ter-Benc. . 16. Berlin, Sonntag, de» K. Februar 1870. Sechster Jahrgang esamml«! lbcndS»! iilhelmr ! Bevollm� sscn die Ä- W. grid. r nlung des elter-Ben ilbendS" l. Zeiwng erscheint drei geiiheitm. wöchentlich, und zwar: des in dii�ag«, Donnerstag» und Pjano)«»vabiud««beud«. Demokrat 0rgan der sorial-demokralische« W{tl Redaktion und Expedition: Berlin, Gitschincrstr. 17. iglicder de-nnemeuts» Preist für Berlin incl. vriogerlohn: vierteljährlich 16 Egr., monatlich 6 Sgr., einzelne lter-Veltliummern 1 Sgr.; bei den Postämtern in Preußen 16 Sgr., bei den außerpreußischen Postämtern in . präc. lveutschland gleichfalls 16 Sgr.,(56«reu, er flldd. Währung.) ichard_ Bestellungen werden auswärts bei allen Postämtern, in Berlin In der Expedition, sowie bei jedem soliden Spediteur entgegenommen. Inserate(in der Exveditiou auszugeben) werden pro viergespaltene Petit-Zeile mit 3 Sgr. berechnet; Arbeiter- Annoncen die Zeile nur 1 sgr. les Bevold Revisoren i ert, Agentur für England, die Tolooien, Amerika, Thina und Japan Mr. A. Dueiing 8 Little-Newport-Street, Leicestcr-Squaie. W. C. London. tit dem 1. Januar hat ein neues viertel- ift der tztboauemeut auf den„Social-Demokrat" r.»neu. vir ersuchen diejenisten, virlche u"» abouuiren wollen, die« sofort zu thun. Bestellungen werden auswärt« bei deu tmtern, in Berlin bei der Expedition, Git- -ralvilsaiil�rstr. 17, und bei allen soliden ZeitungS- teuren gemacht.(Preis vierteljährlich «S, ,u Zcvollmii�den neuen Abonnenten wird da« Blatt »as ganze Quartal, vom 1. Januar an, Ä�wi.-- rbeltersiindig nachgeliefert. lbends»' Po�tlscher Theil. onate. Berlin, 5. Februar. Bevollnn� ccnservative Partei agitirt rast- dafür, das Institut der Knappschastbkusien rrbeitcrinur für die Bergleute ausrecht zu erhalten. rn auch die Arbeiter anderer Geschäftszweige >,dS pr Ähnlichen Kasten zu biglücken. Die Einrich- , FriedriSviefer Kasten, welche deren Verwaltung»hat- ch in die Hände der Grubenbesitzer legt und - 2) 5, Gelegenheit giebt, unliebsame Arbeiter zu 1 Brvol jgein> hjt Vorgänge in Waldenburg erst ch gezeigt haben, scheint recht nach dem Ge° rboittrs�t der�onstrvativen zu sein, die noch immer , r träumen, die Arbeiler zu„seudalistren", '�.gsam zu„Hörigen" der Capiialisten zu machen. 'n'' c liebe', den Conservativen somit die Knapp- �»»«kästen sind, um so verhaßter sind st: den Fest w> ntern, die durch sie bisher beglückt werden ideu virb�; aber diese ostentustdize Thatsache wird nach Sgr. vertuscht und e« jol�t in den conservativen sind jr�ern ein Lobgesang aus diese Art Kasten dem Fest-ftJtt. Vielleicht liegt der geheime Plan dabei .die öffentliche Meinung zu bearbeiten, damit nächsten ReichStagSsession, in welcher die >>etzt nur provisorisch erledigte Frage der Hüls« flUlllln sür Arbeiter zum Abschluß kommen soll, Ilbenv« Ardeiterbewegung durch Einführung von Kasten. tcsirajje. n den Händen der Capiialisten liegen, ein .> in den Weg geworfen werden könne. ES Jl�aher durchaus nöthig, daß alSdann auch die iter auf dem Posten sind, um ihren Willen . kifriger Weife die Eon» rct-- � KnappfchaflSkasten dem Volke mund- i" machen streben, zeigt wieder ein Ar- ndSvr.�-r„Nordd. Allg. Ztg". Das Regierung»- libusch � sCbrt'''t- appschast»- Einrichtungen und Unfall»- nng über � Kossen. oter, � traurige Katastrophe aus der Slelnkohlengrube LSHserlohn, bei welcher in Folge der Entzündung von � leubtn Wettern 81««ergleute ihr Leben elnbüßten. »tellenig Anregung dazu gegeben, aus eine Erwei- lMt der Leistungen der bestehenden Knapvschostokasien � � Berunglllckung von KuappschaslSge. bend« al«'dacht zu nehmen. Andererseil» ist diese» befla- Bergs'»erthe«reiguib auch dazu der Anlaß geworden, ''tn'n.�nstltutrnlasien ergänzende Einrichtungen Hart' Zwecke einer reichlicheren Unterstützung der bei der ätbeschädlgten oder verunglüelien Bergleute und ihrer d hierb'sAbliebeuen Angehörigen in« Leben zu rufen, um bei inter, �Wiederkehr von Ung'Uckisljllen jeder Beihülse der —| irtroohltliätlglf it entbedren ,u liinnen. ... ,..t fach beiden Seiten ist im Bezirke de» Oberbergamte« -rkjchoi' ortmund, wie wir hören, bereit» ein ersreuliche« A>tat erreicht worden. -(uas'" 3 Haupt- Knappschasttvereine diese« Bezirke». r Haß!- ch die Bereine Bochum, Esten und Mühlheim an _ welche zusammen ca. 60.000 Bergleute zu . Mitgliedern zählen und ein! Aktivvermögen von Briest'�)0,000 Thalern besitzen, haben bei Gelegenheit »«aasJNwlich stattgehabten Revision ihrer Bereinl-Sta- ?«erschl- m'."" ni(ist unerhebliche Erhöhung der Invaliden- %viii"'�'n-Penrionen, sowie der«indererziehungsgelder -itali-a- n»?.» 1" eintreten zu lasten, daneben ober in»- nee. rei�tznnuuo� st�sorge getrosten, die staiutenmäßigen ?cicb� l..? Lalle eintretender Beschädigung bei ~{lh u:; A,„Onhint" Verunglückung für die VereinSge- C � ht>"4.L«mbepberechtigten«laste auszubessern. u°-> Während die«isiiWdjaft»- Jnftitme nach der gesetz- — A Bestimmung im Paragraph 171 de» Allgemeinen zesetze» den Mitglied, rn v« am wenigsten begünstig- -laste auch im Falle der B.runglückung nur„frei. »ud Arznei",„«rankenlohn" und„Jnvalideng.ld" delchät'»' P-rs°» und im Falle der Tödtung ihien Hin- ibenen nur„Begräbnißgeld" zu gewähren haben. bei jenen 3 Kaappschastsvereinvn nunmehr statu- ■— SSÜM"�t Wo« eine trhedliche Erweiterung dieser Be- " T�.li» tutnrf, itÖW neficien in Beziehung auf die Zeitdauer de» Gennffe« und den Geldbetrag, der betrestenden Bezüge festgestellt, sondern auch allgemein den Angehörigen dieser mindest- berechtigten BeremSmitglieder für den Fall ihrer Benin- glückuug bei der Arbeit Anspruch auf den Bezug einer angemessenen Wittwen-Pension und eine«.'gleichmäßigen Kinder-ErziehungSgelde« zugestanden. Andererseits sind ans vielen Gruben, die zu jenen 3 Vereinen gehören, s. g.„UnterstütznngS-Zuschuß Bereine" in'» Leben getreten, die e« sich zur Ausgabe stellen, neben den Leistungen der Knappschastskaffe be- ziehungSweise diese ergänzend in Krankheit»-, Invalidität«- und Sterbefällcn ihren Mitgliedern und derer Ange- hörigen Untersilltzunge» zu gewähren. Diese Zuschuß- Vereine erhalten die Mittel zur Bestreitung ihrer Au«- gaben au« deu Beiträgen der freiwillig beit, elenden Gruben-Arbciter und einer gleichmäßigen Beisteuer der Grubtn-Besitzer. welche Letztere der Regel nach aus 10 Jahre fest zugesichert zu werden pflegt. Ihre Organi- sation und Verwaltung ist den Einrichtungen der Knapp- schast«kasten nachgebildet. Auch eine besondere Unfall» UnterstützungSkaste ist im Oberbergamt»- Bezirkt Dortmund gebildet. Unter dem frischen Eindrucke de» schmerzlichen Mitgefühl« mit den zahlreichen Opfern de« Unglücksfalle« auf der Ärnbe Neu- Iserlohn erließ der Borftand de» Berein» für die bergbaulichen Interessen im OderbergamtSbezirke Dort- mund ein Rundschreiben, in welchem die Bildung einer Kiste au« Beiträgen der Bergleute und Grubenbesitzer empfohlen wurde, um die materielle Existenz der Hinter- bliebenen der Verunglückten für die Zukunft sicher zu stellen und den Ueberschuß für zukünftig« ähnliche Zwecke zu reservireu. In Folge diese« Rundschreiben« ist ein „Fond« zur Unterstützung der B rgleute»nd deren Angehörigen in anßergewöhi-lich dringenden, bie der Berg- arbeit eingetretenen Unglücksfällen" innerhalb de« Be zirkes der drei Knappschaflsvereine Bochum, Essen und Mühlheim an der Ruhr gebildet. Au« einem un» vorliegenden Berichte de» Essener Knapp chaftS-Voipande» entnehmen wir Folgende» über die Einrichrnng ndiese» Fond»; Zu demselben zahle» Bergleute und Gcwerker pro Thaier«ine» sechsmonatlichen Lohne» je 1 Pfennig. Zu Unterstützungen werden jährlich 10 Procent de» bei der Gründung(am 1. Januar 1869) vorhanden gewesenen Eapital» gleich 10,318 Thlr. 18 Sgr. 11 Pf. verwcn« det, d. h. mindesten»>0 Procent, weil der Beitritt an- derer Werker offen gehalten ift. Die jährlich zu bewilligende Unterstützung einer Fa- milie darf in der Reget nicht unter 25 und nicht über 50 Thlr. betragen. Die Verwaltung der Kasse besorgt der Verwaltung«- rath, welcher besteht an« dem zeitigen Vorsitzenden de« Borstande» de« Bereilis sür die bergbaulichen Interessen (jetzt Dr. jur. Friedrich Hammacher, Mitglied de« Reich«- tag« und de» Hause» der Abgeordneten) oder einem von diesem zu ernennenden Stellvertreter und au» 6 Mit- gliedern. Diese werden jährlich durch die Vertreter der Bergleute in den Vorständen der drei genannten Knapp- schastSvereine gewählt, so daß jeder der Letzteren durch zwei Mitglieder vertreten ist. Die Gelchäst«- Ordnung de« Verwaltnngsraihe» ist nachgebildet derjenigen der Knappschastsvvrstände. Die Kassengeschäfte werden als Shlrnamt vom nassen- und Geschsflsbeamten de« Knapp schastSverein« Essen verivallet. Die Beschlußsassung über die Ertheilung der Decharge bezüglich der vom Kassen- beamten zu legenden Jahresrechnung erfolgt durch den Gesammtvorstand de» Berein« sür die bergbaulichen Interessen. Abänderung de« Statute» sind zulässig aus den Antrag des PerwaltungSrathe« durch Beschluß de» Verein« für die bergbaulichen Interessen, welcher vorher d>e Ansichten der KnappschaftSvorstände über die bean- traglen Statutenänderungen zu hören hat. Möchten diese Mittheilungen dazu drängen, ähnliche Einrichtungen auch in anderen BergwerkSdistricten unse- res Staate« in'« Leben zu msen, beziehungsweise eine gleiche Fürsorge der Erweiterung der Leistungen beste« hender Knappschasiskassen zuzuwenden! So die„Rordd. Allg. Ztg."— Wir konsta- tiren, daß hier der Punkt, auf den es vor allen Dingen ankommt, wohlweislich verschwiegen ist: nämlich, daß alle jene Kaffen den Paragraphen enthalten, daß durch„grobe Widersetzlichkeit"— und tarunter verstehen die Glubcnbesitzer auch politisch« Agitation und Arbeitseinstellungen— die Kassenmitalieder alle Rechte verlieren, und daß die Grubenbesitzer dies mit barbarischer Sirenge durchzuführen pflegen. Dieser eine Punkt ist für uns zur Veruriheilung jener reaktionären Institute genügend.— Doch wollen wir noch eins erwähnen. Zn salbungsvollem Ton wird auf die entsetzlichen Unglücksfälle hingewiesen, die in Berg- werken letzthin vorkamen, und um die Arbeiter nun zu beglücken, sollen aus Übergroßer Humani- tät die Arbeiter mit neuen Kaffen beglückt werden, zu denen sie selbst natürlich die Beiträge bezahlen mllffen, welcke aber die Grubenbesitzer, wenn sie einen kleinen Zuschuß geben, in Händen haben.— In noch sonderbarerem Lichte erscheint diese Hu- manilät, wenn man bedenkt, daß Einführung dieser Kaffen den Bergl Uten das durch Unfälle verursachte Elend lindern soll, und somit heuchlerisch verdecken soll, daß, wie die englischen Grubenar- beiler sagen: Jever Unglücksfall ein Mord ist! In der That lassen sich gegen alle derartige Vor- kommniffc genügende Siche» heitSmrßregeln treffen, wenn nur die Grubenbesitzer die nöthigen Kosten tragen wollten. Aber das wollen sie nicht, und anstatt sie gesetzlich verantwortlich zu machen, wie jeder Lokomotivsührer und Weichen- steller— daS sind freilich bloS Arbeiter— für Durch ihn hervorgerufenes Unglück verantwortlich ist, so will man die zerschmetterten Glieder der Arbeiter mit Geld ablösen, und dies Geld soll gar noch zum größ entheil auS den Taschen der Ar- bester fließen! Es ist himmelschreiend! Und doch eS ist bezeichnend für den FeudalsocialiSmus!