52. MM er VjI 91,! not!1 5trfl itr�l Berlin, Mittwoch, den 4. Mai 1870. Sechster Zahraang erscheint drei «...l». und zwar: Donnerstags und ch-uds Abends. Demokrat. Drgan der soaas- demokratischen Partei. Redaktion und Expedition: Berlin, Gitschinerstr. 17. S'a?""" vierteljährlich IG Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern g> � Iii' Sgr?(bS�reu?r7üdd. WäKng' � � �Zcrpreußischcn Postamter in Deutschland gleich- str A ��Aediimr �-ngemmmem � WmU™'»«»«»u der Expedition, sowie»ei jedem solide. �Annoncen Ue Zeilel�»iergespaltcne Petit-Zeile mit 3 Sgr. berechnet. Arbeiter. 2)1 iiu-wl nftch Aiitunir iuv England, die Tolonien, Amerika, Thina und Japan Nr. A. Duesing 8 Little-Newport-Street, Leicester-Sqnare. W C London •T---..-r-y-wam-'Tzrxxc**.-,,.---------.----- 1 1. April hat ein neues Vierteljahrs �Kt auf den �Social- Demokrat" be Gestellungen werden auswärts bei �mtern� in Berlin bei der Expedition, Mraße 17, und bei allen folidrn Spediteuren gemacht.(Preis viertel ib Sgr.) k veuen Abonnenten erhalten die seit fupril erschienenen Nummern nachge- politischer Theil. ,. ds '$'« Berlin, 3. Mai. sl«®'®er Verfall der Fortschrittspartei j,!,'l-d-m Tage größer. Kaum hätte man �glich halten können, daß diese Partei gewaltigen Niederlagen in Berlin, nach � �rath an den in Waldenburg und an an- ttn strikendcn Ortsvercinen, nach Aufstel- 3 von politischen Halbheiten wimmelnden ["'ü ,,3 uoch tiefer hätte fallen können. Und geschehen. � ätzten Freitag zu Berlin stattgehabte "wnmlung ihres Wahlvcreins, d. h. der *•*1 Aschen Organisation der Fortschritts- a« tln w jammern nN-'" r pj?'9«er Anführer und von Bourgeois- � 1' daß die Partei sich im vollsten Sinne liiiit hterfeindliche Bourgeoisclique enthüllte. � �gen anwesenden fortschrittlichen Arbeiter p-. Nächtlich von oben herunter behandelt, z Ii)'1 demokratischere Ansichten aussprachen, als Führern gcsiel; ja, als schließlich die Gc- �,1,« iwmlung einen den Parteilcitern nicht :jß-; Antrag mit großer Majorität annahm, Bureau die Stirn,„herauszählen" zu las- SM die zweifellose Majorität vielmehr eine sei. Dem materiellen Banquerott der Partei ist somit auch der sittliche gefolgt. Zollen einen flüchtigen Blick auf den s der fortschrittlichen Generalversammlung pbfchon die Mitglieder des Wahlvereins ichrittspartei nur 1 Sgr. an monatlichem zahlen haben, ist der Verein auf das ' iusammengefchrumpft. Noch nicht ein Udert Mitglieder, darunter höchstens ein Arbeiter, waren in der Generalversamm- °°scud, um nach der Pfeife des anwesen- �alstabs, etwa dreißig Abgeordneter, zu »ad obschon die Versammlung statuten- Vchtigt war, ein beliebiges Programm . jjf1' H wurde jede freie Meinungsäußerung . � allen Mitteln niedergehalten. end st erfolgte eine Eröffnungsrede dcS Abge g'" �owe, welche im vollsten Sinne des ti f Klagelied war, denn eS stellte sich �>ß der Verein, der doch für die Fort- ri das bedeuten soll, was der Allg. 'b.-Verein für die Social-Demokratie 1 wie gar keine Mitglieder zählt, und braven Bourgeois dem Beitragzahlen Üblich gesinnt sind, daß die Kosten dcS sns der Beiträge höher gewesen sind als zusammen. Nachdem durch diese stiitthcilung die Macht dcS Vereins gc- �dgethan war, machte sich derselbe daran, � Generalversammlung daS weltumstür- '3gramm abfassen zu lassen. Aus der � Sing, wie zu erwarten stand, dasselbe hervor, welches von den Anführern 1 wurde, und welches wir bereits Sktheilt haben. Alle wesentlichen Amen- 'Urden kurz auf die Seite geschasst. �llen uns nicht mit einem Bericht über iichen Verhandlungen befassen, sondern �akteristischsten Punkte hervorheben; sie klaren Beweis, daß das Fortschrittlcr- l die Spur demokratischen Geistes be- ' besonderer Wichtigthucrei wurde, wie - die Militärfrage behandelt. Zm kläg- Einsatz zu den Phrasen von Freiheit md säjL O»" .L etil und Fortschritt standen aber die spießbürgerlichen Beschlüsse. „Verminderung der Militärlast durch Verrin- gerung der Friedcnsarmce und Verkürzung der auf, jetzt geht'S wie im Conccrthaus", lachen ein Paar Lassalleaner. Und richtig. Der Löwe kann wieder einmal nicht sehen. Man zählt und zählt, und endlich wird herausgczählt, 100 sei 50 we- Dienstzeit. Unterstützung aller auf allgemeine Ab- niger 4. Großer Löwe, die Stimmen der Katho- rüstung in Europa gerichteten Bestrebungen", lau- likcn find gerettet! die Vorlage und beschloß die Versammlung. Das waren die wichtigsten Vorgänge in der stolzen Fortschrittsversammlung; wir brauchen wahrlich keine weiteren Erläuterungen zu machen. Freuen wir unS, daß das Fortschrittlerthum jetzt in jeder Beziehung bankerott ist, daß es selbst seine eignen Parteigenossen unterdrücken und be lügen muß, um sich fortschleppen zu können! Daß unter den heutigen Regierungen eine der artige Verminderung der Dienstzeit nicht eintreten werde, gaben die FortschrittShelden zu, aber den Muth, das demokratische Prinzip demgegenüber offen und frei zu verkünden, und allgemeine Volks- wehr zu fordern, den Muth hatten sie nicht. Ein dem Vorstand der OrtSvcreine ungehöriger Arbei- ter, Herr Landgraf, hatte die in den Augen d" � FortfchrittSprophcten unerhörte Kühnheit, allmäligc Einführung der VolkSwchr, als Amendement zu beantragen. Zornesmuthig siel man über den Ketzer her.„Derartige Fordcrun- gen geschehen im Interesse der Reaktion," donnerte man ihm zu, und bei der Abstimmung erhoben ich nur ein halbes Dutzend Arbeiter für sein Amendement. Ja noch mehr! Die ganze Fort- chrittspresse,„Volkszcitung",„Tante Voß" u. s. w., brütet Rache gegen den vermessenen Arbeiter. Man schweigt ihn todt; mit keinem Wort wird er und 'ein Antrag erwähnt. Das ist„fortschrittlich un- parteiisch" gehandelt! Doch weiter.— Gegen das Ende.der..D�e auf die Tagesordnung. Nichts als ein Gemisch künstlich gedrechselter Phrasen, aus denen man nach Belieben alles herauslesen kann, bildet diese Stelle des Programms. Die Phrase:„Gleiches Recht für Alle", steht an der Spitze, und gleich dahinter heißt cö:„All- gemeines, gleiches Wahlrecht, wie im Bunde so in den Einzclstaaten". Recht schlau, Ihr Herren Fortschrittler! Die Phrase klingt recht demokratisch! Aber wir durchschauen Euren Plan. DaS direkte Wahlrecht, die geheime Abstimmung, das allgc- meine, gleicht Wahlrecht für die Commune werden nicht gefordert, und wir wissen, die Fort- schrittler kämpfen gegen diese Rechte, ohne die daö Wahlrecht gefälscht ist. Herunter mit der MaSke! Der eigentliche Schwerpunkt des Fortschritts- zrogramms ist die Verdammung der Socialistcn. Die Galle, welche die Fortschrittspartei ihres Krebsgangs halber erfüllt, macht sich in folgendem Bannfluch Luft:„Abweisung jeder Ausbeutung des Staats für die Sonderintercssen einzelner Ge- cllschaftsklassen, mögen dieselben Seitens der bis- her privilegirten Stände oder Seitens der socialisti- schen Arbeiterpartei geltend gemacht werden." Vor Beginn der Versammlung circulirte zur Verspottung dieser Kraftstelle ein Amendement auf den Zu- schauertribllnen.- Es lautete kurz und bündig: „Jeder Lassalleaner soll verflucht sein." War dies Amendement in die Hände einiger Fortschritt ler gcrathen, oder mochte es ihnen selbst lächerlich erscheinen, die Forderung der socialistischen Ar beiter, daß der freie Volksstaat die heutige Aus- beutung durch die Gesetzgebung beseitige, und so gleiches Recht für Alle herstelle, eine„Ausbeutung dcS Staats zu Sonderzwecken" zu nennen, genug es wurde Streichung des Bannfluchs beantragt. Doch jetzt flehte Duncker in eigner Person: Diese Stelle sei von höchster Wichtigkeit man möge sie doch ja belassen. Und wirklich der Bannfluch blieb. Aber der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht; als eine Stelle des Programms kam, die freie Volksschule verlangte, forderten die An- wescnden, daS Kind beim rechten Namen zu nennen und statt dessen confessionslose Volksschule zu fordern. Blasser Schreck der fortschrittlichen Abgeordneten!„Wir meinen ja die confessions- lose Schule, wir dürfen eS aber nicht aussprechen", jammerten sie:„sonst fallen uns drei Provinzen (Rheinprovinz, Westphalcn und Schlesien) ab. Die Katholiken sind ja gar zu sonderbar!" Doch ver- gebenö war der Schmerzenöschrei. Die Freige- meindler standen fest und mit zwcidrittel Majo- rität, circa hundert � gegen fünfzig Stimmen, be- schloß man, confessionslose Schule zu fordern. Da reißt dem großen Löwe die Geduld.„Paßt Rundschau. Berlin, 3. Mai. H) In den letzten Sitzungen des„deutschen Zollparlamcnts" beschäftigte man sich mit dem von der Regierung vorgelegten Zolltarif. Anlaß zu einer eingehenden Debatte gab die Ermäßigung des sogenannten Schutzzolls für die Baumwollen- industric, die ganz besonders in Sachsen sehr schwer darniederliegt. Der Abg. Dr. Schweitzer bezeichnete die Stellung der Social-Demokratcn zu dieser Frage ungefähr, wie folgt:„Ich möchte angeben, warum ich genöthigt bin, von meinem Parteistandpunkt aus gegen die Regierungsvorlage und für Beibehaltung der bjsberiaen Köllc lUrer— vesteyender Schutzzölle mir in zwei Fällen gesprochen werden: erstens bei einem Industriezweig, der dem Auslände gegenüber voll- ständig concurrcnzfähig ist, eben so in dem ganz entgegengesetzten Falle, wenn ein Industriezweig vorliegt, der so wie so gänzlich verloren und im Absterben begriffen ist. Hingegen hier tritt keiner der beiden Fälle ein, wir haben es mit einem In- dustriczweigc zu thun, welcher zwar in Bedräng- nissen, aber durchaus nicht ganz und gar verloren ist, so daß in dem möglichsten Schutze desselben Arbeitgeber wie Arbeitnehmer übereinstimmen müs- sen." Die Regierungsvorlage wurde aber doch bei namentlicher Abstimmung mit 3 Stimmen Majorität angenommen. Auffallend war eS, daß bei der Abstimmung die sogenannten social-demo- kratischen Abgeordneten, welche in Sachsen gewählt sind, sämmtlich fehlten. Nach der Vorlage wird der Zoll auf Eisen beigehalten; eS lagen zwei Anträge vor, denselben zu beseitigen. Beide aber wurden in namentlicher Abstimmung verworfen. Hierbei stimmten die Abgg. Dr. Schweitzer und Hasenclevcr für Aufhebung des Schutzzolls, da die deutsche Eisenindustrie blühend und concurrenz� fähig ist. Die Gerüchte, daß unmittelbar nach dem Ple- biszit der französische Kaiser etwas Großes für den Ruhm Frankreichs leisten werde, wollen nicht verstummen; sie treten mit merkwürdiger Be- stimmtheit und Deutlichkeit auf, denn es wird be- reitS wiederholt gemeldet, Frankreich rüste sich, die Entwaffnungsfrage ganz ernstlich in Angriff zu nehmen. Die Entwaffnungsfrage! Man weiß, was daS sagen will. Eben so gut könnte man mit dürren Worten ankündigen, Louis Napoleon sei entschlossen, eine unbedingt auf die Herauf- beschwörung der Kriegsgefahr hinzielende diplomatische Aktion zu eröffnen, weil er um jeden Preis seiner Armee die Möglichkeit schaffen wolle, sich die Gcnugthuung für Sadowa zu holen. Aus Paris kommt die Nachricht von einer Verschwörung, welche gegen das Leben des Kaisers gerichtet sein soll. Am 30. v. Mts. wurde ein junger Mann verhaftet, bei welchem Papiere ge funden sind, die derartige Andeutung gaben und noch zur Verhaftung von zwei anderen Männern führte. Viele Bomben, Patronen und Pulver wurden mit Beschlag belegt. Die Verhaftungen sollen mit einem Complot in Verbindung stehen, gegen welches die gerichtliche Verfolgung angeordnet und thätigst betrieben wird. Eine spätere Nachricht lautet:„ES bestätigt sich, daß gestern ein aus London kommendes Individuum verhaftet wurde, welches den Kaiser ermorden sollte. Dasselbe hat seine verbrecherische Absicht eingestanden. Es wur- den noch zwei andere Individuen verhaftet." Die Abendausgabe