tot« U) Berlin, Freitag, den 6. Mai 1870. Sechster Äatiraang d-M rgat p« Demokrat ij(ff®11?«scheint drei i;it �F�ch, und zwar: -,J Donnerstag« und 8"»bwdS Abends. DrgM der lociat-demokratischm Partei. Redaktion»»d Expedition: Berlin, Gitschinerstr. 17. ns»' -ut-.?reis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich IS Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern werd-n au-wärt« bei allen Postämtern, in Berlin in der Expedition, sowie bei jedem soliden l«'«ar bÄm«t7üÄ$9t" �°uk°rpr-ußischm Postämter in Deutschland gleich. � ött Z/pLiott aufzugeben) werden pro viergespaltene Petit.Zeile mit 3 Sgr. berechnet. Arbeiter. �gr.,(ob«reuzer ,1.00. ahrung.) Annoncen die Zeile nur 1 Sgr. -Ä-- Agenwr für England, die Colonien, Amerika, China und Japan dir. A. Duesing 8 Little-Newport-Street, Leicester-Square. W. 0. London. 1 1. April hat ein neues Vierteljahrs- »t auf den �Social- Drmoftat" be- Gestellungen werden auswärts bei reru, in Berlin bei der Expedition, ra�e 17, und bei alle» soliden JhedUeuren gemacht.(Preis vierteilt Sgr.) s�uen Abonnenten erhalten die seit Iml erschienenen Nummern nachge- iotitischer Theil. ge> Berlin, 5. Mai. ic Hypothckcnnoth des Grund- lautet gegenwärtig ein viel gebrauchtes msM. Unter diesem Fcldgeschrei orga- >>lh die Grundbesitzer zum Widerstände 1 Besitz«; des beweglichen durch mensch- Mit l|t geschaffenen Capitals, um mit ihnen «ntheil an der Beute zu streiten, welche �erklasse von ihrem Arbeitserträge Streit der beiden Abtheilungen der i'�Sloffe verspricht für die nächste Zeit ifg �«schland ein sehr heftiger zu werden, b n Grundbesitzer als politische Partei liren, um sich auf deren Gesammthcit, bisher nur auf einen Theil derselben, zu Organisation der Grundbesitzer als kon- Partei ist ganz naturgemäß; es ist das baß die letzten Ueberrcste deS Feudal- lb des Kampfs der alten Stände, Adel >erthum, geschwunden sind und daß der ßaat vollkommen in'S Leben tritt. Im ßaat steht eben dem ausgebeuteten Pro- e ausbeutende besitzende Klasse als große ! Masse gegenüber, und wenn Partei halb dieser Klasse stattfinden, so finden Grund der Verschiedenheit des Bc nicht mehr auf Grund eines Privile � dem Adel. ugland ist schon lange der landbesitzcnde ltvtz seines noch bestehenden Adelsstolzes rgeois geworden, und der bürgerliche her bildet mit ihm gemeinsam die söge- i!�s»servative Partei, d. h. die Partei, welche biel politische Macht und materielle Vor den Grundbesitz fordert. Und gegen Klasse hat sich die sogenannte liberale 0\ 081' p« den Reihen der Geldmänner und Fa � kekrutirt, welche unter Liberalismus frei . anderes verstehen als Herrfchaft deS ''® CapitalS. Wie naturgemäß diese �'8 der liberalen und conservativen Parteien ,II>?U Theile der großen Bourgeoisklasse ist, a» der Umstand, daß in den Vereinigten d°n Nordamerika, wo doch niemals der hie« liche Adel bestanden hat, also innerhalb ijj) I'oiSrcpublik, dieselbe Partcibildung statt- � i �at. Die Geldmänner und Fabrikanten ' bildeten die der liberalen Capitalisten- ttoi�rtter Länder entsprechende Richtung; die �nden Pflanzer deS Südens aber wuchsen n � �niossenschaft heran, die sicher an junker» x �ben es mit jedem Feudaladel aufneh- !lt- Auch jetzt besteht letztere Partei als Richtung fort, trotz der gewaltigen . die sie durch die Sclavcnbcfreiung er- oh�. toir also jetzt in Preußen auf die Plötz- Z A?ervortretcndc social-politische Bewegung der Grundbesitzer treffen, eine Be- 1»' llt natürlich den Politischen Doctrinären ' � �trständlich vorkommt, so können wir JC�Pjen, welches ihre Ursache und welches Preußen sowie die übrigen deutschen '»it alleiniger Ausnahme von einzelnen Theilcn Oesterreichs, welche noch nicht genügend industriell entwickelt sind, befinden sich in rasche- ster Entwicklung zum Bourgeoiöstaat. Gerade die letzten Jahre zeigen dies in erhöhtem Maße. Ucbcrall sind die letzten Schranken der Capital- macht gefallen; Gewerbcfreiheit, Zinsfrciheit, Frei- zügigkeit'und wie alle jene Bourgcoisfreiheiten lauten, sind eingeführt. Der Adel selbst findet sein Interesse darin, in erster Linie mittelst seines Großgrundbesitzes nach Bereicherung und Macht zu streben; er geht somit freiwillig mit der Zeit in die Bourgeoisie auf. Mit einem Wort, sämmt- lichc bevorzugte Stände sammeln sich als Bour- geoisic, um die Arbeit des Proletariat auf Grund ihres Besitzes auszubeuten, und streiten sich von jetzt an blos darum, wem der Löwenantheil der Beute zufallen soll, dem beweglichen Capital oder dem Grundbesitz. Diese neue Stellung der Classen ist ein noth- wendiges Erfordcrniß, um den Widerstreit zwischen Bourgeoisie und Proletariat auf die Spitze zu treiben. Der sociale Classenkampf, der in England bereits in den dreißiger Jahren in vollem Gange war, der in Frankreich mit der Junischlacht in vollster Heftigkeit losbrach, er wird sich jetzt auch über Deutschland immer gewaltiger ausdehnen. Die sociale Bewegung war im Jahre 1848 für Deutschland noch nicht reif. Dem unvergleichlichen Scharfblick Lassalle's gelang es, den richtigen Augenblick zu erfassen, wo die socialen Classen- Verhältnisse weit genug gediehen waren, um das Proletariat zum Bewußtsein seiner Lage zu brin- gen. Er erhob deshalb die Fahne des SocialiSmus trotz deS Widerstandes der Ausbeuter, ja selbst entgegen den Rathschlägcn einzelner Socialistcn, welche, weniger scharfsehend als Laffalle, die Zeit noch nicht gekommen glaubten, wo das offene Auf- treten einer socialistischen Partei die Arbeiterclasse organisiren konnte. Wie sehr Lassalle im Recht war, zeigt nicht nur die Thatsache, d!lß die von ihm gegründete Arbeiterpartei die mächtigsten Fort- schritte macht, sondern auch der Umstand, den wir oben besprochen haben, nämlich, daß jetzt die alten Stände und Parteien verschwinden und daß somit der entstehende Bourgeoisstaat bereits eine durch mehrjährigen Kampf genügend erstärkte, geschlossene Arbeiterpartei vorfindet. Die Stellung, welche die socialistische Partei zu dem Kampfe der Grundbesitzer und Capitalisten zu nehmen hat, ist leicht zu bestimmen. Sie hat beide Theile gemeinsam zu bekämpfen unter dem gemeinsamen Namen der Bourgeoisie, und sie hat zu diesem Kampfe die Arbeiter, sowohl ländliche wie industielle, als Classe zu organisiren. Für die Socialistcn ist der Streit zwischen Grundbesitz und beweglichem Capital nur ein Fa- milienstreit der Bourgeoisie. Gleichwohl ist derselbe interessant genug um ihn näher zu betrachten, was wir in einem fol gcnden Artikel thun werden. Rundschau. Berlin, 5. Mai. Bei der Special-Berathung über die Eisen zolle im„deutschen Zollparlament", brachte der Abg. Niendorf einen verfänglichen Antrag ein, der das Eisen zwar nicht gänzlich von dem Zoll bcfteien— die vollständige Befreiung war, wie wir schon gemeldet, abgelehnt worden— je doch den Zoll auf 2'/» Sgr. pro Ccntner herafr setzen sollte. Der Abg. Hoverbeck sagte treffend, daß bei der Bewegung, welche durch die Annahme desselben entstände, den Bundes-Regierungen ein erhebliches Mehr von Steuern zustießen würde, wcßhalb der Herr Finanzministcr auch dem Antrag so gern seine Zustimmung ertheilt habe. Der Abg. Dr. Schweitzer*) erklärte sich ebenfalls gegen *) Dr. Schweitzrrhattesich sowohl bei der Generoldebatte über die Tarifvorlaze, al« auch bei der Erhöhung> de« Kaffeezoll» zum Worte gemeldet, doch gelangte er nicht dazu, da zuvor der Schluß der Debatte angenommen wurde. Die ausführlichen Reden de« t>r. Schweitzer bei Gelegenheit der Tarifvorlage befinden sich im Zusammen- hange in der morgigen Nummer de«„Agitator". den Antrag und sprach ungefähr folgendes:„Bei der beabsichtigten Herabsetzung eines Schutzzolles kommt es darauf an, zu beweisen, daß die bctref- sende Industrie die volle Concurrenzfähigkeit dem Auslande gegenüber hat. Dieser Beweis ist in Betreff der Eisenindustrie von den verbündeten Regierungen nicht vollständig geführt. Man darf dabei nicht bloS die Ausfuhr und Einfuhr unter- suchen, sondern man muß fragen, wie sich das Vcrhältniß auf dem neutralen Markte stellt. Ein solcher neutraler Markt ist Belgien, und da zeigt sich, daß die Einfuhr aus dem Zollverein nicht nur steigt, sondern sogar schon stärker ist, als die Einfuhr auS England, und diese Thatsache ergiebt, daß die deutsche Eiscnbahnindustrie concurrenzfähig ist. Aus diesem Grunde habe ich gestern für den Antrag v. Hoverbeck gestimmt, den Antrag Nien dorf halte ich aber für bedenklich. Ich schließe mich den von dem Abg. v. Haverbeck geltend gc machten Gründen an, habe aber noch ein weiteres Bedenken. Es ist ausgeführt worden, daß von der Abstimmung über den Niendorf'schen Antrag daS Schicksal deS Tarifs abhänge, und daß die- jenigcn, die überhaupt etwas zu Stande bringen wollen, für den Antrag stimmen müßten. Ich gehöre nicht zu denen, die hier etwas zu Stande bringen wollen, ich gehöre zu denjenigen, die sich freuen, wenn nichts zu Stande kommt, denn alles, was hier zu Stande kommen kann, läuft doch nur immer auf eine größere Belastung der nothwcn- digen Lebensbedürfnisse hinaus. Die Erhöhung des KaffeezolleS ist des Pudels Kern. Ich will diese Erhöhung nicht, und wenn also daS Zustande- kommen deS Tarifs durch die Verwerfung deS Niendorf'schen Antrages verhindert werden kann, so stimme ich gegen diesen Antrag." Der Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 133 gegen 120 Stimmen abgelehnt.— In der letzten Sitzung gelangte der Absatz in der Vorlage zur Abstim mung, welcher eine Erhöhung des Kaffee- zolle S forderte; das Zollparlament lehnte die Erhöhung mit 187 gegen 63 Stimmen ab.