Krschewt «*#*** t» Zürich(Schweiz) ilerlll» «. 6ttUx, 3n#Hftti«t)ol!t Ric�bach-Zvxich JMßftlill«!« ft«nci) gcj,«n fjrnnc» K«wShAlich-»Tief« nach dir Schw- ij lost«« Poppclhorfö Der SoMliiemokrat Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Avonnemeuts werden nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren PierteljahrSprcis von: Fr. 2.— für die Schweiz ittreuzband) Mk. 3.— für Deutschland lCouvcrt) fl. I. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. 50 für aNe übrigen Länder dcd Weltpostvereins(Kreuzband). Ziserite Di« dr-igkspallin« Prtitzcil« 25 Sil.--- 20 Pf». N? II. Sonntag, 14. Dezember. 1879. der Snvbuns�n ju awfch-n. und. l-fjl-r« dadurch ,u fchUd-u- V** 1*1* an Ht iiotrrfpautifnte« int �boBarntm de*„Soiiallcmokrat"."JWB SW*™'..!•«>«? M mm?n.itfl.nh.w.�n°-rd«ch..g ,,-----„ i— i-|w..vv»i>|tuf iituy)iivvi> im dfc'Hcnü ctur u Adresse, aü�crhä« Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch und müqiichst unv rfäuqlich« Auftrlluugladrrffrn milgrlhtill wrrdrn. In jwcifrlhaflrn Fällrn«nipfirhll stch bchu" Sichrrstrit Rrkummandiru»». Eouirl an und>>«»1, wrrdr» wir»«lotst wkdrr MUH« nach»ostrn fchrukn, um Icost »«»«nstichindcn Schwirrigl«il«n diu. Sazialdimalral' uuf«rn Adonnknlin möglichst«gklmästi» ,u liefern. Abonnements- ßinladung. Wenige Tage nocti, und der„öozilltdtwoktal" iiat das :rstc Qnarlat seines Bestehens hiuttr stch Wir haben nichl noihig, über die Aufgabe und die Erfolge des neuen Parleiorgai s viele Wone m macdcn. Die Entstehung des»Soziaidemokral" n'ar eine Nolhwendig ke>t, gleichwie ihn« jcinc ganic HoUuvi von Ai fang an durch die Umstände und die Iiilcrcsfcn der Partei bestimmt vorgezeichi et war. Und weil der„So,iald>mokrat-"idit einem momentanen und aui gewisse Kreise b schränkten Impuls feine Existenz und die Art feiner Existenz verdank«, sondern, wie er stt. mil Nochwendigkeit Wurde, so entsprachen auch seine bisherigen Erfolge durchaus unser» Erwartungen. Ans allen Thcile» der sostallstifcheii Welt, vor Altem ab r au« Denlschland, dessen Sozialisten dadurch nach �'"jährlger Unterbrechung wieder ein Lortei- »rga» erhielten, sind überaus zahlreiche AbonnemenlSbe. steUungen eingelaufen und lausen»och uiiunlerbrochen ein, Wi-nn dieselben sich. wie. voraussichilich. in der bisherige» Weise weiter vermehren, und wenn namentlich der Massen- Mug stch immer mehr ausdehnt, so ist die Zeil nichl nuhr fetn, wo der„S v zi a ldem okr a«" die Abonnenten- zuhl des frühere» diu li che II Parteivrgan.s errei- chc n and danti nev-u seiner Haupiaufgabe de» nicht minder wichtigen Awect erfülle» wird, für die Partei eine sichere TinnahmSqvelle zu klcfern. Unter Viesen Umständen haben wir doppelt das Rech! wie die Pflichl, die Genossen allerwäits auszuforder», das Partes« lwgan nicht nur durch eigenes Abonnement,«ondern auch durch eifrige WeiterverbreitUng nach besten Lrästcn zu fördern»nd ZU Unteesti�««. Ki* fSrd«»«» babatch bit Partei tctVst, mache« sie«viderstands- und kampffähiger gegen ihre iseindc und geben ihr eine neue Waffe im Kampfe für des Volkes Rechte gegen feine Unterdrücker und Ausbeutet! Man adoyiiirt auf de».Sozialdemobat"«ur beim««« lerzeichuete« Zterlag und dessev bekauuten Ageute« in �eutschkanS, sowie bei den auf der vierten Seite desBlalteS a u f g e zä hlten a u ö w ä rti g e n Filia l e n. Parleigc» offen im deulfch österreichischen Polizeigebiet(in roel- üjctn der, erozialdeinokrat" bekanntlich verboten ist) wollen sich, wenn sie über die si ch e r st e B er b i n d u n g mit uns oder über unsere Agenten in ihrer Gegend in Un« kenntuiß sind, an bekannte Genossen um Aufschluß iven- den, auf alle Fälle aber das Avis am Kopf unseres Blattes genau beachten. Da ierner der Versandt an unsichere Besteller zur Sicherheit unseres Postverkehres in ganz anderer Weise bewirkt werden muß,»ig der an Parteigenossen, so wolle» uns unbekannte Genosse» gleich in den V e ste l l b r i e fe n ihre Par> teiangehorigkelt durch die Gegenzeichnung eines VerlrauenSmanlitS bestätigen lassen: andernfalls wäre die Einholung von Informationen geboten, wodurch Zeltverlurste für uns und die Besteller entstehe« würden. Der voraus einzuseitdeude Abonnementspreis für den direkten Bezug deS..Sozialdemokrat" beträgt: für die Schweiz(unter Kr-nzbaiid) 2 Fronten, für Deutschland (unter Couvert. u«kenntlich als ZvitungS-jwdung) 3 Mark, für Oesterreich(ebenfalls unter EouveL«) 1 Gulden 70 Kreuzer. für alle andern Länder des Weltpostvereins(unter Kreuzband) � Franken 50 Rappen. Wir ersuchen indessen, jawohl die Wieder« als R e n-A b o n» emon rs m ög l> ch st»mgchend zu bewirken, d» unsere durch den systtinansche» Äriefdiebstahl und Brief. erbruch der deatschen. und österreichischen Post bedingte kom« pllzirie Beförderungsart viele Zeit wegnimmt� und deßhalb bel Ipatirer Bestellung' Vorzögent.igen in der Zusendung unauS- bleiblich wären. Parteigenossen! D>ut Eure Pflicht- wir werden die unsrige thun! Kerlag und Redaktion des„Sozialdemokrat". Die Verläilgerung des Berliner Belagerungszustandes. Ter g 28 des Ausnahoxgefepe« gegen die„gemewgesährlichen Bestrebung,« der Sozialixmokratie". der sogemminti klcino Ve. l«g°rm,g�ustands-Paragraph. ist der würdige Schlußstein dieses famosen.Gesetzes", die stilgerechte Krönung des Gebäudes, wel. chcs die demsche Regierung umer Beihülfe der durch ihren So- zialistenhaß verblendeten und altcntiUswllen Bourgeoisie ausnch- lile, um es als ein« Zwingburg zur Niederwerfung und Vor- nichtung des noch vorhandenen Restes von Freiheit und zur äußersten Knechtung des Volkes zu gebrauchen. Dieser Paragraph gibt der Regierung das Recht, mit einem Irdermg nicht nur alle politischen� sondern auch eine Reihe von bürgerlichen Rechte aus- zuhebcn und stattet fie vor Allem mit der in modernen Rechtsstaate» une> hörten Bcfugniß aus, jeden Bewohner des unter der Herr- schast des kleinen Belagerungs'.ustandes stehenden Beflikcs ohne Anklage oder Unheil, ja selbst ohne Angabe irgend welcher Gründe, ans einen bloßen Verdacht hin oder gänzlich willkürlich aus dem Bezirk zu verweisen, ihn aus Heimath, Familie und Erwerb zu reißen, und dadurch ihn und die aeinigen zu ruiniren; kurz, dieser Paragraph gibt der Regierung die schrankenloseste und unverantwortlichste Biachtbesugniß, welche in and ren zivili- strlen Ländern der Regierung nur in Zeiten unmittelbarer, drohend- ster Gefahr, in Kriegs- und Bürgerkriegszelten, und da nur auf kürzeste Zeil gegeben wird. Als Ende August des vorigen Jahres dieser Thcil des Ent- wurses des Sozialistengesetzes bekannt wurde, da waren selbst die zur Befried gung alter Rcgierungsforderungen bereiten Bour- geo-sparteien einen Augenblick vor Schrecken erstarrt; denn der Regi-erung solche Befugnisse geben, hieß ja ihr die Möglichkeit gewähren, im Handumdrehen alle verfassungsmäßigen und geietz- lichen Errungenschaften des Liberalismus zu beseitigen, und auch die Bourgeoispaiteicn dem guten Willen der Regierung übertiefern. Jedoch wurden diese Bedenken bekanntlich durch die Rücken- markslostgkeit des Liberalismus und feine Furcht vor dem rothen Gespenst schnell überwunden und auch der ungeheuerliche g 28 bewilligt. Indessen war doch selbst die noch unter dem Einfluß des Atlentalswahnsmns stehende„öffcutliche Meinung" gegen dieses neue GesellschastsretUuigsmiUiil damals noch zu ängstlich, als daß sie sich so ohne Weiteres mit ihm besreudet hätte Außerdem hatte die Regierung daS ausdruckliche Versprechen gegeben, dtes änßersteMittel„selbstverständlich nur im äußersten Fall unmittelbarer schwerptti Geiahr für die öffentliche Ruhe und Sicherheit" an- zUivenden. Nun, ein solcher„Grund" für die Einfühnmg des Belagerungszustandes in Berlin war damals nicht schwer zu finden. Als die Regierung wenige Wochen nach Jnkraftireten des Sozialistengesetzes den kleinen Belagerungszustand in Berlin erklärte, führte fie als Hauptgrund hierfür„die durch die Attentate offenbar gewordene Geiahr für das theure Leben deS Kaisers" und d-e Rothwendigkeit an,„die Schule des Verbrechens zu schließen." Das war gewiß ebenso geistlos erfunden, als infam; aber es sah doch nach einem hinreichenden„Grund" aus. Was gibt man aber heute für die erneute Verhängung deS Belageiungs- zustandes über Berlin für Gründe an? Die öffentliche Ruhe ist während des abgelaufenen Jahres in Berlin keinen Augenblick gestört, dem Kaiser, seinen Angehörigen und allen sonstigen Ge- watthabtrn kein Haar gekrümmt worden. Wo stecken also die Gründe, die außerordentlichen Gründe zu dieser außerordentlichen Maßregel? Run, man hat keine b es ond cre Grün d c. wie sie das Aus- nahme-„Gesetz" verlaugt! Tie Gründe für die Verlängerung des Belagerungszustandes sind vielmehr rein allgemeine, die immer lorldauern werden: das ungestörte Fortbestehen und Wachslhum der Sozialdemokratie einer-, und der Wunsch oder bester Wille der Regierung, die ihr durch den g 28 gewährte, ihren absolutistischen Neigungen entsprechende Machtfülle nicht mehr gutwillig auszugeben, anderseits. Und dir