r. Berlin, Freitag, den 7. Januar 1870. Zechster Jahrgang *1 reini rba« H II 's W or. Demokrat. X1r!,n" öer smaschemokwWen Partei. « W« Atitung erscheint drei >l wöchentlich, und zwar: Zerbltiistags, Donnerstag« und Sonnabend««bende. .Sl»_ i All-~"""-;--------------------------- »onnementS- Prers sllr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 1K Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Halk Nummern 1 Sgr.; bei den Postämtern in Preußen 16 Sgr., bei den außcrpreußischen Postämtern in Deutschland gleichfalls 16 Sgr.,(56 Kreuzer slldd. Währung.) Redaktion und Expedition: Berlin, - Gitschinerstr. 17. Bestellungen werden auswärt« bei allen Postämtern, in Berlin in der Expedition, sowie bei jedem soliden Spediteur entgegegenommen. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro viergespaltene Petit-Zeile mit 3 Sgr. berechnet; Arbeiter- Annoncen die Zeile nur 1 Sgr. Wl >fsen> >rgel n. Agentur für England, die Eolonien, Amerika, China und Japan Mr. A. Duesing 8 Little-Newport-Strect, Leicester-Squaie. W. C. London. wjiimuw» va&amrymxrm: '" Mit dem I. Januar hat ein neues Viertel- ?traißrsabollllement auf den„Social-Demokrat" gönnen. Wir ersuchen diejenigen, welche ch abonniren wollen, dies sofort zu thun. „ tJ&it Bestellungen werden auswärts bei den stämtern, in Berlin bei der Expedition, Git- Wag�nerstr.!?, und bei allen soliden Zeitungs- diteuren gemacht.(Preis vierteljährlich ! Sgr.) «Unter Kreuzband bezogen im nicht-öster- chischen Deutschland 1 Thlr., im österreichi- «n Deutschland 2 Gulden). 30 �tp bewähte Thatkraft unserer Partei, ile/ß sich auch darin zeigen, daß die allge- Sgr., ine Verbreitung des Parteiorgans durch i Gaue Deutschlands durchgesetzt wird. � deutsche Zunge klingt, muß der P�,sl?ocial-Demokrat" in allen Arbeiterhänden . W-e. Wir glauben von den Parteigenossen t-nstr., arten zu dürfen, daß sie mit äußerster der'-gtkraft für die Verbreitung des Blattes .g,nd-ien werden. ahme r— d Politischer Theil. Berlin, 6. Januar. iL. Die Stellung der preußischen Re- . rungSkommissarc, welche uach Schlesien ge« cetN'bt wurden, zu dem Slrile in Waldenburg hat tnwärtig zu einem ledliasien Kamps in der > Hjl ssd geführt, und eö wird dieselbe mehr be- »chen, als der Strike selbst. Daß dies der l ist, kann uns nicht in Erstaunen setzen, wenn .bedenken, daß die ForlschriltSpartei die allge- ülche Aufmerksamkeit lieber ans den Streit niit ha�». Regierung, als auf den socialen Klasienkamps n, w» Waldenburger Arbeiter lenkt. Die Wirksamkcil gel ide» Kommissare ist zugleich eine so verkehrte ge- er.-n, daß eS leicht ist, dieselbe anzugreifen. omitbx>ie aristokratische conservative Partei, deren chauungen für die Handlungsweise der preuhi- . i Regierung maßgebend sind, liebt eS, sich als » a ccn tet �-"jdhung berufene FriedenSstisterin 'U�Klassenkamps zwischen Capital und Arbeit hin- :llen, und demgemäß sind von ihr eine Menge Niederschläge zu bureaukratijchen Einrichtungen ge- ngiifft. Wir heben nur hervor, daß z. B. vorge- ��gen ist, Arbeiter sowie Fabrikanten sollten sich Kewerkvereinen organisiren vnd die Eutschei- deufyz der Lohn- und andren Streitigkeiten dann t dem Angebot und der Nachfrage, resp. Strikes, illllltern dem Schiedsspruch von Staatsbehörden über- i � yltn werten. Daß bei derartigen Einrichtungen die kraßeIflter schlimmer sahren würden, wie je, und die siedssprüche der Behörden meist zu Gunsten der .'Urgeoisie ausfallen würden, unterliegt wohl l�zem Zweifel. vegea. Bestätigt wird dies durch die Haltung der er- > en mten fchiesisdw, Regierungskommissare, welche, fts4 worden, ein Grund mehr, daß sich die Mitglieder� zahl des Vereins täglich vermehre. DaS gebe er namentlich den Berlinern zu bedenken, nicht nur den Männern, sondern auch den Arbeiterfrauen, welche berufen sind, die nächste Generation, den Träger der Kirche der Zukunft, in den Prinzipien deS 19. Jahrhunderts, denen der Gleichheit und der Brüderlichkeit, zu erziehen.(Bravo!)— Herr Bräucr(Hamburg) begrüßt gleichfalls die Ber liner Mitglieder NamenS der Hamburger. Die Hamburger, sagte er u. A., hätten in dem schweren Kampfe gegen die Bourgeoispartei der schon Menschenleben gekostet, womit der Boden ebenso kostbar wie reichhaltig gedüngt sei, dem zweiten Bollwerke der Bourgeoisie ein leuchtendes Vorbild gegeben; des Beifalls der deutschen Arbeiter ge- wiß, möchten die Berliner den Hebel zur Spreu- gung der gesammten Bcurgeoispartei jetzt praktisch anwenden.— Hr. DreeSbach(Düsseldorf) spricht den Berlinern Beifall und Anerkennung aus, wie sie die Macht der Fortschrittspartei in deren beiden letzten Versammlungen so gründlich brachen, daß sie nie wieder daS Haupt zu erheben wagen würde. — Hr. Klein aus Elberfeld fordert die Anwe- senden auf, auf die Ereignisse des verflossenen JahreS zurück zu blicken. Ein Jahr deS Lebens, Wirkens und der Kraft und Macht des Vereins sei dahin gegangen. Da müsse man sich die Frage vorlegen: Was habe man gethan? Wohl könne man sagen, daß sehr Vieles geleistet sei für den Verein, aber man müsse auch wieder gestehen, daß sehr Vieles nicht geschehen sei, was hätte geschehen müssen. Die Vereinsmitglieder seien nicht immer aus dem Posten gewesen, wie eS ihre Pflicht war. Darum müsse man sich vornehmen, in dem neuen Jahre dahin zu wirken, daß es besser und that- kräftiger für die Social-Demokratie werde undljhre Sache mehr an Boden gewinne. Aber dazu ge- hören ganze Männer die sich sagen: in diesem Jahre wollen wir den Erdball für die Social- Demokratie erwerben. Zu einem solchen Vorgehen fordere er die Mitglieder aus.— Hr. Stiegler aus Chemnitz. Die Parteigenossen im Erzge- birge, deren Gruß er überbringe, theilen mit den Berliner Mitgliedern alle Freude, Leid und alle Schicksale, sie seien hoch erfreut, daß Berlin in der Arbeitersache den Sieg davon getragen und mit Stolz rufen sie auS: Berlin gehört uns! Die Ehre aber, dies Resultat erreicht zu Hai cn, gebühre dem Präsidenten, dessen kräftige Leitung dies Ziel erstrebt, sie gebühre dem Sekretär, dem Kassirer, allerdings seien sie hierin von den Mitgliedern auS allen Gauen unterstützt worden, ihnen aber gebühre das Hauptverdienst, wenn die Gegner jetzt vor di.ser Thatsache erzittern.— Hr. Zie- lowSky aus Berlin bringt als Vertreter der Mitglieder von Glauchau den Gruß derselben in dem Sinne dar, dahin zu wirken, daß in dieser wmm, eneralversammlung des AUg. deutsch. Arb.-Ver eins er in seiner ganzen Kraft aufblühen möge. Schließlich fordert Redner die anwesenden Damen die Mütter auf, Säuglinge gleichsam mit der Muttermilch die Prinzipien der Social-Demokratie einsaugen zu lassen, damit der socialistische Staat bald zur Wahrheit werde.— Es tritt hiernach eine Pause von 15 Minuten ein, während welcher von den Anwesenden die Marseillaise angestimmt wird, dem begeisterte Hochs auf den Verein, die auswärtigen Delegirten rc. folgen.— Nach Beendigung der Pause theilt Hr. Tölcke mit, daß inzwischen folgende Depesche aus der Schweiz eingelaufen sei:„Die Mitglieder Winter- thurs senden ihren Brudergruß. Kießling."