des„Journal officiel" vom 30. April schreibt über daS Complot noch folgendes: „Seit einiger Zeit war die Polizei einer Ver- schwörung gegen daS Leben des Kaisers auf der Spur. Gestern Morgen wurde ein Mann, NamenS Bauric, von der Polizei verhaftet. Derselbe war kürzlich aus London angekommen und im Besitz einer größeren Summe Geldes, eines geladenen Revolvers und eines Briefes auS London, welcher von einem der am meisten beim Februarcomplot Compromittirtcn herrührte. Dieser Brief, sowie die Geständnisse Baurie's lassen keinen Zweifel über das Motiv des Eintreffens Baurie's in Frank- reich, sowie über seinen Entschluß, unmittelbar das Attentat zur Ausführung zu bringen. Andere Personen sind in Bcllcville verhaftet; bei einem derselben fand man eine Kiste mit Bomben, sowie eine Menge Sprcngpulver." Nach den neuesten Nachrichten dauern die Verhaftungen fort; man spricht schon von 34 Personen, welche in das Komplott verwickelt sein sollen. Der Kaiser ist sehr erregt und hat er- klärt, daß er unter solchen Umständen die ver- prochene Amnestie nicht erlassen werde. Nach Berichten aus dhn Creuzot vom 1. Maj sind der Arbeiterführer Assy und ein anderer Arbeiter dort verhaftet worden. Bei der Ver- iaKunn nutz lÄeaenllii mtf in- vri„r. und mehrere derselben verwundeten. Nachdem die gesetzlichen Aufforderungen zum Auseinandergehen erlassen waren, trieb die Kavallerie die Menge auseinander. Neun Verhaftungen Wurden noch vorgenommen. Weshalb Assy verhaftet ist, ist gänzlich unbekannt. Wie es scheint, hat die Regierung in ihrem Vorgehen gegen die Arbeiter ich zu einem völlig gesetzlosen Schritte hinreißen äffen. Die Arbeitseinstellungen in Frankreich bcgin- ncn ihren Einfluß auch auf die Colonie Algier auszuüben. Man schreibt von dort, daß unter den Buchdruckerei-Arbeitern eine Arbeitseinstellung ausgebrochen ist. Die Arbeiter verlangen ihren Tarif und die Entlassung der Lehrlinge, deren An- zahl übertrieben stark sei. Der Tarif ist bereit« von mehreren Buchdruckercibesitzcrn angenommen worden und man glaubt, daß demnächst die Arbeit wieder aufgenommen werde, da die Arbeiter ihre Hauptforderung schon erreicht haben. Daß die Stimmung des MilitairS in Jta- lien eine der Regierung höchst feindliche ist, geht wohl zur Genüge daraus hervor, daß der Kriegsministcr General Govone an sämmtliche Armeecorps-Kommandanten Ordre nachstehenden Inhalts erlassen hat: Sie wären für alle Kund- gedungen, welche in ihren Corps vorkämen, ver- antwortlich; sie hätten über das Verhalten der Unteroffiziere, welche ihnen untergeben sind, zu wachen, alle Offiziere, auch die in Disponiblität befindlichen, haben Alles zur Anzeige zu bringen, was ihrer Ansicht nach für das Interesse des Staa- tcS gefährlich erscheint. Weiter hat derselbe ver- ordnet: der Major im Dienste und der Jnspck- tionS-Capitain, sowie die Offiziere vom Wochen- dienst haben in den Kasernen zu schlafen; die Ge- wehre müßten immer geladen sein und die Tornister gepackt; die Truppen hätten halb angekleidet sich niederzulegen, um sofort auf jeden Ruf bereit zu sein; bei dem kleinsten Anzeichen einer Bewegung hätten die Truppen sofort Feuer zu geben. Aus Irland mehren sich die Nachrichten, daß die Bewegung unter der Ackerbau treibenden Be- völkerung im Zunehmen begriffen ist. Am Ende des vorigen Monats noch wurde in Wondmonat ein Pächter mit zerschmettertem Schädel dicht bei seiner Wohnung gefunden. Dem Krakauer„Kraj" zufolge mußte zur Ver- Haftung eines Dekans Piotrowitsch in Wilna in Rußland eine bedeutende Militärmacht ausge- boten werden und es kam zu einem ernsten Zu- sammenstoß zwischen den Truppen und der auf- geregten Bevölkerung. Dem genannten Blatt wird über die die Verhaftung begleitenden Un stand» von einem Augenzeugen aus Wilna geschrieben: „Nach beendigtem Gottesdienst begab sich Piotro- witsch nach seiner Wohnung, begleitet von der ganzen Volksmenge, welche die Kirche und den sie umgebenden Kirchhof gefüllt hatte. Von allen Seiten wurden dem muthvollen Verthcidiger der Kirche die innigsten Sympathien kund geben. Er hatte aber noch nicht seine Wohnung erreicht, als Gendarmen ihm den Weg vertraten und ihn mit sich fortführen wollten. Die Volksmenge trieb die Gendarmen zurück und nahm Piotrowitsch in ihre Mitte. Da erscholl der Generalmarfch in der Stadt und bald darauf rückten ein Bataillon Infanterie und eine Scction Kosaken heran. Das Militär suchte die Volksmenge durch Kolbenstöße und Säbelhiebe auseinanderzutreiben. Es entspann sich ein kurzer Straßcnkampf, der damit endete, daß die Menge, der Uebcrmacht weichend sich zu- rückzog. In dem Kampfe wurden etwa 60 Civil- Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Piotro- witsch wurde nun vom Militär festgenommen und ins Gefängniß abgeführt. Mehrere aus der ver- sammelten Menge hatten ihn vorher um ein An- denken gebeten. Er zog sein geistliches Gewand aus, nach dem sofort Hunderte von Händen griffen, und das in unzählige Fetzen zerrissen wurde. Glücklich fühlte sich, wer einen solchen Fetzen er- haschte; er drückte ihn als eine theurc Reliquie ans Herz und hätte ihn nicht für einen Imperial hingegeben. Der General-Gouverneur Popatoff telegraphirte nach erfolgter Festnahme des Piotrm witsch sogleich nach Petersburg und fragte an welches Verfahren gegen den Verhafteten in Am Wendung zu bringen sei. Schon nach einigen Stunden kam die telcgraphische Antwort, der Ver- haftete sei ohne richterliches Urtheil nach Archangel zur lebenswierigen Verbannung abzuführen."— Auch in der Diözese Mohilcw gicbt sich in Folge der vom dortigen Bischof unterstützten Russi- ficirungs-Maßregelu in Bezug auf die katholische Kirche unter der polnischen Bevölkerung große Aufregung kund. Ueber das furchtbare Unglück in Richmond von welchem wir schon gemeldet haben, erfährt man noch folgendes Nähere:„Ein Rechtsstreit, welcher großes Aufsehen in der Stadt erregt— der Kampf zwischen den beiden einander gegenüber stehenden Bürgermeistern— hatte eine große Menschenmenge in das Capitol gezogen, wo der Fall in der Appellationsinstanz verhandelt wurde. Das Gewicht der Menge überstieg die Tragkraft des Bodens, und derselbe brach ganz plötzlich, so daß die Masse der Menschen hinab in den darun- ter befindlichen Saal des Repräsentantenhauses Zahl der Getödteten und Verwundeten sich au' 200 belaufe, worunter sich 20 Mitglieder der Le gislatur befinden sollen. Fünfzehn Leichname wurden schon aus den Trümmern hervorgezogen. Der Gouverneur Walker, sowie die Richter blie- den unversehrt, während der frühere Gouverneur WellS schlimme Verletzungen davongetragen hat. Die Aufregung in Richmond ist ungeheuer. Das Volk sammelt sich vor dem Capitol und sieht zu, wie aus dem Gebäude die Todten und Berwun- detcn herausgetragen werden. Vereins- Theil. (Für den Allg. deutsch. Arbeiter-Verein.) Offendach, 29. April.(Massenversammlung in Frankfurt.) Am zweiten Ostertage hatten sich auf dem Schwagerschen Felsenkeller circa 2 Personen aus Frank Bruder und Schwester. (Fortsetzung.) furt und Umgegend eingefunden, und füllten den geräu- migen Saal, sowie den Garten bis auf den letzten Platz, so daß Hunderte wieder abziehen mußten. Eine solche Versammlung hat die alte Spießbürgerstadt lange nicht gesehen. Ins Bureau wurden gewählt Peter Schneider und Adolph Schneider als Vorfitzende, Joseph Schneider und Unterzeichneter als Schriftführer. Herr Peter Schneider begrüßte die Versammelten mit einem Hoch auf die Arbeitersache. Er geißelte die Zersplitterungs- versuche der Gegner und wies die Nutzlosigkeit derselben mit Hinweis auf das zahlreiche Erscheinen in der Ver- sammlung nach, er ermahnte die Anwesenden zu Einig- keit indem dadurch der Arbeiterstand zu jener Macht- iellung komme, ohne welche die Erlangung des Rechts unmöglich sei. An der Debatte betheiligten sich die Herren Adolph Scheider, Menge aus Mühlheim, Merten«, Stürtz und Schulze aus Offenbach, Siuhn aus Bocken- heim, Riehl, Fröder, Joseph Schneider und Eid- mann aus Frankfurt, Unterzeichneter und Wolf. Sämmt- liche Redner sprachen sich für den Anschluß an den Allg deutsch. Arb.-Verein aus und geißelten die heutigen Gc- ellschaftSzuständc, wobei die Literaturheldcn, die sich Haupt- Schlich in Frankfurt durch Lügenhaftigkeit auszeichnen, und ebenso die mit ersteren gut befreundeten„Ehrlichen" nicht zu kurz kamen. Die Versammlung dauerte bis Nachmittag?. Die in derselben hervortretende Einstimmigkeit war ein neuer Beweis für die Lebenksähigkcit der Partei und die Gerechtigkeit unserer Forderungen. Daß den Herren Bourgeois die Bewegung deS Maingau'S nicht ganz gut in den Kram paßt, beweisen ihre Wulh- ausbrllche gegenüber den Strikenden; die Börsenjobber können es gar nicht in den Kopf bringen, daß nicht der ganze Strike wie früher, durch Ausweisungen und Ver- »astungen erdrückt wird. Nur gemach, Ihr Herren, ob Ihr Zcter und Mordio schreit, wir werden Euch noch mehr derartige Tarife zur Unterschrift vorlegen, bis einst der große Kampf beginnt, bei welchem Euch das europäische Proletariat, die Arbeiter der gesammten Kulturwelt zurufen werden.„Wir wollen die Lohnarbeit nicht mehr, wir fordern den Ertrag unserer Arbeit." Mit social demokratischem Gruß H. Haustein. ClauSthsl, 27. April.(Versammlung in Ler- h.) Auf allgemeinen Wunsch der Lcrbacher Mitglieder ging Sonntag den 24. ds«. eine Abthcilung von uns dorthin, um in Gemeinschaft die immer mehr in den Vordergrund tretende Arbeitersragc zu discutiren und auch die im Kampf stehenden zu erfrischen.— Aus der Tage«- ordnung stand die Civilifation und die Maschinen. An der Debatte betheiligten sich die Herren Bierhancc, Schäfer, Wintzer und Unterzeichneter. Die allgemeine Begeisterung zeigte, daß auch in diesem einsamen, fast von der Welt abgeschlossenen Thale die sittliche Idee de« Socialismu« Eingang gefunden hat. Trotz der vielen Machinationen gewisser bezahlter Subjecte war das Re sultat dieser Versammlung, daß über bv neue Waffen brüoer dem großen Bruderbunde beitraten.— Brüder, aller Ort«, ein jeder sei auf seinem Posten. Sorget nicht allein für die Agitation, wachet auch für das Wohl der Partei, damit nicht Wölfe in Schafskleidern sich einschlei- che« und dann die Kraft der Arbeiter zu Sonderzwecken vergeuden. Wachet und kämpfet frisch, schon dämmert der Morgen der Freiheit! Mit social-demokratischlm Gruß Fr. Böttcher. Heusenstam«, 23. April.(Festlichkeit.) Die von uns am zweiten Osterfeiertag abgehaltene Volksversammlung, sowie das Concert hatten den schönsten Verlauf und kein mimsrm Bevollmächtigte Herr meine gleiche und direkte Wahlrecht. Als Redner traten auf die Herren Eitmann, Adolph Schneider und I. Mehl aus Frankfurt a. M., Haustein aus Offen- dach und unser Hamburger Wolf. Sämmiliche Redner ernteten großen Beifall. Besonderen Eindruck machte Herr Wolf, welcher in einem längeren Vortrage die Lage der Arbeiter schilderte, mit besonderer Berücksichtigung der cnglischcn"Zllstände, die er in ergreifender Weise darstellte Mit nicht enden wollenden Hckchs auf die Arbcitersach und den Allg. deutsch. Arb.-Berein schloß die Versamm lung. Mit social-demokratischem Gruß H. Hirsch, Schriftführer AscherSlcbe«, 25. April.(Versammlung.) Gestern fand zum ersten Mal seit einem halben Jahr eine Volks Versammlung statt, in welcher etwa 200 Personen an> wcsend waren. Auf der Tagesordnung stand: Die heutige Arbeiterbewegung, die Ziele des Allg. deutsch. Arb.