Hrschemt W öchentl ich einmal in Zürich(Tchweiz) Perlai «. Hertcr. ZndustrtehaUe SiirSbach-Zürilb K»ßst»>uilit» sr«nl« gegen franc». Gewöhnliche Briese nach der Schweiz losten Doppelporto. Kr SoMemokrat Internationales Oraan der Sozialdemokratie deutscher Zunge Abonnements werden nur beim Nerlog und beste» bclannten Agenten ent- gegengenommc» und zwar zum - voraus zahlbaren VierteljahrsprciS von: Fr. 2.— für die Schweiz Ml. S.— für Deutschland((Eounett) st. 1. 70 für Oesterreich(Souutri) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereins iiirenzband). Inserate Die dreigespaltene Petitzeilc 2b GIS.--- 20 Psg. R? 7. Sonntag, 15. Februar. 1880. Aiia»» die Korrespolldelltea und Abollnenlell de«„SofialdemoKrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw verfolgt wird und die dortigen Behörden stch alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorfichtsmaßregel versäumt werden, die Brieimarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgendeine unverdächtige Adresie außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unw-rfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufS größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent- gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Beim„Sozialdemokrat" find weiter folgende Gelder eingegangen: 13. Liste. Leipzig 2,60; Hannover 15,—; Cassel 11,—; AugSdurg 14,—; Leipzig 3,—; Duisburg 10,—; Baichen 2,20; Ottensen 4,—; Fr. 30,—; Mainz 8,—; Dresden 50,—; 20,—; Nizza 16,—; Botenlohn Leipzig 1,—; Trankfurl a. M. 160,—; Cöln 15,—; Nordhausen 5,—; Eutrchsch bei Leipzig 3,—; Hanau 30,—; Leipzig 1,—; Maulbronn 3; Hamburg 7,30; ilu« Rord-West S,—; Kalk bei Köln 6,25; Naumburg 2,30; Neustadt im Schwarzw.— ,60; Schweidnitz 3,65; Dresden 3,—; Aus Nord. West 60,—; Mühlhausen i./Th. 3,—; Ernstthal 3,—; Nürnberg 33,—; Brandenburg 5,—; Köln 100,—; Berlin 819,—; Cassel 9.—: Leipzig 6,—; Leipzig 2,—; Gr. Auheim 5,—; Meidling bei Wien 6,—; Leipzig 3,—; Zeitz 2,—; Großschirma 3,10; Buchholz i/E. 6,—; Dortmund 20,—; Dessau 10,60; Wechselburg 3,—; München 11,75; Brundöben 5,—; Elberfeld 6,—; Gießend,—; Gotha �.25; Frankfurt a. M. 5,—; Großenhain 15,50 u. 1,50; Stuttgart 30,—; Miitweida 10,—; Sachsenhansen 15,—; Leipzig 2,40; Paris 2. Rate 68,—; ®eta 80,—; Gollnow—,50; Rendsburg 10,—; Leipzig 5— und 6,—; München 50,—; Braunschweig 15,—; Jnowraclaw 1,30; Mainz 40,—; Mainz 36,60; Forst i /L. 10,—; Leipzig—,90; Bielefeld 16,—; Gelcnau Marburg 12,60; Deutscher Arbeiterverein WädenSweil 8,06; Deutscher Arb.,Bild..Ver. Lüttich 14,40; Stackelberg Nizza 7,20; Elberfeld 3. Sendg. 8ort mit den Personen, die stets Zwietracht ssäcn, es lebe die Sache 10,— Zusammen 1995,56 Matt. Wöchentliche S c l b st b e steu e run g zu Gunsten der Opfer des deutschen Sozialistengesetze»: Sammelbogen 1 Zürich 24. Januar 5 Fr.; 31. Januar 8 Fr. 35; 7. Febr. 5 Fr. 55 CiS., zusammen 18 Fr. 90 Ct«.= 15 Mark. 13. Liste Gesammtbctrag Mk. 1995, 56 „„ Wöchentl. Selbstbesteuerung„ 15,— Früher eingegangen 7461, 50 Gesammteingang Mk- 9472, 06 Ueber Nacht. Ihr lacht, ihr lacht! Dem Simsen Volk, einst mächtig, Wie schart ihr niederträchtig Das Haar, doch wächst es prächtig Aufs Neue über Nacht. Gebt Acht, gebt Acht! Trotz euerm Mittelalter Mit Schwertern und mit Psalter Schwingt sich der Freiheit Falter Ans Licht doch über Nacht. Nur sacht, nur sacht! Trotz aufgeregter Brandung An starrer Felsenwandung, Des Geistesschiffleins Landung Geschieht doch über Nacht. Erwacht, erwacht! Es naht mit Sturmgetose Ein Heiland oder Mose, Des Friedens bleiche Rose Wird blutig über Nacht. Steht Wacht, steht Wacht! Der Ncbelgeist des Brocken Zerfließt, ihr hört erschrocken Statt Friedens- Sturmesglocken— So tagt die letzte Nacht! Reichstagsnachwahl im 17. sächsischen Wahlkreis. Um Klarheit zu schaffen und eine gemeine betrügerische Aus- utung des Nothstandcs der armen Bevölkerung dieses Wahl- leises durch unsere Gegner von vornherein unmöglich zu machen, !jat Liebknecht im lächsischen Landtag eine Juierpellation an den Minister des Innern gerichtet: ob es wahr sei, daß diejenigen lächflschxn Staatsbürger, welche anläßlich des herrschenden Roth- Landes außerordentliche Unterstützungen— aus privaten oder /ffentlichen Mittel»— erhalten, aus Grund dieser Unterstützung HK den Wählerlisten für die Reichsiagswahl gestrichen, d. h 'hres Wahlrechtes verlustig erklärt werden sollen? Ter Minister s">twortcte hierauf gewunden und mit allem möglichen Vorbehalt: �wieweit Unterstützung aus öffentlichen Mitteln vorliege, "''Ise er nicht und müsse er sich diesbezügliche weitere Beant- Ortung vorbehalten; dagegen solle und könne wegen Annahme von Unterstützungen aus F�rivatmitteln "iimand das Wahlrecht entzogen werden. «t. Diese Antwort entspricht bezüglich ihres letzteren Theils nicht __ ,"Ur den Forderungen der Billigkeit, sondern auch der klarsten, �zweideutigsten Gesetzesvorschriften. Trotzem ist es, Angesichts der Rücksichts- und Gewissenlosigkeit unserer Gegner in der Wahl ihrer Mittel gut, daß alle Wähler von dieser Antwort Kenntniß erhalten, sowie daß sich nach öffentlicher Auslage der Wähler- listen jeder einzelne Wähler davon überzeugt, ob man nicht seinen und seiner Bekannten und Gesinnungsgenossen Namen trotzdem auf Grund der Annahme derartiger privater, d. h. nicht aus Mitteln des Armenfonds herrührende Nothstands-Untcrstützungen aus der Wählerliste gestrichen oder„vergessen" hat! Die Wähler- liste muß aufs genaueste kontrolirt und überhaupt unfern Geg- nern scharf auf die Finger gesehen werden. Die Wahl ist auf den 2. März festgesetzt. Diese Andeutungen werden genügen, um unsere Genossen im 17. Wahlkreis zur Entfaltung der lebhaftesten, wenn auch ge- räuschlosen Agitation, die Genossen allerorts aber zur eiligsten Sammlung von Geldern für den Wahlfonds anzueisern. Ohne Müh', ohne Opfer, ohne Kampf kein Sieg! Zahlen reden. i. Jüngst ging die Mitthcilung durch die Presse, daß ein preu- ßischer Professor einen der duftigsten, gefühlvollsten Verse Schiller's in die Zwangsjacke einer mathematischen Formel gesteckt, sie in einer trockenen Zahlen- und Buchstabenreihe ausgedrückt habe. Und alle Welt lachte über den Schulfuchs, dem die dürre Haide der Bücherweisheit heimischer und einladender dünkte, als die lachende Flur dichterischer Formenschönheit. Trotzdem aber ist nicht zu leugnen, daß in den Zahlen trotz ihres trockenen, einförmigen, geistlosen Ansehens ein eigener Zauber, eine eigene Gewalt liegt. Worte lassen sich deuten, pressen, ziehen, dehnen, durch geschickte Interpretation und gewandte Form in ihr Gcgentheil verwandeln; mit Worten läßt sich trefflich streiten, mit Worten l ssen sich Systeme und Theorien bereiten. Weniger biegsam sind die Zahlen; es liegt etwas Bestimmtes, Massives, Unbewegliches, Halsstarriges in ihnen, das der Sophistik, der Aus- und Unterlegungskunst spottet. Das Wort läßt sich jeden Augenblick von jedermann als dienstwilliger Sklave für und gegen gebrauchen; die Zahlen haben mehr Selbstständigkeit, mehr Charakter— sie dienen wohl bisweilen als Miethstruppen, sind aber doch allezeit rechte und feste Mär.ner, deren Kraft nur auf den rechten Weg gewiesen zu werden braucht, um unwiderstehlich zu wirken. Und deshalb finden wir die Idee jenes Professors, vergäng- liche und drehbare Worte in Zahlenreihen zu fixiren, doch nicht ganz so lächerlich. Freilich dünkt uns ihre Anwendung auf die Poesie weniger geschmackvoll und zulässig; denn der Zwang ist der Tod des dichterischen Genius. Desto besser eignet sich die Spracht der Zahlen aber für das große Gebiet der Gesellschaft?- Wissenschaften, in denen es sich nicht um Phrasen, um Willkür- liche Annahmen, sondern um konkrete Thatsachen handelt. So kann unsere heutige Gcsellschastsverfassnng gar nicht tref- ferder charakterisirt und kritisirt werden, als durch einfache, trockene Zahlenreihen und wer diese nur zu lesen versteht und verständig und vorurtheilslos genug ist, die sich aus ihnen ergebenden Konseqnenzen zu ziehen, für den sind die Aufstellungen unserer amtlichen Statistiker die besten Lehrbücher des Sozialismus. Greifen wir, um die Richtigkeit dieser Behauptung zu zeigen, einige statistische Zahlenreihen aufs Geradcwohl heraus. Die väterliche preußische Regierung hat neulich, gelegentlich der Berathung über die„Staatshülfe" für die Nothleidenden in Oberschlcsien, das Normalbedürfniß eines deutschen„Unterthans" auf 20 Pfennige täglich geschätzt, d. h. auf weniger, als der nächstbeste Landjunker auf die tägliche Ernährung einer seiner Hunde zu verwenden pflegt. Die hungernden Weber des sächsischen Erz- gebirges, die Nothleidenden der Rhön, des Spessarts, des Sauer- landes, des Oden- und Westerwalds, des Eulengebirges und wie die Gauen des glücklichen Teutschlands alle heißen, in denen der Hunger sein eisernes Szepter schwingt: sie weiden alle kaum viel mehr für ihre tägliche„Ernährung" autwenden können. Zchntauienden und Hunderttausenden von ländlichen und indu- striellen Arbeitern in nicht nothleidenden Gegenden aber geht es mir Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit, oder die Geringfügigkeit der Löhne und die Höhe der Lebensmittelpreise und der Steuerlaste» auch nicht viel besser. Und während so ein großer Theil des Volkes und zwar ge- rade der arbeitende, produzirende, die herrschenden Klassen er- haltende und ernährende über alle Maßen enibehrt und hungert und langsamer oder schneller verhungert; während so das Funda- incnt und Hauptmaierial der Gesellschaft krankt und wankt: wie leben zur selben Zeit die Beherrscher und Ausbeuter des Volkes? Tie amtlichen Statistiken nennen uns neben den 7,251,927 oder 81 Pro;, auf der tiefsten Einkonimensstufe(durchschnittlich 190 Thlr. Jahreseinnahme) Stehenden 1,197,399 Personen oder 13� Proz., welche durchschnittlich 420 Thlr., 291,436 oder 3'/� Proz., welche 880 Thlr. und 159,238 oder l4� Proz., welche 3000 Thlr. und darülaer bezichen. Bon diesen letzteren nun ist wieder nur nur eine Uerhältnißmäßig geringe Zahl unter die eigentlichen Reichen zu rechnen,— diese aber lebt dafür um so verschwenderscher. 