Ur. 151. Abomements-Kcdwgungr»? «bonnement«- Preis ptinumeranbo: vierteljährl. 3,30 Ml,, monatt. 1,10 Ml., wöchexllich 28 Pfg. frei tu« Hau«. ffitnjelne Nummer 5 Pfg. Sannlag«- Slummet mit illufirirler Sonntag«« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- «boimement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZetlungZ» Preisliste sür lSVS unter Hr. 7576. Unter lireuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. IS. Jahrg. Die Inserttons-Gedllhe beträgt filr die sechigespaltene lloloitel» »eil« oder deren Raum«0 Pig., sür verein«- und PersammlungS-Anzeigen. sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bl« t Uhr nachmittag« in der Srpeditio» abgegeben werden. Die Slpedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bl« 8 Uhr oormiltag« geöffnet. Erscheint täglich nutzer»ontng«. Devlinev VulKsblatfk. Fernstirecher:»mt I, Kr. 1503. Telegramm-Adreffe: «Sozlnldemostrni verliu". Dentva organ der sozialdemokratischen Martei Deutschlands. Srdakiivn: 8W. 19, Vetth-Slratz- 2. Freitag, den 1. Jnli 1898. Expedition: 3M. 19, Veuth-Stvahe 3. Bezugs-Einladung. Lm t. Juli 1898 beginnt ein neus Abonnement t�uf den ..VolvtttLvts** mit Unterh altungSb latt und der iffurirten Sonntag i-Beilage „Die Ueuu Lvelk." Der im UnterhaltungSblttt bisher ersthienene Theil dcS RomanS: „Nm die Friheit" Von Robert Siweichel wird neueintretenden Abonnenten k« stt n l o s nachgeliefert. Wir ersuchen unsere Partcigentiss.r und Parteislenossinncn uni eifrige Mtarbcit zur Heranzichunu teuer Leser dtls„Vorwärts" und damit neuer Kämpfer für unsere Zartei. Für Berlin nehmen sämmtliche Zttungsspediteur e sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellt! nrn entgegen zum monatlichen Preise von I Mark 10 Pfenniges frei ins.'paus. Für ausserhalb nehmen sämnit lie Postanftalte ü Abonnements zum Preise von S Mark 30 Pennigen für die Monate Jnli, A» nst nnd September entgegen.(Eingetragen ist der„Von ts" in der P ost-Zeirungslistc für 1898 unter Numtner 7576.) Die Redaktk des„Vorwärts". Die Niederlage der Zalltm-elpolitik kommt zu schärfftcm Ausdruck in der Thatstsche, daß d i c Partei, gegen welche das kapital ische �onunciamento dcS Herrn Miquel als gemeinschaftlic."� Hauptes per rcätnouäriln Nimmersatte von Kraut' und S.» tjunkern: die Sozial- d e m o k r a t i e, die einzige Pat i ist, die einen wirklichtm Sieg erfochten und ihr Ehrenschü rein beivclhrt hat. Keine zweite Partei kann das von sich saicti. Auch des Z e n t r n l.n, das vor der Hauptwahl der„Sa nclpolitik" fern blieb, vor den Stichwahlen ihr aber''di ansgedehntestem Ma ßc huldigte, kann sich keines neni�bwerthen Machtzuivach'scs rühmen. Und der schmutzige Wslschacher, den es vor Neu Stichwahlen namentlich mit de n a t i o n a l l i b e r a l e n Niumpf-Partei trieb, verwandelt«eine, an sich übrigens rocht unbedeutenden Erfolge in moräli'k>e Niederlagen. Die sozialdemokratische Parte«— und dps darf uns mit Stolz erfüllen— ist die einzx,e Partei, welche sich von schimpflichem Wahlschacher fern gt)alten und ohne Preisgabe eines Prinzips den Wahlkamps v n Anfang bis zu Ende ge- führt hat. Wo wir andere Partum in der Stichwahl unterstützten, geschah es im Partei-Jul� reffe und>>n Einklang mit unserem Parteiprogramm, und i,o wir bei den Stichwahlen mit Gegnern kämpften, haben wiij es verschmäht, um Bundes- genossenschasten zu werben. t Die schmutzigsten Wahlbündnisse sind bei dieser Wahl beiläufig von dem Zentrum unk den NationqMderalen geschlossen worden; beide haben Einander die beiderseitigen Wähler wie Schafhecrdeu verkauft!. Daß diese zwei Parteien — die sich sonst wie Todfeinde geberdcn, da, wo es das Volk zu betrügen gilt, aber ein Herz und eine Seele sind— ihren Wählern derartiges zuniuthen konnten, be- weist, daß sie von denselben eine überaus inedrige Meinung haben und sie als„Stimmvieh" in des lVortes niedrigstem Sinn betrachten. Freilich, vielfach haben dic' nationalliberalen und ultramontancn Herren Schacherpolitiker sich in„ihren" Wählern getäuscht In verschiedenen Wahrfreisen, z. B. nachweisbar im Kreis Wiesbaden, sind die katholischen Ar- beitcr, bei denen das Klassenbewußtsein mehr und mehr erwacht, dem Kommando der Führer nicht gefolgt. Daß das Zentrum diesmal bei den Stichwahlen sich mit einer, bei früheren Wahlen unbekannten Wucht auf die Sozial- demokraten warf, hat seinen für uns sehr erfreulichen Grund in der Furcht des Zentrums vor deü Macht der Sozial- demokratie und der sozialdemokratischen ozdecn, welche auch die dem Zentrum bisher treu gebliebenen kc'tholischen Arbeiter- kreise zu ergreifen beginnen. Mit seiner Schacherpolitik hat das Zentrum sich jedoch in das eigene Fleisch geschnitten, denn daß die Zentnlmsführer jetzt mit einem sNale die National- liberalen, die seit Jahrzehnten den katholischen Wählern als das von plus ultra der Verderbtheit und Niedertracht hin- gestellt worden sind, als Retter in der Noth anrufen und ihnen die Stimmen der katholischen Wälsier verschreiben— das ist auch für die kaukräftigsten der katholischen Kinnbacken eine zu harte Nuß. Und— die Frucht dieser Saat ernten w i r. Ernten wir i-iamentlich in den Wahlkreisen, die Gegenstand dieses schivipflichen Handels zwischen Zentrum und Nationalliberalen geworden sind. Nun noch ein Wort über die Stichwahlen. Die„Frank- furter Zeitung" sagt in einem ihrer letzten Schimpfartikel, durch den sie die groteske F l i n s ch- Dreifo'ltigkcits-Kandidatur und den erbärmlichen Verrath ihrer schwäbischen Muster- dcniokratie der offeiitlicheu Aufmerkfamkt'it entziehen will: keine Partei solle eine andere Partei verhöhnen, weil diese bei den Stichwahlen auf fremdei' Krücken in den Reichstag gekommen seien, denn jede Partei erhalte bei Stich- wählen fremde Hilfe, und keine leiste einer anderen Hilfe, außer im eigenen Interesse. Das ist richtig, aber mit einigem Unterschied. Eine Partei, die höchstens bei drei oder vier Stichwahlen ungesuchtcn Bei- stand empfängt, ist nicht zu vergleichen mit Parteien, die, wie die„Freisinnigen" Schwesterfraktionen, nur auf fremden Krücken in den Reichstag hineinhumpeln. Es fällt uns auch nicht ein, anderen Parteien es zum Vorwurf zu niachen, daß sie Hilfe von uns empfingen. Haben wir selbst doch ans- drücklich erklärt, daß wir den Freisinn zc. nicht uni der schönen Augen des Herrn Richter:c., sondern in unserem eigenen Interesse unterstützen. Die Schacherei anderer Parteien bei Stichwahlen kann nicht brennend genug gebrand- markt werden. Und die„Frankfurter Zeitung" ist so ziemlich am wenigsten dazu berufen, politische Moral- und Anstands- predigten zu halten. Keine Partei hat in diesem Wahlkampf ein Stückchen von tieferem Moralniveau geliefert als dic dcmoki-atisch- fortschrittlich-nationallibcrale Chamäleon- Kandi- datur, die der sinnreiche Sammelvatcr Miquel, einst Ober- bürgernleister von Frankfurt, seinen demokratisch schillernden ehemaligen Gcmcindckindern anfoktroyirt hat. Ob das alberne Gerede von dem Vorschub, den die Sozialdemokratie der Reaktion leiste, nun endlich aufhört? Mit sozialdemokratischem„Vorschub" ist kein Reaktionär in den Reichstag gekommen, dagegen Dutzende durch die Dienste„freisinniger" und„demokratischer" Handlanger. Ebenso kindisch ist das Gerede gegnerischer Blätter, dic Sozial- demokratie sei in ihren W a h l- H o f f n n n g c n getäuscht worden. TaS Höchste, was wir erhofften, war ein Zuivachs von einigen hunderttausend Stimmen und ov bis 60 Abgeordnete. Run, wir haben 86 Abgeordnete und weit ü der 2 Millionen Stimmen! Das geht über u n s e r e H o f f- nungen hinaus. Was insbesondere die Zahl der Mandate betrifft, so hatten wir bei der Hauptwahl acht mehr als im Jahre 1803, nnd die Stichwahlen haben uns im ganzen zwölf Mandate mehr ergeben als 1893— nämlich 56 gegen 44. Mit diesen 44, die der Juni 1893 uns verlieh, haben wir die diesjährige Ziffer zu vergleichen und nicht mit den 48 Maudaten, die wir nach einer Reihe glücklicher Nachwahlen am Schluß des vorigen Reichstages üine hatten. Kurz— wir haben alle Ursache, mit dem Ausfall der diesjährigen RcichstagStvahl sehr zufrieden zu sein. Der kräftige„Zug nach links" hat vor alleni unserer Partei genutzt, und sind wir auch in diesem Reichstag noch nicht stark genug, positiv unserem Programm gemäß die Regierung nnd Gesetzgebung zu bestimmen, so sind wir doch stark genug, der Reaktion und ihren Handlangern einen Riegel vorzn- schieben und„die bürgerliche Freiheit" auch gegen das Bü rg ert h um s el b st zu v e r t h e i d i g e n. K>olikifv i r t h s ch a f t s-> k a in in e r ii und sonstige korporative Verbände. ES würde dazu nöthig sein, die Zahl der Neichstagsmitglieder Hin mindestens hundert zn erhöhen. Aber es wäre damit eine Bürgschaft gewonnen, daß neben dem Ergebnitz der rohen Ziffer, der M a s sc n Wahl, auch die Intelligenz der Nation unter allen Umständen zu einer dauernd feststehenden Vertretung ge- langte. Vielleicht liegt hierin doch das Hilfsmittel der Zukunft gegen das Ueberwuchern der Sozialdemokratie." Nach Meinung der„Berliner Neuesten Nachrichten" wäre bisher durch das Eraebniß derMassentvahl, durch die Macht„der rohen Ziffer", dic Intelligenz ini Reichstage nicht oder nicht genügend zur Vertretung gelangt. Der Meinung sind wir auch stets gewesen, sobald unser Blick auf die sreikonservative Fraktion fiel.— Z» den prciisiischcn Landtagöwahlc» beginnt der Liberalismus bereits seine Rüstinigen. Zur KeiiM ichnung der Stellungnahme der freisinnigen Volkspartei zu diesen Wahlen geben tvir das wichtigst ans einem Artikel der„Frankfurter Zeitung", der betitelt ist:.�n neuer Arbeit!, wieder:/ .Zunächst freilich wird man von feiten der Ncgieruiig das Glück iin prentzischen Landtag versuchen(nämlich mit llmsturz-Vorlagen, Neckc-Gesetzen oder dergleichen), soweit dic Zuständigkeit deffeiben reicht. Eben darum ist der Ausfall derLandtngswahlen in Prentzen diesmal von einer politischen Bedeutung w i e n i e zuvor... Freilich lätzt sich eine gerechte Vertretung deS Volkes bei diesen Neuwahlen unter keinen Ilmständen erzielen, denn schon die Ein- iheilung der Wahlkreise entspricht noch weniger, als es bei den RcichStagSwohlen der Fall ist, dem hentiaeu Vcrhättnitz der Bc- vvlkerung. Das Wahlrecht selbst ist noch verschlechtert worden infolge der neuen Steuergesetzgebung. Zum ersten Mal bei den nächsten Wahlen wird sich dies in vollem Umfange geltend machen. Gleichwohl mutz alle Kraft darangesetzt werden, zu verhindert'. datz«ine rein konservative Mehrheit im Abgcordnetenhainc sich zusainmcnstndet. Schon im bisherigen Abgcordnetenhniise fehlten den Konservativen und Frcikonservativen zusammen nur 6 Slimincn an der absoluten Mehrheit. Infolge dessen konnten der Assessoreiiparagraph und die Vercinsgesetz-Nobelle nur mit einer ivinzigcn Mehrheit abgelehnt werden. Nicht Ausgabe der Neuwahlen kann eS sein, die konservativ- klerikale Mehrheit oder die konservativ-nationalliberale Mehrheit zu zerstören aus dem einfachen Grunde, weil man sich damit ein Ziel setzen würde, das in absehbarer Zeit nnd jedenfalls bei den dies- maligcn Wahlen nicht erreichbar ist. Darum müssen alle Kräfte znsammengefatzt werden, die rein kou- s erbativ e Mehrheit zu verhindern. Das gleiche Bestreben mutz die ZcnirumSpartei haben nnd müssen auch die Natioiiallibcralen haben. Infolge dessen kann die Sanimel Politik für die gesammte Linke im Abgeordneten Hause nur lauten: Alle Mann gegen die K o n f e r vatiben! Die Froiitstelluiig mutz darum eine von Grund aus andere sein wie bei den Reichstags Ivahlen. Militär- und Marincfragcii spielen in dic Wahlen für das prcntzische ttbgeordncteiihans nicht hinein, ebenso nicht Zollfragcn oder Fragen der zünstlerischen Gesetzgebung. In bezng auf parlamentaruche Rechte, in bezng ans Selbstverwaltung in den Koninmnen Häven Freisinnige, Nationalliberale und Zentrum vieles gemeinsam. Noch niehr ist den Freisinnigen gemeinsam mit den Nationalliberalen. Ebenso verschieden von den ReichStagSwahlen wie der Ausmarsch der Parteien mutz auch die Kampfeswcise sein. Es handelt sich bei den Landtagswahlen weit weniger um Massenagitation, mn zahlreiche Ver- sanimlungen nnd Flugblättcrvertheilung, als um sorgsame Bqrbercititng der Organisation in den einzelnen lirwahlbezirkeii. Denn schwerer noch als die dritte Wählerklaste fällt die erste und zweite Wähler- klaffe inS Gelvicht. Die indirekte Wahl nöthigt noch besonders dazu, die Organisation der Urwahlbezirle im einzelnen in detracht zn ziehen und von langer Hand geeignete Kandidaten für die Wahl- männer-Wahlen zn ermitteln. Die�Zcntrnmspartei in ihrem An- schlug an die kirchliche Organisation'braucht solche Vorbereitnngen viel weniger. Ebenso wenig brauchen solche Organisationen die- jcniaen Parteien, denen die Organe der Behörden und die Gefolgschaft derselben zu statten kommt.... Bekanntlich haben 1893 nur 13 p Ct. der Wahlberechtigten an den UrWahlen theilgenommcn. Gerade diese geringe Betheiligung giebt in Verbindung mit der öffentlichen Abstimmung den Behörden und den von den Behörden abhängigen Personen einen so großen Cnnfluß auf das Wahlergebniß. Alles dieS würde sich init einem Schlage von grund aus ändern, wenn die Wahlbetheiligung sich auchZ nur verdoppelte, also auf 36 pTt. der Wahlberechtigten an- wächst. Diese 83 pCt. würden immer noch nicht die Hälfte der Wahlbethcilignng ausmachen, welche jetzt bei den Neichstngswahlcn stattgefunden hat. i.reuz-Ztg." treulich mitgcmacht.Vomaltkonservativcn Patriarchalismus ist sie bis auf die selbstsüchtigste Jnteresscnwirthschaft und brutalste Gewaltpolitik hcruntcrgcsunkcn. Auch jegliches moralische Ansehen, das selbst dem politischen Gegner gebührt, mußte, sie cndgiltig vcr- licren, da sie, die unermüdliche Kündcnn der Königstrcnc und der Kirchcnreligiosität, ihren langjährigen leitenden Redakteur als gemeinen Verbrecher ins Zuchthaus wandern sah. Zwar kämpft die„Krcuz-Zeitung" auch seitdem noch immer mit gleichem Pathos und gleich frommem Augenauffchlag für König. Vaterland, Kirche und Junkenntcressen, aber ihr Ansehen ist erschüttert. Selbst ihre agrarischen Schützlinge haben sich andere Vertretung ihrer Forderungen in der Presse geschaffen, nachdem auch das journalistische und politische Talent des Freiherrn v. Hammerstein der„Krenz-Ztg." verloren gegangen ist.— Wie von der Tarantel gestochen kreischt das Organ der Frankfurter„Deinokraten" ob unserer Fcstnagclimg seiner Handlangerdienste an die Reaktion. Das Blatt scheint sich ein wenig zu schämen und möchte die unbegneme Ssimme des Gewissens durch wüstes Gejhle übertönen. Wir haben keine Veranlassimg, das Fischwcibergeschmäh weiter zu beantworten. Die„Franks. Ztg." kanii die Thatsache der offenen und geheimen Unterstützung der ausgemachtesten Reaktion durch die sogenannte bürgerliche Demokratie in keiner Weise aus der Welt schaffen; sie sollte, statt die Sünden der Vergangenheit zu beschönige», lieber auf Besserung sinnen. Ihre jetzigen Auslassungen lassen eine solche Hoffnung freilich kaum auf- kommen. Die„beste Rechtfertigung der Demokratie" findet die„Franks. Zeitung" nämlich darin, daß die„Konserv. Korrespond." ihr„Ehre und Ansehen für immer abspricht, weil sie die Sozialdemokraten zu Wahlerfolgen verholfen habe." DaS heißt auf gut deutsch: Die „demokratische"„Frankfurter Zeitung" will erst staun einen Pakt von unserer Seite für möglich halten, wenn die Konservativen ganz mi! gar mit ihrer Patentdcmoftatie zufrieden sind. Daß die Korrespondenz der Manteuffel und Limburg- Ssirum noch immer einiges an der Gesinnungstüchtigkeit der Frantfurtcrin auszusetzen bor. ist der famose»„Frankfurter Zeitung" nun schon Beweises g nug für ihre Charakterfestigkeit und unentwegt dcmokrasische Ge- siwrung. Die Herren in Frankfurt haben sich bereits so sehr an den Sumpf des reaktionären Handlangerthums gewöhnt, daß sie ihre Erniedrigung garnicht mehr empsiudeu.— Ei» interessantes Zngeständniß macht uns die„P o st". In Anknüpfung an unseren Artikel über den Vormarsch der Sozialdemokratie will sie die Gründe für das Wachsen der Partei dar- legen Unter anderen sagt das Stumm-Blatt in diesem Zusammen- hange: „Die Zahl der industriellen Arbeiter, namentlich in Zentren der Industrie, hat sich erheblich vermehrt, und damit ist natur- gemäß der Sozialdemokratie aus oen von ihr beherrschten Arbeiterkreisen eine weitere Bermehrmig der Stimmen er- i ichsen" Die„Post" giebt also zu, daß es„naturgemäß" ist. wenn die uidustnellen Arbeiter sozialdemokratisch wählen. Das ist einmal ein vernünftiges Wort. Wahrscheinlich aber ist cS dem Artikelschreiber versehentlich in die Feder gerathen.— Folgende ungiltige Polizeiverordnung hat der Landmth des Landkreises Essen erlassen: „Wer ohne Genchmignng Fahnen und Flaggen in anderen als den preußischen Landes-, den deutschen Reichs- und Landes- färben, oder den Provmzial-, Kreis- und Gemeinde-, sowie den kirchlichen Farben öffentlich aushängt, ausstellt oder trägt,'ferner wer in Fällen, in welchen es geeignet erscheint, die öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung zu untergraben, Zeichen und sog. Frcihcitsbänme öffentlich ausstellt, oder wer Kokarden, Bänder, Abzeichen in anderen als den Farben desjenigen Landes öffentlich trägt, in welchem er staatsangehörig ist, wird, soweit nicht Z 366 Ziffer 10 des Reichsstrafgesetzbuchs zur Anwendung kommt, mit einer Geldstrafe von 30 M. oder im Unbermögensfalle mit ent- sprechender Haft bestraft." Derartige Polizeiverordmmgen sind nngilsig, denn das Reichs- Strafgesetzbuch bat durch seinen Abschnitt 7(betreffend Vergehen gegen die öffentliche Ordnung) weder der partikularen Gesetzgebung noch gar Polizeiverordnimgen das Recht eingeräumt, altpmtßische Bestimmungen wieder ins Leben zu rufen, die das Strafgesetzbuch beseitigt hat. DaS ist vom Obcr-Vcrwaltungsgericht z. B. in dem Urthcil Stüven gegen den Obsrpräsidenten zu Altona und vom Reichsgericht in seinen letzten Urthcilen betreffend oris Leckttieux (aufrührerische Rufe) anerkannt. Freilich— wie das Kammer- g e r i ch t urtheilen ivird, steht noch dahin. Znin Kampfe gegen die Waarenhänser liefert der kürzlich erschienene Jahresbericht der Handelskammer von Pforzheini einen beachtcnsiverthen Beitrag. Ein Berliner Waarenhans hatte danach versucht, die Gold- und Silberwaaren Pforzheims und Schw.