rtei- Erscheint 3 eine w» ch t» t I i ck, einmal auch in dieser Zürich(Schweiz) t und~ •in-u 9ttUi 5®. Hcrier, Zn»usiriehaUe iptUNg Züeidach-Zürich • auch bwohl Pelstiiduige» sranco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der SoMemoKrat Jliternatioilales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Aöouuemeuts werden nur Heim!»erlag und d eisen bekannten Agenten ent» gegengenommen und zwar zum voran« zahlbaren Vierteljahripreii von- Fr. 2.— für die Schweiz(Hteu jfcanb) Mt. 3.— für Deutschland(douDttt) fl. 1. 70 für Oesterreich fCouvert) Fr. 2. SO für alle übrigen Linder de» Weltpostverein» lltreuzbands. Zllserite Die dreigespaltene Petitzell« LS St».--- 20 Pfg. R? 1«. Sonntag, 7. März. 188«. Ali« an die ßorrespollde«tell und Adaauelltell de«„Iosiildemodrat". � Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland alz auch in Oesterreich verboten ist, bezw versolgt wird und die dortigen �-oehörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briese von dort an UN» .und unsere Zeitung», und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und uurs keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Brieimarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt °tr Sendungen zu täuschen, und letzlere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. besten»erlag selbst adresfiren, sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtige Adreste außerhalb Deutschlands und Oesterreich» wenden, welch- sich dann mit UN» in Verbindung setz»; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche ZustellungSadresten mitgetheilt werden In zweifelhasten Fällen empfiehlt sich behuss größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an un» lieg«, werden wir gewiß weder Mühe noch»osten scheuen um trotz aller ent- gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. Unterm Ausnahmegesetz. Ein Trost- und Mohnwort au» Deutschland. Es hat der Kürst von Friedrichsruh Tes�ielt un« einen Passen; Nun kommen Ausist und Zagen wohl Gar manchem der Genossen: vernichtet wird nun schonungslos, Was wir mit Sorgfalt bauten; Zum Spotte wird der..Sieg de» Recht»", Nuf den wir treu vertrauten. Was sog der eitle Klageruf? Dem Sturm die Stirn geboten! verloren gibt der tapfre Mann Inf Erden nur die Tobten. Wi« leben auch die Tobten noch: Das Wirken ihrer Kräfte «erflog ja nicht, schafft heimlich fort fcn großen Weltgeschäfte. Wir leben noch! Entrüstung glüht In allen unfern Adern. Wir lernten längst: Zum Ziele führt Kein wildempörtes Hadern; E« hilft un» nur der stille Grimm, Da» angehalt'nc Wülhen; So schmelzen wir de« Winter» Ei», Dann kno«pen Freiheit«blülhen. Da« ist un« nun seit Jahren kund Und wär' un« jetzt entfallen? Wir sind von je dem Volke gleich, Da« seine« Tempel« Hallen Aufbaute mit dem Schwert am Gurt, Zum Kampf auf Tod und Leben Bereit, in jedem Augenblick Dem Feinde preisgegeben. Und wa« bis hierher un« gebracht, Da« sollt un« jetzt verlassen? Da« Feuer, da» Lassall' entfacht, Glüht allwärt« in den Massen. Wohl häuft man Stroh und Holz darauf, Die Flammen zu ertödten, Und mehrt den Brennstoff, daß der Brand Die Wolken bald muß röthen. War'» denn der Witz von Hinz und Kunz, Wa« Siege un« erstritten? Wa« führt' un« zu die Tausende? Die Roth, die sie erlitten. Die Roth wird alle Morgen neu Und weckt dem trägen Wahne Zur Feindschaft immer wieder frisch Da« Volk der rothen Fahne. Gedenkt an Strafford-Reinecke, Wollt Ihr die Zeil verstehen! Ein große« Leben tritt an'« Licht Nicht ohne große Wehen. Und allergrößte Zeitgeburt Ringt sich in un« zu Tage: Wer wär' so klein, zu wägen da Blut, Sorge, Drangsal, Plage! Um Beute nicht für unfern Bauch Erheben wir die Waffen. ES gilt die schlecht geschaff'ne Welt Zum Bessern umzuschaffcn. Da« Maasi der Zeiten, die e» braucht, Da« soll uns wenig grämen; S' ist Herzenslust, schon durch den Wunsch Die Gottheit zu beschämen. Ob wir nicht sterben in der Nacht, Bevor der Tag erschienen? So starben schon viel Tausende Und Niemand fragt nach ihnen. Und Niemand fragt auch un« einst Im unbeweinten Grabe Verwesen wir, wenn sich zu Gast Nicht laden Kräh und Rabe. Sind darum unbeglückter wir AI« uns're satten Feinde? Wir haben doch un« stolz gesellt Der seligen Gemeinde Der Männer, denen fich da« Licht De« reinen Menschenthum« Verlobte— Sie entrathen leicht De« Siege« und de» Ruhm». Wer dieser Braut sich angetraut, Bedarf nicht ird'scher Kränze, Er hat, wa« keimt und blüht und reift, Die Herbste und die Lenze, Er ist nicht Kind und wird nicht alt Und weiß fich ein« dem Alle, Und kostet ew'geS Leben, wie Auch hier der Würfel falle. Den Streit de« Dasein« kämpft er nicht, Sin Gut fich zu erwerben; Er hat e« und er mllht fich nur Zu zeugen einen Erben; Wenn sich die Braut im Lager wehrt, Da gibt'S nur süße Wunde: Der ist kein Mann, dem nicht behagt Der Schmerz der Schäferstunde. Gin neuer Sieg! � Abermals hat die deutsche Sozialdemokratie unter dem Sozialistengesetz und trotz desselben einen Sieg erfochten. Bei am 2. März stattgehabten ReichStagsnachwahl im (7. sächsischen Wahlkreis(Glauchau-Meerane) hat der ozialdemokratische Kandidat Jgnaz Auer ungefähr tausend stimmen mehr als sein Gegner, der„ordnungsparteiliche" Guts- 'ksttzer und Reserveoffizier Gelbke, erhalten und ist in Folge >essen— da ein dritter Kandidat nicht vorhanden war— zum �kichslagsabgeordneten gewählt. Wohl ist es richtig— und die für ihre Niederlage um einen -�orwand suchenden Gegner werden darauf hinweisen—, daß der sächsische Wahlkreis einer der sichersten, altbewährten Stütz- 'Unkte der deutschen Sozialdemokratie ist. Aber diesmal war '�selben der Kampf noch doppelt und dreifach schwerer denn uust gemacht und den Gegnern um ebensoviel erleichtert. In ,em größten Theil des Wahlkreises herrscht ein gräßlicher Noth- 'and, und der Hunger ist ein schlimmer Feind. Nicht nur stumpft � leicht für alle über die bloße Stillung der dringendsten Noth lwauslicgenden Dinge, für die höhern Interessen leicht ab, son- -lern er gibt auch den wirthschaftlich Mächtigen als den Besitzern �er Lebensmittel vermehrte Macht. Hunderte von Wählern wurden regen Annahme von Nolhstandsunterstützungen infamer Weise '"n den Wahllisten gestrichen; andere Hunderte konnten ihre Ländlich„bezahlte" Arbeit nicht auf mehrere Stunden ver- °ffen, um ihren Familien nicht noch mehr Entbehrungen auf- "erlegen; und wieder andere waren schon zu ermattet und ab- �stumpft oder es mangelten ihnen selbst die nöthigen Kleider, uu Stunden weit zur Stimmurne zu pilgern. Z Wie sicher die Gegner auf alles dies, sowie aus die Zusam- Genwirkung der vereinigten„ Ordnungsparteien" und nicht zum wenigsten auch auf den Hochdruck der RegierungSgewalt zu ihren Gunsten gerechnet hatten, ging aus deren zuversichtlicher Stim- jwng hinsichtlich deS zu erwartenden Wahlresultates hervor. So �"cb u. a. die BiSmarckischc„Nordd. Allg. Ztg." zu Beginn w Wahlkampagne:„Gegen Herrn Gelbke, einen in der dor- lgen Gegend sehr geachteten und beliebten Mann, werden te Sozialdemokraten mit ihrem Kandidaten Auer, trotz- dieselben daraus pochen, daß derselbe schon einmal ein säch- 'ches ReichstagSmandat vertreten hat, schwerlich auskamen können. Die Sozialdemokraten glaubten, es werde ihnen sächsische Landtagsabgeordnete Penzig gegenübergestellt werden, � Bereinigung der Konservativen und Liberalen hat aber in Gelbke eine aussichtsvollere Kandidatur geschaffen und ist nun chen er�����süffung bei den Sozialdemokraten groß. wird de- �'Nge man von reichstreuer Seite in allen den Wahlkreisen, die kage� zu loch Sozialisten vertreten werden, vor allem auch in Dresden, erückfich-n oor, so würden die Sozialdemokraten enMftlb aus dem Reichstag verschwinden...." __ Aber alle die aufgeführten Hindernisse konnten gegen die �berzeugungstreuc, den Eiser und die Organisation der Sozial- .2arioIi �Okrrrt� sowie das Vertrauen der aufgeklärten Wählerschaft sächsischen KreiseS in die Sache deS Sozialismus nicht �Gid halten, und wenn die über dies neue Zeichen für den �»eschmälerten Fortbestand und das kräftige Gedeihen der Mischen Sozialdemokratie„verblüfften" Gegner keine anderen sil). llel ausfindig machen, dann hat es mit dem„Verschwinden t l(r Sozialdemokratie aus dem Reichstag" gute Wege. Vielmehr ____'_ dieser neue Erfolg keineswegs der letzte, sondern nur ein �aufzuweiteren, eine<. tation zu Größerem sein! Darum unfern Brudergruß den wackern Genossen de» 17. sächsischen Wahlkreises und ein Glückauf der deutschen Sozial- demokratie, und dann vorwärts geblickt, neuen Kämpfen, neuen Siegen entgegen! Was thün? i. Zwei Wege sind es, auf denen eine Verwirklichung unserer Ziele denkbar ist. Der eine ist der friedliche Weg, der andere der gewaltsame. Selbstverständlich würde jeder den ersteren vorziehen, wenn eine Möglichkeit gegeben ist, auf ihm zum Ziele zu gelangm. Aber in diesem Wenn steckt der Haken. In seinem Buche„Die Frau und der Sozialismus" setzt freilich Genosse Bebel einen Zeitpunkt als nahe voraus,„wo die (vorher von ihm ausführlich geschilderten) Uebelstände allgemein anerkannt sind und die große Mehrheit der Gesellschaft ent- schlössen ist, sie auf dem raschesten und vielen heute am prak- tischsten scheinenden Wege(d. h. dem sozialistischen) zu beseitigen". Er stellt also den Fall als möglich, ja als wahrscheinlich hin, daß die sozialistische Idee trotz aller Hindernisse binnen wenigen Jahren sich so mächtig ausbreitet, daß die Umwandlung sich ohne Blut- vergießen vollziehen könne. Mir erscheint nun eine so schnelle und so weite Ausbreitung des Sozialismus nicht wohl denkbar. Daß die heutige Staats- gewalt, die Kirche— die katholische, und womöglich auch noch die protestantische— das Kapitalistenthum, kurz Alles, was ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Bestehenden hat, uns bis aufs äußerste bekämpft, ist zwar schon schlimm genug, wäre aber für sich allein nicht unüberwindlich und kann darum übergangen werden. Der Umstand dagegen, daß wir mit der durch Jahrhunderle langen Druck und zweitausendjährigen Wahn erzeugten geistigen Verdummung und Gleichgültigkeit eines großen Thcils des besitz- losen Volkes selber zu kämpfen und zu rechnen haben, macht es uns völlig unmöglich, in ländlichen Wahlkreisen— und das sind ja die meisten— eine Majorität zu erzielen. Selbst im industriellen Proletariat giebt es ja leider noch viele, die sich gleichgültig oder gar feindlich dem großen Kampfe ihrer Brüder um Emanzipation gegenüberstellen. Immerhin ist doch aber der Sozialismus schon selbst bis in die verarmtesten und sozial unter- drücktesten Gegenden vorgedrungen und breitet sich in den Industrie- bezirken immer mehr aus. Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem ländlichen Proletariat und dem kleinen Bauernstände, ohne die wir nun einmal keine Majorität erzielen können. Daß das ländliche Proletariat, wozu man getrost auch den kleinen Bauern rechnen kann, den wunden Punkt in unserer Agitation bildet, wird von allen Seiten anerkannt, und es sind bereits vielfach Vorschläge gemacht, wie man die Bauern am besten herüberziehen könne. Aber alle diese Vorschläge haben noch zu keinem greifbaren Resultate geführt und konnten eben auch zu keinem führen, vielmehr möchte ich als Behauptung aufstellen: Entweder siegen wir ohne das Gros der Landbe- völkerung, oder wir siegen gar nicht. Der wohlhabende Bauer ist durchschnittlich der denkbar größte Egoist, dem es ganz gleichgültig sein würde, wenn das ganze Volk hungerte, wofern nur er existiren könnte. Die Gründe, aus denen er so geworden ist, sind theils die- selben, die die meisten Reichen zu Gegnern jeder Eigenthums- änderung machen, theils besonderer Natur. Ihre nähere Erörterung dürfte aber überflüssig sein, da EgoiSmuS und Beschränktheit bei reichen Bauern ja sprüchwörtlich find. Diesen Hauptcharakterzug des krassesten und beschränktesten Egois- mus finden wir vielfach noch beim minder begüterten, sogenannten mittleren oder kleinen Bauern wieder, der auf seinem Grund- besitz meistens schon Hypotheken hat, der schon massenhaft in den letzten Jahrzehnten zu Grunde gegangen ist und zum großen Theil gerade jetzt einen aussichtslosen Kampf um seine Existenz führt. Auf den reicheren Bauern ist für den Sozialismus natürlich gar nicht zu rechnen, er geht durch Dick und Dünn mit den Re- gierungen, die ja, seit der intelligentere Theil des Volkes nicht» mehr von ihnen wissen will, den Bauernfang im Großen betreiben. Aber auch im intelligenteren Bauernstand hat der Sozialismus in den meisten Gegenden Deutschlands noch sehr wenig Anhänger. Die Gründe sind theils dieselben, wie die unten beim eigentlichen Proletariat anzuführenden, theils sind es der Stolz auf sein, wenn auch noch so verschuldetes Eigenthum und die Furcht vor dem Gerede der Leute, die ihn hindern, sich einer Partei der Armen anzuschließen. Das eigentliche ländliche Proletariat nun, das gar kein oder doch kein nennenswerthes Grundeigenthum besitzt, ist zum größten Theil vollständig gleichgültig gegen alles, waS über seine allernächsten Interessen hinausgeht. Diese Stumpfheit und Gleich. gültigkeit ist allerdings nur zu erklärlich. Trotz der Freizügigkeit in vielen Fällen aus Armuth und anderen Gründen an die Scholle gebunden, durch den denkbar schlechtesten, Aberglauben und Irrwahn, Hundedemuth und Schafsgeduld befördernden Volksunterricht verdummt, vom ftühen Morgen bis späten Abend im Dienste des blutsaugenden Kapitals sich abrackernd, ist der ländliche Proletarier noch viel unterdrückter, als der industrielle Arbeiter und hat weder Zeit noch Kraft noch Lust sich um poli> tische und soziale Fragen zu kümmern. Er denkt kaum an der- gleichen; daß es jemals anders und besser für ihn werden könne, diesen Gedanken kann er kaum fassen. Zieht man außerdem in Erwägung, daß das enge und massen- hafte Zusammenleben von Menschen, wie es in großen Städten und Jndustriebezirken der Fall ist, Gedankenaustausch und Erwei- terung des Gesichtskreises befördert, was für die sozialistische Agitation äußerst günstig gewesen ist, und daß dieser Vortheil bei der Landbevölkerung völlig wegfällt; so ist wohl die Behaup- tung gestattet, daß es bei dem jetzigen Stand der Dinge nimmer- mehr möglich ist, unter der Landbevölkerung eine sozialistische Majorität oder auch nur eine solche namhafte Minorität zu erzielen. Ein Mitttel gäbe es allerdings, um die Bevölkerung des Landes(und auch der meisten kleinen Städte) wenigstens im Laufe einer Generation für den Sozialismus empfänglich zu machen, aber auch nur eins. Das wäre die völlige Neugestaltung des Volksunterrichts auf darwinistischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen. Daß wir aber eine solche Umgestaltung des Unterrichts vom heutigen Staate nun und nimmermehr erhalten, bedarf wohl nicht erst des Beweises. Selbst die schwächlichen Bestrebungen deS Liberalismus auf diesem Gebiete— die Fortschrittspartei mit eingerechnet— waren und sind nichts anderes, als politische Heu- chelei. Alle Parteien wissen eben, daß jede im Sinne eines wahr- haften Fortschritts gehaltene Unterrichtsgesetzgebung nur uns zu gute kommt und darum hüten sie sich möglichst, uns in die Hände zu arbeiten. Nach dem Gesagten möchte ich noch einmal meine Ansicht dahin glaubliches hat. Das von einem liberalen Blatte gezeigte ab- das schreckende Bild, wie der„große Staatsmann" Bismarck„?lrn> un in Arm mit einem Kosaken" geht und„ein Kulturstaat wie schr Deutschland mit einein Barbarenstaatc wie Rußland zu einer sui internationalen Razzia auf die Bekenner freiheitlicher Grundsätze ftat (die letztere Bezeichnung für Socialismus klingt von einem Bour- Ka> geoisblatt recht ungewohnt) sich verbindet"— hätte den Blut- offt und Eisenmann jedenfalls nicht abgeschreckt. Denn es wäre nichi in das erstemal, daß sich der Arm des Kosaken in dem seinigeii Hab befindet, und der deutsche„Kulturstaat" ist von dem Barbaren� eini staat auch ohnedem in mancher Richtung nicht allzuweit entfernt Kas Wie sich indessen diese Sache verhalten haben möge: soviel Gei ist sicher, daß das Socialistenvertilgungskongreß-Projekt mit seiner Du ersten wirklichen oder fiktiven Ablehnung durchaus nicht von der viel Bildfläche verschwunden ist, sondern mehr und mehr Leben z« wer gewinnen scheint. Diesmal scheint es zweifelhaft, ob Bismaril best die Ehre der Initiative gewahrt bleibt oder ob er sie nicht a« wer! Rußland wird abtreten müssen. Den durchschlagenden Gruni blor zur Schaffung einer systematisch organisirten(denn gelegentliij nan existirt sie bereits) internationalen Polizei gegen Socialismus ihre Sozialdemokratie, Kommunismus, Nihilismus und ähnliche„um wie stürzende Bestrebungen" bilden natürlich das Jngenieureffektstük geg« vom Petersburger Winterpalast und die Angelegenheit des i> bescl Paris verhafteten und von Rußland zur Auslieferung verlangte« Hartmann, des angebllchen Mitschuldigen am Moskauer Attentate Einerseits verlautet, daß Fürst Bismarck die Angelegenheit Hart- mann sehr aufmerksam verfolgt und, im Falle dessen Auslieferunj verweigert wird, ein diplomalffches Zirkular zu erlassen gedenke � in welchem er sich zum Hort fämmtlichcr dynastischer Interessen.? jene des Romanow's inbegriffen, aufweisen und das republikc � nische Frankreich erst diplomatisch und dann vielleicht auch, wen» nöthig, kriegerisch bekämpfen wolle. Von anderer Seite wir!' an dagegen berichtet, daß Rußland selbst die Sache in die Han>." nehme. Der Zustimmung Teutschlands sei es dabei freiliä l*" sicher und zwar in dem Grade, daß wenn auch sämmtlich l?™ übrigen Mächte eine Theilnahmc ablehnen sollten, die zwe � würdigen Brüder allein den gemeinsamen Kampf zur„Erstickuns � der revolutionären Idee" unternehmen würden. g.ea Ueber das formelle Resultat dieser zweifellos an der NeM wie an der Spree bestehmdcn Wünsche und Bestrebungen wollet � wir jetzt noch keine Vcrmuthungen aussprechen; an dem wirk � lichen Enderfolg der revolutionären Agitation werden sie jeden!l'm falls nichts zu ändern vermögen.' — Während sich die Reichspolizei nach den juristischen Miß erfolgen der letzten Razzia auf den.Sozialdemokrat' säst aller Orten still wieder zurückgezogen hat, um sich einstweile» wenigstens mit dem gelungenen Postdiebstahl von Mühlhaust« zu trösten, will man sich in Altona durchaus nicht zufriedei geben. Die Lorbeern des famosen„Frciheit"-Proztsses haben d der Polizei und Staatsanwaltschaft angethan und lassen st ä|rf( nimmer ruhen und rastm. Man benützt deshalb die gute odo®c9 schlechte Gelegenheit, um aus der— wie die BourgeoisblättS � melden—„Verbreitung des„Sozialdem." in unglaublichei H"" Mengen" eine Haupt- und Staatsassaire zu mache». Die nculit!> - utgetheilten 12 Verhaftungen haben sich bereits bis auf 4l'0C'C ausgedehnt und befindet sich unter den Eingezogenen auch Genost m Reimer, der frühere Reichstagsabgeordnetc. Es soll ei> � Monstreprozcß wegen Verbreitung verbotener Schriften eingeleiie � werden; wenigstens verstehen wir so die Nachricht der Blätlrt daß die Verhafteten wegen„Haltens eines verbotenen Blattes angeklagt werden solle». In dieser Form kann die Meldung nu � � auf einem Mißverständniß beruhen, denn das Halten, dal So Abonnircn und Kaufen verbotener Schriften ohn deren Weitergabe an Andere ist bekanntlich gesek � lich erlaubt.