189 Personen beziehen jährlich 24—32,000 Thlr., 89 32-40,000, 37 40-52,000; 12 Personen haben 80-100.000, 8 100-120,000, 3 140-180,000, 5 180 bis 200,000 und 17 von 240,000 bis zu mehreren Millionen Thaler Einkommen. Die 205 reichsten Personen in Preußen haben ein Jahreseinkommen von 25 Mill. Thlr. oder 7 5 M i l- lionen Mark. Es hat demnach durchschnitlich jeder dieser 205 täglich tausend Mark oder soviel als fünftausend arme Schlcsier zu verzehren! Oder wenn wir einen all- gemeineren Maßstab anlegen und 570 Mark als Durchschnitts- Jahreseinkommen von 81 Proz. des preußischen Volkes annehmen, so bezieht immer noch einer jener 205 Reichsten für sich allein soviel als 641 Angehörige des Volkes zusammengenommen, obgleich letztere fleißige Arbeiter sind, ersterer aber in der Regel ein Faullenzer ist! Bismarcks amtliches und Privateinkommen wird auf mindestens 800,000 Mark jährlich geschätzt, wobei seine freie Wohnung, der vortheilhaste Verkauf seiner Papierfabrikate an die Staatsbehörden und dgl kleine Nebenvortheile noch gar nicht in Betracht kommen. Der Hohenzollernkaiser aber bezieht gar gering gerechnet 12 Millionen pro Jahr, was einem„Taglohn" von nicht weniger als 35,416 Mark gleichkommt. Für diese Summe könnten nach der Berechnung derRegierung täglich mehr als 187,000, nach demgeringstenDurchschnittssatz desEinkom- mens aber 985 Menschen ein ganzes Aahr lang ernährt w erden, während sie jetzt an einen einzigen Menschen verschwendet wird, welcher entweder für das Wohl des Gemein- wesens nur schädlich, im besten Falle vollkommen unnütz ist! Und ähnliche Zustände herrschen in allen heutigen Staaten— in manchen Noch ärgere. Der König von Würtemberg erhält jährlich 1 Million, der von Bayern 2,350,000, der österreichische Kaiser 10 Millionen Gulden, die Königin von England 8,658,480 Mark, der Zar 8,866,599 Rubel. Die sechs höchstdotirten euro- päischcn Potentaten verschwenden zusammen an einem Tage so viel Geld, als 500 Arbeiterfamilien das ganze Jahr über zum Leben brauchen. Der verstorbene Pariser Bankier Rothschild hinterließ nach Angabe des Fürsten Bismarck über 500 Millionen Thaler, sein Vetter in Wien einige Hundert Millionen Gulden(die An- gaben schwanken zwischen 220, 300 und 500 Millionen); über den fabelhaften Reichthum der Londoner Rothschild ist noch in den letzten Jahren bei großen Finanzoperationen und mit orien- talischem Luxus gefeierten Familienfesten öfter in der Presse be- richtet worden. Als Frankreich vor einem Lustrum in einer ein- zigen Anleihe zu nicht ungünstigen Bedingungen einige Milliarden Francs zu beschaffen vermochte, um seine Kriegsschuld an das deutsche Reich zu bezahlen, da erregte dieser Kredit eines reichen Großstaates das Staunen der Welt. Das internationale „Haus" Rothschild kommandirt nach mäßiger Schätzung allein über die gleiche Summe von Milliarden Francs, über die gleiche Summe also, mit der es den ganzen Grundbesitz manches europäischen Königreichs aufkaufen könnte. Muß es nicht ein geradezu wahnsinniger Zustand der wirthschaftlichen Verhält- nisse sein, der es einer einzigen Familie möglich macht, binnen rund 70 Jahren einige Tausend Millionen Mark zu „verdienen"? Und der immense Reichthum dieser Börsenfürsten steht nicht vereinzelt da. In New-Bork schätzt man den Vermögcnszuwachs, welcher einzelnen dortigen Großkapitalist n durch die Erfolge des Geschäftsjahres 1879 zu Theil geworden ist, auf folgende kolos- sale Summen: für die Vanderbilt 30 Millionen Dollar, für Jay Gould 15, für Rüssel Sage 10, ebenso viel für Sidney Dillon, für James R. Keene 8, für Drexel Morgan u. Co 2 Millionen Dollars:c. Dies macht zusammen im Ganzen für etwa zehn bis zwölf Firmen ein Geschäftsprofit in einem einzigen Jahre von 80 Millionen Dollars. In einer einzigen Straße New- Nocks, der fünften Avenue, wohl der reichsten der Welt, wohnen nicht weniger als 16 vielfache Millionäre, deren Jahreseinkommen sich folgender- maßen stellt: Rhinlander 3 Millionen Tollars, Marshall O'RobertS 5 Mill., Moses Taylor 5 Mill., August Belmot 8 Mill., Rod. L. und A. Stewart 5 Mill., Frau Parau StevenS 2 Mill., Ainos R. Eno 5 Mill., I. und W. Astor 60 Mill., Frau A. T. Stewart 50 Mill., Pierre Lorilard 3 Mill., James Kernochan 2 Mill., Vanderbilt 75 Mill., Frau Calvert Jones mit 2, James Gordon Bennet 4 Mill., Fred. Stevens 10, Levis Lorillard mit 1 Mill.— im Ganzen Jahreseinkonimen dieser 16 Personen 240 Millionen Dollars! Diese 16 Personen verbrauchen demnach allein eben so viel als eine Million siebenhundert siebenzehn tausend deutsche Arbeiterfamilien!! Wem schwindelt nicht vor solchen Zahlen und wer glaubt sich angesichts solcher Thatsachen nicht eher in einem Narrcnhaus, denn in der realen„besten Welt"?! Organisirt Euch! Schon in unserer letzten Nummer meldeten wir zahlreiche Haussuchungen in verschiedenen Städten Deutschlands nach dem »Sozialdemokrat". Seitdem sind uns noch zahlreiche gleiche Mel- düngen aus allen Theilen Deutschlands(aus Dortmund, Elber- feld, Harburg, Rastatt, Kalk bei Köln, Großenhain zc. rc.) zu- gegangen und stellt sich heraus, daß es sich keineswegs um lo- kale oder territoriale Maßregeln, sondern um eine wohlberechnete und organisirte Razzia der Reichspolizei handelt. Die Ausführung dieses Kesseltreibens entsprach ganz den schuftigen Gewohnheiten der Bismarkischen Schergenbande Die Post in Mühlhausen im Elsaß, zweifellos durch einen erbrochenen Brief auf die Spur geleitet, meldete nach Berlin, daß dort eine große Anzahl in Briefform gehender, d. h. in Kouverts verschlossener Nummern des„Sozialdemokrat" aufgegeben worden seien und berichiete zugleich die Adressen der verdächtig erschei- nenden Briefe. Hierauf erring an die Polizeibehörden aller be- treffenden Orte, vielleicht sogar an die aller Städte, wo es be- kannte Sozialdemokraten gibt, der Befehl, auf den Postämtern nach den avisirten Briefen zu fahnden und aufs schärfste Haus- suchung bei allen als Abonnenten oder Verbreiter des„Sozial- demokrat" verdächtigen Parteigenossen- zu halten. Und zwar wurde bei beiden Maßregeln aufs brutalste und gesetzloseste vorgegangen. Auf der Post wurden hunderte von Briefen konfiszirt, d. h. ge- stöhlen und erbrochen, und bei den Haussuchungen erbrach man verschiedentlich in A'..oesenheit der Einwohner kurzer Hand Thürcn und Schränke und stahl jedes nach Sozialdemokratie riechende Blatt Papier. Trotzdem ist das Resultat, soweit uns bekannt, so gut wie Null; von einer eingeleiteten Untersuchung wird uns aus Dort- mund berichtet und auch hierüber ist noch gar nichts Sicheres bekannt. Die deutsche Reichspolizei hat sich demnach blamirt und der kreisende Berg vielleicht nicht einmal ein armseliges Mäuslein geboren; der Zusammenhalt der Partei wie der Verkehr der Genossen mit dem Parteiorgan hat nirgends wesentlichen Schaden gelitten. Bei der Genugthuung hierüber und der Freude darüber, daß die deutsche Regierung, so oft sie mit Aufbietung der gewaltigsten Kraftmittel gegen die deutsche Sozialdemokratie zu Felde zieht, nur ihre Ohnmacht letzterer gegenüber zeigt, dürfen wir es aber nicht bewenden lassen. Wir müssen vielmehr darnach trachten, uns so zu organisiren, daß die Macht der Regierung gegen unsere Pariei sich noch ohnmächtiger als bisher erweist. Wir zielen hier auf die Organisirung eines sicheren Korrespondenz- Verkehrs unter den Parteigenossen überhaupt und mit vem„Sozial- demokrat" insbesondere ab. Die deutsche Postanstalt bietet eine solche Sicherheit in keiner Weise, denn sie ist unter dem Einfluß des Sozialistengesetzes zu einem wohlorganisirten, offenkundigen Diebsinstitut geworden, bei dem insbesondere nicht Ein sozia- listischer Brief mehr sicher ist. Es bleibt uns demnach nichts anderes übrig, als selbst eine Post, sozusagen eine sozialistische Parteipost zu organisiren. Die Anfänge einer solchen sind bereits vorhanden und wenn unsere deutschen Genossen ihr Partei- organ im großen Ganzen so regelmäßig, als unter den gegen- wärtigen erschwerenden Verhältnissen möglich, erhalten haben, so haben sie und wir es ganz allein eben diesen Anfängen einer eigenen Parteipost zu verdanken. Eben deshalb, weil sich einerseits diese Anfänge so gut be- währt haben, anderseits aber eine noch weit sicherere Verbindung als seither eine absolute Nothwendigkeit ist, müssen wir auf den vorhandenen Fundamenten forlbauen. Wir sind hier natürlich nicht im Stande, ausführliche Verhaltungsmaßregeln zu ertheilen, son- dern müssen die Genossen auf Anfragen bei sicheren Adressen (deren Erlangung jedem bewährten und erfahrenen Genossen unschwer sein wird) verweisen. Nur soviel sei gesagt, daß es ein förmliches Boten- oder Feldjäger-System zu schaffen oder viel- mehr weiter