— Schöne Worte für den unglücklichen Arbeiter, aber nur Worte! Wenn die Herren Feudalsocialisten glauben sollien, durch die» ihr Borgehen die Arbeiterbewegung sich dienstbar zu machen, so schießen sie weit beim Ziel vorbei; es wird viel- -»ehr da« alte Wort dann wieder wahr werden: „Den proletarischen Bet.lersack schwenkten sie als Fahne in der Hand, um das Volk hinter sich her zu versammeln. So oft eS ihnen aber folgte, er- blickte es aus ihrem Hintern die alten feudalen Wappen und verlief sich, mit lautem, unehrbieti- gem Gelächter." Rundschau. Berlin, b. Februar. j�jAuS Paris läßt sich die„Frankfurter Zei- >ung", da« Organ des BörscnjobberihumS und der Eisenacher VolkSpartei über einen Brief de« fran- zösischen Barrikadenhelden Barbö« und des italieni- jiben Revolutionärs Giuseppe Mazzini an die f>an- zösischen Republikaner in ächler„Abwiegeleisprache" schreiben. Wir lassen zunächst den Korrespondenz- artikel hier folgen: Wie die französische» Blätter mitthellen, gaben die Republikaner in Pari« am Todestage Ludwig» de« Sechszehiiten, am 21. Januar, ein große« Banket, bei dem e« an Reden und Trinksprllchen nicht fehlte. Meh- rere Eingeladene, die nicht an dem Feste theilnehmen tonnten, sandten zustimmende Briefe. Barbe« schrieb seinen Dank sür die Einladung und wie« daraus hin, daß der Lonvent, indem er Ludwig den Sechzehnten ver- »rtheilte. nicht blo» ihn vernichten wollte, sondern den Tod aller Könige und Kaiser von Golle»- oder von Slaat«streich»gnadeil beschlossen habe.„Sie thun gut." sagt Barbe« weiter,„die große Handlung der Gerech- tizk-it und de» VolkSrccht» vom 21. Januar zu seiern." Mazzini'« Bries dagegen lautet:„Bürger, E« ist mir unmöglich Ihrem Banket beizuwohuen. Pflichten, denen gleich, welche zu erfüllen Sie sich vorbereiten, halten mich da fest, wo ich gegenwärtig bin. Ich danke Ihnen an« Grund meiner Seele sllr Ihre brüderliche Einladung und stimme vollständig dem Zwecke bei, den Sie sich vorsetzen: nämlich die Republik durch die Initiative de« Volke« einzusetz-n, die allein, indem sie dem Volke da« Bewußtsein seine« Rechte« und seiner Kraft verleiht, eine Bürgschaft der Zukunft geben kann. Ich begrüße mit Begeisterung da» Wiedcrerwachen, frankreich«; e« war nolhwendig für Europa! Sei e» groß, feierlich, lief national! Vermeiden Sie die Fehler der Bergan- genheit! Uebereilen Sie nicht durch vorzeitige Lösungen oder durch vereinzelte Thatsachen die großen Ereignisse, die nur einem durch die That großen, durch die Flamme eine« vollendeten starten und edlen Gedanken« erleuch- teien Volke angehören können. Spalte» Sie nicht Ihre Kräfte; vereinigen Sie die dieselben. Da« Kaiserreich hat gesagt:„Reaktion»nd Macht", Sie werden sagen: „Liebe und Freiheit." Lassen Sie Ihre Handlungen logisch, fest, unerschütterlich treu gegen da«Princip seiii, da« sie Ihnen einflößt, Ihre Sprache sei ruhig»nd dulosam; sie muß belc- ben, erleuchten und Vertrauen erwecken. Die Republick, die Regierung Aller und zum Vortheil Aller kann keine andere Sprache führen. Bürger, vergissen Sie nicht, daß ein jede» Wort, welche» in diesem Augenblick von Pari» kommt, Uderall nn«, Ihren Freunden oder Ihren Feinden, eine Waffe verleiht. Und nun noch ein Wort al» Italiener. Man sagt mir, daß bei Ihrem Banquet die Namen Derjenigen, die Sie eingeladen haben und die zur Abwesenheit gezwungen sind, aus die ihnen be« stimmten Stühle eingeschrieben werden. Wenn die« der Fall ist, so bitte ich Sie, meinen Namen auszustreichen, und schreiben Sie anstatt dessen den Namen Rom dar- aus, damit der Gedanke an Rom und an da« gegen Rom verübte Verbrechen de« Manne« vom 2. Dccember bei Ihrem Banquet wie der Geist Banco'« im Macbeth erscheine und gegen diesen Mann Zeugniß ablege. Auch wir gehen rasch der Republik entgegen. Wenn wir Ihnen nicht vorausgehen können, so werden wir Ihnen folgen: rechnen Sie darauf. Möchten wir bald Brüder sein im gemeinsamen Glanben und e« lange bleiben, und möge da» Losungswort Rom und Pari« das Wiedcrerwachen von Europa bezeichnen. Ihr ergebener Giuseppe Mazzini. E» ist Erhabenheit in diesen einfachen Worten. Maz- zini'« Seele steht hoch über kleinlichen Rachegesüh'en; er hat jene liebevolle Milde und Güte, die nicht au» der Schwäche, sondern aus dem vollen Bewußtsein genialer und unerschütterlicher Krast entsteht. Auch am Hmrich- tungSlage Ludwig« de« Sechszehnten rnsl er nicht zum Tode der Tyrannen aus, sondern sein Wahlspruch ist: Liebe und Freiheit! Er zeigt un«, wie weit wir fort- geschritten sind. Seit der Hinrichtung Ludwig« de» Sech»- zehnten haben unsere Principien so an Stärke gewonnen, daß wir Anderen da« Henkeramt al« ein ihnen allein angehörende» Attribut überlassen können. Wir werden unsere Feinde, die Feinde der Freiheit, zu stürzen ver« mögen, ohne ihr Leben anzutasten, ohne ihnen den Schimmer de« MäNyrerthum« zu gönnen, den sie nicht veidienen, der aber so viele unserer Kämpfer verklärt. Im Gegensätze zu dem Bries- Barbö«, der den Konveulsbeschluß über die Verurtheilung des Königs von Frankreich in seinem allein richtigen Lichte erscheinen läßt, lobt die„Franks. Ztg." die sanflmüthige, wir möchten fast sagen demülhige Sprache Mazzini'S, die wir ihm kaum zugetraut hätten. DaS Alter scheint auf diesen Revolutio- när, dem das Blutvergießen für eine gerechte Sache doch sonst nicht so gräuelhaft war, seine „abwiegelnde" Einwirkung nicht verfehlt zu haben. Halten wir aber mit unserer Kritik auS Hochachtung sllr vie Vergangenheit Mazzini'« zurück; doch loben können wir unmöglich jenen Brief, der von Halbheit und Verschwommenheit leider Zeug- niß ablegt.— Ueberlaffen wir das Lob der „Franks. Ztg.", die ja auch im Vo> stehenden alle Anstrengungen hierzu gemacht— ihr und ihrer Partei, den Blauen, steht daS Lob der Schwäche, der Halbheit an, uns, den Rothen, nicht. Die englische Admiralität hat die Behörden deS StaatSwcrfteS von Porlsmouth angewiesen, 950 Arbeiter zu entlassen. Die Beamte» machten hierauf die Borstellung, daß durch diese neue Bei- orvnung großes Elend hervorgerufen werde und ersuchten die Admiralität, ihnen die Erlaubniß zu ertheilen, wenigstens die verheiratheten Leute zeit- weilig noch beschäftigen zu dürfen. Die Admirali» tät hat jedoch diese Vorstellung zurückgewiesen, und so sind an tausend Arbeiter durch die Verordnung der freisinnigen englischen Regierung mitten im strengen Winter entlassen worden und so dem größten Elend preisgegeben. Die Sparsamkeil soll diese Maßregel geboten haben; also auS Sparsamkeit muß man gerade in dem Lande, in welchem der Nationalreichthum so ungemein im fortwährenden Steigen begriffen ist, auf welches unsere Bourgeoisökonomen so oft hingewiesen haben, muß man gerade dort an 1000 Arbeiter dem Hunger überliefern. In Baden macht ein neuer Fabrikgesetz« entwurf viel von sich reden, der, wenn auch durch seine Annahme den Arbeitern nur wenig Nutzen gewährt wird, doch beweiser, wie sehr eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit und ü�rhaupt der ganzen Fabrikverhältnisse überall Noih thut. Die Normalarbeitszeit ist in dem Entwürfe auf 10 Stunden festgesetzt, wohl da« einzig Gute in demselben. Doch ist eS den LH beilern nach dem Entwürfe nicht mehr erlaubt, sich Essen und Trin- ken in die Fabriken bringen zu lassen, wodurch, wie verschiedene BourgoiSzeitungen gleich heraus- gefunden haben, der Ausfall, der durch diese zehn Stunden Arbeit entsteht, für den Arbeitgeber wie- der vollständig gedeckt sein würde. Die unvermeid- lichen Schiedsgerichte fehlen ebenfalls nicht; doch ist veren Werth in der Praxis gleich null und werden gerade dieselben, wo sie eingeführt, zu allen mög- lichen Verwickelungen sühren. Die revolutionären Proclamationen, die in Rußland massenhaft unter das Volk geworfen wurden, enthalten unter Anderem folgenden PassuS: „Unsere Vorsahren kannten weder Adel noch Prie- ster, weder Kaufleute noch Steuereinnehmer; sie waren frei und glücklich. Aber von j-nseiis des Meeres kamen fremde Fürsten, und in ihrem Ge- folge waren Adel, Beamte, Steuereinnehmer. Sie unterjochten unser Volk,»ahmen un« unsere Fel- der weg und lebten von der Frucht unserer Ar- beit. Nachdem sie da« Land unterjocht halten, M bauten die Eroberer Städte, von denen aus sie uns noch jetzt unterdtilcken. Ihnen verdanken wir die strenzen Gesetze unv die schweren Abgaben, die uns i<8 änszerste Elenv stürzen, wählend sie sich von unserem Brove mästen unv heritich unv in Fre iden leben. Jyre Slävte sinv so stark be» festigt, daß w>r keinen anderen Angriff aus sie unternehmen können, als daß wir ihnen den„rothen Hahn" aus's Dach setzen."— Es folgt dann eine furchibare Schilderung der Unbilden, die das rufst' sche Landvolk unter dem Zaren-DeSpoiiSmus er leiden müsse, und durch die eS zum Vieh herabgewürdigt werde. Es heißt hieraus weiter: „Es gab in unserer Geschichte einen Zeit Punkt, wo wir Hoffnung hegen durften, der Zar und seine ganze Familie stllrhen auS Zum Unglück berief der Adel eimn kleinen Flii sten auS Deutschland, welcher der Stammvater einer ganzen Reibe von Tyrannen geworden ist. Diele deutsche Füistensamilie hat sich so sehr ver- mehrt, daß die Priester alle ihre Glieder in der Kirche kaum herzählen können. Sie zehn Alle« auf, und noch mehr vers 1 lingen ihre Höflinge. Wir sind Dummköpfe, die Deulswen regieren un« und suchen nur ihre Taschen zu füllen. Unser Czaar und die Großfürstin sind unfähig zur R-' gierung; sie treiben sich lieber auf den Lanrstraßen herum und freuen sich über die Hurrahruse, mit denen sie empfangen werden. ES bleibt nur das Eine zu unserer Rettung übrig, daß wir unsere Herren erwürzen wie Hunde, ohne Gnade und Barmherzigkeil. Sie müffen alle mit Stumps und Siiel ausgerottet werden, ihre Städte müffen verbrannt und das Land durch Feuer gereinigt werden. Da unsere Tyrannen Geschütze und Ka- vallerie haben, die uns fehlen, so können wir sie nur duich Feuer siegreich bckämpsen. Haben wir Mauern, hinter denen sie sich verbergen, in Asche verwandelt, so müffen sie eine schmähliche Beute des Hungers weiden."— Man befürchtet Unruhen bei der demnächstigen Vornahme der Rekrutirung. Unter der B-völkerung der innerrussiscken Gou- vernemenlS verübten Beamte einen Maffenbctrug duich Verkauf von falschen Loskausscheinen. Die Gouverneure erlaffen Publikationen an daS Land« volt, um taffelbe theilS zu warnen, theilS zu be- fänftigen. Vertius-Chnl. (Für den»llg. deutschen Arb eite r-Berein.) Berlin, 5. Februar. Zwei Klippen sind es, welche die Arbeiter- Partei bei ihrer Organisation zu vermeiden hat und von denen sie beständig im Sturme der Be- wegung bedroht ist, so daß sie nur in fortwährendem Kampfe sich dieser beiden Klippen erwehren kann. Erstens gilt eS, als höchstes Kleinod die strenge Einheitlichkeit der Partei aufrechtzuerhalten unv demgemäß gegen Alles anzukämpfen, was die Keime dauernder Spaltung in sich trägt. Ans der strengen Einheitlichkeil der Partei beruht die Thalkraft, die dauernde Bedeutung derselben; nur dadurch, daß die Arbeiter überall mit Einem Willen, Einem Gedanken dastehen. Einer Leitung folgend, können sie wirklich allmählig über ihre mächtigen, durch alle bestehenden Einrichtungen gestützten Geg« ner Herr werden; die Aufrechterhaltung der Ein- heitlichkeit, die Fe,»Haltung der Spaltung, daS ist also die organisatorische Hauptaufgabe. Es könnt« scheinen, als ob gerade diese unsere Hauptaufgabe uns nicht gelänge, indem eS Thal- fache ist, daß von Anfang an fortwährend Theilc des Allg. deutsch. Arb.-Berein sich von diesem abgetrennt haben. Da kam ursprünglich die Gräfin Hatzfeldt und riß vom Verein Stücke ab, die zwar großeniheilS zu demselben zurückgekehrt find, theilweise aber in der Abtrennung verharren; dann kamen die sogenannten„Ehrlichen" uno rissen da und dort größere oder kleinere Theilc vom Allg. deutsch. Arb.