— Wir sind begierig, was die Polizeischergel®0t gegen unsere wackeren Altonaer Genossen alles ausspintisircn u» an.9 was bei dem ganzen Lärmen herauskommen wird; vermuthlik et'3 herzlich wenig. Em Poli —„Wären alle meine Soldaten so treu wie di zu deutschen, so würden die Revolutionärenicht so viel Gewab Her haben"— so sprach sich der eben der Winterpalastcxplosion ew ein ronnene russische Zar bei Empfang eines Beglückwünschungk Sch telegrammes des preußischen Garderegiments Kaiser Alexande nur aus. Wenn das edle„Väterchen" aber die Stimmung in manche für deutschen Kasernen kennte, würde er wohl anders sprechen. D Gr« Kommandeure wüßten manches darüber zu melden(noch vi« aus mehr aber entgeht ihrer Wahrnehmung freilich), wie die sozial' mal stischen Ideen und die sozialistische Propaganda auch unter der wer Ausnahmegesetz den Soldaten durchaus nicht ferne bleiben. Eine' 1 sprechenden Beweis für diese Ueberzeugung liefert die Thatsach Trr ___. ffiii präzistren, daß wir zwar durch Agitation und Verhältnisse noch eine weit stärkere Minorität werden können, daß wir aber eine Majorität von Stimmen bei den Wahlen niemals erzielen werden. So bliebe uns also nur der andere Weg übrig, um unsere für die Menschheit so nothwendigen Bestrebungen zu verwirklichen, — der Weg der gewaltsamen Umgestaltung. Es ist zugleich derjenige Weg, den die Weltgeschichte bis jetzt immer eingeschlagen hat, wo es einem bedeutenden Fortschritt der Menschheit galt. Jeder, der die Geschichte nur einigermaßen kennt, weiß, daß noch nicht« Bedeutendes in der Welt ohne gewaltsame Umwälzungen erreicht ist, daß solche geradezu mit Naturnothwendigkeit von Zeit zu Zeit eintreten müssen, wenn die fortschrittsfeindlichen herrschenden Kräfte gebrochen werden sollen. Natürlich braucht man dabei nicht gleich an solche Massen- Hinrichtungen zu denken, wie sie z. B. in der ersten französischen Revolusion vorgekommen sind. Der Kampf ums Dasein nimmt ja im Laufe der Zeit allmälig mildere Formen an, und eine revolutionäre Partei, die auf dem Boden des Darwinismus steht, hat alle Ursache, nach dem Siege zu zeigen, daß sie den ihr aufgedrungenen Kampf in möglichst milder Weise zu führen bestrebt ist. Daß es bei solchen Gelegenheiten ohne„Blut und Eisen" nicht abgeht, ist selbstverständlich, und ist zu beklagen, ist aber doch nur die Schuld derjenigen, die sich gewaltsam nothwendigen Reformen widersetzen und durch Heuchelei und Brutalität Haß und Wuth erzeugt haben. Nun kann man weiter behaupten, daß Revolutionen selten von Majoritäten durchgeführt sind, daß vielmehr häufig eine kräftige und energische Minorität über eine träge unselbstständige Majo- rität gesiegt hat. Der Majorität bedarf es ohnehin nicht, um ein moralisches Recht auf Revolution zu haben. Es genügt der tausendmal geführte Nachweis, daß eine Partei brmal unterdrückt wird, um die Revolution für sie„zum ersten der Rechte und zur heiligsten der Pflichten' zu machen. Sozialpolitische Rundschau. Schweiz. * Auf dem Boden unserer Republik ist ein Sieg erfochten worden, der hundert gewonnene Schlachten aufwiegt, ein Sieg des erfinderischen Menschengcistes über die Naturgewalt, ein Triumph der Arbeit über Verkehrshindernisse, welche seit Jahr- Millionen bestehen und nun doch mit allen Hilfsmitteln der Kunst überwunden worden sind. Nach mehr als siebenjähriger Arbeit ist am letzten Sonntag im Innern des St. Gotthard-Gcbirgs- stockes die letzte Scheidewand gefallen, welche die Verkehrsgcbiete Deutschlands und Italiens von einander trennten und bald wird dem Weltverkehr zwischen den zivilisirten Völkern mitten durch das Urgestein der Alpen eine neue Straße gebahnt sein. Die Presse aller Parteien und Länder feiert dies Ereigniß in schwung- vollen Dithyramben, nur der kleinste Theil aber aus allgemein kul- turellen Gründen und mit dem geziemenden Ernst. Der durch die neue Verkehrslinie zu erzielende Unternehmcrgewinn bildet für so viele die Hauptsache; an die in der hitzerfüllten und unheilschwangern Tiefe des Gotthard sich im Dienste der Menschheit opfernden Arbeiter denkt— wie es ja unsere ganze soziale Auffassung mit sich bringt— fast Niemand. Noch weniger aber fällt es den Leuten bei, welche Vergleiche der Sieg der Menschenkraft über die Naturgewalt aufdrängt. Oder liegt da, wo es menschlicher Wissenschaft und Arbeit gelungen, gigantische Scheidewände der Natur niederzuwerfen, nicht der Gedanke nahe, daß es auch möglich und nothwendig sei, von den Menschen selbst aufgerichtete Schranken, die für das Glück und dieEntwicklung desMenschcnge schlechtes hu n- dertmal hinderlicher als jene sind, einzureißen? Die Wünsche, welche der Gottharddurchbruch in jedem Sozial- demokraten erweckt, drückt ein Genosse in der„Tagwacht" treff- lich also aus: Möchten doch auch noch andere Schranken fallen, welche deutsche und welsche Brüder, welche Völker von Völkern trennen. Möchten sie fallen, die lästigen Zollschranken, die dem Armen seine nöthigsten Lebensbedürfnisse vertheuern! Möchten sie fallen, die Festungswälle, welche ihre Kanonenrohre den Völkern weisen, wie bissige Bullenbeißer ihre scharfen blut- dürfligen Zähne. Möchten sie fallen, diese Millionen von Pickel- Hauben und Tschakkos, welche in Bajonnetten starrend, sich von Grenzpfahl zu Grenzpfahl feindlich gegenüberstehn! Mögen sich die Häupter der Landessöhne mit dem friedlichen Hute oVr der Arbeitermütze bedecken und ihre Kräfte und Gaben zur Völker- Wohlfahrt statt zum Völkermord verwenden. Möchten sie fallen, Feuilleton. Priester über Volkslouveräuität und Kyrannenmord. Man hat sich daran gewöhnt, die Kirche und die Priesterschaft als nimmer wankende Stützen jeder Gewaltherrschaft und als Feinde jedes freiheitlichen Gedankens anzusehen. Und das mit Recht; denn die religiöse Beherrschung und Knechtung kann ohne eine sie fördernde Staatsgewalt auf die Dauer so wenig bestehen, als Despotismus und Klassenherrschaft ohne den Rückhalt des religiösen Aberglaubens. Kirche und Klassenstaat sind in der That auf ein freundschaftliches Einvernehmen zur gemeinschaft- lichen Unterjochung und Ausbeutung des Volkes angewiesen; und darum sind die Beiden, wenn auch bisweilen zwischen ihnen Streit über die Theilung der Beute entstand, doch im Grund allezeit die verständuißinnigsten Freunde gewesen und werden's bis zu ihrem gemeinschaftlichen seligen Ende bleiben. Trotzdem aber somit die Pfaffen im Allgemeinen vollkommen Recht mit ihrer Behauptung haben, daß Kirche und Religion der festeste Sckmtzdamm für die Vorrechte der Gewalt, der Geburt und des Geldes geg>n jeden Umsturz, jede Revolution bilden, so lassen sich doch anderseits im Einzelnen zahlreiche Lehren und Handlungen der Priesterschaft nr.chwei,en, welche die sonst ge- stützte Gewaltherrschaft brkämpfen und nicht minder„revolutionär" und„staatsgefährlich" sind, als die Prinzipien der radikalsten Demokraten, Sozialisten und Kommunisten. Freilich sind diese Lehren und Handlungen größtentheils nicht im Interesse des VolkeS, sondern vielmehr zur Wahrnehmung deS Vortheils der Pfaffen- diese Fürstenkronen, diese Giftbäume der Börsenpaläste, diese Tempel des schnöden Mammons, welche jede glückliche Eni- Wicklung der Völker hemmen. Mögen sie fallen alle diese Boll- werke einer verrotteten, verlotterten Weltordnung, deren Re- sultat trotz allen schönen Schlagwörtern nur Krifis auf Krisis, Krieg auf Krieg und Elend auf Elend ist. Welcher Jubel war im liberalen Europa, als der Usurpator Viktor Emmanuel i-nter der republikanischen Maske des alten Helden Garibaldi die alten Fürstenhäuser stürzte und auf ihren Trümmern das moderne Kartenhaus des neuen Königreiches Italien gründete. Welcher Jube' herrschte unter den Liberalen Deutschlands, als der Soldateniönig Wilhelm den„Ruhm der deutschen Waffen zu nie geahntem Glänze" brachte und sich die „so lang ersehnte deutsche Kaiserkrone" auf das Haupt setzte. Was ist das Resultat? Js! Deutschland glücklich? Ist Italien glücklich? Nein und tausendmal nein! Schulden. Theurung, Hungersnoth und Elend in Deutschland; Verlotterung, Be- trug. Unsicherheit und Elend, bitteres Elend des Volkes in Italien, dem naturgesegnetsten Lande Europa's; das find die Früchte des vielgerühmten Fortschrittes des neunzehnten Jahr Hunderts. Das muß anders werden. Die Schranken fallen, welche die Länder trennen: laßt uns die Schranken sprengen, welche die Völker trennen. Laßt uns wegräumen, was dem Glück und der Wohl fahrt der Völker im W ge steht. Laßt uns durchbohren die granitnen Mauern der starren Tyrannei und Klassenherrschaft. Laßt uns sprengen die goldenen Thore der Mammonstempel und über den Trümmern der Völker trennenden Gewalten laßt Volk dem Volk die Brüderhände reichen und das Morgenroth des Glückes gehe auf über dem neuen Bruderbund des vereinigten Europa's! — Wir haben bereits erwähnt, daß uns schon vor einiger Zeit eine Einsendung von Lüttich in Sachen der„Freiheit" zugegangen ist. Diese Zuschrift rührt vom deutschen Ar- beiter-Bildungsverein zu Lüttich her und fordert die Re- daktion der„Freiheit" sowie auch uns auf, die zwischen beiden Blättern obwaltenden Reibungen im Interesse der Sache in Zu- kunft zu unterlassen und die ganze Kraft auf die Bekämpfung des Gegners zu verwenden. Da wir die Gesinnung und Ab- ficht unserer Lütsicher Genossen nur lobenswerth finden, so wollten wir ihre Einsendung wörtlich zum Abdruck bringen. Mittlerweile aber sind auch von zwei andern außerdeutschen Orten, von Genf und von V ev ey, ähnliche Aufforderungen eingegangen, von denen die letztere freilich die Objektivität der andern vollkommen ver- missen läßt. Würden wir die Einsendung der Lütticher jetzt noch zum Abdruck bringen, so würden wir den andern Einsen- der» ein Gleiches nicht abschlagen können, wodurch unser ohnehin so beschränkter Raum über Gebühr in Anspru li genommen würde. Wir müsse» uns deshalb auf diese Zeilen beschränken und glau- ben auch, daß die betreffenden Genossen damit zufrieden sein werden, da doch ihr löblicher Zweck vollkommen erreicht ist. Wir unsererseits können nur hinzufügen, was wir schon wiederholt ausgeführt. Wir stimmen mit den Wünschen jener Genossen vollkommen überein. Niemand