— Sedann nimmt daS Wort der Präsident Dr. v Schweitzer: Sie haben bereits aus den Be� grüßungen einer Reihe Delegirter aus allen Thcb len Deutschlands die Ueberzeugung gewonnen, daß unsere Partei weit verbreitet ist, u�d die Erkennt' niß„ deren Samen sie ausstreut. Eine alte grie' chische Sage erzählt, daß die Götter den Tantalus wegen seiner Frevel zu den unsäglichsten Qualen in der Unterwelt verdammten. Wie er stets nahe und doch ewig fern war den Genüssen, die sich seinem begehrenden Auge zeigten, so auch daS Proletariat des 19 Jahrhunderts, daS Alles hev vorbringt an Gütern aus der Welt und doch aus' geschloss.n ist von deren Genüsse. Die Arbeiter sind der Tantalus von heute, nur mit dem Unter schiede, daß sie statt der Verdammniß den Segen verdienen. Eine andere Sage auS der bibliscken Geschichte drängt sich dabei mir noch auf. Als Christus auf dem schweren Wege nach Golgatha vor einer Hütte von der erdrückenden Last aus ruhen wollte, da jagte ihn der harte Eigenlhiimer der Hütte von dannen; er wurde dafür zur ewigen Wanderung, zur steten Ruhelosigkeit verdammt. Diesen wandernden Mann finden wir eben- alls heute noch; der Proletarier des 19. Jahrhunderts ist der AhasveruS, zu unaufhalt- amer Wanderung verurlheilt, für den die Wohl- that der Familie, das trauliche Heim nicht existirt, weil er jeden Augenblick durch die Schwankungen des Arbeitsmarktes zur Fristung des kümmerlichen Daseins hin- und hergeschleudert wird. Aber, die Erkenntniß ist in die Arbeiterklasse gekommen, überall sind die Millionen erwacht, überall ist der Entschluß gereist, mit der ganzen Kraft des Wil- lens diesem unwürdigen Zustande ein Ende zu machen, und nahe ist der Tag, wo die Qualen des Tantalus, die Wanderung des AhasveruS der Jetztz-it enden. Mögen Sie siel, heute geloben, lür die Erlösung deS ArbeiterstandeS von den Qualen des Tantalus und des Ahasver einzutre- len, Sie brauchen nur zu wollen, und der Tag der Erlösung, des Sieges ist da!(Lebhafter Bei- 'all.)— Herr Fr ick(Barmen). Die Arbeiter. bevölkerung der bergischen Lande, von den Ufeer der Wupper, stets bereit, für das Elend ihrer Brüder einzutreten, habe sich bei der Kunde von dem großen Siege der Social- Demokratie über die Fortschrittspartei in Berlin auf's neue gelobt, dem Kampfe festzustehen.— Hr. Lichter:, (Köln) bringt Grüße von Köln und Umgegend. Die dortigen Lassalleaner stehen fest zur Fahre wie die Berliner am 7. Novbr. Das Klassen- bewußtsein sei bei ihnen erwacht, und er sei der csten Hoffnung, daß die Kölner bald ausrufen können gleich den Berlinern:„Köln und die Rhein- lande gehören uns."— Hr. Arm bor st auS Stettin, von der Versammlung mit lebhaftem Beifall empfangen. Dieser Beifall sage ihm, daß die Versammlung daS Attentat, welches die pom- merschc Bourgeoisie gegen ihn und einige Andere verübt, verabscheue. Möge jene Partei noch so verwerfliche Mittel ergreifen, die Social-Demokra- tie werde dennoch immer mehr erstarken, gleichwie sie aus dem Herzen Deutschland«, wo sie zuerst Fuß gefaßt, sich jetzt bis in die nördlichsten Gauen Deutschlands Bahn gebrochen, von denen au? er den Gruß der Parteigenossen überbringe. Die Parteigenossen Stettin'S werden auch in Zukunft o fest dastehen, wie sie heut stehen. Wie Jesus von Nazareth zuerst von seinen 12 Jüngern umgeben, so stand Laffalle im Anfang da nur etwa 20 Parteigenossen standen zu ihm aber je kleiner das Häufchen, um so größe sein Muth, und so wuchs die Partei von Jahr zu Jahr, bis sie zu der jetzigen bedeuten den Ausdehnung gelangte. In Oesterreich habe das Prinzip der Social-Demokratie erst spät Wurzel gefaßt, und wenn auch daS gegenwärtige liberale Miuisterium die Führer der Partei dort verfolge, daß sie flüchten mußten, so werde es da durch die Sache der Arbeit dort nicht tödten, sie werde vielmehr um so tiefer Wurzel schlagen. End lich wendet sich Redner an die Frauen und for dert sie auf, gleich den Frauen des alten Deutsch lands, ihre Männer nicht vom Kampf für die Ar beil zurückzuhalten, sie vielmehr dazu anzufeuern denn es gelte ihr eigenes Glück und Wohl, das Wohl ihrer Kinder' Was nutzen die wenigen Sparpfennige, welche der Arbeiter für seine Kinder etwa sammeln könne, sie könnten bald verloren gehen; wenn der Arbeiter seinen Kindern Brod schaffe, und dafür sorge, daß sie nicht zu hungern brauchen, damit gebe er seinen Kindern daS beste Erbiheil Was die Arbeiter wollen, fai nur daS, was ihre Borfahren bereits besessen und wcß ihnen die Cultur genommen. Er fordere die Anwesen den auf, keine Hoffnungen auszusprechen, sondern männiglich einzutreten in den Kampf, dann werde man auch siegen."— Herr Lcyer aus Rem scheid: Die Arbeiter seiner Heimath hätten für das Princip der Social-Demokratie schwer zu kämpfen gehabt aber sie seien von ihren Frauen hierin unterstützt worden und hätten dadurch dem Arbeiter gezeigt, daß es endlich Zeit sei, daß er sich ermanne. Dadurch sei es den Remscheidern möglich geworden, die Agitatoren der Gegner vollständig aus dem Felde zu schlagen. Wenn die Frauen überall so mitkämpfen, werde die Zeit nicht mehr fern sein, wo das Ziel der Partei er- reicht werde.— Herr Leib aus Bremen bringt den Gruß seiner Heimath mit dem Wunsche, daß es der Generalversammlung gelingen möge, die Mittel zu finden, den Verein zu kräftigen.— Herr Petzold auö Leipzig: In allen deutschen Gauen rege sich das Gefühl, daß es Zeit, den Kampf für die Menschenrechte zu unternehme! Die Arbeiter wollen sich nicht ködern lassen von Diesem und Jenem, sie treten allen denen entgegen, die sie ausbeuten wollen, so der schwarzen Brigade und ihrem Anhange, welche den Arbeiter eben- ällS verschlucken möchten. Unsere Fahne ist nicht die Fahne dieser Leute, unsere Fahne ist die rothe. Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)— Herr Winter(Ottensen, Delegirter für Altona und Umgegend) wünscht, daß, wie die spartanischen Weiber ihre Männer in den Kampf zurücktrieben, wenn sie feige flohen, so auch die heutigen Frauen von ihren Männern den Eintritt in den Allg. deutsch. Arb.-Verein fordern, denn wer nicht zu diesem Verein stehe, der wüthe gegen Frau und Kind.— Herr Haustein(Offenbach a. M.) bclheuert, daß die Parteigenossen in seiner Vater- ladt bald beweisen würden, daß der Main aus eine andere Art wie auf den Prinzipien der echten Humanität überbrückt werden kann.— Herr Reichstagsabgeordneter Hasenclever(für Duis- bürg). Wie die früheren Generalversammlungen deS Vereins, trotz ihre« oft stürmischen Verlaufs, zu einer Stärkung desselben beitrugen, so möge auch diese Generalversammlung noch mehr Ord- nung und Kraft in den Verein tragen.— Kühl für Iserlohn und Hagen), der den Verhandlungen Eintracht und Liebe wünscht, stellt den Frauen Berlins als Vorbild die Iserlohner Frauen hin, die bei einem Volksfest am 2. d. gelobten, ihre Männer ffiets zur Jnnehaltung des Weges der Social-Demokratie anzuhalten-— Psannkuck Cassel) erinnert an das erste Auftreten Lassalle'S », Berlin, wie ihm tie Fortschrittspartei bei der Versammlung im Admiralsgarten ins Gesicht pie. Heute stehe Lassalle da als das verkörperte 1 rinzip der Arbeiter; aber die ganze Bewi�e müsse mit Mann und Maus untergehen, wefflWrti sich nicht strenge den Satzungen Lassalle'S' dine schließe. Die Arbeiter sollten stets eingedenk idhall daß sie nur in dem Zeichen der rolhen FMm siegen könnten.— Herr Flottmann(Hamietig I mahnt zur Aufrechthaltung der Ruhe und nung bei den bevorstehenden Verhandlungea.�me Herr Rösener(Dresden) weist auf die»slzur fachen Unglücksfälle hin, denen die Arbeiterstldt Ausübung ihres Berufs ausgesetzt sind, ohne> bie besonders Aufsehen davon gemacht wird,>c* wie die Fortschrittspartei anderseits ängstlich � � müht ist, daß ja nicht etwa ein GeW bi zu Schaden komme.— Hr. Liebisch aus bürg bringt den Gruß von den Arbeitern burgs, welche in den letzten Tagen fest im schv!