Berlin. Mittwoch, den 13. April 1870. -Sechster Jahrgang. brici« film« vcfl t hii>«l erscheint drei Atlich, und zwar: Donnerstags und labesds Abends. j)rgan der ioemf- demokratischen Part«. Redaktton und Eppeditioa: Berlin, Gitschincrstr. 17. eilen, sollest auf dm„Social-Drmokrat" be Gestellungen werden auswärts bei °mtern, in Berlin bei der Expedition, ?tstraße 17, und bei allen soliden ppediteuren gemacht.(Preis viertel U« Sgr.) � Der II. April Geburtstag Ferdinand Lassalle's, und � Werken wollen wir den Meister ehren jf dwjrs Tages. 'st cS, daß Tausende und aber Taufende steigender Verehrung diesen Namen '"ifoS, ein Werkzeug für die Plane An die Arbeiterklasse Deutschlands hinter finden her; da brachte Lassalle sie zum jijj, M und zur Erkcnntniß. DaS ist sein "dienst, um dessen willen sein Name mit 1" 5 1'| 9 genannt wird ' g0ill( nicht nur die Erkcnntniß ist durch ihn ?! die Erkenntniß ist wirkungslos, wenn ten-, Zur lebendigen That wird. Nicht nur '"Iii* nuch die That ist durch Ferdinand gekommen. Er hat nicht nur die deutschen n.><""fgellärt, er hat zugleich die deutsche ®! s'sch°ss'°- „«.ß k,,."nkc und die That— sie beide sind ,.,iiltU�"Nand pallntte in die Arbeiterklasse ?°5 fcrdii ISS'/Jf"1 ">nd Lassalle in �zl�stteisc» sein Name in Liebe und Ver- ildul� genannt und darum wird der heutige lißtag vom Proletariate Deutschlands gc- rb-'� L' Sil*1.- !■ politischer Theil. i:J Berlin, 12. April. Rundschau. |'jd Entwurf zu einem neuen Wahlgesetz in l.'.""f Grundlage der allgemeinen direkten nlJ Si Nmtn Abstimmung ist zwar schon in daS neB'''sdium der Vorberathung getreten und ■Lütt slammer in der ersten nach Ostern fol- _3): Atzung vorgelegt werden können, doch ist falsch, daß darnach den Abgeordne- nicht mehr sollten bezahlt werden. � IÜ"jekt der Diatcnlosigkcit ist den Ikittk} niemals in den Sinn gekommen, viel �'i allen während des vorigen �Landtags in o». Ae»rt v> llh� die Entschädigung der Abgeordneten scheuen Wünschen und Bedenken volle ? getragen sein.— Die Baicrn, von °'af Bismarck eiustenS behauptete,„wir ,.stnd ihnen zu liberal", sind wenigstens in �ken frage dem„liberalen" Grafen voraus. ' � � wimer beschäftigt die Bildung deS neuen D-r. �»S in Wien die öffentliche Aufmerksam- tauchen neue Ministcrlisten auf, um !' � verschwinden. ES ist deshalb vcrschwen- blus von diesen Phantasicgebilden überhaupt l' Nehmen. In merkwürdigen Widersprüchen � übrigens diescKombinationen. Während q: Traf Potocki mit vr. Rcchbaucr unter- K«rl>»ad überhaupt die äußerste Linke für sich eio�. bleu sucht, wird von anderer Seite be- 1,0 Grafen Hohenwart, Statthalter in �'' ebenfalls ein Portefeuille angetragen DaS wäre ein seltsames Ministerium, der Demokrat Rechbauer und der ul- ad"i Hohenwart zu gleicher Zeit Platz sin- dt'wj j'N'ge wiener Abendblätter haben wohl "bsich� den Grafen Potocki zu ärgern, ."zählen, Graf Hohenwart habe den Ein- Ministerium abgelehnt. JV'. ,N. Frdbl." wird von einem Augen- «t?» b�t, daß vor Kurzem, als Graf Beusi 'jÖj°iburg vorfuhr, um sich zu dem daselbst ' �"n TrauergottcSdicnste zu begeben, aus e�Pe von Personen, welche der glänzen-� aod' �t zusahen, lautcö Zischen ertönte. !.S� lr-s, N»! M. ad Die Volksabstimmung in Frankreich wird am Sonntag, den 24. April stattfinden. Die dem Volke vorgelegten Fragen werden folgende Fassung erhalten: Will das französische Volk die an der Constitution von 1852 vorgenommenen liberalen Abänderungen auf Grund folgender Punkte gut heißen: 1) Verantwortlichkeit der Minister vor den Kammern; 2) Einsetzung zweier gesetzgcbcndcu Kammern; 3) Rückfall der konstituircndcn Gewalt an die Nation. An den dem 24. April vorher gehenden Tagen werden die öffentlichen Versamm- lungcn derselben Freiheiten sich erfreuen, wie während der Zeit vor den Wahlen. In Paris ist bereits eine Menge von Präfekten anwesend, welche mit dem Minister de? Innern über die Vorberei tungcn zur Volksabstimmung Besprechungen haben. ES ist also imwidemiflich beschlossen die Umgestaltung dcö Kaiserreichs aus einer despotischen in eine konstitutionelle Monarchie durch eine all gemeine Volksabstimmung(PlcbiScit) bestätigen zu lassen, und bereits beschäftigen sich der Kaiser und seine Minister mit der Ausarbeitung der Formel für die große Frage an das Land, aber trotz der zwei glänzenden Reden OllivicrS begreift kein Ver- ständiger'was eigentlich der Sinn dieses Vorgangs sein soll, nachdem doch die Lkation selbst jene Um- sormung der staatlichen Institutionen verlangt und den Anstoß dazu gegeben hat. Man sagt daß da- durch dem Kaiserreich ein neuer Glanz verliehen werden solle, als ob sich dergleichen künstlich machen ließe, und als ob eine solche Abstimuiuna auch v»»A-uu v-iiuTiui urC TT MV dW-"t" cM'' -ii/rage entschieden schlecht gehen sollten. ES ist nur verwunderlich daß der Kaiser nach allen ge- machten Erfahrungen nicht längst eingesehen hat auf wie schwachen Füßen solche„Titel" stehen. Die republikanische Partei wird ja daS PlcbiScit überhaupt nicht anerkennen, an dem sie sich nicht betheiligen will und auch nicht bctheiligcn kann, weil die Fragestellung keinen McinungSauSdruck ihrerseits gestattet. Sie wird daS Ergebniß der Abstimmung verhöhnen und ihre Angriffe gegen daS Kaiserreich ununterbrochen fortsetzen. Eine andere Erklärung für die Absicht, daS PlcbiScit vorzunehmen, ist diese: daß daS gegenwärtige Cabinct sich damit eine Stütze im Lande selbst schaffen, die Autorität deS allgemeinen Stimmrechts für sich selbst gewinnen, und sich da- durch von der Kammermehrheit unabhängig machen wolle. Es wolle dadurch die unbedingte Berechtigung zur Auflösung deS gesetzgebenden Körpers verlangen, falls es einmal in der Minderheit bleiben sollte, während jetzt daS stillschweigende Einvcrständniß bestehe, daß eine Auflösung nicht vorgenommen werden solle. Daß eine der- artige Absicht mitwirkt, ist wahrscheinlich genug, aber um sich zu stärken, geht daS Ministerium erst durch eine moralische Niederlage. Einstweilen finden die Reden Favre'S, Simons und namentlich Gambetta'S einen ungeheuren Widerhall im Lande, und der zuletzt Genannte wird von den Organen feiner Partei und auch von andern als ein politisches Talent ersten Rangs gefeiert.— „Die Rede Gambetta'S," schreibt die„N. Fr. Pr." „der Gehalt und die Form derselben, sowie der Eindruck, den sie auf alle Parteien hervorgebracht hat, schon ist daraus zu bemessen, daß die Organe der Unversönlichen, die schwer zu befriedigen sind, der- selben eine nicht minder warme und sympatische Anerkennung zu Theil werden lassen, als die Blät- tcr der gemäßigten Demokratie und selbst der ent- schieden regierungsfreundlichen Fraktionen, welche durch die„France" und„Public" vertreten wer- den. Gambctta hat sich durch seine Rede zum ersten politischen Redner seiner Partei, ja selbst des ganzes Hauses aufgeschwungen; darüber sind heute schon seine Freunde und seine Gegner einig, und eS ist darum nur umsomchr zu bedauern, daß sein Gesundheitszustand ein so bedenklicher ist. Noch nie wurde, nach dem übereinstimmenden Zeug- nisse der Pariser Presse, in dem gesetzgebenden Körper die republikanische Idee mit so großem Takt und gleichzeitig mit Aufgebot einer so glän- zendcn Bcredtsamkcit und unerbittlichen Logik ver- theidigt, wie in der Rede Gambetta'S." AuS Italien liegen verschiedene interessante Nachrichten vor. Der SicherheitSbeamte Campa nclli, welcher nach Luga gesandt worden, um auf den Mörder EScossier'S zu fahnden, ist auf dem Marktplatze dieser Stadt am hellen Mittage et stachen worden.— Im Gregorienklostcr zu Pa- lermo ist eine starke Niederlage von Waffen und Schicßbcdarf aufgefunden worden. Der General Media glaubt, daß ohne diese seine Entdeckung in Palermo nicht minder als in Piacenza und Pavia eine republicanifche Bewegung ausgebrochen wäre Man ist in den höchsten Kreisen sehr besorgt über alle diese Anzeichen einer revolutionären Propa- ganda, so wie besonders über den Geist der Un- zufriedeuheit, welcher offenbar in dem Unterofsicier- corps herrscht. Der General Govone sieht sich um Einstellung der starken HccreSverminderungcn bestürmt. Im Publicum dagegen haben jene Vor- fälle und der Rücktritt der Generale Bixio und Cialdini nur einen geringen Eindruck gemacht. In Spanien sind die Unruhen im Wachsen. Zu Tarrasa bei Barcelona haben die Aufrühcr die Telcgraphcupostcn zerstört. Alle dirccten und indircctcn Verbindungen sind seit dem 6. Morgens unterbrochen. Den jüngsten Nachrichten zufolge haben 6 Colouuen Barcelona verlassen, 1 um Gracia anzugreifen. GerüchtSweife verlautet: der Alcalde und zwei Mitglieder des MunicipalratheS von Gracia seien, trotz ihrer republicanischcn Gesin- nungen, von den Tumultantcn erschossen worden. Fnfutgenleis- angriff abgeschlagen. General Baldrich geht mit zwei Batallionen nach Catalonien ab, um daS Ent- tehen von Banden zu verhindern. Die bis 2 Uhr Morgens auf dem Ministerium eingelaufenen Depeschen besagen daß zu Salamanca, Cartagcna Sevilla die Ordnung leicht gestört,. aber bald wiederhergestellt worden. ES sind Befehle dahin erlheilt worden daß, überall wo die Ruhe gestört worden, die Schuldigen, wie zahlreich sie auch seien. den Gerichten ausgeliefert werden sollen. Die Regierung wird gegen alle diejenigen, welche sich der Obrigkeit widersetzen, oder daS Gesetz mißachten mit unerbittlicher Strenge vorgehen. Die Ver- bindung mit Barcelona ist unterbrochen. Zwei von Valencia und Saragossa kommende Regimenter werden am 8. vor Barcelona anlangen. In den Provinzen Lerida, Tarragona, Gerona u. a. ward die Ruhe nicht im mindesten gestört. Nach dem Jmparcial sollen die Insurgenten die Brücke San AndeaS-Salamar durch Feuer zerstört haben. Der kürzlich ernannte interimistische Gouver- neur von Barcelona, General Manuel Figucrola, hat eine Bekanntmachung erlassen, worin er die Barccloncscn zur Ruhe auffordert; schärfer aber ist ein Erlaß des Gcneral-KapitänS Gamindc, worin der Belagerungszustand über Stadt und Provinz Barcelona verhängt und bestimmt wird, daß die Aufständischen und Ruhestörer einem Kriegs- gerichte zu überweisen seien; auch Preßvergehcn sind der Rebellion gleich zu stellen. Der General Baldrich ist nach Catalonien abgereist, um den Oberbefehl über die dortigen Truppen zu über- nehmen. ES ist Prim'S Absicht durch eine starke Machtentfaltung den Aufruhr möglichst rasch zu unterdrücken. Die Frage der Erwerbung von St. Domingo, seitens der Nordamcrikanifchen Union, ist neuerdings wieder etwas in den Vordergrund ge treten. Das SenatSeomite für auswärtige An gclegcnheitcn soll nicht günstig über daS Project berichten wollen. Der Präsident aber scheint mehr dafür eingenommen zu sein, als je zuvor. Er hat eine lange Unterredung mit den Mitgliedern des ComiteeS gehabt und, wie verlautet. Hemm Cameron für feine Ansicht gewonnen. Dennoch scheint daS Schicksal des Vertrages sehr zweifelhaft zu sein, da zwei Drittel der Simmcn zur Ratification erforderlich sind. Welchen Nutzen man aus dem Be- sitz von Domingo ziehen soll, vermögen nur die zu ahnen, welche die hohe Politik machen. Der kürzlich in