auszubauen und zu vervollkommnen gilt. Von der Grenze an(die natürlich nicht immer die Schweizergrenze sein muß) müssen die„Sozialdemokrat"-Sendungen bis zu ihrem Bestimmungsort durch persönliche Bestellung von Hand zu Hand wandern, so daß dieselben der Post nur äußerst selten und dann natürlich nur maskirt in die Hände kommen. Ferner muß der Verkehr mit uns mehr konzentrirt werden. Wenn wir mit dreitausend deutschen Genossen in Einzelverbin- dung stehen, so ist die Möglichkeit der Entdeckung eine weit größere, wie wenn wir nur mit 150 Sammelstellen in Ver- bindung stehen. Mit der nöthigen Vorsicht(und unsererseits wird dieselbe unbedingt geübt) ist die letziere Verbindung so gut wie absolut sicher. Mögen sich die Genossen deshalb allerwärts unverzüglich an die Arbeit machen; wenn nur der rechte Eifer vorhanden ist, wird der Erfolg nicht fehlen. Wo es aber gilt, unfern Feinden Feuilleton. Ein Borkämpfer der sozialistischen Idee. (Schluß). „Als Kind gibt man uns ein Buch in die Hände, das die Bibel heißt... Während vieler Jahrhunderte des Elends und der Finsterniß fand diese Geschichte unbedingten Glaube», allein endlich standen Männer auf, welche sie für Fabel und Betrug erkannten. Aber eine zahlreiche Menschenklasse, welche enormen Gewinnst auS jener Meinung zog und immer noch zieht, sagte der Menge, wenn sie nicht an die Bibel glaube, werde sie ewiglich verdammt werden, und verbrannte, verhaftete unv vergiftete alle vorurtheilsfreien Forscher. Das Christenthum ist jetzt die Herr- schende Religion und wer dasselbe anzufechten sucht, muß es sich gefallen lassen, daß die öffentliche Meinung Mörder und Ver- räther ihm vorzieht." Seinen Abscheu vor Despotismus und Lüge drückt Shelley auf das Kräftigste in dem Gedickt„Laster und Lüge" aus, von dem wir einige Strophen, stark gekürzt, wiedergeben: „Als Fürsten lachten auf den Thronen Des Aechzens darbender Nationen, Und an dem reichen Gut sich letzten, DaS Völkerblut und Thränen netzten, Den Thronm, auf Gebein erbaut, einen Streich zu spielen und ihre Pläne gegen uns zu durch. kreuzen, da bleibt kein echter Sozialdemokrat zurück! Darum noch einmal: Organisirt Euch! Prozeß Rackow-Krahnstöver. Leipzig, 8. Februar. Es war schon früher Taktik der geg- nerischm Presse, Differenzen, die zwischen einzelnen Sozialisten vorkommen, geflissentlich zu vergrößern und in ein gehässiges Licht zu stellen, in der Hoffnung, damit Mißtrauen und Spal- tung in die Parteikreise zu werfen. Neuerdings hat sich diese Taktik mehrfach wiederholt. Die sozialistenfeindliche Presse hofft, jetzt eine Spaltung mit um so größerem Erfolg herbeiführen zu können, da durch das Ausnahme- gesetz die Parteipresse und das Versammlungsrecht in Deutsch- land unterdrückt sind und es damit uns unmöglich gemacht wurde, Angriffe und Verdächtigungen zurückzuweisen und die gegnerische Taktik gebührend an den Pranger zu stellen. Um so mehr muß es sich jeder Parteigenosse zur Pflicht machen, im Kreise der Gcsin- nungsgenossen der Verbreitung gehässiger Darstellungen entgegen- zuwirken und, wo er selbst nicht genügend unterrichtet ist, durch Anfrage bei solchen Genossen, von denen er weiß, daß sie besser unterrichtet sind als er, sich Aufklärung zu verschaffen. So lange die sozialistische Partei besteht, hat es keine Zeitperiode gegeben, in welcher das Gefühl der Solidarität Aller so nothwendig ge- Wesen ist, wie gegenwärtig. Wird dieses Gefühl abgeschwächt, oder wird es dadurch untergraben, daß Einzelne, sei es aus persönlicher Gehässigkeit gegen Diesen und Jenen, oder aus an- gcborner Klatsch- und Händelsucht, sich zum Mundstück perfider Anklagen hergeben, so hört die Partei auf, zu sein, was sie ist, sie wird eine Klique, von der sich schließlich Tie, welche es ehr- lich mit der Sache meinen, aus Ekel zurückziehen, wohingegen die unfruchtbaren und unsähigen Skandalmacher das Feld be- haupten. Wie es in jeder Partei Leute gibt, die Alles kritisirm, selbst aber die geborene Impotenz sind und Alles ruiniren, was sie in die Hände nehmen, so hat solche auch die sozialdimokratische aus- zuweijen. So lange die Partei noch öffentlich wirken konnte, war es eine kleine Mühe, diese ewig Skandalsüchtigen, denen das Herunterreißen gerade so zur zweiten Narur geworden war, wie dem Opiumtrinker der tägliche Rausch, in die Schranken zu verweisen. Heute ist es schwerer geworden, die Jntriguen dieser Art von Parteigenossen genauer zu kontroliren und ihrem Treiben immer nachdrücklich und rechtzeitig entgegenzutreten. Hier tritt also die Pflicht an Jeden heran, der die Sache über die Person zu setzen weiß, wo er ein die Partei schädigendes Wirken entdeckt, nachdrücklich sein Velo einzulegen. Ein besonders beliebter Gegenstand der Angriffe und Nörge- leien waren von jeher die Parteibeamten; Jeder glaubte das Recht zu haben, an ihnen seine Kritik i» der rücksichtslosesten Weise üben zu dürfen, man machte häufig Ansprüche, welche die Kräfte eines Menschen weit überstiegen und tadelte heftig, wenn die Ansprüche nicht befriedigt wurden. So sollte z. B. ein sozial- demokratischer Redakteur neben seiner redaktionellen Thätigkcit Agitator, womöglich Reichstagsabgeordneter, Rathgeber in hun- derten von Privatangelegenheiten, Verfasser von Beschwerdeschrifttn, Korrektor seines Blattes u. s. w. sein, so daß man wohl sagen durfte, ein Parteimann, der in einer öffentlichen Stellung gewissen- hast allen Ansprüchen nackkommen wollte, war nicht ein Führer, sondern ein Sklave der Partei. Und dabei gab es doch immer noch Einzelne, die aus Neid, Mißgunst oder angeborner Nörgel- sucht Mißtrauen und Zank säten. Es fällt mir nicht ein, zu behaupten, daß alle Parteibeamten die übernommenen Pflichten stets gewissenhaft erfüllt hätten, es gab bei Manchem viel zu tadeln und bei Manchem ist Nachsicht vielleicht über Gebühr geübt worden. Oester ist man aber auch im Tadel zu weit gegangen und hat besonders die Unzufrieden- heit derjenigen Genossen zu erwecken gesucht, die in Folge ihrer unglücklichen sozialen Stellung bei schwerer Arbeit und langer Arbeitszeit niedrigen Lohn empfangen. Man vergaß, daß es mcht Zweck und Streben der Partei war und nicht sein kann, das höhere Einkommen auf das Niveau des Niederen herabzudrücken, sondern umgekehrt das Niedere emporzuheben, Allen die Be- friedigung höherer Kulturbedürsnisse zugänglich zu machen. Einer der Haupteinwände der Gegner gegen die Parteibestre- bungen war und ist:„Die Partei wolle Alle zu Proletanern machen, sie hasse Jeden, der eine höhere Lebensstellung einnähme und sie sei dadurch ein Feind der Kultur". Jene, die aus Beschränktheit oder Gehässigkeit es liebten, die absprechenden Vergleiche zwischen dem Einkommen eines schlecht bezahlten Arbeiters und seiner Arbeitszeit und dem Einkommen Wo stier und bleich der Hunger schaut, Wo Sklaverei die Geißel schwingt, Geröihet von dem Blut der Brüder, Wo in das Sterbenswimmern klingt Da« Jauchzen toller Siegeslieder—: Da standen aus dem Unglücksland Einst Lüg' und Laster Hand in Hand. Beide rühmen sich nun wetteifernd, diese schändlichen Zustände herbeigeführt zu haben und halten solgendes Zwiegespräch: Die Lüge: Ich brachte der Erde die Religion, Sie erschlug die Vernunft in der Wiege schon Und sandt' ihre wilden Bluthunde bervor, Sie schreckten aus Träume» des Mords empor Und üblen auf Erden ihr Werk der Wuth Bei ihres giftigen Auges Gluth; Es befleckte der Fackeln gräßlicher Dukt, Genährt vom menschlichen Fett, die Luft! Und Flüche, Wimmern und Wehgestöhn Erschallen im klagenden Schmerzgetön. Das Laster: Und Hütt' ich gerastet tbatenloS In meiner widrigen Höhle Schooß Und den Himmelssöhnen niemals eben Gold, Königthum und Mord gegeben, eines Parteibeamten zu ziehen, haben unbewußt dieser Partei- feindlichen Auffassung Vorschub geleistet und manchmal mehr zur Schädigung der Parteibestrebungen beigetragen, als alle auch noch so tadelnswerthen Handlungen der von ihnen Angeklagten. Heute, wo die Neigung zu Klatsch und Schmähereien ganz unwillkürlich wächst, weil dem Thätigkeitstrieb ein zu enges Feld geblieben ist und leichtfertig ausgesprochene Behauptungen durch das Weitertragen von Mund zu Mund leicht ins Maßloie ver- dreht und vergrößert werden, erscheint es mir als erste Pflicht der großen Zahl vernünftiger und einsichtiger Parteigenossen, den Klatschbasen und Nörglern von Profession das Handwerk gründ- lich zu legen, und wo Leute sich finden, die ohne Anschwärzung Anderer nicht leben können, diese gesellschaftlich zu ächten und jeden Verkehr mit ihnen abzubrechen; andererseits dafür zu sorgen, daß, wo der Partei nachtheilige Gerüchte entstehen, ihr Ursprung und ihr wahres Wesen gründlich untersucht uud mitgetheilt wird. Man wird fragen: wie und warum ich zu diesen Ausführungen komme. Ich antworte: weil ich hier und da— und auch im letzten Jahr— allerlei Erfahrungen in dieser Richtung gemacht, die ein offenes Aussprechm mir sehr wünschenswerth erscheinen lassen. Ganz speziell war die Veranlassung hierzu der Prozeß Rackow-Krahnstöver in Hamburg, der jetzt dazu dient in der gchä sigsten Weise Seitens der gegnerische» Presse ausgebeutet zu werden. Die Krakehler, wache die Sache vor Gericht trieben, werden sich darüber freuen; was liegt ihnen an der Partei, wenn nur ihre persönliche Rachsucht dadurch Befriedigung er- langt. Da dieser Prozeß in Folge der Art seiner Darstellung durch die Gegner in weiteren Kreisen