-Verein ab und endlich ist das Gleiche, wenn auch in sehr unbedeutendem Maßstäbe, in Bayern vollführt werden. Die erste Abtrennung gescdab zu Gunsten persönlicher unv reaktionärer Zwecke; die zweite zu Gunsten der bürgerlichen Demokratie; die drille zu Gunsten deS bayrischen PrrticulariSmuS. Aber so ver schieden daS besondere G präge in den drei Fällen sein möge, die Grunduisaibe ist überall dieselbe, beruht auf dauernden Verhältniffm und wird da her auch in Zukunft wirksam bleiben. Wer nicht begreift, daß diese Erscheinungen keine zufälligen find, sondern daß sie mit dem Wesen und der St.llung unserer Partei nolhwenbig zusammen hängen, der hat überhaupt noch nicht« von dieser Bewegung begriffen. Stellen wir den Sachverhalt klar! Die strenge Einheitlichkeit setzt voraus, daß jeder in der Partei seinen Eigenwillen dem Willen der Gesammlheit unterordne; dadurch ist jeglicke o»derlreiben ausgeschloffen, welches auf die Be- friedigung persönlicher Eitelkeit, auf habsüchtige Ausbeutung der Bewegung, kurz aus die Erreichung persönlicher Zwecke hinausläuft. Nun ist eS aber außerordentlich schwer, oder vielmehr geradezu nn- möglich, die E telkeit und Habsucht aller Einzelnen oöllig aufzuheben oder niederzuhalten; immer und immer wieder werden sich Leute finden, welche ihr eigenes Ich für wichtiger halten als die ganze Be- wegung und demgemäß zur Befriedigung ihrer Eitelkeit oder ihrer Habsucht gegen den Gesaoimt- willen austreten. Diese traurige Thalsache, daß es Leute giebt, welche ihren Sonderwillen dem großen Gesammlwillen nicht unterordnen können, oder auch auS Eigennutz sich zu Werkzeugen der Geg- ner der Arbeitersache hergeben, ist einmal nicht aus der Welt zu schaffen. Demgemäß ist nur zweierlei möglich: entweder solche Bestrebungen entwickeln sich im Innern der Partei weiter und führen dann zu einer Verwirrung und Zersetzung; derselben oder aber sie sühren zu einer äußeren Abtrennung von der Partei und hiernach zu einer Be- kämpfung derselben von Außen her. Zu Anfang wird oft das Erste der Fall sein. Bevor die Bestrebungen ihre wahre Natur ent- hilllt haben, wird man sie oft für aufrichtige, wohlgemeinte, Bestrebungen im Interesse der Par- tei hallen, und vermögen sie daher, innere Wirren hervorzurufen. Allein eS kommt immer ein Punkt, wo es sich zeigen muß, ob der Gesammtverein die innere Kraft hat, mit solchen Sonderbestrebungen fertig zu werden, oder ob er diese Kraft nicht hat. Im letzteren Falle greifen die Souderbestrebungen >m In ern der Partei weiter und geht dieselbe ihrer Auflösung entgegen; im entgegengesetzten Fall aber— wenn nämlich der Gesammtwille mit genügender Thalkraft sich den Sonderbestrebungen enlgegenwirst— erfolgt eine äußere Abtrennung einzelner Theilc. Wenn man also festhält, daß Eitelkeit, Hab- sucht und sonstige eig>nnUyige Zwecke einmal nicht auS der Welt zu schaffen sind, daß also die Frage nur dahin geht, ob solche Bestrebungen sich inner- halb der Partei sollen entwickeln können, um die- selbe allmälig innerlich zu zersetzen, oder ob die selben nach außen verbannt werden sollen, um von va aus feindlich gegen die Partei aufzutreten; so wird man einsehen, daß die innere Lebenskraft ver Partei gerade darin sich von jeher gezeigt hat, daß durch die bloße Macht der Verhältnisse die unlauteren Elemente zum soforlig-n Bruch, zu einer äußeren Abtrennung von der Partei gedrängt wurden. Man überlege, wohin der Allg. deutsch. Arb.- Verein gekommen wäre, wenn er solche innere Kraft nicht gezeigt hätte, wenn er sich von Son verbestrebungen hätte Uberwuchern lassen, wenn er alle Verrälher, alle käuflichen Subjekte, alle eitlen Bursche, alle verkappten Bourgeois, kurz alle von ihm Abgesallenen in seinem Innern behalten hätte. Längst wäre das stolze Gebäude seiner festen Ein- heitlichkeit zertrümmert— längst bestände ein ein- heitlicher Berein überhaupt nicht mehr. Wären wir Krämer, wir würden sagen: diese beständigen Abtrennungen einzelner Theilc deS Ver eins sind die Spesen seiner Organisation. Als Socialpolitikcr sagen wir: Die Gcsammtheit muß zu ihrer Erhaltung Einzelne um so eher opfern, alS an den Einzelnen dieser Art nicht« verloren ist. Wir sagten oben: daß die Sonderbündler immer durch die Macht der Ver- h ä l t n i s s e zum offenen Abfall gedrängt worden seien. Man beachte dieS. Niemals hat der Präsident die Betreffenden vom Ver- ein ausgeschlossen�); er hat Niemand ausgeschlossen, alS die Hatzfcld'fchen Sonderbestrebi.ngen auftraten; ebenso wenig als die„Ehrlichen" ihr Spiel be- gannen; und wenn neuerdings wegen der bayerischen Angelegenheit— zwar nicht vom Präsidenten, aber vom Vorstand— zwei Mitglieder ausgestoßen wurden, so hätte sich der Vostand eigentlich diese Mühe sparen können. Denn solche Sonderbündler sind durch die bloße Macht der Verhältnisse immer dazu gezwungen, von selbst sich auch äußerlich von der Partei abzutrennen, zu Apostaten und Ver- räthern zu werden. Gerade dieses i>i«öeiterpart tige Vcrhältniß, welches gar nicht« Mtilig sta ......—" ineS EiiyUnklar •) Der jetzige Präsident hat überhaupt während leiner vieljährigen AmlSsührung nur 3 Personen au«- geschlossen. mit der persönlichen Macht eineS.. wäre eS der Präsident des Vercni�°�u ge nerliche Macht, die in dem Geiste« welcher festen Gefüge unserer Organisation lies unS abe rave ist der Ruhm und die Zier« im So richtig werden die Arbeiter von ii'Aber e» geiste geleitet, so mächtig waltet in Allee'y zu r gecanke unserer Organisation, daß" bünolrr, sobald er nur einmal gezwliiißidenten Larve abzuwerfen, welcher Punkt � kommt, auch sofort begreift, daß sj derbestrebcn innerhalb des nwtigen gänzlich hoffnungslose« sein daher genöthigt, die Fahne offm»»Kiotion« nöthigt, in Gemeinsamkeit milz aufgetai uno Bourgeoisie von außen ftgung angi deiterpartei zu bekämpfen. deutjch-n Möge daher keiner, wenn er ß�demschlaii immer wieder Theile von der ParS�irg und auch in Zukunft abtrennen wer«�1"™� verlieren und denken, daS muffe schliß, Zertrümmerung der Partei führen, chgung de theil! Möge sich Jeder klar machelchende Mal halb dieses heutigen Menschengeftse Worte voll Eilelt it und Habsucht ist, welch!'"! sonst,, zudem von dea Feinden der Arl£�w8'�ie sie 'chUich genährt und gegen df?' od)« in Bewegung gesetzt � sccial-demokraiische Arbeiterpartei filoa die Adi Bestand unv ihre Organisation, n�gung. d im unausgesetzten Kampfe geji der neu gelüste jeder Art schützen und uscher ab, und daß gerade der Umlland, roß preist die bündler durch die bloße Macht reis"°""ud immer genöthigt sind, zu den F�rlib?'de beilersachc überzugehen, die sichre Reihe: schafl für das reine und unver"a»d". x bestehen der einheitlichen, invWort und und klaren Arbeiterpartei in!«dcnhcit n Nichts wäre gefährlicher für ditWrrselbe d wenn sie so schwachmütig wäre,®®be' f" bungen ungestört in ihrem Janern 2' wickeln zu lassen. Die innerliche Cr Partei würde bald den äußeren geht W' einheitlichen Organisation nicht me�men Last vermögen und sie ginge zu Griindc.u>iiat>on n einer salfchverstandenen Auffassung, rr so bleibe Bourgeoisauffassung dessen, was verüben nac Geist verlangt, würde e« erklärlich."H., f der Verein gegen Sonderbestrebung�, nachsichtig bliebe, bis da« U-bel mäch�ff�_ ,{ eine Beseitigung unmöglich wäre. Mann, >ie Partei immer genügende Festigs'lhalten tön sch den eigenen Bestand, die eigene'"c niimli! zu sichern und gerade der immer sich'.. �«röß« Abfall ist Zeuge dessen. Dieser«be' gefährlich; fest und unversehrt. inH. � tehr der alte Verein immer da und.Unästiokeit darum allmählich sich auch weiter lm| der verlorenen schlechten Elemente'der von i gewinnend. Nicht Spaltungen'mit der B Der Geldtenfel. Novelle von Hendrik Conscieucc. III. (Fortsetzung.) Eine Stunde nachdem Berthold voll Schrecken uub Entsetzen die Wohnung seine« Oheim« verlassen hatte, irrte er noch durch die Straßen der Stadt. Die Gebcrden, die er zuweilen machte, der trübe An« druck seines Gesicht« und die Bewegungen seiner Lippen zeigten, daß er von peinlichen und verzweislungSoollen G. danken verfolgt wurde. Viele, die an ihm vorüber, gingen, blieben stehen, und sahen ihm nach; Andere lach ten, Andere rannten wieder ihn: aber er schritt in Ge, danken über da», wa» ihm widerfahren war, vorwärt», ohne auf Jemand zu achte». Sein schneller Gang mußte doch endlich ein Ziel gesunden habe»; denn in einer Straße, nicht w.it von dem- einsamsten Stadtthor, blieb er stehen und schien sich selbst Gewalt anzuthun, um seine Ausregung zu bemei- stein; dann trat er zur linken Hand in einen Tuchladen und fragte eine Frau, die hinter dem Ladentische stand, ob Herr Conrad aus seinem Zimmer sei. „Ah, guten Tag, Herr Rovyn," antivortete die Frau, indem sie mit rnclen Zeichen der Ehrerbietung und Hos lichkeit hinter dem Ladentische hervorkam;„Conrad ist zwar nicht zu Hanse, aber der Schlüssel steckt an seiner Zimmerthllr. Er ist ausgegangen, um Notenpapier zu holen. Er kommt sogleich zurück. Belieben Sie hin auszugehen und einen Augenblick aus ihn zu warten." Bcrihold halte ohne Zweifel den Musikus mehr al« einmal in seiner Wohnung besucht; denn jetzt stieg er die Treppe hinaus, trat, ohne sich zu bedenken, in seine Slude und ließ sich aus einen Stuhl nieder— den Blick zu Boden gerichtet, blieb er eine Weile regungslo« sitzen, wie Jemand, der ermüdet ist und seine Glieder audruhln läßt. Da» Zimmer, welche» Conrad im ersten Stock de« Tuchladen» bewohnte, war sehr bescheiden, obgleich Alle« höchst reinlich gehalten und mit vieler Sorge geordnet war. Außer dem gemieih-leu Clavier— einem kost baren Möbel in der Thar— sah man keinen anderen Haueroth, al« drei oder vier hübsche Stühle, eine» drei- ten Tisch mit Musilhest.n, einen Biolinlasten und eine ziemlich große Lampe, die sllc abendliche Arbeilen be- stimmt war; außerdem noch ein Gestell mit drei oder vier Brelterlagen, aus welchen Conead einige suufzig Bücher, welche er desaß, sorgfältig nebeneinander gestellt hatie. E« waren meisten» Werke von allen und neuen Dichlern, noch ungebunden, jedoch sehr gebrauchl. Wenn mau auf den erstell Blick bemerken konnte, daß der Bewohner diese» Zimmer» uichl in Ucppigteil lebte, so war e» doch sogleich zu erkennen, daß er leuien Mangel litt un. sich noch zuweilen einige Ausgaben ge- slatleu konnte, um einer Laune seine« Geiste« Befriedi- gung zu verschasseu. Der breite Caminstm» war ver- zien mii Gipestguren, Muscheln uno Seegewächsen, mit aaSgesloPjle» Bogela und manch-rlei kleinen Gegenstän- den, die wol Geld kosten, aber keinen Werlh haben, außer sür den, der sie gesammelt hat. Aber etwa» An- derc» zog die Ausmerksamkelt der wenigen Besucher, welche Conradeu zu empsarigen vergöuut war, aus stch. Zwischen dem Schornstein und dem Fenster war die Mauerfläche ganz bedeckt mit gedruckten Portrait» von Künstlern aller Jahrhunderte und aller Länder und zwar in einer so großen Anzahl und in solcher Verschiedenheit der Form und Größe, daß man nicht daran zweiseln konnte, daß Conrad mehrere Jahre lang seine Sorge aus die Sammlung verwendet hatte. Obgleich unter diesen Bildern auch Namen von Ton künstlern, Malern und Gelehrten standen, so waren doch die Portrait» der Dichter unverkennbar in überiviegender Zahl, und Conrad hatte selbst einige davon in die Llitte der Wandfläche nebeneinander gehängt und sie alle zu gleich mit einem schwaizen Bande umzogen. In diesem Trauerrinz« hingen die Bilder von