Berliner„Volkszeitung" hat darum ganz Recht, wenn sie meint, daß man sich deßhalb all- mälig daran werde gewöhnen muffen, den Belagerungszustand als eine Berliner„berechtigte Eigcnthümlichkeit", als eine blei- bende Institution anzusehen! Man darf wohl sogar noch sroh sein, wenn diese Institution nicht auch noch aus andere Städte und Bezirke, welche Hauptnester der Sozialdemokratie sind, wie Leipzig, Hamburg, Dkesden, Breslau:c. übertragen wird, wozu die Regierung jeden Augenblick befugt.ist. Wenn es in dieser Bezuihung einzig»ach Bismarcks und der Reichspolizei Wunsch ginge und nicht noch andere Rücksichten(auf den Geschäfts-, Fremden-Verkehr tr.) mii'piÄchen. so wäre das ohnehin schon lange geschehen. Hat doch Bismarck bereits dementsprechende Pressionen ausgeübt und sich sehr ausgebracht darüber geäußert, daß ihnen Widerstand geleistet wurde. Wenn sich aber die Regierung je in dem Wahn gewiegt- hat, vermittelst der diktatorischen Machibcsugnisse des Betagerungs zustandes dw Sozialdemokiatie zu aenüchten oder sie auch nur zu beeinttächiigen, dann ist sie durch die Reiultaie des abgelau- fenen Jahres allerdings gründlich in ihrer Hoffnung getauscht worden. In dieser Richtung können wir dem Minister Eule,-- bltfg nur beistimmen, wenn er crllärte, daß das Ausnahmegesetz iamntt dem Belaacrungszustaud„anscheinend" aus die Sozial- dcmokratie wenig Einfluß geübt habe und daß die deutsche So- zialdemokratie in der allen Ausdehnung und Kraft fortbestehe Und es verräth die ganze Bornirtheit der herischcnden Klasse, wen» bei dieser Nachricht des Ministers und der Verlesung eines Artikels des„Sozialdemokral", in welchem gesagi ist, daß der Stand der Bewegung mit Rücksicht auf die Schwierigkeil der Verhältnisse ein ganz vorttefflicher sei,— in dem über diese uuerwartete Neuigkeit höchlich erstaunten Landtag„große Sensa- tion" entstand. Die Parlamentshelden halten wahrscheinlich ge- dacht, daß die Sozialdemokratie mil den der Regierung zu diesem Zweck bewilligten Gewaltmaßregeln längst wausetodt gemacht wor- den sei! Wie wenig der Sozialdemokratie aber Belagerungszustand und Ausnahmegesetz schaden konnten und ferner werden schaden können, darüba wollen wir— da wir in dieser Sache selbst Partei sind und überdies schon daS bloße Bestehen des„Sozialdemokrat" und jede seiner Nummern genügendes Zeugniß für die Existenz und das Wohlbefinden unserer Partei ablegt— aus einer Menge ahnt(her, theils mit sauren, theils mit erschreckten und drohenden Mienen vorgebrachten Zeugnissen der Bourgeoispiesse daS eines Blattes anführen, welch.s gewiß Niemand in Verdacht geheimer Sozialistenfreundlichkcit haben wird. Die„Berliner Volkszeitung" schreibt also: „Die Polizei ist allerdings der Sozialdemokratie energisch zu Leibe gegangen; sie hat Druckschriften und Zeimngen scheffclweis verboten, sie hat Druckereien und Vereine zu Hunderte» gelchlos- sen, sie hat den Traum Tessendors's, die äußere Organisation der Sozialdemokratie zu zertrümmern, zur Wirklichkeit gemacht, und die Ausweisungen aller der Agitation Verdächtigen, haben daS Werk gekrönt; aber sie hat darum die Soziatdemo- kratie so wenig vernichtet, wie die Reaktion der fünfziger Jahre die Demokratie aus der Welt zu maßregeln vermocht hat. Wo immer eine Reichslags- wähl stattfindet, erscheint die Sozialdemokratie auch ohne Presse und öffentliche Agitation, in derselben geschlossenen Masse wie ehedem, und selbst Graf Eulenburg wird heute wohl kaum be- zwetssln,««NN eine Neuwahl in«»rlin st fall.., wir hier dasselbe Schauspiel erleben würden..... Graf Siol- berg forderte scharfe und wirksame Waffen, weil mit halben Maß- regeln mehr geschadet, als genützt werde; die scharfen, schneidigen Waffen sind ihm, wie er wünschte, geworden; wir glauben, daß sie trotzdem mehr geschadet als genützt haben. Und unter den Maßnahme», die mehr schaden als nützen, steht die Verlängerung deS Belagerungszustandes über Berlin obenan. Bei dieser Lage der Dinge vermögen wir nicht ohne ernste Be- sorgniß in die Zukunft zu blicken. Die Annahme des Aus- nahmegesetzes ist ein verhängnißvoller Wendepunkt in unserer inneren Eniwickluiig, verhängnißvoll auch deßhalb, weil er die Unmöglichkeit, auf diesem Wege aus unserer gro- ßen sozialen M ij öre herauszukommen, klar ge- legt und das Ausnahmegesetz wider die Sozialdemokraten zu einem Faktor gemacht hat, der im Verlause unserer weiteren Ent- wickelung nicht gegen, sondern für die Sozialdemokratie zählen wird." Ja wohl, gewiß werden Ausnahmegesetz und Belagerungszu- stand im Verlauf« unserer weiteren Entwickelung für die Sozial- demokiatie zählen und zwar in noch weit höherem Grade, als das Bourgeoisblatt glaubt, und in mehr alS einer Richtung. Nicht nur, daß uns die RechtloSmachung, die Aechtung unserer Sache und die maßlose, selbst die elementarsten Grundsätze des Rechtes verneinende Verfolgung ihrer Anhänger zwingt, unsere Reihen enger und enger zu schließen, daß sie die Ueberzeugung noch Schwankender festigt, den Opfermulh und die Kampsbegeisterung der Gesinnungsgenossen vervielfacht, uns in den Künsten und Liste» des ParteikainpseS übt, die Zentralisation schärft und uns dadurch die Fähigkeit der strammen Zusammenlassung unserer Kräfte und ihrer präzisen Verwendung zu bestimmten Zwecken in eihöhtein Maße gibt—: die vor aller Welt offenbare brutale Unter- drückung, die Anwendung des nackten, schamiosesten Faustrechtes gegen das arbeitende Volk und dessen Vorkämpfer, die Sozial- demokrale», öffnet zugleich immer größeren Schichten der Bevöl- kerung die Augen für die Wahrheit der von uns an der gegen- wärtigen Staats- und Gesellschaftsordnung geübten Kritik und vermehrt dadurch in Verbindung mit der zunehmenden Massen- Verarmung täglich die Zatil unserer Anhänger, das Heer der Kämpfer für eine neue, gerechtere Ordnung der Dinge, den Heer- bann des Sozialismus! Aber das Sozialistengesetz und besonders der Belagerungszu- stand bewirken sowohl bei den dadurch unmittelbar Betroffenen und Geschädigten, als im ganzen Proletariat, soweit es bereits zur Erkenntuiß gelangt ist und ferner gelangt, noch ein Anderes, was die Regierung und die herrschende Klaffe überhaupt jeden- falls mehr Ursache ni fürchten hat, als wir: sie entfachen eine Summe von höchster Erbitterung und tief- stein Haß, welche mit jeder neuen Answeisung, mit jeder neu ruinirten Familie, mit jedem neuen Tag der W i l l k ü r h r r r s ch a f t l a w i n e n h a f t anschwillt und die Aussichten auf eine friedliche Lösung der von der Sozialdemokratie ausgeworfenen pvliti- schen und sozialen Fragen von Stunde zu Stunde verringert und bald ganz vernichten w.rd! Wir haben diese Eventualität nnd ihre Folgen nicht zu furch- ten, wenn wir sie auch keineswegs suchen. Aber unser e Gegnersolltc» es sich doch ernstlich überlege», ehe sie fonfahre», die Drachensaal des Hasses auszustreuen. In ihren Händen liegt die Wahl! Auf ihr Haupt falle die Verantwortung! Die Knappschaftskassendebatte im sächsischen Landtag und die Zwickauer Gruben- Katastrophe. Als am 27. November Genosse Liebknecht in der sächsischen Abgeordnelenkammer die sächsischen Bergbauvethältnisse einer der- nichienden Kritik unterzog und an der Hand jahrelanger eingc- hcnder Studien dieser Frage und massenhaften von den Berg- arbeitern selbst gelieferten Materials schlagend nachwies, wie der Betrieb sowohl der staatlichen als der privaten Bergwerke ein vernunftwidriger und geradezu mörderischer sei, indem Gesundheit und Leben der Arbeiter durch die übeimäßigste Abrackerung der- selben und die Vernachlässigung der nothwendi.gen Sicher Heils maßregeln, vorAllem der Venlilations- Vorrichtungen auf das Gewissenloseste gefährdet und geschä- digt würden, blos um große Ansbeutergewinne zu erzielen; als der Redner deßhalb die selbst raffinirt ausbeuterische und darum auch die ausbeutungslustigen privaten Werkbesitzer ungestört ge- währen lassende staatliche Bergverwaltung in der für sie vcrant- wortlichen Regierung scharf angriff:— da erhoben sich die Regie- rungsmänner tind die Vertreter aller großen Kammerparteien ein müthig voll„sittiicher Entrüstung" gegen die angeblich vollkommen grundlosen und nur„auf die Aufreizung der stets unzufriedenen Arbeiter berechneten dreisten Behauptungen" Liebknechts und bo- haupteten schlankweg, daß im sächsischen Bergwerksbcrrieb Alles in bester Ordnung, daß für die Interessen der Arbeiter auf das Gewissenhafteste, ja Reichlichste gesorgt sei und daß irgendwelche Mißverhältnisse und Gefahren nirgends existirten. Der sozial- demokratische„Störenfried" predigte tauben Ohren und ward wegen seiner Mahnungen und Warnungen mit Verdächtigungen, Lügen und Verläumdungen förmlich überjchüttet. Die gegen den gemeinsamen Feind solidarisch vorgegangenen Anhänger der„Ord nung" aller Schaltirungen und die gesammre Presse war ein- stimmig darüber, daß die schweren Klagen der Bergarbeiter und ihr Vertreter gründlich widerlegt und abg.than worden seien und daß die Vortresslichkeit des sächsischen Bergbetriebcs über