Krschewt w A ch e«t l i ch einmal in Zürich �Schweiz) Dtlla» H. Herter, ZndnftriehaUe Niesbach-Zürich D,»se»>>l»»e» franc o»«»«» ir»n«o. Aiwihnliäi« Lriese nach b,T 6 ch nj f i j lofltn Der SoMliiemokmt Jliternationales Orqa» der Sozialdemokratie deutscher Zunge 9?? IS. Sonntag,?8. Dezember. Abonnement» TOerd«» nur deim vertag und Mit»»tlannttn Tgenttu«nl- Dtetiintnommc» und ituur ju« v«rau* zahlbaren Vierttliahriprti» oou: 5t, 2.— für die SdjTOf iz(#rru|bdiidi Ml, Z,— für Deutschland(Souiitct) ft, l. 70 für Oesterreich(ttouoett) Ft, 2. 50 für alle übrigen Länder de« Weltpostverein» ikreuzband). Zlsklbt» Die breigefpallene Petitztile 25 61». 20 Pfg, 1879. Ali»«i»ie K»rres»»»tkiiti n*k Ab»»»t,K»»fo„Süii«l»n*okt«t". wkd und die dortigen von dort an uni nMWWWWWMb» ali möglich an den.Eotialdemoltat', jresp, dessen Verlag feilst adrefstren, fondern sich möglichst an irgend eine unverdächtig »drefse austerhalb Deuischtand» uud Oesterreich» wenden, welche sich dann mit un» in Verbindung fetzt i anderseit» aber, dast auch un» möglichst unverfängliche Zusiellungindresjen miigetheil« werden. In zweiselhasten Zialle» empftehlt sich behus» grösterer Sicherheit«elommandirung. Soviel an un» liegt, werden wir gewist weder Mühe noch«osten scheuen, um trotz aller ent- gegenstehenden Schwierigleite» den. Sozialdemolrat' unfern«lbonnenten möglichst regelmästig zu liefern, Von übernächster Nummer— Nr. 2 nächsten Zahres— a« liefern wir nur an Solche, welche ihr Abonnement in der früher angegebenen Weife(flehe Nr. 1 1 und 12) durch Borauöbezahlung erneuert haben. Wir ersuchen dcßhalb um schleunige Bestellung.__ Em hochinteressantes Aktenstück. Vor«was über clneni Monat wurde in Breslau die von dem fzeireligiösen Prediger Herrn A, Rcichcnbach redizirle und herausgegebene Zeitschrift:„Deutsche Wartr auf Grund des Sonalistengesetzes verboten. Nun ist aber Herr A. Reichenbach keineswegs Sozialist, sondern Mitglied der Fortschrittspartei. wie kr jüngst selbst in der..Berliner Volkszeitung� erklärte und auch in seiner Beschwerdeschrisl an die Reichstommission hervorhob, welche lehrere die Beschwerde aber trotzdem zurückwies. Diese Zurückweisung (welche von dem Beschwerdeführer in Abschrist an Reichstag«- abgeordnete verschiedener Fraktionen vertheilt wurde) ist zur Kennt- niß dessen, waS die berühmt- Zentral-Sozialistenvertilgungsbehörde, genannt R-ichskommission, für sozialistisch hält und demnach als verboten betrachtet, so allgemem interessant und für die gegen- wärilgen Zustände in Deuischtand so charakteristisch, daß wir sie nachsolgend wörtlich wiedergeben. Eines Kommentars bedarf eS nicht; das samose Schriststück spricht sür sich selbst. Di« Entschließung der Reichskommission lautet: .Reichs-Kommrision. Berlin, den 28. November 187». »Mit Recht hat die genannte Landesbehöide angtno«tmen, daß in dem ia die Nr. 22 ausgenommenen,»Das Grundüdil der Gegenwart- üderschnebmen Leitartikel aus den Umsturz der bo- stehenden TtaatS uud GesellschaflSordnung gerichtet« soztaldemo. kratische Bestrebungen in einer den öfsentlichen Frieden. ins» besondere die EiiNracht der BevSlkrrungsklasien gefährdenden B>c>se Zu Tage treten. Der in Frag« stehend« Artikel boschästigt sich sp-stell mit der sozialen Frage, behandelt dieselbe aber nicht blos h'stor'lch. oder objektiv historisch wendet habe zu verhüten, daß ein Thcil des Volkes verarme und der Besitz sich in den Händen einer Klasse vereiutge, bie Besitzenden als die eine Klasse den Besitzlosen gegenübergestellt werden, und von letzierer behauptet wird, daß dies« Klasse das ihr ursprünglich Gehörende immer weh, verliee« und von den Besitzenden ausgebeutet und gedrückt werde. .»Auch im weiteren Verlaufe de« besagten Artikels werden wtederhott die Arbeiter, al« die Besitzlosen in dieser aufreizender, ®e's« den anderen BrvölkerUngSklasten gegenüber gestell», und wird ausgeführt, daß die Bummler und Tagediebe, oder wie sie an einer andern Stelle genannt werden, die im Stutznanzuge emherstolzirenden Müssigoinger— Womit nicht undeutlich Alle. w« nicht arbeiten, und nach Anficht dt« VersasseiS nichts für die Gesellschaft Nützliches leisten, gemeint sind,— die andern Mtn» Ichtn unwürdig und niederträchtig behandeln, und dieieS nur eßhalb thun, weil diese letzteren besitzlos seien, und ihr Däfern urch Arbeir fristen müßten.. »Auf Seilt 170 wirb endlich noch der Satz ausgestellt, daß, wer nicht sür das Gemeinwohl mitarbeite, kein Recht habe, ,n staatlichen Gesellschaft einen Platz zu beanspruchen, sondern �Zuweisen sei, mit Seinesgleichen auf einer Insel des stillen �zeans eine eigene Gesellschaft zu bilden, daß aber anberf eil, m.ta, beste, das Recht habe, daß ihm von der Gesellfchasi em wenschenwürdigcs Dasein garantirt werde. -.."�eese eben ausgehobenen Stellen sind nicht, wie Beschwer e- uhrer auszuführen versucht, Betrachtungen und Gedanken demo- ��lch-sorlschrittticher Richtuna, sondern charakterisiren sii eeatlsch-forqchrittlicher Richtung, sondern ch � b(S GzsetzeS iozialdemokrati'che Bkstredungen der durch 5 � daraus ba. v°m 21. Oktober 1878 verpönten Art. 10" nannte Artikel st"« Verbot der Druckschrift. m welcher°» � Best'M- Ausnahme gefunden bot. dn.ck. di, oh»" ...... ü. � .«r äiä wstut noch ausgesprochene Verbot de« von der Landes genannten periodischen Druckschrift findet den Recht- pallzribehörde hresür ausgeführten Gri luden »Di!? in der BeschwerbeanssÜhrung wibet�ltgte Behauptung. � in§ Ii des RetchSgefetze» gegen b,t Ä*, 1878 ftatuht« strebungen der Soüaldemokratie vom Ii- iozialdemo- ?ttbot dürfe nur gegen "i'schen Partei, und inSwor»»»« nu g S bestimmt d'Ache speziell für einen MialWwfra,# Da« st'en, in Anwendung gebracht werden,'st'"rz, erwähnte Gesetz macht diesen Unterschied nicht, sondern gebietet die Erlastung des Verbots der Druckichrist, und gestattet bei periodischen Druckschriften die Erftreckung dieses Verbots auf das fernere Ersch.inen derselben bei alle» Druckschriften ohne Rücksicht auf deren sonstige Tendenz, auf deren Leselkreis, oder aus die politische Richtung des Veifafsers oder Verlegers, sobald nur die in$ 11 des Gesetzes näher bezeichneten Vestiebungen in der dort angeführten Wrise ir. ihr zu Tage treten Die Behauptung des BeschwerdesührerS, daß er kein Sozialdemokrat, sondern Mit- gtied der Fortschrittspartei, und daß sein Blatt zunächst nicht für einen sozialdemokratischen Leserkreis bestimmt sei, ist demnach irrelevant. „Die sozialdemokratischen friedensgefährdenden Umsturzbestre- bungen ziehen sich gleich einem rothen Faden durch alle in der Enischließung der Königlichen Regierung zu Breslau vom 26. Sep- tember d. Is. ausgeführten Nummern der in Frage stehenden Wochenschrift und dokumentiren zur Genüge, daß es sich hier nicht um eine durch den Inhalt der Nr. 22 begangene einmalige Verfehlung gegen das Gesetz handelt, sondern daß die genannte periodische Druckschrift die Tendenz verfolgt, den vorerwähnten Umsturzbestrebungeu ihre Dienste zu leisten. Zum Nachweise dieser Behauptung wird darauf hingewiesen, daß in Nr. 7 auf Seite 49 in dem„ Einige Betrachtungen über die Politik d«S Reichskanzler«- überschriebenen Artikel gelegentlich der Ausfüh- rung, wie es gekommen, daß politische Parteien, welche bisher ReichSfeinde genannt wurden, jetzt als Reichsfreunde gelten, de- haupiet wird, daß auch sür die Sozialdemokraten, welche bisher stillschweigend Sünder geblieben seien, über kurz oder lang eine andere Zeit komme» werde, und daß nur der ein Reichsseind genannt werden dürfe, welcher das Volk zum Arbeiten und Ge- horchen gegensiber tiner höheren bevorzugten Klasse bestimmt wissen wolle. „In gleicher agitatorischer Weise wird in Nr. 19 auf Seite 145 in dem:„Ein verderblicher Jrrlhum- überschriebenen Ar- tikcl der Satz, daß große, die EntWickelung deS Menschengeschlechts betreffende Zeitfragen durch Gewalt nicht unterdrückt werden können, mit der Erlassung des gegen die gemeingefährlichen Be- strebungen der Sozialdemokratie gerichtete» Gesetzes in Verbin» dung gebracht, und behauptet, daß das genannte Gesetz der Sozialdemokratie keinen inner» Schaden zugefügt, sondern die Partei sogar verstärkt und gekräftigt habe, was durch den Sah zu beweisen gesucht wird, daß man wohl eine Zeitung, nicht aber die Gedanken verbieten könne, welchen sie als Organ dient und daß die Reaktion Gegendruck erzeuge, und zum neuen Vor- wäitsichreiie», zum Kampfe sür Wahrheit, Freiheit und Recht ermuthige. „Auf Seite 147 derselben Nummer wird in dem Artikel„über das Gewerbeichiedsgericht sür die Stadt Breslau" gesagt, daß die natürlichen, au« dem Vedürsnisse der Arbeiter hervorgegan- neuen Organisalionen durch das Sozialistengesetz zerstört worden, und daß die„Ehrenämter- des vorgenannten Schiedsgerichts nur eine Schöpfung sür die privigelirte» Reichen seien. In derselben Nr. wird aus Seite 150 die Wahl von Sozialdemo- kraten in den preußischen Landtag empfohlen, und werden dieselben werthvolle Bundesgenossen der Fortschrittspartei genannt. „Die oben erwähnte Tendenz tritt auch in der Nr. 20 zu Tage, woselbst auf Seite 1 56 mit