Homer, Milton, Tasso, Camoens, Cervonte«, Voudel, Chaiter ton, Gilbert und noch von einigen Aiidern. Sonderbar war wirklich eine solche Anordnung, und e« mochte aus fallend erscheinen, daß Conrad undedeulende Dichter wie Chatterton und Gilbert in diesen anSerlescnen Km», von welchem so viele berühmte Künstler auSzeschl ssen waren, ausgenommen hatte; aber e» lag ohne Zweifel in dieser Vereinigung von Namen eine geheime Absicht verborgen. Lange Zeit hatte Berthold regungslos in Conrads Zimmer g sessen; doch allmählich hatien aasregciide&:• danken sich von Neuem seiner bemächtigt. Er war aus- gestanden, hatte unbewußt seine Schulte durch da« Zimmer gerichtet und stand nun vor der Wand, auf welcher die Bildnisse der großen Künstler zur Schau gestellt war-n Sein lange Zeil»mheiirrender Blick hesteie sich bald mehr und ausschließlich aus den schwarzen Kreis. Bisher hatte er der Anordnung der Ponrait» wenig Aufmerksamke.t geschenkt Er halt- immer gemeint, es sei-ine Laune von Conrad ohne irgend eine andere Ab- ficht, al» diese« Zimmer zu verzieren; aber jetzt meiner vcrzweislungSvoUen Gomülhsstiiiimung wollte er in dem Tiauerbande eine naunge Borbedrutung entdecken, und in der That, er fand die Vvlbedeuiung, ohne zu wissen. In tiefe» Nachsinnen versnnlen und da» Auge aus die Bildnisse gerichtet, murmelte er vor sich hin: . Homer, der giößte aller D.chter, cr bettelte um sein Brod und war blind. „Taiqualo Tasso, der Ruhm Jlalien», er starb im Wahnsinn „Camoens, der erhabene Sänger der Luisiabe, auch er mußte die Hand ausstrecken, um nicht Hunger» zu sterben. „Cervantes, der geniale Bersasser de» Don Quixote, er starb arm und verlassen. „Bondel, Niederiands mächtiger Genin«, lag ein erhabener Greis in einem Aller von achtzig Jahren, noch über seinem Pult gebeugt, al» dürsliger Schreiber in einem Leihhaust. „Chatterlon, der kühne Dichter; in wahnsinniger Berzweislung zerstörte er ein Leben, da» ihn Nichts al» Elend erwarten ließ. „Äilo.rl, das nnichuldige Schlachtopfer de» Hasse»— er starb den schreck ichen Tod in einem GolteShauje." Erschrocken zurückweichend rief Benyold mit dem Tone der größten Sntmuthigung: „Welche, gefahrvolle Laos! Die schönsten Namen, die in der Krone der Menschheit glänzen so verluüpjt mit den schrecklichsten Wechsclfällen drS Schicksals! O, mein Oheim, Laura'« Vater, und Alle, die mich lieben oöer kennen, sie haben vielleicht Recht, daß sie meine Schritte von dieser unheilvollen Bahn ablenken wol- len. Ja, mein Entschluß ist gesaßt, ich werde der Kunst ein ewiges Lebewohl sagen, meine verführerischen Träume besiegen und vergessen, daß jemals da» Streben nach einer höheren Bcst.mmung in mir gelebt hat. Ich werde mn Gewalt ailthun, NM an dem Irdischen Behagen zu finden, das Geld zu lieben als die einzige Quelle de» Glück»— um in der Befticdigung der leiblichen Ge- lüüe Befriedigung zu finden sür die Unruhe meine» Geistes. Dann vielleicht werde ich einschlummern in dem trögen Frieden des Herzens.... und ich werde durch da« gleichförmige Leben hingehen, uiigerühmk, aber auch nuangesochten, bis da» Grab zu rechter Zeil meine Leiche und mein Geoächtniß verschlingt.... Wie pein- lich ist doch sür den Menschen die Verleugnung seiner Natur! Aber c» muß sein. Die Dankvarkeit ist ein Ge- setz, da» man nicht verkennen darf. Nun scheiiU diese Aufopferung mir eine Verleugnmig meine« siltl.chen W sens zu sein. Sie macht mein Herz bluten und er- schrcckl mich, al» mllßie sie meine Lebensbahn schließen gcgen alle Hoffnung, gegen allen geisligcn Genuß; aber ich irre mich ohne Zweifel...." „Ah, Herr Leithold!" rief Conrad, der in diesem Äugenblicke in das Zimmer trat.„Verzrihen Sic mir, daß ich unbewußt Sie so lange warten ließ. Wie schön sind dach Ihre Gedudte! Ich habe sie schon größtentheil» gelesen. Welche» Feuer, welche zarte Begeistermig!� Wie übergössen mit der jugendlichen Lebenslust Ihrer Seele! Haben Sie Dank, haben Sie Dank für den angenehmen Genuß und für die edlen Gefühle, die Sie in mir ge- weckt haben.... Aber Sie sind traurig, Beithold, Ihr Gesicht ist verstört! Fühlen Sie sich nicht wohl?" Der Jüngling ergriff die Hand de» Künstler», und indem er ihm traurig in die Augen sah, sprach er: „Conrad, ich bin unglücklich. Mein Herz sühll da» Bedllcsniß, sich nuszuschnltcn. Laffen Sie mich bei Ihnen üd.r mein Schicksal klagen. Es wird meinen Schmerz vielleicht erleichiern" „Nun sagen Sie mir, wa» ist Ihne:, geschehen?" fragte Conrad mit inniger Th-ilnahme, doch ohne Aus- >egu»g.„Ich werde Sie zu trösten suchen und ich glaub-, daß c» nicht viel Mühe kästen wird. Es treiben wieder schwarze Wollen dmch den ungestümen Himmel der Phantasie, nicht wahr?" „Conrad." wehklagte der trauernde Jüngling,„ich habe unwiderruslich beschlossen, sür immer der Kunst Lebewohl zu sagen." „Goir Lob, daß es nicht ernstlicher ist!" sprach der MusikuS lächelnd.„Es ist eine gewöhnliche Laune der Dichter, daß sie bei der kleinsten Widerwärtigkeit die Harfe zerschmettern wollen; aber das Instrument sitzt ihnen im Herzen und ist außer dem Bereiche chres Willens. Nun, ich seh- wohl, daß Ihre Ansregnilg Nicht» ist, al» ein Dichlcrschmerz Laffen Sie sich nicht davon niederbeu- gen, Berthold. Der Gram ist die Zauberruthe, welche macht, daß die Seele in sich selbst zurückkehrt und die ihre Kräste verdoppe't. Der Dichter fühlte-» so gut, daß er stch selbst Schmerzen schafft, um die Quelle der innigen»nd tiefen Gedanken sanfter w ,�e ibr-V fließen zu lassen ..Nein, nein, Sie irren sich, Freiwd.j'�0� thold.„Mein Entschluß steht»nabäaWf� ie'ÄSch darf ° einer so »uug entse schwöre aus ewig der Zukunft ab, die hatte. E« macht mir Schmerzen, ich-'«iner ich werde in einer anderen Richtung dd der Bahn ttwärligkei: Schwache haben Rei suchen." Der seltsame dninpse Ton der Gelas chem der Jüngling diese letzten Worte! überraschle Conrad und schien ih» plötzli zu ersllllen. „O Bcrthold", rief er,„Gott beb: Ausführung diese» unglücklichen Beschluss' wa» brachie Sie zu einem solchen u»! schlnß?" „Etwas Schreckliches, wovon ich ergründen kann", sagte der Jüngling Wohnung de« Herrn Kemenaer verli'g Hause, um meinem Oheim einen Abb« dichte zu überreichen. Ich wußic wohl, strenger Verweis warte, aber ich hall«! zeu iung, daß mein Oheim in seiner gel_____ Herzigkeit gegen»nch doch endlich me�interlaffen' verzeihen würde. So vertrauensvoll tit''Pnkbarltit: meinem Oheim das Büchlein an. O �-"�öchtljchg gesse mein Lebenlang diesen Augendl ck>"?einen gm, mer kranker aller Oheim schien vor Zok« tkunst aus sein, seine Lippen bebten, er stierte mich»n fügen: -j« der Sie r ch in Ih !«, daß| konnten Migfe," ,Neiu, nei, „der d, mein meiner E >r eine h nun noch > des Haffes und der Verachtung, al» bilden Sie gemochß zu ünde r H« schändlichsten Verbrechen» schuldig dastand»nd zitterte, und nach der Urst�i mein Ge lichen Aufregung meine» Obeim» fragte,.en." Buch, zeigte mir da« Gedicht: der �So reden brach dann in so schreckliche Verweise �Mit sestei seiner Worle mich mit Verzweiflung u"« ttne meinl Er nannte mich einen Undankvarcn, bell � da» er mir g-than, verwies mir, daß>?.der Pflicht liche Wort in» Gesicht geschleudert, und f'fi geschehe daß ich eine Schlange sei, die ihm;»>».' biing der Wahlthaten ihr Gist in da» Angesicht l!"/Und Sie gleich zerschmettert unter diesen grausam' lrem iq,,) gen wollte ich sprechen, um meinen Ohtm.üi. aber er mit lodlenbleichem Gesichte uii�'?e>d«r jg rief, daß ich sein Hau» verlassen sollte. Md. iAi« n rfl iWllO fleht«, ich möchte hingehen, bi» noch »i,>»»« Gegenwart schien ihn zu martern..•.Bjio,,,n' Wi Wahnsinniger über bie Straße, inte 81 die Stadt und komme nun zu Ihnen �!>>ch, metl -mtl legen v Freunde erzählen zu können, wa» nur liegt.... Diesen Abeud werde wa« mir jemals an» der Feder w>e"0° ich»nicn." gefloflAWie Sie lasse ich alle Abdrücke meine« Werke» l werde» l nicht einmal eine Erinnerung mehr ,n �>ie wl Conrad schüttelte traurig den Kop> aller Z „Ihr Wc.k vernichten? Beitb«!»''Da« Gel sichert, Sie werden e» nicht lhuu!"'n der „Zweiseln sie nicht", seufzte der«hm R Eiitsch uß ist gesaßt, Nicht« kann>h""'"-da quält mich so sehr,- der Geda l-, achte. Seele da» weite Leben der Phantasie schreckt mich, al» wollte eine ewige Na»-' »us E liefe« ii-biiterpartei; nur Abfall von drrselben findet nicht- fve'l'g statt. neS EiiiUnklarheit und Schwäche innere» Um- Lere�S-ibcn gegenüber— das ist die eine Klippe, Geiste« welcher wir hätten scheitern können, von dei ation lief uns aber bisher immer glücklich fern gehalten » Zieroe tv» 'x von W.Aber es ist die Gefahr nahe gelegt, daß wir t in Alle»'" zu weit gehen könnten. Bon dieser dzjj j-ütten Klippe, die der ersten entgegengesetzt l gezwullö�enken wir da« nächste Mal ,u reden, wobei nki nolh» wird, daß wir auch diese Klippe bisher ■ t jjjjlM umsegelt haben und so zwischen beiden in d'xs zj» richtigen Mitte hindurchgesegelt sind.— s-N'��bach, 1. Febr.(Bericht s.N ZU /ilat,on«reis'" über meine Der seit Aug. sf:N zu �ratiou«reise nach Augsburg.) Der seit Aug. eil«>!). aufgetauchte Industriezweig, welcher sich mit Ver. uß en hßung angeblich demokratischer Siurichtungeu iunerdalb n beutjchen Arbeiterpartei befchästigt, hat jetzt auch in i" rrl--- o- - r------ jczjb UUU} Ul et seodentschlanb, in der Firma Tausch er u. Comp, in q,.ßjSlmrg seine Bertrelung gesunden. Unterzeichneter ''" Sonnabend den Üg. Jau. Gelegenheit, einer össent n Arbeitern ersamml»��>>»»--------"—'"~ ___________— ouu. va/cicHCiii)cu, einer onent« !n Arbeiterversammlung der ueugegründeten Fraktion isse schliß,„vhnen und die der letzter« inncwvhncnde, die führen, üigung der Weltherrschast in nächster Zukunst ver- ' machtitch�nde Macht kennen zu lernen.„Sonst und Jetzt." schenaesfie Worte drängten sich mir unwillkürlich in den �.ln; sonst, vor einem Jahre, Volksversammlungen in >r Ärb���ll' größten Lotale bis aus den letzten Platz o t---- 1'4?iu� fifjjt''7'; lotale»°n untergeordneter Räumlichkeit. �'" C'i4 b'setzt. Ueberall diestlbe Folge der durch' die . yiuge ocr oura) Die kktzt hstsucht Einzelner hervorgerufenen Zersplitterung; artei si'all die Abichwächung der vorher mächtigen Arbeiter- on, Nkegung. Die Verhandlungen beginnen, das Dirckto- pfe aeji der neuen Fraktion wird in'» Bureau gewählt, n und Ul scher übergiebt den Vorsitz und verliest die Statu- ... preist die sogenannten demokratischen Einrichtungen nv. vu».. � mni4it n(a......~- , v..Iben und macht als Redner, ohne den Vorsitzen- aWt.in fragen, eine Pause zum Einzeichnen. Die Pause den v�prliber, der zweite Punkt der Tagesordnung kommt e sichere Reihe:„die Arbeiterbewegung in Frankreick und unveri'and". Tauscher macht einige Mittheilungeu über n iov�sort und die trudea unions, läßt dabei seine Un- ei' j n s Neuheit mit dm„Social-Demokrat" durchblicken. für diW�stlbe da» Bergehen Rochesort'S nicht billigt, ist -, Z dabei so„eonsequent', dasselbe zu sagen, wa« im '«ial-Demotrat" geschrieben steht. Direktorialmitglied JttneroSy �ttc Schuhmachirmeister Stollberg ergreist �Wort, ergänzt Herrn Tanscher mit wenigen War- .tll' rti,f Ki« rliche — vvjuuji Perrn ianschet mit wenigen Waren Biö'grht aus die deutsche Beweguug über, schildert das cht mehlreten Lastalle'«, erläutert die»on ihm geschaffene Gründe. chisation nach seiner Art und—„e« kann ja nicht fafiung," bleiben"— erklärt, daß dieselbe nicht mehr dem 1 1 pjt lstaben nach ausrecht erhalten werden könne, indem -(lx" ing gemacht worden waren, bewie« hauptsächlich die da Uw unäßigleit der Berliner Generalversammlung, welche eiter anfochten wurde, und machte Herrn Stollberg klar, emenle' der von ihm gemachte Vorwurf, Schweitzer stehe ngen'mit derB»lin. �i w�b!nd��� dieselbe die Berliner Generalversammlung nicht geduldet, au» seiner(Stollberg'S) kläglichen Unkenntniß de« Ver« sammlungsrechtes entspringe. Nach dem preußischen LereinSgesetz hat die Polizei überhaupt in keiner Weise zu fragen, ob eine Generalversammlung nach den Ver- einSstatuteu legalisirt oder nicht; e» wird einfach bei der Polizei die Abhaltung einer Versammlung angemeldet. Die Polizei hat die Bescheinigung zu ertheileu. Uebri- genS ist zudem klar, daß die Generalversammlung wirk- lich legal war, die Gründe sind von der Generalversamm- lung selbst festgestellt worden. Gegenüber der Phrase, man habe auch in der neuen Fraktion die Lastallesche Organisation, machte ich den Leuten klar, daß sie mit der Einsührung eine» Direktorium» derselbe» gerade den Kops abgeschnitten hätten, worauf mir Herr Tausch.