wünscht sehnlicher als wir, daß die jetzt mehr denn je nöthige Einheit unserer Partei durch keine persönlichen Zänkereien und Stänkereien getrübt werde und es soll uns jedes Mittel willkommen sein, welches die Beilegung solcher ausaebrochener Streitigkeiten ermöglicht, da fern da- durch nicht die Prinzipien und die Disziplin un- serer Partei geschädigt werden. Ueber den Stand der besprochenen Streitfrage und wie dieselbe am besten beigelegt weroen kann, findet sich bereits in Nro. 7 des„Sozialdemokrat" das Nähere. Man schaffe die unumgängliche Vorbedingung, an uns wie an der deutschen Partei wird es dann gewiß nicht fehlen. Peutschtand. * Es ist wieder einmal viel von einer internationalen Verbündung der europäischen Regierungen gegen den SocialismuS die Rede. Schon vor einigen Wochen ging das Gerücht um, daß der deutsche Reichskanzler die Ein- berufung eines europäischen Kongresses gegen dm Socialismus geplant habe, dabei jedoch nur die Zustimmung von Rußland, Oesterreich-Ungarn und Spanien gefunden habe, während die Schweiz, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, England und— die Türkei kurzweg abgelehnt hätten. Zwar wurde die Nachricht von verschiedenen Seiten abgeleugnet; man kann indessen immerhin zweifelhaft sein, ob man auf d ese Ab- leugnung etwas zu geben hat, da die Idee, gegen den Socialis- mus gleich wie gegen Reblaus und Kartoffelkäfer gemeinsame Maßregeln zu ergreifen, die verschiedenen Stieber des deutschen Reichs nicht zum erstenmal beschäftigt und darum nichts Un- schaft selbst auSgesonnen und ausgeführt worden; und die in Freisinnigkeit machmden Kuttenträger würden wohl Zeter und Mordio geschrien und gleich Luther den bewaffneten Arm der Staatsgewalt angerufen habm, wenn das Volk die Konsequenzen ihrer Lehren gegen sie selbst gezogen hätte. Aber diese von„geweihtem" Mund ausgesprochenen Lehren verlieren durch ihre öffentliche Verleugnung nichts an Interesse. Es scheint uns im Gegentheil wichtig, das Volk mit dem nur für kleine Kreise Eingeweihter Berechneten bekannt zu machen,— um zu zeigm, daß die Pfaffen streng genommen durchaus kein Recht haben, die auf Vernichtung der Tyrannei und gründlichen Umgestaltung der heutigen Gesellschafls- und Staatsordnung gerichteten Bestrebungen namens einer konstanten kirchlichen Lehre für„gottlos" zu erklären, indem sie selbst zu Zeiten der unbe- zweifeltsten Gläubigkeit vor gleich radikalen Tendenzen und ihren extremsten Schlußfolgerungen nicht zurückschreckten, sobald es ihnen für ihre Herrschsucht förderlich schien. Der Jesuit Bellarmin sagt in seiner Abhandlung:«De mern- bris ecclesiae militamis»:„Die Staatsgewalt ruht unmittel- bar in der gesammten Menge. Diese Gewalt wurde von der Menge nach natürlichem Recht auf Einen oder Mehrere über- trage». Von dem Uebcrcinkommen der Menge hängt es ab, ob sie Könige oder Konsuln, oder andere Obrigkeiten über sich hat. Daraus folgt, daß. wenn ein gültiger Grund vorhanden ist, die Menge ein Königreich in eine Aristokratie oder Demokratie oder auch umgekehrt verwandeln kann, wie es die Römer thaten!" Der spanische Jesuit Mariana hat ein Handbuch:«De Rege et Regis institutione» verfaßt, dem eine in den rühmendsten Ausdrücken abgefaßte Gutheißung ffeines Provinzials vorgedrutl ist und in welchem ausgesprochen wird: die Erbmonarchie b< ruhe auf einem Mißbrauche; gleichwohl gewähre sie gewisse Bot theile; wenn aber der Fürst das Wohl des Staates gefährde, f Aus müsse man ihn absetzen!„Wie ein reißendes Thier muß er duri Aller Geschosse angegriffen werden, weil er unmenschlich und ei Tyrann geworden ist. Das Volk kann den König zwingen, d' Gesetze zu erfüllen, die es erlassen hat und es ist befugt, d» Ungehorsamen vom Throne zu stürzen und ihn, wofern eS nöthij — mit dem Tode zu bestrafen." Zwe Da ist ferner der Jesuit Rossens, der unter Approbasiv krit seiner Oberen auseinandersetzt: die Regierungsformen stammte Eni nur aus den Sitten der Völker, die bald die, bald jer gen Form angenommen: dies gelte auch von der Königswürt zu und mithin hänge auch die Erbfolge allein vom Willen de der- Volkes ab.„Wer den christlichen Völkern die Verpflichtung an' jed, legt, immer denen zu gehorchen, welche sie einmal an die Spitz Mc gestellt haben,... der muß wie ein Ketzer angeklagt und z« erei Hölle verdammt werden." kers Der schon erwähnte Bellarniin vindizirt in seinem Buch« Bei «De Romane Pontifici» den christlichen Völkern nicht nur da kläi Recht, sondern auch die Pflicht, schlechte und ketzerische Könige Z fozi stürzen.„Wenn die Christen vordem den Nero, Dioklctia' der Julian, Valens nicht absetzten, so unterblieb dies nicht deshal! stai weil ihnen die Befugniß, sondern weil ihnen die Macht das nui mangelte." diel sSchlnß folgt.) s°Z' Sd daß in der letzten Februarwoche in mehreren sächsischen und preußischen Garnisonen bei den Mannschaften der- schiedener Truppenabtheilungcn unvcrmuthete und strenge Durch- suchungen nach sozialdemokratischen Schriften stattgefunden haben. So geschah es z. B. in Dresden, wo die Kavalleriekaserne von unten bis oben, zum Theil selbst die Unter- offiziersräume nicht ausgeschlossen, durchsucht wurde. Es sollen in diesem Fall nicht sowohl Denunziationen die Schuld getragen haben, als vielmehr beobachtete„allererdenklichste Manipulationen einiger waghalsiger Kolporteure, sozialistische Broschüren in die Kasernen einzuschmuggeln" und Berichte über den unzufriedenen Geist mancher Abtheilungen. Gegen Beides dürsten indessen Durchsuchungen und Strafen erfahrungsgemäß sehr wenig nützen, vielmehr werden dadurch diejenigen Soldaten, welche sich noch wenig mit dem vielverfolgten Sozialismus beschäftigt haben, desto mehr auf denselben aufmerksam gemacht. Der Sozialisten werden auch im bunten Rock gleichwie in der schlichten Arbeiter- blouse mit jedem Tag mehr— wie die Gegner darüber und namentlich über die wachsende„Ansteckung" des letzten Hortes ihrer Herrschaft auch zitternd und schäumen mögen. Und wer weiß, wie kurze Zeit es noch währt, bis die vermeintlich sicherste Waffe gegen das Volk sich gegen sie selbst wendet und ihren Untergang beschleunigt! — Sociales Verständniß ist bei den Gegnern ein überaus seltener Artikel. Dr. Rudolf Meyer drückte sich einmal aus, daß zwei socialdemokratische Abgeordnete allein dreimal mehr ökonomisches Wissen haben als der ganze übrige Reichstag. Man könnte diesen Ausspruch mit gutem Gewissen dahin aus- dehnen, daß sich unter den Socialdemokraten eines einzigen Zentralpunktes unserer Partei in Deutschland mehr sociales Ver- ständniß und politischer Scharfblick(Politik nicht in dem Sinne der kleinlichen, intriganten, dynastischen Handwerkspolitik, sondern im weiteren tiefcrem Sinn, wo nach Lassalle's treffenden Ausspruch das Sociale„politischer als das Politische selbst" ist) findet, als in der ganzen deutschen Bourgeoisie und Bureaukratie (mit wenigen Ausnahmen) zusammengenommen. Desto mehr Beachtung verdient es aber, wenn sich einmal eine solche seltene Ausnahme findet, welche sich Unbefangenheit genug bewahrt hat, um Vorurtheile und Parteileidenschaft, welche die Sinne der andern umhüllen, scharfen Auges zu durchdringen, und Muth. genug findet, um sich das Gesehene, so unwillkommen es auch ist, auch selbst einzugestehen. Solch ein weißer Rabe zeigt sich uns in einer der letzten Nummern der. Christlich-socialen Blätter", des Organes der »katholisch-socialen Propaganda". Es wird dortselbst der von uns bereits entsprechend gekennzeichnete„neue Cancan an der Börse" scharf kritisirt und mit bitterer Ironie als„seitheriges Facit der Wirthschaftsreform" bezeichnet. Der Gewinn der Börse aus der Hausse der Eisenbahn- und Jndustrie-Aktien wird auf zirka 340 Millionen Mark angegeben und diese Herrlichkeit im Gegensatz zu dem Nothstand der übrigen Klassen als„Zerreißung des Volks in eine kleine Schaar von Millionären und in große Hungermassen" gebrandmarkt. In derselben Trostlosigkeit erblickt die Redaktion der christlich- socialen Blätter dir ganze Situation.„Mit dem Verfasser— bemerkt sie in einer Nachschrift— werden alle kenntnißreichen Socialpolitiker konservativer Gesinnung, auf protestantischer Seile sowohl wie auf katholischer, angesichts der neuesten Vorgänge auf religiösem, sozialem und wirthschaftlichem Gebiete immer mehr zu Pessimisten, ihre Hoffnung auf gesunde Reformen sinken von Tag zu Tag; dagegen steigt ebenso die Furcht vor der Sozialrevolution, die unserer Ansicht nach von Frankreich und von Rußland aus zugleich alle benachbarten Staaten anzünden wird. Vor einigen Tagen schrieb uns ein eifriger nnd tüchtiger Socialreformer u. A. wörtlich:„Wir haben die 80 Jahre angefangen und die werden die 70 übertreffen an großen und erschreckenden Ereignissen; ich sehe ebenso schwarz in die Zukunft Europas wie....(folgt der Name eines bekannten Social- Politikers). Es ist auch durchaus kein Grund vorhanden, rosiger zu sehen, denn was wird gethan von oben, als— Flicken und Herumstopfen? Es setzt eben Niemand einen neuen Lappen auf ein altes Kleid.