-Gmiinds direkt von den Fabriken zu beziehen, die bisher durch die Grossisten mit den Silber- und Merallwaaren-Handliuigen aller Orte verkehrten. Das störte die Nutznießer der bisherigen Absatz- organisation natürlich sofort aus ihrer Ruhe auf. Die in einem „Kreditverein" verbundenen Fabrikanten und Grossisten, ferner die Freie Vereinigung des Gold- und Silberwanrengewerbcs solvic die Goldschmicdeinnnnq von Berlin eröffneten Verhandlungen,„die den Schutz und die Erhaltung des soliden Dctailgeschäfts, als des natürlichen Vermittlers für die Pflege guten Geschmacks und gerechter Wertschätzung künstlerischer Handarbeit beim kaufenden Publikum sie- zweckten." Durch die schließlich zu stände gekommene Vereinbarung machten sich die für den deutschen Markt arbeitenden Grossisten und Fabrikanten verbindlich, weder direkt noch indirekt Lieferungen an ein Waaren haus zu machen, wo- gegen sich die Grossisten den Fabrikanten gegenüber verpflichten, beim Einkauf oder bei Erthcilnng von Bestellungen nur Vcrtragsfirnicn zu berücksichtigen. Wieweit diese Verpflichtung wirklich durchgefüh rt wird, sagt der Jahresbericht nicht. Er erwähnt jedoch, daß das Vor- gehen an den drei Hanptplätzcn der deutschen Edelmetall-Industrie, Pforzheim, Hanau und Schtväbisch- Gmünd nicht nngcthcilte Zustimmung gefunden habe. Die Handelskammer selber warnt davor, die dem Kunstgewerbe und den Vertreiberm seiner Erzeugnisse seitens der Waarenhänser drohende Gefahr zu überschätzen; Ions die Waarenhänser vor allem vertreiben, seien„billige und billigste Artikel für die Befriedigung des Schnnickbedürfinsses der bresien Massen, Gegenstände, die in Zeichraing und Entwurf bis zu einem gewissen Grade künstlerisch sein mögen, deren Erzeugung jedoch die Maschine ganz oder zum größten Thcile der Hand des Kunslhand- lverkers abgenommen hat."— Auch hier sind also die Interessen der Betheiligten durchaus keine einheitlichen. Das eigentliche Kunst- Handwerk, das mit dem verfeincrteren, individualisirten Geschmack einer aristokratischen Minderheit rechnet, fürchtet für feine Produktion und Absatzfähigkeit. Wo jedoch große Mengen gleicharsiger Waaren für den Massenabsatz hergestellt werden, sieht man in dem billigen Vertrieb der Waarenhäuser eine Quelle neuer Absatz« und Produksionssteigerung. An diesem Widerspruch würde die Pforz- heimer Vereinbarung■ sicherlich scheitern, wenn sie überhaupt durch- sührbar wäre.— Das KoalitionSrccht der Arbeiter war in der wnrttem- bergischen Kammer Gegenstand der Verhandlung. In einer anSsührlichen Rede trat der nationalkiberake Abg. Schwarz den Posadowsiy'schen Plänen entgegen. Seine bemerkenswerthen Aus- führungcn schloß er folgendermaßen: „Dieses hohe Haus sowohl als die K. Skaatsrcgierung wird sich der Ueberzcugung kaum eutschlagen können, daß alles geschehen nniß, um das zu beseitigen, was eine begründete Unzufriedenheit in Arbeiterkrcisen weiter nähren oder noch verstärken könnte. Das durch die neueste Reichstagswahl zu tage getretene Anschwollen der Sozialdcinokratie macht diesen an sich schon berechsigten Wunsch, wie ich glaube, umso dringlicher. Ich bin sogar der Ueberzcugnng, die ich übrigens niemand aufdrängen möchte, die Reichstagswahlcn wären nicht in diesem Maße im sozialdemokratischen Sinne ausgefallen, wenn die Arbeiter nicht dazu veranlaßt worden wären, durch die mehr oder weniger berechtigte Befürchtung, es drohe ihrem lvichtigsten Rechte, dem Koakisionsrecht, eine große Gefahr. Dieses Gefühl dcrBesorgniß und Unsicherheit bezüglich des KoalitionSrcchtes hat namentlich einen beunruhigenden Zündstoff in die Arbciterkrcise geworfen. Nichts wäre aber mehr geeignet, einerseits der sozialdemokratischen Bewegung Nahrung zuzuführen und ihr Vorschub zu leisten, andererseits aber jene bisher der Sozialdcmalratie und ihren Bestrebungen noch fern- stchciidcn Arbefterkrcise in große Unruhe zu versetzen und m Un- zufriedenheit zn bringen, als irgend welche Bcschräiiknng und durch chikanöse Polizei- und Strafbcstiinmnngen veranlagte Einmengung und Erschwerung dcs Kcalitionsrccbts der Arbeiter, das nun einmal ein Recht ist, dessen nngcschmälertcr Bestand als eine Lebensfrage für die Arbeiter und als ein Hauptfaktor für eine gesunde und namentlich friedliche Weitcrcntwickelnng der sozialen Frage bezeichnet werden muß. Der kgl. Staatsregierung dürste cS um so leichter sein, unserem Antrag zu entsprechen, als sie ja selbst den Gewerkvereinen des Landes in anerkenncnSwerther Weise bisher kein Hinderniß in den Weg gelegt und polizeilicher Bevormundung oder Bcstrafmig bisher ferne gestanden hat. Unr so mehr kann man sich der Hoffnung hin- geben, die kgl. Staatsregierung werde durch ihre Bevollmächtigten zum Bundcsrathe sich herbeilassen, für die Resolutionen in dem Sinne, wie sie im Reichstage angenommen worden sind, in warmer Weise einzutreten. Die kgl. Staatsregierung wird da- durch die hochgehenden Finthen der Arbeiterbewegung beruhigen helfen und zu gleicher Zeit sich das Vertrauen und den Dank der Arbeiterklassen entschieden verdienen. Je nichr, meine Herren, gerade die einzelnen verbündeten Rc- giernngcn ohne Furcht vor dem Unteruehmerthum durch ihre Bevollniächtigten zum Bundesrats einer Beschränkung und Einengung des Koalitionsrechrs in billiger Weife entgegentreten und eine Sicherung und Erweiterung des Koalitionsrcchts befürworten, desto bäldcr und eher werden sie' dadurch die Arbeiter für eine gesetzliche und fried- liche Entwickelnng der sozialen Frage auf dem bestehenden nationalen Rechtsboden gewinnen und verderblichen Umsturzgclüstcn entgegentreten. Wer aber das thut, meine Herren, der übt eine ebenso große soziale als patriotische That, und darum möchte ich Sie dringend bitten, warm für unseren Antrag einzutreten.(Bravo!) Chronik der MajestätsbeleidigungS-Prozesse. Eine Anklage Ivcgcn Majestätsbelcidigung wurde gestern vor der vierten Straf- kammer des Landgerichts' I gegen den Maurer August K o s>v i ch verhandelt. Entgegen dem Antrage des Staatsanwalts beschloß der Gerichtshof, vor'der Oeffenllichkeir zu verhandeln, da einerseits eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung nicht zu befürchten und es anderer- scits zweckmäßig sei, daß das Publikum erfahre, auf welche Weise der- artige Anzeigen zu stande lämen. Der Angeklagte soll zu zwei verschiedenen Malen verächtliche Bemerkungen über den Kaiser gemacht haben. Zu- erst am Kaiscrs-GcbnrtStage im vorigen Jahre, also vor 18 Monaten. Der Beschuldigte bestritt dies entschieden,� die vier Frauen, die als Belastungszeugiimen auftreten würden, seien mit ihm verfeindet nnd wollten sich nun an ihm rächen. Es stellte sich denn auch heraus, daß der Angeklagte niit einer der Zeuginnen einen BcleidigungSprozcß geführt hatte, aus welchem er als Sieger hervor-- gegangen war, die drei übrigen Zeuginnen hatten auch' in jenem Verfahrest auf Seiten der ftruriheilten gestanden. Mit großer Zungenfertigkeit schilderten s ie ungehörigen Aenßcrungen, die der Angeklagte über den Knise'macht habe. Aber der Gerichtshof hielt ihre Bekundungen für uenden Weiberklatsch und sprach den Angeklagten frei.—_____ Alis die dollständige iesiernahme der Usambarabahn auf das Reich werden sich die Seuerzahler Ivohl gefaßt machen müssen. Die lgahn wurde am i. Oktober 1804 bis 12 Kilometer von Tanga imBetrieb gegeben, ft gend eine Bedeutung konnte sie erst gewinnen( wenn man sie is Koroglve fortsetzte; die Regierungs- denkschrift von 1394 Hostie dun aus Frachten durch den Mais- und Mtamabast Korogwe's, feren auf Umladungsvcrkehr durch die Karawanen, die aus der nigegeud des Kilimandscharo kommen. Im nächste» Jahre ist die Bh n noch nicht bis Muhesa, 40 Kilometer von Tanga, weitergeführt, i e Regierung wünscht, daß das Kapital „zum Weiterbau wenigsten- bis Korogwe schleunigst zusammen- gebracht" sterbe. In der f.g enden Denffchrift wird zlvar der Bau bis Muhesit, also ans gut zcn Stunden Fußweges, als fertiggestellt bezeichnet, aber„seitdem rul oer Bau fast gänzlich, da der Gesell- schaft die lstsitel ausgegange, sie daher zunächst einer Nenfundirung beziehungsweise Neüfinanziung bedarf". Einstweilen sprang die Deutsch-Ostafrikanische Ge)e schaft, welche die Aktten überwiegend besitzt, in die Bresche;„de eigentliche Strcckenbau mußte unter- bleiben und die Bauthätükit beschränkte sich auf die Instandhaltung". Wieder ein Jnhr ftätcr war es selbst damit vorbei; im November 4896 hatten gewatigc Regengüsse schwere Beschädigungen herbeigeführt, imDezemberweterholt'en sich dieRegenfälle, und als am 10, April 189,7 der Verkehr wie!e: aufgenommen worden war, brachte der anhaltende Regen, besonder- in den Tagen vom 11. bis 25. Mai, derartige llebersckwemmung!» zn Wege, daß die Durchlässe den Abfluß nicht mehr bewälsiger konnten;„die Bahn wurde au vielen Stellen überflnthct und abenuls zerstört. Der Verkehr mußte von neuem eing,. stellt Iverden". Nuumeljr wurde« die Uteucrzahlcr in Anspruch genommen. Trotz des-scharfen Widerspuchs B e b e l' s und R i ch t e r' s be- willigte der Reichstag in de: letzten Session 72 000 M., 12 Monatsraten von je 6000 M.. um dn Verfall der Bahn zu hindern und die Frage weite zu prüfen. J(,t melden die Blätter bereits, wenn vielleicht auch etwas verftiih daß die Reichsregierung die mehreren Millionen Mark, die der Bhnban für die bisher fertiggestellten 40 Kilometer verschlungen hbe. nicht verloren gehen lassen wolle. Die der oslw nkanischen Geftschast nahestehenden Blätter bemerken weiter bereits dazu: Der Entschluß, die Bhn überhaupt zu erhalten, wird nach dem llrthcile aller Sachkener gleichbedeutend sein mit dem Ent- schlich, die Bahn bis auf»nndestenS 100 Kilometer, näinlich bis zn dem PI mitagci, gebiet ii Haiidci'gebirge, fortzuführen. Die Reck willig kann ab recht lang iverden, obwohl, nach den bisherigen Ec fahnmgen zn rt heilen, die Aussichten für die Renta- bilität der«Lowenj-gdbahittc-ffenbar recht trostlose sind. Offierrcich. Krakau, 30. Fuisi. Jnp'ge der eingetretenen Ruhe ist die Ab- senduiig weiterer Truppen nij Neu-Sandcc iuhibirt worden.— -Schweiz. Bern, 2[). Jwii. Der iitioualrath beschäftigte sich heute mit der Angelegenheit de U>.9 Italiener, welche, als sie aus der Schweiz Nach Italien hi.m wollten, um sich an der Revolte in Mailand zu betheiligen.' Bundesrath an der Grenze den italienisckien Behl ien hatte überliefern lassen. Der National eath beschlo mit 106 gegen 11 Stinunen folgende Tagesordnung; Nach Eins nähme in den Bericht dcS VnndeSraths vom 13. Juni nnd in E ägung, daß der Rnttonalralh zwar ein früheres Einschreiten gel: scbt'hätte und mit der Art und Weise der erfolgten ijlbschiebuiig er Italiener nicht einverstanden ist, daß aber andererseits in die: Angelegenheit keine Veranlassung zu ciucr besonderen Slcllm„ahme vorliegt, geht der National- rath zur TiigcSordnnn, über Die von der Minderheit btwA'w.-gtt Tagcsordnnn, welche den BnndeSrath_ scharf tadelt nnd verlangt,-ah sich der Bniidcsrnth bei der italienischen Regierung z, gunsten der ausgelieferten Italiener verwenden solle, war im großer Majorität abgelehnt worden. ;Zn der Debatte Halter fast alle Redner die ante Absicht des VnndeSraths arclamit, aber sein Vorgehen für 1 1» zulässig erklärt.. Es stellte sich in der Debatte heraus, iiaß die Auöliejcruug der Jiliener infolge eines Mißverstand- iiisscs bei per Ncdalti.i der die Auslieferung anordnenden Depesche des Binidesratb 3:t strengerer Form vollzogen Nwrden war, alz d i e A 1 s i ch t der schweizerischen R e- giernng war. Blinde Präsident Rnffy tadelte energisch das Llcnehincii jener Jtaliciicr, welche die scknvcizerische Gastfreundschaft lpmiißbraucht ljätieit, und erlärte, die internationalen Verpflichtungen fcidcrtcn ein energisches Ei, schreiten.— Zürtch,-'7, Juni.(Ei;,©er.) Die sozialdemokratische Presse ve röfsentkichr cii,e Eingabe der in Zürich domizilirtcn geschäfts- le itenden Ä oiimiisston der schweizerischen sozinldemo- k: a t i s ch e n Partei cm die Bundesbehörde n in Sachen der Italien r- An s I i e s e r u n g. Die Eingabe geht von den aist 18, Mai al der Grenze stattgcfnndenen Vorgängen aus, die sich in demselben Kanton abspielten,„welcher vor 8 Jahren dc>i Schauplatz«einer siegrcchen Revolution bildete, deren Führer zim Zeit die höchsten Ehrcns.'llen bekleiden", verurtheilt sodami die Auslieferung selbst und zcrpflückt nüt Geschick und Schärfe de:, bereits belamitei, bundesrcthlichen Bericht, Sehr angebracht mid auch sin allgenusinen zeitg mäß ist ein Zitat von dem Berner UniversitätSprofcffor Hilty, icr freilich sonst kein BolkSmailn ist, aus einem Artikel, d«, er 1890«nlätzlich der siegreichen Nevolutton der Liberalen sin Testin schrieb und welches lautet:„Die menschliche Ratnr ist nicht revolutionär und keine Revolutton entsteht ohne st a r k e Mitschuld d e r R e g i e r u n g, gegen die sie gerichtet ist". Energisch weist die Eingabe dm Versuch zurück, die ausgelieserten Arbeiter als, arbeitsscheu und die Auslieferung selbst als einen Akt der Arrr-enpolizei hinzustellen. Verurtheilt wird ferner auch die Vcr- Hinderung der itafteuischen Sozialistenführer, aas die Arbeiter indem Siinie einzuwirken, daß sie wieder in die Jnnerschweiz zurückkehren. Vcranttvorllich sist pcis Geschehene werden alle diejenigen erklärt, welche seinerzeit a» der Schaffung der politischen Polizei mitgcwirlt haben und die stelz bereit sind, ans Kosten von Unabhängigkeit und Selbständigkeit dex Schweiz fremden Regierungen Liebesdienste zu erwc«en. Schließlich ivird die Aufhebiiiig der polittscheii Polizei rmd der Bundesan, valtschaft gefordert. Der Bundesaliwalt soll den: Justiz departeuient unterstellt werden. Frankreich. PariS, 29, Juni, lieber die heutigen Berathungen des Kabinets j» betreff einer etwaigen Interpellation in der D r e f u s- A n g z l e g e n h e i t wird entgegen der früheren Mcldlnig niiilmchr bekama, daß C a v a i g n a e darauf bestand, eine solche Jntcrpellatioi, müßte sofort im Parlament diskutirt werden, während die Mchrffeit der Minister sich im entgegengesetzten Sinne aussprach. Schließlich wurde beschlossen, die Frage morgen in einem unter dem Vorsitz des Präsidenten Faure abzuhaltenden Minister- rathe noch einnial z„r Verhandlung zu stellen.— PariS, 80, Jftni. Der heute im Elysse abgehaltene Mnistcr- rath beschloß, daß die Gctreidczölle vom 1. Juli ab wieder in voller Höhe erhoben wcrdo,, sollen.— Paris, 80. Jrmi. Anläßlich der heute in der Kammer ein- gebrachten Interpellation über die allgemeine politische Lage erhielt oas neue Ministerium ein Vertrau ensvotum, rmd zwar wurde dasscll e mit 316 gegen 230(stimmen aiigciiommcn. Bei den radikalen Abgeordneten herrschte über diesen Ersolg großer Jubel. Niederlande. Amsterdam, As. Juni.(Eig. Ber) In zwei Kreisen der Pro- vinz Groningen ist, wie wir schon auf grund einer Privatdepesche meldcteil, der Sozialdemokrat Schaper in die Provinzialstaaten ge- wählt worden. In Groningcn-Stadt erzielte er im ersten Wahl- dasselbe ein jedoch nur von Fachleuten erlennbareS verändertes AuZ- sehen erhielt. Von diesen älteren Banknoten sind nun ebenfalls eine Wuzahl, theilS mit Nummern versehen, theils unnumerirt. im Be- fitze des Oberfaktors voraesimdcn. Ferner ist festgestellt, daß Grünenthal seinerzeit ein Kästchen rothe Walzenfarbe sich in der LtcichSdruckcrci angeeignet hat. Ob er jedoch schon damals im Besitz einer Handpresse war, oder in welcher Weise der Aufdruck der Nummern seinerzeit sonst bewirkt wurde, darüber war Bestimmtes nicht festzustellen. Um den Werth oder Unwerth dcS„VoltakrenzeS" handelte es sich m einem Prozesse, der gestern vor der ISS. Abtheilung des Schöffengerichts stattfand. Der Vertrciber des Voltakrcuzcs, der ans Dänemark stammende Kaufmann Erik Schiönning, war des Be- tniges beschuldigt. Er hatte das Voltakrenz im Ansauge dieses Jahres in verschiedenen Blättern angepriesen. An einem seidenen Bande ans der blostcn Brust getragen, cntivickclc es im Körper des Trägers einen elektrischen Strom, welcher ein wirksames Heilmittel gegen eine Menge gefährlicher Krankheiten sei. Das Polizeipräsidium nahm Veranlassung, vor dem Ankauf des Kreuzes zu warnen, da es keinerlei Hilfskräfte in sich berge und einen Werth von 10 Pf. habe, während derVcrkänfer sich 2M. dafür zahlen lasse. Die Anklage ging von der Voraussetzung auS, dah Schiönning die Werthlostgkeit des von ihm angepriesenen Heilmittels recht gut kannte, demgemäß betrügerisch handelte. Der Beschuldigte verwahrte sich entschieden gegen diesen Vorwurf. Das„Voltakrenz", eine Erfindung des Professors HeSkjacr in Kopenhagen, sei in ver- schiedcnen Ländern geschützt und ans den hhgicnischen Ans- stcllungcn ausgezeichnet worden. Auch in Deutschland sei das Waarcnzcichen geschützt worden und dies solle nach dem Gesetze nicht geschehen, wenn der betreffende Gegen- stand nnsinnigeu oder unsittlichen Zwecken dienen solle. Tauscnde von Anerkennungs- und Dankschreiben Geheilter seien in seinen Händen. Es waren Vc- und Entlastungszeugen aufgeboten worden. Die ersteren hatten jede Wirkung vermißt, die letzteren wollten mit denr Kreuze gute, sogar ausgezeichnete Erfolge erzielt haben. Der Angeklagte behauptete, daß er es selbst mit großem Erfolge gegen Schlaflosigkeit getragen habe. Das Gutachten des Kreisphysikus Dr. Stornier über das Voltakrenz lautete geradezu vcrnichteno. Es bestehe ans zwei übcrcinandergelegten krcuzföraiigcn Metall- Platten, die � eine von Kupfer, die andere von Zink. Dazwischen befinde sich ein Stückchen Wollenstoff. Das Kreuz werde vor dem Anlegen etwa S Minuten lang in lauwarmen Essig gelegt und dadurch werde allerdings in dem Ringe, der mit beiden Metall- platten verbunden sei, ein elektrischer Strom erzeugt, aber ein so geringer, daß garnicht daran zu denken sei, daß der Strom' die Widerstandsfähigkeit der Haut brechen und in den Körper übergehen könne. Das Kreuz habe nicht die geringste Wirkung. ebenso gut könne man ein Stuck Leder ans der bloßen Brust tragen. Den Zeugen, welche durch das Kreuz von irgend welchen Gebrechen befreit sein wollten, habe der Glaube gc- Holsen, der ja bekanntlich Außerordentliches zu leisten vermöge. Der 2. Sachverständige, Dr. med. Sperling, äußerte sich weniger ungünstig über den Werth des Kreuzes. Er hielt es nicht für ausgeschlossen, daß bei schwächlichen Personen eine Wirkung durch das Tragen des Kreuzes hervorgerufen werden könne; dicS geschehe bisweilen schon durch die bloße Berührung des Körpers mit irgend einem Metall. Während der Staatsanwalt einen Betrug für vorliegend erachtete und gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 100 M. beantragte, folgte der Gerichtshof den Ausführungen der Vertheidigcr, Rechtsanwälten Volkmar und Dr. Fuchs, und sprach den Angeklagten frei, da nicht angenommen werden könne, daß er nicht an die Heilkraft des VoltakrenzeS glaubte. Anö Güstrow wird berichtet: Der Arbeiter Heinrich Buch in ,K o n o w, 46 Jahre alt, hatte sich vor dem Schwurgericht gegen die ! Anklage zu verantworten, am Abend des 23. Februar einem Forst- bcamren, dem Holzwärter K ö h n, in der rechtmäßigen Ausübung feines Amtes Widerstand geleistet und dem Beamten dabei eine Körperverletzung zugefügt zu haben. An dem erwähnten Abend war der Arbeiter Buch auf seinem dicht am Walde liegenden Acker ge- gangen, um— seiner Angabc nach— den Schaden zu besichttaen, den dort die Hirsche angerichtet hatten. Dabei traf er mit dem Holzwärter Köhn zusammen, der Buch im Verdacht der Wilddieberei hat, weil dieser mit Leuten verkehren soll, die wegen WildcrnS bestraft sind, und weil er im Besitz eines zerleg- baren Gewehres ist. Buch äußerte zu Köhn, es sei schon wieder alles schwarz von Hirschen, und er müsse wohl selbst etwas gebrauchen. Darauf forderte ihn Köhn auf, seinen Rock zu öffnen, welches Verlangen der Forstbeamte deshalb stellte, um so sehen, ob Buch unter dem Rock sein zerleg- bares Gewehr verborgen hatte. Buch soll nun, wie Köhn zeugen- eidlich