Ur. 148. Kboimtment»• Kedkgunlsni: Bbonnemtnti>$cei< pränumerando: vicrteljährl. 3,30 Ml., monatL l.lOMl., »vöchenlllch 28 Psg. frei tnä Haus. Einzelne Nummer 3 Psg. Sonnlags- Nummer mit illustririer Tonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post-Zettungs- Preisliste sür 1LSS unter Nr.'ö'H Unter Kreuzband sür Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 13. Jahrg. Dir Instrlions-Kcbiilsr betragt sür die sechSgelpallsne Kolonel- zcile oder deren Naum iO Pfg.. für Vereins- und Versanimlungs-Anzeigen, lowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserat« sür die nächste Nummer müssen bis « Uhr nachmittags in der Elpedilton abgegeben werden. Tie Ezvedtiton� ist an Wachentagen bis 7 Uhr abends. an kann- und Festtagen bis S Uhr vormlttags geöffnet. Erscheinl täglich«utzer Montag». Devlinev VolksblÄlk. Fernsprecher: Amt I, Nr. ISOg. Telegramm-Adresse: „Poiialdemokrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SM. IS, Veuth-Strafze 2. Mittwoch, de» ÄS. Jn»i 1898. Expedition: SW. 19, Beutlz-Stratze 3. Sozialistische Wähler vo« Berlin und Teltoiv-Bkeskolv! Die Gegner vereinigen sich, um Eueren Händen die Reichstagsmandate wieder zu entreißen, die Ihr im Jahre 1893 erobert habt. Konservative und Liberale, Antisemiten und Klerikale, alle bürgerlichen Parteien stehen zusammen, um den Vertretern deS Geldsacks und der Arbeiterausbeut.mg zum Siege zu verhelfen. Das darf nicht geschehen. Eure Ehre und die Ehre des arbeitenden Volkes Deutschlands gebieten, daß der Anschlag des gemeinsanien Feindes abgewiesen wird, und nicht mir der 2., 3., 5. Berliner und der Kreis Teltow-Beeskow müssen wieder-, sondern der erste Berliner Wahlkreis, die letzte Zuflucht des charakterlosen Liberalismus, muß neu erobert werden. Der Erfolg ist sicher, wenn Ihr g e schlössen in den Kampf geht. Keiner darf fehlen, jeder muß seine Stimnie abgeben. Mit erdrückenden Mehr heiten müssen die Kandidaten des arbeitenden Volkes am 24. Inn» gewählt werden. Die organisirten Arbeiter der ganzen Kulturwelt blicken auf Euchl Rechtfertigt die Hoffnungen, die man auf Eure Thatkraft und Disziplin setzt! Der 24. Juni sei ein neuer Ehrentag in der glanzvollen Q schichte des organisirten Proletariats von Berlin! »* « Die Kandidaten unserer Partei zu den Stich- wählen in Berlin und dem Wahlkreise Teltow- Beeskow-Storkow-Charlottellburg sind: I. Berliner Reichstags-Wahlkrcis: Ntdilkteilr Hugo Poehsch in Berlin. 2. Berliner Reichstags-Wahlkreis: Uichnrl» Fischer in Berlin, Kreiizberg-Sir.ZZ. 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis: Ntlsjtsiuironlt Wolfgang Heine in Berlin. 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis: Nedliktenr Uoliert Schmidt in Berlin. Reichstags-Wahlkreis Tcltow-Beeskow-Storkvw-Charlottenbnrg: Cnstwirtl) Fritz Zndeil in Berlin. Gewaltsamer Umsturz oder friedliche Entwickelttug? Die Diktatur des Junkerthums— das ist es, worüber diesmal die Wahlen entscheiden. Oekonomisch bankrott, sucht das Junkerthum seine politische Macht zu benutzen, um ökonomische Vortheile heraus zuschlagen und sich das deutsche Volk zinsbar zu machen. Es beherrscht die Regierung, das heißt, es verfügt über Bureau- kratie und Armee, und es erfreut sich der Bundesgenossen- schaft der großen kapitalistischen Monopolisten, die mit ihm das Volk schröpfen, mit ihm die Beute theilen. Aber es fand bisher noch einigen Widerstand im Reichs- tag, dank dem allgemeinen Wahlrecht, das der Sozial- demokratie, der entschiedensten Gegnerin der junkerlichen wie jeder anderen Ausbeutung, eine zahlreiche Vertretung ün Reichsparlament ermöglicht, und infolge dessen auch den übrigen bürgerlichen Parteien den Nacken etwas steifer macht. Daher die Wuth der Junker und Junkergenossen gegen die Sozialdemokratie und gegen das allgemeine Wahlrecht. Ist die Sozialdemokratie geknebelt, dann ist die letzte Schranke junkerlicher Willkür gefallen, die Diktatur des Junkerthums ist vollendet und sie kann dem deutschen Volke erpressen, was sich erpressen läßt. Die Junker sind jedoch die letzten, die daran denken könnten, mit der Sozialdemokratie auf dem Boden der bürgerlichen Freiheit— und sei sie auch so spärlich, wie die im Deutschen Reiche gewährte— fertig zu werden. Die einzige Methode politischen Kanipfes, die für sie Erfolg verspricht, ist die der gewaltsamen Unter- drückimg; dabei aber bedürfen sie des Umsturzes der bestehenden Verfassung. Aufhebung des bestehenden Wahlrechts, der Koalitionsfreiheit, Ausnahniegesetze gegen die Lohnarbeiterschaft und ihre Vertreter: das sind die Vor- bedingungen, deren das Junkerthum bedarf, che es seinen Raubzug gegen das deutsche Volk in Szene setzen kann, und darum wird in dem jetzigen Wahlkainpfe vor allem gekämpft.' Es handelt sich dabei viel mehr um die Frage, ob die politischen und sozialen Kämpfe Deutsch- lands hinfort auf dem Boden westlicher Zivilisation oder östlicher Barbarei aus- gefochten werden sollen, als um die, ob die Sozialdemokratie sich nach wie vor in gleicher Kraft entfalten soll. Unsere Partei wurzelt zu tief in den Verhältnissen, als daß gewaltsame Unterdrückung sie vernichten könnte: sie wächst und bcthätigt sich ja sogar in Rußland, und auf dessen Niveau werden die Junker trotz ihrer Verehrung der Knute Deutschland doch nicht mehr bringen können, wenn ihre Macht noch so sehr wüchse. Die Verfolgungen haben uns bisher noch nirgends gebrochen, ja nicht einmal unsere EntWickelung auf- gehalten, sondern nur gefördert. Der Arbeiter, auf dem ökonomischer und politischer Druck zugleich lastet, der wird viel eher Sozialdemokrat als jener, der blos gegen ökonomi- schen Druck allein zu kämpfen hat. Das lehrt schon die flüchtigste Vergleichung der deutschen und österreichischen Sozialdemokratie mit der Englands und Amerikas. Wenn die Sozialdemokratie trotzdem immer und überall die entschiedenste Verfechterin der politischen Freiheit ist, so ist sie das nicht aus Selbsterhaltungstrieb, sondern im Interesse der friedlichen sozialen Ent Wickelung, die nur auf dem Boden der Freiheit niöglich ist. Spckulirtcn wir wirklich auf den gcwaltsanicn Umsturz, dann müßte uns nichts willkommener sein, als eine junkerliche Mehrheit im nächsten Reichstag, denn der Umsturz von oben erweckt auch den Drang nach gewaltsamem Unlstnrz von unten. Welches war denn die einzige Wirkung des Sozialisten- gesetzes? Das Erwachen derNeigung zum terroristischen Bombenanarchismus, und zwar nicht nur in Deuschland selbst, sondern auch in seinen Nachbarländern— denn Deutschland giebt seit 1870 den politischen Ton in ganz Mitteleuropa an. Ja, in manchen Nachbarländern, Oesterreich, Italien, Frankreich gedieh der durch das Sozialistengesetz gezüchtete Bombenanarchismus noch besser, dank der Abwesenheit des Wahlrechts oder einer kraft- vollen, disziplinirten Sozialdemokratie. Die Aufhebung des Sozialistengesetzes bereitete den Boden für das Hinsterben des Bombenanarchismus, der heute nirgens mehr einen Anhang hat. In Deutschland war er nie zur Bedeutung gelangt, dank dem Fortbestehen des allgemeinen Wahlrechts und der Disziplin der Sozial- demokratie. Das Fortbestehen des Wahlrechts, das war aber, nach der Ansicht unserer Konservativen, der große Fehler des Sozialistengesetzes, den sie jetzt gut machen wollen, ivenn es ihnen gelingt, eine gefügige Mehrheit zu erlangen. Das heißt aber nichts anderes, als daß sie es für ihre dringendste Aufgabe ansehen, dem B o m b e n a n a r ch i s m u s in Deutschland den Boden zu bereiten— und einen günstigeren Boden noch, als ihn das Sozialistengesetz bot— dem Bonibenanarchismus und Ausbrüchen der Verzweiflung un- diszipliuirter, verhungernder Volksmassen. Die Hunger- revolten Italiens und jetzt Galiziens, dieses Junkerparadieses, und anarchistische Attentate, das sind die Zustünde, die das ostelbische Junkerthum in Deutschland heinüsch machen würde, wenn es zum Siege gelaugte. Das stärkste Bollwerk gegen solche Zustände bietet das Be- stehen einer starken, wohl disziplinirten Sozialdemokratie, die vor allem dahin strebt, die Bahn gesetzlicher EntWickelung frei zu halten, weil sie sehr wohl weiß, daß dieser Weg, wenn er auch vielleicht am lang- samsten zum Ziele führt, doch der sicherste und der am wenigsten opfervolle ist. Die Proletarier haben eben ihre eigene Haut zu Markt zu tragen, während das Junkerthum freiwillige oder zwangsweise rekrutirte Knechte ins Feuer schickt, die seine Kämpfe ausseihten müssen. An Szenen, wie sie in Mailand vorgekommen, liegt einem Vollblutjuuker nichts; er provozirt sie leichten Herzens, wenn er seine Interessen dadurch fördert. Wenn man alles das erwägt, kann man nicht zweifelhaft darüber sein, welche Wahlsiege in den kommenden Stich- Wahlen die friedliche EntWickelung der Gesellschaft mehr bedrohen und die brutalsten Fornien des gewaltsamen Umsturzes mehr fördern, der Sieg der konservativen oder der der sozialdemokratischen Kandidaten. Neugierig aber darf man darüber sein, welche Haltung das liberale Bürgerthum dabei einnehmen wird. Von ihm wird es vielleicht abhängen, ob die Konservativen und ihre Schutztruppen im nächsten Reichstag die Mehrheit haben oder nicht/ Zeigt es nur einen Funken politischen Verstandes, dann kann es nicht unschlüssig sein bei der Wahl zwischen einem Konservativen und einem Sozialdemokraten, für wen es sich entscheiden soll. Ebenso wie das Proletariat ist auch das Bürgerthum daran iuteressirt, daß die konunenden politischen und sozialen Kämpfe sich möglichst in gesetzlichen Fornien, frei von allen Gewaltsamkeiten abspielen; es hat nicht das mindeste Interesse an der frivolen vsi banque-Taftif der bankrotten.Lreuz-Zeitungs"-Ritter. Aber das liberale Bürgerthum hat Mannesmuth und politische Einsicht schon in so vielen sür die politische Ent- Wickelung Deutschlands verhängnißvollen Momenten vermissen lassen, daß wir auch diesmal keine Erwartungen darauf bauen dürfen. Unisomehr müssen wir unsere ganze Kraft anspannen, um am 24. Juni nicht blos die Sache der Sozialdemokratie, sondern auch die der friedlichen sozialen Ent- Wickelung gegenüber dem gewaltsamen Umsturz von oben zum Siege zu führen. Z�ottkisihe Mevevflchk. Berlin, den 21. Juni. Der Rückschritt in der Sozialpolitik wird jetzt schon von der Regierung— o, wie haben sich die Zeiten geändert! — dazu benutzt, um regierungsfreundliche'Wahlen zu er- zielen. Die offiziösen„B. P. N." schreiben: „Wenn in einigen Blättern Darstellungen verbreitet werden, wonach anzunehmen ist, daß der Sinn der Gesetzgeber des söge- nanntenArbeiterschntzgesetzcs vom 1. Juni 1891 dahinLerichtetgewesen sei, in Zukunft die S ch u tz b e st i m m u n g e n auf das ganze Handwerk auszudehnen, so beruhen diese Darstellungen auf I r r t h u m. Im§ 154 der Gelverbe-Ordnnng heitzt es zwar, daß die betreffenden Vorschriften durch kaiserliche Vcr- ördnmig mit Zustimmung des Bundesraths auch auf andere als elementare Kraft vertvendende Werkstätten ganz oder theilweise ausgedehnt werden können, man mutz jedoch die Motive zu diesem Vorgehen vergessen haben, wenn man hierunter nun das ganze Handwerk verstanden wissen will. Den Gesetzgebern kam es im Anfange der neunziger Jahre darauf an, die Möglich- kcit zu Vorbcugungsmatzrcgcln zu geben, das; nicht etiva die Kinderbeschäftignng, die man nahezu ganz ans den Fabriken vcr- bannen wollte, iii der Hausindustrie zu großem Umfange sich entwickeln würde... Die Hansindustrie und nicht das aesammte Handwerk war es, die man bei der Normirung dieser Bestimmung im Auge hatte. Erhebungen über die Beschäftigung von Kinder» in der Hausindustrie werden ja denn auch schon angestellt. Man ersieht daraus, daß die Angelegenheit sich in den einmal in Aus- ficht genommenen Bahnen fortentwickelt. Anlaß zn Besorgnissen liegt deshalb für das Handwerk im allgemeinen nicht vor." Das mag ja ein guter Trost für die kleinen Handwerker sein, die von jeder Allsdehnung der ArbeiterschutzGesetze auf das Handwerk de» Zusammenbruch von nur mühsam aufrecht er- halteilen Existenzen befürchten. Vielleicht werden durch diese Mittheilung auch einige Stimmen für regierungstreue Kau- didaten gewonnen. In welchem Licht aber erscheint eine Re- gierung, die vor noch nicht zehn Jahren auszog, eine„große, � soziale Gesetzgebung" zu inauguriren und die heute, um einige � Stimmen zu fangen, dm kleinen Krautern versichert, daß gar nicht daran gedacht werde, sie nüt weiterer Ausdehnung der Arbeiterschutz-Gesetze zu belästigen? Eine Regierung, die soweit henintergekommen ist, leidet an Altersschwäche und setzt sich, angesichts der großen sozialen Fragen unserer Zeit, selber auf den Aussterbe-Etat.— General v. Werder, der frühere Botschafter in Peters- bürg und noch heute überaus beliebt in den offiziellen russischen Kreiselt, wird als Nachfolger des Fürsten Hohenlohe genannt. Wir würden ihn gern dein Zarenreiche ganz abtreten.— Das Deutsche Reich ist in Gefahr! Die„Kreliz-Zeitmig" giebt der Ansicht Ausdruck, das Deutsche Reich könne es nicht vertragen, wenn ein halbes oder ein ganzes Dutzend sozialdemokratischer Abgeordneter mehr mr Reichstage sitzt. Und dabei wagt das Blatt wenige Zeilen vorher seinen Lesern vor- zureden, daß durch die sozialdemokratischen Erfolge weder Schrecken noch Muthlosigkeit in den Reihen der bürgerlichen Gegner hervor- gerufen sei. Dieser seltsaine Widerspruch beweist doch zur genüge, daß unsere Gegner nicht nur den Muth, sondern theilweise sogar den Ver- stand verloren haben, wovon sie freilich niemals allzu viel besessen haben. Daß die sozialdemokratischen Abgeordneten ihre Mandate nicht als Volksvertreter ausüben, glaubt die„Kreuz-Ztg." wohl selbst kaum. Oder gehört es etwa zu den Eigenschaften eines Volksvertreters, sich auf Kosten seiner Wähler die Taschen zu füllen, wie es die Kreuz-ZeituugS-Ritter bis auf den heutigen Tag thun? Ebenso bewußt erlogen ist die Behauptung, die Sozialdemokraten hätten den Ton des Reichstages auf ein niedriges Niveau herab- gezogen und das Interesse des Publikums an den Verhandlungen vermindert. Wenn wir uns nicht sehr irren, so war es kein Sozial- dcmokrat, sondern den der„Kreuz-Ztg." sehr nahe stehende König Stumm, der— allerdings nicht im Reichstage, weil ihn dort unsere Genossen das Unanständige seines Benehmens vor Augen gehalten hätten, sonder» in dem von Sozialdemokraten freien Herrcnhanse, wo die edlen und erlauchten Herrn unter sich sind— seine bekannte„Lausejungen- Rede" gehalten hat. Auch derjAusdruck„jüdische Unverschämtheit" ist, soviel wir wissen, nicht auf sozialdemokratischer Seite gefallen, sondern von dem Junker Kardorff ausgegangen. Und was das abnehmende Interesse des Publikums betrifft, so geben wir gern zu, daß die Geliebte des früheren Chefredakteurs der„Kreuz-Ztg.", Flora Gaß, schon lange nicht mehr den Sittlichkeitsrcdeu ihres lieben Freundes zugehört hat, aber daran sind doch nicht die Sozialdemokraten schuld, fondern der Staatsauwalt, der auf die vornehme Abstammung des Freiherr» v. Hammcrstein so wenig Rücksicht genommen hat. Im übrigen aber sind gerade bei den Reden sozialdemokratischer Abgeordneter die Tribünen deS Reichstages drückend voll, während sie sich bei den Reden konservativer Abgeordneter ebenso schnell leeren, wie die Bänke des Sitzungssaales. Natürlich soll das ganze Geschreibsel der„Kreuz-Zeitung" wieder nur alle Parteien zum Kanipfe gegen die Sozialdemokratie aufrufen, wobei das Junkcrblatt das kostbare Zugeständniß macht, daß seine „geistigen Waffen" abgenutzt sind.„Die„geistigen Waffen" haben — das wird man doch wohl nun endlich zugestehen— der sozialdemokratischen Agitation gegenüber versagt. Wohlan, greifen wir alle wie ein Mann zur Selbsthilfe, dann sind cS nicht die„Bourgeois", denen der Sieg der rothen Fahne einen„heillosen Schreck" einjagt; sondern' Sie Sozialdemokraten, die vor den solidarisch Vormarschiren- den und konzentrisch kämpfenden„Bourgeois" die Fahne einziehen müssen, werden den„heillosen Schreck" empfinden." Na, so furchtsam ist die Sozialdemokratie denn doch nicht, daß sie vor dem Ansturm der Nachkommen der früheren Raubritter einen heillosen Schreck empfindet. Wir spotten höchstens über die Ohnmacht derer, s die jetzt ihre eigene Schwäche eingestehen und die„bürgerliche Kanaille" an- flehen, für sie die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die internationale Solidarität der Arbeiterklasse, die sich jetzt bei den Wahlerfolgen der sozialdemokratischen Partei wieder in schönstem Lichte gezeigt, regt das Organ der Thomasphosphatleute gewaltig auf. Namentlich das Bs- grüßungstelegramm der czecho-slavischen Organisation der Sozialdemokratie Oesterreichs hat es dem Bündlerblatt an- gethan. Daß wir dasselbe abdruckten und uns dessen freuen, soll beweisen, daß die deutsche Sozialdemokratie„nicht einen Funken Nationalgefühl mehr besitzt", da in Böhmen das Deutschthum einen Kampf gegen das Czechenthum auszu- fechten habe. Gut! Aber die„deutsch-nationalen" Fabrikanten Böhmens nehnien die czechischen Arbeiter mit Vorliebe in Arbeit, weil sie billiger sind, und auch ihre deutschensKollegen spielen Czechen, Italiener u. s. w. gern gegen deutsche Arbeiter aus. .Und damit die„Edelsten der deutschen Nation" ihre deutschen Landsleute nach wie vor möglichst ausschinden können, soll ja dafür gesorgt werden, daß an Eisenbahnbauten mehr ans- ländische Arbeiter Verwendung finden. Ferner sorgen unsere „urtentschen" Junker in Ostelbien dafür, daß immer mehr polnische, galizische und czechische Arbeiter nach Deutschland hereingezogen werden, weil sie billigere und willigere Aus- beutuugsobjekte abgeben. So sieht das„Nationalgefühl" derer um Plötz aus. Hätten die nur-„nationalen" Ausbeuter und ihre Organe auch nur einen Schimmer von Kenntniß der auswärtigen Politik, so müßte ihnen nicht unbekannt sein, daß die czecho- slavische Sozialdemokratie den czechischen feudalen und bürger- lichen Parteien weit verhaßter ist, als die Deutsch-Nationalen schärsster Tonart. Uebrigens ist die ganze an sich durchaus unbegründete Erregung unserer nicht ernst zu nehmenden Chauvinisten auf einen Druckfehler zurückzuführen. Im„Vorwärts" stand: „Mit dem Ausdruck unserer Bewunderung für Euren rastlosen Kampf sendet Euch herzliche Glückwünsche zu Eurem groß- artigen Erfolge für die czecho-slavische Partei. Krapka." Die letzte Zeile sollte heißen: Erfolge. Für die czecho-stavische Partei: Krapka. Die französische Ministerkrisis ist von ihrer Lösung heute entfernter als bei ihrem Ausbruche. Sarrien hat die Mission, ein Konzentrationskabinet aus Opportunisten und gemäßigten Radikalen zu bilden, in die Hände des Präsidenten Faure zurückgelegt. Die Schwierigkeiten, einen neuen Minister- Präsidenten zu finden, und dann die, von demselben ein neues Kabinet konstruiren zu lassen, sind überaus groß.— *« Deutsches Reich. Die Thomas- Phoöphatmehl- Geschäfte deS Bundes der Landwirtho erscheinen jetzt selbst so waschechten Agrariern wie dem Grafen Könitz recht faul. Ein Witzblatt hatte vor kurzem den Grafen Kanitz mit diesen Geschäften m Verbindung gebracht. Dagegen legt nun die„Kreuz-Zeitung" feierlichst Verwahrung ein und betont, daß Graf Kanitz mit der Geschästsleitnng des Bundes und nnt der Thomasmehlsache absolut nichts zu thun habe.„Derartige unzulässige Verguickungen einer rein geschäftlichen Angelegenheit cinzelncrdafürvcr- antwortlicher Persönlichkeiten mit dem ganzen Bunde und mit der von diesem verfolgten Wirthschaftspolitik sollten füglich den freisinnigen Radaublättern überlassen bleiben." Nun, verdenken kann man es dem Grafen Knnip gerade nicht, daß er sich von mindestens recht Zweifelhaften Geschäften und derartigen anrüchigen Manipulationen ern halten will. Hoffentlich aber wird das seinem freundschaftlichen Verkehr mit Herrn v. Plötz keinen Abbruch thun.— Gegen die Etuführuug einer kouluimialen Umsah- oder Betricbsstcncr für die Bazare und Waarenhäuser hat sich der Schlesische Gewerbetag am Dienstag fast einstimmig ausgesprochen.— Der Prozeß gegen die„Hamburger Nachrichten" wegen der Nichtaufnahme der Berichtigung in der Affäre Vrnns-Graf Rantzau ' wird das Hanseatische Ober-Landesgericht beschäftigen, da der Staats- anwalt gegen die Freisprechung des verantwortlichen Redakteurs der »Hamburger Nachrichten" Berufung eingelegt hat.— Dresden, IS. Juni. fEig. Der.) Auch der hiesige Stadtrath treibt nach dem bekannten sächsischen Rezept„Mittelstands"-Politik. Diesem Umstand entsprang vor vielen Monaten eine Nathsvorlage, nach welcher die Filialen aller Großbetriebe im städtischen Bezirk bei eincin Umsatz von 50 000 M. mit einer Steuer von 2 pCt. besteuert werden sollen, und zlvar nach Maßgabe des Umsatzes. Der Aus- schuß, welcher über diese Vorlage zu berathen und zu beschließen hatte, schlägt nunmehr in seiner Mehrheit vor, die Vorlage abzu- lehnen. Danlit die Herren in puncto MittelstandS-Retterei aber nicht etwa beim hiesigen Spießbürger diskrediffrt werden, empfehlen sie ein anderes Projekt. Bemerkt sei noch, daß die Ablehnung der Rathsvorlage damit begründet wird, daß eine alleinige Besteuerung der Konsumvereine— denn darauf soll ja die Sache hinausgehen— fast ausschließlich die ärnieren Volks! lasseii treffe, und Privnt-Untcrnebmer eine Steuer, wie sie der Rath will, immer umgehen können.(!) Was nun dieser Ausschuß anderes empfiehlt, paßt zu dieser Begründung des ablehnenden Votums wie die Faust aufs Auge. Im Ivesentlichen läuft die Sache zunächst auf dasselbe hinaus. Es soll eine progressive Gelverbestcuer für alle großen Dctailhandelsbetriebe geschaffen werden. Maßgebend soll aber nicht der Umsatz der einzelnen Filiale, sondern der Gesamnit- Umsatz des ganzen Unternehmens sein. Und zwar soll gezahlt werden für Umsätze von 200 000 bis 500 000 Mark V, pCt., von 500 000 bis 1 000 000 M. 1 pCt. und von über 1 000 000 M. jährlich 2 pCt. Umsatzstener. Geschäfte, welche einen Umsatz von 200 000 M. jährlich nicht erreichen, sind steuerfrei. Wie die Ber- Hältnisse hier liegen, würden die in Frage kommenden drei Arbeiter- Konsumvereine mit einer Umsatzsteuer von 2 PCt. getroffen werden, während eine ganze Reihe großer Privatgeschäfte mit geringerer Steuer oder ganz steuerfrei davonkommen. Nach der Rathsvorlage war die Steuer gleichmäßig, und die Filialen unter 50 000 M. Umsatz kamen wenigstens um die Steuer herum. In demselben Athcmzugc also, wo man die Rathsvorlage in Rücksicht ans die ärmere Be- völkerung der Konsumvereine abzulehnen vorgiebt, empfiehlt man ein Projekt, was sich noch viel einseitiger gegen die Konsumvereine und die ärmere Bevölkerung richtet. Eine nette Logik! In den Großstädten mit den so vielseitigen und außerordentlich entwickelten Interessensphären geräth diese Sorte MittelstandSpolitikcr mit solchen Projekten iibrigens überall in die Klemme und in Widerspruch mit sich selbst, wenn sie nicht ganz offen sagen will: wir wollen ausschließlich nur die Konsumvereine treffen.