- Der Geist unserer Gesellschaft erfordert neue Schläuche, gewebt aus den starken Fäden christlicher(?) Gesinnung, Liebe und Gerechtigkeit! Die Revolution halte ich für unabwendbar, und erst nach ihren Trümmern und Greueln wird man ernstlich anfangen, die Gesellschaft christlich aufzubauen(?). Lassen Sie es unser Trost sein, daß, wenn wir mal mit gehängt werden, wir dann mit gutem Gewissen baumeln werden, viele Andere aber nicht." Was nun den..Wiederausbau" der Gesellschaft„nach den Trümmern und Greueln der Revolution" und insbesondere ihren Wiederaufbau mit den Steinen„christlicher Gesinnung" und dem Mörtel„christlicher Liebe" betrifft, so dürfte sich der Verfasser wohl ebenso irren, wie mit dem„Baumeln" seiner werthen Person. Denn wenn die heutige Schandgesellschaft einmal glücklich in Trümmer gegangen ist— und das wird recht gut ohne das Aufhängen katholischer und anderer Socialreformer zu bewerkstelligen sein— dann dürfte beim Neubau wohl das Christen- thum am allerwenigsten zu schaffen haben. Im übrigen aber beurtheilt der Mann die Lage ziemlich zutreffend. — Die„Heiligkeit des Gesetzes" ist immer das zweite Wort des Bourgeois, sobald die Sonalisten„Gesetze" kritisiren und angreifen, welche lediglich zur Ausbeutung und Entrechtung des Volkes zu Gunsten der privilegirten Klassen gemacht sind. Sobald es aber eine der seltenen Einrichtungen zu Gunsten des Arbeiters betrifft, da ist die„Heiligkeit" schnell verflogen und kein richtiger Bourgeois scheut sich, das Gesetz auf jede Weise zu umgehen oder ihm geradezu zuwiderzuhandeln. Mancher Genosse erinnert sich wohl daran, wie während des ereignißvollen Sommers 1878, als die Sozialistenhetze im mun- tersten Gang war, im Reigen der Sozialistentödter auch der Verein süddeutscher Baumwollbarone das Wort ergriff und er- klärte, keinen Arbeiter mehr beschäftigen zu wollen, der einem sozialistischen Vereine angehöre, ein sozialistisches Blatt lese oder verbreite K. An der Spitze der Unterzeichner dieser Achtserklärung stand die Firma Ackermann u. Co. in Heilbronn. Man sollte nun denken, daß ein so reinliches und tugendhaftes„Haus", welches solche Vorsichtsmaßregeln trifft, um seine Arbeiter vor sozialistischer Jnfizirung zu bewahren, es auch an den nöthigen Schutzvorrichtungen nicht fehlen läßt, welche die körperliche Sicherheit der Arbeiter gewährleisten. Und ferner: wenn man das noch nicht erlassene Sozialistengesetz gleichsam zum Voraus angewendet hat, so sollte man denken, daß schon in Geltung getretene Reichs- gesetze, wie dasjenige über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter, um so gewissenhafter befolgt werden.' Eine jüngste Gerichtsverhandlung beweist aber das Gegentheil. Der„Chef" der famosen Hauses Ackermann u. Co. wurde wegen gesetzwidriges Beschäftigung von im Kindcsalter stehenden Arbeiterinnen zu 200 Mark Geldstrafe, sowie wegen fahrlässiger Tödtung zu 4 Wochen(!!) Gefängniß verurtheilt. Arbeiter ihres politi- schen Glaubensbekenntnisses wegen auf's Pflaster zu werfen, ist freilich weit billiger, als das leibliche Wohl der Arbeiter auch nur im geringsten Maße wahrzunehmen. — Ein„Geschäft" zu machen, ein Profitchen herauszuschlagen — das weiß der ächte Bourgeois aus allem und jedem. Reli- gion, politische Meinung, Pratiotismus dienen ihm als melkende Kühe; warum sollte sich bei diesen schlechten Zeiten nicht mit dem Nothstand ein Geschäft machen lassen? Wir reden hier nicht davon, wie in Oberschlesien Gemcindevorstände bei der Vertbeilung der Liebesgaben den Löwenantyeil sich selbst und ihren Verwandten zusprachen, wie Handelsleute den unwissenden Nothleidenden die geschenkten Kleider um ein paar Groschen ab- schwindelten, wie andere den Nothstandskomites gefälschte und unbrauchbare Lebensmittel lieferten u. s. w. Das ist zur Ge- nüge bekannt und gehört in ein anderes Kapitel. Hier sprechen wir von einer neuen Art, wie ein Fabrikant es verstand, sich als großen Wohlthäter aufzuspielen, ohne daß es ihm auch nur einen Pfennig gekostet hätte. In Reutlingen forderte ein Fa- brikant„seine" Arbeiter auf, sich zu Gunsten der nothleidenden Oberschlesier einen Lohnabzug gefallen zu lassen. Obwohl nun die um einen erbärmlichen Lohn arbeitenden Arbeiter selbst„Lie- besgaben" hätten brauchen können und die abgezogenen Groschen sa,wer entbehrten, so getrauten sie sich nicht, dem„Wunsch" ihres gestrengen„Herrn" zu widersprechen und ließen sich daher den Abzug gefallen. Nur Einer weigerte sich; er mochte vernünftiger- weise denken, der Staat sei eher verpflichtet und auch im Stande zu helfen und, wenn schon einmal die Einzelnen an Stelle des seine Pflicht verabsäumenden Staates eintreten sollen, dann habe der Fabrikant jedenfalls mehr Geld als er, der arme Arbeiter. Sein Nachdenken sollte ihm aber schlecht bekommen, denn er wurde von dem wohlthatenwüthenden Menschenfreund von Fabrikanten wegen seiner Weigerung sofort entlassen. Das Schönste aber ist, daß der von dem Fabrikanten nachher abgesandte Betrag für die Oberschlesier genau so hoch gewesen sein soll, als sich die Summe des Abzugs der Arbeiter belief, so daß der edle „Wohlthäter" selbst keinen Pfennig gegeben hat! Auf diese und andere mehr verhüllte Weisen muß das arbeitende Volk nicht nur das ganze Schmarotzcrgethier seiner Ausbeuter erhalten, sondern auch noch die von diesen zu Bettlern gemachten ernähren! — Ein richtiger Mastbürgerstreich wurde vorder- gangene Woche in Homburg vor der Höhe gegen einen Arbeiter verübt. Ein bei der städtischen Wasserleitung beschäftigter Arbeiter, ein hübscher Bursche und flinker Tänzer, besuchte maskirt einen der im Ballsaale veranstalteten Maskenbälle. Zum Tanze engagirte er vorzugsweise die„Honoratioren"töchter und fanden dieselben an dem gewandten Tänzer auch großes Vergnügen. Aber die Scene änderte sich sofort, als er sich nach der ersten Pause demaskirte. Die Bourgeoisfrauen und-Jungfrauen, welche mit ihm gewalzt hatten, sollen sofort in Ohnmacht gefallen sein; die über diese..Schande" erzürnten Väter, namentlich ein Stadt- rath(ehemaliger Specereihändler) und ein ehemaliger Wäscherei- bescher, fielen über den„frechen Burschen" her und frugen ihn, was er auf dem Balle verloren habe. Er antwortete ihnen, daß er seine Karte bezahlt, sich anständig benommen habe und Nie- mand Rechenschaft schuldig sei. Man bot ihm hierauf die Rück- zahlung des Geldes für seine Karte an, allein er schlug es aus und wollte da bleiben. Das wurde jedoch nicht gelitten und die„gebildeten" Honoratioren setzten den„rohen Arbeiter" unter lautem Gelärme und Fauststößen an die Luft. Andern Tages wurde ihm die Arbeit auf der Straße gekündigt und seiner armen, alten Mutter die bisher genossene städtische Unterstützung entzogen.— Es ist freilich auch eine immense Frechheit, wenn ein„ganz ordinärer Arbeiter" sich das Recht anmaßt, mit Stadtvätern und andern„gesetzten Bürgern" wie mit Seinesgleichen zu verkehren, statt sie als „Brodherren" und eine höhere Menschenrasse demüthig zu respet- tiren. Also frischweg den Hungerriemen angezogen, um ihm das nöthige Verständniß für seine Stellung und unsere wohlorgani- sirte Klassengesellschaft beizubringen. Wie lange wird es noch dauern, bis die zur Erkenntniß gekommenen Arbeiter dieser Jäm° merlichkeit und Gemeinheit ein Ende machen? -i- Berlin, 25. Febr. Der Debattirklub aus der Leipstger Straße ist seit t4 Tagen versammelt, d. h. eigentlich nicht versammelt, denn e« ist fast niemals die zur Beschlußfähigkeit nöthige Hälfte der Appor- teure und Sroctspringer vorhanden; da indessen sich Niemand die MUhe gibt, die Auszählung des„hohen Hause«" zu verlangen, so geht die Abstimmungsmasckinc ihren Gang, bis etwa ein nicht zu vermeidender Hammelsprung oder eine nicht zu umgehende namentliche Abstimmung die nolbwendige Folge der Diäienlosigkcit(und der herrschenden politsschen Ver sumpfung. D. Red.) an den Tag bringen wiro; allerdings sucht man diese Unannehmlichkeit, so lange es irgend geht, zu vermeiden. Unser „großer Staatsmann" hat sich noch nicht sehen lassen, obwohl die Ge- neraldiskusfion zum Etat seine Anwesenheit nach parlamentarische» Be grissen eigentlich al« unerläßlich erscheine» ließ; aber er hat am Ende Recht: wozu soll er aus die Knechtsseelen, welche die Majorität des deuischen Reichstags bilden, irgend welche Rücksicht nehmen, sie Ihun nach seinem Willen auch aus einen Wink hin, der durch die„Nord- deulsche Allgemeine" gegeben wird. Au« den Verhandlungen ist bisher eigentlich nur die Rede Bebels beinerkenswerth, in welcher er ans die UnHaltbarkeit des modernen Mili- tariSmu« hinwies und die Nothwendigkcil für Deutschland betonte, mit Frankreich Hand in Hand zu gehen, wa« selbstverständlich nur möglich wäre, wenn man das Unrecht des Jahre« l87l wieder gut machte und Elsaß-Lothringen die Freiheit gäbe, durch Volksabstimmung zu entschei- den, ob e« zu Frankreich oder Deutschland gehören wolle. Ob Bebel in seiner anderweiten Aussührung: daß Deutschland seitens Rußlands einen Angriff nicht zu erwarten habe, vollkommen Recht hat, darüber ließe sich streiten; eine Auskläiuug seitens der NeichSregierung wurde diesbezüglich nicht gegeben. Nach dem neuesten Austreten der offiziösen Organe jcheint es leider wenig zweifelhaft, daß da« Berhältniß zu Rußland ein immer gespannteres wird, woran» allerdings, wie ohne Weitere« zugegeben werden muß, noch lange nicht hervorgeht, daß Rußland der angreisende Theil sein wird. Bezüglich der Affaire Fritzs ch e. H ass e lm a n n befand sich der Reichstag in nicht geringer Verlegenheit. Die von ihm gegebenen miserabeln Gesetze fangen an, in unerwünschter Weise ihre Wirkung zu thun; Staatsanwalt und Gerichte rücken dem Reichstag direkt aus den Leid und die letzteren ertheilen ihm höhnisch die Lektion, daß mit seiner Deklaration zu§ 28 des Sozialistengesetzes durchaus nicht die Wirkung erzielt sei, daß nunmehr Abgeordnete, wellbe aus Berlin ausgewiesen worden sind, sich ohne Anfechtung und Bestrafung während de« Beisammenseins de» Reichstags in Berlin aushalten könnten. Polizeiver- ordnungen, so deduzirt das erkennende Gerickt, welche aufGrund gesetzlicher Bestimmungen erlassen werden, haben Gesetzeskraft, deshalb konnte die kaiserliche Ordre, durch welche der Reichstag nach Berlin berufen wurde, sich nicht aus Fritzsche nnd Hasselmanu beziehen. Die„Hebam- men des Sozialistengesetzes", wie Hasen clever die Lasker und Kou- sorten uanute, könnten es demnach erleben, daß sie au demselben Strick ausgehängt werde», welchen sie für die Sozialdemokratie gedreht haben. Uebrigens wurde der Antrag auf Sistirung des Strafverfahrens gegen Fritzsä.e und Hasselmann beinahe einstimmig angenommen, nachdem ein Antrag der Konservativen, die Angelegenheit zunächst der Geschästsord- nungskoinmission zur Berichterstattung zu überweisen, abgelehnt worden war.