gesperrter Schrift aus Dresden benchtel wird, daß man daielbst Gelder sür die ausgewiesenen Sozialdemokralen und deren Familien in Empfang nehmen dürfe, ferner auf Seile 157 gelegentlich einer Besprechung der Wahl Blanqui's in Bordeaux billigend bemerkt wird, daß man aus dieser Wahl ei» Erwachen uud eine Befestigung des Sozialismus erkenne, und endlich aus Seite 158 bei Besprechung der Arbeiter- unruhen in Zabrze gesagt wird, daß bei der Untersuchung die Kardinalfrage, daß die Arbeiter mit dem zu knapp gewordenen Lohn nicht existiren konnte», keine Beachtung gesunden habe, und daß, wie sich als Sinn deS offenbar ironisch gefaßten vorletzten Satzes dieses Artikels ergibt, die preußische Regierung für die Arbeiter nichts thue. „Ii, Nr. 21 endlich wird aus Seite 166 in einem Artikel aus Sachse» das Resultat der dortigen Landtagswahlen, daß nämlich zwei Sozialdemokraten in den Landlag gewählt worden sind, und die Sozialdemokraten in vielen Bezirke» ansehnliche Minoritäten erlangt haben, als ein freudiges Ereigniß gefeiert! „Das von der Königlichen Regierung in Breslau unterm 26. September d. Js. erlassenen Verbot erscheint demnach in allen seine» Theilen vollkomme» gerechiienigt, und war demgemäß die von A. Reichenbach hiergegen erhobene Beschwerde, so wie geschehen, abzuweisen. Tie Reichs-Kommission. Starke." Die in vorstehendem Aktenstück angeführten„Gründe" sind, wenn man das Sozialistengesetz überhaupt billigt, so unerhört sie auch klingen, gar nicht so ungerecht. Ja— wir müssen ge« stehen, daß wir un« sogar freuen, daß da« Soiiaristengesetz nun- mehr auch einmal„illoyal"— wie die Liberalen und Fortschrittler sagen werden— gehandhabt worden ist. Solang nämlich da« Gesetz in der härtesten, rigorosesten und gesetz losesten Weise nur gegen nolorische Sozialdemokraten ange- wandt wurde, fanden die Herren Liberalen da? Verfahren der Regierung und der Reichskommission stets„loyal". Die„Quint- essenz de« Sozialismus" von Schäffle wurde freigegeben, trotz des sozialistischen Inhalts der Broschüre, weil— Schäsfle kein „notorischer Sozialdemokrat" ist; das Verbot der„Zittauer Morgen-Zeitung" wurde von der Reichskommission aufgehoben, nicht weil der Inhalt ungefährlich, sondern lediglich, weil das Blatt sortschritttich ist; und die Beilage der„Chemnitzer Zeitung", in welcher die Landtagskandidatur Vahlteich, eines notori- scheu Sozialdemokraten, empfohlen wurde, ist sreigegeben worden, weil die„Chemnitzer Zeitung" nationalliberal ist. Da« nannten die Liberalen loyal. Durch diesen Begriff der Loyalität macht ihnen nun der vorliegende Bescheid der Reichskommission einen derbe» Strich und deutet an, daß über allen oppositionellen Blättern das Damoklesschwert des Sozialisten- gesetzes schwebt!— Also stiegt der tödlliche Pieil, den die Lide- raten gegen das demokratische Volk, das ist, gegen die Sozial- demokratie zu schleudern gedachten, zurück und trifft die unge- schickten und elenden Schützen. Das nennen wir eine„lovale" Handlung des unerbittlichen Geschicke«! Die Zwickauer Katastrophe und die Mittel zur Verhütung ähnlicher Unglücksfälle. Aus Sachse». Zum dritten Male seit zwölf Jahren ist der sächsische Kohlenbergbau von einer furchtbare» Katastrophe heim- gesucht worden. Die 89 Menschenleben, welche da« leytt Un« glück auf dem Brückenbergschacht bei Zwickau gekostet, sollten endlich unsere» maßgebenden Kreisen eine tiefernste Mahnung sein, einmal nachzusehen, ob denn nicht Manches faul ist im Staate Dänemark. Aber eS scheint, ali ob auch diese Opfer wieder vergebens wären; denn statt eine ehrliche, offene Untersuchung über die Ursachen des Unglück» anzustellen und deren Resultat« zur gründlichen Besserung der Zustände gesetzgeberisch und ad- ministrativ nutzbar zu machen, werden alle Anstrengungen ge- macht, um zu vertuschen. Die Grubenbesitzer und die mit ihnen Hand in Hand gehende Presse behaupten trotz aller gegentheiligen Beweise steif und fest, daß„Niemand" schuldig sei; die mit an der Spitze der San>i»lungen stehenden Regieiurigdbeamlen er- mahnen, angesichts der Roch jeden anderen Gedanken als den de« Wohlthnn« fahren zu lassen. Und nicht minder ist auch da« Pfaffenthum geschäftig, in ähnlichem Style den nur zu gerechten Zorn, der sich über da« Ereigmß in den Kreisen der Brrgleute verschiedentlich kund gibt, zu beschwichtigen. Bei dem Trauer- goltesdienste, der am Beerdigungstage in einer der Zwickauer Kirchen staltfand, hatte de> predigende Pfaffe, Superintendent K ö r- ner, die Unverschämtheit, den Leidtragenden die Warnung zu- zurufen:„Ucber den Unglücksfall nicht nachzugrübeln, über die„Fügung Gottes" nicht zu murren und zu lästern und namentlich de» Hetzereien gewisser Agitator ev, die dieses Unheil auch wieder sür ihre Zwecke ausbeuten würden, kein Gehör zu geben." Natürlich war das Musik für die Ohren unserer Ausbeuterkreise und so stellt denn das..Zwickauer Wochenblatt", das Amisblatt für die Behörden von Zwickau, die .Bitte", diese so„innige, lehrreiche und erhebende Rede" durch den Druck veröffentlicht zu sehen! Haben aber Behörde., und Bourgeois ein Interesse, ihre Sün- den zu vertuschen, so haben wir, al« Vertreter der Arbeiterklasse, das Interesse und die Pflicht, die Vorgänge an das Licht zu ziehen. Sonntag, den 7. Dezember, waren eine Anzahl unserer Genossen aus Zwickau und Umgegend im Verein mit einigen Leipziger Freunden zusammengekommen, um festzustellen, welchen Ursachen das Unglück geschnlbet sei. Eine Anzahl unserer Ge- nossen, die Bergleute sind, gaben als Sachverständige die nöthige Aufklärung. Demnach unterliegt es nicht dem geringsten Zweifel mehr, daß die Katastrophe einzig und allein durch die Nach- tässigkeit, resp. durch die Gewinnsucht derVerwal- tung hervorgerufen wurde und mit Leichtigkeit hätte vermieden werden können! Das Ergebniß eines mehrstündigen Meinungsaustausche«, woran sich Personen belheiligten, die den Brückenbergichacht au« eigener persönlicher Erfahrung genau kennen, ergab Folgende«: Der Brückenbergschacht gehört zu den tiefsten des Zwickauer Re- viers und ist wegen de» Gefahre», die er für die Arbeiter birgt, in keinem guien Ruf; schlechte Wetter sind in demselben mchtS Seltenes. V-S müßte also die erste Pflicht einer gewissenhaften Ver- watlung sein, welche dock die öiatur ihre« Werke« genau kennt, strengstens aus gute Ventitatio» zu sehen, und wenn durch irgend eine Ursache eine Störung in derselben eintn«, sofort die Förderung einstellen zu lassen. Di« Ventilation de« Brückenbergschachie« soll nun auch im Ganzen eine gute gewesen sein, es trai aber an dem Tage, wo oaS Unglück geschah, eine bedenkliche Störung ein, indem durch Pulversprengung zur Herstellung eines neuen Füllorts der die von Tag einströmende Luft in die Arbeitsstrecken leitende Wetterscheidcr zertrümmert und dadurch der Luststrom abgelenkt wurde und einen anderen Lauf nahm. Es wäre nunmehr Pflicht der leitenden Beamten gewesen, die Förderung sofort einzustellen, bis der Wet- terscheider rcparirt und die Ventilation wieder in vollem Gange war. Dies geschah nicht. Zwar wurde Befehl gegeben, den Wetterscheider auszubessern und gingen auch sofort mehrere Zimmerlinge an die Arbeit; man ließ aber ruhig den um sechs Uhr Abends staltstndenden Schichlwechsel vor sich gehen und die neue Mannschaft einfahren, obgleich diese von den Ausfahrenden gewarnt wurde. Nach mehr als dreistündiger Arbeit war de* Wetlerscheider wieder hergestellt, während welcher Zeit die Belegmannschaft vor Ort thätig war. Diese Zeit genügte vollauf, um die Wetter anzusammeln. Als nach dem Frühstück, ungefähr um halb zehn Uhr, die Mannschaft wieder an die Arbeit ging, war die Ventilation zwar hergestellt, es erlangten aber nunmehr die mittler- weil« angesammelten Grubengase durch den Hinzutritt der at- mosphärischen Luft ihre volle Explosionsfähigkeit. Zur Erläuterung sei bemerkt, daß die aus Kohlenstoff und Wasserstoff be- stehenden Grubengase ibre höchste Erplosionsfähigkeit dann erlangen, wenn sie ungefähr ein Achtel des Lufttaums absorbiren. Sobald sie stärker vorhanden sind, erplodiren sie selten; tritt aber alsdann der nöthige Sauerstoff binzu, so daß sich das bezeichnete Verhältniß herstellt, dann genügt der geringste Funke, die Explo- sion zu erzeugen. Die nach der Explosion mit Kohlensäure ge- schwängerte Luft ist so gefährlich, daß ein cimiger Athemzug genügt, den Tod herbeizuführen! Daher kommt es, daß nach schla- genden Wettern in Folge der langsam abziehenden Stickluft, des sogen. Nachschwaden, noch so viele Tödtungen vorkommen. In dem vorliegenden Falle halten sich offenbar in den länger als drei Stunden von der Ventilation abgeschlossenen Strecken erhebliche Massen Grubengase angesammelt, die, weil sie leichter als at- mosphärische Lust sind, sich nach der Decke ziehen. Sobald die Ventilation in Gang kam, wurden die Gase in roiirende Be> wegung gebracht, durch den Zuttilt frischer Luft in hochgradige Exp ostonsfähigkeit versetzt und nun genügte die offene Lampe eines Bergarbeiters, um Tod und Verderben zu verbreiten. Durch die Explosion erschreckt, warfen bicle Arbeiter auf den entfernten Strecken ihr ArbeitSzeug hin und suchten zu enifliebm, geriethe» aber in die nachziehende, mit Kohlensäure geschwängerte Lust und erstickten. So entstand die große Zahl der Tobten. Von der eigentliche» Erploston wnrden nur 36 getroffen. 