erklärte, geäußert haben: wenn Köhn ihn anfasse, werde er mit der Nase in den Sand zu liegen kommen, und als er Buch dennoch angefaßt habe, hätte ihn dieser mit der Faust gegen die Brust gestoßen, so daß er zurückgetaumelt fei. Buch behauptete dagegen, er habe auf Köhn'Z Aufforderung, den Rock zu öffnen, erwidert: wenn Köhn etwas von ihm wolle, möge er mit zum Schulzen kommen, und daß er, als Köhn ihm dann den Rock mit Gewalt aufgerissen habe, Köhn nicht ge- stoßen, sondern nur abgewehrt habe. DaS Urtheil des Schwurgerichts lautete auf sechs Monate Gefängniß, wobei noch mildernde Umstände angenommen worden sind. Wie uns mitgetheilt wird, hat dieses Urtheil in Konow und Umgegend lebhaftes Beftemden erregt. Man ist dort der Meinung, daß ein Forstbeamter kein Recht hat, jemand zu Visitiren, wenn dieser sich bereit erklärt, mit zum Schulzen zugehen. Auch soll der Forstbeamtc eine wirkliche Körperverletzung nicht erlitten haben. � Ein Polizeibeamtcr von einer geradezu unerhörten Ge- Minheit und Rohhcit ist der bisherige Polizeisergeant Josef Ruchaj in Jnowrazlaw. Die dortige Strafkammer hat ihn am 7. April wegen Körperverletzung im Amte und Erpressung eines Geständnisses durch Gewalt zu zwei Jahren Zuchthaus und Ehr- Verlust vcrurthcilt. Am 18. Oktober 18V6 wurde ihm mitgetheilt, daß dem Restaurateur H. mehrere Flaschen Likör gestohlen worden seien. Er ermittelte, daß die That von mehreren Knaben begangen worden sei und brachte drei derselben auf das Polizcibureau. Dort mißhandelte er sie nach einander in der rohesten Weise, indem er sie über einen Sttihl legte und mit einem Gummischlauch prügelte. Deswegen hat er eine Gefänguißsirafe von 4 Monaten erhalten. Am LS. Dezember 1866 hatte Ruchaj drei Personen, W., St. und Z., zu verhaften, die des Diebstahls bezichtigt wurden. Er verhaftete sie und brachte sie in das Polizeigefängniß. Gestehen wollten sie die That nicht. Als gütliches Zureden nichts half, band Ruchaj den W. auf eine Pritsche und schlug ihn mit einem Stocke oder Ochsenziemer, bis er„gestand", er habe das gestohlene Geld da und da vergraben. Mit St. wurde es ebenso gemacht. Am Morgen des 24. Dezember führte Ruchaj den W. an die Stelle, wo derselbe das Geld vergraben haben wollte. Trotz emsigen Grabens wurde aber nichts gefunden. Als man dann wieder im Gefängniß war, wurde das Verhör fortgesetzt. W. gab jetzt, nachdem er wieder aus die Pritsche geschnallt und verhauen worden war, als Versteck des Geldes einen Schweinestall an. Nunmehr wieder- holte sich das Schauspiel dcS NachforschcnS nach dem Gclde und die Folter noch zweimal. Zu gunften des Angeklagten hat das Gericht nicht vier Handlungen, sondern nur eine fottgesetzte Handlung angenommen. Ebenio ist mildernd in bctracht gezogen, daß er iii größer Erregung war. Andererseits wurde erwogen, daß er in unerhört roher Weise gegen die verhafteten Personen vorgegangen ist.— Die Revision des Angeklagten richtete sich in der Hauptsache gegen die thatsächlichen Feststellungen.— Das Reichsgericht hielt dieselben zwar für knapp, aber doch für aus- reichend und erkannte auf Verwerfung der eingelegten Revision. gaben betrugen 21 366,63 M., so daß ein Bestand von 634,83 M. verbleibt. Auf Anttag der Revisoren wurde dem Kassirer Koch die Decharge ertheilt und demselben 1 pCt. von den durch Listen und Marken vereinnahmten Geldern als Mankogeld be- willigt/ Von der Kommission sowohl als auch von den Diskufsions- Rednern wurde darüber Klage geführt, daß nach dem nicht sehr günstigen Verlauf der letzten Bewegung unter einem Theil der Arbeiter eine bedauerliche Interesselosigkeit an den Organisattonsbcstrebungen eingetreten ist,_ die sich auch in unliebsamer Weise bei den Sammlungen zum Streikfonds, an welchen sich einzelne Fabriken in letzter Zeit gar nicht mehr bethciligen,� be- merkbar macht. Ein Anttag, die prozeuttinlen Beitrage zum öffentlichen Fonds zn ermäßigen, um dadurch eine größere Betheiligung an den Sammlungen zn erzielen, wurde, nachdem sich mehrere Redner gegen denselben gewandt hatten, von der Tagesordnung abgesetzt und beschlossen, zunächst Fabrikskonferenzcn einzuberufen, in welchen diese Frage zur Diskussion gestellt wird. Ebenso wurde die Neu- wähl der Agltationskommission bis zur nächsten Versammlung ver- tagt. Nach einem kurzen Bericht über die Thättgkeit des Gewerbe- gerichts, den Lange erstattete, wurden Weber und B o i t a n als Kandidaten zu Gewcrbegerichts- Beisitzern und Lange als Ersatzmann nominirt. Die nächste Vertrauensmänner- Sitzung findet am 6. Juli bei Scheere, Blumenstt. 38. statt. Vevrammlutt�en. ION. un. y" wi In einer öffentlichen Vcrsnmmlnng der Arbeiter»nd Arbeiterinnen am Dienstag wurden nach einem mit Beifall auf- genommenen Referat des Genossen Jahn von Genossen S ch u- m a n n die Zustände in den Pappenfabriken in der Pankstraße be- sprochen. Insbesondere die übermäßig lauge Arbeitszeit, bis zu 13 Stunden täglich, bei 7 bis 11 M. Wochenlohn für Arbeiterinnen in den ungesunden Räumen wurde lebhaft getadelt. Auch werden, entgegen den Bestimmungen der Gewcrbc-Ordnuug, die Arbeiterinnen erst nach 6 Uhr Sonnabends cutlohnt. Da eine bisher angestrebte Lohnerhöhung fruchtlos blieb, wurden die zahlreich anwesenden Arbeiter und Arbeiterinnen anfgesordert, sich dem„Verband aller Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen" anzu- schließen, um durch die Macht der Organisation daS zu erreichen, ivas dem Einzelnen unmöglich ist. Der Beitrag beträgt wöchentlich 10 Pf. für männliche und 6 Pf. für weibliche Mitglieder. — Als Kandidat zum Gewcrbegerichts-Bcisitzer wurde S ch u m a nn, als Delegirter zur Gewerkschaftskoimnission Funk gewählt. Eine öffentliche Versammlung der Schuhmacher tagte am Dienstag im Lokal„Königsbank". Frankfurterstraße, in der die Agitationskommission den Geschäfts- und Kassenbericht für die Zeit vom 1. Ottober 1867 bis 1. April 1868 erstattete. Die Kommission hat während dieser GcschäftSperiode, in der mehrere Streiks, die sich ans einzelne Fabriken beschränkten, zn verzeichnen waren und in der die Bewegung gegen den Arbeitsnachweis des Unternehmer-Vcr- bandcs zum Abschluß gebracht wurde, eine rege Thättgkeit ent- faltet. Wie der Berichterstatter Hermann ausführte, haben außer den vielen Kommissions- und Vertrauensmäiiner-Sitznngcn eine große Anzahl Fabriks- Konferenzen stattgefunden. Die Einnahmen für diese Zeit betrugen inkl. Bestand von 1660 M. insgcsammt, darunter ein größerer Posten als Darlehen, 21 641,62 M. Die AusBerliner Arbeitervcrtreter- Verein tagt jeden Dienstag nach dem crsteii im Monat bei B u s k e, Grcnadicrstr. 33, abends S'/z Uhr. Unent- gelllichcr Rath wird ertheilt: Im Norden Berlins: Für Unfall-, Jnvalidttats- und Alters- Versicherung abends von 7— S Uhr: A. D a e h n e, Deiminnerftr. 3S, v. 3 Tr. K. Guthett, Wicsenstr. 26a, von 8—9 Uhr abends. F. P i e s ch e l, vlartcnstr. 65, v. 2 Tr. E. S i m a n o w S k l, Gartenstr. 78, Portal 2, 2 Tr. M. S t ii b l m ann, Odcrbergerstr. 37, 4 Tr., von 8—3 Uhr abends. R. Tamm, Hnssitenstr. 8, von 8— 9 Uhr abends. A.Voigt, Wiesen- strebe 41/42. E. W a r n st, Kolbergerstr. 7, von 6-7 Uhr abends. P. Rei- mann, Bellermannstr. 83. J.Krause, Gartenstr. 13, 2. Ein«, pari.— Nur für Jnvaliditiits- und Altersversicherimg: F. Blume, Strelitzcrstr. 53. F. Trapp, Schnlstr. 59, von 7 bis 8 Uhr abends. W. M o h s, Swine- inünderstr. 64, vorn linier Aufgang. � Im Osten; Nur für Jnvaliditats- und Altersversicherung: E. Bader, Gr. Frankfurterstr. 34, v. 4 Tr.- Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: A. S ch ü tz, Holzmarktstr. 66 1. I m S ü d- O st e n: Für Unfall-, Jnvaliditäts- nnd Altersversicherung: S ch a l t h o f f, Michaclkirchstr. 18.— Nur für Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung: W. Kühne, Pfnelstr. 1._ Im Süden: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: F. Stügelm aicr, Griinmstr. 39.— Nur für Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung: P. Keller, Ripdorf, Pannierstr. 58, Hof pari. C. G u s e, Eamphansenstr. 4. Im Süd-Westen: Nur für Unfallversicherung: G. Hänel, Solmßstr.44. Im Nord-Westen: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung: M. Stephan, Cuxhafcnerstr. 2.— Nur für Jnvaliditäts- d'Altersversicherung: R. R e h b e i n, Rostotferstr. 43. Im Nord-Osten: Nur für Unfallversicherung: E. Lbffler, adzeckstr. 15, vom pari,(abends 8 Uhr). G. Günther, Gretfswalder- strastc 8, II links. Im Zentrum: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: A. Sattler, Kl. Haniburgerstr. 2. Bei fämmtlichcn vorgenannte» Personen, bei denen hier keilte Sprechzeit angegeben, ist dieselbe Wochentags von 7—3 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Die furisiischc Sprechstunde findet am Montag, Donnerstag und Freitag von 6 bis 7 Uhr abends statt. Lauterbach-Alsfeld. In diesem Kreise ist Bindewald(Antisemit) wiedergewählt worden. Ol. H. Ein Thaler von 1875 hat leinen höheren Werth alS ein anderer. O.cr Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Thcilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des GastwirIHS Ernst Rattke sage ich allen Freunden u. Bekannten meinen herzlichen Dank. 4288b vis tistdotriidte Wittwe Anna Rattks nebst Kindern. Beim(Ynartalswechsel empfehlen sich folgende I HßzMlIN?! 5 ophastoffe 0■ «H"Ich wföclfl* Mgst in SiiPS, Damast, Crepe. Phantasie, Gobelin und _ Plüsch spottbillig![49712* Proiicu franko!'Tgt# Miifrtfrtft'ÄÄÄ" Emil Lefevre, Fahrräder Siels großes Lager erstklass. FabrI- katc aus 4999L* chie Preiserhöhung zu den koulantesten Zahliingsbedüigungen. St e p n r a t u r> Ol» st a l t. Momeit& Landau, ithrittgerstrahe 48 I, dicht am Roseuthaler Thor. Partei-Spcditionell: Nerlin vierter Wahlkrcl« O.: Robert W e n g e l S, Frucht straße 30, Hof II.— SO.; Fritz Thiel, Slalitzerstr. 35 v. pari.— Seei>!,ter IVnklkrels(.lloaltlO: Karl Anders, Salzwedcler- siraße 3, part. im Lade».— bb'erlaioß: und Oranienkurfrer VorsttaOt: Emil Stolzen bürg, Wiesenstraße 14.— Ciesaa«! kriinnen: Wilhelm G a ß in a n n, Grünthalerstr. 64/65.— Ro-ie»- timlcr Vorntadt und SchUnliaiiaer Voratudt: Karl Mars, Kasianicii- Attee 95/36.— Clmrlottcnbiira;: Gustav Schar n berg, Schlllerstr. 94, v. 1 Treppe.— DciitNeh-WlIiiicra- dorf: Frau Kubier, Sigmariiigenstr. 34, und Frau Hei nein ann, Siguiariiigenstt. 35.(.Hier ist auch die„Bravdeilbnrgiiche BotkS-Zeitung" zu erhalten.)— Ilixdorf: O st e r m nun, Erkstraße 6.— SchOne- berg: Wilhelm B ä n m l er, Belzigeistr. 59, Seiteiisiügel Part.— diokamifotlial-Xleder- und Obop-ScIiUnewclde: Otto John, Ober-Schöneweide, Siemenöstraße 7, Zigarrengeschäst. Annahme stellen: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäst. Johannis- thal: Seil stieben, Ziestanratenr.— Krledeiiau-SteixHtai: H. Bernsee, Kirchstiaßc 15 in Friedenau. Bestcllmige» nehmen entgegen in Steslitii: H. M o h r, Düppelstrabe 3, nnd Fr. Schcllhase, Ah.oni- straße 15a.— ßaumselmleu'vejr: Mich. Ulbricht, Marieuthäler- straße 18, L Außerdem ist sämmtliche Parteilltcratur, sowie alle wissenschaftliche» Weile dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts* »iitgege» geiiummcu. Um e n n u e Angabe der Adresse wird dvingvnt» gebeten. Delitslyer fjohariirMnltiinii. Heute, Freitag, den 1. Juli, abeudS 8i/« Uhr, bei Colin, B eu thstr. 30/31: Sitzung der Orts Verwaltung. ■ I Ausschneiden! Clltig IM.!! Zähne 3 M., GaraiiiietOJahre.! Vollkom. schmerzl. Zahnzieh. 75 Pf Plomben 1 M. Theilz. wSchenii. 1 M. Zahnärztl. Institut An- dreasstr. 24 I. Spr. 1—3 Uhr. ihre.» -Pf.» ntk.> iln-> ihr. I Änrlt�plat�, i.Hails v Ascdlnger 2 Treppen rechts. Spezialarzt f. Haut u. Harnleiden. 10-2,5-7. 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Don Juan in der Hölle. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbenstrasje 48— Naturkundliche Ausstellung. Täg lich geöffnet von l» llhr vor mittags ab. Eintritt 50 Pf Abends 8 Uhr: Wissenschastlicheo Theater. Jnvalidenstraste 37/62. Täglich abends von 5—10 Uhr: Stern warte, Openitelephon. HZassagc- Panoptiknin. Theater Variete. Alpenglühen. Rrichöhallc». Spezialitäten. Ölt; sang 7-/2 Uhr. Lsitild-Cilrl Weiß-TsMter. Gr. Frankfurterstraste 1ZS. Auf Suuiatra Gr. Ansslattungsstürk mit Gesang und Ballctö in 12 Bildern v. Ch. Cahmann. Musik von F. Krause. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Giltigkeit. Ostend- Theater- Konzert- Garten. DM" Neues Juli-Programm. Neue Spezialitäten. Gebrüder Forre. Otto»Ililler-klömer, Komiker. The Oarreton. Große Pautomime. Konzert, THoatcr. I-asse- partoute haben Giltigkeit. Sonnabend: Gr. Svinmernachts- fest.— I».Vorbereitung: Gebr. Bnchholz. Pässe von H. Schulz.— Dienstag: Benefiz für die Orchester- Mitglieder. Apollo-Theater. Tollstilndlg nenes Programm. Ml 8 DebAts. Ferner: Don Juan in der Hölle. Phantastische Ausstattungs-Burleske mit Gesang u. Tanz in zwei Bildern von Benno Jacobson, Musik von Wilh. Eosenzweig, in Szene gesetzt v. Direktor Glück. vor der Vorstellung: Grosses Garten- Konzert. Kasseneröfihungö�Uhr, Konzert 7 Uhr, Anf. der Vorst. 8 Uhr. R eichshaUen- Garlen-Tliealer. Leipzigerstr. 77. Das Beste voin Besten. was bisher über die Bretter gegangen, ist: Derün auf Stelzen! Bon W. Agoston und K. Wilhelm. Ferner: 20 Spemlitaten 1. Ranges. Wllflltlft* Sonntags 7 Uhr. -mllllHil. Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf,— amilien- VorzugSkarten giltig. ei ungünstiger Witterung im groben Tlieaterlaal. ! Urania Tanbenstr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Vorm. ab. eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: Vom Kntter- horn znr Jungfran. Invalidenstrasse 57-62. Täglich: Stornwarte, Opem-Telephon. Eintritt 20 Pf.(Gutsch. ungiltig.) Passage-Panopllcum. Tiieätre- Variete. Sensationell; Die schöne Tätowirte Sga. ßadolfi als Athletin. An die Mitglieder der Freien Volksbühne. Da in den Monaten Juli und August keine Vorstellungen des Vereins stattfinden, erbietet sich die Direktion des Friedrich Wilhelmstädtischen Theators, unseren Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte bei den Sonntag- Nachmittags-Vorstellungen Logen-, Fauteuil- und I. Parpuet-Billets gegen Zahlung von 50 Pf. zu verabfolgen. Die nächste dieser Vorstellungen findet am Sonnlag, don B. Juli, nachmittags 4 Uhr, statt. Zur Aufführung gelangt: Die Däfiber. Von Friedrich Schiller. Gleichzeitig werden die Mitglieder aufmerksam gemacht, dass der Beitrag für Juli nicht erhoben wird, dagegen der August- Beitrag bis spätestens 15. August zu entrichten ist, da sonst das Anrecht auf die bisherige Abtheilung verloren geht. Die September-Vorstellungen beginnen im Lessing-Theater. 229/20 Der Vorstand. I.A.: C. Winkler. Castan's Fauopticnm. Fried riöhstr. 1C5. Neu!! Zola, Laöorie, Neu!! Esteriiazy Neu!! Mac Kinley— Gladstone. SülaififeO, Schlangen- ' bandigenn. AUSSTELLUNG am KURFÜRSTEND AHH. Carl Hagenbeck's Vnnctollimnon ,n der Arena: an Woehent O t. IUI OlCIIUliycll an sonn- u. Festtagen 8 Uhr, 4, 6 H. 8 Uhr, im Indischen Theater ab 4 Uhr beständig. Ab 4 Uhr nachm.: Gr. Militär-Doppel-Concert. Entree 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/9. Täglich:„Friede anf Erden" Levensbild mit Ges. u. Tanz in drei Abth. vonHngo Schulz. Musik v. A. Kersten. Fngenle Formea, Kostllm- sonbrette. Cebr. Milardo, Gratesqne- Ducit. Osrani Troupe, innsif. Epccntr. The 3 Wartons, Parterre- Akrobaten. dir. Barna mit s. dress. Ratten Ballet. Pautoiniine. Konzert und Ball. Ans. 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., rcscrv. Platz 50 Pf. Kalbo. Yicioria- Brauerei Kiützow- Strasse 111/118 (nahe Potsdamer Platz). Garten rcsp. Saal. Mtiilkr Mgkr <201 eh set, Pictro. Britton. Steldl. Krone, gtöhl. Schneider und Schräder). Anfang präzise 8 Uhr. Entrce 5V Pf. Vorverkauf 10 Pf. Familien- Billetö k 1 Mark (siehe Plakate). 8t«ts rveolisrlades Programm! MS A«t lon- vrauerei PrieUrietetom früher Lips. 9(m Königsthor. Jeden Freitag: Militär- Frei- Konzert der Kapelle des 5.Gardc-lteg. 7, II Fuss In Uniform. Anfang 7 Uhr. Jeden Freitag: Gr. Fisch- Essen, ä Fort. 50 Ff. W. Noack's Thealer II I ii II n c n- 8< r a s m»>9 Täglich im schönen Garten: leatei'- unü Spezialitäten- Vorstellung. Handel«nd Wandel. Charakterbild m. Gesang v. Ant. Anno. Von! Von! Junge oder Mädchen. Ausftattuugs-BurleSke mit Gesang und Tanz von Carlos Duchow. Mnsit von Mai. Im Saale: Gi'OSsQr Ball. Pnlilmann's Vandeville-Theater Inhaber F. Lehmann, «chönh. Allee 148, Kastan-Allee 97/99. Täglich: Koiim't, Theater n. Spezialitäten-Vorstellang mit stets neuem Programm. LoueertllauL I.eipzigcrstr.Nio.48 Letzte Saison vor dem Abbruch. Täglich:"ML Hoffmann's Ouartett und Humoristen. Anfang: Sonntags 7, Wochen t. 8 Ofi bahn-Park, 9(m Küstriner Plan. 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Afle Antworten, welche nicht bis spätestens am 5. Juli in unseren Händen sind, werden nicht mehr berücksichtigt. Diejenigen Vertrauensleute, welche bis zum 5. Juli nicht geantwortet haben, werden umoeigerlich aus unserer Liste gestrichen. In allen Werkstätten, in denen Vertrauensleute nicht vorhanden, ersuchen wir unverzüglich solche zu wählen und die Adressen der Gewählten an unser Bureau, Auneustr. 39. gelangen zu lasse». Die Zahlstelle 41 ist von Stadelmann, Falckeiisteinstrasje 7. nach dem Restaurant von Gonell, Fnlckeiisteinstrahe 5. verlegt worden. Wir ersuchen diejenigen Mitglieder, welche dort Beiträge entrichtet und die Zeitungen bezogen haben, dies zu beachten. 112/12 Di« Ortsversvaltnng. FaehTerein der Musikinstrumenten-Ärbeiter Berlins und(Jingcgcnd. Sonnabend, den 2. Juli, abends S'/z Uhr, in den Ornnicn-Hallcn, Oranienstr. 51: GenevQl Tages-Ordnung: 1. ErgänzungSwahl deS Vorstandes. 2. VereinSanaelegenheitcn. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sommerfest am 23. Juli im 25, 142/6 stattfindet. Villets sind beim Arbeitsnachweis, Naunynstr. 73. zu haben._ Kollegen Krischke, Rcichenbergerstr. 175; 8, und beim Vorsitzenden, Grünauerstr. Achtung! �PutSSuI Achtung! Zeulrul- Verdand der Maurer Deutschluuds und verwandter Bernfsgcnossen. Filiale Berlin I(Putzer). Mitglieder-Versammlung Sonntag, den 3. Juli 1893, vormittags Punkt 11 Uhr, in den Armin-Hallcn, Kommandantenstratze 24). Tages-Ordnung: 1. Beschlußfassung über den Antrag Budach und daS Verhalten der bei Putzmeistern arbeitenden Kollegen. 2. Abrechnung des 2. Quartals. Verbandsangelegenheiten. 134/20 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der wichtigen Tagesordnung wegen ersucht Die ttrtliche Verwaltung. Ufrltmiii der Sattlet mii» Tapezjm. Juli, abends 9 Uhr. Alexnnderstrasse 27c: Sonnabend, den 2. im Fnglisehen Garten, Versanunlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. J. Wollheim über: Die Luft, die wir athmen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 156/13 Um zahlreichen Besuch bittet_ l>ie Ortwverwaltnng. Verein der Bauanschläger Berlins und Umgegend. Sonntag, den 3. Jnli, vormittags 1« Uhr, im Lokale des Herrn Bnske, Grenadierstr. 33: General-Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht der Kassenrevisoren. 3. Beschlutz« assung über die Borstandsanträge. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Die Beiträge werden nur in der Zeit von 10-11 Uhr entgegengenomm«. Her Vorstand. . Juli, nach a(J> Die Rampfer- Partie findet Montag, den 18 Ven-Mttlile statt. Abfahrt vom Restanrant Borns st Brücke) pünktlich 7 Uhr früh. Schlutz der Bergnügungsliste am 10. Jim Btllets sind beim Komitee, im Arbeitsnachweis, Sebastianstr. o0, bei Karl Sommer, Breslauerstr. 25, zu haben. Wuiili der Bau-, M- uuii genierblilheu Hilssarbeiter Rentsehlands.(Zahlstelle Berlin 1.) Soonia?, dsu 3..Juli, vormittags 10'/- Uhr, in Stabernack's Vercinshaus, Jnselslrahe 19. 11.: MiigUeder'Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1898. 2. VerbandSangelegenheiten. Neue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. g2/10 Bie Ortsverwaltnng� GnckeTs Zahnateliers Lausitzer Platz 3, Elsasserstr. 13, Steglltzeratrasae 71. Bestrenommlrt und wollt- 1 bekannt. Zähne v. 3 M., I Plomben v. 2 M. an. Ratenzahlung gestattet. (Woehe I M.) Ausschneiden! Dieser Konpon wird mit 1 W angerechnet. Uestaurant iinti lärden Molsgaiig, 3995b*J an der liandsbergcr Clianssce, 15 SNinuten vom Bahnhof Landsberger Allee. Allen Freunden und Bekannten sowie Vereinen und Gewerkschaften empfehle ich mein idyllisches Etablissement, am See gelegen, bei«iisstiiaen, Partien:c. Saal zu 300 Personen, sowie 2 Kegelbahnen u. 6 Kähne stehen zur gesälligen Benutzung. Bei gröberen Partien bitte um vorherig« Rücksprache. Hochachtungsvoll Johann Fmiiicricli. J nstitnt für Zahnleidende.? Herin. Heröd, Elsasserstr. 92 1. fRo�hno�aler• Ehem. Assistent in Wien, Berlin, Stuttga.t etc. KniiHtliclie ZäUne �auohÄit TtT�.. 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Damit erhöht sich die Zahl der Bäckereien, die zu den neuen Be- dingungen arbeiten lassen, auf 236. In Bergedorf beschlossen die Bäckergesellen, sich der Lohnbewegung ihrer Hamburger Kollegen anzuschließen. An die Maurer Teutschlands! Wie bekannt sein wird, sind die Magdeburger Maurer seit dem 1. Mai d. I. ausgesperrt, weil die Zimmerer die Forderung eines Stundenlohnes von 45 Pf. gestellt Hutten. Es sollten nun die Maurer und Bauarbeiter einen Druck auf die Zimmerleute ausüben, damit dieselben die Arbeit zu den alten Bedingungen, 40 Pf. für die Stunde, wieder aufnehmen sollten. D a wir die Forderung der Zimmerleute für berechtigt hielten, flogen wir auf's Straßenpflastcr. Jetzt, nach achtwöchentlichcr Aussperrung, wollen, wie wir aus ganz bestimmter Quelle erfahren haben, die Unternehmer im Arbeitgcbcrvcrband ihre Arbeitsplätze am 4. Juli wieder öffnen. Es könnten dann alle, welche das Solidaritätsgefühl verloren haben, zu den alten Bedingungen die Arbeit wieder aufnehmen. Wir richten nun an alle auswärtigen Kollegen die Bitte, sobald in den bürgerlichen Zeitungen Bekanntmachungen oder Inserate erscheinen, welche besagen, daß die Ausspcrrnng oder der Streik beendet ist oder Maurer nach Magdeburg gesucht werden, sofort Gegeninscrate oder Bekanntina chungen in den dortigen Zci- tum�n zu veröffentlichen und uns sofort telegraphisch davon zu be- Nachrichtigen. Denn der Kampf wird, nachdem uns die Arbeits- Plätze wieder geöffnet sind, erst recht ein hartnäckiger werden, weil wir in demselben Augenblick, Ivo die Bauplätze geöffnet werden, auch unsere Forderung stellen. Es wird wohl kein vernünftiger Mensch -rwarten, daß, nachdem wir von dem Arbeitgeber-Verband ohne Gr«»» so lange dem Hunger preisgegeben waren, wir demselben die Krieg»kostcn schenken. Vielmehr werden wir als Kriegsentschädigung eine Lohnerhöhung fordern; welche, darüber wird die Versammlung eutfchckden. Die Unternehmer werden jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um auswärtige Kollegen nach hier zu locken. Wir bitten nun alle Kollegen Deutschlands, unterstützt uns in unserem gerechten Kampfe und wirkt dafür, daß das Solidaritätsgefühl der Kollegen den Sieg unserer gerechten Sache beschleunigt. Die Kosten, die ent- stehen, werden wir gern zurückerstatten. Alle Telegramme und Schreib:» sind an den Kollegen Karl Schoch, Katharinenstr. 5, zu richten. Die Streikkommission der Maurer Magdeburgs und Umgegend. RcUtkiciir Gasch von der„Buchdrucker- Wacht" ist von der Rcigiktion dieses Geiverkschaftsblattes zurückgetreten. Das Blatt wird vom 1. Juli ab wie früher nur einmal wöchentlich er- scheinen.' Der Leipziger Bäckerstrcik ist vertagt. Die Bäckerinnung hatte all: von den Gesellen gestellten Forderungen abgelehnt und als undurchführbar bezeichnet. In einer Versammlung der Bäcker- gesellen, in der über die weiteren Schritte beratheu werden sollte, verlangte man für das Eintreten in einen Streik eine Dreiviertel- Majorität. Diese war in der Versammlung nicht vorhanden und wurde sonnt die Geltendmachung der Forderungen vertagt. Der Ausstand der Lederarbeiter in Schleswig dauert fort. Ausständig sind noch 130 Mann, davon V3 Familienväter mit 214 Kindern. Die Betheiligten sind zum überaus größten Thcil organisirt und erhalten somit ihre regelmäßige Unterstützung. Bis jetzt sind Abtriinnige nicht zu verzeichnen und wird gebeten, den • Zuzug nach dort auch fernerhin zu meiden. Der Zimmercrstreik in Kannstatt ist beendet. Die Kannstatter I Dcpknieister verpflichteten sich zur Ausrechterhaltung der Zugeständnisse, ■ die ie unterin 2. Mai' ihren Arbeitern gemacht hatten uiib erkannten im übrigen die in Stuttgart getroffenen Abmachungen an. Darauf erklärten sich auch die Kannstatter Zimmerleute zur Beilegung des Stteiks bereit. Die Vereinbarungen wurden von den Stuttgarter wie Kannstatter Meistern unterschriftlich anerkannt und ist die Wieder- aufnähme der Arbeit allgemein erfolgt. NonttnunAles. Stadtverordneten- Versammlung. 20. Sitzung vom Donner st ag. den 30. Juni, nachmittags 5 lkh r. Der in voriger Sitzung zum c r st e n V ii r g c r>n e i st e r auf Iii Jahre mit einem Gehalt von 30 000 M. jährlich gewählte bis- herige Bürgermeister Martin K i r s ch n e r hat dem Vorsteher die Annahme der Wahl erklärt. Das Mitglied Professor Leo ist heute früh in der Schweiz inr Alter von 78 Jahren v e r st o r b e n. Der Vorsteher widmet ihm ehrende Worte der Anerkennung seines Wirkens als Mitglied der Zötadtvertretung, der er seit 1884 angehörte. Nach den Ausschußvorschlägen genehmigt die Versammlung den Verlauf der Eckbaustclle von dem städtischen Grundstück an der Ecke der Thurm- und Otto st ratze(1033 Quadratmeter 160 M.), die Erwerbung des von dem Grundstücke Grüner Weg 2 zur I f f- land st ratze erforderlichen Landes von 166 Quadratmeter(es solle» aber statt 230 nur 200 M. für den Quadratmeter gezahlt lverdcn) und den Verkauf des an der Camphauscnstr. 6— 10 belegenen städtischen Grundstücks(3542 Quadratmeter ä 120 M.). Auf Antrag des Petittonsausschusscs sollen dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen werden die Petitionen betr. die Asphalttrung der Königin Augustastraße(statt der UmPflasterung mit Siemen) und betr. die Pachtung eines Platzes im Schlesischen Busch zur Aufttellung einer Trinkhalle. Die erstgenannte Petttton wird auf Antrag D i n s e nach kurzer Debatte dem Magistrat nur zur Erwägung überwiesen; be- züglich der anderen tritt die Versammlung dem Ansschußantrag bei. Die Vorlage wegen Aenderung des Bebauungsplanes in der Umgebung der auf dem Terrain des Grafen Oppersdorff an der Seestraße geplanten Kapecnaum-Kirche wird vertagt. Die neuen Vorschriften über die ärztliche Ueber- w a ch u n g der von der Waisenverwaltung in Kostpflege gegebenen Säuglinge sind vom Ausschuß mit der Maßgabe angenommen worden, daß 1. solange ein Arzt Mitglied der Waisenverwaltung ist, demselben die Aufsicht über diese Einrichtung als Dezementen über- tragen wird, 2. die Kinderpflegerinnen den im Ehrenamt wirkenden Mit- gliedern der Waisenräthe namhaft gemacht werden, denselben subordinirt sind und die Berichte über die Säuglinge neben den Aerzten auch diesen Damen zugehen lassen., 3. nach Ablauf eines Jahres über die gemachten Erfahrungen der Versammlung ein Bericht mit den nothwendigen statistischen Angaben zugeht. �, Stadtv. E. G e h r i ck e will den Punkt 1 streichen; so lange em Arzt in der Waisenverwaltung sitze, werde er natürlich der geborene Dezernent für diese Einrichttmg sein, im übrigen solle man dem Magistrat seine Gerechtsame incht beschränken. Stadttath Kämpf ersucht um Annahme dieses Antrags, da sonst leicht aus der vom Ausschuß gestellten Bedingung sud l ein Lwist zwischen den beiden Körperschaften entstehen könne. Nach der Städteordnung habe der Bürgermeister die Dezernate zu vertheilcn, nicht die Versammlung. Vorsteher Langerhans hält dafür, daß eS sich hier lediglich um eine mißverständliche Anwendung deS Wortes„Dezernent" handle. Unter Ablehnung des Antrages Gehricke gelangen die Ausschuß- antrüge zur Annahme. Die Vorlage wegen Gewährung eines Beitrages von 13 000 M. zu den Kosten der infolge der Rampeuschüttung in der Viktoria- straße nothwcndig gewordenen baulichen Veränderungen am Teltow er Kreishause Viktoriastraße 18 ist von dem Aus- schuß nicht zu Ende berathen worden, da es dazu an Zeit gefehlt hat. Aus Antrag K a l i s ch wird der Gegenstand ebenfalls vertagt. Zu Reise- Unterstützungen von je 50 M. für je drei Turnlehrer bczw. Turnwarte und Lehrer behufs Theilnahme am IX. All- gemeinen deutschen Turnfest in Hamburg werden 300 M. bewilligt. Die Anfrage der Stadivv. Schwalbe und Gen. nach dem zeitigen Stande der U r a n i a s ä u l e n- A n g e l e g e n h e i t soll heute vom Magistrat beantwortet werden. Stadtv. Schwalbe weist in der Begründung auf die lange Vorgeschichte dieser leidigen Angelegenheit hin, die seit vielen Jahren hin und her gezerrrt sei' und sich sozusagen zu einem öffentlichen Skandal ausgewachsen habe. Uebcrall im Publikum spöttele man über den gegenwärtigen Zustand der Uraniasänlcn. Das Bcdürfniß der Aufstellung öffentlicher Uhren sei unbestreitbar; unglücklicherweise habe man diese Frage mit der der auch Reklainczwecken dienst- baren Uraniasäulen verquickt. Nach dem Konkurse der betreffenden Gesellschaft sei zwar das plötzliche Aufhören der Zeitangabe der Uhren verhindert worden, ein weiteres sei aber nicht geschehen. Die Versammlung möge aufs neue den Magistrat ersuchen, in Ge- mäßheit des Beschlusses vom 21. Mai 1896 ihr gleich nach den Ferien eine Vorlage über Einrichtung öffentlicher Uhren zugehen zu lassen, welche zugleich das Verhältnis der Stadt zu den Urania- sänken regelt. Vorsteher La n g erh aus macht darauf aufmerksam, daß an eine Anfrage geschäftsordnungsmäßig ein Auftag nicht geknüpft werden darf. Stadftath Voigt: Allerdings sei durch diese Verquickung die ganze Sache in eine schwierige Lage gekommen. Gerade dadurch sei auch der Magistrat gehindert, in seinen Entschließungen zur Sache vorwärts zu kommen. Es sei bereits beschlossen gewesen, die Be- Ziehungen mit dem gegenwärtigen Pächter der Säulen gänzlich zu lösen und die Stadt selbständig vorgehen zu lassen. Nach diesem Beschlüsse des Magistrats seien indcß neue Unterhandlungen an- geknüpft, und es fei jetzt Aussicht, daß die Sache zu einem be- fricdigenden Ausgang gelange. Nach den Ferien werde der Ver- sammlung bestimmt eine Vorlage zugehen. In der Besprechung der Anfrage erklärt Stadtv. Kreitling, daß das bisherige Schneckentempo in der Angelegenheit ihn und seine näheren Freunde mit großem Bedauern erfülle, er fordert den Magistrat nochmals dringend auf, die Angelegenheit etwas lebhafter fördern zu wollen. Stadtv. Schwalbe kündigt für die erste Sitzung nach den Ferien einen besonderen Anftag an. Jetzt bestehe ein ganz Vertrags- loser Zustand, da die Kontrakte mit dem Pächter seit dem 1. April abgelaufen seien. Stndtrath Voigt bestreitet letzteres; der Pächter habe sich bereit erklärt, für das Aufziehen der Uhren weiter zu sorgen. Damit ist die Angelegenheit für jetzt wieder einmal erledigt. Durch das Gesetz vom 7. März 1898 und das Reichsgcsctz vom 20. Februar 1893 ist bekanntlich die Verpflichtung der Staats- und Rcichsbeamten zur Kautionsleistung aufgehoben. Der Magistrat hat sich jetzt den Gründen, welche den Staat zur A ufhebung der Kautionsverpflichtung bewogen haben, angeschlossen nnd dieStadtverordncten-Vcrsammlung ersucht, sich damit einverstanden zu erklären, daß: 1. die Bestimmungen über die Kautionen der Be- dicnsteten der Stadt Berlin vom 30. November 1896 mifgchobc» und im Bereiche der gesamniten städttschcn Verwaltung vom 1. April 1899 ab von den Bediensteten der Gemeinde keine Kautions- bestellungen mehr verlangt werden; 2. neue Kautionen von den be- treffenden Gcmeindebcdiensteten auch bis zum 1. April 1899 nicht weiter gestellt werden und 3. die Rückzahlungen der gestellten Dienst- kautioncn von: 1. April 1899 ab unter der Voraussetzung der bis- herigen Rückzahlungs-Bedingrmgcn stattfinden. Die Bewilligung von 6000 M. Jahresbeitrag für 1898'09 an die Berliner R e t t u n g s g e s c l ls ch a f t' wird jetzt vom Magistrat beantragt und u. a. damit begründet, daß andererseits 5 Sanitätswachen, welche in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern gelegen sind, vom 1. April 1899 ab nicht mehr aus städtischen Mitteln unterstützt werden sollen. Ans die von den Bcnifsgcnossen- schaften ins Leben gerufenen llnfallstattonen habe der Nkagistrat überhaupt keine Rücksicht genommen, weil dieselben von der Stadt ganz unabhängig sind und ihren Betrieb jederzeit einstellen könuen. Stadtv. H a m m e r st e i n begründet den Antrag, die Vorlage einem Ausschusse von 15 Mitgliedern zu überweisen. Seine Freunde ständen der Vorlage namentlich wegen ihrer einseitigen Begründung nicht sympathisch gegenüber. Vom Stadtv. Hugo Sachs liegt der Autrag vor, die 6000 M. zu bewilligen, aber für die Erörterung der Verhältnisse der Sanitäts- wachen und des Berliner Rettuugswcscns überhaupt einen Ausschuß von 15 Mitgliedern einzusetzen. Stndtrath S t r a ß m a u n bittet, die beanftagte Ausschuß- berathung abzulehnen, da dadurch die Bewilligung um fast drei Monate verzögert werde, ohne daß man sich von nochmaliger Aus- schußberathung irgend einen Vortheil versprechen könne.(Zu- stimmung.) Die ganze Frage sei bereits aufs gründlichste geprüft worden. Stadtv. Max Schulz ist zwar auch durchaus für die Sub- vcntionirung der Rettuugsgcscllschaft, will aber doch den Ausschuß, um eine größere Planmäßigkeit der kommunalen Unterstützung dieses Zweiges der öffentlichen gemeinnützigen Bcthätigung anzubahnen; es möchte sonst nach der Bewilligung der 6000 M. diese ganze große Frage überhaupt auf den St. NinunerleinStag vertagt werden. Jedenfalls sei die Meinung, daß die Sanitätswachen und namentlich die Unfallstationen keine Garantie der Beständigkeit böten, nicht richtig. Von den ans den Unfallstationen behandelten Fällen kämen zwei Drittel der Allgemeinheit zu gute, und etwas Vortheilhaftes für die Mgemeinheit solle ja doch geschaffen werden. Stadtv. Brauereidirektor G o l d s ch m i d t tritt ebenfalls für Ausschutzberathung ein. Der Ausschuß könne vielleicht die Mittel und Wege finden,' beide Gesellschaften, die Unfallstationen und die Rettungsgesellschaft, zu vereinigen. Der Streit zwischen beiden sei ebenso unerquicklich wie unbegreiflich. Beide Gesellschaften ver- folgten dieselben Ziele, sie sollten sich also nicht befehden. Warum feien es gerade die Aerzte, die sich gegen die Unfallstattoneu wenden? In einer Berliner Aerzte-Kor- respondenz heiße es, die Unfallstattonen verschieben die ganze Grundlage der ärztlichen Thättgkeit in Berlin, auch für die Krauken- Häuser, die Väter der Stadt müßten, die größten Esel sein, wenn sie für die Unfallstattonen Geld bewilligen wollten.(Unruhe; Ruf: Gehört nicht hierher.) Die Unfallstationen seien keine kapitalistische Einrichttmg, wie Herr Singer sie genannt habe. Ein verletzter Arbeiter, dem durch die Unfallstation schnelle Hilfe werde, habe doch nur Vortheil von dieser Einrictstung. Stadtv. Singer: Der Vorredner hat der von ihm vertretenen Sache mit seiner Begründung keinen guten Dienst geleistet, denn die Versanimlung kann nicht das Forum zur Entscheidung von Sfteitig- leiten zwischen beiden Geselljchafteii sein. Nur provozirt komme ich auf diese Frage zurück. Die Unfallstationen sind lvesentlich begründet aus kapitalistischem Interesse und im Interesse der Bemfsgenossenschaften; Herrn Goldschmidt als einem der Meistinteressirten steht es am allerwenigsten an, hier den Unfall- stationen ein solches Loblied zu singen. Bisher waren wir solches nicht gewohnt.(Sehr richtig!) Im übrigen möchfe ich behaupten, wir könnten nichts Unklügeres thun, als heute uns in eine Diskussion über diese beiden Gesell- chaften einzulassen, zu deren Beurtheilnng uns jedes Material fehlt. Wir müssen lebhaft bedauern, daß eine so außerordentlich wichtige Frage so lange Zeit braucht, um überhaupt vorwärts zu kommen. Eigentlich wäre es Sache der Stadt, die Einrichtung zu schaffen, welche die Rettirngsgesellschast geschaffen hat. Ich rede dabei von der Zentrale, ivelche mustergiltig ist und außerordentlich segensreich wirken wird im Interesse der Gesundheit unserer Mitbewohner; und für diese Einrichtung wird ja eigentlich der verlangte Betrag bewilligt. Der Magistrat hätte noch etwas tiefer in den Geldbeutel greifen und der Gesellschaft danken sollen, daß sie die Sache soweit geführt hat. Der Anftag Hamnierstein bedeutet nur, daß einem jungen Unternehmen dieser Art die Lebensader unterbunden wird. Ein solches Institut auf Privatmittcl anzuweisen, ist der Stadt unwürdig.(Widerspruch und Zustimmung.) Wollen Sie die Frage der Regelung der Sanitäts wachen später in einem Aus- schuß behandeln, so ist dagegen nichts einzuwenden, der betreffende Anftag Sachs ist also ungesährlich. Den Streit der beiden Gesell- schaften auszufechten, dazu ist die Versammlung nicht der Ort. Hier handelt es sich um eine Einrichtung zum Nutzen der Bürgerschaft, die muß unterstützt werden, um lcoeusfähig zu sein, und das geschieht, wenn Sie die 6000 M. bewilligen.