— Uebrigens werden wir ja gelegentlich der Debatte über den Gesetzentwurf zur Verlängerung des Sozialistengesetze« noch in dieser Session eine große Sozialistendebatte haben, wobei das Verfahren der Behörden im allgemeinen und das der Berliner Polizei gegen Fritzsche und Hasselmanu insbesondere ausgiebig zur Sprache kommen wird. Der Illusion, daß damit eine Besserung unserer Zustände herbeigeführt wer- den könnte, mögen sich unsere Freunde freilich nicht hingeben; zu dem Ende werden andere Mittel als Reden nöthig sein. Hier sind die Parteigenossen mit Eifer und Opsermnth bemüht, jede Lücke, welche durch die Verfolgungen der Gewalthaber in ihre Reihen gerissen wird, sofort wieder auszufüllen; es wird deshalb der Zweck aller Maßregelungen nicht erreicht werden, wenn freilich auch die Ex!- stenz und das Faniilienglück so manch' bravenMannes dabei zu Grunde geht. (Ein Bericht über die neuesten Verhandlungen nnd insbesondere Über die hervorragende Rede Bebel« gegen die Milaärnovelle folgt in nächster Nummer. D. Red.) — Augsburg, 25. Februar. In einer der letzten Nummern der „Freiheit" haben sich„einige Genossen" von hier bemüßigt gefühlt, der jetzigen Redaktion die Zustimmung zur jetzigen Haltung auszudrücken. Au»- wattigen Freunde», die jene Zustimmung vielleicht für den Ausdruck der Gesinnung der hiesigen Genossen halten, diene folgende» zur Notiz: Ob jene Zustimmung— gleich so vieler anderer—„bestellte Maare" oder Londoner Fabrikat ist, bleibt gleich; thatsächlich widerspricht sie der Anficht der überwiegenden Mehrheit, die mich ersuchte, Ihnen da» mitzutheilen. Die „Freiheit" wird hier, in Lechhausen und Hcttenbach zusammen in ca. vier Exemplaren gelesen und ihre Leser rekrutiren sich mit Ausnahme von einigen äußerst tüchtigen Genossen aus Leuten, die seit Jahren nicht da» Geringste für die Partei mehr gethan, im Gegentheil sogar öffentlich gegen unsere Sache wirkten und in bewunderungswürdiger Logik in Einem Alhem die „Freiheit" und die Findel'sche„Volkszeitung" lobten. Erzo i e» ist die Skandalsucht, die sie augenblicklich in wohlfeiler Weise die Partei der Störenfriede und Selbstkitzler ergreifen läßt. Die Augsburger Sozialisten aber wollen bleiben wa» sie immer waren; der Sache und der Gesammtorganisation unverbrüchlich treuergebene Genossen! Mit sozialdemokratischem Gruße! R. Fischer. E. II. AugSburg, 27. Februar. Zu meiner letzten Mlttheilung über die Willkürakie de» hiesigen Polizeipascha«(Pascha auch wörtlich im moralischen Sinne zu nehmen) de» Bürgermeister» Fischer hat sich sofort ein kleine« Nachspiel gefunden. Kaum hatte er da» Drohsystem in der Riedinger'schen Fabrik mit Erfolg ausgeübt, al» er dasselbe Mittel auch gegen einen anderen ihm mißliebigen Genossen in Anwendung zu bringen suchte. Unser Genosse Fischer ist seit kurz vor dem Eingehen der„Volkszeitung" in dem literarischen Institute von Dr. M. Huttler beschäftigt. Direkt ist diesem Manne nicht beizukommen; folglich versucht man e» indirekt. Bürgermeister Fischer läßt durch einen seiner Mameluken in der„Süddeutsäien Presse" einen Artikel veröffentlichen, daß„Genosse Richard Fischer sich durch ein sozialdemokratisch-ultramontane» Bündniß bei Herrn vr. Huttler habe unterbringen lassen", um durch den Druck dieser öffentlichen Lüge Huttler zur Entlassung Fischer'» zu zwingen. Bis jetzt ist dieser Versuch an der Ehrenhaftigkeit und Unparteilichkeit de» Herrn Huttler, der trotz seiner prononcirt katholischen Stellung Arbeiter jeder Konfession und Parteirichtung beschäftigt, gescheitert; aber al» Beweis für die Schamlosigkeit der liberalen Buben, die anscheinend nach russischen Zuständen Gelüst« tragen, möge dieser Fall unseren Genossen zur Kenntniß gebracht sein. tü. Reutlingen, 24. Februar. Bor einiger Zeit fand e« der hiesige sogenannte„Arbeiter-BildungSvercin"(dessen Vorstand ein„Demokrat" Namen» Mancher ist, der da» Pulver nicht erfunden hat) für gerathen, 15 unserer Parteigenosien al»„gefährlich für die Existenz und die Prin° zipien de« Vereine»" durch ein feierliche» Suffragium hiiiauSzuwerfe». Die Fünfzehn hatten nämlich den schrecklichen Antrag gestellt, von Zeit zu Zeit Vorträge über allgemein interessante Stoffe abhalten zu lassen, worüber der gute Autschuß sammt Herrn Mancher in Krämpfe fiel, und im Nu unter den Getreuen eine große Hetze eingeleitet war, deren Resultat die Massenverbannung war.— Wa» die hiesige n Genossen betrifft, so halten sich dieselben sehr still; noch stiller als die„Volktparieiler", die seit der allerneuesten Zeit die„liberale" Dirne ganz verdächtig umarmen. Wa» wird wohl da» Produkt, der Bastard düse« Konkubinat» sein? Ilebcrhaupt ist die Quelle de» politischen Leben« hier am Versiegen, und die gute fromme Bevölkerung, sei sie demokratisch oder liberal, oder trinke sie viel- leicht sogar einmal ein Schüppchen auf die rothe Republik, ist und bleibt der alte träge deulsche Michel! Daß e» mitunter auch vernünftige Demokraten gibt, die einen klaren Blick in die Zukunft haben, lehrt ein Brief von Herrn G. Heerbrandt, Redakteur des„Rewyorker schwäbischen Wochenblatt", den ich vor kurzer Zeit erhielt. Dort heißt es u. A.; Ich bin ein abgesagter Feind der Geldaristokratie, der Bureaukratie, de» Pfaffenlhllm» k.... ich bin ein warmer Freund der Arbeiter; allein in den Mitteln, die bestehenden ungeheuerlichen Uebelstände zu beseitigen, gehe ich nicht mit Ihnen, weiß übrigens wohl, daß ich und gleichgcstnnte Freunde mit den unseren nicht reusflren(Bravo!) und bin fest überzeugt, daß eine Revolution»n- au»bleiblich ist, die jedoch alle früheren in Schatten st eilen wird——— denn die Elemente, die 1848 die Worte„da« Eigenthum ist heilig und unantastbar" al» Gesetz a»fstellten, werden einfach niäit mehr Meister werden gegen die rohe Masse." Diesen letzteren Ausdruck entschuldigt er jedoch sofort;„D a ß diese roh und zum Theil verwildert ist, dafür mache ich diese nicht verantwortlich, nian hat einfach die Arbeiter zu Maschinen herabgewürdigt, und den Menschen resp. dessen geistige Ausbildung in der Regel ganz und gar vernachlässigt, und die Folgen dieser nichtswürdigen Inhumanität werden wir leider mitbüßen müssen."— Mag H. Heerbrandt auch über die Lösung der sozialen Frage ander» denken, al» wir— er ist jedenfalls ein Mann, der die Achtung eine« Sozial- demokraten verdient, im Gegensatze zu den hochbornirten deutschen Durch- schnittSdemokratcn. Eine wahrhast grenzenlose Infamie erfahre ich soeben. Genosse Stau- denmaier wurde von seinem eigene» Bruder, mit dem er sich eine« geringfügigen Anlasse» wegen gezankt, al» Besitzer verbotener Schriften dennnziit. Natürlich»ahm die edle Polizei, statt die unsäglich verächtliche Denunziantenseele von Bruder im Interesse der so oft betonten„Heiligkeit" der Familienbande kurzweg abzuweisen, die Anzeige mit Vergnügen an, hielt sofort Haussuchung bei Staudenmaier und verhaftete ihn, da sie wirklich verschiedene verbotene Schriften fand. Da ihm aber die allem strafbare Verbreitung verbotener Schriften nicht nachgewiesen werden kann, so wird er wohl bald wieder in Freiheit gesetzt werden müssen. Ist e» aber nicht schmachvoll, wie weit die durch ei» fluchwürdige» Regierungssystem hervorgerufene Korruption schon gediehen ist! Für solche Menschen aber, wie der niederträchtige Denunziant, kann man wahrlich nicht Speichel genug austreiben, um vor ihnen nach Gebühr autziispiiken; die tiefste Verachtung aller ehrlich denrenden Menschen muß sie treffen und sie wie einen Aussätzigen von jeder auf Ehre haltenden Gesellschaft ausschließen l Hesterreich-Ilngarn. w. w. Aus Böhmen, Ende Februar. Au» nnserm herrlichen Kaiserstaat, dem Lande de» Konkordat» und der nicht-zu tilgenden Schulden, sei Ihnen hiedurch ein nctte« Kulturstückchen mitgetheilt, welche» einen schreienden Beweis für den imerlräglichen Druck und Uebermuth der Herr- schenden Klasse gibt, welche heuchlerischer Weise bei jeder Gelegenheit die Worte Kultur, Wissenschaft, Bildung, Humanität im Munde führt und wer wei« was sonst noch alle« für edle Eigenschaften für sich in Anspruch zu nehmen gewohnt ist. Kommen da vor einiger Zeit MissionS-Jesuiten in da» Städtchen Türmitz angebummelt, um unter der Angabe, die hiesige Bevölkerung„selig" machen zu wollen, der schon von den gewöhnlichen Pfaffen schwunghaft betriebenen Volksverdummung einen neuen Aufschwung zu geben. Wie eS unter solchen Heuchlern Sitte ist, machten die Herren PatreS pflichtschuldigst— denn schöne Seelen finden sich— der hoch- gebietenden Fraa Gräfin Nostih ihre ergebenste Aufwartung, um sie um Protektion deS MisfionSschwindelS zu bitten. DaS Resultat dieses Besuches sollte sich bald genug zeigen. Man höre und staune: Die edle Dame erlieh einen UkaS, dahin lautend, daß alle die in ihrem Dienste stehenden Beamten, Berg-, Feld- und Fabrikarbeiter, welche nicht die MisfionS-Pre- digten täglich besuchen, uud überhaupt den ganzen„religiösen" Rummel mitmachen, sofort außer Dienst und Brot gestellt werden. So macht man Fromme und Gläubige! Seit Erlaß dieses llkases ist allerdings die Türmißer Stadttirche wie noch nie gefüllt und machen die Herren Patres gewiß ein famoses Geschäft für die theure„Mutter Kirche" und den Himmel, der Peteripfennigsammlurgen für den armen hungerleidenden Papst nicht zu vergessen. Man möchte über dielen schlau arranziiteu Schwindel ain liebsten laut auflachen, wenn es sich nicht um eine unver- schämt« Ausbeutung der Macht des Kapitals gegen den Arbeiter, sowie um eine enorme Beeinträchtigung der GewissenSsreihert Handelle. Ein frömmeln- de« Weib darf sich unterstehen, zur„größern Ehre TotteS" einer ganzen Bevölkerung mit Hunger, Roth und Elend zu drohen, wenn dieselbe dem Aberglauben den Rücken wendet und ihrer besseren Ueberzeugung folgt. Wenn wirklich die vernünftige„Ordnung" bestünde, von welcher die Herr- schenden immer faseln, dann würde man dir am RcligionSwahnc leidende gräsliche Hexe einfach ins Irrenhaus stecken! Nicht weniger übcrmüthig und brutal herrschsüchtig als von der vor- genannten hochadelichen„Herrschaft" wird von einem großen Bourgeois- unternehmen in Aussig verfahren. In dieser Elbhafenstadt besteht eine chemische Fabrik, die wegen ihrer Großartigkeit einen bedeutenden Ruf bat und auch sehr gut prospcrirt, denn es soll in derselben jährlich ein Profit von über eine Million erzielt werden. Der Leiter dieser Fabrik,„General- Direktor" Schaffner, weiß auch davon zu erzählen, denn er bezieht allein für seine Leistungen ein jährliches Einkommen von 40.