erfüllt sind. Freunde und Parteigenossen! Wir haben zwei Wochen gefeiert, zwar haben die Arbeiter hier in Hanau un« unter die Arme gegriffen, auch sind von Offenbach und Bockenheim Unterstützungen gekommen, doch genügt dies für die Dauer nicht. Parteigenossen, laßt un« nicht stecken, noch ist der Sieg uns sicher; unser Principal kann sich kaum andere Arbeiter verschaffen, darum stehen wir fest. Unterstützungen nimmt entgegen August Menge, Bevollm., Enge Gasse 3, in der Altstadt. Allgemeiner deutscher Schuhmacher-Derein. Berlin, 29. Juli.(Berichtigung.) In der Be- kanntmachung des Herrn A. Mehl in Nr. 87 de«„Soc.- Dem." ist in Folge eine« Druckfehlers da« gewählte Prä- sidinin»nrichlig bezeichnet. Es find gewählt die Herren W. Kölsch in Mainz als Präsident, Adolph Schneider in Frankfurt a. M. als erster Vicepräsident, Anton Mehl in Frankfurt a. M. als zweiler Vicepräsident, Robert Rothe daselbst als erster Ersatzmann und Gregor Zie- lowsky in Berlin als zweiter Ersatzmann. � Auch bei der nachträglich in Mainz stattgehabten Wahl sind die oben Genannten mit großer Majorität ge- wählt worden. Allgemeiner deutscher Zimmrrer-Bereiu. In Bremen zahlt Herr C. Revermanu Reiseunter- stützung und Kraukeugcld in seiner Wohnung, Busch 14, aus und zwar Abends von 7—8 Uhr und Sonntags Vor- miltags bis 19 Uhr.— An diese Adresse sind auch alle Sendungen zu machen. Gewcrkvereiu deutscher Holzarbeiter. Die Adresse de« Bevollmächtigten für Würzburg, Herrn L. Hamann, ist nicht unter Mühlengasse, sondern untere Wöllergasse Nr. 5 parterre. Briefkasten. Für Annoncen(Monat Juli) zu entrichten, in Sil- bergroschen berechnet: Altona: Allg. deutsch. Arb.«B.(38). Metallarbeiter(16.) Schneider(24.)— Achim: Allg. deutsch. Arb.-V.(39.)— Berlin: Allg. deutsch. Arb.-V.(78) Zimmerer(59.) Maurer (26.) Schuhmacher(51.) Metallarbeiter(6) Holzarbeiter(26.) Mannfakturarbeiter(8.)— Barmen: Allg. deutsch.Arb.-V. (49.) Manufakturarbeiter(24.) Metallarb.(13.) Zimmerer(15.) Bremen: Zimmerer(12.)— B reslau: Allg. deutsch. Arb-Verein(23.) Braunschweig: Allg. deutsch. Arb.-V. (27.)— Cöln: Allg. deutsch. Arb.-Verein(37.)— Cassel: Metallarbeiter(13.)— Duisburg: Allg. deutsch. Arb.-B. (44.) Metallarbeiter(21.)— Dünnwald: Allg. deutsch. Arb.-Verein(11.)— Dessau: Allg. deutsch. Arb.-V.(29.) — Dietesheim: Allg. deutsch. Arb.-V.(13.)— Crc- feld: Allg. deutsch. Arb.-V. 13.)— Essen: Metallarbeiter (11.)— Elberfeld: Allg. deutsch. Arb.-Verein(21). Metallarbeiter(33.) Manufakttirarbeiter(19.)— Frank- furt a. M.: Allg. deutsch. Arb.-B.(11.)— Heidelberg: Allg. deutsch. Arb.-V.(7.)— Hamburg: Allg. deutsch. Arb.- V.(1l6.) Schneider(73.) Maurer und Zimmerer(149.) Schuhmacher(42.) Holzarbeiter(33.) Cigarrenarbeiter(38.) Metallarbeiter(16.) Hand- und Fabrikarbeiter(12.)— Hannover: Allg. deutsch. Arb.-B.(16.) Schneider(13.) Maler, Lackirer u. Vergolder(19.)— Itzehoe: Allg. deutsch. Arb.-Verein(8.)— Leipzig: Schneider rc.(29.)— Lon- don: Deutsch. Arb.B.-V.(29).— Neviges: Allg. dmffch. Arb.