r. IL Berlin, Mittwoch, Den 26. Januar 1870. Zechster Zahrgang \ n. lrbeiter ervers> StbenW ,$rt8W ng: »erlamiX« j am W b vor;'- :b ersuch! __«J N. nachts Anwng erscheint drei i n g wöchentlich, an» zwar: AbcitMistdjj«. Donnerstags und im San Sonnabends Pbends. Demokrat ng: �- LI' Organ dcr sonal-demokrasischm Parw. Redaktion und Expedition: Berlin, Gitschinerstr. 17. »nnementS- Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vietteljithrlich 16 Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne �Nummern 1 Sgr.; bei den Postämtern in Preußen 16 Sgr., bei den außerpreußischen Postämtern in �Deutschland gleichfalls 16 Sgr.,(56 Kreuzer slldd. Währung.) merer- Bcstellungen werden auswärt« bei allen Postämtern, in Berlin iu der Expedition, sowie bei jedem soliden Spediteur entgegenommen. Inserate(in der Exvedition auszugeben) werden pro viergespaltene Petit-Zeile mit 3 Sgr. berechnet; Arbeiter- Annoncen die Zeile nur 1 Sgr. Agentur für England, die Eolonien, Amerika, Ehina und Japan Mr. A. Dueaing 8 Liule-Newport-Street, Leicester-Squaie. W. C. London. ii ng: Di'r dem I. Januar hat ein neues Biertet st Kaprsabonnement auf den„Social-Demokrat" einsang-sgnnen. Wir ersuchen diejenigen, welche ;__— cht �> abonniren wollen, dies sofort zu thun. UUUUUUXU UJÜUL'Up WltW fUfVI.4 AU UjUU* �bie Bestellungen werden auswärts bei den U-.tämtern, in Berlin bei der Expedition, Git- llrer-'�xrstr. nr uud bei allen soliden Zeitungs- -«".�iteuren gemacht.(Preis vierteljährlich or dem äiDgn neuen Abonnenten wird das Blatt > vas ganze Quartal, vom l. Januar an, ' sistänliig nachgeliefert. r.q- «a ilcr- llniniu» AbcnvS er«. ng: lcrstattU Politischer Cheil. Rundschau. Berlin, 25. Januar. � Der in Bcrlin weilenden Deputation lind»»Istrikeudou Waldenburger ist die nach- Hichte Audienz beim Könige versagt worden, weil --"krer unwohl war. Drr Kronprinz hat die tfl« Miation aber empsangen, jedoch bevauert, aus in n. Vorstellungen nicht eingehen zu können, so ..-z« sich«r König nicht darüber g-äuß-lt habe. ,„,,d vom Handelsminister wurde die Deputalion Balfnti«ianöra und derselben erössnel, daß sich die iierung in den häuslichen Streit der Arbeiter Gennsl Arbeitgeber nicht einmischen könne. Nun, netzt haben wenigstens die unteren Regierungs- oerso�Zlden im Waldenburger Reviere sich durch lbcnds Maßregeln zu Gunsten der Arbeilgeber ver- nis, � ,v», ohne daß höheren OrtS ein Tadel laut �',A,Wrden. Den schlesijchen Arbeitern dient aber � �31 �lich die ganze Waldenburger Strikeangelegenheit eindringlichen Lehre, daß sie sich in Zukunsi Wantibser in die Arme der FortschrittShelven werfen, den dest' etwas erhoffen von einer reacrionären Re- ulpt die-ang. Nur allein in einer festen, gut organi- «cn Arbeiterpartei liegt das Heil der ein- l'®c°I,en Arbeiter. Haben sich derselben, haben sich „S« Allgemeinen deutschen Arbeiter-Ber- s® JCi i die Maffen der Arbeiter erst vollständig an- sioffen, dann ist die Macht des G�ldsacks ge- �--- �hen und nimmer wird wieder ein solcher Jam- st» über den Arbeiterstand losbrechen, wie dieser NMlWMelig«. von unberufenen Händen geleitete und »r de» seinem Ende nahe Waldenburger Strike. 'belter"2m preußischen Abgeordnetenhause ge- Adevjpe gestern ein Gesetzentwurf wegen Aushebung Zalenti»� Schlacht- und Mahlsteuer in 28 kleineren g: idten zur Berathung. Im Lause der Debatte . Bernde noch die Aushebung in 3 weiteren Städten llkus��Otragt und demgemäß beschloffcn, so daß vom '«�uli d. I. in 31 preußischen Städten anstatt "»ndirecten Steuer die direclc Klaffensteuer - 1 tritt. Wiederum ein Beweis von der Frucht- keit der unermüdlichen Agitation der social- »Cl fd. rat■ P�tei, die seit LaffalleS erstem cfi- Pillreten fortwährend die Geißel über das Unrech l indirecten SleuershstemS geschwungen hat. dAm 22. fand die Verurtheilung Roche- tS statt. Zu unserer großen Verwunderung derselbe wegen Aufreizung zur Revolte und mähung des StaatsvdeihaupieS nur mit sechs eü aönnaten Gesängniß unv 3000 FrcS. Geldbuße °->jähc uiokrat� geworden, vor dem sich vaS kaüeilich' währen' ö"Nint nicht mehr zu sürchten braucht? Gleich Wohn�r r'™ Ni>lle>st ausgespielt— die Arbeile Welten sich auch vollständig ruhig an �.age der Verurtheilung— sein Stern ist »nken, seine Feigheit hat sich schon jetzt an ihm - gerächt. Gegen zwei Mitarbeiter an de >alt Marseillaise wurde ebensall« auf sechs Monate und 2000 Frcs. Geldbuße erkannt. >.tä. Prinzessin Peter Bonaparte soll, als Zeu- e)" in dem Prozeffe gegen ihren Mann angerusen, Itheilungen gemacht haben, welche an den Vor- »cht bei dem begangenen Verbrechen kaum mehr >, in ;. Grill einen Zweifel ließen. Es wäre freilich zu ver- wundern, daß gerade die Frau des Verbrechers ver Sache eine solche Wendung gäbe, auf der an- dern Seite ist es auch wieder sehr e klärlick, wenn dieselbe keine Lust bezeigt, sürderhin ihr Leben an der Seite eines Mannes zuzubringen, der'das Dasein seiner Mitmenschen so wenig achtel, wie Peter Napoleon. D.e Arbeitseinstellung in Creuzot in Frank- reich, scheint von der französischen Regierung sehr ernst aufgenommen zu werden. Nachdem der Be- sitzer der großen Werke, der Präsident des gesetz- gebenden Körpers Herr Schneider dorthin gereist, sind sofort 3500 Soldaten nachgesandt worden, doch hat man bis jetzt noch Nichts von einem blutigen Zusammenstoß vernommen. Im Gegensatz zu vielen englischen Arbeitern, die in Shesfielv Verräther an ihren Brüdern geworden, verweigern die franzö- fischen Arbeiter an Stelle der Strikenden trotz des hohen ihnen gebotenen Lohnes in Arbeit zu treten. Dadurch zeigen die französischen Arbeiter wiederum den Geist der Brüderlichkeit und das erwachte Klaffenbewußtsein. Scbon wieder können wir von Arbeiter- unruhen in England berichten, die nach den bis jetzt vorliegenden spärlichen Nachrichten bedeu- tende Dimensionen angenommen haben. In der Nähe von Sheffield wurden am 21. d. M. von den strikenden Gewerkvereinsmitgliedern dreißig Häuser der in Arbeit Getretenen zerstört. Den Polizeibeamten gelang es erst, nachdem sie von ihren Waffen blutigen Gebrauch gemacht, und als die Gewerkvereinler ihren Zweck erreicht hatten, die Ruhe wieder herzustellen. Die Blauen und die Nöthen. Bevor wir dazu übergehen, die Rede Jacoby'S wiederzugeben, wollen wir noch den Bericht der Zeitung„Die Post", Organs deS Großspekulan- ten Dr. StrouSberg, hierhersetzen, als Beweis da- für, in welcher Weise diese Leute eine ernste Sache behandeln. Daö Spekulantenblatt berichtet, stellenweise allerdings ergötzlich, wie folgt: „Sieg! Sieg! Berlin gehört nn«!" funkte der Tele- graph in der vorigen Nacht in alle focial-demokratischen Gegenden hinaus; Viktoria! der Hauptmann hat seine erste Schlacht gewonnen! Nicht nur die Fortschrittspartei, nein auch die Vollsparrei liegt zerschmettert den Lasialle- anern vor den Füßen und streckt um Gnade flehend die Hände au«, daß der großmllthige Feind den Ueberwun- denen seiner social-demokratischen Gnade theilhastig wer- den lasse und ihn ausnehme in das allein scligmachende Reich de« gewaltthätigen Kommunismus. Der Schau- platz des mächtigen Ringens war der Saal des neuen Geselllchastshauses auf dem Köpenicker Felde, dasselbe Terrain, das vor acht Tagen noch den AuSerwähltcn de« Allg. deutsch. Arb.-VcreinS als Arena ihres Gladia- torenkampfeS gegen die Diktatur ihre« Präsidenten diente; e« mar also doppelte Ehrensache für die Schweitzer'schen Mannen, den Platz zu behaupten, und deshalb ward Tölcke nicht sür würdig befunden, die Schaaren zu diri> giren.— Schweitzer selbst stellte sich an ihre Spitze, seuerte mit seinem social-demokratischen Blicke die er- probten Würgeengel zu erhöhter Energie, die Neulinge zum Thatendranze an. Die Physiognomie des Schlacht- selbes ließ schon vor Beginn de« Kampse« das Schlimmste ahnen; vorsorglich hatte der gesetzmäßige Eigcnthümer desselben, der Einsige in Berlin, der es wagt, seine Domäne von Zeit zu Zeit den Lassalleanern leihweise in Kollektivbenutzung zu geben, alles entfernen lasten, was den„Mannen" zur Waste hätte dienen können; kein einziges Stuhlbein, kein Tisch war in dem öden Räume zu erblicken, nur eine niedrige Pritsche zeigte an, von welchem Orte das Signal zur Schlacht gegeben werden sollte; jede« Gesuch um Beihülse zur Niederlassung wie« der Wirth mit den Worten ab:„Es wird ja doch nischt mit die Versammlung." Die Auguren der beide» feiudlichen Lager blickien sich, wie echte Recken der Vor- Zeit, lange vor Eröffnung der Schlacht, freimüthig m da« ofse-,e Visit; Schweitzer legte Herrn Langerhan« unumwunden seinen Feldzug bar, denn er war im vor- au« seines Sieges gewiß; die Grundzüge lauteten: ent weder>ch führe auf Grund de» demokratischen Prinzips den Borfitz, oder die schwiele Faust schlägt drein! Dieser kategorifti ten Forderung gegenüber verschanzte sich vr. Langerhans hinier seinem bisher ohne Murren anei kann- ten guten Reckt; von dem souveränen Volk, freilich aus ind rcclem Wege, zum Vorsitzenden de« zweiten Land- tagSwahlbezirk« erwählt, werde er auch heute diese« Recht versechten. Gut, so s-chten wir! Und mit cordialem Händedi uck, aber Wiith im Herzen, trennten sich die bei- id.-n Recken, auf verschiedenen Wegen der voreiwähnlen Pritsche zusteuernd, deren Besitz den Preis des Abends bildet. Noch einmal versucht Schweitzer iu seiner bekannten HerzenSgüte den Gegner gemüthlich von der Pritsche zu stoßen, vr. Langsrhans besteht auf seinem Rechte. In diesem Augenblicke erscheint auf dem Plane das große Schweigen des Abgeordnetenhauses, das voi seinem politischen Antipoden Wagner nur das Eine vor- au» hat, daß er bei jedem Namensaufruf sein„Hier" ertönen läßt, während die parlamentarische Wirksamkeit beider, bi« auf den Bezug der Diäten, sich die Waage hält. Seine Freunde, die vereinigten Fortschrittler und Volksparteiler, brechen in ein krampshaste»„Jacoby Hoch!" aus, da» sofort in einem„Schweitzer soll leben!" sein Echo findet; darein mischen sich jedoch unlautere Elemente, mehrere FortschriltSkehlen brüllen mit, denn sie wissen gar nicht, wer eigentlich leben soll, und um die Reinheit der Stimmung zu bewahren, braust ein zweiles„Schweitzer soll leben!" durch den Saal. Mittler- weile ist die Temperatur die geeignete zum Beginn der Schlacht geworden, die Ausdünstungen von mehr als 2000 aus einen engen Raum eingepserchten Menschen, der üble Duft von ebenso vielen scheußlichen Knaballero«, der sich in phantastischen Gestalten von der Decke ablöst und wie ein Vaniphr auf die Menge herabsinkt, machen das Athmen fast zur Unmöglichkeit, der Augenblick ist gekommen, die Zunqendrescherei geht los. vr. Langer- han« greift mit olympischer Ruhe äußerlich, aber pochen- den Herzens, da« Zeichen der Präsidentenwürde, die Glocke, und läutet die Veisammlung ein; Schweitzer ist Ihm jedoch scharf aus den Fe sen und fordert,»och ehe Jener ein Won hcrvorächzen kann, zur Geschäftsordnung eine Spench. Die Ansicht der Einberufer der Versammlung, daß�sie allein hier zu commaudiren haben, ist nicht richtig! Oho! tönt es zurück; schmeißt Schweitzer raus, er hat hier gar nichts;u sagen,>vir sind hier die Herren! Aber Schweitzer weicht nicht einen Schritt zurück; eine kleine Pause, in