Ur. 147. AdlNMtments-Dedkngungen: SbonnemenlZ-Prei« pränumerando: vierleljährl. SL0 Mr.. monail. 1,10 m, wöchentlich 28 Pfg. frei tnZ Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonnlag»- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: S,S0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung». Preisliste für ISSS unter Er. 7576. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. 13. Jahrg. Die Insertions-Gebilhr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» »eile oder deren Raum SO Pfg., für Vereins- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben iverden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich autzer Montag«. Devliner VolKsvl�tt. Fernsprecher:»mt I, Nr. 1566. Telegramm-Adresse: ,, Sozialdemokrat»erltn". Dentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: SW, 19, Beutlz-Stratze 2. Die Wahlbetrachtungen unserer Gegner sind alles eher als siegesfroh, der Katzenjammer steckt ihnen in allen Gliedern, sie können über ihre Erfolge nicht froh werden, sie reden sich immer tiefer in Entrüstung und Kampfes- stimmung gegen die umstürzlerische Sozialdemokratie hinein, sie verlieren ganz den gewohnten halbwegs anständigen Ton und selbst die„Vossische Zeitung" scheint ihre Redakteure bei der„Post" in die Lehre geschickt zu haben. Wir können's tragen, und wenn dem frei- sinnigen Bürgerthum dieser Ton gefällt, nun desto besser Wir sind die letzten, die den Niedergang des Bürgerthums zu betrauern haben. Muß doch mit dem Niedergange der Füh- rung und der publizistischen Vertretung des Bürgerthums der Zuzug der anständigen bürgerlichen Elemente in unsere Reihen nur noch rascher vor sich gehen. Der Segen Miquel's, Posa- dowskh's und Stumm's wird der freisinnigen Volkspartei moralisch und politisch zum Unsegen gereichen. Eugen Richter's parlamentarische Stellung, das Gewicht seiner Worte auf der Tribüne des Reichstags wird mehr leiden, als er es ahnt. Die Protektion der Stockniann und v. Schirp wird das Ansehen der Erwählten des Berliner Kartells im Reichstage nicht fördern. Die Herren Zwick und Kreitling werden keine parlamentarischen Lorbeeren ernten, und die Frage, wer ist Zwick und wer ist Kreitling, wird nicht sehr schmeichelhaft beantwortet werden. Die Eintagserfolge der Freisinnigen werden an dem besiegelten Niedergange der Partei, die einmal Namen wie Waldeck, Ziegler und Johann Jacoby zu den ihrigen zählte, nichts ändern. Warum freuen sich denn die Freisinnigen, soweit sie über- Haupt zum Genuß der Freude am Wahlresultat gekommen sind, über ihre„Wahlerfolge," sie betasten ihre Glieder und sind höchlichst erstaunt, Kdaß sie doch noch nicht ganz todt sind. Ueber ein Dutzend Stimmen, die noch dazu wahrscheinlich un- giltig sind, freuen sie sich, als ob sie die Trophäen einer rühm reichen Schlacht nach Hause gebracht hätten. Einige Opfer haben sie freilich gebracht, das soll nicht verkannt werden, sie haben ihre politische Ehre verschachert, das wiegt aber bei ihnen nicht viel; für andere Parteien würde freilich dieses Opfer etwas mehr bedeuten. Bei der Ausbeutung des seltsamen Wahlsieges, der die Macht der Freisinnigen als Bezwinger der Sozialdemokratie den hohen Gönnern und den noch höheren Behörden darlegen soll, wird darauf hingewiesen, daß die Entwickelung der Sozialdemokratie in den Großstädten nicht mehr den raschen Gang nimmt wie bisher. Daß dies eine selbstverständliche Erscheinung ist, daß dies bei der hohen Stimmenzahl, die wir schon in den Großstädten haben und bei der von Jahr zu Jahr steigenden Hinausdrängung der Arbeiter in die Vororte gar nicht anders sein kann, hat sich jeder statistische ABC-Schütze von den Schuhsohlen längst abgelaufen. Da aber die Herren Freisinnigen auf das gleiche Unvermögen, sozialstatistische Thatsachen zu erkennen, bei den neuen Gevattern rechnen dürfen, verfängt vielleicht diese Reklame. Dort freilich, wo die Bevölkerung noch nicht so erfüllt war mit sozialistischem Geiste, wo bei den Wahlen von 1893 erst die Agitation fiir die Ziele der Sozialdemokratie ernstlich begonnen wurde, haben wir außerordentliche Erfolge zu verzeichnen, die vor allem den agrarischen Ausbeuterparteien ein ernst- liches wemsuto mori entgegenrnfen. All' der Hohn über unsere Landagitation, all' das Pochen auf den Wall gegen die Sozialdemokratie, den der ostelbische Patriarchalismus um die Landarbeiterschaft gebaut haben soll, muß völlig ver stummen vor unseren Erfolgen in Ostpreußen, in Ober schlesien, in Mecklenburg, in durchaus ländlichen Kreisen in Sachsen, in Braunschweig und anderwärts. DaS beste Bild von der Art, wie der Samen unserer Agitation auf dem Lande in die Halme zu schießen beginnt, zeigt die von der konservativen„Elbinger Zeitung" aufgestellte Statistik über das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen in Ostpreußen. Wir theilen die lehrreichen Zahlen hier mit: 1893 ISöfi in Memel-Hehdekrug.,. 180ö 3002 „ Labiau-Wehlau.... 1392 3564 „ Königsbera-Land... 4400 6619 „ Heiligenbeil-Eylau.., 083 1650 „ Pr. Holland-Mohrungen. 0 907 „ Osterode-Neidenburg.. 75 754 „ Rastenburg-Friedland. 660 3178 „ Tilsit....... 1489 2072 „ Ncigiiit-Pillkallcn... 225 3539 „ Gumbinneii-Jnsterburg. 492 1373 „ Angcrburg-Lötzcn... 33 467 „ Ltick-Johannisburg.., 630 1297 „ Sensburg-Ortelsöurg. 32 266 Demnach scheint also die Sozialdemokratie durch den Freisinn noch nicht so bald mausctodt gemacht zu werden. Ostpreußen ist die Heimath der Partei Junglithauen, aus der sich die Fortschrittspartei, die deutschfreisinnige und die nun unter dein Protektorate des Herrn Ober-Postassistentcn Stock- mann und des Zahnarztes Strumpf stehende Partei zurückentwickelt hat. Hier in ihrer Stammburg, die sie steilich längst dem Junkerthume ausliefern mußte, macht also die Sozialdemokratie einen so gewaltigen Vorstoß, der uns zuver- sichtlich fiir die Zukunft macht. Wo wir in die Domäne der starken Jnnkerpartei, die über den Behördenapparat in der ungenirtesten Weise verfügt, Bresche geschlagen haben, brauchen wir wahrlich nicht das ohnmächtige Gequake der aufgeblasenen Freisinnsfrösche zu fürchten. Das Zentrum, das noch mehr als die Konservativen als ernste politische Partei in betracht kommt, rühmte sich stets. daß es die unüberwindbare Schutzwehr gegen den Einfall der Sozialdemokratie ist. Sicherlich ist dies übertrieben, wie ja schon allein der Hinweis auf die EntWickelung unserer Partei in Süddeutschland beweist, aber richtig ist es, daß wir in den vom Zentrum beherrschten Kreisen langsamer fortschreiten, als in anderen Gegenden des Reiches. Vom Zentrum sind nieist wirthschaftlich zurückgebliebene Gegenden beherrscht, in denen naturgemäß die Sozialdemokratie langsamer Fuß faßt, wie in den Gebieten der industriellen Großproduktion. Daß aber mit der raschen industriellen EntWickelung Deutschlands auch das Zentrum bald ernstlich von dem Vormarsche der Sozial- demokratie bedroht werden wird, beweisen die für uns über- aus erfreulichen Wahlergebnisse in Oberschlesien. Diese Wahlbetrachtungen beweisen, daß wenn wir auch manches Wahlergebniß anders gewünscht hätten, wir mit dem Gesammtausfalle völlig zufrieden sein können. Deshalb Genossen, wo ihr diesmal eine kleine Schlappe erlitten habt, nicht den Kopf gesenkt, sondern Kopf hoch und rüstig und rastlos weiter gearbeitet für den Sieg der einzigen Volkspartei im Deutschen Reiche, für den baldigen und ganzen Sieg der Sozialdemokratie. Aus Frankreich. Paris, 22. Juni.*) Zur Ministerkrise.— F. Kaure's persönliches Regiment.— Radilnle Schachcrpolittk.— Dreyfus überall.— Ein militärisches Attentat. Die Ministerkrise dauert bereits seit acht Tagen, und zur Stunde doktert Felix s�aure noch immer an der Aufgabe hemm, ein ,Versöhnungs-"Ministerium zu stände zu bringen,'welches die Ordnungspolitik Meline's unter einer neuen Finna fortsetzen soll. Der Umgang mit dem Zaren, der Heiligenschein der russischen Allianz hat es unverkennbar dem ehemaligen schlichten Ledcrhändlcr un! Rheder angethan. Der Präsident der Republik stcnnnt sich mit aller Macht gegen die verfassungsmäßige Ausführung des Willens der Kammermchrheit. Daher die lange Dauer der Ministerkrise und namentlich der Mißerfolg der Versuche Sarriens, ein radikal- opportunistisches Kabinet zu bilden. Ebenso wahr ist es aber. daß die Radikalen selber zum theil an F. Faure's Haltung schuld sind. Sie waren konsequent oder genauer, einsichtig genug, um nicht in ein Kabinet Ribot einzutreten. Sobald aber ihnen mit der Berufung Sarriens', des gemäßigten Vertreters des gemäßigten Theilcs der rechtsstehenden Radikalen, die Aussicht auf ein awchnlicheres Stück Macht zu winken begann, gaben sie unverzüglich ihr ganzes Programm preis— im Namen der„republikanhchen Versöhnung"! Die Revisio selbst in der harmlosen Form der Einschränkung der thatsächlichen Uebcrniacht des Senats sollte ganz und gar„vertagt", die Steuerresonn um ihren wirksamen Kern, den Grundsatz der Progressivität und der Besteuerung des gesammtcn Einkommens, beschnitten werden. Mit einem Worte, das neue„Versöhnungs"-Ministcriilm sollte wie ein Ei dem anderen den alten„Konzentrations"- Ministerien gleichen. in denen die Radikalen ihr Programm um einige Ministerportefcuillcs verschacherten, nur daß diesmal ein etwas höherer Preis, die Hälfte der Portefeuilles mit der Ministerpräsidcntschaft, verlangt wurde Die Bourgeois- Republikaner fanden unklugerlveise den Preis zu hoch— und Felix Faure verabschiedete freudig den radikalen Stroh mann Sarrien. Wie auch die Ministerkrise enden mag, ihr bisheriger Verlauf ist von bleibcnd-lehrrcichcm Werth. Nach fast drei Jahren grnndsätz- lichen Kampfes um die längst vergessenen Refornien haben die Radi- kalen in einem entscheidenden Augenblick von neuem ihre ganze Unzu- vcrlässigkeit offenbart. Und es ist nicht ihr Verdienst wenn der Schacherhandel— vorläufig I— sich zerschlagen hat. Grundsätzlich haben sie sich teis gezeigt. Zur Entschuldigung berufen sie sich auf die derzeitige haben sie alles geopfert, nur in der Pcrsonenfrage steif gezeigt. Zur Entschuldigung bei kritische Lage der Republik, auf die klerikal-monarchistische Gefahr, geschaffen durch die zweijährige Meline'sche Politik und die Dreyfus- Affäre. Wenn das wenigstens wahr wäre l In Wirklichkeit speku- lirten gerade die Radikalen in der Ministerkrise ebensowohl wie in der Wahlkampagne auf die chauvinistischen Strömungen, um obenauf zu kommen. Handgreiflich kam das zum Vorschein in der Thatsache, daß Sarrien zum neuen Kriegsminister Herrn Cavaianac auserschen hat, einen Auch»Radikalen, dermilitariftischer ist als der enragirteste Säbelratzler. Die Generalstabspresse mit Rotbefort und Drnmont an der Spitze nahm denn auch sofort das werdende Ministerium Sarrien in Schutz. Cavaignac, der in der alten Kammer Meline und den General Billot— man denke!— noch nicht rückgratslos genug gegenüber der militärischen Oligarchie gefunden, der die plumpe Erfindung von„Geständnissen" des Dreyfus aufs Tapet gebracht hatte, ist für die Rochefort und Drumont zum unentbehrlichen Mann" geworden. Die Dreyfus-Affäre greift überhaupt verwirrend auch in die Ministerkrise ein. Ribot scheiterte in seinen Kabinetsbildungs- Versuchen nicht zum mindesten wegen der Dreysus-Hatz. Man warf ihm vor seine— protestantische Konfession und einige angeblich dreysussistische" Aeußerungen seiner Frau, einer Engländerin! Noch charssichtigere Geberdenspäher behaupteten schlankweg. Ribot hätte u den KouloirS der Kanimer eine„stille, aber energische" Kampaqne für die Revision des Dreyfus-Prozesscs geführt... Ferner soll nach undementirt gebliebenen Prcßmeldungen H a n o t a u x, der„unersetzliche" Minister des Auswärtigen, auch durch seine eigenen Leute Ribot den Dreyfus- Knüppel zwischen die Beine geworfen haben, nachdem dieser es beschlossen hatte, die auswärtige Politik endlich einmal der Leitung des Hanotaux zu entziehen.