— Braunschweig, 21. Juni. Der„Amtliche Anzeiger' bringt Heute ftüh einen offiziösen Artikel, in welchem die Insinuation welsischer Blätter zurückgelviesen wird, die bekannten Erklärungen der Regierung und des Landtages zur Throi, folgefrage bez>v. gegen die welfischen Vereinigungen seien darauf berechnet gewesen, die ReichstagSwahlen zu beeinflussen. Die Regierung hat sich bei ihrer schon im vorigen Jahre und neuerdings wieder erfolgten Stellung- nähme lediglich von der Ucberzeugnng leiten laffen, daß die von den welfischen Vereinigungen erstrebte Aktion des Herzogthunis niemanden nütze, wohl aber die Interessen des Landes und mittelbar auch die des Reiches zu beeinträchtigen geeignet sein würde und daß man daher an der mit der Verfassung im Einklang stehenden gegenwärtigen Stellung der Regierung festhalten müsse. Der aus eigenster Jnitiasive erfolgten Erklärung des Landtages habe die berechtigte Erwägung zu gründe gelegen, Stellung gegenüber der lebhaften welfischen' Agitation zu nehmen. Ferner fordert das amtliche Blatt alle Parteien auf, das Trennende bei feite zu lassen und bei den Stichwahlen ein- müthig gegen die Sozialdemokratie zusammen- z u st e h e n. Karlsruhe t. B«, 21. Juni.(Privatdepesche deS„Vorwärts.") Die Zweite Kammer nahm mit großer Mehrheit die fozialdemo- kratischen Anträge auf Erweiterung des Fabrikinspektorats an. Den Standpunkt der Regierung, die sich gegen diese Anträge entschieden aussprach, bekämpfte nicht blos das Zentrum, sondern selbst der Führer der Nationalliberalen, Fieser, unter Hinweis auf das Wahl- ergebniß.— Oesterreich. Leniberg, 20. Juni. In den Bezirken Jaslo, Gorlice und Strhszon herrscht Ruhe. In Zalubincze, einem Vorort von Neu- sandec, ließ die Menge Drohungen laut werden, zerstreute sich jedoch, als sie sah, daß das Militär m Bereitschaft stand; ftinsimdzwanzig Personen, welche Widerstand leisteten, wurden verhaftet. In Zagorze (Bezirk Sanoc) kamen gestern wieder erhebliche Ausschreitungen vor. Schweiz. Bern, 20. Juni. Der Nationalrath hat die Vorlage betreffend die Vereinheitlichung des Zivilrechts mit 88 gegen 16 Stimmen, und die Vorlage betreffend die Vereinheitlichung des Strastechts mit 33 gegen 15 Stimmen angenommen. Frankreich. Pariö, 20. Juni. Heute Abend fanden mehrere Besprechungen wegen der Zusammensetzung des Kabinets statt. Die Lösung der Frage dürfte davon abhängen, ob Dupuy ein politisches Portetenille, wie das des Innern, oder nur ein unpolitisches, wie das des Unterrichts, erhalten wird; in jedem Falle wird Sarrien seine Bemühungen fortsetzen.— Paris, 21. Juni. Der Minister des Aeußeren Hanotaux und die Botschafter haben gestern die internationale Sanitätskonvention voin 3. April 1894 raftfizirt.— Paris, 21. Juni. Die nationalistischen DepntirteN brachten einen Amnestie-Antrag für alle politischen und Streikdelikte mit der ausdrücklichen Bestimmung ein, daß die Amnestie auf die mit der Dreyfus-Angelcgenheit zusammenhängenden Fälle nicht anwend- bar sein soll. Nach einer Mitthcilung des �Figaro" forderte der KriegSminister alle einen Motor besitzenden Reservisten auf, ihre Fahrzeuge während der Dienstleistung zu benutzen. PariS, 21. Juni. Der Gemeinderath nahm eine Reso- lution an, in welcher die Regierung ersucht wird, alle H i n r i ch- tun gen in Zukunft innerhalb der Gefängnisse und nicht mehr auf öffentlichen Plätzen vorzunehmen.— Italien. Rom, 20. Juni. Der König empfing bisher außer dem Präsi- deuten der Kammer nur die bereits gemeldeten Senatoren. Man glaubt, daß die Bezeichnung einer Persönlichkeit, welche seitens des Königs beauftragt werden wird, ein Ministerium zu bilden, un- mittelbar bevorsteht. Die„Jtalia" sagt, der König hätte den Auf- trag dem Präsidenten des Rechnungshofes, Senator Finali, angeboten und dieser hätte gebeten, von ihm abzusehen. Das Blatt hebt jedoch hervor, daß, wie gemeldet, Finali heute zum zweiten Male vom König empfangen wurde. Jedenfalls macht die Kabinettsbildung ganz außerordentliche Schwierigkeiten. Man spricht außer von Finali auch von Sonnino, der dann Viseonti-Venosta als Minister des Auswärtigen berufen würde. Zum Schluß dürfte man, wenn die Politiker sich dauernd weigern würden, einige Generale in die Ministerien kommandircn. Acrger als Rudini werden sie es auch nicht treiben.— Mailand, 21. Juni. In dem Prozeß vor dem Militär- g e r i ch t e gegen 24 wegen der Ruhestörungen im Mai verhaftete Personen zog der Auditcur die Anklage gegen den ehemaligen Deputirten Zavattari zurück, ebenso die gegen einen zweiten An- geklagten; er beantragte 12 Jahre Kerker sür Chiesi, den Direktor der„Jtalia del Popolo", 7 Jahre Gefängniß für den Direktor des „Secolo" Romussi, 5 Jahre Gefängniß für den Direktor deS „Osservatore cattolico" Don Albertario und 2 Jahre Gefängniß für Frau K u I i ch o f f; für die übrigen Angeklagten Strafen zwischen 8 und 1 Jahre Gefängniß.— England. London, 20. Juni. Das Unterhaus nahm die dritte Lesung der Finanzbill mit 159 gegen 39 Stimmen an. Der Kanzler der Schatzkammer Hicks'Beach erklärte, seines Erachtens nach würde das Marinc-Programm keine Stcuererhöhung mit sich bringen.— London, 20. Juni. Unterhaus. G o u r l e y frägt an, ob es wahr sei, daß die Flottenmanöver aufgegeben seien. Der Erste Lord der Admiralität, Goschen, erklärt, die beste Antwort sei die Vorlesung der an die Häfen gesandten Weisungen, daß es an- gesichts des anhaltend ernsten Charakters des K o h l e n st r e i k s in S ü d w a l e s u n z w e ck n> ä ß i g wäre, die Kohlenvorräthe durch die Flottenmanöver zu schmälern. Die übliche tbeil weise Mobrlisiruna der Flotte Werve nicht stattfinden, das Kanalgcschwader und das Küstengeschwader werden wie gewöhnlich kreuzen. Das Kanalgeschwader wird ans 8 Schlachtschiffen und 6 Kreuzern, das Küstenwachgeschwadcr aus 6 Schlachtschiffen und 3 Kreuzern bestehen. Um übertriebene Ansichten über den Kohlenvorrath zu vermeiden, füge er hinzu, daß die Admiralität nie einen größeren Kohlenvorrath als jetzt besessen habe; eS handle sich mir um eine V o r s ich t s- maßregel. Die Regierung habe sich in letzter Zeit hauptsächlich nur ans nicht dem Verein angehörenden Kohlengruben mit Kohlen versehen; diese Gruben seien vom Streik nicht berührt. Aber als verlautete, der Streik würde sich auch auf diese ans- dehnen, entstand die ernste Frage, ob der der Regierung gc- hörende Kohlenvorrath durch die Manöver vennindcrt werden solle. Die übliche Vorsicht habe das Verfahren diksirt.(Beifall.) Es seien einschließlich der nach dem Manöver zu erfolgenden Kohlcnverladung auf den Schiffen ein Kohlcnkonsum von 50 000 Tonnen für die Manöver erforderlich.— Serbien. Belgrad, 20. Juni. Hier eingegangene Berichte aus Alt-Serbicn stellen fest, daß während des Aufruhrs in der Gegend von Bcrana eine große Anzahl Dörfer(gegen 40) eingeäschert worden sind. Christliche Serben kämpften mit muhamednnischcn Albanesen. Den Anlaß zum Streit gaben mehrere zwischen diesen Stämmen schwebende Fälle von Blutrache. Jetzt beginnt die Erregung nach- zulassen. Auf beiden Seiten wurde aus Präzisiousgcwchren ge- schössen, mit denen nach den serbischen Berichten die Bevölkerung jener Gegenden von Montenegro aus bewaffnet worden ist.— Der neue Prestgesetzentwurf verlangt vom Zeitnngs-Heraus- gcber eine Kaution, vom verantwortlichen Redakteur die Gymnasial- bilduug.-- Montenegro. Cettinje, 20. Juni. An der Grenze ist alles ruhig.— Türkei. Iis 000 Mann Truppen zur Niederwerftmg des Aufstandes sind nach Jemen(Arabien) gesandt worden.— Konstantinopcl, 21. Juni. Nach türkischen Angaben sollen die öhen von Berana von Christen besetzt sein. Die rnontcncgrinische cgierung beschwerte sich darüber, daß unter den kämpfenden Albanesen sich auch türkische Truppen befänden. Hier wird vermuthet, daß Montenegro eine Grenzberichtigung bei Berana anstrebe. Auf neuerliche Vorstellungen von Montenegro ließ der Sultan die Antwort ertheilen, daß man die Ankunft Saad-Edhin-Paschas abwarten möge, welcher beauftragt sei, die Ruhe wiederherzustellen und die angerichteten Schäden zu ersetzen, trotzdem auch die mangelhaste Grenzbewaffnung, der Waffenschmuagel und andere Un- zuträglichkeiten von montenegrinischer Seite sowie die Haltung der geschadigten Christen an den albanesischen Aufreizungen mit die Schuld trügen. Verschiedene Mächte riethcn der Pforte an, ihr mög- lichstes zur Beruhigung in der gefahrdrohenden Berana-Affäre zu thun und die militärischen Maßregeln zur Zügelung der Albanesen zu verschärfen. Nach Angaben des Kriegsniimsters sind bereits zehn Bataillone in Berana eingetroffen. Die Erregung der Albanesen habe sich gelegt und die Lage sich gebessert.— Afrika. Prätoria, 13. Juni. Der Volksraad nahm eine Bill an, die das Gesetz über die Ausweisung von Ausländern amendirt. Per- fönen, welche gegen das Gesetz verstoßen, können jetzt nur an den ausführenden Rath appelliren.— Eine Abtheilung Freiwilliger ist heute Abend nach Swasiland abgegangen.— Amerika. Washington, 20. Juni. Die Senatskommission zur Vor- berathung des Nicaragua-Kanalprojektes nahm einen Bericht über die Kanalbauvorlage an, welcher wesentlich von den bisherigen Projekten abweicht. Die Vorlage bestinunt im wcscnt- lichen, daß der Kanalbau durch die Vereinigten Staaten ausgeführt und daß das ganze Bankapital von den Vereinigten Staaten über- nommen werden soll.— Australien. Fn der britischen Kolonie West-Anstralien ist unter dem 23. Dezember v. Js. ein Gesetz, betreffend Beschränkung der Einwanderung(Immigratioa Rc8trktiori Act), erlassen tvorden. Dasselbe verbietet u. a. die Einwanderung von Armen, Idioten, Geisteskranken, von Personen, die nnt an- steckender oder gefährlicher Krankheit behaftet sind, und von solchen, die innerhalb eines gewissen Zeitraumes wegen gemeiner Verbrechen oder Vergehen bestraft worden find. Außer- dem ist jeder von der jEinwandenmg ausgeschlossen, der nicht eine aus einem englischen Buche ausgewählte Stelle von 50 Worten in den Schriftzeichcn einer europäischen Sprache nieder- schreiben und mit seinem Namen in der eigenen Sprache unterzeichnen kann. Personen, die gegen die Bestimmungen des Gesetzes ein- gewandert sind, unterstegen der Ausweisung und können überdies mit Gefängniß bestraft werden. Auch der Kapitän und die Eigen- thümcr des Schiffes, das ausgeschlossene Personen gelandet hat, werden mit hohen Geldstrafen bedroht.— Die soziMmkrMtll Wnhlkimittes aller Reichstags- Wahlkreise des Mschm Reiches bitten wir, uns die Nummern der Amtsblätter, in denen das amtliche Ergebniß der Hauptwahl ihres Kreises veröffentlicht worden ist, sofort zuzusenden. Besonderen Werth legen wir auch auf die Angabe der Zahl der stimmberechtigten Personen. Ferner bitten wir die Wahlkomitees um telegraphische B e- nachrichtigung über den Ausfall der Stichwahle«. Unsere Telegramm- Adresse lautet für diesen Fall: „Dringend Sozialdemokrat Berlin." Die Kosten der Benachrichtigung werden auf Wunsch zurück» erstattet. Mit parteigenössischem Gruß l Nedaktio» deS„Vorwärts". S k i fs; n» ä h l e n. Das gestrige Tablcnu ist in Beziehung auf die für unsere Partei in bctracht kommenden Stichwahlen wie folgt zu ergänzen, be- ziehcntlich zu berichtigen: Jntcrvogk- Zaüch- Bclzig. Unser Kandidat Ewald konimt, wie die amtliche Auszählung ergeben hat, nicht mit den: Freisinnigen F r ä n k e l, sondern mit dem Konservativen K r o p a t s ch e ck in Stichwahl. Es erhielten Stimmen: Ewald 7542, Kropatscheck 8575, Fränkel 6709. Zersplittert waren 26 Stimmen. BrcSlan-Laud. Bisheriger Vertreter Graf Limburg-Stirum K. Amtliches Resultat: Schiit» S 6933, Graf Liniburg-Sttrum K 8970, Arnold Z 5073, Schmiedcr FV 780, Dittmer A 629, zersplittert 17/ ungiltig 67. FlcnSbnrg-Apenrade.(2. SchleSwig-Holstein.) Bisher Jebscn N. Amtliches Resultat: Holzhäuser S 4016, Raab A 4424. Erfurt- Tchleusingeu. Bisher Jacobskötter K. Amtliches Resultat: Schulz S 11 733, Jacobskötter K 9125, Schack A 5106, Lieber Z 712, Träger FV 675, zersplittert 16, ungiltig 63. Holziuindcu- Gandersheim. Visher Krüger' N. Amtliches Resultat: Calver S 6480, Römer B d L 3827. Gichen.<1. Hessen.) Bisher Köhler A. Amtliches Resultat: Schcidcmauu S 4495. Köhler A 4718. Göttingeil. Nach dem amtlichen Resultat kommt leider nicht unser Genosse Heymann, sondern der Mischmasch- Parteiler Esser mit dem Welsen v. Olenhusen in Stichwahl. Die amtliche Auszählung ergab an Stimmen für: v. Olenhusen W 5351, Esser Kartell 4663, Hcymanu S 4661, Ruprecht National-Sozial 1187, Lindström Z 168. Die Wahl wird unsererseits angefochten werden, da 8 Stimmzettel für Heymann, auf denen der gedruckte Name des Gegners durchstrichen war, für ungiltig erklärt worden sind. Schwarzburg-Sondershanscu. Bisher Pieschcl N. Amtliches Resultat: Jooö S 4700, Börner N 5642. M n h l fc n in p f» Die Stichwahlen in Mecklenburg finden erst am 25. d. M. statt. Die Stichwahlen in der Pfalz finden am 24. Juni, die Stichwahlen im eigentlichen Bayern am 25. Juni statt, die Stichwahlen in München und Würz- bürg aber erst am 27. Juni. Im übrigen Deutschland scheinen die Stichtvahlen am 24. d. M. stattzufinden.— Ans dem Wahlkreise Zauch- Bclzig- Jiitcrbogk- Luckenwalde. Genosse Ewald steht mit Kropatscheck in Stichwahl. Der Unter- schied beträgt 1000 Stimmen. Wir müssen alle Mann am Freitag nach Hause fahren, um dort unsere Stimme für Ewald abzugeben. Thue jeder seine Pflicht! Auf zur Stichwahl! Die Berliner Arbeiter werden ersucht, ihre Kollegen ans unserem Wahlkreise zur Heimreise zu veranlassen. Amtliche Wahlbeeinflussung. In der köni gl. H a u p t w e r k st a t t für Eisenbahn« bau fn Frankfurt a. O. sind sämmtliche Arbeiter, die beim Militär gestanden haben, ins Bureau der Betriebsverwaltung gerufen worden, Ivo man jedem einzelnen einen Aufruf folgenden Inhalts zur Unterschrift vorlegte:„Der deutsche Kriegerbund fordert die gedienten Soldaten im bürgerlichen Kleine auf, am Wahltage dem konservativen Kandidaten Haake-Letschin ihre Stimme zu geben." Prächtiges Material zu einem erfolgreichen Wahlprotest I Schamlos gelogen! Die offiziösen„Berliner Politischen Nachrichten", da? Blatt de? Herrn von Miguel, machen Propaganda für die Sammlungsparole ihres Herrn und Meisters gegen die Sozialdemokratie. Das ist ihr gutes Recht. Wer schamlos gelogen ist es. wenn von unserer Partei behauptet wird, sie verhalte sich allem Fortschritt gegenüber ablehnend und sei ein Hemmniß jeder gesunden Politil. Das Schweinburg'sche Lügenblatt schreibt: „Kann es als ein normaler Zustand unseres öffentlichen Lebens gelten, daß Reichsregierung und Reichstag infolge ungesunder Funltionirung des Wahlapparates von Session zu Session bei Er- süllung ihrer nationalen Obliegenheiten mit größeren Hemmnissen zu kämpfen haben?, daß bei uns die elementarsten Voraussetzungen für eine gedeihliche politische Altion, die andere Völker ihren Re- gierungen gleichsam auf dem Präsentirteller entgegentragen, erst mühsam und unter Opfern erkämpft werden müssen, ehe' an die Ziehung und Verwerthung der praktischen Konsequenzen gedacht werden darf?... Die Sozialdemokratie will nicht, daß das Deutsche Reich, das deutsche Voll zu höheren Stufen der nationalen Kultur, des materiellen Gedeihens fort- schreite. Jede Stärkung dieser Partei im künstigen Reichstag kann daher nur zu einer entsprechenden Vergrößerung des parlamentarischen ReibnngS- Widerstandes führen, der vor_ allen Dingen überwunden werden muß, ehe für die Regierung und die nationalen Parteien der Weg zur gemein- nlltzigen politischen Thätiakeit stei wird... Die Sozialdemokratie hat von jeher, xzanz besonders auch im verflossenen Reichstag, dargethan, daß sie keinerlei organische Fortschritte will, daß sie am liebsten_ das Deutsche Reich militärisch wie auch Handels-, wirthschafts- und sozialpolitisch zur absoluten Impotenz veriirtheilt sehen möchte, damit das Ausland wieder, wie in den Zeiten der tiefsten Erniedrigung unseres Volkes, aus der Haut des deutschen Michel sich Riemen schneiden kann. Das Ausland, das will sagen alle, die uns unsere politischen und wirth- schaftlichen Errungenschaften seit Aufrichtung des deutschen Kaiser- reichs mißgönnen, sieht voll athemloser Erwartung auf den Stich- Wahltag. Wird die deutsche Wählerschaft verblendet genug sein, und dem inneren Feinde weitere Positionen erringen helfen, die er im gegebenen Moment an den äußeren Feind verrathen kann?" lind noch einmal: schamlos und frech gelogenl Nicht die Sozial- dcmokratie ist es, die dem Fortschritt entgegensteht, die Regierung ist es im Bunde mit Junkern und Pfaffen, die aller gesunden Politik, wie sie den heutigen wirthschastlichen und sozialen Verhält- nissen entsprechen würde, entgegensteht,— ja. die sich von Jnter- esscnten vom Schlage des Herrn von Stumm dazu mißbrauchen läßt, als Prellb o ck gegen die vorwärts drängende Sozialdemokratie zu dienen. Möchte die Regierung sich beispielsweise nur entschließen, in die Bahnen einer großen und wirklich auf das Wohl der Arbeiterklasse, der größten Klasse des Staates, gerichteten Sozialpolitik einzulenken I Das würde in der Sozialdemokratie freudige und starke Mitarbeiter finden I Aber dieser Wunsch wird vorläufig nicht erfüllt werden. Der Kurs der Regierung ist der rückwärts gerichtete der Könitz und Stumm. Und darum zum dritten Mal: schamlos gelogen und bewußt ge- logen, die Sozialdemokratie als Feindin des Fortschrittes brandmarken zu wollen. Die„Krcuz-Zcituug" seufzt die Freisinnigen an, doch ums Himmelswillen in den Stichwahlen für die Konservativen zu stimmen._ Die Sozialdemokratie sei nicht nur antimonarchisch, während die Freisinnigen doch königstreu und staats- erhaltend seien, nein, die bösen Sozialdemokraten bemühten sich auch, die liberalen Mittelparteien überhaupt aus der Welt zu schaffen. Wahr ist ja nun natürlich, daß die Sozial- demolratie unausgesetzt für die Ausbreitung ihres JdeenkreiseS eintritt, wahr aber auch, daß sie die unzweideutige Er- klärung abgegeben hat. in der Stichwahl, wo es sich um „konservativ" oder„freisinnig" handelt, unbedingt für die letztere Partei zu stimmen, und unbestreitbar ist femer, daß das Erscheinen einer Anzahl von freisinnigen Abgeordneten im künstigen Reichstag ganz und gar von dem Verhalten der Sozialdemokratie bei den Stichtvahlen abhängt.— Wenn die„Krcuz-Ztg." schreibt, die Kon- servativen würden in der Stichwahl unbedingt auf feiten der Gegner der Sozialdemokratie, mithin bei Entscheidungsimnpfen zwischen Sozial- dcmokratie und Freisinn auf feiten der letzteren stehen, so ist dies durchaus konsequent. Mit den Freisinnigen haben die Konservativen nicht viel Gemeinsames, noch ferner aber steht ihnen die sozial- demokratische Politik, und so müssen sie wohl oder übel das für sie kleinere Nebel, nämlich den Freisinn wählen. Für die Frei- sinnigen liegt die Situation ganz anders. Nicht nur, daß sie m vielen Wahlkreisen von den Sozialdemokraten abhängen, so, wie die politischen Verhältnisse gegenwärtig liegen, müßten die Freisinnigen einfach für den Sozialdemokraten und gegen den Junker stimmen, weil sie sonst ihrer ganzen Politik, ihrer ganzen Wahlagitation ins Gesicht schlagen würden.„Gegen die Reaktion! Gegen die Junker-Licbesgabenpolitikl" war ihre Wahlparole. Der Kampf nach dieser Seite hin ist, wenn die frei- sinnige Partei überhaupt noch eine Daseinsberechtigung haben will, ihre Haupt-, fast ihre einzige Aufgabe. Und gerade in diesem Kampf gegen die Beschränkung der bürgerlichen Freiheiten, gegen die Reaktion, steht die Sozialdemokratie in vorderster Reihe. Der Freisinnige, der in der Stichwahl zwischen einem Sozialdemo- kraten und einem Konservativen den letzteren wählte, würde einfach albem handeln und würde seiner eigenen Partei den Todesstoß versetzen. Für die Sozialdemokratie handelt es sich bei allen Kämpfen um Prinzipien, für die Freisinnigen drehen sich die Kämpfe blos um Mandate.— Spekulation auf die Dummheit. Auf die Dummheit der Wähler spckulirt der Vorstand des Wahl- Vereins der Fortschrittspartei im zweiten Berliner Reichstags-Wahl- kreise, indem er ihnen in seinem neuesten Flugblatt vorredet, daß die Sozialdemokraten das kostbarste Gut des Volkes, die Familie, hinopfern und das persönliche Eigenthnm ausheben wollen, daß sie moderne Sklaverei durch ungerechte Unterbindung der Intelligenz und schablonenmäßige Gleichmacherei erstreben und auf die Kon- fiskation des ehrlich erworbenen Besitzes ausgehen. Solchen Unsinn glaubt doch selbst das freisinnige Bürgerthum nicht mehr. Interessant ist an dein Fingblatt nur das Zugeständniß, daß der freisinnige Kandidat Robert Kreitling das„Bürgcrthum" vertreten will. Das haben ja die Freisinnigen von jeher gcthan, und deshalb hat sich ja gerade die Arbeiterschaft von ihnen abgewandt. Die Wähler des zweiten Berliner Krxiscs werden am Freitag von neuem zeigen, daß sie von einem Vertreter des„Bürgerthums" nichts wissen wollen, und sie werden aus diesem Grunde für unseren Genossen Richard Fischer stimmen, der durch seine bisherige parlamentarische Thätigkett belviesen hat, daß er sich als Vertreter des gesammtcn Volkes betrachtet.— Freisinnige Zerfahrenheit. Noch immer wissen die Freisinnigen nicht, ob sie da, wo ein Sozialdemokrat in der Stichwahl einem Reaktionären gegenüber- sieht, für ersteren oder für letzteren stimmen sollen. Nicht genug, daß der Partcivorstand sich bisher in Schweigen gehüllt hat, erklärt jetzt die„Freisinnige Zeitung", das leitende Parteiorgan, sogar, daß diejenigen Blätter,' die den Freisinnigen eine Wahltaktik vorschreiben, weder Fühlung mit der Parteileittmg haben, noch über die Stellungnahme der Partei in den einzelnen Wahlkreisen unter- richtet sind. Offenbar fühlt sich Engen Nichter trotz seiner großen Niederlage oben auf, er weiß, daß er bei den Stichwahlen �sein Geschäft macht, nicht etwa infolge der Kraft der freisinnigen Prinzipien, sondern infolge des Edclmuthes der Sozialdeniokraten, die nicht gleiches mit gleichem vergelten, sondern unbekümmert darum, ob die Mannen der Richter und Rickert sich schofel benehmen oder nicht, doch die Freisinnigen als das geringere Uebel betrachten und dementsprechend handeln werden. Andererseits hofft er darauf, daß ihn auch die Konservativen gegen die Sozial- demokraten unterstützen werden, so daß die„Kreuz-Zeitung" nicht ganz unrecht hat, wenn sie neulich behauptete, daß die Freisinnigen mit dem Rocke des einen und mit der Hose des anderen Nach- barn angethan, stolz, wie es Volkstribunen geziemt, in den Reichstag einziehen. So ist es denn kein Wunder, daß die Anhänger der freisinnigen Parteien in den verschiedenen Wahlkreisen eine ganz verschiedene Taktik befolgen und eimnal zur Unterstützung der Sozialdemokraten auffordern, ein anderes Mal Sttmmenthaltung proklamiren und wieder in andere» Kreisen mit den Sammlungspolitikern liebäugeln. In Jena z. B. erläßt der freisinnige Wahlausschuß an die liberal gesinnten Wähler des 3. Weimarischen Kreises einen warmen Aufruf zu gunsten unseres Genossen Leutert. Der Aufruf weist darauf hin, daß der sozialdemokratische Kandidat absolute Gewähr dafür bietet, daß er in allen gesetzgeberischen Fragen, die den nächsten Reichstag beschästigen können, die Forderungen des bürgerlichen Liberalismus rückhaltlos vertritt und eine unbedingt verläßliche Stütze gegen alle Versuche, auf Kosten der Allgemeinheit die Sonder- interessen einiger bevorzugter Stände zur Richtschnur der Gesetz- gebung in Deutschland zu machen. Deshalb fordert der freisinnige Wahlausschuß im Verem mit dem stüheren Abg. Dr. Harmening alle liberal gesinnten Wähler dringend auf. Mann für Mann für den Sozialdemokraten zu stimmen, nicht feiner Partei zu liebe oder semer Person, sondern um Protest zu erheben gegen die politische und wirthschaftliche Reaktton in Deutschland.„Keine Wahlenthalwng l— weder aus blinder Gegnerschaft gegen ihre An- Hänger! Wahlenthaltung aus derartigen Beweggründen bedeutet unter den Verhältnissen m diesem Wahlkreis direkte Beförderung des Sieges der reakttonären Parteien." Im Gegensatz hierzu werden die Freisinnigen in Spandau- O st h a V e l l a n d, wie der„Berliner Ztg." geschrieben wird, genau wie 1883 den Sammelkandidaten wählen.