jede» Zweifel erhaben sei. Roch waren aber nicht fünf Tage verflossen, nnd die Macht der Thatsachen ertheilte eine furchtbare, vernichtende Antwort auf die Entrüstung, die hohlen Phrasen nnd frechen Lügen der vcr- einigten Regierung und Bourgeoisie. Am 2. Dezember früh 3 Uhr entzündeten sich im B rücke nbergschacht in Zwickau schlagende Wetter und tödteten in wenigen Augenblicken 91 an der Arbeit befindliche Berg l e u t e!! Alle sächsischen und deutschen Blätter schildern die giäßlichen Szenen der Zutagschaffting der entstellten und verkohlten Leich- name nnd des yerzzcreißenven Schmerzes nnd Elendes der Hunderte von Wittwen, Waisen, Eltern und Verwandten der Ber- unglückten, und appellircn an die Wohlthätigkeit, dainit diese für die Hinterbliebenen thue, was eigentlich die Pflicht der Berg- werlsbesttzer wäre, und durch einige Bettelgroschen die Schuld, welche das ausbeuterische Kapital an dem Tod der Einundneunzig trägt, wieder„güt mache"! Den» daß eine solche Verschuldung in diesem, wie in den meisten solchen Fällen vorliegt, scheint trotz aller Vrrtuschungsversuche seitens der Zwi- ckauer Grubenherren zweifellos. Am Nachmittag vor dem Un- glück waren Arbeiter damit beschäftigt, mittels Palronen Gestein loszubrechen, um ein neues Füllort(Lagmaum für Steinkohlen, welche zur direkten Beförderung nach Oben aufgehäuft werden sollen) zu schaffen. Sie beschädigten dabei durch einen Schuß den Wetterscheider(ein Latten- rcsp. Balkenverschlag, dazu be- stimmt, die durch den Ventilator eingeführte gute Luft am Abzug zu verhindern und sie zu zwingen, in die unteren Regionen des Bergwerkes einzudringen, d. h. die Ventilation so zu reguliren, daß sie dem ganzen Werke zu Gute kommt) so stark, daß er seine Bestimmung nicht mehr erfüllen konnte, indem durch das entstandene Loch die gute Liest abzog. Dir Wirkungen dieses Ereignisses wurden auch sofort bemerkt, da natürlich die„Wetter" ganz anders ziehen mußten, als es sonst der Fall war. Unter solchen Umständen wäre es selbstverständlich die Pflicht der Di- rektion gewesen, den Beirieb augenblicklich einzustellen, da das Anfahrenlassen bei nichtfunktionircndem Wetterscheider fast eben so gut wie vorbedachter Mord ist. Trotzdem aber wurde der Betrieb, um die lukrative Förderung nicht unterbrechen zu müssen, fortgesetzt und so die Ar- beiter um des schmutzigen Gnoinnes willen einem fast gewissen Tod überliefert! Ja damit noch nicht genug, wurden die nach dem Bekanntwerden des Unglückes zuerst anfahrenden Reltungsmannschasien ohne pneumatische Reitungs- apparate in den gaserfüllten Schacht herabgcichickt, wo sie sofort ersticken mußten! Und nach alledem hat die Berg- werksdirektion die mehr als eherne Stirn, ihren geschraubten Be- rieht mit der Behauptung zu schließen:„Ein Verschulden dieses schweren Unglücksfalles trifft Niemand!" Aber freiltcki, von ihrem Ausbeuterstandpunkt hat die Direktion des Brückenberg-Steinkohlenbau-Vereins durchaus korrekt gehan- delt, indem sie Gesundheit und Leben ihrer Arbeiter dem peku- niären Vortheil der Gesellschaft unterordnete, und die letztere hätte nimniermehr so brillante Geschäfte machen und ihren Rtit- gliedern so riesige Dividenden abwerfen können(die auf 250 oder 300 Thaler lautenden Aktien standen bereits auf 1200!), wenn sie nicht von jeher nach diesem Grundsatz gehandelt hätte. Was hat die Gesellschaft auch für einen Nachtheil davon, wenn infolge dieser obersten Betriebsmaxime größere oder kleinere Un- glückssälle oder selbst solche Katastrophen wie die letzte eintreten? Ter durch den Tod geräumte Platz ist ja im nächsten Moment wieder besetzt— an lebendem„Arbeitsmaterial" ist ja kein Mangel! Und dazu kostet ber Wechsel den Besitzein nicht einen Pfenning, denn die finsiern Zeilen der Sklaveret sind ja Gott sei Dank ein überwundener Standpunkt und man braucht sich die Sklaven nicht mehr zu kaufen— man bekommt sie heute umsonst und nur für das tägliche Brod. Für die Hinterbliebenen der Verunglückten haben die„Brotherren" natürlich auch nicht oder doch nur selten zu sorgen. Die Bourgeoisievertreter des Reichstages haben ja in bekannter Unparteilichkeit und Un- eigennützigkeit dafür gesorgt, daß die Bestimmung des Haft- Pflichtgesetzes, welche die an der Verunglückung des Arbeiters schuldtragenden Arbeitgeber zur Entschädigung anhält, nicht allzuoft zur Anwendung komme. Der Arbeiter muß zuerst die Schuld des Herrn nachweisen und die Todten sind bekanutlich stumm Deshalb wird auch aller Voraussicht nach die reiche Zwickauer Grube ngesellschast für all die vielen Wittwen und Waisen der ihrer Profitmacherei zum Opfer gefallenen Verunglück- ien nicht einen rothen Heller zu bezahlen haben! Was gehen sie diese Erbarmenswerthen an? Ihre Männer und Väter haben zu leben ausgehört, können also nicht mehr ausge- beutet werden, nichts mehr durch ihre harte Arbeit und ihr Darben zur Bereicherung der Herren leisten. Damit ist das Interesse der letzteren an ihnen und ihren Angehörigen verschwun- den und diese werden der Fürsorge der öffentlichen Mildthätig- feit und— Gottes überlassen,„des Allgütigen, der über Euch thront, der Euch Vater sein und die Herzen der Menschen zum Wohlthun leiten und nach den Tagen der Roth und Sorge Euch Tage der Tröstung entstehen lassen wird"— wie es gar trostreich und salbungsvoll in den Ausrufen an die Hinterblie- benen heißt. Es ist doch ein« schöne Erfindung um diesen großen Lückenbüßer„Gott", dem man so beguem eine Fürsorge aushalsen kann, die man selbst nicht tragen mag I Und welch guter Gott— die Wohltliätigkeit, der Bettel, denr die schmerz- gebeugten Frauen und Kinder der meist in der Blüthe ihrer Jahre dem Moloch Kapital geopferten Einundncunznz überliefert werde»! Nicht wahr— wie das sächsische Bergwesen vortrefflich ist, und das Bestehen gesundheitsgefährlicher Zustände, der Vernunft- widrige Betrieb, die Ausbeutung, Abrackerung und die gewissen- lose Schädigung des Lebens der Arbeiter nichts als„sozial- demokratische Lügen" und„grundlose Behauptungen gewissen- loser Agitatoren" sind, wie es it. A. der Amtshauptmann Vopel im Landtag gegenüber Liebknecht so trefflich ausführte,— derselbe Mann, der durch eine eigenthümlichc Verkettung von Um- ständen heute an der Spitze des Hilsskomites für die Opfer von Zuständen steht, deren Nichtvorhandensein er wenige Tage vorher selbst so eifrig nachwies! Nicht wahr— wie die„gewissenlosen Agitatoren" auch nach anderen Richtungen hin lügen und unsere Staats- und Gesell- schaftsordnung frech herabwürdigen und kein gutes Haar an ihr lassen, während sie in der That eine so vortreffliche ist! Es ist freilich wahr, daß der Arme, der Arbeiter, der Lohnsklave Zeit seines Lebens hart arbeitet, und dennoch hungern und darben muß, während der Reiche nichts ihut und dabei herrlich und in Freuden lebt; daß der Bergarbeiter tief unter der Erde Tag um Tag sich zwölf Stunden abrackert und durch Ueberanstrengung und Entbehrung seinem Leben frühzeitig ein Ende setzt, wenn er nicht vom einbrechenden Gestein erschlagen ober vom giftigen Schwaden erstickt wird, während der Bergwerksbesttzer im won- nigen Lickt des Tages den Schweiß seiner Minensklaven genießt! zzs ist wohl wahr, daß der reiche Besitzer selbst an dem lächerlich geringen Lohn noch auf jeoe Weise abzwackt, den älter werdenden Arbeiter zur Vermeidung einer Uiiterstützungspflicht mittellos aufs Pflaster wirft und lieber Hunderte von Arbeiterleben gefährdet und vernichtet, ehe er ein neues Förderseil, eine gute Wetter- führung, einen zweiten Schacht, eine bessere Zimmerung herstellte; daß er die Wittwen nnd Waisen dir für die Mehrung seines Ueberflusses Ausgepreßten und Getödteten mitleidslos auf die Beitelstraße schickt, um dann mit neuem Bergwerksfutter das alte Spiel zu beginnen. Es ist endlich allerdings wahr, daß der Staatz die angebliche„Verkörperung der Gerechtigkeit", diesem herzlosen Ausbeuiertreiben nicht nur keinerlei Hindernisse durch energische Handhabung des ihm zustehenden Aufsichtsrechtes in den Weg legt, sondern daß er selbst seinen eigenen Arbeitern gegenüber dasselbe rasfinirte und mörderische Ausbeutungssystem zur An- Wendung bringt. Alles die« ist wahr, unleugbar wahr! Aber das ist nun einmal der Welt Lauf und nach göttlicher und menschlicher„Ordnung" so bestimmt, daß es Reiche und Arme gibt und daß die Ersteren zum Herrschen und Genießen lebm, während die Letzteren die Aufgabe haben, durch ihre Arbeit, ihr Elend, ihre seelischen und körperlichen Schmtrzen, ihre intellek- tuelle und physische, wirthschaftliche und politische Knechtschaft, durch ihre ganze menschliche und bürgerliche Entrechtung der Ersteren Vorrechte, Faulheit, Verschwendung, Uebermuth, Ueppig- koit und Herrschaft zu ermöglichen! Und diese vortreffliche Ordnung, diese höchste Blüthe unserer Kultur wollen vie„gewissenlosen Agitatoren" frevlen Muchs mit Stumpf und Stiel vernichten und an ihre Stelle eine verbre- cherische Gleichheit setzen, in welcher jeder Unterschied zwischen den„höheren Klassen" und dem gemeinen