(100 Gulden, lind das verdient der Mann auch durch seine raffinirte Ausbeutung der Arbeiter weidlich. Wenn die Arbeiter irgendwo ausgequetscht werden und weiße Sklaven im vollsten Sinne de« Wortes sind, dann ist es hier. Natürlich spielen da auch die Sklavenpeitscher oder Aufseher eine große Rolle und damit dieselben an Gesinnungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit nicht« zu wünschen übrig lassen, wählt sie der Generaldirektor gleich unter den Gendarmen au«, wie er cS jüngst gcthan, als er einen ausgedienten Gendarmeriewachtmeister zur Bespißelung der Arbeiter in der Fabrik zur genannten Charge beförderte. Daß unter einem solchen Regiment, da« für die Arbeiter eine vollkommene Polizeiaufsicht bedeutet, die Maßregelung wegen der Gesinnung ganz in demselben Maße betrieben wird, wie von der Dame in Türmiß, ist nicht erstaunlich. Ein eklatanter Fall ereignete sich vor wenigen Tagen. Der Arbeiter Hoka ließ sich aus der Volksbuchhandlung in Zürich die„Neue Gesellschaft" kommen, welche indessen auf dem Zollamte von der k. k. politischen Behörde konfiszirt, beziehungsweise gestohlen wurde. Sobald die« bekannt geworden war, mußte der Arbeiter die Faust de» chemi- scheu FabrikSzaren fühlen, der den verdammten„Sozialiften" auf den Schlag brotlos auf die Gaffe warf. Läßt sich eine schamlosere„aufreizen- dere" Unterdrückung denken? So arbeiten sich Polizei und Bourgeoisie gegen da« unterdrückte arbeitende Volk in die Hände. Arbeiter! Stehet deshalb auch ihr fest zusammen gegen eure vereinten Feinde, auf daß ihr nicht ganz und hoffnungslos unter die Küffe getreten werdet. Weg mit der falschen Friedensliebe und Sanftmuth, weg mit der Angst vor dem Uebelwollen der „Brodherren", weg mit der trägen Lässigkeit und weg mit allen sonstigen Verschiedenheiten der Meinung! Sammelt euch, verbreitet die hehren Grund- säße des Sozialismus, die Hoffnung auf eine baldige Befreiung und den Haß gegen die heutigen Unterdrücker, macht euch dadurch widerstandsfähig und bereitet euch auf die Zeit de« kommenden Sonnenaufgangs vor. Agitirt — vorläufig insgeheim, aber desto eifriger und organifirt euch unter einander und mit den Genossen des ganzen Landes und darüber hinaus; das ist der einzige, aber sichere Weg, um /solche Schandthaten der Reichen und Mächtigen mit der Zeit unmöglich zu machen! Dänemark. — Kopenhagrn, 25.�) Jan. Wir dahier, in einem kleinen Land und bei e'ncr wenig entwickelten Bewegung, sind nur selten in der Lage, Wichtiges melden zu können. Uni so angemessener scheint uns ein Rückblick auf das vergangene Jahr, in welchem wir das Wichtigste zusammenfassen und den Genossen zur Orien- tirung vorführen können; und zwar scheint uns ein solcher Rück- blick für die Genossen deshalb um so wichtiger, w il das vergangene Jahr für den dänischen Sozialismus eine Wendung zum Guten bezeichnet. Es ist bekannt, wie unsere, anfänglich extensiv so schnell emporgeblühte Bewegung durch die Schandihat der Pio u. Geleff enorm zurückgeworfen wurde. Indessen kräf- tigte sich dieselbe, wenn auch langsam, doch allmälig wieder, so daß sie es wagen konnte, aus der bisherigen Zurückhaltuug her- vor- und in die politische Arena einzutreten. Zu Beginn des verflossenen Jahres nahm der„ Social-Demo- kraten", unser Parteiorgan, seine Stellung gegenüber dem Heu- ttgen Staat ernsthafter wie früher wahr und errang sich dadurch allgemeine Aufmerksamkeit, aber freilich auch den Haß und die Verfolgung der Regierung. Der erste Schlag, welcher geführt wurde, ging dem Militarismus zu Leibe, indem die Behandlung der Rekruten der Jägersborger Husaren an die Oeffentlichkeit gezogen wurde; dann wurden die Verhältnisse und Mißbräuche in den andern Waffengattungen der öffentlichen Meinung unterbreitet. Die Folge davon war, daß überall(nicht blas bei der hiesigen Garnison) eine kleine Besserung eintrat; aber auch, daß der Redakteur Saxo Wigell in die Verbannung getrieben wurde, um einer langjährigen Gefängnchstrafe zu entgehen, die keinerlei Nutzen gebracht haben würde. Doch auch dieser Schlag der Reak- von gegen uns hat den gewünschten Zweck völlig verfehlt, ge- rad« so wie der frühere, den der Polizeiinspektor Herz mit Hülfe deS elenden Pio beabsichtigte. Besagten Polizisten hat im Laufe dieses JahreS die Nemesis erreicht; denn trotz allen Vertuschens wurde es doch bekannt, daß er an einem großartigen Skandal betheiligt war, was seine Suspendirung zur Folge hatte, die sei- nem Stellvertreter die Pflicht auferlegte, die Anzeige zu machen, daß seine Kasse mit den Büchern nicht stimmte, und der Tod ihn und seine Vorgesetzten vor weiteren Unannehmlichkeiten befreite. Dann gab die äOOjährige Jubelfeier der hiesigen Universität jüngeren Kräften außerhalb der Partei Gelegenheit, das Zopf- thum und die Bornirtheit der Xlms raaler dania und ihrer Pfleger der Oeffentlichkeit zu denunziren. Der Staub, der dabei aufgerüttelt wu:de(denn wenn alte Perücken ausgeklopft werden, geht es nie ohne diesen ab), fuhr den Pfaffen in die Nase, daß diese rasten, um die Hegemonie an der Hochschule des Landes zu behaupten, was wieder zur Folge hatte, daß sich nun neue Kräfte, die Beruf und Geschick besaßen, auf die Arena wagten und dadurch nicht nur Bewegung in die Geister gettagen wurde, sondern auch das Gebahren der Pfaffen in politischer Hinsicht der Kritik unterzogen wurde. Hierbei wurden nun Thatiachen, die wohl schon Jeder kannte, dem Volke im Zusammenhang zum Bewußtsein gebracht. Ais Folge hiervon fielen im Voiksthing Aeußerungen, daß die Theologie gar nicht aus die Universität gehörte und Ein Priesterseminar hinreichend sei, da dieselbe sich mit den Fortschritten der Naturwissenschaften nicht vereinigen lasse, *) Mußte infolge Stoffand ang» leider wiederholt zurückgestellt werden. sondem ihnen durch ihre dominirende Stellung hindernd in den Weg trete und einen gedeihlichen Aufschwung unmöglich mache, so daß man sich nicht zu wundern brauche, wenn die hiesige Universität das frühere Ansehen eingebüßt habe. Eine weitere Gelegenheit zur wirksamen Theilnahme an der öffentlichen Diskussion ergab sich in der Militärfrage. Im Reichs- tage wurde das neue Hcergesetz und der Plan, Kopenhagen zu einer großen Festung zu erheben, von der Majorität verworfen. Die Regierung hatte im Lande einen Adressensturm in Szene ge- setzt, der überall von der mächtigen Geistlichkeit geleitet wurde, aber dennoch Fiasko machte. Noch schlimmer waren die Gründe, welche die Regierung in den Motiven anführte, um die Befesti- gung Kopenhagens, wodurch das ganze Land dem Feinde geöff- net worden wäre, durchzudrücken. Es wurde darin mit dürren Worten ausgesprochen, daß Dänemark aus der Reihe der„selbst- ständigen Staaten" verschwinden werde unv man deshalb darauf bedachr sein müsse,„wenigstens mit Ehren zu fallen", denn einem gleich großen ausländischen Heere könne das dänische nicht wider- stehen. Trotz der großartigen Anstrengungen, welche zur Durch- drückung dieses Projektes gemacht wurden, mußte der Kriegsminister Kaufmann(der Bruder des bekannten russischen Generals) indeß für dieses Jahr den Rückzug antreten; wozu unser Blatt und eine von der Partei einberufene große Volksversammlung redlich das Ihrige beigetragen hat. Diese Haltung des„Social-Demokraten", sein scharfes Stel- lungnehmen in wichtigen öffentlichen Fragen, haben es dahin ge- bracht, daß seine Meinung von Einfluß geworden ist; in den größeren Case'S«. wird er in 3 und 4 Exemplaren gehalten, die selten ungelesen daliegen, während früher Niemand darnach fragte. Was unsere speziellen Parteiangelegenheiten betrifft, so hat der „Sozialdemokrat" schon verschiedene interessante Ereignisse mitge- theilt, welche von der erfreulichen Besserung des in der hiesigen Bewegung wohnenden Geistes zeugen. Daß die dänischen Arbei- ter mißtrauisch geworden sind, nachdem sie von denen, die sich als ihre Führer aufspielten, so vielfach und auf's Schändlichste betrogen worden sind, ist nur natürlich und sehr erfreulich, weii es einer Wiederkehr solcher Dinge vorbeugt und dem demokrati- scheu Geist der Gleichheit und Autoritätsverneinung nur sörder- lich sein kann. Daß aber die hiesigen Arbeiter gegen wirklich verdiente Genossen trotzdem nicht undankbar sind, bewies das Fest vom 10. Januar, welches veranstaltet war, um die Mittel her- beizuschaffen, die Familie Wigell wieder zu vereinigen. Die er- zielte erkleckliche Summe von ungefähr 400 Kronen ist nun im Stande, Frau und Kinder nach Amerika reisen zu lassen und ihnen die Wiedereinrichtung drüben zu ermöglichen. Dagegen war die wichtige Versammlung vom 17. Januar sehr schwach besucht, wenn ich bedenke, wie in Deutschland Arbeiterversamm- lungen besucht waren, welche eine Tagesordnung hatten wie die hiesige:„Unsere Lohnverhältnisse." Ich hatte erwartet, daß die Arbeiter, da es an öffentlichen und eindringlichen Aufforderungen, zahlreich zu erscheinen, nicht