welcher sich die losgelassenen Massen von dem ersten Anprall verschnaufen, genügt ihm, um wieder zu Worte zu kommen. Er beruft sich auf da« demokratische Princip, daß in einer allgemeinen Versammlung der Vorfitzende jedesmal gewählt werben müsse; wäre eine Parteiversammlung ein- berufen worden, so hätlen„wir" nn« nicht einzumischen. „Bravo!" echot es von der einen Seite,„Faul!" von der andern Seite zurück. Der große Jacoby, heut sichtlich zum Reden disponirt, will die Gemüther ver- söhnen, er weist aus seine persönliche Bekanntschaft mit Lassalle hin und bittet Herrn v. Schweitzer, deshalb von dem Commaudo abzustehen, er werde dann auch etwa« recht Schöne« und FunkeliiagelneueS über die sociale Frage zum Besten geben. Darauf fallen wir nicht rein, en.gegnel ihm Schweitzer, wir wollen wählen, wir wollen un« keine Meinung, nicht einmal einen Vorsitzenden auf- octroqiren lassen, lieber kann die Versammlung resultat- lo« verlaufen; entweder wählen, oder nicht reden. Wieder schlagen die Wellen der erregten Stimmung zusammen, minutenlanges Kreischen und Johlen erschüttert die Lust dann verzichtet vr. Langerhan« auf sein angebliche« Recht und stellt die Prästdcnlenfraqe der Entscheidung der Versammlung anheim. Da« ist aber durchaus nicht nach den Intentionen feiner Freunde, die ihn darob in den unparlamentarischsten Ausdiücken interpelliren; Jacoby wird aufgesordert, nicht zu strecken, lehnt dies Ersuchen aber höflichst ab, denn die Rede sei einmal fix und fertig da und müsse unter allen Umständen an den Mann ge- bracht werden. Achsclzuckenv zeigt er aus das in seinem Hute ruhende voluminöse Manuscript. Nun bleibt frei lich Nichts weiter übrig als die Wahl, au« der Schweitzer mit imposanter Majorität hervorgeht. Die Gegner bc- haupteu wuthcntbraunt, die„Mannen" hätten bei der Abstimmung beide Acrme emporgereckt und in vt.len Fällen mag da« begründet sein; allein kann man es den wie Halingen eingepökelten Leuten verargen, wenn sie die günstige Gelegenheit benutzen, um auf einen Augen« blick die Arme vom Leibe loSiukriegeu? Gcw.ß nicht! Beschämt drücke sich der Herr vr. Langerhans, mit ihm ein Theil seiner Gesinnuiigsgenossen, darunter der zweite Ab geordn.le des WahlbeziikS, innerlich frohlockend, auf so leichte Weise dem gesürchleten Rechenschaftsbericht zu entgehen; auch Jacoby greisl resignirt nach seiuem Hute, aber nur, »m da« Manuscript herauszulangen. Uno nun hält der große Mann seine Rede. Er entpuppt sich als Eom munist, aber a>S einer jener zahmen Sorte, die sich der sonderbaren Idee hingiebt, die Befitzenden würden gut willig und aus freien Stücken auf ihren Besitz verzichten, den sie auf zierlichem Präsentirbrelt den„Arbeiter- batailloncn" zum Frühstück anbieten, guten Appetit wünschend und sich die Hände reibend vor Wonne, daß ihr saurir Schweiß den catilinarischcn Existenzen so treff lich mundet. Und hätte er damit wenigsten» den Dank des Auditoriums geerntet! Die Schweitzerianer sind an derbere Kost gewöhnt; sie laben ihien Gaumen an Kümmel und Weißbier, sie sind nicht empfänglich für die un- gewohule Relation mit Stcinwein und Champagner— sie verachteten die philosophischen Phrasen ihre» einst so vergötterten Deputirteu. Der Mann war groß, wie er dastand inmitten der ihn umbrausenden Rufe nach Schluß seiner Rede, vermischt mit den Krasiausdrückeu: Maul halten! Faule Geschichten-c., ruhig ein Blatt des ManuscriplS nach dem andern au« dem Hute ziehend Auch nicht ei» Wort der Rede schenkte er der Versammlung. So stirbt ein Held!— Und al« er geendet, da donnerte-Schweitzer all' seine social-demokratischen Ju-j piterdonnerkeile auf da« unglückliche Haupt herab. Der verbliebene Rest der Fortschritte Partei empört sich dage- gen, wird jedoch von den Schweitzer'schcn Ordnung«- Mannschaften brevi manu an die kalte Winterluft gesetzt. Krieg! Krieg! donnert unterdessen Säiweitzer weiter unter dem BeisallSgejohle der„Mannen", Krieg vi« ans'« Messer gegen das nichtswürdige Capital, keine Jacoby'sche Versöhnung. Jacoby steigt herab von der Rednerbühnc, die er wohl nimmer wieder betreten wird. Seine Freunde nehmen ihn in Empfang und r cortiren ihn feierlich hinaus aus dem Kampfgewllhl. Aber der gefallenen Größe fehlt es an Anerkennung nicht. L üb kert, der Zimmermann, Zielowsky, der Schuster, Kapell, der Zimmerer, hänfen Lorbeeren auf den Tapfe- ren, der Stand hielt voe den Gegnern und nicht feige davonlicf wie die Entwaffner im Concerthause, verwah- ren sich jedoch auf's Entschiedenste vor jeder Gemein- schaft mit den lumpigen liveral.-n Blättern, dem Lite- ratenheldenpark, den wissenschaftlichen Kunststücken und wa« derlei social-demokratische Krastausdrücke mehr sind. Da plötzlich Rrrr! ein ander Bild! die Waldenburger marschiren mit Sack und Pack auf! Man kann sich den- ken, wa« sich die Gegner dabei sür Liebenswürdigkeiten an den Kopf warfen, die jedoch nicht auf das Porte- monnaie einwirkten, als es zur Samnilung für die Stri- kenden kam.— Da« war der Verlans der Bersamm- lung des zweiten Berliner Wahlbezirks, welche die Agi- tation sür die nächsten Wahlen einleiten sollte. Der be- voistehcude Wahlkampf verspricht interessanter wie alle vorhergehenden zu werden. WaS nun die Rebe Jacoby'S selbst betr sit, so sei zunächst bemerkt, daß dieselbe daS Motto trägt: „Die Menschen sollen nicht Herren und Knechte fein, denn alle Menschen sind zur Freiheit ge- boren. Abraham Lincoln." Nack einer allgemeinen Einleitung an die Wähler beginnt die Rede wie folgt: Einer der größten Denker des Alterthnms, Aristo« tele«, theilt das ganze Menschengeschlecht in zwei Klassen: in freie Menschen und Sklavennalurcn. Die Hellenen, behauptet er, seien vermöge ihrer freien Natur berufen, über andere Völker zu herrschen, die barbarischen Racen dagegen zum Beherrschtwcrden uns zu Sklaven- dienstcn geeignet. Sklaverei aber nnd Sklavenarbeit erklärt er für eine sociale Nothwendigkeit, sür die unentbehrliche materielle Grundlage des Staate« und der Gesellschaft; denn— müßten die freien Bürger selbst die zu ihrem Lebensunterhalte erforderliche Aibeit ver- richten, woher sollte ihnen Lust und Muße kommen, den Geist zu bilden und die Staatsgeschäste zu besorgen? Und doch, meine Herren, finden wir gerade bei Aristo- tele« eine merkwürdige Aeußeruug über die Denkbarkeit ein:» GesellschastSzustandcs ohne Sklaverei!„Wenn" — sagt er—„ein nn beseelte» Arbeitszeug im Stande wäre, die Dienste de» Sklaven zu leisten, wenn jede« Werkzeug auf Befehl oder gar den Befehl voran«- ahnend— das ihm zukommende Werk verrichten könnte, wie das— der Sage nach— die Statuen de« Däda- lu« thaten oder die dreisüßigen Tische des Hephaestus, von denen Homer erzählt, daß sie „„aus eigenem Trieb in den Saal-ingingen der Götter,""— ivenn ebenso die Weberschiffe webten, nnd die Schlägel der Zitherspieler von selbst die Zither schlügen, — dann freilich brauchten weder die Werk- meister Gehülsen, noch die Herren Sklaven." Nun, Sie wissen Alle, da» hie- geschilderte Wunder hat sich zum großen Theil verwirklicht— und zivar ohne Hülse der Gölter aus die natürlichste Art von der Welt, durch Einsicht in die Naturgesetze und Anspan- nung der Namrkräfte: wa« einst dem Weisesten der Griechen unmöglich schien, vollzieht sich tagtäglich vor unfern Augen. Wie aber hat das Wunder gewirkt? Ist der Erfolg eingetreten, den sich Aristoteles davrn versprach? Die Erfahrung lehrt, daß durch die groß- a-tigen mechanischen Eifindungen unserer Zeit der Nationalreichthum inaßlos gest.egen, da« mühselige kum- mervolle Loo« der arbeitenden Klaffen aber nicht« we- niger als erleichtert ist. Lassen Sie uns einmal— der nun gewonnenen Erfahrung gemäß— den Aristotelischen Phautasietraum weiter ausführen! Nehmen mir an, in einer spälern Zukunft de« Menschengeschlecht« wäre aller Grund und Boden aus dem Ecdrund in Sonderbesitz überge- gangen und der Mensch durch die Forlschriite des Wissens zur unbeschränkten Herrschast über die Natur gelangt. Die Erfindungen der M-chunik hätien sich derart ver- vollkommnet, daß die Maschinen selbst mittelst Maschinen angefertigt und dedient würden, alle Physische Menschen- arbeit also entbehrlich oder doch da« Bedürsniß derselben auf ein verschwindend kleine« Maß herabgesetzt wäre. Wa» wird die Folge eine« solchen Zustande« de Ding- sein? Natürlich würde dann— vermöge der Anziehungskraft, welche das größere Capital aus das klei- nere ausübt— eine verhällnißmäßig geringe Zahl ver- mögender Leute sich in dem ausschließlichen Besitze aller Maschinen uud sonstigen Aibeitömittel befinden; diesen Wenigen allein würde das Gesammtcinkommen des Lande«, alle znni Lebensbcdarf und Lebensgenuß er- forderlichen Güter zufallen,— und zwar—»ach der jetzt gangbaren Anschauungsweise— von Rechtswegen. Was aber wird unter solchen Umständen— bei der völligen Entwerthung menschlicher Arbeitskraft— aus der besitzlosen Masse de» Arbeiter-Proletariats? Wenn nicht die Mildthätigkeit der Capitalbesitzer ihnen da« Gnadenbrod reichte, wa» bliebe den Unglücklichen Ande- res übrig als— entweder Hungers zu sterben, oder— die bestehenden WirthschastS- und Eigen« thums-Verhältllisse— sei es durch List, sei es durch Gewalt— zu ihren Gunsten umzugestalten? Man wird sagen, dies sei ein leeres utopisches Schreck bild— ein derartiger Gefellschaftszustand«erde nun und nimmermehr eintreten. Ich gebe es zu,— nicht etwa weil die Sache an sich undenkbar ist, sondern weil Vernunft ge Menschen es unmöglich so weit werden kom- men lassen. Können wir un» aber verhehlen, daß unser jetzige«— aus Eapitalherrschaft und Lohnarbeit begründetes Gesellschaftsleben in einer Richtung vor- schreitet, die— fall« sie ungeündert fortdauert— uns mit jedem neuen Tage dem eben geschilderten Social- zustande näher bringt? Müssen wir es uns nicht gestehen, daß schon jetzt die Bertheilung de« Gesammt- einlommens des Landes in einer Weise erfolgt, die we- nigstenS einen Theil de« Arbeiter-ProletariatS dem geschilderten Nolhstande preiSgiebt? Bei solcher Lage der Dinge wird e» für jeden guten und denkenden Menschen zur unabweisbaren Pflicht, sich die Frage vorzulegen: Wie sind die gegenwärtigen wirthschafllichen und gesellschaftlichen Verhältnisse umzugestalten, damit eine gleichmäßigere Verthei.lung des VolkSeinkom- mens erzielt und der von Tag zu Tag sich steigern- den Arbeiter-Noth abgeholfen werde? Die AuSsllhrung darüber, daß heutzutage der Vortheil der Maschinen nicht der Gesammtheit zu Gute kommt, sondern im Gegentheil die Lage der Arbeiter verschlimmert— die Ausführung hierüber ist sehr gut und vollständig socialisttsch. Um so mehr muß man sich wundern, daß am Schluß nur die Frage aufgeworfen wird, was man zu thun habe, um„eine gleichmäßigere Vertheilung des Volkseinkommens" herbeizuführen. Welche Halbheit! Eine gleichmäßigere Vertheilung des Volkseinkommens läßt immer noch Platz für Aus- beutung. Es handelt sich aber darum, daß die Ausbeutung mit Stumpf und Stiel auSge- rottet werden soll. DaS ist das Schlimmste bei allen Halbsocialisten: daß sie erst, ebenso wie die ganzen Social>sten, die heutigen Zustände ver- dämmen, dann aber, wenn es gilt, das Princip des Neuen aufzustellen, vom Alten nicht loskommen