England angelangte Post' dampfer„Congo" bringt wiederum neue Berichte über Greuclthatcn, welche an der Westküste Afrika' s verübt worden sind. Der Krieg zwischen den Eingebornen am New-Calabär-River und den Ecrccka-Leuten dauert stets noch fort. Einige Tage vor dem Abgang des„Congo", Mitte Fe- bruar, waren wieder 12 Männer vom Ecreeka- Stamme gcfangcu genommen und nach New-Cala- bar geschleppt worden, wo sie kaltblütig abgeschlach- tet und von ihren Feinden verzehrt wurden. Es muß jedoch beigefügt werden, daß im September 1866 der Ecrccka-Stamm sich nicht gescheut hatte, nttt 10 Gefangenen aus dem des New-Calabar- River Gebiet in derselben schauerlichen Weise zu verfahren, und daß seither deren Angehörige keine Gelegenheit vorübergehen lassen, für diese Schläch- tcrei vollständige Rache an den Ecreeka-Leutcn zu nehmen. Vereins- Theil. (Für den Allg. deutsch. Arbeiter-Bereiu.) An die Mitglieder des Allg. deutsch. Arbeiter- Verein«. Auf meiner Reise nach Hamburg habe ich mich zu meinem Bedauern überzeugen müssen, dag abermql« die SekretarlalSverwaltung sich nicht in geregeltem Gange befindet. Ich werde in dieser Erkenntniß durch die Mittheilungen einiger Vorstandsmitglieder bestärkt. Um diesem Zustand gründlich ein Ende ,u machen, habe ich eme durchgreifende Aenderung in der V-rwaltnna veranlaßt. ES ist»öthig einerseits, daß die regelmäßigen VerwaltiiugSgeschäfti in andere Hand gelegt werden, andererseits, daß außer der von mir geübten«caussichti- gM-q. welche bei der Vi-lseiligkeit der mir auferlegten mich vertr-tendeu Bice- Herr Tölcke hat da» Sekretariat ni-d-rgelegt und ich habe denselben nach Z 4 der Statuten zum Bieepräsi- dcnten de« Verein« bis auf Widerruf ernannt. In dieser Stellung wird er a»f Grund seiner reichen Erfahrung und seiner Bekanntschaft mit allen Parteiverhältnissen eine Thätigkeit entfalten können, welche al« Ergänzung der mir zustehenden eigentlichen Parteileitung erscheint, und diese seine neue Stellung, welche wichtiger und be- deutungSvollcr, aber zugleich weniger anstrengend ist, al« seine bisherige Stellung, wird den Verhältnissen besser entsprechen al» der frühere Zustand. Zugleich wird Herr Tölcke in die Redaktion des„Soctal-Demolrat" eintreten. Zum VereinSsckretär ernenne ich bi« auf Weitere« nach§ 5 der Statuten Herrn Wilh. Hasenclever. Wenn der Vorstand dieser Anordnung die statutenmäßige Genehmigung nicht crtheilcn sollte, so wird, da die General- Versammlung nicht lediglich wegen der Wahl eine« Sckre- tär« einberufen werden kann, eine anderweitige Besetzung de« Sekretariat« durch Urabstimmung stattfinden müssen. Die Kasse wird durch die neue Besetzung der Aemter nicht stärker belastet werden als bisher. Borläufig also— bi« zur Entscheidung de« Vorstande« und erforderlichen Fall« bi« zu stattgehabten Wahlen durch Urabstimmung — wird Herr Hasenclcver das Sekretariat und da« Kassirer- amt In sich vereinigen müssen. Ich ersuche die Vereinsmitglieder bis zum 20. ds«. Geduld zu haben; von diesem Tage ab werden sämmt- licht eingelaufenen Beschwerden durch den provisorischen neuen Sekretär oder durch mich selbst ihre Erledigung finden. Bi« auf Weitere» sind alle SekcetarlatSbriefe an Herrn Wilh. Hasenclcver, Berlin, Gitschinerstr. 17, zu richten. Etwaige Beschwerdedriese find an mich selbst zu adressiren. Ein Theil der eingelaufenen Beschwerden wegen der Verwaltung sind völlig gerechtfertigt, und ich werde von jetzt ab bestimmt dafür sorgen, daß kein neuer Grund zu Beschwerden erwachsen wird. Ein anderer Theil jener Beschwerden aber ist völlig unbegründet; derjenige Theil nämlich, der darauf hinausläuft, daß zu wenige Agitato- ren ausgeschickt würden oder die ausgeschickten Agitatoren nicht genug Geld erhalten hätten. Wo soll ich denn da« Geld hernehmen, uin diesem unabläsfigcn, an« hundert Orten ertönenden Geschrei nach Agitatoren Genüge zu leisten? Ich kann dazu nicht mehr Geld verwenden, al» monatlich nach Abzug der Verwaltung»- und bedeutenden Druckkostcn in der Kasse übrig bleibt. Wir haben nicht, wie andere Parteien, da« Geld der Reaction oder der bürgerlichen Demokratie zur Verfügung; bei un«, wie unsere Avrcchnungen beweisen, kommen mir Gelder zur Verwendung, die von Arbeitern zusammengesteuert sind. Darauf können wir stolz sein, aber wir müssen auch die Dornen der Rose hinnehmen. Ich kann nicht mehr Geld für Agitation ausgeben, als durch die Beiträge der Mitglieder eingckommcn. Garz abgesehen davon, daß da« beständige Gijammer nach Agitatoren grnßcnlheil« mangelnde Tbalkrast beweist, wenn c« au« Orten kommt, wo wir bereits Mitglied- schaften haben, indem die Arbeiter sich nicht Mann« ge- nug fühlen, sclbflsiändig gegen die Gegner anzugehen; ganz abge'ehcn hiervon ist es einfach unmöglich, selbst da. wo e« sich um eine neue Ausbreitung handelt und der Wunsch nach Agitatoren gerechisirtigt sein kann, allen Ansprüchen nachzukommen. Sorge man dafür, daß Geld in die Kasse fließt und ich werde agitiren lassen; so lange aber die Beiträge nicht von überall her in demselben Maße einkommcn, wie dies z. B. von Hamburg und einigen kleineren Orten aus geschieht, ist all das Gewimmer um Agieatorcn vergeblich. Zudem hat die Partei jetzt ein Blatt, welches unter dem Titel„Agitator" zu einem Spottpreis zu haben ist, und welches daher, wenn eS ge- hörig verbreitet wird, manche mündliche Agitation sparen kann. Wenn es nun schon unter gewöhnlichen Verhält« nissen unmöglich ist, in allen Wcltgezenden, wie beständig verlangt wird, Agitatoren herumzujagen, s? ist es grade jetzt, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, doppelt un. möglich, die« zu thun, indem sllr die Wahlen sich Geld in der Vereinskasse ansammeln muß. Ich erwarte also, daß die Mitglieder endlich in diesem Punkt Vernunft an- nehmen und sich klar machen, daß, wenn nicht mehr agitirt werden kann, nur sie selbst durch ihr- mangel« hasten Beiträge zur Vereinskasse daran schuld sind. Ich habe es herzlich satt, beständig die Jammerbriefe zu kesen, die von der Voraussetzung ausgehen, als hätte ich einen G-lds-ck neben mir stehen, in den ich nur hineinzugreifen brauchte, um in allen Ecken und Enden Deutschlands wohlbesoldcte Agitatoren herumzuschicken. Dieser Gcldsack existirt leider nicht.. Indem ich die Hoffnung ausspreche, daß endlich einmal von jetzt ab die SekretariatSverwaltung allen billigen und vernünftigen Ansprüchen genügen wird, verbleibe ich mit social-demokcatischcm Gruße Der Präsident des Allg. deutsch. Arb..B-reinS: Schweitzer. Berlin, 12. April. Uttsre», 10. April.(Neue Ausbreitung.) Gestern Abend hielten wir-ine öffentliche Versammlung ab, in der Herr G. Winter au« Altona einen Vortrag über die Social-Demokratie hielt. Der Redner bewirkte durch seinen klaren Vortrag, daß eine Mitgliedschaft zu Stande kam. Es stehen auch noch viele Einzeichnungen bevor. Ich spreche im Namen der Mitglieder den Altonaer Mid gliedern unfern Dank aus für die Veranlassung der Ver> sam nlung. Wir hoffen Herrn G. Winter bald wieder in unserer Versammlung zu sehen. Mit social-demokratischem Gruß A. Burg AuS Buckau berichtet Herr F. Kalb er über Polizei« schwierigkeitcn Folgendes:„Sonntag den 3. April hielten wir wieder in Salbke eine öffentliche Arbeiter- Versammlung ab. Die Tagesordnung war: Die Aus beutung des Arbeiters. Herr Dremel halte die Ver kammlung einberufen und wurde erster, Herr Seifert »weiter Vorsitzender und ich selbst Schriftführer. Weil wir Kämpfe mir der Mohrenpartei erwarteten, hatten wir den Zitiimerer Herrn Lampe aus Halbcrstadt gebeten, zu erscheinen. Aber leider konnte er nicht zum Vortrag kommen, denn kaum hatte der Vorsitzende ihm da« Wort ertheilt, als der überwachende GenSdarmen-Wachlmeister in liebenswürdigem Tone erklärte:„Im Namen des Gc- fetzes löse ich die Versammlung auf, weil Personen unter 18 Jahren nicht ausgesordcrt worden sind, daS Lokal zu verlassen; binnen 10 Minuten ist das Lokal zu räumen." Um Unruhen zu vermeiden, geschah diese« auch, übrigen» kehrten wir gleich daraus in das Lokal zurück. Ueberall werden uns jetzt Schwierigkeiten in den Weg gelegt, aber wir stehen fest im Kamps sür unser Recht."— Wir bc« merken zu dem vorstehendeil Bericht, daß der betreffende Polizeibeamte durchaus unrechtmäßig die Versammlung ausgelöst hat. Frauen und Lehrlingen ist nur der Besuch der Versammlungen eines politischen Vereins verboten. Da unsere Parteigenossen ein: freie Arbeitervcrsammlung «inberufen hatten, so war selbstocrständlich die Auslösung geführt wird, wie-« vor zwei Jahren in Berlin o'schah.»ls daselbst ein Polizeibcamter Ver« sammlungen auslöste, weil Frauen in denselben anwesend waren. Bremen, 10. April.(Volksversammlung.) Gestern war eine große Volksversammlung von 600 Mann in der Hermannshalle von Deckwitz, G-wcck- und Bertram, den bisherigen Anhängern der Gräfin Hatzfeldt, einbe rufen. Die Tagesordnung lautete: Die Stellung der social demokratischen Partei zu den ReichStagSwahlen und Bruder und Schwester. Erste« Kapitel. (Fortsetzung.) Die Römerin, welche noch immer da« Kinn auf ihre Hand stützte, war allen Bewegungen der Zauberin gefolgt und sagte jetzt zu derselben: Warum hast Du die Finger mit Kreide bestrichen? Damit sie schreibe. Was? Die Zeichen, welche sie mit ihren Fingern auf diesem rothen Teppiche schreiben wird. Was sllr Zeichen sind das? Warte eiiilii Augenblick, antwortete die Thessalierin, indem sie die Scalvin beobachtete— und Du wirst c» sehen. Es herrschte Todtenstille in dem Tempel und aller Blicke richteten sich ohne Scheu auf die junge Gallicrin. Sie flehcte Niemandes Mitleid mehr an und man crrieth ihr Geschick. Nachdem sie sich schwankend auf den Dreifuß gestützt hatte, schien sie plötzlich vom Schwindel ergriffen zu werden. Sie stammelte einige Worte, brach zusammen, fiel ans de» Teppich und krümmte sich da bald in fürchterlichen Zucknn« gen, so daß ihre Hände, die von den Schmerzen bald zusammengezogen, bald ausgestreckt wurden, den rothen Stoff zerarbliieten und von den kreidebcstrichenen Fing-rn weiße Spuren zurückblieben. Siehst Du? Siehst Du, sagte die Zauberin zu der Römerin, die noch immer aufgestützt und mit ruhiger Neu« gierde ihre Sclavin sich in Todesqual winden sah.