I J«1 Zoche i r.tc, tratjtn Morzl- vttsih»» XU da» UN, dil Xstergcst Wlllldül� Dasliii «lassen' in frei«! >luss vn 'cliebttn, kennen Iben beiz würde, zuhvleii Wffiüg erscheint drei nnd Millich, und zwar: Endlili» Donrtcrstags und >chcn di-�ebendö Abends. rblcn Berlin, Mittwoch, dm 18. Mai 1870. Sechster Jahraang Demokrat. l)rgM der sociat- demokratischen Partei. Redaktion und Expedition: Berlin, Gitschiuerstr. 17. wandelii! rncn, dilMtNlS'F'reis für Berlin Incl. Lringcrlohn: vierteljährlich 1ö Sgr.. uionatlich 6 Szr., einzelne Nummern gcdachtMr.! bei den Postämtern in Preußen 16 Sgr., bei den außerpreußischen Postämter in Deutschland gleich- lesen"»"f16 Sgr.,(56 Kreuzer südd. Währung.) lirte, Bestechungen werden auswärts bei allen Postämtern, in Berlin In der Expedition, sowie bei jedem soliden Spediteur entgegengenommen. Inserate(in der Exvcdttion aufzugeben) werden pro viergespaltene Petit-Zcile mit 3 Sgr. berechnet. Arbeiter» Annoncen die Zeile nur 1 Sgr. der 3.! n G ohcisc» t de»> lderlogi! l einet s agsteli-rZ zm(di« i}«r ldiung. Agentur für England, die Tolonien, Amerika, Thina und Japan Mr. Duesing 8 Little-Newport-Street, Leicester-Sqnare. W. 0. London. 1 1. April hat ein neues Vierteljahrs- »t auf den„Social-Demokrat" be- denen man Waffen fand, wurden verhaftet und erst gegen 1 Uhr kehrten die Truppen in ihre ! Kasernen zurück.— Auch unter den republikanisch Gestellungen werden auswärts bei gesinnten Soldaten will man jetzt aufräumen. In ltern, in Berlin bei der Expedition, N°uen sind drei Soldaten verhaftet worden, um iraße 17, und bei allen soliden nach Afrika gesandt zu� werden, weil sie zu Gunsten >lpediteureu gemacht. lli Sgr.) >nntl>! Uhr. (Preis viertel- des„Nein"-Sagens Propaganda gemacht haben Das Gerücht, die beiden Regimenter, welche bc- I°'ueV"Abonnenten erhalten die seit'°?brrs..schlecht» gestimmt hatten, würden aus hpril erschienenen Nummern nachae- 3«°st und die Mannschaften unter andere Regt- �"Ilkllenenen Nummern na-tzgr- minttx Dtrt�i(t w„den, entbehrt jedoch der Begrün- lolltischer Theil. Rundschau. Berlin, 17. Mai. , ämmtliche europäische Regierungen it-n>>� A Kaiser von Frankreich ihre Glückwünsche Folge des Ausfalles der Volksabstim- c>e hätten damit zurückhalten mögen— 11 gäbe die sämmtlichen Glückwunschtele- gern Preis für 50,0(1() Stimmen mehr Hauptstadt Paris, er gäbe sie Preis �,000 Stimmen, welche im Militär ge- sich erhoben. SechSundvierzigtauscnd haben den entschlossenen Muth gehabt, �obersten Kriegsherrn zu stimmen; wie °'u xg wohl gethan, wenn die eiserne jrfiU'hrcn freien Entschluß nicht beeinlräch- -— Napoleon III. kann mit Pyrrhus ; ü„Noch ein solcher Sieg, und ich bin er THl*" Daß die europäischen Regierungen der ganzen Gratulationsgeschichte nur über die entfaltete Energie bei dem >43. herein un9„ Vj Uh'. terstr. er. »"T-Me n. JS. ti schmetterten, an und für sich ganz Und verfehlten Aufstande aussprechen Wüber hegten wir keinen Augenblick den grbe�" Zweifel. Auch die„BreSl. Ztg." schreibt '" ähnlichem Sinne: g IIP. �ckwnnsch-Tilegramme der europäischen Sou- aße. i f1 de« König« von Preußen mit eingeschlossen) 'lser Napoleon send nicht blos ein Auedruek der T'g über da« Resultat des Plebiscits gewesen. kss � maßgkbrnden Regionen herrschenden Auffassung �°däische Ordnung durch die Unterdrückung der . Paris neue Bürgschaften erhalten und dies pt»' �we Sinn jener Gratulation an den kaiserlichen der europäischen Dynastien, der in der imlfl'f'''i' kosmopolitische Revolution zu Paaren a iihh'W ConservalisniuS genügt der doppelte Erfolg iSlaivk Man ist schlecht auf jene liberalen Journale welche gegen den Ausfall de« Plebiscits Po W) eine kriegerische Actio» Frankreichs prognosti- Sie? I ssch Napoleon gezwungen sehen muß, die un- ' Armee mit neuen Siegen an seine Dynastie .Diese Gefahr, heißt es im conservativcn Lager, Afksi den Köpfen der Liberalen, da« Erscheinen .>» einer Pariser Kaserne nnd sein dortiger Em- q D, sse da« Gegentheil; für das Uebrige sorge die ' in der Armee nnd die umsichtige Polizei '■ �näreu Paris. �gele}' Kaiser Frankreichs hält offenbar die ersu� schr ernst, seitdem sich bei der Volks- die republikanische Gesinnung eineS so xtt>> j hsilcs der Armee kundgegeben hat. Als 0 � Mittage dcS 11. Mai sich in Paris die t in erneuern drohten, ließ er eine enorme t»»'" l!Ht aufmarfchircn und ganze Stadtviertel >>'jjjt'• um jeden revolutionären Aufstands- 'D Keim zu ersticken. Der Herd der bis �»Multc, das Faubourg du Templc, wurde lllb�° abgesperrt, sondern in der Hauptstraße i ein von Vincenncs herbeigerufenes Rc den Trottoirs auf, so daß jeder Ver unmöglich gemacht iß ilw' gebev' �rikadeu zu errichten, ""n � Belleville und auf dem Boulevard in -. fl.\ �s Chateau d'Eau standen die. Neu °opf an Kopf— trotz des Regens— Die �inicr-Rcgimenter, auf und ab galoppi- xwei««ertcn die Plätze. Zahlreiche Verhaftun- hossl. � � statt. Auf einigen Widerstand stießen �halgarden auf dem Boulevard la Billette; M i l'cn dichte Massen von Soldaten mit gc- llü____.._V.. n-L m.c,.... �ivehre vor, und eS stob das Volk auS- . �4 On den Straßen des Faubourg du t'�tsürden alle Personen, die sich blicken ließen, �-Agenten angehalten; diejenigen, bei dung. Wahr ist nur, daß der KriegSminister ihre Entfernung aus Paris vorgeschlagen hat, daß derKaiser jedoch eine solche Maßregel nicht für zweckmäßig hält Der Letztere fürchtet offenbar daß ein solcher Befehl mit offnem Aufruhr beantwortet werden könnte Schon am 14. Mai standen vor dem Zuchtpolizei- gerichte 162 Personen, welche bei den letzten Un- ruhen festgenommen wurden. Davon waren 19 angeklagt, aufrührische Rufe ausgestoßen, die Poli- zei-Agenten beleidigt und sich der Rebellion schuldig gemacht zu haben, nnd gegen 143 war die Be schuldignng erhoben, an Zusammenrottungen Theil genommen zu haben. Sie wurden mit einem Monat bis zu einem Jahre Gcfängniß belegt. Außerdem erhielt Lissagaray wegen einer hochvcr- räthcrischen Rede in einer öffentlichen Versammlung wieder ein Jahr Gefängniß und 2000 Franken Geldstrafe. Wegen des nämlichen Vergehens wurde auch ein Schreiner, Namens Stcnison, der 1848 als Candidat der Arbeiter bei den Wahlen zur National-Versammlung aufgetreten nflfr, zu 6 Monaten G efängniß und IVO Franken Geldstrafe verurthcilt und erhielt dann noch 13 Monate und weitere 100 Franken Strafe, weil er nach dem Urtheilsspruchc auf die dcmokratisch-sociale Republik ein Hoch ausbrachte.— Angesichts solcher That fachen— mag man nun die Aufstandsversuchc für verfrühte Unternehmungen halten oder, nicht— ist die Haltung der Pariser radicalcn Presse als ganz erbärmlich zu bezeichnen. Tag für Tag verficht diese Presse, die Marseillaise an der Spitze/den Satz: dic UnruhcnsciendasWerkvonPolizeiagenten, und streut so Zwietracht und Argwohn zwischen die Arbeiter. Die Marseillaise erklärte anfangs z. B., daß kein Arbeiter an den Unruhen Theil genommen habe und Niemand dic Emcutiers kenne, und schloß diese Erklärung mit den Worten:„Wir unseres Theils verstehen die Emeuten ohne Aufrührcr, die man eingestehen darf, eben so wenig, wie die sogenannte Volksbewegung, bei der daS Volk gar keine Rolle spielt. Wir überlassen der öffentlichen Meinung die Sorge, sich darüber auszusprechen und zu crrathcn, wem diese unfruchtbare Agitation und diese Scheinbarrikaden Nutzen bringen können." Hernach mußte dasselbe Blatt freilich eingestehen, daß der Republikaner Rollet auf einer der Barri- laden gefallen sei und daß er zweifellos ein reiner Charakter sei. Wie kläglich verwirrend diese lächerliche Taktik der Bourgeoisblätter auf das Volk wirkt und wie sehr grade der Reaktion dies zu Nutze kommt, zeigt folgender Umstand. Erst hatte man in Abrede gestellt, daß am Dienstag Abend bei Erstürmung der Barrikade in der Rue St. Maur ein Republikaner, die rothc Fahne in der Hand, mit dem Rufe:„Es lebe die Republik!" gefallen sei. Die Wahrheit des Vorfalls wurde jedoch bald von allen Seiten bestätigt. Der Ge fallene heißt Bands, und zählte erst 19 Jahre. Paul v. Cassagnac ein Ultrareactionär, hält ihm nun im„PayS" folgende Leichenrede:„Schlaf' in Frieden, o einziger Republikaner, der seit zwan- zig Jahren für seine Sache zu sterben verstand! Sei glücklich, daß Deine Freunde nicht erzählt haben, auch Du seiest bei der Polizei gewesen. Von Deinem Sarge herab, der einsam und ohne Nackahmer vorüberfährt, sich auf uns, Deine Feinde, welche Dich mit entblößtem Haupte be- grüßen." Dieser Spott über die Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln ist furchtbar bitter, trifft die radikalen Literaten von Paris aber nur zu sehr. Auch in Havre haben Unruhen stattgehabt. ES wird von dort gemeldet:„Montag, den 9. Mai Abends kam das Gerücht in Umlauf, daß um die Zeit des Zapfenstreichs auf dem Platze Ludwig's XVI. eine Manifestation für die Soldaten Betreffs ihrer Abstimmung(264 Nein gegen 176 Ja) Statt finden werde. In der That hatten sich gegen acht Uhr eine gewisse Anzahl Arbeiter auf dem Platze vcrsanimelt, welche zu rufen begannen:„Es lebe Rochcfort! Es lebe Lecesnc! Nieder mit der Polizei Die Truppen waren consignirt und der Zapfen streich wurde nicht geblasen. Ein alter Soldah der vorüber ging, wurde bei den Beinen ergriffen und im Triumphe herumgetragen. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich versammelt und zog unter dem Absingen der Marseillaise nach den Bureaux des Jonrnals lc Havre, und dort fing man an zu schreien:„Es lebe Sautallier! Es lebe Leccsne!' Dann wurde.die Marseillaise abermals gesungen (die ersten Strophen) und gerufen:„Es lebe Rochcfort!" Dort thcilte sich die Menge in zwei Abtheilungen, deren eine mit etwa acht jungen Leuten ander Spitze vor die Casernc Napoleon zog und„ES lebe das Militari" rief. Der Fllhrcran der Spitze trug ein ungeheures Bouquet. Die andere Hälfte zog nach der Rue Bcauvergcr vor die Bureaux des Courricr du Havre, Journal des Plebiscits-AuSschusses, um weiter zu„manife stiren"; dann in die Rue de l'Hopital vor die Bureaux deS Journal de l'Arrondisscment. Man warf Steine gegen die Ladenfenster, einige Scheiben wurden zerbrochen und etliche„Weiße Bloufcn" ver- suchten dic Fenster des erstes Stockes, wo sich dic Redaction des Journal befindet, zn zerschmettern und die Läden zu zertrümmern. Die Polizei und Gendarmerie schritten' sodann mit der bKmkcn. Waffe in der Hand ein. Fünfzehn Individuen wurden arretirt und in Sicherheit gebracht. Den ganzen Abend hindurch wogte eine ungeheure Mcn- schcnmcnge in dem Hauptviertcl, Rue de Paris, auf und ab. Die Ruhe wurde nicht weiter gestört. Man spricht von verschiedenen Verhaftungen in den Häusern. Ein gewisser Malleville, Fleischer, soll wegen öffentlicher Beleidigung deS Kaisers festgenommen fein." In England hat man schon längere Zeit für daö Fraucustimmrecht agitirt. Fast jedes Jahr wird im englischen Unterhause ein dahin gehender Antrag gestellt und findet auch meist eine bedcu tende Unterstützung. Ueber den in dieser Session gestellten und über dic deßfallsigen Verhandlungen bringt die„Köln. Zeitung" nachstehenden Bericht auö London vom 13. Mai: Der Triumph der Vorkämpfer des Frauenstimmrecht« ist von kurzer Dauer gewesen. Die Sieger von voriger Woche find die Besiegten von heute. Die Mehrheit für Jakob Bright's Antrag betrug bei der zweiten Lesung 31 Stimmen; gestern Abend wurde er bei dem Eintritte in die Ausschußbcrathung mit 126 Stimmen ans dem Felde geschlagen. Bouveric hatte den Verwcrfungsantrag ge- stellt, welcher mit 220 gegen 94 Stimmen angenommen wurde. Seine Gründe suchte Bonverie hauptsächlich in dem Widerwillen de« schwächeren Geschlechtes gegen das rauhe politische Treiben; er behauptete, keine einzige ver- nünsiigc Frau gefunden zn haben, welche die Verleihung politiicher Rechte für eine Wohlldat ansehen würde. Wenn serner der vorliegende Gesetzentwurf über dic Eigenthums- rechte der verhciratheten Frauen angenommen werde, so ergebe sich dic Nothwendigkeit, den vcrheirathcten Frauen, welche dic freie Verfügung über ihr Eigenthnm haben würden, dieselben Rechte zuzugestcn, wie den unvcrhei- raihetcn; und so würde entweder der Mann zwei Stimmen erhalten, oder, wenn die Frau anderer politischer Meinung sei, der häusliche Friede schlimm bedroht sein. Der eigentliche Zweck des Antrage« aber, meinte Bonverie, gehe weit über die vorläufig gestellte Forderung hinaus; es sei ein Theil der Bewegung, welche allen socialen Unterschied zwischen Mann und Weib verwischen, die Frauen in alle, auch die rauhesten Beschäftigungen hinein- ziehen, ihnen das Parlament eröffnen, kurz, uns zu einem Volke von Amazonen machen wolle. Um den Cbarakter der politischen Bcthätiguvg de« weiblichen Geschlechte zu kennzeichnen, erzählte Bonverie ein Gcfchichtch-n von einem früheren Parlaments- Mitgliede. Der Herr, den er au« begreiflichen Gründen nicht mit Namen nannte, sagte ihm eines schönen Tage«, daß er sich in einem Städtchen im Westen Englands, wo er freilich völlig unbekannt war, ins UnteihauS wolle wählen lassen. Er ging hin, kün- digte gleich nach seiner Ankunft an, daß erreich und un- vc�heirathet sei, nnd, fall« er gewählt werde, sich an« den Schönen des Orte« eine Gemadlin heimzuführen ge- denke. Die Folge war, daß er einen glänzenden Sieg erfocht. Nun ging er zwar ins Unterhaus, ycrgaß aber sein allgemeines Eheversprechcn zu halten, und als dir nächsten allgemeinen Wahlen ausgeschrieben wurden, fiel er eben so glänzend durch, wie er vorher gesiegt halte. (Wahrscheinlich wäre er noch schlimmer unterlegen, wenn er sein Versprechen erfüllt hätte; denn er konnrc doch nur Eine heirathen.) Die Redner, welche weiterhin für oder wider den Antrag auftraten, förderten keine bemerken«- wcrthen Gründe mehr an den Tag. Zuletzt erhob sich der P.cmier-Minister Gladstone, welcher mit Bouveric so ziemlich einer Meinung war. Er glaubte nicht, daß eine Nothwendigkeit vorliege, die alten Grenzsteine innerhalb der menschlichen GescUschafr zn verschieben. Auch erfragte: wenn Frauen an sich eben so befähigt sind, das Wahl- recht auszuüben fvic Männer, wenn diese Wirksamkeit eben so paffend für sie ist, welchen Grund haben wir dann, verheirathen Frauen da« vorzuenthalten, was wir sonst bei gemeinsamem Besitz oder Geschäft anerkennen. und der Ehefrau nicht eben so sehr wie ihrem Manu. da« Stimmrecht auf Grund des gemeinschafllichen Besitz- thums zu gewähren? Nachdem Jakob Bright seine Vor- läge veriheidigr hatte, erfolgte gegen zwei Uhr heute früh dic Abstimmung, welche dem Frauer. stimmrechtc also für dieses Jahr und mindestens auch noch für die Lebensdauer des gegenwärtigen Parlaments den Todesstoß ver« fetzt hat. Daß� wir uns nicht für das Stimmrecht der Frauen entscheiden können, hat seinen Hauptfach- lichstcn Grund darin, weil die Frauen eingetretenen Falls dieses Recht nicht zu vertheidigcn wissen; weil sie nicht mit bewaffneter Faust den Schädi- gern ihrer Rechte überhaupt entgegentreten können. Wir kommen aber näher auf diesen Gegenstand zurück. Wie man in Oesterreich in der letzten Zeit Minister macht, darüber bringt der„N. A." fol- gende humoristische Schilderung, die aber zu glci- cher Zeit die Zerfahrenheit der österreichischen Zu- stände in ein grelles Licht setzt: Da steht dic neue österreichische Dreieinigkeit, das ' Tredo für den Kaiscrstaat an der Donau. Oder wollt >..Jhr lieber Taaffe— Widmann— Tschabuschnigg? Ihr habt die Wahl, uns ist's recht. Das ist ein Ministerium, das heißt ein Cabinet! Polackisch! Mährisch, Slavo- Italisch und Knüppeldeutsch. Schaut Euch das Ding an, so etwa» kommt nicht wieder! Setzt sie in Spiritus, aber kauft ihn vorher anderswo; stopft fic ans für die neuen anthropologischen Museen! Ist dieses Oesterreich,„an Ehren und an Siegen reich", zu Plundersweiler gcwor- den; ist dort Jahrmarkt, auf welchem Herr Beust mit einem Kasperltheater ankam,„Ministerium" für dic ver- ehrliche Slraßcnjugend zu spielen? Ist Oesterreich so weit, daß eS ungestraft unfern ganzen Politisch-Parlamen» tarischen HokuS-Poku« verhöhnen lassen darf? Oder geht eS mit der neuen Aera so rasch bergab, daß fie dort nach zwei Jahren bereits den Grafen Belcrrdi travestiren? Wie lange ist es her, daß Niemand den Grafen Taaffe kannte, der als LändeSvertheidigungS- Minister in da« Cabinet eintrat? Man erfuhr, Graf Taaffe fei ein Spielkamerad Franz Joseph'», duze sich mit Er. Majestäl und könne am besten mit ihm conferiren. Wenn er selbst gleich ein schlechter Politiker sei, so singe doch seine Frau leid- lich Dann wuchs dieser Graf Taaffe, zum prooisorischen Ministerpräsidenten nnd endlich zum definitiven heran. Kurioses cisleithanischcs Cabinet: Ministerpräsident, der Spielkamerad des Kaisers! An den Grafen Potocki mußten wir un« gleichfalls gewöhnen; zur öffentlichen M Ein Pole aus der Po- Meinung sagte man begütigend: lackei, von wegen der galizischen Nationalität! Dieser Pole ward beim Ackerbau untergebracht. Auf einmal rottet sich der Spielkamerad mit dem Polen zusammen, die Beiden nehmen den Dr. Bcrger, krank am Ohre und am Kedlkopf, mit, und zu Dreien legen sie Pulver unter das Bürgerministerium. Die Gesellschaft springt in die Höhe, Potocki rückt in den ersten Rang, Taaffe wird Zweiter, Berger geht. Die beiden DioScuren, so plötzlich Herren der Situation, ergreifen eine Stalllaterne und suchen am Ausgleich mit den„Nationalitäten", suchen Ausgleichsminister um jeden Preis. Lange finden sie Niemand, Alles floh, Jeder entschuldigte sich. Endlich störten sie bei Nacht und Nebel einen abgestandenen Poe- ten ans, der auch Gerichtspräsident war und auf den eltfamen Namen Tschabuschnigg hörte. Tschabuschnigg wurde Jufiizministcr. Weiter wurde mit den Czechen verhandelt, mit jenem Rattenkönig von jnnkerlich-ultra- montan-dcmokratischen Deutschsressern, welche ein groß- böhmische« Reich mit Mähren und Schlesien bilden, die Wcnzelskronc frisch lackiren und Großmacht für sich spie« len wollen. Dic Rotabcln CzechienS kamen nach Wien, redeten mit Potocki, hielten den Nacken steif und erklär- ten, niemals in ein cisleithanischcs Gesammtparlamcnt einzutreten. Da« posaunten dic Organe der Potocki- Taaffe-Tschabuschnigg als großen Sieg und Anfang des „Ausgleichs" aus und fuhren fort, ihr Cabinet zu er- ganzen. Da« doppelt geöffnete Thor spie drei Minister auf einmal hervor: Petrin», Widmaun, Holzgeihan. Der Junker aus der Bukowina, der den Reichsrath so schnöde verlassen halte und dafür von seinen LandSleutcn deSavouirt wurde, an den Ackerbau. Ein gewesener Ober- lieutenant, kaum 3V Jahre alt, dessen einzige Heldenthat darin besteht, daß er vor etwa 11 Jahren einen Grazer Zuckerbäcker, der ihm nicht weiter borgen wollte, mit dem Cavalleriesäbel so bearbeitete, daß ein halbes Jahr später der Tod de« Manne« erfolgte— dieser Mensch Minister für Landcsvcitheidlgung! Ein 70jähriger Burcaukrat an's Steuer der Finanzen.„Wer ist Kisker?" fing einst das erstaunte Berlin, als die Reaktion gegen die National» Versammlung anonyme Größen in'S Ministerium schob. Wer ist Pelrino, wer ist Widmann, wer ist Holzgetyan? so fragen sich verbliiffl Wien und ganz Oesterreich. Sind die Minister wirklich so wohlfeil geworden, wie die Brom beeren? Oder sind die Zeilen so schlecht, daß man Eicha rien stall des Kaffees lrinken, Kartoffelblätter statt des Tabaks rauchen muß? Mit diesen Ziullcn soll Oesterreich also erstarkenl Das ist Gras Bcust's letzter Schluß. Die Oesterreicher, besonder» die Deutschen, sind herzensgute Leute, und silr sie war lange Zeit der Gesangbuch-VerS gemacht:„Was Gott thut, das ist wohlgtlhan." Jetzt können sie singen: Was B-ust thut, da« ist Holzgethanl Die von uns auch schon kurz mitgetheilten Unruhen in Italien werden sehr verschieden von den Blättern aufgefaßt; während man zuerst von bourbonistischen Umtrieben redete, ist jsttzt eine republikanische Erhebung entstanden. Die„Augsb. Allg. Ztg.