können, fondern vermitteln wollen. Es handelt sich nicht darum, eine gleichmäßigere Vertheilung des Volkseinkommens herbeizuführen, sondern j°de Ausbeutung unmöglich zu machen, die ganze Ver- theilung des„ArbeiiSerlrageS" unter die Arbei- tendcn herbeizuführen. Die Rede fährt fort: Fassen wir die Aufgabe, um deren Lösung es sich handelt, näher in's Auge! Zwei Grundzüge sind es, die unsere heutigen Wirlhschaftsverhältnisse kennzeichnen und von denen der Vergangenheit unterscheiden: Das Lohnarbeitssystem und der Großgewer- bebetrieb. Rebner gibt nun die bekannte Ausführung, daß früher das Volk gesetzlich, kraft ausdrücklicher Rechtsverhältnisse, ausgebeutet wurde, während dies heule durch die Macht der thatsächlichen gesell- schastlichen Verhältnisse geschieht. Schließlich wird die vorliegende Frage wie folgt „begrenzt" und beantwortet: Wie ist— ohne Beschränkung der Arbeitsfreiheit und ohne Beeinträchtigung des durch die Großpro- duction gewonnenen Kultursortschritt»— eine gleich- mäßigere, dem Interesse Aller entsprechende V er t hei- lnng de« Volkseinkommen« zu erzielen: Die Antwort kann— für uns wenigsten«— nicht zweisclhast sein; es gibt nur ein Mittel, da« zum Ziele führt: Abschaffung des Lohnsystem s und Ersatz des selbe durch geuosseuschaftlichc Arbeit. Nunmehr sollte man freilich glauben, daß Ja- coby ein ganzer Socialist sei; er spricht ja das volle Princip auS: Abschaffung der Lohnarbeit. Aber abgesehen vavon, daß er dieS, wie wir später zeigen werden, blos scheinbar thut, kommt es nicht nur darauf an, daß man taS Princip ganz und voll verkünde, sondern auch darauf, daß man zu- gleich den vom Princip selbst vorgezeichneten prak- tischen Weg zur Ausführung entschlossen betone. DaS. ur macht den ganzen Socialisten: Sehen wir zu, ob Herr Jacoby ein ganzer Socialist ist! Er fährt fort: Wer für die Zeichen der Zeit ein offenes Auge hat, wird nicht verkennen, daß hiermit der Gedanke ausge- sprachen ist, welcher— mehr oder minder bewußt— der in allen Ländern Europa'« sich kundgebenden Ar- beilerbewegung zu Grunde liegt. Wie Sklaverei, Letbtigenichast— einst auch-ine„not hw endige" sociale Einrichtung— überall zuletzt der Lohnarbeit weichen mußten, so bereitet sich in unseren Tagen eine Umgestaltung ähnlicher Art und von nicht geringerer Wichligken vor: der Uebergang vomLohnarbeitSsystem zur freien gleichberechtigten GenossenschastSarbeit. Nur darum handelt es sich, daß die Umwandlung ans möglichst sriedlichem Wege von Statten gehe; die» aber kann nicht anders geschehen als durch einmlllhigeS Zusammenwirken aller'daber betheiligten so- cialen Kräfte. Da haben wir'S:„Durch das Zusammenwirken aller dabei belheiligten socialen Kräfte soll es geschehen". Nein! Durch die Arbeiter allein nur kann es geschehen. Auch wenn der nolhwen- dige Kampf ein gesetzlicher bleibt, können die be« rechtigten Forderungen der Arbeiterklasse nur durch Zwang durchgesetzt werden; niemals ist ein Zusammenwirken der Arbeiter mit den Be- sitzenden möglich. Die Forderung, die Kapitalisten sollten mitwirken, sich selbst abzusetzen, ist eine von vorn herein unsinnige. Wohl ist es denkbar, daß ein einzelner Kapitalist da und dort mit der „Gleichheit" Ernst zu machen gesonnen wäre; so lange aber die Menschen Menschen bleiben, wird die Kapitalistenklasse in ihrer Gesammtheit mit aller Kraft an ihrem Vorrechte festhalten. Wer was anders sagt, der predigt tauben Ohren und kann sich die Mühe vollständig sparen. Es ist genau dasselbe, als wolle man vor die europäischen Kaiser und Könige treten und ihnen sagen:„Seid so gut, von Euren Thronen herabzusteigen und die europäische Republik zu prcclamiren." Daher muß sich die Arbeiterklasse darüber klar sein, daß Zwang noth thut; dieser Zwang braucht kein äußerlich gewaltsamer mit Barrikaden oder Heu- gabeln zu sein; er kann ein auf dem Boden deS Gesetzes, durch die Handhabe des allgemeinen Stimmrechts sich entwickelnder sein; aber Zwang auf jeden Fall; Krieg unter allen Um- ständen. Der Redner fährt fort: Die Frage, die uns beschäftigt, wird schließlich daher so zu fassen sein: Was hat der Arbeiter, was der kapitalbesitzende Ar- beitgeber, was endlich der Staat zu thun, um den bereit« begonnenen Uebergang zur genossen- schaftlichen Produktionsweise zu sördern und aus eine dem Gemeinwesen heilsame Art zu Ende zu führen? Es wird sich zeigen, daß— zur Beantwortung dieser Frage— wir nichts weiter zu thun brauchen als die vor unseren Augen sich vollziehenden Thatsachen zu- sammtnznsteUen,— ein deutlicher Beweis dafür, daß die Gegenwatt sich bereits inmitten de« socialen Um- bildungsprozesses befindet. 1) Was zunächst den Arbeiter selbst betrifft, so wird es vor Allem daraus ankommen, daß er seiner Lage silb klar bewußt werde, uud daß er die— ihm innewohnende edlere Natur des Menschen erkennen und achten lerne. Revner zeigt nun, daß das eherne Lohngesetz in der That vorhanden sei. Hierauf giebl Redner den bekannten Nachweis, wie die Großindustrie gcnölhigt ist, die Arbeiter in Centralpunkicn zu vereinigen und dadurch die Verständigung und das Zusammenwirken derselben zu erleichtern, kurz, den Feind im eigenen Lager großzuziehen. Er zeigt zugleich, wie hier der für die Gestaltungen der Zukunft erforderliche ge- nossenschaftliche Geist erwachen muß, und schließt mit dem Satze:„Di- Gründung de« kleinsten Arbeitervereins wird für den künftigen Kuiturhistoriker von größerem Werth sein als— der Schlachttag von Sadowa." Die Rede lautet dann weiter wie folgt: Gehen wir zur zweiten Frage über. 2) Was hat der Arbeitgeber, der capitalbesitzende Unternehmer zu thun? Die Forderung, die wir an ihn stellen, geht einfach dahin, daß er in jedem Arbeiter den Menschen achte, daß er den Lohnarbeiter, den er beschäftigt, als ein— ihm völlig ebenbürtiges Wesen, als seines Gleichen anerkenne und behandle.— Wir haben oben schon bemerkt, daß eS gänzlich widersinnig ist, von der Klasse der C»pilaUsten derlei zu fordern: sie wird und muß dafür in Ewigkeit taube Ohren haben. Es kommen nun AuSsührungen über Selbst- sucht und dergleichen, wobei aber die Hauptsache vergessen ist, daß nemlich die Selbstsucht der Ca- pilalisten nolhwendig aus den Verhältnissen hervor- geht und daher nur mit diesen Verhältnissen selbst zu beseitigen ist. Würde Redner das, was er jetzt weiter vorbringt, den Arbeitern sagen, so wäre eS ganz gut; aber er sagt eS den Capita» listen und diese lachen ihn auS. Denn wenn eS auch noch so richtig ist, diese Herren werden sich hüten, eS anzuerkennen, weil sie sonst auf das angenehme Vorrecht verzichten müßten, die Ar- betlekrasl Anderer auszubeuten. Der Rebner sagt nemlich nunmehr: Es gab eine Zeit— die Aelteren unter Ihnen wer- den sich dessen erinnern—, da man Jeden, der da« Recht deS atsolmen Regiments in Zweifel zog, für einen Rebellen erklärte. Ein ähntiche« Mißgeschick trifft heutzutage den, der an der„Kette der wirthichasr- lichen Erscheinungen" zu rütteln wagt. Versuchen Sie es einmal, da« Vorrecht der besitzenden Klassen, den Macht- Mißbrauch de» Großkapitals, das herrschende Borg- und Kiedit- System anzugrclsen oder auch nur von einer„gleichmäßigeren Vertheilung der materiellen Güter" zu sprechen,— und sofort wird man in gewissen Kreisen Sie als einen Feind aller gesellschastlichen Ord- nung, als socialen Ketzer und Communisten ver- dämmen. Da» soll uns aber nicht abhatten, offen und seel die Wahrheit anzuerkennen, daß— alles individuelle Eigenthum— materielle» nicht minder als geistiges — zugleich ein Gemeingut der Gesellschaft ist. Wie der Mensch selbst, so hat auch jegliches Eigen- thum de« Menschen— außer der besonderen Seile, die es zum Privatbesitz eine« Einzelneu macht,— noch eine allgemeine, universelle Seite, welche der Gesammt- heit begründeten Anspruch daiaus giebl. Daß Staat und Gemeinde von dem Vermögen jedes Bürgers Steuern und Abgaben erheben, daß Gesetze die ireie Versügung de« Einzelnen über sein Eigenthum beschrän- keu, da« findet Jedermann in der Ordnung. Hat aber — fragen wir— der Besitzende nicht noch andere Pflichten als die, welche da« Slaalsgesey vorschreibt und nölhigensalls erzwingt? Hat er nicht--- so gut wie gegen Familie, Gemeinde und Staat— auch Pflichten gegen die Gesellschaft? Wa» der einzelne Mensch an Hab' und Gut, au beweglichem und unbeweglichem Eigcnlhum besitzt,— ist es etwa lediglich das Etzengniß seiner eigenen Thätigkeit? Verdankt er es uicht zum bei weitem größten Theil dem Milwiiten Anderer, der gemeinsamen, gesellschaftlichen Arbeit der vor uud mit ihm lebenden Menschen? Und— wie der Einzelne nur durch Beistand und Hülse Anderer die Früchte desselbm genießen: nur in der Gesellschaft hat da« Eigeinhum Werth, nur in der Gesellschaft kann der Mensch seine« Eigenchum« froh werden. Mora« tische Pflicht jedes Besitzenden ist es daher, von seinem Bermögea einen solchen Gebrauch zu mache», daß e« nicht btos ihm selbst, sondetti auch der Gesammtheit, msbesondire den minder günstig gestellten Milmeujchcn zu Gute kommt: „Reichihllmer sind Gemeingut, wosern sie der Gute besitzt."— Di» Rede steht jetzt an einer Hauptfrage und nun muß eS sich wiederum zeigen, ob Jacoby wirklich ein Socialist ist oder nicht. Haben wir also acht! Die Rede fährt fort: 3) Was muß von Seiten de« Staate« geschehen, um eine friedliche Lösung der Arbeiterfrage zu erzielen? Die neue Verfassung des Kanton« Zürich vom 18. April v. I. giebt hierauf folgende Antwort: Art. L3.„Der Staat fördert und erleichtert die Eutwickelunng des auf Selbsthülfe beruhenden Ge- nossenschastswesen«. Er erläßt auf dem Wege der Gesetzgebung die zum Schutze der Arbeiter nöthigeu Bestimmungen." Art. 24.„Er errichtet— zur Hebung des all- gemeinen Kreditwesens beförderlich— eine Kattonal- bank." Die ursprüngliche Fassung der Vorlage ist noch be- stimmter; sie lautet: A rt. 23.„Es ist Aufgabe de» Staats, das Wohl der arbeitenden Klasse, sowie die freie Eulwickelung de« GenossenschastsweseuS zu schützen und zu fördern." Art. 24(wie oben). „Schutz" und„Förderung"— in diesen zwei Worten ist der Zweck der großen Genossenschast, die wir Staat nennen, klar und scharf ausgesprochen. Was aber ist unter Staatsschutz und Staatssörderung zu»erstehen? Auch der Despot nennt sich Schutz- und Schirmherr de» Volkes, und Krieg wird als FörderungS- mittel der Civilisation gepriesen; vera rerurn vocabula amisimus, die wahren Namen der Dinge sind nus ab- handen gekommen. Um so mehr thut es Roth, zu sagen, welchen Sinn man mit den Worten verbindet. „StaatSschutz" ist uns die Pflicht der zn einem Staate vereinten Gesammtheit, jeden Einzelnen in der freien Entwickelung und Bethätigung seiner Kräfte zu schützen, scweit dadurch nicht der gleichen Freiheil Anderer Eintrag geschieht. Mit dem bloßen Schutze ist jedoch die staatliche Auf- gäbe nicht erschöpft, wenngleich manche Politiker sie darauf beschränken wollen:— die gegenseitige Förde« rung der Staatsangehörigen muß nothweudig hinzu- kommen. Unter„Staatsförderung" verstehen wir die Pflicht der Gesammtheit, mit ihren Mitteln überall da helfend einzutreten, wo die Selbstsorge de« Ein- zelnen nicht ausreicht, ihm ein meufcheuwürdiges Da- sein zu verschaffen. Wie der StaatSschutz dem Grundsatze der Frei- heit,— die Staatssörderung dem Grundsatze der Brüderlichkeit entspricht, so wird dadurch, daß Schutz und Förderung Jedermann gleichmäßig— je nach sei- nem Bedürsniß— zu Theil wird, dem Grundsatze der Gleichheit genügt. Sie seh?tl, meine Herren! die hier aufgestellte Lehre vom Staatszwecke ist ganz tieselbe, welche bei einer früheren Gelegenheit ich in der Formel zusammeusaßtc: Jeder für Alle— da» ist Menschenpslich t; Alle für Jeden— das ist Menschenrecht!