— Siehst Du die weißen Zeichen, welche ihre krampfigen Finger darstellen? Siehst Du, was sie schreibt? Das ist meine Zauberschrist, daraus werde ich lesen, ob der Zauber, welcher Libanon an Siomara bindet, bald gebrochen werden wird. Die andern Sclavinnen, die an solche Auftritte gewöhnt waren blieben unbewegt von den Qualen ihrer Gefährtin; sie hätten das geringste Zeichen des Mitleides auch schwer büßen müssili. Allmälig wurden die Zuckungen der jungen Gallierin minder heftig und sie sträubte sich nur noch matt gegen den Tod. Nach einigen letzten zitternden Bewegungen verschied sie und ihr Körper wurde grauenhaft starr. Schafft den Leichnam hinweg,— er ist mir hinderlich, sagte die Zauberin. Ich muß nun die Beschlüsse de« Schicksals lesen, welche durch diese sterbende Hand dahin geschrieben worden sind. Der riesige Schwarze nahm, als wäre er an dergleichen Dinge schon gewöhnt, den leblosen Körper der Gallierin, ging damit nach der Thür zu, welche nach dem Canalc führte und verschwand. Sylvcst hörte von seinem Verstecke einen Körper in tiefe« Wasser fallen und sah bald darauf � dco Äethiopier wieder in den Tempel zurückkommen. Faustina verließ jetzt ihre Kiffen, erhob sich und trat zu der Zauberin, welche, auf den Teppich gebeugt, die Kreide- tilcheu darauf zu entziffern schien. als Referent fungirte ein Herr Kühn. Derselbe verbreitete eine Broschüre, worin ein Congreß empfohlen wird und die Person des Dr. Schweitzer, ebenso wie die der Gräfin Hatzfeldt angegriffen werden. Uebrigens erzielten wir einen entschiedenen Sieg, und die von mir eingebrachte Resolution wurde mit neunzehntel Majorität angenommen. Näherer Bericht folgt. Interessant ist die Thatsachc, daß Herr Kühn, der bislang besoldeter Agitator der Gräfin Hatzfeldt war, sich jetzt als Volksparteiler entpuppt hat Schadet nichts. Mächtig schreiten wir vorwärts! Mit social-demokratischem Gruß Heyder. Wilhelmshefe». 2. April.(Lügenberichte der Capitalistcnprcsie.) In Nr. 10 der„Bauhütte" hat sich ein gewisser Fr. Reinhard von hier das kindliche Vergnügen gemacht, einen längeren, jedoch so lächerlichen und lügenhaften Bericht über den Verlans der Versamm- lung vom 22. Febr. einzusenden, daß wir nicht umhin können, jenem Fr. Reinhard den Kopf zurechtzusetzen. Es ergehr dem Genannten, wie vielen Herren seiner Par« lei; Verdächtigungen gegen unsere Partei auszustreuen ist das Einzige, was er versteht. Als unsere Versammlung von Herrn Büschel, welcher zugleich Herrn Lllbkerl da» Wort erthcilte, eröffnet wurde, protestirten die Geg ner ohne Grund gegen die« Verfahren, obschon sie es selbst in einer vorherigen Versammlung, die von ihnen einberufen war, angewendet hatten. Herr Lübkert er- läuterte die Lage der Arbeiter den Tapiralisten gegenüber, wobei e« vielleicht Herin Reinhard, der Lübkert'S Ideen voll Grimm„hirnverbrannt" nennt, etwas zu warm geworden sein mag. Genug, Lübkert bezweckte durch seine Rede die Annahme der bekannten Resolution, und nun schreibt Reinhard: Ilm daS Maß alle« Lächerlichen voll zu machen, sei diese Resolution von Herrn Nevermann an» Bremen beantragt, nachdem Herr Kanbsch, Mit glicd des BildungSvcrein», durch seine Theorien die Lach' Muskeln in Bewegung gesetzt habe.— Mein lieber Reinhard, eS ist in öffentlichen Versammlungen, wo feindliche Parteien auftreten, ganz gleichgültig, wer die Resolutionen stellt, und Sie beweisen nur, daß Sie noch wenig, oder gar keinen Bolksversammlungen beigewohnt haben.„Die Polizei hat die Versammlung ausgelöst, ohne daß die Lassalleancr da« Terrain wieder gewonnen haben," ist der Schluß des Artikel«; der erste Thcil dieses Satze« setzt allen andern Lügen die Krone auf, wa» den zweiten Theil anbetrifft, so hoffen wir, nicht bloS durch Ueber- zeugung die Arbeiter inSgcsammt Hierselbst zu gewinnen, sondern alle Arbeiter in ganz Deutschland. Nun, Herr Reinhard, lassen Sie Ihr Licht getrost leuchten, stellen Sie es ja nicht unter einen Sch-ffel! Verfassen Sie noch ferner Lügcnartikcl, uns kann es nur nützen. Sie haben sich der Bourgeoisie ergeben, und da» erkennen dir Ar bciter. Wir Maurer von Heppens und Wilhelmshafen wissen genau, weß Gristeskiud Sie sind, ja dies haben wir schon voriges Jahr im April ersehen. Und merken Sie e« sich: Die Arbeiter werden auf einen solchen Zer tungShelden, wie Sie, genau Acht haben! Mit social demokratischem Gruß Die Lassalleancr von Heppen« und Wilhelmshafcn. F. Kleinert. H. Büschel. Au« Altoila erstattet Herr O. Reimer über eine große Volksversammlung Bericht, dem wir FolgeudeS entnehmen: „Sonnabend, den 2. dss. war von Herrn G. Winter eine allgemeine Volksversammlung einberufen worden Dieselbe fand einc große Theilnahme, und es waren über 3000 Personeil anwesend. Die Herren Richter, Bräuer und Hartmann waren als Gästr anwesend. Auf der Tagesordnung stand: Die Thätigkeit des Dr. N.Schlei- den im Reichstag des Norddeutschen Bunde« und die untf'irit Htuiu iiil c i■,aio'«yviPgciion,—ao'«rtll'"tniiW0 Re im er als Schriftführer erwählt. Der Vorsitzende er- klärte den Anwesenden, daß die heutige VolkSoersammlung einberufen sei, um den Wählern des Abgeordneten für den Kreis Altona, spcciell den von diesen Herrn vertretenen Arbeitern, ein klare« Bild darüber zu verschaffen, welche Interessen und Ansichten der Abgeordnete im Reichstage oertretcn habe, wo er z. B. für Beibehaltung der Todes- strafe und für Diätenlosigkcit der Abgeordneten gestimmt habe. Zugleich möchten die Anwesenden erkennen, wie großen Werth mau auf da« Recht der MandatSentziehnng Faustina beugt- sich ebenfalls und folgte mit finsterem Blicke allen Bewegungen der Thessalierin. Diese hatte unlerdcß mit einer Nadel die Wachikugcl, welche da« Herz Siomara'S vorstellte, der Nebenbuhlerin der vorneh« men Römerin, durchstochen und das Haar Faustina'S an die Nadel gebunden. Während sie unverständliche Worte murmelte, stach sie hier und da hin auf die weißen Zei- chen, welche von den Fingern der sterbeuden Sclavin au � dem Teppiche zurückgeblieben waren. Von Zeil zu Zeil fragte Faustina in ängstlicher Bs sorgniß die Zauberin: Was liesest Du? Was liesest Du? Nicht« Gutes bis jetzt. Trug und Lug ist Deine Zauberei! rief die Römerin aus, indem sie sich verächtlich emporrichtete. Alles nichts als eitele« Spiel. Da kommt ein besseres Zeichen, fuhr die Alt- fort, die mlt sich selbst sprach und auf die Worte Faustina'S nicht achtete.. Ja., ja. Vergleicht man dies Zeichen mit dem andern halb verwischten da.. so ist eS gut, sehr gut. Du hast Hoffnung? fragte Faustina und sie bückte sich von ncucm zu der Alten nieder. Freilich, fuhr diese kopfschüttelnd fort, da dreht sich da« Her, Siomara'S dreimal um sich selbst,— ein schlccb te«, schlechtes An, eichen!** Eine Thörin bin ich, Dich anzuhören, sagte Faustina, welche sich zornig wieder aufrichtete. Geh'! fort von hier— Höllen-Eule— UnglückSvogil! Ich habe große Lust, Dich für Deine Betrügerei und Unverschämtheit schwer büßen zu lassen. Bei der Venus! sagte plötzlich die Zauberin, ohne, wie es schien, auf die Verwünschungen Faustinas zu hören— ich habe niemals einc offenbarere, sicherere Verkündigung gesehen, als diese letzten drei Zeichen sie aussprechen. Ja, der Zauber, welcher den Gladiator Libanon an Siomara, die Gallicrin, bindet, wird gebrochen werden. Libanon wird die edele Faustina allen Frauen vorziehen und das ist noch nicht alles, nein, denn diese letzten Zeichen sind unfehlbar,., die ganze Zukunft öffnet sich vor mir. Ja, ich sehe Euch, Furien der Hölle, mit Eurem Viperhaar! Schüttelt, schüttelt Eure Fackeln, sie werden mir leuchten, und ich sehe hell, fügte sie hinzu in einer Art Wahnsinn, der mehr und mehr zunahm. Sic bewegte dabei die Arm die sie empor hob, während sie sich blitzesschnell um sich drehctc. Sylvcst bemerkte etwas Seltsame«. Als nämlich die langen und weiten A-rm-l der Zauberin bei ihren heftigen Bcweguugeu einen Augenblick sich zurückschlugen, kam es ihm vor als wären die Arme»er häßlichen Alten mit dem gebräunten runzeligen Gesichte rund, voll und weiß wie die eines jungen Mädchens. Immer ungestümer fuhr die Zauberin fort: Furien, schüttelt Eure Fackeln! Ich sehe, ich sehe die Gallicrin Siomara... Sie gerälh in die Gewalt der «dein Faustina. Ja, Faustina hat sie... Wird sie da« fleisch ihrer Nebenbuhlerin verbrennen, ihr die Knochen zersägen, ihr daS lebendige Herz herausreißen?.. j legen müsse, und wie dieses daher stet« mit allem Nach druck zu fordern fei, um da« allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zur Wahrheit zu machen. A!« Referent erhielt zunächst Herr Richter das Wort. Derselbe führte in einem längeren Bortrage aus, wie nachtheilig für die Nichlbcsitzenden die Diätenlosigkeit sei, durch die dem Volk seine Vertreter verweigert und da« allgemeine Wahlrecht zur Lüge würden. Dr. Schleiden habe nun gegen die Diätenzahlung gestimmt. Redner schilderte dann die Ver- Handlungen wegen der Todesstrafe und hob die Schmach der Justizmorde hervor, die selbst in letzter Zeit vorge« kommen, und erklärte unter Zustimmung, eine Sache, die wie die Todesstrafe sich gerichtet habe, würden die Wähler de« Dr. Schleiden gewiß nicht verewigen wollen; demnach habe dieser für Beibehaltung derselben gestimmt. Die Arbeiter ersehen hieraus, wie sie bislang vertreten wurden und sollten dahin wirken, bei der nächsten Wahl -inen Arbeiter in'« Parlament zu schicken. Herr Puddelig führte aus, was Dr. Schleiden alle« vor seiner Wahl versprochen und wie er dem entgegen gehandelt habe, und empfahl dringend, künftig einen Arbciterkandidaten zu wählen. Inzwischen waren zwei Resolutionen eingelaufen, welche iusammengefaßt folgendermaßen lauteten: Die heutige Versammlung erklärt:„Dadurch, daß der Abge- ordnete Dr. R.«Schleiden für Beibehaltung der Todes« strafe gestimmt hat, hat er nicht die Ansicht seiner Wähler vertreten. Da er ferner nicht für die Lösung der socialen Frage im social-demokratischen Sinn eingetreten ist, ver- dient er nicht da« Vertrauen seiner Wähler. Der Vor« sitzende wurde verpflichtet, die Resolution nebst kurzem Bc- richt der„Altonacr Nachricht" zu übersenden, um bei einer nächsten Versammlung zu konstatiren, welchen Stand die Presse den Arbeitern gegenüber einnehme, ebenso sollte Dr. Schleiden dieselbe zugestellt werden. Hiergegen er- h»d sich ein Herr Körner, der es für„unschicklich" hielt übn Dr. Schleiden zu richten, da derselbe nicht anwesend sei; gleichwohl hielt eS der Redner für anständig, den ab- wcsendcn VereinSpräsidenten so gröblich zu verdächtigen, daß die Anwesenden ihren Unwillen kund gaben. Einige Mitglieder des Allgcm. deutsch. Arb.-VereinS beantragten, daß Redner aufgefordert werde, seine Verdächtigungen zu beweisen, auch möge er weiter sprechen, damit er nicht sich dadurch herauszureden suche, ihm sei da« Wort abge' schnitten, weil man seine Acußerungen fürchte. Die Ver sammlung erlaubt endlich da« Abweichen von der TageS' ordnung und der Redner rührte das abgedroschene Zeug der sogenannten„Ehrlichen" zusammen; schließlich brach, da die Versammlung von der Wäsche genug hatte, ein allgemeines Gelächter aus. Dann wurde mit allen gegen eine Stimme die obige Resolution gegen Dr. Schleiden angenommen. Herr Lehnkugel machte den Dr. Schleiden treffende Vorwürfe. Der zweite Punkt der Tagesordnung: „Die deutsche Arbeiterpartei" wurde von den Herren Racko, Bräuer und Hartmann in klarer, vcrständ lichcr, wenn auch der vorgerückten Zeit wegen, kurzer Rede besprochen, und ein Bild von den jetzigen Zuständen und dcr Tragweite der Arbeiterbestrebung gegeben, die hierauf bezügliche von Herrn Racko eingebrachte Rcso» lution lautet:„Die heutige Versammlung erklärt, den bestehenden Geselljchaftsznstand und namentlich die heutige Produktionsweise sllr verderblich, sowohl moralisch wie physisch; und sieht nur Abhülfe in dem festen Zusammen- hallen der gesammten Arbeiter im Prinzip der Social Demokratie, nach der Lehre von F. Lassalle." Sie wurde einstimmig angenommen. Znm Schluß forderte dir Vor« sitzende alle Anwesenden auf, stets die Versammlung so zahlreich wie diesmal zu besuchen und alle Kräfte anzu« strengen, damit bei dcr nächsten Wahl ein Arbeitcrkandi- dir) Vt'A örg-'k.