�" Kampf gegen die Fortschrittspartei gestanden. Z ve Hr. Saurhof aus Harburg konstatirt, daß � � bürg schon seit langer Zeit der Social-Demols.�™ gehört habe. Er fordert die Berliner Arbe' � auf, den erworbenen Sieg und Ruf zu bew�.k und dah n zu streben, daß es nicht mehr mö|r daß die Maulhelden des neunzehnten Jahrhun» wieder aufkommen. Es sei Zeit daß der Ss apostel mit den 15,000 Thlrn. angeblich Arb:�� gelvern aus den Reihen der Arbeiter hinau�ch bracht werde.— Hr. Schneider auS Flhmck- fürt a. M. fordert zur Einigkeit und redlitn Akt Streben für die Sache der Arbeiter auf.— fie ist, Richter aus WaudSbeck bringt den Grüßt, eiuz dortigen Arbeiter und der von Osterode am Der Tag sei nicht mehr fern, wo die Gleit rechtigung aller Menschen zur Wahrheit wt Das beweise, daß heut das Monument deS nes in Berlin stehe von Tausenden von Arbei umgeben, den man ehemals hier schmähen d Wie der Löwe durch sein Brüllen seine JMner, zum Leben erwecke, so werde die Generalversaidben lung die Arbeiter zum Leben erwecken und � bei. Verein Tausende neuer Kämpfer zuiühren, die�' daS Reckt der Wahrheit und der Menschheit treten!— Hr. Wolfs auS Hamburg bringt Gishmöi! der Vereinsmitglieder in Crefeld. DaS»«Iteetnl gene Jahr sei das denkwürdigste aller BereinSjaseit£ gewesen, die Arbeiter Berlins hätten das größkuhe geleistet, denn sie hätten den Mann, den vor MS fi Iahreu die Gimpel Berlins von der Tribüne-� rissen, gerechtfertigt. Die Versammlung möge! loben, die alte Leidenschaften u:.d daS alte 8�"� beiz.ibehallen. Die Ueberzeugung, daß ihnen, Zukunft gehöre, müsse sie zu dem Kampf begeistSts — Hr. Hartmann auS Hamburg bringt>hn et, Gruß der Vereinsmitglieder aus ClauSl! Acht und Halberstadt. Er fordere auf, einmiitncr f in den Kampf einzutreten für daS Recht der heil und der Menschheit. Der Kampf werde fnj!i ein, aber er werde so lange andauern, biS Wahrheit gesiegt, die Lüge unterlegen.— Vin tu Zwiener auS Bielefeld so- dert die Berliner � kein insmitglieder mff, in der bewährten Weise an faichen Vereinsprinzipien festzuhalten.— Hr. MetM1 L (Bäcker) aus Berlin: Der Kampf werde uner�sk lich fortgeführt werden. Die Generalverfamw!�® möge zeigen, daß die Arbeiter im Stande Gesetze für die Arbeiter zu schaffen.— Hr. Sjtnun, erl(Zimmerer) tz. aus Berlin fragt die Berlih sü Arbeiter, ob sie»rsreut seien, in den Bund r wurl deutschen Arbiter eingetreten zu sein?(einstinrän ül ger Ruf: Ja!) Dayn mögen sie sich ein Beisk der an hen französischen Arbeitern nehmen und n�rte nur mit Worten, sondern auch mit der That"� den Kampf eintreten. Wollt Ihr da«?(t�d-ri Ja wohl!) Dann werden die Arbeiter DeulsWr � landS sagen, daß die Arbeiter Berlins ihnen �en be Leib und Seele gehören.(Lebhafter Beifall.) wg in Hiermit ist die offizielle Feier geschlossen und Kkratisl Tölcke fordert schließlich zu pünktlichem Erscheii��e bei den morgen beginnendw Verhandlungen 4°/® — Unter Hochrufen auf Lassalle,. Dr. v. Schw-ik." � und die Delegirten verlassen die Anwesenden �Volks 12 Uhr den Saal. Ifc m zum Der Geldteufel. Novelle von Hendrik Conscience. I. Noch stießt wie ein silbernes Gewebe der letzte nächt liche Dust in den Tiefen der Gebüsche; noch ist die Lust kalt und naß; aber bald hebt die schönste Mittagssonne ihre glänzende Scheibe hinter dem Waloe hervor und wirft ihre Strahlen über die ruhende Natur, als wäre e« ein Ruf zum Leben und zur Freude. Sanft und mild ist das junge Licht. E« stirbt die Wipfel der Bäume mit schillerndem Gold, es küßt die Kelche der Blumen aus und verbreitet sich weiter und weiter, wie ein funkelnder Perlenstrom über die Gräser, welche sich noch schlummernd im Morgenthau baden. Die Nach tigall singt die letzten Noten ihres Liedes in dem stillen Laube, die Lerche steigt himmelan und läßt einen Regen von Tönen ihrer kräftigen Kehle entgleiten. Hunderte von Stimmen erschallen aus Baum und Strauch und singen dem Herrn ihren dankbaren Morgengrnß, die Last ist mit wohlriechendem Blumendufl erfüllt, das Licht bezaubert durch seinen jungsräulichen Glanz; i die Bäume entfalten ihr zartes Grün, die Kerbthierchen' be- ginnen ihr rühriges Leben, der Gesang der Bügel steigert sich mehr und mehr..... Alles ist verjüngt, Alles scheint begeistert vor Freude und Hoffnung, Alles jauchzt und ruft:„Willkommen lieber Lenz, Jugend der Natur, süßes Lächeln der Gottheit!" � Nur der Mensch bleibt gesühllos für da« Schöne, womit die irdische Wohnung geschmückt ist. Während Thiere und Pflanzen, beseelte und unbcseelre Geschöpfe in dem Zauber der glänzenden Morgensonue sich erfreuen, liegt er bewußtlos im trägen Schlummer und wird sich nicht eher aus dem nächuichen Scheintod erheben, bis das prächtige Geheimniß der Natur vollbracht ist. Es ist für unser Geschlecht ein trauriges Bekenntniß, daß es Leute giebt, welche lange gelebt haben und den- noch sterben, ohne ei» einziges Mal das Morgenroth des schönen Tages geschaut und bewundert zu haben. Freilich erwachen viele täglich bei dem ersten Mor- genschimmer; aber es ist die Nothwendiglcit oder die Sucht nach irdischem Gewinn, die sie von ihrem Lager auftreibt; sie eilen unachtsam vorwärts, das Haupt von Sorgen und Kummer gebeugt— und-mag auch der Himmel mit allen den Farben des Rcgenbogens sich schmücken, und mag die Sonne ihren Glanz bezaubernd über die Natur ausgießen, in dem Herzen derer, welche in Bekümmerniß leben und sich abmühen, ist es immer düster, und vor ihrem ängstlichen Blicke hängt immer eine graue Nebelwolke. So erging es auch dem Herrn Kemenaer, der schon länger als eine Stunde in seinem ausgedehnten Garten unter einer hohen Akazie auf einer Bank gesessen hatte und in Eedaukcn vertieft die Arme über die Brust ge kreuzt hielt. In der Absicht, die Schönheiten der er- wachenden Natur zu genieße»,>var er nicht dahin ge- kommen, denn er saß an einem Hollundergebüsch mit dem Rücken nach Osten gekehrt und heftete den starren Blick auf den sandigen Psad vor seinen Füßen. Herr Kemenaer hatte erst fünfundvierzig Jahre zu- riickgelegt, und dennoch war sein Haar schon grau, seine Stirn runzelich und sein Blick matt. Wahrscheinlich hatte er sein Mannesalter in Sorgeu um irdischen Ge- winu verlebt, vielleicht hatte auch wiederholtes Mißge- schick sein Haupt niedergebeugt. Wie dem auch sei» mag, scheinbar hatte er sich doch über sein Loos auf Erden nicht zu beklagen, denn seine Wohnung, welche in der Ferne an einem schönen Garten lag, war eins der ansehnlichsten Gebäude der Vorhäuser einer großen Stadt, und Alle«, was ihn umgab, sowohl die niedlichen Anpflanzungen von Bäumen und Blumen, als auch die schönen Gartcubilder, die hie und da am Saume des Gebüsches sich erhoben, zeugte wenigstens von Wohlstand, wenn nicht von großem Reichlhum. Was hatte es für diesen bekümmerten Mann, für einen Werth, daß das jugendliche Licht einen prächtigen Frühlingstag verkündete? Welche ermunternde Zauber- krast konnte sür ihn das süße Morgenlicht der Vögel habe«? Wa« half es seiner beengten Brust, ob die Luft mit halsamischen Duft angefüllt war oder nicht? Im Hefligen Kampfe seiner Gedanken neigte er sich tiefer zur Ecde, schrieb mit dem Finger Zahlen in den Saud und murmelte in sich von Kapital un� Zinse», von Renten und von Geld.