der Panei lenossen verschiedene Beurtheilung gefunden hat, so halte ich mich für verpflichtet, hier den Sachverhalt darzulegen und offen mein Urtheil abzugeben. Allen Parteigenossen ist noch die Situation erinnerlich, in welcher sich die Partei angesichts des Ausnahmegesetzes befand. Kein Zweifel, daß am übelsten Diejenigen daran waren, die durch die bevolstehenden Maßregeln ihre ganze Existenz zu ver- lieren befürchten mußten und in Folge ihrer bisherigen Thätig- keit in der Partei fast keine Aussicht hatten, in einer andern Stellung ein Unterkommen zu finden. In einer Parteistcllung unmöglich, von den Gegnern wegen der Rolle, die sie in der Bewegung spielten, tief gehaßt, waren sie am schlimmsten daran und gar Mancher davon hat bis heute Roth und Elend in Hülle und Fülle kennen gelernt. Der Hauptschlag traf die Berliner Genossenschaft und die in ihr Angestellten. Kurz vor Erklärung des Belagerungszustandes hafteten auf dem Verleger der„Berliner Freien Presse", Rackow, persönlich 7— 800 Mark Polizei- strafen, außerdem war derselbe wegen einer am Grabe Tentlers gehaltenen Rede, welche in der„Berliner Fr. Pr." abgedruckt worden war, zu sechs Monaten Gefängniß veruriheilt. Die sechs Monate waren am 27. November fällig, am 28. November kam der Belagerungszustand und die massenhaften Ausweisungen. Am 10. Oktober hatte Rackow in Voraussicht der Tinge, die da kommen würden, beantragt, daß ihm in seiner Eigenschaft als Verleger der„Berl. fr. Pr." Sicherstellung für die auf seine Person lautenden Geldstrafen, sowie für seine Verpflegung im Gefängniß und die Unterstützung seiner Familie gewährt werde. Es sei bemerkt, daß nach allgemeinem Gebrauch die Redakteure während ihrer Haft den vollen Gehalt erhielten, wie dies z. B. auch bei Most geschah. Rackow beanspruchte monatlich M. 30 Gesängnißuntcrstühung, damit ihm die Selbstbeschäftigung ermög- licht sei und 105 M. monatlich für die Familie. Dies machte zusammen für 6 Monate 810 M. Der Vorstand nahm den Anttag an und wurde der Beschluß auf Antrag Auers dem Aufsick tsrath in Hamburg zur Bestätigung vorgelegt. Am 15. Oktober gab der Aussichtsrath dem Beschluß seine Zustimmung und unterzeichneten sämmtliche Aussichtsrathsmitglie- der, darunter auch unser leider verstorbener Geib eigen- händig das Protokoll. Da durck den polizeilicherseitS gewaltsam herbeigeführten Schluß und Zusammenbruch der Berliner Genossenschaft Rackow stcllungs- los geworden war, so hätte er, gestützt auf seinen Kontrakt, eine dreimonatliche Gehaltsentschädigung verlangen können. Diese, zusammengenommen mit der Enttchädigung für die Haft und die eventuell zu zahlenden Geldstrafen repräsentirten die Summe von über 2000 M. Da Rackow vernünftig genug war einzusehen, daß er diese Summe nicht beanspruchen dürfe, so erklärte er, w-nn man durch Deponirung von Geldern ihn, resp. seine Familie für die Zeit der Haft und gegen die Polizeistrafen nicht sichern könne, so solle man ihm eine Pauschsumme von 530 M. auszahlen, wo er dann sehen werde, wo er bleibe. Das war ein so billiges Abkommen, daß die leitenden Per- sonen verpflichtet waren, darauf einzugehen. Nach erfolgter Pro- klamirung des Belagerungszustandes wurde alsdann zwischen dem So hättest du Lüge dein Spiel verloren. Aus löscht ich die Sonne auf meiner Bahn, In dem Blutbaddamps auf dem Schlochtenplan: Mord, Hunger, Gewalt und Höllenschlich, Die letzten in jener Stunde sich, Der prassende Sckuft auf dem Throne dort Befahl den blutigen Völkermord. Di e L ü ge: Gut Schwester, unser ist die Welt. Was der Zwingherr träumt, was den Feigling schreckt, Das Eis, das Priester-Herzen deckt, Des Höflings Lächeln, des Richters Dräun Sind die großen Ziele, den' wir unS weihn! Ebenso wie dieses wird auch das herrliche Gedicht:„An Englands Männer!" den Leser begeistern: Männer Englands! Was bestellt Euren Zwingherrn ihr das Feld? Warum webet eure Hand Der Tyrannen Prachtgewand? u. f. w. Diese kargen Proben zeigen schon hinlänglich, daß Shelley ein echter Volks-, ein echter FreiheitSdichtcr ist. Mögen sie dazu bei» tragen, das herrliche Buch in jeder Arbeiterhütte einzubürgern und Begeisterung und Hingebung zu verbreiten für des Volkes heilige Sache! Vorstand und den Vertretern des Aussichtsraths(Fritzsche, Ecks und einem dritten Berliner Genossen) vereinbart, sämmtlichen Beamten das Monatsgehalt per Dezember auszuzahlen und erhielten dasselbe Auer, Rackow, Bamberger, Schnabel, Faktor Lange. Rackow hatte inkl. der erwähnten 530 M. etwas über 700 M. erhalten und verließ am 29. Noveniber Abends, nachdem er sich den Bart geschoren, um den polizeilichen Hä>chern zu entgehen, Berlin und ging nach England. Hat die Partei Ursache diese Handlungsweise Rackows zu be- klagen oder zu verurtheilen? Ich sage ganz entschieden: Äein! War Rackow geuöthigt, das Gesängniß anzutreten, so waren die � Genossen verpflichtet, für ihn und seine Familie einzutreten, das- : selbe hätte in Bezug auf die Geldstrafen geschehen müssen, die, S wenn sie nicht bezahlt wurden, in Monate lange Hafistrasen um- , gewandelt wurden, während welcher Zeit Rackow abermals unter- » stützt werden mußte. Und war er endlich nach vielen Monaten frei, so trat weiter die Sorge der Unterstützung an uns heran, i bis er wieder Existenz fand. t Rackow hat, indem er handelte wie er gethan, der Partei , keinen Schaden gethan, sondern einen Dienst erwiesen. Wer l es weiß, wie unendlich schwer es fällt, in dieser Zeit der allge z meinen Arbeitslosigkeit ein halbwegs leioliches Unterkommen für r die Ausgewiesenen zu finden, ist froh, daß diese Sorge nicht noch j vergrößert wurde. Es sind ausgewiesene Genossen vorhanden, , die in den fünfviertel Jahren für sich und ihre Familie min r bestens biefelbe Summe gelostet haben, die Rackow empfing. Ich - bedauere nur, daß die Genossen nicht vermochten, jedem der Ausgewiesenen, der keine Existenz fand, eine gleich große Summe h aus einmal zu geben. Beide-Lheile, die Gebenden und die e Empfangenden, hätten sich besser dabei gestanden. r Wie Rackow verdächtigt wurde, so ist es auch Auer ergangen. i. Letzterer sollte sich seinen Rionalsgehalt doppelt haben bezahlen n lassen. Wie lag hier die Sache? Auer war ausgewiesen und i. sollte Ende November Berlin verlassen; wie oben mugetheilt, e wurde ihm der Gehalt für Dezember ausbezahlt und zwar im Betrag von 162 M. Er fuhr nach Hamburg und fand dort 1- für einen Gehalt von 150 M. monatlich Unterkommen. Daß n nun Auer diesen Gehalt von 150 M. auch noch nahm, wird g ihm Seitens der Ehrabschneider als Vergehen angerechnet. War r es dies wirklich? Ich sage wiederum: Nkin. Auer mußte, um n seine Möbel von Berlin loszubekomme», 75 M. für d.is Logis ie vpfern, er hatte für sich und seine Frau die Reise und für seine ir Möbel die Transportkosten zu bezahlen. Was ist ihm denn da g wohl von den 165 M. übrig geblieben? Nichts. Das Fazit >r war, daß er das Unbehagen der Ausweisung und des Umzugs j- und 15 M. monatlich geringeres Einkommen hatte. s Das ist der wahre Sachverhalt. Und diesen Sachverhalt hat kt die liberale Presse, die schweigt, wenn das Volk durch seine Aus- js beuter um Millionen desto hlen wird, ja die Diebe noch lobt m und als Volkswohlthäter preist, in schwere Missethat umzuwandeln versucht. ie Das traurigste und beschämendste für uns ist aber, daß es ls Parteigenossen waren, die diesen ganzen Skandal hervor- gerufen haben, die unseren Feinden die Gelegenheit gaben, das m Gift der Lüge und der Verleumdung auszustreuen, zu einer Zeit, e. wo die Partei wehr- und wassenlos ist und die Buben nicht re nach Gebühr zu züchtigen vermag. Hervorheben muß ich noch, Z. daß es eine Lüge der gegnerischen Presse war, wenn behauptet .0 wurde, Rackow's Geld rühre von den 1000 M. her, welche die g- Hamburger Genossenzchaft zur Deckung eines kurz vor Unter- xe drückung der Genossenschaft präsenlirten Wechsels hergab. Das >n Geld ist für diesen Zweck wirklich verwendet worden, und es ist ,n nur der großen Opferwilligkeit einiger Genossen zu danken, wenn die Berliner Genossenschaft nicht zum Konkurs getrieben und da- ne wir viel Elend über eine große Reihe von Familien gebracht ie- wurde. n- Die Berichte der gegnerischen Hamburger Blätter sind übrigens sämmtlich so wahrheitsgemäß objektiv gehalten, daß es unbegreif- jjj lich wäre, wie jene gehässigen Lügenbcrichte in der übrigen Presse s- entstanden sind, wenn nicht die sehr begründete'Vermuthung vor- ne �äge, daß der Berichterstatter des schamlosen Lügen- und Ver- sc, leumdungsberichts der Berliner„Post", der das Signal für die ne"liberale" Preßmeute gab, aus den Reihen unserer eigenen on Genossen in Hamburg inspirirt wurde, die der Haß gegen Auer zu diesem Bubenstück trieb. Die Krahnstöver und Kon- xse sorten haben sich um unsere Feinde wohl verdient gemacht. :ch Mahrlich, wir haben alle Ursache zu rufen: Der Himmel behüte cit uns vor unseren Freunden, mit unseren Feinden wollen wir so selbst fertig werden. A. Bebel. Z In Sachen der„Freiheit". em Von verschiedenen Seiten, welche es mit unserer Par- tei ehrlich meinen, und zwar sowohl von einzelnen Genossen als von Vereinigungen solcher, wird uns seit längcrem das lebhafte Bedauern über die zwischen dem„Sozialdemokrat" und der Londoner„Freiheit" seit einiger Zeit ausgebrochenen Mißhelligkeiten ausgedrückt und an die Redaktion des„Soz.