53 erstickten und von diesen 37 wieder dadurch, daß sie in der Angst ihre sicheren Plätze verließen. Diese wahrheitsgetreue Darlegung beseitigt die von der Vcr- waltung und der Presse gemachte Behauptung, daß„Niemand" die Schuld trage, endgiltig. Hätte die Verwaltung, da die Sprengung der Füllörter in unmittelbarer Nähe des Wetterschei- derS geschab, durch Errichtung einer festen Schießwand Vorsorge getroffen, daß der Wetterscheider nicht zerschossen werden konnte. so blieb die Vemilation ungestört und das Unglück war unmög- lich. Nachdem aber einmal dieses Versehe» vorgekommen, war es Pflicht der Verwaltung, sobald ihr die Zerschießung de» Wet- terscheidcrs gemeldet wurde, deren nothwendigc Folgen sie kennen mußte, sofort Schicht zu gebieten und die AuS- fahrt der Belegmannschaft zu veranlassen. Stall dessen arbeitete die Mannschaft volle drei Stunden in Strecken mit vollständig gc- störter Ventilation, und in einem Werk, dessen Bau für schlagende Wetter sehr empsänglich ist. Wäre statt dessen die Arbeit unterbrochen worden, wäre, wie es jeder Fachmann als selbstverständlich finden wird, die Arbeit erst wieder aufgenommen worden, nachdem durch eine mchrstün- dige wiederhergestellte Lustzirkulation dir Sttecken frei gefegt waren und eine vorsichtige Untersuchung mit der Sicherheitslampe reine Lust ergab,— so wäre das Unglück unmöglich gewesen. Eine höchsten» sechsstündige Unterbrechung der Arbeitszeit hätte 89 Menschen das Leben gerettet! Warum hat man das nicht gethan? DeS elenden Geldgewinnes halber! Der Brückenbergschacht steht finanziell sehr schlecht und zwar schon seit Iahren. Der frühzeitige und heftige Winter war der Kohlcnkonjunktur günstig, die Preise stiegen, weil die Kohlen fehlten. ES galt also, die Konjunktur auszu- nutzen.„Wir brauchen Kohlen" war die Losung und so wur- den leichtsinnig 89 Menschen in den Tod getrieben. Nun, die sozialistischen Abgeordneten im sächsischen Landtag werden dafür sorgen, daß die Katastrophe zur Sprache kommt und daß auch die verbrecherischen Fehler ausgedeckt und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden! Diese neueste Katastrophe hat aber auch ivieder die Frage an geregt: wie ähnlichen Unglücksfällen am besten zu begegne» fei? Die Antwort lautet: Durch K-rpropriation der Hrvben z« Hnnfteu des Staats! In jener Zwickauer Zusammen- kunft erklärten sich sämmtliche Anwesende mit dieser Idee einvcr- standen. Wenn mit einem Betrieb durch den heutigen Staat auch kei- neSwcgS unmittelbar ein sozialistischer Zweck erreicht wird, so hat derselbe doch für die Arbeiter große Vortheile und da« Prinzip, daß die im Staai repräsentirtc Gesammtheit besser be wirthschaften kann, wie irgend ein Privatunternehmer oder eine Anzahl von Privatunternehmern, erlangt eine neue Stütze. Alles, waS für den Eisenbahnbetrieb im Großen sprich«, spricht selbst- verständlich auch für die zenrralistische Verwaltung des Kohlen- bergbaus durch den Staat. Dieselbe ist bei diesem um so leich- ter, da sich derselbe nur auf ein verhältnißmäßig kleines Terrain erstreckt. Es soll nicht Ausgabe dieses Artikels sein, die Vorthcile eines zentralisirten Betriebs für den Staat als Unternehmer darzulegen; wir wollen vielmehr kurz die Voriheile hcrvoi heben, die für Leben, Gesundheit und materielle Existenz des Arbeiters dabei herauskommen. In erster Linie würde die Sicherheit des Betriebs ganz be- deutend gewinnen, weil alsdann alle Grenzen zwischen den ein- zelnen Werken aufhören und die Ventilation die denkbar beste werden kann. SicherheitSmaßregeln, die heute im Einzelbetrieb kaum möglich sind oder nur unvollkommen aufgeführt werden, weil sie zu große Kosten verursachen, könnte der Staat, der mit den Erträgnissen der guten Werke die Unterbilanz der schlechte» übertragen kann, durchführen. Die Freizügigkeit der Arbeiter innerhalb de» ganzeu Reviers würde mit Einem Schlage durchgeführt, wohingegen heute der Arbetter in Rücksicht auf Unterstützungstassenverhältnisse an ein bestimmtes Wert gebunden ist. Eine Gefahr für die Unter- stützmrgskassen, wie sie gegenwärtig bei vielen Werken>n Folge der schlechten Erttägnisse der letzten Jahre einerseits und der gc- steigerten Krankheits- und Jnvaliditätsfälle andererseits vor- Händen ist, könnte nicht vorkommen. Die Pensionen- und Kran- kenunterstützungen könnten erhöht werden und e» brauchte nicht bei jedem größeren Unglücksfalle an da? öffentliche Mitleid ap- pellirt zu werden, wie die» jetzt geschieht. Thatsache ist, daß die Gewerkschaft des Brückenberg dreimal bankerott wäre, wenn sie die Hintcrlassenen der Getödteten auS ihren Mitteln entschädigen sollte. Mit dieser Thatsache ist die vollständige Unzulänglichkeit deS so viel gerühmten KuappschafrS-KassenwesenS erwiesen. Allerdings würde auch der Staatsbetrieb, d. h. der Betrieb seitens des Heuligen Staates nicht die volle Freiheit des Ar- beiterS sichern. Die Maßregelung politisch Mißliebiger würde in vollem Maße durchgeführt werden können; aber schlimmer, wie es gegenwärtig ist, kann eS schwerlich werden. Die Intoleranz, der Haß und die Versolgungswuth der Bourgeoisie ist so groß und geht gewöhnlich so in's Kleinliche und Verletzende, daß jede Aenderung de« HerrschaftsverhältnisscS als eine Verbesserung an- zeichen werden muß. DaS haben die deutschen Arbeiter im Lause der letzten Jahre tausendfältig crfabren. Sicher ist, daß die Uebernahmc des Kohlenbergbaus durch den heutigen Staat seine dcreinstige Umwandlung in sozialistischen Betrieb erleichtert. Jede Zentralisation der Betriebs- und Produktionsmittel muß uns w i llkom inen sein! Der Kleingewerbetreibende wird vom Kapitalist, der Kapitalist von den associirten Kapitaliiren, die associirten Kapitalisten werden vom Staate verschlungen. So potenzirt sich der Aussangungs- Prozeß, bis eines Tages der heutige Staat seine kapitalistische Seele ausgebläut bekommt und in den sozialistischen Staat ver- wandelt wird. Wenn die Zwickaucr Katastrophe dazu beiträgt, die Erkenntniß von der Nothwendigkeit einer solchen Umwandlung in weiteren Kreisen zu verbreiten— und das scheint uns der Fall zu sein — oder gar diesen Umwandlungsprozeß ein Stück vorwärts zu treiben, so soll dies unseren Zorn über die leichtsinnige Preis- gäbe von Arbeiterleden einigermaßen dämpfen. Leide» wird, wie heutigen Tages noch die Dinge liegen, meist aller Fortschritt nur durch Menschenopfer erkauft: heute auf dem mili- tärischen Kriegsschauplatz, morgen auf dem industriellen, über- morgen aus den— Barrikaden. Sache des Sozialismus ist eS, dem ruhigen, friedlichen, nnge- binderte» und unausgesetzten Fortschritt der Äkenschlien die Bahnen zu ebnen. H. Die Lage der Arbeiter in Polen. Wenn eS im westlichen Europa genug Advokaten, Journa- listen und sonstige Leute gibt, welche behaupten, daß eS eine soziale Frage gar nicht gebe; so fehlt es auch in Polen an Ver- theidigern her Sache der Bourgeoisie durchaus nicht. Reaktiv- närc, Liberale und Radikale, alle Vertheidiger-des alten politischen Polen gehen einig mit einander in der Bekämpfung der Sozialisten; sie behaupten, die Polen hätten nicht nöthig, sich mit der soria- len Frage zu beschäftigen und alle ihre Bestrebungen müßten nur auf das einzige Ziel der politischen Emanzipation gerichtet sein. Einige, amtlichen Quellen entnommene Ziffern werden in- dessen eindringlicher als lange Reden den Lesern beweisen, daß die wirthschaftliche Lage der polnische» Arbeiter ebenso traurig, wenn nicht trauriger ist. als die der Arbeiter anderer eeiropäischer Staaten. Die Entwicklung der Industrie schreitet in Warschau immer mehr voran; das Kapital gedeiht, der Arbeiter aber leidet. Man betrachte nur die folgenden Zahlen: 18:8 1879 Der mittlere Arbeitslohn beträgt 255 Rubel 52 Kopeken jährlich, waS ungefähr 1022 Franken(8l7*/4 Mark) ausmacht. Die Frage ist nun, wie man um diese Summe in Warschau oder einer andern Stadt Polens leben kann(mit andern Worten: welche Kaufskraft sie besitzt). Wir nehmen als Grundlage un- serer Berechnung eine aus vier Gliedern bestehende Familie. Eine offizielle Kommission veranstaltete eine Untersuchung der Lage der arbeitenden Klassen in Warschau. Nachdem sie 432 Wohnräume besucht, welche sie von 1206 Personen(also 3 auf einen Raum) bewohnt getroffen hatte,— kam sie zu folgendem Schluß: 147„Wohnungen", von 468 Personen bewohnt, seien vollkommen unbewohnbar. Für eine Arbeiterwvhnung muß trotz- dein im Durchschnitt 6 Rubel pro Monat bezahlt werden. Rechnet »nan hiezu monatlich: Fleisch Pfd. die Person täglich) 4 R. 50 K., Gemüse. Mehl, Käse 6 R. Brod(3 Pfd. täglich) 3 R. 90 Salz, Pfeffer, Fett, Oel 3 R., Beleuchtung 1 R. 50 K., Heizung 2 R.,— so erhält man an nöthigsle» Ausgaben i'Lr den Monat 26 R. 90 K. und für da« Jahr 322 R. 80 K. Es bleibt demnach ein Defizit von 67 Rubel 28 Kopeken. Und doch sind