— Jetzt, nach dem Mißerfolg Sarrien's, donnert Rochcfort und Drumont gegen F. Faure nicht etwa deswegen, weil er ver- -assungswidrig ein mehr oder minder radikales lvkmisterium zu ver- meiden sucht, sondern deswegen, weil er angeblich aus das Zustande- bringen eines„Dreystls-Ministeriums" hinarbeiten soll! •) Raummangels wegen verspätet. Expedition: S'�'.19. Beuth-Skratze 3. Im Zusammenhang damit sei noch die letzte„patriotische" That deS Generals Billot, des bisherigen Kriegsministers, erwähnt. Just am Borabend der ministerstürzenden Interpellation vom 13. und 14. Juni ließ er den ehemaligen Abg. Joseph R e i n a ch in dessen Eigenschaft als Landwehr- Kapitän vor einen militärischen Disziplinarrath verweisen. Grund: die Veröffentlichung der Uebersetzung eines Artikels aus der englischen„Nafional Review", worin die Möglichkeit erörtert wird, daß die deutsche Regierung im Kriegsfalle den französischen Gcneralstab bloßstellen könnte durch Veröffentlichung der Schuldbewcise gegen Estcrhazy. Der Verfasser des Artikels ist, wie nunmehr festgestellt ist, der englische Gelehrte Conhbeare. Reinach hat seinerseits den Artikel mit einigen sehr patriotischen Kommentaren versehen, indem er an das wohlverstandene Interesse Frankreichs appcllirte, wie er das inimer in seinen Artikeln zur Dreyfus' Gunsten thut. Die militärische Disziplinaraktion wäre übrigens in allen Fällen ein Attentat auf die Pretzfreihcit und die Biirgerrechte der Landivehr-Angehörigcn. Aber was ver- schlägt es? Hatte nicht der chauvinistische Abgeordnete Castelin eine Interpellation über den Reinach'schen Artikel eingebracht, deren Be- rathnng er zugleich mit der ministerstiirzenden Interpellation ver- langte'{ Galt es nicht, die chauvinistischen Stimmen in dieser Interpellation zu gewinnen?... Nach dieser Seite hat sich nun zwar General Billot verrechnet, dafür aber konnte er von vornherein vor Angriffen von demokratischer Seite sicher sein. In der That, mit zwei schüchternen Ausnahmen, hat bisher niemand in der Presse gegen das militärische Attentat aufzumucksen gelvagt. lind heute fragt Genosse I a u r 5 s in der„Petite Nspublique" mit trauerndem Herzen:„Werden wir(französische Sozialisten) alle den Muth haben, in einem Moment, wo die Wahrheit allein uns retten kann, ohne Furcht vor verleumderischen Jnsinuationcii alle reaktionären Manöver zu brandmarken? Werden wir den Muth haben, zu sagen, selbst wenn es sich um einen Joseph Reinach handelt, daß die militärische Gewalt, indem sie einen Reserve« osfizier ivegen eines Zeitungsartikels... maßregelt, für die ge- sanimte Nation die schlimmste Knechtschaft vorbereitet?..." Aber freilich gehört der Name und die Person Reinach's, des Verwandten des panamistischen Barons v. Reinach, zu den bestgehaßten in Frank- reich. Das erleichtert der militärischen Oligarchie ihr neues Attentat und erschwert eine muthige Abivehr. Jaurss' Frage dürfte daher unbeantwortet bleiben, d. h. im verneinenden Sinne beantwortet werden._ politische Mvbeefichk. Berlin, den 26. Juni. /■Zlllcö sozialdemokratische Verhetzung. Gar zu gerne möchte die ob des Wahlerfolges der Sozialdemokratie suchswild ge- wordene Reaktion iniscrer Partei so ein kleines Aufrührchcn mit etlichen Jahren Zuchthausstrafe an den Hals hängen. Was in Licguitz und Erfurt in letzter Zeit aus völlig unpolitischen Ursachen vorgekommen ist, wird ohne viel Federlesens der„sozial- demokratischen Verhetzung" zugeschrieben, weil cS eben so ins Geschäft hineinpaßt. Heute bringt der offiziöse Telegraph aus Heilbronn ein besonders gefundenes Fressen, näinlich die Nachricht von gewaltthätigen Aus- ichreituiigen, die„gelegentlich der Stichwahl" vorgekommen sind. Schimpfworte gegen den Erwählten der Ordiinngspartci, Hegelmaier, Hochrufe auf den sozialistischen Kandidaten Kittlcr, Polizei, Feuerwehr, Militär, aufgepflanztes Bajonnet, Steinwürfe, viele Vcrhaf- tiingen— das ist die Tonleiter, in welcher der Frcudengesang abgesungen wird. Wir haben angesichts des gefahrdrohenden Charakters ,- der diesem offiziösen'Telegramm offensichtlich anhaftet, unseren Korrespondenten um Ailskuiift über den gestrigen Wcltumsturz ersucht und erhalten von dort die folgende telegraphischc Antwort: „Nach Bekanntwerden des fWahlresultats sammelten sich am Freitag Abend eine Anzahl junger Burschen aus den„besseren" Kreisen auf dem Marktplatz an. Die jungen Herren ließen Hegelmaier hochleben, eine Provokation, die von anderen Leuten mit einem Hoch auf ksittlcr beantwortet wurde. Schließlich artete das Hochrufen in einen gewöhnlichen Straßenlärm aus. in dem der Gassenhauer„Du. bist verrückt, mein Kind" den Grundakkord bildete. Als gegen 10 Uhr der Radau gar zu laut wurde, hielt Genosse Kittler es ftir an» gezeigt, von der RathhauStreppe aus die Leute durch eine Ansprache zur Ruhe zu ermahnen. Die Mahnnng schien auch Erfolg zu haben, als Hegelmaier auf den Plan trat. Dieser neue Volksvertreter wußte nichts eiligeres zu thun, als Polizei und Feuerwehr zu requiriren; letztere bombardirte die Hitz- köpfe bald aus Leibeskräften mit kaltem Wasser. Nun entstand ein allgemeiner Tumult; im Rathskeller werden Fenster eingeworfen, man ruft Militär herbei, welche die Menge mit der Waffe auScin» ander treibt. Nach 12 Uhr richtet Kittler nochmals eine Mahnung zur Ruhe an die Tumultnanten. Inzwischen säubert das Militär weiter den Marktplatz und die Straßen. Viele Verhaftungen werden vor» genommen, doch befinden sich unter den Festgenommenen keine Sozialdemokraten. Zum Schluß wurde die Anfnihrakte ver» lesen und ans unersichtlichen Gründen vom Ordnungsmann Hegelmaier das Gewerkschaftshaus geschlossen. Auch wurde es für angezeigt gehalten, aus Ludwigsburg Kavallerie zu requiriren. Die ganze Affäre ist ein ortsüblicher Heil» bronner Krawall, dem keinerlei politische Bedeutung bei- wohnt, ein Vorfall, der auch ohne das Dazwischentreten der OrdnungjB� stiitzen vielleicht in Güte beigelegt worden wäre." Höchst fatal ist den Feinden der Arbeiterorganisationen der Hinweis der B r e s l a u e r„V o l k s w a ch t", daß die L i c g n i y e r Unruhen, die bekanntlich wegen der körperlichen Züchtigung eines Dienstmädchens durch die sogenannte„Herrschaft" cntstaiidcn, in der heil- losen G c s e tz e s u n k c n n t n i ß der dortigen Bcvölkcmng ivre Ursache haben, und daß der Mangel an Kenntniß d e r G e- setze seine natürliche Erklärung in den Hindernissen findet. die man der für die Bildung der VolkZniaffcn so außer- ordentlich wichtigen Arbeiterorganisationen bereitet. S ch>v e l n b u r g, der Herausgeber der„Berliner Polit. Nachr.", empfängt bon dein Industriellen-Verband jährlich ca. lOCKXi M. zu dem speziellen Zweck, der Ausbreitung der Arbeiterorganisationen entgegenzuwirken. Er fühlt sich durch den Hinlveis der Breslauer »Volkswacht" begreiflicherweise aufs tiefste getroffen und sucht sich nun in einem wnthendcn Schimpfartikel gegen den„Vorwärts" aus seiner fatalen Situation mit der Frage herauszuhelfen:„Wäre es nicht viel einfacher, zu dckretiren: ivtord, Brandstiftung, Raub, Dieb- stahl, überhaupt alle Verbrechen sind nur die Folge der heillosen Gesetzcsunkenntniß Z" So eine dumme Frage kann wirklich mir der Schweinburg stellen, für dessen Verstandsbeschaffenheit eS überaus bezeichnend ist, daß er Leute, die aus Mitgefühl für ein mißhandeltes armes Dienstmädchen sich zu Ausschreitungen hinreißen ließen, mit Mördern, Brandstiftern, Räubern und Dieben auf eine Stufe stellt. Im vorliegenden Falle ist die Frage dieses begriffsstützigen Helden der Feder um so albcnicr, als die Theilnehmer an den Liegnitzcr Unruhen, eben infolge der dort herrschenden heillosen Gesctzesunkennt- niß, notorisch erst durch die Lokalblätter von den gesetzlichen Vorschriften über Zusammenrottungen je. unterrichtet werden mußten. Zweifellos haben sie ebenso wenig gewußt, daß nach der preußischen Gcsinde-Ordnuna die„Herrschaft" das Recht der Züchtigung des Dienstboten hat. Ein moderner Mensch, der die Gesinde-Ordnung nicht gelesen hat, kann ja auch selbstverständlich nicht wissen, daß ein solches barbarisches Recht thatsächlich noch besteht. SlnS Elsaff-Lothringc», 24. Juni.(Eig. Ber.) Die„ver- einigten Ordnungsparteien", welche am IS. Juni in Straßburg gegen die Sozialdemokratie Sieger blieben, erwarten jetzt von der Ne- gierung, daß sie sich der politisch tugendhaften Landeshauptstadt gegenüber dafür erkenntlich erweise. So druckt heute die„Straßb. Post" unter der nicht mißzuverstchenden Ucberschrist„Reichstags- Ivahl und Oberlandesgericht" einen Artikel des in Colmar erscheinenden„Eis. Tagebl." ab, der sich mit der beabsichtigten Verlegung des genannten Gerichtes von Kolmar nach Straßburg be- schäftigt. Am Schlüsse desselben heißt eS:„... Wir haben alle Veranlassung, Sorge zu tragen, daß an maßgebender Stelle die Entscheidung zu gunsten Kolmars nicht erschwert werde. Mögen unsere Gegner sich drehen und wenden wie sie wollen: Der Ausfall der Reichstagswahl kann von größter Bedeutung für die Entscheidung dieser Frage werden I Das genügt I Wenn die Kolmarer Wähler sich diesen Wink zu Herzen nehmen und in der Stichivahl ebenfalls dem regierungsfreundlichen Kandidaten zum Siege verhelfen, so bringen sie die Regierung in die Verlegenheit, in der OberlandeSgcrichtS- frage entweder die Straßburger oder die Kolmarer„Gutgesinnten" vor den Kopf zu stoßen.— Die klerikale„Oberelsäff. Lcmdcsztg." bringtsolgendenhübschen Beitrag zur Geschichte einer gouvcrncmentalen Reichstags-Kandidatur:„Ueber die Entstehung der Kandidatur R u h l a n d in Kolmar wird nun bekannt, daß, nachdem alles Drängen und briefliche Aufforderungen von Straßburg aus nichts gefruchtet hatten, Staatssekretär v. Puttkainer in selbstergener Person unerwartet in Münster erschien, um Herrn Liuhland die Ausstellung seiner Kandidatur abzupressen. Es gelang. Die Regienmgsblätter behaupten, Ruhland sei zu der Swnde schon entschlossen gewesen, feine Kandidatur aufzustellen. Ächatsache ist, daß erst nach dem Besuch die Wahlvorbereitungen in die Wege geleitet wurden. Auf seinen Wahlgängen wird zur Zeit Herr Ruhland vom Polizeikommissar von Münster begleitet — vielleicht zu seinem persönlichen Schutz." Nach alledem, was man bei uns in puuoto behördlicher Wahlmache schon erlebt hat, haben wir keinen Grund, an der Wahrheit obiger Mittheilungen zu zweifeln. Die international« Zuckerkonferenz beschäftigte sich gestern Nachmittag mit den in den letzten zwei Sitzungen ins Auge ge- faßten Punkten, nämlich mit der Definition der Prämien, mit der Norm, die angewandt werden soll auf die Raffinade sowie auf die Mischungsverhältnisse, und drittens niit den vorläufigen Bestimmungen, welche bei Bedarf in Ausnahmefällen maß- gebend sein sollen. Die beiden ersten Punkte waren der Gegenstand von vorläufigen Redaktionsvorschlägen, welche in einer weiteren Sitzung endgiltig geprüft werden sollen. Der dritte Punkt gab An- laß zu Meinungsverschiedenheiten und wurde zurückgestellt bis zu dem Augenblick, wo ein posittver Vorschlag niedergeschrieben werden könne, um zur Grundlage für die Verhandlung zu dienen.— Die heuttge Sitzung der internasionalen Zuckerkonferenz wird wahrscheinlich die letzte sein; die Verhandlungen werden zwischen den verschiedenen Regierungen direkt fortgesetzt'werden. Oesterreich. Wiener Feste. Jubilirt muß werden trotz alledem. Zwar kracht daS Reich in allen Fugen, seine Grundlagen wanken und nichts steht fest, nicht einmal seine blanke Existenz als einheitliches Staats- gebilde. Zwar bedeutet die Jubelzeit von 60 Jahren nur die Spanne von einem politischen Bankrott zum anderen, und waS politisch denkt in Oesterreich, steht vor der Erkenntniß, daß 18V8 nicht eine einzige Frage gelöst steht, die 1848 gestellt wurde— aber jubilirt muß werden. Unzählige Knopflöcher warten auf Orden, unzählige Zierden des Biirgerthums auf Adelstttel. Man würde sich nicht wundern, wenn der Kaiser so schwere Sorgen hätte, daß er auf die Feier verzichtet, die auch ihm nur Wehmuth bereiten kann. Aber die Schaar der Byzantiner giebt nicht nach, sie jubilirt und giebt vor, die zweifel- haste Mystik der Liebe zur Dynastie sei die letzte Klanmier des zer- fallenden Reiches. So wird das Rcgierungsjubiläum des Kaisers gefeiert von— Kindern und Jägern. Ein Riesenzug ber Wiener Schullinder begrüßte ihn gestern und heute bot er den in Schön- brunn versammelten Hägern Waidmannsheil. Trauriger wurde wohl nie ein Jubelfest gefeiert.— Schweiz. Ber«, 24. Juni.(Eig. Ber.) Die bereits in der Frühjahr?- Session von unserem Genossen Wullschleger namens der sozialistischen Gruppe im Nattonalrath eingebrachte Motion betreffend die Proportionalwahl des Nationalraths ist von demselben an den letzten drei Tagen behandelt worden. W u l l« s ch l e g e r begründete den Antrag in einstündiger Rede, wobei er einen Üeberblick über den Stand der Proporttonal- WahlrcchtSfragc im In- und Auslande und über die bereits erfolgte gesetzliche Ein- führung und prakttsche Anwendung der Proporttonalwahl in mehreren Schweizer Kantonen gab und sodann weiter ausführte, daß gerade bei den Nationalrathswahlen der eidgenössische, der nattonale Gesichtspunkt in den Vordergrund treten müsse, waS aber nur geschehen könne, wenn alle Parteien und Richttingen erhalten, was ihrer polittschen Bedeutung zukomme. Die Herrschaft der Mehrheit passe nicht in ein demokratisches Gemeinwesen. Zwar habe das Volk das letzte Wort zu sagen, allein das macht die Verhältnißwahl nicht überflüssig, sie sei ein nothwcndiger Theil eines demokratischen Systems. Die soziale Reform würde durch das Proportional-Wahlverfahren mächtig gefördert. Vielleicht könnte von einer Verfassungsrevifion Umgang genommen und sofort ein neues Wahlgesetz geschaffen werden. B e- kämpft wurde der Anttag von mehreren Rednern der radikalen Mchrheitspartei, von der übrigens mehrere andere Redner ebenfalls für den„Proporz" eintraten. Dafür sprachen ferner weitere Redner der sozialpolittschen Gruppe, sodann der Ultramontanen und der reformirt-konservativcn Fraktion. Die Mehrheitsredner wiederholten die alten, schon in den Kantonsräthen längst widerlegten Gemeinplätze aller Art gegen das Proporttonal-Wahlverfahren und für die Vor- trefflichkeit des„Majorz" tMehrheitssystems). wobei der gemeinsame Grundton die ewige Aufrechterhaltung der Herrschast der radikalen Partei war. Der Baseler Konservative Jseltn meinte, jedes Proporzsystem sei immer noch besser, als der geltende Majorz. C u r t i- St. Gallen beleuchtete die ausschließlich auf die Herrschast der radikalen Mehrheit zugeschnittene Wahlkrcisgeomettie für die Nattonalrathswahlcn. Durch den„Proporz" werde der Wille des Wählers freier, es erhält jede Partei, was ihr gehört; die Zeit der LluSschließlichkcit ist vorüber, die proportionale Wahl schafft Ge- rechtigkeit und trägt zur Demokratisirung deS Bundes bei. DaS Ergebniß der dreitägigen Verhandlungen war die Ablehnung des Antrages Wullschleger mit IIS gegen 16 Stimmen und die Auilayme einer„radikalen" Motton mit 76 geacii 67 Stimmen, welche den Bundesrath einladet, sowohl die Frage der Proporttonalwahl wie die einer anderen Wahlkreis- Eintheilung, und zwar unter Nichtberücksichtigung der K�a n t o n s g r c n z e n, zu prüfen. Der gesperrt gedruckte Passus, von dem Radikalen Heller-Luszern beantragt, ist ein ganz perfider jesuitischer Kniff, der anscheinend mehr giebt, als die Natton verlangte, aber in Wahrheit alles über den Haufen wirst, weil ein Gesetz über die eidgenössischen Wahlen ohne Berückst cht! giing der KantonSgrenzen in der Volksabstimmung mit ivuchtigcr Mehrheit verworfen werden würde. Und da werfen diese Liberalen anderen Parteien Jesuitismus vor l Es bleibt nun ab- zuwarten, wann und welcher Bericht seinerzeit vom Bundesrate dem Nattonalrathe wird vorgelegt werden. Fest steht jetzt, daß die Stimmung für den„Proporz" in weiten Kreisen aller Parteien vor- Händen ist.