Volk verwischt werden und Alle gleichheitlich zur Arbeit verpsticktet, wie zum Genuß berechtigt sein sollen, in welcher es keine Knechtschaft und kein Elend mehr geben soll und in welcher demnach auch beider nolh- wendige Ergänzung, die staatlichen und gesellschaftlichen Vorrechte der Reichen nicht mehr bestehen können! Gegen diesen unerhörten Raub an den heiligsten Rechten der Menschheit, gegen diesen verbrecherischen Wahn und dies wahnsinnige Verbrechen müssen sich alle Besitzenden, alle Gebildeten und alle Freunde der alten herrlichen Ordnung erheben und sich einmüthig zu deren Ver- theidigung und zur Bekämpfung der sozialdemokratischen Wüthe- riche sammeln— welche religiösen, politischen, wirthschaftliche» und nationalen Ansichten sie sonst auch trennen mögen! Diesem Grundsatz gemäß hat auch die sächsische Kammer ge- legentlich der„gemeingefährlichen" Rede des Sozialdemokraten Liebknecht gehandelt, und wir haben die Genugthuung erlebt, daß ihm, d. h. der Sozialdemokratie gegenüber alle andern Par- teien und Klassen:„demokratische" Fortschrittler, Nationalliberale und Konservative, Büreaukraten, Fabrikanten, Bürgermeister und Minister ihres sonstigen Haders und Neckens vergaßen und sich einträchtiglich zusammenfanden. So lieben wir's: so wird der Blick doch nicht durch Nebensächlichkeiten getäuscht und die bei- den einzig ernsten Parteien können sich scharf in's Auge fassen und erkennen: hie Ausbeuter und Unterdrücker, hie AuS- gebeutete und Geknechtete,— h i e herrschende Klasse, hie Proletariat! Es ist nur selbstverständlich, daß sich diese beiden Todfeinde mit allen Mitteln und aus jede Weise bekämpfen und unschädlich zu machen suchen. Die Sozialdemokratie ist deßhalb auf Alles gefaßt und weiß, daß fle noch größere Gewaltthätigkeitea und Fährlichkeiten als heute zu bestehen haben wird. Wenn also der sächsische Minister des Innern Liebknecht gegenüber bemerkte, daß„die sozialistischen Grundsätze wol den Absolutismus herbei- führen, niemals aber schlagende Wetter verhüten können," so schreckt uns die erster« Prophezeiung um>o weniger, als wir ja schon ein ganz respektables Stück Absolutismus haben und der letztere unter Umständen einem Icheinkonstitutiottalismus vorzuziehen ist. Was aber den Nachsatz betrifft, so ist es nicht unsere Aufgabe, mit dem Minister über die Fortschritte und den Stand der Montanwissenschaft zu streite»; wir wollen deßhalb seinen geist- reichen Satz lieber politisch auffassen. Und da haben wir ihm zu erwioern, daß unter dem Absolutismus, d. h. bei der Fortdauer und Verschärfung der brutalen Unterdrückungsmaßregeln, der Rechtlosigkeit des Volkes und derVogelsreiheit der Sozialdemokra- tie allerdings und in nicht allzuweiter Ferne ein Zeitpunkt kommen müßte, wo die Soztalvemokra- tie ein„schlagendes Wetter" nicht mehr verhüten Uauttt noch tolJT, gegen dessen elementare Gewalt das Zwickau er und alle in der Neuzeit durch ihre Verheerungen bekannt gewordenen Explosionen zusammengenommen in ihien ertchüttern- den Wirkungen gertii�fügtg erscheinen! Ader bei dieser Kala- strophe werden Verluste und Wehklagen nicht auf Seite der Arbeiter sein! Mögen die Staatsingenieure diese Warnung nicht in den Wind schlagen, sondern sie besser beachten, als die Liebknecht'sche vom 27. November; andernfalls wird ihr eben so un- abwendbar wie dieser— wenn auch nicht in wk- tilgen Kagen— die drohende K a t a st t o p h e folgen! Eine traurige Alternative. *** Während der Eintritt der sozialistischen Abgeordneten in den sächsischen Landtag und ihr bisheriges Wirken in dem- selben, vor Allem das energische und die Gegner der Sozial- demokratie in und außer dem Landtag heftig erregende Auftreten Liebknechts in der bekannten Knappschattskassendebaite die allge- meine freudige Zustimmung der deutichen und außerdeutschen Parteigenossen findet, und jeder vernünstige und ehrliche Anhänger unserer Sache die angesichts des im Reichstag herrschenden Mundtodtmachungssystems doppelt werthyolle Gelegenheit, den schreiendsten Klagen des Volkes selbst unter dem Druck eines infamen Ausnahniegeietzes öffentlich Ausdruck zu geben � will- kommen heißt; während anderseits die Gegner der Sozialdemo- kralie wüthend sind darüber, daß nunmehr im sächst'chc» Landtag die Grundsätze des Sozialismus„ganz so rücksichtslos und gewaltthätlg wie ehedem in den Volksversammlungen und in der sozialistischen Presse" gepredigt und dadurch das Volk auf's Ge- fährlichste zum Haß gegen afle bestehende Ordnung aufgereizt werde:— währenddessen behauptet ein in London erscheiuendes Blätt, welches sich nicht nur sozialdemokratisch nennt, sondern sich bescheioener Weise sogar als das einzige ehrliche und prinzipientreue.„streng sozialdemokratische" Organ gerirt, unserer Sache nicht besser oiene» zu können, als indem es die Beihei- lignng unserer Genossen an den Verhandlungen des Landtages als Verleugnung unserer Prinzipien. Abwiegelung, Einlenkung in die Bahnen des korrupten Parlamentarismus, und wie die Beschuldigungen sonst noch alle heißen, kuiz als eine Schädigung der Partei bezeichnet und die betreffenden Genossen mit Verdäch- tigungen, Verläumdungen und Beschimpfungen überhäuft. Ihr Eintritt in den Landtag, bezw. die zu Ausübung ihres Man- dates erforderliche Ableistung deS Abgeordneieneides wird eine „Blamage", eine„Beschmutzung des Sozialismus genannt und der strenge„Richter der Lebendigen und Todten"— wie sich das Blatt in dem bekannten blühenden Stil ebenso bescheiden als geschmackvoll nennt— findet, daß die Leistung dieses Eides „einer Abschwörmtg der Sozialdemokratie verdammt ähnlich" sieht. Daß seit Existenz der Sozialdemokrotir der größte Theil der Genossen zum Theil wörtlich den gleichen„Treueid" als Ber- fassungseid, Bürgereid w. leistete, ja daß der„einzig streng sozialdemokratische Revolutionär" in Lyndon die- sen Eid selbst bereits geleistet hat(gelegentlich seiner Bürgeraufnahme und Aenderung der Staatsangehdrigkett)— dies scheint daö Londoner Blatt ebenso vergessen zu haben, wie so ziemlich die ganze Geschichte der deutschen Bewegung, welche mit dem Grundsatz der Wahlbetheilrgunq großgewachsen ist, den der„einzig strenge Sozialdemokrat" in London eine Dummheit und einen quasi Verralh an unser» Prinzipien nennt. Da das Londoner Blatt in seinen endlosen Variationen über dieses letztere ihm bereits zur fixen Idee gewordene Thema außer einigen Krastworten im bekannten Genre nichts Neues bringt, und wir die Ansicht der Partei über diese Frage bereits früher erörtert haben, so würden wir vielleicht die Frage der Wahlbe- theiligung nicht noch einmal berührt haben, wenn nicht das Londoner Blatt in einer seiner letzten Nummern die Grenzen eines ziemlich harmlosen und gewissen Leuten erlaubten politischen Kinderspieles überschritte und sich auf den Boden der baa- ren Persidie und des offenbaren Berrathes an der Partei begäbe. Unsere Magdeburger Genossen find in die Wahibervegung eingetreten. Wie schwierig eine Wahlagitation unter den Heu- tigen Verhältnissen ist und wie sehr es der wärmsten Hingebung und ves Opfermuthes aller Genossen des betreffenden Kreises bedarf, um ohne Vereine und Versammlungen, ohne Preffe, ohne Berechtigung zum Vertrieb von Wahlflugblättern und selbst von Stimmzetteln, unter strengster Beausstchtigung der ofienen und geheimen Polizei, kurz unier Verhältnissen, die sich wenig vom Belagerungszustand unlersche!den. gegen die erdrückende Gewalt der vereinigten Staats- und Kapitalmacht anzukämpfen— das wissen alle deutschen Genossen. Wer daher auf den Ehrennamen eines Parteigenossen, eines Sozialdemokraten Anspruch erhebt, der hat die heiligste Pflicht, die Magdeburger Genossen nach besten Kräften in ihrem schweren Kampf zu unterstützen. Weit entfernt davon aber sucht daS„einzig streng sozialdemokratische" Londoner Blatt mit rasfinirter Infamie gerade den Zeitpunkt, welcher die begeistertste Kampffreudigkeit und vollendetste Einigkeit erfordert, heraus, um durch die Spaltung der G mosten seinen Verschrobenheiten zu fröhnen und seine schmutzigen Sonderzwecke Zu fördern. Während die Magdeburger Genossen in geschlossenerPhalanx, einig und voll Begeisterung und Opferfreudigkeit in den Kamps rücken, erscheint der Londoner„einzig echte Sozialdemokrat" in ihremRücken— aberuicht etwa um diekämpfen- den Brüder zu unterstützen, sondern um sie durch Hohn über die Dummheit ihrer Hingebung und die Fruchtlosigkeit ihrer Opfer und durch Rufe zum Rückzug in Verwirrung zu bringen und durch diese« feige Jndenrückenfallen alle ihreAnstreng- »ng zu vereiteln, wodurch den Todfeinden der Sozialdemokratie ein eminenter Dienst erwiesen wird! Wohl werde» sich unsere wackeren Magdeburger Genossen durch diese empörende Perfidie in ihrer hingebenden Pfiichtcrfül- lung nicht stören lasten, sondern den verrätherischen Rufer mit Geringschätzung allein stehen lasten und muthig weiter kämpfen, — dessen sind wir gewiß. Aber der Versuch des Londoner Blattes verliert deßhalb nichts von seiner Schändlichkeit und bei der