« schreibt: Der Ministerpräsident hat nicht erst eine Anfrage ab gewartet um der Kammer Aufschilisse zu geben über die in Kalabrien auSgebrochene republikanische Bewegung. Schon seit einiger Zeit gingen in den südlichen Provinzen Gerüchte um von einer bevorstehenden Erhebung. Am 7. dss. Ihciltc eine Depesche d-S Präsekten von Cantazaro mit, daß eine Bande von 2— 300 Bewaffneten, welche großentheil« rothe Hemden trugen, unter dem Ruf„Es lebe die Republik!" auf Nicastro marschirte. Die Bande fiel MterwegS die zerstreuten Posten der Carabinieri an, nahm dieselben gesangen und bemächtigte sich ihrer Waffen. Ihr Befehlshaber hizß es, sei ein gewisser Piccoli; allein die Proklamationen, welche sie ausstreute, trugen die Unterschrift:„Boria, Chef des Gencralstabs der allgemei- nen Republik." Anfänglich glaubte man, daß die Bande hauptsächlich aus Eisenvahnarbeitern bestehe; doch die» be stäligte sich nicht. Die Bande wurde von den Truppen, die aus Catanzaro herbeieilten, angegriffen und in die Flucht geschlagen, mit Zurücklassung mehrerer Tobten und Verwundeten; von den Soldaten wurde nur ein einziger verwundet. Die Haltung der Bevölkerung war und ist die allerbeste. Dreihundert Bürger von Eatanzaro, an deren Spitze der Bürgermeister, erboten sich freiwillig, mit den Soldaten zur Herstellung der Ruhe zusammenzuwir- ken. Menotli Garibaldi, der Sohn des Generals, welcher als Unternehmer einer Eisenbahnstrecke in Kalabrien thätig ist, erklärte sich ebenfalls bereit, mit gegen die Insurgenten zu ziehen. Außer der größeren Bande bei Nicastro zeigte sich eine kleinere bei Reggio. Obwohl der Aufstand bereits als unterdrückt anfiischen ist, so wurden doch sofort grö ßcre militärische Kräfte aus Neapel und Palermo nach Kalabrien geschickt. Die Nachricht daß Menotti Garibaldi der Rc- gicrung seinen Arm angeboten, ist falsch. Die Schaar des Majors Fozlia ist, angeblich 1000 Mann stark, von Catanzaro in die apulischcn Berge aufgebrochen. Die Insurgenten sollen auch in Grossctto erschienen sein. Der Minister des Innern erklärte am 13. in der Kammer, daß zwischen Pisa und Volterra eine aus 00 Individuen bestehende Bande er- schienen, jedoch von den Truppen überrumpelt worden sei und sich theilS gegen Monterosso ge- zogen, theils zerstreut habe. Der Präfect von Livorno hatte diese republikanischen Erhebungsver- suche stgnaliflrt. Dem Anführer der Bande, Namens Mayer(?), war es gelungen vom Syn- dikus Russtgnano eine Anweisung auf National- gardegewehre zu erhalten. Die Bande wird von der Bevölkerung nicht unterstützt. In Catanzaro «xistirt keine Bande mehr. Aus Neapel�laufen�Nachrichten ein, die für die italienische Regierung immer beunruhigender werden. Gegen hundert Studenten versuchten unter aufrührerischen Rufen Unruhen an der Uni- versität hervorzurufen. In Folge Einschreitens hörte der Tumult auf und wurden drei Verhaf- tungen vorgenommen. Ueber den Stand der Verhandlungen des römischen Concils berichtet das„Bureau Havas« vom 14. dss.:„Der Beginn der Dis- kussion über den Primat und die Unfehlbarkeit des Bruder und Schwester. (Fortsetzung.) Sylvest, der durch einen so wunderbaren Zufall von dem Tode gerettet worden war— denn wenn da« Jam mein der vergifteten Römer nicht Aller Blicke von der Arena abgewendet hätte, würde es ihm unmöglich gewe scn sein, in der Nische verborgen zu bleiben,— Sylvcsi dankte Hesu« und, ais ob die Götter ihm diese Nachi besonder» günstig gewesen wären, er dachte daran, daß seine Frau Loyse, bei dem letzten Beisammensein, ihm versprochen hatte, ihn an diesem Abend in dem Park FaustinaS am Ende des Canals zu erwarten. Er erinnerte sich auch der letzten Worte Faustinas an Libanon, als sie die ohnmächtige Siomara fortgetragen: Libanon, ich erwarte Dich im Tempel am Eanalc. Eine düstere Ahnung sagte dem Sclaven, daß die Rö merin, die Siomara vielleicht noch lebend in, ihrer Gc walt hatte, sie ohne Zweifel Qnalen erdulden ließe, die nur ein sittenlose«, eifersüchtiges Weib aus Haß gegen eine Nebenbuhlerin erdenken kann. Ohne Zweifel war der Tempel am Canal der Schauplatz dieser Folter und Sylvest nahm sich vor, so schnell als möglich sich in den Park der Villa Faustinas zu begeben... Lauschend trat er endlich auS seinem Versteck hervor, aber es erfaßte ihn eine seltsame Furcht. Als er über die Arena schritt, hörte er da« Flattern der großen Nachtvögel, die schweigend dicht über dem Boden kreisctcn. Zwei bis drei Mal fühlte er schanernd den Wind von ihren Flügeln an seiner Stirn; auch stieß er mehrmals an haarige Körper, die rasch an ihm vorüber eilten. Ohne Zweifel waren dies Zauberinnen, die in der Gestalt unbekannter Thiere blutige Menschen- reste zu ihren Zaubereien suchten. Vielleicht befand sich gar Siomara, die durch Zauberei der Gewalt Faustinas entkommen, unter diesen Unholden. Als der Sclav auf ein Schwert trat, das einer der Gladiatoren verloren hatte, hob er es auf; e» war kurz und scharf. Damit erreichte er endlich den nördlichen Ausgang, ging unter einem langen Gewölbe hin und bC' fand sich bald außerhalb des Amphitheaters in der Vor stadt.. Bis zu dem Park Faustinas hatte er nur noch eine halbe Stunde; er beschleunigte seine Schritte, stieg wie gewönlich über die Mauer und ging an das Ende des EanalS, wo er freilich Loyse kaum noch zu finden hoffte, da eS schon so spät in der Nacht war. Aber der arme Sclav hat auch seine Augenblicke der Freude. Kaum halte Sylvest einige Schritte auf der Terrasse des EanalS gethan, als er die Stimme seiner Papstes ist auf heute anberaumt; von jetzt an sollen fast täglich Plenarsitzungen stattfinden. Die für die Unfehlbarkeit agitirendc Partei im Concil zeigt sich sehr siegesgewiß und spricht die Hoff- nung aus, daß vor Ablauf eines Monats das Unfehlbarkeitsdogma definitiv angenommen fein werde. Viele dem Ccntrum des Concils ange hörige Mitglieder haben beim Papste Beurlau- bungsgesuche eingereicht. Von der Oppofitions- Partei sind etwa 100 Mitglieder eingeschrieben, welche in mehr oder weniger energischer Weise das vorgeschlagene Unfehlbarkeitsdogma bekämpfen werden." Auch das sonst so ruhige Portugal ist an gesteckt von dem allgemeinen Fieber. Auf der Insel Madeira fanden ernste Unruhen statt. Drei Personen wurden gelödtet und mehrere verwundet. Der Gouverneur hat nach Lissabon um militä- rische Hülfe telegraphirt. Das Begräbniß Waldecks fand gestern, Sonntag, statt. Der Präsident des Allg. deutsch. Arb.-Vereins hatte für angemessen gehalten, daß die Social-Demokratie an der großen gemeinsamen Demonstration aller liberalen Parteien sich betheilige. Es galt, dem demokratischen Kämpfer von 1848 die letzte Ehre zu erzeigen und dadurch zugleich zu beweisen, daß wir gemein- sam mit den liberalen Parteien der Bourgeoisie allen reaktionären Bestrebungen entgegenstehen.*) Zugleich aber galt cS, zu zeigen, daß wir, obschon uns mit den Liberalen zum Leichenzug vereinend, doch als fclbstftändige Partei, als Social-Demo- kratie kamen. Demgemäß wurde angeordnet, daß wir in Reih und Glied unter Vorantragung der rothen Fahne, jeder Einzelne mit rothcr Schleife verschen, angesichts von ganz Berlin aufmarschiren würden. Dies geschah mit gewohnter Partei- disciplin. Um halb zwölf Uhr rückten 4000 Social-Demokratcn unter Führung des Vercins- präsidenten heran und wurden in den Zug ein- gestellt. Wir bildeten weitaus den größten Einzel- thcil des ZugcS; kein anderer Verein, keine andere Korporation war in solcher Masse erschienen. Zum ersten Mal hat auf diese Weise die Hauptstadt Norddeutschlands am hellen Tag und unter freiem Himmel uns aufmarschiren sehen, und auch darin liegt ein Vortheil. Im Folgenden geben wir Einiges aus den Berichten der Berliner Blätter über die Leichen- frier Waldeck's. Die„National-Ztg." schreibt: Nicht nur Berlin allein trauerte, auch von weit her waren die Leidtragenden erschienen, um ihre Anhänglich- keit au den nun von uns Geschiedenen an dessen Gruft zu bezeugen. Aus Dortmund und Witten brachten Dcpu- tationen uuter Führung de« Dr. Röder einen Lorbeerkranz und einen Kranz von der Behmlinde, aus Bielefeld eine Deputation unter Voranlrilt de« früheren Abgeörd- neten, Rechtsanwalt Forstmann, einen Lorbeerkranz u. s.w., wie überhaupt von allen Seiten Zeichen der Liebe und Belehrung einliefen. Bald nach 10 Uhr nahmen die Züge der Leidtragenden in den an das SterbchauS an- stoßenden Straßen Ausstellung, während in der Wohnung des Verstorbenen, wo der die sterbliche Hülle bergende Sarg zwischen Kandelabern und hochstämmigen Blatt- gtwächsen aufgebahrt war, sich eine zahlreiche Trauer« Versammlung zusammenfand. Außer der verwaisten Fa- milie, den näheren Verwandten und Freunden derselben hatten sich eingefunden das Präsidium des Reichstages. mit Ausnahme des durch Krankheit entschuldigten Herzog« *) Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß im Reichstag alljährlich der Antrag auf Diälcngewährung von Watdeck gestellt wurde. v. Ujest, eine Deputation der konservativen Fraktion de« Reichstages, bestehend aus den Abgg. v. Frankenbcrg Ludwigsdorff, v. Denzin, v. Blanckcnburg und Gra> Pllcklcr, von der frcikonscrvativen Fraktion die Herren Graf Münster, v. Unruhe-Bomst und Dirtze al» Depu lirte, ebenso Deputationen der übrigen Fraktionen, die sehr zahlreich, die Fraktion der Fortschriitspartei voll jählig, an dem Leichenzuge Theil nahmen. Der Magistrat dalte den Bürgermeister Hedemann und den Stadlrath Magnus, die Stadtverordnetenversammlung ihren Vor stcher Kochhann, die Stadtverordneten Ludwig Löwe Romstädt u. s. w. depmirt.— Um 12 Uhr erschien der Probst von Se. Hedwig, Hertzog, welcher unter Assistenz des geistlichen Rath» Müller die Leiche einsegnete. lieber den nun folgenden imposanten Leichenzug berichten„Nationalztg.",„Krcuzztg." und vcr- schieden- andere Blätter, nahezu gleichlautend, wie folgt: Während der Feier im Familienkreise hatte sich unten der Leichenzug arrangirt und setzte sich um 12� Uhr in Bewegung unter den Klängen des Liedes:„Jesus meine Zuversicht!" Voran die Maschinenbauer mit einem Musik korp« und der Fahne von 1848 an der Spitze, dann die Vorstände der vier Wahlbezirke, Palmenzweige tragend, dann der katholische Gescllcnvcrcin mit einem mächtigen Banner und einem kolossalen Kruzifix.