— Wie aber? so könnte man fragen— nenn Schutz und Förderung von Seiten des Staats Jedem gleich- mäßig zu Theil werden soll, warum ist„die arbei- tende Klasse" in dem Artikel der Zürcher Verfassung besonders hervorgehoben? Soll etwa der Arbeiterstand vom Staate bevorzugt, auf Kosten der anderen gefördert werden? So berechtigt im ersten Auqenblick der Einwand scheint, einer näheren Prüfung hält er nicht Stand. Zunächst erwäge man, daß die Gleichheit Aller nur darin besteht, daß Jeder—„je nach seinem Bedllrf- niß"— geschützt und gefördert werde,— und wer kann läugnen, daß zur Zeit gerade der Lohnarbeiter es ist, der zumeist de« Schutzes und der Förderung bedarf? Allein— ganz abgesehen von der größeren Bedürf- tigkeit— Kitt hier noch ein anderer Umstand hinzu, der — für die Gegenwart wie jür die nächste Zukunft— eine ganz besondere Beachtung des Arbeiterstande« von Seiten de« Staat» zu einer Forderung der au«- gleichenden, versöhnenden Gerechtigkeit macht. Sie brauchen sich nur die Entstehung dessen, wa» man gewöhnlich„Kapital" nennt, zu veegegenwärti- gen— und sofort wird Ihnen klar werden, wa» ich meine. Wie verschieden die Begriffserklärunge» von„Kapi- tal" lauten, darin stimmen alle überein, daß es vorge- thane, angesammelte, zu prodnctiven Zwecken verwend- bore Arbeit ist. Wer aber— fragen wir— hat die Arbeit geleistet? Etwa Diejenigen, in deren Händen sich das Kapital befindet? Verdankt der Fabrikant, der Kauf- Herr, der Großgrundbesitzer seinen Reichthum au aufge- häuiter Arbeit nur der eigenen Thätigkeit und dem Fleiße seiner Voreltern? Ist dagegen der Kapital- Mangel, die Armulh de« Arbeiterprolelariat« lediglich eine Folge der eigenen und der Väter Verschuldung? Niemand wird die» behaupten wollen. Wenn aber die bestehende BermögenS-Ungleichheit nicht lediglich die Wir- kuna des wir th jch astlichen Verhallen» der Besitzen- den und des unwirthschastlichen Treibens der besitz. losen Klasse ist,— welcher anderen Ursache ist die lln- gleichheit zuzuschreiben? Woher kommt es, daß da« Kapi- tal sich je länger je mehr in den Händen einer kleineu Minderheit ansammelt,- während die Masse der Lohn- arbeiter— tro'' ihres Fleißes— kaum de« Leibe» Roth- dnrst besriedigen kann? Offenbar kann der Grund in nichts Anderem liegen, als- m der dem Maße der Arbeitsleistung nicht entsprechenden, also unge- rechten Vertheilung de» Arbeitse-ttrag es. Hören Sie, wie ei. er der berühmtesten Nationaläko- nomen Englands sich hierüber ausspricht: „Das Pivdukt der Arbeit"— sagt Stuart Mill —„vertbeilt sich heutzutage fast im umgekehrten Berhältniß zur Arbeitsleistung: Der größte Antheil fällt Denen zu, die überhaupt nie arbeiten, der nächst- größte Denen, deren Arbeit fast nur nominell ist, und so— auf absteigender Skaia— schrumpft die Be- lohnung zusammen, im Maße, wie die Arbeit härter und unangenehmer wird, bis endlich die ermüdendste und ausreibeudste körperliche Arbeit kaum mit Sicher- heit auch nur aus Erwerbung des nolhwendigsten Le- benSdedars rechnen kann."— Wir wollen nicht untersuchen, durch welche Verket- tung geschichtlicher Umstände der Arbeiter nach und nach von seinen Arbeitsmitteln getrennt und das gegenwär- tige Mißverhältnlß zwischen Leistung und Loh» her- beigcführt worden; hier handelt es sich mir um die Frage: Was hat der Staat gethan, eine gerechtere Ver- theilung de» Arbeitsertrages zu erzielen? Hat er— durch Gesetze oder sonstige Einrichtungen— auch nur den Versuch gemacht, den Arbeiter gegen die U-ber- macht des Kapitals zu schützen und der von Tag zu Tag wachsenden socialen Ungleichheit Schranken zn setzen? Mau prüfe die Geschichte sämmtlicher Staaten, uud man wird finden: Bis auf die neueste Zeit i£? � Richtung so gut wie Nichts geschehen. Adel, Geistlichkeit und höherer haben Jahrhunderte lang— nach einander"«P. ander— einen fast ausschließlichen Einfliii 1' öffentlichen Angelegenheiten geübt, sie haben stand genommen, Macht und Mittel des S4, 8*° Allen gleich zu Gute kommen sollten, für sii"1; r" Sonderinteresse auszubeuten. Die Gesetzge?". � i — weit entfernt, beim wirthschaftlichen Wetldn» 1° und Sonne gleich zu theilen, hat— durch' von Vorrechten auf der einen, durch Freihei»-Ulan st kung auf der andern Seite— wesentlich dtf es gm, tragen, die sociale Kluft zwischen der besitze»«, da geh nichtbesitzenden Klasse zu erweitern unl! kann sii festigen.:schiedener Wie kann man es da den Männern der»„Der Z denken, daß sie nunmehr, zum Bewuß sein'�editmittel und ihrer Macht gelangt, gerade von Seiten � teS eine ganz besondere Beachtung ihrer" Denn' hintenangesetzten Interessen in Anspruch uelstÄ». in dem Zürcher Verfassungsartitel den t e,runä vorzugswesse StaatSschutz und StaatSsörderubi�»ichtS. wird, so ist dies kemeswegs al» eine Kerütiinvunf Gleichheitsprinzips anzusehen. Nicht darit die Fra, es sich— wie ängstliche Gemllther befürchl> Nunmeh mittellosen Arbeiter auf Kosten des veriPe: Bürgers zu ernähren,— noch weniger daroll Zunächst dauernder Staatshülfe eine Att ArbeiterV�ues brin zu schaffen; e« ist einfach die von dem Gesch,™« und ehrlich ausgesprochene Anerkennung, MjE,V' die Pflicht obliege, Versäumtes nachzuholdV U1 nes Unrecht zu sühnen und so das von 1?"� Herr 5 schuldete sociale Uebel wieder gut zn machel»i.� J®"®1 Arbeiterstande zu helfen ist: „Die Entwickelung des aus Selbsthülfe'ft lie Genossenschaftswesen soll vom SKssth genu fördert und erleichtert werden." mptpunkte Das Endziel aber diese« Entwickelungspr� 1) Der Aushebung der Lohnarbeit durch Uebersührnng des Lohnsystems in das � genossenschaftlichen Arbeit. Aus Lassen Sie uns nun im Einzelnen~ cv. Staat, d. h. an die Gesammtheit der Bßrjl" � lenden Forderungen durchgehen! a' Obenan steht die unbedingte Freiheit' Uebergai nungsäußerung und das volle Vereins- ische Gest sammlungsrecht. Alle zur Beschränkung e�nen. Nl der beschönigende Ausdruck lautet— zur � per neue der Freiheit dienenden Sondergesetze sind Demnächst: Gleiche« Recht sür Jedcrmai« 2)' K.„ nähme am Staatsleben, also allgemeines J,•. bare? Wahlrecht und— als notbwendiz!, allgemeine unmittelbare Betheilig-' ,e,betrfl Volkes an Gesetzgebung und Berwal! ��g," Wir fordern ferner: unentgeltlichen-7 Arbeitet in öffentlichen, von der eurche unabhängige«'stämmenw anstallen— und �Einführung allgemetotbpj� wehr an Stelle de» Soldatenheeres. Wir � qc zwei Forderungen zusammen, weil Volksu»� Socialis Volksmehrkraft in engster Beziehung zu ein».. Zum Kriegsllhren braucht man vor Allem Gill'- tige Krieger,— Beide« wird durch gute � zielt. Der Reichlhum eine» Lande» hängt. erfolgreichen Arbeit seiner Bewohner,'-l»e eige aber ist um so erfolgreicher, je besser der Rg im Ge Erfolg seine» Thun« zu berechne» verstehst, l Die Bür telligenter er ist. Und— wie der Arbeitet,-such ma(; durch Bildung auch der Krieger geschickter� ung � Werke, zur VaterlandSvertheidlgung. Bei � Arbeite den meisten Ländern Europas verwendet h.„ Hälfte der Staatseinnahmen für KriegSrM... rcnd Bildung und Unterricht mit kaum nti" Summe abgespeist werden. Kehre man hältniß um,— u!,d der Volksreichthum ist mis Me, daß zehnfachen, ohne daß die Wehrkraft zu kurz kstll worden Unterrichtsministcr, der sein Handwerk verMuS, die gleich der beste Kriegs- und Finanzminister, iömus ba Für die arbeitende Klasse insbesondere- im Interesse de« Gemeinwohls— fordern � Abkürzung der Arbeitszeit uud F-l>I° Normalarbeitstag». iüt den' Auch dem Lohnarbeiter muß Zell und V?„ sein—„den Geist zu bilden und die Staalj,�m' � besorgen." Der im August v. I in BirvEst'�N' in sammelte Eongreß der englischen Äewerkvere�. J1'. a cht stündige Arbeit als ein Tagewerk in allsll ken— und spricht die Uebcrzeugung au«,'sta,,,,,' „die körperliche uud geistige Kraft der ArMj� die Sittlichkeit gefördert und die Zahl,» Da« verringert werde."- J Generalv Verbot der Kinderarbeit in Element,« Gleichstellung des Lohns für Freistellt. Männerarbeit. Beide» ist erforderlich, um da» H-r Lohnsätze zu verhüten und das heranwachst� vor Entartung zu wahren.— Ferner: Abschassung der indirekte« und Einführung einer— im Lerhal Besitze aussteigenden VermögenSfieur� J,de Verbrauchsfteuer ist Steuer auf die kraft des Arbeiter«, daher Hemmniß der_ und Beeinträchtigung des Volkswohlstandes�„klLlluklL Endlich: R e s 0 r m des Geld» nn», a stem«— und Förderung industrieller w' Produktiv-Genossenfchasten durch t von Staatscredit oder Staatsg»:� ES handelt sich darum, der arbeitende«. lXrphif Jit Krnftnpn h?r® !ten ic. ist arfs Habet äär zn w> r den AI Weg zum Eredit zu eröffnen. Wa« der � �'r in so reichem Maße— mittelbar wie»"5 et« ■ T Berlin. zur Unterstützung der capitalistischea weise gethan, ein Gleiches soll er»unme. r"�kussion> im eigenen Interesse— zur Förderung' Prvtol stände« und der Arbeitergenossenschaften'�nerunge bringt dem Gemeinwesen mehr Vortheil(Sa>rf?( rechtigkeit in allen Dingen.— Soviel über die Voibeoingungen der reform!— Man hat den Arbeitern de» wohlgemeinten— Rath ertheilt, von all sich fern zu haltm und lediglich ihre lichen Interessen wahrzunehmen,— als d schaftliches und politisches Interesse von � neu ließe, wie man Holz mit der Apl w dem bisherigen Gange unserer BetrachlM wird— denke ich— uicht im Zweifel s erso! 12 Ort, hli wer Orte reSlau, Kasse bürg u ie Ver ibe dem Arbeit erstände zumeist und vor Allem am zen liegen muß, die st a atli chen Zustände im Sinne Freiheit umzugestalten. Der„Staatshlllse" nicht der als der„Selbsthülse" bedarf es, um jedem Ar- � den vollen ungeschmälerten Ertrag sei« Fleiße«, d. i. die Möglichkeit eines menschen- rdigen Dasein« zu sichern: �ur der Staat kann— und nur der freie Staat «d dem Arbeiter helfen!— (Hier folgt nun der von uns bereits gebrachte luß der Rede.) j Man steht: wo die Rede vom Staate spricht, üch'd» es gilt, zu sagen, was denn der Staat thun da geht dem Redner plötzlich der Athem aus. n uni: kann sich nicht mit Lasialle zu dem klaren und .schiedenen Satz erheben: : der*„Der Staat hat die erforderlichen Geld- oder sein Wjebitmittel zur Gründung von Produktivastocia- Zeiten �mcn herzugeben." \rsfi®enn der vom Redner gebrauchte Ausdruck: ./ j�rderung" von Produktiv- Associationen besagt rderüni� nicht«. Wo sollen die großen Summen zur x Kkchründunz dieser Associationen herkommen, das jt da» die Frage. -sürihlt Nunmehr unser Urtheil über die Gesammt- verKhe: ,i!atu?