— Gleich als ob beun- ruhigende Gedanken anderer Art ihn in seiner Bcrech- nung störten, erhob er wieder den Kopf und lenkte seine Ausmerksamkcit von den Zahlen ab. Eine Weile hielt er den Blick in steigender Angst in die Weite gerichtet. Sein farblose« Gesicht schien sogar zu verbleichen, seine ganze Haltung zeugte von einer geheimnißvollen Befangenbeit; ja gleich als hätte ihn ein peinlicher Schlag getroffen, ballte er verzweifelt die Fäuste und preßte die Zähne zu einem bitteren Grinsen zusammen. Und doch war Alle« ring« um ihn einsam: Nicht« konnte ihn erschrecken noch bekümmern, als allein die trüben Gedanken eines unruhigen Herzens oder viel- leicht die Bisse eine» schuldbewußten Gewissens. Mit einem Mal schien er muthiger au« seinem trüben Nachsinnen aufzufahren und sprach zu sich selbst in scherzendem Tone: „Ich bin wahnsinnig! Warum kann ich mich nicht wie Andere überKdie gemeine Furcht erheben? War ich denn wirklich Zu einfältig, zu dumm oder zu gut, um an dem allgemeinen Kampf um den Besitz de« Gel- des Thcil zu nehmen? Jeder hat Begierde uach Geld, Jeder schätzt daS Geld, Jeder genießt da« Geld, aber Niemand fragt woher es kommt. Sehe ich nicht den glücklichen Bankerottirer mit dem Lächeln eine» inner» Behagens seine unverschämte Pracht zur Schau stellen, und selbst mit den Rädern seine» Wagen» die Schlacht- opfer seiner Betrügerei beschmutzen? Der arglistige Borsenmann, der durch da» Verbre.ten falscher Gerüchte die Staatspapiere steigen und Fallen macht und Schätze Golde» sammelt, wird er nicht geehrt als der Gott der Geldvernunft? Der Kleinhändler, de.- seine Waaren verfälscht? Der Kaufmanun, der den Marktpreis durch betrügerische Mittel in die Höhe treibt; die Borstände einer Ereditgesellschaft, welche die Actien drücken, unter der Hand für Nichts zu kaufen, sind sie A geehrt, geachtet und angesehen? und genießen rn Frieden die Früchte ihres Verstände«?..... J Hau; allein, ich sollte mir da« Herz zerreißen, weit idj»1 fein einzige Unvorsichtigkeit beging und imch der Mittel Angel diente, die man für unehrlich hält, weil da» Gesetz elmäßi verbietet? Aber wer kann den Beweis dafür lieftö tu«; Di- Schrift, welch- ich so unbesonnener Weise in sie w Händen de« Herrn Rubyn ließ, ist ja schon lang- 4u gep nichtet; das Feuer hat diesen Gegenstand der Fustlrung und der Bekümmerniß verzehrt. Bin ich nicht r-ijizu vi Wa« kann ich mehr verlangen? Ruhe des GemüiWienw Mau kann sich diese selbst wohl geben. Nun, miiVlmmel ist grundlo«, diese Angst, die mich verfolgt: Robyn � gesäl nicht lange mehr leben, mit ihm sinkt der einzige Zs�e Klei meiner unvorsichtigen Thal in da» Grab.... WHsam Monck davon wüßte! Aber Vater Robyn ist zu sinnt B um seine Ehre und Sicherheit einem solchen argliftise jun Fuchs anzuvertrauen..... ich habe Nicht« zn k und fürchten.« de« Em Lächeln erheiterte einen Augenblick sein Gesifahr C doch versank er allmählig wieder in Nachdenken'�J11 d heftete den Blick aus den Boden, Sein G sicht best(?njd wieder seinen ersten Ausdruck: einen düstern, kahjcn beliimmcrtcn, wie den e ne» Bilde« der Sorge Macnl G-wisseuLbiffe. underi Während Herr Kemenaer regungslos auf der GacW'gte> bank faß, öffnete sich die Thür seiner Wohnung und fa sie junge» Mädchen sprang in den Garten. üigt,! Nach einigen leichten Schritten, um zwischen Tft-t, nächsten Blumeustriiucher zu gelangen, schaute sie"JiMeiii froher Bewunderung ring» um sich her. Ein 8' uu! hterischer Erregung leuchtete in ihrem Auge; ein ssfa ea f< Lächeln spielte um ihre Lippen und sie sog die faneit�zu Morgenlust mit solchen mächtigen Athemzügen in.. O I Brust ein, daß ihr Busen sichtbar ans und nieder JiTwähri ..... kaum aber konnte sie den Eindruck de» fch� wti Tage» ausgenommen haben, so hob sie den begeifte� heutige erste geschtostene Persammlung der l weiisgirteneröffnetederPräsidcntllr.v. Schweitzer s'alle'S iinem längeren Rückblick auf die Vorgänge ;evenl!�lb des Vereins seit der letzten General- Fsmmlung in Elberfeld. Er wünscht, das! 'Haiuiet'ü der Vorstand sich öfter zu gemeinsamer und Oihung vollzählig versammele, um die Controle lllngeii.'amer zu machen, beleuchtet sodann die Ve�r- tie itlzungsversuche mit der Fraktion der Gräfin lrbcitttleldt und deren Fruchtlosigkeit, und geht dann ohne> die Frage der Präsidentenwahl über, für � pe er die jetzige Praxis, die allgemeine igstlich ,c Wahl beizubehalten wünscht. Weiter be- gz�ht der Präsident die bekannten letzten Vorgänze aus Hi�lin, die EigenthumSfrage des„Social- rn ON�lrat" und die Stellung der Partei zu dem m ichak'ch�er„Proletarierr", die Nothwendigkeit andenI veränderten AgitationS-Systems, und er- �nt schließlich, die bisherige Wankelmüthigkeit lZemokrl�veinigkeit unter den Mitgliedern auszurotten, �(.zit die Partei wirklich die Bedeutung erlangt, fcemi?1»�ührt. «Jhlitst des Blattes. Näherer Bericht in der nächsten trhun« Nummer.) , Arbe�tsttiu, 29. Dec.(Die hiesige Bourgeoisie.) j habe ich ein schmerzliches Krankenlager verlassen, J �IwilcheS mich die Wuth der Bourgeoisie und liberale vsutücke geworfen hat. Ich erlaube mir, etwas näher redlitn Akt brutaler Rohheil zu beleuchte». Die Bonr- f.— sie ist, und hat schon bei Lassalle's Lebzeiten vcr- Zrußh einzelne Personen zu beseitigen, in dem Wahn, so am t�Ve Bewegung auszuhalten. Beweis: Man denke an Gleiipvbel nach Lassalle's Tode. Es ist aber jedesmal it Gc geniheil eingetreten, denn eine gute Sache -- atkjvle zu Grunde.— Daß die Stcttiner Bourgeoisie or i pöbelhaste Art sich einer mißliebigen Person ent- VfU will, begreift aber nur vollkommen, w.r die Per- en dlllsjsse hier kennt. Die ilotzige Rohheit, welche dem : Iutthner, und namentlich dem Seestädter, in die Schuhe versatvben wird,-xistirt allerdings; aber sie ist nicht zu und bei den sog. unteren Schichten der Bevölkerung, n die�b"tern, welche zwar eine derbe Ausdrucksweise, l/keit lc'n®1"ea bergen. Nein, in den Kreisen der " /u�vlelUgenz unter den„Gebildeten" findet man die �chwörtlich gewordene„pommersche Rohheit." Un- ' verg�einde müssen uns das Zeuguiß geben, daß wir reinsjaseit Beginn unserer Agitation stets in den Schranken z gröjjRuhe und Ordnung gehalten haben. Die Menge vor slkiö sind ans da« ruhigste verlaufen. Ja wir haben ibünei unsere Gegner, welche uns viele Grobheiten ge- ef hatten, vor der aufgeregten Masse geschützt. Gleich- lte �e> sollten jene Skandal, und betrugen sich wie � sßenräuber. Abgesehen von dem schändlichen Attcn- wn-Nduf meine Person pafsirte einige Tage später ein segeistses aus unfern Beitragsammlcr. Ein Mann, der ingl etwas zu Leide that, dessen Körperformen an �lauSit Athleten erinnern, wird von gebildeten Rentiers linmiifricr sogar Stadtverordneter— von hinten nieder- ' wgzsagcn und furchtbar gemißhandelt. Zwei Rippen �en ihm zerbrochen, und er wird endlich in diesem "* aude die Nacht über in's Gefängniß geworfen. b'» irlich haarsträubend sind solche Thassachen. Es ist ' v11 beu sieben Jahren, welche ich der Partei ange- ner Bs kein Fall bekannt, daß von unserer Seite den fort- sc an Pichen Führern ans solche Weise mitgespielt worden. Metwhl Lasialle bei seinem Austreten in Berlin auf die unerktichst- Weis- insultirt wurde, und obwohl e« ein arnnt�'9 bewcsen wäre, die Herren Schulze- Delitzsch, rde ft, mireUvm f?-""ch M. ihr Mund ließ wol nge en gewisser Neb-nl.n.-» j« DicI Gefühl, zu viel Be- e F.4rnng v-rmulhen;.Hr.