— Bei der Bcrathung über die Besteuerung deS Stärkesyrups und Stärkezuckers, welche die Land- wirthschaft und die uvteren Klassen besonders tref fen, ergriff der Abg. Dr. Schweitzer nochmals das Wort, wobei er ungefähr folgendermaßen sich äußerte:„Die Beweisführung für solche indirekten Steuern läuft immer darauf hinaus, daß man sagt: die Steuerzahler fühlen diese Steuer nicht. Man sorgt erst für mangelhafte Bildung des Vol kes, und dann speculirt man auf diese mangelhafte Bildung. DaS ist der einfache Hergang bei allen Steuergesetzen dieser Art. DaS Volk ist aber trotzdem dahin gekommen, daß es sich wohl über legt, wie viel es auf dem Wege der indirectcn Steuern zahlt. Ich hoffe, daß die Agitationen cS dahin bringen werden, daß auf diesem Wege dem Volke das Geld nicht mehr aus der Tasche gc zogen werde. Die Bahn der indirccten Steuern muß nach und nach verlassen werden, cS kann dies nicht mit einem Male geschehen, aber man kann den guten Willen der Regierungen verlangen, daß sie nicht mehr mit neuen indirccten Steuern kom- men. Die armen Klassen werden dadurch höher besteuert als die reicheren, und mit Bewußtsein beharrt man auf diesem Wege. Ich habe den Auftrag von meinen Wählern� gegen diesen Miß. brauch bei jeder Gelegenheit zu protestircn." Bei der Abstimmung wurde mit großer Majorität der ganze Gesetzentwurf abgelehnt. Die Majorität der Mitglieder deS deutschen ZollparlamcntS ist wenigstens bis jetzt von der richtigen Ansicht aus- gegangen, keine neuen Steuern zu bewilligen. Die Sitzungen des Norddeutschen Reichs- tags werden am nächsten Montag wieder eröffnet werden, da man allgemein den Glauben hat, daß das Zollparlament am Sonnabend mit seinen Ar- beitcn fertig werde. Voraussichtlich wird dann am Dienstag bei der dritten Lcsuijg des Straf- gesetzbuchö über die TodeSstrlifc endgültig ab- gestimmt werden, von deren Annahche oder Ab- lehnung das Zustandekommen des Stöafgefetzbnchs abhängig. � DaS gegen den Kaiser von Frankreich an- gcblich beabsichtigte Attentat sowie die entdeckte Bombenverschwörung stoßen überall auf das Lächeln deS Unglaubens. Zum Mindesten scheint der Attentäter ein Abgesandter der französischen Po- lizci zu sein, denn so lächerlich wie er wird sich kein Mann benehmen, der bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Der verhastete Kaisermördcr ist ein verkomme- nes Subjekt, Namens Bcaury, ein junger Mensch von 22 Jahren, ohne Bart, klein von Gestalt. Als man ihn verhaftete, trug er einen marengo- farbigen Anzug und einen runden Hut. Derselbe ist in Barcelona von ftanzösischen Eltern geboren, kam aber früh nach Frankreich, wo er seine Stu- dien machte. Ueber seine Eltern wollte er keine Auskunft geben. Er erklärte, er sei Republikaner von seiner Kindheit an, daß er in diesen Ideen groß geworden und sie mit nach dem Regiment gebracht habe. Das Führungszcugniß Beaury's, während er bei der Armee war, lautet für ihn nicht sehr günstig. Er wurde als Corpora! des 7. Linicn-Regimcntcs zu sechs Monaten Gefäng- niß wegen Verschleuderung von militairischcn Klei- dnngsstücken verurthcilt, bei welcher Gelegenheit er ein erstes Mal descrtirtc. Am 15. August machte er von der Amnestie Gebrauch und trat wieder in die Armee ein. Gegen Ende 1869 wurde er wegen Mißbrauchs des Vertrauens zu zwei Monaten Gefängttiß verurthcilt. Nachdem er dieselben abgesessen, mischte er sich in die Agi-- tationcn von Belleville und Lavalctte, was für ihn um so leichter war, als sein Regiment in der Cascrne Prince Eugene lag. Beaury war mit Fayolle und Asmon, welche beide bekanntlich nach den Februarunruhcn ebenfalls descrtirtcn, sehr be- kannt. Am 10. Jan. verließ Bcaury die Caserue und dcscrtirte von Neuem. Er wohnte dem Leichen- begängniß von Victor Noir in Uniform an und flüchtete sich dann nach Belgien, von wo er sich mit Fayolle nach England begab. In London trafen Beide Gustave FlourcnS, und wie Beaury aussagt, sei er dort mit letzterem überein- gekommen, den Kaiser zu ermorden.„Ich war cntmuthigt"— so sagte er—„ich hatte keine Stellung, keinen Lebensunterhalt in einem Lande, dessen Sprache ich nicht kannte. Die Verzweiflung ergriff mich. Was hatte ich zu erwarten? Nichts. Ich wollte mein Leben auf- opfern und meiner„Partei nützlich sein." Beaury kommt nun über Boulognc nach Paris, wo man ihm in Folge einer Depesche, welche die Worte enthält:„Gebt Geld!" 400 Franken auszahlt. Dieses Telegramm trug ein Pseudonym, mit dem das Schreiben, welches Bcaury bei seiner Bcr- Haftung mit sich trug, auch unterzeichnet ist. In Paris ging er nur Abends aus und brachte jede Nacht in liederlichen Häusern zu. Man hat bei ihm einen Brief, von FlourcnS, gefunden, der angeblich lautet:„Bei Ausgängen nur Wagen benutzen, sich bei Tage nicht zeigen und das Geld nicht sparen." Ferner fand man daS Concept eines Schreibens, worin es heißt:„Die Amputation wird am 29. April, Nachmittags zwischen 2 und 4 Uhr, vorgenommen werden. Ich bin bereit."— DaS ist Alles, was die Polizei über das Attentat au- zugeben vermag, d. h. außer dem angeblichen Ge- ständniß deS Attentäters, der jetzt ganz in ihren Händen ist, vermag sie kein Faktum vorzulegen, welche das Gcständniß unterstützt. Der allnächt- lichc Wohnungswechsel erklärt sich zur Genüge durch die Liederlichkeit deS Herrn Bcaury, und die Briefe können alles Andere ebenso gut andeuten, als Mordpläne. Man wird daher den Betrach- tungcn, welche daS„Sioclc" an die officiellen Enthüllungen knüpft, vollständig beistimmen. DaS Blatt schreibt nämlich: Man beeilt sich, dem Hanptagenten Beziehungen zu mehreren bekannten PcrsSnnlichkcitcn zuzuschreiben, der Diensteifer gewisser Blätter lägt diese sogar schon einen berühmten ehrenwerthen Politiker, wir meinen Ledru Rollin der Mitschuld bczüchtigen. Alle« da« hat so sehr den An- strich de« Außerordentlichen, daß wir, trotz der Bersiche- rungen der offiziösen Journale, noch Anstand nehmen, an da« vergebliche Attcntatprojekt zu glauben. Ein« hätte unS gewundert; wenn angeskchl« der herrlichen antiplebiS- eltärm Oppofitionsbeweguvzcn, die unsere Regiruvgdspitzen mir Bestürzung erfüllt, nichc irgend ein DioerstonSmiltel aufgetaucht wäre. Das gestrige Tomplot erinnert uns an einen nur zu bald in Vergessenheit gcrathcnen Zwischen- fall, der sich beim Beginn des jetzigen Regiment« ereignete. Im Herbst 1855 trat Ludwig Napoleon zu dem Zwecke eine Reise durch die Departemente an, den Bevölkerungen Gelegenheit zu geben, den auf den Kaiserthron zu erheben, der erst auf zehn Jahre zum Präsidenten gewählt worden war. Auf dem Wege von Pari« nach Lyon und Avignon ward dem Dictator ein Empfang zu Theil, dem just nicht der größte AnthusiaSmuS zu Grunde lag. Ueberall, wo der Präsident durchkam, war da« Menjchengedränge ein großartiges; allein den Zurufen der Rcngc fehlte e« an Feuer; e« gewann den Anschein, al« ob die Rundreise ganz ander« al« mit einem Triumphe endigen sollte. So standen die Sachen, al« plötzlich der Telegraph dem er- regt aufschauenden Frankreich die Nachricht brachte, in Marseille sei eine Höllenmaschine entdeckt und der von der Vvrschung gesandte Erretter der Gesellschaft durch eine göttliche Fügung Dank der Wachsamkeit der Polizei vor den Anschlägen der Anarchisten bewahrt worden. Man sei den Schuldigen auf die Spur gekommen. Die Mel- dung verfehlte nicht ihre Wirkung. Die Höllenmaschine ward von den Polizeisoldblättcrn de« Ausführlichsten be- schrieben. Die Furchtsamen, welche nachgerade etwa« ruhiger wurden— man hatte sie vor nahezu einem Jahre errettet— die Furchtsamen begannen von Neuem zu zit- tern. Fortan war die Reise de» Präsidenten ein förm- lichcr Triumphzug. Inzwischen setzte die Polizei ihre Nachforschungen bezüglich der Verschwörer fort. Die Blät- ter meldeten die Verhaftung de« Hauptschuldigen. Er hieß, nach den damaligen offiziösen Blättern, Gaillard. Man meldete, daß er verhört worden, demnächst vor den Rich- tern erscheinen solle. In der Zwischenzeit beendete der Prinzpräsidcnt seine Reise; der Senat ernannte ihn zum Kaiser; da« Volk bestätigte mit acht Millionen„Ja" das Senatorenwerk und das Complot ging in Dunst aus. Höllenmaschine, Triebwerkmeister, Verschwörer und Mit« schuldige, Alles verschwand. Kein Richter saß über sie zu Gericht, ergo hörte man Nichts mehr davon Die geheime Fabrik von London scheint ernster als der Attentatsversuch zu sein. Das officielle Abendblatt enthält am 2. Mai fol- gcnde Mittheilung:„Man kennt heute die Werk- statt, wo die bei Roujscl gefundenen Bomben angefertigt worden sind. Beim Anblicke der Zeich- nung des Figaro erkannte Herr Lepct, Gießer. 38 Ruc St. Maur, die Stücke, welche er selbst vor einigen Tagen fabricirt hatte. Er machte in Folge dessen dem Polizei-Commissar seines Vier- telS folgende Erklärung:„Am letzten 14. April Bruder und Schwester. (Fortsetzung.) Als Sqlvest aus seinem Kerker trat, befand er sich in einer langen unterirdischen Galerie, an deren beiden Seiten sich Zellen öffneten, au« denen wahrscheinlich vor ihm andere Verurtheilte herausgeholt worden waren. Am Ende dieses Ganges, nach dem hin die Sclavcn von bewaffneten Aufschern getrieben wurden, bemerkte man, zwischen dicken Eisenstäben hindurch, Helles Licht von der Beleuchtung de« Amphitheater«. Sylvest, der voll Angst vor dem Kampfe seiner Schwester und Faustina war, wollte einer der ersten an dem Gitter sein, von dem an« «r das Schauspiel mit ansehen konnte und drängte sich deshalb durch seine Gefährten hindurch, die weniger Eile hatten als er. So kam er denn wirklich mit zuerst an den Eisenstäbeu au und hörte deutlich das Gelöse, den Lärm der unermeßlichen Menge, denn das Amphitheater von Orange konnte gleich dem in Arle«, Nimes und andern Städten des römischen Gallien sünsundzwanzigtausend Zuschauer fassen.(Ach mein armes Kind, Sohn meiner Loyse, für den ich diese Erzählung schreibe, Du wirst aus der Beschreibung eines der Amphitheater, welche die" Römer in unserm alten Gallien erbauet haben, ersehen, zu welcher unsinnigen Verschwendung unsere Unterdrücker, die sich durch die Arbeil ihrer Slaven bereicherten, gekom- men waren, um sich an Menschen-Metzeleien zu ergötzen). Die Arena in dem Circu« zu Orange hatte eine ovale Form, und war von einer so massiven Mauer umgeben, daß in derselben die gewölbten Zellen halten angebracht werden können, in denen man die für die wilden Thicre bestimmten Opfer aufbewahrte. Dieser Bau, der so hoch war, daß die Elephantcn nicht einmal mit der Spitze ihre« Rüssels den Rand der Plattform darüber erreichen konnten, war innen mit Pilastern verziert, welche Nischen mit großen Marmorstatucn rund um die Arena(den Kampfplatz) der trennten, und gewährte so in seinem obcrn Theile eine Art Tribüne, wo sich die Plätze des ersten Range« befanden. Trotz der Höhe von dem Kampfplätze hatte man au« Furcht vor den wilden Thieren zum Schutze dieser Galerie eine starke Brüstung von vergoldeter Bronze angebracht. Diese Plätze, welche rund um da« Amphitheater herum- liefen, waren für die reichsten, vornehmsten oder ange- scheusten Männer und Frauen der Stadt bestimmt. Man sah daselbst auch einander gegenüber den Thron Augusts, de« Kaisers von Rom und Gallien, und die Tribüne der Aedilen, der Behörde, welche da« Fest bereitete. Hinter dieser Galerie, ebenfalls in ovaler Form, erhob sich eine endlose Menge von Marmorsitzreihen über einander, zu denen man von außen auf mehreren äußeren Galerien gelaugte, die um den CircuS herumliefen und durch zahl- reiche Treppen mit einander in Verbindung standen. Wenn es regnete oder die Sonne zu heiß schien, schützte man die Zuschauer durch ein Zeltdach(velnrimn.) An dem Abende, von dem ich erzähle, war diese« Dach nicht ausgespannt; die Nacht war rein, die Luft so ruhig, daß kein Windhauch die Flammen der Tausende von großen Wachskerzen bewegte, welche in vergoldeten Bronzelcuchtern um die Arena her standen: In diese gelangte man durch vier gewölbte Gänge, welche unter den Sitzreihen hinliefen. Die beiden Eingänge im Norden und Süden waren für die Gladiatoren zu Fuß und zu Pferde bestimmt. In Osten und Westen, einander gegenüber, sah mau zwei vergitterte Gewölbe und in einem derselben die wilden Thiere, in dem andern die Sclaven, welche zerrissen werden sollten. In da« letztere Gewölbe war Sylvest mit seinen Gefährten geführt worden; er stand an den Eisenstäben und beobachtete mit trauriger Neugierde alle«, was er von seinem Platze aus sehen konnte. Der Boden der Arena, war mit einer dicken Sand- schicht bedeckt, den man roth gefärbt hatte, damit die Blutspuren weniger bemerklich würden und mit einer Menge glänzender Thcilchrn bestreut, welche im Fackellichte wie Millionen Silberblättchen glänzten. Ein gewisser Raum war gar nicht befandet, sondern mit einem durchbrochenen weißen Fußboden belegt; darunter befand sich da« Wasser- decken, in welchem da« Trocodil seine Opfer erwartete. Dieser bewegliche Fußboden sollte weggenommen werden, sobald die Thiere in den Eircu« gelassen würden. Hier und da auf Erhöhungen an der Umfassungsmauer bemerkte Sylvest Männer, die wie der Mercur der Heiden gekleidet waren und einen runden Stahlhelm mit zwei»ergoldeten kam ein Individuum zu mir, das sich Renard nannte und dessen Signalement auf Roussel zu passen scheint, um mir das Model zu den Bom- den zu geben.