Kleidung, Schuhe, Wäsche und andere noihiven- dige und unabweisbare Bedürfnisse in der Berechnung noch nicht inbegriffen. Vergessen wir ferner nicht, daß der Meister oder Arbeitgeber einen Theil deS Lohnes für die Krankenkasse zurück- hält. Und wie sind diese Kassen beschaffen! Ein Arzt besuchte einen Kranken, welcher die lächerlich« Unterstützung von 30 Kopeken täglich erhielt! Diese arithmetische BeweiSiührung ist schlagend. Ist es unter solchen Mißständen noch am Platz, zu überlegen, ob die Lrgani- strunz einer sozialistischen Partei in Polen ein dringendes Be dürfniß sei? Betrachte» wir jetzt die Lage in Galizien, welches nicht einer absoluten Gewalt unterworfen ist. sondern einer„konstitutionellen' Regierung. Die landwirthschaftliche Produktion nimmt stetig ab und von Jahr zu Jahr vermehren sich die Schwierigkeiten der Ernährung des galizischen Volkes Ruthenen und Polen, alleBauer» leiden oftmals Hunger und diese Geißel steht wieder einmal für das neue Jahr in sicherer Aussicht. Die wirthschaftlichen Bedingungen, unter welchen der Bauer lebt, sind die elendesten. Nach den statistischen Aufstellungen Rapackl's gibt es 653,637 Kleinbesitzer, welche fast alle zu glei' chcr Zeit Eigenthümer und alleinige Bebauer ihrer Grundstücke sind, und welche im Durchschnitt 4 Hektaren pro Familie be> sitzen, von denen aber nur% ertragsfähig sind. Dazu kommt, daß der Mangel an Wegen, welche daS Land aufschließen(die vorhandenen dienen nur ven Interessen der Großgrundbesitzer) und das gänzliche Fehlen jeglichen Handels das Land im Zu- stand einer fast vollständigen Stagnation erhalten. Der Klein- besitzer, der Bauer weiß nicht, wovon er seine Familie ernähren und die Steuern bezahlen soll. Und die letzteren sind wahrhaft erdrückend und werden immer erhöht. Erst in jüngster Zeit hm die Regierung wieder ihre Absicht zu erkennen gegeben, Zucker, Kaffe, Petroleum und eine Menge anderer Genußmutel mit einer indirekten Steuer zu.belegen. Hatten die achtzehn noch immer in» Krakauer Gefängniß sitzen- den jungen Sozialisten Recht oder nicht, wenn sie die Lehren des Sozialismus previgten? Diese Frage stellen, heißt sie de- antworten. Bulk. des Rownosch. Sozialpolitische Rundschau. — Eine famose Charakteristik des dcvtlchcn Parlament«' rtSmus liefert eine durch die ganze Presse gehende Nachricht. der zufolge der nächste Reickshauehaltsetat in Voraussicht der Annahme deS Gesetzes über die Vcrlönge- rung der Etatsperioden bereits für die ReckinungSjahtt 1880—81 und 1881— 82 vorgelegt wird! Also so sicher ist die Regierung ihrer Sache, und so wenig hält sie es für nöthig, die einfachste Form zu beobachten, daß sie die gesetz- lichen„Bcirath und Zustimmung" des getreuen Reichstages nicht einmal mehr abwartet, sondern sich gleich selbstständig darauf einrichtet! Nun, unS kann eS nur erfreulich sei», wen» die Dinge immer mehr ihres bestechenden und irreführende» Scheines enlkieidet werden und sich dem deutsche» Boll und der ganzen Welt in ihrer wahren Gestali zeigen. Es ist di< nothwendigc Boraussrtzung vcr Verbesserung der Zustände. daß die„Untertbanrn sick nicht tn dem Traum wiegen, vollberechtigte Bürger zu sein, welche Einfluß aus die Leitung der öffentliche» Aoaetegcnhklttn haben. Der Kncch: soll wissen und fühlen, daß er Knecht ist,— dann empfindet er erst die Nothwendigkelt. sich ferocS Herrn zu entledigen. Und wenn map erst den Zweck will, finden sich die Mittel stet«. — Die von der preußischen Rtgierong so gelungen arrangitt« parlamentarische Zwickmühle hat jetzt zur AbivechStung wieder einmal nach der andern Seile ihre Schuldigkeit gethan. Bei den Zöllen halsen die Uttramontauen mit den Äoniervaiiven den Wellen der Regierung gegen die Liberal«« durchsetzen; bei den Eisenbahnvorlagen überstimmten die Liberalen mit den Koilser- vertiven die Ultramontanen, und jetzt bei der Interpellation wegen der Simultanschulen werfen wieder die Uli» amontanen ihre» Einfluß zu Gunsten der Regierung und gegen die Liberale» in die Wagschale. Und sa kann daS geistreiche Spiel noch lange fortgehen und die Regierung durch abwechselnde Grupvirung der mit ihrer Dicnstbereitwilligkeit rivalifireaden Parteien jeden ihrer Wünsche durchsetzen. Daß die Uliramontaue» in der Simuü tauschulsrage die Regierung unterfrützen würden, war übrigen» nur natürlich, denn die aagefochtent Entscheidung des Ministers war ja in ihrem Interesse getroffen und eine» passenderen Mi- nister alS Bismarcks Schwager Puitkammer könnten sie auch nicht so gleich finden. Und vor Allem in de« Schaltrage sind sir »inand«r sympathisch; denn in d«« Minister« Meinung, daß die Schul«„nicht in da« uferlose Meer einer blas humanitären alb gemeinen Bildung hinauSstever«, sondern fest begründet bleib« aus der unerschütterliche» Grundlage, die aus dem Ewigen ent- stammt und in das Ewige zurückführt"— in dieser Meinung, deren nothwendigc Konsequenz die KonsvistonSschule ist. begegnen sich beide Theile, E« war daher kein Wunder, daß der Kul- tuSminister eine Majorität von 98 Stimmen erhielt und dann! prinzipiell das Todeiurtheil über die Simultanschulcn auSgcspro- chen wurde. Die Reaklio» ist eben unthcitbar und muß sich au! jedem Gebiet bethätigen. Sie muß Stück um Stück der g« ringen Zugeständnisse, welche ihr vom Zeitgciste abgerungcu wo«- den waren, wieder abbrökeln, bis das Maß voll ist! — Die deutsche Presse ist angefüllt mit wahrhaft haarsträu« bendcn Berichten über die Hunger Snoth in Odcrschlesicn. Gesalzene Zuckerrüben, trockene Krauiblätter, wässerige und ver- faulte Kartoffeln— kurz Ding«, welche sonst einzig als Vieh- smier benützt werden, ja zum Theil nicht einmal zu diesem ge« braucht werden können, machen die einzigen Rahningsmittet vo« Zehntausenden aus. Ja, die Hungernden wären noch froh, wenn sie von diesen eklen, bei zur Krafibildung kaum iu Betrachl kommenden„Nahrungsmitteln" nur genug hätten, während in vielen Gegenden thatiächlich absolut gar nichts mehr vorhanden ist und die Armen vor dem Hungertod lediglich durch die öffent- liche Wohlthätigkeit errettet werden können. Unter diesen Um' ständen kann eS nicht Wunder nehmen, daß der Hungerty- t y p h u S immer mehr um stch greift. In Solarnia(Kreis R«' tibor) sind bereits 5, in Alt-Cosel 5, in Nendza 7, in Olss 10 schwere Fälle konstatirt. Und da die Grundbedingungen für die Entwicklung und leichte Verbreitung d«r Krankheit durch di« schreckliche Ernährungsweise, die mangelhafte Bekleidung u"b d>« oft geradezu unglaublich erbärmlichen Wohnungsverhältnisse's vollstem Maße vorhanden find und eine ausgiebige, bau- «rnde Hilfe noch immer nicht eingettetm ist, so wird ein« Masseninfizirung nicht auf sich«arten lassen. Mit einem Wort: dir Nachstand ist durch den bedenklichen Austand der nochleidew den Bevölkerung nicht mehr fern von dem des Jahretz io4. Eine wirkliche Hilfe kann hier nur die GesammtheU. der Staat leisten und sie zu gewähren ist seine Pflicht. Aber der Staat hat ja unter der Klasienherrschast weit wichstgtre Ausgaben. als doh er für solche Lappalien, wie Leben und Gesundheit von einer halben Million armer Menschen. Zeit und Keld übrig hätte. So glaubte den» auch die preußische Regierung mit dem Bettelpsennig von 925,000 Mark Darlehen an die noch- leidenden Kreise und 300,000 Mark.StaaiShilfe'' an den Landarmenverband vollaus genug gethan zu haben und ließ, während die Roth täglich höher steigt, kein Wort von sich hören. so daß sie erst durch eine Interpellation zum Reden gezwungen werden mußte. Da war sie dann freilich, wie gewöhnlich, mit guten Versprechungen reichlich bei der Hand und verhieß, dem Landtag nicht nur eine Krtditsorderung zur Hilfeleistung für die Roth- leidenden zugehen zu lassen, sondern auch Mittel zu ergreilen. um die Wiederkehr solcher Rolhstände zu verhindern. Von leh' terem nun ganz zu schweigen— denn zu diesem Zweck mußten die ganzen Besitz- und ProduktionsverhSltnisse gründlich um- gestaltet werden, woran vie heutigen Machthaber nicht den»» braucht die Regierung aber auch zu ersterem noch eimge Wochen Zeit zu den„nöthigen Erhebungen und Vorbereitungen«, wah- «nd deren die Nothlcidenden ruhig weiter hungern, weiter frieren und weiter sterben können. Hof, Adel. Bourgeoisie..Volksvertreter", Büreaukratie, all' die Mächtigen und Reich™ wollen«a auch Zeit haben, sich vor lichlstrahlenden Weihnachtsbaumen und an gabenbedeckten Tafeln der Festtage zu erfreuen- wer wird sich da die Freude durch die Erinnerung an die bleichen Jammer- gistalten der Nothleidenden verbiitern lassen. Diese sind das Dulden ja gewohnt- auf einige Tage und Wochen kommr s da nicht an! - Die össerreichisch«ugarische Regierung hat an die .Volksvertretungen" der beiden Reichshälften das unverstorene Ver- langen gerichtet, daß dieselben- im Interesse des Vaterlandes und dessen Sicherheit natürlich!