„Das freisinnige Wahl- komitee in Spandau hat nicht einmal den Math, seinen Wählern für die Stichwahl eine Parole auszugeben. In dem freisinnigen„Anz. f. d. Havelland", der so begeistert für die Wahl des Dr. Mugdan einttat, findet man nur den Satz:„die Wahl Paulis(kons.) ist silher" und doch liegt es nur am Freisinn, wer gewählt wird, da beide Kandidaten nur wenig auseinander sind." Mit Recht nennt die„Verl. Ztg." ein solches Vorgehen ein selbstmörderisches Treiben freisinniger Wähler. Aber was helfen die Ermahnungen der ver- nünftigen freisinnigen Organe ihren durch Partelleidenschaft ver- blendeten Anhängern? Endlich erkannt! Die„Magdeburgische Zeitung" schreibt am Schlüsse eines Lest- artikels: „Bei den Stichwahlen muß die Parole sein: Vorwärts mit vereinten Kräften gegen die reaktionärste aller Parteien, gegen die kulturfeindliche Sozialdemokratie!" Wir können uns leider nicht revanchiren und die Nattonal- liberalen eine den Fortschritt und die Kultur des Volkes fördernde Partei nennen.— AlS verschmähter Liebhaber geberdet sich die„Deutsche Tages-Zeittmg". DaS Bündlerblatt ist unzustieden mit der„Freisinnigen Zeitung", die zwar schmunzelnd die Liebeswerbungen der Agrarier abdruckt, aber noch Bedenken trägt, sich sofort den Kornwuchcrcrn in die Anne zu werfen. Man werde deshalb gut daran thun,„den Freisinnigen in den VerHand- lungen über die Sttchwahlen den Ernst der Lage recht deutlich vor Augen zu führen und ihnen klar zu machen, welche Folgen es für ihre Partei haben muß, wenn sie nicht ehrlich und aufrichtig mit den rechtsstehenden Parteien in den Kampf gegen die Sozialdemokratte zieht. Man lasse sich nicht durch schöne Redensarten und allgemeine Ver- sichenmgen blenden, sondeni fordere, daß eine bindende Zusage gegeben, und daß diese Zusage durch kräftiges Einwirken der Wähler in der Presse und in den Wahlversammlungen auch verwirklicht werde." Wenn der Freisinn sich so betrage, daß er den Anspruch auf die Be- zeichnung staatserhaltend, der ohnehin schon auf recht schwachen Füßen steht, verwirkt, so entfalle auch der Anlaß, ihn als das kleinere Uebel zu betrachten.„Eine Partei, die aus eigener Kraft kein einziges Mandat zu behaupten ver- mag, spielt keine polttische Rolle mehr, und es ist wohl zu überlegen, inwietvcit es richtig ist, ihr eine Bedeutung zu verschaffen, welche den thatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Dies wird nur dann ge- boten?cin, wenn man die Sicherheit hat, daß an anderer Stelle uns dafür die gleiche Unterstützung zu thcil wird, denn sonst würde eine Verschiebung der Parteiverhältnisse und eine Irreführung der Anschauungen des Volkes eintreten, deren Folgen vorläufig noch garnicht abzusehen sind."...„Nur unbeugsame Festigkeit in den Forderungen an die bürgerliche Demokratie kann zu einem ge- Ivünschten Ergebniß führen, und es ist durchaus unsere Pflicht, der bürgerlichen Demokratie bei der jetzigen Lage der Dinge unsere Macht und unsere überlegene Stellung fühlbar zu machen. Nur dann, wenn dies mit dem nvthigen Nachdruck geschieht, wird man auf jener Seite einsehen, daß das bei den früheren Wahlen beliebte doppelte Spiel in diesem Falle nicht mehr am Platze ist und wenigstens in einer Reihe von Wahlkreisen, wo die Verbitterung noch nicht den allergrößten Grad erreicht hat, zu dem gewünschten Ziele kommen." Geschieht den Freisinnigen ganz recht. Warum be- kennen sie nicht Fabrbe! llcbcr die Wahlen der natioualliberalen Partei, die im letzten Reichstag mit 49 Mitgliedern vertreten war, berichtet die„Nationallib. Corr.":„Es sind im ersten Wahlgang bereits ge- Wonnen: 1. Graudcnz von den Polen, 2. Mittwcida von den Sozial- demokraten und vom bisherigen Besitzstand behauptet: 3. Neu- Haldensleben, 4. Tondern, S. Dillenburg, ö. Homburg-Kusel, 7. Annaberg, 8. Worms, 9. Wolfcnbüttel. Sodann steht die nationalliberale Partei in 77 Stichwahlen, und zwar in 86 Kreisen gegen die Sozialdemokraten sWanzlcben, Halberstadt, Aschersleben, Hameln, Stade, Goslar, Harburg, Halle, Dith- Märschen, Dortmund, Solingen, Kassel, Zittau, Döbeln, Leipzig- Stadt, Jena, Bernburg, Sondershausen, Rudolstadt, Braun- schweig, Holzminden, München 1, Speyer, Hof, Bayreuth, Er- langen, Kannstadt, Göppingen, Eßlingen, Karlsruhe, Pforzheiin, Mannheim, Darmstadt, Friedberg-Biidingen, Bensheim, Schwerin); in 19 Kreisen gegen das Zentrum(Hamm, Duisburg, Bochum, Kreuznach, Saarbrücken, Wetzlar, Diez, Neustadt a. d. Hardt, Germers- heim, Zweibrücken, Forchhcim, Kempten, Konstanz, Lörrach, Donau- cschingen, Heidelberg, Offcnburg, Lahr, Frciburg i.Br.); in 7 Kreisen gegen die Welsen lOsnabrück, Gifhorn, Uelzen, Lüneburg, Verden, Nienburg, Melle); in 3 Kreifcn gegen die Konservativen(Guben, Norden, Herford); in 3 Kreisen gegen Christlich-Sozialc und Anti- scmitcn(Siegen, Waldcck, Alsfeld); in 7 Kreisen gegen Freisinnige und Deutsche Volkspattei(Aurich. Iserlohn, Oldenburg, Mciningen, Ulm, Tübingen, Oberndorf a. Neckar); endlich in je einem Kreise gegen die Elsaß-Lothringer(Straßburg-Land) und gegen die Polen(Thom). 39 dieser Wahlkreise sind zuletzt iiicht im Besitz der nationalliberalen Partei gewesen; die anderen 38 sind bisheriger Besitzstand. Nach Schätzung der nun vorliegenden genaueren Ziffern darf erwartet werden, daß die nattonal- liberale Partei aus den 77 Stichtvahlen 48 bis 89 Mandate noch ertvirbt." Soweit die„Nattonalliberale Korrespondenz". Unsere Partei- genossen dürfen es an Eifer und Arbeitsfrende nicht fehlen lassen, diese weitaussehenden Wünsche der charakterlosesten Partei Deutsch- lands nicht in Erfüllung gehen zu lassen.— AuS dem Wahlkreise Goslar- Hcrzberg wird uns berichtet: Fünf Kandidaten, ein Nationalliberaler, Weife, Antisemit und Banernbiindler, Freisinniger Volksparteiler und em Sozialdemokrat rangen hier um den Sicgespreis. Unser Kandidat Fritz Wille hat die meisten Stimmen und zwar 5999 auf sich vereinigt und steht mit dem Kandidaten der NattonaUiberalen, Fabrikanten ton:, welcher 5686 Stimmen erhielt, in Sttchwahl. Der andidat der Weifen, der Todfeinde der Nattonalliberolcn, bekam 1435 Sttmmen. Der fteisinnige Volksparteiler und der anti- semitische Zwillingskandidat sind gründlich abgefallen. Letzterer hatte in jedem Dorfe Versammlungen, in den größeren Orten sogar zwei und drei abgehalten und in vielen Versammlungen erzählt, daß der Sozialdemokrat 5500, der Nattonalliberale 3500, er, der Antisemit aber 4500 Sttmmen erhalten und mit dem Sozialdemokraten in Stichwahl kommen und sicher gewählt werden würde. Er blieb jedoch mit 2911 Sttmmen auf der Strecke und fordert mm in den, Blättern seine Wähler auf. Mann für Mann für den Großkapitalisten Horn zu stimmen. Vorher hat derselbe gesinnungstüchttge„Volks- fteund" gegen die Auspowerung der arbeitenden Klassen durch das Großkapital gewettert und gedonnert! Viele seiner Wähler werden denn auch voraussichtlich nicht für Horn, sonden: für unseren Kandidaten stimmen. Die Agitatton war uns durch Saalabtreibereien furchtbar erschwert. Versammlungen unter fteicm Himmel wurden meist verboten. So meldeten wir auf den 5. Juni eine Versammlung an, die auf einem Windmühlengrundstück in Kiestedt bei Salzgitter tagen sollte. Die Genehmigung wurde jedoch vom Landrathsamt in GoSlar versagt, weil am selben Tage Schützenfest in Salzgitter sei und durch Abhaltung einer Versammlung! im benachbarten Ort die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet werden könnte. Wir meldeten die Versammlung nun arlft Freitag, den 10. Juni, abends ll'S Uhr an. zu welcher Zeit die Schützen ausgeknallt hatten. Die Genehmigung wurde aber wieder versagt, weil„durch Abhalttmg einer öffentlichen Versammlung bei s o später Abendstunde die öffentliche Ordnung u. s. w. ge- stört werden könnte." Aller guten Dinge sind drei, sagten wir uns. und meldeten die Versammlung auf den 10. Juni, abends'/s? Uhr an. Diesmal wurde die Versammlung gestattet, jedoch mit der Bedingung,| daß dieselbe bei Sonnenuntergang, der nach dem Kalender um 8,25 abends vor sich ging, geschlossen lein müßte. Trotzdem die Leute dort bis 7 Uhr arbeiten müssen, war d:e, Versammlung noch gut besucht und die kernigen Worte, die unser Kandidat W i I k e und Genosse B e i m s aus Stuttgart(ftüher, in Goslar) an die Anwesenden von der Windmühle herab richteten, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Zu 1 Sonntag meldeten wir nun abermals eine öffent- liche Versammlung bei der Windmühle rcchtzeittg beim Land-, rathSamt an, aber erst am Montag erhielten w:r den Bescheid,, daß sie genehmigt sei. Die Antwort wird der Herr Landrath am i Tage der Stichwahl erhalten. Unser Kreis ist ungeheuer schwer zu bearbeiten. Die Zahl der unabhängigen Genossen ist nicht groß; aber tüchtig und was menschenmöglich ist, das wird geleistet. Seit dem 5. Mai ist unser Kandidat Wille mit wenigen Unterbrechungen und Genosse BeimS seit 14 Tagen hier und haben sich bei den Gegnern so in Respett gesetzt, daß diese einer Diskussion mit ihnen gewöhnlich aus dem Wege gehen. Den Genossen aus Hannover und Braunschweig, insbesondere dem Braunschweiger Radfahrer-Verein, der uns einen Thcil seiner leichten Kavallerie zur Verfügung stellte, sagen wir unser» besten Dank, ebenso dem geselligen Verein„Die lu st igen Brüder" in Berlin, der unS als Ueberschutz vom Pfingstvergnügen 17,80 Mark durch F. Wille übersandt hat. Wir werden uns für die Unterstützung der aus-, wältigen Genossen dadurch erkenntlich zeigen, daß wir alles auf«' bieten, um am Tage der Stichwahl den Nattonalliberalen in die Flucht zu schlagen. Die deutsch-haunoversche Partei erläßt zur Sttchwahl folgende Kundgebung: Erklärung! Die Grundsätze des Rechts, welche die dentsch-hannoversche ?5artci von allen anderen Parteien im hannoverschen Vaterlande cheidet, machen es uns zur Pflicht, unseren Parteigenossen in den in Frage kommenden Wahlkreisen Stimmenthaltung zu empfehlen. Hannover, den 13. Juni 1893. Das Direttorium des hannoverschen Wahlvereins. A. von Reden-Reden. Im 2. und IL. badtsche» Wahlkreise haben unsere Parteigenossen den Beschluß gefaßt, bei den Stich- wählen für den Zentrumskandidaten gegen den der Nattonal- liberalen einzutteten. Durch Annahme einer Resolutton ist aber klar und deutlich ausgesprochen, daß das Zentrum durchaus nicht als eine wahre Volkspartei anzusehen ist, sondern daß es den Nattonal- liberalen gegenüber nur als das„kleinere Uebel" gelten kann. Dagegen haben die Führer des Zentrums in München I den Beschluß gefaßt, aus„höheren Gesichtspunkten" für den Liberalen, der mit unserem Genossen Birk in der Sttchwahl ist, stimmen zu wollen.— Unsere Münchener Parteigenossen werden daher alles aufbieten müssen, um den vereinigten Reaktionären die Spitze bieten zu können. Die klare Stellungnahme unserer Partei bei den Stich- � wählen unterscheidet sich sehr vortheilhaft von dem Feilschen und Schachern der Gegner._ AVochlbekvÄrhtungen. Die Bcdcutuug der sozialistischen Sttmmenmaffe bei dieser Wahl wird dadurch wesentlich erhöht, daß sie aus allen Theilen Deutschlands, aus den ländlichen Bezirken ebenso wie aus den Großstädten kommt. Während I das Zentrum, dessen Stimmenzahl der unsrigen am nächsten steht, auf drei größere Ge- biete beschränkt ist: auf die Rheinlande, Bahcrn und Posen-Schlesien, und im übrigen Deutschland entweder gar nicht oder sehr schwach ver- treten ist,— hat die Sozialdemokratte in allen Theilen Deutschlands Wurzel gefaßt und sich ausgebreitet, wenn auch natürlich nicht üherall in gleichem Maße. Wenn unsere Gegner darüber höhnen, daß wir in einigen Großstädten seit der Wahl von 1893 nur kleine oder gar keine Fortschritte gemacht haben, so vergessen sie, daß in vielen Großstädten eine Höhe der Betheiligung erreicht ist, die, wenn nicht irgend etwas die Leidenschaften anspornt, nicht leicht überschritten werden kann. Alle Großstädte Deutschlands sind aber entweder in unserem Besitz, oder wir bilden in ihnen die stärkste Partei. Anders in den kleineren Städten und ausi dem Lande. Dort stellten siih unseren Fortschritten schwere Hindernisse entgegen. Und seit wir unsere Fahne auf den Zinnen der Großstädte aufgepflanzt haben, ist deshalb unser Hauptaugenmerk aufj die Eroberung der kleineren Städte und des flachenLandes gerichtet. Daßi wir dabei Erfolg hatten, das ist unseren Gegnern durch die Wahlen von 1890 und 1893 bereits gezeigt worden. Allein die Erfolge, welche' durch die Wahlen von 1890 und 1893 bekundet wurden, werden in Schatten gestellt durch die Erfolge, welche der 16. Juni d. I. be- kündet hat. Der gewaltige Stimmenzuwachs seit 1893 entfällt fast ausschließlich' auf die kleinen Städte und das flache Land. In den Großstädten ist der Zuwachs relattv nicht! erheblich, und wir können hier auch für die Zukunft � kaum eme namhafte Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen\ erwarten. Desto erheblicher ist der Zuwachs in den kleineren Städten und in den Dörfern. Er beweist uns, daß der Sozialismus längst die Mauern der großen Jndnstriezentten und Fabrik- städte überschritten hat, und nachdem er die Lohnarbeiter gewomicn, jetzt seinen Siegeszug durch die kleinen Städte und das flache Land hält und die Handwerker, Bauern und Landarbeiter für sich erobert. Und dieser Sieges-' zng ist es, welcher der Wahl des 16. Juni 1898 die Signatur gieöt.— „Stillstand" der Sozialdemokratie in Berlin. Einige Berliner Freisinnsblätter haben sich für Berlin aus dem Wahlergebniß einen„Aufschwung" des Liberalismus und einen„Still st and" der Sozialdemokratie znrecht- konstrnirt. Geschickt gleiten sie darüber hinweg, daß in ganz Berlin nur die sozialdemokratischen Stimmen zu- genommen haben, die freisinnigen aber(selbst wenn die die?- malige Unterstützung durch Nattonalliberale außer bewacht bleibt) ebenso wie die konservativ- antisemitischen zurückgegangen sind. Dagegen heben sie mit Eifer hervor, daß bei einer die Wahlkreise von einander sondernden Betrachtung drei Kreise ein Mehr für die freisinnige Volkspartei und gleichzeittg ein Weniger für die Sozialdemokratte ergeben. Die guten Leutchen stellen sich, als hätten sie nie etwas davon gehört, daß die soziale Zusammen-' fetzung der Bevölkerung— die doch für den Wahlansfall eines Kreises den Ausschlag giebt— nicht blos in den ver»' schiedenen Stadttheil'cn Berlin» verschieden ist,] lonbent auch slch innerhalb jedes einzelnen Stadt- thelis immer mehr ändert. Jeder weih, daß in der Bertherlung Uon Reich und Arm über die Stadt Berlin eine ziemlich scharfe örtliche Trennung stattfindet,— trr Stadtthcile giebt, die vorwiegend von einer wohlhabenden Bevölkerung, und andere, die vorwiegend von Un- bemittelten bewohnt sind. Man braucht nur Extreme, wie die theils zum 1., theils zum 2. Kreise gehörende Thiergarten-Umgebung und den im 6. Kreise liegenden Wedding zu nennen, um den schroffen Gegensatz, der sich in der örtlichen Grnppirung der Berliner Be- volkerung zeigt, sofort klar hervortreten zu lassen. Dabei vollzieht sich aber eine allmälige Wandlung dahin, daß aus der inneren Stadt, wo die Wohnhäuser mehr und mehr durch Geschäftshäuser ersetzt werden und die Wohnungsniiethcn fortgesetzt steigen, die Unbemittelten immer mehr in die billigeren Außenbezirke gedrängt werden, zum theil sogar in die angrenzenden Bororte(wir ennnern mir an die dem vierten Kreise vorgelagerten Orte Rixdorf und Friedrichsberg). Wir haben diese Ent- Wickelung wiederholt an der Hand statistischer Daten de sprachen und dabei mehrfach auch hervorgehoben, welche Be deutnng sie bei den Wahlen für eine Verschiebung des Ergebnisses der einzelnen Kreise haben könne. Daß das Partciverhältniß in den Wahlkreisen in erster Linie durch das Borwicgen bestimmter Bevölkerungsschichten bedingt wird, ist ja be kannt. Nur jene Freisinnsblätter möchten jetzt so thun, als wüßten sie das nicht. Sie sagen zwar, daß der sozialdemokratische Stimmen- zuwachs im sechsten Kreise durch Zuzug von Arbeitern herbeigeführt fei,_ erklären aber die in anderen Kreisen eingetretene Abnahme der 'sozialdemokratischen Stimmen nicht ebenso aus einer Verdrängung der_ sozialdemokratischen Arbeiter durch wohlhabendere'frei- .sinnige Bevölkerungsschichten, sondern— aus dem„Stillstand" (der Sozialdemokratie. Dieser vermeintliche„Stillstand" ist eine Wirkung der geschilderten Hinausdrängung eines Theiles der Arbciterbevölkerung in Außenbezirke und in die Vorort-Wahlkreise, —; welche Wirkung aber bei den Stichwahlen noch durch stärkere Heranziehung der säumigen Wähler ausgeglichen werden kann. Dem Freisinn ist bei dieser Entwicklung obendrein die für viele Wähler einer Schmälerung deS Wahl- ; rechts gleichkommende Ungleichheit der Berliner Wahlkreise zum Vortheil ausgeschlagen. Hat diese es doch ermöglicht, daß der Freisinn 1893 in dem kleinen ersten Kreise, wo die Wohlhabenden noch den Ausschlag geben können, noch in der Stichwahl siegte. Vielleicht preist mancher Freisinnige— trotz der bisherigen Klagen des Freisinns über Wahlkreis-Ungleichheit— die Ungleichheit der Berliner Kreise im stillen schon lange. Das wäre zwar ein an sich widerspruchsvolles Verhalten, wider spräche aber nicht den sonstigen an Widersprüchen so �reichen Gepflogenheiten des Freisinns. Daß � dieser auch gegen eine Schmälerung des Wahlrechts nichts einzuwenden hat, wenn sie ihm zu statten kommt, das zeigt seine thatsächliche Stellung zum Dreiklassen-System bei den Kommunalwahlen,— einem System, dem es z. B. die Herren Langerhans und Kreitling zu danken haben, daß sie 1895 durch das Vertrauen von ganzen 33 bezw. 27(in Buchstaben: drei ■unddreißig bezw. siebenundzwanzig) Berliner Bürgern der kleinen aber durch Besitz mächtigen ersten Abtheilung in die Stadtverordneten Versammlung gelangt'sind. Als Reichstags-Kandidaten werben diese Herren bekanntlich um die Stimmen des arbeitenden Volkes.— Das unaufhaltsame Vorauschrcitcu der Sozialdemokratie, das von den bürgerlichen Parteien zu verkleinern gesucht wird, um chcit Zusammenbruch in den eigenen Reihen zu verschleiern, dies Voranschreitcn der Sozialdemokratie wird von halbamtlicher Seite, nämlich in den von Herrn Miguel ressortircndcn„Verl. Polit. Nach- richten", unumwunden zugegeben. Es heißt da: „Wenn jetzt von manchen Seiten infolge einer, wie uns scheint, übel angebrachten Anwandlung von Optimismus den sozialdemo- kratischen Wahlerfolgen in den Großstädten, namentlich in Berlin, dadurch eine minder beunruhigende Seite abzugewinnen versucht wird, daß inan herausrechnen will, der diesmalige sozialdemo- kratische Stimmenzuwachs sei, wenn auch an sich erheblich, so doch keineswegs proportional dem Wachsthum der Bcvölkc- rung innerhalb des letzten Jahrfünfts, mithin habe die sozial demokratische Bewegung in Wahrheit den Gipfelpunkt ihrer Jtensität nunmehr erreicht, bezw. schon hinter sich, so ist das ein Trugschluß, durch den ein Kenner der Verhältnisse sich nicht einen Augenblick täuschen läßt. Bezüglich Berlins— und ähnlich dürften auch die Dinge in anderen Großstädten liegen,— genügt zur Entkräftuiig einer solchen Argumentation der einfache Hm- tvcis, daß infolge der außerordentlichen EntWickelung und Erleichterung des Vorortverkehrs die Genossen Jahr aus Jahr ein in hellen Haufen außerhalb der Umgebung Berlins ihre Wohnung aufschlagen. Der Sache des Umsturzes erwächst daraus der doppelte Vorthcil, daß dieselben Leute, welche tagsüber in den Werk- stättteu ze. der Großstadt agitatorisch thätig sind, dieses Metier nach voll- drachtem Tagelvcrk in ihren vorörtlichen Domizilen fortsetzen. Die ge- ringe Verlangsamung des Anwachsens der Gcnossenzahl in Berlin wird durch das rapide Hinaufschnellen der Partei in den Vororten— wie die für sozialdemokratische Bewerber in der Umgebung Berlins er- zielten Stimmresultate darthun— mehr als ausgeglichen. Man soll sich also durch oberflächliche Betrachtung der Dinge nicht in eine falsche Vertrauensseligkeit einwiegen lassen." Wir können dem hinzufügen, daß diese Wahrnehmungen mit unseren eigenen Ansichten über das Wachsthum unserer Partei voll übereinstimmen.— Der Ausgang der Wahl in der Provinz Schleswig-Holstein hat dem Freisinn in Kiel Anlaß gegeben, sich einmal in seiner wahren Gestalt zu zeigen. Verblaßte und verwischte Talente, ver- schwommeuc, unklare Grundsätze, so bietet der Freisinn das Bild einer politisch bankrotten Bourgeoisie. Diese tapferen Freisilms seelen, die sich nur dem Namen nach von Nationallibcralen unter- fcheidcn, geben durch ihr Lciborgan, die„Kieler Zeitlmg", ihrer HerzenSmeiming offenen Ausdruck. Das Ergebniß der Wahl in unserer Provinz: 2 Sozialdemokraten gewählt und 4 in Stichwahl bei nur 10 Wahlkreisen, giebt der„Kieler Ztg." Anlaß zu folgenden Ausführungen:„Wir geben uns der Erwartung hin, daß bei' diesen Stichlvahlen alle nichtsozialistischen Wähler fest zusammenstehen und ihre Kraft vereinigen werden, um in jeden, Kreise die Wahl eines Sozialde, nokraten zu verhindern. Indem sie so handeln, werden die freisinnigen Wähler genau nach dcmGrnndsatze verfahren, welcher von der liberalen Partei SchlcSwig-Holsteins unter Häncl's Führung festgehalten und getreulich be folgt ist." Wir wollten nichts von diesen Ausführungen sagen, wenn es lauter Freisinnige lvären, die bei diesen Strchlvahlen iu Frage kämen, doch ist dieses nur im 7. Kreise der Fall. Im 5. Kreise steht unser Genosse mit einem Nationallibcralen, im 10. Kreise mit cincin Konservativen und im 2. Kreise mit einem Antisemiten inStichivahl. Das also ist jetzt„f r e i s i n n i g", für einen Schutzzoll- Politiker, für einen Brotvertheuerer, für einen Bcschneider der Volksrechte, mit einem Wort für einen Konservativen gegen einen Sozialdemokraten einzutreten. Und„freisinnig" ist es, die Wahl eines Antisemiten zu empfehlen, mit besonderem Behagen in gesperrtem Druck mitzutheilen, daß die liberalen Wähler in Flens- bürg„aus nationalen Gründen für Raab(Antisemit) voliren" werden. Was verschlägt es, daß man in seinem Programm die Gleich- stellung aller verlangt, und der Antisemit im direkten Gegensatz hierzu einen Theil der Bevölkerung in eine Ausnahmestellung hineindrängen will, Menschen ihrer Religion und Abstammung wegen unter Ausnahmezustände stellen will. Weiter kann man es in der Aufgabe seiner einstigen Ideale und Grundsätze gewiß nicht bringen. Das Wort von der„alles einen reaktionären Masse", es gilt denn doch nicht. Den Belveis erbringen die Freisinnige». Einen deutlichen Beweis des unaufhaltsamen Niederganges der Freisinnigen bietet die Wahl im 9. schleswig-holsteinischen Wahlkreise. Dei der Nachlvahl im vorigen Jahre hatten sich zwei Freisinnige als Kandidaten gegenüber gestanden und noch 1792 resp. 1335 St. erhalten. Die Lehren von damals beherzigend, hatte man diesmal nur einen Kandidaten aufgestellt. Das Ergebniß war dann 822 Stimmen. In 6 Monaten also ein Minus von 2305 Stimmen. Diese dem Freisinn verloren gegangenen Stimmen hat fast alle der National- soziale Damaschke gewonnen, dessen Stimmenzahl von 2143 auf 3957 gestiegen ist. Ganz niedergeschlagen ob dieses Ausganges schreibt die„Kieler Ztg.": In Ostholstcin ist es so gekommen, wie es nach dem wüsten Treiben im Herbste vorigen Jahres kommen mußte. Die„Kieler Ztg." hat ganz vergessen, daß sie selbst auf der einen Seite des„wüsten Treibens" gestanden hat. Als Wahlkuriosum wird dem„Fränkischen Kurier" von Hildesheim mitgetheilt, daß der Oberbürgenneister Struckmann nicht wählen konnte, weil sein Name nicht in der Wahlliste stand. Da werden in Hildesheim die Wählerlisten künftighin besser geführt werden. Die ungeheuerlichsten Vorgänge am Wahltage werden aus dem 17. und 18. hannoverschen Wahlkreise gemeldet. Wie die„Bremer Bürger- Zeitung" berichtet, sind unsere Genossen in zahlreichen Fällen aus den Wahllokalen gewiesen worden. In mehreren Orten wurden nach der Auszählung sozial- demokratische Stimmen als gar nicht vorhanden gemeldet, trotzdem sich hat feststellen lassen, daß eine Anzahl Wähler für den Kandidaten unserer Partei gestimmt haben. In O st e r o d e hat der Wahlvorstand zur Auszählung der Stimmen sich in einen ab- geschlossenen Rauin zurückgezogen.