Forschung nach den Beweggründen einer solchen Handlungs- weise bleibt uns nur die trostlose Alternative: entweder gei- st ige Unzurechnungsfähigkeit oder offenbarer, schmählicher Verrath! Uebrigens steht diese Handlungsweise bei dem Londoner Organ keineswegs vereinzelt da° Die von einer geradezu bewunderns- werlhen Hingebung für unsere Sache beseelten deutschen Partei- genossen werden unklar- Köpfe. Irregeleitete, Schlafmützen u. dgl g-nann», die bewährteste» und selbst von den hitzigsten Gegnern ob ihrer Ueberzeugungstreuc und Selbstlosigkeit geachteten Vor- kämpser der deutschen Sozialdemokratie systematisch verläumdet, des Abfalls von unser» Grundsätzen und der ehrlosen Verführung der Arbeiter bezichtigt, allenihalben Mißtrauen und Zwietracht '» die Reihen der jetzt m.hr als je auf ihre Einigkeit angewie- jenen Sozialdemokratie zu säen gesucht, ja die deutsche Partei "» voller Aebereinstimmung mit' der deutschen Regierung als nicht mehr elkistirend erklärt! Dagegen be- Zeichnen sich die Atacher der Londoner„Freiheit" als einzig strenge, ächte und wahre Sozialisten, für klüger, radikaler, revo- lulionärer und ehrlicher, als alle die Zehnrausende von kämpf- geübten und zielbewußten deutschen Parteigenosten, deren mann- hafte und zugleich kluge Haltung bei den Sozialisten aller Länder Bewunderung erregt, ja selbst ehrlichen Gegnern Respekt einge- stößt hat ui.b der allein es zu danken ist, daß heute noch eine deutsche Sozialdemokratie existirt! Da dieselbe indessen den Sonderbestrebungen des Londoner Organs und seiner Leiter nicht entspricht, so erklären sie dieselbe als�odt und sich al« berechtigt und berufen, aus den Trümmern dieser verflachten, verwässerten und erbarmenswerthen Bewegung eine neue„wirklich revolutio- näre Partei" zu bilden, deren Leitung natürlich ihnen selbst zukommt. Was ist das anderes als offener Verrath an unserer Sache? Und kann sich die herrschende Klasse bessere Bundes- ginossm wünschen?! Doch wollen wir für heutt auf dies ebenso traurige als wider- liche Thema nicht weiter eingehen. Wir werden uns, wenn sich die Haltung des Londoner Organs nicht gründlich ändern sollte, ohnehin mit der Sache bald genug wieder befassen müssen, wobei es sich freilich nicht um eine unfruchtbare Polemik, sondern lediglich darum wird handeln können, ein brandiges Glied uom Körper der Sozialdemokratie abzutrennen, damit nicht der ganze Organismus durch es geschädigt werde! sich selbst von der unverhüllten Reaktion solche Lektionen geben lassen muß, noch mehr auf den Hund kommen kann, als sie es schon ist. Sozialpolitische Rundschau. "j- stnd in den Arme» liegen sich Beide— der deutsche aiordomus und die von ihm lange gemiedene und übel trak- ,' Bhrync Nationalliberalismus. Wie die„Nationalzeitung" 2''* überströmender Freude erzählt, hat der Reichskanzler das �ehen der so schwer Gezüchtigten endlich erhört und ihr mit uckszchl auf ihre bewiesene Büßfertigkeit und Dienstwilligkeit cmen Sonnenstrahl seiner Gnade zukommen lassen, indem er den tflhrern und den Mitgliedern der Nationalliberalen seine„leb- a>le Befriedigung über die Behandlung der Eisenbahn-Frage i-ü• �'e �kionalliberale Fraktion" mitlheilen ließ. Die fort- -hnttliche Berliner„Voltszmung" hat sehr Recht, wenn sie meint, UB diese Verkündigung nicht gerade sehr nöthig gewesen sei, " em man es sich an den Fingern abzählen konnte, daß die dam � großen„Staatsweisheit" auf die lebhafte Befriedigung * st�ichstanzlers vollauf rechnen konnten und auch richtig ge- echnet haben. Di« Verkündigung hat indessen den Werth, daß w uns zeigt, wie es im„konstitutionellen" Preußen steht. Die "°�svertreler" freuen sich, ein Vertrauensvotum on den Ministern zu erhalten, und rühmen sich rssen öffentlich! Die Kehrseite de« konstitutionellen Sy- ems kann nicht drastischer an den Tag treten. ljast noch bezeichnender für das Wesen des deutschen Liberal!«- "US ist aber die Thatsache, daß er sich von der reak- «onärcn Regierung konstitutionellen Unterricht ma(w'Ien lQf'{n muß. Die„Rat. Ztg." machte nämlich ...�"�oß der bei Verstaatlichung der Eisenbahnen von ihr für unichenswerth erachteten Garantien die wahrhaft pyramidale di�""�' kQ6»ts sich nicht empfehle, Gesetzentwürfe, welche e Regierung belm Landtage eingebracht, dort zu verbes- eiittoV Ö'e.'me�r �öe die Regierung die Obliegenheit, die Gesetzin � einzubringen, daß sie ohne Weiteres angenommen läb.» könnten!" Em OsfiziosuS in der„Rordd. Allg. Ztg." B sich nun über diese ächt„liberale" Forderung in voll- mmen zutreffender W«ise also aus:„Die Bemerkung erscheint )t)runt Allianz, weil bei dieser Forderung nicht zu begreife» ist, ioVr" �tr ��ntliche Parlamentarismus noch dienen � keine Regierung im Stande sein wird, die Wünsche ij» �""desvertretung immer genau zu crrathrn, und da in der enilichen Verhandlung wesentliche Aenderungen nach der„Rat. . unzulässig sind, so bliebe kein anderer Weg, als der einer che T*'"®erP®l,öigung mit der Majorität, der für die öffenl- lileb„ �"�ung nur noch die formellen Abstimmungen, übrig Be."__ tzz ist wohl kaum möglich, daß eine Partei welche Die opportunistischen„Republikaner" Arankreichs haben sich dieser Tage in feierlicher Weise ein wahrhaft vernichtendes Armuthszeugniß ausgestellt, wie es die Jntranstgcnte» und So- zialisten niemals hätten stärker thun können, und welches den Niedergang ihrer Herrschaft wesentlich beschleunigen wird. Ob- wohl die Verurtheilung des gegenwärtigen„Kabinets der Mittel- Mäßigkeiten" oder richtiger: der Unfähigkeit eine allseilige ist, wurde diesem Kabinet, als es infolge der lauten Ausbrüche der Unzufriedenheit die Vertrauensfrage stellte, ein Vertrauensvolum ertheilt und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil man keine „Kapazitäten" hatte, welche an Stelle der abgehenden Minister hätten treten können! Indessen ist dieses„Vertrauensvotum" nichts als eine Galgenfrist und das Ministerium Waddington wird sich höchstens nur mehr wenige Monate halten können. Ebenso sicher wird aber über kurz oder lang auch die ganze Herrschaft der Opportunitätsrepublikaner fallen und radikaleren Elementen Platz machen, bis schließlich die einzig wahre Republik, die sozialdemokratische Republik, siegen wird! — Während in Spanien der Nothstand und das Elend des Volkes immer größere Dimensionen annimmt; während Hundert- tausende fleißiger Arbeiter ohne Arbeit sind und sammt ibren Familien hungernd auf der Straße liegen; während alle Spi- taler von Hungcrkranken überfüllt sind und die Sterblichkeit der ärmern Volksklaffe auf das Dreifache ihrer sonstigen Höhe gestiegen ist; während Schaaren von Auswanderern, denen noch einige Pfennige zur Reise geblieben, das verdammte Land des Hungers und der Tyrannei verlassen: während dessen feiert der König in der Hauptstadt in unerhörter Pracht seine Hochzeit auf des armen Volkes Kosten. Die Königin erhält einen Braut- schätz von 60 Millionen und die Provinzialdeputation von Mad- rid gibt zu Ehren der Fürstenhochzeit ein luxuriöses Ballfest, welches nicht weniger als 2 Millionen Realen kostet— gerade die Hälfte des Betrages, welchen am Tage des Festes die Nationalzeichnung für die Opfer der großen Ucberschwemmungcn erreicht hatte! — Einer der wenigen vernünftigen Beschlüsse des letzten eugtischen Trades-Unions-Kongresses zielte auf eine dauernde Verbündung aller Gewerkvereine des vereinigten Kö- nigreiches ab, und wurde zum Zweck der Verwirklichung dieses Beschlusses auch ein Ausschuß gewählt. Derselbe hat nun den „Labour News" zufolge einen Entwurf der BundeSstatutcn aus- gearbeitet, welcher nunmehr sämmtlichen Trabes Unions zur Be- schlußsassung unterbreitet werden soll. Diese Beschlüsse bezw. die Bemerkungen und Ausstellungen der Einzeivereine müssen bis zum 30. Januar wieder an den Ausschuß gelangen. Als einer der Hauptzwecke der Verbündung wird die Einführung des neun- stündigen Arbeitstages in allen Arbeitszweigen und im ganzen Lande bezeichnet. Als Zentralorgan soll ein Bundeskomite funk- tioniren, für dessen Erhaltung die Einzelvereine jährlich 2 Schil- ling P>o Mitglied zusammensteuern.