Berlin, Sonntag, den 15. Mai 1870. Sechster Jahrgang g Uhr, amp «, i und 1 ciznish I zu ersch Demokrat ♦ heutf� �5 erscheint drei TWch, und zwar: Donnerstags und «tod« Abend«. wlaxi Uhr, örgan der sonat- demokratischen Parte». Redaktion und Expedition: Berlin, Gitschinerstr. 17. zl. �—---------—--—■--*— '«s-ytete für Berlin Inel. Bring.rlohn �vierteljährlich 16 Sgr.,. monatlich.6 Sgr., einzelne Nummern � N-UAungeu werden au«wärt« bei allen Postämtern. In Berlin in der Expedition, sowie bei jedem soliden Tu,' �dci den Postämtern in Preußen 16 Sgr., bei den außcrprcußischcn Postämter in Deutschland gleich- cz��te(in der Expedition aufzugeben) werden pro viergespaltene Pctit-Zeile mit 3 Sgr. berechnet. Arbeiter» «gr.,(ob jrrcuzer jüdd. Wahrung.) � � Annoncen die Zeile nur 1 Sgr. nteirst Bricht m oll I jL 1. Aprll hat ein neues Lierteljahrs� «t auf den„Social. Demokrat" be� Gestellungen werden auswärts bei iteru, in Berlin bei der Expedition, raste 17, und bei allen soliden cditeuren gemacht.(Preis viertel Sgr.) euen Abonnenten erhalten die seit �ril erschienenen Nummern nachge. Agentur für England, die Eolonien, Amerika, Thina und Japan Mr. A. Duesing 8 Little-Newport-Street, Leicester-Square. W. C. London. olittscher Theil. Nerlin, 14. Mai. , flbriP!>as Militär ist nicht mehr sicher"! � �rcckensruf tönt in den reaktionären � �dvkreichs; er findet seinen Widerhall bei Junkern. Ja, das Militär in Frank. d'cht mehr„sicher"? >- HI. hoffte durch die am vorigen ' dcranstaltctc Volksabstimmung den Re- � den Todesstoß zu versetzen. Er er- ..xst die unter dem Einfluß der Beamten 'heg stxhxnde Landbevölkerung ihm iiccr>x� r., 't ti«n �xhende Landbevölkerung ihm eine �KI � Majorität verschaffen, seine Regierung 1 deinokentischc erscheinen lassen werde. Es md- > Lost voi» Aber auch eine andere unerwartete . �'urde bekannt; ein Fünftel des stehenden 'sserte den Beweis republikanischer Gc jetzt ward eS klar, wie heutzutage � thatfächlichen Machtverhältnisse entfchei- --.°st die Arbeiter der großen Städte rcpu» stestimmt haben, daß nur die Politisch Untersten Stufe stehende Landbevölkerung �lich jst� daß kümmert die Machthaber �äre selbst die Majorität der Regicrungs« i'ne viel geringere gewesen, keinesfalls her Kaiser darum graue Haare wachsen �lber daß der fünfte Mann deö stehenden chublikaner ist, daß fllnfzigtauscnd Träger "adcl gelegentlich statt ein Schrecken der Zu sein, sich diesen anschließen können, f ihn bedenklich. «m Vorabend einer Revolution so ängst- verwirrt sind die Kundgebungen der Rc- Eine sonderbare Proklamation hat der � den Commandantcn der Armee von Wchki; sie lautet: ,?U bezüglich der Abstimmung der Armee von ..xcherlichc und übertriebene Gerüchte verbreitet, j'!? bewogen finde, Sic zu ersuchen, den unter st'chlen stehenden Generalen, Osficicren und&ol de» et i* im iii rtet eild» S. .td. ebeXs sog hen, daß mein Vertrauen in sie nicht erschüttert Ich bitte Sie serner insbesondere, dem Ge- s �>i utiizutheilen, daß ich ihn sowie die von ihm � Truppen zu der Festigkeit und dem kalten �"eiwllnsche, die sie in diesen letzten Tagen bei 'Zuckung der Unruhen, welche die Hauptstadt ß hh»lln gollgt haben. ix", lese und staune.— Zeigt sich nicht in die Ahnung einer drohenden Gefahr? l'r Kaiser erst gcnöthigt ist, den Soldaten iSV'fk � iU �klären, daß sie selbst ihm r> wenn er sie begückwünschcn muß, st�A.linigc umgeworfene Wagen, die von -$tl �Kuten verthcidigt wurden, erstürmt tt"'uß eS schon weit gekommen sein. ii � wie anders steht der kühne Trotz der riid�°Kischin Soldaten da, als dies Zagen des »ders. In dem Augenblick als die Ab ze A ji in der Prinz Eugcn-Kascrne eröffnet �aten vier Soldaten an die Urne und er- > ue würden,„und sollten sie auch dafür Werden," bis zum Schluß der Abstimmung � � Platze weichen; man wagte ihnen hierauf j" erwiedern, und sie blieben unbehelligt Posten, um die Wahl zu überwachen. i- und Zagen denkt jetzt jeder Rc- .°aran, was wohl erfolgen würde, wenn die Soldaten zu Paris kommändirt � l'»uf hie Arbeiter zu schießen, und wenn »uch vier solcher Männer vor die Front � ein kühneö Wort sprächen. .".r Ja, hundertmal mag die diesmalige VolkSab . stimmung ein Sieg der französtschen Regierung !sciu. Die Militärabstimmung ist ein unendlich ! größerer Sieg der Republikaner. Die Abstimmung der funfzigtauscnd Soldaten, die Republi iancr und Socialistcn sind, ist ein Vorzeichen von unberechenbarer Wichtigkeit. Rundschau. Berlin» 14. Mai. In der letzten Sitzung des Reichstags des Norddeutschen Bundes gelangte die Be rathung über das Autorgefctz zum Abschlüsse. In den nächsten Sitzungen wird zunächst das Gesetz, den Untcrstützungswohnsitz betreffend, in zweiter Lesung durchberathen und darauf erfolgen die Schlußabstimmungcn über das Strafgesetzbuch. Man hält eS allgemein für ein Unglück, wenn dies nene Strafgesetz nicht zu Stande kommt Wenn die Härten aber nicht aus demselben cnt- ferut werden, wenn auf politische Vergehen eine so schwere Strafe bleibt, wenn die Todesstrafe nicht abgeschafft wird— nun, dann kann eS sehr gleichgültig sein, ob der Deutsche mit einer ge- meinsamen Mrafpcitsche gezüchtigt oder in ein gemeinsames Nationalzuchthaus, wie Heine sagt, gesperrt wird; dann ist eS besser, daß eS vorläufig beim Alten bleibt. Doch, daß dieser Wunsch nicht in, Erfüllung geht, dafür werden wohl die natio- nal-wüthigen„Etwas zlt Stande Bringcr" sorgen? Preußens Regierung trägt sich mit dem Gedanken an die Erwerbung einer außereuropäischen Colo- nie; man unterhandelt mit einem Malaiischen Häuptling wegen Abtrctens einer Insel bei Hinter indicn. Norddeutscher Bundesfürst wollte der be sagte Häuptling der hohen Matricularbeiträge halber nicht werden. Dem sei wie ihm wolle, durch den Erwerb der Insel und vor allem durch die Be schützung derselben erwachsen dem Staate große Kosten, die durch eine sehr wenig werthvolle Er- Werbung nicht aufgehoben werden können. Seitdem in Berlin das Resultat der Volks- abstimmung in Frankreich bekannt geworden ist, fängt man wieder an, die Gerüchte von kricgeri- scheu Absichten Napoleons zu verbreiten, und waS das BemerkenSwertheste ist, so versichern verschie dene Zeitungen, diese Ansicht, welche früher nur in den sogenannten höheren Cirkeln zum Ausdruck kam, findet in den letzten Tagen auch in bürger- lichcn Kreisen Anhänger, eine Thatsachc, die inso fern bedauerlich ist, als ein Umsichgreifen solcher Befürchtungen von dem unheilvollsten Einfluß auf die endlich wieder in Aufschwung kommende Ge schäftsthätigkeit sein muß. Daß der Besuch des Kaisers von Rußland mit solchen Gerüchten in Verbindung gebracht wird, ist selbstverständlich, doch sind Gerüchte über Bündnißverhandlungcn zwischen Preußen und Rußland mit großer Vor» ficht aufzunehmen. Die die Erhöhung deS Militair-BudgctS be- treffenden Gerüchte erhalten sich, wie die„B. B-Z." schreibt, wenngleich daS zuerst angegebene Maß der Erhöhung als übertrieben bezeichnet wird. Gleichwohl wäre die Last eine enorme, wenn sich daS bestätigt, was in unterrichteten Kreisen darüber umläuft. Man soll beabsichtigen, künftighin den Betrag pro Mann auf 250 Thlr. zu erhöhen, was eine Erhöhung des Militair-BudgctS um 7'/, Millionen Thalcr sein würde. Das Militair- Budget hätte dann etwa die doppelte Höhe deS Betrages erreicht, welchen eS in Preußen vor dem Conflict hatte.— Wenn das Volk sich nicht bei den nächsten Wahlen rührt nnd wiederum die Majorität der Abgeordneten des Reichstags aus Conservativcn und Nationalliberalen im nächsten Jahre sich bildet, so wird diese neue Last sicher noch auf die Schultern des Volkes gewälzt werden. Uebcr den neuen österreichischen Landes- vcrtheidigungSministcr Baron Widmann verlauten immer seltsamere Dinge. Zugegeben war bereits, daß der von ihm 1859 in Graz mit Reitpeitsche und Säbelhieben gemißhandelte Conditor Mayer (der sich dagegen aufgelehnt hatte, den Herrn Baron, damals Ulcnenlieutenant, noch länger gratis zu bedienen) an den Folgen der Miß Handlung nach halbjährigem Siechthum gestorben war, und daß seine Erben gegen den rc. Widmann nach zehnjährigem Proccssircn mit den Militär gerichtcn 1868 einen Spruch auf Schadenersatz in Höhe von 5000 fl. erwirkt hatten. Jetzt wird noch bekannt, daß Widmann wegen dieser brutalen Affaire auch kriegsgerichtlich verurtheilt wurde, daß er mehrmonatlichen Kerker absaß, 1861 ohne Rangerhöhung den Dienst quittiren mußte, und daß ihm erst 1866 durch kaiserlichen Gnadcnakt die rechtlichen Folgen jener Vcrurtheilung nachge- sehen wurden. Bis dahin hatte der jetzige Landes vcrthcidigungsminister also nicht einmal die bürger- lichcn Ehrenrechte, war nicht wählbar:c.— Wie verlautet, soll derselbe nachdem diese Scandal- geschichtcn an die Oeffentlichkcit gedrungen sind, ernstlich wieder an seinen Rücktritt denken. Die Gerüchte, als ob die Stellung des Grafen Bcust erschüttert sei, haben soeben dadurch eine augenfällige Widerlegung gefunden, daß Graf Beust vom Kaiser zum Kanzler des Maria- Theresien-Ordens ernannt worden ist, eine Würde, welche einstmals Fürst Metternich bekleidet hatte. Aus Prag wird gemeldet, daß der Arbeiter Krosch, welcher wegen Ruhestörung in UntcrsuchungS Haft war und schwer krank aus Rcichcnberg in'S Prager Gefängniß eingeliefert wurde, gestorben ist. Die tschechischen Arbeiter veranstalten eine groß Be�räbnißdemonstration.— Einen schwerkran ken Bourgeois wirft man niemals ins Gcfäng- niß— aber mit der„Arbeitercanaislc" verfährt man schlimmer als mit dem Vieh. Der Volksabstimmung in Frankreich wird eine Neubildung des Ministeriums folgen. Die selbe ist übrigens verschoben bis nach dem Tage, an welchem daS officielle Resultat des Plebiscits dem Kaiser in feierlicher Sitzung vom gesetzgebcn den Körper überreicht wird. Der Monitcur für Algier veröffentlicht das Resultat über den Aus- fall des PlebiScitS in Algerien. Demnach wurden abgegeben: in Algier 5823 Ja und 5065 Nein; in Oran 3008 Ja und 4152 Nein; in Konstan tine 1960 Ja und 4264 Nein. Die Abstimmung deS Militärgebietes ergab 257 Ja und 74 Nein. — Die Abstimmung der Armee in Algerien ergab 30,165 Ja und 6029 Nein. Also auch dort ein ganz ähnliches Resultat wie in Frankreich, in den Städten republikanische Majorität und unter dem Militär eine erhebliche Anzahl mit „Nein" Stimmender. DaS Resultat der Volks- abstimmung ist jetzt fast ganz bekannt. Von 10,416,000 eingeschriebenen Wählern sind, soweit diese Berichte reichen, 7,210,296 Stimmen mit Ja abgegeben worden. Mit Nein haben ge- stimmt 1,530,000, so daß die Zahl der Enthal- tungen auffallend gering ist, obgleich gar manche Leute, die eine Niederlage fürchteten, z. B. Lcgiti misten und Ultramontane, auch einige von der äußersten Linken, die Enthaltung anempfohlen hatten, schon um auf jeden Fall die aus irgend einem Grunde, z. B. aus Bequemlichkeit, nichl Stimmenden für sich in Rechnung bringen zu können. Die meisten großen Städte, Paris, Lyon, Marseille, Toulouse, Nantes u. s. w., haben gegen den Kaiser gestimmt, und nur wenige, wie Havrc und Straßburg, ergaben ein Mehr der Stimmen. In Paris hat übrigens seit den letzten Wahlen die Regierung eine Anzahl von Stimmen gewon- ncn; ohne Zweifel sind es Bourgeois, die in Folge der liberalen Richtung, die daö Ministerium Olli- vier seit Anfang dieses Jahres eingeschlagen hat, gewonnen wurden. Die Unruhen haben sich in Paris am 12. Mai erneut, obschon nur in unbedeutendem Maße. Der„Gazette des Tribunaux" zufolge beträgt die Gcsammtzahl derer, welche seit Montag verhaftet worden sind, 558. Das officielle Abendblatt drückt sich über die gestrigen Ereignisse folgender Maßen aus:„Dank der gestern ergriffenen Maß- regeln, um die Wiederkehr der Scenen der Unord- nung zu verhindern, welche sich an den vorher- gehenden Tagen im Viertel deS Faubourg du Temple zugetragen, konnte die Ruhe leicht aufrecht erhalten werden. Zahlreiche Verhaftungen wurden an den öffentlichen Orten und in den im Bau begriffenen Häusern gemacht. Der größte Theil der verhafteten Individuen war mit geladenen Revolvern, Todtschlägern und scharf gemachtem Handwerkszeug bewaffnet."— Verdier, der geheime Agent, welcher als Hauptzeuge in dem angeblichen Komplot auftreten soll, hat sich jetzt gestellt. Ueber- Haupt haben sich jetzt schon drei der angeblichen Verschwörer alö Polizeispione enthüllt. Nunmehr erfährt man, daß auch die letzte Hoffnung der„königsbcdürftigen" Spanier in's Wasser gefallen ist, da nach einer telegraphischxn Nachricht der greise Espartero erklärt hat, eine auf ihn etwa fallende Wahl nicht annehmen zn wollen. Wie der Mann klug ist! Vereins- Theil. (Für den Allg. deutsch. Arbeiter-Vcrein.) Frankfurt I. M., 10. Mai.