— Frankreich. DaS Ministerium zu bilden ist diesmal schwerer als bei irgend einer früheren Ministerkrisis der dritten Republik. Meline scheint im Sttllen zu arbeiten, um jede Kabinetsbildung unmöglich zu machen, damit er als letzter Rettuiigs- ankcr vom Präsidenten wieder gefaßt werde. Peytral hat nun auch aus die Kabinetsbildung verzichtet. Er erklärte einigen Zeitungs-Bettchterstattern gegenüber, die Progressisten hätten ihre Mitwirkung bei der Bildung des Kabincts aus dem Grunde ver- ivcigcrt, weil Peytral ein Portefeuille einem radikalen Sozialisten überlasten wollte. Die Progressisten hätten eS auch abgelehnt, ihm die alleinige Entscheidung in der Wahl seiner Mitarbeiter zuzu- gestehen. Nun hat Faure sich an Brisson gewandt. Es ist kaum anzu- nehmen, daß er mehr Glück haben wird als Sarnen und Peyttal.— Paris, 24. Juni.(Eig. Ber.) Die Kammennehrheit zeigt bisher in den M a ii d a t s p r ii f u n g e n eine parteiische Voreingenommenheit, die selbst vor der Billigung der offenkundigsten Wahlfälschungen nicht zurückschcut. Einige Beispiele: Es wurde unwiderleglich nach- gewiejen, daß der ehemalige Minister Georges Leygues seine geringe rclattve Mehrheit in der Sttchwahl(8800 gegen 13000Sttmmen seiner beiden Gegner) nicht nur einem schamlosen Wahldruck seitens der RegicrungSorgaue verdankt,— das trifft ja mindestens auf die Hälfte der gewählten OrdnungSparteilcr zu,— sondern einer umfassenden amtlichen Be st cchnngSaition auf Kosten des Staatssäckels. Im Laufe oer Wahlkampagne wurden nicht weniger als 160 000 Franks an staatlichen Subventtonen in Lcygucs' Wahlkreis verthcilt. Thut nichts I Der OrdnungS- und Rcgierungsmann wurde validirt. Prinz d' Aremberg, ein„ralliirter" Großgrundbesitzer, siegte in der Stichivahl niit 9600 gegen 8700 auf den sozialistischen und radikalen Kandidaten gefallene Sttmmcn, nachdem er u. a. die Echtheit seines RcpublikanismuS durch eine gefälschte Empfehlung seitens der Vizepräsidenten der alten Kammer, Dcschancl und Poincarv, ohne deren Vorwissen den Wählern vorgegaukelt hatte. Thut nichts! Die Wahl deS Fälschers wurde für giltig erklärt. M. Lafferre, einer der trcucstcn Mamelucken Mcline'ö, wurde erst nachträglich von der amtlichen Nachprüfungs-Kommissio» mit einer Mehrheit von einigen dreißig Stimmen für gewählt erklärt, und zwar auf gruud einer erwiesenen Wahlfälschung, welche obendrein hauptsächlich in dem Wahlburcau verübt worden war, wo Lasserre, Bürgermeister der betreffenden Genieinde, persönlich den Vorsitz führte. Aber auch diese „Wahl" wurde für gilttg erklärt— und das bezeichnenderweise, wir werden weiter sehen warum, mit 826 gegen blos 177 Sttmmen l Nach alledem versteht es sich von selbst, daß die Wahl M o t t e'L- Noubaix, des Gegners von JuleS GueSde, unter dem Jauchzen der OrdnungSparteiler validirt wurde. Vergebens war der von Millerand gelieferte Nachweis, daß der Stumm von Noubaix, der 6000 Arbeiter beschäftigt, zu dem pennanenten terroristischen Druck auf die Arbeiterschaft die brutale Ver- nichtung des WahlgchcimniffeS am Wahltage hinzufügte, daß„seine" Arbeiter gruppenweise unter der Aufsicht der Werkmeister an die Wahlurne geschleppt wurden. Motte konnte sich die Mühe ersparen, auch nur den Schein einer Widerlegung der von Millerand vorgebrachten Thatsachen zu versuchen. Er beichränltc sich auf eine charciltcrisiischc und sozialistentödtcrische Hetzrede im Tone der„Lausejungen-Rcde des Königs Sttimm, pochte ans seine„Wohlthatcn" im Interesse der Arbeiter, die er natürlich als liebender Vater behandele und in deren Dienste er„vierzehn Sttmden täglich" sich abrackere u. s. f. Die Ordnungslcnte bereiteten dem leibhaftigen Vertreter der vereinigten wirthschaftlichen und politischen Unterdrückung eine begeisterte Ovatton, und es fand sich eine Mehrheit von 316 gegen 169 Stimmen, um Millerand's Anttag auf Anordnung einer parlamentarischen Enquete abzulehnen. Man sieht, in dieser Abstimmung, wie in derjenigen über die „Wahl" Laffcrre'S haben die Sozialisten und die Linksradikalen die Grundlage der Vcrsaffung, die gesetzliche Ausübung des alkgemeinen Wahlrechts in Schutz genommen. Die gemäßigten Radikalen machten thcils gemeinsame Sache mit dem gcsetzcsvcrachtcndcn Gewalthaufcn der „OrdnungS"partcicn, theils enthielten sie sich muthig der Abstimmung. Das ist bereits die erste handgreifliche Folge der im Werke befind- lichen Wiederversöhnung der Radikalen mit den Bourgcoisrcpnbli- kauern, der Anfang der'Vcrräthereicn der regicrnngsfähigcn Radikalen im kommenden„VcrsöhnungS">ninisteriuin.— PariS, 25. Juni. Ein Dekret erklärt Reinach feines Grades als Hauptmann der Landwehr für verlustig.— Italien. Rom, 26. Juni. Die Deputirtenkammer stimmte den Verordnungen zu, welche bis zum 30. Juni die Getreidezölle aufheben und diese Zölle vom 1. Juli ab auf 6 Lire und vom 16. Juli ab auf 7,60 Lire festsetzen. Die Kammer vertagte sich darauf auf unbestimmte Zeit und beauftragte den Präsidenten mit ihrer Wicdcreinberufung.— England. London, 23. Juni.(Eig. Ver.) Im Streikgebiet in Wales hat sich bisher»och ivenig geändert. Die Arbeiter hoffen, durch Becinflusiung der Maschinisten ihrer Sache eine günstige Wendung geben zu können, schlagt aber diese Hoffnung fehl, so wird der Kampf als verloren zu betrachten sein. Schon fetzt sollen ein großer Theil der Ausständigen bereit sein, sich mit einem Lohn- aufschlag von 6 pCt. zu begnügen, was dem ursprünglichen Angebot der Unternehmer 8>/s pCr. ziemlich nahe kommt. Die Regierung hat einen Tbcil der in das bettoffene Gebiet entsandten Truppen wieder zurückgezogen und wird nun wohl, wo beide kämpfenden Parteien anfangen, kanipstnüde zu werden, demnächst mit einem Vermittelungsvorschlag hcrvortteten. Daß sie lieber auf die fälligen Manöver der Kriegsflotte verzichtet hat, als an die Unternehmer-rechte der Grubenbesitzer zu tasten, ent- spricht der von ihr beim Maschiiienbaiicrstteik beobachteten Haltung, wo sie ja auch lieber auf die Fertigstellung von Kriegsschiffen verzichtete, als den Unternehmern im Kampf mit den Arbeitern Schwierigkeiten zu bereiten. Minister Ritschie ist in dieser Hinsicht zahmer wie sein Kollege John Gorst vom Erziehungsdcpartcment, der neulich wieder einmal über die Mißstünde im Schulwesen mit einer Offenheit gesprochen hat, bei der den im konservativen Lager so einflußreichen Freunden der Kirchcnschulcn und den Gegnern der Erhöhung des schulpflichtigen Alters die Haare zu Berge standen. Rundweg erklärte der kon« servative Minister die Bauern und Landjunker(„Squires") für die Erbfeinde jeden Fortschrittes im Volksschulwesen. Es geht das Gerücht herum, Mr. Chamberlain wolle sein Amt als Kolonialministcr niederlegen, und unzweifelhaft herrscht im konservattv-unionistischen Lager nichts weniger als innige Freundschaft. Phantastische Gemüthcr sprachen schon von einer Rückkehr Chamberlains ins liberale Lager. Damit hat es indeß noch gute Wege. Tritt Herr Chamberlain aus dem Ministerium, dann wird er_ einfach mit seinen Lehnsmannen eine Zeitlang„Wilder", wie er dies schon einmal war. Aber auch das würde die Aussichten der Liberalen auf Rückkehr an die Regierung sehr erhöhen. Vorläufig ist jedoch auch der Austritt nur erst Vermuthung. Serbien. Den Radikalen geht es zur Zeit recht übel. Ihr Parteiorgan „Odjek" mutzte, nachdem es dreimal konfiszirt worden war, nach ben Bestimmungen des neuen Preßgesetzcs sein Erscheinen einstellen. Die radikale Pattei wird unter einem anderen Namen ein neues Parteiorgan herausgeben.— Türkei. Konstantinopel, 24. Juni. Die Pfotte richtete unter dem 21. d. M. ein Rundschreiben an die türmchen Vertreter in London, Paris, Petersburg und Rom, in welchem sie gegen jedes ohne Be- fragen der Pfotte zu stände konimende Arrangement betteffend Kreta Verwahrung einlegt.— Asien. Hongkong, 24. Juni.(„Times.") Die Franzosen stoßen in Kwangffchauwan auf großen Widerstand von feiten der Eingeborenen. Ein chinesischer Löste, welcher französische Kriegsschiffe in den Hafen geleitet hatte, wurde ermordet und seine Familie schwer mißhandelt. Die Eingeborenen weigern sich, der französischen Garnison Lebensmittel zu verkaufen. Die chinesischen Beamten machen alle Anstrengungen, die Eingeboreiien im Zamn zu halten und den Feindseligkeiten vorzubeugen. Einem Versuch, lln- ruhen iin Disirikt Macao in Kwangtting zu stiften, ist inan auf die Spur gekommen.—_ AVÄhlbvkvstrlzkuttgen. DaS freisinnige Flugblatt:„Wer ist Fischer," welches am Abend vor der Stichwahl verbreitet wurde, wirft auf die Att und Weise, in der Herr Eugen Richter in den Wahl- kanipf eingegriffen hat, ein sehr charakteristisches Licht. Die Schmähschrift, die unseren Genossen Fischer als„eine politische Null" erklätt, und die freche L.vmpttmg aufstellt, „Fischer habe das Vertrauen aller seiner Wähler von 1893 gröblich enttäuscht", rühtt nicht etwa von einem untergeordneten Zeilcnreitzer her, sondern stammt aus der Feder des Hauptmanns der freisinnigen Kompagnie in dem frcisiiniig-konservativ-antisemitischcn Kartell: Eugen Richter hat das von Lügen und Verleumdungen strotzende Flugblatt geschrieben, auf seine Veranlassung ist es vcrtheilt worden. DaS ist um so schimpflicher, als Richter die parlamentarische Thätigkcit unseres Genossen ans eigener Beobachtung kennt und weiß, daß sich Fischer durch seine Arbeiten in Koni- Missionen und im Plenum des Reichstages die ihm zu- kommende Beachtung errimgen hat. Nicht allein, daß Herr Nichter sich die Heldenstirn niit konservativ-aiitiscmitischcm Lorbeer schmückt, nein, er nimmt auch sofort die Manieren seiner jetzigen Busen- freunde an, indem er ganz ü la Ahlwardt lügt und schivindelt— eines Augenblickserfolges wegen.— Pfui Teufel! Wie der Freisinn sich verächtlich macht. Ein Theil des östlichen Holstein gehört bekanntlich zum Groß- herzogthum Oldenburg. Die dortigen Freisinnigen haben da? Zwcrgfell der Wähler durch folgenden Aufruf zu erschüttern gewußt: Zur Sttchwahl! Warum wählen wir freisinnig? Warum müssen wir den Herrn ObermutSttchter B a r g m a» n wählen? Der Freisinnige, Herr Obcramtsnchtcr Bargmaim, ist ein O l d« n- b u r g i s ch c r S t a a t s b e a m t e r. der unserem Ä r o tz h e r z o g e Treue geschworen hat; der Nationalliberale, Herr Dr. Scmler, ist ein Hamburger, ein Republikaner, llnsermn Landesfürsten zu Liebe dürfen wir keinen R e p n b I i- Inner wählen. In Haniburg henschen die Schoßsünden des AltetthnmS: Geiz und Habsucht. Ilnmäßigkcit und Ilnfittlich- keit; daher Armiith, Roih und Elend im Arbeiterstaiidc. Herr Dr. Scinlcr muß i» Hamburg bleiben, damit er die Rolle eines ilenenius Agiippa übernehme. Der Freisinn rcpräscn- titt die ni o d c r n c Weltanschauung, die D e ii l u u g S- a r t aller großen Staatsmänner, Dichter und Denker seit 130 Jahre». Ter Freisinn gründet sich auf Aussprüchen von Friedrich dem Großen, Lejsing, Goethe, Schiller, Pestalozzi, Turnvater Iah», Gcibcl, Vvß, Stoib erg. Wallroth, Kaiser Wilhelm I.. Kaiser Friedrich u. s. w. Der uattonalliberala Herr Dr. Seniler hat als Schloppenttäger des Bimdes der Landwitthe sich dem Jnnketthmn in die Arme geivorfen. Das Jiinkerthum aber ist von jeher ein Feind vom„Dentschcn Voltsthum" gewesen. Das „Deutsche Volkslhiim" hat folgende Losung:„Leben mid leben lassen."„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern." Daher gleiches Recht für alle! Allgemeines, gchciincs, gleiches und direktes Wahlrecht!„Das Dclltschc Volksthnm läßt jeden nach seiner Facon selig werden. 2. Th e s s. 3, 2. E v. I o h. 6. 