„„Es sind"", sagte er mir,„„Mo dellc für eine neue Art von Velocipeden. Ich habe sie erfunden und hoffe damit mein Vermögen in Amerika zu machen. Lassen Sie 120 Stück gießen; später werden sie damit fortfahren, ich gebrauche deren eine große Anzahl"". Rcnard weigerte sich, seine Adresse zu geben. Er kam sieben Mal in die Fabrik, um Bestellungen zu machen und die angefertigten Bomben abzuholen." Da der Strike eintrat, so konnte Lepet nur 22 Bomben liefern, nämlich 3 am 16. April, 15 am 17. und 4 am 19.; ohne der Strike würde er 400 zum wenigsten fabricirt haben. Es scheint, daß eines der Modelle zu einem Versuche diente, weicherem der Umgegend von Paris gemacht wurde und dessen furchtbare Wirkungen auf die Verschwo- rcnen einen befriedigenden Eindruck machten. Die einundzwanzig anderen Bomben wurden in der Wohnung Rousset's mit Beschlag belegt." So das officielle Blatt. Was Roussel anbelangt, so ist es nicht begründet, daß derselbe bereits ver- haftet ist. Die Polizei soll nur auf seiner Spur sein. Der Gießer Lepet selbst wird mit allen Verhafteten confrontirt werden, da er ausgesagt, daß er den, welcher bei ihm die Bomben bestellte, sehr leicht wieder erkennen werde. Wie die offi- ciöscn Berichte ferner versichern, will die Polizei den Beweis haben, daß Flourens die Bomben be- zahlt habe. Die Verhaftungen dauern fort. Viele Personen wurden festgenommen. Der„Figaro" veröffentlicht nicht blos Abbil- düngen der Bomben, die man bei den in das Complot verwickelten Personen gefunden hat, son- dcrn auch die ausführlichste Beschreibung derselben, die aber nur für Mechaniker vom Fach, Feuerwerker und Artilleristen vollkommen verständlich ist. Eine bcmerkenswerthe Thatsache ist es, daß diese Bomben in jeder Beziehung Meisterstücke sind. Das Metall ist von ausgezeichneter Qualität. Es ist vom dritten Guß, d. h. das Produkt des Gusses einer schon feinen, fehlerfreien Schmelzung. Das Complot hat sein Arsenal. Gießer, Former und Ajusteur sind gleich ausgezeichnete Arbeiter gewesen. Ebenso zeigt sich aus den gefundenen Papieren, daß ein sehr geschickter Chemiker sich an dem Complot betheiligt hat. Die Bomben gleichen den kleinen Kuchen, welche man Savarins nennt, und bilden eine Art Krone; der mittlere Theil, statt ausgehöhlt zu sein, ist voll und besteht aus zwei zusammengeschraubten Platten. Der äußere Rand der gußeisernen Wurst ist mit Löchern versehen, welche Luft geben sollen. Durch eines dieser Löcher geht ein Mcssingdraht mit einer Handhabe und genügendem Spielraum, um die Bombe auf weite Entfernung schleudern zu können. Im Innern der kreisförmigen Wurst laufen vier Röhren aus dünnem Glase, bestimmt, um die Explosionsmassc aufzunehmen, und mit Korkstöpseln verschlossen. Der freie Raum ist mit zerhackten Nägeln ange- füllt, deren Bestimmung ist, die Glasröhren zu zerschmettern, sobald die Bombe hart aufschlägt, und al« Geschoß zu dienen, sobald das Pikrinsäure Kali explodirt. Der Durchmesser der Bombe ist ungefähr 12 Centimcter s4Vz Zoll). Man sieht also, daß sie bequem in die Tasche eines Paletots gesteckt werden kann. In Bezug auf die Abstimmung des Militärs in Frankreich bei Gelegenheit des PlebiScits sind folgende Aktenstücke hervorzuheben. Das Comits, welches gegen Abstimmung im Sinne der Regierung agitirt, hat folgendes Manifest an die Armee gerichtet, welches der„Siöcle" an der Spitze seines Blattes veröffentlicht: Soldaten! Ihr wäret Bürger, che Ihr Soldaten wurdet. Euer Herz schlägt wie das unsrige bei dem Ge- danken an das Vaterland und an die Freiheit; hört also unsere Brudcrworte. Wir haben mit Euch in Euren eigenen theucrstcn Interessen, welche wir von den unsrigen nicht trennen, zu reden. Man wird Euch in den Kasernen zusammcnberiifen und Euch Eure Zustimmung zu Gunsten eines Systeme« abfordern, welches noch schwerer aus Euch als auf den anderen Staatsbürgern lastet. Als Wähler macht Ihr einen Theil des souveränen Volkes au«, und da das Kaiserthum von neuem seine Kandidatschaft auf- stellt, so befragt Euch und Eure Vernunft und den ge- ünden Menschenverstand; Minister, Generale, Obersten haben nichts über das zu bestimmen, was in den Bereich Eure« Gewissens gehört. Wenn Ihr glaubt, daß eine Flügeln, aber kein andere« Kleidungsstück als kurze rothe Beinkleider und an der Ferse ihrer Sandalen kleine Flügel trugen. Jeder dieser Mercure hatte vor sich ein mit gühcnden Kohlen gefülltes Bronzebecken, in welchem lange eherne Stäbe glühend gemacht wurden. Mit diesen glühenden Stäben überzeugten sie sich ob die Sclaven-Gladialoren, die, wenn sie schwer verwundet waren, sich bisweilen todt stellten, um nicht weiter zu kämpfen, wirklich zu leben aufgehört hätten. Der Mercur gewann diese Gewißheit, indem er die Wunden mit seinem glühenden Stabe berührte, denn unter solchen entsetzlichen Schmerzen war es unmöglich die Unempfindlichkeit des Tode« zu erheucheln. Diese Mctallstäbc dienten ferner dazu, die Sclavcn, welche vor ihrem Gcgener zurückwichen, wieder in den Kampf zu treiben.(Geschichtlich. l Sylvest bemerkte überdies an der UmfangSmauer Män« ncr mit langen Bärtcn von riesiger Größe, die wie Pluto, der Höllengott der Heiden, gekleidet waren und unbeweglich wie die Bildsäulen an den Nischen standen. Sie trugen eine Krone von Kupfer mit spitzen Zacken, waren in schwarze Toga« gehüllt, auf den man silberne Sterne sah und stützten sich auf den langen Griss ihrer Schmiedehammer. Man nannte sie Plntoncn und sie halten die Opfer, welche noch athmeten, mit ihrem Hammer zu erschlagen.(Geschichtlich.) Bei den beiden Eingängen der Gladiatoren endlich standen die Waffenherolde mit einem scharlachrothem Streifen um den Kopf, mit weißer EhlamyS bekleidet, und mit einem Elfenbcinstab in der Hand. Neben diosen Herolden hielten sich die Bläser, welche mit Silber gestickte grüne Röcke trugen, auf. Ihre Beinkleider von derselben Farbe verschwanden unter dem Schafte der großen Lcder- stiefeln, welche bis in die Mitte der Schenkel reichten. In der Hand hielten sie ihre ungeheuren Hörner, um sie jeden Augenblick an den Mund setzen zu können. Man wartete mit dem Beginn de« Festes uoch aus die Ankunft der Aedilen, obgleich da» Amphitheater mit Menschen voll gefüllt war. Geschrei und Pfeifen verrieth die Ungeduld der Menge. Die Beleuchtung des GrcuS gab dem Schauspiele etwas Unheimliches; die zahllosen Kerzen um die Arena her überschwemmten sie wie die Zuschaue» im ersten Range und den Sitzreihen zunächst dem Lichtheerde mit blendender Helle, während dieselbe noch den obcrn Reihen zu mehr und mehr abnahm, so daß in dem röthlichcn matten Scheine die Tausende von Menschengestalten auf den höchstenReihen des Amphitheaters bleichen Phantomen glichen, die in dem Dunkel, in welchem Himmel die Sterne glä»zten, kaum zu erkennen waren. Mit einem male entstand großer Lärm auf der ersten Galerie, wo bis dahin mehrere Plätze frei gehalten worden waren. Sylvest sah sie bald von seinem Herrn Diabolus und mehrern andern Freunden desselben ein- nehmen, die gleich ihm prächtig gekleidet waren und mit ihm von einem Gelage zu kommen schienen, da sie Kränze von grünen Wcinblättern und in der Hand große Rosen- sträuße trugen. Das lärmende Eintreten dieser jungen Leute, ihr lautes Sprechen, ihr Lachen, ihr Aussehen verrieth ihre halbe Trunkenheit. DiaboluS, der sich über die Brustlehne neigte, betrachtete lange da« Amphitheater uud grüßte dahin und dorthin; dann erkannte er seinen Sclaven. da er sich gerade dem Ort gegenüber befand, wo die Verurtheilten bewahrt wurden, zeigte ihn seinen Freunden nnd lachte laut, während er ihm mit der Faust drohete. E« glebt im Himmel rächende Götter. In dem Augen blicke al« Diabolus so das Schicksal seine« Sclaven verhöhnte, hörte dieser sagen: Die dort oben sind verloren; dann hörte er hinter sich unter seinen Gefährten seinen Namen nennen. Er horchte und eine Stimme sagte i» gallischer Sprache: E« muß unter un« ein Genosse Namen« Sylvest sein. Warum antwortet er nicht? Schon mehrmals habe ich Ihn gerufen. Ist er taub? Sylvest! Sylvest! Da bin ich, antwortete der Sclave, dicht am Gitter und ich mag auch meinen Platz nicht verlassen. Komm zu mir, wenn Du mir etwa« zu saqen hast. Nach einigen Augenblicken kam Einer der Verurtheilten zu ihm, der noch jung war, an der Stirn das Zeichen al« Flüchtling trug und in gallischer Sprache zu ihm sagte: Du heißest Sylvest? Ja. Sclave»es DiaboluS und der Koch heißt Vierwürz? Ja. Vierwllr; hat mir eine gute Nachricht für Dich mit- gegeben, ich traf ihn vorgestern auf dem Markte; ich kenne ihn schon lange und sagte zu ihm: binnen zwei Tagen werde ich frei im Walde, oder verurthcilt sein den wilden Thieren vorgeworfen zu werden, denn diese Nacht noch versuche ich zu entfliehen und mein Herr hat mir gedrohet, wenn ich noch einen Fluchtversuch machte und er holte mich ein, mich in den Circus zu schicken. Willst Du diese Nacht mit mir fliehen? Zwei haben immer mehr Glück als einer allein.