-Berein« und de« GewerkschaftS-Berbande«. Die Herren Hurle- mann und Lampe aus Halberstadt, welche zugegen waren, sprachen vortrefflich und ernteten großen Beifall. Die Begeisterung der Anwesenden war groß. Wir sprechen Fünftes Kapitel. Shlvest wurde, als ihn die Soldaten in den Eircus gebracht hatten, mit Ketten beladen und allein in eine unterirdische Zelle eingeschlossen, denn man sperrte die Sclavcn, welche für die wilden Thiere bestimmt waren, abgesondert ein, damit sie sich nicht unter einander erwürgten, um einem durch langes Leiden schrecklichen Tode zu entgehen. Von seinem Kerler aus hörte er das Brüllen der Thiere, denen er am Abende des dritte» Tages überliefert werden sollte, denn die Kämpfe der Gladiatoren fanden beim Fackelschein statt. Die Geistesverwirrung Shlvest's nach jener Nacht, die er im Hause Siomara'S verbracht, namentlich nachdem sie ihm den Antrag gemacht, an ihren Zaubereien mit Theil zu nehmen, war so groß, daß er Loyse ganz vergessen und durch Mißhandlung seines Herrn einen Tod gesucht hatte, den er sich selbst nicht geben konnte »eil ihm bei seiner Verhaftung bei der Buhlerinn die Hände gefesselt worden. In der Einsamkeit deS Kerkers aber erholte er sich; er dachte an seine Frau und in Folge davon, c gesteht seine Schwäche, mit Grauen daran, daß an dem Abend, da er den wilden Thieren überlassen werden sollte,� Loyse ihrer Verabredung gemäß ihn in dem Park Faustina's erwarten würde. Er bedauerte jetzt, einen Monat vorher da» Fluchtanerbieten Loyse'S nicht ange uommen zu haben. � Für manchen Hau«- auch ArbeitSsclaven war die Wucht bisweilen aber unmöglich: sie mußten sich in ver- stickte Einöden, fern von bewohnten Orten, flüchten, in denen sie oftmals verhungerten. Einem solchen Tode halte Sylvest seine Frau, die schon Mutter war, nicht aussetzen wollen; jetzt aber, wo seine einzige Hoffnung war, auf den ersten Biß durch«inen Löwen oder Tiger des Amphitheaters erwürgt zu werden und so einem langen Todeskampfe zu entgehen, bereuet« er es, die RcttungSmöglichkeit mit Loyse nicht versucht zu haben. Ohne die Erinnerung an seine Fran würde der Sclave übrigens seinem Todestage gleichgültig entgegengesehen haben; das geknechtete Gallien sollte vielleicht seine Ketten noch nicht sobald durch den Ausstand der Söhne der Mispel brechen und er wäre zu seinen Vsrfahren in die unbekannten Welten gelangt. Eine einzige Besorgniß durchzuckte Sylvest bisweilen und dann blickte er mit Angst an die dicke Wölbung und die steinernen Platten seine« Kerker«: Siomara war Zauberin und er füichtete jeden Augenblick, sie erscheinen zu sehen und durch ihre Zaubcrmachl hinweggebracht zu werden. Endlich lastete auch ein Gram auf seinem Herzen: er hatte, seiner Gewohnheit gemäß, in dem starken dicken Gürtel seiner Beinkleider die kleine goldene Sichel und das eherne Glöckchcn wie die dünnen Rollen verborgen, auf denen die Geschichte seiner Familie geschrieben war Da er durchaus sterben sollte, so bedachte er mit tiefer Trauer, das diese Ueberrestc bald im blutigen Sande der Arena umhergestreut werden würden, statt seinen Nach- kommen überliefert zu werden, wie es Joel, der Brenn des Stammes Kornak, gewünscht hatte. Der Kerkerschließer, welcher Sylvest de« Tage« einmal die kärgliche Nahrung brachte, war ein Invalid, ein ehemaliger kretensischer Bogenschütze, geschwätzig wie ein Gallier, wie der gute Joel gesagt haben würde. Er war an die Circnskämpfe gewöhnt, gegen diese« Schauspiel abgehärtet und sprach jedesmal, ohne böse Absicht, während der Mahlzeit Sylvest«, von der Zahl und Wildheit der Thiere, über welche sein Freund und Gefährte, der Thür- Hüter, die Aussicht hatte. Am Abend vor dem blutigen Feste sagte er im väterlichen Tone zu dem Sclavcn: Mcin� Sohn, gerade zu rechter Zeit haben wir für morgen ein prächtiges Paar afrikanischer Löwen erhalten; ichdachte gleich an Dich, denn mein Freund, der Aufseher hat mir gesagt, er habe nie wildere Bestien gesehen. Vier Stunden von hier, al« man einmal Halt machte, haben die Löwen nachdem sie sich an Fleisch gesättigct, also aus reiner Bosheit, ihren arabischen Hüttcr zerrissen, an den sie lange gewöhnt waren, und der ihnen gar nicht mifr tiauete. Wie wird es da erst morgen Abend werden nachdem sie einen ganzen Tag gebungert haben? Ich wünsche Dir deshalb mein Sohn, daß Du unter die Klauen einer dieser Bestien gerothen mögest; sie werde» Dich nicht lange schmachten lassen. Vor allen Dingen— denn ich nehme Antheil an Deiner Jugend— vor allen Dingen denke an das, was ich Dir sage, mache es nicht wie die Thoren, welche, sobald das wilde Thier in den Circu« gelassen wird, ungeschickt sich mit dem Gesicht gegen die Erde legen und so den Rücken statt des Bauches darbieten. Da dauert ihre Todesangst nnd Todespein hundert mal länger; Du wirst einsehen warum; da kein edcler Theil deS Körper» sogleich berührt wird, kommt dcp Tod um viele« langsamer, während man im Gegentheil der Sache sehr bald ein Ende macht, wenn man— vergiß dies nicht, mein Sohn— gerade hiermit den Herren Hurlemann und Lampe unfern Dank aus und hoffen bei der nächsten Versammlung auf zahlreichen Zuwach«. Parteigenossen in Nah nnd Fern, wachet auf vom Schlafe und tretet ein in die Reihen der Kämpfer für Wahrheit und Recht. Auch hier schlägt jetzt die Bewegung zur hellen Flamme auf. Mit social-demo- kratischem Gruß Mehrere Arbeiter. Wiutcrthur, 26. April.(Allgemeiner Bericht.) Wehet, Ihr Winde! Brauset, Ihr Stürme! Bäume Dich schäumend, Du Höllenbrut! Tausendfach reg' sich des Meeres Gewürme! Nah ist der Hafen, nur vorwärts mit Muth! Parteigenossen! Obschon manche Welle auf dem beweg- tcn Meere unsrer Zeit gegen unser Schiff schlug und ab- prallen mußte, ohne uns in unsrer Fahrt zu unterbrechen, oersucht es doch noch oft so mancher Thor, wenn er sieht, daß unsre Schaar dem Ziele immer näher ksmmt, sich uns mir allen Kräften enlgcgenzuwcrfcn. Die Helden der Presse, welche im Verborgenen sitzen, um Pfeile der Ver- läumdung zu schmieden nnd diese unter die muthigen Kämpfer für die Menschenrechte zu schleudern, diese Helden sind Euch, Parteigenossen, ja zur Genüge bekannt. Da» Register der BerläumdnngS-Componistcn hat sich vermehrt durch einen Neuling im Preßwesen, welcher den ersten Schritt aus dem Wege der Verläumdung gegen unsere Partei in der Ocffentlichkeit gethan hat, und zwar in der „Tagwacht", einem schweizer Organ, welche auf ihr Banner die„Ehrlichkeit" schreibt, cömit denNamcnBebel, Liedknecht verziert und auch von Jacoby nach Kräften unterstützt wird. Freuen wir un« dieser Verbindungen, es ist ein Zeichen, daß wir stark sind, daß die einzelnen Parteien sehen, wie wenig sie gegen un« ausrichten, und sich des- halb verbinden. Der Redakteur dieses jungen Blättchens heißt Greulich und bringt im Gegensatz zu den blutigen Ereignissen zu Swaron in Böhmen eine gar greuliche Schilderung der großen, zu seinem Acrger unblutigen, Volksdemonstration in Hamburg, durch den er anscheinend bezwecken will, den gerechten Grimm der Arbeiter über die monarchische Wirthschaft in Oesterreich gleichzeitig au unsere Partei mit zu übertragen. Da einem jeden die Ereignisse von Swaron bekannt sein werden, beschränke ich mich darauf, den unsere Partei betreffenden Satz vor- zusührcn. Derselbe lautet:, „Gegenüber dieser männlichen Haltung unserer öster reichischen Brüder nimmt sich eine in Hamburg abges piel Komödie reckt erbärmlich aus, über die wir kurz berichten wollen.— Ein in Hamburg wohnender Mechaniker, Na- mens Schallmeyer, Mitglied de«„Allgemeinen deutschen Arbeitervereins"(Präsident v. Schweitzer), war von der Polizei denunzirt worden, aus der Generalversammlung diese« Vereins im Januar zu Berlin gesetzwidrige Reden geführt zu haben. Da« preußische Gericht verlangte von Hamburg Schallmeyers Auslieferung. In Folge dessen fand in Hamburg eine Versammlung statt, um gegen die Auslieferung zu protcstiren; die Parteigenossen Schall meyer«, die Mitglieder deS„Allgemeinen deutschen Ar bei tervereins", stimmten gegen eine dahin zielendl Resolution.(!) Schallmeyer wurde ausgeliefert, in Ber lin vor Gericht gestellt und freigesprochen. Der Präsident des genannten Vereins, Herr v. Schweitzer, läßt in Ham- bürg auf den Tag, wo er mit Schallmeyer ankommt, ein- öffentliche Versammlung anberaumen. Schweitzer und Schallmeyer werden am Bahnhofe von einer Menschen- menge von etwa 20,000 mit zwei Musikchören empfangen und im Jubel bis zum Versammlungslokal begleitet. 6—7000 Menschen dicht gedrängt im Saal, Tausende au der Straße unten— und was nun? Folgte jetzt etwa Erk(ör»tzo...,Vni'.Jl/.vr,'Uir ÄWd eine Resolution gegen die stehenden Heere und die Mon archie oder gegen die Bismarckische Wirthschaft? O neins Herr v. Schweitzer und Schallmeyer— letzterer mit un- verkennbaren Hinweisungen auf seine werthe Person— wiesen auf die Wahlen zum norddeutschen Reichstage hin; außerdem betonte Herr Schallmeyer, wie hart er von der Republik Hamburg behandelt worden sei, und dagegen wie ganz ander« sei das In der Monarchie Preußen gc- wesen u. s. w. Kurz und gut, die ganze Schallmeycrei erscheint uns als weiter nichts andere« als eine plumpe Komödie, in der die Herren v. Bismarck und v. Schweitzer die Drähte führten. Wie lange noch werden Arbeiter sich al« Drahtpuppen von diesen Herren brauchen lassen?" Parteigenossen! Unwillkürlich komisch wird Euch bei Dnrchlcsung diese« Artikels der„Tagwacht" zu Muthe werden, wenn Ihr bedenkt, daß diese Lügen von einem angeblichen Social-Demokraten geschrieben sind. Die Frechheit, zu behaupten, die Hamburger Mitglieder des Allg. deutsch. Arb.-Vcrein« hätten für Auslieferung Schall- mcyer's gestimmt, ist so maßlos, daß sie kaum von der nackiolgenden Verläumdung de« Bereinspräsidenten und vor den Löwen oder Tiger nirderknicel, so daß sie die Kehle und die Brust bequem mit den Zähnen packen können; man hat da wenigsten» die Aussicht mit einem mal vom Leben zu kommen. Der Rath ist gut, ich werde ihn befolgen. Denke auch daran, mein Sohn, daß das Niederknicen vor den Bestien nur gut ist, wenn man Löwen oder Tiger vor sich hat. Hat man es mit einem Elepfanten zu thnn, muß man es anders machen. Es giebt auch Elephanten bei diesem römischen Feste? Ich glaubte nicht, da« es in Orange solche Thiere gebe. Di- Aedilen wollten, daß das morgende Fest ohne Gleichen in dem römischen Gallien sei und haben keine Kosten gescheut; sie kauften deshalb den Kampfelefanten von dem Circu» in Nime«, der sehr wild sein soll. Seit mehreren Tagen ist er angekommen. Das ist aber noch nicht Alles, denn, beim Jupiter, unsere ehrwürdigen Aedilen gehen kaiserlich zu Werke; es wird auch ein außerordentlicher Kampf stattfinden, den ich selbst ir meinem Leben nur zweimal gesehen habe, einmal in Rom einmal in Alexandrien in Aegypten. Welcher außerordentliche Kampf? Ehe ich davon spreche, nimm noch einen vortrefflichen h von mir an. Versetze dich im Geist in den CircuS! Du siehst den Elephanten wlllhend auf Dich zukommen, nicht wahr? Ja... Laß Dich nicht von feinem Rüssel umschlingen, sondern wirf Dich platt auf den Bauch, krieche unter ihn uud klammere Dich an eines seiner Hinterbeine an. Er wird Dich dann sogleich treten um sich von Dir loszumachen. So werden Dir in einen Augenblick die Knöchels zerdrückt... Ich werde mich vorzugsweise an den Elephanten wenden, da man von ihm schnell zum Tode gebracht zu werden hoffen kann. Gewiß, aber du mußt flink sein, um zuerst zu dem Elephanten zu kommen; er wird viel Zulauf haben, denn o bald er in der Arena erscheint, stürzen sich alle Sclaven, die von den wilden Thiere getödtet werden sollen, auf ihn zu. Brächte der außerordentliche Kampf, von dem Du prichst, vielleicht eine Aussicht auf noch schnellere» Sterben? Nein, deshalb wünsche ich Dir auch nicht, daß Du es mit diesem Thier- zu thnn hättest. Ich habe in Rom gesehen, daß drei Sclaven in einem Augenblicke die Beine und Arme von den Sägezähnen deS Crocodils abgeschnitten wurden wie mit einem Beile. Ich sehe schon, diese» römische Fest wird vollständig surck den !s h Meifil jeder »och «der I B.