< Zunächst sei festgestellt, daß dieselbe rar nichts �rvueS bringt. Alles, was darin vorkommt, ist oft Eingestellt, sogar in ganz ähnlicher Weise dargestellt ubolJfddHt, und was insbesondere uns betrifft, so uon lr,e Herr Jacoby schon vor sechs Jahren fast Alles, lachctijns er jetzt als große neue Weisheit vorbringt, lungln Hunderten von Arbeitern bei uns geordnet eud ertragen hören. Ist man ein Volkssührer, wenn aben. rn um sechs Jahre hinter der Volksentwickelung -bt-»W ist? "ht•< socialistisch— jedenfalls in dem »«?sje socialistisch, daß ein großer Theil der Bour- �' nste Anstoß daran nehmen wird. Aber bei all chülfe ch'st stc unS, der Arbeiterpartei, nicht socia- m Iitisch genug; denn wir vermissen darin die zwei mptpunkte: mgS?r>l 1) Der Socialist muß offen sagen, daß ein durch �sellschaftszustand erstrebt werden muß, in wel- das m Mc Produktionsmittel Gemeingut sind und .liche Ausbeutung unmöglich ist. Burzts.Herr Jacoby spricht wohl von Produktiv-Asso- � tionen, aber er setzt nicht hinzu, daß diese nur ihcit> Uebergangsstadium in die Eine große socia- einS-ische Gesammtassociation der Gesellschaft sein Nur scheinbar proklamirt er daS Pr.n- zur � der neuen Zeit: er bleibt iuug �.nen. nd a»U�� bleibt auf halbem Wege tncT»' 2) � 6et'ennt den praktischen Hauptsatz, daß m-ndi»! Arbeiter alle andern G-sellschaftsklass-n als lvcuv v e � �.r.f?_____ w n a. �. c.___ cy:_____ "'(la'ÜPds betrachten müssen und sich daher völlig nur .rwal? Krieg einzurichten haben. Er sucht den Nerv �beiterbewegung zu lähmen, indem er ein ugige»'sammenwirken mit andere Gesellschaftsklassen meia'wigt oder auch nur als möglich darzustellen sucht. Wir« Herr Jacoby wird fortan in vielen Kreisen ül-u»� Socialist gelten; gleichwohl war eS gut, daß iU die wirklichen Socialisten, sofort und unmit- Zöar nach seiner Rede die Halbheit derselben fest- «dtellt haben. abttOt iigentliche Bedeutung der ganzen Versamm- der>m GesellschaslShause war diese: steht,'■ Die bürgerliche Demokratie wollte einen neuen ttbeitelrsuch machen, durch theilweiseS Annehmen der hickter r, verkündeten focialistischen Wahrheiten in Bei. Arbeiterbewegung Boden zu gewinnen, um �« nste�lbi den Zwecken der bürgerlichen Demokratie � �„lger dienstbar machen zu können. Dieser Ver- "„ ist mißlungen, da die Versammlung er- ,nim iv«te, daß hier nur ein halber SocialiSmus ge- kurz i'bt worden sei, während wir den ganzen Socia- t versustiuS, die sociale Idee bis zum äußersten Radi- nster. Ismus haben wollen.— Verems-Chtü. ür den Allg. deutschen Arbeiter-Bereiu.) Der Vorstand hat in seiner ersten Sitzung als igen, zu deren Händen Beschwerden zunächst zu Y�riä�n lind, bestimmt die Herren: W. Real in Dussel- .((jt, Petersstraße 30, Karl Klein in Elberfeld, Schwa- ""caße 50, und E. Petzold in Leipzig, Böttcher- in 4. Da« Vereinsstatut ist nach den Beschlüssen Generalversammlung, verbunden mit dem GeschäslS. n v Mlement, m einer Auslage von 10, OVO Exemplaren F' gestellt. Die Versendung der bestellten Statuten, yflen sc. ist am 25. Januar erfolgt. Wegen weiteren Hu�Jatfü haben die Vevollniächtiateu stch an den Vereins- ---'»'eMr 0 � oachsl�Htitr zu wenden :ekte«� ierhäl' .s'A Vrrbliiids-Thcil. möfliUsHr den Allgemeinen deutsch. ArbeiterschastS- aus d� Verband.) �' and-«cMeralversamullung des Allgcm. deutsch. Arbciterschaftsvelchandcö. Dritter Tag. Berlin, den 14. Januar. und ll-- n dur« eiteu°�, �(Nach der Pause.) der Präsident eröffnet die Sitzung um 9 /■> Uhr. ne«wa 80 Dclegirte und eine große Anzahl rb'", Mitgliedern anwesend; im Lause der nci r j t lll0n Erwehrt sich die Zahl der Anwesenden :ung'.!? Protokoll wird verlesen und ohne erhebliche 'lcn �nnerungen angeuvmmen. W Es erfolgt nunmehr zunächst die Feststellung hfl)12 Orte, rn denen die ständigen Commissionen n ve» ßhlt werben sollen. Der Präsident schlägt fol- on allst.)e Orte vor: ,r- a-'�reslau. Hamburg, Barmen- Elberfeld, Han- als°°�r, Kassel, Köln, Frankfurt a. M.-Offenbach, °n r�Wburg und Leipzig. achtuaS Versammlung sügt diesem unter Genehmi- weiscl � gung dieser Orte noch hinzu, daß zu AugSburg noch München als eine gemeinsame Commission mit jener Stadt bildend hinzugefügt werde, ferner Stettin, Königsberg und Stullgart. Es folgt nunmehr die Wahl der Beamten, zu- nächst des Sekretair. Es werden vorgeschlagen: Tölcke, Max v. Mietzel und Kapell. Letz- terer verzichtet auf die Wahl. In der Debatte sprachsn sich fast sämmtliche Redner gegen die Zer- splitterung des Sekretariats und für die Wahl Tölcke's aus. M. v. Mietzel und Liebisch, der später vorgeschlagen ist, verzichten beide auf die Wahl und Tölcke wird mit sehr großer Majorität ge- wählt. Für die Funktion des Kassirers wurden M. v. Mietzel, Hasenclever und Grüwel vorgeschlagen. Lübkert und der Präsident glauben, daß die große Thätigkeit, welche dem Kassirer bei der neuen Organisation bevorstehen werden, zu bedeutend seien, um von Grüwel bewältigt zu werden. M. v. Mietzel habe durch die Thätigkeit bei der Maurer- und Zimmerer-Gew rkschaft bereits eine genügende Uebung gewonnen und sei derselbe des- halb zu empfehlen. Nack kurzer Diskussion wird Herr v. Mietzel zum Kasstrer gewählt. Die Versammlung beschließt sodann sofort in die Generaldebatte über die Errichtung einer Ver- bandskrankenkasse zu treten. Richter(Altona) will die Reise-Unterstützungs- kasse von der Krankenkasse trennen, in gleichem Sinne spricht sich Renz(Berlin) aus. Tillewein(Berlin) erkennt an, daß die Krankenkasse ein bedeutendes Agitationsmittel fei, meint aber, man dürfe nicht den Mitgliedern den Zwang auf erlegen, daß sie der Kasse beitreten müssen; man dürfe die Krankenkasse nicht zur Parteisache machen. Bater(Hamburg) empfiehlt die Annahme der Vorlage, wie sie da sei. Die Versammlung beschließt auf Antrag von Gern groß, die Diskussion auf die Reise-Unter- stiitzungskasse auszudehnen. Gerngroß beantragt ferner:„die Reiseunterstützung von den Beiträgen des Verbandes zu zahlen." Armborst(Steltin) empfiehlt die Annahme der Vorlage. Der Präsident macht darauf aufmerksam, daß dem Reichstage noch ein Gesetz über die Ge- Werkskrankenkasse vorgelegt werden solle; man habe sich deshalb über die Prinzipien jetzt schlüssig zu machen, und werde gut thun, die Ausarbeitungen eines definitiven Statuts einer besonderen Kom- Mission zu überlassen, welche an diese Arbeit gehen solle, sobald die betreffende Vorlage von dem Reichstage angenommen worden. In Betreff der ReiseunterstützungSkasse müsse man sich darüber schlüssig machen, ob man die Reiscunterstützungen aus den Beiträgen zur Krankenkasse oder aus be- sonderen Mitteln gezahlt werden sollen. Knöllner(Brandenburg) spricht sich für die Ncthwendigkeit der Errichtung beider Kassen aus, jedoch müsse man die Reisekasse von der Kranken- lasse getrennt ballen. Der Präsident fügt seinen früheren Mitthei- lungen hinzu, daß man auch vorbehaltlich der spä- teren Abänderung, sobald das Gesetz vorhanden, die Vorlage einstweilen aunehmen könne. A. Kapell. Wolle man centralisiren, dann möge man es auch in Betreff der Kassen thun; er schlage vor, daß man z. B. sage:„Wer sechs Monate zur Krankenkasse ununterbrochen beigetra- gen habe, erhalte auf der Reffe aus der Kasse eine Unterstüung." Er empfehle einstweilen die Vor- läge, vorbehaltlich der späteren vurch daS Gesetz bedingten Aenderungen, wie sie entworfen sei, an- zunehmen.— Ein Antrag auf Schluß der Gene- raldiskussion wird angenommen, die Versammlung schreitet zur Abstimmung und beschließt: 1) Eine einheitliche Krankenkasse ist neben dem Ver- bände zu schaffen; 2) der Beitritt ist ein freiwilliger; 3) Reiseunterstüynngen werden gezahlt; 4) die Reiseunterstützuugen werden aus der Verbands« kasse gezahlt. Die Versammlung beschließt hierauf, daß der vielen Mitgliedern— wie sich herausstellt— noch unbekannte, durch den„Social-Demokrat" veröffent- lichte Entwurf eine« Statuts für eine solche Kran- ken« und Unterstützungskasse des Herrn v. Mitzel verlesen werde, was durch Renz(Berlin) geschieht. Die Versammlung beschließt sodann, daß die« ser Eatwurf den Beralhungen zu Grunde gelegt werde und daß Lübkert der Versammlung zu« nächst ein Referat über den Inhalt und Zweck des Statuts vorträgt, was nunmehr erfolgt. Lüb- kert empfiehlt schließlich, den Entwurf en bloc: anzunehmen. Die Versammlung beschließt, vorläufig den Entwurf en Kloo anzunehmen und beauftragt den VerbandSausschuß, wenn das betreffende Reichs« tagsgesetz vorliegt, daS Statut nochmals einer Re- viston zu unterwerfen. Es folgt die Bcrathung der gedruckt vorliegen« den Anträge. „Die Anträge unter I. sind bereits erledigt, dasselbe ist in Betreff der Anträge 7 bis 16 der Fall. L eh der beantragt über sämmtliche Anträge, in Erwägung der beschlossenen Verschmelzung, zur Tagesordnung überzugehen. Die Herren Hör.g, ZielowSky, Liebisch und Klein erklären, daß die Gewcikschasten der Cigarrenarbeiter, Schuhmacher, Schneider und Hand« und Fabrilarbe4er beschlossen haben mit Rücksicht auf die beschlossene Verschmelzung, über alles zur Tagesordnung überzugehen. Klein beantragt, die Versammlung möge sich in demselben Sinne aussprechen, und die Ver» sammlung schließt sich dem Antrage ohne Di» knssion an. Der Präsident macht die Mittheilung, daß ihm folgende Resolution zugegangen sei: In der 3. Sitzung der Generalversammlung der Schneider, Kürschner und Kappenmacher wurde in Folge des Verbandsbeschlnffe« folgend« Resolution als Uebergangsstadium der Verschmelzung und Centralisation be- schloffeu: In Erwägung, daß die Arbeiter verpflichtet sind, die Zusammengehörigkeit in allen Stücken anzubahnen, können Arbeiter anderer BerufSarten in die Gewerkschaft der Schneider-c. aufgenommen werden. F. S. Liebisch. Bruchmann.. Grüneberg. Fengler. Schröder. Jang. Theiß. Bräuer. Viehweg. Die Versammlung schließt sich diesem Antrage ohne Diskussion an, und genehmigt sodann für vie gegenwärtigen Verbandsbeamten die in der Generalversammlung zu Cassel beschlossenen Gehälter weiter zu zahlen. Es ist ferner folgender Antrag eingegangen: Unterzeichnete stellen den Antrag, daß der Allgem. deutsch. Arbciterschafls-Verband beschließen möge, daß die 30 Thlr. Unterstützungsgelder, welche einige Mitglie- der des Allg. deutsch. Maurer- sowie Zimmerervereins sllr die am Montag zugereisten Waldenburger Bergar« beiter sofort auf Credit aufgenommen haben, vom Ver- bände bewilligt werden. W. Lange, rc. Aurin unterstützt den Antrag. Klein wider« spricht. Die Versammlung tritt dem Antrage bei. Es liegt folgender Antrag vor: Die Generalversammlung wolle die in beiliegender Kostenrechnung über mich verfügte Polizeistrafe im Be- trage von 26 Thlr., welche zu zahlen am 12. Januar mir auscrlegt ist, bewilligen, da ich mich nicht in der Lage befinde, dieselbe aus meinen Mitteln zahlen zu können. Wöhnig. Klein(Elberfeld) befürwortet diesen Antrag und bittet, auch dem Bevollmächtigten für Blecken- dorf 15 Thlr. zu zahlen, welcher in derselben Sache wegen mangelhafter Einreichung der Mitglieder- liste verurtheilt worden sei. Lübkert(Berlin): Wenn man das wolle, müsse man noch andere Strafgelder ebenfalls zah- len und da würde man die Kasse bald erschöpfen. Er beantrage, wenn man zahlen wolle, nicht die volle Summe, sondern höchstens 10 Thlr. zu be- willigen. Li e bisch(Hambnrg) beantragt, nichts zu zah- len, ebenso auch Link. Nachdem Klein uochmalS die Bewilligung empfohlen, wird der Antrag Lübkert angenommen und 10 Thlr. bewilligt. Hartmann(Hamburg) beantragt: Da der Delcgirte Grüneberg aus München erklärt hat, daß derselbe nur 16 Sgr. seinerzeit