��Mi.�tz-N�reZnal'gcnHo� v. Schweitzer wurde die Versammlung geschlossen. Zur Deckung der Kosten fand eine Tcllcrsammlung statt, deren Ueberschuß für die Parlamentswahl bestimmt ist. c* m O. Reimer. 3lu3 Noloaloefl berichtet Herr E. Fichtner über eine von 4— 500 Personen besuchte Volksversammlung, wie folgt: In das Bürcau wurde» gewählt die Herren G. Steiner, K. Schenk und C. Uhrbach. Mir einer kurzen Ansprach- des Ersteren hielt Herr Schenk aus Würzburg einen längeren Bortrag über Prinzipien und Furien, schüttelt Eure Fackeln, schüttelt sie, damit sie mir die Zukunft, die ganze Zukunft erhellen. Furien, Furien her zu mir!— Aber dcr grauenhafte Schein ist verschwun« den, fuhr die Zauberin mit ermattender Stimme fort. Ich sehe nicht«, nicht« mehr. Und die schreckliche Alte, die bleich, mit Schweiß bedeckt, athemlo«, erschöpft war, lehnte sich mit geschlissenen Auge» an eine dcr Säulen, während Faustina, welche ihre wilde Freude über diese Vorhersage nicht zurückzuhalten vermochte, eine Hand der Thessalierin ergriff, um sie wieder zur Besin nung zu bringen. Tausend Goldstücke für dich, wenn Deine Prophezeihunq sich erfüllt! Hörst Du? Tausend Goldstücke. Welche Prophezeihung? entgegnete die Alte, die wie au« einem Traume zu erwachen schien und mit der Hand über ihre Stirn strich, um das grau- Haar zu entfernen Welche Prophezeihung meinst Dn? Habe ich prophezeiet l Du hast prophezeiet, daß Libanon mich allen Frauen vorziehen würde, sagte Faustina fast athemlo«. Du hast mir verkündigt, daß Sivmara in meine Gewalt gerathcu würde. Wenn der Geist sich entfernt hat, antwortete die Zauberin, die wieder ganz zu sich kam, erinnere ich mich an nicht« mehr. Habe ich prophczeihet, so wird mein- Prophe zeihung in Erfüllung gehen. Und dann zehntausend Goldstücke sür Dich! Ja, die Prophez-lhung wird stch erfüllen; ich fühle e» au meinem Hcrzeu, das von Liebe und von Rache glüht, sagte Fanstina. Diese«, Weib das die Wollust, dcr Haß, die Rohhiit immer häßlicher aufregte, so daß die Augen blitzten und die Wangen sich färbten, rief jetzt in wilder Glut aus: Den Gladiator als Geliebten, die Nebenbuhlerin alö Opfer! Blut und Liebe! Dvoe, Furien! Evoe, Priap! Evoe, Bacchus! Wein! Wein! Kommt Alle, damit' ein Reigen uns verkette! Du, mein afrikanischer Herkules, ihr meine griechischen AdniS, und ihr, meine lcSbischcn Nymphen! Wein für alle,— sür alle Wein! Blumen, Wohlgerüche, Gesänge, jede Art von Trunkenheit, jede— und die Morgendämmerung finde uns erschöpft, aber nicht gesältiget, nicht befriediget! Und mit wilder Geberde riß die Römerin daS Gold- gcflccht von dem Haar, das Goldgeflccht von der Brust Ihr schwarzes Haar, das sie schllllclle wie eine Löwin ihre Mähne, fiel auf ihren Busen, auf ihre entblößten Schultern und umrahmt- ihr jetzt grauenhaft schönes Ge- ficht. Mit einem Zuge leerte sie einen großen goldenen Lecher und gab da« Zeichen zu der Orgie; die Becher kreiselen und bald begannen Sclavcn und Freigelassene, unter den betäubenden Klängen dcr Lyra«, Flöten und Eymbeln, � in Folge_ de« Weines, der Furcht und des Betspiels ihrer schändlichen Herrin, einen namenlosen gräßlichen Tanz. Sylvcst,� der vor Grauen von Schwindel ergriffen wurde, verließ auf die Gifahr hin entdeckt und, wenn ihn Jemand in dem Garten sah, getödtet zu werden, sein Versteck und glitt an einer der Säulen hinunter, verfolgt von den tollen Gesängen dieser Höllenorgie,«uf welche Organisation de» Allg. deutsch. Arb.-Vercin» derte dcr Redner die Entwickclung de» Prolcli» tiir eii bekämpfte die Palliatiomittel der BourgeoEc, beträl küchen, Suppenvereine" u. s. w., deren klägliches>-uier, er aus eigener Erfahrung schilderte. Herr*• Wtattj sprach hierauf über das Programm der Forlsch» e> d,x über Frauen« und Kinderarbeit in den Fabrikt»,? Msfaü derte festes Zusammenhalten der Arbeiter. x Tcmo Herr Schenk noch Verschiedenes mitgcthcilt, sl ner übc» die heutigen schwindelhafteii Zustände, Börsenspekulation und den Verfall des Mittels Aufforderungen zum Beitritt zum Allg. d-N Verein erfolgten von Seiten des Vorsitzenden, Herrn Schenk, dem auch mehrere Arbeitcr«i Die Versammlung verlief zu unsrer unget! sriedenheit. Berlin, 11. April.(Versammln»? gestern Morgen 10% Uhr war eine Versau»»- liten berufen, zu welcher auch alle Mitglieder dcr»°i>diu. gehörenden Gewerkschaften eingeladen- waren-.• änfith sammlung war sehr zahlreich besucht; dcr grölst)' i betra Neuen GescllschaftshauscS war gedrängt voll, i vchim sident dcS Allg. deutsch. Arb.-VereinS, Herr vo»® leitete die Verhandlungen. Ter Gegenstand d« fax zr ''(Hm ordnung war die Verschmelzung der Gcwcrkscha»'''> Präsit gleich an dem Beschlüsse dcr Generalverfamwl»'? ijü Wa bcitcrschaftS-Verbandcs, der die Verschmelzu»?»riffcn l. Juli festgestellt hat, nichts zu ändern und ti»1'.' fassung darüber, ob dieselbe eintreten solle oder»> ständig unzulässig ist, so war eine Debatte S''"' Berlin doch am Platze, weil noch einzelne M Gewerkschaften in der Verschmelzung ein Ui>>rj»«ag n: Arbeiter-Bewegung erblicken. Diesem Gedanken j'>» habe einzelne Redner Ausdnick, so die Herren®r,.!tiDgCI Buchholz(Maurer) und theilweisc auch Herr M �-tn P, mcrer). Alle anderen Redner aber, die wir d« hotjtnt folge anführen: Lübkert(Zimmerer), TiN� f«; ko garrcn-Arbeiter), Ecks(Cigarrcn-Arbeiler), c q nntro vor ,.?-» 'lhtia %S' d icchtaj finjoti lande"« rer), A. Kapell(Zimmerer), W e n ck y(Schnw clever, Schneider(Schneider), Renz i-™ Schwcckendick(Tischler), Bäthke(Drcchisth (Tischler), Rost(Buchdrucker), Fränklcr i». arbeitcr), Sennwitz(Zimmerer), Werthwa.a� arbeitcr), Lenz(Zimmerer), Plcnzig(" Dietzmann(Eigarrcnarbciter), und Köhler sprachen sich energisch für die Verschm-lZl Der letztere brachte ein hübsches Gleichniß: Dl stände fehlen die Freiheit, die Gleichheit und d» lichkeit— die Freiheit raubt ihm der reactioi� die Gleichheit die gcldbcsitzende Bourgeoisie n»° dcrlichkcit raubt er sich selbst, weil er sich nich> einigen will. Die Versammlung neigte sich" ihrer großen Majorität zu der Anschauung, schluß dcr Generalversammlung, die Vcrsch®. Gewerkschaften ani 1. Juli herbeizuführen, zu begrüßen sei» und wurde ein dahin zielender �»diZß allen gegen 2— 3 Stimmen angenommen, jli' findet heit trennte sich die Versammlung nach den> TOämic regten Debatten; wir glauben, daß dicselbi"'it Cr dazu beigetragen haben, den hier in Berlin»Z zu weise herrschenden Mißmulh über die Vcrschn�«,> wer zusch äffen._.__ �tim fsicheii i'ifiimi ®9 Zi 'igen lv es ;St, tn f 'risse! .�gülth Verbands-Thei! n- iT1!1 "Huna .Neun b'« Zum «i a-pr« (FürdcnAllg. deutsch. Arbeiterschaft�'H — vi. ,.,m gi.-fc»-». fl-ifarmhfi, Ii'* an j, Arbeiterschaften.. tie Andnrch wird mitgcthcilt, daß die Wah'>t 61 sidiums folgendes Ergebniß harre: j.der f 1).Zum Verbandpräsidcnten wurdi in, stimmig der Unterzeichnete gewählt.* 2) Zum ersten Vicc-Prästdenten f wurde mit sehr großer Majorität Herr Lstd, 3) Bei dcr Wahl de« zweiten Vice-n und dcr beiden Ersatzmänner fand ei»' ständige Stimmenzersplitterung wen �»f Iii lMsvlq der M Ii-Merk! bald eine noch grauenhaftere Stille folgte.; Wie wahnsinnig und aller Vorsicht |'"' verfluchten'HWA \ Gele 11 wii .,„..... Vorsicht stch der Sclav von diesem verfluchten T- aus'» geradcwohl weiter, bis einc seinem* Stimme ihn wieder zu sich selbst brachte- Sylvcst, rief diese Stimme im Dunkel, ____.____|p �___________ 1/.,( U 0 m Es war die Stimme seiner Frau, st)!� teetin Frau Loys-, denn seine Frau war sie vor Ö".' die sie vor den Göltern ihrer Väter g-schN""„r- Menschen kann der Sclav keine Gattin had-»�% Obgleich die Morgendämmerung bald anb-',-., � war die Nacht doch noch dunkel und der �-i-ie nach der Stelle hin, von welcher die Sl"? � gekommen und sank in die Arme derselben,"'»sind, Wort sprechen zu können.'»ihivest Loyse, die über die.Ermattnng Sylveßs-n,.Zahler; ihn in ein Gebüsch von blühenden Rosen>>»'>- 1«�, bäumen. Da setzte sich dcr Sclav- auf>, si. am Fuße einer Marmorbildsäule. j.�ier d Sylvcst, sagte seine Frau besorgt zu°ä Elc, Dir. Sage, was ist Dir? Sprich, ich bcwLz 8tii Der Sclav, dcr allmählich wieder zu siw. al Kr? j seine Frau mit Innigkeit an sein Herz und 1' zzj/ Ach, jetzt werde ich wieder wie neu g-b° S athme ich reine Luft, denn die Luft in jl"!",ij"' Tempel ist vergiftet; sie machte mich wah»"", Was sagst Du? rief Loyse erschreckt stioii) in dem Tempel gewesen? linftt Ich erwartete Dich an dem Canale, dei" [p linferpfl SUrt« fflll'.™ j' stiebe •-liebt Mit Orte unseres Zusammentreffens. Bon f-r". j deich mit Laternen kommen und um nicht ent»-"\ � stieg ich an einer der Tempelsäulcn Ist""" ai rä Ber, dem Simse verst-ckt, wohnte ich den fch",�(;li.>dtirde rien bei. Schwindel erfaßte mich und � iw�jl(t� da ich nicht wußte, ob ich von einem sch»" verfolgt würde. Nein, c« ist kein Traum, entgegnete die> we d�bin. bebend. Wie Du gesagt, schauerliche Äyst?\'J in diesem Tempel vor, in welchen sich M->;., fctr Faustina nur an dem von den Heiden'i. äj weihcten Tag- bcgiebt. Vorgestern war WLf 1«� � glaubte, es würde in der Umgegend deS �•. Nacht still fein und da ich an unsere«st jx dachte, erschrak ich da, wo wir arbeitetet. j»» betrSgt. ''"nr tabellarischen genauen BcrSffentlichung des �»r s wltatta»mß abgesehen werden, da eine solche Ta- itw � der Masse der Orte, der Unzahl der Kandidaten "Sof fachen Wahlrubrik eine ganze Nummer de« Demokrat" füllen wllrde. Auch ist eine solche g darum nicht nöthig, weil dieselbe nur »°g einer Kontrolle haben könnte, eine hin« »ontrolle aber bereits durch die vom Verbands« vorgenommene statutenmäßige Prüfung der fiaitgcfnnden hat. Der Ausschuß hat ilhtig befunden. JlS de« Umstände?, daß bei den Wahlen des «c-präsidenlen und der zwei Ersatzmänner keine �»jvrität und nur ganz winzige relative sailwv erreicht wurden, waren sowohl das der- ZU« kesidium wie auch der dermalige VerbandsauS- 1 Ansicht, daß das Wahlergebniß als ein endgill- zwßt' betrachtet werden könne. Es lag am nächsten, oll.* Bestimmung der Statuten in Anwendung zu von>« nd bU �'»e Wahl keine absolute Mehrheit ergeben, so chosiel Präsidium unter Zustimmung des AuSschusies imwllZ lll, Wahl zwischen ben beiden Meistbestimmten ilzuüä.!s>rifsendeu Posten binnen 8 Tagen beschließen." S enU s>.j ober r« Bestimmung deS Statuts setzt indessen offenbar Si i t'nt'"b�d nennenswcrthe relative Majori« .« lande gekommen sei; die Zersplitterung war aber lWr baß nur ganz winzig c relative Majoritäten nk°n i»t haben— so winzig, daß sie nicht ernstlich in a( i't'08cn werden konnten. Da hatte z. B. zu rr v' b'm Paste,, der Meistbestimmte 7M Stimmen, vir b« mlgendc 752 Stimmen, der Tritte 746 Stim- lliU'. kurz, jeder Einzelne hatte nur eine ver- � ii Stimmenzahl im Verhältniß zur Gc- jnM>hl per Stimmen; und diese sämmtlichen l fH»»artn oft von einem einzigen Ort, während ;(hsltt aide Person sonst nirgend« Stimmen erholten er'■'Pu kam noch, daß der gewählte erste Vice« wa« ellbkert bestimmt erklärte, im Laufe des Iah« M bsierika auswandern zu wollen, und demgemäß, ler b."lge Zustände herbeizuführen, sein Amt nieder« lneisi« : JJchni Umständen haben das Präsidium und der end � /fvstimmig beschloffen, den§ 30 der Statuten � i luf bu bringen, welcher lautet, wie folgt: ie Öligen und dringlichen Fällen kann das Prä- � es die ausdrückliche Zustimmung des Aus »!