— für volle zehn Jahre au ihr verfassungsmäßiges Militärbüdgeibcwilligungsrecht verzichten sollen, indem sie die Friedenspralenzzisser der Armee sur diese Zeit unveränderlich auf 800,000 Mann festsetzen! Wie richtig die Regierung dabei die Mehrheit der Parlammiarier tarirt hat, beweist, daß der ungarische Reichstag und das osterrelch»che Herrenhaus dem Verlangen der Regierung sofort entsprochen ha- den. Nur das Abgeordnetenhaus deS österreichische» ReichSrathes °der vielmehr die liberale..VersassungSpartei" desselben sperrte sich etwas gegen die ihr zugemuthete Emäußerung eines ihrer nichtigsten Rechte. Chne die Mitwirkung eine« beträchtlichen Theiles dieser Partei konnte aber die Regierung ihren Willen nicht durchsehen, da zur Bewilligung eine Zweidrittelmehrheit erfo, der- Uch ist. Es wurden deßhalb jetzt von Seiten der Regierung � äußersten Anstrengungen gemacht, Drohungen, Versprechungen. Schmeicheleien und Pressionen aller Art ans die Widerborstigen ausgeübt und jeder einzelne.Verfassungstreue« auf's E.ndruckl.chste bearbeitet. Ja in völlig.unkonstitutioneller« Weise mischt« sich sogar der Kaiser persönlich darein,.befahl« den Führer der U- d-ralen zu sich und sprach ihm seinen unabauderlichen Willen und die Erwartung aus. daß seine getreue Opposition nachgeben werde Und die Liberalen müßten wahrlich von anderm Hol; geschnitzt sein, wenn sie solchen Pressionen hätten widerstehen können. In der dritten Lesung erhielt denn auch du Regierung da« verlangte Weihnachtsprqsent. Der Liberalismus ist eben überall derselbe erbärmliche, krasilose Geselle'. Ebenso wenig als die Nachgiebigkeit der V-rfassungspartei soll e« uns aber Wundern, wenn die deutsche Regierung bei Ablauf de« deutschen Militärsepiennats im nächsten Frühjahr als einen weiterm-Grund sur eine bedeutende Erhöhung des Militärbüdgets die Erhöhung und zehnjährige Fixirung des österreichischen Präsenzstandes an- sührt. Und so fort mit Grazie! - Wie die ökonomische Macht des Kapital« überall und unter allen politischen Institutionen zu derselben Entrechtung und Knechtung de« arbeitenden Volke« fübrt und wie der republika- nische Arbeitgeber.seinen' Arbeitern gegenüber derselbe rück- stch'Slose Gcwal, Haber ist. wie der monarchische, konstitutionelle oder wie e« sich sonst nenne— zeigt ein geradezu schändlicher S°ll von Aibeiterverfolgung in der Schweij, welcher aus der letzten kantanalen ArbeiterveremS-Delegirtenversammlung in Zurxy berichte, wurde. In Ilster hatte ein Arbeiter sich über U mg e- hungen de« FabrikgefetzeS bei der Direktion de« Innern b-'chwM. Düse sandte den betr. Brief an Stattbalter Fre. und die er brachte ihn in die betr. Fabrik, wo man natNrtich den Rekla- »"renden alibald entdeckte, der hierauf sofort entlaflkn wurde. �°hl fand der Gemaßregelte Arbeil in einer andern Fabrik; k°um aber war er ein paar Tag- in Arbeit, so wurde n auch b»« entlasse». Noch mehr! Seine Frau b-ttieb d.e Se.den- Weberei für einen Fabrikanten am See und als sie das„Wupp ablieferte, erklärte ihr der Fabrikant. er habe� keine Arbeit mehr für sie Der Mann, der dazu noch ein Krüppel ist, v-r'uch U"n. durch einen Hausirhandel sein Leben durchzubringen Aber " war einmal in Acht und Bann erklärt und dle Fabrikanten verboten ihren Arbeitern, dem Geächteten etwa? abzukaufen, �o «•ging es einem übrigens ganz ruhigen Bürger, der einzig du «Fr-chhei,» halte, sich auf das Fabrikgesetz zu berufen und fce� �'b von der Behörde selbst den Herren zur Rache denunzirt wurde. allen andern Klasse» und Parteien getrennten, �stge#� sozialistischen Arbeiterpartei beschlossen. So vollkamn.e,! wir diesem Beschluß, den wir als die wichtigste Autgabe �ngresses von Ansang an bezeichnet hatten, einverstanden waren. 0 wenig Hoffnung hatten wir leider, de» Beschluß uiner cn borhandenen Verhältnissen alsbald in die Thal übersetzt ,u 1' lim so erfreulicher ist eS für»nS, zu sehen, ag oii . der entwickeltsten französischen Genossen mit E"-r und Hm- Ü'b"ng daran gearbeitet wird, die Arbeiierbestrebungen immer auf den rechten Weg zu leiten, sie auSzubreuen und sie in �"vgreßsitzung gewählte Beschlußkommission, welche sich!°'ort als g6n6ral ex�cutif» konstituirte, ein ossizielle« Partei- orga i, dessen Probenummer uns soeben zugegangen ist. Das- selbe führt den Titel« La Föderation. Bulletin Mensuel des Interets du Prolötariat Francais»(Der Bund. Monatsschrifl für die Interessen des französischen Proletariats) und erscheint in der ersten Woche jedes Monats unter Redaktion des als Be- richterstatter des Marseiller Kongresses rühmlich bekannten Ge- nassen Lombard in Marseille. Das iieue Organ macht sich keineswegs daS Studium der sozialen Frage und die Polemik zur Ausgabe, welche Felder es ganz und gar den schon bestehen- den und noch zu gründenden politischen Blättern der Partei zur Bebauung überläßt; es will lediglich über die Bildung neuer Arbeiterorganisationen und deren Gruppirung, über Versamni- lungen»nd Vereine, ArbeilScinftellungen, mit einem Wort: über den Stand der französischen und allgemeinen Arbeiterbewegung unterrichten. Dieser Aufgabe getreu liefert die«Federation» gleich in ihrer Probenummer interessante Berichte über die Fortschritte, welche die frantösischr Arbeiterbewegung seit dem letzten Kongreß gemacht hat. Di: Syndikatskammern und sonstigen Arbeitervereinigiingen von Marseille haben bereits Votbereitungen zu einer engen Ver- bnndnng geschaffen und letztere wird bald ein« Thatsache sei» Andere Slädte sind auf dem besten Weg, diesem Beispiel z» fol- gen; so haben sich die 16 Syndicatskammern von Toulouse be- reir« verbünde! Verschieden« Gruppen sozialer Studien sind neu begründet worden.— Von größter Wichtigkeit ist die Entwicklung der sozialistischen Presse. Den ersten Rang nimml hier entschie- den die mit Neujahr erscheinende« Revue socialiste» ein, welche von einem bekannten Kommunemitglied redigirt wird und an welcher sich die hervorragendsten französischen und außersran- zöstschen Sotialisten als Mitarbeiter bethetligen. Dieie Revue w'rd, wenigstens hinsichtlich der politischen Parteibildung, von noch größerer Bedeutung sein, als es unsere deutsche sozialistische Revue, die„Zukunft«, war; nämlich insofern, als sie die An'- gäbe hat, die Vertreter der verschiedenen sozialistischen Schulen Frankreichs auf dem Wege des gemeinsamen Studiums einander zu nähern, die zahlreichen, aus falschen Voraussetzungen beruhe»- de» Gegensätze, welche zwischen ihnen herrschen, allmälig auszugleichen und alle Kräfte vereinigt dem Zweck der planmäßigen, zweckbewußten Emanzipation des Proletariats durch Organisirung der französischen Arbeiterktasse dienstbar zu machen.— Neben dieser Revue, auf welche wir demnächst des Ausführlicheren zurück. kommen werden, wird in Marseille demnächst ein sozialistisches Wochenblatt erscheinen, welches das Parteiorgan für den Süden bilden wird. In Lyon und Besseges sÄard) werden tägliche Blätter gegründet. Der Marseiller Kongreß hat das Land hinsichtlich der Partei: organisation in sechs Regionen eingetheilt: 1) Paris— Zentrum, 2) Lyon— Osten, 3) Marseille— Süden, 4) Bordeaux— Westen, 5) Lille— Norden, 6) Algier— Algerien. Künstigen Mai werden in diesen sämmilichen Regionen, bezw. deren Hauptstädten Regionatkongresse abgehalten werden. Diesel- den werden sich nicht nur mit der Propaganda und Organisa- tion tu ihren Regionen befassen, sondern auch Material für den künstigen Zentralkongreß sammeln und sichten.— Die deutschen Sozialdemokraten folgen dieie» eifrigen Bemühungen der iranzö- fischen Arbeiter selbstverständlich mit den eifrigsten Sympathien. — Dem ttafienifchen Arbeiter und zwar sowohl dem Lohn- sklaven nl« dem Landproletarier gehl es im Allgemeinen noch ein gutes Stück schlechter, als seinen Leiden«ge»ossen in Deutichland, Frankreich und England. Ein recht grelles, aber keineswegs übertriebenes Bild der Roth des italienischen Volkes entwirft der eOperaio» von Venedig Es gibt, sagt er, kein Land, in wel- chem der Arbeiter(im großen Ganzen) so schlecht gehalten und be- zahlt ist, wie in Italien. Und während einerseits der Preis der Lebensmittel steigt, sinkt der Lohn unaufhörlich. Die 300,000 Leineweber der Lombardei erhalten 4 Franken pro Woche. Die ungesunde Arbeit in den Reispfianzungen trägt der armen, von Fieber entnervten Arbeiterin höchstens 50 Centimes pro Tag ein. In der Provinz Como arbeite» 2000 Kinder unter neun Jahren bis 14 Stunden täglich für 10-15 Centimes. Venedig hatte zu Ende des vorigen Jahrhunderts bei einer Bevöt- kcrung von 123,000 Einwohnern nur 2000 Arme; 1802 zählte eS bei der fast gleichen Einwohnerzahl 32,422. 186 35,000 und 1870 35,728 Arme. Der Tagelohn der vnuiianischen Perlenarbciter beträgt 26—30 Centimes pro Tag. Die Zahl der Proletarier hat bereits 22 Millionen erreicht— bei 28 Millionen Gesammteinwohnerzahl. so daß also mehr als drei Bi-rul aller Bewohner Italiens absalut besitzlos ist! Unter so hochgradig elenden Zuständen und da die Italiener nicht von so geduldigem Temperament wie die Deutsche» sind und außerdem ihre politische Bildung noch in den Windeln liegt, ist eS natürlich, erklärlich, daß Ausbrüche der BolkSverzweiflung in der jetzigen Zeit der äußersten Roth— nach einer Mißernte und bei intensiver Kälte— nichts Seltenes sind. In Legnano stellte eine Weberei den Betrieb ein, wodurch 300 Arbeiter brodlos wurden. Die Leute verlangte» ihren ansständigen Arbeits- lohn, erhielten aber zur Antwort, daß die Handelskammer in Mailand verboten habe, Auszahlungen zu machen, und daß die Arbeiter in die gleiche Linie der audeien Gläubiger gestellt wer- den.