Srscheint Wöchentlich einmal in Zürich �Schweiz) BttUg »il. Herter, Zndustrtehalle Riesbach-Zürich Postsciiiivngk» franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. N? 2 Der KoMeMmt Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Aöonuemeuts werden nur beim Verlag und besten bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbare ViertcljahrsprciS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mk. 3.— für Deutschland(Couvert) fl. l. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins(Kreuzband). Juseritk Di« dreigcspaltkne Petitzeil« 25 m.— 20 Pffl. Sonntag, 12. Oktober. 1879. Ali« all die Korrespolldeutell uud Adanuenten de«„Saiialbcmahcat". Do der Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Orsterre'ch verboten ist, bezw, versolqt wird und die dortiaen Behörden sich alle Mühe aede», nniere Berbindnnaen nach jenen Ländern moalechst zu erschwere», rcsp, Briese von dort an uns und unsere'stcitunaS- und ionstigen Ecndunac» nach dort abzusanqen, so ist die äusterste Vorsicht im Postverlchr nothwrndig und dar! leine"iorsichtSmahreget vccjänmt werden, die Bric'mardrr über den wahren Absender und Smpsänacr, sowie den Inhalt der S-nduiigen zu täuschen, und lehirre dadurch zu schütze». Hauptersordernitz ist hiezu einerseits, dost unsere Freunde so selten als möullch an den.Eozialdemolrat", resp. dessen Verlad selbst adrcsstren, sondern flch mödlichst an irgend eine unverdächtige Adresse ausserhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, dass auch u»S möglichst unversängliche ZustrllnngSadressen mitgctheilt werden, I» zweiselhasten Fällen empfiehlt sich bedusS grösserer Sicherheit Rctommandiruug. Soviel an uns liegt, werden wir gewiss weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent» gegcnstehcndc» Schwicriglciten den, Sozialdcmotrat" unser» Abonnenten möglichst regelmässig zu liesern, An unsere Leser in Deutschland und Hesterreich. Wie vorauozlisehen war, ist gegen den„Sozialdemokrat" alsbald nach seinem Erscheine» in dem dcutsch-österreichi- schcn Polizcigcbict eine eifrige Verfolgung eingeleitet worden. Während das Gros der sehr hohen Auslage der Probe- nnmmer ungcfährdel an seine Bestimmungsorte gelangt ist, wurde ein Theil derselben— wie bei der dermalen in beiden Reichen herrschenden Polizciwillkür und Brief- stieberci nicht anders zu erwarten war— theils gleich auf der Post unterschlagen, theils nach der Ablicserung durch letztere von der Polizei weggenommen. Indem wir unfern Lesern wiederholt die zur Sicherung unseres Bcr- kehres dienende Anleitung am Kopf unseres Blattes aus Herz legen, machen wir zugleich denen, welche den„So- zialdemokrat" nubchinderl empfangen, zur Pflicht, ihn denen, welche etwa durch Unterschlagung und Wegnahme ihrer Exemplare nicht in deren Besitz kommen sollten mit- zuthcilcn. Rur durch die Nachsicht, Opserwilligkeit und Mitwirkung Aller vermögen wir die edcnsalls mit verein- ten Kräflen und mit Hochdruck arbeitende Polizei zn über- listen und ihr zn widerstehen. Tast der„Sozialdemokrat" in Teutschland bereits ver- boten ist, melden wir hier nur einfach. Wir haben auf diese Ehre von Anfang au gerechnet. Eine weitere Be- deutung hat das Berbot für uns und unsere Leser nicht, es wäre denn die unfreiwillige Agitation, welche durch die Beröstcuilichnug desselben besonders da, wohin unsere Probenummern nicht gedrungen, für unser Parteiorgan ge- macht worden ist. Rechenschaftsbericht der sozialdemokratischen Mitglieder des deutschen Reichstages. Wähler! Parteigenossen! Durch das Ausnahmegesetz, welches die deutsche Sozialdcmo- kratie außerhalb des gemeinen Rechts gestellt hat, ist es uns un- möglich gemacht geworden, Euch in öffentlichen Versammlungen Be- richt über unsere Thätigkeit und Stellung im Reichstag r» erstatten; wir sehen unc- daher genöthigt, unserer Pflicht hiermit durch diesen schriftlichen Rechenschaftsbericht zu genügen. Wir müssen in unserem Bericht hinter die gegenwärtige Legis- laturperiode zurückgreisen. Als am 11. Mai vorigen Jahres der Halbidiot Hödel-Leh- mann unier den Linden in Berlin die bekannten Revolverschüsse abfeuerte, wurde es durch die Haltung gewisser Zeitungen und durch verschiedene hier nicht näher zu bezeicbnende Vorkommnisse sofort klar, daß die Reichsrcgierung,— welche unmittelbar vorher mit ihren Steuerprojcklen Seitens der liberalen Majorität »n Reichstag eine schwere Niederlage erlitten hatte,— der reak- tionärcn Tradition folgend, aus jener That den Ausgangspunkt einer Politik der Reaktion zu machen beabsichtigte. Und richtig: wenige Tage nachher wurde dem Reichstag der, unter dem Namen„Hödelgesetz" historisch gewordene Gesetzes- entwurf vorgelegt, welcher die deutsche Sozialdemokratie als die fortgeschrittenste, folgerichtigste und zielbewußteste der Sppositions- Parteien, an Häiiden und Füßen geknebelt, der Polizei auf Gnade und Ungnade überliefern sollte. Die Urheber dieses Gesetzentwurfes hatte» sich indeß verrechnet. Trotz der Hetzereien eines gewissen Theiles der Presse blieb die öffentliche Meinung dem geplanten Ausnahmege>etz abgeneigt und die liberalen Parteien beschlossen einmüthig, dasselbe zurückznwei- scn. Unter solchen Umständen erachteten es die sozialdemokratischen Abgeordneten für das Rathsamste im Interesse der Partei, sich von den Debatten über den Gesetzeseniwurf fernzuhalten, und nur eine kurze Erklärung abzugeben, die also lautete: „Erklärung der sozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten. „Ter Versuch, die That eines Wahnwitzigen, noch ehe die gerichtliche Untersuchung geschlossen ist, zur Ausführung eines lang vorbereit.ren Reaktiousstreichs zu benutzen und die„mo- ralische Urheberschaft" des noch uncrwiesenen Mordattentats auf den deutschen Kaiser einer Partei aufzuwälzen, welche den Mord in jeder Form verurtheilt und die wirthschaftliche und politische Entwicklung als von dem Willen einzelner Per- sonen ganz unabhängig auffaßt, richtet sich selbst so vollstän- big in den Augen jedes vornrtheilslosen Menschen, daß wir, die Vertreter der sozialdemokratischen Wähler Deutschlands, uns zu der Erklärung gedrungen fühlen: „Wir erachten es mit unserer Würde nicht vereinbar, an der Diskussion des dem Reichstage heute vorliegenden AuS- nahmegesetzes theilzunehmen und werde» uns durch keinerlei Provokationen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in diesem Entschluß erschüttern lassen.— Wohl aber werden wir uns an der Abstimmung betheiligen, weil wir es für unsere Pflicht halten, zur Verhütung eines beispiellosen Atz tentats auf die Volksfreiheit das Unsrige beizutragen, indem wir unsere Stimmen in die Wagschale werfen. „Falle die Entscheidung aus, wie sie wolle— die deutsche Sozialdemokratie, an Kampf und Verfolgungen gewöhnt, blickt weiteren Kämpfen und Verfolgungen mit jener zuversichtlichen Ruhe entgegen, die das Bewußtsein einer gu- ten und unbesiegbaren Sache verleiht. Berlin, 23. Mai 1878. Auer. Bios. Bracke. Temmler. Fritz s che. Hasen- clever. Kapell. Liebknecht. Mass Mottete r. Rittinghausen. Am 24. Mai wurde das„Hödelgesctz" nach 2tägiger Debatte vom Reichstage mit überwältigender Majorität(251 gegen 57 Stimmen) abgelehnt. Nach einer so entscheidenden Niederlage— der zweiten binnen kurzer Zeit— blieb dem Fürsten Bismarck keine andere Wahl als Abdankung oder Auslösung. Aber abdanken wollte und auflösen konnte er nicht; die öffentliche Meinung war gegen das Ausnahmegesetz, ebenso wie sie gegen die Steuerprnjekte des Fürsten Bismarck war, denen er seine vorherige Niederlage im Reichstage verdankt hatte. Da krachten einige Tage später, am 2. Juni,— wiederum unter den Linden— die Schrotbüchsenschüsse des Dr. Nobiling. Unter normalen Verhältnissen würde diese wahnsinnige That, zumal bei der Schnelligkeit, mit welcher sie auf den Streich Hödel- Lehmann folgte, schon eine bedeutende Ausregung hervorgebracht, Besorgnisse erweckt, Leidenschaften ausgestachcli haben. Durch die in offiziöses, ja theilweise in offizielles Gewand sich hüllende Lüge, daß der notorisch naiionalliberale Dr. Nobiling ein Sozialdemokrat sei, daß seine That der Ausfluß einer sozial- demokratischen Verschwörung, und daß er Geständnisse in diesem Sinne gemacht; durch die von ehrlosen Subjekten und gcdanken- losen Nachbetern Tag für Tag in Hunderten und in taufenden von Zeitungen kolportirten Verläumdungen- gegen die Sozial- demokratie; durch massenhafte Haussuchungen und Verhaftungen — wurde das ohnehin tiesbewegte Bvlksgemüth bis zur Unzu- rechnungsfähigkeit aufgeregt. Und die liberale Presse, statt die ihrer eigenen Partei drohende Gefahr zu bemerken, und zu ruhiger, kühler Er- wägung zu mahnen, hals in toller Verblendung und aus kin- dischem Haß gegen die Sozialdemokratie das Feuer noch schüren. Das Eisen war zur Weißgluth erhitzt: es konnte aeschmiedct werden. Am 10. Juni löste Fürst Bismarck den Reichstag auf. Das hätte die Liberalen zur Vernunft bringen müssen. Ter Sozialdemokratie konnte die Auslösung nicht gelten. Seit dem Attentat Nobiling's hatte die nationalliberale Partei in Bezug auf das Ausnahmegesetz eine vollkommene Frontver- änderung exekutirt: sie war bereu, das Hödelgesetz zu bewilligen und, wenn es verlangt wurde, noch mehr. Und diese Bereit- Willigkeit, die von allen Dächern herab ausposaunt wurde, war für Niemanden ein Gehcimniß, am wenigsten für den Fürsten Bismarck. Tie Erniöglichung eines die Sozialdemokratie äch- tcnden Ausnahmegesetzes konnte also nicht der Zweck der Aus- lösung sein. Um den wahren Zweck zu erkennen, brauchte man blos mit offenen Augen um sich zu blicken. Die Anforderungen des Mi- litarismus hatten sich— Dank der tödtliche» Konkurren; mit Frankreich, Rußland und Oesterreich— derart gesteigert, daß das Armeebudget, kolossal wie es ist, nicht mehr ausreichte und dem Volk neue Geldopser zugemuthet werden mußten. Nun hätte zwar der Libe.alismus i» seiner kindischen Angst vor der Sozialdemokratie gern in jede Vermehrung unseres Heeres gewilligt, wenn Fürst Bismarck nicht die dazu nöthigen Mittel durch eine Zoll- unv Wirihschaftspolitik hätte ausbringe» wollen, die mit den wirthschaftlichen Anschauungen und Interessen eines großen Theiles der Liberalen nicht im Einklang war. Das Reichseisenbahnsystem und das T a b a k s m o n o p o l— die beiden Lieblingspläne des Fürsten Bismarck— standen im Widerspruch mit den liberalen und freihändleriichen Fundamental- dogmen der freien Konkurrenz, des laissez faire, laissez aller, der absoluten Ausschließung des Staats von Industrie-, Gewerbe- und Handelsbetrieb, welcher nach dem liberalen Manchester-Credo das Monopol der Privatspekulation sein soll. Und nicht minder schroff stand diesen Fundamentaldogmen der Plan des Fürsten Bismarck gegenüber, den internationalen Ver- kehr durch Schutzzölle zu hemmen, die angeblich oder ver- meintlich der heimischen Industrie aufhelfen sollten, und ferner dem Verfall des nationalen Handwerks durch rückläufige Zunft- Experimente zu steuern. Zuin Behuf der Durchführung dieser sogenannten Wirthschafts- und Steuerreform mußte der Liberalismus gebrochen und aus der Gesetzgebung oder doch aus seiner dominirenden Stellung in der Gesetzgebung verdrängt werden. Wer das erwägt, kann— auch wenn er das famose:„Sie sollen an die Wand gedrückt werden, daß sie quietschen!" ver- gessen haben sollte— keinen Moment darüber in Zweifel sein, daß die Auflösung sich nur zum Schein gegen die Sozial- demokratie, in Wirklichkeit aber gegen den L i b e r a l i s- mus richtete. Es hieße die Urtheilskraft der Nationalliberalen doch allzu niedrig anschlagen, wollten wir behaupten, sie hätten dies nicht begriffen. Allein in ihrer unglaublichen Kurzsichligkeit und Ver- blendung bildeten sie sich ein, die ihnen drohende Gefahr dadurch abzuwenden, daß sie sich mit verdoppelter Wuth auf die ihnen verhaßte Sozialdemokratie warfen und die reaktionäre Reptilpresse an gemeiner Denunziations- und Verläumdungssucht noch über- trafen. Sie sahen nicht, oder wollten nicht sehen, daß in der Sozialdemokratie nur die konsequenteste und deshalb der Reaktion unbequeniste Vorkämpfern der politischen Freiheit von der Reak- tion angefeindet, und daß durch Aechtung der Sozialdemokratie Bresche in den Liberalismus geschossen wurde. Die selbst- mörderische Taktik fand den verdienten Lohn. Während die ge- ächtete Sozialdemokratie, ohne auch nur ein Titelchen ihrer Prin- zipien zu verläugnen, furchtlos vor den Richterstuhl des Volkes trat, und, den unerhörten Anstrengungen der vereinten Gegner zum Trotz, als moralische Siegerin aus dem Wahlkampfe hervor- ging, wurde die nationalliberale Partei moralisch vernichtet. Stück um Stück warf sie, was ihr noch von Prinzipien geblieben war, der reaktionären Meute hin, um sich zu retten, und was sie er- reichte, war: der Verlust zahlreicher Sitze, die Zersprcngung der Partei, der politische Bankerott. Tie Sozialdemokraten, die im aufgelösten Reichstage zwölf Abgeordnete gehabt hatten, entsandten in den neuen Reichstag blos neun— ein Rückgang der Zahl nach—, wenn aber die damaligen Verhältnisse in's Auge gefaßt werden, ein außer- ordentlich günstiges Resultat. Man bedenke: Die öffentliche Mei- nung gegen uns auf's Furchtbarste verhetzt; jeder Sozialdemokrat in den Augen der gedankenlosen, fanatisirlen Masse mit dem Kainszeichen des Meuchelmorde? behaftet; die Partei vogclfrei erklärt; ein an die verderbtesten Zeiten des faulenden Römer- reiches erinnerndes Denunziantenthum Tag und Nacht an der Arbeit; die Epidemie der Majestätsbelcidigungsprozesse mit un- erhört hohen Strafen meist für Aeußerungen, die in gewöhnlichen gesunden Zeiten nicht gethan oder wenigstens nicht beachtet wor- den wären; schamlose Aufreizungen zu Gewaltlhätigkeiten gegen uns; die Sozialdemokraten aus der Arbeit gejagt, zum Hunger, wo möglich zum Hungertod verurtheilt; in den»leisten Staaten Teutschlands keine sozialdemokratischen Wahlversammlungen ge- stattel, oder durch Beeinflussung der Wirthe indirekt verhindert; die sozialdemokratischen„Führer" und„Agitatoren" zum Theil verhaftet oder jeden Moment mit Verhaftung bedroht— kurz, eine vollcnvete Schreckensherrschaft, der dieser Tage durch richterliches Urtheil(Prozeß Jahn vor dem Hofgericht zu Darm- stadt am 1. September d I.) das Brandmal der Schande auf- gedrückt worden ist, indem dieses Urtheil die in einem sozialdemo- kraiischen Wahlflugblatt zur Charakterisirung jener schmachvollen, ihren Tacitus erwartenden Epoche tiefster Erniedrigung Deutsch- lands gebrauchten Ausdrücke als berechtigt anerkannte. Und obgleich Alles gegen uns war, und wir allein standen mit unserm guten Recht, hatten wir überall da, wo wir unsere Kräfte entfalteten, insbesondere in Sachsen, Berlin, Breslau, Hamburg, Leipzig, Nürnberg, München und andern Großstädten mehr Stimmen zu verzeichnen, als bei der vorhergegangenen, unter normalen Bedingungen vollzogenen Wahl. Hätten wir unter solchen Umständen nur einen einzigen Kandidaten durch- gebracht, so wäre es schon ein Erfolg gewesen, und wir errangen neun Sitze! Die Gegner bezeugten durch ihre fast komische Verblüfftheit unwillkürlich die Bedenlung uiiscres Triumpfes— sie hatten mit Bestimmtheit darauf gerechnet, daß kein sozial- demokratischer Abgeordneter die reaktionäre Harmonie des neuen Reichstages stören würde. Im Herbst wurde der Reichstag zu einer außerordentlichen Session berufen, in welcher die von der Reichsregierung zum Auflösungszweck erklärte„ Schutzmaßrcgel gegen die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" erledigt, und für die weiteren Pläne des Fürsten Bismarck die Bahn frei gemacht werden sollte. Ungeachtet der in Wählerversammlungen feierlich abgegebenen Versicherung nationallibcraler Wortführer, daß sie um keinen Preis einem Ausnahmegesetz zustimmen würden, war es für jeden, der diese Kautschukpolitiker kennt, von vornherein keinen Augenblick zweifelhaft, daß sie ihrem Wort untreu werden und dem Fürsten Bismarck die Majoriiät verschaffen würden. Tie von der Reichsrcgierung vorgelegte Gesetzcsvorlage war ein Ausnahmegesetz in des Wortes schlimmsten Sinne! Die Sosialdemokratie wurde einfach dem Gutdünken der Polizei über- liefert. Die veränderte Lage gebot uns eine veränderte Taktik. Gegen- über dem No b ilin g gesetz, dessen Annahme sicher war, konnten wir nicht schweigen, wie gegenüber dem Hödel gesetz, dessen Verwerfung sicher gewesen. Auf die Einrelheiten der über volle 6 Wochen— vom 12. September bis 19. Oktober— sich erstreckenden Debatten haben wir hier nicht des Näheren einzugehen. Der amtliche stenographische Bericht jener Verhandlungen*) befindet sich in den Händen un- sercr Genossen. Genug: Jeder von uns, der nicht durch Ge- fängnißhaft an der Erfüllung seiner parlamentarischen Pflicht verhindert wurde, betheiligte sich, so weit es nur irgend möglich an den Debatten, wieS die wider uns geschleuderten Verläum- düngen zurück und verfocht die Sache der staatsbürgerlichen Freiheit. Sogar Reinders, der schon mit dem Tode rang, folgte dem Rufe der Pflicht und erhob, fast sterbend, mit der letzten Krait seiner kranken Lunge den Tod herausfordernd, von der Tribüne des Reichstages Protest gegen die Vergewaltigung unserer Partei durch dieses gemeingefährliche Gesetz. Wer die damals von den sozialdemokratischen Abgeordneten gehaltenen Reden liest und mit denen der Redner aus den andern Parteien ver- gleicht, wird zugestehen müssen, daß auf sozialdemokratischer Seite die Situation richtig aufgesagt, die Folgen der Annahme des Sozialistengesetzes treffend vorhergesagt, wurden während die nationalliberale Partei sich den albernsten Illusionen hingab und blindlings in ihr Verderben rannte. Es bedarf keiner Erwäh- nung, daß die Regierung den Beweis der behaupteten Mitschuld der Sozialdemokratie an den Attentaten nicht zu bringen ver- mochte, obgleich Auge in Auge von uns gefordert. Was wir erwartet hatten, geschah! Die nationalliberalc Partei stimmte geschlossen für das Sozialistengesetz, welches ein„Stoß ins Herz" des Liberalismus war; und am 19. Oktober 1878 wurden die in zweiter Lesung gefaßten Beschlüsse theilwcise noch verschärft und verschlechtert, von 221 gegen 149 Stimmen bewilligt, und die Vorlage zum Gesetz erhoben. Zwei Tage darauf, am 21. Oktober, wurde das Robilinggesetz vom Reichs- und Staatsanzeiger veröffentlicht und trat in Kraft. Wie wir vorausgesehen und vorausgesagt hatten, kam das Gesetz in der rücksichtslosesten Weise zur Ausführung. Nachdem schon am 26. Oktober mit einem Masscnverbot und Massen- Unterdrückung sozialistischer Schriften und Zeiiungen debutirt worden war, jagte in den folgenden Wochen ein Verbot das andere, eine Unterdrückung die andere, bis nichts mehr zu ver- bieten und zu unterdrücken war. Rekurse an die sogenannte „Beschwerdekommission" nützten nichts, die stereotype Antwort lautete:„Das Verbot der Unte>d>ückung ist zu bestätigen!" Und waren die Motive der Polizeibehörde etwas z u polizeiwidrig, so hieß es zur Abwechslung jedoch gleichfalls stereotyp:„— auch wenn die angegebenen Gründe vielleicht bestritten werden könnten, so ließen sich doch andere Gründe anführe», und ist folglich das Verbot aufrecht zu erhalten." Dieses Verfahren der Beschwerdekommission ist um so bemerkenswerther, als über die Zusammensetzung derselben ein heftiger Kampf im Reichstag entbrannt war und der Liberalismus Wunder geglaubt hatte, welchen Sieg er erfochten, indem durchgesetzt wurde, daß von den fünf Mitgliedern der Kommission mindestens drei dem Richter- stand angehören mußten. Heute kann man mit Fug und Recht sagen, daß dieser Streit ein Streit um Kaisers Bart war, denn wenn die Rcichskommijsion ausschließlich aus Polizeibeamten zusammengesetzt wäre, hätten ihre Beschlüsse nicht anders ausfallen können. Man hat dem Gesetz eine Auslegung gegeben, die selbst einen Kleist-Retzow voll befriedigen wird. Kein Wunder, daß in zahlreichen Fällen davon abgestanden wurde, von dem Recht der Berufung Gebrauch zu machen. In flagranter Nichtachtung der von nationalliberalen Rednern zur Wahrung des nationalliberalen Gewissens formulirten Jnter- pretationen, im Widerspruch mit den vom Regierungstisch aus gegebenen Versicherungen, wird dem Sozialistengesetz faktisch eine rückwirkende Kraft verliehen, die juristische Distinktion zwi- schen„Umsturz" und„Untergrabung" einfach ignorirt und jedes sozialdemokratische Blatt, jeder sozialdemokratische Verein verboten und unterdrückt, bloß weil es ein sozialdemokratisches Blatt, bloß weil er ein demokratischer Verein. Ja, cS sind Blätter, von denen die Behörde bloß vermuthete, daß sie mit der sozialdemokratischen Partei in irgend einer Verbindung stehen, wegen rein politischer Artikel unterdrückt worden, so daß sich als leitender Grundsatz bei Handhabung des Sozialistengesitzes der Presse gegenüber ergibt: jedes politische Blatt, von dem man annimmt, daß eS von Sozialisten geschrieben sei, wird unterdrückt. Leider ist es uns nicht möglich gewesen, diese Verbote und und Unterdrückungen im Reichstage zur Sprache zu bringen. Als der Rechenschaftsbericht über den Berliner Belagerungszustand zur Debatte gestellt ward, wandten wir uns an das Präsidium mit dem Verlangen, die gesammte Wirksamkeit des Sozialisten- gesetzes in de» Bereich der Diskussion zu ziehen, wurden aber nach einiger Bedenkzeit ablehnend beschieden. Wir werden indeß Gelegenheit finden, das Verfahren der Behörden vor das Forum der öffentlichen Meinung zu bringen, um nach Gebühr zu be- leuchten und zu gciseln. Obgleich die sozialdemokratische Partei durch ihre musterhafte Organisation es erreicht hatte, daß die Ausführung deö Sozia- listengesetzes nirgends auf ungesetzlichen Widerstand stieß, obgleich nirgends auch nur die geringste Gewaltthätigkeit und Ungesetz- lichkeit vorkam, welche auf sozialdemokratische„Bestrebungen" hätte zurückgeführt werden können, so wurde dennoch, nachdem durch «ine Reihe infamer Tendcnzlügen die öffentliche Meinung wieder aufgestachelt word.n war, die Rückkehr des Kaisers nach Berlin dazu benützt, um— am 20. November— in der Reichshauptstadt, welche dadurch vor aller Welt zu einer Mördergrube gestempelt ward, die schärfste Bestimmung des Sozialistengesetzes *)„Die Sozialdemokratie vor drm deutschen Reichstage." Hamburg 1878, Druck und Verlag der GenosscnschaflS-Bnchdruckerei(;.@.) Preis 2 Mark. in Anwendung zu bringen und den sogenannten„kleinen Bela- gerungszustand" zu proklamirm. Weder im Abgeordnetenhaus noch später im Reichstag wußte der Minister des Innern, Gras Eulenburg der Jüngere, die geringste Thatsache anzuführen, welche die unerhörte Maßregel zu rechtfertigen geeignet gewesen wäre. Tie Disziplin der So- zialdemokratie bewährte sich auch jetzt so gut, daß nicht einmal diese, durch ihre absolute Grundlosigkeit doppelt beleidigende Maßregel Gewaltthätigkeiten hervorzurufen vermochte. Unter oen zahlreichen Opfern des„kleinen Belagerungs- zustandes" befinden sich auch zwei sozialdemokratische Reichstags- abgeordnete. Es tauchte infolge dessen die Frage aus, ob die Reichsregierung den einschlägigen Paragraphen des Sozialisten- gesetzes, welcher nicht bloß Sozialdemokraten, sondern jeden Staatsbürger ohne Unterschied der Partei unter das Damoklesschwert der Ausweisung stellt, zu einem Angriff auf die heit der Volksvertretung zu benutzen gedenke oder nicht. Auf Grund jenes Paragraphen ka»n jeder Abgeordnete zum preußischen Landtag sowohl wie zum deutschen Reichstag aus Verlin ausgewiesen werden. Aber wird die Reichsregierung von diesem Rechte Gebrauch machen, so lange die Volksvertretung tagt? Die Antwort ließ nicht lauge auf sich warten. Kaum war der Reichstag(am 12. Februar dies Jahres) zu seiner eigent- lichen Session zusammengetreten— die Herbstsession ist nur als eine Vorsitzung zu betrachten—, so ging an den Reichstag das Gesuch, er solle seine Genehmigung zur strafrechtlichen Perfol- gung der Abgeordneten Fritzsche und Hasselmann ertheile», die sich natürlich bei Beginn der Session, der Einberufungsorvre gemäß, in Berlin eingefunden Hutten, um ihre geietzgeberi che» Pfiichien zu erfüllen. Das Vergehen, welches ihnen zur Last gcleg» wurde, war eben ihre Pfl i chiersüllung. Das war denn doch selbst diesem, den Regierungswünschcn so entgegenkommenden Reichstag zu arg. Die verlangte Ge- nchmigung wurde einstimmig verweigert, obgleich die pathetische Entrüstung der Liberalen über ein Ansinnen, das nur die logi- sche Konsequenz des 5 Monate vorher von ihm vottrten Aus- nahmegesetzcs war, wenig Folgerichtigkeit des Denkens oder eine starke Portion politische Heuchelei verrälh. Vorgreifend sei hier bemerkt, daß die Reichsregierung sich diese Abweisung Seitens des Reichstages nicht sehr zu Herzen genommen und nach Schluß der Reichstagssession das Strafverfahren gegen Fritzsche und Hasselmann wegen Bannbruchs nunmehr eingeleitet hat. Tie von Herrn Lasker so kräftig betonte Unmöglichkeit, daß Madai's Verbot mehr gelten könne, als des„Kaisers Befehl" scheint an maßgebender Stelle durchaus nicht für eine Unmöglichkeit zu gellen. Voraussichtlich wird die nächste Session ei» Nackspiel oder den Schlußaki dieser interessanten Konfliktsepisode bringen. War in der Affäre Fritzsche und Hasselmann den liberalen Fraktionen des Reichstages die erste unliebsame Konsequenz des Sozialistengesetzes fühlbar entgegengetreten, so trat ihnen die zweite unliebsame Konsequenz in Gestalt des„Ungebühr- gesetzes"(Maulkorb"- oder„Reichsiagsstrasgesctz") entgegen. Dem abstrusesten Gehirn mußte es einleuchten, daß die sozial- demokratischen Redner bei Bcrathung des Sozialistengesetzes Recht gehabt hatten, als sie sagten: Dieses Ausnahmegesetz sei ein Schlag gegen den Liberalismus, ein Attentat auf die bürgerliche Freiheit, ein Keil, eingetrieben in den Parlementarismus. Es ist notorisch und kann, mit dem amtlichen stenographischen Bericht in der Hand, nachgewiesen werden, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten auf der Tribüne den parlamentarischen Anstand, wie die Redner keiner andern Partei, gewahrt haben— ein Blick auf die allerdings zahlreichen Ordnungsrufe, welche sozialdemokratischen Rednern im deutschen Reichstage zu Theil geworden, zeigt, daß durchweg nur die Tendenz und der Inhalt, nicht die Form der gerügten Ausdrücke den Anlaß zum Ordnungsruf abgegeben hat, während notorisch aus dem Schooße der söge- nannten Ordnungsparteicn, sowie namentlich auch von den Mi- nisterbänken herab, und insbesondere aus dem Munde des Fürsten Bismarck, Ausdrücke gefallen sind, die einen Ordnungsruf weit eher verdient hätten. Trotzdem wurden die Vertreter der Sozial demokratie der parlamentarischen„Ungebühr" be'chuldigi und sollte, um solcher Ungebühr zu steuern, der„kleine Belagerungszustand" auch im Reichstage proklamirt werden. Es galt das So- zialistengesetz zu ergänzen und die Sozialdemokratie, nachdem man sie„draußen" mundtodt gemacht hatte, auch im Reichstage mund todt zu machen. Tie Regierung hatte von ihrem Standpunkte aus vollkommen Recht. Ließ man der So.ialdemokratie die Tri- büne des Reichstages, so war der Zweck des Ausnahmegesetzes von vornherein wesentlich vereitelt. Die Regierung betonte dies nachdrücklich. Allein die Liberalen, denen vor den Konsequenzen ihres Werkes zu grauen begann,«klärten sich gegen das„Un- gebührengesetz", welches— da der Packt des Zentrums mit der Regierung damals noch nicht besiegelt war— mit großer Majorität verworfen wurde. In der Debatte konnte der Standpunkt der Sozialdemokratie durch einen von uns vertteten werden. Am 17. März kam endlich der Rechen'chaitSbericht der Reichsregierung betreffend den üb« B«lin und Umgegend verhängten „kleinen Belagerungszustand" zur Velhandlung, nachdem volle fünf Wochen hindurch die Diskussion von Sitzung zu Sitzung verschoben wmden war. Ter Rechenschastsbericht brachte nichts alS Behauptungen, welche leicht zu widerlegen waren, und wurde selbst von uns sehr feindlichen Organen der Forlschiitts- und nationalliberalen Partei für durchaus verfehlt«klärt. Und Jeder- mann im Reichstag, die Vertreter der Rcgiciung nicht ausge- nommen, fühlte— viele sprachen es unter sich offen aus— daß der Rechenschastsbericht nur die Unfähigkeit der Regieiung, den Belagerungszustand zu rechtfertigen, dokvmnitirte. Daß man den Geyenstand, welcher eigentlich in den«sten Tage» der Session hätte behandelt werden sollen, so lange hinauszog, beweist für sich allein schon zur Genüge, in welcher Verlegenheit man sich in den Rcgierungs- wie in Reichstagskreisen befand. Eine Tis- kussion, die diesen Namen verdiente, mußte der Regierung eine moralische Niederlage bereiten. Freilich bloß eine moraliiche, denn der Reichstag hatte ja im Eifer der gesellschaslretterischen Aus- nahmeg> setzarbeit sich freiwillig deS Rechts begeben, über den Rechenschaftsbericht Beschluß zu fassen. Wie dem nun sei— eine Diskussion mußte um jeden Preis vermieden werden, und vermittels deS famosen ReichSinstituts der Schlußanträge— das auch nach Valentins Enlf«nung sortblüht— ließ es sich ja leicht bewerkstelligen. Einem der sozialdemokratischen Abgeord- neten wurde gegen die sonstige Praxis des Hauses, gleich zu Be- ginn, als erstem Redn«, das Wort ertheilt. Er z«pflückte den Rechen- schastsbericht Punkt für Punkt, wies die Hinfällinkeit der Motiviruug nach und unterwarf das Verfahren der Regierung nach allen Seiten hin scharf« Kritik. Gras Eulenbmg, der die Regierung zu vertheidigen hatte, konnte die nichlvorhandene» Thatsachen und Rechtfertigungsgründe nicht aus dem Boden stampfen— er konnte nur wiederhole», was der Rechen'chaftsbericht gesagt hatte, und nur noch etwas wirksamer, als es der Rechenschastsbericht gethan, die Unmöglichkeit einer Rechtfertigung des„kleinen Belagerungs- zustandes" zu unfreiwilligem Ausdruck zu bringen. Noch ehe Graf Eulenburg seine Anst'ührungen geendet, war ein Schlußantrag in den Händen des Präsidiums, der, sobald Graf Eulenburg sich unter lautlos« Stille des Hauses nieder- gesetzt hatte, sofort zur Abstimmung kam und, mit Ausnahme weniger Mitglieder der Linken und des Zentrums, von sämmt- lichen Fraktionen des Reichstages angenommen wurde. So war eine Diskussion glücklich vermieden, und d-n Machern des Sozialistengesetzes, insbesondere den Nationalliberalen, wurde die Verleg nheit erspart, sich darüber auszusprechen, ob die Ait und Weise, wie das Sozialistengesetz zur Ausführung gelangt ist, mit ibren, während der Debatten der vorjährigen Herbstsesston ge- machten Interpretationen, Versprechung«, und Voraussetzungen iin Einklänge steht. Wenige Tage nachher hatten wir bei Berathung des Post- e t a t s Gelegenheit an einer Verordnung des Generalpostmeisters, und in zahlreichen Beispielen von Verletzung des Brietgehcim- nisses den Nachweis zu liefern, daß das gegen unsere Partei erlassene Ausnahmegesetz mit Nothwendigkeit zu de» unertrag- lichsten Eingriffen in die gesetzlich garantirten Rechte des Jndi- viduums, speziell zur Aufhebung des B r i e f g e h e i m n i ß e s führen müsse. Der H«r Generalpostineistcr, außer Stande die ihm vorgehaltmen Thatsachen zu widerlegen, ließ sich zu uupar- lementarischen Ausdrücken hinreißen, welche ihm einen Verweis seitens des Präsidiums zuzogen. Nationall'berale sowohl als ultramontane Abgeordnete sahen sich darnals genöthigt, die wuchtige Beweiskraft der von uns vorgebrachten Thatsache» anzuerkennen, was freilich die Regierung nicht hinderte, kurz darauf für den Waarentransporl aus Eisenbahnen eine ähnliche Verordnung zu erlassen, wie die damals allgemein'verurtheilte Verordnung des Generalpostmeisters. tFortsetzung folgt.) Sozialpolitische Rundschau. -- Die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus sind ganz so ausgefallen, wie es vorauszusehen war. Die national- liberale Partei, welche einst die unbestrittene Majoriiät iin Ab- geordnetenhause wie im Reichstag statte, ist so gut wie vernichtet; sie. hat mit dem Fortjchritt zusammen 50— 60 Sitze verloren, und die vereinten Konservativen und Ultramontanen ver'ügen nun über die Mehrheit. Es ist das auch den Verhältnissen vollkommen entsprechend und für die gründliche Zertrümmerung der alten Parteigebitde und die Freimachung der Bahn für bessere Zustände sehr förderlich. UebrigenS betheiligte sich daS Volk, der Dreiklasscnwahl-Komödie satt, überdies von der Machtlosigkeit der Kammer überzeugt und von keiner wahrhaft agitatorischen Partei wie die Sozialdemokratie in die Bewegung gezogen, nur sehr spärlich an den Wahlen— in vielen Orten schritten kauni 10 Prozent der Wahlberechtigten zum Stimmkasten. In der liberalen Presse liest man jrtzl nichts als Lamentationen und Kassandrarufe. Selbst der verflossene Reichstags- Präsident Forkcnbeck ist jetzt soweit zur Einsicht gekommen, daß er die lang bestrittene Reaktion endlich sieht, ja sogar meint, daß sie schlimmer sein werde als die früheren. Daß aber a» der» Eintritt dieser Reakrion kein Mensch mehr Schuld, ist als der Nationallibcralismus selbst, das wollen seine Anhänger noch im- mer nicht einsehen. Von einer Schwäche zur anderen ist er ge- snnken, von einem Kompromiß zum anderen ist er gekommen und sein hirnloses Einstimmen in den von der Regierung«ho- denen Verfolgungsrus gegen die Sozialdemokratie hat ihm dann noch den Rest gegeben. Treffend schreibt hierüber die„Frkf. Ztg.": Das Sozialistengesetz, darüber täusche man sich nicht, ist geradezu verhängnißvoll für den Nationalliberalismus- gewes.n; es sollte ihn reiten und hat ihn vernichtet, es sollte das Land vor der Reaktion schützen und hat diese erst gerufen und begehrlich ge- macht. Eine Partei, die im Oktober widerruft, was sie hoch und theuer im Mai bekräftigt hat, kann als Faktor des Wider- standes nicht mehr in Rechnung kommen und eine Staatskunst, der es gelungen ist. eine große Partei so zu«niedrigen, hat keinen Grund, vor größeren Ziele» zurückzuschrecken, sie darf hoffen, auch das Kühnste mit Aussicht auf Erfolg wagen z» können.— ' Ueberaus bezeichnend für die Lage ist auch, daß den einst viel- bnühmten Lasker, der bekanntlich in seinem bisherigen Kreis durchgefallen, nicht ein Kreis mehr ausstellen will. Weder Magde- bürg noch Breslau«barmt sich seiner, und in Berlin und Stettin «hält«, vorgeschlagen, nicht einmal die hundert, beziehungsweise fünfzig zur ausreichenden Unterstützung nöthigen Stimmen. Man könnte mit dem armen Schächer fast Mitleid empfinden. Auch sonst bot die LandtagSwahl manches für die bestehenden Parteiverhältnisse Interessante. So theilt die„Bresl. Ztg." als drastisches Beispiel der in den Kreisen der wahllähigen Bour- geoisie vielfach herrschenden Parteikoiffusion mit, daß ein BreS- lauer Kaufmann, der von der Fortschrittspartei als V«trauens- mann in Aussicht genommen war, von d« nationalliberalen Partei alS Wablmann für die«ste Abtheilung und vom kon- servativen neuen Wahlv«cin als Wahlmann für die zweite Ab- (Heilung in Vorschlag gebracht wurde. Welch ein famoses Zeug- niß für die politische Bildung d« Bourgeoisie! Interessant ist auch die Meldung, daß in einem entfernten Winkel des Landes ganz unvermuthet sich soziale Tendenzen gel- tend machten. In der posen'schnr Gemeinde Krerowo nämlich wollten die Dienstleute des Doniiniun.s nur solche Wahlmänn« wählen, welche für die Wahl von Abgeordneten stimme» würden, die eine Vertheilung des Grundbesitzes herbei-usühren versprächen. Die Leute wann, als sie seitens d« Gntsbeamten Widerspruch erfuhren, sehr erregt und gelang es nur den Be- mühungen des greii'en Pfarrers Brodzinski, Skandal zu vermeiden. Tie Leute haben eben offenbar wenig Verständniß für die poli- tischen Programme d« v«schiedenen Parteien und wollten lieber etwas Praktisches, ihrem unmittelbarsten Interesse Dienendes haben. Natürlich stimmt ihr naives Verlangen mit unfern Am sichten durchaus nicht überein, ist vielmehr diesen diametral ent- gegengesetzt; allein wenn sich die Leute auch bezüglich des ein- zuschlagenden Weges noch irren, haben sie doch wenigstens in- stinktiv geahnt, daß eine wirkliche Verbesserung unserer gcsellschaft- lichen und staatlichen Nebelstände ganz wo audeis als in dem unfruchtbaren Kaminergezänk der herrschenden Parteien zu suchen ist. Verbreitet sich nur erst diese Meinung immer weiter und besonders auch in den reinen Ackerbaudistrikten, dann ist schon viel gewonnen. Schließlich mag noch einer Thatsache erwähnt werden, welche zeigt, wie sehr die Wahlen durch das preußische Dreiklassenwahl- shstcnl zu einer albernen Komödie herabgewürdigt werden. In vielen Urwahlbczirken mar die erste höchstbesteuerte Abteilung nur durch einen einzigen Urwähler vertreten, welcher einen, reip. zwei Wahlmänner zu wählen hatte. Vielfach ist es nun vor- gckonimen, Daß diese glücklich Situirten gar nicht zur Wahl er- schienen, so daß die erste Abtheilung unvertreten blieb. In an- deren Beziiken dagegen erschien der eine Urwähler und wählte als Wahlmann— sich selbst. Noch komischer gestaltete sich die Sache in einem UrWahlbezirk Berlin's, in welchem zwei Urwähler einen Wahtmann zu wählen halten. Sowohl beim ersten Wahlgang als in der.Stichwahl" wählte jeder der Beiden sich selbst, so daß schließlich das Loos zwischen den beiden Ehrenmän- nein entscheiden mußte. Und solche Affenpossen wagt man dann„Volksvcrtrcter"-Wahlen zu nennen und gibt es Leute, welche da glauben, daß von ihnen Wohl und Wehe des Vaterlandes abhänge und durch sie die hcrrschgewaltige Reaktion aus dem Feld geschlagen werden könne! — In Deutschland wird gegenwärtig wieder in verdächtiger Weise in„Arbeiterfrcundlichkeit" gemacht. So läßt die Regie- rung offiziös verkündigen, daß seitens des Landwirthschaftsministcrs Dr. Lucius eine Erhebung über die Frage der Ausdch- nung des H a ftp fl i ch tg esetz c s auf die landwirth- schaftlichen Gewerbe in Aussicht genommen sei. Vorbereitet sei die Enquete schon von dem früheren Landwirlhschaftsminister Di. Fricdenthal, welcher sich„im Prinzip" sür die projektirte Ausdehnung der Haftpflicht ausgesprochen habe. In letzter Zeit hätten sich nun wieder eine größere Anzahl von Unfällen duich landwirthschaftliche Maschinen, welche durch Schutzvorrichtungen notorisch hätten vermieden werden können, ereignet, so daß man der Feage der Ausdehnung der Haftpflicht ernstlich näher zu treten gedenke. Wir gestehen, daß wir sehr wenig Hoffnung in diese Nachricht setzen, denn von der deutschen Regierung ist bis jetzt in dieser Beziehung ebenso wenig wie in irgend einer andern viel Gutes für die Arbeiter gekommen. Und selbst das Wenige, was für sie geschehen ist, haben die Arbeiter nicht dem Gerechtigkeits- gclühl der Regierung und Bourgeoisie, sondern den augcnblick- lichen politischen Verhältnissen, besonders aber der von den verschic- denen Parteien enipsundcnen Nothwcndigkeit, durch geheuchelte Arbeitcrireundlichkeit sich selbst zu nützen und dem Gegner zu schaden, zu verdecken. Man Muß daher wohl oder übel auch gelegentlich der obigen Nachricht wieder au Aehnlichcs denken. Auf alle Fälle ist schon allein nach den Veröffentlichungen des preußischen statistischem Bureau über die Häufigkeit der Verunglückungen in verschiedenen Gewerbebetrieben, auch in der Landwirlhschaft, schwer zu beguise», warum es erst noch einer Enquete bedürfen soll. So äußerst bescheiden nun aber auch die„Arbeitersreundlichkeit" der Regierung austritt, so genügt das doch schon, die cbentalls um das Wohl der Arbeiter erschrecklich besorgte Bourgeoisie eifer- süchtig zu machen und sie zu einer Uebertrumpsung der Regierung aufzumuntern. Diesen Gründen verdankt wohl ein Artikel seine Entstehung, der sich dieser Tage in mehreren größeren liberalen Zeitungen,». a. in der„Magdeburger Zeitung", herumtrieb. Derselbe nimmt sich die unlängst im schweizerischen Handels- dcpartemcnt ausgearbeitete Vollziehungsvcrordnung zum schmelze- Tischen Fabrikgesetz(deren wichtigste Bestimmungen wir jüngst miltheilte») zum Vorwuri. Statt aber, wie wohl jeder unserer Leser vcrmuthen wird, gegen die, im großen Ganzen ihres ersichtlich redlichen Strebens zur Beseitigung der schreiendsten Uebelstände des Fabrikwesens wegen lobenswcrthen Vorschläge anzukämpfen, sind dieselben dem VollblutsbourgeoiL der Magd. Ztg. und ähnlicher Organe plötzlich noch lange nicht weitgehend genug! Man höre nur, wie sich der Artikel über die Frauen- arbeit ausläßt: „Tie übermäßige und frühzeitige Anstren g u n g der Kinder hat dort(in der Schweiz) wesentlich nachgelassen, auf das weib- liehe Geschlecht wird jedoch noch immer selten die gebührende Rücksicht genommen. Meist widerstreben d,e Frauen selbst, u. A. weil sie in der Zeil ihrer Schwangerschaft den Arbeitsverdienst nicht entbehre» können. Und wahrlich, wir haben kein Recht, ihnen daraus ein Vorwurf zu macheu. So lange nicht der Frau etwa 3— 4 Wochen vor und 2— 3 Wochen nach der Niederkunft der volle Lohn auch ohne Arbeit gesichert ist, entweder von den Fabrikhemn freiwillig, wie z. B. bei Dollfus in Mülhausen, oder durch gesetzliche Bestimmung, ist diese Stelle als die schwächste unserer Gewerbegcsetzgebung und Fabrikpraxis anzu- sehen. Hoffen wir, daß schon die nächsten Jahre kräftig an der Tilgung dieser allen Schuld arbeiten werden." Man greift sich unwillkürlich an den Kopf, ob man nicht träume und diese(ja an sich ganz richtigen) Zeilen in der Thal nicht in einem sozialistischen-t latt, sondern in einem liberalen Man- chesterorgan stehen. Wenn diese Herren in Wahrheit ein so brennendes Bedürfniß nach Verbesserung des Arbeiter looieS haben und der Gesetzgebung zu diesem Behuf die ausgedehntesten Be fugnisse zugestehen, warum haben sie denn dann bei ihrer Macht ihre Worte nicht längst i„ Thaten umgesetzt?-Warum haben sie nicht insbesondere, als die sozialistischen Reichsragsabgeordneie» das bekannte Arbeilerschutzgesetz voilcgten, dasselbe eifrigst unter- stützt, statt es aufs erbittertste anzugreifen und als den Umsturz aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung unveimeidlich»ach sich ziehend darzustellen?! Warum feinden sie denn dann noch jetzt jede Bestrebung der Arbeiter zu Verbesserung ihres Looses so grimmig an und wissen die Vorkämpfer der Arbeiterklasse nicht rücksichtslos genug zu verfolgen? Tic Autwort ist einfach: weil die Herren elende Heuchler und gewissenlose Schwindler sind, denen es mit ihre» Humaniläts- und„RechtS"phraskn keinen Augenblick ernst ist, sondern welche die Arbeiter nur zur Errci- chung von Sonderzwccken kirren wollen. Glücklicherweise aber sind die Arbeiter Deutschlands im Allgemeinen aufgeklärt genug, um sich weder von den schönen Versprechungen der Regierung, noch von den süßen Worten der Bourgeoisie übertölpeln zu lassen, und um zu wissen, daß sie alle ihre Hoffnungen nur auf sich selbst und ihre eigene Kraft zu setzen haben! — Ein prächtiges Gegenstück zu der neulich von uns erzählten Mnnövergeschichte bildet eine solche, welche dieser Tage vor einem deutschen Kriegsgerichte ihren vorläufigen Abschluß erhalten hat. Ein Husar hatte im letzten Manöver einen Kameraden, der wegen eines Dienstvergehens an einen Baum stramm gc- dunden worden war(!), aus Mitleid die Banden etwas gelockert. Der Wachtmeister der Eskadron, der dies beobachtet hatte, eilte herbei und gab dem Husaren in Ueberschreitung und Mißbrau- chung seiner Dienstgewalt ein paar Ohrfeigen. Der in seiner Ehre gekränkte Husar aber vergalt im Zorn Gleiches mit Glei- chem, wurde festgenommen und schließlich zu— fünf Jahren Festung verurtheilt! Ein Kommentar zu diesem Schand,urtheil" ist natürlich vollkommen überflüssig Zu diesem Fall paßt übrigens ein anderer, über den ein frän- kisches Blatt berichtet. Im Jahre 1870 wurde im deutsch-französischen Kriege ein bayerischer Reiter, Namens M. Schlosser, Sohn vermögender Eltern aus Augsburg, kriegsgerichtlich zum Tode verurtheilt, weil er im Rausch einen ebenfalls betrunkenen Unterofffzier geohrfeigt hatte. Diese Strafe wurde auf dem „Gnadenweg" in eine vieljährige Gefängnißstrafe umgewandelt, so daß Schlosser nun bereits über 9 Jahre wegen dieses im bürgerliche» Leben wenig beachteten Vergehens verbüßt. Die chargieten Ohrfeigenausiheiler und Soldatenschinder dagegen gehen meist straffrei aus und kommen im schlimmsten Fall mit kurzen, meist noch durch„Gnade" nachgelassenen Arreststrase weg. Ist's da nicht eine Lust, Soldat zu sein? — Eine für Iravkreich überaus beschämende Enthüllung durchläuft geqenwärtig die französische Presse und ruft die leb- haftesten Angriffe der Opposition hervor. Während nämlich das osfizlelle Frankreich bei jeder passenden und unpassenden Gelegen- heit von Humaniiätsphrasen förmlich überfließt, soll in einem Theile des Landes, nämlich in der Sencgal-Kolonie. noch die Skla- verei, wenn auch nicht offiziell, so doch ganz öffentlich fort- bestehen. Zwar gestalte man in den Hauptorten Saint Louis, Goma, Dakar nicht mehr die Sklavenmärkie, aber in allen an- deren Ortschaften würden die aus dem Innern herbeigeführten Gefangenen verkauft, um dann zu den Nomadenvölkern der Sa- hara, von Marokko, von Algier(!) und selbst bis nach Egypten verschickt zu werden. Tie Behörden ergriffen die Partei der Sklavenhändler gegen die menschliche Waare und als im Jahre 1877 ein edelherziger Osffzier, der Bclehlshaber der Stadt und des Kantons Tagara, aus eigener Machtvollkommenheit einen Sklaventransport abfing, sei ihm von oben herab besohlen worden, die Sklaven ihren Eigenihümcr» wieder auszufolgen. Wenn mißhandelte Sklaven der Nachbarländer sich nach der Senegal- Kolonie flüchten, in der Hoffnung, auf französischem Boden Schutz und Freiheit zu finden, so erleichtern es die Behörden in jeder Weise den Besitzern, ih er wieder habhaft zu werden.— Taß an diesen Enthüllungen eiwas Wabres ist, beweist schon die Verlegenheit der Regicrungspresse, welche sonst mit entrüsteten Dementis schnell bei der Hand ist, diesmal aber nur zu sagen weiß, daß die umlaufenden Gerüchte„übertrieben" seien. Hoffentlich bringt die sür die ersten Tage der wicdcrzusammen- ireienden Kammer projektirte Interpellation an den Marineniinister Klarheit und auch Abhilfe. Co skandalös übrigens diese Geschichte und so sehr es Pflicht aller Rcchtlichdenkenden ist, diesem Rest der Negersklaverei ein ichleuniges Ende zu machen, so ist doch die Mahnung am Platz, daß man über der Sklaverei der Senegalneger nicht die der weißen Arbeiter gänzlich vergesse. Diese aber sind in gewisser Hinsicht nicht viel freier als jene. So ist das republikanische Frankreich fast das einzige Land, in welchem die Verweigerung der vollen Unterwerfung der Ar- beiter unter den Willen der Arbeitgeber und insbesondere Arbeits- cinstellungen an sich schon olS ein gemeines Vergehen be- trachtet und empfindlich bestraft werden. Man erinnert sich wohl noch der zahlreichen militärischen und gerichtlichen Interventionen, welche im Laufe der letzten 5 Jahre zu Gunsten der Kapitalisten und zur Unterwerlung der„freien" Arbeiter in Fiankrcich unternommen wurden. Mit militärischen Exekutionen ist nun die jetzige Regierung zwar nicht ganz so freigebig, als die Mac Ma- hon'ichc; aber von einer Aufgabe des Sklavcnhalter-Prinzipes, daß die Ai beiter ihrem„Brodherrn" unbedingten„Gehorsam" zu leisten haben und für jeden, wenn auch passiven Widerstand gezüchtigt werde» müssen, ist deßhalb doch keine Rede. Gegen- wärtig striken die Pariser Zimmerlcute und Ofensetzer. Mehrere der Strikendc» nun, in welchen die Bchöiden„Rädelsführer" erblickte, sind dieser Tage verhastet und dem Richter vorgeführt worden. Unter diesen Verhafteten befinden sich Ausländer, die über die Grenze gebracht werden sollen. Wenn der Arbeiter nicht einmal die Arbeit einstellen darf, sobald er dadurch sein Interesse zu fördern glaubt und wenn sich nicht einmal mehrere Aibeiier zur Erzielung bissem Lebensbedingungen in friedlicher, übrigens vollkommen gesetzmäßiger Weise veibinden dürfen: waS ist das für eine„Freiheit"? - Kommenden Dezember wird die amtrikanische sozialistische Arbeiterpartei ihre Naiiorolkonvemion abhalten und wird dieselbe wahrscheinlich in Etevetand(Ohio) tagen. Ans derselben soll». A. definitiv Beschluß gesaßt werden über die Nominirung eines so- ziolistischcn Präsidentichaftskandidaten. In Aussicht hiezu ist ge- nommen John Swinion, welcher s. Z. so beredt die Kommune vor den Ncwyorkcr Volksversammlungen vcriheidigr hat. — Aus ßokumbien, einer der kleinen amerikanischen Repu- bliUn, in denen„Revolutionen" oder— um diesen Namcr nicht zu verschimpfiren— besser Aufstände und Emeutin, von Ehrgeizigen, Habgierigen und Gewallihätigen veranlaßt, etwas Alltägliches sind, bringt dn Telegraph die übenafchende Nachricht von einem „communistischcn" Aufstand. Eine erst kürzlich in New-Aork ein- getroffene Zeitung aus Panama meldet nämlich:„In Bucara- manga(Columbia) erregten die Kommunisten am 9. September einen Ausstand; sie besetzten die Stadt durch vier Tage, plün- dertcn die Kaufläden und tödletcn drei Kaufleute, darunter zwei Deutsche. Auch der deutsche Konsul wurde verwundet. Schließlich wurden die Aufständischen mit Verlust mehrerer Todten geschlagen und gefangen." Selbstverständlich wird diese Nachricht dem Philister und na- mentlich dem leichtgläubigsten von allen, dem Deutschen auf's neue einen panischen Schrecken vor den schrecklichen Allerwelts- verwüstern von Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten einjagen. Uns aber läßt sie sehr kalt. Denn wir wissen, daß die Plünderer von Bucaramanga einfach schon deßhalb keine Kommunisten gewesen sein können, weil es in dem politisch und sozialistisch unentwickelten Columbien gar keine solche gibt, ja man dort überhaupt kaum wissen dürfte, was das für schreckliche Thierc sind. Die so benannten Leute sind entweder Parteigänger oder— die Wahrheit der Nachricht vorausgesetzt— ganz ge- wöhnliche Räuber gewesen. Aber das klingt dem sensations- bedürftigen Mob nicht romantisch und gruselig genug und so gibt man dem sonst stets mit Vorliebe auf dem Weg des„Rückganges", ja des Aussterbens betroffenen Kommunismus und Sozialismus plötzlich eine niegeahnte räumliche Ausdehnung bis nach Colum- bien. Es wundert uns nur, daß man nicht auch die gegen- wärtig auf dem Kriegspfad befindlichen, mordenden und brennen- den Utah-Jndianer zu Kommunisten gemacht hat; roth genug wären sie ja dazu. Berichte. * Zürich, 10. Oktober. Es war vorauszusehen, daß das Erscheinen des„Sozlaldc, nokrat" in den weitesten Kreisen, namentlich Deutschlands, Aufsehen erregen würde und ist dies auch im vollsten Maße geschehen. Wa« die Auslastungen der Presse betrifft, so wollen wir unsere Leser mit deren Reproduktion oder auch nur Aufzählung und Kennzeichnung verschonen, obwohl fich interessante Betrachtungen über Charakrer und Ver- ständuiß der deutschen Presse und der deutschen Parteren daran knüpfen ließen. Nur eures wollen wir als bezeichnend für die, schon im ersten Leit- artikel ver letzten Nummer betonnte urrglanbliche Ignoranz der Presse in Bezrrg aus den Sozialismus anführen. In zahlreichen Zeilnngen der Schweiz, Dcrrts.blandS und auch Oesterreichs findet fich nämlich die geistreiche Nachricht. daß der„Sozialdemokrat"„im groben Style" redigirt werden solle und„zu dem Ende vielfache Beziehungen mit den Koryphäe» des— Kaihever- sozraliSmuS angeknllpfi" habe. Soiiatdemokratie und KaihedersozialiSimrS find demnach für diesen Theil der Presse synonyme oder doch mindestens einander eng verwandte und sympathische Begriffe! llr.d von solchen Ignoranten wird„öffentliche Meinung" gemacht! Und das„gebildete" Bürgerihum lauscht gläubig ihren Worten und sieht geringschätzig auf die „rohen" Arbeiter herab, welche in der That zehn Mal mehr politische Bildung und Einsicht ali jene haben! In welcher Weise die deutsche Regierung Stellung zu uns genommen hat, haben wir schon Eingangs dieses Blattes erwähnt und bleibt un« nur noch hinzuzufügen, daß dem. da« Verbot des„Sozialdemokrat" erlassende» Berliner Polizeipräsidium in der Hitze des Eifers der Schuizer pasfirte nicht nur unsere Probenummer, sondern auch gleich„das weitere Erscheinen derselben" z» verbieten. Daß„da« weitere Erscheinen" einer Proben um- mer an fich schon ein gelinder Unsinn ist, wollen wir nur im Vorbeigehen bemerken; da« Interessanteste an dem Erlaß de« Berliner PolizeipräfidiumS ist aber die GesetzeSunkenntniß. mit welcher es eine im Ausland erscheinende Zeitnng wie eine deutsche behandelt und ihr, wie eS gegenüber einer sol- chen da« Recht und di- Macht hat, daS Forterschcincn verbieten will. Da» famose Verbot mußte denn auch ans andere Leute als auf uns einen ledi glich komischen Eindruck machen-, denn selbstverständlich find wir so frei, unS auf dem freie» Vöde» der Schweiz um die Ukase der Berliner Machthaber— mögen sie nun Madai, Bismarck oder sonstwie heißen— verdammt wenig zu kümmern.— Indessen hat der amtSeisrige Berliner Polizeipräsident offenbar vom Ministerium eine kleine Andeutung erhallen, denn eS hat sich beeilt, einige Tage nachher da« Verbot des weiter» Erscheinens wieder aufzuheben, was aber lediglich eine Formsache ist. Denn unter den dermaligen Verhältnissen in Deutschland hat unsere Stellung zur deutsche» Regierung selbstverständlich mit dem„Recht" sehr wenig zu thun, sondern ist eine reine Machtfrage. Die deutsche Regierung betrachtet den„Sozialdemokrat" als einen gefährlichen Feind und lucht ihn durch alle zulässigen und unzulässigen Mittel dem deirtschen Reich möglichst sern zu halten. Wir unserirscit« find dagegen der Ansicht, daß der„Sozialdemokrat" den Deutschen sehr nölhig und ersprießlich ist, und werden deßhalb alle« ausbicten, ihn in die weitesten Kreise de« deutschen Volke« zu verbreiten. Indem wir da« thun, stehen wir auf vollkommen gesetzlichen Bode», denn die Gesetze der Schweiz verbieten keinem ihrer Bürger, in der Schweiz nicht verbotene Druckschriften nach dem Ausland zu sende». Mit dem Recht wird un« also die deutsche Regierung schwerlich beikommcn können. Ei bleibt ihr demnach nur die Macht, da« brutale Recht de« Stärkeren, der in unserem ungleichen Kampfe scheinbar sie ist. Ob sie c«— sowohl wad da« von ihr verbotene und jedenfalls eifrigst bekämpfte Eindringen de«„Sozialdemokrat", ali was die Verbreitung und Fruchtbarmachung der von ihm verfochtenen Idee betrifft— wirklich ist, muß fich erst noch zeigen. Wir wollen es getrost darauf ankommen lassen! * Zürich, 7. Oktober. Der„ScotSman", eine schottische liberale 3ei- tnng, brachte in seiner Nummer vom 28. August einen„Der Sozialismus in Teurschland" betitel.en, angeblich von einrm„gelegentlichen Korrespon- dentcn" herrührenden Brief, in weichem fich u. A. folgende Stellen finden:„Mein Aufenthalt in den Tagen, in Leipzig lepten im Hauptquartier d-S Sozialismus, und meine Besprechungen mit den Häuptern der Partei in Teutschland überzeugen mich, daß ich mit meinen Aeußernngen über die politrsäten Aussichten der Sozialisten lwelchc ich vor einigen Monaten in Ihrem Blatte zum Ausdruck brachtes vollkommen Recht hatte. Zwei Umstände haben hierzu hauptsächlich beigetragen: Ersten« hat da«„Ausnahmegesetz", wie eS genannt wird, dem Sozialismus, anstatt ihn auszurotten, unberechenbare» Nutzen gebracht. Die Berfrügiingen diese« Gesetze», schon an fich scharf gcnng, sind mit einer Schärfe durchgeführt worden, die wie ein reinigende« Feuer wirken mußte. Die schwächeren Elemente der Partei, der Bodensatz, zu welchem die extremeren, heftigeren Glieder gerechnet werden müsse», sind anSgeschicden worden durch Einkerkerung, Ausweisung und freiwillige Aufgabe ihrer Prinzipien: Diejenigen, welche tzurückblieben, sind die festen, llarköpfigen, welche, obgleich ihrem Ideal reu, praktisch genug find, die Mittel ihrem Zivecke anzupassen, und derenr Wille stark genug ist, den gefährlichen»nd unfrrich'baren Eifer einiger ihren Anhänger im Zaum zu halten. Wie Bebel mir versichert, liegen die Hoffnungen seiner Partei in der endlichen Vereinigung mit der Bourgeoisie der Mittelklasse»nd gerade in dieser Rich ung ist er im Ganzen wohl z»- srieden mit dem Fortschritt der letzten 2 Monate. Er sagt:„Wir haben dem Bürger(,,the bourgeois") gezeig', daß wir verläßlich, daß wrr im Ernste find; und die Ueberzeugung beginnt in seinem Geiste Wnrzel z» sassrli, daß er eine substantielle Verbesserung seiner Verhältnisse nur von »nscrer Partei allein erwarte» dars. Andererskit« beginnt unsere Mäßigung die Furcht vor dem„rothcn Gespenst", welche die Regierungspartei so enrfiglich zu verbreiten suchte zu zerstrencn."-- In der That ist, wa« Bebel, Liebknecht und Andere vor sich haben, allerdings eine Revolution— der Elftere scheint zu denken, eS könnten die Dinge kaum noch 10 Jahre so fort gehen— allein eine Revolution, deren Mittel»II« berechtigen würden, sie mit dem qnalifizirten Namen Reform zu belegen."— Obgleich nun die ganze Vergangenheit und öffentliche Wirksamkeit der genannten Genosse» genügende Garantie für ihre Gesinnung leisten könnten, um dieselbe über jede« Rrportergeschwätz erhaben erscheinen zu lassen, hat der Bericht de«„Se t«man" doch eimge« Aufsehen erregt, namentlich in England selbst. Auf indirekte und direkte ZertungSaufforderungen zur Widerlegung der ihnen in den Mund gelegten Aeußerungen konnten sich die genannt.» Genosse» in Hinblick auf die ungehörige Form sowohl al» den unlonteren Zweck der offenbar von Uebelwollen und Skandalsucht diktirte» „Aufforderungen" nicht zu einer Antwort veranlaßt sehen. Als indrssrn jüngst eine angemessene Anfrage an Bebel und Liebknecht erging, haben dieselben, wie dillig, nicht gezögert, eine enlspretiende Antwort zu geben. Wir halten e« für ersprießlich, au« dem dieSbezügliä en, un« zur Verfügung gestellten Briefwechsel die prägnantesten Stellen nachfolgend mitzutheilen. Die II. Sektion des Kommunistischen Arbeiter-BtldungS- Vereins zu London wandte sich durch ihren Sekretär H. Schwarzen. berg unterm 29. September an Bebel und Liebknecht, sandte ihnen den be- sprochenen Artikel des„Scoteman" und fügte nach dem, aus denselben auf. merksam machenden, Eingang jolgcndc Worte hinzu: „Die II. Sektion des Kommunistischen Arbeitervereins in London geht von der Ansicht ans, daß der„Scotsman" eher gesonnen sei, durch diesen Artikel sttekmme für die bevorstehenden englischen Wahlen zu machen, ehe daß sie den Glauben hegte, daß die Herren Liebknecht und Bebel oder an- dcre hervorragende Parteigenossen je eine solche Ansicht hegen oijer gar den deutschen Arbeitern ein ähnliches Vorgehen nnrathen würden. Sie er laubt sich deßhalb, Ihnen den betreffenden Artikel z» übersenden mit der Bitte: ob Sie geneigt wären, der II. Sektion eme Aufklärung zukommen zu laffen, resp. sie in den Stand zu sehen, unbegründete Ansichten gegenüber hervorragenden Pa:teigenoffen besser widerlegen zu können-" Die Antwort Liebknechts hierauf erfolgte am 3. dies und entnehmen wir derselben folgende, die Sachlage vollkommen aufklärende Stelle: „Der„Scotsmach'-Korrejpondcnt hat selbstverständlich wie jeder Jnter Viewer, Blödsinn geschrieben. Ich selbst, es vorauswissend, fertigte ihn sehr kurz ab. Bebel bezog sich im Gespräch auf die Acußernng eines be> kannten Parteigenoffen:„Da» Bürgcrthnm(nicht„Bourgeoisie") muß durch Bismarck rebellisch gemacht werden, dann blüht unser Weizen." Dieses Wort nebst andern, ist in den bekannten Nonsens verdreht worden, durch den verschiedene Zeitungsgläubige konfus gemacht worden sind. Die deutsche Sozialdemokratie ist, was sie war. Sie hat kem Atom ihres �pro- gramme» aufgegeben und wird es nicht lhun....." Wir halten damit die Sache für erledigt.— g Dresden, 6. Oktober. Da rede uns noch ferner Einer von Arbeits- losigkeit und Geschäftsdarniederlage! Arbeit in Hülle und Fülle gibi'S in manchen Branchen und für strebsame Leute finden sich da reichlich Brod und Lohn und die schönsten Aussichten für die Zukunft. Hat es zum Beispiel für die berufsmäßigen Lügner und Verläumder, für die Ehrabschneider und Denunzianten je eine bessere Zeit gegeben, als die unsere, in der diese ehrenwerthcn Geschäftszweige zu offiziell anerkannten öffentlichen Institutionell, zu sorgiam gepflegten und befestigten Säulen de» Staates und der Gesellschaft geworden sind? Und dann die ehrenwerthe Polirei— wie glänzend gehen nicht dort die Geschäfte und wie sind die zahlreichen, fast Tag um Tag vermehrten„Arbeiter" dieser rdle» Branche kaiini im Staude, der gesteigerten Nachfrage zu genügen! Um sich«ine annähernde Vorstellung von der Thätigkeit dieser fürtreff- lichen Institution unter der Herrschaft de» AuSiiahmegesetzes gegen die niederträchtige» Sozialdemokraten zu machen,- erwäge man z. B. die Thatsache, daß die hiesige politische Polizei, welche noch vor einem Jahre 26„ordentliche" vollziehende Organe zählte, jetzt deren nicht wernger als 89 hat! Und doch haben diese weit mehr zu thun, als früher jene wenigen, und ihr Posten ist nichts weniger als eine Sinecurc. Man bedenke nur einmal, ivaS e« heißt, die unzufriedenen Gesellschaftsklassen im allgemeinen und alle„ver- dächtigen" Personen inSdesoudere zu beobachten und all ihr Thun und Lassen aiiSzuichnüffeln. Vor allem natürlich die schrrcklichen Sozialdemokraten. Wohin sich so ein gefährlicher„Agitator" begeben mag— nirgends ist er vor der Gesellschaft der Spitzel sicher und wo sich gar einige Gcnoffen zu- samnienfinden, da spielt gleich der Telegraph d»rch alle Polizeistationen und alsbald tauchen ein ganze» Schock viereckiger Unteroffizieregestalten mit stupiden Gesichtern und schäbiger Eleganz auf. Alle WirthShäuser, die Bahnhöfe imd sonstigen Sammelplätze de« öffentlichen Verkehrs werden von ihnen unsicher gemacht und man kann kaum rechtschaffen ausspucke», ohne einen der„geheimen" Biedermäimer zu treffen. Mit am meisten aber werden dieselben und noch mehr ihre Vorgesetzten durch die Post in Buvegiing gesetzt. Da werden zunächst täglich zwei Polizeibeamte eigen» zur Ueberwachung des Briefve, kehre auf die Post kom- mandjrt, wo sie sowohl die an bekannte verdächtige Personen komuiende» Briese, als solche abgehende, deren Schrift de» im Besitz der Polizei befind- lichen Schriftproben b lannter„Reichsfeinde" ähneln, zu untersuchen, zu„per- lustriren" und davon sogleich an den speziellen Sozialistenkommissär zu melden haben. Es wird gewiß Leute geben, welche empört ausrufen werden, diese schamlose Verletzung de» BriefgeheinmisseS sei denn doch, etwas Unerhörtes und ganz Neues Ich aber meine ini Gegenthril, daß sie vielmehr etwa« sehr Altes sei und daß wir es einfach mit einer Wiederher- stellung der schwarzen Kabinette zu thun haben. Und in der Thai muß man trotz aller Empörung gestehen, daß die Reaktion naiuruothwcndig zu solchen Mitteln greisen muß, weil ihr überhaupt keine, absolut gar keine Schurkerei zu schlecht ist und se n darf, sobald sie nur zum Ziel führt. So haben sich denn auch noch alle Reaktionen der schwarzen Kabinette bedient, voran das Muster de» deutschen Reiches, das zweite Emvire, dem die deutsche Regierung in allem so eifrig irachahmt, nachahmen muß. Eine andere Institution neuesten Datums aber macht den armen Burschen von MouchardS»och viel mehr Arbeit. Wenn das k k. Departcrnent für Briefeindruch und Briefdiebstahl nämlich alle es inlcressirenden Schrift- stücke öffnen oder verschwinden lassen wollte, dann würde das denn doch bald Aussehen erregen. Irgend ein Polizeigehir» hat deshalb ein neue» Mittel erfunden, den Inhalt verdächtiger Briefe zu ei fahren, ohne daß die Polizei da« Briefgeheimniß direkt zu verletzen braucht. Die» Mittel besteht bekanntlich— denn c» ist in Folge seiner Zweckmäßigkeit bereit» vielerorts in Gebrauch und der„Sozialdemokrat" hat erst in seiner letzten Nummer ein interessante« Stückchen von seiner Anwendung in Wie» erzählt— darin, daß die Geheimpolizei, durch den auf der Post zu deren Ueberwachung stotioiurtcn Polizeibeamten schon vorher von der Ankunft der Briefe unter richtet, sich zugleich mit dem Briefträger einstellt und diesem zwar den Brief seinem rechtmäßigen Empfänger aushändigen läßt, ihn aber letzterem alsbald abnimmt. Wie gewaltthätig bei dieser absolut ungesetzlichen Manipulation verfahren wird, mögen Ihnen folgende beide Fälle zeigen. Vor ca. drei Wochen kamen in die Wohnung eine» Verwandten eincS hiesigen bekannten Sozialisten nichts weniger als vier Geheimpolizisten an- gerückt und pflanzten sich in Abwesenheit des WohuungSeigenthünicrS aus den Vorsaal auf, von wo sie nicht wiche», bis der Briefträger mit einem eingeschriebenen Briefe für den mit dem polizeilichen Besuch Beehrten erschien. Sofort nahmen die vier Wegelagerer trotz des Protestes de« Postbeamten den Brief ohne Unterschrifterlheiluug weg und begaben sich damit in die Fabrik, in welcher der Verfolgte arbeitete. Dort stellte» sie an den- selben da« Ansinnen, den Brief z» öffnen und ihn dann sofort ihnen zu übergeben. Als sich nun der Empfänger, gestützt auf fein gutes Recht, dessen weigerte, drohten ihm die KeNe einfach mit Wegnahme de» Briefe« und außerdem mir sofortiger Verhaftung wegen„Widerstand" gegen die Staatsgewalt". Der alte Mann ließ sich durch diese freche Drohung schrecken und that nach ihrem Willen. In dem geöffneten Briefe aber war ein geschlossenes Schreiben cnlhaltcu, da» laut einem beiliegenden Zettel an eine dritte Person ausgehändigt werden sollte. Nun ward nächsten Tag» au Ii dieser Adressat zur Polizei bestellt und dort dasselbe Spiel mit ihni wiederholt. Etwas AehnlicheS, Sie besonders JnteressirendeS, wiederholte sich am 1. d. MtS. An diesem Tage Abends nahm die Polizei bei einem bekannten Sozialdemokraten eine Haussuchung vor. Kaum waren die Häscher auge- kommen, so folgte ihnen sofort ei» Postbote mit einen, Briefe, welcher mehrere(damals noch nicht verbotene)„Sozialdemokrat" nebst einem Brief enthielt. Dieser Brief und die Zeitungen wurden kurzer Hand be- schlagnahmt und trotz erfolgter Beschwerde bis jetzt nicht wiener herausgegeben. Der Leiter der Kriminalpolizei, ein gewisser Weiler, welche» die anrüchigen Lorbeeren StieberS nicht schlafen lassen(zu diesem fehlt ihm aber doch etwa»— Schlauheit, denn nicht blos hat er sich vorige« Jahr bei den Attentaten von un» gewaltig mifs Eis führen lassen, sonder» e« ist ihm auch erst jüngst das Malheur pasfirt, daß ein sehr interessantes„vertrauliches" Schreiben an eine auswärtige Polizeibehörde in Sozialistenver- folgungssachen un« in die Hände fiel)— dieser Ehrenwerthe also erklärte in selbstgefälliger Ruhmredigkeit dem Reklamanten, die schlaue Polizei habe schon vom Momente der Aufgabe jenes Briefe» Kenntniß von dessen Existenz, Adresse und Inhalt gehabt, und habe ihn nur hierher gehen lassen(!!!) um ihn hier unter Polizeiaufsicht abzuliefern! Diese Erklärung ist jedenfalls die unbedingteste Ancrkennnug der— allerdings längst offenkundigen und nnbestreiibarc»— Oberhoheit der Polizei über die Post, die sich nur denken läßt. Davon abgesehen aber ist sie nicht« als eine ebenso dreiste als prahlerische Lüge, welche uns einen mibe- schränkten Respekt vor dem Spürsinn und der Allmacht der Polizei einflößen und nn« alle Versuche, ihrer Lucheäugigkcit z» entgehen, als vergeblich erscheinen lassen und un» daher zur Unterlassung derselben veranlassen soll. Indessen irrt sich die löbliche Polizei entschiede», wen» sie un» für so leicht- gläubig hält, daß wir ans ihre Rcnommage kurzweg reinfallen. Wir haben von de» Kniffen der Polizei und der Diplomatie wohl oder übel genug gelernt als daß der„Sozialdemokrat" einen Spcditionsweg wählen sollte, welcher der Polizei da« Suchen besonder« leicht machte. (Wir würden natürlich eben so große Ssel sein, als es auch die gewürfelsten Polizeimenschen zu nnscrm Glück bisweilen»nd sogar sehr oft find, wenn wir hier Andeutungen über unsere Verkehrs- und SpcditionSwcgc geben wollten- aber so viel können wir immerhin sagen, daß unser Berichterstatter ganz auf der richtigen, die Polizei dagegen auf der falschen Fährte ist, wenn sie glaubt, sie brauche bloß an den deutschen Schlagbäumcn anfznpaffe»,»m unsere Posten ganz gemütftlich abfassen oder doch wenigstens nach den betreffenden Orten stgnalifiren zu können. D. Red.) Den beste» Beweis dafür aber, daß die Polizei die beschlagnahmte Sen- dung de«„Sozialdemokrat" nicht an ihrem Aufgabeort schon auSgespürt, sondern erst hier uuo zwar lediglich der„verdächtigen" Adresse wegen auf'» Korn genommen hat, liefert die Thatsache, daß an demselben Ort aufgegebene Sendungen an andere, der wohlweisen Polizei bislang noch unbekannt gebliebene und hoffentlich recht lang unbekannt bleibende Adressen wohlbehalten hier angekommen sind und daß die hiesigen Genossen noch während der Hetzjagd nach dem einem Paket bereit» im Besitz des„Sozial- demokrat" gewesen sind. Wenn e« der Polizei also auch an dem»öthigen guten Willen und dito Infamie keineswegs fehlt, so ist doch dafür gesorgt, daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen»nd wir haben allen Grund, uns von lähmender, über riebencr Furcht ebenso ferne zu halten, als von leichtsinniger Unvorsichtigkeit. Daß uns die Ankunft des lange erwarteten neuen Parteiorgans hoch erfreut hat und daß es unserer vollsten St>»ipaihic und Un'erftützung sicher ist, brauche ich Ihnen nicht erst zu versichern— da» versteht sich ganz von selbst!— ph. Mannheim, 6. Okt. Zum Kapitel der Staatsanwaltsuuver schämtheil, glücklicherweise aber auch zu dem der Staatsanwaltsblamagcn, hat eine am letzten Tage vor Einführung des neuen Gerichtsverfahrens vor der hiesigen Strafkammer stattgehabte Gerichtsverhandlung eine» interessanten Beitrag geliefert. Ein hiesiger Genosse, welcher Abonnent eines— natllrtich in Deutschland verbotene»— ausländischen soziali stischen Blattes ist, hatte dasselbe, nachdem er eS gelesen, seinem in Amerika befindlichen Bruder per Kreuzband Ubersandt. Die Postpolizei hielt da« gefährliche Blatt an und überlieferte es der Staatsanwaltschaft, welche auf Grund des Sozialistengesetzes gegen den Genosse» Anklage wegen„Verbreitung verbotener Schristeu" erhob. Diese Anklage war eine für jeden auch nur einigermaßen Gesetzeskundigeii ge- radezu konsternirende. Denn nicht allein, daß die Behauptung, daß die Mittheilung eines verbotenen Blatte« an einen Bruder oder sonstigen nahen Verwandten, eine ungeheuerliche, weil alle Banden de« Familienleben« lösende ist, so ist dieser Bruder unsere« Genossen auch noch dazu in Amerika, also außerhalb Deutschland«, während doch die Verbreitung verbotener Schriften nur für Deutschland verboten ist. Das Geriet l besann sich denn auch nicht lange und ließ den staatsanwaltlichen Streber gehörig abfahren, indem es den Angeklagten unier der Motivipung freisprach: daß in der Uebermittlung an seinen Bruder nicht eine„Verbreitung" verbotener Schriften im Sinne de« Sozialistengesetzes, sondern lediglich eine vertrauliche Mittheilung an einen nahen Verwandten zu erblicken sei, welche straflos bleiben müsse. Auch die von dem klagesüchtigen Staatsanwalt aufgeworfene Frage, ob der Fall nicht als Preß vergehen vor oie Assisen gehöre, wurde im verneinenden Sinne enl- schieden.— L. Solingen, 5. Okt. Auch von hier läßt sich nichts berichten, als von maßloser Willkür der Reaktion, die den Behauptungen der Oifiziösen zufolge eine„Mythe" sein soll. Nu», wir wären in dir That begierig, wenn das, was wir heute fühlen, eine Mythe ist, eine wirkliche Reaktion nach der Meinung der Regierung kennen zu(erneu. Wir wüßten nicht, wa« diese noch viel mehr thun könnte, es sei d.-nn, daß man Verfassung»nd Gesetze radikal sujpendiren und General, wu- verneure mit unumschränkter Bollmacht über Leben und Cigenthum ü la Gurko, Todtlcben je. einsetzen wollte. DaS ausgenommen aber haben wir so ziemlich alle«, was das Herz de« enragirlesten Rückschrittlers ver langen kann. Vielen von uns wurden und werden noch alle einlauieu den Briese ohne irgend einen gesetzlichen Grund, d. h. ohne daß sie sich in Untersuchung besanden, einfach aus dem Polizeibureau geöffnet. Tag und Nacht überwacht man un« und selbst die Leute, welche' rein ge schästlich mit un« verkehren, werden schon aus Grund dessen mit Haussuchungen belästigt. Bei einem hiesigen Bürger wollte man dura ans etwas finden, und begab sich deshalb, nachdem die Polizei mehrmals resultatlo« bei ihm nachgesucht, der Untersuchungsrichter selbst zu ihm. Der Mann, welcher den Gehaussuchten in vollem Ernste fragte, ob die Werke Lord Byron'« auch verboten wärens!)— mußte indessen ebenfalls mit langer Nase abziehen.— Ein Parteigenosse, bei welchem die heilige Hermandad ein Exemplar einer im Ausland er scheinenden sozialistischen Zeitung suchte und fand, sitzt schon seit zwei Monaten in Untersuchung. Selbst Ehefrauen werden als Zeugen v.r- uommen und diejenigen Genossen, welche im Vervacht stehen, verbotene Schriften zu vertreiben, werden in Eid genommen, um wieder gegen andere Genossen, die ebensowenig gesündigt haben, al« sie selbst, zu zeugen. Daß ein solches Vorgehen manchen Aengstlichcn einschüchtern muß, ist leicht erklärlich. Dafür schließen sich die übrigen Genossen aber desto fester zusammen und nähren die heilige Flamme de« Sozialismus im Verborgenen, bis aus eine bessere Zeit, die uns nicht unvorbereitet finden soll. Zs. Wie«) 5. Oktober. Die Polizcifrechheit nimmt von Tag zu Tag zu. Gleich Schweinen wissen die löblichen k. k. Konr- missäre jeden sozialistischen Keim auszuschnüffeln und aufzuwüh- len, um ihn in den Boden zu treten. Auf die ungesetzliche Ver- Haftung Bernards(es ist das der Bürger, welcher wegen„Wider- stand" gegen einen frechen Spitzel arretirt wurde, wovon ich Ihnen jüngst meldete), folgt die ebenso ungesetzliche Unterdrückung der„Freiheit" und dieser— auf einen ganz frivolen Grund hin— die Anklage Schwarzinger's und Bardorf's, die gestern denselben zugestellt wurde. Unter den Advokaten hat sich endlich doch einer gefunden-— Dr. Berggrün, der schon einige unserer Genossen vertheidigt hat— welcher auch die Anklage gegen den Bezirks- kommissär von Mariahilf wegen der willkürlichen Verhaftung Ber- nard's und den Einspruch gegen das Verbot der„Freiheit" über- nommen hat. Heute wollte er init dem noch verhafteten Bernard sprechen, wurde aber nicht zu ihm gelassen, trotzdem er, von Bernard's Frau ersucht, dessen Vertheidigung übernommen hat. Der Verthcidiger nicht zum Angeklagten gelassen! Welche Frechheit! Kann man noch rechtloser werden? Druckfehler-Berichtigung. Im Rechenschaftsbericht der sozialdemokratischen Abgeordneten, Seite 2, Spalte 2. Zeile 17 von oben lese man statt heit— Freiheit. Bei uns ist eingetroffen und empfehlen wir; für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. Herausgegeben von Dr. Ludwig Richter. I. Jahrgang. I. Hälfte, gr. Octav 20 Bogen stark, broch. Preis für Arbeitervereine nur Fr. 3. 50(im Buchhandel Fr. 4. 50). Bei der eminenten Bedeutung der sozialen Frage, die immer weitere Kreisg nicht nur interessirt, sondern thatsächlich auch beschäftigt, lag das Bedürfniss nach einem durchaus objektiv gehaltenen Jahrbuche für Sozialwissenschaft geradezu in der Luft; Herausgeber und Verleger sind durch die allseitige Anerkennung uhd Unterstützung, welche die Idee des„Jahrbuches überall fand, ganz besonders darin bestärkt worden, dass über die Nützlichkeit eines solchen Unternehmens wohl kaum irgendwo Zweifel erhoben werden können. Obiges Werk sollte in keiner Bibliothek eines vorwärtsstrebenden Arbeitervereins fehlen. Die zweite Hälfte erscheint zum Januar 1880. Diese Arbeit ist, ungeachtet ihrer ruhigen Objectivität, in Deutschland auf Grund des Sozialisten-Gesetzes verboten. Kin Grund mehr für jeden wahrhaft freisinnigen Mann, sich das Jahrbuch anzuschaffen. Volksbuchhandlung Böttingen-Zürich. Bei uns ist zu beziehen: Der Republikaner. tliustnrtor Volkskalerrder für 1880, Begründet von Reinhold Rüegg. Preis 50 Ct. Der Kalender ist ein Volksbuch im wahren Sinne des Wortes und sehen wir zahlreichen Bestellungen entgegen. Volksbuchhandlung Hottingen Zürich. Wiederverkäufer werden gesucht bei hohem Rabatt. Durch uns sind nachstehende Schriften zu beziehen: Fr. Ct. Mk. Pf, Aufschlüsse über die badische Revolution v. 1849 2.— 1. 60 Bebel, A, Der deutsche Bauernkrieg 2.50 2.— — Die parlament. Thätigkeit d. deutschen Reichstages u d. deutsch. Landtage v.l871/'73u. d. Sozialdemokr.—.20—.15 ——-——— 1874/76—.45—.35 — Die Entwicklung Frankreichs—. 40—. 30 — Glossen zur wahren Gestalt d. Christenthums—.40—.30 — Das Reichsgesundheitsamt u. sein Programm— 20—.1.7 Becker, Job. Ph. Neue Stunden der Andacht. Satyrische Psalmen in Reimform, 5 Hefte 3.— 2. 40 — Geschichte dei�süddeutschen Mairevolution 7. 50 6.— — Vorbote. Soz.-pol. Monatschrift 6. Jahrg.(1866—71) 10.— 8.— — Wie und Wann? z.— 2.40 — Die Frau und der Sozialismus 2.— i. 60 Becker, B., D.Reaktion, i. üeutschl. geg. d.Revol.v.l84S 2.50 2.— — Geschichte der revol. Pariser-Commune 1789— 94 2.60 2.— Bios, W., Blut und Eisen oder die Entstehung des Krieges von 1866—. 70—. 50 — Zur Geschichte der Kommune von Paris—. 50—. 40 Bracke, W., Nieder mit den Sozialdemokraten—.20—.15 — Die Verzweiflung im liberalen Lager—.25—.20 Bürkli, Karl, Die Bank- u. Handelsreform. Uebersetzung aus den Werken eines Schüler Fourier's—.: 0—.40 — Solidarität, Lehre Karl Fourier's—. 50_.40 — Steinkohle und Wasserkraft. Eine Studie zum Kapiteld.Uebei-schwemmungenu. Waldverwüstungen—.50—.40 Bürgerkrieg in Frankreich—.35—.25 Kulturkampf und Volksschule in Preussen—.30—.25 Daniel in der Löwengrube. Eine Geisselung der reaktionären Zustände in—— Babylonien, vom Verfasser des„Neuen Wintermärchens"—.50—.40 Das eidgenössische Fabrikgesetz mit Erläuterungen von H. Greulich—.20_. 15 „Der Republikaner", Volkskalender für 1880—.50—.40 ————— für 1878 und 1879 ä—.25—.20 Der arme Konrad. Illustrirter Kalender für das arbeitende Volk für 1879—.50—.40 —— frühere Jahrgänge—.30—.25 Dietzgen, Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit 2.— 1.60 — Die bürgerliche Gesellschaft—. 20—. 15 — Die Religion der Sozialdemokratie, 5 Kanzelreden—. 30—. 25 Douai, Dr. A, ABC des Wisens f. d. Denkenden, 2. Aufl.—. 30—. 25 — Kindergarten u. Volkschule als soziald. Anstalten—.35—.30 Engels, Fr, Soziales aus Russland—. 25—. 20 — Hrn. Eugen Dührings Umwälzung d. Wissenschaft, 1. und 2. Theil 2.—' 1.60 Ein neues Winterraärchen(v. Heine II.)—.30—.25 Für die französischen Brüder—.20—.15 Geib, A., Gedichte, broch.—. 76—. 50 Geiser, Br., Die Forderungen des Sozialismus an Gegenwart und Zukunft—. 70—. 50 Graf Eulenburg und die Sozialdemokratie—.40—.30 Greulich, H., Der Staat vom soziald. Standpunkt aus. Eine Auseinandersetzung mit den Anarchisten—.30—.25 Herwegh, G., Neue Gedichte 5.— 4.— — Gedichte eines Lebendigen 4. 50 3. 60 Hillmann, Die Organisation der Massen—. 35—. 30 — Praktische Emanzipationswinke—. 30—. 25 Jahrbuch für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, herausg. von Dr. Ludw. Friedr. Richter 3.50. 2.75 Kegel, M., Freie Lieder(Gedichte)—.70—.50 Komplet gegen die Int. Arbeiter-Assoziation. Aus dem Französischen übersetzt von Kokosky 1.60 1.30 König, Schwarze Kabinette 1.25 1.— Krasser, Dr. F., Anti-Syllabus(Predigt)—. 5—. 5 — Ceterum censeo—. 5—. 5 Lange', F., Die Arbeiterfrage 5.— 4.— Lassalle, Ferd., Rede über die Arbeiterfrage—.25—.15 — Offenes Antwortschreiben—.20—.10 — Arbeiterlesebuch—. 35—. 20 — Indirekte Steuern—. 40—. 30 — Die Wissenschaft und die Arbeiter—. 25—. 15 — Ronsdorfer Rede—. 20—. 15 — Ueber Verfassungswesen—.25—.20 — Fichtes Philosophie—.20—.15 — Herr Julian oder der literarische Julian 1.——.80 — Briefe an Rodbertus-Jagetzow 3.— 2. 40 — Vertheidigungsrede betreffend Kassettendiebstahl—.40—.30 Leben u. Thaten d- Generals Jaroslas Dombrowsky 1.——.80 Leipziger Hochverrnthsprozess 3.80 3.— Liebknecht, W., Zu Trutz und Schutz—. 35—. 30 — Das Briefgeheimniss vor dem deutschen Reichstage—. 50—. 40 — Ueber die politische Stellung der Sozialdemokratie—. 30—. 25 — Zur Grund- und Bodenfrage 1.——.80 Lissagaray, Geschichte der Kommune von 1871 5. 50. 4. 50 Most, J, Der Kleinbürger und die Sozialdemokratie—.70.—.50 — Die Pariser Kommune vor den Berliner Gerichten 1.25. 1.— — Die Lösung der sozialen Frage—. 50.—. 40 Oldenburg, Was wollen die Sozialdemokraten?—.40.—.30 Protokoll des Kongr. des Schweiz. Arbeiterb. zu Winterthur, Bern, Ölten, Neuenburg, Basel und St. Gallen—. 25.—. 20 Photographien aller bekannten Sozialdemokraten—.—.—.— Rohleder, Die Pariser Kommune vor der Deputirten- kammer zu Versailles—. 40.—. 30 Sack, E., Unsere Schulen im Dienste gegen d. Freiheit—. 80.—. 60 — Gegen die Prügelpädagogen 1.—.—. 80 Seidel, Roh., Staatlicher Getreidehandcl od. wie kommt das Volk zu billigem Brod—. 35.— 30 Schaff le, Quintessenz des Sozialismus 1.50 1.20 Schramm, Grundzüge d. National-Oekonomie, 1. Abth.—.35—.30 — Ein Wort zur Verständigung in der sozial. Frage—.30—.25 S e rno-S ol owi e witsch, Unsere russ. Angelegenheit.—.30—.25 Strodtmann, A., Arbeiterdichtungen in Frankreich 1.25 1.— — Brutus schläfst du? 1.25 I.— T Ossendorf und die deutsche Sozialdemokratie—.50—.40 Vogel, Verfälschung der Lebensmittel 1.——.80 V ol k s staat-Fr e m d Wörterbuch, brochirt—.70—.50 ———-——— gebunden—. 90—. 70 Vellmar, G., Waldverwüstung und Ueberschwemmung—.20—.15 Wahre Gestalt des Christenthums—.70—.50 York, Die industrielle Arbeiterfrage—.30—.25 Zeitgeist, eine Studie—.35—.30 Zukunft, Sozialist. Revue, komplet gebunden 10— 8.— Die Preise verstehen sieh ohne Porto, und wird nur gegen Vorausbezahlung geliefert. Ausser den vorstehenden sind duroh uns auch alle anderen sozialistische Schriften, soweit sie noch zu haben sind(gleichviel, ob irgendwo. verboten oder nicht) zu beziehen. Die Expedition des„Sozialdemokrat".