39. J o h. 13,36. Das„Tentsche Vollsthum" erstrebt, wie E. Gribel sagt, den Gottessrieden, der kein Bekemitnitz hat, noch braucht. Das freisinnige Wahlkomitcc." Dieser Anstnf bildet wohl so zicinlich das ärgste, was jemals an Sclbstentwürdigimg geleistet worden ist. Und das wagt uns Verschleierung unserer Ziele vorzuwerfen! Die Mogeleien der Freisinnigen für den„altbewähtten Deinokraten" LangerhanS im ersten Berliner ReichStagS-Wahlkreise erweisen sich als noch viel vernchtcnLwerther, als sie bereits von u»S gekennzeichnet worden sind. Nicht blos das Papier der freisinnigen Stimmzettel ivar nach Att»ind Qualität keniibar, auch der aufgedruckte Name des Kandidaten war auf der Rückseite deutlich erleniibar. Und zivar ist daS nicht zufällig bei dem einen oder dem anderen geschehen, sondern bei der ganzen, nickt gcttngen Anzahl der uns überbrachten Stimmzettel ließ sich dasselbe konstatiren. Nach fachmännischem Urthcil kann dies nur ans direkte Bestellung hin in solcher Att ausgeführt worden sein, da alle Bilchstaben gleichmäßig durchgedruckt waren. Kein abhängiger Arbeiter, Angestellter oder' Bcaniicr hat eS wagen lönnen, unter diesen Iii»- ständen für den sozialdemokratischen Kandidaten zu stimmeii. In jedem anderen Wahlkreise würde dieser Trick genügend Material bieten, die Wahl aiiziifcchtcn, denn das„geheime" der Wahl war gänzlich aufgehoben; so aber handelt eS sich um den Kreis der Millionäre, Minister und Hofschranzen, den müssen wir schon der freisinnigen„Volks"partci überlassen. Stolz braucht sie auf ihre Erfolge wahrlich nicht zu sein. Dir Nattonal-Soziale», die in den Berliner Wahlversammlungen ihren„SozialiSmns" so gern leuchten ließen, haben auch im ersten Verliiicr Wahlkreise, wie sie das im Reiche geshan, sich auf ihre ftöckerisch- aiitisemittsch- konservative Herkunft besonnen, und sind in der Sttchwahl für den rechtsstcheiidcn Kandidaten eingetreten. In der letzten Rnininer der „Hilfe" wird den Wählern des Herrn N a u m a n n in Jena gerathen, in der Stichwahl für den National- liberalen Bassermann eiiizutreteii, ttotzdem er in sozialer Bczichnng keine Gewähr biete. Hier in Berlin haben die Herren nicht eiimial den Muth gehabt, eine Parole auszugeben, aber an den Resultaten, die bei der gestrigen Sttchivaht in cinzeliien Bc- zirken erzielt wurden, ist zu erkennen, daß sie alle für Herrn L angerhans gestimmthaben; namentlich trifft das zufürdaSHansa- vicrtcl, das am 16. Juni Herrn Tischcndörfcr die meisten Sttmmcn gebracht hatte. Herr L angerhans ist niißt sozial, cristnach derAnffassinig derer um Naumann auch nicht national, denn er ttitt nicht ein für uferlose Flottcnpläne und mäkelt auch an den Militärforderungen herum. Trotzdem hat er die Sttmmcn der national-soziälcn Ideologen und Schwärmer bekommen; ist er doch Bein von ihrem Bei» und Fleisch von ihrem Fleisch. Die Herren National-Sozialen werden, wenn sie jemals wieder um Arbcitcrsttmmen werben sollten, die verdiente Antwott darauf erhalte». Anathema altl Den großen Kirchenbann verhängte der„Bochumer An- zeiger" über die katholischen Arbeiter, welche sich unterstehen, sozial- demokratisch zu wählen: „Wir möchten aber den ka th o Ii s ch e n A r b eit e r sehen, der angesichts solcher Dinge einem Sozialdemokraten seine Stimme geben kann. Verflucht wird sein Haus, verflucht sein Lebensglück, der Fluch wird kommen über seineKinder, wenn er es wagt, einen Sozialdemokraten zu wühlen. Christliche Frauen, christliche Mütter, aufgepatzt auf Eure Männer, die sich mit diesen Teufeln in Menschengestalt ver- binden wollenl Eine furchtbareVerantwortung laden die Männer auf sich, welche einen Sozialdemokraten wählen. Pfui I über den anständigen ehrlichen Mann, der diese Leute unter- stützt I" Die Zentrumsleute müssen sich im eigenen Lager schon sehr bedrängt und unsicher gefühlt haben, wenn sie zu so starkem Tobak griffen. Ob das ergötzliche Gefauche auf andere als alte Weiber aber irgendwelchen Eindruck gemacht hat?— Ans dem Rheinlande schreibt man uns: Unter den 23 deutschen Grohstädten, die nach der Zählung vom 2. Dezember 18gö mehr als 100 000 Einwohner haben, machen die vier rheinischen Großstädte Köln, Düsseldorf, Aachen und Krefeld eine unrühmliche Ausnahme. In ihnen ist das Zentrum die stärkste, wir erst me zweitstärkste Partei. In Köln sind wir mit unserer Stimmenzahl dem Gegner zwar schon ziemlich auf den Leib gerückt, doch überwiegt er uns imnier noch um ein Viertel. Mit den drei andern Grotzstädten steht es weniger günstig: in Düsseldorf haben wir zwei Drittel der Zahl der gegnerischen Stimmen, in Kreseld etwas weniger als die Hälfte und in Aachen knapp ein Drittel. Und wenn man Essen dazu nimmt, das nach der letzten Zählung ja auch Großstadt geworden ist, so hat Man das erschrecklichste Bciipiel der politischen Rückständigkeit der Bevölkerung rheinischer Großstädte: das Zentrum überragt mit seinen Stimmen dort die sozialdemokratischen sechsfach und die Partei Krupp fünffach. Hie Wolny— hie Szmula k Hie Deutsche— hie Polen I das war der Wahlaufruf im Wahlkreise Oppeln, dem einzigen in Deutschland, in dem sich zwei Zentrums- Kandidaten in der Stichwahl messen. Wolny ist Pfarrer; er war bereits früher einmal Abgeordneter, hat aber als solcher nie etwas geleistet, bei einer wichtigen Abstimmung drückte er sich sogar. Jetzt ist er gcivissertnatzcn Sammelkaitdidat,„von oben her" wird seine Wahl sehr gefördert. Szmula ist bekannter. Dieser Vollblutagrarier gilt als Nationalpolc. Seine bekannte Forderung, mehr polnische Arbeiter nach Obcrschlesien zu ziehen, um mit ihnen noch billiger als mit den hiesigen zu arbeiten, wird ihm von den blöden Anhängern der Polenbeweguug so ausgelegt, als ob er Schlesien wieder polnisch machen wolle. Szmula freut sich über diesen Blödsinn und wiro vielleicht auch gewählt. Diese Vorgänge im Oppelner Kreise bilden vielleicht den Anlaß zu neuen Reibereien zwischen.Katolik"partei und Zentrum.— Der Zuwachs unserer Stimmen gegen die Wahl im Jahre 1SS3 beträgt in Hamburg 15,7 pCt. m der Provinz Hannover 20 pCt., in Mecklenburg 46 pC. Die Sozialdemokratie in Schlcswig-Holstei» vereinigte auf ihre Kandidaten bei den Reichstagswahlen folgende Stimmenzahlen: i« fcjS I. Hadersleben-Sonderburg 175 342•+• 167 2. Apenrade-FlenSburg,. 4073 4016— 57 8. Schleswig..... 4775 4116— 659 4. Tondern-Husum... 768 709— 59 5, Ditmarschen..,; 7789 8076-4- 287 6. Ottensen-Pinneberg,, 12276 15928+ 8652 7. Kiel-RendSburg,,, 18119 19419■+■ 1300 8. Altona....... 20448 22589+ 2141 9. Oldenburg-Plön.,, 8230 2689— 641 10. Lauenburg..,.. 3272 4056-f- 784 JnSgesammt 74925 81940+ 7015 Die Zunahme der sozialdemokratischen Sttmmen in Schleswig- Holstein beträgt somit etwas über 9 pCt. Der unschuldige Gendarm. Für die Kampfesweise, die von Seiten der Regierung gegen die Sozialdemokratie geführt wird, ist folgendes Stücklein bezeichnend. Am 1. Mai waren, wie man uns aus K i e l berichtet, in Dänischenhagen zwei parteigenössische Flugblattvcrtheiler wider Gesetz und Recht von Gendarmen festgenommen worden. Die Betroffenen thaten, was der Staatsbürger in solchen Fällen thut, sie erstatteten gegen den Gesetzes- Wächter eine Anzeige wegen Freiheitsberaubung. Aus diese Anzeige haben die beiden Parteigenossen jetzt folgenden Bescheid erhalten: „Auf Jbre am 4. Mai d. I. im Verein mit Herrn Julius Hetzkow an die Staatsanwaltschaft zu Kiel gerichtete und von dieser hierher zur zuständigen Veranlassung abgegebene Anzeige gegen den berittenen Gendarmen Wille II zu Dänischenhagen wird' Ihnen hiermit eröffnet, daß aus denselben Gründen wie vom kgl. Land- rath zu Eckernfvrdc in seinem Bescheide vom 23. v. M. auch dies- feits von einer weiteren Verfolgung Abstand genommen wird. v. Quast, Obcrstlieutcnant und Brigadier." Der Landrath hatte die weitere Verfolgung der Sache abgelehnt, weil die damalige Verhaftung durch den Gendarm zu recht erfolgt sei, da diesem die Ausschreibung der Reichstagswahlcn n o' nicht bekannt gewesen sei. Dieser Begründung schließt si> nun auch die vorgesetzte militärische Behörde des Gendannen' an. Die Verbreittmg der' Flugblätter ist aber durch die Gcwcrbc-Ordnnng ausdrücklich g e st n t t e t. Trotzdem werden die Genossen ver- hastet und gefesselt. Eine Beschwerde hierüber wird von allen zu ständigen Instanzen abgelehnt, weil der Gendann glaubte, in seinem Rechte zu sein. Sind das denn Rechtsznstände, unter denen wir leben? Zu ganz«ucrhörteu Wahlbceinflussniigeu hat der Haß gegen die Sozialdemokratte den„Obcr-Werftdircktor der Schichanwcrft bei Danzig verleitet. In zwei Zuschriften, die, bezeichnend für die Auffassung, die dieser Mann von dem Verhältniß zwischen Arbeiter und Unternehmer hegen muß, als„Tages befehle" den Lohnsklaven zugegangen sind, Wieb er in einer Weise P a r t e i p o l i t i k, die der Wahlprüfungs-Kommission wahr- scheinlich zu dem Votum veranlassen wird:„Heraus mit dem Manne aus dem Reichstage, der unter solchen Beeinflnssimgen ge- wählt Ivordcn ist I" In dem einen vom 10. Juni datirten Befehl wird die Sozial- demokratie zunächst ganz mordsmäßig heruntergerissen und mit den üblichen staatscrhaltcuden Titulaturen bedacht. Dann fährt der Obcr-Wcrftdirektor— v. Wintersheim heißt der Brave— fort: „Erinnert Euch, daß Eure Arbeit dem nationalen Werke der Vermehrung und Erhaltung der deutschen Kriegsflotte dient, daß unter Euren Händen die stolzen Schiffe entstehen, welche die Macht und das Ansehen des deutschen Vaterlandes im Auslande zu vertreten haben, daß Ihr in Lohn und Brot des Deutschen Reiches steht. Ich vertraue Eurer vernünftigen Ueberlegung. daß Euer Standpunkt nur auf feiten der Reichsregierung sein kann und daß Ihr nichts gemein habt mit jenen vaterlandslosen Gesellen, den Anhängen: der internationalen Sozialdemokratie. Noch vor wenigen Tagen weilte Seine Majestät der Kaiser in Eurer Mitte und hat Euren Leistungen seine allerhöchste Anerkennung zu theil werden lassen. Mit derselben patriotischen Gesinnung, mit der Ihr ihm Euer jubelndes H u r r a h als Abschiedsgruß zugerufen habt, möget Ihr auch an die Wahlurne treten und als deutsche Arbetter treu und fest zu Kasser und Reich stehen. Also i Keinem Reichsfeind Eure Sttmme." So der erste Befehl. Der zweite, zur Sttchwahl, ist vom 21. Juni dattrt. In diesem heißt es:] Die Sozialdemokratie strebt den Umsturz der von Gott(!) eingesetzten Weltordmmg, die Vernichtung der Familie, des Staates und des Vaterlandes an; sie leugnet Glauben und Religion und will die Monarchie stürzen.... Wer noch einen Funken von Liebe für sein deutsches Vaterland hat, wer in Treue zu Kaiser und Reich steht, der trete mannhaft am 24. d. Mts. an die Wahlurne und gebe seine Stimme dem staatserhaltenden Kan didaten Danzigs, dem treuen Bürger dieser Stadt. B e- rechtigte Forderungen und Wünsche der Arbetter wird die Regrerung mit solchen Männern von Ueberzeugung und patriottsche rGesinnung berathen und zum Wohle der Arbetter und des gesammten deutschen Vaterlandes berücksichtigen. Unterschrift: Der Ober-Werftdirektor. von WtttterSheim." Der Ober-Werftdirektor hat ganz unbefugter und ungehöriger Weise, wie aus den mitgetheilten Proben ersichtlich, die Wähler zu gunsten eines bestimmten Kandidaten zu beeinflussen gesucht. Diese Ungehörigkeit dürfte eingehend sie Wahlprüfungskommission beschäfttgen. Ob eS Herrn Rickert, dem„treuen Bürger dieser Stadt", angenehm sein wird, durch deren Reihe:: Spießruthen zu laufen? Ueber die RcichStagSwnhlen in Sachsen schreibt das„Sächsische Volksblatt": Gilttge Stimmen wurden bei der Hauptwahl an: 16. Juni 604 821 gezählt, am 15. Juni 1893 aber nur 592 435, eS ist das ein Mehr von 12 386 Sttmmen zu verzeichnen. Diese 604 821 Sttmmen vertheilen sich nun auf die Kandidaten der verschiedenen Parteien in folgender Stärke: 1893: 279 354 147 772 44 633 98 285 30203 1893: 299 13» 133 843 60 376 90 055 15 410 2 859 1756 834 läßt + 28534 — 18 929 + 16 243 — 8 230 — 14 793 + 1! sich nur bei den nnd Nattonal-Sozialen die dem Sammelaufrnf Sozialdemokraten Konservative... Nattonalliberal.» Anttsemiten.,. Freisinnige.., Nattonal-Soziake». Zentrum..... 518 Zersplittert:....— Das Stärkeverhältnitz der Parteien Sozialdemokraten, Freisinnigen, Zentrum genau feststellen, bei den anderen Parteien, der Firma Miquel-Posadowsky Folge geleistet und bei den Wahlen ein Kompagniegeschäft geschlossen haben, ist dies nicht möglich. Wir haben deshalb die auf die einzelnen Mischmasch- Kandidaten gefallenen Stimmen derjenigen Partei zugezählt, zu welcher sich der Kandidat annähernd bekannte. 1893 vereinigten die bürger- lichen Parteien 321 411 Stimmen auf sich, während die Sozialdcmo kraten nur 270 654 Stimmen aufbrachten, sonach mit 50 757 Stimmen den Gegnern noch zurückstanden. Bei der diesmaligen Wahl jedoch stieg die sozmldcmokrattsche Stimmenzahl aus 299 188, das macht ein Mehr von 28 534 gegenüber der vor- herigen Wahl; die Gegner aber gingen auf 304 799 Sttmmen zurück, sie verloren gegenüber der 93er Wahl nicht weniger als 16 612 Stimmen. Demnach ist auch der Vorsprung, den die bürger lichen Parteien vor den Sozialdemokroten hatten, ganz bedeutend zurückgegangen, denn Wärend er 1893 noch 50 737 betrug, ist er 1898 aus 3611 herabgesunken. Das sächsische Volk hat sich sonach f ü r die Sozialdemokratie und gegen die Reakttonäre entschieden. Es hat Gericht gehalten über die Wahlrechtsverkümmcrer. Die Stichlvahle» in Bayern sind erst heute, zum theil erst am Montag. Die Ergebnisse der Hauptwahl berechttgen zu den besten Hoffnungen für unsere Kandi- baten; jedenfalls macht sich in Bayern ein starker Zug nach links bemerkbar. Hat doch das Zentrum um mehr denn 85000 Stimmen, die N a t i o n a l I i b e r a l e n um 28000 abgenommen. Zugenommen hat nur der B a u e r n b u n d, der im Jahre 1893 72 000 Stimmen auf seine Kandidaten vereinigte, während er diesmal 139 000 Stimmen erhielt; zugenommen haben außerdem nur noch die Sozialdemokraten, die von 125 000 auf 137 000 Sttmmen stiegen. Zu diesem Ergebniß bemerkt die„Münchener Post": Das Zentrum, das sich diesmal ganz besonders anstrengte, das mit allen erlaubten und unerlaubten Mittteln vorging, das mit kirchlichem und weltlichem Zwang und einem bisher selbst in Bayern nie dagewesenen Terro- rismus„arbeitete", hat im ganzen eine immerhin empfindliche Stimmeneinbuße erlitten. Zu großen Prahlreden, wie sie von einzelnen ultramontanen Organen losgelassen worden, ist also auch nicht der geringste Anlaß vorhanden. Der Bauernbnnd, der trotz seines gcwalttgcn Stimmenzuwachses in bezug auf Gewinnung von Mandaten schlecht abgeschnitten hat, dankt d:escn prakttschen Mißerfolg im wesentlichen seiner mangel- haften Organisation. Immerhin hat er einen bedeutenden moralischen Erfolg auszuweisen, der sich namentlich bei den nächsten Landtags- Wahlen