-ste Hicrr >»g vi ltirsand Schallmeyer'? übertrofsen wird. Bezamm Blatt! Schon so jung muß Dir der Trieb M läumdung eingeprägt werden! Habt Ihr„ehrllff�. tungSschreiber die Artikel deS„FremdenblatteS des„Soc.-Dem." nicht gelesen? Ja, geleseil° ie; aber Ihr müßt lügen! Wie ist es auch" der betreffenden Sorte von Leuten möglich.- icht alles dies wenig an. Die Tausende von hörten ruhig der sogenannten„Schallmeyern un« Komödie" zu und begleiteten sie mit anhaltend«« Ja sie waren gar so frech, die unverschämte W« tiou zu unterstützen. O Hamburger, warum<- un« das gethan! Wie kommt Ihr nur aus«!«». einen Arbeiter in den norddeutschen Reichstag IV«en n wollen?— Nun, deutlicher konnten sich un» M«hung lichen" nicht enthüllen, dieser Artikel ist ganz i» ade ihrer Werke niedergeschrieben. Wir aber, P?*"»!!Vtni! kehcn innerhalb unsrer straffen Organisafion lest» Jil S folgen wir der Führung unser« Präsidenten»»fferst mit Muth und Energie auf der von Ferdinand' lo» 12- vorgezeichneten Bahn! Wer wollen ffkgm ob» wthalt Jede Verläumdung prallet ab an der Guch".*Wtn, Partei. Ein Jeder halte Wache, ein Jeder s-l �'m: losten nnd der Sieg wird nicht ausbleiben I n' Mih demokratischem Gruß Gustav Kieß§ 4 l �elyerl Verbnndss-Theil. FürdenAllg. deutsch. Arbeiterschaft»-�! Allg. dsokscht derewigte Metallarbeiters�, Offcubach, 30. April.(An die Mitglied'�- den fortwährenden Klagen und Fragen über d» teuer ein Ende zu machen, theile ich den- folgendes mit: Wenn der Ausschuß und da« von dem im Z 3 gegebenen Rechte Gebrauch n" ind sie sich dabei vollständig bewußt, daß dick ür die Mitglieder ist; sie wissen aber auch Zs ob dasselbe zu vermeiden ist oder nicht. Man 1 man solle die Mitglieder zuerst fragen, ehe di> ausgeschrieben wird. Ich möchte daher Alls verlangen, darauf aufmerksam machen, daß" Beschlußfassung über eine solche Steuer nur bi delt, ob der Verein unter Erfüllung seiner a1 bestehen soll oder nicht. Man sagt neucrdingsf � schlag dieser Steuer keinen Namen mehr geben, da � burger alle wieder in Arbeit seien. Es ist jJ'ssch.( weis, wie wenig man sich um den Stand der mert, daß man gar nicht daran denkt, welch« tungcn wir dem Verband und den reisenden statutengemäß gegenüber haben. Ich kann nicht begreifen, wie man sich auch nur einen sträuben kann, die geringfügige Summe von« eine Sache zu opfern, die man als richtig und von welcher man nach den verschiedensten � Vorthelle ziehen kann. Aber es ist eben'■ Kern, daß diese Vortheile nicht vom Hin» kommen, wie das Manna in der Wüste, ff man bei Rechten heutzutage auch Pflichten s Traurigste bei den Protesten ist noch dazu«'. Gegenden, wo der Verdienst ausgesprochen� schlechtesten ist, die Opserbereitwilligkeit die während hingegen bei besserm Verdienst da? gewöhnlich Platz greift. Man betrachtet by die milchgebende Kuh, die sich das Futte« man bezahlt 13 Wochen Beitrag und geht da« chen auf Reisen, da« ist eS, was Viele t)'1' mv�-mant SÄ» vom 20. Februar bis zum 20. April die Ex! zahlt hat. Was würde man wohl sagen,>1», der Schwäche der Kasse das Reisegeld von 2 Ä � gesetzt würde, wenn da? Sterbegeld auf 6 � chen, lb-rt u '»en«-ldi das uns Rom auf einer Galeere sendet, wie ein«"' «der reichen Mann. Wo ist e» ans Land g««,- In Narbonn« und von da hierher ist«'„k Ungeheuern Kübel mit Wasser gebracht worden, •»ter i)gentli r un i«tib i (fS Einn Paar Ochsen zogen. Diesen Morgen hat man• thlim ein lebendige» jnngc« Rind gegeben. Sohn, e« zermalmte ihm die Knochen so leW Katze eine Mau« zerbeißt... Die Sclavcn, die man ihm überliefert, werdck � eh« sie verzehrt werden... Das ist auch Nw'.A'«« und Nein ertrinken können sie nicht, dafür ist P j)-'»ttimi 7 Te, S d- ■i 5t| i»ie. benn Das Becken im Circu« wird mit Schlamw gefüllt und dann nur etwa« Wasser darü»«> damit die Sclabe« mit den Schultern un» d .3« vhäm nrnaW 1, furchtlos und treu. Agitirt für das Partei' üb lr den„Agitator" und für die Lassalle'fchen rlichl?' Es heißt an der Gerechtigkeit unserer Forde« iS" ia> lgwrifilti, wenn man sich nicht sähig fühlt, die- jeden Angriff ju vertheidigcn. Wo die Mit« noch schwach sind, vereine man sich mit den «der halte man Bolksversammlungen ab und das ganze Heufchreckenheer ein. Mit einem Beste ist, wenn man den Stier an den Hör- Hiermit sind fämmtliche Briefe, die Dispens mg verlangten, beantwortet.— ES sind die �rsandt, welche die Auszahlung der Reiseunter- "Itln. Die Bevollmächtigten haben den Reisen« den nöthigen Bescheid zu geben, wo und wann 'inng am nächsten Ort gezahlt wird; die Ren „ aber auch unter keinen Umständen die Unter' larteiza!> einer andern Zeit als der angegebenen zu sefiiw�Jn Schwerin wird ausbezahlt bei F. Bühl- «afferstraße 4. in Aerzeu bei Former H. Becker 12—1 Uhr und Abends von 6—8 Uhr. Die wthalten drei Fehler. Für Karlsruhe muß e« °a>ken, Spitalstr. 3, für Leipzig: Kohlenstr. 7, ■deiin: Zweibrückncr Hof, Mittags von 12— 1 Mitglied Gehrkens aus Lüneburg ist aus i aald Zand odu inhcil ei a» M iessi'«"§ 4 ausgeschlossen. M«! IN 1 • db All',. „fi rf Mit social-demokratischcm Haustein. d»- i - d�«sch �:: tili �«fw Supctlbttfln deutscher Hslzsrleiter. I«®!'' 29. April.(Zum Strikt.) tollegen, 'i,«lm Orten, haben wir auch hier einen schweren . a bistxh� Unsere Meister weigern sich hart- lied'> unsere �Bedingungen einzugchen, trotzdem wir «Ki ��h'rigcn Arbeitslöhne aufrecht erhalten wollen. a>dr!gens alle einig und von festem Muth beseelt; a«? A Collegen werden, sobald ihre gerichtliche Klage ch"J I SßrfjlK entschieden ist, abreisen. Die Berhci- di'�jderden dann den Kampf allein zu führen haben. feststehen zur Fahne kassalle», wie allezeit >n. Unsere Forderung ist eine völlig gerechte, Ken daher alle Parteigenossen in Deutschland, >>n Stich zu lassen. Etwaige Uutcrstützungen senden an unfern Bevollmächtigten unter der r.v Fahl, Pinueberg. Uebcr alle eingelaufenen �«3 fc ll'naue Abrechnung abgelegt. Mit Gruß �lag L. Sievers, sa_ Gewerkschaft der Schneider, Kirschuer uud Kappe««acher. , 2. Mai.(Strikt.) Die Arbeitsein —.'rt unverändert fort. Die Meister suchen au " z"»en Gesellen einzuwirken, indem sie das Eomite 111 j Die Polizei ergreift vollständig die Partei für „ Mber. Die feiernden Gesellen werden aus« 'll A selbst wenn sie den Nachweis liefern, daß sie '.""itethaltsmittel haben. Und gerade sucht man Mtln an den Leitern de« Strike» auszuüben. ie� sind abgereist. Wir harren fest au« und .„ � den Sieg erringen, wenn uns unsere Arbeits, ..j, �Kräftig unterstützen. Unterstützung ist aber größten Wichtigkeit. | �»emeiner deutscher Maurer-Berei». «eutur», 3. Mai.(Strike.) Hierselbst haben lel n Arbeit niedergelegt. Vor Zuzug wird ge- da»' v�sillyungen sind zu senden an W. Schlaue, ierll>« in 50a' Näherer Bericht folgt. ,'ciXn-' Mai.(Strike.) Die Maurergesellen, ' d» �.-�vhl, haben die Arbeit niedergelegt; dieselben »K,« Lohnerhöhung. Vor Zuzug wird gewarnt. mgen sind zu senden an Franz Schmalz in der Hanau. 126 Mann sind zum Allg. deutsch NN beigetreten.«. Hounsel. AdelicheS Bettrlvolk. "Üiti« ,�'''tcn bor Kurzem eine Schilderung dunkler "j ii � d'u Reihen des österrUchischen Adel« mit, tsa der Tribüne aus düs Tressendste kuv st j? Mb der zum Lumpenproletarial zählenden adeli« Im,», charaklerisirt, die, zu faul und zu stolz zur al i t? �'ltel als verschämte Arme ihr Leben fristen. > flsir, welcher speziell Wiener Verhältnisse be« !t)nntt librigenS eben so gut den Schm .'« Dresden verlegen, wo es genug dergleichen ficu� giebt. Die Schilderung lautet, wie folgt: l1"1, �°ße Masse des weiblichen Bettlerthums geht »'i z. Ziel loS. Ein geringfügiger Unterschied in itj'Jvirb nur durch da« Alter bedingt� Am ein sCch.gurme herauSragen. Ucber die Art, wie träglichsten ist natürlich das Geschäft, wenn eine alte Frau und eine junge schöne Dame sich zusammen thun und dann als Mutter und Tochter figuren. Ein Lebemann wider- teht ja nicht leicht den rührenden Bitten und Klagen eines ungen, schönen W-senS, das, auf seine Großmuth ver- trauend, ihn in Begleitung der Mutter aussucht, zumal, wenn letztere sich diskret zurückzieht. Regelmäßig wird dabei der Vorwand benutzt, eS handle sich um eine Unter- iützung zur Ausbildung der Betreffenden in der Musik oder im dramatischen Fache, obgleich sie natürlich weder Begabung besitzt, noch jemals derartigen Unterricht genossen hat, noch in der Zukunft zu nehmen gedenkt. Die vor- nehme Well und die Aristokratie de« Geldes wird durch p-rsinliche Besuche dieser Damen beglückt, die mit dem vollendetsten Anstände dem Diener ihre mit wirklichen oder erlogenen Titeln verzierten Visitenkarten behufs An« Meldung überreichen und deren elegante Toiletten auf Alles eher, als auf eine Bettelei schließen lassen. Die andere Menschheit wird, namentlich so weit sie dem jungen männlichen Geschlechte angehört, unbeweibt ist und sich eines irgendwie bekannten Namen« erfreut, mit Briefen um Unterstützung von Seiten dieser Baronessen ic. geradezu überlaufen. Regelmäßig ist am Schlüsse dieser oft nicht ohne Geist, jedenfalls aber schablonenhaft gearbeiteten Herzensergüsse eine freundliche Einladung zum persönlichen Besuche beigefügt, oder auch die Bercilwilligkeit erklärt, selbst zu kommen oder die Tochter zu schicken, wenn man es wünschen sollte. Dieser Unterschied in der Behandlung der Stände entspricht durchaus der langjährigen Geschäfts- praxi«. Einen Brief absenden ist offenbar eine kürzere, leichtere und mit weniger Auslagen verbundene Aufgabe, als die Abstattung eines Besuches. Da nun die Aussicht, bei den Spitzen derGesellschaft etwas herauszuschlagen, weit größerist, als bei denLculen de« wohlhabendcnBürgerstandcs, so riskirt man den unmittelbaren persönlichen Besuch, gleichsam als CapitalSanlage, nur bei der Aristokratie und begnügt sich in den anderen Kreisen zuerst mit der billigeren An« knüpfung auf dem schriftlichen Wege. Doch wozu diese Beschreibungen! Werfen wir einmal im Interesse unserer Leser den ernsten, trockenen' Ton bei Seite und machen wir einen Besuch bei einer solchen Bettlersamilie, bclau- schen wir sie in ihren Gesprächen! Geben wir mit einem Worte die Photographie dieser zugleich drolligen und ge- meinen Specie«! Wir wandern zu diesem Ende in eine der elegantesten Vorstädte Wiens, etwa nach Mariahilf, suchen dort eine der lebhaftesten Straßen, nämlich die Neubaugasse auf und begeben uns in ein elegantes drei- stöckiges Haus, dessen Nummer wir natürlich nicht nennen dürfen. Im ersten Stocke desselben fällt uns ein elegantes kleines Messingschild auf mit der Aufschrift: Eulalie, Baronin v. Z., k. k. Majorsgattin. Wir treten ein. Durch ein einfaches Vorzimmer gelangen wir in einen nach dem neuesten Geschmack möblirten Salon, durch dessen eine Thüre un» die Aussicht in eine Reihe von drei kleineren Zimmern eröffnet wird. Es ist Nachmittag« zur Vesper-, oder«ic man hier sagt zur Gausezeit. Auf dem Sopha sitzen mehrere Damen und schlürfen behaglich den Mokka, welchen ein sauber gekleidetes Dienstmädchen in silbernen Gesäßen servirt. Es ist nämlich Gesellschaft bei der Frau Baronin. Die Damen find sämmtlich elegant, theilwcise sogar auffallend gekleidet und plaudern mit jener Unbe- sangenheit, welche sonst nur den besten Ständen eigen zu sein Pflegt, zugleich aber auch in der geistlosen Weise, die ebenso charakteristisch, wenigstens für die Wiener Gesell- schaft