(Bericht über Agi- tation in Sllddcutschland.) Montag den 25. April fand in Mannheim eine allgemeine Arbciterversammlung statt, welche, trotzdem der Anschläger des Strastcnanzci- gers die Annonce aus die Rüctscile klebte, stark besucht war. Den Mannheimer Mitgliedern kann kein Hirn- gcspinnst mehr vorgemacht werden, dieselben haben die Prinzipien Lassalle'S crfastl und stehen wie die Felsen im Meere, wenn auch die Wogen noch so stark brausen, sie werden widerstehen, da Klarheit de« Prinzips bei ihnen herrscht. Auch in Worms hielt der Bevollmächtigte Herr Niel eine Versammlung ab, in welcher ich zugegen war. Unsere Wormser werden nicht rnhen bis der letzte Arbei- ter in nnsern Reihen ist. Die Freiburger Mitglieder, nahe an der Schweizer Grenze, welche schon lange sich nach Agitation sehnten, haben durch eigene Mittel er» miiglicht, mich in ihrer Mitte zu haben. Sie beriefen eine Volksversammlung, welche sehr stark besucht war und in der eine neue Anzahl Arbeiter beilrat. Trotzdem ein BildungSvereinler gegen mich da« Wort ergriff, und dann Spicffruthcn laufen mußte, beschloß die Versammlung einstimmig, eine neue Versammlung am nächsten Abend abzuhalten, in welcher ich ebenfalls noch einen Vortrag halten sollte. Ich sagte sofort zu, und das Bemühen der Freiburgcr Mitglieder ist nicht vergebens gewesen, da diese Versammlung eine noch größere wie Tag« zuvor war, und die Agitation vom besten Erfolge gekrönt war. Sodann ging e« nach Karlsruhe, wo unser Jäger aus Bourgeois Jagd macht, und in der stattgehabten Versammlung mit mir gehörige Flintenschüsse avscuerte. Die Versammlung schloß in der schönsten Begeisterung und eS erfolgten viele Einzcichnungen. Meinem Freunde Jäger wünsche ich Glück zn der neuen Jagd, wovon er mir mittheiltc, auch halte ich ihm mein Versprechen und schicke ihm das Gewünschte. Von hier ging« noch Stuttgart zu einer Versammlung, worüber ich nicht mehr zu berichten brauche, da ich die Parteigenossen aus den Artikel in Nr. 55 des„Social-Demokrat" verweisen kann. Auch Heidelberg wurde nicht vergessen; dort schlugen wieder die verhaßten Lassalleaner Rappel und legten. Im Ganzen kann ich sagen, daß die Agitation im Süden eine sehr befriedigende für unlere Partei war, und in den Versammlungen, denen ich beiwohnte, unserer Partei über 300 Mann zugeführt sind. Parteigenossen, der Süden wird bald ganz mit den Brüdern im Norden vereint sein. Alle Arbeiter werden ihre Klasscnlage erkennen, und die gemeinsamen Feinde aus dem Felde chlagcn. Bei der Vereinigung aller Arbeiter unter einem gemeinsamen Führer, welchen wir uns wählen, können wir mulhig vorwärts schreiten. Keine Gefahr wollen wir scheuen und nicht eher ruhen, bis wir Lassallc gerächt haben. Mit social-demokratischem Gruß Joseph Schneider. An die Parteigenossen. Durch das Vertrauen Tausender deutscher Arbeiter ward ich berufen, eine hervorragende Stellung in der Partei ein- zunehmen. Ich habe gerne an der Spitze zweier großen Gewerkschaften gestanden, Indem ich davon überzeugt war, meine Pflicht, soweit es in meinen Kräften stand, zu erfüllen. Die Thatsachen, welche sich vollzogen haben, geben Antwort daraus, in wie weit mir die« gelungen. Gerne hätte ich noch länger für die Arbeitersache in Deutschland gekämpft, aber meine Familienverhältnisse erforderten dringend meine gesammtcn Kräfte. Ich konnte mich dieser Pflicht nicht rnt ziehen, da Niemand sonst meine Stelle hier ersetzen konnte, während in der Partei andere Kräfte zum Ersatz vorhanden sind. Schwer ist es an der Spitze von Tausenden, c» einem Jeden recht zu machen, eS ist aber auch leichter tadeln als besser machen. Daher kommt es, daß so oft unnütze Nergelcien unter den Arbeitern vorkommen. Ich wünsche der Partei daher immer Krästc, welche klar im Princip sind und das Ruder fest halten, aus daß nicht durch Unklarheit und nutzlose« Gezänk die Sache der Arbeit geschädigt werde. Von Lassallc ist Euch ein Princip hingestellt, eine Organi- sation gegeben, welche maßgebend sein müssen für alle, die kämpfen wollen für die Befreiung der Arbeiterklasse. Hallet 'est zusammen, denn gelingt es so, die Arbeiter zusammen» ,»fassen zu einer Familie, so ist Euch der Sieg gewiß. Ge- lingt die« nicht, so ist Alle« vergebens. Durch den Allgcm. deutsch. Arb.-Berelli ist Euch die Möglichkeit geboten, die Fksscln zu brechen, schaart Euch um ihn, cS ist Eure Pflicht! Wenn ich auch nicht mehr direkt in Euren Kreisen kämpfe, so werde ich doch stets nach meinen Kräften für den Socialiömns kämpfen. Nie werde ich Euch vcrgesicn, behaltet auch mich in gutem Angedenken! Mit lodal demokratischem Gruß Llidkcrt. Eimsbüttel bei Hamburg, den 10. Mai 1870. Verbands-TheU. (FürdenAllg. deutsch. Arbeiterschaft«-Verb and.) Allg. deutsch. Schuhmachcr-Vereiu. Frankfurt#. M., 14. Mai.(Strike der Frank« surler Schuhmacher und Sachsenhauser Loh- g crber.) Arbeiter, Parteigenossen, die Ihr erkannt habt, daß nur in dem Zusammenhalt der Arbeiterklasse ihre Macht liegt, e« gehr die driug-ndc Bitte au Euch, Eure darbenden Brüder in dem hochgiprirsenen, aber von den Arbeitern schon längst als eine echte Spicßbürgerstadi erkannten Frankfurt a. M. in ihrem gerechten Kampfe zu unterstützen. Arbeiter, wenn wir unsere Lage Euch vorführen, so werdet Ihr bald finden, daß kein Leichtsinn uns zur Arbeitseinstellung getrieben hat. Am 10. Mai legten hier 800 Schuhmachergesellcn die Arbeit nieder, wegen zu geringer Löhne. E« wurde genau nachgewiesen, daß bei angestrengter Arbeit der Arbeitslohn im Durch- schnitt nur die Höhe von 4 Fl. die Woche erreichte. Wir verlangten in Folg- dessen, den seither ausgezahlten Loh» um 30 pEt. zu erhöhen. Jeder wird dies wohl für nicht übertrieben halten, aber die Arbeitgeber haben sich ver- einigt, die Arbeiter au« ihrem Nachtlager zu treiben. Die Verschwommenheit des Kleiumcisterlhum« ist ein großes Unglück. Mit Heller Stimme singt e« Klagelieder und hat leider noch nicht begriffen, daß nicht die Arbeiter c« sind, welche es benachtheiligen und allmählich zum Pro- letariat machen. Die Großjabrikanle» aber erklären kurz, daß der Hunger schon siegen werde. Darum Arbeiter, verlaßt Eure Brüder in Frankfurt nicht; Sie sind auch stets eingetreten sür die Interessen des Arbeitirs. Etwaige Unterstützungen sind zu schicken an Adolf Schneider, Vorsitzenden des Strikecomitb'«, Heiner Hof, zur Capelle. — Ein Strike von 18 Lohgebcrn in Sachs cnhausen hat sich dem Schuhmachcr-Slrike angereiht, es sind meist vcrhcirathete Männer, die mit 8 Fl. 30 Kr. eine Familie zu ernähren haben. Sie verlangten vom Arbeitgeber Mai— Mitglied des demokratischen Wahlvereinö— 20 Prozent Lohnerhöhung und Mittag von 12—1 Uhr Zkuhezeit, um ihre dürftige Speise zu verzehren. Der humane Mai warf aber einen Arbeiter, Schüler mit Namen, den er schon' 14 Jahre ausgebeutet hat, die Stiege hinunter, so daß derselbe erhebliche Verletzungen aus dem Rücken davon getragen hat. Freden. Allst, deutsch. Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Kappcumacher. München, 12. Mai.(Siegreicher Ausgang des Strike«.) Nach langem vierwöchcntlichcm Kampfe ist unser Strike siegreich beendet. Unsere Forderungen sind bewilligt und der einzige Punkt, aus den die Arbeitgeber nur zum Theil eingingen, ist, daß eine Anzahl blas auf Ehrenwort statt durch Unterschrift die Forderungen be- willigte. 15 Meister haben die Briese durch Unterschrift genehmigt, und wir hätten auch die Unterschriften der Andren erlangt, wenn nicht das Sondcrinteresse und die Bearbeitung von Seiten eines Zuschneiders die Arbeiter einer großen Wcrkstätte bewogen halte, vereinzelt vorzu- gehen. Sic hielten eigene Znfammcukünste ab, um das ganze Werk zu verderben. Die Meister, ganz in Ver- zwciflung, suchten nur noch den Schew zu wahren, und es gelang einigen endlich auch in Folge de« erwähnten Vorgänge« Ende der dritten Woche dir Unterschrift zu «nlgehen, statt deren sie das Ehrenwort gaben, die For- derungcil der Arbeiter anzuerkennen. Dieser Umstand er- schwcrtc den Sieg, doch hielten die übrigen Arbeiter stand- Haft aus und errangen schließlich den vollslärdigcn Sieg sowohl bezüglich der Lohnerhöhung wie auch der Verkür- zung der Arbeitszeit sür die Tagarbeiter. Ein großer Er- folg wurde auch von den Arbeitern einer großen Werkstätte errungen, nämlich die Entfernung eine« Zuschneiders, der ihnen schon längst mit R.cht ein Dorn im Angc war. Wir haben jetzt tSclegenhcit, zu prüfen, ob da« Ehrenwort ebenso gut gehalten wird, wie die Unt-rschriftcn. Was unfern Strike noch besonder« charakterisirt, ist die feste Organisation unsrer Partei. Die Meister, überhaupt die ganze Bourgeoisie, täuschten sich in Betreff unserer Or- ganisation. Sie�meinien: In drei Tagen laufen Alle wieder auseinander. Alles vereinigte sich, die Meister wie die Bourgeoisie, uns niederzuhalten, doch bald wurde es auch ihnen schlimm. So fühlte sich ein Meister z. B. bewogen, seinen Arbeitern gegenüber, als er mit ihnen in Unterhandlung treten wollte, zu äußern, daß ihm Essen und Schlafen nicht schmecke und daß er seit den 14 Tagen deS Strike« 40 Jahre älter geworden sei. Die Polizei hat sich eifrig des StrikeS angenommen; sie erkundigte sich sehr liebenswürdig danach, ob wir Subsifienzmitlel oder Arbeit hätten. Daß erstemal halfen die Subsistcnzmiltel un« zu einer Gnadenfrist von 3—8 Tagen, worüber ge- uauc Cantrolc gehalten wurde. Etwas später genügte es nicht mehr, Geld zu haben, sondern mau mußte arbeiten oder binnen 24 Stunden die Stadt verlassen. Mehrere Collegen wurden 3 Tage eingesperrt und dann mit Be glcitung auf die Bahn befördert. Ich wurde auch vorge> fordert. Mir wurde da« erstemal eine Frist von 8 Tagen gestellt. Nach Ablauf derselben wurde mir, trotzdem ich Subsistenzmitlel besaß und im Stande war, augenblicklich in Arbeit zu treten, eröffnet, daß ich binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen habe. Ich nahm jedoch äugen- blicklich«inen Anwalt, der erwirkte, daß der Vollzug stslirt wurde. Arhnlich ging c« einem andern Comits- mitgliedc. Auch al« Vermitllcr zwischen uns und den Meistern entwickelte die Polizei ungeheure Thätigkeit, welche wir aber durchaus nicht zu schätzen wußten. Wie die Behörden hat auch die Presse Partei gegen uns er- griffen. Zuerst lobte sie uns, dann aber hieß sie uns „Agitatoren" und„WirthShauSpredigcr" und zuletzt log sie, daß der Strike in der Hauptsache beendet sei, um fremden Zuzug heranzulocken. 29 Collegen wurden dcnun- zirt, und es verschworen sich die Meister, von dics-n keinen mehr in Arbeit zu nehmen, diesen Plan haben sie in der Form jetzt fallen gelassen, doch scheinen sie in Wirklichkeit ihn nicht vergessen zu wollen. Diejenigen von den 29, die nicht abgereist sind, haben übrigens ein Asyl bei einem Meister gefunden, der sein Geschäft erweiterte und ihnen auch vollen Ertrag ihrer Arbeit zusicherte. Wir haben jetzt kennengelernt, wie man den Arbeiter behandelt, wenn er sein Laos bessern will. Dienstag den 9. Mai haben wir die Arbeit wieder aufgenommen und wir werden unsere Errungenschaften zu behaupten wissen. Wir sprechen vorläufig den Brüdern in ganz Deutschland unscro herzlichen Dank au» für ihre thatkrästige Unterstützung. Die Abrechnung folgt sobald als möglich. Möchte doch endlich der Gedanke alle Arbeiter durchdringen, daß nur die Ertenntniß ihrer Klassenlage, Einigkeit und selbst- ständiges Handeln sie zum längst gewünschten Ziele führen kann. Möchte die Zeit bald kommen, wo keiner von uns mehr auf die Stimme der Bourgeoisie oder auf sonstige eitle Worte hört, sondern männlich vorwärts schreitet. Dieser Kamps hat uns zur vollen Einsicht gebracht, und gestählt zu neuem Wirken. Entschlossener als je werden wir eintreten für die gerechte Sache des unterdrückten vierten Standes. Deutsche Brüder, stehet mit uns ein sür die Erkämpfung. der Gerechtigkeit, Brod und Freiheit sür die ganze Menschheit! Dann wird uns das Morgen roth eines schöneren Tages aufgehen. Mit Brudcrgruß im Namen des Slrikecomitös Trautwein. Deutsches Maler-, Laclircr- und Vergoldcr-Gcwerk. Hannover, 10. Mai.