„Wer gibt Brod unseren Weibern, unseren Kindern?" schrieen die tumultuirenden Arbeiter. Zlus den benachbarten Sta- tionen kam Gendarmerie an und von Mailanv ans sandte man 50 Infanteristen, welche vereint die„Ordnung« wieder herstell- un. Tumulte in größerem Umfange landen in R av en v a statt. Eine große Masse hungriger Tagelöhner zog doit mit Frauen und Kindern vor das RathhauS, um Brod und Arbeit zu fordern. Sie wollten mit Gewali in das Gebäude eindringen, wurden jedo st von SicherheitSmairnschatun und Militär zurückgedrängt und begaben sich nach dem Piäfeknrrpalast, ohne indeß auch hier das Gebäude besetzen zu können,-. Die Versuche wur- den einige Stunden wiederholt, wobei eS aus beiden Seilen zahl- reiche Verwundete gab; schließlich olkupirten die Armen eine Bor- stadi und stürmten einige Bäckerläden und andere Nahrungsmit- lelniederlagen. um ihren Heißhunger zu stillen. Aehnliches ge- schah auch in Faenza und in Rom selbst. In Manerbio bei Brescia wrren es Bauern, welche Brod und Arbeit verlangten, ebenso in Sermide. Hier zogen fir 700 Mann stark vor das Munizipium und drohten, als sie keine befriedigende Antwort er- hielten, mit Gewalt in das Gebäude einzudringen. Auch hier schritt Militär ein. In der Nacht sollten die bei diesen Vor- gängen Verhafteten befreit werden, was man nur durch die Roth- lüge verhinderte, daß dieselben bereits nach auswärts abgeführt worden seien. In Parma verlangten zahlreiche Handarbeiter vor dem Munitipalpalast, bei der Wegräumung des gefallenen Schnees beschäftigt zu werden und drohten auch hier mit Ge- waltsonckeiten, was Zur Einmischung der Polizei führte. Aehn- liche Fälle kamen noch in verschiedenen Gegenden vor. Freilich wird durch solche vereinzelte, planlose Ausbrüche wenig erreicht; allein Hungrigen ist schwer Vernunft predigen, und wenn die Verzweiflung auf's Aeußerste getrieben wird, dann stehe» noch ganz andere Szenen bevor. Möchte die herrschende Klasse dies« Dinge sich zur ernsten Warnung dienen lassen und die Wolken des Hasses und der Verzweiflung bei Zeiten und nach Kräften zerstreuen. Weh ihnen, wenn sie das Wetterleuchten des herauf- ziehenden Gewitters nicht beachten und wenn erst Blitz und Donner ihnen die blöden Sinne öffnen müssen! — Die amerikanische Bourgeoisie hat abermals einen schla» genden Beweis iür die, übrigens allbekannte und histoiisch fest- gestellte Thatsache geliefert, daß vie herrschende Klasse kein Mittel scheut, um ihre Macht ung schmälert zu erhalten, und daß sie, die dem„unbotmäßigen Volk« gegenüber stets die„Gesetzlichkeit« ans der Zunge führt, selbst die erste ist, die Gesetze auf daS gewissen- und schamloseste zu brechen und die offenbarsten Ver- brechen und Gewalllhaten nller Ar. zu begehen, sobald sie mit den zur Unterdrückung des Volkes gemachten Gesetzes nicht durch- kommt. Man erinnert sich, daß die kalifornische Arbeiterpartei bei den letzten großen Wahlen bedeutende Erfolge errangen, in- dem zu einer größeren Anzahl Stadl- und Staatsämtern: zum Mayor(Bürgermeister) von San Fraiizisko, zu Eisenbahn- koinmissären. zu Mitgliedern des höchsten Gerichtshofes, sowie verschiedenen Lokalämtern Arbeiterkanvidaten gewählt wurden. Statt sich nun aber in das Unvermeidliche zu ergeben und die vollkommen gesetzlich und mit großer Mehrheil gewählten Volksbeamten anzuerkennen, suchen die geschlagene» Bourgeois unter Mitwirkung der Behörden und Gerichte de» Gewählte» durch Infamien sondergleichen ihr Amt zu entreißen. Sie leiteten einen Prozeß gegen die Gewählte» ein, aus Grund eines in Kalifornien, wie in andern Staaten existirenden Gesetzes, wonach „die Wahl eines Kandidaten, der seine Wahl durch Versprechung oder durch Bestechling irgend welcher Art zu erlangen sucht, un- gültig ist und durch jeden Bürger beanstandet werden kann.« Nun haben die Kandidaten der kalifornischen Arbeiterpartei vor der Wahl versprochen, einen Theil des auf die betreffenden Aemter fallenden, übermäßig hohen Gehaltes in ven Countyichatz zurück- zuzahlen. Und dieses„Veisprechen" ist Seitens des Gerichtes erster Instanz als entgegen den Bestimmungen des oben ange- sührten Gesetzes betrachtet und in Folge dessen der Prozeß z» Ungunsten der Arbciterkandidaten entschieden worden. Die kalifornischen Arbeiter und insbesondere die von San Franzisko sind über dieses schurkische.Gcrichtsurtheil«. welches kurzer Hand die ganze gesetzmäßige Wahl anullirt, weil die- selbe für die Bourgeois nachthetlig ausgefallen ist,— erklärlicherweise im höchsten Grad erbittert. Dieselben sind auch durchaus nicht gewillt, sich von den Bourgeois ohne Widerstand vergewaltigen zu lassen. Der Arbeiterführer Kearny berief sofort nach gefallener Entscheidung eine Massenveisaminliinz, in welcher er erklärte: daß, wenn die Monopolisten die Erwäbl- ten der Arbeit um ihr Recht delrügc» sollte», wenn der friedliche Slimmzettel nichts mehr nütze, dann müßten die Arbeiter ihren Vertretern mit Dolch und Kugel zum Amt helfen.„Ich sage Euch,« fuhr Kearny fort,„allen Gerichthöfe»»nd Richtern diesseits der Hölle zum Trotz müssen diese Leute, wenn der Tag gekommen ist. in ihr Amt eingesetzt werden. Ich beschwöre Euch. haltet Euch bereit, denn die Beamten, welche wir erwählt haben, müssen in ihr Amt eingesetzt werde», und zwar mit Gewalt, wenn tiöthig. Ich meinestheilS, ich werde meiner Frau und meinen Kindern den Abschiedskuß geben, werde meint Rüstung anlegen und mich auf die Siraße begeben, bereit, die Leute, für die ich gestimmt habe, in ihre Armier einzusetzen... Wenn Ihr nicht den Muth zeigt, den ich von Euch erwarte, weidet Ihr ewig Sklaven sein Arbeiter! Eure Zeit ist gekommen Ich fühle e8 in allen meinen Knochen, daß es meine und Eure Pflicht ist, jene Leute in ihre Aemter einzusetzen. Macht Euch aus da? Schsimmste gefaßt, verseht Euch mit Kugeln, Aexlen und Pistolen. Keiner soll an jenem Tage zur Arbeit gehen. Ich weiß, ein»der zwei Tausend von uns werden getödin werden, aber auch alle Diebe werden vinkommen.« Und al« Stauch die Versammelten aufforderte, den Willen des Volkes um jeden Preis und durch alle Mittel durchzusetzen, stimmt ai Tausende bei und erhoben ihre Hände zum Geiöbniß. Man kann sich dem- nach, wenn die VouigeoiS nicht gutwillig nachgeben, auf Ernste« gefaßt machen. Natürlich wird die BourgeoiSpressc aller Länder und Zunge» eine» gewaltigen Spektakel aufschlagen über die sriedcnsbiecheri- schen, räuberischen, mörderischen kalisornticher Slibeiter. Unser« Genossen werden aber dann wissen, was sie von dem Geschwätz zu halten haben. Die Absurdität der Eniicheidinig des kalisor- nischcn Gerichts liegt auf ofsener Hand. Denn nach seinem Raisonneinent müßte auch jede Wahl annullirt werden, bei wel- cher die Kandidaten versprechen, die Gehälter der Beamte» zu reduziren oder üb« Haupt Eiiparnisse im Budget einzuführen, oder auch nur die berübmte„Retorin« anznstieben. Denn alles dies sind„Versprechungen und Bestechungen«, gemacht, um die Wähler zn bewegen, e.nem gewissen Kandidaten ihie Summen zu geben. Aber es handelt sich ja, wie unser amerikanisches Bruderorgan, die.,?!ew-Noiker Volkszcitung« t> essend nusssthrt. gar nicht um juristische Deduktionen. Die Sache liegt viel tief«. Es handelt sich bei den kalijornischen Machihabcrn eben einlach darum, welche Mittel anzuwenden sind, um einem Wahlersolg« der Arbeiter unter allen Umständen die Spitze abzubrechen. Dai ist es eben, was Jeder voraussehe» mußte, der weiß, daß eine herrschende Klasse noch niernnls ihre Macht gutwillig, i» friedlicher Weise ausgegeben hat, sondern immer nur der Gewalt ge- wichen ist. Dieselbe» Leute, die von den Sozialisten»nd Korn- mnnisten foitwährend nur als Mordbienner und Räuber sprechen und sie heuchlerisch aus den friedlichen Weg der„freien Wahl« als Mittel zu Erreichung ihrer Ziele verweilen, sind die ersten. die vor keiner Schurkerei zurückicheuen, wenn der Erfolg sich, aus dem von ihnen ernpsohlenen Wege, gegen sie selbst»nd ihre In- terfffen ausgesprochen hat. Zuerst versucht man es mit blödsinnigen Auslegungen der Gesetze seitens feiler und gesinnungsloser Richter, dann mit Fälschungen des Wahlresultates und schließlich mit— Gewalt. Und den Ansang damit hat man auf dem Boden gemacht, wo die Arbeiter zuerst in Amerika einen bedeutsamen und schwerwiegenden Erfolg errungen haben. Wir wollen sehen, was das Ende davon sein wird. Hoffentlich be- kommen die frechen Gewaltmenschen eine derbe Lektion, welche ihnen die Lust für ein andermal gründlich vertreibt. Jedenfalls hat sich das Volk noch nie mit mehr Recht erhoben, und wer kann ihm Unrecht geben, wenn es, um den„gesetzlichen Weg" detrogen, zum Letzten greift? — Ein glänzender Arbeitersieg ist in der bedeu- tenden Fabrikstadt Fall River in dem industriellen Haupt- Aankeestaat Massachusetts errungen worden. Seit Monaten waren die dortigen Spinner und Weber mit den