als Agitator erhalten, diese« zu untersuchen und falls dasselbe begrün- det, demselben den rückständigen Betrag der üblichen Agitationsgelder nachträglich auszuzahlen. An der Debatte betheiligen sich Hartmann, ZielowSky, Hörig, Grüneberg und Plink. Nach- dem konstatirt, daß die Summe 12 Thlr. betragen würde, wird der Antrag angenommen. Es wiro sodann ein Schreiben von Leib (Hemelingen) verlesen, ein Beschluß daran aber nicht geknüpft. Die übrigen Anträge, welche noch eingehen, werden abgelehnt. Lie bisch(Hamburg) spricht dem Präsidium, besonders Hr. v. Schweitzer für die umsichtige Leitung NamenS der Versammlung den Dank aus. Der Präsident konstatirt, daß die Versamm- lung im Großen und Ganzen die nöthige Ruhe und Ordnung beobachtet und ihm dadurch sein Amt erleichtert habe. Puttlitz fordert die Versammlung auf, der VerbandSleitnng durch Erheben von den Plätzen ihren Dank auszusprechen. Es geschieht. vr. v. Schweitzer dankt in seinem und sei- ner Kollegen Namen. Demnächst wird das Protokoll verlesen.. Der Präsivent vr. v. Schweitzer bemerkt schließlich, daß, wenn man sich auch im Laufe der Debatte in lebhafter Weise geäußert, doch die Mitglieder zu ihm, wie er zu ihnen, Vertrauen haben mögen. Die Mitglieder mögen sich nicht einander lahm legen, sondern Hand in Hand mit einander gehen. Die Versammlung bricht in ein lebhaftes dreimaliges Hoch auf vr. v. Schweitzer aus, wel- cher mit einem dreimaligen Hoch auf die Sache der Arbeit antwortet. Hiermit wird die Sitzung und die Gencralversrmmlung deS Allg. deutsch. ArbeiterschaftSverbandeS um 1 Uhr geschlossen. DaS Statut des Allg. deutsch. Arbeiter-Unterstützung«« verbände« mußte wegen Raummangel heute noch zurück- bleiben._ Allg. Taback- und Cigamnarbeiter-Gewer?« schaft. Ottensen, 20. Januar.(An die Mitglieder.) Ihr werdet den Bericht der Delegirten, welcher die Ver- schmilzung Mller Gewerkschaften brachte, gewiß alle mit Freude entgegengenommen haben, war doch seit Grün« oung der Gewerkschaft unser ganze» Streben, treu zum Verband zu halten, weil er das Zeug in sich hatte, die Mittel und Kräfte aller Arbeiter, zu gemeinsamem Han- dein zu sammeln. Wenn nicht der Haudwerksstolz schon längst von uns Allen beseitigt wäre, müßte die Erfahrung nn« beweisen, daß nur durch gemeinsames Handeln etwa» Großes erreicht werden kann. Wir verlieren durch Ver- einigung Nicht« und gewinnen Viel. Welche große Er- sparniß tritt nicht in der Verwaltung, Agitation und Torrespoudenz ein! Selbstverständlich kann dafür mehr auf Unterstützung verwendet werden. Wenn auch in uuserer Gewerkschaft geordnete Kassenverhältniffe sind, so beweisen uns andere Neine Körperschaften, daß es ihnen auf die Dauer nicht möglich ist, ihre Pflichten den Mit- gliedern gegenüber zu erfüllen. Der Allgemeine Taback- und Cigarrenarbeiter-Verein, welchen man auf etwa 3000 Mitglieder schätzt, ist natürlich nicht im Stande vorkommendensalls seine Mitglieder zu unterstützen, das werden die in Celle, Salzungen, Lübbecke, Posen und Mühlheim, am besten erfahren haben, denn sie konnten stch nicht auf den Verband stützen. Die Verwallungs- Maschine jene» Vereins aber ist nur durch schwere Geld« opfer im Gange zn erhalten, all ihr Streben wird so- mit, weil sie allein dastehen, ihnen nicht« nützen. Da die Verschmelzung erst am I. Juli in Kraft tritt, so dürfen wir inzwischen nicht müßig sein. Legen wir fleißig Hand an's Werk, damit wir am 1. Juki mit mindestens 10,000 Mann in den Reihen eintreten können! Unsere Reihen werden täglich stärker, weil die Collegen zur Ein- ficht gelangen.— In Leipzig hat Herr Gabriel, Fritzschcs Bevollmächtigter, nur noch neun zahlende Mit« glieder, und in der letzten Mitgliederverfammlnng in Berlin hatten die Freunde des Herrn Fritzsche ebenso viel Acmter zu vergeben, als wie Mitglieder vorhanden waren. Daß ich aus das Geschimpf des„Botschafters" nicht eingehe, wird mir keiner ver« denken; e« dauert ja nicht lange mehr!— Die Mit- glieder erwarten gewiß Nachricht über die Frage der Schuldscheine. Es wird eben nicht viel zu holen sein. Man hat zwar in der geheimen Sitzung in Bielefeld er- klärt, es wäre Waare genug vorhanden, aber es verhält sich jetzt wohl ander«. Die Herren haben sich mit den Gläubigern abgefunden, um wie das ja bei ähnlichen Ge- schäften vorkommt, das Eisen zu schmieden so lange es warm ist und doch befürchte ich, daß Herrn I....... der sonst ein rechtschaffener Mann ist, seine Gefälligkeiten mit Undank belohnt werden. Die 450 Schuldscheine, welche ich in Händen habe, werden wohl nächstens aus- gezahlt werden müssen, da ich einem tüchtigen Berliner Rechtsanwalt die Sache übergeben habe.— Die Herren Bevollmächtigten werden ersucht, schleunigst die Zahl der gewünschten Protokolle auszugeben. Die gedruck.e Abrechnung wird beisolgen. Der Preis der Protokolle wird etwa a'/, Sgr. sein. Georg Winter. Deutsches Maler, Lackirer- und Vergolder- Gcwerk. Berlin, 14. Jan.(Generalversammlung der Arbeiterschaft.) Die Delegirten tagten heule im neuen Gesellschastshause zu Berlin. Anwesend waren die unterzeichnete» vier Delegirten, die Herren W. Knoll« mann, Hauptkassirer, aus Hannover, Lichter» au« Köln, als Vertreter des Ausschusses zu Köln, C. L eh der au» Hamburg, als Vertreter des Präsidiums, und Karl Schenk au« Würzburg. Die Stimmenzahl war sol- gende: Lichter« sllr Köln 45 und Bonn 45, O. Leh- der für Hamburg 79, Schenk für Würzburg 11, Augsburg 27 und München 24, Knoll manu für Hannover 90, Braunschweig 46, Brandenburg 37 und Celle 22. Nach Prüfung der Mandate erfolgte Kassen« revision Die Generalversammlung sprach dem Kasstrer Herrn W. Knollmann ihr vollstes Vertrauen und ihre Anerkennung für die reelle Kassensührung au«. Anträge auf Statutenänderung wurden nicht gestellt, da dieselben in Anbetracht der nahen Verschmelzung sämmtlicher Ge- werkschasten nur der Kasse zum Schaden gereichen wür- den. Der Delegirte O. Lehder klagte im Namen der Mitgliedschaft in Hamburg den Präsident H. I. Am- brosiu« wegen sieben Punkten an. Die Geucralver- sammlung verwarf einstimmig nach Prüfung sämmtlicher vom Vertreter de» Ausschusses H. Lichter« vorgebrachter Belege sechs Anklagen und erklärte, daß sie ein Produkt persönlicher Gehässigkeit von Seite des H. Crambeer in Hamburg seien. In Betreff des letzten Punkts, de« Besuchs der Mitgliederversammlung von Seite de» Präsidenten, erklärte die Generalversammlung, daß durch besseren Besuch von Seite des Präsidenten die Mitglied- schaft mehr gehoben werden könne nnd ertheilte dem Präsidenten I. Ambrosius eine Rüge, und sprach zugleich den Wunsch au», durch kräftiges Zusammenwirken eine große Corporation dem Verbände zuführen zu können. Nach längerer Debatte wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen:„In Erwägung, daß von der Generalversammlung des Verbandes die Verschmelzung sämmtlicher Gewerkschaften sast einstimmig angenommen worden ist, beschließt die Generalversammlung der Ar- beiterschast, die auf der Generalversammlung zu Cassel gewählten Beamten bis zum 1. Juli 1870 in ihren Funktionen zu belassen. Zugleich überläßt sie c« den Mitgliedern zu Hamburg, an Stelle de« am 10. Dec 1369 ausgetretenen zweiten Vicepräsidcnten H. Cram- beer au« der Mitgliedschaft zu Hamburg einen zweiten Vicepräsidenten zu wählen." Ferner beschloß die Ge- neralversammlung, dem in Würzburg gemaßregelten Mit- gliede Herrn Schenk, welcher nun auf die Reise muß, für 25 Tage Arbeitslosigkeit in Würzburg 10 Thlr. Unterstützung zu geben. K. Schenk, Schriftführer. W. Knoll mann. H. Lichter». O. Lehder. Allgem. deutsche Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Lkappenmacher. Hamburg, 22. Jan.(An die Mitglieder.) Nach den fürchterlichen Strapazen der denkwürdigen Generalversammlung kaum in Ordnung, sehe ich mich genöthigt, Allarm zu schlagen. Ich finde, daß bei den Abrechnungen meist die Extrasteuer s-hlt, welche die Mitglieder nicht abgeführt haben. Deshalb mache ich bekannt, daß, wer seine pflichtgemäße Extrasteuer nicht innerhalb 14 Tagen entrichtet, seine Anlprllche an den Verein verliert. Wir müssen Ordnung haben und auch dem Verbände gegenüber Rechnung legen, sowie Geld ausbringen, um die grgenseitigen Interessen zu wahren und zu sörde-n. Jedem Bevollmächtigten wird streng- sten« anempfohlen, jedem Durchreisenden die Extrasteuer von der UnterstlltzungSsumme, 1 Sgr., abzuziehen, fall« er noch nicht bezahlt hat. Die Extrasteuer wird durch einmalige« Abstempeln bestätigt, im Mitgliedsbuch mit dem Quittungsstcmpel aus der zweiten leeren Seite. Um Jrrthllmcr» vorzubeugen, bemerke ich, daß e« sich nicht um eine neue Extrasteuer handelt, sondern nur das Restrirende der früheren. Ferner bitte ich zu beachten, daß keine Neuwahl der Bevollmächtl teu nölhig ist, da es mit allen Beamten beim Alten geblieben ist bis zum 1. Juli. Für den Wunsch nach Errichtung einer Ceu- tralkraukenkasse ist der Verbandsbeschluß maßgebend, daß eine große Tenttalkraukenkasse durch den ganzen Verband mit dem 1. Juli in'« Leben treten soll. Deshalb Ge- duld bis dahin. Man möge die Ortskrankenkasse bis zur Bereinigung in Ordnung halte. Die Abrcchiinng und das GewertschastS-Generalversammluugs-Prvtokoll werden baldigst an alle Bevollmächtigte abgesendet werden. Ich bitte die Bevollmächtigten, daß sie augeben, wieviel Exemplare de« Protokoll« am Orte verlangt werden. Das Stück wird l'/s Sgr. kosten. Neugewählt al» Bevollmächtigter für Cassel ist Herr H. Michel, Mühlen- gaffe 11. Herr Köhler ist aus eigenen Wunsch zurückgetreten, au» Gründen, die es rechtsert gen. Für die bis jetzt neu eiugetretenen Orte sind die Bevollmächtigten hier- mit bestätigt. Ich fordere Herrn Zieseni» in Bremen auf, zu Beridjteu, wie es dort steht. Unsere Bllcher kosten Geld, ich bitte somit um Auffläniug oder Zurück sendung der Utensilien. Arbeiter, wirkt nur für Cen tralisation, da diese jetzt beschlossen ist. F. S. Liebisch Allgem. Genosscnscbaft der Berg-, Hütten und Salinen-?!rbciter. Berlin, 24. Jon.(Die Gencralv er sammln ii.o) hat bdchlossen: 1) daß das Präsidium durch dirclie Wahl sämmtlicher Mitglieder gewählt werden soll. 2) Zum Vorort i§ 15 des Statuts) ist Esch weiler bestimmt. 