(anft b � � ��e P reijzn vrel Ausdruck haben- aber ihre Stirn war emu Mlenwnß, ihre Wangen so zart geröthet, ihre Angeu nun,'immclblau, ihr Lächeln so sanft und so voller Leben' liyn"� gefällige Würde ihrer Haltung, zh� einfadit doch ge Kleidung und der Schmelz der Unschuld, welche . Wchsam au« ihrer geringsten Bewegung und ihrem ein- u schsyen Blicke hervorleuchtete, zeigten hinlänglich, daß rglistif« junge Mädchen eine vorzügliche Erziehung genossen > zu* und durch Natur und Bildung mit der doppelten e de« Gefühls und des Verstandes ausgestattet war. GesPhr Gebet zu Gott gesprochen war, sandte sie von ken's'!", beu Blick nach Osten, badete ihr Angesicht in t b-k«' uften Llchtstrom und lauscht- noch eine Weile aus D" Eicken« Ä" �b. Ein Lächeln unaussprechlichen rfle nnderndin Angesicht, da sie mit ihrem � herzte und umfaßte, was von GarlMgt-n«b-n«lrafteu um sie herum prangte; dann " iL' h,n«Urf n01!tfintm Gesühl der Trauer über- � Ä rf M-wem entfernten Holluudergebüsch che« chlet, sagte sie still vor sich hin- sie?,Mein Vater! schon wieder die Anam zur Erde ae- " f/estl, hn« ihu'fo S0r9C Unö Kummer! Was 111 i! h treibt, die Ein- e. /'tj., suchen. Ich darf thu nicht fragen, es betrübt in das Geld, das unglückselige Geld" ,ec gPährend sie diese Worte sprach. schritt sie aus dem eiste''' iU �rtm iU aber ehe sie den Hollunderstrauch erreichte, war Herr Kemenaer durch ihre Ankunft ans seinem Nachsinnen aufgeweckt worden. Eine vollständige Veränderung ging mit ihm vor. Er erhob sich von der Bank, streckte Kopf nnd Glieder und ging seiner Tochter mit einem stillen Lächeln entgegen. Nun war Gesälligkeit und Würde in seinem Gange, Milde in seinem Blicke, tadellose Ungejwnngeu- heit in seinem Ausdruck und in seinen Geberden; Alles an ihm vcrricth einen Menschen, der gewohnt war, in der großen Welt zu leben. Während seine Tochter al» liebevollen Morgengruß die Arme um seinen Hals schlang, drückte er einen Kuß auf ihre Stirn und sprach: „Das schöne Maiwetter lockt Dich so ftüh in den Garten, nicht wahr, meine gute Laura? Du gehst den ganzeu Tag zwischen den Blumen, Deinen Gedanken nachzuhängen, zu schwärmen und zu träumen; Du hast Recht, Laura. Es ist so süß der Honig, der oben auf dem Lebensbecher schwimmt. Komm, wir wollen nun zusammen einhcrgehcn. Deine unschuldige Freude er- innert mich an Deine Mutter; sie sah auch in ihrem kindlichen Vertrauen nur die schöne Seite der Welt..." „Vater, Du bist betrübt," antivvrtete das Mädchen ihn herzend;„sage mir, was Dich betrübt; ich will Dich trösten." «Betrübt? ich? Du täuschest Dich, Laura." „Du saßest schon wieder so in Gedanken vertieft und so einsam aus dieser Bank." „Ha! ha! uneisahrenes Kind, Du glaubst also, daß ein Wann durch die Welt kommen könne, ohne zu denken; ich bin wohlgcmuth, da« schöne Wetter gibt mir ein Gefühl der Jugend. Höre die Vögel singen, sieh das junge Griii. sich entfalten, steh die Blumen iu dem Sonnenlichte flimmern. Wer kann gefühllos bleiben inmitten der lachenden Natur!" Diese Worte und der Ton, mit welchen sie gesprochen wurden, schienen Laura zu erfreuen— ihre Gedanken nahmen eine andere Wendung. „Vater," rief sie,„wenn Berthold nur hier wäre, was für ein schönes Gedicht könnte er machen! Aber er wohnt in der Stadt; und wenn die Sonne die Woh- nung des Herrn Nobyn beschelnt, dann steht sie schon hoch am Himmel." „Du meinst, Laura, daß ein Dichter die Dinge sehen muß, um sie mit dem übertriebenen Tone, welchen man Seele und Gemüth nennt, zu beschreiben?" „Iu der That, Vater, es ist doch wunderbar, Ber- thold wohnt nicht in den Feldern und dennoch besingt er die Natur und malt ihre Pracht mit so glänzenden und wahren Farben aus, daß es mir vorkommt, als ob sich Alles, wa« ich hier bewundere, in feinen gefühlvollen Versen abspiegelte. Sieht der Dichter vielleicht in seinem Innern ein Spiegelbild von allem Diesem; kennt er durch die bloße Begeisterung Dinge, die Niemand ihn kennen gelernt hat?" „Einsältigel Der Dichter setzt seine EinbildungS- kraft an die Stelle der Dinge. Aber ist er mit Gefühl begabt, welches zum Ausbau einer schönen Welt uöthig ist, dann ersreuen seine Verse die unerfahrnen Herzen gleich dem Zauberglase, welches das Auge durch ein sarbenreiches Schillern ergötzt." „Dichter zu sein, ist doch wohl etwa« Schöne«, Vater." „ES ist eine Erholung, ein Vergnügen wie jede« andere, eine Laune der Jugend. Auch ich habe, che ich das wirkliche Leben kannte, Verse gemacht. Wer thul es nicht, wenn er mit Augen von zwanzig Jahren Nichts, als die glänzende Oberfläche der Welt sieht? Berthold wird einmal sehr reich sein, mag er sich noch einige Zeit am Versemachen ergötzen; es ist nichts Böse« dabei, die Lust wird ihm schon vergehen." „Du glaubst das, Vater." „Da« ist gewiß, ein reicher Mensch macht keine Verse." Laura legte ihren Arm ans die Schulter ihre« Vaters und sprach mit triumphirendrm Lächeln:„Nein, nein, Du täuschest Dich, Bater, Berthold wird ein großer Dichter werden, Ruhm einernten und gesühlvoll alle« lieben, was gut und schön ist auf der Welt." „Du glaubst da«— weil Du es wünschest." „Soll ich Dir einmal Etwa« sagen, Bater? aber Du darfst In Berthold« Gegenwart nicht zeige», daß Du davon weißt." „Nun?" „Berthold läßt seine Gedichte drucken. Ach, wie schön wird das Buch sein, aus dessen Blätlem er die Gefühle seiner liebevollen Seele hat ausströmen lassen!" Das Gesicht des Herrn Kemenaer hatte einen ver- drießlichen Ausdruck angenommen. „Berthold läßt ein Buch drucken?" murmelteer»uit gerunzelter Stirne;„wird sein Name daraus stehen?" „Gewiß, Vater. Mit großen Buchstaben: Bert- hold Robhu. Ich habe das erste Blatt gesehen. Mich dünkt, es erhebe den Menschen, wenn sein Name aus einer Schöpfung seines Geistes gedruckt steht." Herr Kemenaer schüttelte nachdenklich den Kopf, be- wältigte aber bald das Gefühl seine» Aerger«. „Nun," sagte er;„man vergiebt einem Jüngling mehr al« einen tollen Streich. Berthold wird vielleicht nicht lange warten, bis er seinen ruchloseii Schritt be- klagt, den» der Spott, der Neid--" „Aber Vater," fiel Laura ihm ins Wort,„ich be- greise die Welt nicht. Berthold fürchtet auch, er bebt, als sollte das Erscheinen seines Buches ihm eine Quelle der Leiden werden. Wer sollte ihn verfolgen? Ist e« �ein Verbrechen, Gottes Werke zu besingen und die rein- ften Regungen der menschlichen Seele durch die schönsten Formen der Sprache auszudrücken? Erhebt nicht ein schönes Gedicht unser» Geist zu dem veredelten Kunst- gefühle? ersüllt es unsere Herzen nicht mit dankbarer Lebensfreude, wenn wir unserer höheren Natur inue werden? Warum sollte man denn den Dichter Hassen ..... Was siehst Dn? Ah! das ist Mvnck, der dort aus dem Psade sich nähert..... ich weiß nicht, was ich gegen diesen Äonck empfinde: wenn ich ihn sehe, wird es mir eisig. Du stehst auch lieber, daß er von hier wegbleibt, nicht wahr Vater?" (Fortsetzung folgt.) des„Soc.-Dem." Sonntag den 4. April 1869 verrech net worden. Zur besonderen Einsicht wollen wir noch erwähnen, daß der Gehalt des Geschäftsführers den 1. Oktober 1863 seinen Anfang hatte(dies sind diese 15 Thlr.); außerdem wurde dem Geschäftsführer von dem früheren Ausschuß sllr seine Mühe bis zum 1. Ob tober 1868 eine Gratifikation von 12 Thalern bewilligt welche jetzt erst in Abrechnung gekommen ist, diese 12 Tblr. sind noch nicht verrechnet worden, dies Hot seine Richtigkeit, aber die 15 Thaler sind schon verrechnet worden und können nicht noch einmal verrechnet werden 2) Juni:„Borschuß nach Gotha 3 Thlr. 9 Sgr. IVVf." In der Einnahme heißt es: Juni. Laut Abrechnung als Vorschuß vom 3 nnd 4. Quartal aus Gotha zurückerhalten 3 Thlr 9 Sgr. 16 Pf., also das Geld nach Gotha abgesandt und zugleich wieder zurückerhalten, und in Gotha>var im Juni gar keine Mitgliedschaft; dem Ausschuß ist wenigstens nicht» bekannt gemachl worden. Die Mit gliedschaft hatte sich durch Schob's Verschulden aufgelöst, indem er sich aus der dortigen Kaste durch Herrn Krause einen Vorschuß hatte geben lasten»nd diesen nicht wie> der zurückerstattete, so daß die Mitgliedschaft in Schulden gerathen war. Etliche Mitglieder verklagten Herrn Krause. Der Ausschuß ließ in Erfurt eine Commission ernennen, um die Sache in Gotha zu prüfen, so daß Herr Krause im Beisein der Kommission von den Mit. gliedern als Bevollmächtigter abgesetzt wurde. Und Schob sollte dieses Geld-in die Hauptkasse einzahle» oder sich mit Krause abfinden. Es wurde wohl ein zweiter Bevollmächtigter gewählt, jedoch die Mitgliedschaft ließ nichts mehr von sich hören. Also diese 3 Thlr. 9 Sgr. 16 Pf. hat Schob zu ersetzen. 