ist. Die Frau Baronin selbst, in schwerer Seide einherrauschend, ist die Seele der Gesellschaft. Sie hat das behäbige Aussehen einer reichen Bürgersfrau, wozu die goldene dicke Uhrkette und die nicht ganz modernen, goldenen mit Edelsteinen besetzten Ringe sicherlich das Ihrige beitragen. Heute ist kein Herrenempfang, obgleich später doch vielleicht der Liebhaber der Tochter auf einen Augenblick herauf kommen dürste. Dieses ist auch der Grund, weshalb Sidonie, die Tochter des Hauses, mit ihrer Freundin im Nebenzimmer plaudert und nicht aui Koffcetische Platz genommen hat. Sic hat ihrer um einige Jahre älteren und im Geschäft so viel erfahreneren Freundin so viel zu erzählen, denn ihr ist heute etwa« sehr, sehr Unangenehmes passirt. Doch treten wir in das Nebenzimmer. In der einen Ecke dieses freundlichen und trauten Gemaches sitzen zwei allerliebste Mädchen dicht aneinander geschmiegt. Sidonie ist eine reizende Blondine von 18 Jahren, zart und schlank, deren Blick und ein gewisser Zug um den Mund Trotz, um nicht zu sagen, Entschlossenheit vcrrathen. Wilhelmine, Edle v. B., Tochter eine« ehema- ligen Hosrathe», ihre Freundin, ist eine volle Gestalt mit blassem, von schwarzen Locken umrahmten Gesicht. Etwa 20 Jahre alt, macht sie nicht mehr den Eindruck der frischen Mädchenunschuld, wie Sidonie. Dafür betrachtet letztere ste auch al» ihre Lehrmeistcrin und folgt allen ibren Rathschlägen. Wer uun aber die beiden jungen kfr» vituti Vit tili, ivit im � Lroeodil entgegenzugehen hat, kann ich Dir ' da ich keine Erfahrung in diesem Punkte ■nid? übrigens die Sclaven den Thicren ' A Stben werden, hast Du Zeit und wirst einem k W-n Gladiatorenkämpfe beiwohnen, die man i»flln hat: acht Paar zu Pferde und fünfund »r zu Fuß. Man sagt sogar, aber da« ist . gewiß, daß nach der neuen Sitte in Rom "Itter vornehmen Frauen mit einander kämpfen � Vornehme Frauen? «hWI un vornehmsten. Der Mann, welcher das ...«.us Italien gebracht hat, erzählte un», er habe lv- Ifens in Rom fünf Paar Frauen, Gattinnen i zlug'', Ulli/. '«'N und Rittern, theils unter einander, theil« !lw f a-t�'�en und zwar mit unglaublicher Wuth käM' 1 wie denn auch oftmals Herren, Ritter als gegen Sclaven kämpf» n, die natürlich nicht Und. Die Sclaven bekommen nur Waffen, "Kr einander auf Leben und Tod kämpfen, '.gentlichcn Gladiatoren, z. B. der berühmte und andere Schwerthelden. E« wird ein . uv werden! Auch, setzte der Schließer lachend in Folge der neuen Methode der Aerzte ''ver, zu denen ich gehöre, schöne Einnahmen Einnahmen? siinl Jt-L 9I" lz�unahmeu? . in'1 b 5 denn nicht, welche wunderbaren Heilkräfte I-#:« /ttaukheite» die Leber eine« eben getödtclen „jji»„Wt? Die Aerzte halten sich deshalb in der .hz-! b- die noch warmen Körper der Gladiatoren Ineär U� nn die Leber muß warm au« den Leibe j,?�deu, wenn sie ihre ganze Kraft begatten ' Bcrkaus dieser Lebern ist unsere Einnahme, den Geschenken der Alten und FallsW'gen, > tn in dem Tode suchen,— Du wirst i wie. Freilich es ist für un» auch nicht Alle» 'venu ist da« Fest vorbei, sind die Kerzen ver« „ a* Theater öde, leer und dunkel... ach, In Zauderst Du so? WaS geschieht, wenn da» Vi! v»d dunkel ist? ». Mint die Stunde der Hexen. 'v' wiederholte Sylvest und auch er schau �'hun sie in der Nacht im Eircus? - A'it kommen die Zauberinnen in der Ge. '"'"n, Wölfinnen, Schlangen, Raubvögeln und unbekannten noch schrecklichen! Thieren in der Nacht hierher, umeinander, wegen ihrer Zaubereien, die mensch« lichen Ueberreste streitig zu machen, mit denen der blutige Sand der Arena bestreut ist. Wie oftsmals habe ich, ein alter Soldät, in meinem Häuschen von fern das Geschrei und entsetzliche Knurren der Hexen gehört, welche einander die Flcischstückc, die Menschenköpfe entreißen, an denen die Zähne der wilden Thicre genagt. Ach, mein Sohu, der kalte Schweiß tritt mir auf die Stirn, wenn ich an da» schauerliche Geräusch denke, das ich in der Nacht nach dem Feste wieder hören werde. Diese Worte txeckten neue Angst in Sylvest. Viel' leicht kam Siomara auch al« Wölstn daher, um den an- dern Zauberinnen die Ueberreste des Körpers ihres Bru« der« streitig zu machen. Er verbrachte die letzte Nacht fast schlaflos in seinem Kerker, da er immer fürchtete, Siomara werde erscheinen. Den Göttern sei Dank, sie erschien ihm nicht; ohne Zweifel wußte sie nicht, daß er in der Arena sterben sollte und wartete auf ihn, ihrem Versprechen treu, an Diabolu« sich nicht zu wenden, be vor sie Sylvest wiedergesehen. Der Festabend kam. Zwei Stunden vorher erschien der alte Schließer und statt Sylvest die gewöhnliche Kost zu bringen, sagte er zu ihm: Mein Sohn, Du hast heute Freiessen. Frcieffen? Du kannst verlangen, wo« Du willst, bis zu einem gewissen Preise. Die achtzig Sclaven, welche gleich Dir für die wilden Thiere bestimmt sind, haben eben so freie Wahl... E» ist ein alter Gebrauckt. Ja, den Aedilen liegt wahrscheinlich daran, daß die Löwen, Tiger und Trocodile gut genährte Sclaven zu ihrem Festgelage finden. An mir werden ste stch aber täuschen, denn ich esse heute gar nicht. Da« ist seltsam, entgegnete der Schließer, indem er Sylvest nachdenklich ansah. Ihr seid hier etwa dreißig Gallier, und alle sind fest wie Felsen, während die römi- schen, spanischen, deutschen, arabischen, hebräischen, alle— doch nein, nicht alle— die hebräischen Sclaven haben auch viel Muth, kümmern sich wenig um den Tod und sagen, ihr wahrer Messias werde kommen... Wa« ist ihr Messias? Da» weiß ich nicht, mein Sohn. Ein Mann, sagen ie, der glücklicher als die zahlreichen Messta», welche bis dahin aufgetreten, ihr Volk von dem Joche der Römer frei machen werde, denn Rom beherrscht da» Land der Hebräer, wie die übrige Welt... Diese Hebräer sind v»r dem Tode auch sehr fest, während die andern, bis Mädchen in ihren gewählten und durchaus modernen Toiletten sitzen sähe, würde an Alles eher denken, als daran, daß er sich denn doch nur bei einem Paar Bett« lerinnen befände, die, zu faul zur Arbeit, lieber dieses traurige Gewerbe betreiben. Auch die ganze Umgebung, wie die Gesellschaft im Salon hat einen sympathischen, feinen Anstrich, so zwar, daß der Fremde auch nicht enl« fernt auf eine solche Bermulhung kommen könnte, um so mehr, da diese Damen das Schimpfliche ihrer Existenz gar nicht mehr empfinden. Das Bettlergewcrbe gilt ihnen für mindestens so ehrbar, wie jede« andere, jedenfalls aber für viel passender und weniger entehrend für die Aristo- kratic, als die Arbeit. Indessen auch die Bettelei hat ihre trübe Seite, hören wir nur, was Sidonie ihrer Freundin soeben über ihre heutigen Erlebnisse im Hause de«..... Botschafters erzählt, der in der inneren Stadt, Ringstraße No.... wohnt und dem sein Glaube verbietet, seine zahl- reichen Weiber mit in das lebensfrohe Wien zu bringen. „Ich war," so erzählt Sidonie,„heute Vormittag bei diesem Heiden"(Sidonie ist, wie alle ihres Standes, sehr fromm, d. h. sie geht fleißig in die Kirche ihrcs Spren- gelS und beobachtet die sonstigen äußerlichen Kirchenvor- schriften genau, das gehört zum Geschäfte.) Du hattest ja so viel von seiner Noblesse erzählt und die Mutter drängte. Aber e« ist ein abscheulicher Mensch, hätte ich da« gewußt, niemals wäre ich hingegangen!"„Ja, wa« ist e« denn, erzähle doch weiter," drängt Wilhelminc, „die ein Lächeln nicht unterdrücken kann."„Nun, die Mutter und ich fuhren bei ihm vor, ich in meinem besten Eeidenkleide, Du weißt doch, da« blaue Moiree-Antique- Kleid mit der Schleppe. Der Lakai, der uns meldet, kommt mit der Antwort zurück, daß nur das Fräulein von Seiner Excellenz empfangen werden könnte. Die Mutter geht in Folge dessen gleichmüthig zum Wagen zurück; ich bekam zwar Angst, aber was sollte ich thun?" „Nun natürlich, Du gingst allein hinein, ich habe e« auch s» gemacht," stimmte die Freundin zu.„Leider! Hätte ich gewußt, was mir dort bevorstand, niemal« würde ich hingegangen sein. Ich wurde also in einen großen Saal geführt, in welchem sich ein Offizier, ein schöner junger Mann, befand, der sehr liebenswürdig war und mich sogleich Seiner Excellenz melden zu wollen ver- sprach. Es verging indeß geraume Zeit, fast eine Stunde, ich wurde schon ungeduldig, al« endlich ein Kammerdiener erschien und mich aufforderte, ihm zu folgen. Wir Pas' sirten eine Flucht der elegantesten Zimmer, bi» wir Plötz lich vor einer geschlossenen Thür stehen blieben, welche er öffnete, mich eintreten ließ und dann wieder schloß. Die Einrichtung desselben war echt orientalisch, schwellende DivanS zogen sich längs der Wände hin. Während ich mich so umschaue, öffnet sich eine unsichtbare Thür, welche in der Wandtapete angebracht ist, und Seine Excellenz, tritt in ziemlich derangirter Toilette herein. Hu, ist der häßlich!"„Ja, was thut denn das?" warf Wilhelmine ein.„Du wirst es gleich hören. Er entschuldigt sich, da gerade jetzt seine Badezeit sei und bittet mich, Platz zu nehmen. Alle« französisch. Ich trage ihm die bekannte Geschichte vor, Du weißt ja, von dem Musikunterrichte und bitte ihn dann um eine Unterstützung. Da ich nicht gut französisch spreche, wird er wahrscheinlich nicht viel verstanden haben. Inzwischen hatte er mich unablässig betrachtet. Ich mußte ihm gefallen haben, er drückte meine Hand, sagte etwas, aber so schnell, daß ich es nicht verstehen konnte und zog mich dann in da« Nebenzimmer. Dieses war ein mit dem höchsten orientalischen Luxus eingerichtetes Badezimmer und dem andern Zubehör. Hier nöthigtc er mich wieder zum Sitzen und als ich, erstaunt und geängstigt, ihn bat, mich doch zu entlassen und mir etwas zu geben, lachte er laut und fragte, weS' wegen ich denn sonst gekommen sei. Daraus umfaßte er mich— all' mein Sträuben, mein Weinen und Schreien war umsonst— der rohe Heide!— O, mein Arthur, was würde er sagen!"— So seufzt sie, da» Gesicht mit beiden Händen bedeckend.„Na tröste Dich, Du kleines Närrchen, das ist schon einmal nicht anders. Ich war aber doch gescheiter al« Du; diesen eitlen alten Geck habe ich mir vom Leibe gehalten," sagt Wilhelmine. „Doch erzähle Weiler, mich mteresstrt das, wieviel gab er Dir denn und wie kamst Du heraus?"„Ich lief mehr als ich ging und vergaß ganz das Geld. Mein Kleid war zerrissen, nein Haar in Unordnung. Ich lief durch die Zimmer uro verfehlte natürlich den Ausgang. Plötz- lich kam mir wieder der Kammerdiener entgegen, führte mich zur AuSgangSthüre und überreichte mir ein Eouvert von feinem Herrn mit zwei Hundertgulden-Schcinen. Ich war froh, als ich erst bei der Mutter im Wagen saß, ich tonnte mich vor Zorn und Aufregung gar nicht fassen. Ich wundere mich nur, daß sie nichts davon bemerkt hat. Sie fragte zwar, warum eS denn so lange gedauert habe, drang aber nitbt weiter in mich. Ach, wenn Arthur etwas erfährt, bin ich verloren!"(Arthur ist nämlich der Sc- lievtc des Fräuleins.)„Nun, der braucht just Nicht» da- von zu wissen!" meinte die erfahrene Freundin.„Uebri- gcnS will ich Dir doch erzählen, wie ich es angestellt habe bei Sr. Excellenz dem Herrn Botschafter. Auch mich wollte man durch alle die Zimmer führen, ich erklärte in- dessen, Se. Excellenz im Empfangsaule sprechen zu müssen, und so kam er denn endlich, wahrscheinlich aus Neugierde. 'Nachdem ich meine Bitte vorgetragen, lud er mich ein, ihn in feine Privatzimmer zu begleiten. Ich verbeugte mich, zum Zeichen meiner Zustimmung, bat aber vorher um die Erledigung meines Ansuchens. Ungeduldig griff er in die Tasche und gab mir blos einen Hunderter. Ich dankte, drehte mich um und ging ruhig zur Thüre hinau«, noch ehe der verblüffte und verliebte Narr recht zur Be» Innung gekommen war. Nachlausen konnte er als Bot« chaftcr doch nicht, das hätte ihn vor seiner Dienerschaft vlosgestellt und so blieb er ganz ruhig und ich entfernte mich unbelästigt. Freilich, wäre er nur ein wenig hüb» scher gewesen oder hätte ich gewußt, daß Du 200 Gulden bekommen hast,—— ich wäre auch vielleicht--" „Nicht mitgegangen, ich bitte Dich, Wilh-lmine!" ruft Sidonie voll Schrecken.