dem Zentrum empfindlich bemerkbar machen dürfte. Wobei nicht zu vergessen ist, daß die Verbrüderung des Zentrums mit dem verkrachten Nationalliberalismus vornehmlich den Bauern- bündlcrn einen guten Agitationsstoff in die Hand gicbt. Der Wahlanöfall in Württemberg hat die Erwartungen, die wir auf ihn setzten, vollständig erfüllt und den 16. Juni 1893 in der That zu einem erfreulichen Erntctag fiir die Genossen gemacht, reichlich die Arbeit und Opferwilligkeit lw lohnend, welche fett Jahren in nie erlahmendem Eifer gebracht wurden. Die Sozialdemokratie hat den stärksten Stimmenzuwachs zu verzeichnen, sie stieg von ca. 42 000 auf rund 62 000 Simmen, eroberte auf den ersten Hieb ganz auS eigener Kraft das Mandat der„guten" Stadt Stuttgart, brachte in Cannstatt, H e i l b r o n n und Göppingen die Volkspartei ins Hinter» treffen und hat hier in der Sttchwahl mit dem national- libcral-konservattv-bauernbündlcrischen Mischmasch um das Mandat in kämpfen. In Eßlingen erhielt unser Genosse Schlegel genau o viel(6849) Stimmen wie der Volksparteiler Brodbeck, das Loos entschied nun am Montag, daß die Volkspartci in der Stichwahl mit dem Mischmasch um das Mandat zu ringen hat. Das Gesammt- ergebniß zeigte sonach am 16. Juni, daß in: 1. Wahlkreise der Sozialdemokrat Kloß, im 7. das konservattv gefärbte M— itzkraut Schrempf, im 13., 15., 16. und 17. die Zentrumslcute Hoff- mann. Gröber, Braun und R e m b o l d gewählt waren; im 2., 3. und 10. Wahlkreise hat die Sozialdemokratie, im 4., 5., 6., 3., 11., 12. und 14. die Volkspartei mit dem Mischmasch und im 9. mit den: Zentrum um daS Mandat zu ringen. Da die Sozialdemokratte alles aufbieten wird, um zu verhmdcrn, daß auch nur noch ein Mandat in die Hände der reakttonärcn Koalition fallen wird, geben die Stich- Wahlen wieder eine neue Probe davon, ob in der Volkspartei der demokratische oder der anti-sozialdemokrattsche Flügel die Mehrheit bildet. Neben dem rapiden Rückgänge der Volkspartei, deren Sttmmen- zahl seit 1393 von ca. 101 000 auf 75 000 Sttmmen sank und so die Führer P a y e r, Haußmann und Schnaidt zwingt, ihre „sicher" geglaubten Sitze in der Sttchwahl zu vertheidigen, wird von allen Seiten der großarttge Vormarsch der Sozialdemokratie als das hervorstechendste Merkmal der Wahl anerkannt. Außer in den Stichwahlbczirken haben wir im 5., 6., 7. und 9. Wahlkreise große Fortschritte zu verzeichnen; im 6. stieg die Zahl unserer Sttmmen von 460 auf 2500, im 9. von 1460 aus 4040, so daß wir den unge- Heuren Gesammtforffchritt machten, trotzdem z. B. im 8. Wahlkreis, wo der kleine Stumm Mauser kandidirte, im 12.. 15., 16. und 17. Wahlkreis kleine Rückgänge zu konstatiren sind. Bemerkenswerth ist noch, daß wir trotz des Mangels eines Agrarprogrannns große Forffchritte auf dem Lande machten.— Was die Aussichten der Sttchwahlen anbelangt, so ist schwer ein Prognostikon zu stellen, da die Haltung der Nachläufer der Volkspatte: ganz unberechenbar ist; die Führer geniren sich fast eine offene Parole auszugeben, weil sie selbst der Angst ihrer Genossen vor dem rothen Lappen nicht trauen. Im 3. Wahlkreis(Heilbronn), wo unserem Genossen K i t t l e r der berüchtigte Herr Hegel maier gegenüber-.. steht, hoffen wir auf einen bestimmten Sieg, weil wir an dem ge« sunden Sinne des Volkes verzweifeln müßten, wenn es einen Mann mit dem höchsten Vettrauen beehtte, der wie der Kandidat Hegelmaier als Oberbürgermeister 8 Tage vor der Wahl an die Kreisregierung den Anttag stellte, es möchte sein Gegenkandrdat Kittler seines Amtes als Gemeinderath entsetzt werden, da er als vaterlandsloser, auf den Ilmsturz der Staatsordnung hinarbeitender Sozialist im Land herum- ziehe und gegen den großen Paul agitire. Sehr günstig sind auch unsere Chancen im 10. Kreis und wenn die Demokraten ein wenig ihr eigenes polittsches Interesse erfassen, wird auch unser alter Tauscher seinen Einzug im Reichstag halten.— ReichSländische Wahlprakttken. AuS Elsaß-Lothringen wird uns geschrieben: ES ist in der That nicht zu verwundern, daß unsere Pattei bei den jüngsten Wahlen da und dott im Lande an Stimmen einbüßte, wenn man erfähtt, mit welchen Mitteln von feiten unserer Gegner „agititt" wurde. Im Wahlkreise Saargemünd-Forbach, wo die sozialdemokrattsche Partei eine Einbuße von ca. 1500 Stimmen zu' verzeichnen hat, reiste der Vizepräsident des Landesausschusses, Herr I a u n e z, mit dem gouvernemental-klerikalen Salzwerke-Direktor de Schmidt, von Dorf zu Dorf, überall fiir den Fall der Wahl desselben Bahnen, Haltestellen, neue Wege ic. versprechend, gerade i wie die Leute es haben wollten. Dabei wurde spendirt, soviel als verzehrt tverden konnte, und zum Schluß noch ein 20 Markstück auf den Tisch geworfen zum Vertttnken. Am Wahltage schwamm alles in Bier und überall wurde erzählt, wenn Schmidt gewählt sei, würden im Kreise noch 10 000 Mark zum Biettrinken gegeben. Jaunez hat, nach einer Mttheilung unseres reichs- ländischen Pattei- Organs, offen gesagt, er mache sich nichts daraus, wenn die Wahl ihn auch 100 000 M. koste. Er zahlte am Wahltag jedem seiner Arbeiter, der wählen ging, 2 M. Biergeld. und sagte dabei:„Ich wähle Schmidt, Du wirst wohl auch wissen, wen Du zu wählen hast." In den letzten Tagen wurde überall, wohin der sozialistische Kandidat Emmel kam, das Verlangen an ihn gestellt, auch etwas zum besten zu geben, sonst werde er wenig Stimmen erhalten. Aus Buschdorf erhielt E. einen Bttef, in welchem er aufgefordett wurde, eine Mille Zigarren und ein Quantum Zigarretten hinzuschicken, das werde ftir die Wahl sehr förderlich sein. Er gab natürlich keine Antwott. Resultat: Schmidt 44, Emmel 0 Stemmen._ Polizeiliches, Gerichtliches zc. — Der Alten burger„Wähler" hatte ein Eingesandt veröffentlicht, das äußerst gravirende Angaben über die Behandlung von Reservisten der 7. Kompagnie des Jnfantcrie-Regiments Nr. 153 enthielt, die zu einer 14tägigen Hebung einberufen waren. Wegen � dieses Eingesandts bekam der verantwortliche Redatteur Kahnt eine Vorladung vor das Militärgericht, um als Zeuge vernommen zu werden. Unser Genosse hat es aber abgelehnt, sich als Zeuge vernehmen zu lassen, weil er über die Sache selbst,. um die es sich bc: dem Eingesandt handelt, aus eigener Wahr- nehnrung natürlich nichts mittheilen kann, und weil er, was die Nennung seiner Gewährsmänner betrifft, es vorzieht, sich von der Militärbehörde vor dem Zivilrichter verklagen zu lassen. — Durch eine Rede:n einer Stadtverordneten-Wählerversamm- lung in Kassel sollte der Redakteur des„Volksblattes für Hessen", Genosse T h i e l, die Polizei und speziell den Polizeipräsidenten. von Kassel beleidigt haben. Das Schöffengettcht sprach ihn kosten- los frei._ Die Gewerbegerichtswahlen finden im September diesen Jahres statt. Wer jedoch wählen will, ist verpflichtet, sich bis spätestens oen 30. d. MtS. in einem_ der unten bezeichneten Lokale zu melden, da nur auf gruud dieser Meldungen die Wählerlisten aufgestellt tverden. Heute ist also der letzte Sonntag, an dem Meldungen von 12 bis 3 Uhr entgegen- genommen werden, und möge es kein Arbeiter versäumen, von dem! Wahlrecht zum Gclverbegericht Gebrauch zu machen. Unsere Leser wissen ja, daß die bestehenden Gewerbegettchte in keiner Weise den an sie zu stellenden Atffordcrimgen genügen und daß unsere Reichstagsfraktion verschiedentlich— freilich bisher vergeblich— Anträge auf Verbesserung der Gewerbe- gcrichts-Gcsctze gestellt hat. Insbesondere ist es ein großer Fehler des Gesetzes, daß das Wahlrecht erst vom vollendeten 25. Lebensjahre ausgeübt werden darf, während doch die Nach- kotnmcnschaft der Arbeiterbevölkerung schon in ganz jungen Jahren ins Erwerbsleben hineingeschleudett wird. Vor allen Dmgen ist es aber zu beklagen und zu bekämpfen, daß die weibliche Arbeiterbevölkerung überhaupt nicht wahlberechtigt ist, welche Be- stintmung beim Gcwcrbegerichts-Gesetz auch nicht den Schein einer Berechtigung hat, da d:e Frauen heute ebenso im industriellen Erwerbsleben stehen, wie die Männer.- Nach diesen Richtungen hin muh das Gewerbcgettchts-Gesetz durch die parlamentarische Arbeit unserer Genossen im Reichstag ver« bessert werden. Aber die jetzt dem Gewerbcgerichtswesen noch an- haftenden Mängel dürfen uns nicht veranlassen, das schon jetzt vorhandene, allerdings ungenügende Wahlrecht etwa nicht zu be« nutzen. Immerhin sind die Gewerbegettchte auch schon in ihrer gegen« wärtiaen Verfassung eine den Arbeitern nützliche Einrichtung, da sie dazu berufen sind, m allen gewerblichen Stteittgkeiten der Arbeiter mit den Unternehmern schnelles und billiges Recht zu schaffen. Die Arbeiter haben das Recht, Beisitzer aus ihren Rechen zu erwählen, die in Gemeinschaft mit den: Vorsitzenden die Rechtsprechung ausüben. lind wer nun will, daß ihm von Seinesgleichen sein Recht gesprochen werde, oder doch, daß Arbeiter, die mit ihm zu fühlen und zu denken verstehen, bei der Urthcilsfindung mitwirken, der darf den jetzigen Termin nicht versäumen, um später im Herbst sein Wahlrecht ausüben zu können. Besonders auch darin noch sind die Gewerbegettchte von großer Wichtigkeit für die Arbeiterbevölkerung, daß sie die Aufgabe haben, als E i n i g u n g s ä m t e r bei Streiks zu fungiren und eine vermittelnde Thätigkeit zwischen Unternehmern nnd Arbeitern auszn- üben. Unsere Leser wissen ja aus so manchem Fall, daß es, wenn das Einignngsamt ersprießlich wirken soll, vor allem darauf ankommt, wer in: Emigungsamt als Beisitzer fungirt I Es müssen Leute sein, die das Arbeiterleben von grund aus kennen, die mit dem Arbeiter fühlen, die seine Besttebungen gerecht und nicht von Vorurtheilcu befangen betrachten. Nur wenn solche Leute im Einigungsantte sitzen, kann diese Jnstitutton segensreich für die Arbeiterbevölkerung wirken. Und aus diesem Grunde ist es ganz besonders wünschenswctth, daß sich unsere Genossen zahlreich an den Gewcrbcgerichtswahlen bcthciligcn, damit aus unseren Reihen alle Arbeiterbeisitzer und möglichst auch noch eine Anzahl der Unter- nchmcrbeisitzer hervorgehen. Für die Wichtigkeit der Gewerbegettchte spricht auch endlich noch, daß sie berufen sind, auf Erfordern der Staats- oder Kommunalbchörden Gutachten über gewerbliche Fragen abzugeben, und es ist klar, daß es auch unter diesem Gesichtspunkt von Wichtigkeit ist(denn aus den Gutachten können wichtige Gesetze hervorgehen), daß unsere Genossen zahlreich in den Gewerbegerichten vertaten sind. Also: Auf z u den Gewerbegerichts- Wahlen!, Und versäume niemand die nöthige Anmeldung I Die Anmeldungen finden statt bis zum 30. Juni, und zwar an den Wochentagen von 5 bis 8 Uhr abends, an: heutigen Sonntag von 12 bis 3 Uhr nachmittags in den nachstehend genannten Anmeldestellen: 1. im Wahlburcau, Poststr. 16, 2 Treppen; 2. in der Turnhalle der 131./169. Gemeiichcschule, Tempelhofer Ufer 2; v. in der Turnhalle der 62. Gemeindeschule, Schmidstr. 38; t. in der Turnhalle der 11S./17V. Gemeindeschule» Skalitzer- straße SS— S6; S. in der Turnhalle der 23. Gemeindeschule, Strauhbergerstr. S; v o r z n o in Galizien, ist ein Bergarbeiter- st r e i k ausgebrochen. Es handelt sich um Lohnforderungen, die zwar den Schleppern, aber nicht den Hauern bewilligt worden sind. Besitzer der betheiligten Gruben sind die Gebrüder Guttmann in Wien. Der Streikort ist mit Militär, Infanterie und Kavallerie, be- setzt, obwohl kein Anlaß hierzu vorliegt. Ultttovnrsiittrv�vvbiittde. Der Verband deutscher StcinsrtzcrinUungcn hat am 13. Juni in DresLcu seinen V. Vcrbandstag abgehalten. Aus dem Bericht des Verbandsvorstandes ist die Mitlheilung von Interesse, daß die Innungen in Magdeburg und Stettin aus dem Verbände ausgeschieden sind, weil sie derselbe in den stattgcfundcnen Streiks nicht genügend unterstützt hat. Aus demselben Grunde hat sich auch die Innung in Hannover aufgelöst, obwohl hier nur allgemeine Interesselosigkeit als Grund angeführt wird. Bemerkenswerth ist hier- bei, daß die in Rede stehenden Streiks von den betreffenden Innungen in rassinirter Weise angezettelt worden sind, um die O r g a n i- sation der Arbeiter zu sprengen. Diese negativen Erfolge verfehlten denn anscheinend auch nicht ihre Wirkung bei der Berathuug der Frage des Verhaltens der Innungen bei Streiks. Die Herren sind mit einem Male merkwürdig ftiedfertig geworden. Die meisten derselben, darunter auch der Verbandsvorsitzende, waren der Meinung, mau solle, ehe es zum Streik kommt, doch lieber eine Einigung versuchen!(Wäre dieser Rath etwas ftllhcr erthcilt worden, io hätten sich die Herren Jnnungsmcister verschiedene trübe Erfahrungen ersparen können!) Der Steinsetzermeistcr D e l l o s- Berlin erklärte sogar„die meisten der bisher vorgekommenen Streiks als gerechtfertigt".