-Dem." (gleichwie an die der„Freiheit") die Aufforderung gerichtet, im Interesse der Sache den Streit einzustellen. Wir können diesen Wunsch selbstverständlich nur vollkommen berechtigt finden; denn auch wir kennen nichts Widerlicheres, als Zänkereien und Stän- kereien in der Partei anzuzetteln zur selben Zeit, wo die inten- sivste Verfolgung die strammste Einigkeit zur Pflicht macht. Aber ckt, Wunsch und Aufforderung sind mangels genauerer Kennlniß der Verhältnisse an eine falsche Adresse gerichtet. Zunächst handelt es sich keineswegs um einen Streit mit der Gesammtheit der LondonerGenos- Zln!in oder mitder von diesen qegründetcn„Freiheit" an sich. Was wir bis jetzt in dieser Sache zur Abwehr thun wiißien und was wir vielleicht noch weiter thun müssen, richtete Und richtet sich wesentlich gegen eine einzelne Person, nämlich gegen den augenblicklichen Redakteur der..Freiheit", Hrn. Zoh. Most. Es ihm uns leid, daß es gerade Most ist, ein welchen wir bekämpfen müssen; denn sein Name hatte einst einen bei« Suten Klang in der deutschen Sozialdemokratie und er hat für ern viel gekämpft und gelitten Aber diese Verdienste von früher lkes Srben ihm keinen Rechtstitel, sich über Programm, Disziplin und lede Parteipflicht sowie über die Forderungen der Klugheit und Ehrenhaftigkeit nach Belieben hinwegzusetzen und dadurch die Partei, soweit es in seinen glücklicherweise nicht weit reichenden Kräften liegt, mehr zu schädigen, als er ihr jemals genützt. Vor etwas mehr als einem Jahr begründeten wackere Ge- nossen in London, nachdem in Deutschland die sozialistische Presse bis auf das letzte ihrer Glieder unterdrückt worden war, die „Freiheit" als ein freies Organ der deutschen Sozialisten. Dies mit großen Opfern gethan zu haben, die sich seitdem immer ver- größert haben, ist ein Verdienst unserer wackeren Londoner Genossen. Bald zeigte sich aber, daß dieselben die neugeschaffene Waffe des Sozialismus den denkbar unzuverlässigsten Händen anvertraut hatten. Most, dessen neben seinen guten Eigenschaften bekannte Schattenseiten, seine wenig durch Ueberlegung gezügelte Exzentri- zität und sein eitler Größenwahn schon zur Zeit der öffentlichen Bewegung in Deutschland schwer zu bändigen und unschädlich zu machen waren, befand sich nicht sobald an der Redaktion, als er unter Beiseitesetzung aller Parteipflicht und ohne jede Rücksicht auf das Wohl der Partei seinen Neigungen vollauf die Zügel schießen ließ. Um d-'s ihm lästigen Zwanges vernünftiger Ucber- legung und Einordnung in ein planvoll geleitetes Ganze ent- hoben zu sein, erklärte er in U eberein stimmung mit der damals noch siegesgewissen preußischen Regier- ung und Bourgeoisie, also unsern ärgsten Feinden, die Organisation der deutschen Sozialdemokratie für durch das Sozialistengesetz gebrochen und die Partei für nicht mehr be- stehend. So entband sich Most selbst von der Pflicht der Dis- ziplin und übte seine neugewonnene„Freiheit" von den Fesseln der sozialistischen Partei dadurch praktisch, daß er alsbald anfing, die in Deutschland verbliebenen Genossen und ihre Bestrebungen systematisch zu verdächtigen und zu beschimpfen. Wir wollen hier nicht alle Einzelheiten dieser widerlichen Thätigkcit des ehe- maligen verdienten Genossen verfolgen— es würde das auch viel zu weit führen und den Raum eines ganzen Buches for- dern; denn die„Freiheit" ist unter der Redaktion Most's mitAusnahmc einer kurzen Zeit zuBeginn des Blattes weit mehr der Anfeindung und Schädigung der deutschen Sozialdemokratie, als der Bekämpfung ihrer Gegner gewidmet gewesen. Man schlage nur die früheren Nummern des„Soz.-Dem." nach oder lasse sich noch besser ein Komplettexemplar der„Frei- heit" kommen und blättere es aufmerksam durch; die Beweise werden sich dort in überwältigender Zahl finden. Heute haben wir eine neue, unerhörte Schädigung der Partei in der Person eines Parteigenossen durch die Redaktion der „Freiheit" zu melden. Die Verbissenheit Most's gegen die für seinen Exzentrizitäten unzugänglichen deutschen Sozialdemokraten und seine parteibekannte Unüberlegtheit haben ihn die„Freiheit" bereits wiederholt zu Denunziationen mißbrauchen lassen, welche sicher nicht böswillig beabsichtigt waren, aber doch so wirkten. Mitte September v. I.(die Nummer ist uns äugen- blicklich nicht zur Hand) meldete eine Korrespondenz in der „Freiheit" ganz offen: daß Bebel im Frühjahr eine Agitationsreise durch Deutschland unternommen habe! Und doch mußte Most wissen, daß jede Agitation durch das Sozialistengesetz verboten ist und daß demnach seine unsin- nige Mittheilung Bebel der Polizei ans Messer liesern könne— vorausgesetzt nämlich, daß die Mittheilung auf Wahrheil beruhte und sich erweisen ließ. Ein Genosse hielt das Most in persön- licher Unterredung vor und machte ihm Vorwürfe deshalb; worauf Most zugab, daß es eine„Ungeschicklichkeit" gewesen sei, welche er auf ein Versehen infolge starker Beschäftigung zurück- führte. Bald darauf aber wiederholte sich das Gleiche in einer gegen unsern Genossen Vahlteich gerichteten Magdeburger Korrespondenz der„Freiheit"(Nr. 47 vom 22. November). Dieselbe führt nämlich aus, Vahlteich sei auf einer Agitationsreise(„Rundreise") nach Magdeburg gekommen,„behufs Gründung einer großen demokratischen Partei."(Nebenbei ist letztere Behauptung, ab- gesehen von ihrer berechneten Perfidität, einfach schon darum absurd, weil die„große demokratische Partei" nicht mehr erst der Gründung bedarf, da sie schon längst besteht: in der deut- schen Sozialdemokratie). Also abermals eine(wenn auch unbeab- sichtigte) Denunziation an die Polizei und Gerichte wegen Zu- widerHandlung gegen das Sozialistengesetz. Das Allerärgste aber leistete Most in der Nr. 4 der„Freiheit" vom 24. Januar. Bebel und Vahlteich konnten auf Grund der erwähnten Artikel in Untersuchung gezogen werden; aber man mußte doch Beweise gegen sie beibringen, sie konnten nimmermehr dem ordentlichen Gerichtsverfahren entzogen werden. Anders in dem neuesten Fall, in welchem Most durch seine unqualifizirbare „Ungeschicklichkeit" einen Genossen denunzirt hat, zu dessen Ver- urtheilung und Schädigung die Behörde gar keines langen Unter- suchungs- und Beweisganges und keinerlei juristischer Formalitäten bedarf, und der somit der brutalen Faust der Polizei rettungslos überliefert wurde. In der bezeichneten Nummer der„Freiheit" fand sich nämlich folgender Satz:„Aus Berlin werden ferner folgende kleine Nachrichten vermeldet:... Kürzlich hat die Post eine Kiste von„Sozialdemokraten", welche an den Apotheker Bogel adressirt war, an die Polizei ausgeliefert..." In Berlin herrscht bekanntlich der Belagerungszustand, welcher der Polizei das Recht gibt, ohne irgend welche Untersuchung, ohne irgend ein Beweisverfahren, ja sogar ohne Angabe irgend eines Grundes jeden„der öffentlichen Sicherheit Gefährlichen" aus- zuweisen. Vogel, der ein blühendes Droguengeschäft hat, das durch seine Ausweisung unabwendbar ruinirt werden muß, ohne daß daraus der Partei irgendwelcher Nutzen erwächst, hielt sich deshalb aufs Peinlichste von jeder Handlung fern, welche der Polizei einen Anlaß zur Ausweisung hätte liefern können und erzielte dadurch— ohne seine sozialistischen Grundsätze im Geringsten zu verleugnen—, daß die Polizei ihm nichis an- haben konnte. Er hat durch uns oder auf unsernAuf- trag, wie w ir z u b e s ch w ör en b er ei t sind, nie einen „S ozi ald em o kr at" zur V erbre itun g erhalten und beruht demnach die Mittheilung der„Freiheit", — was ihre Schuld noch vergrößert— auf purer Erfindung! Aber diese unerhört leichtfertige Erfindung, welche offenbar lediglich auf einer Kombination aus Grund jüngster Mittheilungen über eine vom Laden Vogels weg verhafteten Arbeiterfrau beruht, genügte— wie es jedem halbwegs Denkfähigen von vornherein klar sein mußte— um Vogel zu ruiniren. Vorvergangenen Donnerstag wurde bei ihm Haussuchung vorgenommen, auch wurde er an demselben Tage verhaftet, nach einigen Stunden aber wieder entlassen, weil bei ihm nichts Verdächtiges gefunden worden ist. Trotzdem wurde er ausgewiesen und wurde ihm bei seiner polizeilichen Vernehmung mitgetheilt:„daß er diese Maßregel seinen Freunden selbst zu verdanken habe, da Most in seiner„Freiheit" erwähnt habe, daß eine von Zürich aus an Vogel adressirte Kiste mit„Sozialdemokraten" von derPolizei beschlag- nahmt worden war."— Wenn es Vogel nicht gelingt, schnell einen passenden Käufer zu finden(was jetzt bekanntlich nickt leicht ist), so ist sein ganzes Geschäft dem Ruin preisgegeben. Und das hat er und haben wir einzig Bt oft zu danken! Soll, kann man zu solchen Dingen schweigen? Wir wiederholen, daß wir Most trotz seiner jetzigen schändlichen Hal- tung gegen unsere Partei keinen Augenblick eine absichtliche Denunziation zutrauen; aber der Effekt bleibt darum doch der gleiche. In der Politik ist und bleibt es wahr, daß ein Fehler nach Umständen schlimmer als eine Schlechtigkeit ist. Jedenfalls ist ein Mann, dessen geistige Verfassung solche gefährliche, ver- brecherische— Kopfiostgkeuen jeden Augenblick befürchten läßt, absolut unfähig zu einer leitenden Rolle in einer politischen Be- wegung und vor allem in emer so tiefbedeutendm Bewegung wie es die sozialistische ist. Solche Leute müssen vielmehr un- ausgesetzt streng überwacht werden, wenn nicht selbst ihre besten Ab- sichten mangels Ueberlegung, Beherrschung und Geschick zu schlim- men Resultaten führen sollen. Wenn nun zwar Most selbst nicht zuzumuthen ist, daß er zu dieser Einsicht kommt, so sollten es doch die Londoner Genossen einsehen und ihr Organ anderen Händen anvertrauen, von denen man die Gewißheit hat, daß sie sich nicht nur rückhaltslos und ohne jede verwerfliche Nebenabsicht im Dienste unserer Partei und ihrer erhabenen Sache rühren, sondern daß sie auch die nöthige Ueberlegung und das nöthige Geschick haben, ohne welche der Redakteur eines sozialistischen Organs namentlich unter den heutigen Umständen mehr schaden kann, als alle Gewaltmaßregeln unserer Feinde. Most braucht von uns nicht„ausgestoßen" zu werden— er hat sich selbst vom Körper der Sozialvemokralie abgetrennt; für uns gehört er zu den Tobten, deren Tod wir beklagen können, die aber darum doch nicht mehr lebendig werden. Die„Frei- heit" aber wird uns eine willkommene Mitkämpferin sein und von uns statt Bekämpfung jede Unterstützung erfahren von dem Augenblick an, wo sie sich den Fesseln herrschbegieriger Selbstsucht und verderblicher Exzentrizität emwunden haben und der Absicht ihrer Begründer gemäß ein mit Hingebung und Verständniß geleitetes Organ der sozialdemokratischen Partei geworden sein wird. Sozialpolitische Rundschau. pevtschland. — Aus dem 17.(ächs. Wahlkreis, 29. Januar. Wie euch, liebe Genossen, bekannt sein wird, ist in unserem Mülsen- Grund ein großer Nothstand unter den Webern vorhanden und ist leider auch gar keine Aussicht, daß es bald besser werde; im Gegentheil, es wird von Tag zu Tag schlimmer. Ueber den erbärmlichen„Verdienst" unserer Weber wird gegenwärtig in deutschen wie rn auswärtigen Blättern viel geschrieben und vor allem hat sich auch der„Sozialdemokrat" mit unserer traurigen Lage schon beschäftigt; aber doch müssen wir noch Einiges nach- tragen, was unsere schreckliche Lage im düstersten Licht zeigen wird. Ein hiesigerWeber„verdient" nämlich gegen- wärtig, wenn er nämlich täglich 14 Stunden arbei- tet, per Woche 4 höchstens 5 Mark, d. h. nur wenn er vollständig Arbeit hat, was nur allzuhäufig gar nicht der Fall ist. Aber auch dieser Hungerlohn bleibt ihm nicht einmal. Denn von ihm geht noch Treiben, Spulen und Scheeren ab, was nun natürlich immer die Frau und die Kinder besorgen müssen, die ebenfalls zu zweien die ganze Woche vollständig zu thun haben. Von diesen 5 Mark soll nun der ganze Haushalt bestritten werden, wobei oft noch 4, 5, 6, 7 und 3 Kinder zu erhalten sind. Ihr werdet nun fragen: wie ist es da möglich auszukommen? Ja, da heißt es ganz einfach: du mußt hungern! Nun werden zwar freiwillige Gaben verabreicht, aber die geben für so viele nicht aus und außerdem bekommen davon blos solche, die noch etwas beten können, aber Sozialdemokraten werden im- mer hintenum gepfiffen. Jedoch wir wollen uns das auch gerne gefallen lassen, damit wir immer ungebunden durch Pflichten gegen unsere Widersacher auf dem Kampfplatz erscheinen können. Und in dieser Lage stehen wir jetzt wieder, indem wir wieder in eine Rcichstagswahl einzutreten haben. Damit wir das aber mit vollen Kräften und vollem Erfolg thun können, brauchen wir materielle Unterstützung von unseren Genossen, die wenn auch in der Mehrzahl unter dem Druck der Verhältnisse leidend, doch in der Mehrzahl noch in einer besseren Lage sind als wir. Von einer Beschaffung der Wahlkosten kann natürlich gar keine Rede sein. Darum wenden wir uns an euch, daß ihr uns unterstützt; dann können wir auch wieder frisch und fröhlich für unseren neuen Kandidaten Auer agitireu, denn der 17. Wahl- kreis muß unser bleiben! Unsere Gegner werden freilich vor keinem Mittel zurückscheuen und auch einen Schurkenstreich nicht verschmähen; aber wir werden wachsam sein, auf daß es ihnen nicht gelingt und die Sache der Sozialdemokratie siegreich bleibe! Mülsen St. Micheln... Mit sozialdemokratischem Gruß C. M„ F. L. J? Zwickau,!• Februar. Am 28. Januar hatte die hiesige Polizei- Mannschaft einen Tag saurer Arbeit, denn cS war von Oben herab der Befehl ertheilt, bei allen Personen, welche der Polizei als Sozialdemokraten bekannt sind, eine Haasfuchung vorzunehmen Der Grund zu diesem Be- fehl war, daß der Polizei zur Kernitniß gekommen war, daß von unbekann- ten Händen eine g-oße Anzahl unseres verbotenen Parteiorgans„Sozial- demokrai" vertheUt wurde, von denen auch den Siaaisrettern einige in die Hände fielen; ferner sollte vor Weihnachten in den hiesigen Bergkellern eine „geheime Versammlung", bei weicher die„Führer" Bebel und Liebknecht anwesend gewesen, staitge'unden haben. ES zogen nun am genannten Tage Vormittags je zwei und zwei die Beamten mit der Ordre, alles gründlich zu durchstöbern und was irgend verdächtig mitzubringen, in die Wohnungen der hiesigen Sozialisten. Zur Ehre der Wohnungsdurchschnüffler sei es gesagt, daß sie ihre Schuldigkeit vollauf gethan haben, denn es wurden nicht nnr alle Kisten und Kasten durchsucht, die Betten durchwühlt, die Sopha« umgestürzt, an die Wände genockt, ob dieselben etwa hohl sind ic, nein, es wurde sogar der Korb, >n welchem ein neugebornes Kind lag, durchstöbert und nachgesehen, ob man nicht etwa die Kindcr schon vom Tage der Geburt an aus revolutionäre Schriften betie! Aber o weh— alleö war vergebens, alle Arbeit umsonst i denn mit Ausnahme zweier Exemplare de«„Sozialdemokrat", welche bei einem Arbeiter vorgefunden wurden lderselbe hatte sie, beiläufig bemerkt, in seinem an der Thür befindlichen Briefkasten gefunden), gingen die Sucher mit leeren aber schmutzigen Händen— denn von dem Wühlen unterm Dach und im Holzstall hatte» auch diese Herren einmal schwarze Finger bekommen — heim. Erwähnt sei noch, daß man diesmal im allgemeinen doch etwas humaner verfuhr, als man e« früher bei einem Genoffen gethan hat, wo man so zu sagen die ganze Wohnung umstürzte i e» mag wohl die deshalb angebrachte Beschwerde die Veranlassung dazu gegeben haben.— TagS nach der Suche erhielten mehrere Freunde eine Vorladung vor da« PolizevSekre> tariat, woselbst die schlaue» Leute durch allerlei pfiffige Hin- und Her-, Kreuz- und Querfragen alleilei zu erforschen suchten, Namenilich forschte man nach dem Veranstalter der„Versammlung", de» sämmtlichen bei ihr anwesenden Personen und hauptsächlich nach dem Namen eines angeblich anwesenden Steiger». Es konnten sich jedoch nur vier Mann erinnern, daß sie an dem betreffenden Tage mit Bebel und Liebknecht in dem Lokale zu Biere waren und daß dasselbe binnen kurzer Zeit von Gästen gesüllt war, sowie daß auch einige hungernde Weber aui dem Mülsengrunde zugegen waren. Nach- dem überflüssiger Weise noch gefragt worden, ob die Geladenen den soziäl- demokratische» Tendenzen noch huldigen, worauf die Freunde kurz und gut erklärten, daß sie Sozialisten seien und bleiben, wurden dieselben wieder ent lassen. Wenn nun die Behörde wirklich glauben sollte, durch derartige Chi- kanirerei die Bewegung zu hemmen oder ihr gar entgegen zu arbeiten, so ist dieselbe stark im Zrrthnm, denn man gießt dann nur Oel in'S Feuer und bringt neues Leben unter die Genossen. Auch ist man bei HauSjuchungen überhaupt beim Erscheinen der Polizei durchaus nicht ängstlich und ein- geschüchtert, schon weil wir an derlei längst gewöhnt und darauf längst vor- bereitet find. Ein Beispiel dafür ist, daß ein Freund beim Eintritt der Beamten in seine Wohnung zunächst ein gellendes Hoch aus die Sozial- demokratie ausbrachte und dann die Frage an sie richtete, wo sie nun ihre Arbeit beginnen wollten. Da» 18. sächsische Bataillon ist nicht todt, e« steht vielmehr wohlgerüstet zum Kampf; denn es gilt unsere Freunde in dem Rachbar-Wahlkrei«, welche am 2. März eine Wahlschlacht zu schlagen haben, zu unterstützen. Und hef- tiger als je zuvor wird dieser Kampf sein, denn dieser Wahlkreis umfaßt alle Orte, in denen jetzt die HungerSnoth herrscht und nicht nur Hunderle sondern Taufende gezwungen sind, eine Unterstützung zum Hinfristen ihres Dasein« anzunehmen, nnd dadurch von der elenden Gewalt ihres Wahlrechte» beraubt werden sollen. Schreiber diese» möchte daher an dieser Stelle an alle Gcnoffen weit und breit die dringende Bitte wiederholen, Geldsammlungen zu veranlassen und den Erlrag an die bekannten Adressen einzulenken- e» ist die» um so nöthiger, als die treubewährten Genossen in diesem Wahlkreis infolge ihrer Armuth nicht im Stande sind, auch nur den kleinsten Beitrag zur Deckung der Unkosten beizusteuern. Also Freunde allerort», tragt alle gleich un« dahier euer Scherflein bei und helfet so eueren Brüdern durch den Kampf zum Sieg, durch den Sieg an'» Ziel! Presde«, 25. Jan. Im sächsischen Landtage macht gegenwärtig die Sozialdemokratie den reaktionären Parteien viel zu schaffen. Unsere Abgeordneten, weit entfernt, durch planloses Demonstriren den Gang der Verhandlungen zu stören, betheiligen sich vielmehr ernstlich an den Berathungen der gegebenen Vor- lagen und finden gerade dabei Gelegenheit genug, mit Nachdruck für unsere Prinzipien und für das Volkswohl im Allgemeinen einzutreten oder fiagranie Verhöhnungen des Volksrechts an's Tageslicht zu ziehen. Die Vertreter der herrschenden Gewalt stehen in solchen Fällen stets rathlos, und der moralische Sieg, in einzelnen Fällen auch der faktische, ist auf unserer Seite. Uebcr die Reden Liebknechts und Freytags in der Debatte über das Gefängnißwescn haben Sie bereits berichtet. Doch ist hiezu noch Eines nachzutragen. Bekanntlich wurde von einem National- liberalen der„Sozialdemokrat" in die Debatte gezogen und eine Stelle daraus zuirt, welche beweisen sollte, daß wir Umsturzpläne verfolgen. Gen. Liebknecht antwortete, es fiele ihm gar nicht ein, die Worte des„Sozialdemokrat" zu verleugnen. Daß solche Blätter im Auslande erscheinen und eine erbitterte Sprache führen, sei eben die Folge der Unter- drückung der freien Presse in Deutschland und die Unterdrücker trügen allein die Schuld, wenn sich der gerechte Zorn über diese Mißwirthschaft in immer heftigerer Weise Luft mache. In der Landtagssitzung vom 23. ds. stellte Liebknecht den Minister Nostiz-Wallwitz zur Rede über die willkürliche und un- gesetzliche Handhabung des Sozialistengesetzes, über den Mißbrauch desselben zu Wahlzeiten und über die skandalösen Ausweisungen der Reichstagsabgeordneten K a y s e r und V a b l t e i ch und Voll- mar». Der Minister, welcher sonst nicht so leicht die Fassung verliert,(er sagte z. B. dieser Tage in einer Audienz dem Han- delbschullehrcr Klemich mit frecher Stirn, daß er dessen Existenz in Dresden in Rücksicht auf seine sozialistische Gesinnung sofort vernichten würde, sobald er eine gesetzliche Handhabe dazu be- sitze!) war ganz außer sich., stotterte etwas von Klassenhaß und schwieg dann ganz, als ihm Liebknecht replizirte: daß nicht wir, sondern die Ausbeuter und die AuSnahmegesetz-Fa- brikanten Klassenhaß säen und auf den Umsturz hin- arbeiten. Gestern nahm Liebknecht noch Gelegenheit, die nichtS- würdige Polizeispionage in Dresden, bei Haussuchungen, in Re> staurationen, wie aus der Post, wo sie zu gemeinem Diebstahl ausartet, den die Polizei an Briefen der Sozialisten verübt, zu brandmarken. Darüber war natürlich der Landtag sehr erschrocken und auch die Dresdener Spießbürger und deren Organ, die „Nachrichten", jammern: das gehöre gar nicht in den Landtag, sondern„auf den Instanzenweg" zc. Als ob ein Sozialist je- malS im aktenmäßigen Verfahren der Lohnarbeiter unseres Polizei- staates sein Recht zur Geltung bringen könnte! Freilich, auf dem„ordnungsmäßigen" Instanzenweg wird das Unrecht in den Akten begraben, während eS im Landtage dem Volk zu Ohren kommt; deshalb mag es den Reaktionären— an deren Spitze im sächsischen Landtage der Wechielprotestadvokat und Schwindel- gründer Ackermann steht, der in Gemeinschaft mit dem berüch- tigten Mehnert seine gesetzlich erlaubten Schwindeleien treibt,— nicht opportun erscheinen, daß etwas Derartiges vorgebracht wird. Um so mehr Grund für uns, diesen Weg fest fortzuschreiten! Noch theile ich Ihnen mit, daß dieser Tage der Redakteur der früherm.Chemnitzer Freie Presse", Paul Lauschke, nach Ikmonatlicher Haft den Kerker verlassen hat, wohin ihn der fanatische Haß der Chemnitzer Richter, der nach den Attentaten dort aufloderte, wegen geringfügiger Uebcrtrelungen des Preßge- setzes gebracht hatte. Lauschke wurde in Zwickau unter dem „Humanisten" d'Aligne in scheußlichster Weise behandelt und physisch und moralisch gequält. Die Haare wurden ihm ge> schorcn, er wurde mit„Du" angeredet, mußte die Kleider der niedrigsten Verbrecherklasse tragen, mußte die ersten Monate per- manenl hungern(denn er bekam täglich nur 1 Pfund Brod und außerdem etwas Suppe); an Selbstbeschäftigung und son- stlge Vergünstigungen war gar nicht zu denken, während wohlhabende Gründer und Schwindler in der Anstalt ein flottes Le- ben führen. Kurz. Lauschke lernte eben die Moral unserer Geg- ner ohne Maske kennen. Gewiß hat er sich nun„gebessert"! Nächstens noch etwas Ausführlicheres darüber. AugSburg, 30. Januar. Der Fall Ibsen hat hier gerechte» Aufsehen erregt und bei Allen, die noch ein Rechlsgefühl besitzen, ei» Pfui der Entrüstung über diese Frankfurter Büttelknechte hervorgerufen. Solche Fälle brutaler Willkür sind so recht geeignet, dem Volke die Augen zu öffnen und ihm die ganze Erbärmlichkeit unserer Klassenjustiz zu zeigen. Ja, wir haben c» herrlich weit gebracht im Reich der„Gottesfurcht und frommen Sitte": Schurken, wenn sie sich nur in den Reihen der Besitzenden befinden, bleiben in Amt und Würden: der arme Teufel, der dem Freunde nicht HenkcrSdienste leisten will, wandert in» Zuchthau«. Zum weiteren Beweis der Wahrheit dieses Satze» diene da« Nachfolgende. Wir haben in Augsburg feit Beginn der(iOer Jahre ein„liberale»" Stadtregiment, mit dem die frechste Willkür und da» schamloseste Protek- tionswesen seinen Einzug gehalten hat. Jeder Elende, ob ihm auch die Dummheit mit Lapidarschrift auf der Stirne steht, kann e» hier in städtischen Diensten, wenn er sich nur zu Denunziation»- und Spitzeldiensten ge> brauchen läßt, vorwärt« bringen. Er kann darauf rechnen, daß es Anerkennung und Renumeraflonen für ihn regnet. Dagegen wehe dem Beamten, der e» wagt, eine eigene Meinung zu haben oder gar die Befehle seiner Vorgesetzten vor ihrer Ausführung auf ihren Charakter zu prüfen. Diesem System find schon viele der fähigsten Gemeindebeamten zum Opfer gefallen, d. h. sie haben cS vorgezogen, sich um andere Stellen zu bewerben, weil sie sich nicht zu willenlosen Werkzeugen mache» lassen wolllen. Derselbe Terrorismus wird gegenüber Bürgern geübt, die nicht unbedingt in da» nationalliberale Horn blasen. Die kleinlichsten Chikanen werden gegen sie gebraucht: was ihr nationalliberaler Nachbar ungestört thun und lassen darf, dafür werden sie exemplarisch bestraft, und erkühnen sie sich, solches magi- stratisch-S Treiben öffentlich zu rügen, so werden sie in öffentlicher Magi- st aisfitzung heruntergerisien und dem Spotte»ud der Verachtung ihrer Mit- bürger preisgegeben. Die Seele diese» Systems ist unser erster Bürger- meister Fischer, ein BiSmärcker vom Scheitel bis zur Sohle, der sich selbst zu den elendesten Hcnkerdiensten gegen die freiheitlichen Bestrebungen unserer Zeit gebrauchen läßt, ein Mensch, dem, wie den Nationalliberalen überhaupt, jede» Scham und Ehrgefühl abhanden gekommen ist. Daß er den So- zialfften nicht grün ist, beweisen die wiederholt gegen hiesige sozialdemokratische Redner und Redakleure gestellten Strafanträge, wie er denn überhaupt oftmal« sein Amt mißbrauchte, indem er in öffentlicher Sitzung Parteipolitik trieb und über die sozialdemokratischen„Führer" persönlich sich in den ge- meinsten Ausdrücken erging. So hatte sich anfangs der 70er Jähre unser Genosse Stollberg durch mehrere VersammlungSreden die Ungnade de« Bür- gerineisterS Fischer zugezogen und ihn so in Harnisch gebiacht, daß er Stoll berg in öffentlicher Sitzung u. A. einen„nothigen Tropfen" nanute, „der nicht Werth sei, Bürger zu sein". Diese Aeußcrungen wur- den uns sofort nach der Sitzung durch einen Magistrat scheu Bediensteten, eine völlig glaubwürdige Person, hinterbracht, und nur der Umstand, daß der Bedienstete un» nicht Zeugenschast leisten konnte, weil er sicher von seinem Posten gejagt worden wäie, schützte den grobe» Bürgermeister vor strafrechtlicher Bcrfolgung wegen Beleidigung. Als Genosse Stollberg vor drei Jahren sich vor dem hiesigen Bezirks geeichte wegen unbefugter Anmaßung des AdelStitcl» zu verantworten hatte (Stollberg machte nämlich de» Scherz, seine Wirlhschaslsannoncen aIS„G!as" Stollberg zu unterzeichne», weil Bürgermeister Fischer ihn in einer andern Sitzung spottweise so genannt hatte), ließ er den Bürgermeister Fischer als Zeugen voi laden, um durch ihn bestätigen zu lassen, daß er wiederholt die Zielscheibe de» Spotte«, und der Flegeleien dieses Menschen geuxse» sei. Die Leser de«„Sozialdemokral" werden nun wohl glauben, daß der rechts kundige Bürgermeister Fischer der Wahrheit die Ehre gegeben? Weit gefehlt! Er machte nämlich die eidliche Aussage, daß er sich nie in öffentlicher Sitzung mit Siollberg befaßt habe, ja er hatte sogar noch die Frechheit, zu sagen, Stollberg sei ihm zu unbedeutend, als daß er sich mit ihm befassen möchte, mit einem Worw: Bürgermeiftcr Fischer sagte vor Gericht auf seinen Eid hin die Unwahrheit! Sie werden nun glauben, daß der Staattanwalt gegen den Bürgermeister Fischer Untersuchung wegen Meineid« beantragt habe? Gott bewahre! Fischer ist kein Sozialdemokrat, er ist ferner ein intimer Freund unsere» Justizministers und da hätte sich der betreffende Staatsanwalt die Kappe schön verschnitten, c» wäre mit seinem„Streben" für immer zu Ende gewesen. Aber selbst an- genommen, e« hätte ein Staatsanwalt sich zu solch kühner That auf- gerafft, so hätten unsere liberale» Bourgeoisgeschworenen immer noch ein Einsehen gehabt und sich dreimal besonnen, ehe sie eine solche„Säule der Ordnung" veruriheilten. Sie sehen, es ist bei un», wie ich eingangs meines Artikel« gesagt habe:„Schurken bleiben in Amt und Würden, arme Teufel wandern in'» Zuchtha»«!" Mit nächsten» Einige» über unsere hiesigen Parteiverhältnisse. Für heute nur so viel, daß Sie den paar hiesigen Schreiern, die sich in dem Londoner Blatte so gerne für die Gesammtheit aufspielen, oder aufgespielt werden, durchaus gar keine Bedeutung beilegen dürfen. Man muß diesen Leuten einige» Vergnügen gönnen, sintemal dieß die einzige Rolle ist, die sie spielen können. Die Masse der hiesigen Genossen steht nach wie vor treu zum alt- bewährten Banner! -p». Nürnberg, 31. Januar. Heute und vorgestern haben hier wieder polizeiliche Haussuchungen stattgefunden, um den verdammten„Sozialdemo- krat" aufzustöbern. Da sich unter den Behaussuchten auch wirklich zwei Abonnenten de« Sopaldemokrat" befanden, so darf wohl mit Recht an genommen werden, daß die Adressen derselben durch einen Postdiebstahl (wahrscheinlich auswärts verübt) vermittelt wurden und dann Requisition an die hiesige Polizei erging Gefunden wurde nichts weiter, als einige Eiuzel- exemplare— fortlaufende Nummern—, die zwar widerrechtlicher Weise mitgenommen wurden, die aber natürlich wieder herausgegeben werden müssen. Läßt sich denn diesen infamen Briefräubern ihr ekle» Handwerk aus gar keine Weise legen? Man hat zur Zeit der Mazzlnistijchen Konspiration in Italien besonder» gemeinen Spitzeln gegenüber bisweilen ein drastische» Mittel angewendet. Man spielte den betrefferden Kanaillen absichtlich Briefe in die Hand, welche mit einem betäubenden Gift parfümirt waren, dessen Dust beim Oeffnen dem Polizeikujon in seine niederträchtige Nase stieg und seinem verbrecherischen Treiben ein Ende machte. Es fällt mir nicht ein, ein solche» Mittel ebenfalls zu empfehlen: aber wenn die Milch der frommen Denkungsart so systematisch und durch die gemeinste» Mittel in gährend Dra-bengift verwandelt wird, wie eS gegenwärtig durch da« Treiben der deutschen Diktatorenwirthschaft geschieht, dann ist e» kein Wunder, wenn Einem bisweilen absonderliche Gedanken kommen. ?a Reutlingen, 2S.Jan. Zum Kapitel derBriefftieberei. Ein junger Mann, der mit einer jungen Dame in der Schweiz rn zarter Verbindung steht, ließ au« verschiedenen und anderen Gründen die Briefe dieser Dame an die Adresse eine« dekannten Parteigenossen, oder zur Vorficht vielmehr an die von dessen Frau gelangen. Inzwischen kam dieser Genosse(früher Ber- tranenSmann der Partei) wegen Berbreitung verbotener, vom Ausland bezogener Schriften vor den Gerichtshof zu Tübingen und weiter, obschon er freigesprochen wurde, sofort auf die r o t h e Liste Nun aber geschah es, daß vor einiger Zeit wiederum ein Brief mit der Adresse von dessen Frau anlangte und zwar in einem imposanten AmtSkouveit mit der Bemerkung:„Mit gänzlich zerrissenem Umschlag angekommen, deßhalb unter neue Verhülliing genommen. Königl. Briefpost Reutlingen." Die lieben Stieder hatten also diesen Brief, der seinem Gewicht zufvige sehr verdächtig war, an der Grenze angehalten, den gemeingefährlichen'Namen der Frau eine» bekannte» und sehr bösen Sozialdemokraten darauf gelesen und sodann, nach bekanntem Run», so hübsch mit dem Federmesser aufgeschnit- tc»— wohlverstanden aufgcschniten, nicht zerrissen, wie man am Kouvert noch heute sieht!— daß da» Kouvert in zwei kongniente Theile zerfiel.— Welche Ueberraschung aber, welche Enttäuschung für die Guten als statt eine» sozialdemokratischen, kommunistlichen, revolutionären, nihi- listischen und anaichiftischen„verbotenen" Blatte« ein— Liebesbrief herausspazirte!— Bei der ganzen Sache bleibt noch zu sragen, welcher Paragraph den Rittern von der Stieberei eigentlich erlaubt, zu öffnen, wa» an„gemeingefähtliche" Frauen adresfirt ist? In Zukunft ist also jedem ver- liebten Sozialdemokraten auch in seiner unpolitischen Korrespondenz die größte Vorficht zu empfehlen! Diesmal hat sich der infame Dieb ganz gewaltig blamirt und ist mit seiner Stieberei gehörig reingefallen! Sprechsaal. An die Redaktion des„Sozialdemokrat" in Zürich. Die Unterzeichneten ersuchen Sie, nachstehenden Protest in Ihrer nächsten Nummer aufzunehmen; er stimmt genau mit dem Original überein, welches wir der Redaktion der„Freiheit" übermittelt haben. London, den 2. Februar 1880. Protest. An das Zentral-Komite des Kommunistischen Arbeiterbildungs- Verein London. Wir, die Unterzeichneten, erheben hiermit energischen Protest gegen die Ausnahme des französischen Briefes, unterzeichnet von einem ehemaligen Kommunemitglied, in Nr. 52 der„Freiheit" vom 24. Dezember 1879, seitens der Redaktion obenbcnanntcn Blattes, aus welchem klar und deutlich hervorgeht, die ganze deutsche Sozialdemokratie sei mit dem beiden Altentätern Hödel und Nobiling identisch, wogegen sich kurz nach den stattgehabten Attentaten die ganze deutsche sozialistische Presse energisch ver- wahrt hat. London, den 24. Januar 1889. Sch varzcnberg. Ernst Theodor Fisch. Boxin. G. Winkelmann. Taubert. Daubenspeck. Scowronek. Horn. Krawezinsty. Jorban. Klaus. C. Knorr. R. Breul. Kammann. E. Schichle. F. Köllar. F. Lcyendecker. I. Busch. M. Ranke. Heyduk. A. Hoffmann. Paul Gerlach. W. Hoffmann. A. Schmiedt. A. Reichert. Ernst Friedrich. Fr. Czilinsky. I. Gugenheim. I. Blcsi. Wollank. Loffkoyen. Adolf. Kamenz. W. Rühe. Blum. Daniel. Krantz. Merkel. Dyberbanski. Bocher. Gentz. Fleischner. Scholl. Metke. Bahr. John Piper. N. Port. F. Krausemann. H. Rackow. Lcm. Letzte Post. * Aerkin, 9. Februar. Gestern hatte sich vor der I. Straf- kammer des Landgerichts I ein Beamter einer hiesigen wohl- renommirten Feucr-Versicherungsgesellschaft wegen Verbreitung sozialdemokratischer Schriften zu verantworten. Der- selbe war vor einem Monat auf seinem Bureau verhaftet worden, weil er nach eigenem Geständniß 5—799 Exemplare des Züricher „Sozialdemokrat" an hiesige Genosse» verlheilt und Sammlungen für die Ausgewiesenen veianstaltet hatte. Der Staatsanwalt beantragte für das erste„Vergehen" drei Monate, für das zweite sechs Wochen Gesängniß, während der Beschuldigte und sein Ver- theidigcr für das zweite Reat Freisprechung verlangten, da die Veranstaltung einer Sammlung für bedrängte Familien doch nicht als ein Verbrechen gegen das Sozialistengesetz ausgefaßt werden könne. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen an und veruitheiltc den Angcschuldig'en wegen Verbreiiung ver- botener Schriften zu drei Monaten Gesängniß, von denen ein Monat Untersuchungshaft abgerechnet wird. Der Vcrurihcilte wurde in Hast behalten, weil die Richter annahmen,„daß er doch ausgewiesen werde". Briefkasten der Erpedition. Dtd.: K u. 4 folgen, sobald„z. r. h. b." ic aufgeklärt.-- kau:„I. E. A. M. Br.": Auftrag besorgt. Dank und Bravissimo! Alle« erhalten. — L. Wl.—»dn: Fr. 32. 46 u. Tabelle von O. eingetroffen. Speise- zcttel erwartet.— Ferdinand: Gln. Mk. 3 u. Adr. erh. Bfe. kreuzten sich. -- ch«: Siehe„PH. L." Wir können nur diebssicher garantirt liefern, wenn„Feldjäger" ernannt, der Alle» übernimmt. Veranlasse dazu, da neue Direktive fehlt.— F. G. Vrvr«: Fr. 5 erhalten. Hier hunderte arbeitslos, keine Aussicht für Sie. Weitere» p. P. K— Geuä'eo:„Ami des socialistes allemands": Fr. 2. erhalten. Wird f. Z. im Wahlfond qnittirl.— Gen. Kk.: Winke erhalten u. befolgt. Weitere» erwartet.— H.— z. Mk 3 erhaltcn. Au Fr.— rr. Alle» abgesandt. Werden schon Luft schaffen. Ersatz folgt bei.— C. A. Pot: Besten Dank. Alles scheint» un- gerupft ausgeflogen. Schöne Gegend!— A. B. Paris: Im Brieskasten sollten wir Bescheid geben? Wenn nun aber Alle die Blätter durchaus nicht erhallen?— dann— d o p p c l t e Liederlichkeit der Expedition? Aber lieber Freund, warum sollten wir'/, Handerl Ab. verbummeln? Da» wäre wahrlich„geistreich liederlich"! Kann denn„deulsche» Spitzel" keinen schwyzer oder franz. Bruder haben? Lauszettel schon am 3l./l. abgegangen. Werden ihn wohl vorgelegt bekommen und somit müssen wir„Liederlichkeit" dankend ablehnen, fall« Postkarte auch den Weg von 4 u. ö nehmen sollte. Liefe- rung, Porto, Ersatzlieferung und Ersatzporto„für die Katze" zu leisten, dazu fehlt un» ein üppige« Budget, die nöthige Gewissenlosigkeit und Wursch- tigkeit. Gruß und Hand daraus!— Aa. Anselmu«: Bf. v. 4./1. hier. „Stiebet« Verdruß" mit 6 abgereist, Naplieferung der„20" dazu, liniere «escheerung hoffen froh zu den Vätern versammelt. Miserable» Reisewetter, deshalb„Regenschirm" nöthig.— Zünder: Post in Ordnung n. beachtet. 12 Italiener besorgt, ebenso„gelbe Henne" nebst dem Eurigen.— O. I., Wien: Vers, schon an alte Firma erfolgt, trotzdem habm„6" an neue ab- gesandt.— E. S.— ain. Aya! Also auch„Grützespitzrl"? Haben Eure beiden Portionen in Mtz. serviren lassen, wo auch das Weitere zu finden sein wird. Einverstanden?— A. M. Lbda. Mk S. hier, da« Ihrige ab„1" hoffentlich dort. An— gge. Alle« prompt gesandt, scheint« ebenso prompt gestohlen. Feinschmecker da«! Werden wohl Arjenik an die„bekannte Stelle" streichen müssen, daß„ihnen" da« Schlecken entleidet.— A. A.— brg. Die„Ungradcn" geschnippft? Ware» aber auch schmackhaft. Sollen nicht zu kurz kommen, wie Sie mit„6" gefunden haben— Br. N. N. Mk. 6 auf den Leisten gespannt Alte« und Reue« wohl versorgt. Die„150" werden mit der großen Armee einrücken, sobald Mottenburq vollends„ent- setzt" ist.— Lausitzer Rothhaut: Zum Drittenmal hat der Fuch« den Löwen besiegt. Unsere 3 Neuen stehen iin Wigwam unter Dir!— W. Hffm., Ldn: Noch nicht Alle» bereit, viel Arbeit, also einige Zeit unbedingt ge- dulden.— Spitzclkundschaft in Sri, M—, 3—: Wenn noch Was für Euch auf redlichem Wege übrig bleibt, werde» un« da» Vergnügen machen, uujzuwalten Erst kommen die Roth.n dran. Gute Unterhaliung indes!— B. S. 15 Pfg. erhalte». Adr.»otirt. 4 abgeg. Folgt nochmal« u. mit 7 „St. V." Kragen au« letztem Bs. beantworten? Letzter, wo- in Sie die» ver- langen, ist der letzte und— enthält keine. Verwechseln Sie un« vielleicht mit der„Tagw."?— F. Beauvai»: Fr. 5 hier. Alle» folgt.— Pole in Pest: ö. w. fl. 3 erhallen. Alle» in gutem Zustand. 4 folgt nochmal». Neue« vorgemerft. Schfr. baldigst. Grufi! Durch uns, sowie durch die Volksbuchhandlung Hottingen-Zürich ist zu beziehen: Die Frau und der Sozialismus. Von Augtist Bebel. 12 Bogen Gross-Oktav.— Preis 2 Fr.— Mk. 1. 50. Expedition des Sozialdemokrat »chweij. v>rein»buchdrs«ch.