— Dann folgte der von 4 Pferden gezogene, eigens zu diesem Zwecke her- gerichtete Leichenwagen, welcher den von Blumen und Kränzen bedeckten Sarg aus Eichenholz auf seinem Plateau führte, so daß er weithin sichtbar war. Hinter dem Leichen- wagen folgten Deputationen der städtischen und wissen- schaftlichen Korporationen, die Mitglieder de« Reichstages, die Repräsentanten der Presse zc., dann zwei Traucrequi- vagen, deren erste die Witlwe Waldeck'S, die zweite seine Töchter führte, die Gesangvereine Ceres, Neue Akademie iür Mäniiergesang, Vorwärts, Deutsche Eiche, Amicilia, Eintracht, Sängerkranz, Teutonia, Germania, Jubal, Ber- liner Sängerschaft, der Schulkenssche und der Mllller'schc Gesangverein, die außerordentlich zahlreich vertretenen Wähler des ersten und zweiten Wahlbezirks, der große Berliner, der Äoabiter Handwerkcrvcrcin, die Burschen- schafl Brandenburgia, deren Ehrenmitglied Waldeck lange Zeit war, der akademische Turnverein, eine Deputation der Bllrgcrschützcn, der ca. 3—4000 Mann starke social-demo- kratischc Allg. deutsch. Arb.-Verein mit Schweitzer und vasenclever an der Spitze, die Buchbindcrgesellcnschast, eine Deputation der Burschenschaft Germania, dabn der Ber« liner Arbeiterverein und die Orlsvereinc, ca. 1000 Mann stark, die Möbelpolirer-Jnnung, der Louisenstädttsche Hand- werkerverein, die Buchdrucker, die Wähler des 3. und 4. Wahlbezirks. Eine lange Reihe von Wagen schloß den Zug, der über eine halbe Stunde zum Vorüberzug brauchte. Sämmtliche Fahnen und Bamier trugen Trauer-Emblcme, die große rothe Fahne des Schwcitzer'schen social-demo- kratischen Arbeitervereins war ausgerollt und mit Flor überzogen. Um 2% Uhr langte der Zug auf dem kaiho- lischen Kirchhofe an, wo nach dem Gesänge des Oratoriums „Wenn auch die Liebe weint" und nach Erfüllung der rituellen Vorschriften der Sarg unter den Klängen des Miserere, gesungen von dem Sängcrchor des katholischen �rsellenvereinS, in die Erde gesenkt wurde. Die Feier schloß mit einer kurzen Gedächt- ißrede Löwe- Calbe's und dem Gesang cincS Chorals. Auch die„�taatsbürgcrzeitung« berichtet über das Leichcnbegängniß eingehend. Wir entnehmen nachstehende Schilderung des Zuges diesem Blatt. Unter den Klängen des Chorals:„Jesus meine Zu- vasichl« setzte sich der endlose Zug in Bewegung: Voran eine Trauerfahne, geleitet von den Marschällen der Ma- schincnbaucr, welche im Verciue mit den in äußerst im- posantcr Anzahl mit rothen Schleifen im Knopfloch und g-schaart um eine florumhilllte rothe Fahne erschienenen Mitgliedern de« Allgemeinen diutschen und denen des Berliner Arbeitervereins Spalier gebildet hatten; dann Deputationen aus allen Berliner Wahlbezirken, hicrnöchst die religiösen Vereine und Schüler dir hiesigen katholischen Gemeinde, und unmittelbar vor dem Leichenwagen die schon genannten beiden Geistlichen, denen ein Crucifix voi angetragen wurde.— Dem Sarve folgten zu Fuß bis zum Potsdamer Platze, wo sie ihre Wazkn bestiegen, zunächst die Verwandten Waldeck's, welcher seiner Witiwe vier Töchter und einen Sohn hinterläßt. Dann kamen die Vertreter der städtischen Behörden, die Deputirten des Reichstages und des Landtages, die sowohl in ihren Prä- sidien, wie in oll-n Fractionen, von den Conscrvativcn sowii> ftih bis zur äußersten Linken vertreten waren, DspsÜ der verschiedensten Körperschaften, dieGesangverttin die Handwerker-, Arbeiter-, Orts- und BezirlSew Studenten unter Führung der Burschenschaft drucker und andere GewelkSgenossenschaflen s� von diesen Verbänden umschlossen, zahlreiche Bl vier Landtagswahlbezirke Berlin«. Dieser gewaii� dessen einzelne Adthcilungcn von MusilewrpS& 30 Fahnen geführt wurden, brauchte bei feineu, in die Leipzigerstraße am Potsdamer Thorr du! vollen 35 Minuten. Es konnten also reicht Theilnehmer in demselben gerechnet werde« sich dem ermüdenden, über zwei Stunden« Marsche bis zum katholischen Begräbnißplayi Licsenftraße trotz der glühenden MillagSsouae Ägr Obschon die fortschrittliche Presse die Aos nähme des Allg. deutsch. Arb.-Vereins«3 Feier nicht läugnen kann, ja sogar zugesteht � � daß bei Handhabung der Ordnung der Mg.*» un Arb.-Verein erfolgreich mitwirkte, kann ei»'!» ble derselben doch nicht unterlassen Giftpfeils ihn zu schleudern. So schließt z. B. die„Tw ihren Bericht, wie folgt: Die Polizei hatte die Bevölkerung in richtiges,�> de niß der Bedeutung d-S Tages allein die Austw,' �.. der Ordnung überlassen. Diese blieb eine wahrhflP" hafte. Die Regierung war durch leine majiü*' j°. önlichkcit vertreten: der unvergleichlichen � � der Feier lhat dies nicht den geringsten Abdnw � vorgestrige Sonntag war der feierlichste, den erlebt hat und erleben wird. Nachträglich erf«�< � nachfolgende Einzelheiten. Zu den Geistlichen, __. til''- ÄJ itt f Leichenfeier ponlificirtcn, gehörte neben dem Prlwfl i j01 der am Grabe sprach und Waldeck's streng kirchd� tung pries, auch der bekannte„geistliche Rath■ der sich von guten Freunden umgeben sah: vonib Gcsellenvercin und den Anhängern des Herrn V.' mit den rothen Schleifen. Den Gesellen trug °- wuchs es zu einer imposanten Kundgebung de*'. i«ss,„, Sinnes der großen Majorität der Hauptstadt.- , wi .. de« Jahres 1848 in Ehren gedenk ist, wer c'j' jener preußischen Verfassung noch hochhält,?s# Lstj, al« Charte Wolbeck geschmäht wurde und>kr»ztt, ............-SMgen d S-bl dtlttl lZen s>oii ' w »o dj m I k»ssai ei tißi die i in Jeivin: sicher dtib Samariter« harrt, der die seit 1866 ihr... Wunden auch nur verbinde: sie Alle waren aus dw � um dem großen Todtcn die letzte Ehre zu ci«� m � Trauerzug halte sich entfaltet, wie ihn diese � � dem 22. März 1848 nicht mehr gesehen und Generation ihn nicht wieder sehen wird.(?)& j; icchmx Heerschau des srcistnnigcn Bürgcrthums, kciv�d.. unterbrach diesen Eindruck, kein Mitglied der' war im Zuge zu erblicken. Dagegen sah ma«' barer Genugthuung, wie der Alleispräsident i>� Hauses, der greise Franckcnbcrg, inmitten der i larischcn Genossen Waldeck's tapser den sür so mühseligen Gang mit antrat, man sah dnr� stände vertreten die Fraktionen de? Reichstag'' z Abgeordnetenhauses von der äußersten Rechlckz äußersten Linken. Herr v. Schweitzer war W Spitze seiner gesammtcn Anhängelschaar ausg'�, diese Parade konnte sich in der Thal wohl 1"' I Unter Jnnchaltung der nolhwendigcn Rllcksilh«� Ein friedlicher Bonaparte. Ungefähr acht Meilen von Florenz, am Fuße eines hohen und waldigen Hügels liegt das Städtchen St. Casciano. In einer schmalen Gasse desselben steht da« berühmte Gasthaus der Campana, in welchem Macchiavell einst wohnte, und etwa zwanzig Meilen weiter liegt Ccrtaldo, das sich damit brüstet, des berühmten Boccacio's Geburtsstadt zu sein. Zwischen diesen beiden, durch da« Andenken an zwei große Männer historisch berühmt gewordenen Städten liegt, inmitten eines lachenden Thalcs, ein kleines, nnbc kanntes Dorf mit einer uubedeutenden und schmucklosen Kirche. Im Jahre 1807 lebte daselbst ein Pfarrer, der Buona- parte hieß. Er war arm und unbeachtet, als ob einer seines Namen« niemals den Papst zum Verlassen d-S VaticanS genöthigt hätte, um ihn in der Notre-Dome Kirche zu Paris zu krönen. Er war sanft und ohne Ehr. geiz, als ob er nicht der Oheim Lätitien'S und der Groß« vhcim de« jungen Generals gewesen wäre, welcher Italien erobert, die Pyramiden begrüßt und in Europa Throne errichtet und umgestoßen halte. Der gutmlllhige Priester bearbeitete seinen Pfarrgarten selbst und trug einen schäbigen Rock und geflickte Schuhe Von all dem Lärm, den sein Großneffe in der Welt vcr« ursachte, drang nicht da« Mindeste in das kleine stille Dorschen. Niemand im Dorfe und dessen Nachbarschaft hatte eine Ahnung von der Abkunft des alten Buonaparte; er hatte Corsica, sein Vaterland, vergessen, um sich ganz seiner Gemeinde zu widmen, die eben so schlicht und un wissend war, wie er selbst. Seine Flinte, die er zuweilen mit sich führte, versorgte seine Tafel mit Wildpret; auch konnte man in seinem kleinen Wohnzimmer schasten sehen. Diese einsachen Zerstreuungen, J P« Pflege einiger Blumen und die Einsammlung dsi*' zehnten zweimal im Jahre, bildeten die wil« schäsligungen des ehrwürdigen Seelsorger«.'„ geistlichen Pflichten betraf, so war er kein ö."tR '' wöchentlich' Zdur Steuerungen, sondern las zweimal und prcdigie jeden Sonntag nach der Vesper. Drei Wesen aber gab es im Dorfe, wel«� ja]' U vltj, */U.V«UV*. JJWV VV liiv»w-v., merksamkeit des guten Alten in höherem ei JP Mattea, so h'cß das j«�».� spruch nahmen, als seine übrigen Pjarrkindcr, � � � I waren: ein junges Mädchen, ein junger Bursas/ R 1 zahme weiße Henne. WWW�> chen, war von dem allen Buonaparte g-'Ä i"!® C Katechismus unterrichtet worden. Mit-»,frich«t°°n auftich"| unschuldigem Vergnügen hatte er ihr Wach�M,� ihre knospcnarlige Schönheit beobachtet; ih«'- ku'' 1 schönen dunkeln Augen, ihr glänzend schwarzlB graciösc Gestalt und ihre einsachrn ungclünstcltt«�„ ncr wurden von Allen bewundert. Sic war die PM,,'ur »»»»»WM» y ständig an ihre Zukunft und hatte ihr in wurden von Allen bewundert. Sie war die vM,' der Stolz des Dorfe«. Der gute Seelsorger»'»iv ständig an ihre Zukunft und hatte ihr in St seinem Küster, bereits einen Gatten auserlesen'S,..".!' der zweite Schützling Buonaparte'«, ein schlann lJ Bursche, war der beständige Gast im Psarrh�T stellte den Garten und das Feld des Psarrerk.'l Küche, den Dienst bei Tische und bei der Mr!� Chore, schmückte die Altäre, kurz, war das z, Priesters. Obwohl ein wenig vorlaut und des � f« tL>h#m(©rtrpif im•> Viirtv ft �. Eisrigste bei jedem Streit im Dorfe, �war er genommen ein herzensguter Junge. Das w"' der schönen Mallea, und Tommaso Lieb, zugethan................. K wein Der biedere Geistliche lebte glücklich und mitten seiner Heerde und seiner Lieblinge, als'' ein ungewohnter Lärm im Dorfe hörbar w»s° a, zi-j 1 Hufe stampslrn da« Pflaster und der stille Hol i.„, hause« stillte sich mit einem Trupp Cavallerw,"as s-rlicher Offizier mit goldenen Epauletlen,"« IllUUjCL Ulli 0UlUt.ilvU..(jj. einem Hut mit wallender weißer Feder stieg s" betrat sporenklirrend da« bescheidene Wohvs!�" stellte sich dem Pfarrer als Adjutant lcon vor. d-sj Kol,- Der alte Mann erhob sich zitternd, einen Stuhl anzubieten, und mit Brust gefalteten Händen erwartete er kommen sollten. „Beruhigen Sic sich, ehrwürdiger Herr, d-mülh'S py die T'3'.