Fabrikanten im Kampf gegen Lohnherabsetzung und der Hunger hatte schon theilweise zu Gunsten der Fabrikanten entschieden. Da kamen die Staats- und Stadtwahlen und predigten den Her- ren ein grelles Memento in die Ohren. Der«Fall River Standard» schreibt: „Der letzte Wahltag in Fall River war ein roth angestri- chener Tag in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Ihre Plal- form war die fortgeschrittenste, ihre Kandidaten waren die besten und ihr Sieg war da? Einschneidendste, was in den letz- ten 25 Jahren geschehen ist und Einigkeit war das Kenn- zeichen des ganzen Vorgehens. Der großartige Triumph des arbeitenden Volkes über den„Board of Trade" zeigt nur. was möglich ist, wenn die Arbeiter einmal sich durch nichts mehr trennen lassen— nicht mehr durch Nationalität, Religio» und andere Unterschiede, welche in den Händen ihrer Feinde als das wirksamste Mittel dienen, um zu theilcn und zu Herr- sehen. Drei Arbeiter- Repräsentanten und ein Senator zur Staats-Legislatur erwählt— der alte heldenmüthige Agitator Thomas Webb, ein bei der Arbeit ergrauter Weber als StaatS-Senator erwählt— dieses glän- zende Resultat sollte den Arbeitern deutlich zeigen, was ihre Einigkeit vermag. Aller Reichthum, alles Ansehen und aller gesellschaftliche Einfluß war gegen das Arbeiter-Ticket; aber Organisation und Einigkeit hat doch mehr ausgerichtet. Und doch waren alle Kandidaten arm und konnten sich nicht erlau- den, Stimmen zu kaufen, wenn sie es auch gewollt hätten— und dennoch haben sie die Stadt-Wahl mit 12,000 Stimmen Mehrheit erobert!" Dieser Sieg ist. nach einer richtigen Bemerkung unseres Bruderorgans, der„Tagwacht", von großer Bedeutung für die Arbeiterbewegung in den Verein. Staaten und zwar deßhalb, weil er gerade in dem bedeutendsten der Neu-Eng'and-Staaten und von Anglo-Amerikanern errungen wurde. B>S jetzt hat in den Verein. Staaten das deutsche Element die sozialistische Jni- ziative. namentlich in politischer Beziehung, geführt. Die Bour- geoisblätter wurden auch nie müde, darauf hinzuweisen, um die Bewegung in den Augen der nationalstolzen anglo-ameti- kanischen Arbeiter herabzusetzen. Dieser politische Sieg im Her- zen der eigentlichen Nankeestaaten wird ohne Zweifel unter der englisch-redenden Ardeiterschaft ähnlich zünden, wie der große Eisenbahnstreik im Juli 1877 und er verkündet uns einen baldigen bedeutenden Aufschwung der sozialdemokratischen Bewegung m allen Ländern. Berichte. * Aerkiv, 21. Dezember. Ausweisungen und HauS- suchungen sind nach den Berichten hiesiger Blätter seit der Prolongation de« kleinen Belagerungszustandes an der Tages- ordnung. So wurden in dieser Woche abermals zwei Personen, die Tischlergesellen Pommer und Gente, ausgewiesen und haben dieselben bereits am Mittwoch Berlin verlassen. Ersterer ist Familimvater, der letztere ledig. In den letztvetfiossenen twei Wochen find bei einer großen Anzahl der Sozialdemokratie ver- dächtiger Personen— mehr als 30—, hauptsächlich in der Gegend de« vierten Rcichstagswahlkreises wohnend, Haussuchungen, und zwar überall, wie gewohnt, mit negativem Erfolg, abgehalten worden; trotzdem fanden mehrfache Verhaftungen statt. RR. Aus Hellerreich Angara, 17. Dezember, lieber- schwemmung, Mißjahr, Okkupation und um all das Elend voll- zumachen, das Regime de» kalvinistischen Papste« Koloman Tisza — da« fängt an, selbst dem Geduldigsten unerträglich zu werden. Jammer und Elend, überall HungerSnoth und dabei die Zwang«- eintreibung der Steuern beim armen Mann, dessen letzte Kuh au» dem Stalle fortgetrieben wird! Das sind die Zustände wie sie sich bei uns jetzt wiederspiegeln. Die Gährung in der länd- lichen Bevölkerung hat infolge dessen schon einen hohen Grad erreicht. Allein an eine Nutzbarmachung deiselben zum Besten der Befreiung des Volkes ist noch nicht zu denken; denn die ordnende Hand, welche die explosiven Kräfte nach der richtigen Direktion leiten könnte, fehlt noch vollständig. Denn die Sozial- demokratie spielt in Ungarn noch eine sehr untergeordnete Rolle und zwar zum Theil aus eigener Schuld. Namentlich der Um- stand, daß die an der Spitze der Bewegung stehenden Deutsch- Ungarn de« magyarischen Idioms meist nicht mächtig sind, trägt viel dazu bei, daß die Bewegung nur auf einen ziemlich eng- gezogenen Kreis beschränkt bleibt, und keine politische Bedeutung erringen, noch Fortschritte machen kann. Bei dieser Slagnat-on war da«, wa« sonst einer Parteibewegung zum größten Schaden gereicht, die Jndisziplin und Spaltung, gewissermaßen als Ge- winn zu betrachten, indem durch die sich in sozialistischen Kreisen gegen da« Phlegma des GroS der Partei erhebende Opposition mehr Leben in die Bewegung kam. Freilich- hat leider diese Opposition sich durch Fraktionshaß zu Schritten verleiten lassen, die keineswegs zu billigen sind und mehr als einmal der Bour- geoisie ein grimmiges Behagen verursachten. Eine« muß dieser Opposition jedoch nachgerühmt werden: sie machte einen, wenn auch bescheidenen Anfang zur Gründung einer magyarischen so- zialistischen Literatur, und in neuerer Zeit bot sie den Anhängern der„Wochen- Chronik" die Hand zum Ausgleich. Hoffentlich werden alle ungarischen Sozialisten, welche es mit der Bewegung ehrlich meinen, Alles aufbieten, um den Ausgleich zu Stande zu bringen. Unterdessen läßt Minister TiSza die an ihn von einem Depu» tirten der äußersten Linken im Interesse der Vereinsfreiheit einge- reichte Interpellation gcmüthlich in seinem Pulte ruhen. Das Gesetz schreibt vor, daß eine Interpellation innerhalb 30 Tagen beantwortet werden müsse. Aber wird es Tisza überhaupt noch 30 Tage tr iben? Dies ist keineswegs sicher. Der Rabagas Ungarns hat schon zu viel auf dem Kerbholz. Er, der früher auf der Oppositionsbank von Freiheitsphrasen a:-fgeblasen wie ein pneumatischer Polster sich breit machte, ist zu einem lakaien- haften Handlanger der Wiener Kamarilla zusammengeschrumpft. Die Hofpartei hat das Ventil des falschen Gummibusers abge- ichraubt und die schöne Plastik des Gebläses ist sutsch. TiSza ist nichts mehr weiter als die nickende Pagode der Wiener Ka- marilla. Wahrlich, Kossuth hat Recht, wenn er sagt: Der un- garische Reichstag ist nicht» al« ein RegistrationSbureau; die Politik wird in der Wiener Hofburg gemacht und der jeweilige Reichskanzler hat nur das zu vollführen, was man ihm dort vor- schreibt.— Doch ich muß dem nichtösterreichischen Leser auch den Begriff Kamarilla ein wenig erklären. Unter Kamarilla versteht man hierzulande jene Clique erzherzoglicher Gamaschcnhe'den oder gamaschenheldnerischcr Erzherzoge, an deren Spitze der berüchtigte Erzherzog Albrecht, ein Soldatenschinder erster Sorte, steht. Diese Clique war seit Langem, Dank den militärischen Niederlagen Oesterreichs, zum Schweigen verurtheilt. Doch seitdem man sich in Bosnien ausnahmsweise keine Blamage geholt, sondern die Häuflein Guerillas glücklich mit Aufwand einiger Armeekorps zerstreut hat, fühlt man sich wieder al« erste Armee der Welt, und die säbelrasselnde Kamarilla beginnt wieder dreist zu werden. Die Reaktion macht sich wieder nach Herzenslust breit, und seit Bach hat es keine solche schamlose Unterd ückung des öffentlichen Geistes gegeben, wie jetzt. Es scheint wahrlich, daß Oesterreich wieder Schläge braucht, damit es zu leidlicheren Zustände kommen kann. Schade nur, daß diese Schläge immer das Volk und nicht die wirklichen Schuldigen zu fühlen bekommen, die schon so viel Unheil über unser Volk gebracht. — Mizza, 12. Dezember. Zum ersten Mal erhalte ich den „Sozialdemokrat", mit der freundlichen Aufforderung, Mitarbeiter Ihre« werthen Blatte« zu werden. Ueberglücklich, durch Sie wieder Fühlung mit der deutschen Sozialdemokratie zu erlangen, nehme ich mit Freuden Ihr Anerbieten an und werde von nun an regelmäßig mein Kontingent zur Mitarbeiterschaft des„Sozial- demokrat" liefern. Bevor ich aber in Ihre Reihen eintrete, ist vielleicht eine kurze Prmzipienerktärung meinerseits geboten, da ja bald ein Jahrzehnt verflossen ist, seitdem ich Deutschland ver- lassen habe. Demokrat, Sozialist und Revolutionär, will ich die Emanzi- pation des vierten Standes und durch das Proletariat die Be- freiung der Menschheit au« Jahrlaufend alter religiöser, politi- scher und ökonomischer Fessel. Die politische Fessel ist und war die Monarchie, die Aristokratie, die Oligarchie: der Zukunft ent- spricht die Demokratie, die sich nie entäußernde direkte Volks- Herrschaft. Die ökonomische Fessel hieß im Alterthum die Skla- verei, im Mittelalter die Leibeigenschaft, in der Jetztzeit das Lohnsystem; genossenschaftliche Arbeit, Erklärung de« Grund und Boden« zum Gemeingut, sowie Abschaffung de« individuellen Eigenthums an allen Produktionsinstrumenten ist heute schon da« Losungswort der Denker und Arbeiter, morgen wird der reali- strte Kollektivismus das physische Elend de« Proletariats und den Parasitismus der Bourgeoisie ausrotten. Die religiöse Fessel ist und war unter verschiedenen Namen der SpiritualiSmut. d. h. jene dualistische Auffassung de» Weltall«, die, Geist und Materie trennend, soviel unsägliche« Leid über die Menschheit gebracht. Wie konnte dem auch ander« sein, da Geist und Köiper im fortwährenden Wettstreit um die Hegemonie rangen? Der So- ziali»mus ist monistisch und huldigt einer rein atheistssch materia- listischen Moral, bei der Körper und Geist als untertrennliche und gleichberechtigte Faktoren de« menschtichm Organismus in und durcheinander wirken. Wer hier Gott und Unsterblichkeit vermißt, dem rufen wir da« schöne Wort Gölhe's in'« Ge- dächtniß:„Der Materialismus verkörpert ven Geist und durch- geistigt den Körper."