— Hoffentlich geht die hier gcänßcrte Einsicht nicht schon bei der nächsten Gelegenheit, wo es zu Differenzen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse kommt, in die Brüche. Sojin les. Ucber die oberelsässische Fabritiuspektion entnehmen wir dem soeben erschienenen Jahresbericht des Aufsichtsbeamten, Gciverberathes C r e p i n zu Colmar, die folgenden allgemeinen Mit- theilungeir: „Im Berichtsjahre 1897 sind 1941 Revisionen vorgenommen worden. In deir besichtigten Betrieben waren 49 716 Arbeiter be- schäftigt, und ztvar 1987 jugendliche und 26 873 erwachsene männ- liche, 2461 jugendliche und 18 395 erwachsene weibliche. Die in den früheren Berichten gegebene Nachweisung über die Zahl der vor- handenen Betriebe und die beschäftigten Arbeiter gab nie ein richtiges Bild der thatsächlichcn Verhältnisie. Aber auch die diesjährigen Zahlen entsprechen lange nicht der Wirklichkeit. Der Beauftragte der Steinbruchs-Ge n offen schaft hatte den Aufsichtsbeamtcn ersucht, niit ihm mehrere Brüche gemeinsam zu revidiren. Die Zwangsmittel der Berufsgenossenschast sollen nicht nur in diesen Be- trieben, sondern in fast allen nicht geniigen, um die Bettiebsleiter zu einem vorschriftsmäßigen Abbau zu veranlassen. Die An- orohuug von Strafen und besonders von Betriebscinstellungen wirkte einigermaßen nach dem Guten hin. Zweimal war der Beamte genöthigt, bei der unteren Verwaltungsbehörde die Einstellung je eines Betriebes zu beantragen. Auch erhielt er durch dieselbe Quelle Mittheilung über das Aufbewahren von Dynamit in der Schmiede eines Steinbruches. ES wäre sehr zu tollnschen, wenn auch von anderen Berufsgenossenschaften derarttge Mittheilungen gemacht würden; denn bei der bedeutenden Zahl der zu revidirenden Ve- triebe im Bezirk und bei dem Zeitauswand, den die einzelnen Revisionen bei der heutigen Ausbildung der Schulgesetzgebnng erfordern, können die Besuche zu selten stattfinden, um auf die Abstellung derartiger Uebertretungen genügend hinzu- wirken. Der Verkehr mit den A r b e i t g e b e r u hat sich nicht geändert. Schwierigkeiten irgendwelcher Art sind nicht zu tage getreten. Auf- fallend sk> ist es, daß die e i g e n t Ii ch e n Fabrik l e i t e r, die Direktoren, der Rothwendigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen häufig z u st i m m e n, während die Fabrik besitzer sich ab- lehnend verhalten. Ungleich häufiger als in früheren Jahren haben die Arbeit er die Vennittelung des Aufsichtsbeamten bei Streitigkeiten aller Art nachgesucht."— Was die Anstellung von' weiblichen Auffichtsbeamten betrifft, so ist der Fabrikinspettor der Ansicht, daß zur Zeit hierzu noch kein Grund vorliege, weil der Mann als Aufsichtsbeantter auch in sittlicher Beziehung ebenso Schutz gewähren könne wie die Frau, wenn demselben das erforderliche Vertrauen geschenkt werde. Herr Cröpin befindet sich hier im Gegensatz zu den Beschlüssen der Volks- Vertretungen von Baden und Hessen, die den sozialdemokrattschen Anträgen auf Anstellung von weiblichen Aufsichtsbeamten zugestimmt haben, weil sie von der Ueberzeugung ausgingen, daß das von dem itentheil verantwortlich: Th. Glocke tn Berlin. Druck und Verlag von M oberelsässischen Fabrikinspektor vorausgesetzte Vertrauen der weib- lichen Arbeiter zu den männlichen Aussichtsbeamten in den meisten Fällen eben nicht vorhanden ist. Der Krieg. Die spanischen Kämmen: sind vettagt, wahrscheinlich um ohne Störunng durch die Oeffentlichkeit und durch parlamentarische Verhandlungen den Frieden anbahnen zu können. Zu dieser Ver- muthnng veranlassen die folgenden Depeschen. Aus Madrid wird gemeldet: Die„Correspondencia de Espana" nimmt Notiz von einem Gerüchte über Friedensverhandlungen. Die Vereinigten Staaten sollen den Besitz von Portorico als Kriegsentschädigung verlangen, ferner die Unabhängigkeit Kuba's unter amerikanischem Protektorat, eine Schiffsstatton auf den Philippinen und eine Kohlenstatton auf den Kanarischen Inseln. Großes Auffehen erregt es, daß beim Schluß der Cortes die üblichen Hochs auf den Konig und die Königin- Regentin unter- blieben. Aus Barcelona wird depeschirt: Die wirthschaftliche Gesellschaft beschloß, dringende Schritte bei der Regierung zu gunsten des Friedens zu unternehmen; denn der Krieg lähme den Hafenverkehr, zwinge die Fabriken zu feiern und beraube die Arbeiter des Brotes. Von spanischer Seite liegt über die Vorgänge auf Kuba folgende Nachncht vor: Eine amtliche Depesche des Generals Blanco meldet, 399 Ameri- kaner hätten die Spanier bei den kubanischen Orten Siboney und Sevilla angegriffen; die Spanier hätten 3 Todte und 3 Verwundete gehabt. Die Amerikaner hätten darauf das Lager des Generals Rubin angegriffen, seien aber zurückgeschlagen und hätten Munition und Ausrüftungsgegenstände verloren. Von der Höhe von Agua- dorcs aus hätten 25 amerikanische Kanonenboote und zwei kleinere Fahrzeuge Casilda beschossen, jedoch nur leichte Beschädigungen an- gerichtet. Von amerikanischer Seite wird hingegen gemeldet: Eine vom Depeschenboot„Wanda" sauf der Höhe von Jnragua) eingetroffene Meldung vom 24. d. M. besagt, daß vier Trupps vom 1. Kavallerie-Rcgiment, vier Trupps vom 19. Kavallerie-Regiment und acht Trupps irregulärer Kavallerie, genannt die„Rough Ridcrs", zusammen nicht ganz 1999 Mann stark, 2999 Spanier angegriffen hätten in einem Dickicht, das fünf Meilen von Santiago entfernt ist. Die Amerikaner hätten die Spanier in die Stadt zurückgeworfen. Der Verlust der Amerikaner betrage 13 Todte und S9 Verlvundete, sechs Offiziere inbegriffen. 19 derselben seien tödtlich verletzt. Zwölf gefallene Spanier seien nach dem Gefecht im Gebüsch aufgeftiiiden worden; der Verlust der Spanier sei aber zweifellos größer. General Doung habe die Amerikaner geführt. Oberst Wood habe die Operationen der amerikanischen irregulären Kavallerie geleitet. Beide Thcile hätten beinahe gleichzeitig angegriffen. Die Spanier hätten, was die Zahl betreffe, das Uebergewicht gehabt, ebenso be- züglich der Stellniig, da sie aus dem Buschwerk hätten feuern können. Nachdem sie durch Infanterie verstärkt worden, halte die amerikanische Kavallerie jetzt eine Stellung vor den Thoren Santiago's besetzt. Fortwährend würden größere Truppenmassen vorgeschoben. um den endgilttgen Angriff auf die Stadt vorzubereiten. 2999 Kubaner unter Castillo hatten bei Guasinicu ein lebhaftes Ge- fccht mit den Kubanern. Die Kubaner verloren 59 Mann, auch die Spanier hatten beträchtliche Verluste. Die Kubaner nahmen zwei Züge niit Lebensmitteln. Wie das„Reuter'sche Bureau" aus Washington meldet, ist es nicht wahr, daß Deutschland die Landung von Marinetruppen auf M.a nila nachgesucht habe. Es sind in dieser Hinsicht., keine Vorbesprechungen zivischen Deutschland oder einer anderen. Macht gepflogen worden; die Er- laubniß zur Landung von Soldaten ist also leiner Macht bewilligt worden. Die Nachricht des„New-Dork Herald" ist daher erfunden. — Der Kabinetsrath berieth heute über die Frage der Haltung Dcntschlmids hinsichtlich der Philippinen. Man verinmint aus glaubwürdiger Quelle, das Staatssekretär Day Versicherungen erhalten habe, die außer Zweifel lassen, daß Deutschland in keiner Weise beabsichtige, in die Politik oder die Pläne der Vereinigten Staaten sich einzumischen und nach wie vor absolute Neutralität wahre.— Ergebnisse der Stichwahlen. Memel. Bisher Graf Waldersee sK.) 5251, Smalakys(6. k. Fr.) 6558 Stimmen. Die wenigen noch ausstehenden Bezirke können an dem Ergebnis; nichts ändern. Smalakys Wahl gesichert. Labian-Wehlan. v. Massow(K.) 7559. Haase sS.) 5678. Köniasberg-Land. Graf Dönhoff Einer der verdienftvollstcn Botaniker der Gegenwart, der Professor F e r d i- n a n d C o h n in Breslau, der erst kürzlich seinen 79. Geburtstag feierte, ist heute am Herzschlag gestorben. Lemberg. 25. Juni.(B. H.) Die Stadt Parzow ist theilweise niedergebrannt. Anscheinend liegt Brandstiftung vor; der Schaden ist erheblich. il Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen u. Unterhaltungsblatt. Nr. M. 15. 1. JStilnjt Ks Jmiiirls" Kerl« Kollislilntt. Sontifsj, 26, litni 1898. NommunAles. Für die in der Märzdenkmals-Angelegcnheit von der Stadt- berordneten-Versammlung gegen den Magistrat beim Ober-Verwal- tungsgericht angestrengte Klage steht am 9. Juli er., vormittags 19 Uhr, Termin an. Tie Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege wählte gestern unter Vorsitz des Stadtraths Bail den Dr. Flörsheim zum Assistenzarzt für die innere Abtheilung des Krankenhauses Urban und die Doktoren Roettger und Thiel zu Assistenzärzten der inneren Abtheilung und Dr. Pabst zum Assistenzarzt der inneren Abtheilung des Kraukenhauses Friedrichshain. Der Bürgermeister Kirschner hat dem Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Langcrhans die Annahme seiner Wahl bürgerineistcr von Berlin angezeigt. zum Ober- Die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege hat sich für die Förderung des segensreichen Unternehmens der Rettungsgesellschaft ausgesprochen und dem Magistrat vorgeschlagen, einen Jahresbeitrag von 6000 M. aus städtischen Mitteln zu gewähren. Der Magistrat hat sich diesem Vorschlage angeschlossen und bei der Stadtverordneten-Versanimlung beantragt, die Bewilligung des erwähnten Beitrages von 6000 M. für die Berliner Rettungsgesellschaft auch für das laufende Etats- jähr 1898 99 auszusprechen. Uoksllvs. Au» Anlast de» heute im Müggclschlöstchen zu Friedrichshagen stattfindenden Volksfestes werden die Genossen auf die für Fricdrichshagcn und Umgegend bestehende Lokalliste aufmerksam gemacht. Dieselbe ist folgende: Friedrichshagen. Sämmtliche Lokale frei, außer Kraatz, Kaiserhof, Friedrichstr. 71, und Franz Lerche, Friedrichstraße 31. LokalkommissionS-Mitglied: E. M e r t e n S, Friedrichshagen, Wilhelm- straffe 64 d. Grünau. G. Lindenhayn, Friedrichstr. 1 u. 2. Karolincnhof, Mandlls WirthshauS. LokalkommifstonS-Mitglied: Otto Engel, Grünau, Dahmestr. 6. Köpenick. Sämmtliche Lokale frei bis auf Restauration Wwe. Schulz, Müggelheimer- und Marienstraffen-Ecke. Rathskellcr, Schloffplatz. Z! e u m ü h l e. O. Bcicr, Restaurant zur Schleuse. Zum Wald- schlöhchen, Inhaber R. Parloiv. Lokalkommissions- Mitglied: F. Büttner, Adlershof, Hackcnbcrgstr. 17. Steu-Rahnsdorf. Kein Lokal frei. Rahnsdorfer Mühle. Wwe. Goldbcrg, Restaurant. Gold- gräbe, Müggelgarten. Rauchfanglv erder. Kein Lokal frei. Die Lokalkontmission. I. A.: Oskar Mahle. Der Wahlvercin des dritten Berliner RcichStagS-Wahl- kreife» unternimmt heute einen Familien-AnLflng nach Grünau. Treffpunkt früh 10 Uhr im Lokal des Genossen Lindenhayn, Friedrich- straffe 1— 2. Um rege Betheiligung ersucht Der Vorstand. Arbeiter- Bilduugöschulc. Die in N a tu r c rke n n tniff sDr. Borchardt) nachzuholenden Stunden beginnen am Dienstag, den 28. Juni. Rede-Uebung sSchriftst. R. Calwers am Mittwoch, den 29. Juni, und Freitag, den 1. Juli. Nationalökonomie (Dr. Conr. Schmidt) Donnerstag, den 30. Juni, und Montag, den 4. Juli._ Der Vorstand. Die Kunst dem Volke. Die Berliner Arbeiterviertel— als welche insbesondere der Norden und der Osten bezeichnet zu werden pflegen— sind nicht nur arm in bezug auf die überwiegende Mehr- zahl ihrer Bevölkerung, sondern auch arm an künstlerischen Gütern, an öffentlichen Kunstwerken. EL sind in der Thai arme Gegenden I Während die„besseren" und„vornehmen" Stadttheile vollgepftopft sind mit Denkmälern aller Art und mit Zierwerkeii der Bildhauerkunst, kann man die„Arbeiterviertel" weit durchwaudeni, che man auf etwas derartiges stöfft, und dann ist es besten Falles ein Kriegerdenkmal, das den Blicken des Wanderers sich darstellt. Zwar hat man in anderer Weise eine größere Fürsorge für die Arbeiterviertel entfaltet: man hat alle irgendwie verwendbaren Plätze mit Kirchen besetzt: die„Finger Gottes", wie die Kirch- thürme genannt werden, ragen in recht stattlicher Anzahl in die Höhe, jedoch sind dies Bauwerke, an denen de» gröhte Theil oer Bevölkerung keine Freude hat, an denen er achtlos vorübergeht. Beinahe wunderbar muff es bisher erscheinen, daß die städtische Verwaltung sich endlich entschlossen hat, auch die „Arbeiterviertel" mit solchen Kunstwerken zu bedenken. Im Herzen des Osten, auf dem Andreasplatz, soll bekanntlich eine monumentale Gartenbank errichtet werden, für welche der Stadtbaurath Blauken- stein die Skizze entworfen hat. Als besonderer Schmuck werden derselben zwei plastische Gruppen:„Arbeiter u n d�S o h n" von W. Haderkamp und„Wi u t t e r und K i n d" v. E. Somaiiski angefügt werden. Die Wahl dieser Gruppen läßt erkennen, daß auf den Charakter des„Arbeiterviertels" absichtlich Bedacht genommen worden ist, daß man einmal dem Fühlen und Denken der Arbeiter- bcvölkerung Rechnung tragen wollte. Beide Gruppen sind heraus- gegriffen aus dem eigentlichen Volksleben, aus dem Leben der werk- thätigen Bevölkerung und iverden sicher nicht verfehlen, den Kunst- sinn der Arbeiter zu fesseln und zu wecken. Vcrsiiinbildlichen sie doch einerseits den Werth der Arbeit, den harten Bcnff des Arbeiters, und andererseits sein häusliches Familienglück. In dieser Umgebung werden die beiden Gruppen zur schönsten Geltung ge- langen, hier ist der geeignete Ort für sie. Mag die Bevölkming der„vornehmen" Stadtviertel sich an dein Anblicke der zahllosen Fürstcndenkmäler begeistern und berauschen, die arbeitende Be- völkerung wendet sich anderen Kunstwerken zu. Es ist nicht zu leugnen, daß die städtische Verwaltung mit der Wahl dieser beiden Grrlppen einen glücklichen Griff gethnn hat, die dem Enipfindcn der arbeitenden Bcvölkerung so ganz entsprechen und die dem Osten zur schönen Zierde gereichen Iverden. Es ist nur zu wünschen, daß die städtische Verwaltung auf dem eingeschlagenen Wege fortfahren und die Arbeiterviertel noch weiter mit derartigen Kunstwerken be- denken möge. Wie die arbeiterfeindliche» Bäckermeister am Freitag für die Freisinnigen agitirten. Vor uns liegt folgendes Dokument, welches bezeichiiend dafür ist, wie sehr Komcrvative und Freisinnige sich gestern als ein Herz und eine Seele fühlten: „Vertraulich! Werther Herr Kollege! Mit Schrecken haben wir die Wahlresultate der Sozialdemokratie vernommen. Jetzt heißt es: Helfe ein jeder, wer helfen kann, den gefährlichsten aller Feinde der Selbständigkeit, der alle bestehende Ordnung, Sitte und Autorität beseitigen will, in seinem Siegeslauf auf- zuhalten. Durch' die Väckcreivcrordnung haben Sie gewiß schon hinlänglich fühlen gelernt, was„Herrschaft der Sozialdemokratie" bedeutet. Unser Obeirneister Bcnwrd ist nicht gewählt, es haben sich an stelle dessen die Herren Robert Kreitling und Dr. Langerhans bereit erklärt: unsere Forderungen weitgehend st ernstlich zu unter- stützen, wie beifolgendes Flugblatt darthut. Lassen wir in dieser Stunde der Gefahr alle Neben- und Pnrtcigedankcn bei feite. Unser Zentralverband wird in Zukunft über diese Angelegenheit wachen. Nehmen wir jetzt nicht alle Kraft' zusammen, dann wehe der Selbständigkeit, Ordnung und Autorität im eigenen Hause. Im Südwcst-Berein wurde jüngst darüber berathen, wie wir uns ine gewerbliche Organisation und Waffe gegen unsere Gegner schaffen können.