>rs s. 8" da! 8' 'neral 3? " b'k'strmci coipS i seine»� lott w; riichlil� werdtKl ridcn lißplayi onac»»> sse di- Breills ugeslehe» Äll5" Ä'8 Tzaren zum Anhaltischen Bahnhofe aufcr« ngvern««r die Entwickelung des Zuges frei geblieben von !ez>rl»»a �'''pllichcn Beschränkung und die ungestörteste Ord �■, r ä•u�e �utsprach diesem Vertrauen. Der ein l/u Ms �drg, auf offenem Wagen ruhend, trug als be. lche v� M Schmuck den letzte» Gruß der H-imath, einen c 8'®.;, r» �mdcnblitthenzweigen, gepflückt von jenem ehr- � Wahrzeichen der rothen Erde, der Vehmlinde Whofe � Dortmund, dem treuen, gerechten »» höchstes Ehrenzeichen. Unabsehbar wogte der -il Spitze auf der Höhe der Weidcndammer tkommen war, als die Letzten noch von der Leip "nschwenklen. Und er ging vom Trauerhause Ruhestätte durch eine ununterbrochene Gasse Ztcr Zuschauer, welche den Bllrgerstcig füllten. Jos selbst vermochte nur ein kleiner Bruchtheil |'9tä zu betreten, hier sprach, nachdem der Priester 'ltes gepflegt, Löwe>Calbe in einfachen, herzbe Worten den Abschicdsgruß an den Dahinge und da« Gelübde, feines Thuns in Ehren bleiben. Also geschehe es! kann ei»� istpfeile die ,jr« nchtigtt Aufre vahrholl naßgeba' n EM Abbrmv en Berl� ch ersj ch-n, di- g kirchUZl Roth" vom h na v. trug kn W L-ide-i-. chte in" af.-N ch- �cm Eft da? >8""'«f, lerdell" ntni ä, Kirchh-j. putoti g an! st- 3)»'! !cben""'1 Vereins-Theit. ['den Allg. deutsch. Arbeiter-Verein.) 'i», 6. Mai.(Ein Wort an die »ner Dortmunds.) Mit Freude und Br nehl ein alter Parteigenosse und früherer Mip 5 onch Ihr Euch in der letzten Zeit erneute 'h die Schanzen der Fortschrinlrr zu erstürmen, �Je Fahne siegreich auf der rothen Erde zu tzarrer diesmal aus; der Sieg wird kommen. elenden Mittel, welche zu wiederholten Malen Dortmunder Arbeiter angewandt sind, um sie iu Verrälhrrn an Ferdinand Lassallc, oder zu d-s Gcldsacks herabzuwürdigen. Haltet immer 'unseres großen Meisters fest:„Uns gegenüber -u alle anderen Parteien in eine große Masse;" mögen sie Fortschrittler oder National tirautjunker oder Ultramontanc heißen, der kennt nur den Gegensatz: Ausbeuter und :-r. Ich will Euch nicht noch einmal an die 'Jen Racheakte erinnern, durch welche die Fort' lassallcanische Bewegung in Dortmund zu iuchtcn, von dem Augenblicke an, als jene hoch Arbeiter, welche bei dem ersten Austreten burch eine ZustimmungSadressc sich auf seine �gen— siehe LassalleS Rede zu Solingen— und don den fortschrittlichen Dortmunder Fabrikanten il wurden, bis zu der Comödic des vorigen °o die Eisenarbeiter der Köln-Mindener Bahn Wm Eintritt in die Vereine des Musterknaben Wurden, natllilich au« Furcht der Direktion ijlfsalleanern. Ich will diese allen Wunden, 9,-ine elende Krämcrcliquc geschlagen, nicht Ustßcn, aber ich möchte Euch kurz meine An bu Kompfesart mittheilen, die wir verfolgen 1?- sn Dortmund den Sieg über Dummheit und .'iuwnen. Da grade in Dortmund der Ausfall 'Jen Versammlungen von besonderer Wichtig- ber Feind aus diesem Felde noch wenig ob«�,, d'�lken hat, größlenthcils aus politischer Gleich- lhaii«' 8roßen Masse, so ist es unbedingt nölhig, 1 vjf»[(.'J an jeder össentlichcn Kundgebung bclheiligt. ladt." lew� Phalanx, nicht vereinzelt, begebt Euch wer � 1 ��-rsammlungilokal in die Kaffeestuben der llt ttf$»Patzer; verlangt in jeder Versammlung die nb' tiir ,b.7,?/Stzendcn durch die Versammlung aus Grund ihr lln, �en Ptinzips; laßt Euch nicht bcthören auso-iü i>-�!,bittch glatte Versöhnungsredcn der bekannten erlvül? und betheiligt Euch dann selbst ohne . aßt" Bangen an. den politischen Reden. Bedenkt ,n«"i nicht auf wohlgedrechsellc Worte ankommt; „.i gz plA">st die Hauptsache! Fü-chlet Euch nicht vor 'l.. lOi-chigen Spilßbürgcrn, welche bisher durch die i Geldsacks Euch in's Bockshorn zu jagen >d bald werden unter den Dortmunder Arbeitern l-hlige Redner auftauchen, wie in jeder anderen .siche die Lassallcaner erstürmen. Vor allen -be Furcht vor den guten Röcken der Fort- bedenkt, daß wir alle Menschen sind, mit der lgabe, sttr Freiheit, Gleichheit und Brüderlich- das rothc Banner zu schaarcn. Ihr wackeren >-n Zimmerleutc und Holzarbeiter, Maurer -der, verbrüdert Euch zum gemeinsamen Kampf, Zeitungsschreiber bei dem Bericht über die -lichterstattungsversammlung der Abgeordneten die' zci-H«� Zulubst Becker, Berger und Bersudordt, ohnmächtig heulen müssen:„Die Bestie ist entfesselt!" Kämpfet den guten Kampf der lassalleanischen social-demokratischcn Agitation, damit im Herbst bei der RcichstagSwahl der Fonschrilllcr Becker fällt. Großauheim bei Hanau, 12. Mai.(Neue Aus breitung.) Montag, den 8. Mai, fand hier eine Ar- beiterverfammlung statt. In derselben hielt Herr Wol aus Hamburg einen Vortrag über die Bestrebung des Allg. deutsch. Arb.-Vercins und der verschiedenen Parteien, die gegen denselben wirken, sowie auch über die nächst statifindende Reichstagswahl. Sein Vortrag wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. ES bildete sich sofort eine Mitgliedschaft, und es steht zu erwarten, daß in Zu kunft eine immer größere Theilnahme an der Arbeiterdc- wrgiing hier eintreten wird. Mit social-demokratischem Gruß C. Lenz. Beeck, 5. Mai.(Allgemeiner Bericht.) Sonntag den 1. Mai hielten wir in Stockum eine Volksversamm lung ab. Die Tagesordnung betraf den Militarismus und die Grundsätze des Allg. deutsch. Arb.-Vercins. Herr Sauerborn konnte wegen hindernder Umstände nicht erscheinen. Es sprachen Herr Bergrath und Unterzeich ncter; ersterer hielt eine längere Rede über den Milita rismus. Auch wir Arbeiter hier in Stockum sind mit dem lieben„Neuwicder socialen Frieden" beglückt worden Er erschien uns als Probeblatt. Aber die ersten Zeilen genügten, die Arbeiter seiner überdrüssig zu machen, ja, Du„Neuwicder Friede", Du bist hier geprüft und ge- wogen uud zu leicht befunden worden. Du kommst uns freundlich mit einer Zehnstundenarbeil entgegen, und willst uns die elfte und zwölfte Stunde noch zu Studen tcn machen, zu Astronomen oder besser gesagt, zu Ka- lcndermacheru, und vielleicht auch zulitzt noch zu Klavier pielcrn. Endlich sprichst Du, lieber„Friede", noch von dem Schwcitzerischen Gebrumm und der Lassalleaner Ge schrei, und willst davon uns auch noch erlösen, willst uns Dein Gänsegeschnatter noch in unfern alten Tagen lehren. Sehr freundlich, aber Ihr Neuwieder Herren, dieser„so ciale Friede" paßt uns nicht und wir werden wohl nicht ehr darauf bedacht sein, ihn zu verbreiten. Mit social demokratischem Gruß I. I. Bohr, Bevollmächtigter. Hamburg, 12. Mai.(Ein Justiz-Aktuar a. D. in tausend Aengsten.) Endh voriger Woche wurden unsere Freunde in Altona durch eine Annonce in den Altonaer Nachrichten" überrascht, deren Ucberschrist in eltem Druck lautete:„Für Jidermann aus dem Volk!" und welche die Einladung enthielt, Mittwoch den 11. d. M in einem abseits von Altona gelegenen Lokale in öffent- licher Versammlung einen Volksverein zu gründen, der das Volk über seine Pflichten und Rechte auskläre. Als Motto stand dabei:„Das Recht ist das Auge Gottes auf Erden." Als Einberüfer. fungirte H. Stabenow, Justiz-Aktuar a. D. Unsere Altonaer Freunde benoch richtigten auch die Hamburger davon, damit wir vereiat aus diesem neuen Quell der Weisheit schöpfen könnten. Am Mittwoch, wo wir so, wie eigentlich leider schon täglich, sür die Sünden der Menschheit büßen mußten, landen wir uns rechtzeitig am bestimmten Orte ein, in Erwartung dessen, was da kommen sollte, denn wir sagten uns: wer in Orten wie hier öffentlich VolksvercinSspielerei treiben will, muß schon Haare aus den Zähnen haben, wenn er ander« kein Narr ist, der nicht« zu riskiren hat; über letzteres konnte Niemand Auskunft geben. Lange brauchten wir nicht zu warten, da erschien ein korpulenter Herr mit goldener Brille und ziemlich demokratischem Aussehen, der, wie seine lallende Stimme später verrielh, gewiß in froher Gesellschaft gewesen war. Beim Anblick der über 800 Mann starken Versammlung stutzte er ein wenig, legte dann aber die Arme phlegmatisch über ein vor ihm stehende« Notenpult. Da Alles einen etwas fest läglichen Anstrich hatte, vcrmuthcte er wohl keine Lassalleaner darunter, dankte den Anwesenden sür ihr zahl- reiches Erscheinen und bemerkte, er wolle heute einen Volksverein gründen, nicht, wie er erst beabsichtigt, einen JnformationS-Klub, denn es gebe schwarze, grüne, blaue, gelbe Klubs und er wolle keine neue Farbe hinzumischrn. Nachdem der Volksverein gegründet, werde er den Mit gliedern Vorträge halte»; jetzt sollten wir sein Programm hören. So lange war alles still gewesen, nur einer der Unsern hatte ihm mehrmals insgeheim zugeflüstert:„Lassen Sie ein Bureau wählen!" Jetzt hallte dieser Ruf aus allen Kehlen. Der arme AktuariuS, diesen Schlachtrus wahrscheinlich aus den Zeitungsberichten kennend, ward kreideweiß und erkannte zu spät, zwischen wen er gcrathen. Ein Herr von der Presse wollte ihm einreden, er brauche nicht wählen zu lassen, aber mit der Resignation eines Verurtheilten sprach er:„Laßt sie nur machen, mir ist -lassen Sie Muth, ich bitte. Ist Ihr Name aparte und sind Sie fnicht der Oheim Napo- Jet« der Franzosen uud Königs von Italien?" L-i-tn Herr," murmelte der Pfarrer, der zwar :sne Idee von dem Glück und der Größe sei- i-sscn hatte, dies aber als Dinge betrachteie, durch unermeßliche Entfernungen getrennt war. .Majestät Mutter," fuhr der General fort. iielOh unterbrach ihn der Pfarrer. i Gral- aiue Hai von Ihnen zn Sr. Majestät gesprochen," ndcr-* 5 Offizier. Siitl-H k kleinen Napoleon?" fragte Bnonapartc. as Kaiser, ehrwürdiger Herr. Es ist nicht gctoai!.°8 ein so naher Verwandter Sr. Majestät, mfri-Hii den so ausgezeichnetem Charakter, ein solch ValH� J-ik- unbeachtetes Leben verbringt, während icr M hng«»;, ung° (vel-J r«. lein ntlith' zper. welä- ! id-i-»!—'*vy->"e- oo1---"IIV V"' avjt«J ia Welt mit seinem Ruhme erfüllt. Der Kaiser, stellt--;."'--er Gebieter, hat mich zu Ihnen gesendet, die„ i-ur zu sprechen, nur einen Wunsch zu äußern arger i �unverzüglich crsüllt werden." in:-Lahmste Persönlichkeit, welche der bescheidene escw', n seinem Leben gesehen, war der Bischof von Hlon!