— Ob dieser Entwurf an- genommen wird, ist aber noch keineswegs sicher, da die einzelnen Trades-Unions bisher gewohnt waren, vollkommen unabhängig von einander zu handeln und sich deshalb zu einer Zentraliiaiion schwer entschließen. Sie sehen richtig voraus, daß sich diese Zen- tralisation, einmal in ihren Anfängen vorhanden, schnell steigern und allmälig die vielberufene„Selbstständigkeit" der Tradcs- Unions, d. h. ihr Recht, zum größten Vortheil des Kapiials einzeln und ohne Beralhung und Verbindung mit den übrigen Gewerkvereinen, ja wohl gelegentlich auch im Widerspruch mit den- selben zu handeln, alsbald aufsaugen muß. Selbstverständlich ist aber diese Aufsaugung und die stramme Organisation der Ar- beitervereine im Interesse der Arbeiter selbst gerade unbedingt nöthig, da nur durch Zusammenfassung aller Kräfte des A'beiier- standes und deren zielbewußte Verwendung den Bedrückungen des Kapitals mit einigem Erfolg begegnet werden kann. Ans diesen Gründen und weil wir der Ueberzeugung find, daß gerade die Zentralisation ein gutes Mittel ist, den englischen Arbeitern all- mälig die totale Unzulänglichkeit ihrer seitherigen Anstrengungen zur dauernden Verbesserung, zur Erlösung der Aibeilerklasse zu zeigen und sie auf den einzig zum Ziele führenden Weg der Sozialdemokratie zu führen,— deshalb begrüßen wir die Ver- bündungsbestrebungen der Tradcs-Unjon, obgleich wir weit ent- fernt von dem Jmhuin französischsprechendcr Parteiorgane sind, in den verbündeten Trades-UnionS schon jetzt oder dem- nächst ein„gewaltiges Armeekorps im Dienste des Proletariats" zu sehen. — Ein austratischer interkolonialer Arbeiterkon- greß wird in den ersten Monaten des nächsten Jahres in Sidney(Neu- Süd> Wales) tagen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte:- die Einwanderung, der achtstündige Nor- malarbeitstag, die Gewerkschafts- Gesetzgebung, Arbeitseinstellungen und Schiedsgerichte, Schutzzoll und Freihandel vom Standpunkt der Aibeiterintercsscn. Der Kongreß steht im Wesentlichen auf dem Boden der Trades-Unions; doch muß bemerkt werden, daß die australischen Trades Unions fast nach jeder Richtung weit fortgeschrittener sind, als die englischen Muttervereine.— Auch die Stellung der Arbeit ist ja in den meisten australischen Kolonien infolge des Wegfalles all des historischen Klassen- und Privi- legienwustes des Mutterlandes und der vcrhältnißmäßigen Leich- tigkeit lohnenden und selbstständigen Arbeitscrwerbes in dem em- porblühcnden Lande eine weit günstigere als in England. So wurde voriges Jahr in der Kolonie Viktoria der achtstündige Normalarbeitstag gesetzlich eingeführt und erst kürzlich wurde der Jahrestag des Inkrafttretens dieses Gesetzes in der Hauptstadt Melbourne als öffentlicher Festlag gefeiert. — Wie gänzlich fruchtlos die Bemühungen der rusiischeu Regierung sind, die Feinde dcS barbarischen Zarismus, welche sie unter dem Sammelnamen„Nihilisten" begreift, durch Be- lagerungszustand, Peitsche, Folter, Ketten, Deportation und Galgen auszurotten, hat das neueste Moskauer Attentat wieder bewiesen. Wenige Stunden nach der Publikation des Todes- urtheilS gegen den wegen des Attentates auf den Polizeigcncral Drentelen angeklagten MirSky ist der Zar in Moskau nur durch einen Zufall einem neuen Attentat entgangen. Die Verschwo- renen hatten nämlich in der Nähe des Moskauer Bahnhofes von einem eigens zu diesem Zweck erworbenen Hause aus den Bahndamm unterminirt und mit einer Dhnamitmine versehen, welche in dem Moment, als der Zug mit der Begleitung des Zaren einfuhr, cxplodirte, wodurch der Zug entgleiste und ver- schieden« Zerstörungen angerichtet wurden. Die Verschworenen hatten offenbar von der Fahrzeit, und der ganzen Anordnung des kaiserlichen Zuges genaue Kenntniß und daß sie den kaiserlichen Zug trotzdem verfehlten, ist einzig dem Umstand zuzuschreiben, daß der nachfolgende Bagagezug infolge einer Nachlässigkeit dem Kaiserzug reglemeniswidrig vorgefahren war. Natürlich ist die Entrüstung über dieses„unerhörte Verbrechen" bei allen„Wohlgesinnten" groß und eben so natürlich denkt die russische Regie- rung daran, noch barbarischere Maßregeln als bisher zu ergreifen, um der„Schule des Verbrechens", dem Nihilismus endlich ein- mal ein gründliches Ende zu machen. Daß sie damit so wenig als bisher ihren Zweck erreicht, sondern lediglich das Gtgentheil erzielt, ist für jeden Vernünftigin selbstverständlich. Berichte. —dt— München, 3. Dezember. Der berüchtigte Schels'sche Antiog auf Einführung einer Klassenlottcrie ist zwar bereits von der Kammer mit allen gegen 10 Stimmen abgelehnt worden, es ist indeß doch nicht ohne Interesse, auf ein paar Aeußerungen des Antraefftellns kurz zurückzukommen;— dieselben sind für die Ideen ver Herrichenden Klosse um>o bezeichnender, als Schels iin außerparlamentarischen Leben ein höherer Richter ist. Schels meinte, man werde seinem Antrag„selbstverständlich" den Ein- wand entgegensetzen, daß die Lotterie unmoralisch und darum ab- solut verwerflich sei. Daran sei sicher viel Wahres, aber An- gesichts der Thatsache, daß Preußen grade jetzt damit umgeht, die Loose seiner Siaaislotterie zu vermehren, weit der zetzige Umfang derselben mit Rücksicht auf die neueren Provinzen unzu- reichend sei, erkläre er es für Prüderie, wollte der bairische Staat aus'Moralgründen die Klassenlotterie nicht einführen. Für einen Staat, der sich in solcher finanzie llcr Bedrängniß befindet, wie dermalen Bayern, seien derlei mo- ralischc Bedenklichkeiten nicht am Platze! Ueber- dies sei es notorisch, daß in Bayern trotz des geictzl'chen Verbotes lehr viel in auswärtigen Lotterien gespielt werde und er finde keinen haltbaren Grund, warum der bayrische Sraai das Geld, welches seine Bewohner nun einmal durchaus verspielen wollen, nicht selbst behalten sollte, anstatt dasselbe den Staats- kassen von Oesterreich, Preußen, Sachsen. Hamburg und Biaun- schweig zukommen zu lassen.— Man wende, wie es bei einer wirk- lich moralischen Staalswirthschast unbedenklich sein sollte, einmal diese Grundsätze aus die Privatmoral an, um sofort zu gewahren, wie„untergrabend" für die öffentliche Sittlichkeil und Sicher- heit diese Grundsätze sind, welche in den oben genannten Staa- ten längst in voller Gilligkeit sind. Wenn sich jemand in finan- zieller Bedrängniß befindet, ist es eine lächerliche„Prüderie", wenn er sich i» seinen Geldbe>chafsungsmanipulationen von klein lichen..moralischen Bedenklichkeitcn" beirren läßt. Und wenn jemand sein Geld einmal positiv los sein will, so muß man ihn nicht darin hindern, sondern es ihm ohne„Prüdeiie" selbst ab- nehmen, damit er nicht Andern in die Hände fallt. Ist das nicht eine vortreffliche, ächte Bourgeois-Moral? Uebrigens spricht die„Norddeutsche Ganzgemeine" einmal seltsamer Weise die Wahr- heit, wenn sie rücksichtlich des bei der Debatte über den Schels'- schen Antrag gezeigten Wetteifers von Regierung und Kammer für das Prinzip der„Moral" höhnisch bemerkt:.daß sie 10 manches im bayrischen Staatsleben w ssc, was zum mindesten nicht moralischer sei als die Klasseiilotterie, z. B. die in Mün- che» erhobene Gebühr für die wöchentliche ärzt- liche Untersuchung der— P ro stitui ri e n". Mit letz- terer schändlicher Abgabe hat es seine volle Richtigkeit und ist dieselbe eine Errungenschaft des..liberalen" ReginrentS des Herrn von Feilitsch. Es möchte Einem wahrlich die Scham- röthe ins Gesicht steigen, einem Gemeinwesen anzugehören, das sich zum Theil aus so namenlos schmutzige» Quellen erhält. Freilich ist es auch darnach! Im übrigen ist jetzt die Hauplaufaabc der bairischcn Gemein- den, sich durch die sich von allen Seiten haushoch aufthüimeirden Ftnanzschwierigkeiten. die zum großen Theil der ReichSherrlicbkeit ihre Entstehung verdanken, mir Ach unp Krach durchzuschlagen. Die Gemeinden Baierns haben zur Zeit eine Gesamintschnlden- last von nicht weniger als IVO MtUionen. Zur Deckung der Gemeindeausgaben haben von den 7296 Gemnnoen 579 mehr als 200 pEt. der direkten Staatssteuern als Gemeind.eumlagen zu bezahlen und 23 gar mehr als 500 pEt.! Außerdem haben sich die Kreisumlagen in den letzten zehn Iahten um 10— I8pCt. vermehrt und sind an Distriktsumlagen im Jahre 1876 4*/, Millionen, an Gemeindeumlagen 11 Millionen erhoben worden, was 26 resp. 69 pEt der direkten Staatssteuern rrpräsentirt. Welche Folgen unter solchen Umständen die unausbleibliche Er- höhung der direkten Steuern habe» muß, liegt auf der Hand. Indessen unser kräftiges, kerniges, aber politisch schwerfälliges und zurückgebliebenes Volk wird noch ganz andere Eriahrungeu mo- chen müssen, bevor es zur Einsicht kommt und dem heutigen Staats- und Gesellschaftssystem energisch die Wege weist— der Deutlichkeit und des Nachdruckes wegen vielleicht auch mit er- hobener wuchtiger Faust. Jedenfalls fände die urwüchsige kör- perliche und geistige Kraft des Bayers hiebet eine edlere Ver- Wendung, als beim Trutzliedlsingen und Schlauderwörtlwersen und bei den unaufhörlichen Raufereien; denn vor ein paar der- den Volkssäusten haben die großen Herren gewöhnlich weit mehr Respekt, als vor einem Halbdutzend Voltsrechten. — 1. Rurnöcrg, 1. Dezember. Der Schwindel von der„H.armonie" zwischen Kapital und Arbeit wird z. Z. in hiesiger Stadt, der Hochburg des bayerischen„Fort- schritt«"(der im Zeichen des Krebses marschirt), einer großen Anzahl von Arbeitern in einer Weise klar gemacht die an Deut- lichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Da ist vor allen andern Fabriken die sogen.