3) Die uöthigeu Anordnungen Hot der Unterzeichnete zu treffen. Zur Ausführung dieser Beschliiffe fordere ich die Bevollmächtigten auf, bis zum lb. Februar d. geschlossene Mitgliederversammlungen einzuberufen und duich geheime Wahl(mittelst Slimmzel) den Präfi deuten, den ersten und zweiten Vicepiäsidcnteu, so wie zwei Ersatzmänner in fünf gesonderten Wahlgängen wiih len zu losten. Das Wahlresullat ist mir üiS spätestens den 18. Februar mitzuiheilen, worauf die Proklamirug des neuen Präsidiums sofort erfolgen wird. Den Be vollmächtigten für Eschweiler beauftrage ich, in Gemäß heit de«§ 15 des Statut« innerhalb der oben bestimm- ten Frist von den dortigen Mitgliedern den aus elf Per sonen bestehenden Ausschuß wählen zu lasten und das Resultat bis zum 18. Februar an mich zu berichten Da« nene Präsidium wird den neuen Genossenschasts kassirer ernennen und die sonst noch erforderlichen An ordnungen ttesteu. Mit social- demokratischem Gruß C. W. Tölcke. Allgemeiner deutscher Maurer- N-rein. (Berichtigung.) In der Ansprache des Herrn Lübkert, Grändorf und Lange in der letzten Nummer oes ,,Social-Demokrat", findet sich Zeile 8 von oben ein Druckfehler, den wir hiermit berichtigen. Es muß heißen anstatt„479 zahlende Mitglieder" 4279 zahlende Mit glieder. Vermischtes. * Die Waldenburger Bergleute sind jetzt verrathcn von der fortschrittlichen Bourgeoisie! Der pomphaste Ausruf, den die Koryphäen des Fortschrittler- thums seinerzeit zur Sammlung für die Strikcuden erlassen haben, findet bei den fortschrittlichen Geldprotze» taube Ohren, höchstens giebt einer von ihnen eure für seine pekuniären Verhältnisse lächerlich kleine Summe, um mit seinem Namen als Arbeiterbeglücker in der „Volkszeitung" zu prangen, nur Arbeiter sind es, die für die Strikenden ihr letztes Schärflein geben. Mit wahr hast kläglichen GeldmNteln im Verhäitniß zu der Zahl der Strikenden sind die Arbeiter ausgerüstet, und dabei werden von dem drn Strike leitenden Musteranwalt der fortschrittlichen Gewerkvereine, Dr. Max Hirsch, noch in unverantwortlichem Leichtsinn Arbeiter zu allerlei un praktischen von bitteren Folgen begleiteten Maßregeln verleitet. Ohne die Doktorenwcisheit deS Musteranwalts. der durch sein Schiedsrichterspielen den Strike bereits in den Winter hinein verschleppt hat, hätten die Bergleute beste Aussicht auf Siez gehabt, und auch jetzt noch wer- den sie durch das von Max Hirsch beliebte AuSwan- derungssystem in eint' weit schlimmere Lage versetzt, als die ist, in der sie sich befanden. Wollte man praktisch verfahren, so mußten die eingehenden Gelder dazu ver- wendet werden, die am meisten von Mitteln entblößteu Strikenden durch Vetthciluug von Äartofselu u. s. w. zu unterstützen, damit sie nicht durch äußerste sttoth gezwun gen wurden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Konnte mau fo den Strike bis Ende Februar hinhalten, Ivo die Landarbeit beginnt, so war Aussicht aus Sieg da, denn im Frühjahr mußten nicht bloS die Strikenden auf den Feldern Arbeit finden, sondern auch die vielen, jetzt in den Gruben beschäftigten ländlichen Tagelöhner dies? wieder ver- lasten. Wie wichtig dies gewesen wäre, gehl daran« hervor, daß mehrere tausend Tagelöhner, aus den Gruben arbeiten. Aber anstatt die Gelder direkt zur Unterstützung zu ver- wenden, sollte— vielleicht weil ein Paragraph des Muster- statut« so lautet— die ganze strikeude Mannschaft zum Auswandern bewogen werden. Und dabei ist weder Reisegeld noch Arbeit vorhanden, obschon beide? den Ab reisenden versprochen wird. Die Fortschrittler fabeln viel von einer wohl organisirten Etappenstraße nach West- phalen, von freier Fahrt und Reisezehrung, die den Aus- wandernden gegeben werden soll. ES ist alles Schwin- del! Auf der Generalversammlung des Allg. deutsch. Arb.-VereinS erschien bekanntlich eine Anzahl Bergleute, die auf dem Bureau in Berlin nicht einmal genügend Reisegeld bi» Magdeburg erhalten hatte, geschweige denn einen Zehrpfeunig; es wurden ihnen von den Socialisten Unterstützung gewährt, um nicht liegen bleiben zu müssen. Wie nöthig die« für die Verrathcuen war, obschon dies von den Fortschrittlern bestritten wird mit der Behauptung: daß die Strikenden in Magdeburg genügend Geld zur Weiterreise erhielten, mögen folgende zwei Schriftstücke beweisen. Unser Vereinsmitglied F. W. Schulz in Hal berstadt schreibt uns: „Halberstadt, 16. Jan. Von den Waldenburger Bergleuten werden wir förm lich überlaufen, denn der Dr. Max Hirsch dirigirt sie alle nach Dortmund. Er läßt die Leute aber verhungern. Gestern waren 3 Leute hier; diese hatten von ihrer Heimath an noch kein warme« Essen wieder gehabt und in den letzten 24 Stunden uicht» gegessen. In ihrer Heimath hatten Sie Fahrbillettc für eine kurze Strecke der Eisenbahn erhalten. Hernach sollten sie eins nach Verlin erhalten; statt dessen bekamen sie 16 Groschen und mußten sich nach Berlin durchbetteln, bei ihrem Ein- treffen in Berlin erhielten sie jeder 5 Groschen und mußten sofort zum«ahnhos. Hier erhielten sie ein Billet nach Magdeburg, dort aber nichts weiter. Die Leute lassen bitten, dieses durch den„Social-Demskral" zu veröffentlichen, und ich füge einen Zettel von den Leuten selbst geschrieben und unterschrieben bei. W. F. Schultz." Da« erwähnte Schreiben der im Stich gelassenen Bergleute lautet: „Herr Dr. Max Hirsch hat uns in Berlin wörtlich das Versprechen gegeben, daß wir von Magdeburg ein Fahr-Billet bis rinden bei Hannover erhalten sollten und auch ein paar Groschen zum Verzehren. Die« ist aber nicht in Wahrheit so, sondern wir haben 16 Sgr. erhalten und kein Fahr-Billet; damit sollen wir bi» Linden marschiren. Wir sind bis Halbersiadt marschirt. unser Geld ist nun zu Ende und wir müssen entweder liegen bleiben oder von Hans zu Hans betteln gehen, und wir sind keinen Augenblick davor sicher, daß wir nicht ein paar Tage eiugesperit werden. Wilhelm Tauch ans Dittersbach, verheiraih t. August Hirsch au« DitteiSdach, Kreis Waldeubiiig, Earl Brückner an« Ober-Salzdrunn, Kreis Waiden- bürg, Bergleute." Wir brauchen zu diesem Aktenstücke wohl nichts hin zuzufügen. Die schändliche Leichtfertigkeit, mit der die fortschrittliche Bourgeoisie den Strike der Waldenburger behandelt und den Bergleuten einen Sieg nach Kräften erschwert, liegt klar zn Tage. Die Bergleute werden verrathcn, offenkundig verrathen! Je eher d.e Nock- fort lchrittlich gesinnten Aibeiter dem von ArbeiterbeglllckungS wuth geplagten Musterknaben den Laufpaß geben, j- bester für sie, das lehrt der Waldenburgcr Strike! Den iie.-csteii Nachrichlen zufolge scheint der Walden burgcr Slrike jetzt bcendel zn sein und zwar mii einer gänzlichen Niederlage der Arbeiter. Die„Volkszcitung" erhält wenigstens nachstehende Zifchrist aus Walsen bürg, anscheinend von Dr. Max Hirsch selbst: „Waldenburg, 23. Januar.(Privat-Mittbeilung.) Mit schwerem Herzen theile ich Ihnen mit, daß der hel denmürhige Kan.ps der hiesigen Bergarbeiter um ihr KoalitionSrecht und die Besserung ihrer Lage wenigstens äußerlich seinem Ende naht, ohne da« Ziel erreicht zu haben. Daß 7000 Ai beiter mit ihren Familien nichl monatelang durch Sammlungen erhalten werden könn ten, war vorauszusehen, und da der Starrsinn der Gru benbesitzer, gestützt durch ihren kolossalen Reichtbum und die BnudeSgenostenschaft der Regierung, der Eisenbahn Gesellschaften und der meisten übrigen Bergwerksbesitzer in acht langen Wochen nicht zn brechen war, so mußte ihnen schließlich der Hunger der Aibeiter zum»nrnhm lichen Siege verhelfen. Unter Zustimmung des Gene ralraths wird voraussichtlich schon morgen die Arbeit von allen Denen, die ohne Unterstützung nicht existiren können, wieder aufgenommen werden. Es ist eben einer von den vielen Fällen, wo eine gerechte ache der Macht wenigsten» zeitweilig unterliegt. Allein der Strike des GewerkvereinS als solcher ist noch uicht beendet. Der Gewerkverein besteht trotz deS Rc verse« fort, wenn auch nur in einem Stamm von Mir gliedern, und Jeder, der sich durch AnSwandernng dem Attentat entziehen kann, wird den Wanderstab ergreifen, da» ist der allgemeine Entschluß unserer Knappen. Rur der Mangel an Reisemitteln hat Tausende bisher zurück- gehalten; wir rechnen aber zuversichtlich auf die Fort- dauer der Beisteuern und Sammlungen unserer Gewirk- vcreinsbrüder und aller Freunde de« Rechts, damit das unsittliche und demllthigende Joch, dem sich nothgedrun gen so viele Männer jetzt beugen müssen, durch Wegzug nach freieren Gegenden baldmöglichst abgeschüttelt werden kann. Au» dem Westen Deutschlands kommen jetzt massenhafte Arbeitsofferten zn den günstigsten Bedin gnngen; erhalten wir nur da« nöthige Reisegeld, so werden außer den 1000 tüchtigen Arbeitern, die bereits ort sind, noch andere Tausende von bannen ziehen. Und dann wird auch ohne Strike der Absolutismus unserer geldstolzen Arbeitgeber am Ende sein! Der ge- geuwärtige Entschluß ist also keine Niederlage, sondern nur eine Vertagung. Die Anhänglichkeit und das Ver- trauen zum Gewerkverein ist bei der übergroßen Mehr- heit der Bergarbeiter nicht erschüttert;„der Gewerkverein kann nicht untergehen" ist die allgemeine Ucberzeugung. Ebenso allgemein ist die Zuversicht, daß unsere Freunde au» allen Ständen uns auch jetzt uicht im Stiche lassen werden, wo e« gilt, so viele im gerechten Streite em- Pfaugene Wunden zu heilen!— Bald berichte ich Ihnen Nähere« Über die neue Wendung." So die„V olkszeitung". Nachdem die Führer der ortschrittlichen Bourgeoisie durch ihre falschen Nach- chläge, zunächst durch die SchiedsgerichlSspielerei, wo- durch der Strike mitten im Winter zum Ausbruch kam, odanu durch die unsinnige Auswanderungsmethode, die wie jetzt eingestanden wird, mit ungenügenden Geld- mittel» in Angriff genommen wurde, die gesunde Wal- denbnrgcr Arbeiterbewegung, die den besten Erfolg hoffen ließ, zu Grunde gerichtet haben, sollte man meinen, diese ZortschritlShelden hätten Grund, ihre Phrasen nicht mehr so laut wie bisher in die Welt hineinzuposannen. Aber gleichwohl wird„an die Freunde au« allen Ständen" appellirt, d. h. an die Bourgeois die soeben die Strikenden schnöde verrathen haben, gleichwohl oll da« Auswanderungssystem sortgesetzt werden. Wir haben nicht« dagegen, wenn jenen Bergleuten, die nicht wieder in Arbeit genommen werden, die AuSwan derung ermöglicht wird. Aber eiue Mastenauiwaudcruug nach Westphalen, wo die Löhne zwar höher, aber auch die Lebensmittel theurer sind, als in Schlesien, ist reine Verrücktheit. Eö bedeutet uicht» weiter, das sollte den Dr. Max Hirsch doch das Gesetz von Angebot und Nachfrage lehren, als eine künstliche Herabdrückung der Bergmannslöhne in Westphalen; deshalb jubeln auch dort die humanen fortschrittlichen Grubenbesitzer. Ander- theil« ist in Schlesien an keine Lohnerhöhung zu denken, bevor die Folgen der jetzigen Niederlage nicht geheilt sind. Aber es wird immer kopflos drauflos gewirthschaftet von dem Musterknaben. Noch eine Bemerkung habe» wir Über unsere Siel- lung zum Waldenburger Strike zu machen. Gewisse ortschrittliche Schwätzer, z. B. der Ingenieur Blum, der seiner Zeit sein Beste« gethan hat, um die striken- den Berliner Bäckergesellen zn schädigen, haben die Nase darüber gerümpft, daß nicht gleich aus unfern Kasten Tausende von Thalern nach Waldenburg geschickt seien. ES ist ein solches Verlangen einfach unverschämt, denn abgesehen davon, daß die Fortschritller unsere Mitglied- 'chasten und Kassen aus alle mögliche Weise zn schädi- gen gesucht haben, müssen wir gegenwärtig eine Reihe von Strike« in unserer Partei ausrecht erhalten, z. B. den Lüneburger, der jetzt vier Monate dauert, was zusammen nicht minder Opfer kostet al» der Waldenburger. Zn Gunsten de« von vorn herein veipsuschten Waldenburger Strike« auch die unseren zu verpfuschen, kann von uns Niemand verlangen. Uebrigen« haben wir, soweit es sich neben unseren StrikeS thun ließ allerdings den Waldenburger Strike unterstützt, und zwar anständig, und wir haben weit mehr Gelder dei. Strikenden dort zufließen lassen, als z. B. die Juter- nationale Aibeiterassoctaiion, obschon Li�knccht, I. P Becker u. s. w. sich mit Aufruseu ungeheuer wichtig gemacht haben. *(Berliner Volksversammlung.) Am