-'! einmal im Jahre das Dorf besuchte, um die arrha«'"tu und Mädchen zu confirmen. '----ge nach dem bischöflichen Besuche war der rrcrs- !--iic Europa beherrscht, und Ihr Neffe, Herr Messt' t?h>rte von der bloßen Erinnerung an die gold« »S F--1,.ichoftmütze, die Spitzenärmel und den Krumm- >d dcr 8->hcn Vorgesetzten wie geblendet und verwirrt. r er'--.selbst alle diese Herrlichkeiten besitzen,»der i wo-. werden. ihr Ii-''' Augenblick zögerte er, wie um seine Gedanken . dann sprach er:„Ist das AllcS war, mein nd irj,?'-ue Nichte Lälilia wirklich eine Kaiserin? als--'. ,.!ch daran denke, daß ich ihre erste Beichte wu-�l."Is-h ist das lange her— sie war damals noch - Hof 1» Mädchni." gcrie-'--eral lächelte. StU--l-n Sie mir," fuhr der Pfarrer fort,„gestatten sieg.IJ' kurze Bedenkzeit; man muß ein wenig mit zahl#")' gehen, ehe man feine Lage so plötzlich ver- 1 Ao>u» ?'Ueral sagte zu; der Pfarrer verließ da« Zim >M � k|ai' �-h uach seinem Schlafgemach im oberen llth-8 gT-- Fenster die Aussicht auf den Hof gestatte- . Ail-k.h-rrschte Tumult und Verwirrung; dic Escorte haue ihre Pferde abgezäumt und bivouacirte u,"-t-Mend und scherzend auf dem grünen Rasen. alles gleich!" E« wurden hierauf die Herren Winter zum ersten, Hart mann zum zweiten Vorsitzenden, sowi Reimer und Diterle zu Schrijlführcrn gewählt. Der Vorsitzende forderte nun den Herrn Einberüfer auf, sein Programm.vorzulegen und gründlich zn motiviren. Der Herr Justiz-Aktuar a. D. erklärte: es sei gar nicht seine Absicht gtwescn, unter solchen Förmlichkeiten einen Verein zu gründen, hätte er dies voraus gesehen, so hätte er die Sache lieber ganz bei Seite gelassrn, er halte sich an das Reale, nicht an's Formelle. Sein Programm habe nur einen Paragraphen, derselbe laute: wir streben uach Er- langung vo« Kenntniß der heutigen Gesetzgebung speziell in dem Polizei- und Vcrwallungswrsen. Dazu brauche man keine lange Geschichten und viel Geschrei. Wer also eintreten wolle, solle e« thun, dann werde er später seine Vorträge halten. Das war der ganze Vortrag. Wer den Herrn ansah, wie er verzweifelt gleich einem Ertrinken den das Notenpultchen umklammerte, konnte sich eines mitleidigen Lächelns nicht erwehren. Vergeblich waren alle Bemühungen der Herren Winter und Linkugel, den Vortrag in Fluß zu bringen, der Einberüfer gab nur noch die Erklärung ab, seinem Verein solle Politik, Re- ligion und Parleiungen fremd bleiben, weiter fei nichts zu erklären, man möge erst den Verein gründen. Da« war den Anwesenden denn doch zu viel. Ein gründliches herzhaftes Lachen belohnte verdientermaßen di-jen gründ- lich sich blamirenden Volksvereinspflanzer, der auf feinem Stuhle Bewegungen machte, al« sitze er aus glühenden Kohlen. Die Herren Wolf, Linkugel und Winter enthüllten nun aber auch den Herrn in seiner ganzen Nüchternheit(?). Auch stellte es sich heraus, daß die Versammlung gar nicht polizeilich angezeigt, mithin der Mann, der das Volk über die Gesetze aufklären wollte, dieselben selbst nicht kannte. Da bei seiner größcstcn Scclenqual meldete sich sein rettender Engel, der Wirth des Lokals, Vater Lorcnzen, zum Wort und setzte in einer ganz anständigen Rede auseinander, wa« der Herr Dokior und Jnstiz-Akluar a. D. nicht konnte: den Zweck de« zu gründenden Vereins. Dieser Zweck war, so weil wie wir ihn verstanden haben, die Errichtung einer neuen Art Winkeladvokatur, der betreffende Herr wollte Bücher her- ausgeben, Reden reden u. s. w. und die Mitglieder soll- tcn monallich 8 Sch. bezahlen, denn Viele können Einem Helsen! Zu diesem Vorhaben hatte man sich einige 50 bis 80 Spießbürger herbeigewünscht, aber, meinte der Sprecher, Rednern aus den großen Vereinen in Hamburg und Al- tona sei der Herr Justiz-Akiuar nicht gewachsen. Letzterer schien völlig einverstanden und fühlte sich anscheinend hinter dem breiten Rücken de« Redner« ganz behaglich. Dieser gab, mit einer Handbcwegung nach seinem Schmerbauch, den guten Rath, die Arbeiter möchten bei Reichstagswahlen und in ihren Versammlungen darüber sprechen, daß nicht alle da« schöne fette Rtndvieh, ohne Ausgangszoll zu zahlen, nach England geschickt würde. Dieser Ausgangszoll würde eine andere Steuer von den Aibcitern wälzen, oder diese würden durch billigere Fleischprcisc sich in natuni die Ochsen dienstbar machen. Es sprachen noch mehrere Herren und es wurden Zweck und Bestrebungen der Arbeitet Partei gegenüber den Bestrebungcr jenes Herrn klar gelegt, ihm auch gesagt, wer die Versammlung so vollzählig gemacht und daß, wenn wir nach Hause gingen, er allein stehe. Der Herr Justiz-Aktuar rief wie aus einem bösen Traum erwachend:„dann gehe ich mit!" Wiederum erzitterte der Saal von hellem Lachen, jedir fühlte, daß, wenn ein vorlauter Bursche gezüchtigt ist, sich Niemand mehr um ihn kümmert. Der Herr Justiz-Aktuar halte die Sache .doch nicht allein ausgeheckt, denn in Betreff der Annonce agte er hernach privatim: daran habe ich nicht Schuld, das haben die„Andern" gelhan; diese„Andern" hallen e« aber vorgezogen, nicht zu erscheinen. Die Gelegenheit wurde noch zu einer Agitation sür die Wahl benutzt, indem die Anwesenden darauf aufmerksam gemacht wurden, wie klein lich man es anfange, um Zersplitterung unter die Ar beiler zu bringen. Die nachsolgende von den Herren cinhos lltid Hartmann eingebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die hemige Volksversammlung erklärt sich inlschicdin gegen die Gründung eines Volks Vereins oder JnsormationS-KlubS und befürwortet den An schlnß an den Allg. deutsch. Arb.-Verein; sie verpflichtet ich ferner mit aller Macht dahin zu streben, daß bei der nächsten ReichslagSwahl ein Arbeiter als Abgeordneter zewählt werde." Hierauf wurde die Versammlung ge- chlossen und unter den Klängen der Arbeitermarseillaise entfernte man sich, noch oftmals an die komische Rolle des Jnformationshelden denkend. Dieser wie alle andern seine« Gleichen werden die Lehre beherzigen: das Volk läßt nicht mit sich spielen. Wollt Ihr es belehren, so müßt Ihr selbst etwas tüchtiges wissen, leeres St »r-seben in t-lrf-t n-fbr an der Zeit! O. Reimer. In einem Winkel des Hofes verborgen stand Matten und betrachtete staunenden Auges das ihr gänzlich neue Schau- spiel, während Tommaso neugierig die glänzenden Uni- formen und Waffen der Reiter musterte, und die weiße Henne laut gackernd zwischen den Beinen umherlief. Mattca'S Augen gewöhnten sich allmählich an den neuen Anblick, uud eilt Dragoner, welcher das junge Mäd- chen bemerkt hatte, näherte sich ihr und knüpfte ein Ge- spräch an. Der Soldat war jung, hübsch und von mar« tialistischem Aussehen; Maltea war eine kleine Kokette und durchaus nicht in Tommaso, den ihr der alte Buona- parte zum Galten bestimmt, verliebt. Was der junge Dragoner ihr zugeflüstert, wissen wir freilich nicht, aber so viel ist gewiß, daß sie Tommaso, als er zu ihr spre- chen wollte, unter dem Vorwande, es sei zwölf Uhr und Zeit, dea Angelus zu läuten, fortzuschicken versiichte. Tom- maso, dessen Eifersucht erregt war, wurde leidenschaftlich und wollte sich nicht entfernen. Da nahm ihn der Dra- goner beim Kragen, drehte ihn einige Male im Kreise herum uud schleuderte ihn dann einer Gruppe seiner Camcraden zu. „Bist Du-S, Tölpel!" rief einer Krieger,„der zur Kirche läutet und Amen zum Paternoster spricht, anstatt ein Mann zu sein uud dem Kaiser zu dienen? Ein rei- cnder Posten, der Beitelvogt dieses elenden Dorfes zu 'ein! Höre auf mich, mein Bursche, laß den Glockenthurm stehen und geh mit uns. Wir geben Dir eine hübsche Uniform, einen langen Säbel und ein glltes Pferd, und wahrhaftig, Du würdest ein schmucker Dragoner sein!" „Fesselt Dich diese Schöne da," sprach ein anderer Dragoner, aus Mattca zeigend, die mit ihrem neuen An- bcter eine ernste Unterhaltung führte,„sieh nur hin, Du icheinst ihr ziemlich gleichgültig zu sein, denn Soldaten hat steigern, sich nur gut hin uud üb-rzrnae Dich." Während dieses Gesprächs vertiicb sich ein dicker Dra- goner die Zeit damit, des Hofgeflügel aufzujagen, und die weiße LieblingShenne des Pfarrers bemühte sich ver- geblich, den Händen ihres Verfolger« zu entgehen. „Maltea! augenblicklich gehst Du zu Deiner Mutter heim!" rief der Pfarrer aus dem Fenster!„und Ihr Dragoner! laßt das Huhn in Ruh!" Der schwache Ruf des Pfarrers besaß nicht die Macht der Befehle Napoleons. Der eine Dragoner ließ sich in der Untcihallung mit dem Mädchen nicht stören und der andere setzte die Verfolgung der geängstetcn Henne ruhig ort. Tommaso streichelte»it der eineu Hand den Rücken eines Pferde«>«nd die andere spielte mit einem Säbel- Verbands-Theil. (Für den Allg. deutsch. Arbeiterschafts-Verband.) Allg. dentsch. Gewerkschaft der Schneider, Kürschner »nd ftappenjuscher. Dortmund, 5. Mai.(Siegreicher Strike der hiesigen Schneider. Bewegung unter den Tischlern und Zimmerern.) Am 25. April ver- sammelten sich daher die Schneider, fest entschlossen, nicht mehr um den bisherigen Lohn zu arbeilen; es wurde daher ein Comilö gewählt, welches sodann 15 Prozent Lohnerhöhung von den Meistern verlangen sollte. Die Forderung wurde auch ohne Schwierigkeiten bei den Prinzipalen durchgesetzt. Auch Tischler uud Zimmerleute regen sich sehr und haben die Arbeitsstunde von früh 5— 6 Uhr verweigert; auch wird noch mehr von ihnen zu gewärtigen sein. Da Dortmund früher nie Strike» kannte, so glaubten viele der altern Leute, solches könne dahin gar nicht vorkommen, allein nun sehen sie, daß es die Schneider durchführten, und fürchten, daß sich die übrigen Gewerkschaften auch in Bewegung setzen lönnlcn, denn auch für diese ist jetzt die gelegenste Zeit, um Lohn- -rhöhung, Arbeitszeitverkürzung und dergleichen fordern zu können. Mit social-demokralischem Gruß C. Kalbfcisch. Ans Münden wird uns berichtet, daß daselbst ein Strike erfolgt sei. Es wird nicht dabei bemerkt, inner- halb welche« GewerkeS; doch ist es wahrscheinlich, daß die Schncidergehlllfen striken. In Wismar und Milweida stehen Strikes der Schneider in Aussicht. Der Zuzug muß nach dort ab- gehalten werden._ Gcwerkverei» deutscher Holzarbeiter. In Carlsruhc ist, wie uns telcgraphijch gemeldet worden ist, die Arbeitseinstellung der Schreiuer jetzt er- olgt; vor Zuzug wird somit gewarnt. Allgemeiner deutscher Zimmerer-Berei«. Tesstn, 13. Mai.