— Nein, antwortete Vicrwllrz, ich kann Dich diese Nacht nicht begleiten; aber wenn Du ergriffen, zu Deinem Herrn zurückgebracht und in den CircnS geschleppt wirst, findest Du unter den Vcrurtheil- icn einen Gallier, Namen« Sylvest, Sclave des Diabo- lus; sage ihm, um ihm den Tod süß zu machen: unser Herr hat eine ziemliche Anzahl junger Freunde zu einem glänzenden Gelage geladen, das morgen vor dem Schau- spiel imzEircu« stattfinden soll, in den sie nach dem Essen gehen wollen. Schon lange warte ich auf die Zeit mich zu rächen; Sylvest hatte mich veranlaßt meinen Plan zu verschieben, weil er sagte, bei dem nahen Aufbruche des römischen HeercS würden die Sclaven bewaffnet auf- stehen. Vergebliche Hoffnung! Gestern versicherte man bei meinem Herrn, daß das römische Heer in Gal- licn bleibe. Wa« sagst Du? fiel Sylvest angstvoll ein. Ist diese Nachricht wahr? Ja wohl, denn die Quartiere, die in den Vorstädten von Orange für den Vortrab angesagt waren, sind gestern abbestellt worden, wie ich gewiß weiß. Wehe, Wehe! rief Sylvest trostlos aus. Wann wird nvn der Tag der Befreiung kommen! Da der Ausstand sonach für die nächste Zeit unmög- lich geworden ist, setzte Vierwürz hinzu, so beeile ich mich und euch gleichzeitig zu rächen. Ich habe von einer Zau- berin ein sichere«, langsam wirkende« Gift gekauft und es an einem Hnnde versucht. Es wirkte erst nach einigen Stunden, aber dann furchtbar heftig. Bei dem morgen- den Gelage werden die ausgesuchtesten Ehrengerichte, die man erst zu Ende austrägt, durch mich vergiftet sein, wie die letzten Krüge Wein. Stach meinem Versuche an dem Hunde zu schließen, müssen DiaboluS und seine Freunde im EircuS während des Festes sterben. Sage das Sylvest,.wenn Du im Circu« zu ihm gelan- gen kannst. Sollte er sterben, ehe er DiaboluS und dessen Schaar verscheiden sah, so wird er wenigstens die Ueber- zcugung mit sich nehmen, daß ihm unser Herr und dessen Freunde bald nachfolgen. Ist die That geschehen, so werde ich zu entfliehen suchen. Werde ich ergrissen, so habe ich mein Leben schon im Voraus aufgegeben.— Mit diesen Worten verließ mich Vierwürz, ich versuchte es mit der Flucht, aber mein Herr beobachtete mich und überraschte mich als ich über die Mauer stieg. Drei Stunden später wurde ich in den Circus geführt und seit wir beisammen sind, rufe ich Dich, um mein Versprechen zu lösen, das ich Vierwürz gegeben habe. In diesem Augenblicke hat er wahrscheinlich da« Hau« seines Herrn bereits verlassen. Möge nur da« Gift sicher sein, damit die"verfluchten Römer sterben wie vergiftete Ratten. Siehst Du, sagte Sylvest zu dem anderen Bcrurthcil tcn, siehst Du auf der Galerie über den wilden Thieren den jungen Herrn mit dem Weinlaubkranze, in der silber gestickten Chlamy« von blauer Seide, der eben an dem Riscnstrauß riecht, welchen er in der Hand hat? Ich sehe ihn. Da« ist DiaboluS. Bei allem Blute, daS fließen wird, entgegnete der Sklave mit wilder Freude, so werden wir also auch unser Fcstschauspiel haben? Lacht nur, ihr trunkenen Herrchen, blinzelt verliebt nach den Buhlcrinnen, heute Abend noch wird der Marmor der glänzenden Galerie dort oben seine Leichen haben wie die blutgetränkte Arena hier unten. Laßt Euch doch etwa« in das Gesicht sehen, ihr schönen jungen Herren, ihr stolzen römischen Sieger, ihr da oben aus dem vergoldeten, mit Wohlgerüchcn erfüllten, glän- zend beleuchteten Balkon, und wir besiegte Gallier, wir Sklaven drunten; lasset Euch in'« Gesicht schauen und nehmt unfern Gruß; seid Ihr doch verurtheilt wie wir; sollen wir doch zusammen sterben, wir unter den Klauen und Zähnen der wilden Thiere, Ihr v»n Gift. ['I de Wu ttl ni Regierung, welche Euch während Eurer schönst!' jähre allem, was Euch lieb und theuer ist, Eurw pflichten, Eurer Hoffnung auf den Beruf entnift Euch zu Fremden im eigenen Lande macht, und» die Gerechtigkeit, noch gegen Eure Frclheit hl stimmt mit„Ja" unter den Augen Eurer Wenn Ihr dagegen Euern Platz am heimische Euer Recht auf da« sociale Leben wieder ei doch zur Verfügung des Vaterlandes bleiben den Fall, daß feine Sicherheit, seine Ehre bed — und dann stände die ganze Demokratie Seite—; wenn Ihr glaubt, daß die Freiheit dej aller Güter ist; wenn Ihre« müde seid, einer Poliiil__ Ihr selbst bekämpfen würdet, sobaldJhr nicht mehr«' rnis seid, zum Schilde und zum Werkzeuge zu dune»! t B Ihr von diesen wüsten, ftuchtlosen Kriegen, nw ilhast das best- Blut kosten, nicht« mehr wissen wolly a„I« Ihr schließlich als freie Männer in einem sich"? uns lande leben wollt: so stimmt kühn mit„Rii�"ibtig glaubt nicht, daß dieser mannhafte Akt Euch ta:äB w sucht und Verfolgung preisgebe; der Geist sss!®?orgl wird Euch beschützen. Und mögt Ihr weiter irr"* Ine i Eure Chefs es so gut wie Ihr kennen, daß diiid' tt 3n; Frankreich keine dynastische, sondern eine national! iicioi lution ist. Wenn sie auch ihren Gefühlen lei»� i-pelli Lauf lassen, nicht mehr als Ihr haben sie Urftst korpi od des CäsariSmus zu beglückwünschen. Ist'»ion i derung nur ausschließlich die Belohnung des LJn' ti nr und der geleisteten Dienste? Sie wie Ihr mög«1' antworten. Und die Besseren unter denen, Irl befehligen, wie oft seufzen sie nicht, daß sie lku» g williger finden, al« ihnen lieb ist, gewisse B-fthlü' ziehen, welche sie gezwungenermaßen Euch Wied"!' haben? Habt doch Vertrauen einer zum anders-ter läßt Euch in den Casernen abstimmen; man hivK'>z hq Eure Stimmen in den Mairien mit denen j bürget zu vereinigen; man entzieht Euch damit"J- heimniß der Abstimmung, ohne welches es u Herrschaft der Willkür weder Sicherheit, noch lli� der keil noch Würde für den Wähler gibt. Und I, in streitet man Euch dieses Recht, welches man maadem versagt, wenn e« sich nicht darum Hanl» freie Willensäußerung, vor welcher man fwU. Zwang aufzuerlegen? Ihr werdet diesem Tr»! Zang Recht widerfahren lassen,— und mit„Nein"? ijenw Diese» Votum wird der Bundcsvertrag zwischen® t, und Soldaten sein. Frankreich zählt auf die Armee kann auf Frankreich zählen." 1 1 Die„Marseillaise" veröffentlicht fer»® gende Agitationsschrift, die von Soldat® � pariser Garnison verbreitet sein soll:. ,kt Manifest eines JägcrbataillonS zu Fuß der', von Paris. Aufruf an die französische Armee-.'", tung bei der Abstimmung. Soldaten! Was lter Da der Sklav in seiner steigenden Begeistern! gesprochen hatte, daß die andern Gallier ihn hdss�« so erzählte er ihnen von der Rache de« Koche« Viss*,!)c fast alle Sklaven, die bis dahin ernst und schweif'.die in ihr Schicksal erheben gewesen waren und auf, vuln boden gesessen oder gelegen hatten, sprangen an»jj Gitter, um mit entsetzlicher Freude die so}atL jungen römischen Herren zu betrachten, die ei"®>-! chrecklichen Tod in sich trugen. Sylvest theilte anfangs diese Freude, dann"j-»g sich aber Vorwürfe, indem er an seinen Oh!»' sinen den Seemann, dachte, welcher die römischen Tage vor der Schlacht von Bannes geführt Ut v gallischen Tapferkeit und Redlichkeit nnwerft?"'ch i ~'.......»!>? Itttin« halte, Tausende von römischen Kriegern»» im Meere zu versenken. So sehr die Rache d® � IUI flu liyi VII VIUU�V 2 wq zu entschuldigen sein mochte, so schauderte �"j he r': während er zuerst das Zeichen zum bewaftn»� l»! stände gegeben haben würde, um die Kelten(.'dflcn verei zu brechen, die Römer niederzumachen u»d,.!t ssi, heit Gallien« wieder zu erringen. Aber wann l. Stunde dieses Aufstandcs schlagen? Wäre ernicht''!. � fest vor dem Tode gewesen, die Nachricht von �. bleiben de« römischen Heeres in Gallien würd< leicht gemacht haben, das Leben zu verlassen. � Hb m Wenn auch die einzelnen Menschen k l w erden doch die nächtlichen Zusamms� g, der Söhne der Mispel fort und fo'tP'j � bi« zu dem Tage der Gerechtigkeit und'r Ai freiung.. �" sp Da« Schmettern der Fanfaren riß Sylvest%- Träumerei; sie verkündeten die Ankunft der As- ......— zAlßZ ihren Platz auf ihrer Tribüne nahmen. Die gaben daraus das Zeichen zum Beginn de» Kawi Bläser stießen von neuem in ihre Kupfer-Jnstru' tiesc« Schweigen herrschte unter derMenge. Vier diatoren zu Pferde erschienen auf dem Kampsplatze den her, vier andere vom Süden. Die ersten ritt!' geschirrten weißen Rossen, die letzteren aus roth# schwarzen. Jeder Gladiator zu Pferde war leichten Lanze und einem bemalten und vergoldet versehen. Der Bronzehelm mit niedergeschlagen� der nur vor den Augen ein Paar Oeffnungen f 'eiiiQn Ät V en A 'tgl barg ihr Gesicht; Armschienen und ein eiserner � bedeckten den rechten Arm; sonst war ihr Kö"„ denn sie trugen nur den Gladiatorenschurz, der Hüsten durch einen ehernen Gürtel festgehalten welchem ihr langes Schwert hing. An den ss' sie eisenbeschlagene Sandalen. Diese Reiter, von Gewerbe, waren frei; wenigsten« kämpften willig, als tapfere Männer, wie sich die Vors«! vest« blos aus übergroßem Muthe oft geschlag nicht wie unglückliche Sklaven, die sich, zur Uw.- ihrer Herren, ohne Grund unter einander mordw, j Wegen der großen Vorliebe der Gallier für � ic vergaßen Sylvest und mehrere seiner Gefährtes � an die Eisenstäbe drängten, ihren nahen unwillkürlich An theil an dem Kampfe nahmen» u» Beifall durch Worte und Gcberdcn zu crken�) Eine große Anzahl dieser Reiter wurde gctödtel Pferde; keiner verließ den Kampsplatz ohne W»' z qs, ocm otr scamps ocr �uaoiaiotcu zu und die Plnlonen die Leichname hinweggescho» die tobten Pferde mittelst reich gezäumter* � trat ein Ruhepunkt ein..„z st Da hörte man lange« Gebrüll in der LSo � gegenüber, wo sich die verurtheilten Sclave«, � die ebenfall« vergittert und in Käfige geschieden, �' bald sah man langsam mit dumpfem Knurren Hin'r in einem dieser Käfige, drei Tiger in dem hj. � in dem mittelsten endlich einen Elephantcn' der so groß war, daß sein Rücken bald d>e. I rührte; die Thiere, welche einen Augenblick helle Licht im Circu« geblendet wurden, kante nicht bi« an die Gitterstäbe, sondern blieben Schatten, in dem man ihre Augen ttuchtt» � bebender Schauer überrieselte die gefangene«, z, die schwächsten jammerten laut, sanken nieder nv j.st ten ihr Gesicht; andere brachen in Verwünsch» ,, die Römer au« und noch andere endlich sch" pfindlich gegen die Gefahr zu bleiben. (Fortsetzung folgt.) ch ha Dri sola 'stel der: kan ..S , be d d-S P .'9 in gen. auch zu .den 'üstder ial ftan rinci ndfi We <1 'usge iit kann man wagen, Euch zur Abstimmung "? Man findet also deute, daß die Politi! i»t ist, und hofft fich unserer Abstimmung , um eine Majorität zu Gunsten der Regierung lichem Es sind kaum einige Tage, als mehre loch Asrika gesandt wurden, weil sie sich in die Versammlungen begeben hatten, um sich mit lchigsten Geiste zu durchdringen, welchen man >- An diesem Tage war die Politik schlecht sllr nimmt uns also für Hammel, welche nach dessen, der uns v-rspeis't, zu allen Saucen Wir protestiren! Alle Mittel werden angewandt ' uns zur Abstimmuug zu zwingen. Man wird »ns einzuschüchtern. Wir werden wiederum Wir wollen uns der Abstimmung enthalten. altung wird ein bürgerliches Abzeichen sein. Ja" oder„Nein" würden wir uns in Wider- .1. ans selbst bringen. Unsere Würde würde noch „JJtiB' tttbtigt werden. Soldaten! Erinnern wir uns !iich W!l>li ton; jjxjhni dem Bürgerstande angehörten, ist Fslr Jorgen demselben wieder angehören, daß unsere tcr!lttt Brüder, unsre Freunde Bürger sind, und ß dito!' tt Jmcresseu in dem Wohlergehen der Bürger latioli»» Actox Cyrille, Ex-Jäger des 18. Bataillons, n teilni tDM�ier. Haben unterzeichnet zehn Offiziere, :c UrlW. Korporale, fünfzig Jäger."— Eint andere Ist �. vsn an die Armee gehl von Straßburger Demo >eS nnd fordert dieselbe auf, mit„Nein" atie hcit d-I :Polil� ! mehr" dieneil! n.»l' n N-ol»!