— Die Wahlprüfungskommission des nächsten Reichstages dürfte, wie es scheint, fehr viel Arbeit bekommen. Das Endergebnis! im 1. SchleSwig-Holstein'schcn Kreise HadcrSleben-Tondcrburg ist wie folgt: Johannsen(Däne): 10 431, Hennigsen(deutsch) 3714, Petersen(S.) 345. Bei der Wahl 1893 erhielt der sozialdemo- kratische Kandidat 175 Stimmen. Zu bemerken ist, daß m diesem Kreise die deutsch-sprechende Arbeiterschaft nur in sehr geringer An- zahl vorhanden ist. Kamerad v. Brockhausen. Für den Landrath des Kreises Dramburg, Herrn v. Brockhausen, ist auch der dortige Kriegcrverein eingetreten m einem Flugblatt, das an alle gerichtet ist, die des Königs Rock getragen haben, und sich in großprahlerischen Reden gegen die„erbärmlichen Gesellen" ergeht, denen der Spaß gründlich verdorben werden soll. Das Flugblatt schließt mit den Worten:„Wählt unseren Kameraden Landrath v. Brockhausen-Dramburg." Nun, der Aufruf hat gewirkt, Kamerad a. Brockhauscn zieht in den Reichstag ein, um dort in seinem Spezialfach zn machen und von der Rednertribüne herab die Grohbazare todtzuredeil. Wir hoffen, daß er uns durch seine vor- sintfluthlichen Anschauungen noch recht viel Spaß machen wird. Möge sich Kamerad v. Brockhausen in den Kämpfen, die er mit unseren Genossen zu bestehen hat, allezeit als tapferer Streiter be- währen, auf daß er dem Dramburger Kriegervercin Ehre macht I Aus Ober-Schlesic». Am Wahltage ging es hier, besonders in den Wahlkreisen des Industriegebietes, sehr lebhaft, theilwcise sogar recht stürnnsch zu. Der erste Grund zur Erregung der Bevölkerung war die von den Wahlbureaus überall selbst anerkannte Thatsachc, daß die Wähler- listen so unvollständig waren, daß sie geradezu mit sträflicher Liider- lichkeit und Nachlässigkeit hergestellt zu sein scheinen. In den Wahlkreisen Lublinitz— Tost— Glciwitz, Kattowitz— Zabrze und Beuthen— Tarnowitz gingen Tausende ihres Wahlrechtes verlustig, weil sie in den Liften nicht eingetragen waren und ver- säumt hatten, sich zur Zeit der öffentlichen Auslegung der Listen nachtragen zu lassen. In der Stadt Gleiwitz waren die Listen be sonders mangelhaft, die Beivohner ganzer Straßen fehlten. Selbst' verständlich schadete diese UnVollständigkeit der Listen besonders den proletarischen Wählern, da sie ja mehr als 90 pCt. der Gesammt- bevölkcrung ausmachen. Massenhaft entstanden deshalb unruhige Szenen in den Wahllokalen. Der zlveite Grund zur Erregung der Masse war die leider fast an allen Orten vorgekommene gesetzwidrige Behandlung unserer Stimmzettel-Vcrbreiter vor den Wahllokalen und das Hinausweisen sehr vieler Parteigenossen aus den Wahllokalen, also die gcsetz- widrige Beschränkung der Ocffcntlichkeit der Wahlhandlung. Hunderte von Personen melden sich mündlich und schriftlich beim Bezirks- Vertrauensmann ivegen der ihnen widerfahrenen Behandlung. Die Verbreiter der Stimmzettel des Zentrums durften sogar in den Wahllokalen agitiren, unsere Leute wurden vielfach nicht einmal in den Vorräumen der Wahllokale geduldet, sie wurden Kilians ans die Straße gewiesen, sowie durch aufgehetzte Pöbelhaufen, cntfcnit. Nirgends traten die Beamten für sie ein. In Glciwitz wurde Genossen Winter das Betreten eines Wahl- lokales verboten mit der„Begriindung", daß sich die Oeffentlichkcit der Wahlhandlung nur auf die Wähler des betreffenden Wahlbezirkes beziehe. Die ärgsten Beschimpfungen, selbst Thätlichkeitcn mußten sich unsere Genoffen gefallen lassen, mehrere wurden sogar einge- sperrt, ohne daß sie Veranlassung dazu gaben. Man entriß ihnen die Zettel, kurz es ging stellenweise wie bei den Reichsrathsivahlen in Galizien zu. Geistliche, Privat- und staatliche Beamte leisteten, lvas an Be- einflusiung zu leisten möglich ivar. Stündlich laufen Beschwerden über Gesetzwidrigkeiten ein, die sich gerade solche Personen erlaubt haben. Gcsetzlvidrige Manipulationen gegen die geheiine Stimm- abgäbe, Drohungen mit Arbcitsvcrlust werden so vielfach von glaubwürdigen Zeugen gemeldet, daß es als unbedingt nöthig er- scheint, die Wahlen anzuse"tcn. Und trotzdem, trotz aaedem haben wir allein in den genannten drei Wahlkreisen eine Stimmenzahl erreicht, die sich schon jetzt auf rund 20 000 veranschlagen läßt, auf doppelt so viel, als wir vor fünf Jahren in ganz Qberschlesien erhielten. In vielen Wahlbezirken erreichte und übertraf unsere Stiinmenzahl die früher erreichte Stimmenzahl der ganzen Wahlkreise. Es ist zweifellos, daß kein anderer Theil Deutschlands ein so rapides Anwachsen der sozial- demokratischen Stimmen aufweisen kann, wie es der oberschlcsische Jndustricbezirk zeigt. Wir kommen darauf in einer besonderen Betrachtung zurück. „Ein sozialdemokratisches Banerndorf" — so schrieb der konservative„Vogtländische Anzeiger"— ist gewiß eine Seltenheit. Den„Ruhm", ein solches zu sein, hat sich jetzt der Ort Oßla im rcußischen Oberlande erworben, Ivo der Kandidat der Ordnungspartcien 3, der der Sozi, der erbittertste Feind der Landwirthe, aber 33 Stimmen erhalten hat. Aehnlich ist es in Röttersdorf.— Auf diese Notiz erwiderte die sozialdemokratische„Reußische Tribüne" in Gera: „Würde der„Vogtl. Anz." etwas besser Umschau halten, dann würde er finden, daß eine große Anzahl Dorf« bewohner ii der wiegend sozialdemokratisch ge- wählt und dadurch auch die Behauptung Lügen gestraft haben, die Sozialdemokraten seien die erbittertsten Feinde der Landwirthe. Unseren Oßlaer, RötterSdorfer ze. Wählern aber ein donnerndes Bravo!" Die Stärke der Politischen Parteien im Großherzogthnm Bade» wird nach den Ergebnissen der Hauptwahlen von der„Karlsruher Zeitung" nach offiziösen Berichten wie folgt angegeben: Zentrum 97 563, Nationalliberale 90 034, Sozialdemokratie 50220, Freisinn-Demokraten 12 422, �konservative mit dem Bund der Land- wirthe 7949 und Antisemiten 6356 Stimmen. Bei der Haupt- Wahl 1893 wurden in den 14 badischen Kreisen für die Sozial- demokratie 37 559 Stimmen abgegeben. In Mannheim stieg die Stimmenzahl von 10 114 im Jahre 1393 auf 15 283, in P f o r z- heim von 7148 auf 10 396. Anläßlich des Todes unseres unvergeßlichen Partei- genossen Jakob Andorf erschien das„Hamburger Echo" schwarz umrandet. In einem tiefempfundenen Nachruf giebt die Redaktion ein Lebensbild ihres Mitarbeiters und Freundes, dessen treuer und begeisternder Thätigkeit unsere Partei so viel zu ver- danken hat. Von dem Ableben Audorfls nahmen auch die bürgerlichen Blätter Berlins, gleichviel welcher Partei sie dienen, in würdiger Weise Notiz.'_ Der Krieg. Nach einer Depesche von Bord des Preß-Aviso bor Santiago hat der Jnsurgentenführer Garcia ain Sonntag an Bord des Admiralschiffes mit Sampson über die Einschließung von Santiago Berathungen gepflogen. Garcia erklärte, daß 4000 Auf- ständische weniger als 40 Meilen von der Stadt entfernt seien und sich in Holguin befänden. Man wisse jetzt, daß die„Merrimac" den Eingang in den Hafen nicht sperre. Fahrzeuge könnten passiren, ohne das Wrack zu berühren. Die„New Dork World" veröffentlicht folgende Depesche aus Washington: Die kubanische Junta hat aus Havana die Nachricht von einem Mordanfall auf General Blanco erhalten. Marians Salva, ein junger Freiwilliger, gab einen Gewehrschuß auf Blanco ab, als dieser nachmittags das Palais verließ, und verletzte ihn am linken Bein. Salva wurde verhaftet. Blanco berief einen Kriegsrath und richtete einen Appell an den Patriotismus der Freiwilligen. Der„Frankf Ztg." wird aus New-Aork gemeldet: Mehrere Blätter bringen Telegramme von westindiichen Punkten, welche be- richten, daß' die Truppen vor Santiago angelangt sind. Offizielle Informationen hieniber fehlen indetz noch. Das Marine-Amt gab keine detaillirten Instruktionen, daher werden die Befehlshaber über den Feldzugsplan in Berathnug treten, bevor die Landung der Truppen beginnt.— General Blanco theilte den Befehlshabern der Blockadeflotte mit, daß Lieutenant Hubson nicht ausgewechselt und keine Parlamentärflaage mehr anerkannt werde.— Die Washingtoner Behörden sehen ein, daß eine sofortige Wieder- Verstärkung der Blockadeflotte unbedingt nothwendig ist, da täglich kleinere Fahrzeuge von Jamaica an der Südküste von Kuba landen.— Die Spanier hätten den Kreuzer„Cebu" an der Mündung des Flusses Pasig sinken lassen, um so den Kanal zu blockircn. Infolge der Zunahme des gelben Fiebers unter den Truppen Admiral Sampsons soll der Angriff auf Santiago beschleunigt werden. 500 Fieberkranke wurden nach Keh-West tranSportirt. Ein in hervorragender Stellung befindlicher Einwohner von Havana, welcher diese Stadt am 5. Juni verlaffen hat, erklärt, die Blockade sei völlig unwirksam. Havana sei in Wirklichkeit ein offener Hafen, da durch die Eisenbahn- Verbindung mit Batabano ein beständiger Verkehr mit Isla de Pinos und Aucatan auf- recht erhalten wird. Dampfer und Seeschisse landen fortgesetzt ganze Schiffsladungen. Die Versorgung Batabanos mit Vieh geht ungehindert von statten. Nach einer Meldung des„Reuter'schen Bureaus" aus Manila vom 17. d. M. hat bei Bulacan, 30 Meilen nördlich von Manila, ein dreitägiges erbittertes Gefecht stattgefunden. General Monet, welcher an der Spitze von 3000 Mann auf dem Vormarsch war, um Manila zu entsetzen, fand die Eisenbahn gesperrt und fiel in einen Hinterhalt. Ein verzweifelter Kampf folgte. General Monet fiel. Die Eingeborenen-Truppen gingen zu den Aufftändischen über; die überlebenden spanischen Truppen, etwa 500 Mann, ergaben sich. Die Aufftändischen nahmen die Stadt Malabo». Als der Angriff erfolgte, begann das Bataillon„Pampanga" von der Eingeborenen-Mlliz. ivelches für besonders loyal angesehen worden war, auf seine Offiziere zu feuern; fünf derselben wurden getödtet. Den Spanien, gelang es, die Meuterer zu entwaffnen; ein Theil derselben entkam zedoch. Ein ähnlicher Fall ereignete sich bei Zapote, wo ein ganzes Regiment im kritischen Augenblicke revoltirte. Die Spanier bedienen sich immer noch gemischter Truppen mit dem Erfolge, daß Schützen aus den Reihen der Ausständischen häufig die Postenketten überschreiten und aus gedecktem Hinterhalt auf die Spanier feuern. Der Berichterstatter des„Reuter'schen Bureaus" fährt dann in seinem Telegramm fort: Ich besuche häufig die Vorposten bei Toudo, Santa Tesa, SantÄnna und Malaie. Von einem Vorrücken ist nichts zu merken; es wird aber fortwährend geschossen, meist ohne daß getroffen wird. Zwischen den Bäumen ist nichts zu er« kennen. Die Rebellen feuern seltener, die Spanier antworten aber immer mit großen Salven, besonders während der Nachtstunden. Die Spanier verschwenden unaufhörlich die Munition tonnenweise, indem sie auf bloße Schatten im Dickicht schießen; sie wollen anscheinend ihre Munition rasch aufbrauchen und dann sich m dem hoffnungslosen Kampfe in Ehren er« geben. Mittlerweile ist spanischerseits der Befehl ergangen, die Hütten der Dorfbewohner im Umkreise der Stadt niederzu- brennen, und so den Feind der schützenden Unterkunft zu berauben. Hunderte von friedlichen Eingeborenen sind dadurch ohne Heim. Mehrere Tage hindurch haben furchtbare Regenftürine geherrscht. Tic Insurgenten in Cavite erklärten am 12. Im» die Unabhängigkeit der Philippinen. Der„Daily Telegraph" meldet aus Hongkong von gestern, die Sicgescrfolge der Aufständischen auf den Philippinen dauern un- unterbrochen fort. Die Zahl der gefangenen Spanier werde auf 6000 angegeben. Nach einer spanischen amtlichen Depesche aus Mauila ist dort die Lage noch enister geworden; wenn Augustin gezwungen wird, sich in' die Stadttimwallung einzuschließen, so wird jede Verbindung für ihn völlig aufhören. Nachrichten aus Madrid zufolge beabsichtige die Königin- R e g e n t i n angesichts der kritischen Lage des Landes aus den Thron zu verzichten. Falls sich diese vorläufig unwahrscheinlich klingende Meldung bewahrheiten sollte, wäre es das Enoc der Monarchie in Spanien, um die es wahrlich nicht schade wäre. Aus Madrid wird noch gemeldet: Gerüchtweise verlautet, die Kortes würden in der nächsten Woche auseinandergehen und der Finanzministcr alsbald seine Entlassung nehmen. Mehreren Blättern zufolge wäre es nicht un- möglich, daß der Ministcrpräsidcnt Sagasta gleichfalls zurücktritt und eine neue Regierung, welche zu energischem Handeln entschlossen wäre, an die Stelle der bisherigen träte.— Lrhke Nolszvirtzkrn mit» Doposichrn. Elbiug, 21. Juni.(B. H.) Ter Norddeutsche Lloyd bestellte bei der Schichau-Werft einen schnellen Passagierdampfer für die Newyorkcr. Fahrt. Dieser Dampfer soll, wie die„Elbinger Zeitung" meldet, ein Teplaceineut von 20 000 Tonnen erhalten und noch be- deutend größer werden, als der Dampfer„Kaiser Friedrich". Das neue Schiff soll im Jahre 1900 fertig sein und den voraussichtlich großen Passngiervcrkchr zwischen Amerika und der Pariser Welt- Ausstellung vermitteln. Tcntsch-Eylau, 21. Juni.(B. H.) Bei einer heute Vormittag hier erfolgten Truppcnbesichtiguilg durch den konminndirendcn General von Lentze fiel plötzlich ein scharfer Schuß, der dem Gcueralinajor von Rabe einen Oberschenkel zerschmetterte und das Pferd des Generalmajors tödtete. lieber den Vorfall, der hier eine große Aufregung verursachte, ist eine eingehende Untersuchung ein- geleitet. London, 21. Juni. lW. T. B.) Der Stapellauf des Kreuzers „Albion" fand heute in Blackwall statt. Als das Schiff in den Fluß glitt, verursachte es eine fo große Wasserverdrängung, daß die für die Zuschauer erbaute Tribüne vollständig von einer großen Welle bedeckt wurde. Ungefähr 300 Personen wurden ins Wasser geschleudert. 30 Leichen wurden bisher aufgeftmden. Man befürchtet, daß mindestens 60 Personen das Leben eingebüßt haben. Rom, 21. Juni.(W. T. B.) Die Deputirtenkammer ist auf den 24. d. M. einberufen.> Verantwortlichcr Redalteur: Zlngujt Jncobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilage»». ttnterhaltungsblatt. Nr. 148. 15. 1. KrilU iits„Www" Strlinre Wlbblatl.»«»->» w« Für den WahlfondS gingen ein: Geburtstagsfeier Neu China in Rixdorf 3, SV. Ver- trauenSmann der Zimmerer Berlins C.h Gustav Weber 200,—. Beim Wegebau gesammelt von der Kolonie zur Erholung 7,40. Möbel- sabrik von G. Klug, Fruchtstr. 31/32 41,—. Von Mitgliedern der ll.-Dr. 6,7ö.„33 Jahre" 3,—.„Fahrräder" 2,—. Gutenberg Berlin „Auf zur Stichwahl" 200,—. Rothe Mechaniker der Alla. Elektrizitäts- Gesellschaft 7,2ö. Amerik. Auktion durch Fritz Steensen 2,10. Die drei Brüder 10,—. Summa 483,— M. Bereits quittirt 5396,10 M. Gesammtsumme 5879,10 M. 3(n die Parteigenossen Berlins! Ilm Freitag, de» 24. Juni, finden die Stichwahlen statt. Für Berlin kommen der erste, zweite, dritte und fünfte Wahl- kreis in betracht. Es gilt alle Hebel in Bewegung zn setze», um diese vier Kreise für die Sozialdemokratie zu behaupte». Die Genoffcn habe» daher die Pflicht, sich an allen Wahl- arbeiten, die von den zuständigen Wahlkomitccs veranlasst werden, z« bcthciltgen. Um die Hilfskräfte richtig zu der- theile», ersuchen die Unterzeichneten folgendes zn beachten: Die Genosse» des>V. Kreises möge» sich den Komitees des zweiten und dritten Kreises, die des VI. Kreises den Komitees im erste» und fünften Wahlkreis zur Per- fiignng ftclken. Parteigenossen! Es war bisher die Stärke und der Stolz unserer Partei, daß es im entscheidenden Momente nie an der Bereitwilligkeit der Genossen, Hilfe zu leiste», ge- mangelt hat. Doppelte Pflicht der Genoffen ist es aber, im bevorstehenden Stichwahlkampf alles in Beweg», ig zu setzen, »tin anf die schamlose» Angriffe der Gegner die richtige Antwort des Volkes zn crthcilc», nm der Reakston, die so frech ihr Haupt erhebt, Schach zn gebieten. Nur eine energische Opposition, nur sozialdemokratische Wahlsiege, nicht schwäch- lichc freisinnige Windbentclci fordern Respekt heraus. Am Stichwahltage wollen wir endgiltig Abrechnung halten! Vorwärts in den Kampf! Vorwärts zum Sieg! Die Vertrauenspersonen Berlins. »* * Die Wahlbnreanö für die Kreise befinden sich: Erster Wahlkreis: Zentral-Wahlbureau Mörschel, Jüdeu- strafe 35, Telephonamt V Nr. 3386. Hansa-Viertel: Schniidt, Flensburgerstr. 24. Zweiter Wahlkreis: Zentral- Wahlbureau Bockbrauerei, Tenipelhofer Berg, Telephonamt VI Nr. 4851. Weitere Wahl- bureaus befinden sich für den zweiten Kreis noch bei Baumann, Blücherstr. 42, Restaurant, Telephouamt IV Nr. 3436. Kitzing, Bellenlliancestr. 74, Telephonamt VI Nr. 1043. Zubeil, Linden- stratze 106, Telephonamt IV Nr. 1399. Werner, Bülowstr. 59, Tele- Phonamt VI Nr. 1403. Dritter Wahlkreis: Zentral- Wahlbureau Frick, Restaurant, Dresdnerstr. 105. Fiinftcr Wahlkreis. Ze>itral-Wahlb»lreau Schiller, Restaurant, Roseuthalerstr. 57. Zweiter Eingang Gormannstr. 28. Telephon- amt III Nr. 1296._ Was hat sich der Wähler für die Stich- wähl am �4. Juni zn merken? Einladungen zur Wahl werden nicht versandt. Jeder über 25 Jahre alte Wähler des Kreises, in dem die Stichwahl stattfindet, muh uueingeladen am 24. Juni nach seinem Wahllokal kommen. Ge- wähl» wird nach den Liften, die bei der Hauptwahl benutzt wurden. >äh - z i r k'........... bei Aufstellung der Jeder mutz in den: Wahllokal wählen, welches für den Bezirk bestimmt ist, in dem seine Wohnung ! ä h l e r l i st e n lag. / Im Waarenhanse von Plötz«. Co. Als gegen Ende vorigen Jahres das neue Wanrcuhaus von W erth cim in der Leipzigerstratze eröffnet wurde, las ich in de» Agrarierblättern so viele und schreckliche Schimpfreden über diese teuflische Einrichtung, welche Berlin zu einem Sündenbabel mache, datz ich mich im Innersten erschüttert fühlte und den Gedanken faßte, am Ende sei das Gcmüth der agrarischen! Biedermänner durch die Liebesgaben und andere sinnreiche Mittel zur Schröpfung des armen Volkes doch noch nicht völlig verlvildert und edleren Gefühlen unzugänglich geworden. Sie meinten es also doch noch gut mit den Konsumenten, wenn auch nicht mit denen, die Brotgetreide oder dergleichen von den Junkern be- ziehen, so doch init denen, welche bei Wertheim einkaufen. Das war nicht viel Hcrzcnsgüte, aber wenigstens doch etwas. Da las ich' eines Abends zu meinem Erstaunen in dem hiesigen Agrarierblatte: „Der Bund der Landwirthe vermittelt Geschäfte gegen Ge- Währung von Rabatten, Provisionen oder Abgaben anderer Art mit seinen Mitgliedern, die er zum theil den beziehenden Mitgliedern zurückgiebt. zum theil seiner Agitationskasse zuweist: 1. von Düngerfabriken, Sninerei-Züchtern und Händlern, 2. Futtermittelhandlungen, 3. Lieferanten aller möglichen land- wirthschaftlichen und anderen Gewerbe und Fabrikate, 4. von Versicherungsgesellschaften und zwar: a) dem allgemeinen Deutschen Vcrsicherungsverein in Stuttgart, b) der Preußischen Lebens- Versichcrungs- Aktiengesellschaft in Berlin, o) der Jduna, Lebens-, Leibrenten- und Pensions-Versicherungsaifftalt in Halle a. S., ch der Perleberger Vieh-BersichcruiigSgesellschaft in Perlcberg. 5. erhält er für die Genehmigung, datz eine Zigarre unter dem Namen„Bund der Landwirthe" verkauft wird, einen Rabatt, 6. verkauft er Bundespostkarten, 7. verkauft er Bundes- adzeichen aus Metall, 8. verkauft er an seine Mitglieder den Bundeskalender und vermittelt durch seine Bibliothek den Ankauf von Büchern anderen Verlages, 9. ver- mittelt er den Ankauf eines Lenbach'schen Bismarckbildes lVerlag von Heuer u. Kinnsc), 10. lätzt er durch seine Ab- theilung für landwirthschaftliche Buchführung den Mitgliedern die Bücher führen und liefert dazu die Wirthschaftsbücher und Formulare, iliid 11. ist er eben daran, auch den Ankauf von land- wirthschaftlichen Maschinen an seine Mitglieder zu vermitteln und zu diesem Zweck in Berlin ein Musterlager bester landwirthschaft- lichcr Maschinen und Geräthe- einzurichten. Aus allen diesen Ver- inittclungen bezieht er Provisionen und Rabaste zu gunsten theils der Mitglieder, theils seiner Agitastonskasse." Ich war wie vom Donner gerührt. Also auch Du— Plötz- Bevor der Wähler das Wahllokal betritt, versieht er sich mit einem Stimmzettel. Die Stimmzettel sind autzerhalb des Wahllokals mit dem Namen des Kandidaten, welchem der Wähler seine Sstmme geben will, ge- schrieben oder gedruckt zu versehen. In Berlin werden den Wählern genügend gedruckte Stimm- zettel zur Verfügung stehen und ist vom Wahltisch eine Kontrolle, für welche Partei der Wähler stimmt, ausgeschlossen, da sich sämmt- liche Parteien geeinigt haben, Stimmzettel von gleichem Papier und gleicher Grotze auszugeben. Wird dem Wähler etwa von einem Vorgesetzten oder sonsttvie ein Sstmmzettel aufgenöthigt, so kann er sich dadurch helfen, datz er den darauf gedruckten Namen durchstreicht und einen anderen, also den von ihm gewünschten Namen darauf schreibt. Solche Zettel haben volle Giltigkeit. Der Stimmzettel mutz von weißem Papier sein und darf nur den Namen eines Kandidaten enthalten. Ungiltig sind Stimmzettel» die I. nicht von weißem Papier oder mit einem äußeren Kennzeichen versehen: II. keinen oder keinen lesbaren Namen enthalten: III. aus welchem die Person des Ge- wählten nicht unzweifelhaft zu erkenueu ist; IV. auf welchem mehr als ein Name oder der Nanie einer nicht wählbaren Person ver- zeichnet ist: V. Stimmzettel, die einen Protest oder Vorbehalt cnt- halten; VI. Stimmzettel, die den Namen eines nicht zur Stich- wähl stehenden Kandidaten enthalte». Hat der Wähler den Stimmzettel, den er abgeben will, in der Tasche, so mag er ruhig die von gegnerischer Seite angebotenen Zettel nehmen und diese dann nüt dein ihm passenden vertauschen. Es ist gut, eine Legiti»Nation sMicthskonstakt, Heirathsurkmrde, Steilerguitsting u.'s. iv.) mit in das Lokal zu bringen, wenn auch die Wahlvorsteher kein Recht haben, eine solche zu fordern. Der Wähler»nutz sich m ö g l i ch st zeitig am 24. Juni in das Wahllokal begeben. Denn die Wahlhandlung beginnt am 24. Juni um 10 Uhr vonnittags und wird bereits um 6 U h r nach- mittags geschlossen. Der Wähler, welcher seine Stimme abgeben lvill, stitt an den Tisch, an den» der Wahlvorstand sitzt, nennt seinen Rainen und giebt seine Wohnung, Sstatze und Hausnummer ai». Der Wähler über- giebt, sobald der Protokollführer seinen Namen in der Wählerliste aufgefunden hat, seinen Stimmzettel dem Wahlvorsteher oder dessen Vertreter, der den Zettel n u e r ö f f n e t in das auf dem Tische stehende Gefäß zu legen hat. Der Stiinmzettel»nutz derart zusammengefaltet sein, datz der auf ihm vcrueichncte Name verdeckt ist. Das Sitzen im Wahllokal und das Notireu der Abstinlinenden darf niemandem untersagt werden, soweit Platz iiu Lokal vorhanden ist. Eine durchaus ungesetzliche Verfügung ist zum Beispiel die, datz nur Wahlberechtigte oder nur Ottsangehörige im Lokal sich aufhalten dürfen. So ist vom Reichstage»»nd von» Kainmeraericht bei Gelegenheit ftüherer ReichstagSwahlei» entschieden. Wahlvörstäude, welche irgcndivie uiigesetzlich vorgehen, können unter Umständen»n i t sehr langen Freiheitsstrafen belegt werden. Zur gefälligen Beachtung für gcwiffc Lcnte unter»nseren Gegnern! Z 109 des Strafgesetzbuchs lautet:„Wer in einer öffentlichen Angelegenheit eine W a h l st i m»»» e kauft, wird mit G e f ä>» g n i tz von einem Mo»tat bis z u zwei Jahren bestraft; a»lch kann anf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt »verde n."