-r erkärte, daß da» Direktorium gerade der Kopf der Oc- ganisatiou sei, sie mithin zur Vervollständigung destelben beigetragen hätten. Durch diesen letztern Ausdruck kam ich natürlich zu der Ueberzeugung, daß ich e» mit Leuten zu thun hatte, welche jahrelang auf die Organisation Lastalle's geschworen haben, ohne dieselbe genau zu ken- neu. Wenn ich jetzt ein Urtheil über den Werth dieser neuen Geburl geben soll, so kann ich e« dahin zusammenfassen, daß ein politischer Verein e» nie zu etwa» anderem al» einer politischen Hanswursterei bringen wirb, wenn an seine Spitze Herr Tausche r steht, der vor 6 Wochen erklärte, er unterschreibe jederzeit den national- liberalen Satz:„durch Einheil zur Freiheit; lieber einen Tyrannen als viele", mithin über die Bedeutung diese» Losungswort» in unserm Sinn in 6 Jahren nicht klar geworden ist, der mir gegenüber sagte: Schweitzer hätte schon längst mit den Berliner Mitgliedern auf den Dön- bofsplatz ausmarschiren müffen, denn wenn der Berein aufgelöst werde, könne man ebeuso gut al« Partei exist- ren, der somit über den Zweck unserer Vereinigung in dichten Nebeln befangen ist, und dessen innere Triebkraft sich demnach in unbestimmte Vorstellungen auslöst; obendrein hat Tauscher bei den letzten bayrischen Landtagswahlen die gröbsten Verstöße gegen die Partei- diSeiplin sich zu Schulden kommen lasten, und ist damals von Herrn Stollberg al» käuflliches Subjekt bezeichnet. Es werden somit die neuesten Vorgänge in Bayern einfach aus Schwindel hinauslausen, wenn auch Herr Stoll- berg glauben mag, durch da» Zusammenstürzen der Säule Augsburg werde der ganze Verein zusammenstürzen. Herr Stollberg! Unser Verein ist kein Taubenschlag, der ans einer Sänle steht*) H. Haustein. Bochum, 2. Febr.(Versammlung.) Gestern fand eine Versammlung in dem Lokale de» Herrn Uhlen- brück statt, in welcher Herr Sauerborn aus Esten Vorsitzender war. Derselbe hielt eine Rede über den Allg. deutsch. Arb.-Verein. H. Schneider aus Frank- futt a. M. reserirte alsdann über die diesjährigen Ge- neralveisamwlungen. Herr Sauerborn forderte dann zum Einzeichnen auf, welchem Verlangen Viele uachka mcn. Beide Redner ernteten anhaltenden Beifall. Nachdem noch ein Redner aus Verbesserung der Lage der Ar- bester hingewiesen hatte, erfolgte Schluß der Versamm- lung unter Hochs auf Herrn Dr. v. Schweitzer und den Allg. deutsch. Arb.-Verein. Mit soeial-demokratischem Gruß � Röder. Schleswig, den 3. Februar.(Versammlung.) Am gestrigen Abend wurde Hierselbst eine Versammlung abgehalten, welche wie in Rendsburg durch den öffentlichen Ausrufer zusammen getrommelt wurde, aber nicht Geist senken... aber die» sind falsche Gedanken, mster e- ihrer Herr werden." *) Nach den neuesten Nachrichten aus Bayern haben die Arbeiter dort den Schwindel größtentheils schon satt. Die Schneider zu München, ca. 200 an Zahl, haben von Ansang an festgehalten und auch die Andern begin- neu, zum alten, oft bewährten Banner zurückzukehren. (Die Red.) sehr stark besucht war. Der Agitator der„Ehrlichen" Herr W. Schmidt aus Altona hatte die Hoffnung ge- hegt, hier mehr Proselyten zu machen, als in Rends- bürg, sah sich aber gänzlich getäuscht. Nachdem er mit seiner salbungsvollen Rede zu Ende war, und die An- wesenden aus marktschreierische Weise aufforderte, dem Bereine beizutreten, erhob sich die Debatte über die „Ehrlichkeit", hauptsächlich hervorgerufen dadurch, daß er sich über die Person des Präsidenten de« Allgem. deutsch Arbeiter- Verein Herr De v. Schweitzer in einer Weise äußerte, welche die höchste Unzufriedenheit de« anwesen- den Publikums erregte. Ohne daß der„bezahlte Auf- wiegler" Feilerhauer G emmel sich an der Debatte be- tbeiligte, endigte die Versammlung mit einer gänzlichen Niederlage für die„Ehrlichen". Die vier Mann, welche sich in Folge von Schmidt'« Aufforderung eingezeichnet hatten, äußerten zuletzt ihr lebhaftes Bedauern einer solchen Partei beigetretenzu sein. Mit soeial-demokratischem Gruß. Lorenz Fischer. Wermsdorf, 2. Februar. lNeue Ausbrei- lung.) Am 23. Januar hielten wir eine Arbeiter Versammlung ab, in we'cher die Herren Petzoldt und Stuhr aus Leipzig anwesend waren. Vorsitzender wurde Uarerzeichneter und Schriftführer Herr B ehnert. Die Arbeiterbewegung hatte bisher hier nur Wenige be- rührt, trotzdem war der Saal schon lange vor der Zeit gefüllt, und es waren auch mehrere„Ungläubige" dar- unter. Dennoch ernteten unsere Redner Petzoldt und Stuhr nngethelten Beifall. Nachdem nusere Prin- zipien gründlich und klar auseinandergesetzt waren, for- derte der Uliterzrichnete die Arbeiter auf, sich in die Listen des Allg. deutsch. Arb.-Vereins einzuzeichnen, was auch sofort von Vielen geschah.— So verlief die erste Arbeiterversammlnug in Wermsdors auf die einträchtigste Weise und es sind m nchem Arbeiter die Augen über die heutigen Gesellschastsznstäude geöffnet worden. Mit soeial-demokrattschem Gruß C. E. Dietrich. An« Hagen berichtet Herr Herm. Schröder über eine sehr stark besuchte Versammlung, die am 30. Ja- »uar stattfand, und in welcher Herr Kühl aus Langer« feld Bericht über die Generalversammlung erstattete. Nachdem Herr Kühl die Arbeiter in kräftigen Worten ausgefordert, jetzt, nachdem vollste Klarheit in die Partei gekommen sei, arch dem Allg. deutsch. Arb.-Verein und sen Gewerkschaften beizutreten und tüchtig für die Ver- breitnng de«„Soeial-Demokrat" zu sorgen, schloß der- selbe mit der Versicherung, daß, wenn auch unsere For- dernngen noch heute oder Morg n nicht durchdringen würden, dieselben zuletzt doch, und möge sich Alles da- gegen verschwören, durchdringen würden. Herr Ma- lewSki sprach über die elende Lage der Arbeiter. Nach- dem Herr Knhl noch über das eherne Lohngesetz gespro- chen, besprach unser Bevollmächtigter Weber da» allge« meine gleiche und direkte Wahlrecht, und machte die An- wesenden auf die kommende Reichstagswahl aufmerksam. Sodann wurde folgende Resolution angenommen:„Die heutige Versammlung erklärt sich mit der Thäligkeit und Haltung ihre« Delegirten vollkommen einverstanden." Au« Hamburg geht uns von Herrn L. ein Schreiben zu, in welchem derselbe sich über die Präsi- dentenwahl dahin ausspricht, daß dieselbe nicht auf der General- Versammlung stattzufinden habe, sondern der Präsident prineipiell durch Urwahlen erwählt werden müsse- Die Gründe, welche hierfür angegeben werden, sind vollständig richtig: Der Präsident müsse auf das Vertrauen der Mitglieder sich stützen können und deshalb müsse er direet von den Mitgliedern ohne Mittelsper- fönen gewählt werden. Der Verein sei nicht zu ver- gleichen mit einem soeialistischen Staat, e« sei eher eine Armee, die jene Staatsform erobern wolle und müsse deshalb einen Führer haben, dessen Machtbefugnisse ihn zur Leitung einer solchen Armee befähigen. Die Ange- legenheit ist auch auf der letzten General-Bersammlung ganz im Sinne des Schreibers endgültig entschieden und so brauchen wir über den Gegenstand keine längereu An«- führungen mehr zu bringen. * In einigen Berichten überdiePräsidentenwahl ist die Zall der abgegebenen Stimmen nicht ang geben. Dies ist schleunig nachzuholen. Verblmds-Thcil. (Für den Allgemeinen deutsch. Arbeiterschaft«- Verband.) Allgemeiner deutscher Maurer- Verein. Berlin, 3. Febr.(Mitgliederversammlung.) In der gestrigen Mitgliederversammlung wurde zunächst der Kassenbericht de« Hauptkassirer« erörtert nnd für rich- tig befunden. Dann hielt der VerbandSpräsident, Herr vr.v. Schweitze r, einen längeren Vortrag Uber Schil» ler'S„Don EarloS," mit gleichzeitiger Beleuchtung der Freiheilsbeftrebungen der Niederlande. An den Vor- trag schloß sich eine DiSeussion an, an welcher sich die Herren Lllbkert, Zielowsky, Finn und Grändorf betheiligten. Nach Erlidigung einiger innerer Verein»- angelegenheiten wurde nach längerer Discusston nach- stehende, von Herrn Richter vorgeschlagene Resolution angenommen und beschlossen, dieselbe durch den„Soc.- Dem." nnd die„Volk«-Zeitung" zu veröffentlichen: Dieselbe lautet:„Wir protestire.t entschieden gegen den vom Borstande des Berein»„Berliner Baubude" auf- gestellten ArbeitScontrakt und sind weit entfernt,»»« von den Arbeitgebern durch Kündigung und Eaution wieder an'» Gängelband nehmen zu lasse». Wir erklä- ren hiermit öffentlich, daß die Idee zu dem Arbeits- contrakt aus einem, jeden Funken Menschengefühls ent- behrenden Charakier entsprungen ist, und halten es schließ- lich unter unserer Würde, uns durch Tontrakte an den Arbeitgeber resp. den Arbeitgeber an un» zu fesseln."— Endlich wurde ans den Antrag des Herrn Lllbkert be- schloffen, daß am Sonntag, den 13. Februar, eine Ge- neralversammlung stattfinden solle. Mit social- demokra- lisch �m Gruße Walther, Schristsührer. Berlin, 4. Febr.(Social-demokratische» Leichenbeg ängniß.) Gestern wurde das verstorbene Mitglied de» Allg. deutsch Maurer- Vereins Franz Eichmann unter Theilnahme einer großen Anzahl Mit- glieder des Verein« und des Vorstandes zur letzten Ruhe bestallet. Am Grabe hielt der stellvertretende Bevoll« mächtigte, Herr Richter, in Abwesenheit eines Geist- lichen die Grabrede, welche auf die Versammelten be- geisternd wirkte. Herr Richter sprach etwa Folgende«: „Meine Herren! Ich erlaube mir als Mitglied de« Allg. deutsch. Maurer-Vereins ein Paar Worte zum An- denke» an da« ebeu hier hiuabgesenkte Mitglied zu richten. Fast seil Beginn de« Vereins ist der Verstorbene ja uns Allen al« eine« der thatkräsigsten Mitglieder bek nnl. Er hat stets treu und fest zur Fahne Lassalle'S gestanden; trotz Mangel« aller nothdürftigsten Mittel hat er in dem schweren Kampfe, den wir im vorigen Jahre zu bestehe« hatten, bis zum letzten Mann au«gehalten. Nur wenig hat er genossen von den Früchten de« gewonneneu Siege«; herausgerissen wurde er unerwartet au» unserer Mttte. Hier stehen wir an seiner einfachen Grust. E» ist kein Gewölbe, kein Metallsarg seine letzte Ruhestätte, sondern eine einfache Grube, ein einfacher Brettertasten, wie er un« ja Allen vielleicht binnen Kurzem bevorsteht. Aber ich sage Ihnen, er wird darinnen sanfter ruhen, als Diejenigen, die sich von den BlutStropsen der Ar- beiter große Monumente setzen lassen, und schon lange wird der reiche Ausbeuter vergessen sein, wenn wir noch fc lUClUCtl. ,i„Berthoid, Sie suchen sich selbst zu täuschen; ich Fretttw'�e Ihnen nicht." miabäa- Sie jthtn." b, die'"«Ith darf Ihnen nicht glauben. Wie, Sie werden e, ich seiner so unbedeutenden Sache willen Ihrer Be- itung btt nuug entsagen und schon bei Ihrem ersten Schritt ider Bahn der Kunst unter einer vorübergehenden ex Geloiraniärtigkeit niedersinken? Wenn ich Sie einer svl- Worte fr SAinn*» f|1-..... 