-V.(13.)— Ottensen: Allg. deutsch. Arb.-B.(19).— Peterswaldau: Allg. d-ulsch. Arb.-V.(19.)— Pari«: Lassalleaner(24.)— Remscheid t: Allg. deutsch. Arb.-V.(16.) — Staßsurt: Allg. deutsch.Arb.-V.(23.)— Stettin: Allg. deutsch. Arb.-B.(15.)— Velbert: Allg. deutsch. Arb. B.(8.)— Wald: Allg. deutsch. Arb.-V.(15). Die Gebühren bitten wir bis spätestens 9. August pünktlich einzusenden. Bevollmächtigter der Maler u. s. w. in Hamburg. Em- läge genügt, kann auch fernerhin in der Weise erfolgen. Kummerfeld, Homburg: 14 Sgr. Annoncen. Für Aerlin. Allgemeine Arbeiterversammlung. Sonntag, den I. August, Vorm. 10 Uhr, im ,, Elysium," früherer Saal des Schweizergarten«, Greisswalderstraße vor dem Königschor. Tagesordnung. 1) Die Arbeitseinstellung der Manufakturarbeiter in Brandenburg a. H., der Cigarrenarbeiter in Leipzig und der Maurergesellen in Berlin. Referenten: die Herren Knölluer aus Brandenburg, Leib und Gränd orfs in Berlin. 2) Der social-demokratische Arbeitercougreß in Eisenach. Referent C. W. Tölcke. 3) Wahl der Delegirten zum Congreß. Die sämmtli-iicn Arbeiter Berlins werden um zahlreiches Erscheinen ersucht. Berlin, den 29. Juli. C. W. Tölcke, Präsidial-Bevollmächttgter des Allg. deutsch. Arb.-Vcreins. /ür Dresden. Die hiesigen Äitglicder des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins werden ausgefordert, sich zu einer öffentlichen Versammlung Tonnabend, AbendS Uhr, im Saale der deutschen Halle(Palmstcaße) einzufinden. Die Mitglieder haben ihre Legitimationskarten mitzubrin gen. Der Eintritt in den Zuhörerraum ist Jedem gestattet. Der Bevollmächtigte. lr. Für Derlin. Allgemeiner deutscher Arbeiter-Verein. Geschlossene Mitgliedcrversamml«� Montag, den S. August, AbendS S'- Uhll im großen Saale des HerrnSchmiedel, Dresdencrsil. Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Kluckow: 2) Wichtige Mittheilungen in Betreff de« Congreß� Eiseuach. 3) Verschiedene innere Angelegenheiten. Sämmtliche Mitglieder werden dringend ersucht, in> � Versammlung zu erscheinen, da die Stimmenzahl, der- � einsmitglieder festgestellt werden muß. Die Mitgliedskarten sind vorzuzeigen. _ G- W. TiMjtse Zeit Für Hamburg. I mh in» Grosses C o n c e r t Montag, den». August, AbendS S'/a tth> in Bremers Biergarten»Hantt. Der Reinerttag ist zum Besten der firikenden Laut..(ich 5 nischen Arbeiter bestimmt. Entre 6 Schilling. div. Am Montag findet keine Versammlung der deutsch, verein. Metallarbeitcrschaft statt, sondern statt Dienstag, Abends» Uhr. C. Schallmeyer, Bevollmächtig Für Hamburg. Großes Vokal- n. Jnstrnmental-Cov�.�bon unter Leittrnz de« Musikdireltors Herrn Neumann,™ gefälliger Mitwirkung mehrerer Liedertafeln dktlllührl Sonnabend, den?. August, Abends S'/e lliegengen- im„Couventgarten." Den Preis ä Person 4 Schll., Herr nebst Dame 6 Zum Besten der strikenden Arbeisjg Karten sind zu haben bei Ackermann, Großer�-—— markt. Lüder«, Zeughansmarkt. Tc ichmann u. P's _ Für das Somite: H. Kummers� Für Hamburg. Allg. deutsche Arbeiterschaft der Maler, La» Vergolder ». T --vy* i tyvrivvl* tvJ-w d Gcschloffmc MttBcdcrvcrs-mmlÄ WWW luSbe Dienstag, den S. August, Abends» UWerschülte Pserdcmarkt 43. um elend _ Der Bevollmii-Mje �a6er Für Hamburg.