�. a fteie»> a mög-»' >, ff, Zrland it'" Besch"!' i» meldet man wieder von einer e-, pewaltthaten, welche gegen Pachter und loied-st �her verübt sind. In Delvin wurde .nders iiter NamcnS Hope nahe seiner eigenen " bon fünf Männern angefallen, welche über seinem Kopfe abschössen und ihm Folgen" androhten, falls er einen der ein Stück Feld in der Nachbarschaft in dessen Genüsse störe. In Athlone �iiß Counscll über die Straße, als ein lter ihr zurief, er hoffe bald„bei dem iängnisse ihres Vaters oder bei ihrer eige inwaschung" zugegen zu sein. Miß hat vor einiger Zeit eine kleine Besitzung « angekauft, welche dem unlängst von ermordeten Kapitän Tartlcton gehört hatte sein neues Gut noch nicht lange als er einen Drohbrief erhielt, und g'ht er nicht ohne eine Polizeieskorte ans. sten, Grafschaft Cläre, fand man Mauer welche die Grundeigenthümer der Um TT Androhung des TodeS auffordern, blxt� um 20 Procent herabzusetzen. Die �nden ebenfalls auf gleiche Weise bedroht, hohen Pachtsätze bezahlen. . lme bei Manchester haben Gewcrk- /toii� Glieder an einem Bauunternehmer gewalt- Ae genommen. Derselbe, NamcnS John- "chcr dadurch Anlaß gegeben zu haben ?h lifl' 1 cr Maschinen zur Herstellung von � einführte, saß in seiner Wohnstube, et voll Schießpulvcr mit einem Zünd� '"iA| Fenster geworfen wurde und explo� /?!and wurde verletzt, doch wurden Wände " stark beschädigt. Etwa um dieselbe �ssolb«e sein ungefähr eine Stunde Wegs vom 11■'stgener Holzschuppen in Brand gesteckt fünf anstoßenden Häusern stark be- in ßi lamit e« chlli td»l n an i1 Hand .sich t Tri tew" Isch-» die»' felNlll ?oldl>>" der >s len an» i! «- da liegen zwei sehr verschiedene Nach- '*■ Nach der einen wäre der Aufstand nach der zuletzt eingetroffenen sind die igen zu den Insurgenten über- Bewahrheitet sich das Letztere, so ist Aufstand entschieden im Wachsen und spanischen Regierung die Dämpfung Wt mehr gelingen._ »•,"'o nach '„«(1 Freiwill Vereins-Theil. f�tn Allg. deutsch. Ärbeiter-Berein.) Uglieder des Allg. deutsch. Arbeiter« . Vereins. ? habe ich mich bis jetzt bemüht, eine eben Drucklegung der Lassalle'schen AgitationS- solche früher von anderer Seite veranstaltet '»lstelligen zu lassen. Da aber die weitere »er kassalle'schen Schriften nicht länger aus- > kann, so habe ich angeordnet, daß dieselben 7„Social-Demokrat" zum Abdruck gelangen '°bc der Redaktion desfallsige Weisung crtheilt. ten � sstarteimilglied, welche« den„Soc.-Dem." crgßl»"g in den Besitz der Lassalle'schen Agitation«- .f uic reimet AUHig|"iu uuu clt e« der Absonderlichkeiten so viel, '"«llti' schwebende Fragen gründlich zu be- ""ii vorzubeugen und Jrrthümrr zu ver- die*|{Jch viel schreiben müßte. Nachstehende« �lur unsere Bewegung von Interesse sein. ick inte» ebe», ten nen »uns ."Nen Gewerbeverein, welcher nach Schulze- �Ndsätzrn wirkt. Seine Mitgtiederzahl be« Nleisten» sind e» Handwerksmeister, einige ..Präsident ist Besitzer einer leerstehenden Wohnlichen Versammlungen, sowie G eneral- -■ dieses Verein»«erden höchsten« von 6 �dern besucht. Diese geringe Theilnahme Urch, dnjj per praktischen und von gesunden "«gehenden Bevölkerung fremd klingende DeutschrS Maler«, Lackircr« und Vergolder-Gewerk. Hamburg, 2. Mai.(Zur Beachtung.) Ich zeige hiermit an, daß durch Wohnungswechsel meine Adresse vom 1. Mai ab lautet: Hüxter Nr. 11, 4. Etage, Jacob Ambrosius. Hannoder, 3. Mai.(Zum Malerstrike.) Die Cavitalisten finden es eigcnthümlich, wenn Arbeiter, die bisher am Leben geblieben und nicht verhungert sind, mit dem Lohne, den die Arbeltgeber zu bezahlen für gut sin- den, plötzlich nicht mehr zufrieden sind und mehr Lohn verlangen. Ja, wir sollen uns gar die Frage vorlegen: haben wir wirklich Ursache unS zu beklagen, wenn wir, wie z. B. Schreiber dieses, zehn Jahre ausgekommen sind, ohne zu stehlen oder zu betrügen? Nun, wir denken, daß, wenn seit zehn Jahren die Bedürfnisse, Lebensmittel, Logis und Kleider um das Dreifache im Preise gestiegen sind, und dann die Prinzipale nsch behaupten wollen, der frühere Lohn sei groß genug, um anständig, menschen würdig leben zu können, wir uns um ihr Gerede nicht weiter zu bekümmern haben. Jene machen einen großen Unterschied zwischen dem, was sie unter einem anständigen Leben der Arbeiter und einem solchen der Arbeitgeber verstehen. Für den Arbeiter soll z. B. Biertrinken, Tanz- lokale besuchen, gute Kleider tragen, gesunde Wohnungen haben und die Mitgliedschaft der ja doch nur„den Unter- gang alles Guten erstrebenden" Vereine verbotene Frucht i-in. Bielleicht kann sich ja auch einer, der auf alles die« Verzicht leistet, während eines Sommer« etwas, wenn auch nur sehr wenig, ersparen, wenn er auch über» Jahr an Stärke und Gesundheit verloren hat. DaS genirt aber die Capitalisten nicht; sie halten solches für das Le« den eines anständigen Arbeiters. Will aber der Arbeit- geber anständig mit seiner Familie leben, so muß er sich vom Schweiße der Arbeiter gehörig mästen, zwar nicht Tanzlokale besuchen, aber Vergnügungsreisen machen, Jagden für hunderte von Thalern pachten, sich nicht mit Bier erquicken, sondern In Wein berauschen u. s. w. Aber die Arbeiter haben derartige Anstandsregeln satt. Und so ist auch hier eine Arbeitseinstellung ausgebrochen, da die Arbeiter, um nicht verhungern zu müssen, gezwungen waren, mehr Lohn zu verlangen und schließlich die Arbeit einzustellen. Wir haben am 10. April die Arbeit einge- stellt; zwei Drittel der Collegen sind abgereist, die übri- gen Strikenden sind die Commission und eine Anzahl, welche festhalten und nicht reisen konnten. Leider haben Einige nicht zu arbeiten aufgehört und Einige sind auch zugereist. Diese können übrigen« die vorhandene Arbeit nicht bewältigen. Wir wenden un« also nochmals an Euch, Brüder in Nah und Fern, helft un« nach einmal mit Unterstützungen. Kurze Zeit nach und wir haben gewonnen. Spendet un« noch ein Scherflein, damit wir aushalten können. Mit Brudergrnß und Handschlag _ I.®. Fischer. Allzemeiner deutscher Maurer-Verei«. Hamburg, 3. Mai.(Zur Beachtung.) Ich richte an sämmtliche Mitglieder die dringende Bitte, den Zuzug nach Seehau.sen i. SC sabzuhalten, da unsere dortigen Collegen gezwungen sind wegen einer Lohnforderung die Arbeit einzustellen. Die dortigen Collegen müssen näm- lich größtenthcils auf dem Lande arbeiten, so daß sie oft 1— l'/a Stunden zur Arbeit zu gehen haben, da nun noch die Arbeitszeil von Morgens 5 bis Abends 7 Uhr dauert, so verlangen sie 20 Sgr. Lohn; bei dem jetzigen Lohne von 15 Sgr. können sie nicht existiren. Es scheint fast, als wollte der dortige Meister alles für sich allein haben, und zwar ohne alle Bemühungen, denn er hat bis zuletzt erklärt, er werde nichts mehr zahlen, trotzdem er sich schon seit fünf Jahren den beanspruchten Lohn von den Bauherren für die Arbeiter zahlen läßt. Etwaige Unterstützungen bitte man zu senden an C. Schlamkau, in Seehausen i. A. Mit Gruß und Handschlag Vater. Brandenburg, 1. Mai.(Strikt.) Collegen! Da unsere Forderung von den Meistern rundweg abgeschlagen wurde, so sahen wir uns gcnöthigt, die Arbeit niederzu- legen. Es ist uns nicht möglich länger bei einem so kläg- lichen Lohn und so schlechter Behandlung wie sie jetzt sind zu leben. Eine besondere Freundlichkeit von unfern Meistern dürfen wir Euch, Kameraden, nicht verhehlen Al« wir ihnen vor einigen Wochen unsere Forderung kund machten, gingen sie so weit, uns einen Bogen Papier vorzulegen, und zu sagen:„Dort müßt Ihr unterschreiben." Kameraden, wa« wir unterschreiben sollten, wußte fast keiner von uns. Ferner sagten die Meister zu uns: „Ihr dürft Euch an keiner Agitation bctheiligen". Also Freunde, nicht genug, daß man den Mann der Arbeit ausbeutet, man will ihm noch seine persönliche Freiheil entziehen, indem man ihm verbietet, Mitglied des Allg. deutsch. Maurer-Birein» zu sein. Aber da hörte denn doch die Gemüthlichkeit auf. Wir haben uns alle fest zusammengeschlossen, und jene, die noch nicht uns ange- hörten, erklärten:„Jetzt werden wir gerade Mitglieder." Uneinigkeit suchten die Meister dadurch hervorzurufen, daß Meister Tischer sagte:„10 Mann sollen nach Osnabrück". Allein die Zehn sagten,„so lange unsere Kameraden hier nicht die geforderten 25 Silbergroschen Lohn bekommen, arbeiten auch wir nicht mehr, noch viel weniger gehen wir nach auswärts". Zu bemerken ist noch, daß unser Bevollmächtigter H. Rothbauer sein Amt niederlegte; an seiner Stelle wurde da« Mitglied Schleue gewählt. Rothbauer ist Polier und war gegen den Strikt. Herr Schenk sucht den Strikt zu organistren; Einigkeit ist da. Die ledigen Arbeiter haben erklärt, fortzugehen. Da je- doch viele verheirathcte Arbeiter unter uns sind, so thut Hülse Roth. Wir bitten etwaige Unterstützungen an den Unteruichneten möglichst bald zu senden. Unser Sieg ist auch ein Fortschritt für die ganze Arbeiterbewegung. W. Schleue, vor dem Rathenowerlhor 50a, Allg. deutsch. Schuhmachcr-Verct«. Buckau, 3. Mai.(An die Mitglieder.) Die Abrech nungen für da« vergangene Quartal habe ich versandt sollten an einige Mitgliedschaften keine gelangt sein, bitte ich, sich sofort an mich zu wenden. Alle' Orte, die ihren Pflichten gegen die Hauptkassc noch nicht nachge- kommen sind, fordere ich auf, dieses bis zum 15. dss. zr thun, da ich sonst genöthigt bin. dieselben zu vcröffenl- lichen. Man verlangt von mir Pünktlichkeit in der Ver einsleitung; wie ist das möglich, wenn die Bcvollmäch tiglen nachlässig und saumselig sind? Es ist ein Jammer, daß gerade die Schuhmacher, deren Verhältnisse am schlech testen sind, hinter allen anderen Arbeitern zurückstehen Leider ist auch hier der Egoismus manches Mitgliedes Schuld, welches lieber den Verein zn Grunde richten möch- ten, als darauf verzichten, seinen Ehrgeiz zu sröhnen. In Betreff solcher Machinationen sollten aber doch bald alle Mitglieder wissen, wr« Geistes die Kinder sind, die sich blos um ihre persönlichen Angelegenheiten bekümmern und unser Prinzip bei Seite sitzen. Zeigen wir, daß wir Lassalleancr sind, bekämpfen wir die Capitalmacht und nicht unS gegenseitig. Seid einig, einig, einig. Mit social-demokratischem Gruß Gregor ZielowSky, Präsident. Allg. deutsche dereinigte Metallart eiterschaft. Die Reiseunterstlltzung wird in ieipzig, Kohlenstr. Tr., ausgezahlt Mittags von 12—1 Um und Abends 7—8 Uhr bei dem Bevollmächtigten W. Strohbach. Allgem. Taback- uud Cigarreuarbeiter. Gewerkschaft. Altona, 3. Mai.(Zur Beachtung.) Unser Ver- kehr ist seit dem 1. Mai nach P. Petersen, Christianstr. Nr. 8, verlegt. Für freundliche Aufnahme ist bestens ge sorgt,„Social-Demokrat" und„Agitator" liegen aus Reisegeld wird ausgezahlt zu jeder Tageszeit bei dem Unterzeichneten <5. Albrecht, Schauenburgerstr. 