— Mit sicherem Erfolge ist es uns möglich, das gedruckte Wort in alle Kreise und Wohnungen zu tragen und damit die Säumigen aufzurüttelii, wenn wir beim Frühsttick-Austragen jedem Austräger eine An- zahl Flugblätter in die Hand geben, um diese vor allen Wohnungsthüren, vom Keller bis 4 Treppen vcrtheilen zu lassen. Jede� Gefahr um die Kundschaft ist hier aus geschlossen, indem dies von allen Bäckermeistern zu- gleich geschieht. Außerdem arbeiten wir mit einer besseren Organisation, wie selbst die Sozialdemokraten; niemand weiß, wo die Blätter hergekommen sind! Ein gutes Wort zu den Austrägern und der gute Wille, sin einigen Häusern die Boten zu k o n t r o l l i r c n, wären die einzigen Opfer für dieses große Mittel. Benutzen wir danmt endlich den Weg der Selbsthilfe! Darauf auf, liebe Kollegen, helft den Feind schlagen! Dies ist die dringende Mahnung und Bitte Eurer Obermeister I. Bernard, Gemeinhard' und Eures Kollegen Ferd. Gaede. Wer noch daran gezweifelt hat, daß der Sieg der„Freisinnigen" als Hinderiiiß einer friedlichen sozialen Entlvickelung zu betrachten ist, durch die Zustimmung und Unterstützung, die ihre Kandidatur bei den boshaftesten und eigennützigsten aller Arbciterfeinde findet, ist der Beweis hierfür erbracht, lieber die Gemeinheit des Gc- dankens, die darin liegt, daß man die eigenen Arbeitssklaven, die man nach Aufhebung der verhaßten Bäckereiverordnung wieder bis aufs Blut ausschinden will, zu einer Agitation gegen diese Ver- ordnung preßt, ist kein Wort weiter zu verlieren! Der Mohr hat seine Schuldigkeit getha», der Mohr kann gehe»! Dieses schöne Dichterwort wissen die Frei- sinnigen ganz vorzüglich in die Praxis zu übersetzen. In der Versaminlung des Vereins„Waldeck", wo die Wahl- rcsultate bekanntgegeben wurden. mochten sich wohl auch einige Nichtfrcisinmge eingefunden haben, um die Ergebnisse der Stichwahl so schnell wie möglich zu erfahren. Nun gicbt es bei allen Völkern einen Brauch, den»lau Gastrccht nennt. Von uns Sozialdemokraten wird er stets in weitherzigster Weise geübt. Aber die Herren Freisinnigen, die das gute deiitsche Bürgerthum in vornehmster Art zu vertreten vorgeben, scheinen nicht einmal diesen einfachen Brauch des GnstrechtcS zil kennen. Forderte doch der Vorsitzende des Vereins„Waldeck" in jener Verfaininlung alle Nichtmitglicdcr des Vereins mehrinalS auf, schleiliiigst den Saal zu verlassen. Selbstverständlich wurde diese Ilnanstnndigkcit nicht befolgt. Aber so manchem der anwcseiidcn Konservativen inag doch recht sonderbar uins Herz geworden sein, als er sammt den Sozialdemokraten hiiiaiisgcwicsen wurde, nachdem er kurz vorher den Herren Freisinnigen aus der Patsche geholfen hatte. Nun werden wohl die Konservativen wissen, wie ihnen die Frei- sinnigen den Dank für die Rettung ans dem Versinken ins Nichts abstatten Iverden. Wenn sich die Herren Eoiinenfcld und Koinpagnon nicht einmal schämen, das edelste der Menschen- rechte, das man Gastrecht nennt, so unter die Füße zu treten, werden sie sich schön bedanken, ihren konservattv-antiscmitischen Helfershelfern bei Gelegenheit beizuspringen. Wie da» Uutcruchincrthm» sein unbcschränkteö KoalitionS- rccht ausnutzt. Ilns wird berichtet: Der Tapeten- Ring, welcher hier vor etwa einem halben Jahre durch den Zusammenschluß der größten Tapctenfabrikauten und-Händler gegründet ivurde, hat ungeachtet der Agitation der Hausbesitzer gegen denselben, beziv. gegen die von ihm bewirkte Preiserhöhung für Tapeten und Banden, an Nnsdehnuna g e>v o ii n e Ii. In ganz Berlin haben sich ai>f eine Umfrage des„Bundes der Berliner Grnnd- besitzcr-Vereine" bisher nur neun Fabrikanten resp. Händler gemeldet, die dem Ringe fern geblieben sind und für die altcir Preise ver- kaufen. Gegen diese aber wollen die Ringfabrikaiiten nun mit aller Entschiedenheit vorgehen, um sie ,zu zwingen, ebenfalls dem Ringe beizutreten. Sie wollen sich mit den Lieferanten der Roh- Materialien in Verbindung setzen und auf diese einen Druck dahin ausüben, daß sie den außerhalb des Ringes stehenden Fabrikniiien kein Rohmaterial mehr abgeben. Vor der Hand haben die außerhalb des Ringes stehenden Fabrikanten zwar»och Material auf Lager. Ob sie jedoch dauernd dem Boykott werden widcrstcheii können, hängt davon ab, wie der Ring auf die Rohinaterial-Lieferanten einwirkt, und ob er selbst nicht an Festig- keit verliert. Ein geringes Entgegenkommen haben die vereinigten Fabrikanten»nid Händler übrigens den Hanöbesitzerii nach ver- schiedenen Verhandlungen zivar schon bezeigt, indcni sie sich bereit erklärt haben, eine Pr eisred nktion vorzunchnlen. Die Haus- besitzer sind jedoch mit dieser nicht zufrieden, da mir die Preise für die billigsten Tapeten von 30 auf 15 Pf. und für die Banden von 2,60 M. auf 1,60 M. pro Rolle herabgesetzt sind, während für alle besseren Tapeten die eingeführte Preiserhöh nng b e st e h e n geblieben ist. Zu ganz auffällige» Beranstaltungeu benutzte die Polizei- behörde die an» Donnerstag Nachmittag vor sich gegangene Beerdigling linscreS Parteigenossen Karl Fischer. Als eine Ab- ordnung des Wnhlvcreins ciiien Kranz ins Sterbehaus brachte, trat unseren Genossen in der Schlesischen Straße ein zicinlich starkes Polizeiaufgebot entgegen, dessen Anführer an den Kranz- träger die Mitthcilung richtete, daß er den Kranz mit der rothen Schleife wohl mS Hans hinein, nicht aber wieder heraustragen dürfe. Ter Beamte sagte, daß die Weisung zu diesem wunder- lichcn Gebot vom Polizeipräsidium ergangen sei. Erst als die Deputation erklärte, daß es in diesem besonderen Fall von vornherein garnicht ihre Absicht gewesen sei, dem Sarge zu Fuße zn folgen, sondern daß nian sich mit dem Kranze in eine Droschke setzen wolle, beruhigte sich die Polizei, und ein Lieutenant gestattete nun- mehr, daß der Kranz doch seinen ehrenden Zweck erfüllen dürfe. Vorerst überzeugte der Beamte sich aber davon, daß die Abordiinng auch wirklich und wahrhaftig in einer Droschke Platz nahm. Ans dein Wege zlini Friedhofe ivare» Schutzleute in beträchtlicher Zahl alifgestellt. Es bleibt ein Räthsel, zu welchem Zlvcck die ganze Polizeiveranstaltiing getroffen war. Ten Plätterinnen zur Nachricht, daß der Lokalsperre wegen, die über Hankels Ablage verhängt ist, die Dampferpartie an» 3. Juli nach Neue Mühle hin stattfindet. Die Billcts behalten ihre Giltigkcit. Die Kaufmannsfrau Biederinann aus der Dorkstr. 76, die vor acht Tagen bei dem Versuche, einen Brand in ihrem Boden- verschlage zu löschen, über und über mit Brandwunden bedeckt wurde, ist an diesen im Krankenhanse gestorben. Der Koppclknrcht Falusi, der am Domierstag Morgen in seiner Wohnung in der Mariciistr. 7 seine Ehefrau mit den, Messer zu tödten versuchte und sich dann selbst mehrere Stiche und Schnitte beibrachte, ist in» Krankenhause seinen Verletzungen erlegei«. Herr Arzt, Weinmeisterstraße 12, theilt uns mit, daß seine Waarcnvorräthe nicht unter dem Unwetter vom 22. Juni gelitten haben. Die betreffende auch von uns gebrachte Reportermeldung muß daher auf einen» Jrrthum bcruhei». Dem Liebespaar, das in einem Hotel auf Westend gemeinsam in den Tod zu gehen versucht hat, und jetzt schwer verletzt im Charlottenburger Krankenhaus liegt, geht es den Umständen nach gut. Ali dem Aufkommen der beiden ist nicht niehr zu ztveifeln. Vom Schlesischen Bahnhof. Ein Leser schreibt uns: Seit Montag besteht auf dem Schlcfischen Bahnhof eine umständliche Ein- richtung. Bisher konnte man von der Haupttteppe aus nach jedem Bahnsteig ein- und ausgehen; jetzt aber muß man. wenn man die Bahnsteige cl und v verlassen will, sich nach den hinteren Treppen einen Ausgang suchen. Besonders unangenehm werden von dieser Neuerung solche Fahrgäste berührt, welche nach dem Scitenausgang den Bahnhof verlassen wollei». Man muß hier auf dem hinteren Treppcngange 24 Stufen hinunterklettern, dann den niisicrcii, schmalen Gang zwischen den Wartesälen entlang wieder 14 Stufen hinauf und darauf die Haupttreppe wieder hinunter aw den Billet- Verkaufsstellen vorbei, dann nochmals bei den Wartesälen den Gang entlang und nun erst gelangt man nach der Seite der Eisenbahn- und Mühlcnstraße hin endlich ins Freie. Was will die Eisenbahn- Verwaltung mit solcher Neuerung bezivecken? Früher ging es doch selbst bei starkem Verkehr ganz gut, warum jetzt nicht mehr? Die Sommcrferie« der Urania beginnen an» 18. Juli und erstrecken sich in diesem Jahre sowohl auf die Experiinciiticr- Säle und naturkunblichen Sammlungen, als auch auf die im Wissenschaft- lichcn Theater stattfindenden Aufführungen des Stückes:„Vom Matterhorn zur Jungfrau". Straßensperrung. Die Straße an der Westseite deS Kaiser Friedrich-Platzes von der Blücherstraße bis zur Gncisenaustraße cin- schließlich des Krcuzdnmmcs der letzteren wird behufs Umpflafterung bis ailf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Fcucrbericht. Durch Mißbrauch am Melder wurde die Wehr Freitag früh 1 Uhr nach der Berg mann st ratze gerufen. Um 9 Uhr brannten Alte S ch ö n h a u s e r st r a tz e 14 Klcidungs- stücke und Wäsche in einer Bodenkammer. Nachmittags 6 Uhr ging A ni O st b a h n h o f 1 eine Partie Gerumpel auf dem Hängeboden in Flammen auf. Gegen 6 Uhr erfolgte gleichzeitig Alarm nach Willibald- Alexis st raße 4 und Prinzen-Allee 16/16. Im ersten Falle hatte sich Preßkohlen im Keller entzündet, im anderen Falle brannte ein freiliegender Balken in der Dachkammer. Sonnabend Nachmittag 6 Uhr hatte G r o ß- G ö r s ch e n st r a ß e 28 alter Hausrath Feuer gefangen. Kurz darauf ivar Ecke Köp nicker- und W n st e r- hau sei» er st raße eine große Vcrkchrsstockling eingetreten dlirch Zusammenbruch eines mit Rüsthölzern beladencii Wagens. Die herbeigerufene Wehr beseitigte das Hinderiiiß. N«S de« Nachbarorte«. Die Lofalkommissiou 1>o» Zchlcndorf ersucht die Partei- genossen, bei Ausflügen nach den westlichen Vororten ganz besonders das Lokal des Herrn G i e s e in Zchlendorf, Tcltowcrstr. 23, zu berücksichtigen. ES ist dies der einzige Wirth, der sein Lokal der Arbeiterschaft zur Verfügung stellt. Wie das Nuternchuierthnni de« Arbeitern ihr Wahlrecht zu verkümmeru sucht. Ans Stummels bürg berichtet man uns: In der I u t e s p i n n e r e i zu Stralau wurde den Arbeitern aiii Morgen des 16. Juni verkündigt, daß die Fabrik der Wahl wegen um 6 Uhr geschlossen wurde. Der größte Theil der Arbeiter ivohnt aber so weit entfernt, daß von einer Aus- Übung des Wahlrechts bei derartig spätem Arbeitsschluß keine Rede mehr sein konnte, und so ward denn eine Abordnung bei der Direktion dahin vorstellig, daß bereits uni 3 Uhr Feierabend gemacht werde. Die Bitte ivar erfolglos. Nunmehr beschlossen die ob solcher Behandlung aufs höchste erregten Arbeiter, auf eigener Hand um drei Uhr Feierabend zn machen; die Direktion aber verweigerte die Herausgabe des S ch I ü s s e l S zum Garderobcnsaal und sandte nach kapitn- listtschem Brauche zur Polizei, als die Arbeiter sich auf den» Fabrikhofe ansammelten, um zu berathschlagcn, ivie aus der Gefangenschaft herauszukommen sei. Die Beamten scheinen jedoch verständig genug gcivcscn zu sein, um den Direktor auf das Unziemliche seiner hart an Freiheitsberaubung grenzenden Handlungsweise auf- merksani zn machen; genug, der Schlüssel wurde den Arbeitern um vier Uhr schließlich doch ausgehändigt und so komite immerhin mit genauer Roth der Wahlpflicht genügt'werden. Wie cS sich im Zeichen der Lohnsklaverei von selber versteht, hatte die Arbeiterschaft für ihr pflichtbewußtes Handeln Opfer zu bringen; bereits am Sonnabend sind mehrere Leute, die jahrelang in der Jutespinnerei be- schäftigt ivaren, entlassen worden— wegen zu langsamen ArbeitcnS I Der Ba» einer hölzerucn Sprecbrücke im Zuge des neuen Fürstcnbrunner Wegs auf Kosten der Firma Siemens u. Halöke ist jetzt vom Charlottenburger Magistrat genehmigt worden. Die Brücke soll bekanntlich zur Vcrmittelnng des Verkehrs mit den ncucn umfangreichen Fabrikanlagen der Firma am Nonnendannn an der Grenze zwischen Chailottrnburg und Spandau dienen. Die neue städtische Vollck-Bndca>istalt z« Charlottcnburg soll am 1. Juli der öffentlichen Beimtzung übergeben werden. Die Moiiilia-Krankheit der Kirschbäume ist auch in diesem Frühjahre wieder in weiter Verbreitung aufgetreten und hat sich jetzt auch bereits im westlichen inid südlichen Deutschland in Anfängen oder schon weiter vorgeschritten gezeigt. Besonders sind in dicsein Jahre, wie Geh. Rath Prof. Dr. Frank, der Leiter des Instituts für Pflnuzcnschutz au der Landwirthschnftlichen Hochschule, mittheilt,-auch Aprikosen- und Psirsichbäuine von dem Pilze angegriffen worden/ DaS Wetter zur Blüthczeit war in diesem Jahre durchaus normal und völlig frei von