3) Juli 3...Vorschuß noch Wiesbaden 16 Thlr. 14 Sgr. 5 Pf." Die Wie» badener haben doch zum zweiten Mal keine Arbeits einstellung gehabt und wenn die« wäre, so mußte doch der Ausschuß davon benachrichtigt worden sein. 4) Juli 26.„166 Eirkulare und Satzungen 7 Thlr.' Also Satzungen werden verrechnet, trotzdem Schob die Satzungen abbestellt hatte, nnd Eirkulare! Die« ist vom Ausschuß oft genug verboten worden, so daß der Verein dafür nicht einstehen wird. 5) Juli 26 „Porto und Schreiben de« Herrn Schob für April, Mai, Juni und Juli 19 Thlr. 21 Sgr. 4 Pf" Porto ist, wie die Abrechnung ergiebt, schon im April und Juni angegeben; aber die Hauptsache wird sür „Schreiben de» Herrn Schot" berechnet, für was hat denn Schob sein Gehalt bezogen? Als Maulaffe doch wahrscheinlich nicht. 6) u. 7) August.„Eirkulare an die Bevollmächtigten 4 Thlr." Wie schon erwähnt, war die» verboten. 8) August 2l.„Vorschuß nach Berlin 5 Thlr." Herr Reimami erklärte schon auf deui Eisenacher Eongreß, daß er mit seiner schwachen Mit- gliedschaft austrete und mit uns nicht gehen werde. Benannter Herr zahlt unser» Mitgliedern keine Reise- Unterstützung aus, aber er läßt sich 5 Thlr. schicken. Wozu denn eigentlich die 5 Thlr. Vorschuß? 9) Sept. 4.„Gehalt de» Hauptkassirers Herrn Edelhoff." sür 2 Monate Juli und August 16 Thlr. 5 Thlr. sind hier zu viel angesetzt. Wie kommt Herr Edelhoff dazu, und nimmt sich eigenmächtig 5 Thlr. für einen Monat, die ihm nicht zukommen? Der Herr Edelhoff hätte doch noch die Abrechnung 2 Monate hinausschieben sollen, dann hätte er doch sllr eine und dieselbe Abrechnung 16 Thlr. weiter, und wenn er noch rtwas mehr Porto aufgesetzt hätte, so wäre die Rechnung glatt geworden. Da wir bis heute noch keine Antwort von dem betreffen- den Herrn erhalten haben, so sehen wir uns gcuothigt. dies zn veröffentlichen, damit die Mitglieder wistcn, wie unsere Sache steht." Da» Präsidium fügte dem Obigen noch hinzu, daß ein Posten der Hamburger Mitglieder von 16 Thlr. 21 Sgr. 16 Ps. gänzlich fehlt. Dieser Posten wurde laut Postschein am 4. Mai l. I. an Eselhoff nach Eüln ge- findet, da aber kein Posten sich von Hamburg in der Abrechnung vorfand, so rcklamirtc unser Hauptkassirer E. Theis in Nr. 167 de»„Soc.-Dem." vom 12. Sept. an Edelhoff um Aufklärung. Es erfolgte keine. End- lich am 8. Tage schrieb Edelhoff, daß er da« Geld erst am 16. Mai erhalten(?) und wenn der Ausschuß, welcher die Kasse revidirt habe, es übersehen habe, wäre es seine Schuld nicht I? Wie sollen denn Revisoren einen Posten, der gar nicht angegeben ist, ausfinden „UebrigevS, schrieb Edelhoff, habe er alles Geld dem neuen Ausschuß oder Vorstand in Mainz übergeben." (Schluß folgt.) haben. Die Ursachen der Drangsale sind wesentlich zw rückzufllhren auf Arbeitseinstellungen von Bergleuten Die Striker sind wegen de» Ausbleibens der Löhnungen nicht selten selbst in großer Bekllmmerniß um da» täg liche Brot und mancher unter ihnen kann auch seinen Verpflichtungen gegen Gläubiger nicht nachkommen. Ueber diesen Uebelstaud sind hier die bittersten Klagen verlaut bart worden. Ihm so gut, als thunlich, entgegen zu wirken, ist die Pflicht der Aussichtsorgane. Wenn nun nicht zu verkennen ist, daß die vielfachen Volksversamm luugen in öffentlichen Schanklokalen da« Uedel noch verschlimmern, indem nicht allein während der Versamm lungen, sondrn auch in den Vorberathnngen und in den nachherigen Besprechungen dergestalt Geldaufwen düngen stattfinden, daß Haussrauen uud Mütter wieder holt um Hülfe dagegen angerufen haben,— so erscheint es geboten, wenigstens die Gelegenheiten zur Ausdeh nung solcher, vorzugsweise in Ihrem Lokale stattfinden den Versammlungen und B-rathunge» der Arbeiterklaffen bis spät in die Nacht zu entzieden. Au« allen diese» Gründen sieht sich die Polizeiyerwaltung genöthigt, be züglich Ihres Schanketablissements einen Ausnahme zustand dahin anzuordnen, daß sür dasselbe als Feier abendstnnde die Zeit um 11 Uhr Abeuds nicht fort bestehen bleibt, sondern bis aus Weiteres der Feierabend auf die Zeit um 7 Uhr Abends, wie hiermit geschieht, polizeilich festgesetzt wird. Sic werden hiervon znr Rachachtnng mit dem Bemerken benachrichtigt, daß Ueber tretungen die im§ 342 des Strafgesetzbuchs vom 14. April vorgesehene Rüge zu gewärtigen haben. Die Po- lizei-Verwaltung. Haberland." Da« sind die uns gar wohlbekannten Polizeischwierig- leiten! —(Russische Zustände.) Die deutsche wie auch die französische Presse machten sich vor nicht langer Zeit viel mit Komisaroff, einem Hulmacher, zu schaffen, wel- ches dem russischen Kaiser bei einem Attentat das Leben rettete und erzählte» unter Andenn, wie derselbe, von Allg. deutsche vereinigte Metallarbeiterschast Limburg a. d. Lahn, 29. Decbr.(Zur Notiz.) Am zweiten Weihnachtsfeiertage waren wir vergnügt auf der Hochzeit unseres socialistischen Freunde« L. Preis. Als auch hier über die Lage des Arbeiters, gesprochen wurde, ergreift in heitrer Laune unser Freun! Keller die Gelegenheit, bittet um ein kleines Neujahrsgeschenk sllr die strikenden Metallarbeiter in Lüneburg und übernimmt die Sammlung, welche 2 Thlr. ergab, die sofort von uuserm Bevollmächtigten Seel an die Strikekommission nach Lüneburg abgesandt wurde. Möchten alle Freuudc bei ähnlichen Gelegenheiten an unsere leidenden Brüder denken. F. Schmidt. Vermlschtcs. lieber den Strike in Waldenburg ist mitzutheil-n, daß sich die Arbeiter brav halten. Sie sollen von Seite» der fortschrittlichen Bourgeoisie bereit« eine abschlägliche Unterstützung von 5666 Thlrn. erhalten haben. Wie gesagt: wenn sich zwei Spitzbuben streiten, kommt immer etwa» Gute« dabei heraus!— Einzelne allzueisrige Behörden im Waldenburgcr KreiS haben in ungesetzlicher Weise das Versammlungsrecht der Bergleute behindert, wie es unser» Parteigenossen schon oft passirt ist. Solcher Polizeischwierigkeiten fielen u. A. Folgende vor: Der Berghener Kühn aus Hermsdorf meldete eine allgemeine Arbcitcrversammluug in Ober-Waldcnburg bei der Polizei an; die Bescheinigung wurde verweigert, in Folge Verfügung de» Landrathaml«. Als hierauf von dem Generalsekretär remonstrirt worden, erhielt Kühn wörtlich folgende Bescheinigung: „Die allgemeine Arbeiterversammlung in Stadt Berlin zu Ober-Waldenbnrg für den 3. k. M. Vorm. lÖ'/j Uhr ist hier polizeilich gemeldet, jedoch dieselbe nicht genehmigt worden, weil dergleichen Versammlungen schon abge- halten und der Berein gegründet sein muß, ohne daß bis jetzt Statuten und Mitglieder-Verzeichniß eingereicht worden sind. Schloß Waldenburg, 31. December 1869. (L. S.) Fürst l. Polizei- Verwaltung, gez. Krist." Als Muster diene beisvlgende Bersüguug des Herrn PolizciverwalterS von Eharloltenbrunu: „Tannhausen, den 22. December 1869. ES ist eine allgemeine Klage, daß die