_ Deutsches Reich. Die Gcncralkomniission hat unter dem 18. Juni die erste Nummer eines Fachorgans für italienische Arbeiter„L'Opcraio italiai»o"(„Der italienische Arbeiter") erscheinen lassen. Das Blatt ist nainei»tlich zur Agitation unter den italienischen Maurern, Bildhauern, Stein arbeitern, Stuckateuren und Zimmerern bestin»>l»t. Es erscheint vorläufig alle 14 Tage und kostet pro Trimester 75 Pf. Statistik der Streiks im Deutschen Reiche. Nach den Auf- Zeichnungen der Berliner Monatsschrift„Der Arbcitsnachivcis" be- trug in diesein Jahre die Zahl der neu begonnenen Streiks: im Monat Januar 45, in» Februar 42, in» März 58, im April 74 und im Mai 60. Bei 14 Streiks im Mai lvar die Zahl der betheiligten Arbeiter zu ermittel»», dieselbe betrilg 4410. Die meisten und größten Streiks hatte das Baugewerbe, nämlich 26. Die Bäikerei-Arbeiter Hamburgs, Altona's«nd WandS- bceks haben mit 894 gegen 180 Stiminen beschlossen, in den Streik einzutreten. Es handelt sich uin die Forderung: Aufhebung des Brutus! dachte ich. Bis jetzt»vutzte man von Dir nur, datz Du zuweilen ein kleines Börsen-Jeu»»»achst und jetzt nennst Du auch ein Etablissement a la Wertheim Dein eigen?! Doch bei näherer ltcberleaung sagte ich»nir:»venn ein Mann mit Lungenkraft auf die Börse schimpft»nid selbst an der Börse spielt,»varum soll er dann in Sachen der Waarcnhäuscr nicht ebenso handeln? Sofort stand in mir der Entschluß fest, dieses agrarische Waarenhaus zu besuchen. An» anderen Morgen erkundigte ich»»»ich nach der Haus- und Gtraßennu»n»>»er— es war Dessanerstr. 7. Ich ging hin, erhielt aber gleich bei meinem Eintritt einen heftigen Stoß von sieben oder acht Bundcsbeamten, die einen riesigen Sack aus der Thür schleppen Ivollten, um ihn auf einei» Wagen aufzuladen. Höflich fragte ich,»vas denn in dem großen Sacke sei,»vorauf der Nächststehende»nir mit einem »nerkivürdig verschmitzten Blick zuraunte:„Thomasmehl". Darauf schnalzte er vergnügt niit der Zunge und strich sich»vohlgefällig über die Magengegend. Erschien nrir dieses Bcnehnien schon cttvas eigenthüinlich, so steigerte sich mein Erstaunen, als ich die Verkaufsstelle betrat. An etilem Pulte stand ein kräftig gebauter Herr, der eifrig rechnete. Auf dem Tische stand eine grotze Flasche mit der Inschrift„Kanitz-Liqueur", aus der er sich ununterbrochen eingoß. Sanfte Düfte wehten zu mir herüber, die in mir sofott die Eriiinernng an die schöne Stadt N o r d h a u s e n»vachriefen. Vor dem Ladentische standen zivei Herren, welche die Kunden bedienten, stattliche Junker und biedere Kleinbauern, die sicki alles mögliche einzukaufen suchten. Da ich den einen der beiden Herren schon gesehen zu haben glaubte, fragte ich eine»» der Sactträger nach seinem Namen,»vorauf ich die Antivort erhielt:„Das ist ja der Dr. D i c d e r i ch Hahn und der andere Verkäufer ist Dr. R ö s i ck c."„Ach so," erlviderte ich,„und der dort mit dem Kanitz- Liqneur ist»vobl der Buchhalter."„Aber meine Herren", meinte der Augeredete, indem er sich nach dem Pulte hin demüthig verneigte, „kennen Sie denn nicht unsern großen Bundeshäuptling, den ritter- lichen Herrn von Plötz?" Jetzt war ich orienttrt, daS Geschäft ging flott. Kali, Eckendorfer Samen und»ver»veitz»vas sonst noch, wurde in kolossalen Quantttäten verkauft, die Tausendniarkscheine konnten die beiden Ver- käufer nicht wechseln, das muhte Herr vo>» Plötz besorgen. J»n übrigen rollte das Geld,»vie ich es bei Werthcim nie gesehen habe— so»nutz es ungefähr in Monaco zugehen. Die Krone» und Doppelkrone» tanzten vor mir her»vie Mnnnel, mit denen die Kinder auf der Stratze spielen; besonders Dicderich Hahn zeichnete sich dnrch die Geivandiheit ans, mit;der er das Geld einstrich, 80 M., 250 M., so hörte ich unaufhörlich rufen und in» Nu war das Geld in der Kasse verfchluunden. Und die nothleidenden Agrarier hatten Geld bei sich— ei der Daus! Ganze Hände voll blauer Scheine zogen sie hervor,»venn sie zahlen »vollten. j- und Logiswesens beiin Meister. Die Bäcker haben an die Geivcrkschaftskartelle der genannten drei Städte das Ersuchen ge- richtet, sie in den» Kampfe zu unterstützen, lieber die nichtbeivilligen- den Bäckereien ist der Boykott verhängt. Von 486 Betrieben mit 1026 Gehilfen bewilligten bisher 50 mit 160 Arbeitern. Die Steinsetzer in Rcichenbnch i. V. sind an» 20. d. M. in den Streik getteten,»veil ihnen die Bclvilligung einer geringfügigen Lohnerhöhung abgcschlagei» wurde. Eharakteristisch ist, daß der Stadtrath den Meistern erklärte, sie sollten die Arbeiter nur in den Streik treten lassen und sich bemühen, auswärtigen Ersatz für dieselben zu bekonunen. Zuzug ist fernzuhalten. In Wittenberge hatten die Steinsetzermeister auch nicht übel Lust, es wegen eiiier Forderung auf Lohnerhöhung zum Streik kommen zu lassen. Im letzten Augenblick besannen sie sich aber eines besseren. lieber den Bergnrbeitcrstrcik in» Ztuickauer Kohlengebicte »vird vom 20. Juni berichtet: Der Ausstand etlva der Hälfte der Arbeiter des Zlvickau-Brücke»»bcrger Steinkohlenbauvereins besteht noch fort. Eine gestern abgehaltene grotze Bergarbeiter-Versaminlung beschloß die Fortsetzung des Ausstandes sowie Solidarität init den Arbeitern im Zivickau-Obcrhohndorfer Stcinkohlcnbauvercin, die heute ihre Lohnforderungen der Grubcnverivaltung unterbreiten»vollen. Etwa 1800 Arbeiter sind ausständig. Ausland. Der Streik der Maler»nd Lackirer in Rcichcnberg sBöhinen) ist beendet, nachdem fäntmtliche Forderungen der Gehilfen bewilligt sind. Erreicht wurde u. a.: Zehnstündige Arbeitszeit und zehn- prozentige Lohnerhöhung. Die Feier des 1. Mai bleibt dem freien Erinessen der Gehilfenschaft überlassen. Heber de» weiteren Verlauf deS siidwaltsischen Kohlen- arbeitcr-Strciks»vird bürgerlichen Blättern aiis London ge- schrieben: Oberst Clements,»velchcr den Befehl über die 800 Mann Truppen führt,»vclche gcgentvärtig in den Kohlendistrikten von Südivales stationirt sind,' hat fem Hauptquartier in Merthhr Thdvil aufgeschlagen. Die Streike»' haben ein Gesuch � an die Regierung gerichtet, die Truppen zurückzuziehen, und den Präsidenten des Handelsaints gebetei», eine Beilegung des Streites anzubahnen. Das; sich das Handelsaint einmischen»vird, sei»nehr als univahr- scheinlich, da keine von den beiden Parteien zu Konzessionen bereit zn sein scheint. Mittlerweile haben die„Grcat Western"-Zechen in Abcrgivynfe, Ivelche nicht zun» Verbände der Bergwerksbesitzer ge- höre»'», den Lohn ihrer Arveiter»vicder un» 10 pCt. erhöht. Seit den» Beginn de? Streiks beträgt die Lohnerhöhung nunmehr 30 PCt. I» Klcinasien, au der a n a t o l i s ch e u Küste des Schlvarzen Meeres, befinden sich bei Eregli bedeutende Kohlenlager, deren Ausbeutung einer mit einen» Grundkapital von 10 Millionen Franks arbeitenden französischen Gesellschaft, der Nociötö äos»uiues ck'IIvraolsa, von der türkischen Regierung konzcssionirt Ivorden ist. Die Arbeiter derselben sahen sich kürzlich gcnöthigt, die Forderung zu stellen, datz sie regelmäßig und in baar bezahlt lvürden und daß sie nichts zum Ankauf von Lebensmitteln bei den BergwerkSkrämen» mit Ausschluß jedes anderen gcnöthigt lvürden. Die Gesellschaft»var gezwungen, sich hierzu der türlischen Negierung gegenüber zu ver- Pflichten._ Sonalos. Hilter welch unwürdige» Verhältnissen die Ziegelei- Arbeiter trotz aller behördlichen Verfügniigen immer' noch hausen müsse»», zeigt eine nus zugegangene Schilderung über die Wohn- »md Schlafräume der Ziegler in der Ziegelei von L e i b n i tz in N e u e» h a g e n a. d. Ostbahn. Die Arbeiter dieser Ziegelei führen lebhafte Klage darüber, datz sie, obgleich tagsüber schtver angestrengt, des Nachts vor Ungeziefer imd im Frühjahr vor Kälte keinen Schlaf finden köimen. Einige dieser Arbeiter sind in einem neuerbauten, fensterlosen Hause untergebracht. Z»»r Schlafstätte selbst ge- langen sie in Ermangelung einer Treppe vermittelst eiiter Leiter. Andere müssen über dem Pferdestall auf Stroh kampirei»! Auch in dieser Ziegelei gehören Waschgeschirr. Handtücher»c. ins Reich der Fabel. Diese Zustände, die hier schon seit Jahren be- stehen, bilden einen soiioerbaren Kontrast zu der Pflege, bieder Besitzer der Ziegelei seinen» Z i e r g a r t e n aitgedeihei» lätzt. Drei' polnische Ziegler verlietzcu an» Sonnabend diese gast- liche Stätte. Selbst diesen»vcgen ihrer Genügsainkcit be- kannten Arbeitern ging der Mangel an Fürsorge über die Hut- schnür. Unser Berichterstatter, der die Schlaf- und Wohnräume der Ziegclei-Arbeiter in Nenenhagcn besichtigte,»var ganz erstaunt, daß es möglich ist, Leute, die täglich 12 und 13 Sttmden schwer arbeiten »misfeu, in einer solchen Weise»vie dort unterzubringeil. Handwerksbnrschen, die»vahrlich gclvöhnt sind, mit den primitivsten Lagerstätte»» fürlieb zu nehmen,»Verden besser aufgenommen, Wieder fragte ich einen der Sactträger:„Was rechnet denn der Herr v. P l ö tz da innner?„Nun", antivortcte er mit dei»»selben listig-vergnügten Gesichtsausdrnck,„der berechnet die Extrapreis- differeuzeu und Rabatte. Glauben Sic, der versteht die Sache." Eine sehr lange Gestalt mit meterlangem Schnnrrbatt und noch längeren Beinen»nachte sich besonders bcmerklich.„Was befehlen Herr Graf?" fragte dcniüthjg der Verkäufer Nösicke:„7 Waggons Thomas- n>ehl, drei Waggons"...„Bitte, Herr Graf,»vollen wir nicht erst das Thomasp'hosphat- Geschäft erledigen? Wir berechnen zi»n Wnggonpreis."—„Weiß, weiß," erwiderte der Graf mit schnarrender Stünine,„bin aber mich etivas in Geschäfte eingeweiht»md sage Ihnen, Extrarabatt, wissen ja 15 Mark pro Tonne, möchte ich nicht bezahlen."—„Eine»» Augenblick, Herr Graf."— Herr Nösicke ging zn Herrn von Plötz und flüsterte ihn» etivas iws Ohr, worauf dieser ihn»vüthend anschnauzte:. „Selbstverständlich; janz alter Adel." Darauf trat eine Dante vor und nannte ihren Nantcn:„Freiin von und zu Kuhloitz-Schlveinshansen." Ach,»vas die alles»volltc! Eine Leibrente sollte ihr der Bund verntitteln bei der„Jduna", ihre Schiveine in Perleberg versichern,»md endlich bestellte sie noch 2000 Bisinaickbildern, die„königsttenen" Wählern bei der Reichstags- »vaht zu»» Angedenken geschenkt»verde»» sollte». Mit eincin fromme» Ausvlick»ach oben strich Röstcte das Geld ein. Endlich tan» ich an die Reihe. Dr. Hahi» entließ gerade dm letzten Knuden, als ich an ihn herantrat und in bescheidenem Tone fragte:„Sie verkaufe»» ja Futtermittol, also auch»vohl Vogelftlttcr?"—. „Selbstverständlich,»vie viel»vollen Sie, 20 Ztr., 30 Ztr., 40 Ztr., 50 Ztr."—„Nein, nein, für heute bloö für 50 Pf."—„Elendes Subjctt", schrie mit kirschrochen» Gesicht voller Wuth der Dr. Hahi»,' „kommen Sie»ms nicht so. Da gehen Sie lieber z»» den' Inden, zu Wcrthcin»»md anderen, der Bund hat sich nie- mit Kleinigkeiten abgegebe n."—„Entschilldigen Sie,' aber dam» verkaufen Sie mir vielleicht ein paar Bulidcspostkarteii."! —„Gut, hier find tausend; kosten 200 M., oder»vollen Sie inIhr?"—„Danke, danke, 2 Stück genügen."—„Schmeißt de» elenden Lmnpei» heraus, Sklaven," schrie darauf der Verkäufer einige Leute an,„der Kerl ist offenbar gar kein Agrarier, vielleicht so ein lumpiger Freisinniger oder gar Sozinldeinokrat." In» Nu er- griffen»»»ich mehrere nervige Fäuste, ich fühlte einen heftigen Stoß und— erwachte. Ich lag friedlich in meincin Bette und hatte mich den Kopf an; der Vettkaiite gestoßen; den ganzen Besuch in» Waarenhnnse v. Plötz u. Coinp. hatte ich nur getrau int. Da mich aber das fesselnde; Bild des agrarischen Verkansshnuscs nicht verlassen lvill,»md ich' dnrch mein Traumbild dein biederen Jnnkcrbnnde einige locrthvolle Fingerzeige gegeben habe, will ich zu seinem Nutz' und Fron»mM» die heiteren Szenen hier veröffentlichen. D e n» o kri t o srT «TS die Ziegelei-Arbeiter als deren einziger Lebenszwe-k man es zu. Für den dritten Wahlkreis sind 2376t Stimmzettel ab- betrachten scheint, ungeheure Kapitalien für Ziegelei-Untcrnchmcr �gegeben. Davon sind 47 Stimmzettel als ungiltia erklärt worden, anzusammeln. Hier grebt's noch vielArbeit für den Absolut«.........' Fabrikinspektorl Zlrbeitcr-Risiko. Auf der Dynamitfabrik in Dömitz flog eine Patroncnhütte in die Luft, Bei der Explosion büßte ein Arbeiter sein Leben ein. In einer Steiirdruckcrei in Elberfeld wurden drei Arbeiterinnen, die in einem besondere» Räume mit dem B r o n- ziren von Drucksachen beschäftigt Ivaren. bei dieser Arbeit ohnmächtig, Sie nmßten, wie der„Volls-Ztg," mitgctheilt wird, ins Krankenhaus geschafft werden. Beim Reinigen eines alten StadtkanalS in Halle a, S. find die Arbeiter B ä r w a l d und K i a s w o w s k l durch Ein- athmcn giftiger Gase erstickt. Beide Verunglückte hinterlassen Familie. Nmnnmmtfes. Die Deputation für die städtischen Kanalisationswerke und die Ricsclgiitcr hat gestern beschlossen, die Jagd auf dem städtischen Rittergut Buch für 4000 M, jährlich und die Jagd in Lindcnhof für 756 M, jährlich vom 1. Juli d, I. ab zu verpachten. — Der Thicrarzt Breitung wurde von der Dcpntation als Thier- arzt für den Administrattonsbezirk Buch gewählt.— Der Antrag der Gemeinde Wcißcnsce auf Entwässerung eines Thcils ihres Gebietes wurde zwar zur Zeit abgelehnt, jedoch sollen weitere Vcr- Handlungen über den Abschluß eines Vertrages eingeleitet werden. Die städtische Parkdcpntatio» hat beschlossen, S7 Bänke in den verschiedenen Parkanlagen aufzustellen; im Humboldthain II), im Friedrichshain 4, im Kleinen Thiergarten 6, im Viktoriapark 12, im Treptower Park 6, im Jnvalidciipark 3 sc.— Nachdem das Polizeipräsidium die verschiedenen Händler von der Straße weist, laufen jetzt mehrfach Gesuche bei der städtischen Verwaltung ein um Genehmigung zum Handeln mit Backwaaren:c. in den städtischen Parkanlagen. Diese Gesuche werden prinzipiell abgelehnt.— Neue Baumanpflanzungen sollen in diesem Etatsjahre hergestellt werden: Am llrbanhafcn— Südseite—. in der llrbanstraßc— Nordseite — zwischen Blücher- und Bärwaldstrnßc. ZsoKttles. Für den ersten Wahlkreis finden heute, Dkittwoch, Abend zwei Wähler-Versammlungen statt. Dieselben tagen bei B r ü n s ch, Jägcrstraße 69 und im Lokale:.Spreehallen", Kirchstr. 27. Die Tagesordnung in beiden Versammlungen lautet: „Auf zur Stichwahl." Referenten sind: Gen. A. T ä t e r o w und der Kandidat des Kreises H. P o e tz s ch. Die Genossen des ersten Kreises werden ersucht, Mitttvoch Abend 6 Uhr sich zur F l u g b l a t t v e r b r e i t u n g in folgenden Lokalen einzufinden: Mörschel, Jüdenstr. 35: Sommer, Grünstr. 21; Stockfisch, Holzgartcnstr. 5; Glane, Krausenstraße 18; Voigt, Charlottenstr. 60;(Hansaviertel) Schmidt, Flcnsburgcrstr. 24. An die Parteigenossen nnd Genossinnen des zweiten Neichstags-Wahlkreises. Im Anschluß an unseren gestrigen Auf- ruf. um dessen Beherzigung Ivir dringend bitten, theilen wir mit, daß am Donnerstag, den 23. Juni, abends 8'/2 Uhr, drei Polksvcrsaniinlungcn stattfinden und ztvar: bei B i ck e I, Hasen- Haide 52/53, Bockbrauerei, Tcmpclhofer Berg; Zühlkc, - Dcnnctvitzstr. 13, in welchen die Parteigenossen Richard Fischer, Paul Singer und Arthur S t a d t h a g c n über die bevor- stehenden Stichwahlen sprechen. J Genossen und Genossinnen! Agitirt für zahlreichen Besuch der lbersammlungen namentlich in den Kreisen, welche bis jetzt noch nicht zu uns zählen. Die V c r t r a n e n s p e r s o». Achtung, Parteigenossen dcS 2. Wahlkreises! Am Mittwoch Abend 7Vz Uhr findet wieder eine Flngblattverthcilung statt. Stellt Euch der Partei zur Verfügung an diesem Abend und findet Euch in folgenden Lokalen pünktlich ein: P. Müller, Äräfcftr. 8. S ch o n h e i m, Gräfcstr. 31. Ewald, Schönlcinstr. 6. Naumann, Blüchcrstr. 42. L i n d e in a n n, Moritzstr. 9. Saß, Markgrafcnstr. 102. Z u b e i l, Lindcnstr. 106. K i tz i n g, Bcllealliancestr. 74. F a l l c r. PallaSstr. 16. Werner, Bülolvstr. 59. Mit Parteigruß Das sozialdcmbkratische Wahlkomitee. I. A.: H.Werner, Bülowstr. 59. Tritter Wahlkreis. Am Mittwoch Abend tagen bei Brochnow, Sebastianstr. 39 nnd Krüger, Wasserthorstr. 68, zwei Versammlungen, in denen die Genossen Heine nnd Robert Schmidt über die bevorstehende Stichwahl sprechen werden. Zahlreicher Besuch wird erwartet I An die Parteigenossen des 5. Berliner Wahlkreises! Die Arbeit zur Wahl erfordert erhebliche Anstrengungen. Es gilt für uns, aus eigener Kraft zu siegen. Das wird uns gelingen, wenn uns die Parteigenossen eifrig bei der Wahlarbcit unterstützen. Wir bitten deshalb die Parteigenossen, die am Wahltage, am Freitag. den 24. d. M., uns behilflich sein ivollen, schon jetzt sich im Lokal von Drescher. L i n i e n st r. 218, zu melden. Am Wahltag ist das Z e n t r a l b u r e a u bei Schiller R o s c n t h>a l e r st r. 57. Am Mittwoch Abend findet eine Flngblattpcrbrcitnug statt, z» der sich die Pmleigeiiosscii von 5—7'/- Uhr in folgende Lokalen cilifiiidcii mögen: Eichhorn. Greifswaldcrstr. 3; Knnuolv, Mendclssohnstr. 16; Knötzsch, Hirtenstr. 10; Wittchow, Kleine Har burgerstraßc 27, Ecke Elsasserstraße; Schmidt, Louisenstr. 5. Die Genossen werden ersucht, eine Legitimation bei ihrer Meldung mitzubringen, da sich einige unzuverlässiges Verbreiter eingestellt haben. Ani Mittwoch Abend 8'/- Uhr findet im großen Saal des Grand-Hotcl Alcxanderplatz eine Versammlung statt, in der Reichstngs-Abgcordnctcr Arthur Stadthagcn über das Thema „Nieder mit der Reaktion!" rcfcrircn wird. Am Donnerstag wird nnscr Kandidat Robert Schmidt im großen Saal des Handiverker-Vcreinö, Sophienstraße, Iprcchcu. Wir bitten um recht zahlreichen Besuch dieser Bersanunlnngen. Das Wahlkomitce. Die Mitglieder dcS WahlvercinS Berlin VI werden er- sucht, an der heute Abend im ersten und fünften KrciS stattfindenden F l n g b l a t t- V e r b r c i t u n g, sowie an allen sich nothwendig machenden Wahlarbciten energisch thcilzunchmcn. Die Genossen wollen sich mit genügender Legitimation versehen. Auch für uns gilt die Parole: Auf zur Stichwahl! D e r V o r st a n d. TaS Ergcbnist der Rcichstagswahlen in Berlin wird jetzt amtlich mitgctheilt: Für den er st e n Wahlkreis sind 12 794 Stiminzettel ab- gegeben. Davon sind 35 Stiinnizettel als ungiltig erklärt worden. Absolute Majorität 6 380 Stimmen. Es haben erhalten: Stadt- »erordneten-Vorsteher Dr. Langcrhans, F., 5667 Stimmen, Redakteur Hugo P o e tz s ch, S., 3637, Obermeister Beniard 2127, Lithograph Tischcndorfer, nationalsozial 1008, Lcgationsrath a. D. v. Kehler. Z., 279 Stimmen. Zersplittert 41 Stimmen. Stichwahl am 24. Juni. Für den zweiten Wahlkreis sind 54 786 Stimmzettel abgegeben. Davon sind 102 als ungiltig erklärt. Absolute Majorität 27 343 Stimmen. Es haben erhalten: Der Schriftsetzer Richard Fischer, S.. 26 269, Stadtverordneter Kreitling, F., 16127, Ober- Postassistent Stockmann, K., 11 359, Legationsrath a. D. v. Kehler, Z., 755, Piotr Wawrzyniak in Schrimm, Pole, 91, Zersplittert sind 83 Stimmen. Stichwahl am 24, Juni. Absolute Majorität 11853 Stimmen. Es haben erhalten: Rechtsauwalt Wolfgang Heine S., 11411, Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Langcrhans. F., 8031, Redakteur Bachler Antis., 3809, Legationsrath a. D. v. Kehler, Z., ?>77, Piotr Wawrzyniak-Schrimni, Pole, 47 Stimmen. Zersplittert sind 39 Stimmen. Stichlvahl am 24. Juni. Für den viert e'n Wahlkreis sind 62 161 Stimmzettel abgegeben. Davon sind 194 als ungiltig erklärt worden. Es haben er- halten: Stadtverordneter Paul S i n g e r, S. 45 293 St., Rechts- anwalt Hugo Sonnefeld, Berlin, F., 7311, Arbeiter Hermann Prictz, A., 7273, LegationSrath a. D. v. Kehlcr, Z., 1256, Piotr Wawrzyniak in Schrimm, Pole, 199 Stimmen. Zersplittert sind 135 Stimmen. Singer S. gewählt. Für den fünften Wahlkreis der Stadt Berlin sind 21 113 Stinimzettcl abgegeben. Davon sind 77 als ungiltig erklärt worden. Absolute Majorität 10 519 Stimmen. Es haben erhalten: Redakteur R. Schmidt, Soz., 10024, Stadt-Schnlinspeltor Dr. Zwick, F.. 7085, Zahnarzt Ad. Strumpf, K., 3285, Lcgations- rath a. D. v. Kchler, Z., 339, Buchdrucker M. Roß, D.. 243 Stimmen, zersplittert sind 58 Stimmen. Stichwahl am 24. Juni. Für den s c ch st e n Wahlkreis der Stadt Berlin sind 87 390 Stimmzettel abgegeben. Davon sind 272 als ungiltig erklärt worden. Absolute Majorität 43 515 Stimnien. Es haben erhalten: Schriftsteller Liebknecht, Charlottcnbnrg, Soz., 58 778, Hof- Prediger a. D. Stöcker, K., 15 554, Schriftsteller Heinz Krieger, F., 10 603, Lcgationsrath a. D. v. Kehler, Berlin, Z., 1748 Stimmen. Zersplittert sind 345 Stimmen. Liebknecht, Soz., gewählt. Ans dem zweiten Wahlkreise geht uns von einem 51iltscher der Allgemeinen B c r l i n e r O m n i b u s- A k t i e n g e s e l l- s ch a f t eine längere Zuschrift zu, daß unsere neuliche Mittheilung über die lange Arbeitszeit und e l e n d e n L o h n v e r h ä I t- nisse unter den Angestellten allgemeine Zustinnnniig gefunden habe; „nur schärfer hätte der Artikel sein sollen". Die geringeWahl- bethciligung erkläre sich zum theil aus der fürchterlichen lieber- müdung: Von morgens 3/46 Uhr(je nach der Wohnung) an seien die Leute angespannt ohne j e d e P a u s e) abgesehen die 8 bis 10 Minuten an der Haltestelle, innerhalb deren alle Mahl- zciten eingciionnncn und auch die Pferde umgespannt werden müssen) bis in die tiefe Stacht. Da müsse Theilnahmslosigkeit am öffentlichen Leben eintreten. Das sei aber gerade die Absicht der freisinnigen Direktion. Für die bevor- stehende Stichwahl müsse energischer als das letzte Mal agitirt werden. Auf dem Depot II(Meycnbnrgerstr. 61) hätten von 61 Wahlberechtigten nur wenige gestimmt; ebenso von den 89 Wählern auf dem Depot III(Kottbnserdamm 1/2 und auf Depot IV(Gncisenaustr. 