0......... v>|iiiicu r-tvenn ich Sie einer sol- Worte S?l Schwäche sür fähig hielte, ich würde Ihnen sagen, M plöijU» haben Recht, Bertholo, entsagen Sie einem Kamvie. r Gott Ihnen den nöthigen Mn der Sie verkennen sich selbst. •—- oft ______ ,., tjcmiuio, entsagen Sie einem Kampje, ; Gott Ihnen den nöthigen Muth nicht verliehen hat, bebü�.ber Sie verkennen sich selbst. Die mächtige Seele, Beschluii�ch in Ihren Gedichten offenbart, ist nicht so deichen»>njen, daß sie an« Furcht, die Dornen der Dichter- ! könnten Sie verwunden, ihrem eigenen Wesen -- ds gte." r ich ilngung-(Nein, nein, da« ist e« nicht", antwortete Berthold verlieh, tig;„der Much ieblt ntt-......... tr«bdl«»» 7.,»MMvwvmc ...- r0, sehlt mir nicht; aber sehen Sie, :n Abd»tad, mein Oheim hat mich nach dem s ühzeitigen c wohl, e meiner Eltern geliebt wie seinen.. WM p..... uuu, ocm V uqzemgen c>voy>i} meiner Eltern geliebt wie seinen eigenen Sohn, er hatte Z�tttir eine höhere Bildung gebe» lassen und spart nnd iner nun noch uuaushaltsam, um mir ein reiche« Erbe ach incl�nterlassen. Ich dars seine Güte nicht verkennen. voll u*' Dübarleir ist ein Wort, da« mich al« die Bezeichnung £, verächtlichsten aller Untugenden zittern macht.--- utocn zu wollen.' Nein, diese» Ge- "ib» ist, daß der Mensch einmal seinen wahren Berus ,n„ i Heine ächte Bestimmung erkenne und ihr folge. Wehe |lC' vieler aus Erde» da» Ktnuzeicheu zu verwischen strebt, welche« Gott seiner Seele aufgedrückt hat! Wehe dem Unglücklichen, der durch Wechselsälle au« der ihm vor- gezeichneten Babn geworsen worden! Es sind Wesen, welche irrend und wie verloren durch die Welt hin- schleichen, welche trauern, beneiden und hinsiechen, die in« Grab sinken, ohne jemals die Kraft, noch die Fähig- keil, die ihnen angeboren waren, angewandt zu haben .... und Berthold, wa« ich Ihnen sagen will, wird Sie in Erstaunen setzen; ich bin einer von diesen halben Menschrn, eine« von diesen verirrten Wesen." „Sie?" rief der Jüngling erstaunt.„Unmöglich!" „Betrachten Sie mein Gesicht," fuhr Eonrad fort, „e« ist bleich und abgemagert, meine Augen sind ohne Leben, mein Nacken ist gebogen, meine Biust ist schwach; ich bin krank und sieche schon seit vielen Jahren. Welche Krankheit, meinen Sie, ist es, die meine Gesundheit untergräbt? E« ist eine betrogene Seele, die sich rächt nnd bei Ermangelung anderer Nahrung ihre eigene Behausung verzehrt. Setzen Sie sich und hören Sie; ich werde Ihnen sagen, wa« mein Loa« ist. Vielleicht wird diese Erzählung Sie zurückschrecken von dem unheilvollen Entschluß, den Sie fassen wollen.... Mein Bater war ein armer SchuUehrer; der einzige Gram seine« Leben« war die Ueberzeugung, daß er mir, seinem ein- zigeu Kinde, Nicht» aus der Welt hinterlassen könnte. Um mir dennoch einen wohlthätigen Besitz zu verschassen, verwandte er auf meine Erziehung alle Sorge, deren ein liebevoller Vater sähig ist, und ließ mir in den Sprachen Privatunterricht ertheileu; aber zugleich auch in der Musik, welche Kunst er sür besonder« geeignet hielt, im Fall der Roth einen hinreichenden Unterhalt zu sichern. Mein Bater war Künstler von ganzer Seele und vor Allem ein ausrichtiger Bewunderer der erhabenen Gcistesproducte. Er sprich mir mit einer wahren Ver- ehrung von den erhabenen Dichtern, deien Namen aus dem Schooße der Jahrhnnderte gleich Sternen der menschlichen Größe un« entgegen strahlen; er las mir ihre Werke vor, machte mich auf die darin enthaltenen Schönheiten aufmerksam uns entzündete, ohne es zu wissen, in meinem jugendlichen Busen die flammende Begierde nach geist'ger Thäligkeit und nach Ruhm.— Al« ich die JünglingSjahte erreicht hatte, ossenbarte sich meine Bestimmung. Ich machte Vetse auf Alle» und überall. E« war, als ob ein unwiderstehlicher Geist von meinem Wesen Besitz genommen hätte, als ob eine geheime Flamme mich verzehrte;— mein Vater bemerkte meine Neigung mit Verdniß und Befürchtung; jevoch hoffte er, daß sie nicht ernstlich bleiben werde, besonder» da ich bald eine Stelle auf einem Handelscomploie er- halten und somit gezwungen sein würde, von der Poesie abzusehen. Er irrte sich. Ich schrieb Verse auf die Briefe der Kaufleute; immer versunken In abschweisenden Träumen verstand ich seine Austräge falsch oder vergaß sie ganz. Mit einem Wort, ich war so sehr zerstreut, daß man mich für sinnlo» hielt. Nach einer Probezeit von vier Monaten wurde ich von dem Tomptoir wegge- schickt al« hochmüthiger Narr, der zu ernsten Beschästi- gungen untauglich sei.— Mein armer Vater erschrak vor meiner Zukunft; al« ich mit freier Stirn ihm er- klärte, daß ich Dichter werden wolle, wa« ich auch immer zu leiden haben würde, stellte er mir vor. wie traurig da« Loos de« Dichter» auf Erden sei. Er erzählte mir von dem traurigen Leben und dem klag- lichen Ende eines Homer, Eamoöu«, Torquato Tasso, Eervante« und aller Dichter, welcher dort an« dem schwarzen Trauerkreise un« so ruhig anschauen. Ich widersetzte mich seinen Bitten monatelang; aber er— in seiner liebevollen Besorgniß und in der Angst vor dem Loose seine» einziges Sohne«— bat, weinte, flehte mich auf den Knien an, bis ich endlich zurückschreckte von der Poeste al« Etwas, das meinen armen Vater und mich selbst unglücklich machen müßte. Ich ver- sprach ausrichte und mit fester Entschlossenheit, daß ich fortan alle Ruhmsucht in mir ersticken wolle.— Bald fand ich eine Stelle auf einem andern Comptoir und erfüllte daselbst meine Pflichten mit großer Pünktlichkeit, jedoch ohne Liebe und wahren Fleiß. Die einmal ent- zündete Flamme brannte noch in meinem Herzen, und welche Gewalt ich mir auch anthat, sie zu ersticken, es schwamm doch immer mein Geist mit dem Strome der Phantasi- fort. Der Kampf, welchen mein Wille mit meiner angeborenen Neigung zu bestehen hatte, war so qualvoll, daß ich in eine Art von Ermattung nnd ge« heimnißvollen Schmerz sank.— Ich wurde still, trän« merisch, verschlossen, meine Seele trauerte..... Bor meinem Vater verbarg ich, was in mir vorging; er be- trachtete die Ruhe meines Gemüth« als ein gute» Vor- zeichen meiner Zukunft, und um mich in dieser Richtung zu bestärken, malte er mir mit verführerischen Farben au«, wie ich, wenn ich älter geworden, selbst einen Hau- del würde treiben können, wie Andere auch mit Wenigem begonnen hätten, die nun die Stadl durch ihre Pracht und ihren Reichthum in Erstaunen setzten, und wie ich dann vielleicht in der Mitte meine» Leben« frei von aller Sorge mich geachtet, geehrt und geliebt sehen würde. Er vergaß nicht, mir den Werth und die Macht de» Golde« zu rühmen und es mir al« den sichern Quell der Ruhe, de« Glücks und der Ehre zu bezeich- neu..... Aber alle diese Ansichten widerstrebten meiner Natur.— Unterdessen ging ich täglich auf's Comptoir und saß da wie Einer, der träumt Zwar arbeitete meine Hand und vollbrachte nach Pflicht und Gebühr die aufgetragene Arbeit; aber mein Geist war anderwärt« nnd irrte in unbestimmten, aber trüben Ge- danken umher. Allmählich wurde mir da« Leben uner- lräglich. Meine, von dem Pfade ihrer nrsprüng- lichen Bestimmung abgeirrte Seele, fand in Nicht» mehr Trost und Behagen. Selbst die Musik wurde mir gleichgültig. Meine Violine, die nach der Comptoirstunde so oft meine Zuflucht gewesen war, um der Verzweiflung zu entgehen, hing vergessen an der Wand. Diese unaufhörliche Traurigkeit untergrub meine Gesundheit. Ein trockener Husten schien mir ei» kurzes Leben zu verkünden. Ich wurde mager, zehrte sichtlich ab..... Zehn Jahre blieb ich Kausmamtsdiener; zehn Jahre der Hoffnungslosigkeit und der verschwiegenen Leiden— dann rief Gott meinen alten Vater von der Erde ab. Der Schlag traf mich tief, aber er gab mir die Freiheit wieder und mit ihr die Hoffnung aus Er- lLjung. Auss Neue erschloß stch vor meinen Augen die glänzende Zukunst, die ich in meiner ersten Jugend er- träumt halte. Ich wollte wieder Verse machen und durchwachte die Nächte mit glühendem Kopse über dem Papier liegend, welche« die zurückgehaltenen Ergüsse meiner erwachten Seele aufnehmen sollte. Ach, der Born der Gedanken schien mir ausgetrocknet zu sein. Da» Berständniß der schönen Form war in mir geschwächt. Nach vielen nutzlosen Versuchen mußte ich meine Un- fähigkeit erkenne». Die alltägliche Beschäftigung und da» geistlose Comtoirleben hatte meine Phantasie gelähmt und mir die Feinheit de« Gefühl» geraubt. Mein Ver- zweiflnng, meine Thränen geben mir die seelenvolle Be- geisterung der Jugend nicht wieder..... ich sollte also KansmannSdiener bleiben, mit Ueberbruß durch da» da« farblose Leben einherschleichen und sterben vor Aer- ger und Gram?— Obwohl ich nur schwach unb vielleicht von Natur feig bin— der Verrath an meiner erkannten Bestimmung scheint e« zu beweisen— konnte ich doch ein solche« Loos nicht annehmen als ein Urlheil welches unwiderruflich bestehen bleiben mußte. Noch immer rang ich in meinem Innern gegen die nieder- schmetternde Ueberzeugung von meiner Ohnmacht.... Eines Abends, al« ich mit dem Kopf in den Händen einsam dasaß, und nachsann nnd ängstlich in den fin- stern Abgrund meiner Zukunft schaute, fiel mein Auge auf die Geige, die voll Staub und vergessen an der Wand hing. Ein Freudenschrei entfuhr meiner Brust. Es kam mir vor, al« hätte ich ein hellere» Licht über meinem Leben aufgehen sehen. Die Bioline, Miisiku» werden, mit Künstlern leben, Künstler sein!— Voll Ver- krauen und Muth gab ich meine Stelle als Kaufmann«- diener auf und fing au, mit fieberhaftem Eifer mich auf der Bioline zu üben. Monate lang, Tag und Nacht schwärmten die glückversprechenden Töne durch mein ein- same« Stübchen. Ich gönnte mir selbst kaum die Zeit, Nahrung zu mir zu nehmen, denn der feste Wille, auf dieser Bahn den Namen eine« Künstler« zu verdienen, nahm mich zn sehr in Anspruch. Meine Gesundheit schien sich wieder zu bessern; aber da ich keine Geldmit- tel besaß, versank ich allmählich und fast ohne e« wahrzunehmen in die tiefste Armuth. Ich kam auf einen Speicher zu wohnen, ich litt Hunger und Demüthigung; aber mich hielt der Gedanke, daß ich hier einen Kampf bestände, welcher den Tod oder da« Leben meine« Geiste« herbeiführen müßte, ausrecht. Ach, ich hatte mich ge- täuscht, Berthold. Wenn man gebore» ist, Dichter zu sein, wird man nicht Musikus allein durch den Willen. Die Violine, da« Elavier muß man, um wirklich Kiinst« ler darauf zu sein, von Kindesbeinen an üben, und diese ilebung niemals unterbrechen. Man muß seinen Ver- stand und sein Gefühl au« dem Kopse und dem Herzen in seine Finger jagen, und sie s» zu sagen, darin groß werden lassen.— Sieben Jahre der Aufopserung, der Roth und der Arbeit.... und ich schätze mich nun glücklich, ans dem Orchester der Kathedrale einen Platz zu haben, und ich krümme den Rücken und bettle, um auf dem Clavier oder der Violine eine Stunde zu geben." „Unglücklicher Freund!" murmelte Berthold gerührt. (Fortsetzung folgt.) sagen: Hier ruhet auch Eluer der Unseren. Ja, mnue Herren, Plötzlich, unerwartet, unvorbereitet ist er uns, ist er den Seinen entrissen; darum sei sein Tod uns eine Mahnung zum schnellen Handeln, damit, wennun» vielleicht der Tod eben so schnell von den Unsrigen reißt, wir ruhig die Augen schließen tonnen. Friede sei seiner Asche!" Der Bruder des Verstorbenen, Hermann Eich. mann, Mitglied eines Max Hirsch'schen Oitsvereins. hatte die Mitglieder dieses Ortsvereins eingeladen, seinem Bruder die letzte Ehre zu erweisen; außer ihm war jedoch lein OrtSvereiuler erschienen. Herr Hermann Elchmann sprach den Mitglieder» des Allg. deutsch. Maurer- Vereins seinen Dant mit dem Bemerken aus, daß der heutige Tag ihm bewiesen habe, aus welcher Seite das Prinzip der Brüderlichkeit zu finden sei; er bat, man möge seiuen Bruder nicht aus den Listen des Allg. deutsch. Maurer-Verein« streichen, er werde sosort an dessen Stelle treten. So ist e» recht. Agitiren, stet» und überall, das ist die Hauptsache, selbst auf den— Kirchhöfen. tfcSi Allgemeiner deutscher Zimmerer Derei«. Berlin, 4. Febr.