(Zum Malcrstrike!) Vis heute ist in nnsrcr Strikcangelegenheit keine Acnderung eingetreten. Es haben die Malermeister in ihrer letzten Versammlung am 6. d. M. beichlossen, uns keinerlei Än erbietungen mehr zu machen: Als ob sie uns überhaupt schon solche gemacht hätten! Das Publikum ist wirklich sehr nachsichtig den Meistern gegenüber; denn letztere ver- sprechen von Tag zu Tag, daß wir nachgeben werden, aber sie irren sich sehr. Die Meister arbeiten jetzt mit ArbeitSleulen alles, was diese im Stande sind zu liefern, doch rückt der Sommer tüchtig vorwärts und alle bessere Arbeit bleibt liegen. Somit hoffen wir sicher zu siegen, zuletzt verliert ja selbst der nachgiebigste Bauherr' die Geduld. Hier wird so gebaut, daß es unfern Principalen gar nicht möglich ist, bei ihrem Vorsatz, uns niederwerfen zu wollen, zu beharren. Natürlich muß von auswärts der Zuzug vollkommen abgehalten werden. Wir ersuchen deßhalb nochmals alle Bevollmächtigte, sowie alle rechtlich denkende Collegen unser« Gcwcrks, un« nicht hinderlich in dieser Sache zu sein; wir wollen unser Vorhaben nicht nur sür uns, sondern sür alle Brüder und Collegen zum Nutzen durchsetzen. Mit sodal-demokratischcm Geuß _ I. G. Fischer. Gcwerkderrin dcutschcr Holzarieitrr. Kiel, 13. Mai.(Strike.) Ein neuer Beweis dafür, daß auch hier im äußersten Skordcn das Klassenbewußtsein in den Arbeitern erweckt ist, ist da. Den sogenannten Arbciterfreundcn ist es nicht möglich gewesen, die Arbeiter länger in der Dummheit zu erhalten: die Arbeiter haben jetzt ebenfalls den Kampf mit der Capitalmacht aufgenom- men. Unsere Meister konnten sich nicht erklären, wie der- artiges möglich fei, es wurde zunächst unser College Schmidt als Aufwiegler angeschuldigt, und doch war der- selbe unserer Bewegung früher immer fern geblieben: aber sie suchten den Sodal- Demokraten die Schuld in die Schuhe zu schieben. So mag es denn auch gekommen sein, daß Herr Nissen znerst den Altgesellen außer Arbeit geschickt hat, was der Ansang deS StrikeS war. Den 5. dss. legten wir den Meistern unsere Forderungen vor; den 12. bekamen wir zur Antwort, daß sie kein Meister unterschreiben werde. Es wurde hieraus in einer Ver- sammlung der Tischlrrgcsellen am selben Tage einstimmig beschlossen, daß die Unvcrheiratheten alle auswandern soll- ten, und daß die Arbeit nicht eher wieder aufgenommen werden solle, bis alles bewilligt ist.— Collegen und Brüder In ganz Deutschland! Es ist das erste Mal, daß der Kampf hier ernsthaft geführt wird; ans un« blickt ganz SchleSwig-Holstcin mrt großer Aufmerksamkeit. Verlaßt un« druni nicht im Kampf, unterstützt un«, damit der Sieg unser wird. Brüder und Collegen, es wird Euch bekannt sein, daß wir zn jeder Zeit bereit gewesen sind, wenn es galt, gedrückte Brüder zu unterstützen, jetzt müssen wir Eure Hülse in Anspruch nehmen. Vor allem aber ist der Zuzug fremder Tischler fern zn halten; bis jetzt sind wir von Fremden immernoch zu sehr besucht worden, besonders von Hamburg und Altona aus. Die Einigkeit der Gesellen ist hier vollständig und es wird die Arbeiter- dewegung einen Ausschwung nehmen, wie früher noch nie. Etwaige Unterstützung wolle man senden an Unterzeichneten, Tischlcrherbrrgr, Kuhbrrg alte Reihe, Kiel. Mit social- demokratischem Gruß O. Oeser, Bevollmächtigter. Avgtm. Taiack- und Cigarrcuarbeiter-Glycrkschaft. Werihtr, II. Mai.(Strike.) Collegen aller OrlS! Trotz der gegen uns gerichteten falsch begründeten An- griffe seitens der hiesigen Mitglieder des Allg. Tabak- und Cigarrcnarbeiter-Vcreins baden wir es nicht für nöthig erachtet, jenen, die uns Bruderschaft und Freund- schast gekündigt haben, auch nur. eine Silbe zu antworten, denn wir wußten, wie die Mitglieder unserer Gewerkschaft hierüber denken. Wenn wir jetzt vor die Oeffentlichkcit treten, so geschieht e«, weil es sich um einen Strike han- delt. Es ist hier wegen Lohnabzug von den Arbeitern der Firma Halle und Comp, die Arbeit eingestellt. In dieser Angelegenheit sind zwei Versammlungen abgeholten worden, wozu auch wir eingeladen worden sind, wir haben allseitig anerkannt, daß diese Arbeitseinstellung eine ge- rechte ist, da der genannte Fabrikant von einer gewissen Sorte schon 5 Sgr. pro Mille am Lohntage für einen ganzen Monat abgezogen hat, wovon die Arbeiter nicht« wußten. Hierüber zur Rede gestellt, äußerte der Prin- zipal: Wenn die Arbeiter sich nicht zufrieden gäben, würde er von jeder Sorte noch 5 Sgr. abziehen. Aus diesen Gründen legten denn auch sämmtlichc Arbeiter die Arbeit nieder, wir haben ihnen hierbei versprochen, ihnen zur Seite zu stehen und einstweilen alle Streitigkeiten bei Seite zn lassen. Die Sinkenden find größtenthcils Mit gliedcr des Allg. Tab.- und Cigarrenarbeitcr-VercinS. aber cS sind auch einige Miiglieder von unserer Gewerkschaft dabei. So treten wir denn an Euch heran mit der Bitte, uns in etwas zu unterstützen, da doch anerkannt werden muß, daß die opfenüüthigstcn Collegen der Allg. Tabak und Cigarrenarbeiter-Gewcrkschast beigetreten sind. In- dem wir vor Zuzug warnen, welches sich von selbst ven steht, ersuchen wir auch um etwaige Gilduntcrstützungen. Dieselben sind an unseren Bevollmächtigten, Cigärren« arbciter H. MeinderS in Weither, Kreis Halle i. N., zu senden. Mit social-demokratischem Gruß Die Mitglieder zu Werther. Mg. deutsche dmiuigte Metallarbeiterschaft. Frankfurt a. M., 13. Mai.(Schmiedestrikc in Aussicht.) Es muß der Zuzug sämmtlichcr Schmiede von Frankfurt a. M. und Umgegend abgehalten »erden; ein Strike steht in Aussicht. Joseph Schneider Offenes Antwortschreiben an da« Central-.Comitö zur Beruinng eines Allgem. deutschen ArbeitercongresseS zu Leipzig von Ferdinand Lassalle. (Schluß.) Wollen Sic endlich noch einen spedellen Beleg für die Unmöglichkeit, anders als mit jener fördernden Jnter venlion des Staates durch die freie Association die Ver besscrung der Lage de« ArbeiterstandeS hervorzubringen, so mag ihn gerade England geben, gerade jenes Land, aus da« man sich am meisten beruft, um die Möglichkeit einer lediglich nnd ausschließlich mit ihren isolirtcn Kräften hervorzurufenden, die Lage de« gesommten Stande« verbessernden Association der einzelnen Arbeiter zu behaupten. England, welches in der That aus verschiedenen in seinen bsesondern Zuständen wurzelnden Gründen noch am ehesten geeignet erscheinen müßte, dieses Experiment durchzuführen, ohne daß deshalb noch eine gleiche Mög- lichkcit auch für andere Länder dadurch bewiesen wäre. Und dieser spcciellc Beleg knüpft gerade an jene eng- lische Arbeitcrassociation an, welche bisher als der trium phirende Beweis einer solchen Behauptung angeführt zu werden Pflegte. Ich spreche von den Pioniers in Rochdale. Dieser seit 1844 bestehende Consumvcrein legte 1858 ein: Spinnerei und Weberei an, mit einem Kapital von 5500 Psd. Sterling(circa 88,000 Thalcr). In den Statuten dieser Fabril-Associalion wurde den in der Fabrik beschäftigten Arbeitern, gleichviel ob sie Actionärs der Association waren oder nicht, außer dem ortsüblichen Arbeitslohn, ein gleicher Antheil an dem als Dividende zu vcrtheilcndcn Gcschäflsgewinn zugesichert, wie den Actionärs, da die Bestimmung getroffen war, daß die Jahrcsdividcnde ebenso auf de» Arbeitslohn, wie auf das Acticncapital berechnet und vertheilt werden sollte. Nun beträgt die Anzahl der Actionärs jener Fabrik 1000, während in der Fabrik nur 500 Arbeiter beschäftigt sind. ES ist also eine große Zahl von Actionärs vorhanden, die nicht zugleich Arbeiter der Fabrik sind, wie andererseits nicht alle Arbeiter zugleich Aktionärs sind. In Folge dessen brach unter den ArbeiteraktionärS, die nicht Arbeiter der Fabrik waren, und auch unter denen, die Arbeiter und Aktionärs .ugleich waren, eine Agitation(1861) dagegen au«, daß auch die Arbeiter, welche nicht Aktionärs seien, einen An- theil von dem Gcschäftsgrwinu— dem Arbeitserträge— erhielten. Man stellte von Seiten der Arbeiter«Aktionärs ganz offen und einfach den Grundsatz ans, daß nach dem ganz allgemeinen Brauch in der gcsammten industriellen Well die Arbeit mit dem Arbeitslohn abgefunden fei und dieser durch Nachfrage und Angebot bestimmt werde(— wir haben oben gesehen, durch welches Gesetz!)„Diese That- achc— erzählt Professor Hubcr in dem Bericht, den er von dieser Angelegenheit giebt— wurde ohne weiteres von vornherein als der keiner weitern Motivirung und Legiti- mirung bedürftige naturgemäße Zustand gegenüber einer ganz ausnahmswcisen, willkürlichen, wenngleich statutcn- mäß'gen Neuerung geltend gemacht." Tapfer, aber nur mit sehr unklaren GcfühlSgründen, wurde dieser Antrag auf Aenderung der Statutcn von den alten Stiftern und Vorstehern der Association bekämpft. In der That stimmte eine Majorität von fünf Achtel der Arbeiter-Aktionär» 'ür die Acnderung der Statuten, ganz wie die bür- gerlichin Unternehmer handelnd, und die Abänderung der Statuten unterblieb vorläufig nur deshalb, weil zu einer solchen statutenmäßig eine Majorität von drei Viertel der Stimmen erforderlich ist.„Niemand aber— berichtet Professor Hubcr weiter— täuscht sich darüber, daß die Sache dabei nicht ihr Bewenden haben wird. Vielmehr stehen dieser Asiodation noch sehr heftige innere Kämpfe bevor, deren Ausgang vielleicht schon nächstes Jahr eine siegreiche Wiederholung jenes Antrags sein dürfte, um so mehr, da die Opposition entschlossen ist, ihren Einfluß auch bei den Wahlen zu den Assodationsämtern gellend zu machen, wo die absolute Majorität entscheidet, wo dann die do< minircndcn Stellungen des Vorstandswcscns bald in ihren Händen Mn könnten." Hubcr berichtet ferner hierbei: „Die meisten der fabrikmäßig produktiven Vereine ha- den sich von vornherein dem allgemeinen B r auch angeschlossen, offenbar ohne weiteres Nachdenken oder doctrinäreS Bewußtsein; nur einige haben daS coopera« tive Prinzip zn Gunsten der Arbeit angcvmmcn." Und Hnber muß ferner, obwohl sehr wider Willen und mit sehr schwerem Herzen, denn er ist ein Anhänger der blos von den isolirten Arbeitern ausgehenden Association, ge- stehen, cS fei„gar kein Zweifel, daß diese Fragen sehr bald in allen andern produktiven Associationen zur Erör- terung und Entscheidung komneen werden, wo der Gegen- sotz von Capital nnd Arbeit vorhanden ist und sich au« dem industriellen Makrokosmos(d. h. der Wclteinrichtnng im Großen) der Concurrenz in den coopcrativen Mikro- koSmus(d. h. der von der Arbeitcrassociation dargestellten Welt im Kleinen) rrproducirt." Sie sehen, meine Herren, wenn Sie über diese That- fachen nachdenken, daß sich die großen Fragen immer nur im Großen, nie im Kleinen lösen lassen. So lange der allgemeine Arbeitslohn durch das oben betrach- tele Gesetz bestimmt wiid, so lange werden auch die klei- neu Associationen sich dem herrschenden Einfluß desselben nicht entziehen können. Und was gewinnt denn der allgc- meine Arbeiterstand, der Arbeiter als solcher dabei, ob er sür Arbeiterunternehmer oder sür BourgcciSuntcrnehmer arbeitet? Nichts! Sie haben nur die Unternehmer, denen der Ertrog Ihrer Arbeit zu Gute kömmt, zer- bröckelt. Aber die Arbeiter und der Arbeitcrstand ist nicht befreit! W°S er dabei gewinnt? Er gewinnt nur die Depravanon, die Bcrdcrlniß, die jetzt ihn selbst ergreift nnd Aibcilcr gegen Arbeiter in ausbeutende Unternehmer verwandelt! Tic Personen der Unternehmer haben gewechselt, die Sache ist geblieben, die Arbeit, diese einzige Quelle alles Ertrage«, bleibt vor wie nach auf den sogenannten Lohn, d. h. die LebrnSfristung angewiesen. So groß ist unter der Herrschaft diese« Gesetzes die Vcrkehrung der Begriffe, daß jetzt sogar jine nicht in der Fabrik beschäftigten Arbeiter-ActionärS, statt einzu- jchrn, daß sie ihre Dividende der Arbeit der bischäftiglcn Arbeiter verdanken, daß sie cS somit sind, welche den Vorthcil aus der Arbeit dieser ziehen, umgekehrt diesen nicht einmal einen Theil von dem Ertrage ihrer eigenen Arbeit, nicht einmal einen Theil vcn dem gönnen wollten, worauf die Arbeit gcrechtin Anspruch hat. Arbeiter mit Arbeitermitteln und Untcrnchmergcsin nungcn— daS ist die widrige Carricatur, in welche jene Arbeiter verwandelt worden sind! Und nun endlich noch einen letzten sich hieran knüpfen- den scharfen und entscheidenden Beweis. Sie haben gesehen, daß in jener Fabrik der Pionier? 