12/14) von 83 Wählern. Im Depot VI (Frobcn- und Knrfürstenstr.) haben von 79 Wahlberechtigten nur 14 gestimmt, und auf der dortigen Zcntralwerkstätte seien von 55 Wählern nur 31 zur Wahl gegangen. Die Genossen dcS 2. Wahlkreises werden sich die A g i t a t i o n an diesen Stellen hoffentlich angelegen sein lassen. Das Feuer im Dienste der Reaktion. Immer mehr greift die Ansicht um sich, daß der Kahnbrand im Humboldhafen, der die Eiscnbahn-Vcrwaltung am vorigen Donnerstag zu dem unnöthigen Schritte vcranlaßte, den Stadtbahn- Verkehr ans über eine Stunde zu sperren, die eigentliche Ursache dafür bildet, daß im Wahlkreise Tcltow-Becskow z. B. eine Stichwahl stattfinden muß. Durch die Vcrkehrssperre ging der größte Theil derjenigen Charlottenburger Arbeiter, welche in Berlin beschäftigt sind nnd hier um 4 Uhr die Fabriken verließen, um in Charlottenburg ihr Wahlrecht aus- zuüben, desselben v e r l u st i g. Sic trafen erst kurz vor 6 Uhr truppweise in den 46 Wahllokalen ein, welche sich nun schnell füllten. Und nun war es natürlich ganz undenkbar, daß sämmtlichc Arbeiter bis 6 Uhr noch ihre Sttmmzcttel abgeben konnten. Pnnkt 6 Uhr erklärten die Wahlvorsteher. daß sie' keine Stimmzettel mehr annehmen dürften, weil es ungesetzlich sei, die Wahl Über 6 Uhr auszudehnen. Und obgleich die Arbeiter hierüber sehr erregt waren, konnten sie doch die Fortführung des Wahlaktes nicht durchsetzen. Wie es heißt, sollen dadurch in Charlottenburg ca. 600 bis 700 Arbeiter ihr Wahlrecht nicht haben ausüben können. Ja, von verschiedenen Augenzeugen wird die Zahl sogar auf 1000 geschätzt. Da dem sozialdemokratischen Kandidaten zur absoluten Majorität nur 393 Stimmen fehlten und mit Sicherheit angenommen werden kann, daß die Mehrzahl der Stimmen jener Charlottenburger Arbeiter sich auf Zubcil vereinigt hätte, so wäre dieser ohne den Kahnbrand am Lehrter Bahnhof wohl sicher schon ini ersten Wahl- gange gewählt worden. Aehnlich war der Einfluß der Vcrkehrssperre auf die Stimmen- zahl natürlich auch in den Berliner Wahlkreisen. Taiiscnde Berliner Arbeiter, die in Westend, Charlottcnbnrg, Martinickcnfelde k. beschäftigt sind, kamen durch den Kahnbrand um ihre Wahlbctheiligung. Hoffentlich bringt der Stichlvahltag keinen neuen Brückcnbrand. Uittcruehiiirrrnche. Die Finna M e n g e r s it. Söhne hat zwei Arbeiter, die gezlvlingen waren, am Tage der RcichstagSwahl früher zur Wahl zu gehen, als es der Firma beliebte. Knall und Fall entlassen. Derartige Maßregelungen scheinen in dieser bekannten Vclvcffnbrik gang nnd gäbe zu sein. So strafte die Finna den Arbeiter, der sich unter- standen hatte, am 13. März auf dem Grabe der Freiheitskämpfer einen Kranz niederzulegen, ebenfalls mit Entlassniig. Solche Ucbcr- griffe können gleich den Hungcrlöhncn. welche die Firma zahlt, nur beseittgt werden, weim die Arbeiter ihre Orgnnisationspflicht wahrnehmen. Vorläufig aber werden sie am Tage der Stichwahl durch Abgabe sozialdemokrattschcr Stimmzettel deutlich gegen jegliche Vcr- ' nltigung protestircn. Wilhelm II. Am Tage der ReichStagSwahlen war der deutsche laiscr Vormittags im Opcrnhanfe, wo er den versammelten Schau- spiclcrn eine erst gestern bekannt gelvordene Rede hielt, ans der ivir folgende Stellen wiedergeben: „Als ich vor zehn Jahren zur Regierung kam, da trat ich ans der Schule des Jdcnlismnö, in welchem mich mein Vater erzogen hatte.... Ich war der Ueberzeugung und hatte mir f e st vor- g c n o m m e n, daß das Königliche Theater ein Werk- zeug des Monarchen sein sollte. gleich der Schule und der Universität, welche die Aufgabe haben, das heranwachsende Geschlecht heranzubilden und vorzubereiten zur Arbeit für die Erhaltung der höchsten geistigen Güter unseres Herr- lichcn deutschen Vaterlandes. Ebenso soll das Theater beitragen zur Bildung des Geistes und des Charakters und zur Veredelung der sittlichen Anschauungen. Das Theater ist auch eine meiner Waffen.... Den hohen Erwarttingcn, die ich von dem Personal meiner Oper und meines Schauspiels gehegt habe, haben Sie vollständig entsprochen. Es ist die Pflicht eines Monarchen, sich um das T h c a t e r zu k ü m in e r n, wie ich es an den Beispielen meines hochseligen Vaters und Großvaters gesehen habe, eben weil es eine ungeheuere Macht in seiner H a n d s e i n k a n n.... Ich bitte Sie min, daß Sic mir ferner- hin beistehen, jeder in seiner Weise und an seiner Stelle, im festen Gottvcrtrancn dem Geiste des Idealismus zu dienen und den Kampf gegen den M a t e r i a l i s ums und das u n- deutsche Wesen fortzuführen, dem schon leider manche deutsche B ü h n e verfallen i st." Es wird bekanntlich mit Bestimmtheit behauptet, daß die dramatischen Werke des Artillcriehauptnianns Joseph Laufs von Wilhelm II. inspirirt seien. Ueber sittliche Unziemlichketten von Soldaten, die bei unserem Kriegshecrc reinweg für unmöglich gehalten werden sollten, weiß das„Volk" des Hofpredigers Stöcker zu berichten:„Zu bedauerlichen Szenen kommt es jetzt wieder allabendlich in der Nähe der Kaserne des 3. Gardc-Regimcnts in der Wrangelftraße. Hauptsächlich in der Stunde vor deni Zapfenstreich, also zwischen 9 und 10 Uhr, ist es für Frauen und Mädchen kaum möglich, die Straße passiren zu können. Die meist in starken Trupps aus den der Kaserne benach- barten Schanklokalcn kommenden Soldaten nehmen fast den ganzen Bürgersteig ein, so daß für die Passanten nur der Fahrdamm _ itehii r' Aba .g Z11 £11 f u>i'Kais if spiel bleibt. Weibliche Personen werden— ohne Unterschied— oft in unziemlichster Weise belästigt; viele von ihnen wählen daher lieber weite Umwege, uni nach ihren Wohnungen zu gelangen. Eine Auf- frischung des bereits vor längerer Zeit von dem bisherigen Re- gimeniSkommandenr ergangenen Befehls, welcher derartige Ungehörig- ketten streng untersagt, erscheint um so gebotener, als sich, angezogen durch das kecke" Treiben der Soldaten, zahlreiche Damen zweiicl- hafter Qualität einstellen, die daran Gefallen finden. Für die vielen Schulkinder, die jetzt bis zur späten Abendstunde auf der Stra' e spielen, wirken dergleichen Sttaßcnbildcr natürlich nichts weniger aJ erzieherisch." Zufolge einer Verfügung des Staatssekretärs des Reichspost- amtes ist eine Zulassung von S t a d t t e l e g r a m m e n vom 1. Juli ab, zunächst versuchsweise, dahin erweitert worden, daß von die>em Zeitpunkte ab Stadttelegramme auch in Orten mit nur e>ne" Telcgraphenanstalt zur Beförderung innerhalb der Grenzen les Ortsbcstcllbczirks angenommen werden. Bisher waren Stadttc..- gramme gegen die ermäßigte Gebühr von 3 Pf. für das Wort, im,'.- dcstens jedoch im Betrage von 30 Pf., nur in solchen Städten zu- lässig, innerhalb deren Weichbild mehrere unter sich durch Te.c- graphenleitungen verbundene Telcgraphenanstalten dem Verkehr ge- öffnet sind. Ferner sind vom i. Juli ab Telegramme auch nach dem L a n d b e st e l l b c z i r k des Auflieferungsortes gegen die für Stadttclcgramme festgesetzte ermäßigte Gebühr an solche Em- pfänger zugclaffen, die an der örtlichen Stadt-Fernsprecheinrichlung oder an öffentliche Fernsprcchstellcn des Orts angeschlossen sind und das Zusprechen der für sie eingehenden Telegramnie beantragt haben. Die Große Berliner Straßenbahn beabsichtigt eine neue Vahnvcrbindnng vom Stadtinnern über die Potsdamerstraße, das Schönebcrger lifcr und die Gcnthinerstrnßc nach der Zicthcnstraße über die Wintcrfcld- nnd Maaßenstraße bis zur Gleditschstraße ein- schließlich ihrer Verlängerung, dann zur Belzigstraße, der Erfurter- und Mühlenstraße bis zum Südring-Bahnhof Wilmersdorf— Friedenau und der Schöneberger Hauptstraße einzurichten. Die Gemeinde Schöneberg hat bereits die Genehmigung dazu ertheilt, die jetzt auch vom Magistrat in Berlin erbeten wird. Selbstmord eines BcrbrechcrS ans der Polizeiwache. Von dem Bankier Paul Hcmpel in der Badstraße wurde Montag Abend dem 9. Polizeirevier angezeigt, daß ein Mann, der sich Friedrich Bethin aus Treptow a. R. nannte, mehrere ausländische Werth- papiere, die als gestohlen bezeichnet sind, zum Kaufe angeboten hätte. Als Bethiu nun von Schutzleuten zur Wache gebracht wurde, zog er auf der zum Bureau führenden Treppe einen Revolver hervor, und brachte sich, ehe es verhindert werden konnte. einen Schuß in die Magengegend bei. Nachdem der Schwerverletzte einen Nothverband erhalten hatte, wurde er nach der Charitce ge- bracht. Beim Eintreffen in der Charitee war der Mann bereits eine Leiche. Wie von anderer Seite niitgethcilt wird, ist der Selbstmörder vermnthlich ein 41 Jahre alter Zimmermann Friedrich B e t h i n. ein schlverer Verbrecher, der sich seit vier Jahren der Polizei- Auf- ficht zu entziehen verstand. Die Papiere, die man bei ihm fand, lauteten im ganzen auf etwa 4000 Mark. Sie sind wahrscheinlich einem Manne gestohlen worden, der sie von einer Verwandten, die sich zur Zeit im Krankenhanse befindet, zur Verwahrung er- halten hatte. Zu der Pnlvcrexplofion ans dem Pionier-UebungSplatze, bei der Sekoiidcliciitenant Wollmann getödtet wurde, wird noch folgendes mitgethcilt:„Gegenwärtig sind von jedem Gardc-Jnfanterieregiment mehrere Unteroffiziere zum Garde- Pionierbataillon kommandirt behufs Ausbildung ini Ponierdienst. Diesen Leuten wollte Lieutenant Wollmann eine Sprengübung praktisch vorführen, zu welchem Zweck er altes Pulver und sonstige Sprengstoffe, die schon längere Zeit gelagert hatten, verbrauchen sollte. Das Sprengmaterial wurde auf eine Pfanne geschüttet. Als alles in Ordnung war, die Zündschnur bereits lag und Lieutenant W. die Streichhölzer zum Anzünden der Zündschnur in Händen hielt, gab er den beide.. Pionieren, die die Vorbcreittmgen zur Sprengung getroffen hatte-., mit lauter Sttmme den Befehl:„Zurück! Marsch! Marsch! Kaum waren die beiden Leute sechs Schritt gelaufen, da erfolgte die Katastrophe. Die Explosion ist ohne Zweifel dadurch verursacht worden, daß beim An- zünden des Streichholzes, mit dem der Offizier die Zündschnur an- zünden wollte, ein Funkc auf die Pnlvennasse geschlagen ist. WaS will das werden? Mit diesem Stoßseufzer begleitet das„Berliner Tageblatt" die Mittheilung, daß es an der hiesigen Universität bereits 723 studirende Frauen giebt. Nun, was wird es werden? Die Frauen werden natürlich nach Beendigung ihrer Studien ihren Unterhalt mit wissenschaftlichen Arbeiten zu verdienen suchen und den Männern, die bisher auf diesem Gebiet ausschließlich thätig waren, Konkurrenz machen. Diese Aussicht ist es wohl, die dem. „Bcrl.Tagcbl."zu einem angstvolle» AnsrufVeranlassuiig giebt. Sind es doch zum' großen Theil die Söhne des wohlsituirten Bürgcrthums, die in ihren gelehrten Berufen die Konkurrenz der stiidirten Frauen zu fürchten haben. Das mag allerdings einem Blatte, welches die. Jntcresscn des besitzenden Bürgerthnms vertritt, als eine uiiaiigenehme Aussicht erscheinen, obwohl doch vom Standpunkt des Liberalismus gegen die Thatsache, daß Frauen stiidiren, nichts cinznwcndcn ist. Aber was kümmern den liberalen Spießbürger liberale Grundsätze. wenn er sich durch.deren Anlvcndung in seinen persönlichen Interessen gefährdet ficht? Wenn fortgesetzt tauscnde und abertansende. von Proletarier- frniicn, durch das unerbittliche Vorwärtsschreiten des Kapita- lismnS gezwungen, sich einen Erwerb in der Industrie suchen müssen, so hat angesichts dieser Entwickelung der Dinge noch kein liberales Blatt gefragt, was das werden soll. Im Gcgcntheil. Die Möglichkeit, Frauen und Kinder in der Industrie auszn- beuten, war den liberalen Bourgeois zu allen Zeiten ein willkonimeneS Mittel, die Löhne der Männer zu drücke». Wenn aber die bürgerlichen Damen, die noch in relativ glück-. licher Lage sind, in den wissenschaftlichen Berufen den Männern Konkurrenz machen, und zwar aus denselben Ursachen, welche die: Franc» und Kinder der Arbeiterklasse in die Fabrik treiben, dann ruft man angsterfüllt aus: Was will das werden?! Seinen Verletzungen erlegen ist der 40 Jahre alte Arbeiter Paul Hcinze aus der Pücklerstr. 9, der durch einen Sturz ans dem Fenster vcrmiglücktc. Ei» Taschenbuch für Radfahrer hat der Verlag von Max Rockcnstcin, Berlin, Hallesche Straße 4, herausgegeben. Das Bncy verdient Empfehlung. Es beantwortet zunächst die hygienische Ein- Wirkung des Raofaürens, bringt dann eine interessant« EiitwickelnngS- gefchichtc des Fahrrades und geht hierauf dazu über, dem Neuling bezüglich des Ankaufs eines Rades, des Unterrichts, der Be- klcidnng ic. nützliche und was besonders anerkeiiiienswerth ist, auch unparteiische Winke zu geben. Des weiteren behandelt das Taschen- buch das Wanderfahren und die radsportlichen Veranstallnngcn. bringt dann über die bestehenden Radfahrer-Verbände das Wissens- werthc und giebt dann weiter über die Fabrikation deS Rades tznd der Reifen eine lcsenswerthe Darstellung. Der zweite Theil des Buches bringt ein mit vielem Fleiße zusammengestelltes Tonrcn- vcrzcichniß für ganz Deutschland nnd den in bctracht kommcndcn Theil der angrenzenden Länder, sowie ein übersichtliches Ortsregister und enthält als Zugabe eine Radfahrkarte für Deutschland. Der eis des zweckmäßig gebundenen Taschenbuches beträgt 1 M. 50 Pf. Fenerbericht. Am Montag gegen 8 Uhr abends lvurde die Wehr nach D c n n e w i tz st r. 5 gemfen, Ivo in einer Tischlerwerkstatt ein Brand entstanden war. Dienstag früh zwischen 5 und 6 Ubr waren Z c h d e n i ck e r st r. 15 durch Selbstentzündung in Bravo gcrathcne Preßkohlen abzulöschen. Gegen Mittag riilstand G i t s ch i n e r st r a ß e 80 ein umfangreicher Kcllerbrand, zn dessen Bewältigung drei Löschzüge der Feuerwehr in Thnligkeit ttaten. Hier wohnt im Keller des linken Seitenflügels der Drehorgel-. spicler Vogel, dessen Frau im Begriff ivar mittels Petroleiiln-Z Feuer in der Kochmaschine zu machen. Der Frau entfiel die Flajcee. und das sich daraus ergießende Lel gcricth in Brand, so daß die beförderten sie Die Vogclsichen Mobiliar nebst alte Frau in wenigen Augenblicken in Flammen stand. HauZ- bewohner eilten auf ihr Hilfegcschrei herbei und erstickten die Flammen. Dabei erhielt die Wittwe Kirchhübel schwere Brandwunden an Händen und Gesicht. Die Samariter der Feuerwehr fegten der Unglücklichen einen Nothberband an und..... der Droschke nach dem Krankenhause am Urban. Eheleute büßten bei dem Brande ihr sämiutliches Drehorgel ein. 3l»s den Siachbarorten. An die Parteigenossen des Wahlkreises Teltow-Beeökolv- Storkow-Charlottenburg. Ain heutigen Mittwoch findet in allen Vororten unseres Kreises die Flugblattvertheilung zur Stichwahl statt; es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, sich in seinem Ort zur Verfüg, mg zu stellen. Das Zentral-Wahlkonntee. I. A.: Z u b e i l. Charlottenbnrg. Den Genossinnen und Genossen die Mit- theilnng, daß heute, abends 7 Uhr, eine Flugblattvertheilung zur Stichlvahl stattfindet! die Ausgabe der Flugblätter erfolgt bei Bredlow, Augsbiirgerstr. 73! Rohr, Goethestr. 07»! Dörre, Krummc- stratze 19; Kant, Pestalozzistr. 65; Beyer, Wallstr. 96: Gimpel, OSnabriickerstr. 28! Leder, Bismarckstr. 74; Paasche, Potsdamer- straße 44. Regste Betheiligimg wird erwartet. D i e Vertrauensleute. Charlottenbnrg. Die Parteigenossen werden darauf ans- nicrksam gemacht, daß am heutigen Mittwoch eine Fluglattverb rcitung stattfindet. Die Flugblätter werden am Sonntag früh 71/2 Uhr aii folgenden Stellen ausgegeben: Bredlow, Augsburgcrstr. 78; N ö h r. Goethestr. 97«.! Dörre, Krummestr. 19; K a n t, Pestalozzi- straße 95; Leder, Bismarckstr. 74; Paasche, Potsdamerstr. 44; G i in p e l. Osiiabrückcrstr. 28; Beyer. Wallstr. 96. R e g e B c- t h e i l i g u n g i st unbedingt n ö t h i g. An die Wähler des Kreises Teltow-Veeskow-Storkow! Der 16. Juni war ein Tag des Sieges für unsere Partei. Doch der letzte, schwerste Kampf steht uns überall dort noch bevor, wo unsere Kandidaten zur engeren Wahl stehen. Darum ist es die heilige Pflicht jedes Genossen, alle Kräfte einzusetzen: denn es gilt nicht nur, daß die Ueberzeugten ihr Bürgerrecht als Wähler ausüben und sich durch nichts und niemand davon abhalten lassen, es gilt auch, daß die Unentschlossenen und Saumseligen aufgerüttelt, die lvtnthloscn ermuthigt und aufgeklärt werden. Zu diesem Zweck findet am Donnerstag Abend 8 Uhr im„Bayerischen Hiesel", Haupt- straße 5/6 in Schöneoerg, eine Volksversammlung für Männer und Frauen statt, in der Genossin Frau Dr. Lily Braun referiren wird. Kein Wähler versäume zu erscheinen!— Die ganze Reaktion vcr- einigt sich wider uns, aber je drohender sie auftritt, desto stärker sind wir, und je schwerer der Kampf ist, desto herrlicher wird der Sieg sein! Die Vertrauensperson. Nixdorf. Parteigenossen! Am Mittwoch Abend findet Flug- blattvcrtheilung statt. Die Genossen, welche schon geholfen haben, werden ersucht, sich abends 7 Uhr in den Lokalen, wo sie früher waren, einzufinden; diejenigen, welche noch nicht geholfen, jedoch helfen wollen, werden ausgefordert, sich zu Thomas, Berg- straße 162. und Klein, Kaiser Friedrichstr. 236, abends 7 Uhr zu bemühen. Freitag, den 24. Juni, abends 8 Uhr finden zwei V e r s a m m l u n g e n zur Verkündung der W a h l r e s u I t a t e in Gröpleps Salon, Bergstr. 147, und für Nindorf und Britz in Peter's Salon, Knescbeckstr. 113 statt(siehe Inserat). Das Wahlkomitce für Ripdorf hat am Tage der Stichwahl seinen Sitz bei Klein, Rest Kaiser Friedrichstr. 236, Telephon Amt 145, wohin alle Anfragen betreffs der Wahl zu richten sind. Die Genossen, welche am Tage der Stichwahl helfen wollen, auch diejenigen, welche sich schon ge- nieldet haben, werden ersucht, am Freitag früh 8'/» Uhr zur Empfangnahme des Materials zu Klein, Restaurant, Kaiser Friedrichstraße 236 zu kommen. Parteigenossen I Es gilt am Freitag, dem Tage der Stichwahl, nachzuholen, was am vorigen Donnerstag versäumt worden ist. Jedermann hat nicht allein selber noch einmal die Pflicht, an die Urne zu treten, sondern muß auch trachten, die Kollegen und Bekannten, welche am Tage der Haupt- wähl ihr Recht nicht ausgeübt haben, zur Abgabe sozialdemokraftschcr Stimnizettel heranzuziehen. Es ist ein Jrrthum, daß ein Wähler, der am Wahltage nicht gewählt hat, zur Stichwahl nicht zugelassen wird I Jeder Deutsche, welcher in die Wählerliste eingetragen ist, hat am Tage der Stichlvahl das Recht zu wählen, und diejenigen, welche am Wahltage nicht gewählt, haben doppelt die Pflichl, zur Urne zu gehen. Wer irgend kann, genüge schon vormittags, spätestens aber bis nachmittags 4 Uhr seiner Wahlpflicht. Um 6 Uhr präzise wird der Wahlakt geschlossen. Das Wahlkomitce. Tcnipclhof-Maricndorf. Die Parteigenossen von Teinpclhos und Mariendorf werden hiermit auf die am Mittwoch, den 22. d. M., stattfindende F l u g b l a t t- V e r b r c i t u n g nnfmcrksam gcniacht. Wir ersuchen die Tempelhofer Genossen, sich am Mittwoch, abends V-8 Uhr, in Tcinpelhof bei K a h l, Berliiierstraße, und die Marien dorfer sich bei Ebel, Chaussecstraßc, einfinden zu wollen.— Gleich- zeittg fordern wir diclGcnosscn auf, sich dem Wahlkomitce am Tage der Stichlvahl zur Verfügung zu stellen. Das W a h l k o m i t c e. F>i Zchlciidorf ist heute Abend Flugblatt» e rbre itung. Jeder Parteigenosse sei am Platze! Wer am Stichwahltage Zeit hat, wolle sich bei Gicse, Tcltowerstr. 23, melden. Achtung, Wilmersdorf! Die Parteigenossen werden anf die heute, Mittwoch abend, stattfindende Volksversa in in l u n g auf merksam gemacht. Das Erscheinen aller Wähler ist Pflicht. Auch werden die Genossen ersticht, thatkräftig auf die Säumigen ein- zuwirkcn, damit auch diese ihrer Pflicht nachkommen. Das Wnhlkoiuitce. Steglitz. Heute Abend wird im Schwarzen Adler, Albrccht straße 125, eine V o l k s v e r s a m m I u n g abgehalten, in der Gc- nosse Fritz Z u b c i l referirt.— Parteigenossen, welche am Tage der Stichwahl helfen wollen, werden' ersucht, sich am Donnerstag Abend bei Schellhase, Ahornstraße 12, einzufinden. D er Vertrau ensman n „Wählt Zubeil!" Eine Lokalkorrespondenz weiß folgendes zu berichten: Die Reichstagswahl dürste in C h a r l o t t e n b u r g für eine Anzahl von Personen noch üble Folgen nach sich ziehen'. An den Staats- und öffentlichen Gebäuden sowie zahlreichen P r i v a t h ä u s e r» der Stadt sind von sozialdcmo- kratischer Seite in der letzten Nacht vor dem Wahltage mittels grostcr Malcrschabloncii die Inschriften angebracht worden„Wählt Zubeil" und„W ä h l t G a st w i r t h Z u b e i l". Es ist dazu eine ttcfschwarze Oelfarbe verwendet, die ihren Zweck allerdings sehr ant erfüllt, da sie die Inschriften von der weißen Maucrfläche der Gebäude scharf abhebt. Die Hausbesitzer sind damit aber keineswegs ciiivcrstandcn, weil sie nun die Inschriften abkratzen lassen müssen und ihre Gebäude dadurch verunzieren. Sie haben deshalb bei der Polizei Anzeige erstattet, und diese forscht nun eifrig nach dem Hersteller der Schnblvnen, um durch denselben diejenigen Personen, welche die zahllosen Inschriften angebracht haben, festzustellen. Besonders das A m t s g c r i ch t s g c b ä u d e ist an allen Seiten mit derartigen auffallenden Inschriften versehen. Ebenso die Bahnhöfe„Charlottenbnrg" und„Savignyplatz" sowie auch die höheren Lehran st alten und G e m e i n d e s ch u l e n. Die Leiter der sozialdemokratischen Wahlagitatton in Charlotteubnrg sind bereits von der Polizei vernommen worden. Sie weisen aber jede Mitschuld entschieden zurück und haben erklärt, daß sie niemanden beauftragt hätten, Inschriften an Gebäuden anzubringe» und daß sie auch die Thäter nicht wüßten." Die Hausbesitzer sollten ihren Aergcr ob dcS sozialdemokratischen Stimmenzuwachses hinunterschlucken und die Polizei nicht mit Auf- trägen behelligen, welche nach der Erfahrung früherer Jahre wahr- scheinlich resultatlos ausfallen dürsten. Es liegt ja überdies auch völlig in der Hand der Bourgeois und ihrer Behörden, der geschilderten Art sozialdemokratischer Agitation für die Zu- kunst die Spitze abzubrechen. Sie brauchen nur die größte und im deutschen Volke einflußreichste Partei als jjleichberechttgt zu betrachten und peinlich alles vernieiden, was in der Form von Saalabtreibereien und sonstigen Behelligungen einer legalen Agitation unserer Partei im Wege steht. Die Propaganda mit Oelfarbe kam in der Zeit des Sozialistengesetzes auf, als jede gesetzmäßige Agitation unterdrückt war. Dieses Ilcberblcibsel ver- schwindet wohl auch erst völlig, wenn der Arbeiter ganz sicher fühlt, daß der Anwendung derartiger Hilfsmittel jegliche ursächliche Bc- rechtiguug entzogen ist. Die Stadtverordneten-Vorsammliiug von Schönebcrg bc- schloß gestern, für die Hilfskräfte des Landmessers einen Tagclohn von 3 M. 25 Pf. festzusetzen. Ferner nahm die Stadtverordneten- Versammlung den folgenden, von unseren Parteigenossen gestellten Autrag an;„Die Erbauung eines Krankenhauses für Schöne- berg sofort in die Wege zu leiten und der Stadtverordueteu-Vor- sammlung in nächster Zeit eine bezügliche Vorlage zu machen; ferner die ini Jahre 1892 erbauten Baracken sofort als K r a n k e n st a t i o n für Schöncberg herzustellen." Wie viel Stiniincn mag»nS das einbringen? In den Militärwertstätten zu Spandau sind, wie bürgerliche Blatt melden, in voriger Woche zwei Arbeiter sofort entlassen worden, weil sie nachweislich für die Sozialdemokratie agitatorisch thätig gewesen sind. Es wird zu erwarten sein, daß angesichts dieser Maßregelung jeder Arbeiter zu den Stich- wählen mit doppeltem Eiser seine Pflicht thue. Auch ein Sittcnwächtcr. Die„Deutsche Tageszeitung" läßt sich folgende Dcuunziation„aus ihrem Leserkreise" zurcchtdeichscln: „Im Anschluß an die gestrige Mittheilung, daß dem svzialdemo- krattschcn Rcichstagskandidatcn Hofcr in Gr. Skaisgirreu durch die königliche Regierung zu Gumbinnen die Mitgliedschaft im Schul- vorstände entzogen worden ist, weil„die Regierung es nicht dulden kann, daß ein Anhänger der Sozialdemokratie dem Vorstande einer Schule augehöre, die zur Pflege des Christenglaubens, der Vaterlandsliebe und der Treue und Liebe zu dem Herrschcrhause bestimmt ist"— möchten wir die Regierung zu Potsdam bitten, ein gleiches energisches Vorgehen in der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin in Anwendung zu bringen, wo am letzten Donnerstag der jüdische Sozial- d e m o k r a t Singer in die Schuldeputation gewählt worden ist. Mir hoffen, daß die Regierung dem Chef der Sozial- demokratie das Recht absprechen wird, in christlichen Schulen über Liebe zu Kaiser und Reich in seiner Meise zu wachen. Was Herrn Hofer recht, ist Herrn Singer billig. Wir aber Protestiren gegen die Einführung eines Mannes, der jede Autorität im Staats- leben untergräbt, gegen die Mitgliedschaft eines ManueS in einer Körperschaft, die berufen ist, der Schule Berlins den Charakter als christliche Anstalt zu geben und zu wahren." Wir hängen diese urgermanische Großthat niedriger und über lassen der gesitteten Welt das Urtheil, ob eine Gesellschaft, die durch den Thomas-Phosphat-Schwindel zur traurigen Berühmtheit gelaugt ist, noch irgendwelches Recht hat, anständigen Leuten gegenüber die Rolle des Sittenrichters und Religionswachters zu spielen. Diese Gesellschaft sollte sich in acht nehmen, daß der Staatsanwalt sie nicht beim Kragen packt und im übrigen hübsch die Welt ihren Gang gehen lassen. / 7» Geviktzks-JeikunA» Wege» Beleidigung des Staatssekretärs v. PosadowSky hatte sich gestern der Genosse August H i n tz e vor der IV. Straf- kammcr des Landgerichts I zu Berlin zu verantworten. In einer der 14 Gewerkschaftsversammlungen, die am 21. Februar aus Anlaß der Veröffentlichung des bekannte» Erlasses durch den„Vorwärts" stattfanden, hatte Hintze in der Diskussion das Wort ergriffen und soll nach der Anklage seiner Freude darüber Ausdruck gegeben haben, daß dieser Erlaß auf den Tisch des„Vorwärts" geflogen sei. Er könne es als keinen Vcrtrauensbruch au- sehen, wenn ein Beamter einen solchen Erlaß der Ocffcntlich- keit übergebe; es läge im Interesse der Allgemeinheit, wenn derartige gemeine Erlasse in die Oeffentlichkeit kämen. Der An geklagte, der durch Rechtsanwalt Heine verthcidigt wird, bestreitet, den Ausdruck„gen, eine Erlasse" gebraucht zu haben, während die beiden Belastungszeugen, Polizeilieutenaut Scholber und Schutzmann Mahl er niit Bestimmtheit bekunden, daß dieser Aus druck gefallen sei. M a h l e r besonders will genau hingehört haben, da der Angeklagte aus der Eiusenduug des Erlasses an den„Vor- iväris" geschlossen habe, daß auch unter den Beamten g r o ß e II n- zusricdcnhcit herrsche und ihn dies ganz besonders intcr- c s s i r t habe. Tcnigcgcuübcr bekunden dieZcugeu Kiesel, H. Schulz, L e i d t, Brinkmann, S ch i m in e l p f e n g und Schröder, daß sie den Ausdruck nicht gehört haben, ihn aber hätten hören müssen, wenn er gefallen wäre. Leidt und Brinkmann betonen besonders, daß sie bei dem Hören dieses Ausdruckes sofort das Bewußtsein gehabt hätten, daß Hintze sich strafbar machen würde Schimmclpfeng bekundet bestimmt, daß der Angeklagte nur von dem geheimen Erlaß gesprochen habe. Er habe seine Frau gefragt, auch diese habe den inkriminirten Ausdruck nicht gehört. Diese Aus- sage benutzte der Vorsitzende, Landgerichtsrath D e n s o zu einer Frage, die in weitesten Kreisen der Arbeiterschaft das lebhafteste Bcsrciudcn erregen wird. Cr fragte: Waren denn auch Frauen anwesend? Was haben denn Franc» in öffentlichen Bcrsauimlungcn zu thun? Weiß denn der Vorsitzende nichts davon, daß es verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Arbeiterinnen ist, sich um Wahrung ihres KoalitionsrcchtS zu kümmern?