<(!* stch'jj fisssigt, vorübergehend unter Außerkraftsetzung g'' lini früherer Generalversammlungen alle An crfch�..'reffen. Der nächsten Generalversammlung n, I'Jültige Entscheidung zu." cndtf bboß ist beschlossen worden: . lilidet für die zwei Viccpräsidcnten und die dw' kliiänner alnc Neuwahl statt. ergebniffc der stattgehabten Wahl möglichst Zu bringen, sollen diejenigen l6 Personen lverdcn, welche in der stattgehabten Wah """ K Ix' .schllsia"ort 1»l c _____ _---»«» vvi. u« i i Vji zjuf l» ii !iKfnctI"ntn hatten, gleichviel zu welchem Postens �..lUhrnng dieser Beschlüsse wird andurch ange« '�bgoweisc bekannt gemacht, wie folgt: -Neuwahlen haben stattzufinden in der Zeit o.. zum 30. April incl. Es sind i» wählen: ��'dräsident— ein zweiter Viccpräsident— y.J'iimonii— ein zweiter Ersatzmann. Die r da« Wahlergebniß müssen bis zum 1. ä. Verbandssekretär zur Post gegeben t.. �chußfftzung zur Prüfung des Wahl- bat b>« zum IS. M»i incl. stattzufinden. der stattgehabten Wahl vereinigten sich die 'vimeii(die sämmtlichen Mahlgänge zusammen- «us nachstehende Personen. Dieselben werden tnisolge der auf sie gefallenen Stimmenzahl der Mcistbcstimmtc zuerst. drmerkt, daß die Angabe von Stimmenzahlen von z. B. 2000 nicht im Widerspruch steht mit dem oben Gesagten, wonach die höchste erreichte Zahl noch nicht 800 beträgt. In einem bestimmten Wahlgang z.B. für den Posten de« zweiten Viccpräsidentcn hat Niemand 800 Stimmen auf sich vereinigt. Allein jetzt, wo es ge« wissermaßen aus einen Vorschlag ankommt, den die Ab« stimmenden sich selbst durch die erste Abstimmung gemacht haben, werden alle Stimmen zusammengerechnet, gleich« viel für welchen Posten sie fielen. Während z. B. Dem- jenigen, der 750 Stimmen für den Posten des zweiten Bicepräsidenten hatte, diejenigen Stimmen nicht zugezählt werden konnten, die er etwa für den Posten des ersten »der zweiten Ersatzmanns hatte, werden h'er alle Stimmen unterschiedslos zusammengerechnet, da dies der einzige Weg ist festzustellen, auf welche Personen sich am meisten die allgemeine Aufmerksamkeit gelenkt hat. Nachstehende Personen also waren in der stattgehabten Wahl am meisten bestimmt: l) Liebisch(2235 Stimmen)— 2) Hasenclevcr (11P0)- 3) Haustein(1065)- 4) A. Kapell(988)— 5) Walter(722)— 6) ZielowSkq(719)— 7) Pfann« kuch(573)— 8) Klein(493)— 9) Grändorf(436)— 10) Knöllner(410)— 11) Richter(388)— 12) Finn (378)— 13) Frick(314)- 14) Winter(312)— 15) Aurin(220)- 16) Lrhder(212). Mögen die Arbeiter überall der Wichtigkeit gemäß, welche die Wahl für ihre gemeinsamen Angelegenheiten haben wird, dieselbe mit genauer Uederlegung vornehmen. Die endgüllige Proklamirung des Gesammipräsidium« wird in Gemäßhcit der Statuten durch den Verbands« ausschnß erfolgen, sobald das Gesammipräsidium ge« wählt ist. � Zugleich sagt der Unterzeichnete den Arbeitern seinen wärmsten Dank für das große Vertrauen, welche« sie ihm durch die nahezu einstimmige Wahl auf's Neue bewiesen haben. Er wird destrebt sein, in seiner, allerdings täg« lich mühevoller werdenden Gesammtstcllung durch aus- dauernde Thalirast sich dieses Vertrauen« würdig zu zeigen. Für da« Verbandspräsidium: Berlin. Schweitzer. «llg. deutsch. Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Katzpenmacher. Hamburg, 9. April.(An die Mitglieder.) Ich mache die Mitglieder daraus aufmerksam, recht lhätig für Verbreitung des„Agitator" und des„Social-Demokrat" zu sein. Jeder Bevollmächtigte hat auf Kosten der Orts lasse orf ein Exemplar des„Social-Demokral" uu» de« „Agitator" zu abonniren! Ferner berichlige ich einen im letzten Bericht enthaltenen Druckfehler,„es soll dort statt: 7� Sgr. für da» Stück Protokolle" heißen: lj Sgr. Im letzten Bericht über die Arbeitseinstellungen warHw nau noch vergessen und bringt ich es damii in Erinne rung. E« ist übrigen« schon einmal in einem Bericht an- geführt worden, daß der Slrike nicht statutgemäß war. Ich hoffe, daß die Hanauer sich durchschlagen werden, da Jos. Schneider und Wolf dieselben leiten. Mögen die Nachbarorte den Hanauer Eollegen zur Seite stehen Der Ausschuß de« Mainzer Schneiderverein«, wohl voll«« parteilich, hat wieder ein Cirkular gegen mich, Schweitzer ac. vom Stapel gelassen. Nur zu—I Da« Schönste ist, daß der cbenbenanntc Verein jämmerlich wenig in Kasse haben muß, denn er ist aezwungcn, einige unserer Vir einsbücher zu benutzen! Nun, die Herren in Mainz ver« stehen c« auf fremde Kosten Geld zu machen; Beweis er« hielt ich dadurch, daß eine« ihrer Mitglieder, Namen» Bankralh au« LanSdorf bei Wittenberge au« Berlin kam uud ein uns angehörige« Buch vorlegte, worin Reimann im Berlin IVs Sgr. für die Meile quitlirt hatte. In nn fern Büchern quitlirt ein R-imann! Gönnen wir den uns so seindlich Herren diese Abhängigkeil von UN«! In Langensalza ist von einem Mitgliede Namens Hart aus Eisenach für 74 Meilen Reisegeld erhoben, während seine Tour nur 11 Meilen betrug, auch hat derselbe annehm- bare Arbeit abgclchlagen.- Also Acht gegeben. Die Abrechnungen müssen stet» eingesendet werden, ob Geld in der OrtSkasse ist oder nicht, damit der Haupt .r r l lh> befd1 sich llid lOt« »ii'' Gelegenheit warten. 11 wirklich nichts, nicht« Unangenehme« wider- �gebe Dir die Versicherung. geliebte, Du antwortest mir, wie e« scheint, mit Deiner gewöhnlichen Aufrichtigkeit. Du �»och zittere wegen der Gefahr, in der Du man Dich bei d.m Tempel gefunden ich wiederhole cS, es ist wie ein schreck. -.. Diese Strafen, dieser Tod... diese uud dann meine Schwester I Barmherzige '" Schwester, die Nebenbuhlerin dieses schänd- J- Meine Schwester Buhlerin! Ich sage Dir, »"vd werden. �westcr Nebenbuhlerin der Faustin«? Deine »hleriu? Du wußtest ja seil achtzehn Jahren '«bt oder noch am Leben sei. sie wohnt seit Kurzem in Orange. Man dem Namen der schönen Gallierin. Elend voll zu machen, hat mir mein Herr M gesagt, er sei in diese Buhlerin verliebt. e Herr Diabolus? z! Dir meine Angst, da ich nun weiß, daß c« �»e Schwester handelt. Soll ich den Tag em ich die Gespielin meiner Jugeud, "Inte Schwester wiederfinde, welcher meine , als Weissagung ihrer Ehrenhafligkeit, .n, 911 f>s,!'"sirer Ahnfrau Siomara, der stolzen und "f» gegeben hatte? Soll ich dem Tage »elkl t isi tchcm ich die Schande meiner Schwester, '»i. zfl �fahre? Ach, Schande und Wehe über mich! � Verachtung über sie! ch �»i, ,tbt l« als Kind ihren Eltern entrissen und. „Mid a,'rzähit, an Ehrlose vcrkauftl Sie war I, Jbin, und die Schönheit in der Sklaverei ist d!>-l �" Hingebung an die Lüste de« Herrn. Nur ' 7 �avon befreien. wci»'!' v weißt nicht, welche« der schrecklichste Ge dck � I«," mich in dieser Nacht der Schrecken l; Ich sagte mir, als ich die unglücklichen .j i1*. die Sklavinnen sind wie Du und schön ei» � io-i entgegnete die junge Frau mit ünem n?1'' und einem erstickten Seufzer. Schön �'wartete Shlvest, als er den Ausdruck der 1 Frau bemerkt halte.— nein, minder schön »l', � V denn sie haben nicht Deine himmlische, ..»hesi i�°»hiit. Als ich in dieser Nacht sah, d«ß sie s?"tch die Sklaverei, durch die Furcht vor Ali» f,'hvn s» verdorbeu sind, dachte ich bei mir: jitie* �»alt durch die Gnade der Götter vor den lz Herrin und der Freigelassenen derlelben llÜ�alten worden zu sein, vielleicht in dieser ii.>�!>\'i'x Höllen-Orgie von ihnen erblickt worden a-»' sie, auch sie... � einige Worte. Warte wenigstens, bis die kassirer es buchen kann und etwaigen Zuschuß sendet. Sterbesällcn möge man genau auspassen, daß ein solches Mitglied nicht über 13 Wochen schuldet und bei einem solchen Sterbcfall muß der Todtenscheiu nach hier eingc. sendet werden, worauf er dann wieder zurück gesendet wird. F. E. Liebißch. Münche», 7. April.(Zum Strike.) Brüder und Kollegen Deutschland». Es ertönt von Süden der Ruf um Hülfe, denn es ist dort ein neue« Schlachtfeld und eine gute Armee steht im Kamps mit dem Kapital. Die Mllnchener Schneider, etwa 300 an der Zahl, darunter viele Familienväter, wurden durch Noth gezwungen, die Arbeil einzustellen; die Erfüllung ihrer gerechten Forde- rungen wurde verweigert, nämlich 25 Prozent Lohnerhö- hung und Abschaffung der Sonntogsarbeit. Brüder in Süd und Nord, steh! uns bei im heiligen Kampf für die e des vierten Standes! E« wird ja allen Kollegen bekannt sein, daß in ganz Deutschland München der Ort ist, wo Arbeiter unsre« Geschäft« am schlechtesten bezahlt werden. Helft Ihr nn« siegen, so siegt auch Ihr; Mün> chrn wird dann stet« fest hinler Euch stehen, wenn e« Euch im Kamps zu uutersllltzen gilt. Kollegen, stehet auch Ihr fest in den Reihen der Kämpfer für Recht, Brod und Freiheit!— Etwaige Unterstützungen sind zu schicken an Herrn August Oettwig bei Bierwirlh Möst, Glockenbach« ( afse in München. Mit social-demokratischem Gruß und : Handschlag DI«" Strike-Kommission. Aus Essen wird geschrieben, daß schon mehrere Klei- derhäudler nachgegeben und den Schncidergesellen einen höheren Lohnsatz bewilligt haben. Die Mehrzahl der tonfektionagenbcsitzer aber weist die Forderungen der Ge 'ellen zurück._ Teutsche» Maler», Lackirer«!«ud Berg«l»er-Sewerk. Hannober, 11. April.(Strike.) Kollegen, durch die Verhältnisse sind wir gezwungen, schon früher, wie wir anfangs beabsichtigten, die Arbeit einzustellen. Die Prinzipale sind so schroff gegen uns ausgetreten, daß wir e« nicht mehr mit unserer Ehre vereinbaren konnten, noch länger fort zu arbeiten. Sonnabend den 9. d. M. wurde in einer Versammlung der Maler- und Lackirer-Gehülfen der Strike beschlossen, und wird nicht eher die Arbeit wieder aufgcnommcn, als bis die Prinzipale unsere F»rde rungen insgesammt annehmen, diese sind folgende: Die Arbeitszeit ist von Morgens 6 bis Abend« 6 Uhr festzn etzcn und der niedrigste Lohn soll 5 Thlr. betragen, von da ab entsprechend der Fähigkeit des Arbeiter« erhöht werden. Kollegen, da unsere Arbeitszeit das ganze Jahr hindurch nur 2l0 Tage beträgt und wir in dieser Zeit nn« etwa 160 Thlr. verdienen, damit wir 365 Tage leben sollen, so ist sie Forderung gewiß eine gerechtfertigte. Deshalb ersuche ich auch alle Bevollmächtigten der Gr «erkschaften, de« Allg. deutschen Arbeiter-Vercin« und bei den Malern möglichst dafür zu sorgen, daß diese Arbeit« einstcllnng überall bekannt und der Zuzug abgehalten wird. Auch bitten wir, uns zu unterstützen, weil durch uuscrn Sieg gewiß die Arbcilersache in Hannaver und seiner Umgegend gcfördert wird. Unsere Sache ist ge- meinsame Arbeitcrsache und unser Sieg ist gemeinsamer Sieg. Halten wir darum an dem Wahlspruch fest:„Einer ür Alle und Alle für Einen." Etwaige Unterstützungen möge man senden an Herrn W. Leun ig, Krcuzslräße 3. Mit social demokratischem Gruß und Handschlag Wilhelm Knollmann, Bevollmächtigter. Allg. dentsch« vereinigte Metallarbeiierschaft. Altina, II. April.