98, 2. Etage. Offenes Antwortschreiben. an das Central- Comitö zur Berufung eine« Allgemeinen deutschen Arbeitercongresse« zu Leipzig von Ferdinand Lassalle. Meine Herren! Sie fordern mich in Ihrer Zuschrift auf, Ihnen in irgend einer mir paffend erschlinenden Form meine An ichten über die Arbeiterbewegung und über die Mittel, deren sie sich zu bedienen hat, um die Verbesserung der Lage de» Arbeiterstandes in politischer, materieller und geistiger Beziehung zu erreichen, sowie besonders auch über den Werth der Associationen für die ganz unbemittelte Volksklasse auszusprechen. Ich nehme keinen Anstand, Ihrem Wunsche nachzukom men und wähle dazu die einfachste, durch die Natur der Sache nahe gelegte Form, die Form eine« öffentlichen Send- und Antwortschreiben« auf Ihren Brief. Ich bemerke nur, daß in Folge meiner in diesem Mo ment durch nothwendige Arbeiten sehr in Anspruch ge- nommencn Zeit dieser Brief sich der größmöglichsten Kürze befleißigen muß, wa« übrigen» Ihrem eigenen Zwecke ent- sprechen wird. Als Sie im Oktober vorigen Jahres, zu welcher Zeit ich gerade von hier abwesend war, die erste Vorberathung in Berlin über den deutschen Arbeiterkongreß hielten, der ich in den Veröffentlichungen durch die Zeitungen mit Juteresse gefolgt bin, wurden zwei entgegengesetzte An sichten in der Versammlung geltend macht. Die Eine ging dahin, daß Sie sich überhaupt um die politische Bewegung nicht zu bekümmern hätten und diese interesselos für Sie sei. Die Andere ging im Gegentheil dahin, daß Sie Sich als den Anhang der preußischen Fortschrittspartei zu betrachten, und den selbstlofen Chor und Resonanzboden für sie abzugeben hätten. Wäre ich damals in Ihrer Versammlung gegenwärtig gewesen, so würde ich mich gleichmäßig gegeuveide« ausgesprochen haben. E« ist geradezu vollständig beschränkt, zu glauben, daß den Arbeiter die politische Bewegung und EntWickelung nicht zu kümmern habe! Ganz im Gegentheil kann der Arbeiter die Erfüllung seiner legitimen Interessen nur von der politischen Freiheit erwarten. Schon die Frage, inwiefern Sie Sich versammeln, Ihre Interessen discutiren, Vereine und Zweigvereine zur Wahrnehmung derselben bilden dürfen»c., ist eine von der politischen Lage und politischen Gesetzgebung abhängige Frage, uud es verlohnt sich daher nicht, eine so beschränkte Ansicht erst noch durch weiteres Eingehen zu widerlegen. Nicht weniger falsch und irreleitend war aber auch das entgcgegengesetzte Ansinnen, da« Ihnen gestellt wurde, sich politisch nur al« den Anhang der Fortschrittspartei zu betrachten! Zwar wäre es ungerecht gewesen, zu verkennen, daß sich die preußische Fortschrittspartei damals in ihrem Kon- flikt mit der preußischen Regierung durch ihr Festhalten an dem BudgetbcwilligungSrccht und ihren Widerstand gegen die Militärreorganisation in Preußen ein gewisses, wenn auch mäßiges, Verdienst um die politische Freiheit erworben hatte. Gleichwohl war schon damals die Erfüllung jene» Ansinnens durch die folgenden Gründe vollständig aus« geschlossen: Erstens ziemte eine solche Haltung von vornherein nicht einer so mächtigen und selbstständigen, viel prin- cipiellcre Politische Zwecke verfolgenden Partei, wie die deutsche Arbeiterpartei zu sein hat, gegenüber einer Partei, welche, wie die preußische Fortschritt«« Partei, in principicller Hinsicht nur da« Festhalten an der preußischen Verfassung als ihre Fahne aufpflanzt und nur Dinge wie die Abwehr einer einseitigen Umgestaltung der Militärorganisation— die man in andern deutschen Ländern nicht einmal versucht— oder wie da« Fest« halten am Budgeibewilligungsrecht— das man in an« dern deutschen Ländern nicht einmal bestreitet— zuni Inhalte ihres Kampfe« hat.— Zweitens stand jedenfalls durch nicht« fest, ob die preußische Fortschrittspartei ihren Konflikt mit der Preußi« scheu Regierung mit jener Würde und Energie zum Au«- trag bringen werde, welche allein des Arbeilerstande» angemessen ist und auf seine warme Sympathie rechnen kann. Drittens stand eben so durch nichts fest, ob die preu« ßischc Fortschrittspartei, wenn sie selbst den Sieg über die Preußische Regierung errungen, diesen Sieg im Jnter» esse des gesammtcn Volkes oder nur zur Aufrecht« erhaltung der privilegirten Stellung der Bourgeoisie aus- nutzen würde; d. h. ob sie diesen Sieg zur Herstellung des allgemeinen gleichen und directen Wahl- rechts, welches durch die demokratischen Grundsätze und die legitimen Interessen de« ArbeiterflandeS geboten ist, verwcnden würde oder nicht. Im letzteren Falle konnte sie offenbar nicht aus da» geringste Jnlercffe von Seiten des deutschen ArbeiterflandeS Anspruch machen. Dies wäre e« gewesen, was ich Ihnen damals in Bezug auf jenes Ansinnen zu sagen gehabt hätte. Heute kaü.n ich noch hinzufügen, daß sich seitdem auch thatsächlich hat,— was damals freilich schon unschwer vorauSzufetzi» war, daß eS der preußischen Fortschrittspartei vollständig an jener Energie gebricht, welche erforderlich gewesen wäre, um auch nur jenen beschränkten Conflict zwischen ihr und der preußischen Regierung würdig und siegreich zum Austrag zu bringen. Indem sie trotz deS ihr von der Regierung thatsäch« lich verweigerten BudgetbewilligungSrcchte« fortfährt, sortzutagen und parlamentarische Geschäfte mit einem Ministerium zu erledigen, welche« von ihr selbst für criminalrc chtlich verantwortlich erklärt worden ist, erniedrigt sie durch diesen Widerspruch sich und da» Volk durch das Schauspiel einer Schwäche und Würdelosigkeit ohne Gleichen! Indem sie trotz des von ihr selbst erklärten Ver« fassungSbruchs, fortfährt sortzutagen, fortzudebattiren und mit der Regierung Parlamentarische Geschäfte zu ordnen, ist sie selbst der Regierung behülflich und bietet ihr dazu die Hand, de» Schein eine« constitutio« nellen Zustande« aufrecht zu erhalten. Statt die Sitzungen der Kammer für auf so lange geschlossen zu erklären, bis die Regieruug die von der Kammer verweigerten Ausgaben nicht länger fortzusetzen erklärt haben werde, und hierdurch der Regierung die unvermeidliche Alternative zu setzen, entweder das ver« fassungsmäßige Recht der Kammer zu achten oder aber auf jeden Schein und Apparat eines constitutionellen ZustandcS zu verzichten, offen und unumwunden als absolute Regierung zu wirthschaften, die un» geheure Verantwortlichkeit einer solchen auf sich zu nehmen und so selbst die Krise herbeizuführen, welche all- mälig al« die Frucht des offenen Absolutismus eintreten müßte— setzt sie selbst die Regierung in den Stand, alle Vorthcile der absoluten Gewalt mit allen Vortheilcn eine« scheinbar constitutionellen ZustandcS zu verbinden. Und indem sie statt die Regierung auf den offenen unverhüllten Absolutismus hinzudrängen und da« Volk durch die That über das Nichtvorhandensein eines ver« fassungsmäßigcn Zustande« aufzuklären, einwilligt, ihre Rolle in dieser Comödie des Scheinconstituiionalismu» wciterzuspielen, hilft sie einen Schein aufrecht erhalten, welcher wie jede« auf Schein beruhende Regicrungssystem verwirrend auf die Intelligenz und depravirend auf die Sittlichkeit deS Volkes einwirken muß*). Eine solche Partei hat dadurch gezeigt, daß sie einer entschlossenen Regierung gegenüber durchaus ohn« mächtig ist und stet« sein wird. Eine solche Partei hat gezeigt, daß sie eben dadurch vollkommen unfähig ist, auch nur die geringste reelle Entwicklung der FreiheitSinteressen herbeizu- ühren. Eine solche Partei hat gezeigt, daß sie keinen Anspruch aus die Sympathien der demokratischen Schichten der Be« völkerung hat und daß sie ohne jeden Sinn und Ver» iändniß für das politische Ehrgefühl ist, welche» den Arbeiterstand durchdringen muß. Eine solche Partei hat, mit einem Worte, thatsächlich gezeigt, daß sie nicht« anderes ist, als die mit einem an« dern Namen geschmückte Wiedcrauferstehung deS verrufenen GothaerthumS. Die« kann ich Ihnen heute hinzufügen. Heute wie damals endlich hätte ich Ihnen noch ägen müssen, daß eine Partei, welche sich durch ihr Dogma von der„preußischen Spitze" zwingt, in der preußi- 'chen Regierung den berufenen Messia» für die deutsche Wiedergeburt zu sehen, während e«, und zwar mit Einschluß Hessens, nicht eine einzige deutsche Regie« rung giebl, welche hinter der preußischen In politischer Beziehung zurückstände, während e«, und zwar mit Ein« *) Siehe Wa« nun? Zürich. 1863. ausführlicher hierüber Zweiler Bortrag über meine Broschüre: Verfassungswesen." chluß Oestreichs, fast keine einzige deutsche Re- gierung giebt, welche der preußischen nicht n«ch de- deutend voran» wäre— schon hierdurch allein sich jede» Ansprüche» bcgiebt, den deutschen Arbeiterstand zu reprä- sentiren: denn eine solche Partei legt hierdurch allein schon eine Versunkcnheit in Illusion, Selbstüberhebung und sich In bloßer Wortberauschung befriedigende Un- sähigkeit an den Tag, welche jede Hoffnung von ihr eine reelle Entwicklung der Freiheit des deutschen Bolle» zu erwarte», beseitigen muß. Au» dem Gesagten ergiebt sich nun mit Bestimmt heit, welche Haltung der Arbeilerstand in politischer Hin ficht annehmen und welches Jöerhällniß zur Forlschritts Partei er beobachten muß. Der Arbeiterstand muß sich al» selbständige politische Partei constituiren und das allgemeine gleiche und directe Wahlrecht zu dem principiellen?osungSwort und Banner dieser Partei machen. Die Vertretung des Arbeiter- standeS in den gesetzgebenden Körpern Deutsch landS— dies ist es allein, was in politischer Hinsicht seine legitimen Interessen befriedigen kann. Eine fried- liche und gesetzliche Agitation hiefür mit allen gesetzlichen Mitteln zu eröffnen, das ist und muß in politischer Hinsicht das Programm der Arbeiterpartei sein. ES erhellt von selbst, wie diese Arbeiterpartei sich zur deutschen Fortschrittspartei zu verhallen hat. Sich überall als eine selbständige und durchaus von ihr getrennte Partei zu fühlen und zu constituiren, gleich- Wohl die Fortschrittspartei in solchen Punkten und Fragen zu unterstützen, in welchen das Interesse ein gemeinschaftliches ist, ihr entschieden den Rücken zu kehren und gegen sie aufzutreten, so oft sie sich von demselben cnt fernl, die Fortschrittspartei eben dadurch zu zwingen, enb weder sich vorwärts zu entwickeln und das Fortschritts Niveau zu übersteigen oder aber inimer tiefer in den Sumpf von Bedeutung«- und Machelosigkeit zu versinken, in wcl chcm sie bereits knietief angelangt ist,— das muß die einfache Taktik der deutschen Arbeiterpartei gegen über der Fortschrittspartei sein Soviel über da«, was Sie in politischer Hinsicht zu thun haben. Run zu der Sic mit Recht in noch höherem Grade intercisirenden socialen Frage, die Sic aufwerfen.— Nicht ohne schmerzliches Lächeln habe ich aus den öffent lichen Blättern entnommen, daß die Debatten über Frei zügigkeit und Gcwcrbesreiheit einen Theil Ihrer für den Congreß projectirtcn Tagesordnung bilden sollen. Wie, meine Herren, Sie wollten über Freizügigkeit debatliren? ?ch weiß Ihnen hierauf nur mit dem Distichon Schiller'« zu antworten: „Jahre lang schon bedien' ich mich meiner Nase zum Riechen, Aber Hab' ich an sie auch ein erweisliches Recht?