„Ja warum denn nicht, D« kleine Närrin!" erwidert Erstere, indem sie die Freundin zärtlich umarmt:„Bist Du in Deinen Arthur närrisch verliebt! Ich denke, wenn der Mann Einem nicht zuwider ist, und dann die 100 Gulden..."_ auf Euch Gallier, den Abend mit wachsender Angst und Verzweiflung herankommen sehen. Ihr zuckt nicht mit den Brauen; mehrere machen Späße wie Du. Woher kommt das, mein Sohn? Das kommt daher, daß unsere Götter und die Druiden un« gelehrt haben, der Mensch sterbe nie. � Immer machst Du doch Spaß! Wenn nach einigen Stunden Deine Knochen unter den Zähnen der wilden Thiere»erbrechen, wenn Dein-Körper in Stücken zerrissen wird, stirbst Du nicht? Stirbt der Körper, weil die Kleider, mit denen man ihn bedeckt, sich abnutzen und durch andere ersetzt werden? Nein, die Kleider vergehen, der Körper bleibt. So ist e« auch mit unserem Leben; eS ist ewig und wechselt die Hülle, wie wir die Kleider wechseln. Wenn heute Abend das letzte Stück meines Fleischklcide« von den wilden Thieren zerrissen ist, werde ich einen neuen Körper erhal- ten, wie ein neue« Kleid und in unbekannten Welten weiter leben, wo ich die wiederfinde, welche ich hier ge- liebt habe. Der Invalide sah Sylvest verwundert an, zuckte die Achseln und sagte: Wenn Ihr Gallier da« glaubt, wird Euch der Muth freilich leicht und ich wundere mich nicht mehr, daß Ihr in der Schlacht wie rasend sei... Also Du willst keinen Gebrauch von dem Freiessen machen? Nein. Du thust nicht Recht daran. Ich habe immer sagen hören, der Mensch mit leerem Magen sterbe länger, al« der mit vollem. Indeß ganz wie Du willst. Mit Son« ncnuntergang werde ich Dich abholen und Du wirst Dich wenigstens rühmen können, eines der schönsten Schauspiele gesehen zu haben: zuerst der Kampf von acht Paaren Gladiatoren zu Pferd, dann fünfundzwanzig Paar Scla« ven, welche gezwungen werden, auf Tod und Leben zu kämpfen, dann wird der reiche junge Herr Norbiac in dem Circu» erscheinen. Um sich zu schlagen? Norbiac? Mit wem? Bloßes Gaukelspiel, aber eS ist Sitte. Er wird sich, bi« an die Zähne gewappnet, mit einem Sclaven schlagen, der nackt und mit einem Schwert von Blech, ohne Spitze und Schneide, versehen ist. Unsere junge Herren lieben diese Unterhaltung. Dann folgt der Kampf der Frauen, von dem ich Dir schon erzählt habe, denn er wird be- stimmt stattfinden, die Frauen werden kämpfen. Welche Frauen? Zwei der schönsten in Orange; eine vornehme Rö- merin und eine berühmte freigelassene Buhlerin. Vermischtes. —(Aus dem Berliner Polizeigefängnisse.) Die„Slaalsbrg.-Ztg." schreibt:„Es ist eine bekannte, oft beklagte und bewiesene Thatsache, daß, ganz abgesehca von den Uebeln der Untersuchungshaft, dieser barbarischsten aller anderen StaatSeinrichiungen, leider die Behandlung der Polizeigcfangencn, d. h. derjenigen ehrenhasten Bürger, welche nur dann irgend einer unwesentlichen Uebertrctung einer Polizeivorschrist halber in Hast genommen werden, wenn sie zu arm sind, die ihnen auferlegte Geldbuße zu bezahlen, hier in Berlin eine weit härtere zu sein pflegt, als diejenige der wirklichen, gemeingefährlichen Verbrecher. Man hoffte, daß dieserTlebelstand mit der Verlegung de» PolizeigesängniffeS vom Molkenmarkt nach der Eiscnvahn- straße sortsallen würde. Daß dies indessen nicht geschehen sei, daß vielmehr Grund zu den allerärgsten Klagen vor- liege, führt in sehr drastischer Schilderung eine gegen- wärtig an das Polizeipräsidium gerichtete Eingabe de« Fuhrherrn Gragert aus, der seine Bitte um Revision des Gefängnisse« uud Abstellung der vorhandenen Ucbel mit uachstehenoer Erzählung seiner eigenen Erlebnisse motivirt: Herr Gragerr, ein sonst durchaus unbescholtener Bürger, war eines geringen Verstoßes gegen die Fahr- ordnung halber in 3 Thaler Geldstrafe genommen wor- den, statt deren Zahlung er eventuell drei Tage in Polizei« Haft treten sollte. Er meldete sich am Freitag, 22. April, Mittags, zum Antritt dieser Haft. Bevor man ihm eine Zelle anwies, wurde er von den Schließern in gewohnter Weise auf's schärfste visttirt, und bei dieser Gelegenheit beschuldigt, Ungeziefer an sich zu haben. Vergeblich be- stritt er dies unter Hinweis aus sein frisch angelegte« Hemd; vergeblich forderte er den Schließer auf, ihm eine» der angeblich gesundenen Insekten, deren jede« er mit einem Thaler bezahlen wolle, zu zeigen: Er wurde— nicht etwa in ein Bad gebracht und zur Anlegung von reinen Ge- fangcnenkleidcrn gcnöthigt, wie dies bei Richtigkeit jener Bezichtigung im Interesse der nothwendigen Sauberkeit und Reinlichkeit zu erwarten gewesen wäre— sondern in eine sehr schmutzige, von üblem Duft erfüllte Zelle ge« stickt, in welcher bereit« zwei höchst unsaubere Gesellen ihr Wesen trieben. Der eine derselben, mit noch nicht abgeheilten Pockengeschwllren bedeckt, also in einer Ver« saffung, die füglich seine derzeitige Ausnahme gänzlich hätte verbieten sollen, verursachte Herrn Gragert durch seinen körperlichen Zustand denselben Abscheu, wie der an- dere durch den Zustand seiner Bekleidung, die buchstäblich nur noch in losen Fetzen bestand und nicht hinreichte, seine Scham zu bedecken. Voller Ekel pochte»nd bat der in so unheimliche Gesellschaft geworfene Bürger so lange, bis endlich nach stundenlanger Verhandlung ihm in barscher Weise eine andere Zelle augewiesen wurde. Hier befand er sich zwar allein, doch der Schmutz, der an den Wän« den, tn den Winkeln, aus den Dielen sich zeigte, die schmutzigen Lumpen, die hinler dem Ofen lagen, erzeug- ten ihm beinahe gleichen Ekel, wie die Gesellschaft jener beiden Mitgefangenen. Und als Gragert über diese Un- sauberkeit sich beklagte, wurde ihm erwidert, man habe keine Zeit, die Zellen alle Tage gründlich zu reinigen!— Am nächsten Tage, nachdem der arme Gefangene nun selber da« Gemach nach Möglichkeit gereinigt hatte, wurde Ihr Name? fragte Sylvest besorgt. Kennst Du ihre Namen. Die vornehme Frau ist Faustina, eine Patrizierin dieser Stadt. Die Buhlerin hält sich erst seit kurzem in Orange auf und heißt die schöne Gallierin. Dann werden wir einen Kampf aus Leben und Tod zwischen dem berühmten Libanon und Bibrix haben, dem derühm- testen Gladiatoren von Nime«. Zum Schlüsse werden die Sclaven den wilden Thieren überlassen und da vir- giß Du, mein Sohn, die Rathschläge nicht, welche ich Dir gegeben habe. Sylvest blieb allein. Mit Staunen hatte er die Kunde von dem Kampfe Siomara« und Faustinns vernommen Au« welchem Grunde sollten die Beiden mit einander kämpfen?� War Libanon der Gegenstand der Nebenbuhler. schast? Sylvest konnte es»nicht glauben; er erinnerte sich, mit welcher Verachtung Siomara den Gladiator be- handelt hatte, obgleich sie ihm beim Abschiede einige freundliche Worte gesagt. Freilich waren seil jener Nacht drei Tage vergangen. Siomara hatte vielleicht den Li- banon al« Liebhaber angenommen mehr au« Haß gegen Faustina, al« au« Neigung zu dem rohen, ungebildeten Gladiator; denn Sylvest erinnerte sich des Geständnisse« Siomara«, daß ste au« Ueberdruß an der Wollust sich der Zauberei ergeben, er erinnerte sich mit Schauder im» ohne e« glauben zu können, der gräßlichen Andeutung des Verschnittenen in Bezug auf Bclphegor. Darüber aber wunderte er sich nicht, daß die vornehme Faustin» bei diesem Kampfe die Grenze überstieg, welche sie von der freigelassenen Buhlerin trennte. Denn auch in Rom kämpften zuweilen die vornehmsten Frauen entweder unter einander oder mit Sclavinnen und eine freigelassene Buhlerin stand so ziemlich in demselben Range, wie eine Sclavin. Nur da« überraschte ihn, daß Siomara diesen Kampf angenommen halte; vielleicht rechnete ste auf ihre Zauberkraft, um siegreich hervorzugehen. Diese Gedanken beschäftigten Sylvest bi« zu Ende de» Tage». Als die Sonne unterging, hotte der Schließer den Sclaven zu dem römischen Feste ab. Werde ich den wilden Thieren mit den Handschellen und mit den Ketten an den Beinen überliefert? fragte er den Kerkermeister. Werde ich nicht losgemacht? Nein, mein Sohn. Ihr werdet alle zusammen in ein vergitterte« Gewölbe geführt, das mit der Arena in Ber- binduug steht und da Ihr, bis die Reihe an Euch kommt, eingeschlossen seid, könntet Ihr Euch unter einander um« bringen. Darum kann man Euch erst einige Augenblicke vor Eurem �Eintritt in den Eircus losketten. Folge mir nun, meinSohn, und nimm meinen Wunsch aus ein rasche» Ende hin.(Fortsetzung solgt.) ihm dann die Ziimuthung gestellt, einen von ihm selber noch nicht benutzten Cloakrimcr von dem stinkenden, scheust« lichcn Schmutze, den seine Borgänger darin zuriickgclassen halten, zu säubern. Entschieden weigerte er sich dessen. Zur Strafe abcr wurden ihm nun die Fenster in einer Weise vcrbarrikadirt, daß kein Lichtstrahl hindurchdringen konnte; Strohsack, Decke und Schemel wurden entfernt, und in dieser nun stockfinsteren, vollständig geräthloscn Zelle mußte der Mann vicrundzwanzig Stunden lang bei Wasser und Brot zubringen, welches ihm durch ein Schub l»ch der Thür zugereicht wardl" —(Allzu großer Eifer.) Die„Hartung'schc Ztg." in Königsberg beklagt sich bei Gelegenheit eines neuer- ding» vorgekommenen Falles über wiederholt dort verübte amtliche Uebrrgrifsc von Polizeibcamten gegen unbeschol tcne Frauenspersonen, die sich zufällig, später als jgewohw lich, am Abende auf der Straße blicken lassen. So ging in der Nacht zum Mittwoch ein solches junges Mädchen, eine Schneiderin, die wegen dringender Arbeit länger als sonst von ihrer Arbeitgeberin aufgehalten worden war, aus dem Wege nach ihrer Wohnung läng« der Straße, al« sie, an der Zappa'schen Hofconditorei angelangt, von einem Gendarmen angehalten und ohne alles weitere, trotz aller Begütigungen, zur Wache gebracht wurde. Hier angelangt, halsen alle Versicherungen und Betheuerungen des Mädchen« nichts, ja, als dasselbe nicht, wie es der Gendarm vermeinte, sofort den richtigen Weg nach der Zelle, in die sie eingesperrt werden sollte, fand, wurde sie sogar sehr unliebsam von dem Beamten behandelt. So mußte das unbescholtene Mädchen die Nacht hindurch unter wirklichen Dirnen zubringen, von. welchen sie wegen ihre» Weinens, das dieselben in ihrem Schlafe störte, eben keine freundliche Behandlung erfuhr;— ja am Morgen mußte sie sich sogar wie diese, dem Polizeiarzte unterwerfen. Das Mädchen befindet sich in Folge dieses Vorfalles in einem bejammernswerthcn Zustande, an den sie Zeit ihres Lebens denken wird. —(Die Wohnungsnoth,) welche bei dem letzten Ouartalswechsel in Berlin zu Tage getreten ist, hat, wie wir bereits berichtet haben, dem Polizeipräsidium Beran lassung gegeben, über Umfang und Charakter des Woh »ungSmaugelS Ermittelungen anzustellen. Wir theilen nach träglich noch einiges darüber mit, welches wir den Berliner Blättern entnehmen. Es war festzustellen: 1) Wie viele Fa Milien waren am 1. April 1870 in Berlin wohnungSlo»? L)Wit vieleKöpfe zählten diese Familien? 3) Wie verthcilten sich dieselben in den einzelnen Revieren und auf die ver« schiedenen Stadtthcilc? 