Sonn tag Vormittag fand auf Einberufung der FoitschriltS Partei in Sachen de» Waldenburger StrikeS eine von etwa 200 Personen besuchte Versammlung im Saal de« Borstädtischen Handwerkervereiu« statt. Die gefaßten Resolutionen sprachen sich gegen die Seiten» der preußischen Regierung hervorgetretene Parteinahme für die Grubenbesitzer au» und richteten sich zugleich gegen diejenigen Abgeordneten, welche in der Kammer bei Gelegenheit der bekannten Interpellation gegen die Arbeitersache austraten. DerStrike in den Eisenwerken zu Creuzot, von dem wir in vorletzter Nummer meldeten, daß 10,000 Mann die Arbeil eingestellt hätten, nahm bis jetzt einen ruhigen Veilauf, obgleich die Regierung 3,500 Soldaten nach Creuzot gesandt hat und es gewiß nicht an Aufreizungen durch die Soldateska gefehlt haben wird. lieber die Veranlassung de» Stnkes wird Folgendes gemeidet:„Die Arbeiter verlangen, daß alle Arbeiter. welche kürzlich wegen Ausbleibens ohne zuvor eingeholte Erlaubniß entlasten worden sind, wieder angenommen und in ihre alle Posten wieder eingesetzt weiden; unter die entlassenen Arbeiter zählt der Präsident der Unter- stiitzungs Kasse; dann, daß der Direktor der Werkstätten, Herr R.nand entlassen werde. Aus die Weigerung des Herrn H-uri Schneider, des Sohnes des Kammer- P äsidculcn und Direktors der Eisenwerke, diesen zwei Antragen zn willfahren, ist der Strike ausgebrochen und hat sich in wenigen Stunden Über da« ganze Etablisse menl verbreitet. Alle Arbeiten wurden eingestellt, in den Werkstätten, in den Minen und in den Hochöfen. Der Präsident Schneider ist nun in Creuzot angelangt, um die Arbeiter zn beschwichtigen. Doch scheint er nichi eie richtigen Mittel und Wege hierzu einzuschlagen. Ein von ihm unterzeichnetes Plakat ersucht die Arbeiter, sich wieder einzustellen, und hebt hervor, daß genügende Vo-kehrungen g troffen seien, um sie gegen alle Be lästigungen seitens der Arbeiter, welche den Strike noch fortsetzen wollen, zn beschützen.— Dagegen fordert e-ne Proclomation, welche von Bevollmächtigten der stn- kenden Arbeiter unterzeichnet ist, die Arbeiter auf, den Strike fortzusetzen, ersucht jedoch gleichzeitig, die- selben, die größte Ruhe und Ordnung zu beobachlen. Die Regierungsorgane suchen, ähnlich wie wenn in Deutschland ein Strike ausbricht, die Schuld ganz allein den Agitationen einzelner Parteien oder gar Partei gäuger anfznbllrden, um nur ja die große Noth und die gerechten Forderungen de« Arbeiterstandes zn verdecken und in ein falsches Licht zu stellen. Doch liegen die untrüglichsten Beweise vor, daß hier wie überall ganz allein die Noth und der Druck die einzigsten und wirk- samsten Agitatoren für den Ausbruch de» Strike« waren. Vergeblich haben sich die Arbeitgeber zur Aushülfe an die Bergleute zu Montceanx gewandt; es haben letztere in richtigem Verständniß ihrer Lage, in wahren Klassen« bewußtsein sich geweigert, in den Kampf gegen ihre Arbeilsbrüder einzutreten. Einige der strikenden Ar« beiter sind durch einen Einsturz in einem verlassenen Kohlenwerke überrascht worden, wobei sechs von ihnen ihren Tod fanden. *(Eine Berdrehuug.) Die„Zukunft" beschwert sich darüber, daß wir die„Conjervatwcn in ihren Per- sammlnngen in Ruhe ließen", die liberalen Parteien aber nicht. Darauf diene der„Zukunft" zur Antwort, daß wir ebenso die Fortschrittler und VolkSparteiler in Ruhe lassen, wenn diese in Partei Versammlungen zusammen- treten. Wir beanspruchen nur da» Recht, in allgemeinen Volksversammlungen oder was dem gleich steht zu er scheinen und dort selbst, wenn wir die Mehrbeit sind, unfern Willen zur Geltung zu bringen. Da die Eon- servativen stets nur Paiteiveisammlungen halten— Versammlungen, zu denen ausdrücklich nur Conservative ein geladen sind— so haben wir niemal» einen Grnnd hin zugehen, ja uicht einmal das Recht dazu. Wenn Fortschrittler und die Volksparteiler gleichfalls nur Partei Versammlungen abhalten wollen, werden wir sie ebenso „in Ruhe lassen" wie die Lonservativen. Man stehe von dem Schwindel ab. Parleiversammlnugen in Form allgemeiner Volksversammlungen abhalten zu wollen, und man wird sich derselben seligen Ruhe erfreuen wie die Eonservativen. Die« zur Antwort aus die Verdrehung und Verdächtigung der„Zukunft". '(Verurtheilnng.) Schon wieder ist die Re daktion des„Social-Demokrat" mit 50 Thalern vom Berliner Kammergericht, welches das Urtheil erster In stanz bestätigte, verurlheilt worden und zwar wegen zweier am 30 November und 4. December 1868 aus Essen von einem früheren VereiuSmitglicde eingesandten Ar tikel, die unwahre Angaben enthielten. Die Berhaudliing der zweiten Instanz fand am 18. d. M. statt. —(Die Berliner GenossenschastSbäckerei) welche schon lange in sehr schlechten Verhältnissen sich befand, macht noch den letzten Versuch, um sich zu halten Die letzte Generalversammlung hat beschlossen: den Vor sitzenden de« VerwaltungSrathe«, Herrn Ebel, zu beanf tragen, die Genossenschafter auszufordern, ihren Bcrpflich tungcn gegen die Genossenschaft durch Zahlung de» an! 37 Thlr. pro Mitglied ermittelten Schuldantheil« bis zum 1. Februar d. I. nachzukommen event. sofort mit gerichtlicher Klage gegen die säumigen Schuldner vor- zugehen. Für den Fall jedoch, daß der BerwaltuugS ralh von den Gläubigern schon früher zum ConcurS gedrängt werden sollte, wurden die Herren Ebel und Schaller zu Liquidatoren erwählt, die sich auch bereit erklärten, diese» Amt gegen eine entsprechende Renmnera- tion und Erstattung der baaren Auslagen zu Übernehmen. E» sind die schlechten Verhältnisse entstanden durch die bekannte bedeutende Unterschlagung eines der Leiter die- ser Genossenschaft, eines HauptschwätzcrS der Fortschritts Partei. wenn die Besteller bei ganz kleinen Aiisttiijr trag in Briefmarken in den Brief einlegen.' sendung der bestellten Protokolle der G.& und nur diejenigen, welche zugleich Pck 12. Berbandsgeneralversaminlung bestellt haben.> einige Tage sich gedulden, da beide Protokoll« sammen zugesandt werden. Die Protokolle der Generalversabk de« Verein« uns der- Verbandes tönnS vorheriger Bestellung und Einsendung des sanol werden. Die Angabe der Delegirtetf Exemplare für die von ihnen vertretenen 24 lich seien, wurden auf der Gcneralversaw» verlangt, um die Höhe der Auslage aunähsM zu können; als Bestellung kann jene P betrachtet werden. Die Bevollmächtigten>°< ersucht, ihren Bedarf schleunigst dem Sekret« thcilen und den Betrag ciilzusenden. Die' nd im Vorausbezahlten Prololl- sind am Januar abgesandt. Zeitung wöchentliä ag«, Do 'vuuabeud A n n o n c e n. ,m»nnementi /llk DtrlkN. Nummern Allgemeiner deutscher Arbeiter-? Geschlossene Mitgliedervers»- Dienstag, den«5. Januar, Abends�. im Etablissement„Vauxhall", Dresden Tagesordnung: 1) Bericht über die Generalverfamniliiimta. kussion.— 2) D e Versammlung am UCI, 0era „Neuen Gesellschaftshause" rsabouneUl Die Mitgliedskarten sind vorziiPItNetU 1 Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht, abonnik« �-Hie Bestell -füt Berlin. lamtern, Allgcm. deutsch. Maurer-Äerstr. 17, Geschlossene Mitgliederoersawistteuren Mittwoch, den««. Januar, Adeiidtenr) in Wolter'« Lokal. Neues Gescllsch-i's, Tagesordnung: Den NtUl 1) Vortrag dr« Herrn Haseucleuer. � daS ganz bericht der Ortskasse.— 3) Neuwahl de«»Händig nc 4) Fragekasteii. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahf cheiueu. Ä, Pol Allg. Wer 'Spott Briefkasten. K. in Winterthur. Freundlicheu Dank für Ihre Eiusenduug zu Gunsten des jetzigen Prästdeuteu. Aber die Redaktion ist angewiesen, dei Gelegenheit der Prä sideuteuwahl keinerlei Empfehlungen einer bestimmten Person, keinerlei Einseuduugeu für eint Candidatur auf zunehmen. Sa nur wird die volle Wohisreihcii im Ver ein gewahrt und jede Beeinflussung ausgeschivssen. Der „Social-Demokral" soll sich in keinerlei Weise in die Präfideuieuwahl einmischen. So hat es der jetzige Prä sideul auch der Generalversammlung unter allgemeiner Zustimmung derselben in Aussicht gestellt. L. in R. Auf Ihren Brief, den wir Über Polizei liche Uebergrisse, die in Hückeswagen geschehen, erhal« ten haben, möge zur Antwort dienen, daß eine Conces sionsverlängerulig bei Wirrhschasleu l ach dem neuen Gewerbesitz uicht erfolgt. Auf Grund des s 33 der Gewelbeordnuug kann nur demjenigen die Conces sion emzogeu werden, gegen welchen Thalsachen vor- liegen, welche zu der Annahme berechligen, daß er die Concesston zur Besöederuug der Völlerei, de« verbotenen Spiels, der Unzucht:c. mißbraucht. Die Bttroffeueu müsse» gegen die Polizeibehörde den Beschwerdeweg bei der Kömgl. Regierung zu Düsseldorf einschlagen. Die in diesem Augenblick aus der Reis« befindlichen Agitatoren werden um Beuchter stattuug und Angabe ihrer Adresieu ersucht. Das Protokoll der Generalversammlung de« Verein« kostet 2' � Sgr. und da« Protokoll der Geueialversammluiig deSVtrbaiide«2 Sgr. pro Stück. Die Versendung erfolgt nur nach vorheriger Emsendilug des Bettages. Ailsnahmsweise könuen Bestellungen von miudestenS 50 Exemplaren durch PaquelleUZung unter Nachnahme de» Betrages aaSgesühri werden; bei kieineren Sendungen würde aus diele Weise der Preis des einzelnen Exem- plar« erheblich uerlhcucrt werden. Es empfiehlt sich, Für Hamburg. deutsch. Gewerkschaft' der � Kürschner und Kappenmach« Officielle VersammluG der hiesigen Mitglieder e©vriiAm Mittwoch, den»«.Januar, Abens.fMw im Saale de» Schneider-Amtha»'�. Tagesordnung: Walt 1) Abrechnung.— 2) BerichierstattuN! � haben. teil über die Velbands- und Gewerkschaft: Grade sammiung. Waldenbu NU. Die Mitgliedsbücher sind voligen Maßt NU. Ich bitte noch besonders zu beachüt-eilern geb: halb 14 Tag.» die Generalversammlung J seben die und Stcrbetasse staufinden wird. AiNrck» beim Unterzeichneten einzureichen. F. S. /lll Hamburg.«venden ll Allst, deutsch, ver. MctaUarbei� die Sa Mitgliederversammlniig /teisachc Mittwoch, den»«. Jan., Abc»»» Ks Protcj in Stadt Bremen., socialen ___ Muster! Für Wandsbtck. seinen P Illg.Tabak-ll.Cigarrrllalbcitrr-G��''.ab' Gefchlossene Mitgliederversaw". Mittwoch, den««. Januar, Abend»- ,� 8 in Reißner'S Tivoli. 1 re.«0 Tagesordnung:."ün Berichterstattimg von der Geueralverft�den derbsti Besprechung einer wichtigen Angelegeuhe-t. vvrlschrittl Es ist Pflicht eine« jeden Mitgliedes, i""szeitung" ___ G. G-heidigen, al Für Altona. �s-ns grei Allg. Taback. u. b'igarrenarbeiter-Gt«!� Geschlossene Mitgliederversaw�"" Mittwoch, den S«. Januar, Abe»�' f"1 in Wittmack's kleinem Salon, Große- 8»fli 1) Abrechnung-— 2) BerichterstaitunS h�ben! D ten.— 3) Verschiedenes. ril Um zahlreiches Erscheinen bittet � englische, __ G. Alb» echt, Beiü'klet, nameiitl m. V.£C? Große öffentliche VorsH.?»- «onnabcn», den Sk». Jaulten sie auf' Sonnabend, den»». Januar, Abc»'. � �orga ...t.-_____ l:.i te fleivotbcr auf der Marieeumsel..... Ulle Eollegen und Parteigeuossen in* wette» freundlichst e... geladen. Krm 9t' Elnlritts-Blüets-r 5 Ein Gauen dreifaches donnerndes, l � Deutschlands"schauen»«�, Herrn I». von Schweitzer, deuten Lübkert, den DrlegirtcN � eg oj Männer«, die Tag und Aacht g,*, geschaffen haben. Reiter, Jos. Züsten, wie Vt uu st er in ived Druck van R. Bergmann Verautivorll. Redakteur u. Verleger W.(