500 Arbeiter beschäftigt und an ihr 1600 Arbeiter al« Aciionärk bitheiligt sind. So viel wird Ihnen auch ganz klar sein, daß wenn wir un« die Arbeiter nicht gleich geradezu als reiche Leute denken wollen, damit dann freilich alle Fragen in der Jllusicn gelöst sind, die in einer Fa brik beschäftigte Anzahl von Arbeitern nie aus- reichen wird, um auch das sür die Fabrik erforderliche Anlagecapital an« ihren eigenen Taschen auszubriugr». Sic werden dazu vielmehr immer eine viel größere Zahl von andern, nicht in der Fabrik bcschältigicn Arbeiter aktionärß in Anspruch nehmen Müssen. In dieser Hinsicht ist da« Verhältniß bei jener Fabrik der Pionier«— 1600 ArbeiterokliovärS auf 500 in der Fabrik beschäftigte Arbeiter, also ein Verhältniß von nur mehr als 3 zu 1 — sogar ein erstaunlich günstige« und seltenes, ein so kleines, wie nur irgend möglich zu nennen, und erklärt sich nur theil« aus der ganz besonders glücklichen Lage der Pionier«, die im Arbcilcrstandc al« eine hohe Ausnahme dasteht, thcils daraus, daß jener FabrikationSzwcig noch durchaus nicht zu jenen gehört, welche da« stärkste Capitalverhältniß erfordern, thcils daran«, daß jene Fa brik noch nicht zu den wohrbaft großen ProduktionS- anstaltcn gehört, in denen da« Verhältniß auch in diesem FabrikationSzwrigc noch ein ganz andere« sein würde. E« kommt endlich dazu, daß durch die Entwickelung der Industrie selbst und durch die Fortschrille der Civilisation dies Verhältniß noch alle Tage gewaltig wachsen muß. Denn die Forlschritte der Civilisation bestehen gerade Sie nun noch als Arbeiter-ActionärS hinter briken beschäftigten Aibeitenr stehen müßte,' � Fabriken anzulegen? Sie sehen also, meine Herren, daß eS gu« mathematische Unmöglichkeit ist, den auf diesem Wege durch die Anstrengungen f glieder als blos isolirter Individuen zn bef nur ganz unklare, unkritische Vorstellungen Illusionen hingeben können und daß der ew hierzu, der einzige Weg zur Aushebung jenes den Arbeitslohn bestimmenden Gesetzes, an Arbciterstand wie an einen Marie, psahl g� die Förderung und Entwicklung der freu viduellcn Arbcitcrassociationen durch ende. Hand des Staate« ist. Die cht atomistisch-isolirteu Kräfte der Ardeiterindivid« Arbeiterassodationsbewegung hat nur den — und dieser Werth ist ein immenser � lich den Weg, den praktischen Weg i" aus welchem die Befreiung vor sich gehen zcnde, praktische Beweise zur BeseitigNUS'' lichcu oder vorgeschützten Zweifel über die prell uhrbarkeit zu liefern und es eben dadurch der Menschheit zu leihen..Mösts Zugleich habe ich Ihnen bereits den Be»�' daß der Staat überhaupt gar nichts anderes, stn; � Arnß» rtvnf-« WK n--»« 4 1«Nrt hfl � 9 große Organisation, die große Association der � Klassen ist, �nd daß also die Hülse und F��'Milülig welche der Staat jene kleineren Associationen;iinlc! gar nichts andere« sein würde, als die volilcU"', i>z y nnd hüls einzeltc Individuen, erweisen. Noch einmal also, die freie individ�. i e hd I de tfugi Snh im fc, £' K [itaft |tiS darin, daß täglich mehr todlc Natnrkräst,> schincn, an die Stelle der menschlichen Arbii! I und daß also täglich da« Verhältniß der»! Anla gecapita lS zur Menge der menstni beil wachst. Wenn atso in jener Fabrik in l um daS Anlagecapital für 500 beschäftigte l' beschaffen, 1600 ArbeiteraktionärS erforderlich> somit ein Verhältniß von 1 zu 8, so wird ren Arbeitern und in anderen Branchen � größeren ProdultionSanstaltcn und mit dcu lözl« schritten der Cilitisation das Verhältnizl wie 1 zu 4, 1 zu 5, zu 6, zu 8, zu � u. s. f. Bleiben wir indeß sogar be, hältniß von 1 zu 3 stehen! Um«>1° Zu stiften, in welcher 500 Arbeiter w« finden, brauche ich 1600 Arbciter-Actionäri, nöthige Anlagecapital zu haben. Gut, so Wt � g zwei, drei!C. Fabriken gründen will, hat doS u � � stcllung— immer in der Vorstellung, meim � Nt de der Illusion— keine Schwierigkeit. Ich»eri immer in der Vorstellung die dreifache, vierl� u. s. w. von Arbeiter-Aciionär« zu Hülfe.- tich aber die Association aus den gcsammten stand, ausdehne— und von diesem, nicht tf" neu, die cmpoikommcn wollen, handelt es sichi�« nni wenn ich also im Lause der Zeit so viel Fabiuü will, daß der ganze Arbeitcrstand darin!"> »igt ist— woher nehme ich denn dann noch i» s. � 10-, 20fache Anzahl des gesammten zg � tu I liiu Mei «Gt ga> NN! �-tn l ist das keti Tri Hin, zur gebieterischen Pflicht zu mach'WchT, stützende Hand diesem höchsten Culrut� Neues the lnrdc ftd :t P »ise" Nnd v !Hinln iiiild l w niäß nicht« andere« sein würde, als die volllolr" � � rechtmäßige, vollkommen legitime sociai'. fr, welche die arbeitenden Klassen � e» Ust; Association sich selbst, ihren Mitgliedertli�- ciation der Arbeiter, aber die freie en dil Z! «tu S || Aerwi Association ermöglicht durch die stützt� Swz derndc Hand de« Staates— das ist der'J': 1 Bft,, ans der Wüste, der dem Arbeiter?' m geben ist. j je 0m Wie aber den Staat zu dieser Jnterr�;ru- mögen?-»�Wstichi Und hier wird nun sofort sonnenhell die b. Ihrer Aller Augen stehen: dies wird nur gemeine und direkte Wahlrecht möglich>'� eei-dlick die gesetzgebenden Körper Deutschland' allgemeinen und direkten Wahlrecht htl dann nnd nur dann werden Sie detl�ITem stimmen können, sich dieser seiner Pflicht zu Dann wird diese Forderung en de» >»-">> st Körpern erhoben werden, dann mögen dec e Foiueen und Mittel dieser Intervention dur# � uiiu zv/uuci omti ui uuüii'J* und Wisscnschasr discutirt werden, dann wefd� n lassen Sie Sech daraus!— die Männer, die � verstehen und Ihrer Sache hingegeben sin», � kcn Sicht der Wisscnichasl bewoffuet, zu«ij tSeeft-xs stehen und Ihre Interessen zu schützen wissen! j werden Sie, die unbemiltelien Klassen der GeP( S})01, jedenfalls nur Sich selbst und Ihren schlelh'� len zuzuschreiben haben, wenn und.so long' dach' trcter Ihrer Sache in der Minorität n � Da« allgemeine und direkte Wahlrecht ist. fc(t" sich jetzt ergeben hat, nicht nur Ihr pvlitii� auch Ihr sociales Grundprinzip, de' r � bcdingung aller socialen Hülfe. Es'st. keix,.», zigc Mittel, um die materulle Lage de« ij,jern zu verbissern., M Wie nun aber die Einführung des aflS'f r- V'i direllen Wahlrechts bewirken? Und hier bli" � m England!. ,„li stSoer Mehr als fünf Jahre hat die große Air 5;0ll|| englischen Volke« gegen die Korngcsrtzc gedoi'M� � ,, aber mußten sie sollen, mußten durch«in Toi? � hmf selbst beseitigt werden!,»1; Wo Organisiren Sic Sich als ein allgemein''!}on| Arbeiterverein zu dem Zweck einer gesetzlich"1.. ittn},c (irf.prr nhpr UTifrtnflMJÄpn ittrrtfifr.fftrtpr? Woüfl1'.j »» liehen, aber unermüdlichen, unablässigen Agit0"!AIs,a Einführung de« allgemeinen und direkten lff'ÜWen, viiuiuyuuiy v\v uiii�viuuuuu miv uiiiiuii allrn dcut'chcn Landern. Von dem AugenbU�. ttn -ck dieser Verein auch nur 100.000 deutsche Arb" wird er bereits eine Macht sein, mit welcher I' muß. Pflanzen Sie diesen Ru, fort in jede jede« Dorf, in jede Hütte. Mögen die städ»'� ,i,, 1 ter ihre höhere Einsicht und Bildung aus d>' jj Arbeiter überströmen lassen. Dcbaltiren Ss'->>u Sic überall, täglich, unablässig, unaushörli�>1 � große englische Agitation gegen die Korng-sek'!� in lichcn, öffentlichen Veisomm'lurgcn, wie in VW jtfoot sammcnkÄoslen die Noibwendigkeit des allg'11�! liF.� direkten Wahlrechts. Jcmchr das Echo Iii1'$ millionenfach wicdcrhallt, desto unwiderstehlich' Druck derselben sein."'w Stiften Sie Kossen, zn welchen jedes. deutschen Arbeitervereins Beiträge zahlcu> 4t|( denen Ihnen OrganisationScntwürsc vorgü'st'« p, können. Fnß Gründen Sie mit diesen Kassen, die trotz ,ltts>, zz,, .!"°,»1�,. Besolden Sie au« den Mitteln dieses B""1'| Wg. welche dieselbe Einsicht in jeden Winkel deS Ld i � iiid ltt' kin«? jtbti! Ariklttr»,«in«? jeden Häuklcrs und mit dcmsclbkn Rnfc turchdringen. Entschädigen 51 den Mitteln diese« Vereins alle solche Arbeiter, [l|S t Hegen ihrer Thätigleit für denselben Schaden und Wg erlitten haben. s/! herholen Sic täglich, unermüdlich dasselbe, wieder ... � immer dasselbe! Jemchr es wiederholt wird, » i>� Itihr grxjst es um sich, desto gewaltiger wächst sein ' Kunst praktischer Erfolge besteht darin, '«st ,u jeder Zeit auf Einen Punkt— aus »igsten Punkt— zu concentrireu und nicht noch link» zu sehen. Blicken Sie nicht nach W) links, seien Sie taub für Alles, was nicht 'ines und direktes Wahlrecht heißt oder damit 'Menhang steht und dazu sichren kann! 1 Sie dies.» Ruf— was Ihnen binnen wenigen v«�Selingrn kann, wirklich durch die 89 bis 96 't?«lder Gesammtbevölkcrung fortgepflanzt ch-Äderdeu, welche, wie ich Ihnen gezeigt habe, die :I1- nicht lange widerstehen! Man kann von Seiten �>d unbemitlellen Klasse» der Gesellschaft bilden, ..t?lld man— Seien Sie unbesorgt— Ihrem r* hi«l?tunfitn mit der Bourgeoisie über politische Rechte IviM 0 I!nb hadern. Man kann selbst Ihnen politische in t""h somit auch das allgemeine Wahlrecht vir- t' jj, bei der Lauheit, mit welcher politische Rechte "®;,a �werden. Aber daö allgemeine Wahlrecht von »i»!! Procent der Bevölkerung als Magenfrage n-»"«Bt und daher auch mit der Magenwärmc aerid?'mbcsorgt, meine Herren, es giebt keine Macht, fled i �nge widersetzen würde! n Pas Zeichen, das Sie aufpsianzen müssen. gw'S iol > d-r lta» Ferdinand Lassalle. Zclchcn, in dem Sie siege» werde»! -in? k anderes für Sie! "in,], März 1863. gefM Die settcn Unruhen in Paris. fr°'1 de. vö durch ciniac revolutionäre Führer vcran. Weli! �-Nd sich die Masse des Volkes f-rn hielt, da '?..Prcssc beeinflußt wurde, insbesondere von der '.f'i'""ist" Rocheforl's, welche uicht aufhörte abzu- t-lldl unüberwindlichen Macht de« Militärs ••ji"1 �icrladcr zu fabeln. Gegenwärtig hat sichrem mc!� entrollt. Die Abstimmung de« Militärs, "..«Wdz mider Erwarten zeigte, daß in der Uniform " mchr'Rlpublikanrr stecken als im Rock, pl'ch dem Volk enthüllt, daß dort, wo es nur s«er zu sehen glaubte, eine ganz erkleckliche Zahl ' welk'�'N sich befinden. Die Pariser ergriffen rasch i'ml"l'nhkit, ohne ein Kommando der sogenannten jil mr in den ZeilungS. und AdvokalenbureauS ab- - MiiirS. um mit den Soldaten zu ftalernisiren; ja einige " et»"'üiigfreii errichteten sofort Barrikaden. Berge- reu .'„gif Herten die radikalen Zeitungen gegen die Unruh .-nle s.#''S Diener der Reaktion; das Volk kehrte sich n al" Nachdem einmal die künstlich gehegte Furcht Jein(l1 s, Militär geschwunden war, nachdem aus den oc rlm Söldnern" Kan.eradcn geworden waren, war idrie»» �wcgniheit d-r Pariser wiedergekehrt. Erst indf da, daß die Bewegung in Paris ernst 'ilrer.il! Volk die Elemente, welche den 26. Oktober - eplf s�bräbniß Victor Noir'S nicht zu benutzen wog- fVrlt«'-n v!1 läßt und sich selbst organisirt. Die ersten '""Iis AusschwungS der Bewegung sind die 4 L' 1 9. und 10. Mai, welche, so unorganistrt schienen, doch die erwachende Energie des pariser tet*1 i'kichnen. lieber die Vorginge am 6. Mai haben 1> berichtet. Der Korrespondent der„Köln. •i(?»• 1(111 blc Unruhe« eingebend und offenbar nicht »« Ii hlodlich gegen die Aufständischen, die er„Gassen- ,po.und„schreckliches Gesindel" titulirt, gleichwohl /j.'iilderung charakteristisch genug, um sie mitzu- »cm 10. Mai datirten Bericht entnehmen 11"(M �dtS über die Vorgänge am Tage vorher: -ßfj«m Fanbourg du Tcrnplc hatte den ganzen Tag gewisse Erregung geherrscht und überall halten sien gebildet, welche die Abstimmung besprachen. > bedeutend waren diese Gruppen vor der Ka. Prinzen Eugen oewcffn, wo die Leute sehr häufig ..Es lebe das Militär!" ertönen ließen, womit Zufriedenheit darüber ausdrücken wollten, daß efflelfl m?1 Besatzung dieser Kalernc mit„Nein" g!> e idtckv�un muß die Lage der Dinge aber nicht für at 5'V Bchöltcn haben, da gegen 6 Uhr fast alle Truppen, '■»...ilftach Paris beordert, Befehl zum Abzüge in ihre Garnisonen erhielten. Unter denselben befand der größte Thcil der Besatzung, welche man dourg(Senat) geaeben hatte. Wie auf dem der Kaserne drS Chateau d'Eou, so war auch Ukembourg den gonzeu Tag eine große Menschen- �sammelt, und als diese Truppen— eS waren Jäger— ausmarschirten, so drängte sich die es waren unter dlrselben viele Studenten und ..runter dem Rufe:„Es lebe die Linie!"„Es «ait�>B!llr!" zu denselben heran und man bot ihnen „■j,,. f«ni(Ui und Gewehre zu trogen, wa« sclbst- angenommen wurde. Das Gedränge Benk, daß die Truppen, die übrigens äußerst 1 logar zusriedcnc Grsichtcr machten, kaum von durth. werdl dic in.'