4) An welchen Klassen von Woh »ungin bezüglich der Höhe des Miethsbctrages und der Lage im Hause war vornehmlich Mangel? und 5) Welchem Geschlecht und welchem Verufc gehörten die Häupter der »ohnungSlosen Familien an? Die Ergebnisse sollen fob gende sein: Am 1. April 1870 befanden sich in Berlin wohnungslos 350 Familien mit 1L04 Köpfen. Von die fen Familien halten in ihren letzten Wohnungen Micthc bezahlt bis 30 Thlr. 121 Familien; von 31 bis L0THIr. 175; von 61 bis 100 Thlr. 36, und endlich über 160 Thlr. 18. Der WohnungSmangcl erstreckte sich somit zu bei Weitem größten Theile(396 gegen 54) aus kleinere Wohnungen zu einem MiethSPreisc unter 60 Thlr. In Bezug aus den dritten Punkt der Ermittelungen übergehen wir die speciellcn Angaben und bemerken nur generell, daß In den nördlichen, östlichen und südöstlichen Sladtthci- le» der WohnungSmangcl am stärksten hervorgetreten war; das 10. Polizei-Revier in der Rosenlhaler Vorstadt figu« rlrt in der Liste allein mit 37 wohnungslosen Familien — Bon dicfen 350 Familien wohnten 178 in Vorder gebäuden, 102 iu Hof- und Seitengebäuden und 70 in Kellerwohnungen. In Bezug aus Geschlecht und Berus der Häupter der wohnungslosen Familien befanden sich unter denselben 101 Frauenspersonen— Wittwcn, geschienene und eheverlassene Frauen und unverehelichte FraucnSl Personen mit Kindern— 69 Arbeiter, 54 Bauhandwerker, Schmiede, Schlosser und Former, 31 Schuhmacher, 21 Schneider, 17 Maler, Tapeziere, Buchbinder, 16 Dienst- männcr, Lohndiener und Kellner, 9 Handelsleute, 8 We- der, 6 Droschkenkutscher, 5 Müller, Bäcker und Schläch- ter, 4 Schreiber und Buchhalter, 4 Tuchmacher und Hut- macher, 3 Beamte und frühere Offiziere und endlich ein Musiker und ein Schauspieler.— Die 1604 Personen sind zwar inzwischen unter Dach und Fach gekommen; dagegen sind die Fälle nicht vereinzelt, daß cinzelne Stu Pen nunmehr von drei verschiedenen Familien bewohnt poerdtN«nd Räume, welche früher Zubehör selbst zu den kleinsten Wohnungen waren, jetzt al» besondere WohnmigS räume vermiethet sin». —(Diätenverweigerung.) In einer der letzten Gitznngcn der Elberfelder Stadtverordnete» wurde mit 13 Stimmen gegen 11 Stimmen der Beschluß gefaßt: „dem künftigen Vertreter der Stadt Elberfeld im Herren hause keine Diäten zu vergüten." Die„Kreuzztg." nennt »a» eine„Demonstration", bei der Diätenfrage für Reichs tagsabgcordnete denkt das Blatt bekanntlich anders. Wir Seveu dem Sladtverordnelencollegium vollständig Recht, daß es kein Geld ausgeben will für eine, wie es uns dünkt, sehr üderflüsstze Institution. —(Auch ein Lohnarbeiter.) Der Umstand, daß »ei der jüngst aufgefundenen Leiche de« bei einer Gondel fahrt verunglückten Kanzlei- Assistenten Neumann ein mit einem Bindfaden fest über die Brust geschnürtes Bündel Akten aufgefunden worden ist, konnte Manchem brsremd lich erscheinen. Die Sache hängt nach der„Staatsb.- Ztg." so zusammen: Der Verunglückte gehörte zu der Klasse der Lohnschreiber; al« solcher bezog er kein feste» Gehalt, er erhielt nur für die von ihm gelieferten Kopia- lien pro Bogen 2 Sgr. Während der Amtöstunden war e» ihm nicht möglich, so viel zusammenzuschreiben, daß er mit dem Ertrage seine Familie hätte ernähren können— er sah sich deshalb genölhigt, Aktenstücke nach Hanse zu nehmen und durch häuslichen Fleiß sein Einkommen zu erhöhen. Die Mitnahme von Akten ist jedoch streng ver- boten; um nun dies Verbot zu umgehen, hatte der Ver- storbene die Aktenstücke in der an der Leiche entdeckten Weise verborgen und heimlich entführt.— Die Unter beamteu«erden in Deutschland durchweg sehr schlecht für ihre Leistungen bezahlt. Selbstredend kommt es daher, »eil der landesübliche Arbeitslohn auch die Gehälter der «ledern Beamten bedingt. —(Einsturz eine« Eisenbahntunnels.) Ein im Bau begrisscner Tunnel der unterirdischen Eisenbahn in ter Nähe der Blackfriarsbiücke zu London ist aus einem noch nicht ermittelten Grunde eingestürzt, und 13 Perso- nen wurden unter dem Schutt begraben. Einer wurde al« Leiche, neun andere wurden in einem Zustand- der Bewußtlosigkeit hervorgezogen und vier von den Letzteren waren so erheblich verletzt, daß dieselben wohl nicht wieder aufkommen werden.— Wiederum Opfer! —(Arbeitrrelend.) In Elberfeld erhängte sich «m 2 Mai eine Frau in ihrer Wohnung iu der Kuhle am Webstuhle. Das Unvermögen, die fällige Mielhe bezahlen zu können, hatte die Unglückliche zu Verzweiflung gebracht. —(Gefängnisse in Ungarn.) Der ungarische Justizministcr hat an die Stadl Pest eine Zuschrift ge richtet, der wir folgende charakteristische Schilderung der dartigcn scheußlichen Gefängnisse entnehmen:„Ich besich- »igte vor einigen Tagen die städtischen Gefängnisse und fand dieselben leider in einem solchen Zustande, der wedcr dem Zwecke des Strafverfahrens, noch der Würde einer Hauptstadt, noch aber zur Ehre unseres Vaterlandes ge- reicht. Die Häftlinge sind nämlich zum größten Theile in unterirdischen Zellen untergebracht, welche sehr an das Mittelalter erinnern und zu welchen die freie Luft nie- mals einen Zutritt haben kann. Ferner steht die Größe und Anzahl derselben durchaus nicht im Bcrhältniß mit der Zahl der Gefangenen, so zwar, daß in Zellen, welche für 25 Personen eingerichtet wurden, gegenwärtig 69 In- dividuen eingepfercht sind; überdies befinden sich die eines und desselben Verbrechens wegen in Untersuchung stehen- den Personen stets in einem Haftlokalc, durch welchen Umstand das Resultat deS BewcisvcrfahrcnS sehr illuso risch, jedenfalls aber mehr oder minder verzögert wird. Bei abgcurthcilten Verbrechern wird weder auf das Alter, noch aus die Qualität gesehen, und so geschieht es, daß zehnjährige Knaben mit rosfinirtrn Gaunern zusammen gesperrt werden. Von einem Unterrichte in der Moral fand ich auch nicht einmal eine Spnr Vorhände», ja der- selbe ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine ab- solute Unmöglichkeit, und dadurch entgeht dem Strafvcr- fahren der edelste Zweck, nämlich— die Besserung. Die Kranken werden in Räumlichkeiten untergebracht, welche -her Epidemie als Genesung herbeiführen." (Durch eigenes Verschulden.)„Am 30. v. M. ist auf einem Bahnhofe in der Nähe von Brünn ein Taglöhner in Folge eigener Unvorsichtigkeit beim Verschieben von Waggons zwischen die Stoßballen ge- rathen und in Folge der Zerquetschung des Brustkasten» todt geblieben."— Also wieder durch„eigene Unvorsichtig- keit!" DaS Blatt, welches so schreibt, ist dieselbe sogenannte arbeitcrfrcundliche Zeitung, die„Wiener Vorstadtzcitnng", die wir schon einmal iu ähnlicher Beziehung erwähnen mußten. —(Zwei Menschen verschüttet.) Am 24. v. M. wollten die Bergleute Eduard Steiner und Karl GamS in dem nächst Znaim gelegenen, dem Grafen Westphalen gehörigen Kohlenwerk St. Julien in dem Abbaue Nr.? die Pölzung entfernen, welche Arbeit unvorsichtiger weise zu früh geschah. Die Kohlenmassen stürzten so schnell herab, daß die Unglücklichen sich nicht mehr retten konnten und unter dem Gcrölle begraben wurden, aus dem die zerschmetterten Leichname erst des andern Tage» ausgegraben werden konnten.— Haben die Arbeiter die Arbeit unvorsichtigerweisc zu früh angefangen? Oder sind sie durch die betrcssenden Beamten dorthin kommandirt worden und find also um's Leben gekommen. Davon er- wähnten die Zeitungen nichts. Wir glauben das letztere. *(Eine höchst ergötzliche Sccne) wickelte sich am letzten Sonnabend im Zollparlamcnt ab: Die Nummer 43 befreit die Maulesel, Maulthiere und Es-l vom EingangSzoll. Abg. Niendorf: Meine Herren! Esel—(große Heiter keil)— Maulesel(Heiterkeit)— aber Schweine sind nicht darunter. Warum?(Große, anhaltende Heiterkeit.) Redner mit gehobener Stimme: Ich möchte nur wissen warum?(Redner verläßt die Tribüne; erneute Heiterkeit.) BundeScommissar Michaelis: Ich habe schon im vorigen Jahre darauf hingewiesen, daß hier die Schweine nicht aufgesührt sind, weil sich an diesen EingangSzoll ein große« financielles Interesse knüpft. —(Der nordamerikanische Präsident nicht fromm genug!) In eiuem Betstündlein der„Evan gellcal Alliance" in Washington bemerkte ein Betbruder, eS sei eine seltsame und traurige Erscheinung, daß keiner der Präsidenten der Vereinigten Staaten ein religiöser Mann gewesen sei. Ein anderer Redner bemerkte, diese betritbendc Thatsache sei wohl dem Umstände zuzuschreiben, daß, so viel er wisse, noch nie sür die persönliche Bekeh rung der Präsidenten gebetet worden sein; Gottes Schuld könne e» nicht sein, denn er erhöre stet« Gebete. Hieraus wurden„glühende Petitionen" gen Himmel gesandt für die Bekehrung des gegenwärtigen Präsidenten. Wir hatten bisher geglaubt, Präsident Graut sei ein mustergültiger Ehrist, da er sonntäglich die Metropolitankirchc' besucht und häufig Almosen au die Armen gicbt. Allerdings ist er ein Freund von Amüsements; er raucht viel, liebt schnelle Pferde, geht ins Theater und Ballet und soll auch kein Verächter vor einem guten Glas Wein oder Lager- bier fein. Da« wird ober jetzt alles ein Ende nehmen, denn die Slurmpetition einiger speciellen Freunde de» lieben Hergottes wird doch Erhörung finden! —(Gambetta als Bauchredner.) Der franzö fische radicale Abgeordnete Gambetta ist nicht blv» ein vorzüglicher Redner, sondern auch ein ganz merkwürdiger Bauchredner. Al« er noch ein geringer Advokat ohne fette Klienten war, brachte er seine Nachmittage gern im gesetzgebenden Körper zu. Hoch oben aus den Tribünen unterbrach er nicht selten die Redner— allerdings kein besonders geistreicher Scherz. Alles blickte verwundert um sich und konnte nicht begreifen, wie eine fremde Stimme au» einem Punkte des Saales, wo man sie am wenigsten erwartete, dringen könne. Mit Vorliebe und ganz besonderer Vollkommenheit ahmte Gambetta dir Stimme Thier» nach. Vor etwa 6 Jahren war Dumiral auf der Tribüne und hatte sich in einer endlos langen Rede förmlich verrannt Plötzlich vernahm man vom Platze, den Thier« gewöhnlich einnahm, eine boshafte Unterbrechung. Dumiral hielt ein.„Ich möchte Herrn Thier» bitten", ruft er nach einer Weile,„mir eine Er- klärung der von ihm gesprochenen Worte zu geben." Niemond antwortet. Thier« war nicht im Saale. Du- miral steigt wülhend von der Bühne, und nach einigen Tagen fragt er bei einer Begegung, die er mit Thier« hatte, warum er ihn so h-flig angegriffen habe. Thiers versteht nicht, was er damit sagen wM, und erklärt ihm, daß er an jenem Tage gar nicht in der Sitzung gewesen sei. Dumiral war über diese Mittheilung ganz verblüfft. Man hatte erst einig« Monate später die Lösung des Räthscls. Thiers äußerte den Wunsch, den jungen Ad- vokalen zu sehen, der ihn als Redner so vollkommen zu kopiren verstand, und lud ihn zu einer Gesellschaft ein. Bei dieser Gelegenheit kam heraus, wer damals Dumiral genarrt hatte. .