(Zum Strike.) Freunde und Zarteigenosscnl Unser Strike ist immer noch im Gange, erste Morgenhelle mir erlaubt, Deine geliebten Züge zu ehen. Es ist so lange her, daß mir diese Freude nicht zu Theil geworden ist, denn immer kann ich nur in der Nacht, in finsterer Nacht mit Dir zusammenkommen. Und Shlvest, der seine aus der MooStrnnk sitzende Frau mit den Armen umfaßte, sank auf seine Knie, er- griff ihre Hände und küßte dieselben mit einem Entzücken daß ihn einen Augenblick die Schmerzen und die Noth des SclavcnlebenS vergessen ließ. Der anbrechende Tag ärbtc bereits die Baumwipfel mir bleichem Rosenroth; die Eitronendäume verbreiteten in dieser Morgcnfrische einen noch lieblicheren und stärkeren Duft und tausend Vögel begannen bei der Annäherung der aufgehenden Sonne unter den Blättern zu zwitschern. Bald war cS so hell, daß Shlvest bemerken konnte, seine Frau wende daß Ge "lcht ab und bedecke dasselbe mit der einen Hand; dann erkannte er an dem Wogen ihres Busens, daß sie»eine, ihr Schluchzen aber zu unterdrücken suche. Du weinst? fiogte er. Du wendest Dich ab von mir? Lohse, bei unserer Liebe, sprich, wa» ist Dir? And wortc mir! Ich beschwöre Dich, entgegnete sie, während sie ihr Gesicht von ihrem Manne noch weiter abwandle,— kehre zu Deinem Herrn zuiück, gehe augenblicklich, wenn Du mich liebst. Gehen, ohne Dein Gesicht gesehen zu haben? Gchen ohne einen Kuß, einen einzigen und letzten Kuß? Ja, antwortete sie mit Schluchzen, ja, gehe, ohne mich anzusehen. Du mußt e«, ich will es, ich bitte Dich darum. Gehen soll ich, ohne Dich anzusehen? wiederholte Shlvest staunend. Loyse, was bedeutet dies? Und da seine Frau ihm auch die andere Hand rasch entzog,»m ihr Gesicht gänzlich zu bedecken, auch das Schluchzen nicht mehr unterdrücken konnte, so zog ihr Shlvest in seiner Angst die Hände mit Gewalt von dem Gesicht, fuhr dann plötzlich zurück, indem er sie betroch tele, und stieß einen herzzerreißenden SchmerzcnSschrei aus AI« er Lohse das letzte Mal gesihcu, war ihre Haut lilienweiß gewesen) ihre klaren himmelblauen Augen waren verhüllt von langen Wimpern; ihre Züge zeichneten sich ans durch unvergleichliche Reinheit und wenn sie lächelte, hatten ihre rolhen Lippen— trotzdem daß das Lächeln ein trauriges, ein Sclavenlächiln war, einen Ausdruck himmlischer Milde. Ja, so war Lohse gewesen und wir sah Shlvest sie jetzt im Lichte der aufgehenden Sonne wieder? Ein Auge seiner Frau schien ladt zu sein; das andere öffnete sich wimperlo« zwischen den Lidern. Ihre Farbe war ver« brannt, die Haut zerrissen, ol« wäre ihr Gesicht glühen den Kohlen ausgesetzt worden. Ihre Lippen waren dick geschwollen und voll Narben, als hätte sie eine kochende Flüssigkeit getrunken, und doch drückte die« arme G-fich'. irotz seiner entsetzlichen Häßlichkeit, noch immer, ja vielleicht mehr al« je unaussprechliche Sanfimuth au«. Shlvest fühlte sich zuerst angeregt, still alle Thränen seine« Herzen« auszuweinen, als er seine Frau ansah, die mit trauriger Stimme ihn fragte: Nun, bin ich häßlich? Sohne, welcher in Apenrade beim Militär ist, den Auf- trag gegeben, von dort Leute hierher zu befördern, wa« aber durch unsere Vorsicht verhindert worden ist. Brüder in Deutschlands Gauen, wir richten nochmals an Euch die Bitte, steht un« bei in dem schweren Kampfe, wir sind b!« heute noch alle auf dem Kampfplätze uud stehen fest. Auch glauben wir, daß alle Arbeiter Deutschland» unsere Forderungen als gerecht anerkannt haben, und nnS veistehen werden. Wir werden über jeden Pfennig Rech« nung legen und jederzeit wieder unsere Pflicht erfüllen. Etwaige Untcrstlltzungsgeldcr wolle man an Unterzeichne« len, Bürgcrstroße 103 in Altona, seiden. Mit social« dem«kratischem Gruß. Im Namen sämmtlicher Mitglieder _ I. Lösfler. Allgemeiner deutscher Zimmeitr-Verei». Am Freitag fand in Berlin eine Generalversammlung sämmtlicher Zimmerleute statt, in welcher folgender Auf« ruf beschlossen wurde:„An die Zimmerleute Berlin«! Da in neuerer Zeit die Meister, rcsp. Arbeitgeber, un» Arbeits. Kontrakte zur Unterschrift vorlegen, durch deren Unterschreiben uns nicht nur die bis jetzt errungenen materiellen Bortheile au» den Händen gerissen werden, sondern auch unsere persönliche Freiheit selbst zu der eine« Leibeigenen herabgedrückt wird; fühlt sich die heutige Generalversammlung der Berliner Zimmerleiitk»cran- laßt, allen Kameraden die von der Versammlung ein« stimmig angenommene Resolution bekannt zu machen, hoffend, daß ein Jeder darnach zu handeln versteht. In Erwägung: Daß durch Unterhandlungen einzelner Arbeiter mit ihren Arbeitgebern, besonder» bei Adschließung von Kantraklen, die Einigkeit und die Interessen der gesammten Arbeiter geschädigt werden, erklärt die heutige General« Versammlung, daß kein Arbeiter Kontrakte mit dem Ar- bcitgcber abschließen darf, welche nicht von der Gesammt- heit der Berliner Zimmerleute gebilligt worden sind, und daß, wenn solche« dennoch geschieht, es Vcrrath an der Arbeitersache ist. In Erwägung ferner: daß die Gesellen, resp. Arbeitnehmer mit dem von den Meistern, resp. Ar« beitgebnn aufgestellten Lohntarif bis jetzt zufrieden ge« wescn, einzelne Arbeitgeber aber jede Gelegenheit benutzen, um den Lohn wieder herabzudrücken oder die Arbeitszeit zu verlängern, erklärt die heutige Versammlung: daß sich die Arbeitgeber die Schuld selbst zuzuschreiben haben, wenn die Arbeiter die Gelegenheit ebenfalls benützen wer- den, um mit Nachdruck nicht nur allein die bis jetzt er» rungenen Rechte festzuhalten, sondern auch weitere Rechte beanspruchen werden. Für die Generalversammlung: Otto Kapell. Grau I. Mcrtins." Näherer Be- icht über die Verhandlungen folgt. einmal schriftlich verhandeln. Einer der humanen Arbeitgeber hat sich ausgelassen: er wolle noch drei Wochen die Arbeiter„zappeln lassen", dann würden sie wohl kommen. Der Mann glaubt, daß weil hier in Altona, wie in Hamburg. zum 1. Mai die Arbeiter ihre Miethe zahlen müssen, ie die Noth alsdann zu Paaren treiben wllrde. Auch setzen die Topitalisten alle Hebel in Bewegung, um fremde Arbeiter heranzuziehen. Ein Arbeitgeber hat seinem Die Arbeit in den Strafanstalten des Nord» deutschen Bundes. In Nr. 42 d. Bl. thcilten wir kurz die Verhand« lungcn mit, die am 6. April im Reichstag über die schädliche Wirkung der in Strafanstalten vollzogenen Ar« besten gepflogen wurden. Al« Ergänzung entnehmen wir den AuSsllhrnngcn de« Berichterstatter«, des Abgeordneten Müller, den wesentlichsten Punkt, nämlich das Referat, welche« er in der Pljitionscommission am 23. Mär, über die sogenannte„amtliche Untersuchung über den Einfluß der ZuchthauSarbeit auf die Lage der freien Arbeiter" er« staltete. Die Petition von Eigarrenarbeitern, welche der Berhandliing zu Grunde lag, ist bereit» in Nr. 42 d. Bl. mitgetheilt, nachstehend' lassen wir das erwähnte Referat vom 28. März folgen: In der Commissionesitzung vom 28. März wurde die Beralhung der Petition der Eigarrenarbeiter sortgesetzt ................................................. �„..... und� stattete Referent al« Einleitung Bericht ab über den ie Copitalisten zeigen sich hailnäckig, und wollen nicht Inhalt de» ihm zugestellten Aktenstücke». Cr bedauerte zunächst, daß er in der einfachen Ucbersenduug de« sehr umfangreichen, ungesichteten Material» eine Erfüllung de« in der Sitzung vom 29. Mai 1869 an den BnndeSkanz. lcr gestellten Verlangen«,„eine amtliche Untersuchung über den Einfluß der ZuchthauSarbeit auf die Lage der freien Arbeiter anzuordnen", nicht erblicken könne, sowie daß die Mittheilungen der Einzelrcgierungea mit Aus« uagmk derer der sächsischen so mangelhaft und dürftig. Shlvest schauderte bei dieser Erinnerung und dieser Besorgniß und da er bemerkte,.daß der Morgen am Ho- rizonte bereits heraufdämmerte, schloß er seine Frau noch- malS in die Arme und sprach: Mögen diese entsetzlichen Gedanken fern von un« blei- ben, meine Loh'e! Bald wird der Tag anbrechen,— c» bleiben uns nur noch einige Augenblicke und sie sollen un« diese wenigen Augenblicke, welche un» noch bleiben, nicht verbiller». Wir wollen von Dir sprechen und von unserer so schmerzlichen als süßen Hoffnung. Du bist Mutter! Ach, daß ich in der Sklaverei mit Besorgniß, ast mit Entsetzen da« Wort aussprechen muß, das doch die Götter gesegnet haben: Mutter! Geliebter Mann, entgegnete Lohse mit von Thränen unterdrückter Stimme und sichtbar bestrebt, diese« Gespräch abzukürzen,— Du hast es gesagt,— der Tag wird bald erscheinen. E» ist weit von hier nach Orange und Du mußt au« dem Paik hinan«, ohne gesehen zu werden. Die Feldsklaven werden bald an ihre Arbeit geführt wer- den; ihre Ausseher könnten Dir begegnen. Geh, ich be chwöre Dich... Lebe wohl! Er aber, der meiate, seine Frau sei durch Faustino, welche er aller Verbrechen fähig hielt, so gepciniget und gefoltert worden, sprang wulhcntbrannt auf und sprach, indem er mit geballter Faust nach dem Tempel der Orgien i-igl-si Faustina ich ermorde Dich... Ja und wenn ich an kleinem Feuer lebendig verbrannt werden sollte, ich reiße Dir die Eingeweide aus dem Leibe! Shlvest, Du irrst Dich,— sie war c« nicht. Wer hat Dich so verstümmelt und entstellt? Ich selbst. Du, Lohse, Du? Nein, Du willst mich nur besänftigen Ich war eS, sage ich� Dir, schwöre ich Dir, Shlvest, ich schwöre es Dir be! dem Kinde, das ich unter meinem Herzen trage. Wa» sollte der Sclave tbun bei einem solchen Eide? Er mußte die« schreckliche Geheimniß glauben, wenn er e« auch nicht begriff. Höre mich an, Shlvest, sprach Loyse weiter. Wir Sclavinnen alle in der Werkstätte, die wir in Gebäuden nn« befinden, welche von dem Palaste Fanstina« abgelegen sind, sehen weder sie noch ihre Freigelassenen, die so grau- sam und verdorben sind wie sie selbst. Diesen Morgen nun führte, ich weiß nicht welcher unseliAc Zufall den LieblmgSsclaven unserer Gebieterin, einen Schwarzen, zu un«... Ich habe ihn in der letzten Nacht gesehen. Er ging über den Hof al« ich eben die von uns gewebte Leinewand im Hofe in der Sonne ausbreitete. Da blieb er stehen und sah mich starr an. Seine ersten Worte waren eine Beleidigung; ich weinte; er lachte über meine Thränen und sagte zu unserer Aufseherin:� Du wirst mir diese Sclavin in den Palasi bringen. Die Ausscherin antwortete, daß sie gehorchen würde und der Schwarze setzte hinzu, man wllrde mich mit Gewalt zu der Gebieterin schleppen, wenn ich nicht gutwillig käme. Ja, ja, der Tag der Rache muß kommen und schreck lich jein. > Shlvest, ich bin, wie Du weist, nicht eine Sclaven tochter, wie die meisten unserer UnglückSgesährten und folglich auch nicht schon von der Geburt an verdorben. Ich zählte kaum fünfzehn Jahre, al« ich bei der Belage. rung von Pari», das der alte Comologen vertheidigte und wobei meine Familie umkam, in Gefangenschaft gerieth und von dem Aufseher der Fabriken Faustina« gelaust wurde. Ich habe also meinen Stolz behalten, den ich mit der Muttermilch in mich ausgenommen. Wärest Du nur gewesen