(Großer Beifall.) Stadtv. Dr. Nuge bittet auch um sofortige Bewilligung der 6000 M. und rühmt das ausgezeichnete Organisationstalent des Professors Bergmann, der in kurzer Zeit die Sache außerordentlich gefördert habe. Die Debatte wird geschlossen. Stadtv. Golds chmi dt ver- wahrt sich dagegen, daß er ein persönliches Interesse an den Unfall- stationen habe. Stadtv. Singer erklärt, ihm ein direktes persönliches Interesse in diesem Sinne keineswegs zum persönlichen Vorwurf gemacht zu haben. Der Antrag Hammerstein wird abgelehnt, die Summe von 6000 M. bewilligt und darauf der zweite Theil des Antrages Sachs mit großer Mehrheit augenommen. Der Magistrat ersucht die Versammlung um Genehmigung der Annahme des von dem verstorbenen praktischen Arzte Dr. med. Fürst ihm zugewendeten Kapitals von 10 000 M. Von dieser Summe sollen nach letztwilliger Bestimmung 5000 M. für das Asyl für Obdachlose in der Fröbelstraße (städtisches Obdach) und 5000 M. für Schulkinder der hiesigen städtischen Gemeindeschulen bei ihren von Schulwegen zu ver- anstalteudcn K l a s s e n- S p a z i e r g ä n g e n verwendet werden. Die Genehmigung wird erthcilt. Schluß 7 Uhr. ITuTmlcss. Berlin steht gegenwärtig unter dein Zeichen der Fabrik- Landpartien. Allwöchentlich mehrmals— fast könnte man sagen täglich— wird den lieben Berlinern das erhebende Schauspiel einer soschen Partie gegeben. Unter Mitführung einer Musikbande und des Fabrikbanncrs winden sich eine mehr oder minder große Zahl festlich geschmückter Kremser, vollgepfropft mit geputzten Männern, Frauen und Kindern, durch das Straßengewühl der Haupt- stadt. Mit klingendem Spiel und wehendem Banner nimint ein solcher öffentlicher Auszug seinen Weg durch die frequentirtestc». Straßen. Der längste Weg ist hier der beste; gilt es doch, möglichst Aufsehen zu erregen und sich dem Volke zu zeigen. Und dieser Zweck wird natürlich auch erreicht. Ah, heißt es, die Fabrik von so und so macht Landpartie I Wie werden die glücklichen Arbeiter beneidet, wie wird der brave Fabrikant hochgeachtet, der in so liebevoller Weise für seine Arbeitssklaven sorgt, wie wird das schöne Vcrhälttiiß zwischen Fabrikherrn und Ar- beitcrschaft, das hier in so harmonischer Weise glänzend zu tage tritt, gepriesen! Der Name des fürsorglichen Fabrikanten ist in aller Munde, wird wohl sogar in den Zeittmgen genannt,— der Zweck des öffentlichen Umzuges wird vollständig erreicht. Auch ini übrigen verläuft die Fabrik-Landpartie durchaus programmmähig in offizieller Fröhlichkeit! Welch' Schauspiel! Aber, ach, ein Schau- spiel nur! Wie anders würde so mancher über eine Fnbrik-Land- Partie urthcilcn, wenn er wüßte, wie eine solche oftmals zu stände kommt, wie unter der glänzenden Außenseite sich oft ein wunnstichigcr Kern, unter der zur Schau ge- tragcnen Fröhlichkeit sich oft verhaltene Unzufriedenheit verbirgt. Kostet doch in allen Fällen diese Veranstaltung den Schweiß und das Geld der Arbeiter, sei es in Form der Strafgelder, die zu einer solchen Landpartie verwendet werden, sei es in Form von zu diesem Zwecke veranstalteten Sainniliuigen, sei es in Gestalt eines Griffes in seinen Aruhcim. eines Zuschusses seitens des Fabrikanten; haben doch derartige Fabrik- Landpartien ausnahmslos zum Zielpunkte Lokale, welche von der organifirtcn Arbeiter- schaft gemieden tverden, und zwar aus ftiftigen Gründen; ist doch nicht jeder ein Freund einer solchen offiziellen Lnstbarkcit, wo man, will man nicht Anstoß erregen, lustig und fröhlich wenig- stens scheinen und wenigstens scheinbar in die allgemeine Begeiste- rung mit einstimmen muß. Wie mancher bliebe lieber zu Hause. wenn auch nur aus dem Grunde, weil seine Verhältnisse nicht der- artige sind, daß sie ihm eine Theilnahme an einer solchen Schau- stelluiiq erlaiiben; aber, ausschließen kann man sich nicht gut, da heißt cS denn mitmachen und zu alkedein noch persönliche pekuniäre Opfer bringen, um mit seiner Familie hinter anderen nicht zurückzustehen. Kein Wunder, daß sich unter dem Flittcrglanzc einer solchen Fabrik- Landpartie Kummer, Sorge und Iliizufriedeiiheit in hohem Maße ver- bergen, die allerdings von der bewundernd gaffenden und die glück- lichcn Arbeiter beneidenden Menge nicht gesehen werden. Solche Fabrik-Landpartien sind, von einigen rühmenswertheu Ausiiahmen ab- gesehen, nichts weiter alsjjciue billige Reklame für die Fabrikanten, und meistens haben diese allein berechtigte Ursache, sich durch der« artige Veranstaltungen befriedigt zu fühlen. Die GeschäftöpraxiS gctviffcr Abzahlniigögeschäfte wird durch folgenden Fall illustrirt. Von der Firma F. Werth mann, Franzstr. 6, erhielt die Wittwe Martha M. in der Prinzeustraße eine auf P a u l i n e M. lautende Aufforderung, umgehend eine noch restirende Fordenmg von 22 M. K) Pf. für einen auf Abzahlung gekauften Regulator zu begleichen. Frau M. hatte alle Ursache, ob dieser Aufforderung erschrocken zu sein, da es ihr nie eingefallen war. bei der Firma eine Uhr zu kaufen. Sie erhob ihre Ein- Wendungen und erhielt darauf eine Vorladung zu einem Gerichtstermin, der auf den 17. Juni festgesetzt war. Frnii M. erschien auch vor Gericht, hatte aber das Unglück, den Aufruf der Sache zu überhören. und wurde daher in ihrer Abwesenheit zur Zahlung verurtheilt,' Bemerkt sei, daß die Firma inzwischen den falsch geschriebenen Vor- namen eigenmächttg hatte umändern lassen. Die Frau muhte, als sie endlos lange auf dem Gerichtskorridor gewartet und dann den Bescheid erhalten hatte, daß ihre Sache längst abgethan sei, nach Hause zurückkehren. Sie ging nunmehr nochmals zu der Firma, Ivo ihr der Bescheid zu thcil wurde, daß am Nachmittag Jemand in die Wohnung kommen werde. Dieser Jemand kam auch; es war der Gerichtsvollzieher, der trotz allem Pro« testiren stramm seines Amtes waltete und ein Kleidcrspind ver- siegelte. Nunmehr wandte sich die rcchtsunkundige Frau an den Arinenvorsteher ihres Bezirks, der sich mit lobenswerthcm Eifer des skandalösen Falles annahm. Er ging gemeinsam mit Frau M. zun, Abzahlungsgeschäft und bat um Vorlegung des Leihvertrages oder der Geschäftsbücher, um so am ehesten das Mißverständniß auf- zuklären. Die Angestellten der Firma Werthmann wiesen dem Armenvorsteher ohne viel Federlesens die Thür. Durch eine beim 'Gerichte eingereichte Beschwerde gelang es ihm wenigstens, die Voll- streckung dcS Urtheils aufzuschieben. Frau M. mutz nun, um endlich von den Umklammerungen der Firma loszukommen, auf Arnienrecht klagen; damit die Sache sich nicht gar zu lange verzögere, hat der Armenkoiumisstons- Vorsteher auf eigene Kosten der' Frau einen Rechtsanwalt gestellt. Sein LZjährigcs Jubiläum als Ka stirer der Ortskrankenlaste des Vlaurergcivcrbes begeht am heutigen 1. Juli unser Parteigenosse Karl Goettel, Mantenffelstr. 96. Goettel wurde 1873 von der Maurergewerkschaft in sein Amt gewählt und hat seine ver- antwortungsvollcn Pflichten in treuer Bcrufsfrendigleit zur steten Zufriedenheit seiner Kollegen erfüllt. Hoffentlich ist cS ihm noch lange vergönnt, im Dienste der Arbeiterschaft thätig zu sein. I» der Angekegeuhei tdee! ehe, naligc» Theaters Alt-Bcrliu hat der Arbcitsnnsschutz der Berliner Gcwcrbc-Ausstcllung neuer- dingS eine Klage bei dem Landgericht I angestrengt. Clin gerichtlicher Konkurs wurde bekanntlich s. Z. von dem Amtsgericht abgelehnt. Die verschiedenen Gläubiger muhten infolge dessen Schnldklagcn an- strengen und Pfändungen vornehmen lassen. Die aus den sänmit- lichcn Versteigerungen erzielten Erlöse erreichten eine Höhe von 14 6(X) M., von denen der Arbcitsausschntz als vorbcrcchtigtcr GIän- biger für Miethe 19 960 M. beanspruchte. Der Liquidator versuchte danmlS eine Einigung mit dem Arbcitsausschutz herbeizuführen, dies gelang jedoch nicht. Inzwischen sind von dem Geldc 6999 M. abhanden gckonimcn. Ein Gerichtsvollzieher, der den Betrag in vorläufiger Verwahrung hatte, wollte ihn nach der gerichtlichen Hinterlegungsstelle bringen, verlor jedoch das Geld unterwegs. Der Gerichtsbcamte bemerkte den Verinst noch auf der Straße, gericth über denselben in hochgradige Aufregung und wurde von einem Schlaganfall getroffen. Der Gerichtsvollzieher verstarb dann auf dein Wege nach dem Krankenhause. Hierdurch mutzten jedoch die fämmtlichcn Gläubiger mit ihren Forderungen ausfallen; ebenso verlor der Arbeitsausschutz 2999 M. Er forderte nun von dem Liquidator die Ucbcrlaffnngserklärung für den noch gegenwärtig an GerichtSstclle liegenden Betrag, mutz jedoch, um das Geld erlangen zu können, auch die Einwilligung der Gläubiger hierzu haben. Einer der Gläubiger setzt dem jedoch Schwierigkeiten gegenüber, so datz der Arbeitsausschutz sich gezwungen sieht, die Emwilligungs- Erklärung auf dem Klagewege einzuholen. Vyzanz. Sarah Bernhardt will in Berlin an der Hofbühne gastircn. Dieses Vorhaben gicbt einem hiesigen Blatte zu einem Artikel Veranlassung, der nnt folgenden Worten beginnt:„Frau Sarah Bernhardt ist seit Alters her eine besondere Bc- w un d e r i n unseres Kaisers. Sie benutzte jede Gelegen- heit, um cS auszudrücken, datz unser Monarch in seiner Genialität der hervorragendste Herrscher auf einem europäischen Throne sei." Zln der Berliner Technischen Hochschule studiren gegen- wärtig 263 Ausländer. Nicht erheblich weniger als die Hälfte, 119, stammen aus Nutzland. Die Gesammtzahl der Studirendcn beträgt 2179, davon sind 237 neu inunatrikulirt. Dazu kommen 593 Hospitanten seinschlietzlich 31 Ausländer) und 249 sonst zum Hören Berechtigte, so datz die Gesammtzahl der Hörer 2918 beträgt. Von den vollberechtigten Studirendcn entfallen die meisten auf die Ab- thcilung für das Maschinen- Jngenieurwcscn, nämlich 1937. Der Abtheilung für Bau- Jngcnicurwcscu gehören 426 Studirende an, der für Architektur 3ö9, der für Schiffs- und Schiffsmaschinenbau 153, der für Chemie und Hüttenkunde 193. Amtliche Nahrmigsmittcl-ltntcrsnchiingen. Im Monat Mai 1893 lvurden in Berlin 257 Proben von Nahrungs» und Genutz- Mitteln sowie von einzelnen Gebrauchsgegenständen chemisch unter- sucht und 38 davon beanstandet. Die Beanstandungen vcrtheilen sich ans Milch, Butter, Brot, Chokolade, grünen Thce, Mcdizinal-Ungar- weine, einige Gebrauchsgegenstände, dcnaturirten Spiritus und blei- haltige Kinder-Spielwaarcn. Die grötzte Zahl von Beanstandungen entfiel auf Milch, von der unter 69 Proben 29 beanstandet wurden, und zwar 14, die bereits in der Vorprüfung sich als verdächtig er- wiesen hatten. Unter 19 Buttcrproben wurden 4 beanstandet, eine als reine Margarine, 2 als Mischbntter und eine Probe auf griind übcrmätzigcr Wässerung. Unter den Gebrauchsgegenständen wurden inchrere Proben von Puppen-Kochgeschirreu wegen ihres beträchtlichen Bleigchalts, sowie ein sogenannter Schreihahn und eine Kinder- pfeife gleichfalls wegen dcrLegirung bcanstaudct. Die Milchkontrolle erstreckte sich auf 889 Geschäfte und führte in 57 Fällen zu Be- anstandnngcn; die Butterkontrolle auf 449 Geschäfte mit 44 Be- anstandungen. FilttsPfciNlig-Strecke» sind von der Neuen Berliner Omnibus- Gesellschaft auf der Linie Nixdorf- Nosenthaler Thor eingeführt worden. Tvdtlich verletzt wurde gestern gegen 6 Uhr in" der Linien- stratze, Ecke der Bartelstratze, der 17 jährige Hausdiener Bayer. Der junge Mann wurde, als er, einen Handivagen ziehend, die Ecke passirte, von den Rädern eines Arbeitswogcus crsatzt, die ihm über Brust und Unterleib hinweggingen. In" hoffnungslosem Zustande wurde B. dem Krankenhaus« Friedrichshain zugeführt. Ans Roth hat am Mittwoch der 32 Jahre alte Kellner Anton P., der in der Vctcranenstr. 19 bei dem Glaser Heinrich wohnte, Hand an sich gelegt. P. kam vor sechs Wochen ans Wien in der Hoffnung nach Berlin, hier bald Stellung zu bekommen, erfuhr aber eine arge Enttäuschung. Trotz eifrigen Bemühens gelang es ihm nicht, mehr als hin und wieder Gelegenheits- und Aushilfsarbeit zu bckonnnen, aber auck) nur an Sonnabenden und Sonntagen. Schließ- lich waren seine geringen Mittel erschöpft. Der Mann wurde von Tag zu Tag niedergeschlagener. Als gestern Frau Heinrich ihrem Maiiiic das Mittagessen brachte, benutzte er die Gelegenheit, sich in seiner Wohnung an der Thür zu erhängen. Wiederbelebungsversuche, die ein Arzt anstellte, hatten keinen Erfolg. Ein BlNinufall hat sich gestern Vormittag in der Markgrafen- stratze 11, auf dem Neubau eines Bankgcbändes zugetragen. Der Stemträger Adam Jahnies, der erst gestern eingestellt war, stolperte auf dem Gerüst im erstcrr Stock und fiel gegen den Stemträger Gustav Ebclt. Dieser stürzte vom Gerüst hinab und ritz den Stein- träger Ernst Halchke und Friedrich Witte mit sich. Während JahnieS unverletzt blieb, kamen die anderen drei zum thcil erheblich zu schaden und mutzten nach der Unfallstation I in der Wilhelmstrage gebracht werden. Sic hatten sowohl durch ihren eigenen Sturz als auch durch herabfallende Manersteine gelitten. Ebclt mutzte auf der Station bleiben. Sprcngnng. Auf dem Gelände der Städtischen Wasserwerke in der Stralancr Allee wurde gestern von Mannschaften des Eisen- bahn-Ncgiments ein Theil l»s Mauerwerkes eines überdeckten Filters gesprengt. Die angrenzenden Straßen waren von Schutz- leutcn auf kurze Zeit abgesperrt. Von Strolchen überfallen wurde gestern Nacht der Grundirer Thiel aus der Melchiorstratze. Als derselbe gegen 1 Uhr morgens das um diese Zeit menschenleere Louiscn-Ufcr passirte, wurde er in der Nähe der Markthalle von den Nolvdics angerempelt, zu Boden geschlagen rnid anscheinend auch mit Messern furchtbar zugerichtet. Nur dem Erscheinen und energischen Eingreifen einiger Schutzleute hatte eS der Angegriffene, der ohnmächtig vom Platze getragen wurde, zu verdanken, datz er mit dem Leben davonkam. Zwei der Schläger konnten festgenommen werden. Bei dem Volksfest in Friedrichshagen sind am vorigen Sonntag gefunden worden: 3 Spazierstöcke, 1 Regenschirm, 1 Damen- Cape und 1 Kinderschürze. Diele Gegenstände können von den Eigenthümern bei Erbe, Crivrystr. 25, abgeholt tvcrden. Der berüchtigte Sparkassenbuchfälschrr Modelltischler Karl Tornack, der schon wiederholt, nach den schwersten Zuchthaus- strafen, aus Irrenhäusern entwichen war, ist neuerdings wieder aus der I r r e n a n st a l t zu Herzberge entkommen. Tornack hatte sich vor seiner letzten Festnahme in die Provinzen begeben, miethete dort als biederer Geschäftsmann Läden und lieh sich von Bankiers in fraglichen Städte auf gefälschte Sparkassenbücher 899 bis 909 Mark. Zu spät wurden die Betrogenen gewahr, datz auf die Bücher nur je eine Mark eingezahlt, die Einlage von 1999 Mark aber gefälscht war. Nicht allein auf diesem Gebiete. sondern auch als Dieb trat Tornack mit seltenem Geschick auf. Für seine Schwester, die angeblich Besitzerin eines großen Hotels sein sollte, eugagirte er Angestellte, die einen besonderen Vertrauens- Posten einnehmen sollten. Hierzu war natürlich Kaution erforderlich, und das Opfer trat, mit Werthpapieren u. s. w. beladen, in Begleitung des Tornack die Reise nach dem Bestimmungsort an. Beide benutzten ein Logirzimmer. Am folgenden Morgen erwachte das Opfer nnt dmnpfem Gefühl im Kopfe und verniitzte den Bc- gleiter, der sich unter allerhand Namen als Lederhändler auszugeben pflegte, sammt seinen Werthsachen. Trotzdem Tornack das Feld seiner gemeingefährlichen Thätigkeit fortgesetzt wechselte und ganz Deutsch- land unsicher machte, gelang es der Kriniinalpolizei, die Zeit eines kurzen Aufenthaltes in Berlin zwecks Besuches seiner Geliebten zu ernntteln und so seine Fcstnnhnic nach monatelaugcn vergeblichen Bemühungen zu bewerkstellige«. Tornack ist von kleiner, schwächlicher Statur, er hat spitzes Gesicht, tiefliegende kleine Augen, blonden, herunterhängenden Schnurrbart, am Halse ausgebreitete Brandnarben. Er trägt Brille und mittelblonde Perrücke. Schrecklich verbrannt durch eigene Unvorsichtigkeit ist Donnerstag nachmittag b�/s Uhr die 15jährige Gertnid Kais er, die mit etwa 39 Mädchen in der Putzfedernfnbrik von Hcskcl, O r a n i e n str a tz e 191/192 beschäftigt war. Während die übrigen Arbeiterinnen im Arbeitssaale hautirten, bemühte sich die Kaiser in der Küche, verschiedene Flecken aus ihrem Kleide mittels Benzin zu entfernen. Hierbei kam sie der geheizten Koch- Maschine zu nahe, und im Nu standen die Kleider in Flammen. Laut hilfernfcnd eilte sie den Korridor entlaug, stürzte aber kurz vor dem Arbeitsraume zusannncn. Die Flammen wurden) von dem Personale mit zwei Eimen: Wasser zwar erstickt, doch hatte die Bc- trosfcne bereits schreckliche Brandwunden an den Beinen und am Unterleibe davongetragen. Nach Anlegung eines Nothverbandes wurde sie mittels Krankenwagens dem Krankcnhause überliefert. Eine große Verkehrsstockung entstand Donnerstag Nach- mittag IVe Uhr in der R e i ch e n b e r g e r st r a tz e durch Zusammen- stoßen eines elektrischen Straßenbahnwagens mit einem mit Stroh bcladenen Leiterwagens. Die alarmirte Feuerwehr beseitigte das Hindernitz, doch sind beide Wagen stark beschädigt. Fcncrbcricht. Donnerstag früh 31'- Uhr ging Skalitzer- st r a tz e 194 ein Brcttcrschnppcn auf dem Hofe in Flammen auf. Ein Rohr gab längere Zeit Wasser. Kurz darauf brannte Reichen- berger st ratze 45 eine Miillgrube. Um 4 Uhr war am Nord- b a h n h 0 f e ein Pretzkohlcnlagcr durch Selbstentzündung in Brand gerathcn. Mittags 12�/2 Uhr hatte Gneise naustratze 69 eine Nohrvcrpackuug Feuer gefangen, das jedoch schnell beseitigt werden konnte. Druckfehler-Berichtignug. In der Notiz«Das Berliner Gewerbegericht" in Nr. 159 Beilage(Lokales) ist zu lesen: „Wenn den Arbeitgebern selbst das nicht genügt u. s. w."(statt: gelingt)._ Ans den Nachbarorten. Tekiolv-Vecökolv-Ttorkow-Charlottcnburg. Die Vertrauens- männer aller Orte werden dringend ersucht, die Reichstags- Wahlfondslisten so schnell als möglich behufs Abrcchuung an unterzeichnetes Komitee abzuliefern. Das Zentral-Wahlkomitee. I. A. Zubeil. Eberhardt. Die Stichwahl zum Reichstage im Wahlkreise Tcltow-BeeS- kow-Storkow und Charlottenburg hat nach amtlicher Feststellung 51 967 Stimmen für unseren Parteigenossen Fritz Zubeil in Berlin und 46 361 Stimmen für den Superintendenten a. D. Max Vorbcrg(k.) in Schöneberg ergeben. Vaumschnlcnwcg. Den Abonnenten und Genossen zur Nach- richt, datz Neubestellungen und Abbestellungen nicht mehr an Schmidt, sondern an Gockel, Baumschulsw. 32, v. III, zu richten sind. Es wird gebeten, bei unpünktlicher Lieferung Nachsicht infolge dieses Wechsels zu üben. Beschwerden oder Neubestellungen ninnnt nach wie vor der Vertrauensnmnn P. Krebs, Baumschulstr. 32, H. l. II., entgegen.— Gleichzeitig wird den Parteigenossen bekannt gegeben, das; der Sozialdemokratische Verein„vorwärts" ain Mittwoch, den 6. Juli, wieder seine regelmäßige Vcrcinssitzung, abends 8sts Uhr, bei Lauge abhält. Auf der Tagesordnung steht„Rückblick auf die verflossene NcichStagswahl". Es wird recht zahlreicher Besuch er- wartet. 2>/« Miklionc» Mark will die Regierung von der Gemeinde Schöneberg dafür haben, daß diese neue Stadt am 1. April 1399 aus dem Kreise Teltow ausscheidet. In den kommunalen Kreisen unserer Nachbarstadt findet man die Forderung unerhört hoch und will es ans eine Klage ankommen lassen. Ans Ripdorf. Todt aufgefunden wurde am Donnerstag Morgen in der Pannicrstratze der von seiner Frau getrennt lebende 69 jährige Arbeiter Schulz. Ein Herzschlag hatte dem Leben deS Sch. ciii plötzliches Ende gesetzt.— In den Rollbergcn versuchte gestern Vormittag ein unbekannter Mann ein Sittlichkcitsverbrechcn an einem 14 jährigen Mädchen, welches daselbst kleinere Kinder beaufsichtigte. Auf das Hilfcgeschrei des Mädchens eilten mehrere Arbeiter herbei, bei deren: Nahen der Attentäter schleunigst die Flucht ergriff und leider entkam. Die städtische VolkSbibliothck in Charlottenbnrg erfreut sich trotz ihrer abgeschiedenen Lage und der verhältnitzmätzig be- schränkten Zeit ihrer Zugänglichkeit fortgesetzt eines äußerst regen Zuspruches. Nach einer soeben ausgegebenen amtlichen Staüstik haben von Januar bis April d. I. die Lesehalle 8425 Personen be- sucht. Ausgeliehen wurden 17 273 Bücher. Die stärkste Benutzung wies der Februar mit 89 Besuchern und 2492 ausgeliehenen Büchern auf. Von den Tagen der Woche weist merkwürdigerweise der Donnerstag den stärksten Besuch auf. Nach Hause entliehen werden naturgcmäst die meisten Bücher am Sonnabend. Velcnchtung der Ehnussceschlagbällmc. Die amtliche„Ber- liner Korrespondenz" schreibt:„Es ist Klage darüber gcfiihrt, datz geschlossene Chaussccschlägbäumc während der Nacht nicht ausreichend beleuchtet gewesen, und datz dadurch Personen und Fuhrwerke zu Schaden gekommen sind. Diese namentlich aus Rndfahrcrkrcisen erhobene Klage erscheint nicht unbegründet. Die Chausscc-Polizei- behörden sind daher angewiesen worden, für eine ausreichende Be- leuchtnng geschlossener Chmtsseeschlagbäume während der Zeit der nächtlichen Dunkelheit und zwar thunlichst in der Weise zu sorgen, datz die Schlagbänme in ihrer ganzen Ausdehnung von weitem beut- lich erkcnnbar'sind."