—(Ein beschenkter Hund.) Man schreibt uns au« Offenbach:„Weihnachten," so erzählte die Dienst magd eines hiesigen Fabrikanten,„bekam ich 36 Kr., wo- sür ich ein Dutzend Würstchen ä 3 Kr. holen mußte, mit dem Auftrag, sie dem Hofhund in drei Malen zuzuthcilen. Ich that wie besohlen, erlaubte mir jedoch die gnädige Frau zu fragen, was denn der Hund zu seinem Namen» tage bekäme, wenn er so zu Weihnachten beschenkt würde. Wir Protestanten feiern den Namenstag nicht," war die Antwort; worauf ich die kitzliche Frage stellte, ob denn der Hund auch protestantisch seil Diese Frage ich mir bi» heute noch Zu beantworten." —(Zur Bedrückung der Arbeiter.) Di« New Yorker Cigarren- und Tabacksfabrikantcn haben beschlossen, sich chinesische Arbeiter aus Californicn kommen zu lassen, um mit denselben die Arbeiter-Union zu bekämpfen. Die Bourgeoiszeltungen freuen sich natürlich über dieses neue HülfSmittel, ohne zu bedenken, daß die Chinesen auch Menschen sind und al» solche sich nicht allzulange die offenbar beabsichtigte Ausbeulung gefallen lassen werden. -(Gelungener Druckfehler.) Die Druckerei, in welcher die„Berliner Börsen-Zeitung" fertig gestellt wird,— so meldet diese« Blatt— hat am Freilag in dem Bericht über die Sitzung des Zollparlaments einen Druckfehler gebracht, welcher sich dem vor einiger Zeit von ihr gebrachten„Die Woche ist kurz— die Reu' ist lang" würdig an di- Seite stillt. In der Rede de« Ab- geordneten Günther ist nämlich zweimal anstatt von dem „französischen iuisser aller" von dem„französischen Kaiser Aller" die Rede. —(Arb citSnoth.) Aus Coblenz schreibt man: Nachdem die Auswanderung aus hiesiger Umgegend in den letzten Jahren sich bedeutend verminderte, scheint dieselbe in diesem Frühjahr wieder sehr rege zu werden; unsere Rhein-Dampfboole befördern jetzt große Massen von Auswanderern, um von hier aus die Seehäfen zu erreichen. Allg. f-(Merkwürdige Stylistik.) Die„Südd. Post" erzählt unter anderen ergötzlichen Streichen aus Kärnten folgendes: Eine Frau, welche lange auf Mutterfreuden warten mußte, stiftete, als ihre Sehnsucht endlich erfüllt war, eine Votivtafel iu die Wallfahrtskirche Maria Wait- schach, worauf sie selbst mit zwei Kindern auf dem Arme abgebildet ist. Die Votivtafel führt die Unterschrift: „Durch die Fürbitte der allcrheiligsten Jungfrau Maria und die tüchtige Mitwirkung des Herrn Pfarrer» N. N. ist mein sehnlichster Wunsch erfüllt worden. N. N., früher unfruchtbar." —(Barbarei orthodoxer Juden.) Die„D. PeterSb. Z." meldet ans Schklow Folgendes: Die Juden in Schklow hatten erfahren, daß einer ihrer Glaubens- genossen in� ehebrecherischem Verhältniß zu einer verheira- lheten Jüdin stand. Die Schuldigen wurden sofort dem Richterspruch de« Rabbiners unterworfen, welcher Folgen- de« befahl: Beive werden gebunden durch die Straßen geführt, öffentlich geschlagen; dann wird die Frau(Ratzel) mit Ketten an die Schule geschmiedet, bleibt drei Tage ohne Speise u. s. w.; der Mann(Herzik) wird, nachdem er halb tobt geschlagen, auf den Kirchhof geführt, wo er die ganze Nacht am Grabe der Väter ThrSnen der Reue über seine Sünden zu weinen hat. Dieser Urtheilsspruch wurde auch buchstäblich vollstreckt. Als die Polizei davon erfuhr, begab sie sich in Gegenwart christlicher Zeugen nach der jüdischen Schule und sie fanden daselbst die Ratzel besinnungslos und fast ohne Lebenszeichen in Ketten a» einen Pfahl geschmiedet, auf dem Boden liegend. Sie wurde in Freiheit gesetzt. Wo Herzik geblieben, ist mibe- kannt. Man weiß nur, daß er nicht vom Kirchhof zurück- gekehrt ist. —(Falsche Zähne.) Daß falsche« Haar in der Gunst des schönen Geschlechts immer mehr steigt, zeigt der ewig wachsende Kopfputz nuscrer Damen, wie wir ihn bei jedem Spaziergang beobachten können; daß es aber in London eine Fabrik gibt, welche jede Woche 40,000 Stück künstlicher Zähne fertigt, sollte man für unmöglich halten. Und doch ist dem so. In der Vor- stadt Kcntish Town befindet sich eine Fabrik, die sich mit der Herstellung künstlicher Beißwcrkzeugc au« Porzellan befaßt und allwöchentlich die genannte Zahl in die Welt schickt. Das zur Herstellung verwandte Material ist sehr einfach und bestcht hauptsächlich aus Fcldspath, Kaolin und Kieselerde. Desto complicirter ist der Herstellung». Prozeß, welcher die größte Sorgfalt fordert, um eine genaue Nachahmung der Natur, besonder» in der Farbe, zu ermöglichen. Wenn die Zähne sorgfältig hergestellt und ordentlich polirt sind— das letztere geschieht durch etwa 70 junge Frauenzimmer— gehört ein Kenner dazu, sie von den natürlichen zu unterscheiden. —(Geheimnißvolle Begebenheit.) Eine seit same� Begebenheit hat die Vorstadt von Paris Saint- Antoine in Aufregung versetzt. In Nummer 13 der Sanct-Nikolausstraße bewohnte ein Maurer eine b-schci- drne Wohnung. Vor etwa drei Monaten benachrichtigte der Micther die HanS Meisterin, daß er in seine Heimaih verreise und erst nach einigen Wochen zurückkehren werde. Zur April-ZinSzeit ließ der Hauseigenthümcr, der von dem Maurer keinerlei Nachricht erhalten hatte, dessen Wohnung öffnen. Ein Schlosser wurde gerufen, man erbrach die Thür. Hinter dieser fand sich zur allgemeinen Ueberraschung eine Schcidemaucr aus Ziegeln. Andere Arbeiter wurden gerufen, und man riß diese Zwischen- mauer nieder. Nun erst konnte man in da« Zimmer vordringen, dessen Luft verpestet war, und man fand ans d-m Estrich die schon in Fäulniß übergegangene Leiche des Maurers. —(Die chinesischen Aerzte) find verflichtet, für jeden in ihrer Behandlung gestorbenen Kranken eine brennende Laterne vor ihre Office zn hangen. Wenn wir nach unfern europäischen Begriffen in später Nacht eine Laterne vor einem Locale brennen sehen, ist es eine Anregung für uns, hineinzugehen, während man in China von solchen Orten besser weg bleibt. Neulich hatte ein in Peking wohnender Europäer das Unglück, daß ihm sein Bedienter krank wurde; er lies in der Stadt nach einem Arzte umher, indem er natürlicherweise nach der geringsten Anzahl von Laternen suchte. Endlich findet er ein Hau«, vor dem nur 3 Laternen melancholisch im Winde schau- kein. Er geht hinein und bittet den Arzt, ihn zu begleiten. Nachdem der Arzt den Kranken iu chinesischer Kunstmanier maltraitirt halte, sagte der Europäer zu ihm:„Sie müssen der beste Arzt in dieser großen Stadt sein." „Warum?"„Weil nur drei Laternen vor Ihrer Thitre hängen, während die Häuser anderer Aerzte förmlich illu- minirt sind."„O, das ist sehr erklärlich", erwiderte phlegmatisch der biedere Chinese,„ich übe meine Kunst erst seit heute früh." —(Aberglaube.) Man schreibt aus NamSlau! Wie weil der Aberglaube unter der ländlichen Bevölkc- rung noch reicht, davon hier ein recht eclatantes Beispiel — Der in der herrschaftlichen Brennerei zu Polnisch- Marchwitz, im NamSlauer Kreise, arbeitende Einliegcr Kali« bekam die Gelbsucht und nahm ärztliche Hilfe in Anspruch. Die Krankheit konnte unmöglich sofort den ersten ärztlichen Anordnungen weichen und daher nahm Kali« zu einem ihm von alten Weibern angerathcnen Sympathiemittel folgender Art seine Zuflucht. Er be- gab sich an drei verschiedenen Tagen in die hiesige katho- lische Pfarrkirche St. Peter und Paul und ließ sich jedes Mal zu drei verschiedenen Malen den leeren Abendmahls- kelch vor das Gesicht halten und von dessen Glänze be- strahlen. Wir erzählen hier keine Fabel, sondern nur Dasjenige, was wir an» dem Munde de» zc. Kalis selbst vernommen haben, der sich, da inzwischen die ihm ge- reichte Medicin ihre Wirkung beginnt, bereit» aus dem Wege der Besserung befindet, seine Heilung aber«atür lich dem Einblicken In da« geweihte Gesäß zuschreibt. —(Berliner Kellner.) Ein Herr ruft in einem Restaurant:„Kellner, die Wespen!"„Einen Augenblick, mein Herr, ich lese sie eben selbst." d. Arb.-V.(23.)— Hamburz:Allg. d. i Maurer und Zimmerer(64.) Meiallarb.(K)' (32.) Schneider(17.) Cigarrenarbeiter(16.)—$ 'amm: Allg. d. Arb.-V.(16.)— Hanno»» .. Arb.-V.(48.) Hand- u. Fabrikarbeiter(11) fakturarb.(7.)— Iserlohn: Allg. d. Arb.-S- Itzehoe: Allg. d. Arb.-V.(10.)— Kohlsnü .llarbeiter(17.)— Lüneburg: Maurer- n.! (10.)— PeterSwaldau: Allg. d. Arb.-S Schmiedcgrnnd: Allg. d. Arb.-V.(10.)—> Allg. d. Arb.-V.(8.)— Wand s deck: Allg. Arb.-V.(8.)— Wismar: Schneider(11.) Die Gebühren müssen bis spätestens dnt entrichtet werden. Schweriner Annonce 14 Sgr.— Harburg« II Sgr.— Hamburg: Spannagel 6 Sgr. G. K. Sch. in Hamburg. 1) Der'Bevold Stuttgart heißt Hermann Leickhardt, Gymnosd» 2) Das Zusenden der Blätter durch die Expti� theuntt dieselben sehr, Bestellung auf der Po»?. der einfachste Weg. 3) Die Neberficht wird H Ä( im Social-Demokrat zusammengestellt. 4) Mir ä™td)> � L- i» Nippes. Die Adresse des t° Wolf Ist Büdingen in Hessen. Hr. Stoebcr zu Ernsdorf. Die gewllnM ist: Kleine Scheitnitzerstraßc 64. j>ei>ts-- b Briefkasten. Lnnoncengebühren für Monat April, in Silbergroschen berechnet: Altvna: Allg. d. Arb.-V.(53.) Gewerkschaftsvcr sammlungen(22.) Schneider(16.) Cigarrenarbeiter(11.) Berlin: Allg. d. Arb.-V.(60.) Zimmerer(100.) Maurer (66.) Schuster(42.) Metallarbeiter(8.) Holz-, Metall- und Manufakturarbeiter(30.)— Bremen: Allg. d. Arb.-V.(23.)— Barmen: Allg. d.«rb.-B.(7.) Manu- fakturarb.(45.) Hand-».Fabrikarbeiters.)— Düren: Allg. d. Arb.-V.(9.)— Egeln: Allg. d. Arb.-V.(16.) - Elberfeld: Allg. d. Arb.-V.(62.)- Frankfurt a.M. Für Serlin. Avgemeiuer deutscher Arbeiter-A Mitgliederversammlung Tienstag, dm 3. Mai, Abmds 8'/, U- im Lokale des Herrn Engelhardt, Lindl» Erster Vortrag des Vercinspräsidenten» französische Revolution von 1848. Da von den angekündigten Vorträgen di» Präsidenten über die französische Revolution n« nachhaltigen Nutzen ziehen können, welche dil» vollständig in ihrem geordneten ZusammenhatV wird um rechtzeitiges Erscheinen ersucht. Für Serlin. Die Ausschußmitglied dt« Verbände» werden ersucht," in d-r'Vcrs-!-. Allg. deutsch. Arb.- Verein» am heutiocn ÄdS scheinen. Für Hamburg. k.— Allgemeiner deutscher Arbeiter-� Pyl Oeffentlichc Versammlung, T-nnerstag. den 5. Rai. Abends 9 1 in Tütge'S Etablisselnent, ValeniinSkal« Tagesordnung: 1) Vortrag de» Herrn Hartmann.— 2)� Zutritit Jedem frei. Steue Mitglieder werden aufgenoKl»»"-. JU- Pch Für Hamburg.'Besiz Allg. deutsch. Maurer-Vett>> 5 ge Mitgliederversammlung der Central-»'"mhe, lasse"terkla Mittwoch, dm 4. Mai, Abends 9 � wird im Lokale des Herrn Schulz, Dornbusch � ,r Tagesordnung:* tti sft- Bericht über die Kasse.— Abrechnung. E» werden sämmlliche Mitglieder besagt, nicht. ,u erscheinen.__ Für Schwerin. Verbrüderunasst am 22. Mai,. wozu die Parteigenossen aus der Umgegend! eingeladen werden. Das Fe»s Für Harburg. Geschlossene Mitgliederversami»!� sämmtlicher hiesiger zum Verbände(F Gewerkschaftsmitglieder Tonntrstag, dm 5. Mai, Abends 8V«j in Echirmer'S Hotel. Tagesordnung: Ersatzwahl deS VerbandSpräsidiumS., Um zahlreichen Besuch wird dringend gebü� ____ Die Bevollills 'Für Hamburg. Unterzeichneter empfiehlt den geehrten P sein Lager von Uhren; Cylinder-Uhren sind Thlr., Ancre-Uhrcn von 9—18 Thlr., so wie Wand-Uhrcn zu billigen Preisen bei mir z» Ferner zeige ich an, d aß Cylinder-Uhren b» 1 Mk. 8 Schll., und Ancre-Uhrcn für 1 Dil gereinigt werden. Neue Federn einsetzen ko! » Schll. Reelle Parteigenossen können auf wöchentb«? lung Uhren erhalten.„z, H. Tegen, Uhrmacher, Neust. Nld!» dservai Ecke von Kohlhöfcn. Für Hamburg. Allen Freunden und Bekannten die ergebe«' daß ich meine Gastwirthschlft nach der GrulP�S den straße 51 parterre, verlegt habe. __ Ergebenst F.»' Jtttssd $los i 'ilniad Reg Gru Uten, bisher ?u st Orgc Partei daß I d bei Jssttlhui L'ftaat staat Jf aus 1 Ma hall «uf G nid -ich de glan! s ltgeoi» b! diel p den Klaj Für Hamburgs Social-Dcmottl Sollte Jemand Lust haben an einem gute» und kräftigen MittagStisch theilzunehmen, i» die beste Gelegenheit beim alten Vater SP»" Rathhausstraße unter b. Für Hamburg. Den geehrten Parteigenossin empfehle Ich Lager fertiger Herrenklel, vor allem starke Arbeirshosen für Maurer und' lenke. Garmtire sür reelle Bedienung. _ S. Strtime. 17 Fischers!!'ter L Für Hamburg. u �den Ich bitte zu beachten,»aß vom 2. Mai a» r"Niosse gen nnd Briefe zu richten sind an die Adresse Ctiben uuo«nufc zu. nufitu jiuo au oie AorefF tu"v Julius Teich«»«n, Neuer Steinweg ltx � Für Ältoua. � Nie Wohnung»-Veränderung:. ,t die 1 Chr. Vraßmann, pt. Präses der Krankenkafst,. Taback- und Cigarrenarbeiter-Gewerkschaft, wod'> Druck von Jhring.u. Haberlandt in � Vcrantwortl. Redakteur». Verleger W.Grüwe' i" Pr Wilhelmstraße Nr. 4, 2. a Ünscrm Freund August Hartman» und."'tvors Louise Eberhard zu ihrem HochzeitSfestc'ihr» d donnerndes Hoch! Mehrere djx Oldendorf bei Melle, im Mai 1870. � Oberst