- u »W it»«-! t i ti di« s ist Ai� .Kg""' blilst" einck ,elI iii! lon.men konnten. Anders war es, als der ? tfr»'-/nde General mit seinem Stabe den Luxem- s'eß. Di? Menge brachte keine Hoch«»lehr nblist' pstff uied zischte, was beinahe zu einem iW'n ihr und einem der Adjutanten des 1 rt�ef rlinchart, der den Oberbefehl führte, Anlaß " qael V'«, welcher der Menge zurief:„Hunde, welche dliststf n" nicht!" Diese Art von„Fralcrnisirrn" der die i» Soldaten erneuerte sich auch, als man ... s"»sbruche der Unruhen im Faubourg du Temple nlidj' ii6"1 bir Anlerne des Prinzen Engen räumte. i.ge, i'' wenn eine Ablheilnng Linicntrnppen über den i marschirte, drängte sich dic Menge zu ihr LtJ"wgte sie und rics:„ES lebe die Linie!" Die 'drck, �tcn sich es ruhig gefallen und führten dic ilchck 1.»p'nen Befehle mit ungewöhnlicher Schoming 1•' ttM«| K»**« CDa«« hnrt g'l'S' 8 dck. ltiS- listig h-z! «T! »nS�. .crb� >!'l? ccinf, Lt-w °tdencn Befehle mit ungewöhnlicher Sch. Aochricht von dem Bau von Barrikaden � ."'in meiner Berichterstatter gegen ein Viertel % zugebracht, und ich fuhr sofort nach dem (es" tn A».. V' �• 4.. �. V. i s W*4* �.ikhaieau �Platzes 8uß d'Ecu, wo gerade mit der Räm begonnen wurde. Vorher waren _ und zu Pferde, ein Bataillon Linien- Municlpalgarde zu Pferde und Polizei-Agenten st hinausgezogen, um dic Barrikaden, die man '■ j« nehmen. Dic erste Compagnie, welche fitrnc kam, wurde von der Menge sofort um- mit Hochs begrüßt. Dic Soldaten schienen Dvation— eine Masse Frauen und Kinder . Kch an derselben— ganz angenehm berührt da das Drängen sehr stark war, so verloren �aten fast unter der Menge, bis ihnen eine pagnic, und dann Jäger zu Pferd und zu i« gesandt wurde», welche letztere weniger schonend auftraten und�den Platz auch säuberten, wobei eine Frau, ein Kind»nd ein Mann verletzt wurden. Die Menge sammelte sich bald von Neuem arf dem Boulevaid du Temple und in der gegenüber liegenden Rur de Temple. Unterdessen waren Truppen in einer größeren Anzahl aus der-CascrncjhcrauSgckommcn, und hatten alle Straßen, welche nach dem Faubourg du Temple sührtcn, besetzt, und als ich versuchte, in dicselbeu hineinzufahren, wurde ich überall zurückgewiesen. Zuletzt versuchte ich durch die Rue de la Douane in das im Aufstande bcfiredliche Viertel zu konimcn. Ich gelangte auch glücklich bis an daö Ende dieser Straße. Dorr wurde mir aber von Polizei-Agenten ein barsches:„Zurück!" Ich stieg-inen Augenblick aus meinem Wagen. Ich war auf eine der Barricadcn gestoßen, die von den Truppen bereits genommen worden war, und deren Trümmer Soldaten und Polizei-Agenten hinwegräumten. Sic bc stand an« Brettern und Steinen, welche letztere man dem Hafen entnommen halte, der sich dort befindet. Ich fuhr nun auf Umwegen nach Bellcville. Auf dem Boulevard dieses Naimils angekommen, stieß ich nun auf starke Ab iheilungcn und es gelang mir, bis in den Faubourg zu gelangen. Selbstverständlich hatte ich meinen Wagen zu rückgclassen. Die ganze Rue du Temple und Umgegend lag in tiefem Dunkel. Schon um 7 Uhr waren, und zwar aus Befehl, alle Läden geschlossen worden. Dic ersten Ruhestörungen halten dort nach Einbruch der Nacht begonnen. Gegen acht Uhr hatte eine Bande von Gassen- jungen von ungefähr 14 bis 18 Jahren, die von einem älteren Mann: befehligt zu fein schienen, die Bretter von einer Bezäunung abgerissen, sich mit diese» bewaffnet und den Faubourg unter dem Rufe:„Es lebe die Republik!" durchzogen. Um 8 Uhr machte der Haufen, der etwas stärker geworden war, die erste Barrikade, und zwar an der Ecke der Rue Fontaine au Roi und der Rue du Faubourg du Temple. Sie bestand jedoch nur aus zwei Omnibussen und einem Wagen. Die Abtheilung Truppen, von der ich weiter oben sprach, und welche vom General Lebrun befehligt wurde, kam nun angerückt. Die Ber- ihcidiger der Barrikade machten sich sofort aus dem Staube, um sich weiter oben, an der Stelle, wo die Rne St. Maur den Faubourg du Temple durchschneidet, von Neuem zu sammeln. Dic Zusammenrottungen waren dort ziemlich stark, stoben aber, als die Tromnielschläge, welche den drei gesetzlichen Aiefforderungen vorangehen müssen, ertönten, nach allen Seiten auseinander, und die Truppen fetzten ihren Marsch bis nach Bellevillc fort. Inzwischen halten sich dir Meuterer wieder gesammelt und dic Barrl- kadc an der Aue de la Douane, eine zweite an der Rue du Coibeau gebaut, und dic, welche dic Truppen bereits genommen, wieder hergestellt. Bei dem Bau der letzteren Barrikade war übrigens ein Mann ums Leben gekommen; der Omnibus war nämlich, als man denselben umwarf, auf ihn gefallen und hatte ihn erschlagen. Ein Theil der Truppen kam nun wieder von Bellcville herunter und nahm dicBarrikadc, dcrenVerlheidigcr sofortdavonliefen. Zugleich machten dic Husaren die Rne du Faubourg du Temple einen Angriff hinab, bei welcher Gelegenheit einige Meuterer ver- wuudet und viele verhaftet wurden. Tie einzige Barrikade, welche einigen Widerstand leistete, war die der Rue Buisson St. Louis, au der Ecke de» Boulevard de Belle- villc. Dieselbe wurde jedoch nicht von den Truppen, sondern von den Sladlsoldatcn genommen. Als ich Im Faubourg ankam, war es ungefähr IM/« Uhr. Es waren noch imuicr viele Zusammenrottungen auf den Straßen, dic ohne Unterlaß auseinander getrieben wurden, aber Barrikaden wurden nicht mehr gebaut. Die Nebenstraßen des Faubourg waren besonders stark angefüllt, und eine derart, daß ich über zehn Minuten brauchte, um mich hindurchdrängen zu können. Die Polizeiogenlen nahmen auch au dem Auscinanderlreibeu der Zusammenrottungcu Theil, und cS gab wieder viele blutige Köpfe, wie denn auch eine gewisse Anzahl Personen sestgeuommeu wurde. Dic eigeutltcheii Ruhestörer, lauter„lchrcckllche» Gesindel", iedicncn sich aber verlaufen zu haben, und gegen 11>/« Uhr wurden dir Straßen immer leerer. Ich suchte nun meinen Wogen wieder zu gewinnen, zu dtm Ich auch räch langen Umwegen, die ich zu nehmen hatte, glücklich ge- langte. Der Platz des Chateau d'Eau, wo ich gegen ll� Uhr ankam, bot noch immer den nämlichen Anblick dar. Dic nach dem Faubourg führenden Slraßm waren noch militärisch besetzt und die einzelnen Posten standen bis zum Eingange des Boulevard Saint Marlin. Gleich nach meiner Ankunft sührlcn dic Husaren plötzlich einen Angriff gegen die am oberen Tbeilc der Rue du Temple stehende Menge au», und mein Wagen gcrieth mitten in dic Husaren hinein, die mit gezogenem Säbel daher ge- sprengt komcn. Mein Kutscher, sowie mein Begleiter und ich kamen aber mir heiler Haut davon, während einige Personen verletzt wurden, darunter ein Mann, der«ine» Säbelhieb über den Kopf erhielt. Al« der Angriff vorbei war, fuhr mein Kutscher rosch den Boulevard du Temple hinauf, von wo au» ich den weiteren Vorgängin auf dem Place du Chateau d'Eau zusah. Es icheint, daß der An- griff nur gemacht worden war, um die Gruppen, die sich t och in der Umgebung diS Platzes befanden, auseinander zu treiben. Bald nach Mitternacht war der Platz fost ganz verlassen. Um diese Zeit kamen auch die Ti Uppen ouS dem Faubourg du Temple zuiück, um sich in ihre Cascrncn zu begeben. Die Tre ppen, welche den Platz be- setzt hielten, wurden ebenfalls größtenlheils eingezogen und dieser nur noch von einigen Ablhcilungen Polizei- ogentcn, einer Schwadron Jäger und einer Compagnie Infanterie besetzt gehalten. Ich setzte nun meine Fahrt weiter fort. Der Faubourg St. Antoine ui d die onlie- genden Stadttheilc waren den ganzen Abend über äußerst ruhig geblieben. Als ich durch dieselben fuhr, lagen sie im tiefsten Schweigen. Ziemlich belebt war dagegen noch Bellevillc und der Faubourg du Temple, wo ich gegen Uhr anlangte. Eine große Anzahl von PatrouiUen von Polizeiagenten und Garde de Paris durchzog dcnscl- bcn ohne Unterlaß und eine Masse Neiigieriger zu Wagen und zu Fuß— die Circulation war wieder freigegeben — durchstrich ihn in allen Richtungen. Der Platz des Cbateou d'Eau war dagegen ganz öde nnd verlassen. Alle Soldaten waren vcischwuuden nnd man bemerkte nur hier und da eine Patrouille von Polizeidicncrn. Die übrigen Stadttheilc von Poris waren ganz ruhig geblie- den... Es muß noch ein Zwischenfall hervorgehoben werden. Ein Soldat der Casernc des Prinzen Eugen, der sich auf dem Platze befand, verließ plötzlich seinen Posten mit dem Rufe:„Nieder mit dem Kaiser! Es lebe dic Republik!" Er wurde aber sofort verfolgt und im Theatrc de Folie Trametique verhaftet, wohin er sich geflüchtet." Ueber die Unruhen am 10. Mai berichtet'derselbe Correspvndent unterm 11. bis. gleichfalls ausführlich. Wir entnehmen dem Berickt Folgendes: „Die Unruhen, deren Schauplatz der Faubourg du Temple wieder war, sind viel crrester gewesen, al« dic von vorgestern. Es hatten sich nicht allein GaminS, sondern auch eine Anzahl Arbeiter an denselben bethciligt. Im Faubourg St. Antoine,� wo bekanntlich die meisten Arbeieer wohnen, herrschte eine große Erregung, und man gab allgemein die Absicht kund, sich zu verihcibigcn, wenn „man Truppen sende." Ich war dcrt zwischen II und >2 Uhr. Es war nichts vorgekommen, obgleich noch viele Leute auf dem Platze waren. Was den Faubourg du Temple und den Platz vor der Kaserne des Prinzen Eugen anbelangt, so war cS dort bis 7 Uhr Abends ziem lich ruhig geblieben. In den Werkstätten war, wa« am Montage nicht der Fall, den ganzen Tag gearbeitet wor. den, und der Faubourg hatte sein AlliagsauSsehcn. Um 7 Uhr füllte sich der Platz vor dem Chateau d'Eau mit Leuten, und zwischen 8 und 9 Uhr zogen die Arbeiter schaarenweise in den Faubourg hinauf. Zugleich durch- zogen mehrere Banden, welche von Bellcville herunter- kamen und rothc Tücher an einem Stocke trugen, den Faubourg, indem sie die Marseillaise sangen und den Rus:„Zu den Waffen!" ertönen ließen. Alsbald begann auch der Bau der Barrikaden, von denen sich zwei in der Rue du Temple, eine dritte in der Rur St. Maur neben der Kirche und eine vierte in einer anderen der Seiten- straßen des Faubourg befand. Als ich um 8�/« Uhr auf dem Place du Chateau ankam, war derselbe ziemlich leer. Die Poliziidiener hielten denselben allein besetzt und halten theilweise dic Menge. aus einander getrieben, dic aber immer wieder zurückkam, jedoch nur kleinere Gruppen bildete. Dagegen war der Zudrang zu dem Faubourg noch fortwährend äußerst stark. Ich fuhr in den Fan- bourg hinein nnd gelangte gsücklich bis auf die andere Seite vom Ccnal. Dort konnte aber an eiu Weiter« fahren nicht mehr gedacht werden. Die ganze Breite der Straße entlang stand Kopf an Kopf. Man hörte kein Geschrei nnd nur einige Straßenjungen riefen mir zu: „Man kann nicht weiter, es sind dort hohe Barrikaden." Ich hielt einige Augeublickc an und erfuhr, daß man in der Rue St. Maur eine Barrikade errichtet habe, die haushoch sei. Sie bestehe aus vier Omnibussen, die man au« dem Depot geholt, mehreren anderen Wagen, Steinen und Bretterwerk. Auch hieß es, daß in Bellcville, defscu Mairie schon um 6 Uhr von einer Compagnie Garde de Paris besitzt worden war, drei Polizcidiener ermordet worden seien. Im Faubourg du Temple sowohl als in den anliegenden Straßen, auf dem Place du Chateau d'Eau, in der Rue du Temple bis in die Nähe der Ccn- tralhallen hin und auf den benachbarten Boulevards waren alle Läden und Wirthshäuser geschlossen. Im Faubourg du Temple hatte Alles schon um 7 Uhr zugemacht. Im Augenblicke, wo ich mit den Leuten sprach, kam noch ein Omnibus über den Canal gefahren. Da er den Faubourg nicht hinausfahren konnte, so nahm er die Rur Fontaine au Roi, die er im strengen Galopp hinaus- fuhr. Mein. Kutscher folgte ihm. Am Ende der Straße angekommen, ließ ich denselben nach dem Boulevard du Temple zurückfahren. Der Mann befürchtete nämlich, man werde ihm seinen Wagen wegnehmen, und ich setzte meinen Weg zu Fe.