(Zuni Strike.) Ich mache allen Zimmergcsellcn Deutschlands die Anzeige, daß wir im Sinke begriffen sind. Unsere Meister behalten nämlich jeden Tag u, Mann 3 Sch. Lohn mit der Erklärung ein, Dies wollten sie uns zum Herbst geben. Aber sie richten es so ein, daß Mancher dies Geld garnicht bekommt. Es ist also in Wahrheit eine Verkürzung des Tagelohns um 3 Sch. E« gicbt in der Thal in ganz Mecklenburg nicht lolche Meister, wie hier in Tefsin, nirgends wagt man den Gesellen so etwa« zu bieten. Ich niache daruni alle Zimmrrgescllen Deulschland« darauf aufmerksam, daß sie nicht nach hier zureiscn dürfen, bis unser Strike beendet ist. Mit social-demokratischem Gruß W. Keller, Bevollmächtigter. griffe. Plötzlich holte der verliebte Dragoner sein Pferd herbei, schwang sich darauf, zog mir beiden Händen Mallea neben sich aus den Sattel, und ohne aus den Angstruf des Pfarrers zu achten, gab er dem Thiere die Sporen und 'prcngte mit dem italienischen Mädchen davon. Ja dem selben Augenblicke erhaschte der dicke Dragoner die weiße Henne. .Mattca! Mattca! Ach meine arme Bianca! Dragv- ncr, laßt das Huhn los!" kreischte der Pfarrer mit zittern- der Summe. Tommaso, die Nothruse seine« Herrn hörend, sprang zur Rettung dis Huhns herbei. Der arme Bursche, nicht im Stande, seine Geliebte zu befreien, setzte Alles daran, Bianca den mordlustigen Händen de« Kriegers zu rnt- reißen. Bnonapartc verließ sein Zimmer und begab sich zum General. Der arme Mann war leichenblaß und zitterte am ganzen Leibe. „Was giebt c«, Monsignor?" fragte der General. Was hat Sie in solchem Grade aufgeregt?" „Mein Herr", erwiderte Buonaparte in schmerzlichem Tone,„mein Pflegling, meine thcure Mattca, ist von einem Ihrer Leute enisührl worden." „Wie, man hat es gewagt, ein junge« Mädchen aus dem Hause des Oheims meines Kaisers zu entführen! Der Bursche soll seiner Strafe nicht entgehen; noch in dieser Stunde wird er erschossen. Holloh! Brigadier! welcher von den Leuten hat sich diese« Verbrechens schul- big gemacht? „Kein Blutvergießen, ich beschwöre Sie, Herr General, um des Himmelsw'llen, kein Blulvergicßen! Ist der Soldat ein guter Mensch, so möge er Maltea zum Weib nehmen." Weder Gewalt noch ein Verbrechen war verübt worden. Die plötzlich bezauderte florentinische Helena war mit ihrem Paris, der übrigens ein tapferer Soldat war und Anwarlschasl aus Kreuz der Ehrenlegion besaß, freiwillig aus« und davongegangen. „Auf der Stelle soll er sie heirathco. Ich bürge dafür," bemerkte der General im strengen Tone. Schüchtern und ängstlich sah sich der Pfarrer nach seiner LieblingShenne um, aber die Strenge de« Generals, der vrm Erschießen gesprochen halte, verlieh seiner Angst keine Worte. Er wollte das Llben eines Menschen nichi auö Liebe zu einem Huhn auf's Spiel setzen. Plötzlich kam Tommaso zurückgelaufen, die geliebte Bianca in den Armen. Da« arme Thier war halblodl e ne blauen Augenlider schloffen die runden Augen und Zur Arbeiterfrage. assalle« Rede bei der am 18. April 1863 in Leipzig abgehaltenen Arbeiterversammlung. Die zum 16. April 1863 vom Comilö zur Gründung eine« Deutschen Ardeilervereins zusammenberufene Arbeiter- Versammlung war stärker al« alle vorhergehenden Ver- ammlungcn besucht, weil Ferdinand Lassallc in derselben sprechen sollte. Es waren mehr als 4000 Per- onen zugegen, unter denen freilich auch einige Studenten, Kauflcute und Meßsremde sich befanden.— Der mit überwiegender Majoriiät durch Acclamation erwählte Bor- ätzende Julius Vahlteich eröffnete die Sitzung uud gab zmiächfl Ferdinand Lassalle das Wort. Nach der stenographischen Auszeichnung des Dr. Carl Ulbricht lautet die Rede Lassallc'« wie solgl: Arbeiter! Schon seit lange bin ich von Ihrem Comitö aufgefordert worden, nach Leipzig zu kommen, um Sic zu sehen und zu Ihnen zu sprechen. Ich habe es bisher ausgeschlagen, denn es war durchaus nicht meine Abficht, persönlich eine Agitation unter die Arbeiter zu weisen oder eine Auslegung irgend welcher Art hier zu verbreiten. Daraus erhielt ich von dem hiisigen Eomilö eine Anfrage, welche Sie kennen:— und da ich gefragt war, so war es meine Pflicht, al« ehrlicher Mann zu antworten, eine Pflicht, die ich nach bestem Wissen erfüllt zu haben glaube. Nachdem Sie nunmehr der AuSsührung, welche mein Anworlschreibcn enthält, beigetreten sind, nachdem .iic sich zu meiner Ansicht bekannt haben, so daß also von keiner Seite gesagt werden kann, daß ich Sic durch persönliches Auftreten, durch meine Reden, durch Ver- führung hinzureißen versucht hätte,— nun konnte ich zu Ihnen kommen und zn Ihnen sprechen. Es liegt darin dieser Unterswied: dem Arbeiterstande, welcher die An- die stcisen Füßchcn waren kaum im Stande, den schwäch- lichen Körper zn tragen. Der Pfarrer nahm die Henne auf uud flößte ihr in den geöffnete» Schnabel einige Tropfen stärkenden Wein ein; allmählich erholte sie sich und begann zn flattern. Diese willkommene Gelegenheit benutzte Tommaso, um den Geistlichen anzureden. „Ehrwürdiger Herr," begann er,„ich habe Matte», meine Gclicbic, verloren; mich fesselt nicht« mehr hier; die Soldaten haben mir in Aussicht gestellt, ich könnte eines Tage« cur Capitän, ein Oberst, ein Marschall von Frankecich und ich weiß nicht, was sonst noch Alles werden. Ich— ich— habe mich als Dragoner anwirben lassen."' Buonaparte blickte traurig aus den General, und die weißen Federn seines LieblingShuhn« zärtlich streichelnd, sprach er: „General, ich danke meinem Neffen, dem Kaiser, für seine liebevollen Gesinnungen, die er für mich empfindet, aber ich ziehe eS vor, der Seelsorger des armen und un- bekannten Dorfes zu bleiben, wo ich fo lange glücklich war. Ich zögerte nur einen Augenblick, und Sic sehen, Gott hat mich bestraft..... Sagen Sic Lälilia, daß ich hoffe und sest glaube, sie sei noch cvcn so gut und gewissen- hasl, wie sie es al« kleines Mädchen war..... Küssen Sic weinen Neffen, den kleinen Napoleon, in meinem 'Nomen; möge Gott sie Alle auf ihren Thronen erhaltcnl Sie sind gute Kinder, daß sie an ihren allen Oheim ge- dacht Hab. n, aber ich wünsche weder einen BischosSsitz, noch die Tiara eines CardinalS..... Und Sie, mein General, gehen Sic, und wenn Sie die Wünsche de« Oheim« Ihre« Kaiser« ehren, kommen Sic niemals wieder." Wenn Napoleon einem feiner Offiziere einen Befehl ertheilte, so mußte derselbe ausgeführt werden, c« koste, was c» wolle. Wenn der Kaiser sagte:„Sic nehmen diese Stadt", so mußte sie genommen werdest; es stand geschrieben, doß sie fallen sollte. Nun hatte er zu dem General gesagt: Sie werden meinen Oheim, den Pfarrer, an« seinem Dorfe nehmen, ihn veranlassen, nach Pari» zu kommen oder nach Rom zu gehen; er muß entweder in meiner Nähe oder in der des Papstes weilen; gleichviel, was er vorzieht, in beiden Fällen ist seine Wohlfahrt ge- sichert; er muß mindesten« ein Bischof werden. Der General, eingedenk dieser Worte, erhob Gegen- Vorstellungen, bat, beschwor und bestand schließlich darauf, dcß der Pfarrer seinen Entschluß ändern müsse. Der oravc Soldat konnte e« nicht verstehen, wie Jemand da» Sroßkreuz der Ehrenlegion, ein BiSlhum, die Revenuen sichte» betennt, die ich Ahnen entwickelt habe, diesem will ich meine� Intelligenz und meine Energie zur DiSposiiion stellen,— eine gewallsame Agitation unter den Arbeiler- stand zu schleudern, sallS er zu jener Einsicht noch nichl reis wäre, ist meine Absicht nicht. Die Wulh meiner Feinde, nachdem meine Antwort an das(Sornite veröfsentlicht worden war, ist grenzenlos gewesen. Daß ich Ihnen, meine Herren, daß ökonomische Gesetz vcrralhcn habe, welches den Arbeitslohn der ar- beitendcn Klassen regelt, an welches Ihre Existenz wie mit eisernen Klammern geschmiedet ist, Das hat man mir nicht verziehen; es haben sich Stimmen des Unwillens gegen mich erhoben, wie im Alterthumc etwa gegen einen Priester, der die Geheimnisse der Ems verrathen. Wären meine Feinde Römer, sie hätten mich niedergestoßen auf offenem Markte, wie die Patricier eins} den G.acchen thaten. Meine Feinde sind aber keine'Römer, und so haben sie versucht, mich mit Verläumdnngen nicderzu stoßen statt mit dem Schwerte. Es gicbt keine De schimpfung, die gegen mich nicht geschleudert ist, seitdem ich Ihnen meine Antwort zugehen ließ. Ein Berliner Blatt, die„Tribüne", erklärt mein Austreten auf folgend Weise: Ich bin, wie Sie wissen, vor Kurzem wegen meines Arbeiterprogramms zu 4 Monaten Gefängniß vcrnrtheilt worden; darauf hin sagt nun jenes liberale Blatt, ich hätte in meinem„Anworischreibcn" eine Apostasic begangen, hätte mich mit der Regierung vertragen, um — während jener Hast eine mildere Behandlung zu er- langen.(Heiterkeit.) Das ist empörend, wenn Sic eS solchergestalt auffassen: Jene 4 Monate Haft, deren ich mich nicht rühmen will, sind eine Wunde, die ich in Ihrem Dienste empfangen habe, und aus dieser Wunde selbst sucht man ein Gift gegen mich zu gewinnen. Ein anderes, angeblich radicales Blatt, die„Reform", erklärte, ich sein Renegat geworden, sei da angelangt, wo Bruno Bauer hingekommen. Bon Seiten der Bourgeoisie war ich allerdings auf solch eine Begegnung gefaßt; ich wußte, daß, wer sich sllr Sie, die Arbeiter, erhebt, den Giftbecher der Verleumdung bis zur Neige leeren muß. Was mich aber einigermaßen überrascht hat, was mir den Schmerz einer Sekunde verursacht hat, war, dieselbe Beschimpfung im Munde von Arbeitern, wenn eS auch nur ganz vir einzelte waren, zu finden. Sic erinnern sich, meiue Herren, der von dem Arbeitelvcrein in Nürnberg unter- zeichneten Erklärung, in welcher ich als gedungenes Werkzeug d.r Rcaction bezeichnet wurde, ich, ein Mann der zwei Jahre im Gesängnisse gesessen, der drei Criminal processe durchgemacht hat, und' welcher, was selbst seine Feinde gestchen, während 15 Jahren in allen seinen Conflicten mit der Regierung stets eine durchaus stolze, ja schroffe revolutionäre Ateitude festgehalten hat, eine viel stolzere und principiellcre als die ganze Forlschritts Partei, die mich jetzt''verläumdet.