— Staatsanwalt P I a s ch k c hält es für erwiesen, daß der ftagliche Ausdruck gefallen sei. Den»n- bestimmten Aussagen der Entlastungszeugen ständen die positiven Bekundungen der beiden Polizcibeamten gegenüber. Er beantragt eine G e s ä u g n i ß st r a f e von 3 Monaten.— Rechtsanwalt Heine beantragt Freisprechung. Es ständen sich zwei AnS sagen gegenüber. In derartigen Fällen verdienen diejenigen, die mit Vorbehalt abgegeben seien, de» Vorzug. Ein gebildeter Mann gebe seine Aussagen stets mit Vorbehalt ab, und je größer die Erfahrung des Zeugen, desto bedingter und eingeschränkter würden seine Aussagen sein. Von diesemGesichtspunkie aus sollen die Aussagen dcrEntlastungs zeugen viel schtverer inS Gewicht, als diejenigen der Polizev beamtcn. Il u d dann seien Sozialdemokraten gc- zwnugcn, sich so rcscrvirt ivie mir möglich auszudrücken, da s i e sich stets der G e f a h r aussetzen, wegen Meineids angeklagt zu werden. Bei der Gleichartigkeit der beiden Ausdrücke sei cö sehr iiahcliegeud, daß die Beamten sich verhört hätten. Der Ausdruck könne aber auch gar nicht von dem An geklagten gebraucht worden sein, weil er ja vollständig sinnlos gewesen wäre. Aus diesen Gründen sei die Freisprechung geboten. Sollte der Gerichtshof den Aussagen der Polizeibeamten jedoch mehr Glauben beimessen, dann bitte er in bctracht zu ziehen, welche Er- regnng sich der Arbeiterschaft nach Bekanntwerden dieses Erlasses be- mächtigt hatte, und er erfiiche, höchstens auf eine kleine Geldstrafe zu erkennen. Der Staatsanwalt erwidert, daß er auch auf dem Standpunkt stehe, daß den reservirt abgegebenen Aus- sagen m e h r G l a u b e n beizumessen sei. Die Aussagen der beiden Polizcibeamten seien jedoch viel zu bcstinunt. Woher der Bertheidiger schließen könne, daß sich die Sozialdemokraten der Gefahr aussetzen, auch schon bei einer kleinen Unrichtigkeit in der Aussage wegen Meineids angeklagt zu werden, wisse er nicht. Sefticr Ansicht nach läge diese Möglichkeit bei den P o l i z e i b e a m t e n viel eher vor. Genosse Hintze bemerkt noch, daß er bereits seit 1883 in der sozialdemokratischen Bewegung thätig sei, seit dieser Zeit in öffentlichen Versammlungen austrete und als ein nihiger und sachlicher Redner bekannt sei. Den Ausdruck habe er nicht gebraucht. Wäre dies der Fall, dann sei er Mauncs genug,■ das zuzugestehen und die Folgen zu tragen. Nach einhalbstündiger Bcrathnng verkündet der Gerichtshof das Urtheil. Die Ennittelung der Wahrheit sei in diesem Falle schwer gewesen. Zlvar seien die Bekundungen der Polizeibeamten außer- ordentlich bestimmte, aber ihnen gegeniibcr stehen Aussagen von sechs Zeugen, denen g e n a u s o v i e'l Glaubwürdigkeit bei-! zumessen sei. Die Belastungszeugen hätten sichtlich das Bestreben gezeigt, genau der Wahrheit die Ehre zu geben. Eine Partei ver-. diene darum soviel Glauben als die andere. Der Augeklagte sei des- halb freizusprechen; die Kosten fallen der Staatskasse zur Lastt�.- Gcgen den Obcrfaktor Griinenthal wurde am Souiiabenksi auch vor dem hiesigen Amtsgericht verhandelt. Die Frau Grünen- thal, von welcher er bekanntlich gerichtlich nicht getrennt ist und die mit ihrer Tochter außerhalb lebt, erhielt bisher regelmäßig Unter- stützuug von dem Oberfaltor, die jedoch seit seiner Verhaftung aus- fiel. Frau G. hat infolge dessen gegen ihren Ehemann eine Alimentationsklage angestrengt, welche am Sonnabend vor dem Amts- gcricht I in der Jüdenstraße zur Verhandlung gelaugte. Die von der Klägerin gestellten Ansprüche, die auf eine monatliche Unter- stützung von 199 M. uormirt sind, wurden von dem Gerichtshof an« erkannt und Grüneltthal dem Klageanträge gemäß vcrurtheilt. Der B�jffgte war im Termin persönlich nicht anwesend. Das Ausnahmegesetz gegen das„Gesinde". Das den icustherrschaften zustehende P r ü g c l r e ch t gegenüber den Gc- sindcsklavcn spielte bei einer Anklage wegen Körperverletzung eine Rolle, die die Schankwirthin Frau Birk gestern vor die 6. Straf- kammcr des Landgerichts 1 führte. Die Angeklagte hatte im Oktober die unverehelichte Anna Lubitz als Dienstmädchen in Stellung ge- nommen. Schon am 1. November erklärte die letztere, daß sie am 15. November wieder ziehen ivolle, ihr wurde aber versichert, daß die Kündigung nicht angenommen werde, da sie nur vom 15. zum Ersten kündigen dürfe. Einige Tage darauf entfernte sich das Mädchen, angeblich ohne Erlaubuitz dazu eingeholt zu haben, aus der Wohnung, ließ der Angeklagten durch ein anderes Dienstmädchen sagen, daß sie sich einen Dienst suche und lehrte erst nach mehreren Stunden zurück. Als sie zurückkehrte, wurde sie von der An- geklagten mit einer Ohrfeige regalirt. Das Mädchen blieb dann noch bis zum 15. November bei der Angeklagten, zog dann zu einer anderen Herrschaft und ist dort krank geworden. Sic mußte wegen einer Verletzung des Mittelfingers der linken Hand ins Krankenhaus gebracht werden, ist dort mehrere Wochen hindurch behandelt worden und das Ergebniß tvar, daß sie zeitlebens einen steifen Finger behalten tvird. Die Unglückliche behauptete nun, daß die Verletzung eine Folge der von der Angeklagten erhaltenen Mißhandlung sei. Frau Birk habe auf sie losgeprügelt und ihr einen Stoß gegeben, daß sie an die Wand geflogen sei und bei dieser Gelegenheit müsse der Finger verlege worden sein. Der Gerichtshof sprach die Angeklagte frei. Jr Eine für die Badc-Anstalten höchst gefährlich- Persönlichkeit wurde gestern der siebenten Strafkammer dcS Landgerichts I in der Person des früheren Bndetvärtcrs Max 3t n a tz aus der Unter- suchuugshaft vorgeführt. Der Augeklagte hat seit einer 3teihe von Jahren die Badc-Anstalten in Frankfurt a. O., Magdeburg, Braun- schweig und Berlin unsicher gemacht. In den ersten drei Städten ist er wegen Diebstahls bereits vorbestraft worden, in Vraunschweig im August vorigen Jahres zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus. Er hatte damals eine„Kunstreise" nach Braunschweig gemacht und an einem Tage drei Diebstähle in Bade- Ilustalten ans- geführt. Dies gab Veranlassung, daß in Berlin über ihn Erkundigungen eingezogen wurden. wobei die Kriminalpolizei ku der Annahme gelaugte, daß man in dem Verhafteten den Thäter ergriffen hatte, der in dem größten Thcil der hiesigen Bade- Anstalten Diebstähle begangen hatte, tvobei ihm bisweilen beträchtliche Summen baarcn Geldes sowie goldene Uhren zur Beute gefallen waren. Der Angeklagte verfuhr stets in derselben Weise. Als früherer Badcwärter war er mit den Gepflogen- hcitcn der Badenden bekannt. Er trat ebcnsalls als Badegast aus und ließ sich stets ein römisches Bad geben. Dies erfordert nach dem Bade das Einpacken der Körper in wollene Decken, worauf die Badegäste längere Zeit hindurch ruhig liegen müssen, nm dann später massirt zu werden. Raatz nahm das Bad nur wenige Minuten. Dann schlitzte er Unwohlsem vor, erklärte, auf Packung und Massage verzichten zu wollen und begab sich wieder in den Ankleideraum. Hier suchte und fand er Gelegenheit, die Kleider der übrigen Badegäste auf ihren Inhalt zu untersuchen und sich Portemonnaies und Uhren anzueignen. Es liegen elf derartige. Fälle gegen ihn vor. Außerdem werden dem Angeklagten mehrere Bctrugsfalle zur Last gelegt. Er machte bekannt, daß er Unterricht im Massircn ertheile. Es meldeten sich einige Personen, welche vierzig Mark im voraus cutrichtcn mußten. Sie er- hielten nun eine einzige Stunde, dann verschwand der?lii- geklagte. Er behauptete im Termine, daß er durch seine in Vraunschweig erfolgte Verhaftung an seiner Siiickkchr und der Weitcrerthcilung des Unterrichts verhindert worden sei. In dieser Beziehung fiel die Beweisaufnahme zu seinen Gunsten aus, so daß der Staatsanwalt wegen der Betrugsfällc die Freisprechung beantragt. Es wurde gegeii den Angeklagten anf eine Zusatzstrafc von drei Jahren sechs Monaten Zuchthaus nebst den üblichen?kcbcnstrafcn erkannt, so dM der Angeklagte insgesammt 6 Jahre Zuchthnus zu vcr- bä�F hat. JP Eine Plntthat, die am 17. November v. I., am Bußtage, in *ii, Dorfe Marienwerder, Kreis Niederbarnim, begangen wurde, soll das Schwurgericht des Landgerichts II in dreitägiger Ver- Handlung, wclchck gestern ihren Anfang nahm, beschäftigen. Sln dem genannten Tage, abends gegen 6 Uhr, war das Schaukziinmcr in der Spicgcl'schcn Gastwirthschaft von Gästen gefüllt. Auch der Orts- Gendarm Hcinze tvar anwesend. Derselbe verließ das Lokal um 6'/« Uhr in Begleitung' des Amtsvorstchcrs und zweier anderer Personen. Er halte sich erst kurze Zeit in seiner Wohnung bcsuudcn, als die erwachsene Tochter des Barbiers Licphnk angelaufen kam und dem Gendarm die Meldung machte, daß ihr SSjährigcr Vater soeben ans der Dorsstraße unweit der Kirche erschlagen aufgcsuudcn sei. Der Gendarm eilte nach der Liephaiffchcn Wohnung, wo er Liephak blutüberströmt mit schweren Vcrwunduligen am Kopse antraf. Da der Verletzte noch röchelte, tclegraphirte der Beamte au den im Nachbarorte wohnenden Arzt, bevor dieser aber eintraf, ivar Licphnk. verschieden, ohne dnS Bewußtsein wiedererlangt zu habe». Der Gendarm hatte inzwischen festgestellt, daß Liephak das Spiegellsche Schanklokal etwa 19 Minuten nach ihm verlassen hatte, um nach Hause zu gehen und daß gleich nach Liephak auch der nicht im besten Rufe stehende 29jährige Flösscr Karl KrüpfgnuS gegangen tvar. Anf eine Beraubung des Ge- tödteten hatte der Thäter cö nicht abgesehen, cS konnte somit nur ein giachcalt vorliegen. Aber auch hierfür boten sich wenig AnHaltepunkte, denn niemand hatte weder an dem betreffenden Abende noch früher von einem Streit zwischen dem Gclödtetcn und KrüpfganS etwas bemerkt. Es häuften sich aber die Verdachtsumständc gegen Krüpfgnns derart, daß die Slnklage wegen Körperverletzung mit tödtlichcm Ausgaiige gegen ihn erhoben werden konnte. An dem betreffenden Abend gegen 6�/2 Uhr befand der Vieh- Händler Haack sich auf dem Heiniwege. Unweit der Dorfkirche hörte er das Geräusch von heftigen Schlägen und gleich- eitig die 3!ufc: Hiilse! Hülfe! Herr Wachtmeister!" Eine andere Stinime antwortete:„Ich will Dir bei Wacht.-' meister!"— das Geräusch von Schlägen dauerte fort. Als Haack näher hinzukam, sah er, daß ein jüngerer Mann auf den am Boden liegenden Liephak, dessen Stimme Haack erkannt hatte, einschlug. Haack rief:„Mensch, mache es doch halbwcgS, laß den alten Mann zufrieden, was hat er Dir gethan?" Bei diesem Anruf lief der Schlägcw davon, Haack will trotz des Halbdunkels den Angeklagten KrüpfganS' erkannt haben. Am folgenden Tage entdeckte der Gendarm in einem Garten, den der flüchtende Thäter durcheilt hatte, deutlich ans- geprägte Fußspuren. KrüpfganS mußte dieselben Stiefel anziehen, die er am Bußtage getragen und ein Vergleich ergab, daß der Abdruck der Krüpfgnns'schcn Stiefel genau in die Fußspuren paßte, lieber die Zeit, zu welcher Krüpfgans das Spicgel'sche Lokal verließ, hat er zunächst unwahre Angaben gemocht, erst als er in die Enge getrieben wurde, hat er zugegeben, gleich nach Liephak gegangen zu fei». Im übrigen bctheuert er seine Unschuld, und die Vertbeidiger, i Rechtsanwälte Dr. Flatan und Grünfcld, haben einen um« fassenden Entlastungsdeweit angetreten. Sie behaupten, daß das Messen der Fuhspuvcn nicht mit der wimschenswerthen Genauigkeit Vorgen eitnmen worden ist und beantragen, daß eine neue Messung vor den Augen der Geschworenen vorgenommen werde. Zu diesem Zwecke soll im Schwurgerichtssaale Sand gestreut werden. Die Vcrthcidigung macht außerdem geltend, daß jeder Beweggrund zu dem Verbrechen fehlt. Die Verhandlung. zu der gegen 100 Zeugen und 6 Sachverständige geladen sind, wirh. vom Landgerichtsdirektor Hellwig geleitet. Wir werden uns darmif beschränken, das Ergebniß mitzuthcilen. f IVi-Tammhtmxi'n, In einer am Dienstag, den 7. Juni, stattgehabten� Ver- bandsversammlung der Schneider und Schneiderinnen gab der Kassirer Haase d-.e Abrechnung vom 1. Quartal. Die Einnahme für die Zentralkasse betrug 1003,33 M,, die Ausgabe 999,28 M„ darunter 700 M. an die Hauptkasse gesandt. Die Lokalknsse stellte sich folgendermaßen: Einnahme mit Hinzurechnung des Bestandes vom 4. Quartal 3989,48 M., Ausgabe 751,03 SR, somit bleibt fiir das 2. Quartal ein Bestand von 2933,40 SR Rutschmann bestätigte die Richtigkeit der Abrechnung und beantragte, dem Kassirer Dccharge zu ertheilcn. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Das Unterstütziingswesen im Verband behandelte Witte und empfahl der Versammlung die Anträge der Ortsverwaltung, welche eine Unterstützung der Mitglieder bei Erlverbsunfähigkeit bezwecken. Danach erhalten Mitglieder, die ein Jahr dem Verband angehören, bei Erlverbsunfähigkcit auf die Dauer von 13 Wochen 6 Mark wöchentlich. Diese Summe wird mit der Steigerung der Mitglieds- dauer auf 7 M. erhöht; ebenso tritt mit der Steigerung der Mitgliedsdauer eine Verlängerung der Unterstützungsdauer bis zu einem Jahre ein. Um diese Ausgabe zu bestreiten, müsse eine �Erhöhung der Beiträge von mingesteus 10 Pf. pro Woche eintreten. Im weiteren hat die Ortsverwaltung Anträge auf Abänderung des Streikreglements gestellt. Ueber den Beginn eines Ausstandes und unter welchen Bedingungen er geführt Iverden soll, solvie über die Beendigung desselben sollen nur SRtglieder zu bestimmen haben, In der daraussolgenden ausführlichen Diskussion erkannten stimmt- liche Redner die Nothwendigkeit an, daß eine größere Fesselung der Mitglieder an die Orgamsation, besonders der ansässigen Kollegen stattfinden müsse. Hierauf nahm die gutbesuchte Versammlung die �Anträge mit allen gegen 5 Stimmen an und werden dieselben der am 24. August d. I, m Mannheim stattfindenden Generalversamm- lung unterbreitet. Zum Schluß theilte der Bevollmächtigte mit, daß am Montag, den 11, Juli, das Sommervcrgnngen der Schneider und Schneiderinnen im Lokale von Herrn Kliem, Hasenhaide 14—16, stattfindet. Die Kupferschmiede wählten in ihrer Vereinsversammlung am 13. Juni auf Antrag der Wittwe eines ausgeschlossenen und nachdem verstorbenen Kollegen ein Schiedsgericht, welches untersuchen soll, ob der Ausschluß des Betreffenden wegen einer gemeinen Denunziation zu recht erfolgt war. Alsdann Iverden zehn Arbeitsnachweis- Kon- trolleure gewählt, und zwar die Kollegen Fr. König, A.Weber, C, Otte, A, Meier, Lau ritzen, Fromm, Li. Barth ol, Pcuser, Jericho w und H a g c m a n n. Bezüg- lich der Gcwcrbegerichts-Wahlen wird bekannt gegeben, daß Formulare zur Eintragung in die Wählerliste, sowie jede Auskunst beim Filial- kassirer und auch beim Vorsitzenden, ferner beim Vertrauensmann, Swinemünderstr, 83, vorn 3 Treppen, zu erlangen sind. Ebendasind auch die Protokolle der Münchener Generalversammlung zu haben, und wird es jedem Kollegen zur Sfiflicht gemacht, ein Exemplar zu entnehmen, damit in der nächsten Vereinsversanimlung am 19, Juli die Diskusston stattfinden kann. Eine kurze Debatte entspann sich über die Absicht der Kupferschmiede-Junuug, hicrselbst eine Zwangs- innung zu errichten, und war die Meinung vorherrschend, daß auch eine solche keine größere Bedeutung als die jetzt bestehende Innung erlangen könne. Schönrberg. In der Versammlung de? hiesigen Ä rb eit er- Bildungsvereins vorn 20, Juni richteten die Genossen M e i- ling, Schubert, Spittel und K ö st e r Ansprachen an die Mtglieder, in welchen fie dieselben aufforderten, sich recht rege an den Arbeiten zur Stichwahl zu betheiligen. Genosse Schubert brachte noch ein Pamphlet der Konservativen zur Verlesung, dessen ordinäre Ausdrucksweise allgemeine Entrüstung hervorrief. Eine öffentliche demokratische Bersammlnng findet Donnerstag, den 23. Juni, abends 8�/, Uhr, im Alten Schützenhaus, Linien- straße 5, statt, Tagesordnung: Stellungnahme zu den Stichwahlen, Referent Buchdrucker M a x R o ß. Der Wahlausschuß der deut- schen Volkspartet. Eingelaufene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 39, Heft des 16. Jahrganges erschienen. Aus den» Inhalt heben wir her- vor: Zur Geschichte des allgemeinen Wahlrechts,— Das realistische und ideologische Moment im Sozialismus, Von Eduard Bernstein, U,— Bücher vom letzten Jahre. Eine kritische Plauderei von Otto Ernst.— Die Ergebniffe der allgemeinen Reichsrathswahl in Oesterreich im Jahre 1897, Von Fritz Winter(Wien),— Literarisch« Rundschau,— Notizen: Jnmiuni- tät. Einige Bemerkungen über die.Nachfrage beim Dirnenkauf", Kunst- sabriken. Von Hans Ostwald, Zusammenhang zwischen dem Alter der-Ehe- gatten und dem Geschlecht der Kinder.— Feuilleton: Wiacomo Leoparoi, Zu seinem huudcrtiährigen Geburtstag(29, Juni 1893). Von Dr. M, Freudenverger(Nürnberg),(Schluß,) Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr, 13 des 8. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nunimer heben wir hervor: Vor der Schlacht,— Prostitution und Frauenkrankheiten, Hvgicnische und volkswirthschaftliche Betrachtungen von Prof. Dr, SR gleich. Besprochen von Henr, Fürth,— Aus der Bewegung.— Kaffeeverleserinne» als Heim- arbeiterinnen. Von Louise Ztetz.— Hymnus, Von Heinrich Heine.— Feuilleton: Die Reinen, Von Dorothee Goebeler,(Forsetzuna.)— Notizentheil von Lily Braun und Klara Zetkin: Frauenarbeit auf dem Gebiete der Industrie, des Handels und des Verkehrswesens,— GeWerk- schastliche Nrbeiterinnen-Organisatton.— Kinderarbeit.— Sozialistische Frauenbewegulig im Auslande,— Frauenstiminrecht.— Frauenbewegung, Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal, Preis der Nummer 19 Pf,, durch die Post bezogen(eingetragen in der Retchspost-Zcitungsliste für 1898 unter Nr, 2970) bcttägt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 5b Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Die Sozialistischen Monatshefte(Redaktton und Verlag: Berlin C., Steinstr, 11) haben soeben ihr 6. Heft erscheinen lassen. Dasselbe enthält Dichtungen und ein Portrait von Hugo von Hofnianns- t h a l. Der Inhalt deS Heftes ist insaesammt der folgende: Professor A, H a m o n: Die Wahlen in Frankreich.— Albert Weidner: Die Stellung der Anarchisten zu den Wahlen,— Paul K a m p f f m e y e r: Neber die Grenzen der politischen Macht,— Therese Schlesinger- Eckstein: Eine Wiener Mittelschul-Enauet«.— Pros, Giuseppe S alvioli: Der Kampf zwischen Hirten und Ackerbauern in sc. inrnur- geschichte.— George Sorel: Was man von Vico lernt.— Hugo von Hofmannsthal: Vier Gedichte,— Ria Claaßen: Hugo von Hofmannsthal.— Prof, A, Asturaro: Die praktische und die theoretische Moralwiffenschaft.— I, Alavais: Der Kollektivismus und die iudivi- duelle Freiheit,— Rundschau.— Der Preis des elegant auSge- statteten Heftes beträgt 59 Pf.; pro Quartal 1,59 SR Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und Postaustalten. Briefkasten der Redakkivn. Wir bitten, bei jeder Aufrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort eriheilt iverden soll. Schriftliche Antwort wird nicht ertheilt. Di« juristische Sprechstunde findet am Montag, Donnerstag und Freitag von K bis 7 Uhr abends statt. W. S. Natürlich handelt es sich um einen unangenehmen Druckfehler. Selbstverständlich soll es heißen: „trotzdem sei daran erinnert, daß unlere Partei und auch Zubeil stets für die Aufhebung des Jesuitengesetzes gestimmt haben." Genossen. Ihre Behauptung, daß in sämmtlichcn deutschen Reichstags- Wahlkreisen Kandidaten unserer Partei ausgestellt worden sind, ist richtig, 159. Sie können sich an den Kassenarzt wenden, das Uebel ist auch heilbar. Zwei Streitende B. Sie thun am besten, sich bei einem Spediteur zu erkundigen. Theater- und Vergnügnngsverein„Helgoland". Sitzung heute Abend 9 Uhr Ackersttaße 144, Fröse. Senden Sie die Zettungen unter Kreuzband; je 50 Gramm kosten 6 Pf, W. in M. 1, Nein. 2. Detachements sind zugetheilt der 29, Kavallerie- Brigade(14, Armeekorps), Standort Colmar i/Els,, und der 31. Kavallerie- Brigade(15. Armeekorps), Standort Sttaßburg i/Elf, P. W. 11. Ihr Wahlrecht geht Ihnen durch Benutzung einer sog, Bade-Freikarte durch Ihre Tochter nicht verloren.— W. W. 18. Leider känien Sie mit einem Autrage nicht durch, Sie können nur die Untersttitzung für die Familienmitglieder eingezogener Reservisten beanspruchen,— BZ. 3t. 3, 1. Die Vollstreckung durch die Erben ist noch zwanzig Jahre lang möglich. 