_______ Govrchks Rettung. jf Ter am Mittwoch vertagten Schwurgerichts- Verhandlung »gen die vier weiblichen Angeklagten, welche des Meineids bczw. der Anstiftung dazu zu Ungunsten des früheren StcuererheberS Drink- mann beschuldigt waren, lag bekanntlich das Geständnitz der Angeklagten unverehelichten Pieck zu gründe. Bemcrkenswerth ist die Art und Weise, welche das Privatdetektiv- Institut anwendete, um das Geständnitz herauszulocken. Der Direktor des Instituts näherte ich der unter Kontrolle stehenden Pieck und veranlatztc sie, mit ihm ein Gartenlokal zu besuchen. Dort erschien auf Verab- rcdung einer seiner Angestellten. Beide drückten scheinbar ihr Erstaunen darüber auS, sich hier in Berlin tvieder- zusehen und der betreffende Angestellte, welcher von seinem Direktor der Pieck als Gerichtsassesior aus Königsberg vorgestellt wurde, erklärte, er wäre jetzt dauernd in Berlin und zwar sei er in Moabit stellvertretender Untersuchungsrichter. Hierauf bat der verkappte Direktor seinen Angestellten, einige intereffante Gerichtsfälle zu erzählen. Der angebliche Affessor erwähnte darauf einen Fall, wonach jemand wegen Meineides freigesprochen worden sei, weil er vor Erstattung der Anzeige diesen Meineid lviderrüfen habe. Diese Angelegenheit er- weckte das Jntereffe der Pieck. Sie fragte, ob jeinand auch frei- gesprochen werden könne, wenn auf gnmd seines Zeugnisses ein anderer im Zuchthause säße. Diese Frage war von den beiden Detektivs erwartet worden, sie nutzten dieselbe gehörig aus und brachten es dahin, datz die Pieck ein Geständnitz ablegte. Nach Wiederholung dieses Geständnisses an amtlicher Stelle wurde Drink- mann einstweilen aus dem Zuchthause entlassen und die vier weib- y lichen Angeklagten, wurden in Untersuchungshaft genommen. S Was alles ein Aufruf ist. Wegen Vergehens gegen kne §8 19 und 41 des preußischen Pretzgcsetzes und gegen ß 39 des Reichs-Pretzgesctzcs wurde unser"Parteigenosse T. vom Landgericht zu einer Geldstrafe verurthcilt, weil er bei einer Verbreitung des Norddeutschen Volkskalendcrs einem Bauer auf offener Stratze ein Exemplar gegeben hatte. Das Landgericht führte aus, es sei allerdings richtig, daß 8 10 des prcutzischen Pretzgesctzes nicht mehr seinem vollen Inhalte nach Rechtskraft habe; indessen� sei er durch den§ 39 dcS Rcichsgesetzes über die Presse u. a. in- soweit aufrecht erhalten worden, als wie er das Vertheilen von Auf- rufen ans öffentlichen Straßen und Plätzen von einer polizeilichen Erlaubnitz abhängig mache. Da T. eine solche �Erlanbnitz mcht gehabt habe, frage es sich, ob der Kalender einen Aufruf enthalte, Diese Frage sei zu bejahen. Der Aufruf sei darin zusehen, daß in dem Kalender dazu aufgefordert werde, die Junker und Kapita- listen zn bekämpfen und sich der Sozialdemokratie anzu- schließen, sowie diese Partei zu unterstützen. T. legte Revision ein, das Rechtsmittel wurde jedoch gestern vom Straffcnet dcs Kammergerichts als unbegründet zurückgewiesen. Der Vordcrrichter habe ohne Rcchtsirrthum angenommen, datz der Kniender einen Aufrilf im Sinne des§ 39 des deutschen und des�§ 19 des preußischen Pretzgcsetzes enthalte und deshalb ohne polizeiliche Er- laubnitz' ö f f e n't l i ch nicht hätte vertheilt werden dürfen. Ist es auch ein Vergehen gegen das Prctzgesetz, wenn jemand auf offener Stratze Traktätchcn oder Erbauungsschriftcn vcrthcilt? Auch diese LitcraM ich doch nicht davor sicher, daß sich in ihr nicht der „Aufruf" findet, keusch, züchtig und gottcsfürchtig zu sein. Ein„musterhafter�� Fabrikdirektor hatte sich am Mittwoch vor der Strafkammer in Düsseldorf zu verantworten. Die Anklage gegen denselben lautete, im Jahre 1897 die Fabrikarbeiterin Martha W. durch Thätlichkeiten beleidigt zn haben; in der Saä'e war bereits früher einmal Termin angesetzt gewesen, es trat aber Per- tagung ein, weil der Angeklagte, der Direktor Heinrich Willmsen aus Krefeld, ein ärztliches Attest darüber beibrachte, da? e. in Folge seiner großen Erregung nicht erscheinen könne. Die Erregung scheint sich mittlerweile etwas gelegt zu haben, denn im gestrigen Termin war der Angeklagte zur Stelle. W. war und ist auch jetzt noch Direktor der von Beckerathffchen Fabrik in Kaiserswerth bei Düsseldorf. Er hat nun die Martha W. in der schamlosesten Weise durch Thätlichkeiten fortgesetzt beleidigt, und um dies zu bc- weisen, waren etwa 39 Zeugen zur Stelle. Die Verhandlung nahm vier Stunden in Anspruch und fand unter Ausschluß der L öffentlich- keit statt. Durch die Beweisaufnahme wurde � festgestellt, daß der Herr Direktor sich nicht nur an der W. vergriffen hatte, sondern an einer ganzen Reihe von Mädchen, die oft kaum aus der Schule ent- lassen waren, datz er mit diesen die gemeinsten Gespräche Ahrte, ja, das; er sogar versuchte, mit einem Mädchen, das früher in oer Fabrik beschäftigt war, in der Zwischenzeit sich verheirathet hat und. n anderen Umständen sich befand, unter Hinweis auf diesen letztere: Umstand Beziehungen intimer Art ailzukimpfen. Dies war die i/ogcnannte liebenswürdige Seite deS verheirathctcn Direktors, auf d': anderen Seite aber, wenn es galt, die Löhne der Arbeiter zu Micken und Abzüge zu machen, kehrte er den strengen Herrn und Gcbicftr heraus. Der Angeklagte wurde zu 2599 M. Geldstrafe verurtheilt. f23 wurde 1 in dem Urtheil u. a. gesagt, der Angeklagte habe unter Ausnutzung seiner Stellung und seines Ansehens seinen Untergebenen gegenüber höchst nichtswürdig und verwerflich gehandelt. s Die lächerlich erscheinende Frage, ob es eine Beleidi- g u n g sei, wenn man jemanden in einer Briefausschrift„nur" mit Wohlgeboren, statt mit Hoch>v ohlgeboren titulirr, spielte gestern vor dem Reichsgericht eine Rolle. Die Straf- kammer in I n 0 w r a z I a w hat am 21. April den Gutsbesitzer Max K i r s ch st e i n wegen Beleidigung des Landrathes Haffcnpflug in Strelno zu 190 M. Geldstrafe verurtheilt und zwar wesentlich, weil der Bncsschreiber diesen Landrath mit Wohlgeboren statt n 4 Hochwoblgeboren titulirt hatte. Eine solche Vcmrtheilung e schien denn auch selbst dem Reichsgericht etwas menst�toig — Der Reichsanwnlt erklärte die von: Angeklagten eingelegte R: jflon. für begründet. Es sei nicht ersichtlich und auch nicht festge.rellt,> weshalb in der auf der Briefaufschrift vorgekommenen Wcglassung des Wortes„Herrn" eine Beleidigung liege, da die Adresse„An den; Landrath" ohne Namensnennung lautete. Auch sei nicht erfindlich, 1 weshalb in der Wahl deS Wortes Wohlgeborcn statt Hochwohl- geboren eine Beleidigung liegen solle. Ein Anspruch auf solche; Prädikate könne überhaupt nicht erhoben werden und im amtlichen Verkehr kämen sie immer mehr in Abnahme.— Das Reichsgericht hob das Urtheil a u f und verwies die Sache an das Landgericht Bromberg. Uebcr Versagung der Zulassung znr Anwaltschaft liegen in den soeben veröfffentlichten Entscheidungen des Ehr,:- g c r i ch t s h 0 f e s für deutsche Rechtsanwälte einige interessante ftr- thcile vor. Ein Gcrichtsassessor, der mit Dienstentlassimg disziplinarisch bestraft worden war, war beim Landgericht X um ftu- laffung zur Rechtsanwaltschaft eingekommen. Der Justizminister wies den Antrag zurück, entsprechend dem Gutachten des Vorstandes der NiNvaltskammer. Dieses gründete sich wesentlich auf die Fest- stcllnng des Disziplinanirtheils, welches dahin ging: 1. datz der An- tragstcllcr sin Jahre.... als ihm der Vorwurf des Falschspiclens direkt und in Gegenwart von Zeugen in zwei verschiedenen Fällen vom Rcchtskandid'aten A. gemacht war, nicht nur nichts zur Wieder- Herstellung seiner Ehre gethan hat, sondern nach dem ersten der- artigen Vorfall sogar mit A. wieder in Verkehr getreten ist; daß sr durch sein unwürdiges Benehmen bei einer Skatparthie im B.'sch: n Lokale zu F. Anlaß zu einem ärgerlichen Streite gegeben hat, in dessen Verlauf er sich sogar zu Thätlichkeiten hinreißen ließ, und daß er dadurch gegen die Standesehre verstoßen hat, datz er nach kurzer Bekanntschast den Rechtskandidaten A. um ein Darlehn an- sprach und dessen Rückzahlung ungebührlich lange— noch über seinen ersten Fortgang von F. hinaus— verzögerte. Ab- gelehnt wurde auch das Zulassungsgesuch eines ftühcren A m t s- gcrichtsrathes, gegen den der große Disziplinarsenat deZ Kammcrgcrichts auf Dienstentlassung erkannt hatte. Die Vet- fehlnngcn bestanden in der Verleitung zweier Referendare zur Protokollfälschung— sie sollten Protokolle von Sitzungen unter- schreiben, denen sie garnicht beigewohnt hatten—, ferner in nach- lässiger Amtsführung, die besonders in einer matzlosen Verschleppung richterlicher Arbeiten gefunden wurde, endlich in unwürdigem antzeramtlickicn Verhalten. Er lebte infolge seiner Lebensführung in zerrütteten Verhältnissen, die ihn von erner Versetzung zur andern trieben, besuchte häufig WirthShäuser in Vormittagsstunden, wo er Termine abzuhalten hatte-c. Eine der amtlichen Verfehlungen bestand auch darin, datz er in einer Reihe von Prozetzsachen die UrthcilSenttvürfe von einem ihm befreundeten Rechtsanwalt sich an- fertigen ließ. Die Vertagung der Verhandlung gegen Griinenthal ist. wie wir erfahren, erfolgt, weil die Untersuchung gegen den ehemaligen Lbcrfaktor infolge eines neuerlichen Zugcftäiidiiisscs einen erweiterten Umfang angenommen hat. G.soll nämlich die Erklärung abgegeben haben, daß er Diebstähle au Banknoten in zwei selbständigen Fällen verübt habe. In dem einen Falle habe er sichHnndertmarkscheiiie.das zweiteMal Tausendmark- Banknoten angeeignet. G ist außerdem verdächtig. einen Banknotendiebstahl und eine Münzfälschung schon im Jahre l8'3 begangen zu haben. Schon zu dieser Zeit tvurde auf der hiesigen Rcichsbank ein Hundertmark- Schein angehalten, oer in derselben Weise gefälscht war, wie die Grünenthal'schen Tnuscudmark-Bankiioten. Vor fimf Jahren und vor dieser Zeit wurden die Hundertmark-Sckieine auf ettvas schwererem Papiere, als gegenwärtig zur Anwendimg kommt, gedruckt; autzerden: wurde bei der Herstellung des Papiergeldes im Jahre 1894 eine technische Aendenmg vorgcnomm'en, durch welche «ang 1351 von 2705 Stimmen; er war somit fast ohne Stichwahl gewählt und erhielt die höchste Stimmenzahl sämmtlicher Kandidaten. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß bei den allgemeinen Wahlen zur Zweiten Kannner vorigen Jahres der Sozial- deinokrat in Groningcn-Stadt nur 214 Stimmen erhielt bei ungefähr gleicher Wählerzahl, so erhellt daraus, welchen großen Aufschlvung die Arbeiterbewegung hier nahm. Der zweite �reis, in welchem Schaper gewählt ist, ist Hooaezand. Im weiteren Lande hatte unsere Partei nur vereinzelt hie und da Kandidaten für die Provinzialstaatcn aufgestellt, so in Eschede und Zwolle. Es gelang uns da nicht, in die Stichwahl zu komnren. Die militärische Expedition gegen die Atjens in den Küstenstaatcn Pcdrr und Gigieng auf der Insel Sumatra ist vor- läufig wieder beendet worden, ohne ihr Ziel erreicht zu haben. Wohl ist das ganze Pcdirthal nach allen Richtungen durchstreift worden, aber die Führer Tuku Uinar und Panglmra Polim mit ihren Tnippen haben sich weiter zurückgezogen und konnten nicht gestellt werden. Für eine sehr kostspielige militärische Besetzung der ausgedehnten Gegend reichen unsere finanziellen Kräfte nicht aus. Es war afto nichts Anderes zu thun, als wieder nach Hause zu ziehen. Voraussichtlich werden Uinar und Polim jetzt bald wieder in aller Ruhe zurückkommen und das ganze Gebiet von neuem besetzen, bis eine zweite Expedition ausgeschickt wird. So kann das Spiel ewig fortdauern.— England. London, 30. Juni. Lord Salisbury, der gestern den Vorsitz führte bei dem Essen des United-Klubs in der St. JameS- Hall, kam auch auf den spanisch-amerikanischen Krieg zu sprechen und sagte, England sei verbunden, sich jeglichen Ausdrucks irgend einer Bevorzugung zu enthalten. Man könne nur wünschen, das Blutvergießen werde bald aufhören und der Frieden in der Welt wiederhergestellt werden. Abgesehen von dem Kriege, sei der politische Horizont der Welt ziemlich heiter. England habe eben einen Vertrag abgeschlossen, welcher die Ausgangspunkte eines Konfliktes beseitige, niit seinem größten und zivilisirtcsten Nachbar, mit dem in Frieden zu leben Englands ständiger Wunsch sei. Wäre es nicht ge- Inngen, zu diesem Abkommen zu gelangen, so wäre dies bcdaucr- lich gclvcscn für Englands Kulturaufgaben. In bezug auf China sagte Salisbury, er glaube nicht, daß die geringste Wahrschcin- lichkcit einer kriegerischen Aktion zwischen' England und dem Kaiser von China vorhanden sei. England könne auf die innere Regierung und die Militärverwaltung Chinws unmöglich denselben Einfluß haben, den dasselbe in Indien und Egypten besitze. In bezug auf den Eiscnbahubau in China war Salisbury der Ansicht, England habe ebenso große Vorthcile als jedes andere Land er- halten. Seine Politik sei darauf ausgegangen, China zu erhalten und seinem Untergang vorzubeugen, dafielbe auf die Bahnen der Reformen zu leiten und ihm jede Hilfe zu gewähren, die in Eng- lauds Kräften stehe, um China's Wchrhaftigkcit zu vervollkommnen und die Wohlfahrt seines Handels zu fördern.— Italic». Rom, 20. Juni. Die„Opinione" erklärt in ihrem heutigen Leitartikel, daß di Rudini das Kabinet Pclloux unterstützen werde.— Ruftland. Petersburg» Ä0. Juni. Die MoSkau-Windau-RybinSk Eisen- bahn-Gesellschaft erhielt die kaiserliche Erlaubniß zunr Bau einer Eisenbahn von Petersburg über Wrtebsk nach dem Süden von Rußland.— Türkei. Konstantinopcl, 20. Juni. Ein kaiserliches Jrade ordnet an, daß von dem Betrage der griechischen Kriegsentschädigung 10000 Pftmd zur Unterstützung kretenstscher Muselmanen verwendet werden sollen.— Die Vertreter Rußlands, Italiens, Frankreichs und Eng« lands hatten gestern eine Zusammenkunft, um die kretenstsche Frage zu besprechen.— Konflantiuopcl, 29. Juni. Die französische Regierung richtete an die Pforte eine Note des Inhalts, daß die französische Regierung auf die letzte Rate der an die Türkei zu zahlenden griechischen Kriegsentschädigung Beschlag legen werde. wenn die Regelung der Reklamationen in beircss der Schadloshaltung der französischen Staatsangehörigen für ihre Verluste während der armenischen Ver- folgungcn in Koustantinopcl und in Klcinasicn nicht bis zum 10. Juli, dein Tage der Bezahlung der letzten Kriegscntschädigungs-Rate, er- folgt sein werde. Tic italienische Regicnnig überreichte der Pforte ebenfalls eine Verbalnote, in ivclchcr sie die Regelung ihrer Rc- tlamationcn verlangt. Frankreich erhebt Ansprüche im Betrage von 1 500 000 Fr., Italien solche�in der Höhe von 400 000 Fr.— Kvnstantiuopcl, 30. Juni. Es verlautet, von der Militär- koinmission im Dildiz-KioSk werde ein Entwurf zur Bildung eines ausschließlich albancftschcn Armeekorps erwogen.— Asien. Vom Eiscnbahuban in China. Wie die„TimcS' aus Shanghai vom 20. Juni melden, soll Sheng am letzten Montag den rcvidirten belgischen Kontrakt, betreffend die Lnhan-Eiseubahn, unter- zeichnet haben.— Afrika. Ans dem Kongostaatc. Nach in Brüssel eingetroffenen Meldung�,,-hat Lieutenant Chargois Ende April die meuternden Soldaten am Kongo vollständig geschlagen und ihnen sehr bedeutende Verluste beigebracht.—•_ Lvtthlbvkvskszkunqen. Kreitling ist im zweiten Berliner gieichStagö- Wahlkreise nicht gewählt, trotzdem er vom Wahlkomniissar als Abgeordneter proklamirt worden ist. Diese unangenehme Thatsache sucht Eugen Richter, der ja mit echt freisinniger Manncschre irach der Abniachung mit den Kon- scrvativcn das schamlose Flugblatt gegen Fischer zusammengelogen hat, durch Schimpfen auf den„Vorivärts" aus der Welt zu schaffen. Cr schreibt, es sei für die Entscheidung des Reichstages völlig glcickigiltig. ob und was der Wahlkoinmissar und die Kom- inisfionS- Mitglieder über die einzelnen Stimmen geurtheilt habe». Mag sein; aber durchaus nicht gleichgiltig f ü r d a s M a n d a t des Herrn Kreitling ist die Eugen Richter so unbequeme Thatsache, daß die Auffassung des Wahl- konnnissarS über die von den freisinnigen Wahlkommissarcn zu Unrecht für ungiltig erklärten Stimmzettel mit der jähr- z e h n t e l n n g e n Praxis der Wahlprüftings-Konnnissionen und des Reichstages sich völlig deckt. Diese Thatsache kann Eugen Motz seiner hisiorifchen Stiernackigkeit gegenüber unbequemen Wahrheiten nicht Hinweglügen. Wir begreifen freilich den Schmerz Eugens: wenn das mit politisch so unn'ihmlichen Mitteln erschlichene Mandat Kreitling's gleich beim Zusamnienwilt der WahlprüstingS-Kommission kurzerhand tassirt und Herr Kreitling, noch ehe er auf dem ReichStagssessel ivann geworden itt, wieder zum Reichstagsgebäude hinauskomplimenttrt ivird, weil er keinen Augenblick daS moralische Recht— man kann höchstens vom fonnalen Rechte sprechen— zur Ausübung des Mandats hatte. Es ist das für die freisinnige Partei nicht nur eine politische Niederlage, sondern auch eine unheilbare Blamage! Denn so tief wie in Berlin, ist der Freisinn im ganzen Reiche nicht und noch zu keiner Zeit gesunken! Herr Eugen Nichter nwg leugnen und sich wenden, wie er will"— in der Wohnung des freist nnigcnWahl- leiterS, Bezirksvorstehers Albert H e i m a n n, V i k t o r i a st r a ß e 10, ist am Donnerstag, d e n 23. I u n i der Freisinn an die Herren Rappo und Stock mann gleichsam ausverkauft worden! Natürlich nicht mit Siegel und Unterschrift, aber thatsächlich! Und am Tage nach der Wahl bestättgte Herr Heimann ausdrücklich die loyale Einhaltung der Abmachung. Und Herr Kreitling sprach in der freisinnigen Per- sammlung offen— iiiifc später in der Uorkstraße beim Verbrüderuugs- schluck privatim— Herrn Stockmann den Dank aus. So groß ist selbst in freisinnigen Kreisen der Glaube an die politische Grundsatz- losigkeit ihrer Kartellträger bei diesem fteisinnig-konservativen Wahl- schacher, daß sogar sie da und dort davon sprechen, das Geld für das Eligen'sche und die zwei„konservativen" Flugblätter, die alle zusammen in einer Druckerei hergestellt worden sind, sei von den Konservativen geliefert worden. Und die Konservativen hätten das Geld von un- gefähr derselben Stelle, von welcher an sie der„Befehl" ergangen fei, unter allen Um st an den die Wahl des Sozial- dscsnrokratcn zu verhindern, auch wenn keine Gegendienste von den Freisinnigen erreicht werden könnten. Aber, ach, die Mandats- hungrigen Freiffunigen konnten den konservativen Köder kaum er- warten, sie schnappten sogleich zu— und die Konservattven hatten ihre Beute in der Mark Brandenburg in der Tasche und der Freisinn in Berlin— seine politische Ehre verloren! So gering wir nun auch bei diesem Anlaß vom Berliner Frei- sinn denken, das halten wir doch für ausgeschloffen, daß er zum Kampfe für seme Mandate„konservative" Gelder genommen hat, deren Herkunft zu sehr an die— Reptilienkrippe und die so- genannten Geheimfonds erinnern l So arm ist in solchen Fällen auch der Richter'sche Freisinn noch nicht. Tannt aber Eugen Richter über die Stich wahlKreitling's sich beruhigt, mag er lesen, was sein eigenes Parteiorgan, die „Berliner Zeitung", gestern darüber schrieb: „Bei der gestrigen amtlichen Feststellung der Wahlresnltate ist die Giltigkeit der Wahl Krcitling's leider sehr zweifelhaft ge- worden. Der Wahlvorstand unter Vorsitz des Stadtraths Sclbcrg hat sich zwar, seinen Befugnissen entsprechend, an die von den Wahlvorständcn ergangenen Ungiltigkcitscrklärungen halten müssen, hat aber zu Protokoll gegeben, daß er zwölf für ungiltig erklärte Sttmmzettel, die auf den Namen Fischer lauten, für g i l t i g halte. Danach würde sich das Stimmcnvcr- hältniß wie folgt stellen: K r e i t l i n g 28 502, Fischer 28 550, also nur eine Stimme über die absolute Mehrheit für Kreitling. Nun ist aber ferner festgestellt, daß vier Minderjährige und eine Person, die Annenunterstützung bezogen hat, gewählt haben. Diese Stimmen waren ungiltig, und darnach— vorausgesetzt, daß die 12 Fischer- Zettel wirklich giltig waren— die ganze Wahl ungiltig, da die Möglichkeit vorliegt, daß jene fünf ungiltigen Stimmen für Kreitling abgegeben find." Wir können übrigens gleich bei der Gelegenheit verrathen, daß noch eine ganze Reihe weiterer Unregelmäßig- leiten vorgekommen sind. Wähler, die noch nicht 25 Jahre alt sind, haben abgestimmt i für einen Wähler, der schon vor dem Wahltage g c st o r b e n ist, wurde ein Zettel abgegeben, ebenso für eine Anzahl Wähler, die am Wahltage zum Militärdienste einberufen waren— kurz: dem konservativ- freisinnigen Liebesrausch wird ein schrecklicher Katzenjammer folgen, dessen Opfer Herr Kreitling sein wird. Und für Herrn Kreitling waren doch schon mittags um 12 Uhr alle pensionirten Polizei- und sonstigen Be- amten, alle Schutzleute und sogar alle Lakaien des Prinz Albrccht-Palais(Sie am 10. Juni nicht abgestimmt hatten) stramm angetreten; so wörtlich hatten sie den„Befehl" genommen, daß in einem Wahllolal sie niit offenen Krcitliug'schcn Stimm- zetteln einmarschirt kamen und der Vorsitzende sie erst zum Zu- sammcilfaltcn auffordern mußte. Armer Eugen I Und trotzdem Kreitling nicht gewählt I Und trotzdem wird Kreitling's Wahl für ungiltig erklärt werden I Also frisch dran, ein neues Schelnien-Flugblatt verfaßt— es wird Zeit! Ucber die nattonalliberale Partei im Reichstage schreibt die„BrcSl. Morg.-Ztg." in einer Plauderei über den SitzungS- faal des Reichstags in der kommenden LcaiSlattirperiode: „Mit Befremden weilt daS Auge auf dem dritten Fächer, der Niederlassung der Nationallibcralen. Bon den„notablen Politiken»", die bisher hier zu sehen waren, fehlen fast alle. Auf der ersten Bank sitzen nicht mehr die Herren von Bennigsen und Ham- machcr, der baumlange Herr Enncccerus ist nicht mehr da, Herr Osann mit dem Missionargesicht, der, als die Handelsverträge zur Bcrathuug standen,„in die Wüste ging und mit sich rang", ist nicht mehr zu sehen, Herr Bürklin niit dem schön geschnittenen Kopfe fehlt, Herr Jebsen, der Rheder mit dem englischen Typus, ist verschwunden, Herr Friedbcrg mit dem röthlichen Bollbart ist nicht wiedergekehrt, Herr Paasche mit dem rundlichen Antlitz und der glatten, unerschöpflich sprudelnden Rede zählt zn den auf dem Schlachtseide Gebliebenen, furchtbar sind hier die Reihen der Alten gelichtet. Von den Neuen zieht der aus dem Abgeordneten- Hanse her wohlbekannte Herr Sattler die Aufmerksamkeit auf sich, dann ist Herr Möller mit der schuarrcndcn Stimme wieder da und mit Neugier sieht man dem nach langer Enthaltsamkeit erfolgenden Wiedcraustreten des Herrn von Fischer, des Lberbürgerineisters von Augsburg, entgegen." N»S Obcrschlcfien. Die MaßregclungSpraxiS erscheint in immer un- angenehmerer Beleuchtnug. Die gemeine Rachsucht der Unternehmer geht so weit, daß sie in den Maßregelungsinittheilungen an die Mitglieder des Schivarze-Listen-Vcrbandcs als Grnnd der Ent- lassungen resp. Maßregelungen„Widersetzlichkeit" angeben. Sie scheuen also nicht einmal vor gemeinen Lügen zurück. Oder ist das Eintreten cincS Arbeiters für einen sozialdemokratischen Kandidaten Widersetzlichkeit? Selbst nach oberschlcsischcn Begriffen ist sie das nicht. Haben sich Beamte erdreistet, zn„befehlen", daß ulttamonta» gewählt wird, so haben sie das Gesetz übertreten und sind eigentlich dem Staatsanwalt verfallen. Wie jetzt bekannt wird, weiß man in Berlin an zuständiger Stelle sehr wohl, welcher grobe Unfug hier geschieht; aber man billigt ihn anscheinend. Ein hiesiger Hütten- direktor hat sich nämlich erst dort erkundigt, was man zn den von ihm beabsichtigten Maßregelnngen sagen würde; er hat sich also erst scharf machen lassen, denn gerade nach seiner Rückkehr aus Berlin begann er die Maßregelungen in großem Stile. Besonders erbitternd ivirkt auf die Ciitlassenen der Verlust der jahrelang gezahlten Beiträge in die Pensionskasscu der verschiedenen Werke. Hundertc von Mark gehen einzelnen, diele Tausende allen zusammen ver- lorc». Viele Prozesse werden entstehen, da die Statutcubestimmuugcil der Peilsionskassen in betreff der Rückzahlung der Beiträge vielfach iinklar sind. Schnelle Erledigung. Wie seinerzeit im„Vorwärts" mitgethcilt, war wegen einiger Vorkommnisse bei der Agitation im Wahlkreise Schweidnitz-Stricgau Beschwerde beim Ministerium des Innern erhoben worden. Das war am 0. Mai. Am Wahltage erhielt der Beschwerdeführer von der Regierung in Breslau die Nachricht, daß die Beschwerde unbegründet fei.— In dem Wahlkreise Ncichenbach-Nenrode wurden 1803 in der Hauptlvahl 8006 sozialdemokratische Stimmen abgegeben, am 10. Juni d. I. 0047. genttnm und Konservative hatten 1803 zusammen in der Hanptwahl 8000 Stimmen, diesmal, wo sie von vornherein z»snn«>ici!giugcn, 10 824. Für Birchow wurden 1803 noch 784 Stimmen, diesmal nur 84 abgegeben. Die Einzelzahlcn der diesmaligen Wahl bclvcisen, daß einige der Frei- sinnsstimmcn für den schwarzblauen Mischmasch abgegeben wurden. Der Reicheubackicr Kreis brachte uns diesmal 1010 Stimmen mehr als 1303, davon in Langenbiclau allein diesmal 491 mehr, dagegen hat sich aber der Neuroder Kreis ver- schlechtcrt, indem er von 3134 auf 2407 Stimmen zurückging. Die vereinigten Junker und Pfaffen haben aber in dieser ihrer Domäne auch geradezu Unerhörtes in Wahlbeeinflussungen geleistet. In den rückständigsten Bezirken dieser Kreise gab es Orte> wo auch nicht ein Wähler bei der Stimmabgabe gefehlt hat, alle wurden Nuttels der schwarzen Fuchtel herangepeitscht. Die schwarzblauen Herren wissen am besten, mit welchen Mitteln sie die Mehrheit gemacht haben; uns darüber näher auszulassen, ist hier nicht der Ort/ das wird im Wahlprotcst geschehen, für den recht triftige Gründe vorliegen. So schwer dieser Wahlkreis zu bearbeiten ist, so sind doch alle Genossen fest entschlossen, den Kampf noch zäher und intensiver wie bisher fortzusetzen. Wie grundlos die Lügen gegen unseren Kandidaten Kühn waren, beweist wohl am besten, daß in seinem Wohnort Langenbielau unsere Stimmenzahl um rund 500 stieg. Nur in den jedem Verkehr ent- rückten Dörfern des Neuroder Kreises fanden die Liigenapostel diesmal noch Gläubige._ /er„sremillige" Allstritt des Herrn Unk ans dem Verein Berliner Presse. Zur Ergänzung unseres gestrigen Prozeßberichts � in der Klage- fache Fink contr» Bebel geben wir auf grund der stenographischen Aufnahme des Prozesses noch die Vorgänge ausführlich wieder, welche zum Austritt des Sekretärs der freikonservativen Partei aus dem Verein Berliner Presse geführt haben. Zeuge Chef- Redakteur D a h m s, Schriftführer des Berems Berliner Presse, sagt aus: Ein Mitglied unseres Vereins theilte uns mit, daß ehrenrührige Beschuldigungen gegen Fink vorliegen, daß er wegen Chcckschwindeleien aus dem Presse« klnb in Chikago ausgeschlossen und nierkwürdigerweise vom Verein Berliner Presse, der doch so streng bei der Anfnahme ver- fährt, aufgenommen sei. Diese Beschuldigung war zunächst nicht an den Vorstand, sondern an den Ausuahme-Ausschuß gekommen. Ich habe dem Vorstand im Mai 1307 Mittheilung hiervon gemacht und wir beschlossen, Herrn Fink vor den Vorstand zu zitiren. Das geschah am 11. Mai. Herr Vollrath, der damals den Vorsitz führte, sagte Herrn■ Fink, worum es sich handelte. Herr Fink tvies zunächst alles zurück undsagte, er wärefreilvillig ausdemPresseklub in Chikago ausgeschieden, — er vermuthe, wegen Nichtbezahlung von Beiträgen— gab aber an, daß er möglicherweise ausgeschlossen sei, sagte jedoch, die Sache mit den Checkschwindeleien verhielte sich anders, und gab uns eine Erklärung. Inzwischen war uns gesagt, daß es sich um eine Check- fälschung handelte. Ich beantragte, daß wir nach Chikago schreiben, um eine amtliche Auskunft zu bekommen. Die anderen Herren waren aber der Meinung, da die Beschuldigung gegen Fink er- gangen war, so habe er selbst die Pflicht, sich zu reinigen, er habe lelbst zu schreiben. Es wurde ihm aufgegeben, sieb zu reinigen. Er hat hingeschrieben nach Chikago, aber bis zum 8. Juli war keine Antwort da. Der Brief ist als unbestellbar zurückgekommen. Wir sagten uns, jetzt müssen wir selbst hinschreiben, weil schon in ver- schiedencn Kreil c» darüber gesprochen wurde und weil wir nicht dulden konnten, daß über ein Mitglied solche Behauptungen in die Welt geschickt werden. Sudennann und ich haben dann vertraulich hingeschrieben und wir bekamen die Antwort, daß Fink wegen Nichtbezahlung von Beiträgen ausgeschlossen sei. Der Brief enthielt aber noch emige sehr belastende Stellen: Fink habe sich mehrfacher Schwindeleien schuldig gemacht und ein paar Herren von der Zeitung könnten ihm ein sehr wenig schmeichelhaftes Zeugniß ausstellen. Wir hatten schon im Vorstand einen'schlechten Eindruck davon gewonnen, daß Fink es ablehnte, vorzugehen gegen den Herrn, der uns die Sache hier in Berlin zuerst nntgetheilt hat— es war Herr Schriftsteller Wolf von Schierbraud. Dieser hatte es Herrn Arthur Zapp erzählt, und durch den hatten wir es erfahren., Da die Sache vier Jahre zurücklag und da sich Herr Fink hier als fleißiger. Journalist sein Brot verdient, verheirathet ist und Kinder hat, so glaubten wir, die schonendste Form wählen zu solleii, um eine, Trennung des Herrn Fink von unserem Verein herbeizuführen. Am 15. September besprachen vier Herren vom Vorstand, Sudermann, � Vollrath, Schweizer und ich die Angelegenheit— wir freuten uns, daß die Spezialkollegen des Herrn Fink von der„Post" nicht da waren— und wir beschlossen, ihm nahe zu legen, daß er aus dem: Verein ausscheiden solle. Ich schlug vor, daß Schweizer das thun soll, � der ein Freund des Herrn Fink ist. Das wurde abgelehnt; Suderniann i sagte, die Sache müsse einen offiziellen Anstrich haben unddcshalbsollte ich. als Schriftführer es thun. Ich bat Fink um einen Besuch, da ich; einen ihn belastenden Brief aus Chikago erhalten hätte. Er besuchte; mich und fragte, was denn angekommen sei; ich zeigte ihm den Brief und sagte:„Der Borstand hat davon noch keine Kenntniß genommen, aber ich spreche mit Ihnen nach Rücksprache mit unserem Vorsitzenden, ich mache Sie auf die Folgen aufmerksam und rathe Ihnen, auszutreten." Er ging nicht gleich darauf ein,' sondern sagte, er wolle sich die Sache überlegen. Ich sagte:, „Ja, überlegen Sie sie sich, besprechen Sie die Sache mit Herrn Schweizer." Das geschah auch. Fink sagte, er wolle uns binnen 3 Tagen Bescheid geben, es sehe doch so aus, als wenn er Schuld- bclvußtsein habe. Darauf sagte ich:„Wir werden Ihnen entgegen- kommen und es erst in der neuen Mitgliederliste, also frühestens im' November bekannt machen, damit Sie die Sache bis dahin außerhalb! des Vereins klarstellen können." Vorsitzender Anitsgerichtsrath Haak: Hatten Sie den Eindruck, daß Fink sozusagen Anlaß hatte, die Sache einzustecken? Zeuge Dahms: Ehrlich gesagt, wir hatten keinen günstigen, Eindruck gewonnen von seinem Verhalten, denn jeder von uns wäre' einfach klagbar geworden. Vorsitzender: Na, das will ich nun nicht sagen, denn es hat doch seine zwei Seiten. Daß er eine gewisse Veranlassung ge- geben hat, daß also ein Verdacht auf ihm ruhte, das wird wohl außer Zweifel sein. Ich würde ihm kaum dazu rathen, zu klagen, denn hundert gegen eins zn wetten, wird der Betreffende wegen Wahr- nehinung berechtigter Interessen freigesprochen, und dann ist er erst recht blamirt. Wenn jemand so etwas am Bierttsch erzählt, so ist das' etwas anderes. Persönlich aber hätte er sich den Betreffenden kaufen und zur Rede stellen müssen. Zeuge Dahms: Ich sagte ihm wiederholt:„Ich höre von der „Nattonal-Zcitung", daß die Leute darauf bestehen, daß endlich eine klare Stellung erfolgt, und eS ist möglich, saß die Sache eines Tages in die Zeitung kommt. Sprechen Sie sich mit dem Mann aus, damit endlich einmal ein Stillstand eintritt." Wir haben keinen Zwang ausgeübt. Rechtsauwalt Dr. Marwitz: Entsinnen Sie sich nicht, daß Fink in der Unterredung, die Sie und Schweizer mit ihm hatten, sagte, er wolle Hinausgehen und Herrn Zapp zur Rede stellen, und daß Sie da sagten:„Thun Sie das nicht, Sie machen die Sache dadurch schlimmer"? Zeuge Dahms: Pardon, gerade umgekehrt. Ich habe Herrn Fink wiederholt gesagt:„Gehen Sie zu Wolf von Schierbraud!" Von Zapp war ggr nicht die Rede. Dr. Marwitz: Ich 4vürde mich hierfür auf daS Zeugntß von Schlveizer benifen. Wie kam es ferner, daß die Herren von der „Post" zu der Vorftandssitzung nicht eingeladen waren? Zeuge Dahms: Sie waren eingeladen, aber nicht erschienen. Es war' ja eine ganz wichttge Vorstandssitzung. Wir hätten die Sache auch in Gegenwart der Herren besprochen; weil oie Herren von der„Post" nicht zugegen waren, konnten wir uns nur zwang- loser aussprechen. Dr. Marwitz: Sie haben Herrn Fink mitgetheilt, die Aus- kunft des Prcsseklubs in Chikago laute ungünstig. Die Antwort geht dann weiter:„Bevor ich das Schreiben dem Vorstand vorlege,' möchte ich Sie gerne persönlich sprechen." Am 18. September hatten Sie daS geschrieben. Sie geben also jetzt zu, daß das nicht richtig' ist. dciiu Sie haben am 15. September bereits den Vorstand be- nachrichtigt. Zeuge Dahms: Das geschah, weil mir gesagt war:„Wählen Sie die schonendste Form!" Dr. Marwitz: Hat Schweizer nicht ausdrücklich gesagt, eS wäre doch ganz gut, wenn Fink die Sache jetzt begrübe/ es stehe ein Redakttonswechsel in der„Post" bevor, und seine Existenz stehe' vielleicht auf dem Spiele, wenn der neue Chefredakteur davon erfährt; er möge einstiveilen aus dem Verein Berliner Presse austreten. Zeuge DahmS: Die Interna der„Post" gehen mich nichts� an. Mich interessirt nur die Sache des Vereins. Es ist möglich,; daß so etwas gesagt ist. ich kann mich darauf nicht mehr besinnen.• Dr. Marwitz: Haben Sie nicht wiederholt zu Fink gesagt.' er fühle sich durch den Austritt nicht schuldbewußt? Zeuge Dahms: DaS hat Schweizer gesagt. Ich habe' gesagt:„Sie haben ja jetzt die beste Gelegenheit, die Sache außerhalb des VeremS klarzustellen. Ich kann auch gesagt können Sie sich ja wieder zum nicht gesagt:„Ihrer Wieder- ha&en:„Wenn Sie schuldlos sind, Eintritt melden." Dt. Marwitz: Haben Sie oilfuahme steht nichts im Wege?" Zeuge D a h m s: Das kann ich nicht gesagt haben, denn ich bin Vorstaudsnntglied und nicht Mitglied der Aufnahme- Kommission. Dr. Marwitz: Sie sagten, es solle den Mitgliedern von FmbS Austritt nicht durch ein Zirkular Kenntnitz gegeven werden, es sollte in der Mitgliederliste einfach der Name fortbleiben. Zeuge D a h m s: Das wollte ich, aber Geheimrath Wichert sagte, das wäre ein Novum. Wir sind diese Bedingung nicht ein- gegangen, und ich sagte ausdrücklich zu Fink:„Ich habe das volle Vertrauen zum Vorstand, daß er es mir überläßt. Sie haben ja zwei Monate Zeit, die Sache klar zu stellen." Kläger Fink: Sie hatten mich doch eingeladen, zu Ihnen auf die Redaktion des„Bazar" zu kommen, und da sagten Sie mir, der Vorstand habe noch nicht Kenntnitz davon. Thatsächlich aber hatte er sich schon drei Tage vorher mit der Sache befaßt und Ihnen ganz bestimmte Aufträge gegeben. Zeuge D a h m s: Wir haben den offiziellen Beschlutz ausgesetzt. Die vier Herren haben den Wunsch ausgesprochen, ich sollte privatim veranlassen, daß Sie austreten. Kläger Fink: Also, der Verein hat sich nicht mit der Sache befaßt? Zeuge D a h m s: Nein. Ich sagte aber:„Herr Fink, Sie können sich denken, daß ich nicht ohne Wissen des Vorsitzenden mit Ihnen spreche. Sudermann weiß von jedem Wort, das ich jetzt mit Ihnen spreche." Kläger Fink: Haben Sie nicht bei mir den Glauben erweckt. daß Sie als älterer Kollege mir einen Rath geben wollten, nicht aber in Ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Vereins? Zeuge D a h m s: Ich hatte gar keine Veranlassung, da wir uns nicht kennen, Ihnen als älterer Kollege einen Rath zu geben. Wenn ich Ihnen auf einem Briefbogen des Vereins schreibe und Sie um Ihren Besuch bitte, so hat das einen amtlichen Anstrich. Kläger Fink: Ja, wenn Sie unterschrieben hätten:„Schrift führer des Vereins". Sie haben aber unterschrieben:„Dahms, Hornstr. 