lieber Shlvest, ich wllrde heute als ächte Gallierin, wie unsere Vorfahren, durch den Tod der Schmach einer unvermeidlichen Beschimpfung entgangen sein, weil ich die Ueberzeugung hege, daß ich' geehrt in Deinem Andenken gelebt hätte und von Deiner würdigen Mutter Henory gelobt worden sein würde, die dort lebt wo auch die Mei- nigen sind... Aber ich bin Mutter, ich trage unter meinem Herzen die Frucht unserer Liebe. Mag es Schwach- heil oder Vernunft sein, ich wollte nicht sterben, wohl aber die Schmach von mir abwenden, die mir drohcte. Ehe ich also hierher kam, und dies hielt mich auf, ging ich in die Färberei und nahm meinen ganzen Muth zu- sammen, denn ich dachte an Dich, an unser Kind u»d die Schmach welche ich ertragen sollte. Da schüttete ich enn eine beizend e Flüssigkeit in ein Gefäß und auchte mein Gesicht in dieselbe, um mich zu ent» lellen. Mit stolzer Geberde setzte die Gallierin noch hinzu: Ist deine Frau Deiner Mutter würdig? Ach Lohse, rief Shlvest an«, indem er in tiefer Ver» chrung vor dem stolzen mnthigen Weibe auf die Kniee sank, Du bist jetzt in meinen Augen schöner als je, Dn bist heilig, wie Hena, die Jungfrau von der Insel Seu, heilig wie Siomara. Shlvest, fiel Lohse plötzlich leise ein indem sie rasch aufstand un erschrocken horchte,— still! Ich höre Tritte und da« Geklirr von Ketten. Wehe un«! v» wirst hier überrascht werden. Wir haben vergessen, daß es heller Tag ist. Wehe un«! Deine Herrin vielleicht? Rein, sie wird auf dem Canale in den Palast zurück» gekehrt sein. Wer kommt sonst? Man führt die Sclaven zur Arbeit ans die Felder, Du bist verloren. Die junge Frau hatte diese Worte kaum gesprochen, als die beiden Gallier in dem Gebüsch, da« sie nicht der» bergen konnte, von drei Bewaffneten entdeckt wurden, die lange Peitschen in der H«nd hielten. Einige Sebritte hinter ihnen kamen mehrere paarweise an einander gefesselte, mit Lumpen bekleidete Sclaven mit geschornem Kopfe. Einige trugen Ackcrgerälhe, andere waren an Wagen ge- spannt. Die drei Aufseher eilten sofort herbei, die Sclaven blieben stehen und die beiden Gatten wurden von den Bewaffneten umringt.(Fortsetziing folgt.) Itüttl, Ofljj|ie'"ärj ganzi ich' ünvr a uqv?� cräqicl w erl en mllßten, al» Unterlage einer gründlichen Untersuchung ju dienen., WaS nun den Inhalt selbst anbetrifft, so lanten, Sachsen ausgenommen, die Gutachten sämmtlicher Regie« rungen Ubereinstimmend: daß in keinem der»erbiindeten Staaten eine nachthei« ligc Einwirkung der Zuchthausarbeit auf die Lage der freien Arbeiter zu constatiren sei. Allein von 1i> Regierungen wird diese Behauptung ein- fach aufgestellt, ohne dag auch nur der Versuch gemacht würde, dieselbe durch Angabc von Zahlenverhältniffcn zu begründen. Die preußische Regierung hat ihrem Gut« achten eine Uebersicht von der Beschäftigung der Straf- gefangenen in den Straf« und Gcfangenanstalten beige« fügt, welche bereit« im vorigen Jahre als Denkschrift zu Titel III. der Einnahme de« Etat« de« Ministerium« de« Innern dem preußischen Abgcordnetenhause mitgethcilt worden ist. Diese« Verzeichniß giebt allerding« Auskunft über die Zahl der überhaupt im preußischen Staate vor- handcnen Zuchthausgefangenen, über da« Verhältniß zwi- schen männlichen und weiblichen Sträflingen, sowie Über die verschiedenen Industriezweige, in denen die Sträflinge beschäftigt werden; allein insofern in ihm weder der dem geben ist, rann otese�!a)int>ehritt niwr ai« em gtmigennti Material zur Entscheidung der vorliegenden Frage ange« schen werden. Befriedigender auch in letzter Beziehung stnd die Mitthcilungcn der sächsischen und braunschwelgi- schen Regierungen, von welchen namentlich die erstercn, verbunden mit dem Gutachten der Direktion der Straf- anstalt Zwickau und der Handrl»« und Gewerbckammer von Zittau, Dresden, Leipzig, Plauen und Chemnitz, die in Rede stehende Angelegenheit nach allen Richtungen hin sehr erschöpfend behandeln. ?!ach Ausweis nun des vorliegenden Material« ist die Beschäftigung der Sträflinge der Norddeutschen Straf anstaltcn in allen Staaten gleichmäßig cingetheilt in: l) Arbeit für den eigenen Bedarf der Anstalten, 2) Arbeit für eigene Rechnung zum Verkauf(Hau»- manusaktur), 3)!>. Arbeit für Dritte gegen Lohn auf industriellem Gebiete, b. Tagelöhner« oder landwirthschastliche Arbeit für Dritte. Wie und in welchem Umfange jede einzelne dieser Be schäfligungen in den verschiedenen Staaten gehandhabt wird und welchen pekuniären Gewinn die Arbeit de« Individuum« erzielt, geht au« folgenden beiden Tabellen hervor, die sich in Ermangelung weiteren Material« ans Arbeiter gewährte Lohn, noch der von den Unternehmern iPreußen, Sachsen und Braunschweig beschränken mußten: für ein bestimmtes ArbeilSquantum bezahlte Preis ange«| Tabelle II. Bezeichnung der Gewerbe, resp. Industriezweige Preußen. Eh« I. Weberei u. Tuchmacherei u. Baumwollcnwaarenfabrikation 2. Cigarrensabrikalion......... 3. Schreinerei, Kisten-Fabrikation(Mcublesfabrikation en gros 4. Buchbind., Earronage, Dllten-Patroneiihlllsen-Anferlignng 5. Schuhmacherei, Filz-geflochtene und genähte Schuhe. C. Netzstrickerci........... 7. Haarspianerei........... 8. Holzleistenfabrikation......... 9. Schneiderei........... 10. Sattlerei, Täschnerei, Fabrikation von Etuis aller Art II. Bürstenfabrikation.......... 12. Schlosserei........... 13. Spielwoarin und Quincaillcric-Fabrikation 14. GelbgießereftMetalldreherei, Klempnerei, Knpfcrschmiederei 15. Holzschnitzerei und Holz Galateriewaarcn-Fabrikation 16. Korb- und Rohrflechterci........ 17. Band« und Bortenwirkcrei, Fabrikation von Gurten 18. Watten« und Filzfabrikation....... 19. F-derreißen........... 20. Uhrcnfabrlkation.......... 21. Eisenwaaren« nnd Maschinenfabrikation.... L2. Lithographie, Nolenstccherci, Malerei..... 23. Keilen- und Nagelschmiederei, Eisenstifte, Schrauben 2t. Gerberei............ 25. Holzschnciderci.......*... 26. Horn« und Eisendreherei, Schirme, Stöcke, Kämuee 27. Knopffabrikation.......... 28. Glas- und Brillenschleiserei....... LS. Strohflechterei.......... 30. Handschuhnäherei.......... 31. Marmorschlcifcrci und Dreherei...... 32. Böttcherei........... 33. Brückenwaagenfabrikation..... i. 34. Serpcntinsteinarbeiten......... 35. Strumpfwirkcrei.......... 36. Näherei und Stepperei........ 37. Tapiss.riearlieit......... 38. Stickerei und Strickerei....... 39. Spinnerei.......... 40. Korkschnciderei......... 41. Diverse Jndustriearbeiten....... 42. Wollspinnerei, Wollkämmen und Sortiren. 43. Colorircn von Landkarten....... _(Schluß folgt.)_ 2791 2365 861 805 708 664 573 494 441 374 331 292 288 281 273 227 204 201 270 174 168 139 134 113 95 95 90 56 35 15 5 o 459 365 33-4 97 72 1105 Königreich Sachsen. Uhr- Täglicher Erwerb der Sträflinge. Sgr. Pf. 220 684 136 6 39 48 2 150 b! iÄ 50 4 2 Täglicher Erwerb der freien Arbeiter. Sgr. Pf. Braunschweig. U'h« Täglicher Erwerb der Sträslinge. Sgr. Pf. 10 13 Hl 8. 49! 103 81 20 nierosstzicr tzngeio, der im«nreau des tVeneräMi arzte» beschäftigt war, dem Bützner die betreffenden Mit- theilungcn gemacht hat, während man annehmen muß, daß Im siebenten Armce-EorpS der Assistenzarzt a. D. Zllrstcnberg daffclbe gethan hat. Der Einfluß der D's bei Militärärzten ging anscheinend so weit, daß sie Heere«. Pflichtigen, die nicht zahlen wollten, oder aus da« Geschäft nicht eingehen wollten, drohten, sie festschreiben zu lassen. Die künstlichen Fehler, welche die Angeklagten erzeugten, waren besonders: 1) Ohrenflnß. Derselbe wurde dadurch nachgebildet, daß dem Betreffenden eine au« Limburger Käse und Eidotter bestehende Mischung in die Ohren ge träufelt wurde;— 2) Augenfchler, besonders der Horn haut, durch Touchiren mit Höllenstein, Trübung der Augen, Erweiterung der Pupille durch Bestreichung init Alropic n. s. w.;— 3) Herzklopfen, verursacht durch das nießen von sehr starkem Kaffee nnd Burgunder oder Schnaps vermischt mit TabackSseiber;— 4) Brustkrankheiten, Blut- stürz, Blutspeien; der Bliilstnrz wurde herbeigeführt durch das Trinken von einer Mischung von Schweineblut und Weinessig; da« Blutspeien durch Aufsaugen von Blut au« kleinen Verletzungen;— 5) Schweißsüße, dadurch, daß man Scnfmchl in die Strümpfe de« Betreffenden und Wasser in seine Stiefel einführte;— 6) Leistenbruch, durch Stiche von Bienen, zu welchem Zwecke August D stet« Bienen in einem Kästchen bei sich führte;— 7) Krampfadern, durch Touchiren mit Höllenstein. Es liegt in der Natur der Sache, daß manche der genannten Mittel nur durch ärztliche Verordnungen zu erlangen waren; es waren deshalb Verbindungen mir Civilärzten angeknüpft, welche die Recepte angaben. Jedoch ist, eben so wie bei den Agenten, eine strafbare Thcilnahme nicht nachgewiesen; daß aber ein solcher Verkehr stattgefunden, geht auS con fiscirten Briefen hervor. Auch mit Leuten, deren Ilm tauglichkeit zum Militärdienste feststand, knüpften die Dick hoff'« Unterhandlungen an, und auch mit Erfolg. Sic hatten dann keine Bemühungen, steckten da« Geld aber in die Tasche. In Hannover erzielten sie die Freimachung« geschäste, indem sie da« Gerücht ausstreuten, man habe Militär genug und wolle die anderen Leute freigeben; dos Geld sei besser zu verwenden; die Freimachungen seien gc� staltet und geschähen unter Borwissen der Behörde. Bei Fällen der wirklichen Untanglichkcit will die StaatSan wallschaft auf keine weitere Untersuchung eingehen; bei solchen, wo Bestechung und künstliche Fehler vorlagen wird zur Zeit die Anklage erhoben und für bis jetzt noch nicht bekannte Fälle vorbehalten. Die Untersuchungen gehen fort. ES liegen gegen die oben Genannten eine ganze Reihe von einzelnen Fällen vor. Angeklagt sind ferner von den dabei bethciligtcn Personen: 1) Ludger Kirchhoff, 2) Friedrich Wilhelm Holbeck, 3) Th. Wilh. Görtzgcn, 4) Wilh. Sördt, 5) Joh. Hcinr. Gördt, gen. Brauksicpe, 6) Otto Kaupe, 7) Julius Phil. Maßmann, 8) Fr. Jos. Mengelkamp. gen. Pinnekamp, 9) Otto Alte wischer, 10) Ludger König, 11) Loui» Menge, 12) Fr. Joseph Wittkamp, 13) Fr. Ebel, 14) Karl Overkamp, 15) Ludwig Ratte, 16) H. F. W. Vogt wegen ungesetz lichcr Befreiung vom Militärdienst." Bochum, 11. April. Ueber die Verhandlungen selbst, die ZcugcnanSsagen und B-weitfllhrungen ist nicht« In lcressanti« zu melde». Am heutigen Tage wurde das Urtheil gefällt. Nach demselben sind vernrtheilt: Ernst Dicckhoff zu 3 Jahren Gesängniß, 300 Thaler Geldbuße nnd 5 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; Au gust Dirckhoff zu 2 Jahren Gesängniß und 3 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; Kars Dieckhofs zu S Monaten Zuchthaus, 150 Thlr. Geldbuße und 2 Iah ren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; Wilhelm Diech hoff zu 1 Jahr Gesängniß und 2 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; Frau Blltzler zu 6 Monaten Gesängniß und 1 jährigem Verlust der bürgerlichen Ehren rechte; Louis Hüls»» 4 Monaten Gesängniß und 1 Jahr Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Von 22 Konskri« birtcn sind 7 freigesprochen, die ührigen zu je 3 Monaten Gesängniß vernrtheilt worden. Die" Uulersuchung gegen die Militärärzte schwebt noch.— Wie'man vernimmt, oll eine weitgehende Untersuchung gegen eine große Au rahl von Personen in Hannover eingeleitet werden, die im Verdacht stehen, sich auf wiedcrrechlliche Weise vom Militärdienst befreit zu haben. r verun. Die Mitglieder des Ausschusses de« Allgerui che» ArbeiterschaftSvcrbandrS werden zu einer e Freitag, den IS. April, Bormitlazt 9' in das R-daktionSlokal de«„Social-Demolral, ncrstr. 17, eingeladen. Da verschiedene wichtige Angelegenheiten wird um vollständige Betheiligung gebeten. m W Da« Pralii 10 Der Prozeß der Gebrüder Dieckhoss. Ueber die auch von UNS seiner Zeit gebrachten wider- rechtlichen Besreiunzen vom Militärdienste liegen jetzt die GcrichlSverhaiidlunzen vor, die wir auSssthrlich mittheilen «ollen, da sie einen Beleg dafür lieferu, wa« Alles durch die Macht de« Geldes geschehen kann; das Gesetz, welches doch sllr Alle gleich sein muß, cxislirt für den Reichen vielfach nicht, weil er es durch das Geld umgehen kann: „Bochum, 6. April. Heule Morgen begann die öffentliche Verhandlung in der bekannten Sache gegen die Gebrüder Dieckhosi und Genossen. Die Anklageschrift deren Verlesung zwei Stunden in Anspruch nimmt, führt etwa Folgende« au«: Schon der verstorbene Vater der angeklagten Brüder Dieckhoss stand im Rufe der ungesetz lichen Freimachung vom Militärdienste, desgleichen die Sühne Friedrich, Wilhelm und August schon zu Anfang Ansang der 50« Iahte, und bald auch Ernst nnd Karl. Im Jahr- 1868 gewann diese« Gerücht an Bedeutung, indem k. Dieckhoss in diesem Jahre in Köln wegen un erlaubter Befreiung des Buchhalter« Hopf angeklagt, aber wegen mangelnden Beweise« freigesprochen wurde. Von dclil Bater erbte jede« Kind ein Vermögen von etwa 1— 2000 Thatcr. Trotzdem besitzt Friedr. Wilh. Dicckhoff ein Bernlögen von 40—50,000 Thalern, über dessen Er wcrb er sich nicht aiisweisen kann. Er war früher Kupfer schlüget:, gab aber diese« Gewerbe bald auf, und will seii� Vermögen durch Kohlev- und Eisenhandcl und einzilne glückliche Speinlatiouen erworben haben. Er kann aber keine Grube bezeichnen, welcher er größere Aufträge gc geben habe; da« Eisengeschäft reducirt sich aus die Aus sührnng einzelner und sehr geringer Aufträge von Rem scheider Fabrikanten; lmd auch Über die glücklichen Epe kulationen kann derselbe keine nähere Auskunft geben. F. W. Tiehnfi machte viele und größere Reisen, ohne sieb über den Zweck derselben ausweisen zu können. Ernst Dieckhoss betrieb hier ein Bäckeigeschäfr, bekümmerte sich aber wenig darum, machte große Reisen und sammelte dennoch-tu nicht unberrächllichc« Vermögen. Augnst Dieckhoss wurde in jungen Jahren schon mit dem Zucht Haus belannt, indem er in den 50er Jahren wegen Verleitung zum Meineid mit 8jährizer Zuchthausstrafe belegt wurde; seitdem kam er hier, ohne ein bestimmtes Ge schäft zu betreiben, bald zu einem erheblichen Vermögen. Der vierte Bruder, Karl Dieckhoss, wurde schon in dem Alter unter 16 Jahren wegen desselben Verbrechens zu einem Jahre Gcfängnißstrafe vernrtheilt. Derselbe er lernte die Bierbrauerei, treibt sich aber geschäftSloS um- her, nnd steht wegen Wechselsälschung augenblicklich in Untersuchung. Die Eheleute Brenncreioesitzcr Bützner Frau Bützner ist eine Schwester der D.'S— lebten in Hannover in guten Vermögen». Verhältnissen. Der legte von denen, welche die Freimachung als Gewerbe betrieben, Ist der Bauzcichner Hüls. Au« dem Geständnisse de« letzteren und daraus, daß stet» dieselben Mittclper- fönen gebraucht wurden, erkennt man die vollkommene Organisation nnd da« Gewerbsmäßige der Freimachungen. Die letzteren wurden in verschiedener Weife betrieben, ent weder bei der Aushebung oder nach der Einstellung. Er zielt wurden dieselben entweder durch Bestechung von Militärärzten oder durch künstliche, die Untai:glichkcil bedingende Fehler und noch andere Machinalioucu. Der Preis der Bestechung war 150—800 Thalcr, in Hannover sogar bis zu 1000 Thaler. Um die geeigneten Leute aus findig zu machen, wurden zum Thcil schon Befreite be nutzt, thcil« wurde dieses Geschäft von eigenen Agentin betrieben, He-ndelsleuten u. s. w., die in Westfalen, Rheinland und Hannover bekannt waren. Um die Heeres Pflichtigen sicher zu machen nnd ihr Vertrauri! zu gewin ncn, wurde da? für die Freimachung stipulirte Gels bei den Agcnuif dcponlrt und später erst nach vollendetem Gcschäfte-ansdezahll; oder es wurden von den D's Reverse ausgestellt; in scltcncn Fällen fand Creditirrliig statt. Mit den Agenten fand eine ziemlich rege Correspondcnt statt. In denselben wurde aber nicht von der Befreiung der Militärpflichtigen gespiochen, sondern vom Pfcrdchandcl, von ein- und dreijährigen Pferden, von Waggons, Kar- toffelu, deren Zahl die der zu Befreienden bezeichnen soll. Um mit den Militärärzten in Verbindung treten zu können, mußten den Angeklagten dke jede« Mal die Unter- suchnng führenden Aerzle bekannt sein. ES ist nun nach- gewiesen, daß im Bereiche diS zehnten Armce-CorpS der Vermischtes. (Herr Dr. Löwc-Calbe,) der Vorsitzende des Wahlverein» der deutschen Fortschrittspartei, hatte au vorigen Freitag Abend eine Parteiversammlung in dem großen Saale des HandwerkerverelnS anberaumt. Die Gallerien, aus denen sich die Zuhörer anderer Parteien befanden, waren ziemlich gefüllt; ander« hingegen sah e« im Saale selbst au». Dreißig Reichstagsabgeord nctc der Fortschrittspartei waren zugegen, umgeben von ungefähr 100—120 anderen ForlschrillSmännern, so daß ans jeden Abgeordneten 3—4 Schildknappen kamen. Diese Monstreversammlnng" sollte mm eröffnet werden, da blickten sich Dr. Löwe und der zweite Borsitzende Herr Franz Dnnckcr verlegen lächrlnd an, kramten in ihren Rocktaschen hcrnm und— keiner von den Herren hatte eine Bescheinigung von der Polizei bei sich— es war die polizeiliche Anmeldung überhaupt vergessen worden. Wie man vernimmt, ist eine solche Nachlässigkeit von Seiten der Parlcisüdrcr der Fortschrittsparlei nicht zum ersten Male in Berlin vorgekommen. Ein gute« Ausknnstsmiltel wäre nun gewesen, wenn jeder fortschrittliche RcichSbotc sich 3— 4 der anwesenden Mannen mitgenommen und denselben einen Privatvvrtrag über da« Wesen und Wirken der groß«n deutschen Fortschrittspartei gehalten hätte. — Man sagt, bei einer ähnlichen Gelegenheit würde man solche Maßregel ergreifen.— Wir bedauern eigentlich nur die„Volk«zeitung", die jetzt nicht von der zahlreichen, au den Lippen der Redner hängenden Vcrsamm lung berichten und die Reden von Duncker, Hirsch und Schulze nach einem stenographischen Bericht bringen konnte. Diesen„selten Bissen" hat der unglückselige Dr. Löwe nun durch seine Vergeßlichkeit der Äermstm weg geschnappt.— —(Diätenlose ReichStagSmitglieder.) Am 7. d. M. hatte der Restaurant de« Reichstag» die erste Sendung Kibitzeicr erhalten. Ein solche« Ei ist halb so groß, wie ein Hllhuerei und doch kosteten 2 Eier bei der großen Seltenheit 25 Silbergroschcn. Trotz des hohen Preise« ist der ganze Vorralh verzehrt worden. Wie versichert wird, bcsaiiden sich unter diesen Feinschmeckern die Arbeiterabgeordneten nicht. —(Selbstmord.) Der Uutcrvsfizier Hoppe hat sich in Licbenwalde am 6. d. M. erschossen. —(Arbciterelend.) Am»crflosscnen Sonntag entleibte sich in Berlin der Hnlmachcrgcseüe MichalowSky Der Mangel an Existenzmitteln ist die Ursache de« Selbst morde« gewesen. Für Serliii. Allz. deutsch. Zimmerrr-Vere! Ausschußsitzung Donnerstag, öc» 14. April, Abend? 8':i bei Herrn Lübkcrt. Es ist nöthig, daß auch die Ersatzmänner w _ H. Peter,_' Für Lerlin. Allg. deutsch. Mnurer-Vett'' I Versammlung Mittvsch. de» 13. April. Aden»? 8� in Wolter'« Lokal vor dem Eoltbusir- Tagesordnung: 1) Vorirog des Herrn Wilhelm Host«6. 2) DiScussion in Betreff der Verschmelzung- �] 'chiidcneS und Fragekasten. Die Mitgliedskarten sind vorzuzeigen. Neue Mitglieder werden an jedem Vereit� genommen.— Um zahlreiche« Erscheinen: Us.j b Für Hamburg. Allg. deutsch, verein. Metallarbcit�ij Versammlung... Tonnerstag, den 14. April, Aben»? 8 � ' in Stadt Brenien Nr. 120. ________ I. Ros-5 Lremen. Arbeiter Für Allgemeiner deutscher Mitgliederversammlung, Donnerstag, den 14. April, Abend» 8* im Versammlungslokale Marlini Bierhalle l- TagcSordnung:-j 1) Abrechnung für Monat März.— Versammlung vom 9 April.— 3) Verschied� DaS Erscheinen sämmtlicher Mitglieder � Karten müssen vorgezeigt werden. Vi> 1 den Für Lremen. Urßeilerftst und Ball veranstaltet von den hiesigen Mitglieds Allgemeinen deutschen Arbeiter«d-n � Dieastag, den 19. Apiil I870f i5jCn � in beiden Sälen der Tonhalls-, Achru v'*0 lef, Für Mriohn. Es bittet um zahlreichen Besuch auswärtigen Parteigellossen. Anfong Abends 6 Uhr. die Da« Fcfll «*£ Ul«�l VI« UIJII«-i, Die hiesigen Mitglieder de« Allg. drutsth- S, feiern am 17. und. 18. d. M. g'i t5 den Geburtstag Ferd. ,0rfa Am ersten Tage Concerl nnd declamatori!"? ükcr> Am zweiten Tage Concerl und Boll- ��eip; Entrüe zum Conccrt l'/s®9t'' ft-ernt, Ball 7", Sgr. � tn„. Alle Partcigeucssen an» 9tah und Fern"..z."1'') eingeladen. Da« Fest«ßcrdc »»der Für Frankfurt a.# baj. f Maiugau-Arbeitervoersau'.o' rt6b Stontag, dm 18. April<2. Ostc� 1 tagö 9 Uhr,..«M, aus dem Schwagcr'schen Fels"1' Tagesordnung:.•, 1) Die Lösung der socialen Frage. deutsche Reichstag und das Programm der Arbeiterpartei.- z Alle Parkcigenoflea von Nah und Fern b:. I. Adolph len Für Zäiteflen. Schlesischer Arbeite Sonntag, den 17. April, NachmitWI im VcreinSlokalc zu Petcrswai- Tagesordnung: 1) Die nächste ReichStagSwahl.— 2) Um rege Betheiligung wird ersucht. Der BevollA f'!.».hl, «orden > in . k'i Zöger »hne '"> ist »ite »US> dlrwl .J* nid Für Hamburg und tln'-| Ich empfehle mich allen Parteifreunde»-t>er � und Tapezieren von Zimmern, sowie allen � vorkommenden Arbeiten zn den billigste« 5, im Eraebenil«. IBctSl«*"' t Für Schlesirv.« Schlesischer Arbeite« Montag, de» 18. April, Bormitia?' e beim Gaftwirth Herrn Blaser, in S«! Tagesordnung: Die Agitation in Schlesien. Wozu alle Parteisrcunde dringend elN»( Ernst Siebenhaar, Oieilstt; \k Lassave's Medaillon....* bringe ich hiermit allen nnsern ParlcigenV), h: ■'»Sgr.. un H" irrste S.M-Z in Erinnerung, pro Stück zu 3 Ofsenbach. SchioSll An die Parteisttnosie«': Nochmals bringe ich in Erinnerung, Stück de» von mir vcrfoßlcn Gedichte« � träum" vorhanden sind. Da weilcrc nl« werden, so bitte ich die PaUdgenossen,««L Besitz derselben kommen wollen, schnell Z" � k«nn in Briesmaiken den Betrag ciuli« 9 Pfennige. Sendung erfolal sofort....ft F. S. Liebisch. Sch«5> Annoncen. Der„Agitator" ericheint des Feiertag« wegen für diese Woche einen Tag früher. Die auSwäriigen Abonnrnlen erhalten ihn also am Freitag Morgen. Die Red. des„Agilalor." ,'hrei y.f. 111 Rei ■•die Geburt?. An, oge.. j. Allen lieben Freunden und Parieig-«' b< Anzeige, daß am 6. d. MlS meine liebc», kräftigen Sohn glücklich cnlbundeu ist,«..gl Bestreben sein, denselben als echte»,«? jjl» Social-Dcmokra'en h.ranzubild-n.•'* Druck von Jhring u. Habcrlardt�, antwurtl u Ni.-rleacr � Vcrautwortl. Redakteur n. Verleger W- �Ivph r" 1 "ÜOUl Sfln w 1