— Auch die untergeordnete Stellung, die die heutige Gesellschast der Frau anweist, verdanken wir vor- zugsweise dem Spiritualismus. Der Spiritualismus predigt den Haß de« Fleisches, folglich Verachtung der L-ebe und de« WeibeS. Der katholische Jungfrauenkultus hat eine tiefere sym- bolische Bedeutung al« Mancher ahnt; denn indem er die Jung- fräulichkeit über Alle« erhebt, erniedtigi er das Weib, dessen Liebe zum Manne nur durch die christliche Ehescgnung ihre theil- weise Entschuldigung findet. Der Sozialismus hingegen will Befreiung der Liebe au« den Banden des Mammon« und de« Vorurtheil«, der Sozialismus will vollständige Gleichberechtigung beider Geschlechter in politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Beziehung.— Mit anderen Worten: der Sozialismus will die Republikanisirung de« Staats, der Produktion und der Familie, d. h. die demokratisch-sozialistische Republik mit allen ihren lo« gischen Konsequenzen!— Der seit fünf Tagen über ganz Frankreich wüthende Schnee- stürm hat Nizza gänzlich vom Verkehr mit dem übrigen Frank- reich abgeschlossen, und sind wir daher hier in der krassesten Ig- noranz über die letzten„ManoeuvreS", die unsere Herren Depu- lirten auf dem parlamentarischen Trape, exekutirt haben. Soviel geht aber auS den früheren Verhandlungen zur Genüge hervor, um mit Zuversicht behaupten zu können, daß die jetzige Nationlll- Versammlung absolut unfähig ist, irgend eine der schmebenden TageSfragen im Sinne der Demokratie zu lösen, und daß die Amnestie der Republikaner, diese Lebensfrage für die Republik, wieder ad calendas grsecas vertagt ist. E« tritt somit drin- gender als je die Pflicht an das demokratische Volk Frankreichs heran, für die sofortige Auflösung seiner verrätherischen National- Versammlung zu agitiren und auf möglichst baldige Neuwahlen zu dringen. Die jetzige Nationalversammlung hat ohnehin schon- längst aufgehört, den Willen Frankreich« zu repiäsentiren, da« vor zwei Jahren durch die Wiederwahl der 363 blos seinem Widerwillen gegen die Mac-Mahon'schen Staatsstreichgelüste den schärfsten Ausdruck geben wollte. Obwohl die wiedergewählten 363 schon bei ihrer ersten Wahl im Februar 1876 in über- w legender Majorität ihren Wählern versprochen hatten, für die volle Amnestie, für die Trennung von Staat und Kirche, für die Herabsetzung der Militärpflicht k. jc. zu stimmen,— find heute noch all diese Versprechungen todter Buchstabe! Der Ver- raih der 363 ist somit offenkundig und da» Volk muß bei dm nächstm Wahlm, damit die Republik nicht für immer eine in haltslose Form bleiben soll, nur Denjenigen seine Stimme geben. die sich kontraktlich verpflichten, seine Forderungen getreulich au& zuführen. Der feierliche und über alle Beschreibung enthusiastische Ew' pfang, den das arbeitende Frankreich allerorts den zurückkehrenden Kommunards bereitete, der Triumphzug deS edlen Blanqui i» Marseille, sowie die Wabl der Sozialisten Roques in Puteaux, Humbert in Paris, Garel in Lyon und Cheri in Lille sind spre chende Zeugen deS wiedererwachten revolutionären Geiste« und uns eine sichere Bürgschaft, daß eine heute aus allgemeinet' Wahlen hervorgehende Nationalversammlung wenigstens Hinsicht' lich der Amnestie den Wünschen der Demokratie gerecht würde. Die zukünftige Nationalversammlung müßte jedoch, um i* Frankreich durch Erlassung einer vollen Amnestie eine neu« und wahrbaft republikanische Aera zu inauguriren, zuvörderst rückhaltlos an die exemplarische Züchtigung der Henker unk Schergen der Kommune schreiten. Das verletzte nationale Gr wissen. die Gerechtigkeit und die öffentliche Ordnung verlangen gebieterisch die Amnestie der Sozialisten, die Bestrafung der neu- kaledonischen Henker und die Landesverweisung der Kronpra- tendenten! Mit Gruß und Handschlag allen deutschen Parteigenossen Friedrich Stacketberq. Eingesandt. Geehrte Redaktion! Ich ersuche Sie, nicht nur in meine« eigenen Namen, sondern in dem vieler hiesigen Genossen, welche über die elmden Verdächtigungen unserer bewährtesten deuticyett Genossen(Liebknecht, Bebel, Vahlteich u. s. w.) in der„Freiheit� empört sind, diese Zeilen in unserem Parteiorgan„Sozialdemo' kral" zu veröffentlichen, damit unsere Genossen in Deutschland wissen, daß die hiesigen Genossen keineswegs alle mit dem Trei' ben einer gewissen Clique einverstanden sind. Die„Freiheit" h« die Aufnahme verweigert. Wir sind der Zlnschauung, daß sich unser Genosse Liebknecht jederzeit als ein prinzipientreuer Vorkämpfer der Sozialdemokratie gezeigt hat und zwar heule so gut, als ehedem. Er und unsere übrigen deutschen Genossen handeln durch ihre kluge Besonne»' heit jedenfalls viel mehr im Interesse der Partei, als gewisse Leute, welche unaufhörlich und mit großer Wichtigkeit die alten Revolutionsphrasen wiederkäum, sonst aber nichts als Hetzen und Unwissende sanatisiren können. Der unqualifizirbare Artikel über Liebknecht in Nr. 47 der„Freiheit" hat zahlreiche hiesige Genossen empört und die Redaktion der„Freiheit" sowohl alt! auch die Mitglieder der Preßkommtssion haben dafür von zahl' reichen hiesigen Genossen schon verschiedene unangenehme Dinge zu hören bekommen. Wir sind über dies Treiben um so auf- gebrachter, als in unserem Verein seit der Anwesenheit gewisser Leute und durch deren Hetzerei und Eigenmäch igkeit beständig Streit und Zwietracht herrscht. Alle Versuche, diese Leute zur R chenschaft zu ziehen, sind aber bis jetzt gescheitert, indem ei denselben infolge der Unerfahrenheit vieler Mitglieder und de§ ständigen Wechsel« derselben gelang, diese unter ihrem Einfluß zu halten. Bringen dann einige Mitglieder eine entsprechende dem wüsten Treiben ein Ziel setzende Tagesordnung ein, so sin- den sich sofort einige Schreier, welche Uedergang zur Tagcsord- nung beantragen; und hier wie überall gibt es dann Leichtgläv- bige genug, elche hohle Schwätzer für große Männer halten und ihnen zu Gefallen stimmen. Das Noihwendigste in unserer Bewegung, die prinzipielle Aufklärung und Durchbildung fehlt hier vollständig. Es wäre besser, die„Freiheit" beschäftigte sich damit, anstatt mit der Verdächtigung und Schulme.sterung der deutschen Genossen und ihrer Bestrebungen und der Erfindung neuer Ktaftworle. Wenn die„Freiheit" so wirkte, dann würde sie auch lebe- s- fähiger sein als sie ist, nicht nach einjährigem Bestehen nur 763 zahlende Abonnenten— i„ London selbst nur 89 zählen und nicht gezwungen sein, durch öffentliches Ausschreiben 200 Abonnente» zu suchen, damit sich das Blatt decken könne Tann würde die „Freiheit" auch zum Besten bei Partei wirken und derselbe» neben dem„Sozialdemokrat" willkommen sein können. Un aber das zu bewirken, dazu gehört vor Allem ein guter Wille und deßhalb neue Personen; dazu gehört vor Allem, daß sich die hiesigen Genossen aufraffen und sich von der Herrschaft jener ränkesüchtigen Clique befreien, welche dahier schon soviel Zwie- ttacht und Unheil gestiftet hat. Fort mit Personen, es lebe die Sache! Emil S cd tele, 7.0 Castle Street Berners Stret W. Nach Schluß de« Blatte» eingetroffen: y, Magdeburg, 23. Dezember Nachts(Telegramm). Tie soeben beendigte Stichwahl hat ein glänzendes Resultat für uns ergeben. Allerding« vermochten wir, wie vorauszusehen' der Macht der vereinigten„Ordnungspartei" gegenüber unser» Kandidaten nicht durchzusetzen. Aber wir vereinigten auf ih» mehr als tausend Stimmen mehr al« in der letzte» Wahl vor dem Sozialistengesetz: nämlich 7312 gege» 8453 liberale Stimmen. Ein wahrer Pyrrhussieg für die „Ordnung", denn ihre Anhängerzahl fiel während der Dauer de« Ausnahmegesetzes von 13,060 auf 8453, während sich die unsere von 6253 auf 7312 erhoben hat.— Hoch die Sozial' demokratie! Aür den Anterstützungsfouds sind eingegangen: Vom 15. bi« 21. Dezember: Leipzig 47.15; S., Leipzig 20.—) Altcnburg 10.—; Genossen in Port«. I.Sendung 2.>.—; Letvzig N.—! Stuttgart 25.—; Z., Verla a. d. Werra 5.—; Leipzig 2.40; Dortmund 4—; Mannheim 18.12; Weihuachtsfrettde, Leipzig 5.—; Mit de« Motto: Für Freiheit, Menscheitrecht Sei diese kleine Gabe, Der Tyrannei zum Trotz, Dem Armen eine Labe. Verlieret nicht den Muth Trotz Kerker und der Frkmd, Denn diese Mörderbrut Nimmt noch cm schteckte« End, Nürnberg 60.—; Birnbaum 5.—; I, Leipzig 2—; Speyer 50.—> Leipzig 100—; WeihnaAtsfreudc, Leipzig 3.50; B., Hamburg 18.—! Hamburg 14.30; Hamburg 15.—; Dortmund 5.—; Potsdam 3.60! Fr., Leipzig 1.—; Fronkenhausen 20—; Strostburg 8.63 Mark. Aür den Magdebnrger Maßlfonds sind eingegangen! 85.60 Mark. Schioeiz. verewldnchdrueerei Honingen.Zttoch.