11", also Ihre Privatadresse. Ich habe angenommen, Sie hätten dem Vorstand nichts gesagt. Dann sind wir mit Schweiger zusammengekommen, und der hat auch nichts davon gewußt. Zeuge Dahms: Dann muß ich erklären, daß Schweiger Ihnen auch eine kleine Komödie vorgespielt hat, denn er wußte davon. Kläger Fink: Ja, wenn Sie Komödie mit mir spielen 1 Zeuge Dahms: Die Herren szum Gerichtshof) werden schon verstehen, warum ich Komödie mit Ihnen gespielt habe Kläger Fink: Schweiger hat mir gesagt, ich solle nur einst- weilen meinen Austritt nehmen. Zeuge Dahms: Nein, es ist so, wie ich es geschildert habe. Kläger Fink: Sie haben mir gegenüber nicht ein einziges Mal durchblicken lassen, daß der Vorstand des Vereins Berliner Presse dahinter steckt. Zeuge Dahms: Doch. Angekl. Bebel: Herr Fink ist aber doch ausgetreten, nachdem ihm der Rath erthcilt ist? Zeuge Dahms; Ja, der Rath wurde ihm am 18. September crtheilt, stnd Ende September sagte mir Schweiger, Fink habe seinen Austritt erklärt. Am 26. Oktober habe ich offiziell erklärt, daß Fink ausgetreten ist. Angekl. Bebel: Dann ist also die ganze Erklärung des Hern: Fink in der„Post" unwahr? Zeuge Duhms; Ja,>venn ich unter meinem Eide aussagen muß, so muß ich sagen, er ist nicht vollständig freiwillig ausgetreten. Dr. Marwitz: Aber er ist nicht durch Zwang des Vorstandes ausgetreten. Sie selbst haben ihm ja das bescheinigt. Zeuge Dahms: Es ist richtig, daß der Vorstand keinen Be- schluß gefaßt hat. Dr. H e r z f e l d: Ist es richtig, daß Fink in seinem Aufnahme- gesuch die Zeit seines Aufenthaltes in Chikago verschwiegen hat? Zeuge Dahms: Ja, das ist richtig. Im Aufnahine-Ausschuß kan: eine Sache zur Sprache. Es handelte sich nm einen neuen Kandidaten, und da wurde bemängelt, daß in den Akten über das Vorleben große Lücken enthalten sind und daß über Chikago nichts darin steht. Wir vennutheten, daß Fink damit in Zusammenhang steht, blätterten seinen Lebenslauf nach und wir stutzten, daß über Chikago nichts darin steht. Kläger Fink: Davon weiß ich ja gannchts. Zeuge Dahms legt das Anfnahmcgesuch Fink's vor. Es geht daraus hervor, daß er seinen Aufenthalt in Chikago überhaupt ver- schwiegen hat. Kläger Fink: Ich bin in Chikago nicht journalistisch thätig gewesen, sondern war bei einen: Konsortium angestellt. Vorsitzender: Ja, aber liegt es nicht nahe, dies zu erwähnen? Kläger Fink: Es ist das kein Lebenslauf, der großartig vor- bereitet ist, sondern soweit ich mich erinnere, kam eines Morgens, als ich ans der„Post" thätig war, jemand zu mir und sagte:„Sie müssen das Ding aufschreibe»!" Da ist es denn im Handumdrehen geschrieben worden. Angekl. Bebel: Der Kläger hat nicht aNein mit Absicht seinen Aufenthalt in Chikago ausgelassen, sondern es sind auch seine ganzen Angaben über seine Thätigkcit in der Stadt Mexiko unwahr. Wir sind in der Lage, durch den deutschen Konsul der Stadt Mexiko nachweisen zu können, daß Fink auch dort denselben Lebenswandel getrieben hat, wie in Chikago, daß er zweinial Bankrott geniacht hat, mit seiner Familie ausgerissen ist und seine Gläubiger betrogen hat. Hierauf werden noch zwei Briefe des Chikagocr Presseklubs ver- losen. In den: ersten steht, daß Fink sich mehrfacher Schwindeleien schuldig gemacht hat, im zweiten, daß er dem Oekoiiomen des Klubs einen werthlosen Check in Zahlung gegebcir, und als schlagen wollte, ihn fußfällig gebeten hat, die Sache große Glocke zu hängen. dieser Lärm nicht an die / erschienen. Auch von Hamburger Genossen und Vereinen waren zahlreiche Kränze gespendet. Im Zuge wurden außer der rothen Parteifahne die Banner verschiedener Gewerkschaften mitgcführt. Die Gedächtrnßrede am Grabe hielt Genosse Fischer aus Hamburg. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Wegen Beleidigung des Amtsvorstehers Schaeper in Bahrdorf wurde der verantwortliche Redakteur der M a g d e- b u r g e r„V o l k s st i m m e", Genosse Müller, vom Landgericht daselbst zu 150 M. Geldstrafe verurtheilt. Bei der Verkündigung des Urtheils führte der Vorsitzende des Gerichts, Landgerichtsdireltor Fromme, als strafschärfend an, daß der Angeklagte ein„gewerds- mätziger Beleidiger" sei. So meldet die„Vollsstimme". Voraus- gesetzt, daß kein Mitzverständniß vorliegt, würde die Aeußerung zeigen, daß in Magdcbura ein sozialdemokratischer Redakteur im Gerichtssaale vor persönlichen Angriffen nicht sicher ist. — Vor dem unterfränkischen Schwurgericht in Würzburg hatte sich der ftühere Redakteur der„ F r ä n k. V o I k s t r i b ü n e Genosse Beiswanger aus Nürnberg, wegen Beleidigung der Würzburger Polizei:n zwei Fällen zu verantworten. Die C schworenen vernemtcn aber die Schuldfragen, das Urtheil lautete demgemäß auf Freisprechung. Soziales. Arbciter-Nisiko. Auf der Schießbaumwoll-Fabrik Bomlitz bei Walsrode in Hannover waren drei Arbeiter damit beschäftigt, Schießbaumwolle in einer Mischung Aether und Alkohol einzustopfen zwecks Herstellung von Collodium für photographische Zwecke, als sich plötzlich aus unaufgeklärter Weise diese Materialien entzündeten und eine heftige Explosion hervorriefen. Der Arbeiter Stöckmann wurde dabei sofort getödtet, der Arbeiter Bartels verstarb infolge der erlittenen Verletzungen nach kurzer Zeit, ein dritter Arbeiter kan: mit erheblichen Brandwunden davon. Ans dem Krcuzschacht der Königin Luisen-Grube in Z a b o r z e in Oberschlesien wurde der Bergmann K o s ch aus Pfeilwort verschüttet, wobei er so schwere Verletzungen erlitt, daß er innerhalb einer Viertelstunde verschied. Eine furchtbare HungerSnoth herrscht in Rußland. Der in Berlin erscheinenden Zeitschrift„Export" wird darüber aus St. Petersburg berichtet: „Ebenso wie im Jahre 1891 steht auch gegenwärtig das große russische Reich vor dem schanerlichcn Bild des allgemeinen Volks- Hungers. Von den 63 Gonverncmcnts des Reiches hatten voriges Jahr nicht weniger als 44 eine Mißernte zu verzeichnen, welche von 50 bis 70 pCt. der Durchschnittsernte schwankte. Man kennt die kümmerliche Lage des russischen Bauern. Auch bei guten Ernten ist eine große Kategorie russischer Bauern nicht in der Lage, den Bedarf an Getreide vom eigenen Boden- antheil zu decken, und ist auf Nebenverdienste angewiesen, deren Gelegenheit und Belohnung im Vcrhältniß zur Höhe der Ernte stehen. In einem Mißerntejahr stellt sich neben dem Ge- treideniangel und dem hohen Preis auch Mangel an Arbeitsgelegen- heit ein. Eine Vorstellung von dem Schrecken, welchen die Hungersnoth in Rußland nach sich ziehen dürfte, kann man gewinnen, wenn man sich die furchtbaren Folgen der Hungersnoth im Jahre 1891 ver- gegenwärtigt. Im Jahre 1892 sind wegen der Mißernte im Jahre 1891 nm Hunger und seinen Folgen 697 000 M e n s ch e n gestorben. Rechnet man noch die Opfer hinzu, welche auf die zweite Hälfte des Jahres 1891 und die erste Hälfte des Jahres 1893 fallen, so hat das Hungerjahr 1891 über c i>: e Million Menschenopfer zur Folge gehabt, also vier mal so viel als der unglückliche Krimkricg. Die HiobSposten, die auS den vom Hunger betroffenen Gebieten tagtäglich eintroffen, lauten ebenso verzweifelt wie in: Jahre 1891. Die Gctreideprcise sind zwei bis dreimal so hoch, >vie in guten Erntejahren. Die Strohdächer sind::: den meisten Häusern herabgcrissen und als Futter für das Vieh verwendet worden. Das Vieh geht aber meist zu gründe, oder es wird für eine Kleinigkeit aus dem Markte los- geschlagen; der Bancr wird dadurch seines ohnehin geringen Viehbestandes vollständig beraubt. Der Mangel an Heizmaterial in: verflossenen strengen Winter hat die Bauern gezwungen, den Fußboden des Hauses zur Beheizung zu verwenden, viele demolirten die Kornspeicher, andere heizten direkt mit den Wagen und Rädern, wie dicS in den russischen Berichten buch- stäblich aus vielen Orten gemeldet wurde. Samen für die Saat konnte nirgends aufbewahrt werden, und hierin liegen auch schwere Besorgnisse für die nächste Ernte. Ilebrigens waren die Witterungs- Verhältnisse ftir die künftige Ernte keine günstigen. Die Dorfschullehrerinnen und die übrigen kulturtragenden Elemente des Landes entwerfen haarsträubende Bilder aus der Schule und der Familie: blasse, abgemagerte Kinder mit ein- gefallenen Gesichtern, welche vergebens nach Brod schreien, Mütter, welche in Verzweiflung die Hände ringen, weil sie den Hunger des Säuglings nicht stillen können, an: Hungertyphus zu gnmde gehende Männer!! Die Regierung ist den: Volkselend gegenüber ohnmächtig und glcichgiltig. Das einzige, was sie zu thun sucht, ist, die Vorgänge zu verschweigen und zu vertuschen. Während im Jahre 1891 von der Regierung, den Provinzen und den Gemeinden nicht weniger als 200 Millionen Rubel ausgegeben wurden, ist dieses Jahr in dieser Richtung so gut ivie garnichts aethan worden. Auch die öffentliche Wohlthätigkeit bethätigt sich dieses Jahr in viel geringerem Maße als 1891, weil die Regierung jede Regung auf diesem Gebiete zu unterdrücken sucht. So nagt vcrzweiflungsvoll der russische Bauer am Hungertuche und geht elendiglich unter— ein unglückliches Opfer der Verfassung und der Regierung seines Landes." Der Krieg. Von Unfällen der amerikanischen K r i e g s s ch i f f e be- richtet heute der Telegraph. Der amerikanische Staatssekretär der Marine hat ein Telegramm aus New-Dork erhalten, ivonach das ?Iaggschiff„Watson" mit den: Kreuzer„Delphin" in Newark kolli- irte. Das Flaggschiff erlitt keine Beschädigung, doch wurde der Kreuzer derartig beschädigt, daß er in das Arsenal geschleppt werden mußie. Nach einem Telegramm auS Kingston hat der dortige spanische Konsul ein Kabcltelegramm aus Santiago erhalten, welches meldet, daß der amerikanische Kreuzer„Brooklyn" von einem spanischen Geschosse getroffen und gesunken sein soll. Komniodore Schleh und 24 Mann sollen umgekommen sein. Des weiteren wird gemeldet, daß ein ausgedehntes Minennctz bereits gelegt sei, um die Amerikaner zu hindern, in den Hafen von Santiago einzudringen. Dagegen wird in Washingtoner amtlichen Kreisen der Meldung von dem Unglück, das der„Brooklyn" zugestoßen sein soll, kein Glaube beigemessen. Man niinmt an, daß Admiral Sampson eine Meldung erstattet haben würde, wenn ein solches Unglück geschehen wäre. Eine Depesche des Generals Shafter von Dienstag Abend be- sagt, er hoffe sich Santiago s zu bemächtigen, sobald er bereit sein werde, vorzurücken; er werde nicht die Ankunft der Verstärkung ab- warten; 8000 Mann Verstärkungen für die Spanier mit vielem Train und Schlachtvieh rücken von Manzanilla her an und seien jetzt noch 54 Meilen von Santiago entfernt.— Es wird in Washington als sicher angenommen, daß General Shafter einen entscheidenden Schlag ausführen will, ehe diese spanischen Hilfstruppei: heran- gekommen sind. General Shafter meldet in einer am Mittwoch bei General Mikes eingegangenen Depesche, er könnte Santiago innerhalb 48 Stunden nehmen; es könnten aber beträchtliche Verluste damit verbunden sein.— Eine Depesche des Admirals Sampson vom 22. d. M. zollt Garcia persönlich sowie dem Verhalten der Kubaner im allgemeinen lebhafte Anerkennung. General Shafter hat gestern beschlossen, sein Hauptquartier an Land zu verlegen und wird bereits heute sein Zelt beziehen. Die Belagerungsartillerie ist nach der Vorpostenlinie abgegangen. Das Hauptquartier Lawtons befindet sich fünf Meilen östlich von Santiago. Die Spanier haben am Mittwoch Eancy(El Ganeh(?), ganz in der Nähe von Santiago, geräumt. In einem Telegramm des Generals Shafter vom 27. d. M. heißt es, der Gesundheitszustand seiner Truppen sei vortrefflich; außer den Verwundeten seien nur 150 Mann trank. Ein amerikanischer Berichterstatter im Lager am Rio Gnamo telcgraphirt am Mittwoch: Die Vorbereitungen zum allgemeinen Vorrücken werden lebhaft betrieben. Truppen aller Waffengattungen marschiren eilig nach der Frontlinie. Der eigentliche Vormarsch wird aber nicht eher angeordnet werden, als bis jeder Soldat drei Tages- rationen in seinem Tornister hat, letzteres kann aber nicht vor 2 oder 3 Tagen der Fall sein; denn erst dann werden die Wege für Wagen passirbar sein. Die Vorposten sind noch nicht auf die Spanier gestoßen; diese scheinen sich hinter die Verschanzungen zurückgezogen zu haben. General Shafter hat sein Haupt- quartier immer noch an Bord der„Seguranca", um in steter Ver- bindung mit Admiral Sampson zu bleiben. In der ersten Gefechts- linie befinden sich etwa 13 000 Mann. Die Haltung der Mann- schaftcn ist vorzüglich, trotz der erdrückenden Hitze. Lebensmittel find knapp und schlecht. Die letzten Abtheilungen Artillene sind ausgeschifft. General Shafter klagt über Mangel an Pferden. ' Aus Madrid wird heute telegraphirt: Eine amerikanische Kolonne ging am 23. v. M. unter dem Schntz des Feuers dreier Panzerschiffe über Aguadores die Eisenbahnlinie entlang bis Siboncy vor, zog sich aber dann, nachdem sie mehrere Flintenfchllsse mit den spanischen Vorposten gewechselt hatte, sofort zurück. Se:t drei Tagen suchen die Amerikaner an verschiedenen Punkten Artillerie zu landen; ihre Fahrzeuge scheiten: aber, und es gelingt ihnen nur mit großer Mühe, die Kanonen zu retten. Der spanische Konsul in Montreal(Kanada) hat beim Aus- wältigen Amt Einspruch erhoben wegen der einem amerikanischen Kanonenboot gegebenen Erlaubniß, die kanadischen Kanäle zu durch- fahren, um sich nach einem amerikanischen Hafen zu begeben. Aus Portoriko wird Mittwoch telegraphirt: Der transatlantische Dampfer„Antonio Lopez", von Spanren mit einer Ladung Waffen und Munition kommend, war heute bis an den Eingang des Hafens von San Juan gelangt, als zwei amerikanische Kreuzer auf ihn Jagd zu machen begannen. Der Kapitän des Dampfers wollte, um den Amerikanern zu entkommen, selbst den„Antonio Lopez" zum Scheitern bringen. Dies gelang auch, es platzte aber der Dampfkessel. Es ist noch nicht bekannt, ob Menschen dabei umgekommen sind. Als ein spanisches Schiff aus dem Hafen herankam, zogen sich die amerikanischen Kreuzer zurück. Die Ladung des„Lopez" wurde ge- borgen. Das Geschwader Camara's liegt noch immer vor P o r t Said. Camara hat die Erlaubnitz nachgesucht, Kohlen einnehmen zu dürfen. Die Antwort der egyptischen Behörde ist noch nicht ein- aettoffen. Vor Montag wird das Geschwader den Suez-Kanal nicht durchkreuzen. Aguinaldo wird einer Depesche aus Hongkong zufolge den Mächten die Proklamirung der philippinischen Re- publik notifiziren und um deren Anerkennung nachsuchen. Er hatte eine lange Konferenz mit dem deutschen Admiral Diederichs. In der Proklamation, die der amerikanische General Merritt bei seiner Ankunft vor Manila erlassen wird, w:rd sich auch die Er- klärung befinden, daß die verschiedenen Kulte vollkommene Freiheit genießen sollen. Etwa 1500 Personen versammelten sich gestern Abend bor der Wohnung des Bischofs von Barcelona und drückten ihren Unwillen über das Verhalten des Bischofs aus, welcher erklärt hatte, die Fortsetzung der Feindseligkeiten mit den Bereinigten Staaten sei gottlos und unklug. Ueber die ursprüngliche Bcrnfsstellnug der 56 A b- geordneten, aus denen sich die neu gewählte s o z i a l d e n: o- kratische Fraktion zusammensetzt, giebt nachfolgendes Ver- zeichnitz Auskunft. Danach befinden sich unter den 56 Genossen 34 Handwerker, 5 Kaufleute, 4 Rechtsanwälte. 7 Schriftsteller, 1 Chennker, 1 Apotheker, 2 Lehrer. 1 Offizier. Bon dem Genossen Hoch ist uns der ursprünglich erlernte Berus nicht bekannt. Von den Abgeordneten sind dem erlernten Berufe nach: 1 Sattler: Auer; 1 Drechsler: Bebel; 5 Kaufleute: Singer, Antrick, Oertel, Fischer, Rosenow; 6 Tischler: Zubeil, Tutzauer, Pfannkuch, Kloß, Dreeöbach. Cramer; 3 Schneider: Klees, Reißhaus. Albrecht; 2 Schriftsetzer: Dietz, Schmidt(Magdeburg); 2 Klempner: Metzger, Segitz; 7 Zigarrenarbeiter: Meister, Molkenbuhr. Förster, von Elm, Hofmann, Geyer, Kaden; 1 Former: Schwartz; 1 Bergarbeiter: Sachse; 2 Schuhmacher: Bock, Seifert; 1 Lirho- graph: Schmidt(Frankfurt); 2 Schlosser: Ulrich, Frohme; i Tapezirer: Ehrhart; 1 Gärtner: Stolle; 1 Glasbläser: Horn; 1 Weber: Baudert; 1 Bäcker: Bueb; 4 Rechtsanwälte: Haase, Seine, Herzfeld, Stadthagen; 7 Schriftsteller: Blos. Calwer, eck, Gradnauer, Liebknecht, Schippel, Schornlank; 1 Chcmcker: Wurn:; 1 Apotheker: Agster; 2 Lehrer: Kunert, Thiele; 1 Lieutenant: v. Vollmar. Hoch(Hanau) hat das Gymnasium absolvirt und die Universität Zürich besucht. Der verstorbene Parteigenosse Hermann Martikke wurde am Mittwoch auf dem Ohlsdorfer Friedhofe in H a n: b u r g unter zahl- reicher Theilnahme der Arbeiter beerdigt. Ueber 1000 Personen «zaben dem erprobten Kämpfer das letzte Geleite. AuS dem fünften schleswig-holsteinischen Wahlkreise, wo Martikke kandidirte und bis kurz vor seinem Tode agitatorisch wirfte, sowie aus anderen Be- zirken der Provinz waren Deputationen mit Kränzen und Bannern ' Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke ü: Berlin. Druck und Berlag von Max Beding in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt. Letzte Llnrfzeiitzkcw und DepefilzeU' Chemnitz, 30. Juni.(B. H.) Heute ftüh in der vietten Sttmde wurde, wie die„Allgemeine Zeitung" berichtet, auf die Wittwe Kaden von ihrem Geliebten, dem Taubenhändler Pcrthal, ein Mord- versuch verübt. Derselbe brachte der Wittwe zwei Stiche in: Rücken, einen an der Schulter und einen am Halse bei. Dre Wittwe ist schwer verletzt. Der Mörder versuchte sich dann selbst zu tödten, indem er sich elf Stiche in der linken Brust beibrachte und sich die linke Pulsader durchschnitt. Beide wurden in das hiesige Kranken» haus geschafft; sie sind nicht vernehmungsfähig. Wie», 30. Juni.(B. H.) Ueber Lemberg, Fünfkirchen, Groß- wardein ist in der letzten Nacht ein furchtbares Unlvetter nieder- gegangen. Dächer wurden abgedeckt. Bäume entwurzelt und die Straßen überschwemmt. Mehrere Menschen sind umgekommen. Peru, 30. Juni.(W. T. B.) Der Nationalrath hat in Zu stiinmung zu den: Beschluß des BundeSraths eine Bundessubventton von 4'/: Millionen Franks für den Siinplon-Durchstich mit 78 gegen 8 Stimmen genehmigt. Luzer», 30. Juni.(W. T. B.) Gestern Nachmittag kippte während eines heftigen Sturmes ein von fünf englischen Touristen besetztes kleines Boot bei Meggen um. Ztvei Personen, ein Herr und eine Daine, ertranken, die übrigen wurden gerettet. Paris, 30. Juni.(W. T. B.) Deputirtenkammer. Das HauS ist dicht besetzt. Es herrscht große Bewegung. Ministerpräsident Brisson verliest unter gespannter Aufmerksamkeit deS Hauses die Erklärung über die Politik des Kabinets. Diese gedenkt zunächst des Kammervotums, welches aedeutet habe, die Kainmer wolle den Zu- sammenschlnß der Republikaner lediglich, dann: diese die Republik regieren. Das Kabinet wolle dieses Votum zur Ausführung bringen. Indem das Kabinet seine Bestrebungen fest eingreiize, wünsche es, daß das Parlainent sich hauptsächlich mit zwei Grundfonneir beschäftige: Ersteus mit der Steuerresorn:. Das Kabinct iverde die Abschaffung der Personal- und Mobiliar-, sowie der Thür- und enstersteucr vorschlagen und die Ersetzung derselben durch eine inkommcnsteucr, die sich richtet nach den äußerlich erkennbare» Anzeichen des Vermögens, wobei eine Belästigung und inquisitorische Ausforschung ausgeschlossen sein solle. Diese Steuer werde degressiv sein, um die kleinen Steuerzahler zu entlasten. Die zweile Reform werde die Frage der Pcnsionirung der städtischen und ländlichen Arbeiter betreffen. Unabhängig von diesen beide» Hauptreformen werde t'e Regierung Gesetzentwürfe betreffend die Erbschaftssteuer,! � Reform der Getränkesteuer und die Schaffung von Lmidiviuyichaftskammen: vorschlagen. Die Regierung werde ihr ökonomisches System, dessen Stabilität für Industrie und Handel unerläßlich sei, loyal zur Antvendung bringen. Die Erklärung schließt mit einem Appell an alle Republikaner, die Aufgabe des Kabinets zu erleichtern.(Beifall links.) An mehrere» Stellen wurde Brisson durch Zwischenrufe der Rechten und deS Zentrums uilterbrochcn. Rom, 30. Juni.(B. H) Das Erdbeben bei Rieti hat arge Verheerungen angerichtet. Die Anastasiuskirche ist eingestürzt, der Thurm der Marienkirche hat schwere Beschädigungen erlitten. Mehrcrtz Menschen haben bei dem Erdbeben ihr Leben verloren. Die Bevölke» rung kampirt im Freien. Der Kriegsminister sandte eine Abtheilung vom Rothen Kreuz und 500 Zelte nach dort ab. Ron:, 30. Juni.(W. T. B.) Die„Agenzia Stefan:" veröffent» licht ein Zirkular des Minisierpräsidenten Pelloux an die Präfekten, in welchem diesen die Pflicht auferlegt wird, über die genaiiq Beobachtung der Gesetze zu wachen, beständig mit Sorgfall die Bedürfnisse der Bevölkerung zu studiren und der Regierung die Mittel vorzuschlagen, um für dieselben nach der Lage der einzelnen Provinzen Sorge zu tragen. Das Zirkular sagt ferner. man müsse auch jeden Alt und jede Propaganda umstürzlerischeu Charakters, in welcher Fori» diese auch immer zu tage treten mögen, und jeden Versuch der Aufreizung zum Klassenhaß verhindern uich, wenn nöthig, energisch unterdrücken.