(An die Mitglieder.) Da seit der Generalversammlung stch die Ansprüche an die Sentraltrankentasse wider alle» Ermatten verdop. pelt haben, ist in der AuSschußsitzuiig vom 3. d. M. folgender Autrag einstimo.ig angenommen worden: „Das Krankengeld ist für die Woche um ein Viertel- t.eil herunter z« setzen, so daß vom 1. Februar an bis aus Weitere« einem jeden Krauken für die volle Woche nur 1 Thlr. 15 Sgr. Krankeugeld au» der Kasse gezahlt wird. Alle Bevollmächtigte haben die» sofort zur Kenntnißnahme der Mitglieder und besondes de« «assirer» zu bringen. Für das Präsidium G. Lübkert. Allg. deutsche vereinigte Metallarbeiterschaf«. Hffenbach, 3. Febr.(An die Bevollmächtigten.« Um zahlreichen Aufrageu zu begegnen, mache ich hielmit bekannt, daß d!i Generalversammlung iu Anbetracht der am l. Juli stalifindendcn Vereinigung sömmt- licher Geweilschasten beschlossen hat. den Arbeitern an- derer Geschöf'e, als den im s 2 genannten, den Eiutritl in unsere Arbeiterschast zu gestatten. Allgemeiner deutscher Schuhmacher- Berein. Berlin, 4. Febr.(An die Mitglieder.) Proio- kolle und Abrechnungen können jetzt versandt werden; da mir aber mehrere Briefe zurückgekommen, ich also noch nicht alle Adressen der Bevollmächtigten richtig weiß, so bitte ich nochmals um genaue Angabc der Adressen der Bevollmüchtigten und um Mitlheilung, wie viel Protokolle und Abrechnungen man verlangt. Das Stück kostet 6 Ps. und die Zahlung kann durch Post- marken berichtigt werden. Auf die an mich gestellte Frage Uber mein Verhalten, erkläre ich hiermit: Ich werde fest zu unserem Prinzip halten,«erde aber Jeden, der gegen»nsre Organiiaiion handelt, mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft zu vernichten suchen, und glaube, daß, wenn Jeder so vorgehen wird, wir auch vorwärts kommen werden. Mit Gruß und Handschlag. G. ZielowSly, Präsident, Ritterstraßc 35, Hos 3 Treppen. Berlin, 4. Febr.(«n die Mitgli-der.) Ich ersuch- die Mitglicdschasten, welche ihre Abrechnung vom vorigen Quartal bis j.tzl noch nicht eingeschickt haben, die« spät.stens bis zum>5. Februar zu thun. Ich mache seruer daraus aufmerksam, daß eine M rgliedschaft welche keine Abrechnung einsch-ckl, ihre Ansprüche an die Hanptkasse verliert und als ausgesckiiedcn betrachtet wird; wenn tciu Geld da ist, so müssen wenigstens die Abrechnungen eingeschickt werden. Die Mitgliedschaften, welche ihren Verpflichtungen nicht nachkomme�, werde ich nach dem 15. d. M. im„Social Demokrat" bekannt machen. Nachträglich sind ihren Verpflichtungen jder Hanptkasse gegenüber nachgekommen: Berlin und Freiburg. Mit social- dcmokrathchem Gruß. F. Koglin, Hauptkassirer, Ritterstr. 35. Alla. Taback- und Eigarrenarbeiter-Gewrrk- s»aft. Osnabrück, 1. Febr.(Agitation und Maß- regeln ng.) Da in der Umgegend von Osnabrück in mehreren Ottschaften Eigarrenarbeiter sind, welche nicht zur Gewerkschaft gehören, und dies einen bedeutenden Einfluß auf die Fabrikation iu Osnabiück hat, so be- schlosien wir in einer am Sylvesterabend abgehaltenen Versammlung, eine Agitation dort vorzunehmen, und machten damit in Pr. Oldendorf den Anfang. Es wurden dazu die Unterzeichneten bestimmt. Am 2. Ja- nuar hielten wir dort eine Versammlung ab, sprachen über die jetzige ProductionSweise und machten die Arbeiter aus ihre Verhältnisse aufmerksam. An jenem Otte sind nämlich die Leute, wenn sie nicht abreisen wollen oder können, gezwungen, jede Pille, welche ihnen von ihren humauen Prinzipälen vorgelegt wird, zu ver- schlucken. Es existiren zwei Fabriken dort, sollte es aber einem Arbeiter einfalle», sich seinem Herrn oder Meister nicht zu fügen, so ist er überall in den Bann gelhan. E» heißt einfach:„Hören Sie auf!" Kann nun fdcr Mann au» diesem oder jenem Grunde nicht abreisen, so mnß, da er keine Unterstützung bekommt, er auch nicht hat Ersvanlisse machen können, er sich unter allen Um- ständen fügen! So haben jene Herren ihre Forderungen stet« in allen Thcilen durchgesetzt.— Hiervon waren unsere Sollegen auch längst überzeugt und somit wurde unsere Aufioiderung, der Gewerkschaft, welche Gemäß- regelten und Arbeitslosen bei xerechlen und geregelten Ardeits-Einstelluiigen Hülse und Un-erstützung gewährt, beizutreten, einstimmig angenommen. Ader so etwa« paßte nicht in den Kram der Herren. Herr Bufi— so heißt der«rne— hatte nicht» eiligere» zu thun, als die beiden„Glücksprediger", wie er uns zu nennen sich gewogen gefühlt hat, zu arbeiten aufhören zu lassen, jeden- falls in der Hoffnung, der Sache damit den Todesstoß zn versetzen. Aber fehl geschoffen, wir lasten uns so leicht nicht abschrecken und mit doppelter Energie«erden wir unsere Agitation sortsetzen. Ihr Herren fordert un» ja selbst dazu auf, indem ihr sagt: Die Fabrikation gehe für OSuabrück verloren, aus den Dörfern könntet Ihr billiger producire» lasten!— Weil w.r diese« selbst ein- sehen, so ist es unsere heilige Pflicht, diesem Unheil entgegen zu arbeiten. Wird dann wirklich die Fabrikation noch schneller dnrch unsere Agitation au» Osnabrück»er- trieben, so hätten wir den Vottheil, daß unsere elende, Lage eine kürzere sein wurde, ist da» aber nicht der Fall wovon wir fest überzeugt sind, so sind die Herren gezwungen, wenn wir fest zusammen stehen, unsere For- derungen zu bewilligen, deun drohen, das G-schäft zu schließen oder ein anderes Geschäft anzufangen und das alte Geschäft von einigen 100 Arbeitern ganz aufzugeben, ist leere Phrase, womit man un« nur einschüchtern will Das Empörendste ist, daß man gegen unsere Vereinigung alle Hebel iu Bewegung setzt, wogegen die Fabttkanten schon seit Jahren eine Vereinigung gehabt haben sollen. Wir haben hier Fälle gehabt, daß ein Arbeiter bei seinem Prinzipal aufhörte, und von einem andern Fabrikanten, bei dem er um Arbeit anfragte, die Weisung erhielt: „Ich darf Sie jetzt nicht annehmen; Sie müssen erst einige Tage bei einem Andern arbeiten, dann kommen Sie nur wieder!" Collegen aller Ort«, Ihr seht, daß es unsere heiligste Pflicht ist, unsere Eollcgen, welche noch nicht in der Gewerkschaft sind, mit heranzuziehen. Des- halb fordern wir Euch Alle auf. unserm Beispiele zn folgen und Agitationen vorzunehmen, was dringend nölhig ist. S>nd wir Alle unter einem Banner vereinigt, so wird auch der Tag de» SiegcS nicht mehr fein sein. Darum frisch Haud an« Werk gelegt; auch wir wollen das Unsrige thun. Mit social- demokratischem Gruß. H� Sandkühler, Bevollm. A. Rönne. Allgem. deutsche Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Kappenmacher. Wir erhalten von Herrn H. Behrens die Nach- richt, daß auch in Wismar sich eine Mitgliedschaft der Gewerkschaft der Schneider zc gegründet hat. Die Ar beiterbewegung scheint somit auch in Mecklenburg immer mehr an Ausbreitung zu gewinnen. Die Gründung dieser Mitgliedschaft ist das Verdienst de» Herrn Liebisch und der Hamburger überhaupt.— Das Reiseunler flützungsgeld ist des Mittag« vou 12 bis 1 Uhr und de« Abend« von 8 bis S Uhr hinterm Schilde No. 6 zn erheben._ Gewerkverein deutscher Holzarbeiter. Au» Bernburg schreibt un» Herr Hühnerbe in- Am 29. Januar sand hier eine Versammlung der Holzarbeiter wegen Gründung einer Gewerkschaft für Holz arbeiter statt. Der- Zimmerer Herr Gustav Lampe aus Halbrrftadt war dazu als Redner eingeladen und erschienen. Herr Lampe hielt einen gediegenen Vortrag über die gegenwärtige Ardeiterbewegung, über die Gr- »ossenschaslen und Associationen der Arbeiterschaften und deren Nutze», und forderte dann zu Einzeichnungen auf ES zeichneien sich mehrere der Anwesenden e.n und beschlossen, noch einige Collegen als Mitglieder heranzuziehen, und dann einen Bevollmächtigten zu wählen. Allgem. deutsche Manufactur- Arbeiterschaft Berlin, den 4. Febr.(Zur Notiz). Vielen Wünschennachkommend, und im Interesse der reisenden Mitglieder, ivelch: Reiseunterstützung beauspruchen, ersuche ich die zeifigen Bevollmächtigten der Allg. deutsch. Ma nusaklurarbeiierschasl genaue Adresse den abreisenden Mitglieder zu geben, damit der Uebelstand langen Suchen'« Uiid Zeitveisäumnisses gehoben werde. Für Berlin werden Reiseunlerflützungen nur gezahlt beim Unterzeichneten, Palisadenstiaße 2k u, vorn, 4 Tr. hoch. G. Uichmaun. Vcrmt!ch!es. *(Hietzinger Hofsocialismus.) Wir bringen abermals in Erinnerung, daß die Erfenacher Volksparlei von reactionären Elementen dadurch unterstützt wird. daß der Banquier Fränkel zu Leipzig in Auftrag 600 Exemplare de» Liebknechl'schen Blatte« abounirl. Dieser Thaisache hat man, da sie zweifellos flststeht, noch niemals zu widersprechen gewagt und wird c» auch iu Zukunft nicht wagen. Gleichwohl muß dieselbe von Zeil zu Zeit in Erinnerung gebracht werden, damit sie nicht in Vergessenheit geräch. *(LilerarifcheS.) Unter dem Titel:„Die So- cial-Demokratie auf dem Reichstag" ist eine Broschüre erschienen, welche gegen die in der letzten Reichstags- session über die Ziele der Social-Demokralie gehaltene Rede Schweitzer'« gerichtet ist. E» enldält die Brochüre die Rede de« Abgeordneten Braun, durch welche dieser Schweitzer zu widerlegen gedachte und als Hauplth.il einen Aussatz von Prince-Smith, in welchem die ein- zelnen Ausführungen Schweitzer« bekämpft werden. Diese von Sophismen strotzende sogenannte Widerlegung der socialistischen Lehren ist nichts als eine Wiederholung der gewöhnlichen Phrasen der Bourgeoisökonomie; natürlich macht gleichwohl die Bourgeoispresse viel Aufheben« davon. *(Die Königliche Regierung znDüsseldorf) giebt als Grund der tsoncessionsverweigerung zum Wirths a astSbetneb an, daß da« Hau«, in welchem der WirthschaflSbettteb stattfinden soll, der Polizei zu abgelegen wäre. Da« Haus liegt in Obcrmeiderich an einem schönen Communalwege. Diese Auslegung de« Z. 33 der Gewerbeordnung übertrifft wirklich auch Alles bis jetzt' dagewesene. Wir werden gelegentlich noch näher auf die>Angelegenhiit eingehen. Der die Concession Nachsuchende ist ein Soctal-Demokrat - der Präsident der Düsseldorfer Regierung aber heißt: Kühlwetter. *(Zum Versammlungsrecht.) Wir machen unsere Peittigenossen dqrauf ansmertsam, daß jetzt auch die„Kreuzzeiiung", die der Regierung bekanntlich sehr nahe steht, wenn auch unter Klagen erklätt, das öffentliche Versammlungen, welche des Sonntags während de« Gottesdienstes stallstndcn sollen, nach den bestehenden Gesetzen polizeilich nicht verhindert werden können. —(Mandatsniederlegung.) I)r. Bernhard! (national-liberal) hat sein Rcichsiagsmandal für die Kreise Ziegenhain-Frltzlar-Homberg niedergelegt. —(Folgen des WasfentragenS außer Dienst.) Am 1. dss. hat ein Soldat einem Arbeiter in Emden durch einen Säbelhieb den Schädel gespalten, so daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. —(Zu der Bochumcr Assaire) wird folgendes noch milgelheilt: Am 1. Februar erfolgte von Seilen der Kronanwallschaft die Verhaftung de» Eommissionärs Grastorf, welcher in die Uutersuchungssache gegen die