gegenwärtigen Geschäftsstockungen recht viel Familien in schmerzlichen den Magnaten und Kaufleuten Moskau« mit Geld und Gescheuken förmlich überschüttet, fast nicht im Stande sei, sein unverhofftes, ungeheure» Glück, das ihm so plötzlich in den Schooß gefallen war, zu ertragen, und sich in Folge dessen allen, nur erdenklichen Ausschwei- sungen hingebe. Man sagte, er sei durch die fast un- ausgesktzten Orgien irrsinnig geworden und habe sich in einem Anfall von Raseiei erhängt. Andere Blätter wollten in Erfahrung gebracht haben, Komisaroff sei der geheimen Gesellschaft der Nihilisten zum Opfer gefallen, worüber die Regierung sich sehr bennruhigt gezeigt haben soll'e. Das Wahke an der Sache ist, daß beide Theilc älsch berichtet waren, denn Komisaroff freut sich im wahren Sinne des Worte« seines Lebens. Um ihn in anständiger Gesellschaft sehen lassen zn können, hat mau ihm in aller Eile ein bischeu Politur gegeben und ihn zum Junker in einem der Garde-Regimenter gemacht. Sein Benehmen ist zwar ein nicht gerade seilies, salon- mäßiges, doch kann er ganz wohl russischen Magnaten- öhncn an die Seite gestellt werden, deren Ausbildung ja auch nur Schein ist. Der Grund dieser Nachrichten war folgender: Dem Stolze des kaiserl. Hofe« war es bisher gelungen, vor den Augen Europa« ein Komisa- roff nahe berührendes Faktum zu verheimlichen, bei welchem der Vater des Kaiserretters die Hauptrolle pielt Diiser war ein Dieb vom reinsten Was- er und als solcher wurde er s. Z. in eine« der entlc- geiisten Bergwerke Sibiriens deporllrt. Dort mochte er ivohl an zehn Jahre unter der bekannten unmenschlichen Behandlung gelebt und geseufzt haben, als der Direktor des Werke«, eben mit dem Fördern des Erzes unter Aufsicht eines Beamteten beschäftigt, Plötzlich einen ele- ganteu, von einem Piquet Kosaken umgebenen Wagen bemerkte, aus welchem ein Offizier in Gala- Uniform heransstieg. Der Beamtentroß konnte mit tiefen Bück lingen gar nicht zu Ende kommen. Der Fremde jedoch 'chieil diese Zeichen von Artigkeit durchaus nicht zu be- merken, sondern befahl sofort, den Sträfling Kamisaroff von seinen Fesseln zu befreien, ihn mit der nöthigen Kleidung zu versehen, und warf ihm mit eigener Hand einen kostbaren Pelz über die Schultern. Die ganze Ge sellschaft war von dem, wa« sie sah, so betreten, daß es Niemand einfiel, den Mund auszuthun, und als dies Komisaroff endlich doch wagte, blieb man ihm die Ant wort schuldig. Der Offizier führte, nachdem Komisaroff eine Metamorphose erfahren hatte, welche ihn andern Menschen der civilisirten Welt wieder ähnlicher gemacht hatte, zu seinem Wagen und überließ ihm in demselben den Ehrenplatz. Zehn Tage später hielten die Reisenden vor dem Palaste des Gouverneur« von West-Sibirien in Tobolsk. Komisaroff war von Demjenigen, was sich seinen Blicken darbot, als er in den Audienzsaal trat, buchstäblich geblendet. Der Gouverneur, in Gala, saß in einem mit reicher Stickerei versehenen Sessel und nm ihn her standen die Spitzen der Militair- und Civil behörden, gleich wie der Gouverneur im Parade-Anzuge. Das Erstaunen des unlängst noch im Sträflingstlcide Seufzenden erreichte den höchsten Grad, als bei dessen Eintreten der oberste Vorgesetzte vom Sessel aussprang, mit ausgebreiteten Armen auf Komisaroff zuflog, vor diesem auf die Kniee fiel und seine Füße küßte, während die übrigen Anwesenden ein nicht enden wollende« Hurrah erschallen ließen!„Vater de« Erretter» de« Kaisers"— rief endlich der Gouverneur—„Se. Maj. gewährt Dir die Freiheit. Wie es sich bei näherer Untersuchung her- ausgestellt, hast Du nie etwas verbrochen, und nur die Dummheit, wie die unverzeihlichen Fehlgriffe gewisser Beamteter sind Schuld daran, daß man Dich irrthllmlich nach Sibirien schleppte. Was sollen wir thun, damit Du vergessest, was Dir in den Bergwerken Hartes und Unwürdige» begegnet ist? Mögen Ehre»nd Fleiß, gleich wie sie wohlvcrdientermaßen Deinem Sohn zu Theil ge- worden, im Stande sein, allmälig die Erinnerung an die auch von uns so tief betrauerten Tage zu verivischen, welche Du unverdienterweise unter der Erde zubringen mußlest"!! Nach dieser Ansprache begab sich der Gou- verneur mit dem ganzen Gefolge in den Speisesaal und wies hier dem Gaste aus den Minen den Ehrenplatz an. Toaste aus den Kaiser und dessen Erretter machten die Slimmung bald zu einer höchst belebten. Tag« darauf begab sich Komisaroff unter Begleitung einer Ehrenes- karte auf den Weg nach der Kaiserlichen Residenz. Das bisher Erzählte ist sür uns geradezu ebenso unglaublich wie unbegrelflich, doch deshalb nicht weniger streng wahr. Es siud eben asiatische Zustände, wenn einer der vor« nehmsten Würdenträger des Reichs sich, so weit ernie- drigt, einem anerkannten Schurken auf so grobe Weise zu schmeicheln, einzig und allein, um mit einem Gnaden- blick seines Herrn beglückt zu werden. Wer Rußland und dessen Zustände genauer kennt, der wird in dcm ganzen vorstehend geschilderten Versahren durchaus nichts Außergewöhnliche« finden; der Despotismus nur übt einen so verderbliche» Einfluß auf deu menschlichen Geist sönlicher Würde, dem man mehr oder weniger im gan zen civilisirten Westen begegnet, in Rußland nicht mehr vorhanden, und an dessen Stelle niedrige Kriecherei uud Speichelleckerei getreten ist. Wollte man hier einen Grund suchen, lo läge er in dem Umstände, daß der Zar als Herr über Leben und Tod, als Haupt der schismatischen Kirche für die Gläubigen da« sichtbare Abbild Gottes auf Erden ist, und daß Alles, wa» er tbut, als ein Ausfluß göttlicher Eingabe betrachtet wer den muß. Gleichwie der Papst, ist auch der Zar un fehlbar. Der Zar sowohl, wie auch die Minister waren aber nichts weniger als erbaut davon, daß der alte Gouverneur oder Jemand aus dessen Gefolge in Bezug auf Komisaroff aus der Schule geschwatzt haben uiüßte und sprachen ihre Mißbilligung in dieser Beziehung auch mehrfach aus. Um der Regierung die Verlegenheit zu ersparen, sich in den Augen Europas lächerlich zu ma che», suchte man die ganze Sache so schnell wie möglich in Vergessenheit zu bringen und übersiedelte deu alten Komisaroff unter Anweisung ans eine bestimmte, aus reichende Pensiou nach einer eiitlegenen Stadt,>vo mau ihn so gut wie versteckt hält und nur auf diese Weise einen Schleier über seine Vergangenheit geworfen hat Der Sobn lebt nach wie vor herrlich und in Freuden. �(Verurtheilung.) Der bekannte Aufruf zur Beschickung des Arbeiterkongresses in Berlin, der in Nr. 161 des„Soc.-Dem." aus dcm Jahre 1868 uube anstandet veröffentlicht wurde, und den auch die„Elberf. Zeitung" abgedruckt hatte, hat durch das Verlesen in einer Verlammlung durch den Buchbindergehülsen Herrn Peter Beranlassung zn einem Prozesse gegeben, der in zweiter Instanz die Bestrafung des Herr» Peter und des Redakteurs de«„Soc.-Dem." Gr u wel mit je 36 Thlrn. zur Folge hatte. *(Opfer der heutig e n Productionsweise.) In Straubing ist die Gassabrik am 36. Dec. v. I. in d-e Luft geflogen und sind sämmtlichc darin beschäftigten Arbeiter verschüttet worden. Wie viele Todte zu bekla- gen sind, ist noch nicht bekannt, da das Aufräumen der Trümmer große Anstrengung erfordert. 