ße fort. Ueberall stieß ich auf eine dichte M-nschinmiNge. E« gelang mir aber nicht, bis zu der Barrikade an der Ecke der Rue St. Maur und der Rue du Faubourg du Temple vorzudringen. Hier und da bemerlte man cincu Mann, der die Menge anzufeuern suchte. Waffen sah ich jedoch nirgends. Ich ging nun bis zur Billette hin, wo überall eine große Bollsmcngc war, und gewann dann auf der anderen Seile den Boulevard du Temple, wo Mich mein Wagen erwartete. Es war darüber 10 Uhr geworden. Der in der Nähe gelegene Platz du Chateau d'Eau hatte ein ganz anderes Aussehen gewonnen. Einen Angriff, d-n man auf demselben und in den Faubourg du Temple hinein bis zur Rue Turbigo gemacht, haltt di- Gruppe, wilchc dort übrigen« nur au» Neugierigen bestanden, nicht verhindert, stch wieder zu bilden. Bor der Caferne selbst stand ein Jiifantcrie-Regi- ment zum Abmärsche bereit. Im Augenblicke, wo ich in den Faubourg hineinfuhr, setzte sich dasselbe in Marsch Sein Vortrab bestand au« einer Compagnie Jäger nnd einer Compagreie Jnsauteric. Al« ich gerade beim Vor trabe ankam, wurde aber Gegenbefehl gegeben und ich fuhr nun hinter der Caserne her noch dem unteren Ende der Rue de la Douane, die ungefähr hundert Schritte von der Stelle entfernt liegt, wo der Canal die Rue du Faubourg du Temple durchschncidct. Ich stieg aus und begab mich an dic Rue du Temple. Ihr gegenüber stand eine dichte Volksmenge, die zuweilen ein wilde« Geschrei ausstieß. Dic Qua!» waren fast vollständig leer. Es war ungefähr 10 Uhr 20 Minuten, als die Truppen, die ich soeben aus dem Platze tu Chateau d'Eau bemerkt hatte, die Rue du Temple herauskamen. Ich eilte schnell nach meinem Wagen zuriick. Kaum hatte ich denselben erreicht, so ertönte da? Wirbeln der Trommeln, das den drei gesetzlichen Anffordcrungen vorangehen muß. Von der anderen Seile de« Canal? her Hörle man dumpfe« und wilde« Geheul nnd die Truppen setzten sich in Marsch. Die Menge stob auseinander und die Truppen komcn ohne Widerstand zu finden bi« zur ersten Barrikade. Dic Ariiörc- Garde, zu der ich nun hinfuhr, nahm an der Brücke Position und der Angriff auf dic Barrikaden er- folgte. Dort erfuhr ich, daß mein dic strengen Maßregeln auf deni Place du Chateau d'Eau ergriffen, weil dort gegen 91/» Uhr ein Mann— er heißt Mollet und ist Porzellanmalcr— zu einem Offizier, der sich vor der Casernc befand, herangetreten war und ihn gefragt habe, ob er schießen lassen werde. Als dieser ihm geantwortet, er werde seine Pflicht rhuu, schoß der Mann einen Re- volvcr auf ihn ob und zerschuietlerte ihm den Arm. Dic Soldaten, die sich in seiner Nähe befanden, wollten ihn niederschießen. Sie halten schon aus ihn angelegt, aber der Offizier duldete e« nicht nnd verhaftete den Mann motz seiner Wunde mit eigener Hand. Dic erste Barri- kadc wurde von den Truppen um lO1/- Uhr genommen, woraus dieselben dann dic Rue Overkampf räumten, wo sie von der Menge mit Steinwürfen empfangen wurden. Dic große Barrikade wurde von der Municipalgardc und den ScrgeanlS de Villc genommen. Dieselbe wurde ouch verthcidigt. Oben aus derselben stand ein junger Mann mit einer rothen Fahne. Er schien die Barrikade zu kommandiren. Die drei gesetzlichen Aufforderungen wer- den gemacht. Der Mann aus der Barrikade rührt sich nicht. Nun stürmen die Garden. D-r Mann mit der Fahne erhält cincu Kvlbenichlag und stürzt hinunter, Indem er den Rus:„Es lebe dic Republik!" ausstößt. Als man ihn später aushob, war er todt. Auf der anderen Seile färben die Garden nur zehn Mann, dic sich über die crstercn hcislürzten und zwei derselben verwundeten. Die Garden wurden aber bald Herr der Meuterer, dic mit Messern, eisernen Stangen und Stöcken bewaffnet waren. Dic Barrikaden in der Rue St. Maur, in der Nähe der Kirche Saint Josephe und in der Rue Fontaine au Roi, wurden, obgleich sie ans Steinen erbaut waren, fast ohne Widerstand genommen. Dagegen kam es auf mehreren anderen Punkten zu ziemlieb energischem Widerstand. In der Rue d'Angouleme du Temple wurde auf dic gesctz- lichen Auffordcruugen mit Pistolenschüssen geantwortet, und in der Rue du Buisson St. Louis, wo auch eine Barrikade errichtet war, feuerte man au« den Fenstern. Die Sladt-Sergcantcn, dic sie nehmen wollten, wurden drei Mal zurückgeworfen. Während diese Ereignisse im Faubourg vorfielen(dic letzte Barrikade wurde dort gegen 12 Uhr genommen, während das Angreifen der Meuterer, die sich immer wieder sammelten, bis 1 Uhr dauerte), ging es auch sehr lebhast aus dem Place du Chateau d'Eau zu. Nachdem ich vergebliih versucht, in den Faubourg tu Temple einzudringen, da er— es waren dort außer der Garde de Pari« tm Ganzen 7 Bataillone Linie und 1 Jägerbataillon nach dem Faubourg gesandt worden, während Bellevillc selbst, wo man eine Art Belagerung« zustand erklärt hatte, ganz mit Truppen angefüllt und durch die Soldaten vollständig abgesperrt war, um eines- thcels zu verhindern, daß die Jnjurgentcn Zuzug crhicl- len, und andererseits, um ihnen den Rückzug adzufchnci- den— so begab ich mich wieder vor die Kaserne des Prinzen Eugen. Jäger zu Pferde und Garde de Paris zu Pferde waren dort in großer Anzahl versammelt und chargirten dic Neugierigen ohne Aufhören. Eine Masse Personen wurden verwundet, einige sogar sehr schwer. Mau schleppte dieselben zu einem Apotheker, Rur de Bondy, woselbst sie die erste Pflege erhielten. Dorr sah ich einen Mann, der leblos am Boden lag, und einen anderen, der einen furchtbaren Schlag über oen Kopf erhalten Halle. Dabei trafen immer neue Verstärkungen ein, und Truppen zogen ohne Aufhören, während neue ankamen. Dic Zahl der leichlverwundcteu Personen ist sehr bedeutend, da die Cavalleeic und auch die Polizei ohne alle Rücksicht vor- gingen. Der Angriff auf den Offizier der Kaserne und dann auch der Umstand, daß acht Meuterer eine Schild- wache hinler der Kaserne hallen festnehmen wollen, schienen dieselben in eine schlimme Stimmung versetzt zu haben. Der Schildwache war Übrigens nichts Schlimmes passirt. Sie halte sich zur Wehr gesetzt und da schneller Succur« da war, so gelang es, dic Augreifer sestzunihmen. Nach meiner Rückkehr aus dem Faubourg St. Antoine, wo Aufregung herrschte, ohne daß es aber zum Kampfe kam, bot der Anblick de» Place du Chateau immer den nämlichen Anblick dar. Dort erfuhr ich nun noch Rähcrc« über die Vorgänge im Faubourg. Ein Offizier versicherte mir, daß die Zahl der Verwundeten aus beiden Seiten ziemlieh bedeutend sei. Ein höherer Osfizier sei durch einen Schuß aus einem Fenster gctödtcl und ein Polizcl-Agcnt buchstäblich von der Menge zerrissen worden. Die Soldaten hatten keine Salven gegeben, wohl hatten aber einige geschossen. Die Offiziere selbst hatten uicht gewollt, daß ihre Soldaten feuerten, sondern ihnen bc- tohlen, nur von ihren Kolben Gebrauch zu machen. Dic Meuterer selbst halten mehrere Tobte und eine große An- zahl von Berwundeten. Ein Polizei-Agent halte auch seinen Revolver aus einen jungen Mann abgefeuert, der jedoch nicht zu den Insurgenten gehörte, sondern sich nur eine Bemerkung erlaubt halte, als er einen Trupp Sol- daten mit Glsangencn sah. Glücklicher Weise hatte der Agent aber gefehlt. Besonders viele Pcrwnndetc gab es an der Ecke der Rue St. Maur, wo Polizei-Agenten in Uniform und Civil um Mitternacht einen furchtbaren An- griff gegen die Menge ausführten. Bei dem Sturme einer Barrikade halten die Garden von Paris Gebrauch von ihren Baponncltcn gemacht und fünf Meuterer schwer verwundet. Weilcrc Einzelgeiten erfuhr ich dort nicht und fuhr nun noch dem Boulevard Montmartre und dem Boulevard des Italiens. Dort war Alles vollständig ruhig und man kannte dic Ereignisse vom Faubourg du Temple kaum. Man wußte nur, daß auf dem Place du Chateau d'Eau viele Truppen seien und chargirt worden war. Um 1 Uhr fuhr ich naeh dem Faubourg zurück. Der Place du Chateau d'Eau sah äußerst finster au«. Vor der Kaserne waren Jäger zu Pferde und Garde de Paris zu Pferde nebst ciucr Anzahl Polizei-Agenten aus« gestellt. Der übrige Thcil des Platze« war ganz verlasfen. Nur hier und da sah man einen Wagen oder einige Neu« gierige, dic sich aber in weiter Ferne hielten. Diejenigen, welche den Truppen zu nahe kamen, wurden sofort festgenommen, durchsucht und noch der Kaserne geschleppt. Ich fuhr nun in die Rue du Faubourg du Temple hin- ein. An der Brücke angekommen, welche über den Kanal führt, stieß ich auf eine Abtheilung Soldaten, die mich zurückwies. Es gelang niir jedoch, über eine andere Brücke in den Faubourg zu kommen, den ich nun nach allen Richtungen hin durchfuhr. Da« ganze Viertel war öde. und verlassen. Ich halte meinem Kutscher gesagt, zu hcrsuchcn, ob er nicht nach Bellevillc gelangen könne. Dasselbe war nämlich vollständig militärisch besetzt und die Truppen, welche dort lagerten, hatten Feuer ange« zündet. Ader welche Straßen wir auch nehmen wollten, überall stießen wir aus das„Zurück!" der Soldaten. Aus den Straßen war fast Niemand zu sehen. Alle Häuser waren geschlossen. Nur ein Hotel war offen, wo der Concierge und seine Frau dic Bewohner erwarteten, von denen um l3/« Uhr erst wenige angekommen waren. Von dem Manne erfuhr ich, daß eine Masse Bcrhaslungen — man schätzt sie heute auf 3- bis 500— und Haussuchungen im ganzen Faubourg du Temple vorgenommen worden seien. Nachdem ich nun noch verschiedene Male ver« geben« versucht, nach Bellevillc zu gelangen, wollte ich wieder nach den Boulevards zurückfahrcu. Leider war ich aber in eine Falle gcralhcn. Man ließ nämlich dic Leute in den Faubourg ein, aber Niemanden hinaus. Schon bc« fürchtete ich, dic Nacht im Faubourg zubringen zu müssen, als ich mich endlich an einen Offizier wandte, damit er mich durchlasse. Er erklärte mir, er dürfe die« nicht thun, ich solle aber die erste Straße links und dic zweite rechts nehmen, ich würde dann hinauskommen können. Ich gelangte nun an den March« Popincvurt, wo Garde de Paris aufgestellt war. Glücklicher Weife war ich zu Wagen, sonst hätte man mich nicht durchgelassen, denn ein Mann wurde gerade fest- genommen, als ich dort angefahren kam. Ich rief einem der Gardisten zu, ob man durchfahren könne, worauf er mit einem„Ja" antwortete. Als ieh bei meiner Nachhaufesahrt über den Place du Chateau d'Eau kam, war derselbe noch immer militärisch besetzt. Dic Truppen aus dem Fau- bourg wurden erst um 5 Uhr Morgens nach und nach zurück- gezogen." vermischtes. —(Rudolph Dulon) der einst gefeierte freigcmeind« lichc Prediger, der bekanntlich auch in späteren Jahren dem Socialismus huldigte, hat in Amerika sein Leben beendet. Arnold Rüge widmet ihm folgenden Nachruf: „Soeben erhalte ich von G-nerolFranz Sigel, Dulon« Schwiegersohn, au« Morrisania bei Ncwhork dic Nachricht, daß mein braver, alter Freund Dulon al« Rcctor der deutschen Schule in Rochestcr, einem freundlichen Städtchen bei Newyork, in der Nacht vom 12. auf den 13. April plötzlich am Brustkramps gestorben ist. Der Weg zur Schule war ihm zwar wohl sauer geworden und er halte auf ihm manchmal stille stehen müssen, um Athcm zu schöpfen; sonst war er noch rüstig gewesen und halte noch am 10. sehr heiter an dic Frau Gcneralin geschrieben und sie mit dem General und ihren beiden Söhnen zu sich eingeladen; nnd am Abende de« 12. hatte er noch bis 11 Uhr die Aufgaben der Schulkinder durchgesehen. Er war also noch immer auf dem Platz und er gab Auftrag, als er sich zur Ruhe legte, ihn halb 6 Uhr Morgen« zu wecken,„er wolle einen Artikel in den„Ro- ehester Beobachter" schreiben." In der Nacht ereilte ihn ei» Huficnansall und als er sich plötzlich erhob und nach „Licht!" rief, befiel ihn ein ErstickungSansall, unter dem er erlag. Am 14. wurde er unter allgemeiner Thcilnahme der Bevölkerung von Rochester scierlich bestattet. Rudolph Dulon ist eine hei vorragende edle Gestalt aus unseren Kämpfen um religiöse und potitische Freiheit und verdient, daß wir seiner mit voller Dankbarkeit gedenken. Er ist tapser in seinem Berufe, mitten in seiner Thätigleit, um- geben von den Seinen, Kindern und Enkeln, gestorben; er hatte sich eine neue Hcimaih und einen neuen Wirkung«- kreis gegründet; aber die feige Rcaction hatte Ihn au« einem größeren Wirkungskreise in Deutschland herauSge- worsen, ihm seinen Erwerb abgeschnitten und ihn gezwungen, in Amerika in fremden Verhältnissen f!tr seinen Unterhalt oft nur zu anstrengend zu arbeiten. Dulon war seiner Zeit in Bremen ein bedeutender Volksredner und frei. finniger Prediger. Seine Gegner sind sein Talent und sein Ansehen aus Bremen los geworden, aber sie haben auch die Schande davon getragen, daß sie dem Manne im offenen freien Felde der Debatte, der Rede und der Schrift nicht gewachsen waren und darum zu den Waffen der Glaubcnsverfolgung, Amts- entsetzuag und Vertreibung ihre Zuflucht nahmen. Nach einem ltljährigen Prozeß ist Dulon dann freigesprochen worden, hätte nun also auch in seine Rechte eingesetzt wer- den sollen, hat aber von den 40,000 Doll., die ihm wegen unrechtmäßiger Amtsberaubung zukamen, nie einen Pfen- nig erhalten. Möge die freie Stadt Bremen jetzt an eine Entschädigung denken; sie ist es Dulon'« Familie schuldig. Rudolph Dulon wurde am 30. August 1807 zu Stendal im Königreich Preußen geboren. Er studirtc in Halle Theologie und wurde 1831 Rektor der Schule zu Wer- den und 183(5 Pastor in Flossau. Sieben Jahre daraus kam er nach Magdeburg, wo er sich dcrreligiös-freistnni- gen Richtung anschloß und mit dem rcaklionärcn und pietistischen Ministerium Eichhorn in Zerwürfnisse g-rieth. Er wurde suspendirt, aber nach Bremen an die Kirche unserer lieben Frau berufen, wo er mit dem größten Beifall predigte und eine sehr gefeierte Stellung einnahm. Er gab hier eine populäre Wochenschrift:„Der Wecker" heraus. Und wie er früher, 1847, eine Broschüre:„Den Kampf um Gottes Wort" veröffentlicht hatte, so gab er 1849 und 1850„Den Kampf um Völkcrfreiheit" heraus, womit er einen großen Anklang fand und sich überall in Deutschland einen Namen machte. Er schrieb 1852 die Broschüre:„Der Tag ist ange- brochenl" Aber, wie es denn geht, die Nacht folgte ihrem Tage, und obgleich die einmal eroberte Oeffent- lichkeit des Staatslebens nicht wieder verloren ging, so wußten doch die Gegner des Umschwungs„den Dienern am Worte der Befreiung" ebensowohl beizukommen, als den Kämpfern auf den Schlachtfeldern in Baden und in Ungarn. Dulon wurde vertrieben und nach Ncwyork verschlagen.