Frost, woraus erhellt, daß der Pilz auch auf günstig entwickelte» Pflanzen seine Zerstörungen fortsetzt. Aus diesen Thatsachen«rgiebt sich die dringende Mahnung, überall, namentlich in den bisher verschonten Gegenden, gegen die Krankheit anf der Hut zu sein und, wo sie sich in ihren Anfängen zeigt, rechtzeitig die nöthigeii Schritte zur Unterdrückung zu thnn, das hcißr die erkrankten Zweige abzuschneiden und die Früchte abzupflücken und zu verbrennen, che die Kulturen so stark verseucht iverden, wie es in den östlich der Elbe gelegenen Provinzen leider der Fall ist. Ivo die Bekämpsung schon mit erheblich größeren Schwierigkeiten ver- blinden ist. (?iil Hochstaplerpaar wurde in Spandau verhaftet. Einem Frcindeil, der sich für den Schriftsteller Flinte ans Braunschiveig ausgab und in dessen Begleitung sich ein etwa 20jähriges Mädchen befand, gelang cS, durch sein vertrauenerweckendes Auftreten mehrere Geschäftsleute nach und nach lim größere Summen zu prellen. Der Schtvindel gelang ihm um so leichter, als er stets eine Depesche niis Berlin vorzeigte, durch die ihm 500 Mark angewiesen worden seien. Diese Depesche hat der Schivindber erwicsciicrinaßen selbst aufgegeben. Seine Begleiterin bat sich als die Tochter eines Schaf- Meisters ans der Gegend von Rostock,»amens Ida Gcrncntz, entpuppt. Der angebliche Schriftsteller soll vcrheirathct nnd Vater mehrerer Kinder sein. Die Klage der Gcincinbc Nixdorf gegen die Stadt Berlin auf Erstattung von Schulgeld an die Gemeinde für diejenigen Kinder, die Nixdorfer Schulen besuchen, während ihre Eltern in Berlin arbeiten, liegt, da Berlin die Ansprüche Nixdorfs abgewiesen hat, zur Zeit der ersten Instanz, dein Bezirksalisschliß, zur Entscheidung vor, der sein llrthcil wohl erst in cm oder zwei Monaten fällen wird._ In der sehr eingehenden Begründnilg wird betont, daß die Geineiiide durch das beständige Hinausdrängen der ärmeren Be- volkeriing Berlins»ach ütixdorf ohnehin schon sehr belastet werde nnd die Wohlfahrts-Einrichilliigcil Nixdorfs zum großen Theil von solchen weniger bcniittclten Leuten in Anspruch ge'nonnncn würden, die eigentlich zur Geineiiide Berlin gehörten. Die Zahl der Kinder derjenigen Leute, die zwar in Nixdorf wohnen, jedoch in Berlin ihrem Berufe nachgingen, sei bereits auf 3034 gestiegen, nnd man könne von Nixdorf nicht verlangen, daß es eine solche Anzahl Kinder von Berliner Arbeitern erziehe. Wetter-Prognose für Sontag, 26. Juni 1898. Etwas kühler, zeitweise mifklärciid, vorwiegend trübe mit Negensällen und frischen südwestlichen Winden. Berliner Wettervureau. Freie Volksbühne. Sonntag, den 86..?»»!. nachm. SVi Uhr, im Friedrich Wllhclmstiidtischcn Theater: Fünfte Alitlieilung. Nachzügler der übrigen Abtheilungen können, sowohl ■vorhanden, diese letzte Vorstellung der Tragikomödie 229/lsr Ltiimpengesinclel besuchen. Der Vorstand. I.A.: 0. Winkler. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Parkettbodenleger. Mittwoch, den 29. Juni er., abends 8Vz Uhr, im Lokale des Herr» Schttnlns. Köpnilterstrafie 68: PSF" Versammlung.'HW 8120 Tagesordnung: Die Differenzen bei Kuhnert it. Kühne. Ben IchiedencS.— Die Kollegen von Kuhnert n. Kühne sind dazu eingeladen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Tie Konimisnon, Achtung)! Achtung! Arb.u. Arbeiterinnen Berlins! Dienstag, de» 28. Jnni 1898. abends S Uhr, im Colberger Salon, Colbcrgerstraste 2Z, Große öffentliche Dlersommlung sllcr fahriksgewerblicheil Silfsarbeiter wü Weiterinne». Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen Fanl Jahn. 2. Diskussion. 3. Die Lohn und Arbeitsverhältniffe der in Pappenfabriken bcschäsiigten Arbeiter und Arbeiterinnen,-l. Ausstellung eines Kandidaten als Beisitzer zum Gewerbe: gcricht. 5. Bericht und Neuwahl des Delegirien zur Gcwcrkschaftskoinnnssion Arbeiter und Arbeiterinnen! Erscheint zahlreich und pünktlich, keiner darf fehlen. 64/11 Her Einberufer. Lederarbeiter Berlins. Dienstag, den 28. Juni 1898, abends 8 Uhr, int Barlenbad, Badstraste 35-36, Oeffentliche Versammlung After in httMchhrikAtm W. Arbeiter, MSeiMber, Lohgerber, Leberzurichter, Urber nnb BernsSgenojsen. Taaes-Ordnung: Vortrag" des Genossen Litfin. 2. Nominimng eineS Kandidaten zur Gewerbegerichtswahl als Gewerbegerichts-Beisitzer. 3. Wahl der Revisoren zum ersten Quartal 1838. 4. Verschiedenes. 419Sb Der Vertrauensmann. Verbnilb bentscher Golb- nnb Sitberorbeiter n. rernianbter Bernfsgeilossen iZahlstette Bertin). Dienstag, den 28. Jnni, abends 8% Uhr. Im Dresdener _ Garten, Drcsdencrstr. 45: HBF" Versammlung mit Damen. Tages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Augenarztes Herrn Dr. Wurm „Die Erhaltung der Sehkraft imt Demonstrationen am künstlichen Auge". 3. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 71/28__ Die Ortsvcrwaltnng. Achtimg! SlhllhlIlAlher. Achtum! Dienstag, den 28. Jnni, abends 8 Uhr, In, Lokale Königsbank,<«r. Frankfnrtcrstr. 117: Große öffentliche Uersommlnng Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kaffcnbcricht vom 1. Oktober 1897 bis 1. April 1898. Bericht der Revisoren. 2. Wahl von zwei Beisitzern zum Gewerbegericht. 3. Verschiedenes. 171/20 Forntulare zum Einzeichnen in die Wählerlisten zur Gewervcgerichts- Wahl können bei S ch e e r e, Blnmcnstr. 38, in Empfang genommen werden. Wir ersuchen die Kollegen, zu dieser Versannulung zahlreich zu ersdicinen. _ Die Agitatioiiskommission. Achtung, Ravitzputzer. Montag, 27. Juni, nbendö 8V' Uhr, bei Stabcrnack, Jnsclstr. 16: Außerordentliche Mitglieder-Uersammlung der Zahlstelle Berlin III. des Zentral-Berbandes der Maurer Deutschlands. Tageö-Ordnung: 252/20 1. Berichterstattung über die Verhandlungen bei der Firma Knauer. 2. Diskitssion. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht, weil die Firnia die Be- willigung der 70 Pf. Stundenlohn von dem Austritt ans dem Verband ab- hängig macht._ Die Ortsverwaltnng. Dienstag, den 28. Jnni, abends 8'/- Uhr: Oeffentliche Versammlung der Schneider nnd Schneiderinnen in den»Arminhallen«. Kommandantenstrastc Nr. 26. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeuwng des Gewcrbcgerichts. Referent: Kollege Schulz. 2. Diskussion. 3. Vorschläge von Kollegen zum Anit als Gewerbegerichts- Beisitzer. 162/5 Der Vertrauensmann: H. Stnbbe. Jägerhans Schönhauser Allee No. 103. Neu renov. Garten(6000 Personen fassend) mit neugebauter Bühne für Vereine. Groger Tanzsaal. 4 neu reuovirte Kegelbahnen.— Jeden Montag:o., sowie Vor, loosungs-Eegeustände. Händler u. Vereine erhalten die billigsten Engros- preise. 53152" 8.(i G. Saulsohn, Berlin C., jiaisrr Wilhelmstraste 19 a. Dr. med. Schaper, prakt. Homöopath. Arzt u. Gpezialarzt f -Haut-. Harn-, Geschlechtsleide». Fvanenkrankheiteu. Spr. 9-1, 4-8. Wehiineberger Uker LS. UornöoMlh. pollhllnlh: Montag, Mittwoch, Sonnab. Ab. 7-8. Grostc Hanibnrgerstr. 20, I DUT" Das beste und größte Brot ist zu haben bei Uidwlg Osterhagen, Bäckermeister, Britzerstr. 41. 39996 Welt-Etablissement„Scliloss Weisseusee' Sonntag, 26. Junis Grosses Monstre- Konzert let; J -aal 1 1 B ausgeführt vom„Neuen Berliner Konzert- Orchester" unter Lciwnz des Dirigenten Herrn T i e tz. 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Rheinländer, Theodor Thiele. t. Alles wechselt. Polk. Mazurk. . Menuett-Walzer, Th. Thiele. 7. Auf dem Studentenball. Quadrille ä la cour, mit Kommando, Th. Thiele. 8. Washington Post. Polka, J. P. Sousa. 9. Die alten Deutschen. Walzer mit Text, Ludolf Waldmann. 10. Nach Hause geh'n wir nicht. Galopp, Harry Waldau. Musik-fllbuiD mit B bis 12 Märschen, Tänzen, Liedern, Ouvertüren, Potpurris u. s. w. u. s. w. 38 pf. Jedes Album Verzeichnis über 50 verschiedene Albums kostenfrei. z. B. Herzige Lieder für mittlere Singstimme mit Klavierbegleitung. I, Ich weiss ein Herz, für das ich bete. C. Hummel, 2. Erste und letzte Liebe, W, Loepert. 3. Weisst du, Mutter, was ich träumte. Gustav Steffens. 4. Noch sind die Tage der Rosen. W, Baumgartner. 2. Der Findling. Gust. Steffens. . Der Rattenfänger. A. Neuen- dorf. S, Phylissu.dieMuttcr.Volkslied. . Mein Herz» das ist ein Bienenhaus. Volkslied._ Emile Zola, op Romane, Band OvJ Pf. Maupassant op Romane, Band kJ Pf. 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Erbe, Cuvrystr. 25. Tolksdorf, Görlitzcrstr. 58. Streit, Naunhnstr. 86. Heinrich, Naunhnstr. 73. G o 1 z, Griinaucrstr. 3. S e i d 1 e r, Natiborstr. 16. Zabel, Frankfurter Allee 90. S ch e e r e, Blumen- straße 33. Lock, Grüner Weg und Kohpenstr.-Ecke. Köpnick, Schilling- und Magazinstr.-Ecke. R e u 1, Baniimstr. 42. Schmidt, Lonisenstr. 5. W i t t ch o iv, Kl. Hamburgerstr. 27. S ch a p p a ch, Marienburgerstr. 9. I. P f a r r. Puttlitzstr. 10. Köhler, Calvin- straffe 11. Gleinert, Müllerstr. 7d. Bringmann, Prinzen- Allee 21. K no blich, Soldinerstr. 86. Klose, Hutmacher, Anklamerstr. 41. A u g u st i n, Kastanien-Allee 11. B 1 a u r o ck, Gipsstr. 16. Arbeitsnachweis der Lithographen Neue Friedrich- straffe 86. Arbeitsnachweis der Buchdrucker, Ritterstr. 83. Arbeits- Nachweis der Holz- und Metallarbeiter, Annenstr. 39. Arbeits- Nachweis der Buchbinder, Annenstr. 50.-H e 1 b i g, Barbier, Usedomstraffe 9. G. Schulz, Kottbuser Thor. Admiralstr. 40a. Wörncr, Kürassierstr. Iva. Wiegan dt, Elsasserstr. 9. Arbeitsnachweis der Schneider, Annenstr. 9. Hoppe, Ackerstr. 145. Sch rolle, Barbier, Landwehrstr. 3. S p a e t h. Weinstr. 23. Drescher, Linienstr. 218. H o r s ch, Gipsstr. 27. K n ö t s ch, Hirtenstr. 10. Im Gewerkschaftsbureau, Annen st r. 16 I. Nur noch bis zum 30. Juni dauert die Ein- zeichnung der Wählerlisten. Aufnahme Wochentags von 6— 8 Uhr und Sonntags von 12— 3 Uhr in folgenden Lokalen: P o ststr. 16, Zentralbureau, und in den Turnhallen der folgenden Gcmeindcschulen: Tempelhofer Ufer2-, Strausberger- straffe 9; Schmidstraffe 38; S k a 1 i tz e rst r a ff e 65/56; Kastanien-Allee 82; Gips st raffe 23 a; Pank st raffe 8 und Thurm st raffe 36. Die Berliner Gewerkschafts-Kommission. I. A.: Rud. Millarg. VevlÄwmlungen. Die Rabitzpntzer beschlossen nach einem Referat deS Be- vollmächtigtcn Nieke, bei der Finna Knau er die Forderung auf 70 Pf. Stundenlohn zu stellen und, falls die Bewilligung ver- weigert wird, die Arbeit niederzulegen. Gerügt wurde in der Dis- kussron, daff die Kollegen bei Knauer und Boswan noch immer zum gröfften Theil unorganisirt sind. Berichtigung. In unserem Bericht über die Versammlung der Freien Vereinigung der Bauarbeiter in der gestrigen Nummer muff es anstatt Erfurth hciffcn: H o f f 1 e i t h wurde als erster Vorsitzender gewählt. Samariter- Kursus für Nrbeiter und Arbeitcrlunen. Montag, den 27. Juni, abends 9 Uhr, bei Cohn. Beuthstr. 20: Vortrag deS Herrn Dr. Fricdeberg über: Knochcnbrüche, Verrenkungen, Verstanchungen. Praktische Hebungen. Der heutige Ausflug fällt aus. Allgemeine Fnuiilic»- Sterbekass«. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Dicke und Oranienstr. 23 a bei Bulow. Berliner Arbciter-Berei». Montag, den 27. Juni, abendS 8l/z Uhr, Koiumand'antcnstr. 20: Vortrag des Herrn Arthur Lewin über:„Nach den Wahlen." Jedermann hat Zutritt. tss&saassBtauBm Für de» Inhalt der Jnscratc übernimmt die Nedaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Bcraniwortnng. l�lzenkev. Sonntag, den 26. Juni. Freie Volksbühne(Friedr. Wilhelm- städtisches Theater). 5. Abtheilung. Lumpengesindel. Tragikomödie von Wolzogen. Anfang 2-/« Uhr. QpcrnhanS. Die Walküre. Anfang G>/- Nhr. Montag: Siegfried.(Hr. Kraus.) Neues Opern< Theater(Kroll). Stumme von Portici. Anfang 71/j Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Echanspielhans. Mutter Thiele. Anfang 71/2 Uhr. Montag; Othello. Lessing. Im weihen Röß'l. Anfang 7!/, Uhr. Montcw: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Momentausnahmen. An- fang 8 Uhr. Montag; Dieselbe Vorstellung. Neues. Stellvertreter. Anfang A/jlt Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Carmen.(Prevosti.) An- fang 7>/z Uhr. Montag: A Basso Porto. Schiller. Thielemanws. Anfang 8 Uhr. Montag: Der Geizige. Thalia. Im Fegefeuer. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ostend. Auf Sumatra, oder: Die Holländer in Atschin. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Alliance. Ein toller Einfall. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich> Wilhelnistädtische«. Die Kinder des Kapitän Grant. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Slleranderplah. Die Ehebrecherin. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Urania. Tanbenstraste 48—19. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt öv Ps. Abends 3 Uhr: Wissenschaftliches Theater. Juvalidensiraste 57/62, Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte, Operntelephon. Passage- Panoplikum. Theater Baristä. Alpenglühen. Apollo. Speztaltläten. Ans. 8 Uhr. ReichShalleu. Spezialitäten. An- fang 7Vz Uhr._ SMer-Mer (Wallner-Theater). Sonntag: Tliielemanu's. Montag: I>er Geizige. Dienstag: Per Geizige. Wuh-Carl Weiß-Theater. Gr. Frankfurtcrftr. 19«. Somnrerpreise. Parquet 1 Mark. Auf Sumatra Gr. Ausstattungsstück mit Gesang und Ballets in 12 Btldern v. CH.Eastmann. Musik von F. Krause. Ans. 71/j Uhr. Morgen Anfang 8 Uhr. VorzugsbilletS haben Giltigkeit. vetsnck»Ibeatsr- lioniert- vartsn. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung, dir. 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Verantwortlicher Redakteur: Nugnft Jncobcy w Berlin. Für den Jnferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlw. Druck und Verlag von Vtax Babing in Berlin