«rft. blei Gewerkverein dcutsck.'Holzarbeill�™� u Freundschaftliche VersainmluTuZW Montag, den«. August, AbrudS» Unarte, an im Saale des Tischler- Ämlshau?, Brellestraße-, m. Tagesordnung..�selben r 1) Abrechnung deS Comitö's über die cmzcsaw�,! Gelder für den Caffeler Strike.— 2) Besprechnnz*.' der Vertretung der Holzarbeiter aus dem Congreß. j'Cn rer Oskar LehUgezu köd tttriguen Für Dcrlin.. Allgem deutsch. Ziminerer-Vereiks mit' p' Den»« August, AbendS 8 Uhr, soll der Jfc, tag, an welchem die Agitation für Lohnerhöhung Kg durch ein Kränzchen im Salon des Herrn Sng-lhsr..,,, Lindenstr. 54, festlich begangen werden. P'. Billets für Mitglieder 3 Sgr., für Damen 1 kein an den bekannten VcreinSabenden zu haben. Parti An der Tageskasse finden erhöht: Preise statt. lhmen,> Für da« Fest-Tomitö: WürtenbPzige P v \ln da« L Für Drcmen. Allgem. deutsch. �immercr-Vere�"� � cn r-*-inlsteriun Oefsentltche BersamMung-echts i Sonnabend, den». August, Abends S'/s*3 giebt in der Tonhalle. znet ersck Tagesordnung. tr Voll 1) Die Arbeiterfrage.— 2)Der Sirlke der 6999 ßu i in Berl m nnd der 1299 Maurer in Hannover. Alle Arbeiter sind eingeladen. Die Herren Brandt aus Achim und Wolf aut bürg sind anwesend. C. Nevermann, Bew Für Wu a. d. N....... Allst, deutsche verein. Metattarbeitersä>dern mit Versammlung talisch Al Sonntag, den t. August, AdendS 9 Uhhgung i bei Herrn I. Rüdorf. nhängt Besprechung wegen Beschickung des Eisenacher CcnZrnm�-a Rur Mitglieder und solche, die es werden wolle», Zuritt........... fische R um anzu mit geht was .. T rseits s Zubrechen, am geh a jk wc dz, Um zahlreiches Erscheinen ersucht � Der Bevollmächtigte: PeterKölscheobach, Königstf� j! �ei Da ich meine Wand- und Taich�t � (Gesuch.) Da ich meine AZand- und fi!.- isien Dienstag Nachmittag(2. August) verkaufe».!„> 1 indem ich von Wolfcntüttel nach Braunschweig üb»:" i301 und dort die Uhrmacherei aufgebe, sa bitte ich alle Vrt�ilt, genoffen der Umgegend, hauptsächlich die in Groß-�rilt, wo Linden, Braunschweig und Wolfeiibllttel, mich bei Kss es ihm tion nach Kräften zu unterstützen, damit mir die Äj)ken, daß nicht noch auch den letzten Blutstropfen unter den'�lich demcl aussaugen. Parteigenossen, eine gerechte Sache hat»7 gxht diese traurige Lage gebracht; ich bin in der hics>S�«Schweit,e Spinnerei für die Gesamnitheit eingetreten u»d Wj-f � Recht der Krankenkasse verlangt: dadurch bin ich'h,;- geworden. Ich bitte also alle Arbeiter, weldfe ttw»'.,» War leid fühlen, mir den schweren Schritt zu erleichtern. on Mit social-demokratischem Gruß Wo'.senbllttel, den 29. Juli 1869. . I. Hoseck, Uhrmacher, Harzstraße� de "ich nick �Johenen g �»wähartik Druck von R. Bergmann in Berlin.— Verantwortlicher Redakteur Mld Verleger: W. Grllwel in Berlin.