2,-4, Es ist das durch einen schriftlichen Vertrag zu ermöglichen,— A. B. Nicht verwendbar,— Heurig. In 4 Jahre» vom Ablauf des Jahres ab, in dem die Forderung entttanden ist,— BZ. Nähel. Steht in Ihrem Miethsverttag(unter Hausordnung) das Verbot Drosseln zu halten, so ist Ihr Verwalter, sonst sind Sie im Recht._ Witterungsübersicht vom 21. Juni 1898, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde, Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien si K i| aS s- 760 760 761 763 766 763 £§ c 3 'S'? WNW SW W W W Still Wetter »S! B* 4 II Iis ws, Stationen ac 2 wolkig 2 bedeckt bedeckt bedeckt 2 wolkig Rege» aparauda letersburg ork Aberdeen 18 Paris 14 754 753 769 756 764 i§ e t N NNW SW W Still Wetter täS B 4" E «t 2hlb,bed. Lgvolkenl 2 Regen 1 wolkig - bedeckt Ä 12 11 14 16 IS Wetter-Prognose für Mittwoch, 22. Juni 1898.'' Zunächst ejwas wärmer, ziemlich trübe mit Regenfällen und mäßigen westlichen Winden, nachher kühler.. BerlinerWetterbureau. W ähler des 3. Berliner Reichstags-Wahlkreises. Mittwoch, 22. Juni, abends 8 Uhr: 2 Nersammlnngen in Brochnow's Salon, Scbastianstr. 30, in Krüger� Salon, Wasserthopstr. 68. Tages-Ordnung: 213/19 Die Stichwahl im 3. Kreise. Referenten: Reichstags- Kandidaten HVoIfgans Heine und Hob. Schmidt. Diskussion, Um zahlr« zahlreiches Erscheinen ersucht Ha« Wahlkomltee. Schöneberg. Donnerstag, 23. Juni, abends 8 Uhr, im Saale des Raz-pi»chen Hisel, Hanptstr. 5/6: Volk i�uciiVmtmUmö fiir Männer nnd Franen. Tages-Ordnung: 1. Hie bevopstelienden Stichwahlen. Rcfereutin: Frau lilly Braun. 2. Diskussion, 205/5 DaS sozialdemokratische Wahlkomitee. Rixdorf! Freitag, Ä4. Jnni, abends 8 Uhr: 2 Uhltt-BttsmiilMM in Hl linier'» 8alon, Ucrgstr. 14, für Rixdorf u. Britz in Hctersi' 8alon, Knesebcckstr. 113. Tages- Ordnung: Verkündigung der Wabßresultate. Zur Deckung der Unkosten l9 Ps, Entrce, Um zahlreichen Bcsnch ersucht 295/6 Hn« Wahikomitee. Achtung! Volks-Pest in Priedrichshagen! Dampferfahrt »» tfofe Alstil(nie der Wchschni Sriiitt) ilich imn ZMatz Miimlschloß. Die Genossen des Süd-Ostcns fahren präzise 7 Uhr früh ab, die Genossen des Ostens präzise 8 Uhr früh. Die Fahrzeuge, welche von den einzelnen Fahrgästen zu benutzen sind, sind durch Plakate erkenntlich gemacht, Theilnehmer ivollen die Fahrkarten bis spätestens Sonnabend Abend an den unten bezeichneten Stellen in Empfang nehmen. Für den Süd-Often bei Erbe, Cuvrnstr, 25; DolkSdorf, Görlitzer- straße 58; Streit, Nannynftr, 86; Goltz, Griinauerstr, 3. Für den Osten bei Otto Franke. Pallisadenstr, 9; Franz Dhielke, Palliiadenstr, 52; Fritz Wille, Andreasstr, 26. iFnhrprei»« 86 Pf. 215/13 Has Comlte. Zäline. Das rühmlichst bekannte, attrcnommirte Zähnatelier WMerÄrü'"''' äHF" WM- Wie früher allerbest existir,. KW" IQjnht. Garantieschein, Ans S bisher Grün str. 10,«««.,»« 9l-ll»ah« der -- jetzt nur Ukl IllllU. 4» 1, Gertraudtenstraße, sahne v, 2 Mt. an, Sunsch Theilzahlung, ,zvä joH sijvatzasVsnoitgN'«s» V» .MvZ a ftvlNlss l»Sk.96S ««»; MU-UMch,« P V, Wahlkreis. Volks"Uersammlung Mittwoch, den ÄÄ. Jnni, abends 8V2 Uhr, int grsßen Sanle des Grand Dotel AltMttderplatz, Eingang MrandeM. Tages-Ordnung: Nieder mit allen Reaktionären. 127/8 Referent: Reichstags- Abgeordneter Nrttzuv Stsdkhttgen. Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Ha« Wahikomitee. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. WW" Achtung!"IM Das Sängerfest findet am 7. August in Pichelsdorf statt. Der Vorstand hat die Direttive, dasselbe nach den Beschlüssen des Ausschuffes einzuleiten. 16/11__ Her Vorstand. Achtung! Donnerstag, den SZ. Britz. Achtung! ni, abends 8V2 Uhr, in vethge's Salon, «honssee- Straffe 39: Volksvlerthmmlnng für Männer und Franen. Tagesordnung: 1. Zlnf zur Stichwahl. Referent: Genosse Hillartp(Berlin). 2. Diskussion, 3. Verschiedenes, Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Ps. erhoben, Es ist Pflicht eines jeden Wählers, in dieser Versammlung zu erscheinen, 295/7 Has IVahlhomltee. DkilMr W ft(il!(irlifitpr=|ltrl!öirö. Verwaltangsstelle Berlin. Achtung, Kollegen! Die ant Mittwoch, den 22. d. M,, fällige Konferenz der Vertrauens- mannet für den Süden findet nicht statt. Am Sonnabend finden die Konferenzen für den Osten sowie für Charlottenburg statt. Den Vertrauens- leuten geben wir bekannt, daß Formulare zum Einzeichnen in die Wähler- listen zur Gewerbegerichtswahl in unserem Bureau in Empfang genommen werden können,— Am Frcltae, den 84. Jnni, ist unser Bnreau geschlossen. 112/10 Hie Ortsverwaltung. Achtung! Durch eine vor kurzem neu gegründete Krankenkasse, genannt „Eiche", Zlllgemeiue Volks-Kraukeukafse, E. H, 130, Potsdamerstrabe 118, können durch Namen sowie durch fast wörtliche Abschrift unserer Statuten, Ausimhme-Fragebogen und Prospekte, bei letzteren durch Weglassen des Zusatzes„Deutsch", Verwechselungen mit unserer Kasse entstehen. Wir machen das Publikum aufmerksam, unsere Allgemeine Volks-Krankenkasse (Ging, Hilfskasse 126) Müllerftraße 174 I, Telephon Amt ll 2438 mit der oben genannten Kasse nicht zu verwechseln. Der Rorßllnb der Akgemeinen Kölks-KrankenW 4085l> (Eing. Hilfskasse 126) Httller* Strasse 174, 1 Tr. Ges. a. Schreibt, v, Peege Rüdersdorser- 1 Ein gangbares Milchgeschäft zu straße 48, 4089b I kaufm Rixdorf, Schöneweiderstr. l ver- 13. Wer ein Stückchen Land sein eigen nennen will, der kaufe bei mir eine Parzelle schon mit halber Anzahlung, 89—90 Ruthen, gesunde Lage, 23 Min, von Berlin, an der Bahn, 4987b 2?ez»ernich b, Bernau. •Böi*h, Failirräclcr. Bevor man kaust, besichttge man das „Telegraph- Fahrrad". Ueberrasch, leichter Lauf, höchste Vvl- lendung, hocheleg,, billl, großart.Konstr, Der Fahrradkauf ist Verttauenssache! Znbehortheile, Neparotur. Fahrrad- Fabrik„Telegraph" Nauntznstr. 5. 4979b |gr Jede Dome! die ein Cape gebraucht, benutze die Gelegenheit, Es gelangen zum Einzel- verkauf entzückende Hochsommer-, Fautaste-, ä jour- Spitzen- Capes, neueste Pariser Formen, 6—19 Mark, reeller Werth 15—30 M, Nur kurze Zeit Gelegenheit für Wiederverkäufer, En gros. Fabrikwerkstatt. Export. Danzigerstr, 1,'3. Etage, MrNMnge Reine Wolle: 25, 27, 28, 39 SR, nach Maaß: 33, 35, 37, 39 M, Halbwolle: 18, 19, 29, 21 M. Eigenes Fabrikat, Bei theureren Anzügen Theilzahlung, monatl. 19 M,, gestattet. lonprmlu. Schu-idermstr.. Stralnnerstr. 56, Lade». Anyiinp 11 Herren"KnM <6 r bitte Auswahl in in- und aus- ländischen Stoffen für PaletotS, Anzüge. 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Adalbertstr, 24. «Fsdlnterialwaaren-. 4V1»nbleiiaelcbäst. fit Strickmasch,, Kl, II, burgerstr. 18, H, 4 Tr, verk. Marien- r, 4091b Arbeitsmarkt. Achtung! Achtung! Holzarbeiter. In der Mübelsabrik von Büch. ,varth& Bicgel, Wienerstr, 50, haben sämmtliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Zl-hlmiA, Parketlbodenlcger. Zar Die Kollegen der Firma von Hnhnert n. Kühne, Marti- uikcufelde, haben die Arbeit nieder- gelegt. 81/15 Sinzing fernhalten! ftcktung Eiectrotechnik! Der 3, Abendkursus für Praktiker zur Ausbildung von Elektromonteure», Installateuren, Maschinisten, f, Bureau beginnt am 1. Juli 1898. Daner 6 Monate, Monat 6 M, Nach Be- endignng Abgangszeugniß u. Stellen- Nachweis, besonders für Herren vom Metallgelverbe geeignet; Bedarf an geschulten Leuten sehr groß. Tüchtige Lehrkräfte, ersolgreiches Studium garantirt; ohne Unterschied des Alters werden Herren zu dem großen Berns der Elektrotechnil ausgebildet.(4977b Man verlange Prospekte. 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Berliner Wahlkreis tagte ain Montag eine stark besuchte Versammlung im Fcenpnlast, in der dcrReichstags-Äbgcordnctc lr!cnasse Stadthag cn reserirte. Der Redner erinnerte eingangs seiner ANSfnhrnngcn an das Verhalten der Freisinnigen gelegentlich früherer Wahlen, bei dein sie ihre feindliche Stellung gegen die Sazialdeinelrntie bekundet haben und für die reaktionären Parteien eingetrelcn sind, und verwies ans die prinzipiellen Tcgcnsähc, welche die Sozialdemokratie von der freisinnigen Partei in den wichtigsten Fragen unterscheidet. Oftmals durch stürmische Beifallskundgebungen unterbrochen, kennzeichnete er sodann in treffender Weise die Ausbeuterpolitik der' sich staatscrhallcnd nennenden Parteien, sowie deren Bestrebungen, die crwerbsthätige Bevölkerung völlig rechtlos zn machen, um insbesondere die ansslrcbcnde Arbeiterschaft niederzuhalten, damit die Krautjunker und Schlotbarone uncin- geschränkt schalten und walten können. Gegenüber der Sozial- demokratie bilden sämmtliche Parteien, die freisinnige, die mit diesen volksfeindlichen Parteien Schachergefchäfte betreibt, mit einbegriffen, eine reaktionäre Masse, und wer nicht will, so führt der Redner am Schluß seines Vortrages aus, daß die schon geringen Rechte des Volkes noch mehr verkümmert, sondern erweitert werden, daß dem Vrotwncher und der Lebeusmiltelverthencrung zu gnnsten einer kleinen Kliqnc von Großgrundbesitzern energisch entgegengetreten wird, und wer will, daß überhaupt bessere Zustände im Interesse der Gesammtheit der Bevölkerung geschaffen werden, der müsse dafür eintreten, daß aus der Stichtvahl die sozialdemokratischen Kandidaten als Sieger hervorgehen. Durch langanhaltenden Beifall bekundeten die� Versammelten ihr Einverständniß niit dem Vortrage. Die an- wesenden Gegner, die sich durch laute Zwischenrufe bemerkbar machten, fanden trotz wiederholter Aufforderung nicht den Muth, den trefflichen Ausführungen des Referenten entgegenzutreten. Nach- dem der Kandidat für den 1. Wählkreis, Genosse H. P ö tz s ch, von der Versammlung lebhast begrüßt, in einer kurzen Ansprache ans- gefordert hatte, für die Wahl der Vertreter der Sozialdemokratie zu wirken und die Säumigen, die bei der Hauptwahl ihrer Pflicht nicht genügt haben, aufzurütteln, unds nachdem derj Vorsitzende Genosse Bohne noch bekannt gegeben, daß am Mittwoch eine Flugblatt- Verbreittmg stattfindet und zu reger Bethätigung der Genossen am Tage der Wahl eingeladen hatte, erfolgte der Schluß der Ver- sanimkung. Die bevorstehend e Stichwahl im dritten Berliner Reichs- kags-Wahlkrcise behandelte am Montag Genosse Auer iu einem Vortrage, welchen er in einer öffentlichen Versammlung in der Berliner Ressource, Konnnandantenstraße 57, hielt. Vor dem Ein- gang in das augekündigte Referat richtete jedoch der Kandidat des Kreifes, Genosse Wolfgang Heine, eine kurze Ansprache an die Anwesenden, in welcher er den Unterschied der Sozialdemokraten von den Freisinnigen scharf und deutlich festlegte. Vor allen Dingen sei eS dem Freisinn zum Vorwurf zu machen, daß er die Dinge nicht nähme, wie sie seien, ffondern seit mehr als vierzig Jahren sich in dem lieblichen Glauben einlulle, daß man in Preüßen-Deutschland in einem konstitunonellen Staate lebe und eine genügende Portton von Freiheit und Staatsbürgerrechten besäße. Die Sozial- demokratie aber sei sich dieser Unfreiheit und Rechtlosigkeit im vollsten Matze bewußt; sie weiß, daß sie nichts zn vertheidigen hat, sonderir daß sie unablässig kämpfen müsse, um ihren demokra- tischen Anforderungen gerecht zu werden. Daß die Sozialdemokratie aber nicht still steht, das beweisen am besten die mehr als 2(XX)(XX) Stimmen, welche am Wahltage für dieselbe abgegeben worden sind. Für die Sozialdemokratie aber hieße es in der bevorstehenden Sttch- wähl alle Kräfte zusammenzunehmen, um den Sieg zn erringen.— Hieraus ergriff der Genosse Auer dqs Wort. Seine Ausführungen schloffen sich im wesentlichen an die seines Vorredners an. Er tadelt die Berliner Arbeiterschaft, daß sie in ihrer übermäßigen Sieges- gewißheit nicht alle die Hoffnungen erfüllt habe, welche man in sie gesetzt hätte. Dann wendet auch er sich gegen den Freisinn, dessen Sünden er sowohl auf Parlamentanschein, wie auch auf kommunalem Gebiet einer sehr scharfen Kritik unterzieht, als deren unumstößliche Schlußfolgerung sich ergiebt, daß der Freisinn seine demokratischen Prin- zipien feige verleugnet und aufgegeben habe. In der Praxis ginge Freisinn und Reaktion Hand in Hand. Für die Berliner Sozial- dcmokratte aber bedeute die Sttchwahl in diesem Kreise einen Appell an ihr Ehrgefühl. Agitation und nochmals Agitatton sei iu diesen wenigen Tagen die Hauptsache. Ein jeder thne seine Pflicht und Schuldigkeit, dann könne man getrost in den Wahlkampf gehen, denn em altes Sprichwort sagt: Viel Feind', viel Ehr'!— In der. hierauf folgenden Diskussion weist ein Rechtsanwalt, der sich ausdrücklich nicht zur sozialdemokrattscheu Partei bekennt, die schmutzigen Angriffe des„Berliner Tageblattes" auf die Person des Genossen Heine im Namen aller seiner Kollegen zurück, indem er betont, daß Heine der gesammtcn Berliner An- lvaltschaft, welcher Partei ein jeder auch immer angehöre, nur als ein äußerst ehrcnwerther Charakter bekannt sei, der übcr� derartige Begeiferungen völlig erhaben dastehe. Nach einem Schlußwort des Referenten A u e r fordert der Vorsitzende»och zur regen Agitation auf und bittet die Genossen, sich doch auch bei der Stichwahl dem Wahlkomitce recht zahlreich zur Verfügung zu stellen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und den Kandidaten Heine schließt die begeisternd verlaufene und gut besuchte Versammlung. Eine zweite Versammlung des dritten Ncichslags-Wahl- krciscs fand statt in„Sanssouci" am Kottbnscr Thor, woselbst Genosse Frendenberg unter wiederholtem Beifall der An- wesenden reserirte..Obwohl der 16. Juni— so führte er aus— ein Jubeltag für die deutsche Sozialdemokratie war, blieb ihr doch ein bitterer Tropfen an diesem nicht erspart: der Ausfall der Wahlen in der Rcfidciiz, nach welchem sich in vier Kreisen Stichwahlen mit Freisinnigen nöthig machen. Wenn auch das Bild im dritten Kreis durch Abriß von Proletarierwohnungcn sich zu Ungunsten unserer Partei verschoben, sei es doch möglich, durch energische Agitation denselben zn behaupten. Zn den Freisinnigen selbst, den Gegnern der Berliner Arbeiterschaft, sich wendend, läßt Redner die Geschichte derselben an der Hand von parlanrentarischem Akten- Material Revue Passiren, wobei er diese„wahren Volks- freunde" als Feinde des geheimen, dirclten Wahlrechts, Vertreter für Ausnahmegesetze, Gegner des KoalitionSrcchtcs und der Freizügigkeit und warmen Befürworter von Militarismus und Marinismus charakterisirt. Was diese Freiheitshelden im Punkte „Erhöhimg der Getrcidezöllc" zu thun gedenken, lasse sich vorläufig nicht errathen, jedoch sei klar, daß auch in dieser Frage kein Verlaß auf sie sei; wollen sie nicht ganz von der Bildfläche verschwinden, werden sie auch hier mit ihrem Jawort zur Stelle sein müsse n. Daß die Freisinnigen strikte Gegner jeder Sozinlrefonn sind, haben diese zur genüge gerade in letzter Zeit bewiesen, ebenso wie sie ihren Charakter als Volksfeinde seit Jahren im Rothen Hause zu Berlin zum Ausdruck brachten. Die Signatur des heutigen Freisinns gipfelt in den Worten Lassalle's:„Nur keine Re- volution von unten, lieber noch DespotisnnlS von oben." Der Kandidat, Genosse H e in e, von der Versammlnng stürmisch begrüßt, fchließt sich kurz dem Vorredner an, wobei er die freisinnige Partei als RegicruiigSpartei, die, nach den Ministersesseln schielend, ihr Programm Punkt für Punkt vcrräth, als eine heuchlerische, dem Volk Sand in die Augen streuende Gesellschaft vorführt. Nachdem er die plumpen Liebeswerbungen der freisinnigen Maunesseelcn unter chren ausgesprochensten Gegnern unter dem Beifall der Ver- sammlnng besprochen und sich mit einem warmen Appell für die Stichwahl an die Anwesenden gewandt, schloß die imposante Ver- sammluug mit einem Hoch ans die Sozialdemokratie und den Ge- uossen Heine. „Was habe» die Wähler von der freiflunige» Partei zu erwarte» t" lautete das Thema einer überaus stark besuchten Ver- sainmlung am Montag im fünften Reichstags- Wahlkreise. Genosse Dr. B e u t l e r als'Referent unternahm es, in treffenden und kernigen Worten auf die Bedeutung der Stichwahlen hinzuweisen und gleichzeitig das Verhalten der Freisinnigen im Reichstage wie namentlich in der Berliner Kommunalverwaltung zn kennzeichnen. Gegen die Durchführung des Achtstundentages haben sich unter anderen auch die Freisiimigen gesträubt, weil da- durch die Arbeiter eine Verringerung ihres Einkommens haben würden! Gerade hierin zeige sich die Uebercin- ftimmung der freisinnigen Kapitalisten niit dem Grafen Posadowsly, mdem er den Kampf der diesjährigen Reichstagswahlen,„einen Kanrpf der Besitzlosen gegen bie Besitzenden" nannte. Freilich, die Herren im Millionärviertel hatten auch kein Verständniß für die Aufbesserung der Arbeiterlöhne. und Beamtengehältcr in Berlin. Glaubten sie doch, während der kurzen Regierung des Kaiser Friedrich, einen Minister aus ihren Reihen erhoffen zn dürfen! Daher auch heute noch eine vielfache Kriecherei und Verbeugung nach„Oben". Dem- gegenüber war es immer die Sozialdemokratte, welche unter den Arbeitern das Klassenb e wußtsein geweckt und großgezogen hat, während von den Freisinnigen unserer Partei, infolge ihrer immer weiteren Ausbreitung, der Vor- Wurf gemacht wird, gerade dadurch der Reaktion Vorschub geleistet zu haben! Aber gerade die Freisinnigen als Vertreter der freien Konkurrenz sind eS immer gewesen, welche ihre alten demokratischen Grundsätze verleugneten, um sie aber kurz vor einer Wahl wieder hervorzukehren I Nichtsdestoweniger finden die Herreu es für richtiger, ihre Stimme einem Konservativen gegen einen Sozialdemokraten zu geben. Für alle ehrlichen und aufrichttgcn Wähler ist es daher Pflicht, am Tage der Sttchwahl für den Kandidaten der Sozial- demokratie, der einzigen Kämpferin für Freiheit und Rechte. den bisherigen Vertreter des fünften Berliner Reichstags-Wahlkreises. Rod. Schmidt, einzutreten, denn nur der Sozialismus ist die Losung, ihm gehört die Welt I sLang anhaltender Beifall.) Metten- darf' ermahnte die Anwesenden, unter Hinweis auf die Ver- schkcchterung des Wahlrechts, unter lebhaftem Beifall, am Tage der Wahl ihre Schuldigkeit zu thun. Wels als Vorsitzender ersuchte insbesondere, bis zrlin Wahltage eine äußerst rege und. besonders mündliche Agitatton zu entfalten und sich auch recht zahlreich an der am Mittwoch Abend stattfindenden Flugblatt-Ver- b r e i t u n g ztt betheiligen, um der Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg zu verschaffen. Mit einem lräfttgen dreifachen Hoch wurde die Versammlung geschlossen. Eine öffentliche Verbrüderung von Freisinn und Rnti- seniiiiSninS, dieses unvergleichliche Schauspiel bot die Versammlung am Montag Abend, in der Herr Kreitling sprach. Erst war seine süße Rede schüchternes Liebeswerben um den feindlichen Bruder; er versprach dem„Mittelstände" eine Geineindc-Nmsatzstcuer, Gaspreis- ermäßigulig-zc. Dann malte er den grausigen Zukunftsstaat mit seiner„Zwangsarbeit" in den entsetzlichsten Farben. lieber- Haupt wurden in der Versammlung von freisinniger sowohl als von antisemitisch- konservativer Seite derartige Reden ge- führt, daß sich die Herren nicht Wundern brauchten, wenn sie durch Gelächter und Zurufe unterbrochen wurden. Herr S t o ck m a n n erklärte, daß die Konservativen ohne Abmachung für die Freisinnigen gegen die„vaterlandslose" Sozialdemokratie ein- treten wollen. Mehrere Genossen wiesen den Vorwurf der Vater- landslosigkeit zurück. Einer von ihnen zeigte die wahre Vaterlands- losigkeit der Bürgerlichen und Junker, die das Vaterland zu gunstcn einer kleinen Anzahl ausbeuten, in scharfen Worten. Da sie sin fachlichen Kämpfe verloren hatten, griff Herr P e r l s zu den schäm- losesten Verdächtigungen von Personen, Verdächtigungen, wie sie sonst nur von den fanatischsten Volksseindeu � gebraucht wurden. Sogar die Albernheit brachte er vor,„gewisse Existenzen" ver- führten nur das Volk, um von ihm zu leben. Wenn Herr Perls jemals wieder über„falsche Thatsachcn" reden will, mag er an diesen— Jrrthum denken. Unsere Genossen verließen am Schluß der Versammlung mit brausendem, dreifachen Hoch ans die Sozial- demokratie den Saal, der nur zur Hälfte von Freisinnsinannen und ihren Knappen besetzt war. Ter Verein„Waldeck" leitete am Montag die freisinnige Agitatton für die Sttchwahl ini dritten Wahlkreise ein. Er hatte sich zu diesem Zweck den als gewaltigen Sozialistentödter bekannten Dr. B e r n st e i n ans Charlottenbnrg verschrieben, der dann auch in einer zweistündigen Rede nach der ini Wahlkampf überall pon freisinniger Seite befolgten Manier die Sozialdcmolratie„ver- nichtete." Unter anderem sagte er auch manches, was dein ärgsten' Rcakttonär ein zustimmendes Lächeln entlocken mutz. Er sprach von dem furchtbaren Tcrrorismns, den die Sozialdemolratcn in der Gewerkschaft ausüben, Ivo sie unter An- Wendung körperlichen Zwanges den widerstrebenden Arbeitern die Groschen abknöpfen und sie gegen ihren Willen zum Streiken zwingen u. s. w. Wo Herr Dr. Bernstein solche Fälle erlebt hat, sagte er natürlich nicht; sie find ihm jedenfalls aus schwindelhaften Darstellungen arbeiterfeindlicher Blätter und Broschüren bekannt. Nach. Herrn Dr. Bernstein tteiben die Sozialdemokraten Mißbrauch mit dem Koalitionsrecht, und leiten damit Wasser auf die Mühle der Feinde dieses Rechts. Wenn die Sozialdemokratie die Freiheiten nicht mißbraucht hätte, dann wären die Freiheiten jetzt nicht in Gefahr. Auch Herr Dr. Langerhans gab derselben Meinung Ausdruck, indem er sagte, mit jeder sozialdemokratischen Wahl, ja mit jeder fiir einen Sozialdenwkraten abgegebenen Stimme werden die Feinde der Freiheit vermehrt. Die einzige Beschützerin der Freiheit sei natürlich die freisinnige Partei. Es kam zu einer sehr erregten und zum thcil stürmischen Debatte, in der von unserer Seite die Genossen Kohen und Fröhlich sprachen, die zum theil recht treffend den Ausführungen Dr. Bernstein's entgegen- traten. Der parlamentarische Takt der Freisinnigen zeigte sich nicht gerade im besten Lichte. Während der Vorsitzende, Rechtsanwalt Sonnenfeld, einige unserer Parteigenossen, die sich durch Zwischenrufe bemerkbar machten, energisch zur Ruhe verwies und sie eventuell mit Hinausweiscn bedrohte, zügelte er die lärmenden Kund- gebnngcn, mit denen seine eigenen Parteigenossen die Ausführungen der Sozialdemokraten fortgesetzt unterbrachen, durchaus nicht, und griff nur ein, wenn von sreifinniger Seite der parlamentarische An- stand in allzu gröblicher Weise verletzt wurde.— Dein Herrn Berusteilt, der soeben in Charlottenburg in so glänzender Weise durchgefallen ist, gebührt für seine Reden unser wärmster Dank. Er scheint sich die Aufgabe gestellt zu haben, den Durchfall des Herrn Langerhans zu einem ebenso gründlichen zn gestalten. Noch mehr salcher Reden und unsere Parteigenossen im 3. Kreise sind der Mühe der Agitation für unseren Kandidaten ganz überhoben. Ten Mitgliedern des Arbeiter-Sängerbundes, welche ain fitanntae, den 26. Jnnl, zum 16/12 Volksfest in Friedrleltsliagen mitwirken, zur Kenntuiß, daß vor Beginn der Aufführung eine I*i-obe stattfindet, und zwar nachmittags!>/, Uhr bei I-erelie(Nuudtheil) in FricdrichShageu. Gesungen wird:„Vestxe�ans",„tä-elttett Sieg", .Frühlingsraf" und„Sftngerniarseh".— Die Leitung hat Herr Stlt« übernommen. Vereine au: T7____--------„__, der Umgegend werden ersucht, ebenfalls theilzunehmen. Sängcrbillets für letzter« werden zur Probe ausgegeben. i« nfa _ Gro�e Uuktion!_ Wegen Aufgabe bes großen Serren-Konsektions- keslhäfts OraNleNstraße 166 l-ah- Oranienplatz) werde ich daselbst am Donnerstag, den 23. 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Im größten und schattigsten Garten des Nordens(8000 Personen fassend): Tiiglich: M-Konzert. Sonntags: Konzert, Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Sin Saal: Bau. Achtung! 5212P* Die Sonntage der Winter- Saison sind an Theater-Vereine zu vergeben. Fritz Angel, Verantwortlicher Redakteur: Rngust Jaeobeh in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin