ßrschemt+ J ± A v Aöovuements ■ M Wfrttn nur beim V-rlag Der Sojlatdemollmt wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz) Nerlaz U. Herter, Anduftriehalle franeo gegen franco. Gewöhnliche Briefe gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mt. 3.— für Deutschland(Couvert) Ritsliach.Zürich C/ w TT V TT � � p. 1. 70 sllr Oest«rr-i»>«rt» Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder de? PoßstlldllSgt« /m Weltpostverein»(Kreuzband). Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge ?»seritt nach der Schweiz kosten*»*V Die dreigespaltene Petitzeile Doppelporto. �» F � Wt J 9 � 25 Ct».— 20 Pfg. N? A. Sonntag, 2. November. 1879 Anis an die ßorrcspondtnttn und Adonnenten des„Soiialdemokrat"."MW Ta d«r.Sozialdrmqlra«' sowohl in Drutschland als auch in Otfirrre�-H vrrbotin ist. bkjw verfolat wird und dj» dartiae» g als möglich an den.Soiialdemolrat'. resp. dessen Verlag selbst adresflren, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtige Behörden sich alle Mühe geben, nnsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns n Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß und unsere Zeitungs- und sonstige, l Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerüe Vorsicht in, Postverkehr nothwendig und auch uns möglichst unverfängliche Zustellung»adressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briesmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent- der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu ein rseit», daß unsere Freunde so selten gegenstehendeu Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. An die deutschen Parteigenossen! Freunde und Gesinnungsgenossen! Nachdem es uns durch Schaffung eines gemeinsamen Partei- organes wieder möglich geworden ist. zu einander zu reden und unsere Part i-Ängelegenheiten, soweit sie sich unter den heutigen Umständen für die Oeffentlichkeit eignen, öffentlich zu behaideln, wird es eine unserer eisten Aufgaben sein müssen, in ausgedehnterem Maße als bisher für diejenigen Genossen zu sorgen, die ihrer Ueberzeugung wegen ins Gefängniß ge- warfen, unter der Herrschaft des Sozialistengesches aus ihrer Heimath und von ihrem E> werbe getrieben und sonstwie durch politische Maßregelunge» ihrer Existenzquellen beraubt worden sind. Die Zahl unserer Juhoflirten ist noch immer groß und wie die Dinge jetzt liegen, kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß sie sich eher vermehren, als vermindern wird. Und die Zahl der Ausgewiesenem— der Opfer des Berliner Belagerungszustandes— nimmt fortwährend zu. Das Jahr, für dessen Dauer der Belagerungszustand proklamirt wurde— eine längere Frist läßt das Gesetz nicht zu— ist in wenigen Wochen abgelaufen, und die Regierung will ihn verlängern. Die Massenausweisungen, zu denen sie plötzlich wieder gegriffen hat, haben zum Haupt-, wo nicht zum einzigen Zweck, im Publikum den Glauben an eine Gefährdung des öffentlichen Friedens durch die Sozial- dcmokratic zu verbreiten und die öffentliche Meinung der ge- planten Verlängerung des Belagerungszustands günstig zu stimmen. Vielleicht hofft man auch, durch die massenhaften Ausweisungen, die uns bedeutende Geldopfer auferlegen, die Partei, der man sonst nicht beikommen kann, mürbe zu machen. Ausfallend ist jedenfalls, daß die Polizei sich regelmäßig Fa- mili e n Väter aussucht. Ueberhaupt ist die Situation eine solche, daß wir auf eine Verschärfung der Reaktionsmaßreoeln und au, ausgedehntereVerfolgungengefaßtsein müssen! Da gilt es, das Gefühl der Solidarität im vollsten Maße zur Geltung zu bringen. Alle für Einen, Einer für Alle— war stets die Losung unserer Partei, und stets wurde es als heilige Pflicht anerkannt, den gefangenen, ausgewiesenen und sonst von den Verfolgungen des Polizeistaates betroffenen Genossen helfend zur Seite zu stehen und ihnen die Sorge um die Fa- milie abzunehmen. Wir wissen wohl, daß unter den obwaltenden Verhältnissen es seine belrächtlichen Schwierigkeiten hat, für solche Zwecke Geld zusammen zu bringen; aber es muß geschehen und an den Opfermuth der deutschen Sozialdemokra» ten ist noch niemals umsonst appellirt worden! Seit dem Inkrafttreten des Sozialistengesetzes hat bisher die Unterstützung auf vergleichungsweise wenigen Schultern gelastet. Das Gros der Gen.ssen konnte nicht herangezogen werden. Dies kann und muß nun geschehen. Einzelnen darf nicht- überlassen bleiben, was Sache der Gesammtheit ist. Und für Einzelne ist auch die Last zu groß. Genossen, Freunde! Jeder von Euch hat die Pflicht, für die Opfer des Kampfes einzutreten. Und von Jedem von Euch erwarten wir, daß er seine Pflicht erfüllt. Jeder muß beisteuern, soweit seine Kräfte reichen! Jeder muß in seinem Kreise zur Pflichterfüllung anspornen! Freunde! Sammelt in allen Fabriken und Werkstätten, wo Ihr wißt, daß sich treue Genossen finden. Sammelt, wo sich die Gelegenheit bietet! Sammelt überall mit Eifer und— mit Vorsicht. M i t Vorsicht,— denn obgleich das Sammeln nicht gegen das Gtsetz verstößt, so ist es doch gut. überflüssige Kon- flikte mit den Polizeiorganen zu vermeiden. Damit aber auch der Ertrag der Sammlungen seiner rich- tigen Bestimmung zugeführt werde, empfiehlt es sich, das ge- sammelte Geld an die Euch als zuverlässig bekannten Adressen in Deutschland zu schicken. Wer keine ganz zuverlässige Adresse hat. der erkundige sich bei der Redoktion des„Sozialdemokrat", die ihm gern die nöthige Auskunft er- theilen wird. Zur b.sseren Kontrole möge bei jeder Sendung bemerkt wer den, unter welchem Zeichen die Ouittirung im„Sozialdemo- krat" erfolgen soll. Gebe Jeder sein Scherflein, damit unsere Nachkommen nicht sagen können, wir hätten, durch Verfolgungen eingeschüchtert. unsere Freunde in der Roth verlassen, in die sie gerathcn sind. weil sie für unsere Sache gewirkt. Die, welche sich für uns geopfert, haben ein Recht auf unsere Unterstützung! Kein weiteres Wort mehr! Thue Jeder seine Schul- digkeit! Deutschland, den 24. Oktober 1879, Sozialistischer Arbeiterkongreß zu Marseille. i. Indem wir uns ein Resume über die Arbeiten des Kongresses, eine Beurlheilung, wie er seiner Aufgabe gerecht geworden und welche Bedeutung er für die Sache der französischen Arbeiterklasse wie des Proletariats aller Länder beanspruchen darf, für den Schluß vorbehalte», wollen wir unfern Genossen vorerst fortlau- send Bericht erstatten über die Verhandlungen des Kongresses, und zwar thuii wir dies i» der Hauptsache nach dem vom Kon- greß selbst herausgegebenen„Bulletin officicl", benützen jedoch in Einzelheiten auch uns zugekommene spezielle Mittheilungen. Daß wir bei dieser, wenn auch nothwendig vielfach etwas sum- manschen, Berichterstattung den Kongreßverhandlungen nicht so schnell zu folgen vermögen, wird man sehr begreiflich finden, wenn man einerseits unfern beschränkten Raum und anderseits die Thatsache erwägt, daß der Kongreß während 14 Tagen ununterbrochen tagt und täglich Sitzungen abhält. Die Bourgeois- presse aller Parteien wird freilich schneller fertig, da sie nur auf „sensationelle" Ereignisse ausgeht, für die ernste Gedankenarbeit der Arbeiterdelcgirten aber kein Verständniß hat und„die be- kannten Klagen der Arbeiter" über ihre Lage natürlich höchst „uninteressant" und nicht des Berichtcns Werth findet. Für uns Sozialisten aber sind die Marseiller Verhandlungen von großem Pntercsse, weil sie uns Einblick in die Entwicklung der französischen Arbeiterbewegung, die in der sozialen Revolution eine bedeutende Rolle spielt, gewähren. Daß die Klärung der Geister in der französischen Bewegung leider noch nicht soweit gediehen ist, daß greifbare Thaten zu erwarten sind, darf uns nicht abhal- ten, dem Kongreß unsere volle Aufmerksamkeit- zuzuwenden; denn gerade die jetzige Ent ricklungsphase, die in manchem an die»ach Gestaltung ringende deutsche Arbeiterbewegung um 1862 erinnert, ist von größtem allgemeinen Interesse. Einer unserer französi- merksam folgt, präzisirt den Dienst, welchen der Marseiller Kon- greß der französischen Arbeitersache leiste» wird, dahin, daß er„pro- klamativ" wirke» werde. Ein Prinzip aber einmal formulirt(was bisher hinsichtlich des modernen Sozialismus in Frankreich keines- wegs der Fall war) und proklamirt, ist schon viel gewonnen und mehr als anderwins in Frankreich. UebrigenZ bietet von den seitherigen Versammlungen das weit- aus größte Interesse die erste Sitzung, welche wir daher auch etwas ausführlicher behandeln. Die minder wichtigen Referate und Diskussionen werden wir dafür um so summarischer behau- dein und so eine ganze Reihe von Sitzungen mit Einem erledigen. Nachdem am 19. Novbr. eine geschlossene Delegirten- sitzung stattgefunden hatte, in welcher sich nach dem Vorgang des Bürgers Bernard eine Reihe von Delegirten, u. A. der von St. Elienne und einer von Paris, als Kollektiviste» erklärt und Bernard als noihwendige Voraussetzung:ur schlicßlichen Er- reichung des Kollektivismus die Bildung einer großen Ar- beiterpartei bezeichnet hatte,— fand am 20. Oktober die erste öffentliche Sitzung statt. Das Kongreßlokal, der Saal des Folies-Bergvres, war sinnreich mit rothen Bannern, sozialistischen Emblemen und Inschriften(„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit,"„Keine Pflichte» ohne Rechte, keine Rechte ohne Pflichten,"„Der Boden dem Bauer, das Arbeitswerkzeug dem Ar- beiter,"„Emanzipation der Arbeiter durch die Arbeiter selbst" ze.) geziert und über dem Bureau befand sich die Büste der Freiheit mit der phrygischen Mutze und rothc» Schärpe. In Gegenwart von 1> 0 Delegirten(worunter eine Anzahl Frauen), einer großen Anzahl von Prcßveriretern und eines viele Hunderte zählenden Publikums eröffnete Bgr. Passet den Kongreß mit einer kurzen Anrede, worauf die Präsidentenwahl vorgenommen wurde und nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden Bgr. Durand zur Berichterstattung im Namen der Beschlußkommission des Ltzoner Kongresses das Wort erhielt. Durand berichtete über die Anstrengungen, welche die Kommis- sion zur Ausführung der Beschlüsse des Lyoner Kongresses ge macht, und namentlich über die vergeblichen Schritte, welche sie gethan, um verschiedene Mitalieder der Abgeordnetenkammer für die Sache der Arbeiter und die Beschlüsse des Kongresses zu interessiren. Der einzige Bonnet- Du verdier lieh seine Unterstützung, war aber i folge seiner vereinzelten Stellung in der Kammer ohnmächtig. So konnten weder die Beschlüsse hm- sichtlich eines Normalarbeitstages und die über die Reorganisation der Schiedsgerichte(prud hornrnes), noch die hinsichtlich der Vereins- und Versammlungsfreiheit ausgeführt werden; nur die Forderung noch obligatorischem, unentgeltlichen Laienunterricht fand Anklang bei den bürgerlichen Republikanern. Dagegen hatten die Beschlüsse, deren Verwirklichung Sache der Arbeiter selbst war, wie die Errichtung von Syndikatskammern und deren Verbün- dung, die Gründung von Kooperativgenossenschaften, von Unter- stützunas- und Invalidenkassen, Arbeitsnachweisbureaux zc. sowie die Schöpfung einer Arbeiterpresse mehr Erfolg, und ist in allen diesen Richtungen während des vergangenen Jahres viel geschehen. Was speziell die Arbeiterpresse betrifft, so existiren gegenwärtig aller Hindernisse ungeachtet, zwei sozialistische Blätter: die Lyoner «Relorrne politique et sociale» und der Pariser«Proletaire». Nachdem der Berichterstatter noch eine Uebersicht der Kassen- läge des Lyoner Kongresses gegeben, setzte er das total Unzuläng- liche der bisherigen Organisation der französischen Arbeiter in den Syndikatskammern auseinander und schloß mit folgenden treffen- den Worten:„Man muß zu der Erkenntniß kommen, daß dem französischen Volk, um allmächtig zu sein, nichts fehlt, als der Zusammenhang, die Einigkeit, das Band, welches die verschiedenen Theile des Volkes zusammenknüpft. Mit Ausnahme von feicr- lichen Gelegenheiten, wie diejenige, welche uns jetzt vereinigt, haben unsere Arbeitervereine nur wenig Verbindung von Ort zu Ort und von Gegend zu Gegend. Unter diesen Umständen blei- den all unsere Kraftanstrengungen, so energisch sie auch sein mögen, ohnmächtig, weil sie vereinzelt sind. Das einzige Heil- mittel für einen solchen Zustand der Dinge liegt in der Schaf- fung einer Arbeiterpartei, wie sie bereits in mehreren Nachbarstaaten existirt. Wenn die Arbeiten des Marseiller Kongresses zu diesem Resultat führen würden, wenn aus dessen Berathungen ein Programm der sozialen Rückforderungen hervorginge, welches als eine Fahne für das ganze Proletariat anerkannt werden könnte, um welche wir von allen vier Enden des Landes Manifestationen der Arbeiteridee sammeln könnten: dann dürften wir hoffen, daß die zur Ausführung Eurer Beschlüsse zu wäh- lende Kommission in der Erfüllung ihrer Pflicht erfolgreicher sein würde, als wir es waren, und daß sie in einer nächsten Session mit wirklichen, greifbaren Fortschritten vor Euch treten könnte." Hierauf erhielt Bürger Lombard das Wort zur Bericht- erstattung namens des Ausschusses zur Organisation des gegen- wärtigen Kongresses. Dieser Bericht, welcher eine getreue Schil- derung des gegenwärtigen praktischen und namentlich auch des prinzipiellen Standes der französischen Arbeiterbewegung gibt, ist otv jwt v..vrv<>iw— e r. cw p..,....o...c v__ zum Vortrag gekommen und wir bedauern nur, daß uns unser Raum nicht die Mittheilung des größten Theiles desselben ge- stattet und wir uns lediglich mit einem Resume und einigen Auszügen begnügen müssen. Der Bericht schildert in markigen Zügen die Entwicklung der politischen Lage Frankreichs seit dem Lyoncr Kongreß, des Einflußcs derselben auf die Arbeiterklasse und der Pflichten, welche sie den fortgeschrittenen Arbeitern und vor allem den mit deren Jnteressenwahrnehmung betrauten Organisatoren des jetzigen Kongresses auserlegten. Zur Charak- terisirung des entwickelten Standpunktes dieser Männer genügt eine Stelle aus dem von ihnen verfaßten und im Februar ds. Js. in 20,000 Exemplaren durch ganz Frankreich verbreiteten Manifest zur Vorbereitung auf den Kongreß, welche also lautet: „Es ist von größter Wichtigkeit, daß der Marseiller Kongreß eine kräftige kollektivistische Idee entwickle, welche der wahre Ausdruck unserer Bestrebungen und Bedürfnisse ist, für welche sich das ganze Proletariat erwärmen und welche es als sein wahrhaftes, um- gestaltendes Programm, dessen Grundlagen auf dem wissenschaftlich nachgewiesenen unau'haltsamen Fortschritt ruhen, anerkennen kann... Seit wir die Republik, die einzige Staatsform, unter welcher sich dieser Fortschritt friedlich und allniälig vollziehen kann, definitiv erobert haben, fragen wir uns stets laut: Welche Reformen sind geschaffen, welche Mißbräuche abgestellt, welche Ungerechtigkeiten gutgemacht werden? Was haben wir P> oletarier vo» der Re- gicrung unserer Wahl empfangen, für welche wir soviel gethan, soviel geopfert haben? Und die Antwort lautet: Nichts, gar nichts! Ist es nun nicht endlich Zeit, daß wir, nachdem die besiegten Parteien in der Auflösung sind, die unserige konsti- tuiren, daß wir ins Leben rufen, was wir ein Recht zu crwar- ten haben, damit der vierte Stand sich behaupte im Kampf gegen die gegenwärtigen Ungleichheiten, wie einst der dritte Stand die Vorrechte der beiden alten Stände: des Adels und der Geist- lichkcit siegreich bekämpfen konnte? Wir beanspruchen nicht, gleich der Bourgeoisie von 1789 aus nichts alles zu werden; aber was wir wollen, ist Recht, Gerechtigkeit und Gleichheit für Alle. Wir wollen beweisen, daß die Gesellschaft ungerecht ist gegen die große Masse. Was wir fordern, ist billig, wie die von uns zur Besserung unseres Looses vorgeschlagenen Mittel vernünftig, prak- tisch und friedlich sind." Der Bericht erwähnt dann die große Anzahl der auf dies Manifest eingelaufenen Zustimmungsschreiben von Arbeitervereini- gungen aus allen Theilen des Landes und der Einsendung von mehr als 500 Anträgen zur Tagesordnung, welche von der Kommission zu dem, dem Kongreß vorliegenden Traktandenpro- gramin ausgearbeitet wurden. Ueber die bei diet'er Ausarbeitung maßgebenden Gesichtspunkte drückt sich der Bericht folgendermaße» aus:„Wir mußten uns auf die Höhe der Ideen der Gegenwart stellen, ohne ihnen weder vorauszueilen, noch auch hinter ihnen zurückzubleiben. Mit Einem Wort: unser Programm mußte einen fühlbaren Fortschritt gegen den Lyoner und Pariser Kongreß darstellen. Indem man es las, mußte man dem Erwachen des Sozialismus gewissermaßen den Puls fühlen und sich so von seiner tiefen Lebenskrast und von seiner gewohnten Energie über- zeugen, welche die Niederlagen des Proletariats von lg71 nicht zugleich mit den 30,000 unserer Brüder in die Gruft'cnfen konnten... Es giebt eine Ddkirin, weiche unter dem Namen des SvtialiSmus die Tradition der Revolution foriietzen und die Ge- sellschaft auf rationellen und wissenichaftlichen Grundlagen auf- bauen will. Diese Doktrin, welche die Bewegungen von 1832, 1848 und 1871 hervorgerufen hat, bewegt— von Millionen menschlicher Wesen aller Klassen, vor allem aber von der Arbeiter- klasse bekannt— gegenwärtig die Geister, erregt die Gefühle und erhebt sich in der Verneinung der Regierungen und Auto- ritäten, wie in den Bejahungen der Wissenschaft gegen die alte Welt und die alten Ideen: gegen die Autorität, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die Monopolistrung des Ar- beitsertrags durch die, welche nicht arbeiten, die finanzielle Erpres- sung, die intellektuelle, ökonomische und politische Anarchie, das Joch der Klassen, die Ungleichheit der Stellung, die Unwlidarität der Interessen und die Selbstsucht der Herrschenden! Ihr Zweck ist, den Menschen, ganz in Uebereinstimmung mit der Forderung des Rechts und der Gerechtigkeit, wieder in einen harmonischen Zustand zu versetzen und ejn soziales Gebäude aufzurichten, unter welchem der Arbeiter Zuflucht findet vor der Unwissenheit, der Unsicherheit von heute auf morgen und dem Elend unter allen seinen Gestalten. Die vereinigte Arbeit einiger Denker und der Proletarier selbst hat die gerechten und vernünftigen Forderungen der Arbeiterklasse formulirt und aus jener Doktrin eine Wissenschaft geschaffen, Mögen uns die Gelehrten der Bourgois-Politik doch nicht mit der Ausrede kommen, daß diese soziale Wissenschaft unbegreiflich und unbeweisbar sei, daß sie unter den Händen der Kritik ver- gehe, daß sie utopistisch und widersinnig sei. Wer sie so beurtheilt, kennt sie einfach nicht. Im ersten Augenblick möchte es scheinen, als ob die soziale Wissenschaft oder der Sozialismus sdenn beide Worte decken sich) unnütz wäre in dem Kampf, welchen wir zur Behauptung unserer Rechte unternehmen. Das wäre aber ein schwerer Jrrthum, und ein einziger Blick auf die gegen- wärfige Gesellschaft genügt, nm uns von ihm zu überzeugen... Wenn die Regierungen nicht jedesmal, so oft das Proletariat sein LooS verbessern will, alle möglichen Hindernisse schaffen würden, wäre die Lage des Proletariats ohne Zweifel(den heutigen öko- nomischen Gesehen gemäß) ebenfalls ein« schlimme; aber sie würde sich nach dem Grad der Entwicklung der Ereignisse modifiziren. So aber kann das nicht geschehen. Sowie das Proletariat einen Schritt vorwärts thun will, knebeln es die Regierungen, lösen seine Kongresse ans, beunruhigen feine Syndikatskammern und Gewerkschaften, fesseln seine Vereine, beargwöhnen seine Zusammen- künfte und legen sich für das herrschende politische und ökono- mische System dergestalt ins Zeug, daß dem Proletariat jede befreiende That unmöglich ist, ohne daß alle obrigkeitlichen Ge- walten: die Armee, die Gerichte, die Pfaffen, die Berwältung und alle Gefängnisse sich gegen es erheben. Deßhalb müssen wir auf den Trümmern der heutigen herrschenden Klassen eine neue soziale Organisation errichten, in welcher wir unsere Kräfie entfalten und für unsere politischen und ökonomischen Bestrebungen kräftig eintreten können. Einen organisirten Arbeiter- stand zu schaffen� das muß rutser Hauptaugenmerk sein; der vierte Stand muß sich befteien und an die Stelle des bis heute allmächtigen dritten Staats treten---- t u i-f u uiil� ClIICT DOH(lUCII UOriQCTl politischen Parteien vollständig getrennten und alle, nach einer tiefgehenden Umgestaltung der Lage ihrer Klasse ringenden, Arbeiter umiassenden Arbeiterpartei ist somit erwiesen. Der Arbeiter- kongrcß von Marseille würde sich an dem ganzen Proletariat schwer vergehen, wenn aus seinen Studie nnichtdie Arbeiterpartei hervorginge! Alles will, alles fordert die Organisation dieser Arbeiterpartei, welche ein Bedürfniß der Zeil ist und eine Nothwendigkeit für das Proletariat, das sich wieder und definitiv gegen den allen Zu- stand der Dinge erheben und ihn stürzen muß... Ihr, Bürger, könnt durch Eure Arbeiten der Arbeiterklasse den Weg bahnen, auf welchem sie den Fesseln, die sie bedrücken, entgehen kann. Aber Ihr müßt ein einheitliches Programm unse er noth- wendigen Forderungen aulstellcn, sonst wird die Arbeiterklasse bleiben, was sie jetzt ist: schwach, ohne Selbstbewußtsein und Zusammenhang! Das könnt Ihr aber vermeiden. Schon zulange sind wir von den falschen Aposteln der Freiheit, von den fahrenden Rittern der Politik, den Herrschenden aller Art und den Regierungen jeder Sorte betrogen worden, als daß wir uns um kleiner Meinungsverschiedenheiten spalten sollten. Sehen wir von unser» persönlichen Liebhabereien ab und lassen wir aus dem Marseiller Arbeiterkongreß eine greis bare Idee hervor- gehen, dann wird sich das Proletariat, das sein Blut am allen Schlachtfeldern de« Despotismus vergossen hat, siegreich erheben und den Anbruch der Herrichaft des Rechtes und der Gerechtig- kcit herbeiführen, welche der Ausdruck der sozialdemokra- tischen Republik find, die zu errichten unser Endziel ist!" Dieser treffliche Bericht wurde oft von lebhaftem Beifall unter- krochen und am Schluß von stürmischen, nicht endcnwollenden BeisallSsalven überschüttet. Und zum Zeugniß, daß der Kongreß die sozialistischen Gesinnungen Lombards theile, wurde auf des letzteren Antrag sofort einstimmig beschlossen, den Kongreß „Sozialistischen Kongreß von Frankreich" zu nennen. Hierauf gab Bürger Mo ull et einen Bericht über den Stand der Kooperativgenossenschaften und SyndikatSkammcrn, welchem wir natürlich nicht genauer folgen können. Wir konstatiren nur, daß diesem Bericht zufolge in Frankreich mehr(politisch bisher allerdings nicht ins Gewicht fallende) Arbeiter-Organisalionen, welches gute Kadrrs iür eine kommende Arbeiterpartei geben können, existiren, als man bisher auswärts annahm. So hat Mar- seille 35 Syndikatskammern und eine Anzahl Vereine„Sozialer Studien", Bordeaux 14, Toulouse 14, Vienne 12, Lyon 45, dazu mehrere Soz, Stud.-Vereine, Paris 87 Synd.-Kammern, 24 Produktions- und 25 Konsumvereine, eine sozialistische Viblio- thek, 3 Soz. Stud,-Vereine, einen Frauenrcchtsverein, eine allge- meine Arbeiterunion(welche den«Proletsirö» herausgibt) zc Der Redner schließt mit dem Hinweis, daß oie vorgebrachten unvoll- kommenen Zahlen doch das Eine beweisrn, daß das Proletariat, welches so lange unter einer moralischen Erstarrung gelegen habe, allmälig aus seiner Lethargie erwache und durch Wort und That zeige, daß es bereit ist zu einer friedlichen, aber gewaltigen so- zialen Revolution, welche es in. das ersehn'.« Land der Emanzi- pation der Arbeiterklasse führen werde. Nachdem nun Bcgrüßungiadressen aus Bukaretl, Neapel und von ruthenischen Sozialisten in Gens verlesen worden, wurde zur Wahl der Ausschüsse geschritten uno hierans die Sitzung geschlossen. Sozialpolitische Rundschau. — Das von uns neulich charakterisirte diplomatische Spiel mit dem deutsch-österreichischen Bündnißwird noch immer lustig fortgesetzt und treibt seine g'ftigen Blüthcn in den der- rücktest«» chauvinistischen Kombinationen der„großen" Presse und der dadurch hervorgerufknen allgemeinen Vertrauenslosigkeit, Unsicherheit und Verschärfung der verderblichen Nationolgegen-- sätze. Interessant und bezeichnend für die rapiden Fortschritte, welche die. durch den Revolutionär wider Wtllen Bismarck glücklich eingeleitete Vernichtung der fürstlichen Legitimität in Deutschland und anderwärts gemacht hat. ist die neuerliche Enthüllung der Vorgeschichte des Wiener Besuches. Darnach wollte Kaiser Wilhelm durchaus nicht von feinem Erbfreund. dem Väterchen an der Newa lassen, wurde indessen von Bis- marck hiezu gezwungen. Dieser machte nämlich mit seinem „Freund" Andrassy in Wien die neue Wendung in der Politik sozusagen privatim ab und schickte dann den Graf Stollbetg zum Kaiser, um diesen— wie schon verschiedene Male— kurzweg vor die Alternative zu stellen: entweder Bismarck den Willen zu thun oder ihm sofort seine Entlassung zu geben. Da der Kanzler nun der Fürst des Erfolges ist und er über- dies vortrefflich verstanden hat, olles von sich in Abhängigkeit zu bringen und die Geschäfte so vollständig zu verwirren, daß sie nicht so gleich ein anderer übernehmen kann, so konnte der Ausgang der Stollberg'schen Mission natürlich nicht zweifel- Haft sein. Der„Kaiser und Herr" gab nach und verbürgte sich. wenn auch„mit schwerem Herzen", durch Unterzeichnung des neuen Bünbnisses mit seinem Wort für dessen„ewige" Ein- Haltung. Wer ist nun da der„Herr"? Jndeß, was geht's uns an— han wir doch unsre Freud daran! Da übrigens gerade wieder viel von F ür st e n w o r t e n die Sprache ist und das ganze Vertrauen auf die„segensreiche" Wirksamkeit des neuen Bündnisses eigentlich zunächst auf ihnen beruht, so dürfte es doch an der Zell sein, einen kleinen, aber interessanten Beitrag zu diesem Kapitel größeren Kressen zu- gänglich zu machen. In einer jüngst erschienenen, über engere Kreise wenig hinaustzedrungencn Schrift des„Urwelfen" und intimen Freundes des braunschweigsschen Hofe«, Obergerichts- advokat Dr. Dedekmd in Wolfenbüttel(„Erörterungen über die Thronfolge im Herzogthum Braunschweig und Streiflichter über Erfüllung des sogen, göttlichen Berufes für Deutschlund durch Preußen"), findei sich folgende hübsche Geschichte: „Bekanntlich halte man in den Revolutionstagen des Jahres 1848 in Berlin sogar die Grundbesitzungen des damaligen Kronprinzen von Preußen für Nationaleigenthum rtlärt, ja der hohe Herr mußte, seines Lebens in Berlin nicht mehr sicher, vor der Volkswut h flüchten. Ernst August, der alte König von Hannover, nahm ihn in seinem Palais zu Herrenhausen gastlich auf und verbarg ihn h'er gegen 14 Tage lang, bis er sich von don sicher weiter näch England flüchten tonnte. Bei seinem Abschied von Herren- hausen sprach der damalige Kronprinz, jetzige König von Preußen, gegen den alten König seinen Dank mit den ergreisenden Worten aus:„Ich weiß es in W That nicht, wie ich Dir je dafür danken soll, daß Du mir so das Leben gerettet hast"— worauf ihm der edle Greis einfach erwiderte:„Ntmm Dich nach meinem Tode meines blinden Sohne« an." Ein fester Händedruck sagte dieErfüllung diesesWunsches zu und so schieoen die beiden Herren von einander. Dieses Zwiegespräch weiß ich aus ganz sicherer Quelle, Das- selbe läßt sich noch heutigen Tages vollkommen konstatiren." Damit nun der Historie auch ihr moralisch Ende nicht fehle, wollen wir nur hinzufügen, daß der„blinde Sohn" der spä- tere König Georg von Hannover, der fürstliche Flüchtling von 1848 aber der jetzige deutsche Kaiser ist und daß bekanntlich der letztere den erster«» 1866 entthronte und sein Land der Krone Preußen einverleibte. Wie wohlthuend ist nicht die unverbrüchliche Festigkeit und Verlätfigkeit fürstlicher Worte in der Verhältnisse ewigem Wandel und wie sicher sind Friede und Glück der Völker auf sie gebaut! — Dem guten deutschen Volk beginnen über die Seg- nungen der famosen Bismarckischen„ W i r t h sch af ts r e so r m" bereits die Augen nicht nur auf-, sondern auch Übergehen. Als durch den neuen Zolltarif dem Volk ganz unerhörte indi- rekte Auflagen gemacht wurden, v rtröstete es die Regierung theils auf die unter dem neuen„nationalen Wirthschaftssystem" sicher eintretende ökonomische Prosperität und Lohnsteigerung, theils auf den projektirten Wegfall bisheriger direkter Staats- steuern oder wenigstens deren Ueberweisung an die Gemeinden, Bon all diesen Versprechungen aber hat sich bis jetzt keine ein- ziae bewah'heitet und konnte sich auch nach Lage der Sache nicht bewahrheiten. Von der verheißenen Periode wirthschaft- sicher Prosperität ist noch kaum das Morgengrauen zu erblicken und die Arbeitslosigkeit ist eben so groß. als die Löhne klein geblieben sind. An eine Aufhebung der Steuern denkt im Ernst kein Mensch mehr; dafür aber ist die Einführung neuer Steuern zu den bisherigen und den indirekten des Zolltarifs desto sicherer. In Bayern ist der Malzaufschlaz verdoppelt und dadurch eines der landesüdlich wichtigsten Lebensmittel erheblich ver- thruert worden. Trotzdem aber ist das vorhandene Defizit noch nicht im entferntesten gedeckt, und wird eifrig nach neuen Ein- nähme-, d. h. Steucrquellen gesucht. Sogar die Einführung der anerkannt unmoralischen und verderblichen Staalslotterie in Bayern wurde bereits in Aussicht genommen. Wer weiß, ob man, da die Finanzkünstler in Bezug auf die Herkunft der in den Staatssäckel fließenden Gelder bereits jeden Scrupel verloren haben, nicht auch noch zu einer Besteuerung der Pro- stitution und ähnlicher reinlicher Einkommenquellen greifen wird.— In Preußen trägt man sich mit der Einführung einer Schankstättensteuer, welche picht weniger aks 100 Mark jährlich pro Wirthschaft betrag-n soll, welcher Betrag natürlich entweder den Wirth ruiniren oder aber auf die Konsumenten abgewälzt werden muß. Dazu kommt noch die Verthcuerung des Brodes durch die bereits in Vorausficht der Einführung der Getreidezölle eintre- tende stetige Steigerung der Getreidepreise. Und diese Steige- rung vollzieht sich zu gleicher Zeit, während in Paris durch rechliche amerikanische Entfuhr der Preis des Brodes von 95 Cts. auf 90 Cts. pro 4 Pfund zurückgegangen ist und allein An- scheine nach durch weitere Einfuhren bald auf 80 Cts. derunter- gehen wird. Es sind deßhalb auch zahlreiche Gesuche von Bürgern und Korporationen an die Regierung eingelaufen, welche mit Rücksicht auf die schlechte deutsche Ernte und die Nothwendigkeit reichlicher Einfuhr die Aussetzung der Einfüb- rung der Zölle auf Getreide, Hülsenfrüchte und Futterstoffe fordern. Die Regierung aber will von der Einführung nicht abgehen, indem sie behauptet, daß ein Mangel an Getreide nicht existire. daß die Preissteigerung nur ein Produkt der Spekulation iei und daß durch eine Hinausschiebung des EiNführungsternnns„viele Interessenten, welche beieits Liefe- rungen auf Grund der neuen Zölle abgeschlossen hätten, ge- schädigt würden". Damit also— zugegeben nämlich, daß dies die wirklichen Gründe der Regierung sind— nicht einige Spe- kulanten Schaden leiden, muß lieber Hunderttauseuden ibr küm- merlichcs Stück Brod noch mehr beschnilten werden! Wahrlich, treffender kann der heutige Klassenstaat in seiner ganzen In» famie und Gemeinschädlichkeit nicht charakierisirt werden, als er sich hier selbst zeichnet! Die fortdauernde Verdienstlosigkeit im Verein mit der bcdeu- tenden Verthcuerung der nothwendigsten Lebensmittel und der schlechten Ernte haben denn auch bereits In ve schiedenen Gegenden Hungerseuchen herlöorgenifen. Im Braunschweigsschen und neuerdings in Thüringen ist der HungertyphyS ausgebrochen. In ersterem sucht sich du Seuche ihre Opfer hauptsächlich unter den fahrenden Handwcrksburschen und Bettlern, von denen viele hilflos auf der Straße sterben. Im Thüringer Wald aber sind bereits zwei ganze Ortschaften ergriffen UN» in wenigen Tagen schon über 30 Opfer erlegen. Jetzt freilich, da die Besitzenden der möglichen Ansteckung wegen für ihre eigene Haut zu fürchten beginnen, werden mit großer Hast alle Mittel aufgeboten, um den bösen Feind niederzutreten, und dabei auch— freilich zum geringsten Theil aus ächter Humanität, zum größten aus purem Egoismus— ein Stück Geld zur Beschaffung der nöthigsten Nahrungsmittel und zur Pflege der Erkränkten nicht gescheut. Von vorneherein aber durch gerechte und vernünftige Gesellschafts- und Ttaatseinrichtungen dafür zu sorgen, daß eine solche Kalamität gar nicht erst entstehen kann— daran denkt in den Regierungen und herrschenden Klassen niemand, und wenn es Andere thun und dtmentsprechend handeln, werden sie als„oetbrecherische Wahnsinnige" behandelt ünd bis auf's Blut verfolgt! — In Alngarn herricht in viele» Gegenden infolge der schlechten Ernte, welche dem kleinen Grundbesitzer vielfach nicht einmal soviel gebracht hat, als er zur Aussaat bedarf, ein ent« setzlicher Nothstaud, der durch die rücksichtslose Eintreibung der Steuern»och bedeutend verschärft wird. Ja in einigen Theilen Oberungarns, den an Galizien grenzenden Koniitaten sind bereits Fälle von Hungertod vorgekommen. Im Sa- raser Komitat find allein mehr als oreihundert Gemeinden voll- kommen brodloS und zur Fristung ihres Lebens ausschließlich auf Kartoffeln angewiesen, welch« ihnen die Wohltbütigkeit benachbarter Gutsbesitzer zukommen ließ. Die Regierung aber sieht diesem Elend thatenlos zu und vermag sich nur zu einigen Pyrajen und un höchsten Fall zu einigen, ihrer Geringfügigkeit wegen lächerlichen Bettelpfennigen aufzuschwingen. Die ganze„Slaaishilfe" soll nach den Ertlärtingen des Ministerpräsiden ien darin bestehen, daß die Stenerexekutlon„soweit thunlich" vorlänsig eingestellt und da« dringenste Bedürfniß nach Satnen einstweilen durch die Ve-waUung befriedigt wird. Wovon die L>ute aber leben sollen, darum kümmert sich die Regierung natürlich nichts. Indessen sollen selbst wegen dieser kleinlichen Maßnahmen est noch die Berichte und Vorschläge der Obergespäne eingeholt werden. Natürlich hatte die Mehr- heit des Abgeordnetenhauses, dem die Regierung diese ihre Ansichten über den Nothstaud vortrug, gegen dieselbe durchaus nichts einzuwenden. Wie gering das Interesse dieser satten Leute an dem Hunger des armen Volkes ist. zeigt zur Genüge die lakonische Meldung des Telegraphen, daß die Debatte über die Erklärung des Ministers hinsichtlich des Nothstandes„kurz und belanglos" gewesen. Nur die äußerste Linke hat sich um die Sache angenommen, indem sie die Pflicht des Staates zur lliitersiutztuig der Noth- leidendeu betonte und, um die Abichwächung und Beschönigung des Noihstandes seitens der herrschenden Partei zu vereiteln. einen offenen Aufruf erließ, ihrem Ausschuß zuverlässige Daten über den Umfang des Elends mitzutheilen. Natürlich sind die am Ruder sitzenden Herren über diese„Nothstandshetze" höchlich erbost und leugnen direkt, daß ein. Nothstaud„im strengen Sinne des Wortes" vorhanden oder gar Hurigeesfälle vorgekommen oder möglich seien. Die Lage einzelner Gegenden sei eine„heikle"; das sei traurig, aber daran lasse sich nichts ändern. Ergo mögen die Armen immerzu hungern und ver- hungern— das ist so kapitalistische Logik! Mit Recht schließt unsere ungarische Genossin, die„Budnp. W. Chron.", ihre neueren Mittheilungen über den Nothstaud mit dem Ausruf: Wäre unsere Gesellschaftsordnung— wenn auch keine solch' herrliche, für welche sie von den Machthabcrn ausgegeben wird— sondern nur eine halbwegs gerechte, so dürfte und könnte es nicht vorkommen, daß Mitglieder dieser Gesellschaft den Hungertod stürben. Wenn sich nun Männer, von edlen, erhabinen Gefühlen geleitet, gegen die heutige Ge- sellschaftsordnung auflehnen, mögen sie wohl von den begüterten Klassen verdammt und verfolgt werden, was aber nicht deweist, daß die bestehende Gesellschaftsordnung� wie obige Fälle zeigen, etwa keine ungerechte, unmenschliche und demnach zu beseiiigende „Ordnung" ist!— — Daß für dir Bourgeoisie beim Geldbeutel nicht nur die Gemüthlichkeit, sondern auch der sonst zur Düpirung des dum- wen Volkes so ostentativ betonte Patriotismus aufhört, für diese bekannte Thatsache hat jüngst ein schweizer Bourgeois ein neues schlagendes Beispiel geliefert, flloch ist bekanntlich der projetlirte Simplondurchstich nicht sichergestellt und schon beginnt ihm ein Montblanctunnel» Projekt gefährliche Konkurrenz zu machen. Um nun dieser zu begegnen, erließ der technische Di- rcklor der Simplonbahn, Lommel, eine Denkschrift, in welcher er die günstigen Aussichten des Simplondurchstiches gegenüber dem des Montblanc darzuthun sucht und sich dabei nicht scheut, Frankreich(auf dessen materielle Unterstützung hauptsächlich gerechnet wird) ausdrücklich und ganz geschäftsmäßig die strate- zischen Vortheile anzupreisen, welche diesem der schweizc- ris ch e Simplon im Fall eines Krieges biete! Das Charak- teristischste aber ist, daß diejenigen, welche sonst den Bestrebungen des weltbürgerlichen Sozialismus gegenüber mit dem Vorwurf der„Vaterlandslosigkeit" so schnell bei der Hand sind, gegen die landesverrätherische Kundgebung der Simplondirettion keines- wegs den Ton der Entrüstung finden, sondern dieselben voll- kommen gleichgiltig oder, soweit ihre Interessen es bedingen, sogar beifällig aufnehmen. Edle„Patrioien"! — Die franzöfische Regierung hat soeben eine vernehmliche Antwort auf vas, selbst von dem größten Theil der Bourgeoispresse verurtheilte, Zirkularschreiben des Justizministers und auf das jeden Rechtlichdmkenden empörende Urtheil gegen Humbert und die„Marseillaise" erhalten. In der zweitgrößten Stadt des Landes, in Lyon, ist nämlich der Amnestirte Garel, der sich den Wählern offen als Sozialist vorstellte, mit großer Mehrheit zum Manizipalrath gewählt worden— schon der dritte der amncstirten„Mordbrenner der Kommune", welche das französische Volk angeblich so tief verabscheut und doch seiner besten Ehrenämter für würdig hält. Weitere Manifesta- tionen des sich im Gegensatz zu der jüngst inaugurirten Re- pressivpolitik der Regierung befindlichen, aufgeklarten Volks- willens werden nicht auf sich warten lassen. Nützen werden dieselben in Bezug auf die Haltung des Kabinets freilich wenig, schon deswegen, weil es allen Anschein hat, daß sich das Wott der temporär ünterdrückten„Marseillaise" bewahrheiten wird, welche zum Abschied dem Ministerium zurief:„Das Kabinet hat die„Marseillaise" auf 14 Tage suspendirt, das Kabinet aber wird bald für immer suspendirt werden!"- Nicht ohne Interesse ist die Meldung eines hervorragenden französischen Provinzialblattes, daß Rußland. Preußen, Oester- reich und Italien beschlossen hätten, in Paris eine spezielle Polizei zur Ueberwachung der Soziali st en zu gründe». Was an der Nachricht wahres ist, wissen wir nicht; indessen kommt uns dieselbe immerhin nicht ganz wahrscheinlich vor. Von den drei erstgenannten Mächten, vor allem von Rußland und Preußen, wissen wir wenigstens genau, daß es ihnen in Paris gleichwie(wenn auch in geringerem Maß) an andern Zentrqlpunkten der revolutionären und sozialistischen Bewegung schon seither an einer politischen Spezialpolizei keineswegs gefehlt hat. Wozu und auf welche die Bedürfnisse aller Theile befriedigende Weise da eine„Gesammtpolizci" der genannten Mächte gebildet zu werden brauchte und gebildet werden könnte, ist nicht abzusehen. Sollte indessen wirklich ein solcher Plan bestehen, so können wir in unserm Interesse, d. h. im Interesse der Ueberwachten nur wünschen, daß mit der Aus- Wahl der respektiven Spitzel die deutsche Regierung betraut würde; denn diese hat, wie uns zahlreiche und besonders wieder neueste persönliche Erfahrungen lehren, ein wahrhaft bewundernswerthes Geschick, stets solche„Cujone"(um im Jargon des alten Fritz zu reden), herauszufinden, denen jeder halbwegs Zurechnungsfähige Nationalität und Metier gleich auf fünfzig Schritte Entfernung ansieht. Berichte. * Zürich, 8. Oft. In der Rundschau unserer letzten Rum- wer haben wir unter Frankreich bereits einer, ursprünglich von einem bonapartistischen Blatt gebrachten und von dem größten Theil der deutschen Bourgoispresse aller Schattirungen natürlich eifrig kolportirten Mittheilung über eine angebliche höchst staats- gefährliche nnd hochverrälherische Adresse deutscher Sozialisten an den Marseiller Kongreß Erwähnung gethan und diese Mitthei luug, ohne uns vorher mit unsern deutschen Genossen benommen zu haben, als eine Ente, als eine Lüge bezeichnet. Wie recht wir daran gethan haben, zeigt folgende Erklärung, welche die „Leiprigcr Volkszeitung"— welche trotz ihrer angeblich urdemo- kratischen Gesinnung die erwähnte Lüge ebentalls reproduzirt hatte— erhalten hat: In Ihrer Nummer vom 19. d. bringen Sic folgende Notiz: „Die Pariser Zeitung„Patrie" hat aus Parrs von einem ihrer Freunde, der in der Lage ist,„gut unterrichtet sein zu können", eine Mittheilung erhalten, der zufolge die Sozialisten in Berlin, Breslau, Leipzig, Hamburg, München und Stuttgart Versammlungen abhielten, um einen Gedankenaustausch über die jetzige Lage in Frankreich zu veranlassen; die Sozialisten in Leipzig, Breslau und München fanden die Fortschritte des Sozialismus in Frankreich so bemerkenswerth, daß eine Adresse an die fran- zösischen Brüder beschlossen wurde, deren Grundgedanken folgender- maßen lauten sollen:„Die deutschen Demokraten können leider nur Wünsche für den endliche» Sieg der sozialen Republik in Frankreich aussprechen, hoffen jedoch, daß die französische Demo- kratie nach ihrem Siege wirksam ihren Brüdern im Auslande zu Hülfe kommen werde, die noch unter dem Joche schmachten, namentlich aber den deutschen Proletariern; sobald die soziale Republik in Frankreich begründet worden, kann sie nur Dauer haben, wenn ganz Europa sich baldigst derselben Segnungen wie Frankreich erfreut." Da auch Leipzig in dieser Notiz gmannt ist, finden wir uns veranlaßt, im Namen der Leipziger Sozialisten zu erklären, daß die ganze Mittheilung, soweit unsere Kenntniß reicht, voll- ständig aus der Luft gegriffen ist. Wir sühlc» uns stark genug, mit unsern Gegnern fertig zu werden und brauchen keine auswärtige Hülie. Und wir glauben nicht, daß die deutsche Sozialdemokratie ein Mitglied zählt, wel- ches anderer Ansicht wäre. Leipzig, den 22. Oktober 1879. A. Bebel. W. Liebknecht. F. W, Fritzsche. Wilh. Hasenclever. * Zürich, 26. Okt. Dem von ihm viclbewunderUn, jüngst verstorbenen, amerikanischen Nationalökonomen Carey schnell fol- gend, ist in der Nacht vom 20. zum 21. ds. auf der Fahrt nach Köln der bekannte ehemalige Privaldozent Dr. Eugen Dü hri n g im 47. Lebensjahre am Herzschlage gestorben. Ein schneller Tod hat damit ein, durch schweres körperliches Leiden — Blindheit— und dadurch hervorgerufene seelische Verbitterung leidmvollcs Dasein beendet. Wenn der Verstorbene auch durch seine Selbstüberhebung und Konfusion sich selbst am meisten ge- schadet und weidlich die schneidige Kritik Engel's herausgefordert hat— die uns eines der bedeutendsten Werke des wissenschaftlichen Sozialismus gab—, so dürfen doch die mannigfachen Ver- dienste Dühring's um die Wissenschast nicht geleugnet werden und ebenso soll es ihm unvergessen bleiben, daß er in einer sehr ab- hängigen Stellung den Much hatte, für den Sozialismus ein- zutreten und mannhaft das Ketzergericht/ das ihn seiner Stellung enthob, ertrug und nicht zu Kreuze kroch. In einer Zeit, wie der unsern, in der Eharakterfestigkeit und Gestnnungstreue etwas so Seltenes ist, muß sie doppelt anerkannt werden, wo immer sie sich auch finde. * Zürich, 26. Okt. Vor Kurzem ging eine, bezeichnender Weise nur an die Bourgeoisblätter versandte, Buchhändlernotiz durch die Presse, welche das baldige Erscheinen einer Geschichte der Pariser Kommune von Bernhard Becker ankün- digte und an diese Mittheilung für ängstliche Seelen noch die charakteristische Bemerkung knüpfte,„daß ein behördliches Verbot des neuen Werkes in keiner Weise zu befürchten sei." Das soeben (bei Otto Wigand in Leipzig) erschienene„Werk" entspricht denn auch dieser Einführung so vollkommen, daß wir es— uns eine demnächstigc Besprechuno vorbehaltend— für unsere Pflicht halten, schon jetzt vor demselben zu warnen, damit nicht die Genossen sich durch den Namen des Verfassers, der früher in der deutschen Bewegung eine gewisse Rolle gespielt, betrügen lassen und ihr Geld für ein Buch wegwerfen, in dein sie eine wahrheitsgetreue, vom Geist des Sozialismus durchwehte Schil- derung der welthistorischen Epoche der Kommune vernntthen, das aber nichts ist, als eine lügenhafte Verunglimpfung desselben, ein charakterloses, skandalöses Machwerk. * Verkin, 27. Okt. Da uns über die neueste Massenaus- Weisung auffälligerweise(sollte Stephanagc im Spiel sein?) bis jetzt ein weiterer Bericht aus Berlin noch nicht zugegangen ist, müssen wir uns vorläufig auf einige Mittheilungen der Berliner- Presse beschränken— hoffend, deninächst in der Lage zu sein, genauere Mittheilungen bringe» zu können.— Einer der Ausgewiesenen ist der Pächter>dcs großen Restaurants„Industrie- Hallen" in der Reichenbergerstraße, Wien holz. Als derselbe die ihm zum Verkauf seiner Mobilien gewährte, äußerst kurze Aufcnthaltstrist infolge nicht erledigter Geschäfte um eine Stunde überschritten hatte, wurde er der„Berl. Volksztg." zufolge ver- haftet, sofort per Schub fortexpedirt und sein Lokal augenblicklich polizeilich geschlossen. Natürlich ist hiedurch der Mann. der Familienvater ist, vollkommen ruinirt. Auch dem ausgewie- jenen Gastwirth B r i e s ist die Wirthschaft geschlossen worden, so daß auch die Familien vollkommen subsistenzlos sind. Ueber- Haupt ist ganz besonders die brutale Taktik bemerkenswerth, Haupt sächlich Familienväter— von den 9 letzten Ausgewiesenen habe» 7 Familie!— auszuweisen, die dadurch doppelt schwer getroffen werden. Der Zweck dieser raffinirten Gewaltmaßrcgel ist klar: die schwer Geschädigten und von Sorgen um ihrer Familie Zukunft Gemarterten sollen zur Verzweiflung getrieben und sie und ihre Gesirniungssicunde zu Gewallthaten, wo möglich zu„Alten- taten" aufgereizt werden, welche dann den erwünschten Vorwand zu neuen Unterdrückungsmaßregeln bieten würden. Indessen werden Herr Madai und seine Auftraggeber aus die Verwirklichung dieser ihrer sehnlichen Wünsche wohl vergeblich warten. Denn jeder unserer Genossen weiß zu gut, daß es, um unsere Feinde empfindlich zu treffen, ganz andere Mittel und Wege gibt, als spontane, wenn auch»och so erklärliche, so doch allezeit der Sache schadende, persönliche Wuthausbrüche. Und nach dieser Erkennt- niß haben unsere Genossen zum Leidwesen unserer Gegner und trotz aller Anreizungen zum Gegentheil bisher stets gehandelt und werden es auch ferner thun! — Berlin, 26. Oktovcr. Nothnand nnd BelftgeruiigSjiistuud— diese beide» Worte charokierisircn vollkomme» die Verhältnisse der deutsche» Reichdhouptstadt. Bon letzterem sind Sie ja oft genug in der Lage, berichten zu müssen. Aber auch über den ersteren dürfte wieder ein Wort an der Zeil fein Vi« zu welchem Grade derselbe gestiegen und daß von dem so ojt verheißenen Ende desselben noch immer keine Rede ist— dafür liefert einen hinlänglichen Beweis ein Blick auf die hiesigen Hypotheken- und Grund. bcsitzverhältnisse überhaupt. Die hypothekarische Gesammtbelastnng des Berliner Grundbesitzes betrug 1872 1,122,084,82 1■!)(., 1870 1,974,923,309 M., >878 2,227,540,300 M. Die angestellten Ermittlungen ergaben, daß im Vergleich zu dem durchschnittlichen Kaufpreise, welcher gewissermaßen den dermaligen Kurswerth der Grundstücke reprälentirt, der Berliner Hausbesitzer nur 288 pro Mille, also noch nicht einrnal den vierten Theil sein Eigen nennt, während er mit dem llcbrigen in der, größtenlheils drückendsten, ZinSskaverei deS Kapitalisten steckt. Die Belastung der Grundstücke geht über den Gebäudewerih nach d.r Feneroersichernng bereits um nicht weniger als 355 Mistionen hinaus, was verglichen mit dem 18fachcn Micihertrag eine Schnldenmenge von 015 pro Mille macht. Um die Lage der, nicht große Fonds zu ihrer Verfüguiiq habenden Grundstückbesitzer noch precärer zu machen, beträgt die Zahl der in Folge deS altgeincinen NothstandeS unvermielhet gebliebenen Woh>n»igen, Lad» nnd Werkstätten nach amtlicher Angabe über 20,000. Da ist es denn kein Wunder, wenn die ZwangSverkäufe gar kein Ende nehmen wolle». Es scheint — wie sich ein hervorragendes Bourgeoisorgan verzweiflungsvoll ausdrückt—, al« ob ganz Berlin unter den Hammer kommen sollte. Keine d>r früheren Grundstückskrisen hat so immense Verluste an Micthen, Zinsen und Kapital aufzuweisen, wie die gegenwärtige. Die»ngeheuere Masse der, in den >Lnbhastat>oneii ausfallenden- Kapitalien macht Berlin z» einem wahren Hy pothrkeiikirchhof, auf welchem die einzelnen Grimdstückc als Gräber erscheinen, unter denen nicht allein verlorene Vermögen, sondern auch verrnchtctc Ezi- stenzcn begraben liegen. Und doch muß e» über kurz oder lang noch viel schlimmer kommen. Denn die Wirthschaftskrist», die einander mit Naturnolhwendigkcit immer jchncllcr folgen müssen, werden immer akuter, beschleunigen die Aussaugung deS KlcinbesitzcS und die Monopolisirung deS Kapitales in den Händen Weniger immer mehr. Aber der größte Theil derer, denen heute bereits das Messer an der Kehle sitzt, sehen die eh.rne Nochwendigkeit diele» Ent- wickliingSproiesses noch keineswegs ein und werden die Wahrheit der„iin- sinnigen" Lehren de» Sozialismus wohl auch erst dann erkennen, wenn sie selbst in» Proletariat hcrabgeschlcudert sind. Einstweilen betrachten sie uns noch al» ihre Feinde— sehr lange wird» aber nicht mehr währen.— N. Von der Nicderelde, 23. Oktaber. Zunächst gestatten Sie un», der Freude Ausdruck zu geben, daß durch die Gründung de«„Sozialdemokrat" den deutschen Parteigenossen wieder die Möglichkeit gegeben ist, sich einmal über dir Vorgänge im öffentliche» und Parteileben auszusprechen nnd zu orientiren. Denn wenn wir auch alle wußten, daß, wie die Dinge ciunral lagen, nach Erlaß des Sozialistengesetz es für die deutsche Sozialdemokratie zunächst Wichtigere» z» ordnen gad, als im Aiislnrid ei» Blatt zu begründe», so mußte ans die Daner der Uebelstand, gar kein Organ zu habe», durch oaS man sich aussprechen und gegenseitig ansklären und an- stürm konnte, doch recht stark empfunden weiden. Deshalb erfreut e» uns doppelt, den„Sozialdemokrat" nunmehr z» haben und zwar ist diese Frende eine um so größere, al» die im Programmartikel ausgesprochenen Grundsätze von jedem ächte» und ers- hrenen Pnrteigenossen al« durchaus richtig anerkannt werden müssen. Wat nun den Stand der Parteiverhältnisse betrifft, so ist es wohl nicht zu viel gesagt, wen» behauptet imrdi Die Sozialdemokratie hat auch hier im Nordwesten de» Reiche» durchaus keinen„Rück- gang" zu verzeichnen. Daß diese» aber so ist, da« verdanken wir nicht wenig unseren Gegnern nnd vor allem der famose» neuen WirthschastSpolitik de« Reichskanzlers. Hier im Nordwesten liegen die beiden Haupthafcn- und Handelsstädte Deutschlands, Hamburg und Bremen. Diese Städte nun haben durch die neue Zollgesetzgebung unzweifelhaft großen Schaden erlitten und vor allem auch sind die wirthschastlichen Grundsätze, welche hier den Angehörigen der tonangebenden Kreise so zu sagen mit der Muttermilch eingegeben werden, ans da» brutalste und gröblichste beleidigt worden. Da« Softem Bismarck», jeden mit Äenleuschlägen niederzustrecken, der e« wagt, eine stlbstftä-.dige Meinung zu haben, ist auch den sreihändlerischen Hansestädte» gegenüber angewendet worden und hat da, besonder« in den „reichstrcuen" Kreisen unserer Äanfmannschaft, auf's tiefste verletzt. Ging doch die preußische Niiverschänitheil so weit, dem Hamburgischen Vertreter im Bnndesrath bei der AuStheilung der Referate für die Zollvorlagen höhnisch de» Artikel— Schießpulvcr zuzuweisen! Der Mann hatte jedoch Ehre genug im Leibe, sofort Berlin zu verlassen und gab so dem gewaltigen Reichskanzler zu verstehen, daß der Vertreter der ersten Handelsstadt de« europäischen KvntinentS wohl doch noch etwas mehr Werth sei, al» Stiefelputzer des Varziner Guts- und SchnappSbrennereGesitzcrS zu werden. Diese Entfremdung ist um so bedeutungsvoller, wenn man bedenkt, daß ge- rade die Bremenstr nnd Hamburger Kaufmannschaft mit zu den reichS- wüthigsten Kreisen gehört haben und daß die Börsen dieser beiden Städte e« gewesen sind, von denen ans z. B. zu Ostern im Jahre 1874 die Adressen an den Reichskanzler gingen, worin demseiben in der Militärfrage unbedingte Zustimmung entgegengebracht wurde. Wenn aber unsere Bourgeoisie oppositionell geworden ist, weil man ihre GeschäfrSinicreffen(bekanntlich der einzige empfindliche Punkt dieser Menschensorte) verletzt hat, so haben in den bürgerlichen ukid Handwerkerkreisen die neuen indtrekten Steuern und die Zölle; welche hier an der ReichSgrenze am meisten empfunden werden, sowie die Aussicht auf eine neue Erhöh.>ng de» MijitäretatS auch den Vertrauensseligsten die Augen geöffnet. Die Lobgesänge auf Bismarck sind verstummt, dagegen aber wimmelt e« in den Biergesprächen unserer Philister von BiSmarckbeleidignngen, so daß sich da» verstockteste reichSfeindlichc Herz daran erquicken könnte. Was aber die Ar- beitcrkreise betrifft, so sind di« noch immer herrschende Arbeitslosigkeit und der Zustand politischer Rechtlosigkeit, welchen das Ausnahmegesetz herbei- geführt hat, wahrlich nicht geeignet, loyale Gesinnung zu erzeugen. Die Sachen stehen eb n thätsächlich so: Wer früher schon zu unS gehalten, der thut dies heute mehr als je und wer früher unser Gegner- war, der hat entweder aufgehört, uns mit jenem fanatischen Haß zu versolge», wie die« früher der Fall war, oder aber der Zeitenlauf hat ihn dahin gebracht, mehr oder minder mit miS zu sympathisiren, was namentlich von einem großen Theil der kleinen Handwerker gilt Wenn also da« Ausnahmegesetz un« auch daran gehindert hat, in sonst gewohnter Weise Rekruten für die So- zialdemokratie zu werben, so haben anderseits der preußische Junkerüber- niuth und der Nimmersatte Militarismus dafür Sorge getragen, daß die Stimmung für uns heute eine günstigere als jemals früher ist. Die beim Erlaß des Sozialistengesetze» gehoffte und gewünschte Vernichtung der So- zialdemokratle, hat also»och lang gute Wege! So viel über die Sitnation im Allgemeinen. Was nun unsere inner» Parteiverhältnisse betrifft, so versteht e» sich ja von selbst, daß darüber sich jetzt nicht viel sagen läßt. Nicht unerwähnt aber darf der unangenehme Eindruck bleiben, den e« auf die hiesigen Genossen gemacht hat, daß im Ausland lebende Parteifreunde es theilweise für angemeffen hielten, die deutsche Sozialdemokratie zu schulmeistern. Es soll hier nicht von den theil- weise abgeschmackten Rcvolutioniphrase» geredet werden, mit denen man uns zur„Aktion" aufforderte, sondern e« sollen nur gegen die irrige, gerade durch deutsche Parteifreunde im Ausland verbreitete Ansicht protestirt wer. den, als ob seit Erlaß de« Sozialistengesetzes die in Deutschland gebste- denen Genossen mattbcrzig die Hände in den Schooß gelegt hätten. Diese Annahme ist eine absolut falsche. Wenn schon die Wahlen in Breslau, Er- furt ünd in Sachsen gezeigt haben, daß wir deiilschcn Genoffen die Partei- sahne auch im politische» Kampfe noch hoch hatten»nd sie zü berthridigen wtssen, so sei noch bemerkt, daß die Regelung der Geschäfte der früher bestandenen Parteinnternehmungen(Druckereien, Zeitungen ic.) sowie die Un- terstützung der Jnhaftirten und Ausgewiesenen und die Aufbringung der Gelder für die Wahtkämpfc, denn doch eine Thätigkeit und zugleich eine Opfcrwilligkeit der Genossen bekunden, welche diejenigen, welche vom An»- land au« unserer Sache nicht besser dienen zn können glauben, al» indem sie ohne Kenntniß der Sache nnanSgesepr— nicht kritisiren, sondern nörgeln und gegen die bewährtesten Genosse» Mißtranen säen,— zu etwas größerer Vorsicht mahnen sollte. Die im Ausland lebenden Genossen sollten bedenken, daß c« uns unmöglich ist, gerade dann, wenn wir handeln, davon großes Geschrei zu machen, ja auch nur davon öffentlich zu reden. Wen» sie aber wirklich der Ucberzeugung sind, daß da», wa« in Deutsch- land geschieht, irnr zur„Verflachnng" der Partei führt, dann mögen sie zu nno kommen nnd zeigen, daß sie cs besser können. Hie Rhodus, nie salta! lieber die Verfolgungen nnd Polizeischeerercien, denen unsere Genoffen auch hier wie allcrwärlS in Deutschland ausgesetzt sind, da» nächste Mal. Rur so viel sei bemerkt, daß in Altona augenblicklich 13 Mann wegen Verbreiinng der„Freiheit" sich in Haft besindc». Dieselben sitzen bereit» seit ungefähr 4 Wochen und ist Anklage wegen MajestätSbeleidignng und wegen Verbreitung verbotener Schriften gegen sie erhoben. Ueber den An»- gang de» Prozesse« werden wohl die Altonacr Genossen berichten.— In Hamburg war in leßtcr Woche Appellverhandlnng gegen Saeveke»nd Genossen, welche ebenfalls wegen Verbreitung der„Freiheit" in erster In- stanz z» mehreren Monaten Gefängniß und theilweise zur Beschränkung de« AnsenthattS vernrtheilt wurden. Da« Urtheil der Appellinstanz in diesem Prozeß soll erst im Laufe dieser Woche gesprochen werde». — 1. Mannheim, 22. Okt. Die Anwendung deS Sozialiften- gesetzeo bringt nra.t nur fast alltäglich eine unerhörte Masse von Ge- waltthätigkeir nnd Gemeinheit, sondern fördert bisweilen auch Blstthen nnbezaylborer, wenn auch unfreiwilliger Komik zu Tage, die in unserer jonsl so ernsten Zeit um so schätzbarer sind. Einige solche niedliche t'liitheu sind dieser Tage in den Treibbeeten der hiesigen wohllöblichen Behörden gezeitigt worden und wünschten wir ihnen, um ihnen, rejp. den meije» Obrigkeiten die ganze verdiente Anerkennung der Welt zu sichern, nur den kaustischen Sarkasmu« eines Börne als Schilderer. Zn Ermangelung desjelben aber wollen wir die Thatsachen. einfach schlicht erzählen und sie für sich selbst sprechen lasse». Bei Gelegenheit der Einweihung eine« Bahnhofes dahier sollte Abends in einem geeigneten Saale ein Festgelage stattfinden, wozu der betreffende Wirth die Mililärmusik engagirte. Nun wurde aber 2 Tage vorher dem Militär die Belretung dieser Wirthschaft au« uns rein u»> erklärlichen Gründe»(denn der Wirth ist ein dicks.lliger Spießbürger uiid seine Gäste sind von dem gleichen Kaliber) verboten. Zur bestimm- ten Sluiide kommt nun die Musik zwar angerückt, geht aber nicht in den s i on ziemlich von„hohen Herrschaften" angesüllten Saal und gibt ans Befragen de« Festkomite's zur Antwort:„Da gehen wir nicht hin- ein, da sind ja Sozialdemokraten d'rin!" Al« alles Zureden nichts srnchrete, jo wollte das Komite die Musik in einem nebenan gelegenen Lokal„etwa» jpielen" lassen. Aver ach! Kaum dorr angekommen, ruft wieder Einer:„Da dürfen wir auch nicht hinein, da sind auch Sozial- demokrate» d'rin!" Dieser Saal war nämlich auch mit dem ersten in Acht und Bann eik.ärt, obwohl auch hier Wirth nnd Gäste von gleicher Güte sind, wie in dem vorgenannten Lokal. Endlich konnten die wackeren Spielleute in einer drillen Wirthlchast Rüde finden, aber an Musik machen war nicht mehr zu denken. Während dieser Wanderung waren aber auch die um ihren Musikgenuß gebrachten„hohen Herren", welche darob sehr ansgeregt zu sei» schienen, aus der Wanderung, nnd zwar znm Komiiiandeiir des betr. Regiments, zwar nicht, um bei demselben cnergisäi zu reklaniireii, sondern um demselben gehorsamst zu melden, „daß k.ine Sozialdemokraten d'rin wären." Leider war aber der Herr Kommandeur„nicht z» Hanse" und so mußten denn die armen, doch so„gesiiiiiungstüchlige»" Liberalen ohne Musik festesseii. Die Leulchen mußten selbst ihren erbittertsten Feinden in der Seele leid thun. Aach bei Haussuchungen geht c» manchmal nicht ohne Humor ab. So sagte bei einer derartigen Gelegenheit ein von dem Erfolg einer Haussuchung wie'ein Esel beladcner Polizeidiener auf dem Wege znm Kommissär zn dem ihn begleitenden„Deliquentcn":„Bei Ihrem Freunde wird man auch einen guten Fang machen."„Hm! russische Zustände", lautete die Antwort. „Wa— wa— ivaeaa« russische Zustände?" spitzte die Polizeiseele, worauf in- dessen keine Antwort erfolgte Beim Kommissär angekommen, hat nun der Wächter des Geselle« nicht Eiligere» zu vermelden, als daß er an« seinem „Deliquentln" hcranSgebrocht habe, daß dessen Freund auf die rnssi- scheu Z n st ä n d e a b o n n i r t fei. Der Kommissär, welcher einsehen mochte, daß er sich mit solchen Jammergestalten einem politijch gebildeten Arbetter gegenüber doch blamire, lenkte da« Gcjpräch sofort ans einen andern Punkt. Kaum minder lächerlich, al» diese norgenannten Stückchen ist aber da» Vorgehen unsere» strebsamen Ztaatsanmalte» Marschall stonscrv. Reich»- tagSabg.), Derselbe hat nämlich an der, durch die in Ihrer Ro 2 erwähnte gerichtliche Entscheidung in dem Prozeß unsere» Genossen Ctten thal amtlich lonstalirtc Blamage noch keinesweg» geniig. Vielmehr hat er an da« Oberla»de»gericht appcllirt, welche» daher demnächst noch einmal und endgültig darüber z» enlscheiden haben wird, ob eine Mitt Heilung ein e« BknderS an seinen Bruder durch da»Sozialistengeskh verboten sein kann. Daß solche Fragen mir gestellt werden können, ist gewiß recht heiter, aber wir gestehen doch, daß uiis der Humor auSgcht über der unerhörten Infamie, welche in solcher Anklage liegt und über der damit gemachte» Erfahrung, welchen hohen Grad eckelhastcster Verderbtheit die Zustände in Deutschland schon erreicht haben. , gbg. Aus Iranke», Ende Oktober.„Heraus mit Eurem Flederwisch!" schrieb mir neulich ein Züricher Genosie, was einer Aufforderung gleichkam, für den„Sozialdemokrat" einmal eine Korrespondenz über fränkische Verhältnisse vom Stapel zu lassen. Nun, der Flederwisch wäre fast nicht aus der Scheide gegangen, denn unter den dermaligen Zustände» im Reich kann es nicht Wunder nehmen, wenn Einem die„Seele" in de» Leib und die Feder in's Tintenfaß rostet. Ter„Sozialdemo- krat", von dem wir allerdings über 3 Wochen nichts weiter als die Probenummer in Händen hatten, ist hier, wie wohl über- all, von allen treugebliebenen Parteigenossen auf's Freudigst� be- grüßt worden. Bei dem Mangel jeglicher Parteipressc in Teutschland(denn' die wenigen Blätter, welche im Reich noch unter der Leitung von Parteigenossen erscheine», können steh mit Sozialismus oder auch nur halbwegs radikaler Politik nicht befassen, weil ihnen sonst einfach der Kragen umgedreht würde; sie dürfen sich nicht einmal den„Radikalismus" foitschrittlich- jesuitischer und jesuitisch-volksparteilichcr Windfohnenblätter er- lauben, sondern müssen sich darauf beschränken, die politischen Nachrichten ohne jede Kritik wiederzugeben und können sich höchstens„ein wenig" mit lokalen Interessen beschättigen), also bei dem gänzlichen Mangel einer Parteipresse in Deutschland ist das Erscheinen des neuen Parteiorganes eine wahre Wohlthat und man bedauert, wenn man dem lange entbehrten Hochgenuß der gewohnten Lektüre erst wieder fröhnen gelernt hat, nur doppelt, daß das Parteiorgan erst jetzt und nicht schon viel früher erschienen ist. Indessen wollen wir von dem Vergangenen nicht weiter reden und uns nur freuen, daß wir jetzt wieder ein zu- verlässigcs Organ haben, welches als treues Spiegelbild der Partciverhältnisse gelten kann. Was nun für das Gedeihen des Blattes am meisten zu wünschen ist, das ist eine sorgfältige Spe- diiion*), die zwar unter den vorhandene» Umständen keineswegs leicht, aber' bei der nöthigen Umsicht doch möglich ist. Denn es ist ja doch gar zu scheußlich, wen» man mit Spannung auf eine liebge- wordene Sonntagslektüre wartet und schließlich von Polizei- und Post- dieben(die letzteren sind allerdings bei uns nicht so häufig, wie im Gebiete der Reichspost, da der bayerische Postbeamtenstand noch nicht so korrumpirt ist wie die Stephanschen Kosaken, und noch etwas auf Ehre und Anstand hält) darum geprellt wird. Ueber die gegenwärtigen Parteiverhällnisse bei uns läßt sich nicht viel sagen; eine Probe halten wir noch nicht auf's„Gesetz" abzulegen, und ohne eine solche läßt sich ein richtiges Urlheil nicht leicht abgeben. Wahr ist, daß wir leider so nianche Um- gesullene— und darunter solche, von denen man's nicht ver- muthet— zu verzeichnen haben(aus Feigheit und aus Schlech- tigkeit resultirt diese„hinfallende Krankheit"); andrerseits aber ist in allen Orten, wo die Partei ernstlich Boden gesaßt halte, nicht nur der gute Kern geblieben, sondern die ganzen Zu- stände und vor allem der neue Reichsschwindel mit den Zöllen und sonstigen indirekten Steuern, sowie neuerdings die Ei höhung des Malzaufschlags um 5U% in Bayern—„unser Herzbluet wollen's uns nehmen", riefen die Münchner 1847— haben auch rechtschaffen dazu beigetragen, uns neue Rekruten zuzuführen. Das Bedauerliche ist nur dabei, daß wir dieselbe» jetzt nicht regelrecht abexerziren können. Das Einzige, was zu diesem Zwecke noch an Mitteln übrig blieb, ist die Wirihshausagitation. die Bierbankpolitik, und die werden wir uns auch durch die Vertheue rung des„Stoffs" nicht beschneiden lassen, trotz der zahlreichen Spitzel, die sich als„Gäste" häufig bei den Parteiwirthen einfinden. Was ein ehrlich Sozialistengemüth am meisten wurmen muß, das ist der Umstand, daß die„sortschritilichen" Organe, welche durch ihre seinerzeilige Verhimmelung aller Reichszustände und durch ihre blödsinnigen, selbst von den Krcuzzeitungsriilern nicht übertroffenen Attentatshchcreien wesentlich zur Herbeiführung der jetzigen niederträchtigen Verhältnisse beigetragen, jetzt das frei- sinnige Mäntelchen miede, heraushängen, riesige„Opposition" gegen Bismarck und die Schutzzöllner machen, und sogar die indirekten Steuern, welche sie früher nicht entbehren zu können erklärten, und theilweise den Atililarismus, der ein„Blümchen rühr mich nicht an" bei allen Wahlen für sie war,„veruriheilen", ohne von uns aus die schmutzigen Finger geklopft werden zu können. So erklärte dieser Tage der in Nürnberg erscheinende„Fränkische Kurier", eines der perfidesten Windfahnen- und Denunziations- Organe, bei Gelegenheit einer Besprechung der Malzsteucr-Er- höhung die indirekten Steuern als einen Betrug am Volke, sowie, daß man sie der direkten Besteuerung deshalb vorziehe, weil durch die letztern das Volk zu sehr merken würde, w i e viel es— und zwar hauptsächlich für den Militarismus— zahlt! Das hört sich genau so an, wie es früher von uns in den Volksversammlungen zergliedert wurde, wofür uns das- selbe Organ dann in den Koth zog! Wegen des Programm- Punktes„Abschaffung der indirekten Steuern und Ersetzung der- selben durch eine einzige progressive Einkommensteuer" wurde im Jahre 1874 der sozialdemokratische Wahlverein zu Nürnberg, der sich nach Auflösung der Parteimitgliedschaft doriselbst gebildet hatte, vom„fortschrittlichen" Magistrat unter dem Jubel des „Fränk. Kurier" aufgelöst. Die hohe Polizei erklärte diese Be- strebung damals für geeignet,„die sittlichen Grundlogen der Ge- sellschaft zu untergraben", überhaupt für eine„destruktive Ten- denz", da dadurch die Massen ihre Steuerpflicht aus die armen Millionäre u. s. w. abwälzen wollten!! *) Soviel an uns liegt, geschieht— wie wir unser» Lelern in jeder Rümmer(am Kops de« Blatte») versichern— in dieser Beziehung gewiß alle« Mögliche. Aber die Genossen dürfen auch niemal» die großen Schwierigkeiten vergessen, mit welchen der von der gewaltigen Maüit der Regierung aus jede Weise bekämpfte Vertrieb de«„Sozialdcm." in Deutschland verknüpft ist, und müssen daher in Fasten, wo all unserer Sorgsalt»nd Vorsicht nngeachiel einzelne Sendungen infolge poftpolizei- lichen Diebstahle» nicht an ihre Adresse gelangen o er wegen unvorhergesehener Awis.i ensälle bei unseren Agenten in Deutschland verspätet ein Wessel', billige Rücksicht walten lassen und sich vor allem gegenseitig »»«Helsen. D. Exped. Apropos, kürzlich hatten die Nürnberger Sozialisten eine kleine unterhaltende Abwechslung in dieser Oede des Daseins. Max Hirsch, der große Wunderdoktor,- der mit Jnvaiidenkassen und großsprecherischen Resolutionen die soziale Frage löst, war mit Ggfolge da, um einen„Verbandstag" abzuhalten. Ganze 23„De- legirte", davon s/3 aus Berlin, waren erschienen; der berüchtigte Rüssel, ehemaliger Herausgeber der kürzlich selig entschlafenen „Süddeutschen Arbeiterzeitung", im Volksmund„Blech" ge- heißen, wurde als Delegirter der Nürnberger Blecharbeiter, welche vor mehr als 5 Jahren schon sich von der Hirsch-Dunkerei l o s- gesagt und bei Kreirung des Sozialistengesetzes ihren Verein freiwillig aufgelöst haften, aufgeführt! Die Verhandlungen zeich- ncten sich selbstverständlich durch tödtliche Langeweile aus und wurden nur durch das Bekenntniß, daß die Mitgliederzahl der Gewerkvereine im steten Abnehn. en begriffen(angeblieh noch 16,000 in ganz Deutschland, während die Herren vor einigen Jahren noch mit 36,000 prahlten— und von diesen 1 6,000 ist höchst wahrscheinlich noch ein Viertel dazu gelogen) und durch einen Zwischenfall in der einzigen„öffentlichen" Versammlung ei- nigennaßen interessant. Einige hundert Sozialisten machten sich nämlich das Vergnügen, diese„öffentliche" Veesammlung, in welcher natürlich nicht einmal ein Bureau gewählt wurde, zu be- suchen, sowohl wegen des„Genusses", den eine Max Hirsch'sche „Rede" bereitet, als auch in der Hoffnung, den hiesigen Reichs- tagsabgeordneten Günther— einen Erzhanswurst von einem deutschen Schulmeister, der sich ganz besonders durch eine gesunde Lunge und gute schauspielerische Anlagen auszeichnet— zu hören. Das Letztere war nun allerdings„nischt"; Herr Günther hatte sein Sprüchlein über„freie Kassen" schon Tags zuvor in geschlossener Sitzung hergesagt und hütete sich, in einer öffent- lichen Versammlung aufzutreten. Dafür weinte Mäxchen blutige Thränen über den undankbaren Liberalismus, der die braven Gewerkvereine als sozialdemokratisch behandle und verfolge u. s. w. u. s. w.— Unter Andcrm nannte Hirsch die Sozialdemokraten die Handlanger der Reaktion, was ernen großen Ent- rüstungssturm hervorrief.„Wir lassen uns nicht insultiren" und „Pfui!" riefen unsere Genossen, während die zur Aufrechthaliung der„Ordnung" konimandirten Turner-Exkneipiers brüllten, wie verrückt, um sagen zu können, die Sozialisten hätten Spektakel gemacht. Am besten wäre es wohl gewesen, wenn unsere Freunde zur Strafe für die Hirsch'iche Ungezogenheit die ganze Gesell- sckaft„use kheit" hätten.— Max nahm sich übrigens die er- theilte Lehre zu Herzen und blieb dann bis zum Schluß seiner Rede anständig. Parteigenosse Scherm meldete sich nachher zum Wort, um Herrn Hirsch den„Handlanger der Reaktion" gebührend zurück- zuzahlen. Aber— da hatte er vergessen, daß die Gewerk- vereine unter hohem polizeilichem Schutz stehen. Schon zu Be- ginn der Versammlung halte der überwachende Polizist(Osfiziant Winckler) sehr eingehend mit den Größen des Abends kon- ferirt, man war jedenfalls„auf Alles gefaßt." Kaum hatte Scherm einige Worte gesprochen und Herrn Hirsch begreiflich ge- macht, daß eine Partei, die noch freisinniger ist als die des Hirsch, unmöglich deswegen als der Reaktion Hiffe lei- stend bezeichnet werden dürfe— als die hohe Obrigkeit sich er- hob und feierlich erklärte, der Redner„spreche im Sinne des Sozialistengesetzes", und den Vorsitzenden(einen rohen, aus der tiefsten sittlichen und gescUschiitlichen Stufe stehenden Schreier) aufforderte, Scherm das Wort zu entziehen, was natürlich bereit- willigst gesebah. Nun war die Gesellschaft„gerettet." Man hatte vermuthlich gefürchtet, daß Scherm der ganzen Fortschritts- Klique sehr unangenehme Dinge in's Gesicht sagen würde und daher bei Zeiten sich mit der Polizei verständigt, daß diese dem„bösen Menschen" beim ersten nicht in den Gesammt- kram passenden Wort die Schlinge zuziehe. Schein verließ unter dem Ruft„ich füge mich der Gewalt" die Tribüne, bedeckte sich und wie ein Mann verließen sämmtliche Sozialisten den Saal, ei» dreifaches Hoch auf die Sozialdemokratie ausbringend. Die verblüfften„Hirschen", welche nun in der Anzahl von etwa I0u (die zur Dekoration anwesenden Protzen und Advokaten mit ein- gerechnet) sitzen blieben, suchten mit einigen faulen„Spässen", welche der Berliner Budiker, frühere Maschinenbauer Andreack, zum Besten gab, über den Zwrchenfall wegzukommen. Ter ganze„Verbandstag" blieb übrigens, trotz der von den „Ordnungs"blättern gemachten riesigen Reklame, in Nürnberg und Fürth total unbeachtet. Die Beschlüsse der Herren, in Süd- deutichland eine„verstärkte Agitation" zu entfalten, haben in verständigen Arbeiterkreisen große Heiterkeit erregt. Man muß die Gesellschaft, welche in Franken„Gewerkverein" spielt, nur kennen, um die Tragweile solcher„Beschlüsse" richtig zu beurtheilen. Herr Hirsch, persönlich bereits eine Ruine, scheint übrigens das Schicksal der geliebten, von ihm für 3000 Mark jährlich beanwalteten Vereine selbst vorauszusehen, denn sein großer Sermon war die reinste Leichenrede. Sonst geht's— wirthi'chaftlich— allenthalben schlecht. Die Geschäfte sind niit wenigen Ausnahmen unter'm Hund, die Zölle fangen an, sich fühlbar zu machen, und wenn vollends daS Bier theurer wird, so kommt die von Bismarck für uns infze- nirte Agitation in besten Zug. Freilich, viele Einzelne müssen darunter schwer leiden, aber die G esammtheit hat schließ- lich den Vortheil davon. Bis zur hundertjährigen Jubelseier der großen französischen Revolution wird ja wohl so oder so Wandel geschaffen werden! Also vorläufig abwarten, aber nicht„Thee trinken" allein dazu, sondern agitiren, gleichviel wie's geht, Seh. Paris, IN. Okt. In Ihrer letzten Nummer*) besprachen Sie schon da» Wiedel aufleben de» Sozialidmu» in Frankreich und gaben ganz richtig al» eine der Hauptsliftten der Agitaiion die Friedböse an. Ader nicht» war wohl in erster Linie anregender. nicht« wehr geeiqnet, die allen Erinnerungen wieder wachzurufen, neue? Leben in den etwa» lethargisch gewordenen Körper de» französischen Arbeitervolke» hinein;»- bringen, al« die Rückkehr der Amnestirien, der Anblick dieser Märtyrer einer Volk»sache. Nie wird der, welcher einer solchen Ankunft b eigewohnt hat, den Eindruck vergessen können, welchen die abgehärmten, physisch so heruntergekonimeuen und geistig doch noch so kräftigen und muthigen Männer aus ihn gemacht Hai. Nehmen wir z. B. die Ankunft derer, welche mit der„Pieardie" gekommen waren und Morgen« um 6 Uhr, also am Tage, anlangten— die Andern kamen meist zur Nachtzeil, und verhüllte so da« Dunkel man- »e«, ma» Jeder hätte sehen sollen, den Einen zur Ermuthignilg. den Andern zur Beschämung, zur höchsten Schmach. Wer die laute Art be» Pariser». sich össeulftch zu bewegen, kennt, wird e« wohl zu würdigen wissen, wa» e« heißt, wenn 100,000 Menschen beim Anblicke so schreck liche Spuren der Leiden an sich tragender Mitbürger, deren einzige« Verbrechen darin bestand, für eine große Idee gekämpft zu haben und besiegt worden zu sein,— wenn diese von der Erwartung ausgeregte Menge sozusagen wortla» geworben, wenn nur hie und da ein ge- dämpfte» ,,vive l'aranistic", den Ankommenden zugerufen wird und da» Säiluchzeu der Freude de» Wiedersindens und Wiedererken»-uis die beinahe unheimliche Ruhe unterbricht. Er wird begreisen, welchen Anblick diese Leidensgestalten bieten, wenn selbst die zur Ausrechthallung der Ordnung anwesenden Polizei-Kommissäre und Unterbeamlen sich ebensowenig der Thränen enthalte» konnten wie die ganze große Masse, in der auch nicht ein einzige» Auge ohne diese Pertenzierde de« Mit leid» geblieben war. Welcher Eindruck, wenn bei diesen Zeichen allgemeiner Theilnahme aschsale, von Kummer und Leiden tiesgefurchte Gesickier sich plötzlich beleben, gebeugte Gestalten sich plötzlich aufrecken und jede Bewegung, jede Miene andeutet, daß sie trotz alledem bereit sind, wieder in die Reihen des um seine Reckte ringenden Volke» ein- zutreten! Da» ist eine Agitation, die nachhaltiger wirkt, al« die leider oft nur allzuschnell vergessenen Reden; da« prägt sich lies ei», unvergeßlich. Ja, e« ist eine große Umwälzung vor sich gegangen an jenem Dinge, da« man öffentliche Meinung nennt: und e» ist gewiß bemerkenSwerthi daß heute, nach kaum ö Jahren, selbst diejenigen, die bei der Verläum- dung und Verurlheilung dieser Tapsein mit von den ersten waren, wen» selbst diejeniaen, welche zu den geistige,, und physische» Torturen der uns»un Wiedergegebenrn ihr gute« Theil beigetragen, sich heute bewogen fühlen, in erster Linie sich an den Hilsskomire'd zu be theiligen und in den Ruf»ach„voller Amnestie" am lauteste» miteni- zustimme». Die frauzönsche» Sozialisten haben in AnbeiracH dieser Umstände, i» richtiger Beiirlheilung der Grstible der Heimgekehrten, von denen gewiß viele e« unter ihrer Würde halten müsse», sich an diese politischen Weitersahnen und Allerweltiredemacher um Unterstützung zu wenden, ihr eigene« Hilsekvmite gebildet, und zwar nicht nur für die, welche bereu« amueftirt sind, sondern auch sür dir, welche e« noch werden müsse»— und aus den Erfolg könne» sie stolz sein. Auch hier hat e» sich wieder gezeigt, daß gerade die, welche leibst Tag für Tag um da» nackte Lebe» kämpfen, den# ihre eigenen Existenzmittel so knapp al« möglim z„ gemessen sind, veihällmßmäüig mehr Opferwilligkeil zeigen, al» dieieni. gen, die bei weniger R klcnne mehr zu leisten t»i S linde iväieu. Ja! da« Gesühl der Solidarität ist gekräftigt, stärker geworden und gewiß sind auch die drei letzten, hiesigen A r be> t» ei n st r I l n n g e n al» ein vollgültiger Beweis anzulehen. Zuerst die Osensever, die eine Lohnerhöhung von 6 Fr 2.") aus 7 Fr. durö setzten, dann die Zimmerleute, die es ebenfall« von 7 ans S Francs brachten sobschou di. Arbeitgeber ihnen u. A. auch Staatkhilse in Gestalt von zur Vollendung der Re- giernugSbauten kommandirten Geniesoldateu entgegeustelleu konnten) und nuu die schön von Ihnen erwähnte Arbeitseinstelliing der Bau- schreiner. Dieselbe» veilangten: 1) Lohnerhöhung von 60 auf 70 Centime« pro Stunde. 2) lOstündige Arbeitszeit und doppelte Bezahlung der Ueberstunden. 3) lltägige regelmäßige Auszahlung, und 4) Ab schassung der„Marchan dage" in heutiger Form(wonach ein Arbeiter ein größere« Quanium in Akkord übernimmt und dann andere Arbeiter für sich im Taglvhn arbeiten läßt) und an Stelle dessen Vergeben der Arbeit an Gruppen von je 4, 5 oder mehr Arbeitern, von denen Jeder gleichberechtigt ist. Bemerkt muß hier noch w-rdeu, daß von der Art Staaishilse, wie bei den Zimmerleute», bei den Baulchreineru keine R-de war, sondern daß im Gegeniheil au den Staatsbauten, wie am Luxem bourg, den Tuilerie» u i. w., al» dort die Unternehiner die Arbeit einstellen wollten, von dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten die Forlsetzung der Arbeit und da» Eingehen aus die Fordeiuiigen der Arbeiter bewerkstelligt wurde. Daß bei allen diesen Bewegiingen der Ruf nach verein»., Versamm- lungs-, und Preßfreiheit immer allgemeiner und lauter wird, ist ielbstver- ständlich, und ist man voller Erwartung, ob die Kammer sich endlich zur Behandlung dieser lang genug hiuauSgeschobeiien Angelegenheit wird entschließen können. Jedenfalls ist das Volk gerade reif genug, um zu zeigen, daß es seine Fordernuge» nicht nur zu stellen, sondern ihnen auch im tnlscheideiide» Augenblicke den gehörigen Nachdruck zu geben weiß, und daß e» sich nicht mehr mit schönen Rede»»arten und vielversprechende» Phrase» von Seilen seiner Mandatare abspeise» läßt. Was die schon gemeldete Wahl Humbert» betrifft so soll dieselbe ungültig erklärt werden und zwar, weil derselbe nicht, wie vorgeschrieben, einen sechSmonatlichen, vorherigen Aufenthalt i» Pari« gehabt hat! Möge man von gewisser Seite ihuu, wa» man will, da» Volk hat ge- zeigt und zeigt jeden Tag. was e« will. E» hat Blanqui und Hum bert aus den Schild gehoben und andere werden»och nachkommen, oa« möge man sich betreffenden Orte» ad notarn iiehme». Nur von dem, wenn auch noch so unvollkommene» Stimmrecht fleißig Gebrauch gemacht, dann wird da« Volk schon degreisen lernen, daß e« nicht dazu da ist, um von Einzelnen geleithammelt zu werden und seinem Willen mit der Zeit schon den gehörigen Ausdruck und Nachdruck zu geben wissen. Die Bahn wird dann bald frei werden zu utlserm Endziele_ dem sozialistischen Staat! *) E» ist die Nummer 3 gemeint. Wir waren leider durch Stoffüberhäufung gezwungen, diesen Bericht, gleich inehreren andern, zurückzustellen. Wir müsse» unsere Mitarbeiter überhaupt hmsichtliib de« Zcitpunfte« be« Abdrucke« ihrer Einsendungen ebensosehr uni Nachsicht bitten, al« unsere Leier wegen der Verspätung so mancher wichtige, Nachrichten. Am guten Willen, über alle« für»»« Wichtige, und zwar schncllmöglich, zu belichte», fehlt e« dem„Sozialdem." wahrlich nicht, desto mehr aber am nöthigen Raum hi-z». D. Red. Naöh Söftlnst de? Blattes eingetroffen: mst. Ättona, 28. Okt. Soeben Abends 9 Uhr ist das Unheil in dem Prozeß der 13 hiesigen Sozialisten wegen Ver- breitung der„Freiheit" und..Theilnahme an dem Verbrechen der Niajestätsbeleidigung" erfolgt Nachdem bei Staatsanwalt Strafen von 10— 15 Monaten beantragt haue, wurden die Angeklagten, welche sich seit 8. September in Untersuchungshaft befinden, kostenlos freigesprochen! des deutschen Reichstages. über ihre parlamentarische Thätigkeit während des Jahres 1878— 79. Separatabdmck aus dem„Sozialdemokrat." Bestellungen auf dieses, für die Kenutniss der politischen Geschichte Deutschlands und der Stellung und Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie seit den Attentaten sehr wichtige Aktenstück werden schon jetzt entgegengenommen und zwar ausser heim Verleger bei allen bekannten Agenten des„Sozialdemokrat", sowie bei der Schweizerischen Volksbuchhandlung in Hottingen-Zuricb. �_ A. HERTER, Industriehalle, Riesbach-Zürich, �Lborm enients auf«len„Sozialdemokrat" für November und Dezember werden für den Preis v. 2 M.(ö. st. 1. 20) für Deutschland und Oesterreich, Fr. I. 40 für die Schweiz und Fr. 1. 70 für die übrigen Länder ausgeführt. Verlag des„Sozialdemokrat". Schweiz. Bereinibuchdruiterei Holtingen-Ziirich.