„Akticn-Maschinenbau-Gesellschast Nürnberg", früher„von" C r a me r-K l e t t's ch e Fabrik, welche allen übrigen Ausbeutern als Muster in Arbeiterschinderei und schlechter Be- Zahlung dienen kann. Hier wurden bis in die jüngste Zeit die alten Arbeiter mit einer Brutalität ausgemer�, daß sogar die töbl. Stadtverwaltung Angst bekam, ihre Armenpflege würde durch die ausgepreßten Proletarier- Invaliden zu sehr in Anspruch genommev werden, weshalb sie ihrem allezeit dienst- bereiten Preßhaeisknecht, dem»Frank. Kur." Auftrag gab, gegen dieses.Vorgehen oer Fabrik gegen die alten Arbeiter, Stimmung zu machen. Mau sah sich daraufhin an maßgebender Stelle(und, wie es beißt, aus spezielle Ordre des Hauvtaktionürs, Reichsralh v. Cr am er) veranlaßtc das Hinauswerfen der Alten vorläufig einzustellen. Dreier Reichsralh und..Ehrendoktor" ist ein Bourgeois vom ächlcsien Schrot und Korn Früher ein liberaler Zeitungsschreiber, der nichts zu nagen und zu beißen hatte, hat er das Geld und die nichts weniger als schone Tochter eines reichen Mannes, des alten Kleu, gebeirathet, ist dadurch Fabrikant geworden und hat es verstanden, die KonjutiEnuai auszunützen. Der Mann hat während der.Aera des wirth- schaftlichen Aufschwungs" viele, viele Millionen»vor» dient", natürlich nur durch seine Zntelligeuz uno seinen Fleiß; und da er dabei»sparsam" war, so ist er zu etwas gekommen. Man hctt berechnet, daß in einem richtigen Ausbeutungsgeschäft, das mit ei geu cm Kapital arbeitet, also durch Zinsenzahlcn nicht gedrückt wird, ungefähr ebensoviel als der Arbeiter per Jahr an Lohn erhält, für den Fabrikauten von jedem einzelnen Ar- beitcr»übrig bleibt", d. h. genommen wird. Da nun in genannrer Fabrik verschiedene Jahre lang mehr als 9000 Arbeiter beschäftiaf waren, und der Durchschnitts sohr, in jener»guten" Zeil pro Arbeiter etwa 1000 M. jährlich betrug, so kann man sich die MiÜiönchen, Vi« der gute Mann„verdient", sehr leicht selbst zusammenrechnen; wobei aber erst noch in Ansatz gebracht werden muß, was die vielen Hunderte von ausgezeichneirn Arbeits- Maschinen, die in Thätigkeit waren, abgeworfen haben. Um die Lohnsklaven bei guter Laune zu erhalten, und von sich reden zu machen, ist der Mann auch„Wohlihäter" geworden. Er hat ein �abrikschule gegründet, in der die Söhne»seiner" Arbeiter die Porbildung zum Besuch höherer technischen Lehranstalten unetitgelftich bekommen, er bezahlt das Schulgeld für die Kinder der Berheieatheten in der Bolksschule. er hat Hütten zum Wohnen gebaut und Werkmeister und Arbeiter aus die Wiener Weltaus- stelluug geschickt, er hat fflv Stiftungen Geld gegeben u. s w., u.>. w.— Lauter Dinge, die er allerdings nicht»öthig gehabt hätte zu tkmn, die ihm aber einen Ruhm sicherten, der bis an die„Stufen des Thrones" drang und ihm Adels- titel und Reichsrathswürde, Orden und Ehrungen der verschie- densten Art einbrachten. Und als die goldene Zeit vorüber war und der Lustzug, derben Wiener Krach herbeigeführt, dieKrisis auch»ach Deutschland trug, da haire bei Herr Reichsralh sein Schäfchen im Trocknen; er„gründete" eine Aknengesellschoft sin welcher er natürlich die erste Geige spielt) der er die Fabrik übertrug, und zog sich nach München zurück, um fern von den schmutzigen Plebejern, die ihm seine Millionen ztisammengeschanzt, ein beschauliches Dasein im Kreise seiner adeligen„Standes- genossen" zu führen. I» der Residenz des„kunstsinnigen" Bayernkönigs ist der Herr Reichsrath natürlich auch Kunstmaceu geworden. Gegenwärtig baut er das von ihm„erworbene" Schönborn'sche Palais um, und die Münchener Lokalblätter, deren Macher doch gewiß Pracht und Luxus schon geniigend zu sehen bekommen, erzählen bewundernd, daß das, was Herr v. Cr am er leistet, nur annähernd erreicht werde von der Pracht in»Tau- send und eine Nacht"!——— Warum sollte er auch nicht? Soll der reichsräthliche Gründer, dessen„Gründung" um kein Haar besser ist, als die„Gründungen" eines Strousberg, Ujest, Puttbus Miguel u. s. w., nicht das Recht haben, sich auch solche Freuden des Lebens angedcihen zu lassen, wir seine Gründergenossen?!— Außerdem hat er ein Fideikommiß errichten dürfen, hat nach seinem Gute Hohenaschau durch sein„un- eigennütziges" reichsräthliches Wirken eine Eisenbahn gebaut bekommen, welche die Zinsen des Anlagekapitals nicht deckt, viel weniger die Betriebskosten; war auch neulich sogar„Referent" im Reichsrath, als es sich darum handelte, dem bayerischen Volke die erhöhte Biersteuer aufzuerlegen, und hat als solcher natürlich für die Erhöhung plaidirt. Freilich, sein Bier wiro ja nicht verlheuert. Und die Proletarier, die z. Z kaum so viele Mark verdienen als vor einigen Jahren Gulden, die s p ü r e n' s ja nicht, wenn sie an ihrer neuen Steuer, die jährlich 20— 40 Mark beträgt, alle Tage einen Reichsnickei extra, aber doch nur abschlagsweise, bezahlen müssen Kurz nach dem Wegzuge dieses großen Mannes vo» Nürn- berg— wodurch beiläufig der Stadlkasse über 9000 M. pro Jahr an persönlichen Gemeindennlagen entgehen— begann das Fortschicke» in der nunmehrigen Aklien-Malchincnsabrik, von Sam« stag zu Samstag erhöhte sich die Zahl der Gcschubten, darunter mit Vorliebe Alte und Verheirathete, und jetzt wird der ganze Bestand an Menschenmaterial höchstens noch 700 betragen. Da sitzen sie nun, die„alten Feger", die nirgends mehr ankommen, die da geglaubt, sie gehörten zum Inventar, sie könnten gnr nie sortgeschickt werden u. f. w. Hat das unbarmherzige Schick- sal auch manchen Wackeren mit beim Schopf erwischt, so hat es doch vor Allem jenen alten Achselträgern eine empfindliche Lehre«rtheilt, welche sich den Agitation«» unserer Genossen s. Z. mir allen Mitteln enigegenstemmten, um»das gute Einvernehmen nicht zu stören", um als„brav" zu gelten, und die zu diesem Zwecke nicht selten zu gemeinen Denuniianten wurden. Da liegen sie nun auf dem Pflaster, nachdem sie 90 Jahre und länger ihre Kräfte dem„Herrn" geopfert, und wollen nicht begreifen, daß sie keinerlei Rechtsanspruch auf Altersversorgung und Unterstützung haben, sondern daß es zur»göttlichen Weltordnung" gehört, daß Einer im Ueberflnß schwelgt, während die ausgepreßten proletarischen Zitronen einlach weggeworfen werden— ins alt« Eiftn. Besser kann Einem ooch die herrliche Harmonie" nicht mehr ad oeulos demonstrirt werden. Auch der Staat machl's nicht hesser. Auf der Gi'enbahn werden„Löhne" bezahlt, mit denen eine auch nur halbwegs menschenwürdige Existenz absolut unmöglich ist. So mm de den Bahnhos-, Strecken- und sonstigen Taaeardellern, die unter den Bahnmeistern stehe», der ohnehin schon kärglich genug ge> wcsene Lohn jetzt bis auf 2 M. heruntergedrückt, also— wenn keine Regentage dazwischen kommen— auf rund 50 M. pro Monat, während die Herren Bahnmeister, welche sich monatlich aus 160 M. stehen, beim Landtag um Zulage eingekommen sind. Und das Alles soll nicht für den„Umsturz agitiren? Unsere früheren Agitatoren können ihre abgehetzten Lungen einstweilen ruhen lassen— die„Gesellschaft" selbst ist in unsere Dienste getreten! f w, Londo«, 6. Dezbr. Indem ich meine Berichte be- ginne, halte ich es vor Wem für nöthtg, d'.c hiesigen unerquick- lichrn und in der Partei w viel Aergmnß erregenden Partei- verhällnisse zu berühren. Und zwar will ich es zuvörderst ver- suchen, ein möglichst klares und wahrheitsgetreues Bild vom hie- figen Parleileben zu entwerfen, damit Sie in der Lage sind, ct- waige spätere Miitheilungen zu bamheilen und sich in den hiesi- gen Verhältnissen zu orientiren. Ich habe da zunächst nicht viel Erfreuliches zu berichten. Leider ist es hier dahin gekommen, daß die Partei sich, wenn auch noch nicht formell, so doch bereits thatsächlich in zwei Lqgei spaltet, und scheint es mir nur noch die Frage einer kurzen Zeit zu sein, wann dies auch formell der Fall sein wird. Es ist dies zwar bedauerlich, aber eine offene Trennung ist doch jedenfalls besser als dieser fortwährende Zustand des inner» Zanks und Sircits. WaS nun die Partkigeoossen hier urennt, ist kelueswegs ein prinzipieller Streit(denn kein vernü fliger Sozialist kann den vom Zaun gebrochenen Streit über den„friedlichen Weg contra Revolution" als prinzipielle Streitfrage betrachten), sou- der» einfach die Folge des Treibens einzelner Personen, die ihrer Anmaßung und ihrem Ehrgeiz keine Zügel anlegen können. Lei» der gelingt«s diesen Leuten vorläufig noch, ernen großen Thcil der Mitglieder des hiesigen Kommunistischen Arbeiterbildungs- Bereins zu beeinflussen, und zwar hauptsächlich in Folge des Um- standes, daß der Verein aus den verfchiedensten Elementen mit den berschiedenstei, Interessen zusammengewürfelt ist. In der Hauvr- fache kann man im Verein vier gesonderte Jnteressen-Gruppen unterscheiden. Das erste Vierte! besteht ans solchen Leuten, denen es, grün hier angekommen, zunächst nur auf ihre Existenz, eventuell auf Unterstützung ankommt, und die sich utr Erreichung dieses Zweckes dem ersten besten Verein anschließen, wo sie mit Landsleuten verkehren können, unbekümmert darum, ob und welche politische Tendenz der Verein verfolgt. Das zweit« Vierte! künnnert sich ebenfalls um Prinzip und Tendenz des Pereins wenig, sondern sucht in ihm nur Geselligkeit und Vergnügen(Tanz u. s w.), um der langweiligen englischen Sonntagsruhe ein Schnippchen zu schlagen. Das dritte Viertel bildet eine Anzahl ganz elftem werther Männer, welche durch Anregung Mitglieder des Vereins werden, es auch ernst mit der Sache und unfirm Prinzip meinen, die aber ooch zu«eu im politich»» Leben find, als daß man sie zu den erfahrenen und festen Parteigriiofferr zählen könnte. Diesen drei Gruppen gegenüber sticht enolich als letztes Viertel eine nicht zu große Zahl eigentlich üderzeuzter, aller«nd ielbe- wüßter Parteigenossen. Bei solcher Zilsanusteiiietzung iL es wohl klar, daß einzelne arrogante irud ehrgeizige Leute lcrchtes Spiel haben. Und sie vei- stehen das anszuimtzvi. Sie herrschen in den Versammlungen, sitzen selbst im Bureau oder haben ihne Anhänger darin, stehen immer in der Rednerliste und haben Valentin seine Kunst abgegltckc. Hinter den Koulissen wird Alles vorher iestgestellt, und mit ve?