— Das Losreißen von feiner Gemeinde riß ihn auch von der Theologie loS. Schon in Bremen, wo ich 1849 einige Monate lebte und an ihm und vielen Freunden einen angenehmen Umgang hatte, wurde der Keim zu seinem gänzlichen Bruch mir der Kirche und ihren „goldenen Märchen" gelegt. Es waren einige Prediger »ort, die als Hegelianer nach der Weife der ältern Schule sich mit der Dogmatil abfanden. Dulon wünschte nun durch mich in die Philosophie eingeführt zu werden,»m von diesen Eleusinischcn Geheimnissen seiner Collcgen nicht ausgeschlossen zu sein, um überhaupt diese Schranke des Nichtwissens los zu werden. Ich erklärte ihm offen, ich möchte es nicht veranlwortcn, ihn mit seinem Amte in Widerspruch zu bringen. Er war aber seiner Sache so gewiß, daß er nichts fürchtete, am wenigsten„die Wahr- heil"; auch kamen wir nicht weit in der Philosophie, bis ich l 850 aus Bremen vertrieben wurde, um nicht„unserm Beist" in die Hände zu fallen, und Dulon pflegte aus der Kanzel die Einreden der Philosophen zu widerlegen, und sein- Widmung des angebrochenen Tages an mich schließt er noch 1852 mit den theologischen Morien:„Gott sei mit Dirl Du lhnst den Willen Gottes; ob Du an ihn glaubst oder nicht— er wird mit Dir sein!" War dies gleich sehr gencrcuse, so war es doch immer noch theologisch gedacht. Endlich be- suchte mich Dulon in Brighton ebenfalls als Vertriebener. Er wollte in Amerika eine„freie Gemeinde" gründen. Grund genug für mich, ihn nicht in seinem Glauben zu beunruhigen. Er war gewiß nützlich für die Gemeinde, und es war doch seine starke Seile und sein Amt. Aber er nahm es sehr übel, daß ich„Vorurtheile bei ihm schonen wolle und dahin einschlagende Gespräche vermeide" und in Newyork gründete er wirklich eiuc freie Gemeinde, die aber ebensowenig Bestand halte, als eine Zeitung, die er herausgab, und in der er offen die Sclaverci angriff— in N-whork, wo so viele Millionäre von den Segnungen des Sclavcnhaudrls zu reden wußten! Die Zeit war noch nicht erfüllet. Dulon hat sich von der Zeit an der Schule gewidmet und auch ein sehr interessantes Buch über„die deusch-amcrikanische Schule" bei Winter in Leipzig pu> blirirt. Möge das Baterland seiner Verdienste gedenken und die Bremer sich der Gerechtigkeit gegcu ihren bc rühmten Mitbürger erinnern! —(Waldeck), der bekannte Führer der Fortschritts- Partei, ist in der Nacht vom 11. auf den 12. dsS. gestor- den. Da» Leichenbcgängniß findit am Sonntag, den 15., Vormittags 11 Uhr, statt. Wir geben hier eine kurze Lcbensfchilderung: Benedikt Fr. Leo Waldick, geb. 31. Juli 1802 in Münster, studirtc in Göltingcn Jurist prudenz, wurde 1828 Assessor beim Oberlandcsgcricht in Halberstadt, dann in Paderborn, 1832 Land- u. Stadt gerichtS-Dircklor in Vlotho, 1836 Rath bei dem Ober landeSgericht in Hamm und 1846 Rath beim Geheimen Obcrtribunal in Berlin. Durch seine Reden ans dem Feste in Soest 1843 und seine 1844 gedruckte Schrift über da« bäuerliche Erbfolgegesctz in Westfalen halte er sich bereits einen Namen erworben; 1848 zur preußischen Nationalversammlung gewählt, gehörte er zu den Führern der äußersten Linken und war Vorsitzender der Verfaffungs- Tommission; 1819 wurde in Folge der Ohmschen Eni hüllnngtti von der Regierung ein Proceß auf Hochvcrrath gcgencihn eingeleitet, welcher jedoch seine Schuldlosigkeit an d n Tag brachte, so daß er nach langer Haft(seit 16. Mai) am 3. Decbr. auf eigenen Antrag der Staat«. anwaltschaft von den Geschworenen freigesprochen wurde Seitdem lebte er seinem dienstlichen Berufe hingegeben in Berlin; während er sich dann zwölf Jahre lang von aller parlamentarischen Thätigkeit gänzlich sern hielt, bc- theiligte er sich von 1861— 1869 wieder ununterbrochen und'in hervorragender Weise an den parlamentarischen Arbeiten. —(Herr Beckcrrath) der deutsche Reichsfinanz minister im Jahre 1848, ist am 12. Mai in Trefelo ge- storben. — l Unser Braun) läßt sich an Tw-stenS Stelle bei den nächsten Wahlen in Waldenburg als Reichstagskandi bat aufstellen, da er lieber in einem Wahlkreis der alten Provinzen gewählt werden möchte. Warum, da« wird nicht gemeldet. Man munkelt nur, daß die Wiesbadener nicht mehr in Zukunft„Unser Braun" sagen wollen. —(Nochmals Strausberg zun.) Uebcr die Entführung, die einem Sohne des 1>.«trousderg zugeschrieben wurde, schreibt die„Gerichts-Zeining" au« Berlin:„Die Namen der Betheiligten sind bereits so all- gemein bekannt, daß wir nicht anstehen dürfen, den de« Hauptdethciligtcn vollständig zu neunen. Der Held der Komödie ist der 23jährige Sohn des General-Unternch mers Dr. Strousoerg, Vornamens Henry, Husarenfähn rich a. D. Der junge Mann hatte während seiner Sol daienlaufbahn das Gcldausgeben mit Virtuosität bclric ben, und cS schien ihm sehr wenig in der Ordnung, daß er sich, nachdem er de« Königs Rock ausgezogen, mit dem begnügen sollte, was ihm sein Vater als Taschengeld aus- gesetzt hatte, obwohl dies mehr betrug, als mancher Rath im Gehalt empfängt. Herr Henry machte deshalb Schul :n, die fein Vater auch anfänglich, ohne große Schwie- rigkciten zu machen, bezahlte; als sie aber die Höhe von 200,000 Thlrn. erreicht hatten, was Ende de« vorigen Jahre« der Fall gewesen sein soll, erklärte der Papa, daß er den Herrn Sohn selbst für alle weiteren Schulden verantwortlich mache. Die Verwarnung hatte aber nicht den gewünschten Erfolg; Henry S. wendete sich vielmehr setzt an einige Beamte seines Vaters und wußte diese da- hin zu bewegen, daß sie seine Accepte mit ihren Giros versahen und sie unterbrachten. Hierdurch kam der junge Mann wieder in den Besitz so erheblicher Mittel— man versichert uns, daß derartige Wechsel auf Höhe von 60,000 Thlr. cxistircn— daß er eine neue Probe der Verschwendungskunst ablegen konnte. In der Restauration von D. Unter den Linden war er Habitus, und die Dame des Hause«, eine 17 jährige, erst seit einigen Monaten verheirathele Frau, war für seine Auszeichnungen cm- pfänglich genug, daß er es wagen konnte/ ihr kostbare Geschenke zu machen. So übergab er ihr u. A. eine prächtige goldene Uhr und 1000 Thlr. Hierdurch scheint die junge Frau bethört worden zu sein, auf den Plan des reigebigcn Freundes, mit ihm eine größere Reise anzu- treten, einzugehen. Die Tour sollte durch die Schwei, gehen. Beide wollten gesondert von hier abreisen uud sich n Frankfurt a. M. treffen. Die junge verblendete Frau reiste auch zur verabredeten Zeit von hier ab; Herr Henry aber wurde in sehr unerwarteter Weise an der Ausführung seine» romantischen Ausfluges, wenn er den- selben ernstlich beabsichtigt haben sollte, gehindert. Der Büreau-Ches de« Dr. Strausberg erfuhr nämlich unter der Hand, daß neue Wechsel de« Sohnes seine» Chefs in Umlauf seien, verschen mit den Namen seiner Beamten. Er ließ dieselben vor sich kommen, fragte sie auS und er- uhr auch bald die neue Verschwörung gegen den Geld- bcutcl des Chefs. Seiner Pflicht gemäß setzte er sofort den Vater von den sauberen Entdeckungen in Kenntniß, und dieser entließ die Beamten, welche mit dem Sohne complottirt hatten, ihres Dienste«, während er den Sohn den väterlichen Zorn auf das empfindlichste fühlen ließ und ihn unter die Aussicht eine« strengen Hofmeisters, eine« alten Offiziers, stellte, der alsdann mit dem jungen Manne nach der Türkei abgereist ist. Selbstverständlich verschwieg der also gebeugte Seladon das Entfllhrungs- Projekt, so daß man im StrouSberg'schen Hause erst da- von erfuhr, als der Ehemann der verschwundenen Frau ich dort einfand, um die Pflichtvergessene zu rcklamiren. Hier cmvfing er jedoch dem Thalbestandc gemäß eine wenig tröstliche Abweisung."— Und die Moral von die- ser ganzen Geschichte: Ein einziger Mensch verpraßt binnen kurzer Zeit an 300,000 Thlr., während die Ar- beiter in großer Zahl hungern. —(Das Eisenbahnunglück zu Dommeldin- >en.) Die„Luxemburger Zeitung,, enthält einen auS- ührlichen Bericht über die bereits � von uns erwähnte Katastrophe, welchem wir folgende Einzelnheitcn entnehmen: Der am 7. Mai, Abends 3 Uhr 46 Minuten von Luxem- bürg abgelassene Luxemburg-Diekircher Personenzug stand im Bahnhof: zu Dommeldingen auf den Schienen und wartet- auf seine Locomolive, wklche zu manöverircn hatte, um einige auf der Station entbehrlich gewordenen Wagen des Zuges auszuspanuen. Als die Locomotive eben wieder an den Zug heranfuhr, stürmt mit rasender Schnelligkeit ein Güterzug auf den Bahnhof los. Es war ein Zug, welcher regelmäßig jeden Abend von Esch nach Donitncldingen geht, um der Dommcldinger Hütte Erze und Coaks zuzuführen. Dieses Mal bestand der Zug aus 35 Waggons,.von denen jeder mit 15,000 Kilo« Erzen und Coaks beladen war. Das Gewicht von Loco- motive und Tender wird zu 75,000 Kilos angegeben. Bei der ungeheuren Wucht socher Lasten war der Anprall gegen den noch nicht in Bewegung gesetzten Personenzug 'nrchtbar. Dieser letztere wurde total zersplittert, die schweren Achsen wie Glas zerbrochen, die einscrnen Trag ballen-gleich dünnem Draht gebogen. Der Tender des Gllrerzngc«, dessen Locomotivführcr sich durch einen kühnen Sprung glücklich gerettet, scklug um, und hierdurch kam der Zug zu Stehen. Im Augenblickc der höchsten Ge- ahr erschallte ein„Rettet Euch!" und wirklich gelang es einer großen Zahl von Insassen des zertrüm inerten Zuges, noch rechtzeitig hinaus und auf den Perron zu springen. Andere Passagiere waren noch gar nicht eingestigcn. Dank diesen Umständen waren nur etwa 30 Personen in den Coupss; 13 derselben wurden gctödtet. Einige von diesen scheinen den Tod im Nu erlitten zu haben. So wurde z. B. ein Leichnam gefunden, der ge- müthlich noch die Tabakspfeife in der Hand hielt. Mehre Leichen konnten erst nach Verlauf von Stunden ans dem Gewirre der Trümmer hervorgeholt werden, eine sogar erst am folgenden Morgen. Man hörte den Unglücklichen bis nach Mitternacht wimmern, ohne zu ihm gelangen zu können. Einer der Getödtete» trug in seiner Tasche eine Anzahl Fitnfgroschenstückc, die auf einen Klumpen geballt ihm in die Gebeine getrieben worden waren. Etwa 20 Passagiere erlitten mchr vdcr wen-gcr schwere Verletzungen. Die Leichen und die Verwundeten wurden im Wartesaal und in benachbarten Privalhäusern untergebracht. Daß mehre Personen unversehrt davon gekommen, mag als ein Wunder bctvachtet werden. Einer der Reisenden, welcher in dem Hinteren Wagen saß, der zuerst vom Stoße ge troffen wurde, hatte da« Glück, sechs Meter weit von seinem Sitze hinauSgeschleudcrt zu werden, ohne Schaden zu nehmen. Ucber die Veranlassung der Katastrophe gibt die„Luxemburger Zeitung," ohne dem Ergebniß der gerichtlichen Untersuchung vorgreifen zu wollen, folgendes an: Der das Unheil bringende Güterzug soll in der Regel vor dem letzten Luxemburg-Diekircher Personenzug von Luxemburg abgelassen werden. Da er sich jedoch öfter verspätet, wie es am UnglückStage wieder der Fall war, so ließ man den Personenzug vorher abgehen, und der Güterzug durfte ihm erst dann folgen, wenn die Weiter- fahrt des Personenzuges telcgraphisch nach Luremburg gemeldet war. In diesem Falle hätte nun der Station«- ches von Dommcldingen, da er sah, das der Personenzug im Begriffe war, sich in Bewegung zu setzen, und da er überdies wußte, daß die regelmäßige Fahrzeit des Waaren- zugeS von Luxemburg bis zur Station 20 Minuten be- trägt, telcgraphirt, die Bahn sei frei. Statt aber 20 Minuten zu fahren, brauchte dieses Mal der Zug nur süns Minuten, und die Schnelligkeit, mir welcher er den sehr abschüssigen Weg zurücklegte, soll durchschnittlich 60 Kilometer per Stunde betragen haben und zuletzt aus 100 Kilometer gewachsen sein. Von Dommcldingen waren die S gnale so gestellt, daß kein Zug in den Bahnho' einlaufen durfte. Der Locomotivführcr soll auch die Signale erkannt, aber vergeblich versucht haben, seinen Zug zum Stehen zn bringen. Angeblich hätte er da» Zeichen zum Bremsen gegeben, scheint aber nicht gehört oder verstanden worden zu sein, da von den drei Bremsen nur eine angezogen gewesen sein soll. Inwiefern vorste- hendc Angaben sich als richtig herausstellen, muß die Untersuchung lehren. Einstweilen ist sowohl da« Personal de« Güterzuges, wie jenes der Station Domnieldingen auf Anordnung der noch in derselben Nacht an Ort und Stelle eingetroffenen Gcrichtsbehiirdc verhaftet wotbcn. Am 8. d. M. begab sich auch der Prinz Heinrich der Niederlande nach Dommeldingcn. —(Arbeiterunglücksfälle.) Der bei der Vcr- bindungsbahn in Berlin beschäftigte Arbeiter Karl Korn iel am 10. d. M., als er zwei in Bewegung befindliche Waggons zusammenkoppeln wollte, von dem Tritt deS einen Waggons herab, und zwar so unglücklich, daß beide Beine auf die Schienen zu liegen kamen und zermalmt wurden.