� lind verhält es sich mit der Gewerbefreiheit nicht ganz ebenso? Alle diese Debatten hätten mindestens den Einen Fehler — um mehr als fünfzig Jahre zu spät zu kommen! I Freizügigkeit und Gcwcrbefrciheit sind Dinge, welche man in einem gesetzgebenden Körper stumm und lautlos decrelirt, aber nicht mehr dcbattirt. Sollte der deutsche Arbeiterstand gleichfalls das Schau spiel jener Versammlungen wiederholen wollen, deren Selbstgenuß darin besteht, sich in zwecklos langen Reden zu befriedigen und zu beklatschen? Der Ernst und die Thalkraft des deutschen Arbei terstandes werden ihn vor einem so kläglichen Schauspiel zu bewahren wissen! Aber Sic wollen Sparkassen, Invaliden- Hülfs- und Krankenkassen stiften? Ich erkenne gern den relativen, obwohl äußerst unter geordneten und kaum der Rede wcrthen Nutzen dieser In siitnte an. Aber unterscheiden wir gänzlich zwei Fragen, die schlechterdings nicht« mit einander zu thun haben. Ist eS Ihr Zweck, da» Elend von Arbeilerindividucn erträglicher zu machen? Dem Leichtsinn, der Krankheit, dem Aller, den Unglücksfällen aller Ait eutgcgenzuwirkeu, wodurch zufällig oder uothwendig einzelne Arbeiterindivi- duen noch unter die normale Lage de« Arbeilerstandes hinunter gedrückt werden? In diesem Falle sind Kranken-, Invaliden-, Spar- und HülfSkassen ganz angemessene Mittel. Nur verlohnte eS sich dann nicht, für einen solchen Zweck eine Bewegung durch ganz Deutschland anzuregen, eine allgemeine Agilw tion in den gesammten Arbeilerstand der Nation zu«cifeu Man muß nicht die Berge kreisen lassen, als wollten sie gebären, damit dann ein kleine« Mäuschen zum Bor schein komme. Dieser so höchst beschränkte und untergeordnete Zweck ist vielmehr ruhig den localen Vereinen und der localen Organisation zu überlassen, die ihn auch weit besser zu erreichen vermögen. Oder aber ist es Ihr Zweck: die normale Lage deS ge sammten Arbeilerstandes selbst zu verbessern und über ihr jetziges Niveau zu erheben? Und freilich ist das und muß das Ihr Zweck sein Aber es bedarf eben nur der scharfen Unterschei dungslinie, die ich hier zwischen diesen beiden Zwecken. die nicht mit einander verwechselt werden dürfen, gezogen habe, um Sic blsser als durch eine lange Abhandlung einsehen zu lassen, wie ganz und gar ohnmächtig zur Er rcichnna dieses zweiten Zwecke« und somit wie ganz und gar außerhalb dcsUmfangS der jetzigen Arbeiterbewegung liegend jene Justitule stnd. Nur das Zeugniß eines einzigen Gewährsmannes er- lauben Sie mir anzuführen, das Eingeständniß des streng konservatlveu, streng royalistischen Professor Huber, eines Mannes, welcher gleichfalls der socialen Frage und der EntWickelung der Arbeiterbewegung seine Studien ge widmet hat. Ich liebe e», die Zeugnisse diese» Mannes anzuführen — und werde es daher im Laufe dieses Briefe« noch hin und wilder thun— weil er, in politischer Hinsicht aus durchaus entgegengesetztem und in ökonomischer Hinsicht auf durchaus verschiedenem Standpunkt mit mir stehend, durch sein Zeugniß am besten den Verdacht beseitigen muß, al« sei der geringe Werth, den ich auf jene Institute lege, nur die Folge vorgefaßter politischer Tendenzen; anderer seit» weil Professor Huber, eben so weit vom Liberalis muS entfernt, wie von meinen politischen Ansichten, ge rade dadurch die nöthigc Unbefangenheit hat, auf national-ökonomischem Boden wahrheitsgetreue Eingeständ uiffe abzulegen, während alle Anhänger der liberalen Schule auf national-ökonomischem Boden gezwungen stnd, die Arbeiter, oder zu besserer Täuschung dieser vor- her auch sich selbst, zu täuschen, um die Dinge in Uebereinstimmung mit ihren Tendenzen zu erhalten. „Ohne daher"— sagt Professor Huber in seiner Toncordia—„ohne daher den relativen Nutzen der Sparkassen, Hüls«« und Krankenkassen-c., so weit er wirtlich geht, irgend zu verkennen, können diese guten Dinge doch insofern gerade zu große negative Nach- theil- mir sich führen, als sie dem Besscru hinderlich in den Weg treten." diese großen negativen Nachtheile bewährt haben und dem Bessern hindernd In den Weg getreten sein, als wenn sie die Kräfte der großen allgemeinen deutschen Arbeiter- bewegung für sich in Anspruch nehmen oder auch nur theilen sollten. Aber Sie sollen, so hieß e« in verschiedenen Zeitungen, und so wird wie Ihr Brief selbst besagt, von fast allen Orteu Ihnen anempfohlen, die Schulze-Delitz'schen Or- qanisationen, seine Vorschuß- und Ereditvereine, seine Rohstoffvercinc und seine Eonsumvcrcine zur Verbesserung der Lage de» Arbeiterstandes in Anspruch nehmen. Ich erlaube mir, Ihre Aufmerksamkeit in einem immer aest-iaerten Krade zu erbitten.(Fortsetzung folgt.) Volkswehr und militärische Jngenderziehung. Ein schweizer Offitier. Kommandant K. Vogler v. Schaffhausen, hielt kürzlich im dortigen Offizlcrsverein einen Vortrag über diesen Gegenstand, der in dirBrodt- mannschen Buchhandlung daselbst erschienen und diese wichtige Frage eingehend behandelt. Im Eingang spricht der Verfasser für weitere Re formen seines vaterländischen Milizsystems, um die Wehr lüchtigkeit ernstlich zu erzielen. Eine spezielle militärische Ausbildung für Truppen und Führer ist ihm durchaus nicht entbehrlich und sie au« Sparsamkeit aus ein Minimum beschränken wollen, wäre ganz unrichtig. Er erklärt: „Der einfache Dicüst eine« Jnfanterie-Soldaten erfor deat manigfachc körperliche Gewandtheit, Verständniß ge wisser taktischer Bewegungen, Kenntniß der veroollkomm- netcn Waffen und ihrer Wirkung, Handhabung derselben, Verständuiß der Benutzung de« Terrain», aller Verriß tungen, die uothwendig eine längere Ausbildung erfor dern. Bei den Artillerie- und Gcnie-Truppen steigern sich diese Anforderungen, noch mehr aber bei denen, die zur Führung der Truppen berufen sind. Selbst das bei gutem Willen der Truppen scheinbar Einfachste, die DiScl plin, ergiebt sich gar nicht so von selbst; nur durch län gen« Zusammenleben der Truppen und ihrer Führer bil dct sich jener feste Halt, jenes exakte Ineinandergreifen, das für ein kriegslüchtige« Heer unerläßlich ist." Nach einem Blick auf die stehenden Heere, denen die Zeit zu ihrer Ausbildung reichlich zugemessen fei, fährt er fort: „In der Milizarmee ist hie Zeit für die Ausbildung der Truppen und ihrer Führer knapp zugemessen. Man kann sich nur auf da« durchaus Nöthigste beschränken, und Vieles muß man dem Privatfleiß des Einzelnen über lassen. Um so nothwendiger ist es, daß unsere Jugend mit einer tüchtigen Grundlage allgemeiner Bildung ver- sehen in die Reihen der Wehrmänner trete." Al« eine Frucht de« Gedankens, ob nicht schon in der Schulzeit die spezielle militärische Ausbildung begonnen und dadurch für die kurze JnstructionSzeit Ersatz geschaffen werden soll, bezeichnet er da« schweizerschc Kadetlenwesen. das Ende dls vorigen Jahrhundert« sich zu bilden be gann. Und nun beschäftigt sich der Vortragende mit einer allseitigen Kritik dieses Instituts, welche« ihm in keiner Hinsicht genügt. Er verlangt, daß der militärische Unter richt der Jugend auf ausgibigc Grundlagen gestellt und in die Volksschule verlegt werde. Nachdem er sodann al« ausländische Feldherr», welche die Schule zur militärischen Ausbildung in Anspruch nahmen, Napoleon, Scharnhor und Gneisenau und deren bezüglichen Anordnungen angc führt, geht er an die Frage: ob schon in der Volksschule die militärische Erziehung begonnen werden soll? Hierüber sagt er: Der Zweck, den man mit dem militärischen Jugend Unterricht anstrebt, ist eine Verlängerung der JnstruktionS zeit, die sonst uothwendig wäre, wenn ein Milizheer den heutigen Anforderungen und den Fortschritten anderer Armeen Stand halten will, zu vermeiden. Zunächst muß man sich nun nach meinem Dafürhalten davor hüten. diese Idee dahin auszulegen, es sei sihon in den Elemcn tarschulen ein förmlicher Unterricht al« neue» Fach zu den bestehenden Fächern hinzu aufzunehmen. Dazu hat die Elementarschule nicht Zeit, und wenn sie auch Zeit hätte, so wäre ein solcher Unterricht dem Alter der Schüler nicht angemessen." Die« wird begründet und dann fährt der Offizier, wie folgt, fort: „Und doch kann der Unterricht in der Elementarschule vorbereitend auf den künftigen Militärberuf ihrer Schüler wirken. Die formale Bildung ist die Hauptaufgabe der Schule, die Anregung zum eigenen Denken und somit zum selbstständigen Handeln; das materielle Wissen kommt erst in zweiter Linie in Betracht. Letztere» ist dem Schü- lcr allerdings für sein ordentliches Fortkommen im Leben nölhig und nützlich, aber zunächst sind diese positiven Kennt nisse nur zu betrachten al« der Stoff, an dem da« Ge danken-Exercilium geübt wird, als das Gcräthe für da« GcisteSturnen. Wie nun der Lehrer bei der Auswahl dieses Stoffes den künftigen bürgerlichen Beruf feiner Schüler berücksichiigt, so kann und soll er auch wenigsten» in den obern Klassrn, deren militärischen Beruf berück- sichtigen. Warum sollte z. B. bei Uebungcn im Abfassen von ichrifilichen Berichten und Aufsätzen nicht eben so gut ein Thema au» dem militärischen Gebiet gewählt werden können, z. B. eine einfache Darstellung der Eintheilung deeS Heere» oder anderer Gebiete der Militäreinrich- tungen? Das Rechnen, da» Zeichnen, die Formenlehre bieten eine Menge Punkte, bei denen Aufgaben des milb lärischen Wissen» al« Beispiele gewählt werden können Lei Behandlung der Geschichte, kann der Schüler auf den Einfluß der Bewaffnung, auf die Kriegsführiiug, au einfache taktische Regeln u. f. w. aufmerksam gemacht wer den. Besonder« aber Ist der Unterricht in der Erdkunde geeignet, dem künftigen Soldaten eine gute Vorbildung zu gebxn, wenn statt einer trockenen Statistik über die Länder hinten weit in der Türkei da« Auge de« Schüler« für seine nächsten Umgebungen geschift und daran anrel heilt» die Kunde des eigenen Canton« und dann die de« weiteren Vaterlande» nach allen Richtungen behandelt wird. Aber an eine bestimmte Schablone kann man den Lehrer hier nicht binden u. f. w." Neben der Ausbildung de» Geistes muß aber auch die Ausbildung des Körper« gleichberechtigt vorschreiten. Glücklicherweise bricht sich die Meinung, daß der gymna tische Unterricht schon für die Volksschule eine Nothwendigl keil sei, immer mehr Bahn, und die in der schönsten Zeit de» Alteri hum« in so hoher Blllthc gestandenen Körper- Übungen kommen, nachdem sie oft und lange vernachlässigt waren, wieder zu ihrer Berechtigung. Man glaubt zwar hie und da, für die Schüler der Landwirthschast treibenden Bevölkerung seien diese Uebungen entbehrlich; dieselben haben ohnehin viel Bewegung in freier Luft und werden schon frühzeitig durch die landwirthschaftliche Arbeiten an Anstrengung gewöhnt. Aber jene Arbeiten bewirken nur zu leicht eine einseitige Ausbildung einzelner Körperlheib und hinterlassen eine gewisse Schwerfälligkeit. Ich brauche nur daraus hinzuweisen, wie oft in Manövern und Märschen Soldaten au« der Landbevölkerung an Gcwandheil und Ausdauer gegen schwächlicher scheinende Stadl-Menschcn zurückbleiben, besonders wenn diese Letzteren das Turnen betreiben. Eher ancikcnnt man die Nothwendigkcit der Körper-Uebungen für diejenigen Knaben, welche einHandwerk I lernen, besonder« wenn eS viele» Sitzen bedingt, und für Studireu widmen, weil eS einleuchtet, daß diese Beschäfti- gungea eine Vernachlässigung der Leibesübung oder— wie manche Handwerke— eine einseitige Ausbildung de» Körpers zu Folge haben. Am schlimmsten daran ist der- jenige Thell unserer Jugend, welcher schon frühzeitig in Fabriken tritt, und dort Jahr au» Jahr ein mechanisch die gleiche Arbeit treibt. Diese ist zwar meist anstrengend, aber gerade deswegen bleibt die Ausbildung de« Körpers. zurück; dazu kommt die wenig reine Luft der Arbeitsräume. Ich verkenne nicht, daß die durch die höhern Löhne er- möglichte bessere Ernährung der Arbeiter ein Gegengewicht bildet; aber ein weitere», noch nachhaltigeres Gegengewicht bildet die Pflege der Leibesübungen während der Schulzeit. Ich verlange daher die Einführung des Turnens in die Elementarschule und zwar für die ganze schulpflichtige Jugend, um dadurch den Folgen einseitiger Anstrengung einzelner Glieder sowohl als denen allgemeiner Vernach- lässtgung der LeibcSausbildung entgegenzuarbeiten." Vermischtes. „halten Sie ein! Ich heirathe Ihre Schwester. Sie nur hin und bestellen Sie da« Aufgebot." —(Eine merkwürdige Zusammensteü' Ein neuer Erlaß des rumänischen Ministeriums.