Brüder Dickhoss zu Bochum wegen Befreiung M.lrtär- Pflichtiger vom Dienste verwickelt sein soll. *(Evlossale Schlauheit.) Wie die„Nordd. Allg. Ztg." berichtet, hat der jetzt so bekannt gewordene Bürgermeister Herr Trip einen amtlichen Schnitzer ge« macht, der, wenn die„N. A. Zt. richtig erzählt, alles bis jetzt Dageivesenc übertrifft. Das Blatt schreibt: „Bor längerer Zeit führte Hr. Trip im Auftrage des OberprocuratorS eine Untersuchung wegen falschen Geloe«. Statt dos bezeichnete Berveisslück dem Oberprokurator einzusenden, zahlte er das falsche oder wenigstens als falsch angesehene Geld per Postanweisung ein. Dies- Handlung, deren Bezeichnung dem Leser überlassen werden kann, hatte natürlich zur Folge, daß das Geld im Post- verkehr alsbald ve> schwand, der Oberprokurator aber statt der Ukberjllhri-ngsstllcke richtiges Geld von der Elder- felder Post erhielt und die Untersuchung wegen Mangel« der Ueberführungsstücke sistrrt werden mußte. Das Schreiben des Oberprokurator» dürfte wohl eiue Zierde der Personalakten des Hru. Trip bilden." Wir l emer- ken hierzu noch, daß, wenn- ie Angabe der„N. A. Zt." auf Wahrheil beruht, der Herr Trip ein wahrer„Muster- bürgermeister" ist. Was die Arbeiter übrigens von dem Herrn Bürgermeister zu erwarten haben,(trotzdem im Abgeordnelenhause von liberaler Seite erklärt wurde, daß demselben beim Hammerschlage in ganz Solingen ein „anerkenneudes" Trip-Trap-Trip-Trap au« dem Munde der Arbeiter erklinge) das zeigt uns sein gewaltsames Auftreten im Jvhre 1363 bei der bekannten Versammlung gegen Lassalle. *(Explosion.) In Sombyo in Mähren hatvor Kurzem cine Kcffelexplosion stattgefunden, wodurch eine Spiritusfabrik in Trümmer stürzte; eine große Anzahl Arbeite.- wurde unter denselben begraben. 5 Tobte hat man bi» jetzt hervorgezogen.— Wir melden gleich hierzu, daß am 3l. v. Mts. die Pulvermllhle in Stoppenberg bei Essen in die Luft geflogen ist, wodurch ebenfalls ein Arbeiter getödtet und 4 schwer verletzt wurden. Solche Unglücksfälle, durch welche gerade Arbeiter ihr Leben verlieren mehren sich auf erschreckende Weise— Aus slüsse der heutigen Produktionsweise. —(Unglücksfall.) In einer böhmischen Brennerei ereignete sich am 25. v. M. ein großer Unfall. Gegen Morgen befand sich der dottige Brenncreiverwalter Hesse mit seinem Heizer in der Brennerei, die er bereit? in Betrieb gesetzt. Plötzlich erfolgt ein fürchterlicher Knall, und der herbeigeeilte Wächter bemerkt, wie aus allen Tbüren und Fenstern Feuerflinken spiühen, und daß die ganze Brennerei voller tosenden, heißen Dampfes ist. Gleichzeitig vernimmt er ein verzweifeltes Hilferufen des am Feustcr stehenden Hesse, sowie das Weheschreien eine» l5jSbrigcli Knaben, der kurz zuvor au» der Rößmühle hereingetreten war, um sich zu wärmen. Beide Unglücklichen riß nun der Wächter schnell zum Fenster hinaus. Der Brenner war über und über vom Dampfe und kochenden Wasser verbrüht, seine Füße waren förmlich gekocht, und von den Händen streifte sich beim Anfassen die abgelöste Haut, nur eine der Fußsohlen war unver lehrt. Trotzdem vermochte der Unglückliche noch selbst bis in sein Zimmer zu gehen, woselbst er erst nach sechs schrecklichen Stunden seinen Geist aufgab. Den Heizer fand man im Hofe, wohin ihn da« siedende Element geworfen, mit verbrühtem Untcrle be; er starb am andern Tage. Dem Knaben ist der ganze Kops und Hal» total vrbrüht; sein Tod steht jeden Augenblick zu erwarten. —(Unglücksfälle in Kärnten.) In Kärnt n liegt der Schnee an vielen Orten schon 10 Fuß hoch. Viele G-birg«döifer und zahlreiche einzeln stehende Wohnhäuser sind ranz verschneit, so daß oft nur die Giebel der Dörfer aus den Schneemassen hervorragen und man von den Bewohnern einzelner Gehöfte, wo die Herstellung jeder Verbindung eine Unmöglichkeit ist, gar nicht weiß, ob sie noch am Leben sind. Die Wucht des Schnee'« bat viele Dächer eingedrückt und rollende La- winen haben so manche« Haus mit Mann und Mau» verschüttet. Die Gemien kommen vom Königsberge bis zu den Häusern herunter und eine nilderrauschende Lawine hat vier an ihr Tagwerk gehende Tiroler Arbeiter verschllttet. Nahe bei Miüstadt wurde zmischeii Laubendors lind Tresfling ein junges Mädchen und zwischen Sp.tal und Seeboden eine rüstige Frau im Schnee todt gefunden. Bei Fresach im Drauthale erfror ein Mann, uud aus dem Wege nach Slockcndoi sind drei Personen er- froren Sämmtlichc Verunglückte waren vom Waten in dem tiefen Schnee ermattet, setzten sich nieder und schlieseu ein. um nicht wieder zu erwachen. —(Bate.r Wrangel.) Durch die Berliner Blätter läuft folgende Schnurre:„Vater Wränget!" hat am Miitwoch den Besuchern des Ratbskelle.s ein großes Gaudium bereitet. Der alte Herr lies sich beim Besuche der Räume in gewohnter Weise gehen, trank in e nem Glase Sect da« Wohl des Könige, in einer Tulve Bier da» des Magistrat« und der Gäste des Roth« keller«, und hielt dann, als man ibm ein Hoch ausgebracht halte, eine kleine Rede, in welcher unter anderm solgeude komische Stelle enthalten war:„Seid nur still, Ihr ärgert Euch ja doch, daß ich solange lebe; ich habe Euch ja doch eine schwere Menge Geld gekostet!" Unter einem diesen Worten folgenden stürmischen Hurrahrufeu der Gäste verließ der Marschall den Keller. —(Zum Polizeilichen Verbot.) Die„Kreuzzeitung" schreibt:„Die Nachricht der Bolkszeitung, daß eine von den Maschinenbauern zum Besten der Waldcn- burger projeclirte Matinee„verboten" worden sei, wird un« als irrig bezeichnet." Die..Bolkszt." antwortet darauf:„Unsere Nachricht war aber buchstäblich richfig. Nicht blos die Matinee der Maschinenbauer wurde deshalb verboten, sondern auch eine Matinee der Tischler. Aus eine Beschwerde e, klärte der Polizeipräsident: e« thue ihm leid, aber er habe von oben Weisung, keine musikalische Aufführuug zum Besten der Waldcnburger zu gestetten- Passi-en könne nur eine Aufführung„für wohlthälige Zwecke" ohne nähere Angabe". —(Eine deutliche Personalbeschreibung.) In der Nummer de«„Staats Anzeiger« für Wllrttem- berg" vom 14. Januar verewigt sich der Staatsanwalts gehülfe zu Rollenburg durch einen Steckbrief, in welchem die Personalbeschreibung also lautet: 64 Jahre alt, Wittwer. Statur: schlank. Größe: mittel. Haare: blond. Nase: lang. Besondere Kennzeichen: 1) spricht sehr hochdeutsch, 2) trägt sich städtisch, 3) war in Ame- rika.— Briefkasten. R. in Hamburg. Die Annonce ist so bei uns ein- gelaufen, wie Sie sie abgedruckt finden. Auf einen Bri.-s des Herrn Schmitz in Crefeld theile ich mit, daß derselbe mir im December eine A b- rechnung sür November und eine Eutschuldignng sür December eingesandt hat. Dadurch aber ist Ereseld durchaus nicht seinen Kassenverpflichiungen nachgekommen. Ich mache, um jeglichen Zweifel zu entfernen, nochmals daraus aufmerksam, daß nur die an mich eingesandte Hälfte der Miigliederbeiträge oder eine schriftliche An- Weisung oder Dispensirung des Präsidenten die einzelnen Orte entlaste»._ W. Hasenclever. Für Drrlin. Allgemeiner deutscher Arbeiter-Berein. Geschlossene Mitgliederversammlung Heut», Tonnabend,». Febr., Abends«'/-Uhr, in der„Villa Bella" des Herrn Jarmer, Gitschiner- straße 16. 1) Präsidentenwahl. 2) Vorschlag eine« Bevollmächtigten, Beitragsamm- lers und dreier Revisoren. 3) Versammlungslokal. 4) Vortrag de« Herrn Hasenclever: Ueber die Be- strebungen der sociat-demokratischen Arbeiterpartei. Die Mitgliedskarten sind vorzuzeigen. Um zahlreiche« Erscheinen ersucht E. W. Tölcke. /fit Derlm. Allg. deutsch. Schuhmacher-- Versammlung IT Montag, den?. Februar, ÄbenU Mittelstr. 57(zur guten Quelle), im Saalt- Tagesorduung: Der am vorigen Moutag ausgefallene* det diesmal statt.— Abrechnung pro Janitl Wegen wichtiger Mittheilungen des PrdK den die Mitglieder ersucht zahlreich und püt- scheinen. Gäste haben Zutritt. ( Für Berlin. Allgem deutsch. Zimmerer-� Geschlossene Mitgllederversasc Montag, den». Februar, Abcud�itung ers iu La ade'» Lokal, Große Franlsutteth�ntlü� Tagesordnung: j, Daiim 1) Kassenbericht der Teritral- und-inabend»\ 2) Wahl de» neuen Vorstandes.— 3)& Äkkmdpreise.— 4) Verschiedenes. Fraget- Ich ersuche die Mitglieder, recht zahlreich iementS-' Ol timmern 1 «sck Für Hamdnrg. f 91 Allgemeiner deutscher Arbeiter«!- Geschlossene Mtglieberversai»- Montag, den?. Februar, Abend» p in Tütge's großem Salon, Valentin Tagesordnung: Präsidentenwahl.— Vorschläge zum®|j) 0 s sj und dreier Revisoreu.— Abrechnung sür VerschiedeulS. A. Hörig, Bevik Dornbusch uuter 12 t- Bi Nö. Im Austrage der hiesigen Milgli-'r Schw ich alle auSwältigeu Parleigerwssen, Briese �J�cobd Zusendungen, welche zur Mittheilung miiglicder hier gelangen sollen, nur dirett', senden. 2s hatten 4esellschas :S Her« Für Hamburg... v„ul Allg. deutsche ver. iütetaUarl'Mt„Ere Officielle Vers ammlu»Eben de» Abends 8 Uhr bei Herrn Lüder-, us". z Tagesordnung:_ J pje-gj eine zu Tagesordnung:, Abiechnung.— Belicht der Eommi'swL; Lüneburger Slrikes._ I. Ros � Für Hamburg. Zde, daß Allg. deutsch. Gewerkschaft der- Kürschner und Kappenmacb-n bedei-I GeneralversammlK hsu der Kranken, u. Tterbekasfe Allgem. deutsch. Schneider-�'F Mittwoch, den». Feb.uar, SlbeiiK�? 01 '------- auj-D.ng- im Saale dis Schneiser-Amtha«!--�---->:•• Tagesorvuung: Vorbringl Wahl einiger Voistandsmitglltder."- und verschiedelic Anträge. stellt f« ------!• Nß. Die Karten der Krankenkasse müsl-ftlehrter F.'äjyku begi werden. efür Hllmdarg.®0n T Allg. deutsch. Maurer-Bereiu u. Alt stnd. I Zimmerer Berein.'er �ölkÄ Freundschaftliche VersaB�� Dienstag, den 8. Februar, Abend* zeigt ei im ehemaligen TlllyIer-AmrshauS, WH' endlich Tagesordnung: Th«!l Bortrag.— Vermischte».— Fragekasb" NB. Meine Adresse ist: Kurzestraße 30- f ....— se, nich .Für Hamburg, hat, Allg. deutsch. Schuhmacher�ngen zi . i»•'-»v in• iiam ju O e s s e n t l i ch e Versamm-«.tehen ge Montag, den 7, Februar, Abend»«soll als im Lokale de« Heirn Lüders- werden. Tagesordnung: jiug de Vortrag de« Uuterzeichneteu. jj jjj j Nß. Die Mitglieder iverden ersucht, fill?.. volles Lokal zu sorgen un» recht tüchtig uns-', � machern zu aguiren. Hisüiehr„ �enschafte J, daß Für Altona. Allg. deutsche Gewerkschaft der Wegreist Kürschner und Kappenma»� 6' Geschlossene Milgliedcrversaa>� so wis Montag, den». Februar, Abend« shj� � im Schiieioer-Amihaus., jn Tagesorvn ung: L'*,, 1) Ab« hnung.- 2) Neuwahl der 4V, e' Die Mitglieder werden gebeten, xff' erscheinen. I H. F-)- Tai —---' � ar nach Für Altona. /che», t Allg. deutsch. Schuhmachet�t sprach � �Versammlung...err Jac Montag,®cn'• Februar, Abcit"iien im cv* f x Schuhmacher-Amihaust- 1 s�„ Ich ersuche die Milglieder, recht zahtrei« g>. I. A.iÄ-A, Kr sag iFar Ahrhoe. r- Versammlung oer hicflgea Milglild6> man Allgememea deutschea Arbeiter'Ku lai Sonntag, den« Feb., Nachm. P",'?°° bei W. Egger«, Feld ch.ni-°- Z°°.-r Tagesordnung: � Präsidentenwahl sc. daß er Irl z. fljtal aug, »oi-traa thun. Für Hamburg- �'U' s Van dem 1. Fcdruar ab sind alle®l(,{tn y fteüuiigen zn richten an Julius Sleinweg Nr. 64, sollte man die Thür°. h#ii in/ihmih kx« ri, n«'iDfB*', ifn. ißt, sirnic mau 01C rl llß jen de« wädr-lld der Zeit, wo der„Scc-'F�Zolksv-i gen wird, so benutze man den«rtw»�.. gegenwärtig uoch Protokolle nnd Kal-n»� -- sich Ich erkläre hieimit Herrn W. �-haux Ehesrau sür die ehreiihaflcsteu Leute uad�twähi MißHelligkeileu Zwischen un» sIaltgcsu»dr0gU.iiter di � Nicht g —-- �Jfl' ein g(($ nachte Druck von R. Bergmann>" J als c ajrun von vr.-oergum»-- a Berantwarll. Redakteur u. Verleger 25.®'■