gefehlt halte, in Massen Herzuströmen würden; es konnte aber der Saal die 800— 1000 Anwesenden ausnehmen. Hier handelte es sich um jede» Einzelnm eigenste Interessen und nur die Wenigsten erschienen, so daß es den An- schein hat, als ob es den Arbeitern noch so gut gehe, daß sie es sich gae nicht besser wünschen können. Und doch beträgt im Großen und Ganzen der durchschnittliche Wochenverdienst hier in Kopenhagen nur 12—14 Kronen, in einzelnen Fällen gar nur 8—10 Kr., wobei überdies noch Tausende völlig ohne allen Ver- dienst mit Familie leben. Unter solchen Verhältnissen ist es kein Wunder, wenn die Be- wegung hier zu Lande nur langsame Fortschritte macht und nicht so viele Erfolge aufweisen kann wie anderwärts; es muß im Wesentlichen der Zukunft überlassen bleiben, die dänischen Arbeiter zum Einsehen und Verständniß ihrer Lage und der Befrei- ung daraus zu bringen. Doch zeigt immerhin vieles darauf hin, daß es endlich besser wird; freilich ist es schlimm genug, daß sich auch hier wieder das Sprüchwort bewähren muß: Wer nicht hören will, muß fühlen. Nun noch ein Wort über die hiesigen Deutschen. Ueber die älteren, welche schon seit Jahren hier sind, fällt das Urtheil noch ungünstiger aus, wie über die Dänen selbst; dieselben, meistens aus Pommern und Mecklenburg und daher von der Bewegung in der Heimat nicht berührt, stellen sich hochmüthig und dünkel- Haft der hiesigen Bewegung gegenüber. Nur die Schleswig-Hol- steiner und Andere machen eine Ausnahme und ganz besonders die jüngst hierher gekommenen; die letzteren sind aber nach kur- zer Zeit nicht sonderlich erbaut von dem hiesigen Parteileben. Doch stellt Jeder die Sache über daS Persönliche und wirkt in seinem Kreise so gut er kann. Wenn ich zum Schluß Alles zusammenfasse, so ist das Facit zwar kein sonderlich günstiges, aber anderseits ist die Hoffnung, daß es auch hier vorwärts geht, wohl gerechtfertigt. Mit welchen Vorurtheilen und Antipathien hatte ich nicht im Anfange zu kämpfen, die jetzt geschwunden sind. DieS zum Trost und zur Ermuthigung für die Zagenden und Ungeduldigen überall, wo eS Enterbte und Unterdrückte gibt. Jörgen Gaardmand. chroßbritcknuien. * Aus London haben wir mehrere Berichte über die wahr- Haft skandalösen, die Sozialdemokratie mit Scham erfüllenden Vorgänge erhalten, welche durch die bekannte, einen großen Theil der deutschm Genossen in London leider»och immer terrorisirende Clique hervorgerufen worden und von eklatanten Gewaltstreichen bis zu Handgreiflichkeiten gediehen sind. Das ganze Londoner Treiben erinnert an die dunkelsten Punkte in der Entwicklungs- geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Wir werden uns wohl in nächster Nummer eingehender mit der Sache befassen. Hlußkand. * Ganz nach Art der deutschen Regierung geht die russische, obwohl ihr die erzielten Resultate unwiderleglich bewiesen, daß der zur Herstellung der„Ordnung" eingeschlagene Weg der brutalen Unterdrückung der falsche sei und gerade zum entgegen- gesetzten Ziel führe, eigensinnig auf dem einmal betretenen Weg weiter. Das schon bisher unerhörte Willkürregiment ist noch gesteigert worden, indem ein Säbelheld des türkischen Krieges, General Loris-Melikow, zum Diktator oder„obersten Chef der obeisten anordnenden Kommission" mit unumschränkter Besugniß über alle militärische, administrative und richter- liche Gewalt ernannt worden ist. Damit find so gut wie alle Gesche in Rußland suspendirt und alle bürgerlichen und privaten Interessen der Russen einem brutalen Despoten überliefert. Daß durch solche Mittel der Nihilismus nicht ausgetilgt wird. brauchen wir so wenig erst zu sagen, wie daß dieses in der Neuzeit ohne Gleichen dastehende Willkürregiment nicht lange dauern kann! — Verschiedme Blätter dementiren die Nachricht von dem Tod Tsch erny sch ew ski's. Das Dementi beruht darauf, daß der in Paris lebende Sohn Tschernyschewski's zur gleichen Zeit, als die Nachricht von des Letzteren Tode kam, einen Brief von seinem Vater erhielt. Diese Thatsache war uns ebenfalls bekannt, schließt aber die Wahrheit der Todesnachricht an sich keines- wegs aus, da ein Brief aus Sibirien, namentlich unter so er- schwerenden Umständen wie bei dem ängstlich bewachten russischen Sozialisten, wohl 7— 8 Wocken braucht, bis er nach Paris kommt, und der Schreiber seitdem lange verstorben sein kann. Indessen hat freilich auch die Todesnachricht noch keine offizielle Bestätigung erfahren. Wie sich das aber auch verhalte: Für die Welt des geistigen Schaffens und Strebens im Dienste der Gesell- schaft ist Tsckernyschewski auf alle Fälle todt; und es ist das Traurigste und allein schon hinreichend, uns zum Haß gegen die schändliche Tyrannei, welche ihn seit Jahren lebendig zum Todten machte, auszureißen, daß wir nicht einmal Anlaß zu besonderer Freude haben, falls er noch am Leben sein sollte. Denn ist es nicht besser, wirklich todt, als lebendig begraben zu sein, ohne Hoffnung auf Erlösung?! Dordamcrika. * Wie ein republikanischer Staatsmann spre- chen soll. Im Staate Louisiana ist jüngst ein neuer Governor(Regierungspräsident) gewählt worden, Namens L. A. Wiltz. Derselbe hat bei seiner Einsetzung in's Amt eine Botschaft, d. h. ein Programm für seine Thätigkeit erlassen, aus welcher der„Vorbote" folgende Stellen mittheilt: „Das Bestreben einer weisen Gesetzgebung muß stets auf die Abnahme der ni i tproduzirenden Klassen und auf Belebung des industriellen Geistes gerichtet sein. Es ist die höchste Wohlthätig- keit einer Regierung, den Arbeitern den vollen Besitz und Genuß aller Früchte ihrer Mühen zusichern. Ich hoffe, die gesetzgebende Behörde wird ihr Ansehen und ihren Einfluß zu Gunsten der arbeitenden Klassen verwenden. Unser Staat kann dauernden Wohlstand nicht anders als durch die Frucht weise geleiteter Handarbeit erlangen. Das Kapital selbst, daS Resultat der Arbeit, leitet seinen Werth von den Händen der Arbeiter her, welche damit arbeiten und durch dasselbe neue Werthe schaffen. Die Entdeckung der Wissen- schaften und die geschickten Anwendungen der Erfinder find nutzlos ohne die Arbeit derHände des Handwer- kers. Arbeit ist nur ein anderer Name für Zi- vilisation, denn ohne fie ist keine Zivilisation möglich. Kurzlebiger Wohlstand kann zwar durch Gewalt oder Schur» kerei gewonnen werden, aber auf keine andere Weise kann blei- bendeS Wohl den Menschen als Individuum sowohl als Glie» dern eines Staates werden, als durch wohlgeleitete GewerbS- thätigkeit. Wir erfreuen uns der angesammelten Vortheile von vierzig Jahrhunderten der Erleuchtung, und wenn wir diese aufgesammelte und ererbte Zivilisation analyfiren, so finden wir, daß fie der Gewohnheit zur Gewerbsthätigkeit entstammt, welche durch hundert Generationen von Arbeiler» vom Vater auf den Sohn überliefert wurde. Trotz der Armeen, privilegirten Klassen und mülsigen Wür- denträger und Aristokraten, welche wie ein Alp auf den Na- tionen gelastet haben, hat dennoch die Arbeit über ihre Feinde triumphirt, indem fie alles Gute im Besitz der zivilifirten Welt geschaffen und erhalten hat. Selbst der entwickelte und bestehende Wohlstand einer Nation ist nur Staub in der Waage, wenn er verglichen wird mit seiner Wohlstand erzeugenden Macht, welche in den starken Sehnen und dem industriellen Geist seiner arbeitenden Massen liegt. Der Ruhm und die Stärke der Republik kommt von den Händen der Arbeiter. Die Steuern, welche fie erhalten und die Staaten, welche sie bilden, kommen von der Arbeit____ Ich halte es für eine der l öchsten, wenn nicht die erste unter den Pflichten der Gesetzgeber, die Industrie aufzumuntern, die industriellen Klassen zu beschützen, vollen Lohn für ehr- liche Arbeit zu garantiren, Befriedigung und Zufrie- denheit unter den Arbeitern zu verbreiten und fie von aller unnöthigen Belastung seitens der Regierung und von den Fol- gen der Spekulation und des Betrugs zu befreien. Arbeiter sind der Wohlstand und die Stärke deS Staates. Wir find einer gütigen Vorsehung dankbar für unser mildes Klima, für unsere üppigen Ländereien, un- sere blumigen Prairien. unsere weiten Wälder, für unsere großen Flüsse, unsere silbernen Seen und Baycn; aber noch dankbarer solltenwir sein für denWillen und die Stärke der tapferen Söhne der Arbeit, welche aus unseren natürlichenHülfsmitteln Wohlstand entwickeln. Das Wohlergehen Louifiana's ist identifizirt mit dem Wohlergehen seiner arbeitenden Bürger." Dieser Governor ist wahrhaftig ein weißer Rabe, aber deshalb um ein so beachtens- und achtenswerlher. Wie lange wird es noch dauern, bis solche Ansichten bei einem Staatsbeamten etwas Selbstverständliches sind? Briefkasten der Expedition: Z. Rbl.: 3 u. 5 hat wahrscheinlich der grimme Herr P inzipal selbst als Marder ze— noffen. 6 u. 7 auch? Gingen an— r. Zunächst Erster«» mit 8 gesandt. Bescheid wegen Letzteren erwartet.— Gld. Vervier«: Mit 8, Schftn. abgg. Shlly hier nicht.— fff Kreuz- bimmeldonn---: Worum so schweigsam? Borrath der Angaben er- schöpft, wa« soll da au« dem„GaiSbarth" werde»? Drso noch immer unerfindlich. Gruß!— I. R. Idrf: Fr. S. U<ö. W. 2. 40) reichen nur für Bestelltes, nebst Porto. Sendung abgg.—— x— pt. W.: Aber jetzt haben Sie'« doch? Alles ging miteinander an neue Adr. ab. Doppelt oder einfach, da» ist dem Marder egal wenn'« an'« Stehlen geht.— H. Meyer? Fr«. SS. 40 erhalten, aber keinen Brief. Bitte» darum!— C---- r—da: 4 u. 5 mit 9 abgef. Dank nochmals für Rouveaute'«. — A. K— bürg. 5 W. M. mit 9 an B. abgg. M. I.SO in Bfm. erbeten. — B a d e n u S: 9 abermal« unter f üherem Namen fort. Erhalten?— Zu st i n u S: 1— 5 für K. F. und für Sie da« Bl. nebst weiterem Bescheide an Kh. abgg.— G B-- a. d. Weser: Mit Nro. 9 nochmal» S n. S ges. Senden Sie nur so.-- on>— we— treuer Genosse: Aber an Wen? Schwei,. Lereins buche ruckerei HoUinzen-ZLrich.