— Der Maschinen-Monteur Aßmy war am 10. M. im Quergebäude Poststraße 6 damit beschäftigt, unter Beistand von 5 anderen Arbeitern eine an der Decke befestigte Maschincnwclle herabzulassen. Hierbei zerrissen die Stricke, deren man sich bediente, die Welle stürzte herab, traf den Aßmy und zerschmetterte ihm den Unter- 'chenkel. —(Unglücksfall.) Bei Dunquin, in der irischen Grafschaft Kerry, hat es sich— zum zweiten Male bin- neu weniger Monate— ereignet, daß Pächter und Fischer, die ein gestrandetes Faß mit Parafffn-Ocl unter sich thcil- tcn, durch Explosion desselben verunglückten. Drei waren 'ofort todt, acht sind schrecklich verbrannt. —(Eisenbahn-Unglück.) Am 12. d. Abends ereig- nete sich auf der neuen Crefeld-KreiS-Kempener Industrie- Eisenbahn in der Nähe von Vorst ein große« Unglück. Durch Zusammentreffen mit einer Schasheerde entgleiste ein ArbeitSzug und fuhr derart ineinander, daß zehn Kieswagen gänzlich zertrümmerten. Zwei Personen sollen rodt, fünf schwer und fünf leicht verwundet sein.— Also wiederum 12 Arbeiter verunglückt. —(Selbstmord.) Ein bei einem Fleischer in der Ritterstraßc in Berlin im Dienste stehendes Mädchen ver- suchte eine Wurst zu stehlen, wobei sie ertappt wurde. Aus Scham und Furcht vor Bestrafung erhängte sie sich. —(Pul vermählen-Explosion.) Man schreibt aus LcobcrSdorf in Oesterreich: Am 11. Mai etwas vor 3 Uhr Nachmittag« sind in der Nähe der Haidmühle 'ünf von den Sonnleitner'sche« Pulvcrstampfen iu die Luft geflogen. Es war ein donnerndes Getöse und die Grindeln und Holztrümmcr flogen weit herum, so daß die Wiesen gegen die Straße wie angesäet waren. Men 'chenleben ist keines verunglückt, da die Mühlen eher los gegangen, als die Arbeiter die Lokale zu betreten hatten, was um 3 Uhr geschehen sollte. Wenn die Explosion um einige Minuten später erfolgt sein würde, wären sehr viele Menschenleben zu beklagen gewesen. -(Hntmacherstrike.) Diese Woche hat der Strike der Huimacher in Wien begonnen. Sämmtliche Gesellen (900 an der Zahl) haben die Arkieit eingestellt, zur Zeit, wo der Strike die Meister am empfindlichsten trifft. Für die Dauer des Strikes(derselbe soll mindesten« 14 Tage anhalten) sind auf der Herberge 1600 Gulden deponirt und bedeutende Geschenke in Aussicht. -(Religöser Wahnsinn.) In der Gemeinde Lengberg im Pusterthal hat am 3. d. M. eine sonst acht bare Bauersfrau in einem Anfalle von Wahnsinn zwei ihrer Kinder durch Messerstiche getödtet und sichsdann selbst beim Bezirksgerichte angeklagt. Sie wollte nach ihrem eigenen Geständnisse alle ihre Kinder, 6 an der Zahl, er- morden, um„Engel" daraus zu machen. — Eine Räubergeschichte). In der letzten Woche des April trug sich bei Ronciglionc bei Rom ein schreck licheS Ereigniß zu. Ein Bauer hatte sich nach dem de nachbarten Sulri begeben, woselbst eben Jahrmarkt war, und dort ein paar Ochsen um siebenzig Thalcr verkauft, welche ihm in Bankscheinen ausbezahlt wurden. Nach Art der Landleute steckte er sie unter das Futter seines HuteS. Auf dem Rückwege kehrte er bei einem Wirthc ein, der seine Schenke an dem Wege von Sutri nach Ronciglione hat, und mit dem er verwandt war. Er traf ihn auch daheim und wurde herzlich ausgenommen. Der Bauer erzählte ihm, daß er ein gutes Geschäft gemacht, uud machre sich nach einiger Zeit wieder aus den Weg, obschvn ihm der Wirth zuredete, dazubleiben, da er im Besitz einer so beträchtlichen Summe leicht angefallen werden könnte. Inzwischen hatte der Wirth seine beiden Söhne davon verständigt, daß der Vetter eine solche Summe bei sich trage; und diese beschlossen, idm aufzu passen und zu berauben. An einem gewissen Punkte der Straße angekommen, sah sich der Bauer plötzlich von wei Unbekannten angefallen, welche das Gesicht verhüllt hatten. Sie konnten sich aber nur seiner silbernen Ta chenuhr und einer Fünfthalcrnote bemächtigen, welche er in der Brieftasche trug, worauf sie ihn von Schlägen halb ohnmächtig auf der Straße liegen ließen. Als sich der arme Teufel erholt, ging er in die Schenke zurück, erzählte seinem Vclter sein Mißgeschick und zugleich da« Glück, daß die Räuber die Baukschcine in seinem Hute nicht gefunden hätten. Der Wirth stellte sich ganz theil nehmend und führte ihn in ein: abgelegene Kammer, um dort zu übernachten. Die Kammer war von der benach karten nur durch eine dünne Bretterwand getrennt, und halte ein Fenster nach dem Garten der Schenke. Etwa eine Stunde später hörte unser Bauer, wie der Wirth sich mit seinen Söhnen über den verunglückten Raubanfall besprach und sie darüber ausschalt, daß sie nicht sorg fältiger nach den 70 Thlrn. gesucht hätten, von denen sie ja doch gewußt, daß sie unter dem Hutfulter steckten. Nun kam man dahin übercin, die Söhne sollten im Garten ein Grab schaufeln, und der Vater sollte den Bauer im Schlafe ermorden und zum Fenster hinab werfen. Der Bauer fand glücklicherweise in seiner Kammer eine Sense und setzte sich damit in Verlhcidigungsstand. Bald darauf erschien der Wirth mit einem langen Messer in der Hand und erhielt sofort einen gewaltigen Hieb in den Hals, woraus er, ohne einen Schrei auszustoßen, zu Boden sank. Nun wickelte ihn der Bauer in'S Betttuch und warf ihn so durch's Fenster in den Garten, wo ihn die Söhne in die Grube warfen und einscharrten. In'S Hau« zurückgekehrt, fanden sie zu ihrer Verwunderung weder ihren Vater noch die Kleider, insbesondere den Hut de« Vetter«. Gleich darauf erschienen Gendrrmen und ließen sich von ihnen zu dem Grab im Garten führen und dieses öffnen. Der Bauer hatte sich nämlich. während die Burschen im Garten schaufelten, an« dem Staube gemacht und die Gendamcrie von Sutri in Kenntniß gesetzt. —(Schwer angekneipt.) Ein Einwohner au» rone bei Göttingcn fand neulich In seinem Zie gcnstalle einen besonderen Gast— nämlich einen Studenten ans Göttingen nur bekleidet mit Hemd und Tereviskappe. Stark angetrunken, war derselbe weggegangen und hatte auf dem Heimwege, der ihn aber wieder nach Grone und zwar in die bezeichuetc unwohnlichc Lokalität führte, sein sämmtliches Zeug, eine goldene Uhr nebst Kette, seine Baarschaft von ca. 15 Thlr. und seine Brieftasche eingc- büßt. Obenein liegt er infolge der unbehaglichen Nacht erkrankt darnieder. Wie den Acrmsten der ganze Unfall be> troffen, darüber vermag derselbe keine Auskunft zu geben. —(Um Ruhe zu erlangen.) der Besitzer de« Gutes Mühlchen bei Canitz ist Milte April d. I. verstorben und auf dem Kirchhofe zu Königlich Ncukirch beerdigt. Die nachgebliebene Wiltwe soll nach dem Tode ihre» Manne« keine Ruhe gehabt haben und um diese zu er- langen, hat dieselbe für den Preis von 50 TKlr. durch drei Einwohner ans Ncukirch in der Nacht vom 30. April bis 1. Mai die Leiche ihres Mannes ausgraben und der- selben den Kopf abschlagen lassen. Die Sache ist der Königlichen Staatsanwaltschaft zur weiteren Veranlassung angezeigt. —(Dienstmädchenromantik.) Das Dienstmädchen einer Mainzer Herrschaft, eine sonst ganz Frauenzimmer, verschwand Ende voriger Woche Art, die man fast„salonfähig" nennen könnte,>» Umstände nicht gar zu prosaischer Natur gewesen. Als die Herrschaft eines Tages am frühen Mörz' Mädchen erwartete, war dasselbe spurlos vcrsch- und nur ein zurückgelassene« Briefchcn sollte da? der Tragödie anzeigen. In begeisterten Worten, die Fabrikanten von Ritter-, Räuber- und G-isterges alle Ehre gemacht hätte, erklärte die Verschwunde« ie auf dieser schnöden Welt nicht länger ihr Dasei» könne und lieber eines„bleichen Todes erblassen" als hier noch sllrdcr zu weilen, und daher ein frei«! Ende suchen und finden werde. Zum Schluß«eis ie noch die Stunde, in welcher sie ihren Geliebten, Gemeinen" vom herrlichen Kricgsheer, kennen J habe u. s. w. Als Notabene war dem Schreiben bcizl daß in einigen Tagen ein Mädchen kommen würde, �, die zurückgelassenen Kleider und Effecten abzuholen Aig lragch'ei. Zwei Tage waren bereits verflossen und«:> nnlii Mädchen keine Spur mehr zu entdecken. Endli� Do zweiten Tag Abends sah ein anderes Mädchen die�«denl schwundene Arm in Arm mit ihrem heißgeliebten— durch die wenig belebten Straßen dahinwandein war nun nicht unschwer, herausfinden zu können, M"«l: Mädchen nicht« weniger als an Selbstmord gedacht>r.; denn nur die Liebe zu dem„bewaffneten Weseu" welche ihr den Ausweg in die Feder dictirte,«ts allein möglichen, mit Dem vereint zu sein, der isi auf der Welt außer baarem Geld zu bieten im Staat' —(Köstlicher Styl.) Niendorfs, des bel „EselSrednerS", Landwirthschaftliche Zeitung brinzs Bericht über die Zollparlamentssitzung vom 3. M' heißt darin wörtlich:„Unmmhig über den Erst 2. Mai, an welchem Tage wieder die Rohciseni Fall der Anträge v. Haverbeck'« und selbst deS' lichcn Antrags Meier(Bremen) eine Niederlagt gestaltete sich zufällig die Roheiscnfrage zu einer promißsrage, an der allerdings der'Antragstellst. war, nämlich die Limitirung des ohnehin langen(bi� gänzlichen Wegfall« am Antrag Haverbeck zu P Die Folge davon war nachstehende Verhandlung Die Parteigenossen in M werden andurch aufgefordert, sich Sonnt»!! 15. dss., Vormittags halb elf Uht, dem Ascanischcn Platz einzufinden, h Mx Serlin. Allgemeiner deutscher Arbeiter-V� Dienstag, de» 17. Mai, Abends 8Vs im Lokale des Herrn Engelhardt, Linde»?' Tagesordnung: J 1) Dritter Vortrag des VereinSpräsidenten»' französische Revolution von 1843. Für Lerlin. Allg. deutsch. Zimmerer-Berei»' Ocffenllichc Versammln nS�, Montag, den 16. Mai, Abends 8Vz ll'.- in Baabe' S Lokal, Große Frankfurtersir. Tagesordnung: 1) Vortrag de» Herrn Dr. v. Schweitzer. � chiedencs und Fragckasten. Um zahlreiche« Erscheinen ersucht®x- Fur Lerlin. Allg. deutsch. Maurer-Bereil>„ Geschlossene M it gliedern ersamml»� Miltwsch, de» 18. Mai, Abends 9" in Wolter's Lokal vor dem Cottbuscr w1 Tagesordnung:,, i 1) Kassenbericht der Ortskassc.— 2) Kasst».,„e Ccntral-Krankenkasse.— 3) Neuwahl cineö,. 4) Vortrag über Prinzip und Organisation. IF Um zahlreiches Erscheinen ersucht Für Hamburg.- Gewerlverein deutsch. Holzarbt�'.Zw> Geschlossene MitgliederversaminD.� Montag, den 16. Mai, Abend» 9 M �- e s ch l o s s e» e Be r s am m l u n b � & Mittwoch, de» 18. Mai, Abend» 9 im Lokale des Herrn Lüder«.>i°näre Tagesordnung:, 1) Abrechnung.— 2) Sehr wichtige Aug'!; f' B. Die Mitglieder werden dringend ersu«' Khr lich und pünktlich zu erscheinen. di Die Mitgliedsbücher sind vorzuzeigen.,(htj{ci ____«nttttt Für Hamburg. t zu ei Allg. deutsch ver. MetallarbeiteWt au V e r s a m m> um O e f s e n t l i ch e--- Mantag, den 16. Mai, Abend» 6 Im Lokale des Herrn Asmy, Lagerbier-Pavillo» Tagesordnung: j Vortrag des Herrn C. Schallmeyer: � l0®1 und Sociatismus.__ 2 R o':tn Mt H-mtmrz. T»»« Kei Allen Freunden und Bekannten die erge« daß ich meine Gastwirthschaft nach der Gc«d Bell „.......... hxg straße 52 parterre, verlegt habe. a Ergcbenst�st�� Eittbindnngs-Anzeigt. Meinen Freunden und Parteigenossen � ltieten Anzeige, daß meine liebe Frau heule von ci. Knaben glücklich eutbunben wurde und.. l'Qt selbe ein ruppiger Social-Demokrat wird- pülgt Hamburg, den 12. Mai 1870. s'Zey d Earl Mehla» ifst geb. WulU � Druck von Jhring u. Haberlandt Uthen Verautwortl. Redaktcur u. Verleger W. Gru stl-A, °pf