« theilten Rollen tritt man in die Veiiammlungcu, wo die Mtl- glieder bearbeitet werbe«. Es ist ein traorigeS Zetrbilt der alten deuischen Sozialdemokratie! Jeder, der nur wogt, eine anbete Meinung zu äußern, heißt„Verrächsr" oder„Spion". Wie weit man den Humkntg mit diesen Schlagworten ncibt dafür nur ein Beispiet! Vor einiger Zeit, hielt mich ein Partei- genösse aus der Straße an. imd sagte mir allen Ernstes!»Es ist doch nur gut daß sich Bebel und Liebkiitchr bei dieser Gelegenheit entpuppt haben; das roüre eine schöne Geschichte gn worden— bei einer etwaigen siegreich en Revolution hätten diese Herren uns die blaue Repubtrk etablirt." Die Thadsachr zeigt am besten, wie weit die erwähnten Leute ihre Hetzereien treiben; denn gute, aber wenig selbst mthtileizde sondet» aus die Wort« eines für tüchtig und ehrlich Gehaltenen schwörende Leute wie der obige Genosse sprechen nur nach, was ihnen in Per sammlungen und in der Presse unaufhörlich in allen möglichen Variationen vorgeredet wird. Bebel» Liebknecht te. könne» sich aus solchen Verdächtiaungen(von denen man nicht weiß, ob sie mehr albern oder gemein sind) natürlich wenig machen. Aber es ist traurig, daß Leute, welche einst selbst eine Rolle in der deutschen Bewegung spielten, bis zu solchen Dingen sinken kdimteu l Noch ein weiteres Beispiel von dem anmaßenden Treiben die- sex Menschen. Vor längerer Zeit wurde eine Kantniiision gewählt, um einen Organisationsplan für die hiesige Soxiatdemo- kratie zu entwerfen. Die Kotumission arbeitete 4 oder 5 Mo- mue und trat dann endlich mssd«mer Vmiuge heraus, welche»i- p'ge Bestimmungen enthielt, durch deren Inkrafttreten den arro- ganten Herren etwas die Flügel gestutzt worden wären. Natürlich war die Vorlage für sie deßhalb unannehmbar, und mußte Alles daran gesetzt werden, sse zu Falle zu bringen. Stall nun aber in anständiger Weise;u verbessern oder andere'Anträge zu stellen, erklärten sie einfach!„Die Kommissionsvorlage ist unannehm- bar und unverbesserlich" und brachten nun hinterher eine andere ei», die aber, ber Licht betrachtet, keineswegs eigene Gedanken- arbeit war, sondern nur ein Ertrakt ans der Kommisssonsvorlage, natürlich mit Weglassung der sie beengenden Bestimmungen. So leichl es aber diesen Leuten wird, andere ehrliche Genosse» als Spione zu bezeichne», so schlecht verstehen sie es, sich selbst vor wirklichen Spionen zu schützen. Man hat zwar seiner Zeit versichert, in der Preßkommission säßen nur alte und bewährte Parteigenossen. Doch war das keineswegs immer der Fall, son- der» es ist Tharsache, daß bei Gründung des hiesigen Blattes in diese Kommission Leute gewählt wurden, die damals kaum 1 oder 2 Monate Mitglieder warm, von denn ehrenhaftem politischen Charakter man alfo keineswegs überzeugt sein konnte. Es fällt mir nicht enifernt ein, zu behaupten, daß diese Leute Spitzel sind oder waren, sollder» ich will nur konstnt'ren, daß man keines- wegS lo vorsichtig bei der Wahl war, wie man später behauptete. Da mit den beireffmden Schlagwoetc» so sehr umhergeworfen wird, ft) wird es Sie jedenfalls interessiren, zu erfahren, was ge- wlsie Leute unter»revolutionärer Propaganda" oder»geheimer Agitation" verstehen, wegen deren angeblicher Unterlassung sie die Genosse» in Deutschland stets kchulmetstern zu dürfe» glauben Ein Hauplvertreter dieser„geheimen Agitation" sagte nämlich in einem Vortrage wörtlich Folgendes:„Wenn ich von geheimer Agitation spreche, so meine ich nicht etwa die Bildung von ge- Heimen Gesellschaften a la Carbonari, sondern ich meine damit nur, daß man unser Prinzip i» den Werkstesten m b Fabriken den Kameraden auseinanderfetzen muß, daß man sich m Freundes- und Familienkreisen davon unterhält, daß man fm Sonn- und Festtage den Ort jciuer Bergnüglmgen gemeinsam bestimmt, um auch dort süv unser Prinzip zu wirke«; vss verstehe ich un- ter geheimer Agitation." Als ich dies hörte, war ich geneigt, alle die Arroganz nav den kleinlichen Ehrgeiz zu vergessen, dern dasselbe wollte ich ja auch, das wollen und thun wohl alle deutschen Geuvssea längst; aber ich erkannte i« dieser wichtigen Offenbarung nur wiever den allbekannte«, lächerlichen Größenwahn und mir fiel das Beispiel ein von dem kreisenden Berge, der eine Maus gebar Asso da? versteht man unter„geheimer Agitation" und davon macht man so viel Geschrei, nennt all« deutschen Genossen Schlafmützen, ihre sozenaniiten Führer Verräthex und stellt die russische-, Nch> listen alS leuchtendes Vorbild hin! Darum stellt er sich selbst ans offnen Markt ond schreit:„Ich habe ein Geheimuißl" So zahme Absichten hinter dem blutig„revolutionären" Vorhnng u ver- muthen, das konnte man selbst bei einiger Kcmnniß von der Großmäuligkerr dieser Leute nicht wohl veimuthen. Nim, diese Art der Agitation(dessen bin ich überzeugt) wird in Deutschland gewiß eifrig betrieben. Aber das ist doch keine„geheime", das ist ja kaum eine verbotene, weßhaib soll sie dann eine geheime sein? Doch genug für Iftute von diesen widerlichen Dingen- Ich glaube, alle ruhig berstenden Genossen werden nach oem Vor- stehenden die Situation beurtheilen können und es e klärlich sin- den, wenn ein Theil der hiesigen Genossen(uno wahrlich nicht der schlechteste) keinen Geschmack an du'«» lärmeude» Firlejanz findet und einer ruhige», aber um so etfolgreicheren Agi-alion den Vorzug gibt. Tie werden uns auch beislimmen, wenn wir behaupte«, daß wir, trotzvem wir nicht so viel Lärm machen, dennoch sehr genau wissen, daß unser Prinzip ein ivahrhaft revolutionäres ist, von dem auch wir nicht gewillt sind, auch nur das Tüpfchen über dem I zu vergeben. Wenn die erwähnten Leute also trotzdem durch ihr schändticheS Treiben eine Spaltung herbeiftihren(bei welcher ihnen freilich»ur ein kleines Häuflein und auch dies nicht aus zu lange folgen dürften), so mögen sie die volle Verantwortung hierfür tragen.— Unser Wunsch ist nur, daß der„Sozialdemokrat" der Partei das alibcwährte Banner energisch vorantragen, unser Prinzip ernst und fest ver- treten und scharf« Kritik an der heutigen Geiellichaft übe-, möge; dauu ist ihm unsere treue Freundschaft sicher!— tlach Schluß der tiedaktion eingetroffen: V Magbe'flurg, 10. Dezember.(Telegramm) Tie deutsche Sozialdemokratie hat auf's neue eine Mizendc Probe auf das SoMistengesey abgelegt! Das vorläufige Refilltal der eben stattgehabten ReichstagS-Nachwahl ist: Viereck(Sozialist) 4532 Stimmen, Weber(Nat.-Lib.) 4173, B a ch l e m a Ii n (Forlschr.) 3925, Scheele(Kons.) 484. Windhorsl(Ultr.) 205 Stimmen. Tie Sozialdemokratie ist demnach trotz Sozialistengesetz and alledem die stärkste Partei in Maade- bürg geblieben!— Unscrei! wackeren Magdeburger Genossen unsere brüderlich- sten Grüße und G l ücka uf zur Stichwahl, bei welcher sich voraussichtlich alle Sbrigen Parteien vereint gegen uns wenden, bei welcher aber auch unsere Genossen das Ucußerste oufbieten werden. Die deutschen Genossen allcrwärts aber fordern wir auf, die wackeren Magdeburger durch schleunige Sammlungen für d e n W a h l f o n d S nach Kräften zu unterstützen und das Geld umgehend an bekannte Adressen in Deutschland oder an uns einzusenden! Abonnements auf den„Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten—- sowohl auf eineclno Monate als ganae Quartale— jederzeit entgegengenommen bei folgenden Filialen Budapest frankel, VII, Lindengaase 26, Thür 28. f ATulnn � Boffjnann, 3S Wardonr Street, Oifbrd Street, late UU11U.UU Prince« Street W. H. Rackow, 120 IsUngton High Street. Pn iijn Blum, 66 me Montorgueil. Trapp, 65 rue de Madame, Hotel Baldrian. Voss, 6 rue de Levis, Antwerpen Ph. ooeveu,« Meistraat. BrilSSel 4. Trom, Sl, rne de Six-Jetons. � erviers J. Elias, Buchhandlung, 136 rue Spintay. �ÜPVV-Ynrlr V. Jonscher) 283 ß. Houston Stroei "' 1 U' IV Hermann NUxscbe, 343 W. 37 Str. St. Louis Mo. Gohr. Hermingshaos, 171 1 Franklin Avenne. Chicag'O III. A Lanfermann, 74 Clybom Avenue. Bei uns ist zu beziehen: Redicuscliaflsbericlit der seciatdemekratiscben Mitglieder des deutschen Reichstages über ihre parlamentarische Thätigkeit während des Jahres 1878— 78. Preis 25 Cts.-= 20 Pfg.(ohne Porto.) In Parthicn von wenigstens 20 Stück 20 Cts.=' k> Pfg.(ohne Porto). Grössere Parthicn nach Uebereinlcanft. A. HERTER, Industriehalle, Rleshach-Zilrich. Gchwcij. SeteinUaAtruiIerti HvNtngcn-Zürich.