(Zeschen und Bravo.) Es geht mit deshalb nicht bei, alle Glieder der Fori schriltSpartei der Berlänmdung zu beschuldigen, ich habe in dieser Paetei selbst liebe Freunde, aber von der Presse welche für sie arbeitet und ihr dient, von ihr sind diese Beschimpsungen ausgegangen. Diese Beschimpfungen trafen mich aus dem Grunde, weil ich Ihnen, den Ar bcilern, geantwortet hatte. Als ich hierher kam, war es mein- Absicht, Alle«, was in sachlicher Weise gegen meine Ansicht eingewendet worden ist, zusammenzufassen, eS zu beleuchten und zu widerlegen; ich kann diese Absicht aber wegen meines heutigen körperlichen ZustandeS nicht er- füllen und muß mich auf das Hauptsächlichste beschränken Sie erinnern sich, daß kurz nach dem Beschlüsse Ihrer Versammlung vom 24. März eine andere Versammlung in dieser Stadt abgehalten worden ist, in welcher ein Herr I)r. Max Wirth die Kühnheit hatte, zu behaupten, daß das ökonomische Gesetz de« Arbeitslohnes, wie ich es Ihnen mitgcthrilt habe, nicht wahr sei; ernannte es einen überwundenen, längst widerlegten Standpunkt. Ich hatte dieses Gesetz so sormnlirt: „Das eherne ökonomische Gesetz, welches unter den heutigen Verhältnissen unter der Herrschaft von An gebot und Nachfrage nach Arbeit den ArbeitSloh bestimmt, ist dieses: daß der durchschnittliche Ar beitSlohn immer auf den nothwcndigen Lebens einer Diöcese, die Würde und den Einfluß eines Ear dinalS verschmähen könne. Der bescheidene Priester ver- Harne indessen fest bei seinem Entschlüsse, widerstand den Bitten des Generals und als dieser zuletzt Drohungen gebrauchte, entgeguele er mit der Gereiztheit eines Corscn �.General, ich habe Ihnen meine Antwort ertheilt und werde nichl einen Finger breit davon abweichen." Der enttäuschte General sah sich zum Rückzug gc nölhigt, ohne seine Mission erfüllt zu sehen. Wenige Minuten später verließ er mit stiner lärmenden Escorte das friedliche Dorf. Als Napoleon von dem schlechten Erfolge seines Gc sandten Kennlniß erhielt und von dem gänzlichen Mangel an Ehrgeiz in einem Bonaparlc, zuckte er seine Achseln mit verächtlichem Mitleid. Mattea hcirathete den Dragoner; zwei Jahre nach diesem Ereignisse wurde sie Frau Oberst titulirt. Tom maso zeichnete sich als tapf.rer Soldat aus und trug sehr bald die Epanletten eines CapitänS der kaisirlichen Garde., Der Pfarrer Buonaparte starb noch vor dem Unglücke lichen Ende dci ersten Kaiserreichs. Er war— schließt der Bericht, dem diese lleine Erzählung entnommen ist— der Glücklichste seiner Familie. der —(Kolossale Schlauheit.) Ein Börsenscandal wurde am Dienstag mit glänzendem Erfolge in Scene gesetzt. Von Wien wurde„Panik" gemeldet, die man sich Anfangs nicht erklären konnte, bis sich plötzlich das Gerücht verbreitete, in Wien habe man Nachricht von einem Attentat auf den Kaiser Napoleon, während die nach Berlin bestimmten Deprschen zurückgehalten worden wären. Der kritische Geist der Berliner verleugnete sich selbst in fast sprichwörtlich gewordenen LeichtglLnbigicit der Börs nicht ganz, und so war hier der Ersolq nicht recht durch schlagend. In Wien dagegen sind Millionen verloren ge gangen. Wie die Sache dort zuging, ist so charakteristiich für Oestrcich, daß die Einzelheiten bekannt zu werden ver dienen. Die Direktion des kais. köuigl. telegraphischen Bureaus hatte die Wahrnehinung gemacht, daß einzelne Börscnspikttlanten von eingehenden Telegrammen früher Kennlniß erhielten, als Andere. Um dem Verräther des Geheimnisses auf die Spur zu kommen wurde in die Setzerei des Bureaus eine erdichtete Depesche eingeschicki, die aus Paris das Attentat meldete. Es jwährlc nichl lange, so entfernte sich einer der Setzer. Er wurde beobachtet, man sah ihn einen Zettel mit Bleistift schreiben und einen Boten damit abschicken. Dem Boten wurde nachgegangen. Er begab sich in ein Kaffeehaus, übergab den Zeltet einem ihn dort erwartenden Gast, und dieser stürzte an die Börse. Damit hatte sich die Schlauheit der Direktion erschöpft. An der Börse in Wien hatte sich in wenigen Augenblicken der Inhalt der fingirten Depesche verbreitet, und die Kurse stürzten unanfhaltsam. Auch das Telegr aphiren au andere Börsen ließ sich nicht rasch genug verhindern, und so erfreute sich der seblane Direktor des k. k. Bureaus des umfassendsten Erfolges, allerdings des entgegengesetzten von dem, de» erbcabflch- tigt hatte. unterhalt reducirt bleibt, der in einem Volke ewohnheitsmäßig zur Fristung der Existenz nd zur Fortpslauzung erforderlich ist." Ebenso hatte ich die Gründe entwickelt, welche eS noth- wendig machen, daß diese« Gesetz herrsche. Vermehrt sich nämlich das nationale Eapital, steht der Lohn höher ale es nach dem oben Angegebenen nöthig ist, so vermehrt sich die Arbeiterzahl durch Vergrößerung der Zahl der Ehen und der Arbeiterkinder. Indem nun das Angebot von Händen steigt, drückt es in Folge der freien Concurrcnz den Lohn wieder so weit herunter, daß eben nur das zur Fristung des Lebens Nölhige verbleibt. Manchmal fall' der Lohn wohl auch auf eine kurze Zeit noch tiefer, dann mindert sich die Zahl der Arbeiter, die Nachfrage nach denselben übersteigt das Angebot und so steigt der Lohn wieder zn seiner normalen Höhe. Alles, was ich Ihnen hierüber schriftlich gesagt habe, ist nur eine streng conse- qnent entwickelte Folge aus diesem ehernen Gesetze. Da kommt nun Dr. Wirth und sagt, dies Gesetz, welches ich als einstimmig anerkannt bezeichnet habe, sei erlogen, sei längst widerlegt, und ich hätte Sie damit getäuscht! Sie werden an sich überzeugt sein, daß ich keine unwahre Be hauplung aufgestellt habe, indeß ist die Sache zu wichtig, als daß ich nicht daraus eingehen sollte, meine Angabe weiter zu belegen. Man soll nicht sagen, daß ich ein in vsrba msgistri jnrars, einen blinden Glauben an des Lehrers Worte von Ihnen verlange. Und da man be- treitet, daß dieses Gesetz von der Wissenschaft anerkannt ei, so muß ich Ihnen die nöthigen Belege beibringen. Hören Sie, was Sa», der Chef der französischen BouD gcoiS-Oekvnomie, sagt: Sa»(Conriä cornplet d'öconomie politique V. part. ch. X. p. 333. eck. Brnx.) sagt von dem Lohn der ordinären Arbeit Folgendes:„Da« Angebot dieser Arbeit wächst mit der Nachfrage nach derselben. Die Nachfrage kann de» Arbeitslohn ein wenig, aber sehr wenig, über die Höhe bringen, welche nothwendig ist, damit die Ar. beitcrfamilicn-xistiren und sich fortpflanzen können; d. h. über die Höhe, welche nothwendig ist, damit jede Arbeiter- amilie genug Kinder ausziehen kann,»m Vater und Mutter zu ersetzen. Wenn der Arbeitslohn nur ein wenig über dielen Stand hinausgeht, so vermehren sich die Ar beiterklndcr, und das größere Arbeitsangebot gleicht sehr bald die gestiegene Nachfrage aus." „Wenn, im Gcgcntheil, die Nachfrage nach Arbeitern zurückbleibt hinter der Anzahl von Leuten, die sich zur Arbeit anbieten, so fallen ihre Einnahmen unter den Punkt, welcher nothwendig ist, damit diese Klasse sich in gleicher Zahl erhalten kann. Die Familien, welche am meisten oon Kindern und Krankheiten gedrückt sind, gehen zu Grunde; in Folge dessen fällt nun das Arbeitsangebot, und indem jetzt weniger Arbeit angeboten wird, steigt ihr Preis. Man ersieht hieraus, daß es schwer ist, daß der Preis der einfachen Handarbeit lange über oder unter dem Standpunkte bleibt, welcher nothwendig ist, um die Arbeiterklasse in der Anzahl zu erhalten, deren man bc nölhigt ist, woraus sich nur die Schlußfolge ergicbt, daß die Einrahmen des einfachen Handarbeiters nicht das Maß dessen übersteigen, was nothwendig ist, um die Existenz seiner Familie aufrecht zu erhalten." Also genau diesen Tanz bald etwa« über, bald etwas unter dem äußersten Rande, den ich Ihnen geschildert habe. Oder vernehmen Sie den großen englischen National Oekonomen Ricardo(Eap. 5)„über den Arbeitslohn": „Die Arbeit, eben so gut wie alle Sachen, die man kaufen und verkaufen, und deren Quantität vermehrt oder vermindert werden kann, hat einen natürlichen Preis und einen Tagespreis. Der natürliche Preis der Ar deit ist derjenige, welcher den Arbeitern im Allgemeinen die Mittel liefert, zu existircn und ihre Racc ohne Ver mehrnng noch Verminderung fortpflanzen zu können." Er zeigt nun, daß der Tagespreis, wie ich Euch dies gesagt,' sich in den Schwankungen»in diesen natürlichen Preis bewegt, die ich Euch auseinandergesetzt.„Wenn" sagt er,„die Zahl der Arbeiter vermehrt wird durch eine vom Steigen der Löhne erinuthigtc Vermehrung der Br völkernng, so sinken die Löhne von Neuem auf ihren natürlichen Preis, und manchmal ist die Wirkung der Reaktion so groß, daß sie noch tiefer fallen." Ich muß mit meinen Citaten noch fortfahren; das I freilich nicht amüsant, ich bin aber auch nicht hierher ge kommen, um Sie zu amlisiren,'andern um Ihnen von Dingen zu sprechen, die Sie nahe angehen und Ihren ganzen Ernst erfordern. Herr Wirth hat die unerhört- Kühnheit gehabt, sich aus Ad. Smith und I. Stuart Mill gegen dieses Gesetz zu berufen. Hören wir also, was Smith sagt(Grundsätze, I. Th., 1. Buch, 8. Kap., p. 162 eck. Garn.): „Wenn die Nachfrage nach Arbeitern beständig wächst so muß der Arbeitslohn nothwendig einen solchen Antrieb zur Verheirathung und zur Vervicifältigung der Arbeiter zahl geben, daß sie im Stande sin», dieser immer- wachsenden Nachfrage durch ein gleichfalls stets wachsendes Angebot zu entsprechen. Nimmt man an, daß in einer Z)z Freunden und Parteigenossen die ergebene A»''j"" sie Sonnabend den 14. Mai ein CigarN»/ die 'N Großer Ncumarkt 52, eröffnet haben, und bil�ij� j, gütigen Auftragen zu beehren. I. H. Peter. tie Hamburg, 15. Mai.__. � Hm |_ 15. Mai.__ Möbelpiliier und zwei Grundirer aaf® erhalten dauernde Beschäftigung bei R e n z, Moritzstr. 9-, VerlobnligS-Anzeige. August Weiß. Therese Lübkert. Breslau.— AhreiiSböck. Druck von Jhring u. Haberlavdt in' Beravtwortl. Redakteur u. Verleger W. Grüwcl Wal i wfe al '"ionon 'Sm, ol auf !äi»nt Zander