5(Unfall in der Krnpp'schen Fabrik.) Am 4. Jan. epplodirte auf der Krupp'schen Fabrik in Essen ein Dampfkessel, wodurch ein Arbeiter den Tod fand und sechs andere schwer verwundet wurden. Die an- liegenden Häuser wurden stark beschädigt. Wie man vernimmt, sollen gerade in der Krupp'schen Fabrik viel- fach kleinere Uuglückssälle vorkommen, die aber nicht immer a-i die weitere Oeffentlichkeil dringen. —(Selbstmord.) In der Dragonerkasernc in der Belle-Alliancestraßc in Berlin erschoß sich am 3. Jan. ein Soldat, Namens Schulz. Die Motive zu dieser That sind bis jetzt nicht genugsam aufgeklärt. Der Selbstmord in der preußischen Armee gehört gerade nicht zu deu Seltenheiten. —(Ein schreckliches Un glück) hat sich vor Kur zem auf der Insel Cläre zugelrageu. Mehrere Insel- bewohner, die ein Faß Petroleum aus dem Meere ge rscht halten, trafen vor einigen Tagen in einem Hause am Cup Clear zusammen, um die Beute unter sich zu theilen. Durch irgend welchen bis jetzt noch nicht auf- geklärten Umstand entzündete sich das brennbare Oel und setzte das Haus in Flammen. Drei Personen darunter ein Kind in der Wiege, verbraunten und das Hau» wurde völlig zerstört. Bon den zur Zeit des Un falls im Haus« befindlichen 18 Perfoueu entkamen nur drei unverletzt. —(Schwindel.) In diesen Tage» langte in Arnsberg, einem Dorfe bei Treptow a. R., ein Mensch an, der sich für eine dort seit 26 Jahren verschollene Person ausgab. Der verlorne Sohn sand bei seiner „Mutter" und den Nachbarn gute Aufnahme, er war amerikanischer B-rghauptinaun geworden und zeigte amc- rikanische Geldpapiere im Betrage von 96,666 Thlr. ror. Darnach lieh er sich den besten jlebcrzieher aus dem Dorfe und»ahm vom Schmied 466 Thlr. Vor schuß, um nach Colberg zu fahren und sein Gepäck zu holen. Bei dieser Gelegenheit wollte er auch seine Pa piere in preußisches Geld umsetzen. Als er hier an- langte, ließ er seinen Reiseg-ssährteu ein gute« Essen geben, um nochmals mit ihnen fröhlich zu sein. Aber mitten in der besten Freude entfernt- er sich � und ward nicht mehr gesehen. —(Auch eine cmancipirte Dame.) Der zoologisch- Garten in London ist nm einen höchst civili- sirtcn Affen oder vielmehr eine gebildete Aesfin berei- chert worden, deren wohlgetroffene« Abbild in der letzten Nummer der englischen„Jllustrirtcn" zu sehen ist. Jenny stammt von den andamanischcn Inseln, ist jetzt 9— 9 Jahre alt und hat ungefähr vier Jahre lang ans einem englischen Kriegsschiffe gedient. Mit diesem gelangte sie an die afrikanische Küste nnd machte den ganzen abesst nischen Feldzug mit, und zwar mit solcher Auszeichnung, daß sie für gutes Betrag-n die Verdienstmedaille bekam. Jetzt ist sie aber nach England gekommen, nm ihren Antheil an den Prisengeldern ihres Schiffe« In Empfang zu nehmen. Uebrigens hat Jenny während ihres langen Umganges mit Matrosen einige ziemlich unweib- liche Gewohnheiten angenommen nnd trinkt z. B. ihren Grogk trotz der ältesten Theerjacke. Auch raucht sie ihre kurze Pfeife oder Cigarre mit großer Gemüthsruhe, als erste des Affengcschlechle«, welche diese» menschliche Laster nachgeahmt hat, nnd ist in dieser Situation auf dem genannten Bilde dargestellt. Urkomisch soll dec An- blick sein, wenn unsere emancipirte Affen-Dame gravitä- tisch die Beine übereinander schlägt und dabei eine Ha- vanna schmaucht. Großes Arbeiter-F� zu Ehren der Delegirten de» Allgemeinen deutschen Arbeiter-Berei und des Allgemeinen deutsch. Arbeiterschafts-Berie Sonnabend, den«. Januar, Abends« in dem festlich dekorirten Etablissemeiit, Wolter'« G-sellschaftshaus, vor dem Cottbuscr Thor. Das mann, Tempelhoser User 9. Girkc, Fürstelisli wö Walter, Verlängerte Priuzenstr. 1 und in der Pag« dition des„Social-Demokrat", Gitschinerstr. 17. Low Kaffenöffuung Abends 7 Uhr. Anfang 3 Uhr._ Alle Parielgenofsen Berlins und der Umzegeul den mit ihren Familien zu zahlreicher Theilnahiiii""« geladen. Nun Im Auftrage der Gcsammt-Commission: D-u ___ Das Fest-Tomite. Für Derliu. Diejenigen Lereinsmitglieder, welche!._ mir Billets und Programms zum BeF� übernommen haben, bitte ich, die nich., gesetzten biS Freitag, den 7. Januar, ält schinerstr. 17, an mich zurückzugeben, säbl An der Kasse werden die BilletS nur«t,™ Vorzeigung der Mitgliedskarte und so V, der Vorrath reicht, verkauft G. Roi.'"" Bali! e! mt Für Hamburg. Großes Concert und �averst, nebst deklamatorischen Vorträ giteu arraugirt von GewerkSgenossen der Sgx Alle,, deutschen ver. Metallarbeiters�,» Sonnabend, den»s. Januar,--. im Concertgarlcu, Neust, hohe Fuhlenlwiete. Kassenöffnung 8 Uhr. Ansang S'/e Uhr.— ß D ä Person 4 6.»je Karten sind zu haben bei dem Fest-Comito und fr genden Hauplcommanditen: Lüders, Alter Steft Ackermaun, Großer Neuinarkt, Spannagcl, Nach Schluß der Redaction traf folgende Nachricht ein; In dem Saale des Neuen GesellschaslShauses war während der Verhandlungen des Allg. deutsch Arb.- Vereins neben anderen Fahnen auch die rothe Fahne aufgehängt. Im Laufe der Ver» Handlungen gelangte der Befehl des Polizei- Präsidium? an, die rothe Fahne zu ent- fernen. Nach einer kurzen Diskussion der Versammlung beschloß dieselbe, die Fahne nicht zu entfernen, es vielmehr der Polizei selbst zu überlasten, die Fahne zu entfernen. Der Prä- sident vertagt hieraus die Diskussion auf 5 Mi- nuten, während welcher Zeit der Wirth deS Lokales auf Befehl des die Versammlung überwachen- den PolizeilieutcnanIS die Jahne entfernte. Die Mitglieder beseitigten nunmehr auch alle übrigen Fahnen. haussiraße, Schlichting, Neuer Weg, Damm,!® benstraße, St. Pauli, Koch, Kleine Freiheit, Altoii« tvd Auswärtige Freunde und Parleigenosseu sind slhxjgs lichst hierzu eingeladen.., Da« Fest-Comitö: Bischoff. Schwengel. Siehms. E«kelso»�k- Pinnebös. itfrfl Für Mülheim am Main. GroßeBolksversamml«! Sonntag, den». Januar, Nachm.»(3 I im Gasthaus„Zur Krone." Tagesordnung: 1) Da« allgemeine, gleiche und direkte WahlrelbJn' 2) Die Coalitionsfrciheit.' Um zahlreiches Erscheine» bittet?! Im Auftrage des Bevollmächtigten: Conrad Ehw� i Alle Lassalleaner der Umgegend, insbes»� � Redner, sind freundlichst eingeladen. tntlic Für Altona., � Geschlossene Versammlung der hiesigen Mitgli:dcr ,Lar| Allqemeinrn deutschen Arbeiter-Boreiii�n.. Dienstag, de» I». Jan., Abend» präc.» C!>'I iu Wittm aack'S Salon, Groß- Bergp.aße... Tagesordnung: a Innere VereinSaiigelegenheitcu. 8®ch Im Auftrage der Mitglieder: Leinh���i �Ilung Für Hannover. 9a Geschlossene Versammlung der hiesigen Mitglieder Allssemeinen deutschen Arbeiter. Bereis' eine Sonnabend, den». Januar, Abends« IllUi� aus der Marieeninsel..'■ NB. Ich bitte gegen Vorzeigung der Mitglied»�, � recht zahlreich zu erscheinen.___ I. Wilhel��,> Für Fhehol] nlWti Außerordentliche Bersammlungzung der hiesige» Mitglieder de« zwar Allflemelnen deutschen Arbeiler-Bereidtgebei Sonntag, den». Januar, Nachm. 3 Illhge l beim Gastwirth Eggcr« in der Fcldschmiede. e die Tagesordnung:«ritt 1) Abrechnung für Monat December.— 2)ltsterre chiedenes. liese k Ich bitte die Mitglieder, zahlreich zu erscheinen.. I. Alb. z'! Für Hamburg. fceit Allg. deutsch,»er. Metallarbeitersch�ran Versammlung Sonnabend, den 8. Januar, Abend«» 1F bei Herrn Lüder«.„ m __ I. Ros-nbera-�„ �ltustr eilst t-senberg-ff � Für(Elbcrfclil. wegg Allg. deutsche ver. Metattarbeiterschalponn Versammlung uernd Samstag, den 8. Januar, Abends» Ubi be, bei Herrn Petsch, Neustr. Der 16. steckt Für Hamburg. Telegraphische Depeschen während der Generalversammlung tch zweimal erhält Spannagel, RathhauSstraße unter 5. ftliti nm ründi r. gen irfcnl -----*8 di Für Paris. taats Die hicslgcn Lassalteoncr K«' versammeln sich■aa.t jeden Dienstag Abend: Jf''} im deutschen Casino(Harmonie) 64, ms fTa'" ____ boarg St. Martin.___ Druck von R. Bergmann in Berlüi. Veranttvortl. Redakteur u. Verleger W. Grüwelius f!