> daß„Juden und Vagabunden" der Ucberttö! die Grenze nach Rumänien ferner nicht gestattet B r i e f k(i st r n. Lilie in Hamburg: Annonce 12 Sgr. llnd sicherlich, nie würden sie in höherem Grade�die, welche in den KausmannSstand treten oder sich dem *(Fabrikantenvercin.) In Leipzig ist der ge- fchäftsführende Ausschuß de« sogenannten Fabrikantentags zusammengetreten und empfiehlt die Bildung von Fabri- kantenvereinen in allen Fabrikstädtcn. Also überall Agi- tation gegen unsere Bestrebungen; sie müssen also für den Arbeilerstand von großem Nutzen sein, sonst würden die ausbeutenden Elemente der menschlischcn Gesellschaft nicht solche große Anstrengungen gegen dieselben machen. Hilft ihnen aber Alles nicht! —(Arbeitseinstellungen.) Au» Darmstadt wird ein Strike der Schneidergesellen gemeldet, welcher auch den Erfolg hotte, daß 18 Meister, worunter die bedeutendsten Firmen der Stadt, die begehrte Lohnerhöhung (25 pCt. für Civil-, 30 pCt. für Militärlleidung) be- willigten. Etwa 7l) Meister haben jedoch noch keine Zu- geständnisse gemacht.— Sämmtliche Zimmerleute in Wilhelmshaven haben die Arbeit eingestellt, um eine Lohnerhöhung zu erzielen. Da die Maurer im Durch schnitt pro Tag 1 Thlr. bis 1 Thlr 15 Sgr. verdienen, und die Handarbeiter 27Vz Sgr., sie selbst aber nur 25 Sgr. projEiig erhalten, so halten sie die Forderung von 1 Thlr. täglichen Lohn für gerechtfertigt, und hoffen au baldiges Siachgcben der Meister.— In Graz stellten ebenfall« die Schneider die Arbeit ein. —(Arbeiter verunglückt) Auf Zeche Präsident bei Bochum kam am 2. Mai der Bergmann H. Entrop von hier durch Herabstürzen von Steinen zu Tone. Es ist oft haarsträubend zu sehen, wie beim Rangiren der Güterzüge die Diensthabenden zwischen die Waggons sprin gen und da« An- und Abhängen besorgen müssen, nnd man muß sich wundern, da« dabei nicht mehr Unglücke vorkommen. Ebenfall» am 2. Mai ereignete sich aus dem Bahnhofe Königsstcllc der Fall, daß ein HUlfsbremser, welcher die besagte Arbeit verichtcn wollte, mit seinem Kopfe zwischen die Eisenbahnschienen gerieth, womit die zu verkettenden Waggon» beladen waren, und eine solche Verletzung davon trug, daß er kor; darauf verschied. — i Säbclaffairc.) In Osnabrück fanden am 2. Mai Abends gegen 9 Uhr wiederum auf der Neustadl Excesse zwischen mehreren Dragonern nnd Civilisten statt. Ein Arbeiter wurde so arg mit Säbelhieben zugedeckt. daß er schwer verwundet zum MarienhoSpital gebracht werden mußte. Die Polizei und ein Unteroffizier stellten endlich die Ruhe wieder her. —(Unglücklicher Herabsiurz.) Man schreibt an» Thale am Harz: Gestern Mittag stürzte der von den meisten Harzreisenden gekannte 7K Jahre alte Veteran Fabc. welcher das Echoschießen auf der Roß trappe besorgte, zwanzig Schritte von der Roßtrappe zwischen den Klippen hinunter und blieb auf der Stelle todt. Der Tod soll, wie die„Harzztg." vernimmt, da durch herbeigeführt sein, daß er beim Abbrechen und Enu sammeln trockenen Brennholzes von den Büschen sich am Rande der Klippe an einem dürren Aste hat festhalten sollen, der abgebrochen ist und den jähen Sturz de« ManneS in die Tiefe veranlaßt hat. Augenzenge de« Vorfalle« ist, soweit bekannt, kein Mensch gewesen. Fabe'i Tochter suchte ihn längere Zeit an seinem gewöhnlichen Aufenthaltsorte auf dem Felsen und auch im Sonntag schen Gasthause vergeblich, bis man den Leichnam schwer zugänglicher Stelle liegen fand. —(Junkcrübermuth.) Sonntag Abend», kurz nach 7 Uhr. ritt der jung- Graf Erdödy durch die Praler straße in Wien, durch welche eben Tausende und Tau sende au« dem Prater heimkehrende Menschen wogten, und tummelte seinen Gaul fortwährend auf dem Trottoir oder dessen nächster Nähe. Bon einigen Passanten auf. gefordert, sich auf den Fahrweg zu begeben, da er die Sicherhett der Fußgeher gefährde, wollte der Gras diesem ruhig ausgesprochenen Wunsche keine Folge leisten, und als der in der Praterstraßc nächst dem Klein'schcu Ge- bände postirte SicherheitSwachmann den Reiter ebenfalls aufforderte, vom Trottoir wegzureitcn, zeigte sich Gra' Erdödy über diese Zumuthung ganz erbost und hieb mi seiner Reitgerte nach dem Wachmanne und einigen Possam wn. Da» Publikum ergriff natürlich für den Wachmann der den Widerspenstigen zur Rechenschaft ziehen wollte Partei. Da gab aber der Letztere dem Pferde die Spo' reo, dieses machte einen Seitensprung und warf den Reiter zu Boden. Dieser überließ aber, da die zahllose Menschenmenge, welche der Sccne beiwohnte, nicht Übel Lust zeigte, ihn zu lynchen, da» Roß seinem Schicksal und lief die Praterstraßc aufwärt», verfolgt von dem Wach- mann- und der Menge. Der junge Mann flüchtete sich in die Asperngass« in da« Hau» eine« Freundes ihm nach stürzte aber da« erbitterte Publikum, welche« schnell Hof und Stiege de» Hauses füllte. Der Sicherheit»- wachkommandant Goldschmidt ließ jedoch da» Thor ab- perren und suchte da» Publikum, das bis ,u der Thüre der Wohnung, in welcher der«erfolgte Schutz vor der Menge gesucht, vorgedrungen war, so»iel als möglich m beruhigen, indem er versicherte, daß der Schuldige ja seiner Bestrafung zugeführt werden«erde. Polizeikom- miffar Stehling erschien auch wenige Minuten darauf im Hause, nachdem er zuvor die aufgeregte Menge beschwich- tigt h«tte und nahm mit dem Grafen ein Protokoll auf Die weitere Untersuchung ist im Zuge. Da« Pferd de» Grafen war bi» zur F-rdinandSbrücke gesprengt,«a-o ausgehalten wurde.»,«v es i e- Fräulein 5., tinti sehr hübschen, aber sehr armen Dame den Sos E« treten Verhältnisse ein, welche es der Dam- wünschen«- Werth erschemen lassen, d-iß zwischen ihr und ihrem Ge- liebten der Eh.bund geschlossen werde; der Treulose zeigt sich indeß jetzt sehr zurückhaltend. Da,»riule n S flfio maAt a fltn ,tinen Spaß zu vcr- �a.'ben n �*1/$ H"r C. auf, die Ehre seiner »Ner �rübe � Uk""'berherzustclltii. Er gehl in f.hf äVSl5m wortbrüchigen Geliebten und- setzt hm cmen Revolver auf die Brust, sollte man meinen. 0hJt nf 5? � � M klüger.„Wenn Sie", sagte er ohne Nonrede zu Herrn L.,„sich noch länger weigern, Schwester zu heirathen, so heirathe ich Ihre Sie� kennen doch die Schwäche Ihrer Frau „Um Gottes willen," ruft der Andere, Für Hamburg. Geschlossene Versammlunj sämmtlicher hiesiger Gewcrkschaftsmitl Sonnabend, den 7. Mai, Abend»» lüst in Tütgc's Etablissement, Valentinskamp i Tagesordnung: Neuwahl des ersten und zweiten Bicepräsidenttn™l( des ersten und zweiten Ersatzmannes in das � Präsidium.— Verschiedenes. 0en' Die Mitgliedskarten oder Bücher sind vorzupi'— Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht I. A.: A. Strath!?' XL. Bie Beitragsammler werden zur Empfts! v.' von Beiträgen bereit sein. Auch können neue �' sieb aufnehmen lassen.— Für Hambura deutsch, der. Metallarbeiters Versammlung Sonnabend, den 7. Mai, Abend» 8V- bei LllderS. _ J�R ofenbcrger Für Hamburg. B-vollmifl O 1 Allg. deutsch. Zimmerer-Verei»'®te an meine Mutter I Mama Mitgliederversammlung____ Freitag, den 6. Mai, Abends 9 MMed auf der Zimmcrherbergc, Spitäler straß« Tagesordnung: Abrechnung.— Gewerbliche Besprechungen. H chra »tue Aufnahme neuer Milglicder findet statt. 3 ptil Für Ältoua. Große Volksversammlung Sonnabend, den 7. Mai, Abends 9 O in Wittmack's Salon. Tagesordnung: 1) Der Werth der freireligiösen Vereine. SchleSwig-Holstcinische Arbeilcrtag. »N S �uci »dg illc Dienstag, den l»."liai, Abends 9 Uh' sdun Geschlossene Versammlung der hiesigen Mitglieder de« Allgemeinen deutschen Arbeiter in Willmack'S Salon. Tagesordnung: Abrechnung. m- NB. Die Mitglieder des Arbeiler-Fraiienvv�ti ten am 23. Mai Ball mit Scherz, Tombola, «arten ü 4 Schll. sind in den Bersam� bekommen. Georg die st Für Hannover. Allgemeiner deutscher Arbeite� Geschlossene Mitglieder» crsaniin!�' Sonnabend, den 7. Mai, Abend» 9*�1 auf der Mariccninsel. Ta gcsordnung: 1) Die Statuten des Allg. deutsch. Arb.'��» deS Allg. deutsch. Arbeiter- Uiitcrflützungsvttd?' � naj 2) Vorschläge wie Mittel zu einer regen Ägi� AsiSn, Die Mitglicdskartcu sind vorzuzeigen. ,/? alle Neue Mitglieder werden ausgenoi!� Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder S'sihäl W. Meyer, Bevoll»� � 55 Für Elberfeld. Versammlung der hiesigen Mitglieder Allgemeinen deutschen Arbeiter-� Sonntag, den 8. Mai, Abends■ im Lokale des Wirihs A. Hunscheidl. Srltl, NB. Um G\ Uhr Abrechnung der BeirroZ' _ Der Be»°� Für Itzehoe. Geschlossene Mitgliederversam»" der hiesigen Mitglieder de» � Allgemeinen deutschen Arbeiter- Sonnabend, den 7. Mai, Abend? 8 beim Gastwirth W. Egger»- Tagesordnung: 1) Abrechnung.— 2) Wahl eine«®{1 1 Kiel zum Schleswig-Holsteinischen Arbeiterlag, Um zahlreiches Erscheinen bittet der Bcv°� Cöln Für Allgemeiner deutscher Arbeiter«*, Geschlossene MitgliederversaM','M, � e Sonntag, den 8. Mai, Abends 7/'.,?,, rm Lokale de» Herrn Schorn, Große lv■ iix Tagesordnung: Wichtige VereinSaiigelegcnheiteu.,„ diaA'vor,,, Um pünktliche« und zahlreiches Ersch-l�jj Für Oldesloe. Allgemeiner deutscher Arbeiter Ball Sonntag, den 15. im Saale deS Herrn Anfang V/t Uhr Alle Parteigenossen werben freundliAst� � 1 .$(1" �ade i> all Maack- Für Hamburg./ Allen Freunden und Bekannten die crjL„iii daß ich meine Gastwtrthschaft nach der» iraße 52 parterre, verlegt habe. Ergebensi Für Hamburg. o( Den geehrten Parteigenossen empf-h�'w.> Lager fertiger Herren vor allem starke Arbellshosen für Maurer lcute. Garantire für reelle Bedienung-,, S. Strieme. l7Fl«S Für Hamburg., � Ich bitte ,u beachten, daß vom 2. gen und Briefe zu richten sind au die» i ■ Jnlin» Teichmann, Neuer St-mm� Druck von Jhriug u. Habcrlovdl Berautwortl. Redakteur u. Verleger W.«'