Krschewt wöchentlich einmal in Zürich(Sdiwcij) ?etl«g Ä. Her» er, Jnduftriehalle Äit»bo(f)'3ütid) 5«8ftnia*jta ftanto gegen franco. Vewdhnliche Briese nach der Schweiz lasten Doppelporto, R? 13 Der ZoMemckrat Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Sonntag, 21. März. Avouuemeuts werden nur beim Verlag und besten bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrbpreig von: Fr. 2.— für die Schweiz- suw Bezug im Großen veretNtgen.� z gg. «bourntttn Genossen vorsichtig geschieht, dann J wie Entdeckung beim Gesammtbezug S Achter aus- g�t Couvertsendungen, �sh. ghne GewisienS. sindlg machen kann und in solchem Fall.. � unb tausend stiehlt. Aus alle Fälle muß d« von�hu � �nfnübet alle Lumpenhunden aller lA"""""-" bekannten Agenten in Dentschland. Wem Adressen fehlen, der wende sich an Vertrauenspersonen um Aufschluß; muß er sich aber an uns direkt wenden, so sende er seinen Brief womöglich an eine unverfängliche Adresse außerhalb Deutschlands, die er mit der Weitervermittlung an uns beauftragt. Kann man auch das nicht, so verschließe man die unmittelbar an unsere Adresse gerichteten Sendungen mitSiegel- lack und lasse sie womöglich einschreiben(rekomman- diren). Da serner der Versandt an unsichere Besteller zur Sicherheit unseres Postverkehres in ganz anderer Weise bewirkt werdm muß, als der an Parteigenossen, so wollen uns unbekannte Genossen gleich in den Bestellbriefen ihre Partei'- ang ehörigkeit durch Gegenzeichnung eines Ver- trauensmannes bestätigen lassen; andernfalls wäre die Einholung von Informationen geboten, wodurch Zeitverluste für uns und die Besteller entstehen würden. Wir ersuchen, sowohl die Wieder- als Neu-Abon- nements möglichst umgehend zu bewirken, da unsere durch den systematischen Briefdiebstahl und Brieferbruch der deutschen und österreichischen Post bedingte komplizirte Beförderungs- ort viele Zeit wegnimmt und deßhalb bei späterer Bestellung Verzögerungen in der Zusendung unausbleiblich wären. Parteigenossen! Sammelt euch um euere Fahne und benutzt die euch gegebene Waffe mit Eifer und Geschick; seid rührig und thut Eure Pflicht! Verlag«ad Hledaktio« des„Sozialdemokrat". Zum 18. März 1880. Ein hoher Festtag ist erschienen, Der höchste für den freien Mann, Drum schmücket roth die VoikStribüncn, Und stimmt die Marseillaise an. Heut' jährt stch'«, daß die Brüder schlugen Den Zollernfürsten in Berlin, Daß sie vor'S Schloß die Leichen trugen, Die Meuchler vor Gericht zu zieh'n. Heut jährt sich'« auch, daß an der Seine Da« Volk die Henker niederschlug, Und daß e« selbst, da» souveraine, Zum Sieg da« rothe Banner trug. Ein großer Tag für alle Zeiten, Ein Heiligthum für jede« Herz. Er mahnt un«, wenn e» gilt, zu streiten Wie uns're Brüder einst im März. Die Reaktion erhob fich wieder, Und frecher, al« fie jemals war, Die Freiheit sank zum Kerker nieder, Und schweigend grollt der Proletar. Durch alle Länder geht da« Grollen, Die Kette klirrt an jedem Fuß. Nur manchmal dumpfe« Donnerrollen, Nur manchesmal ein WarnungS-Schuß. Nur manchmal in der Völker Augen Wie Wetterleuchten zuckt'S und Hohn, Als müffe man die Schwerter brauchen Statt Wahlrecht oder Petition.——— Da strahlt von uns'rer Berge Firnen Der Frühling hell in« Land hinein, Und auf der Männer finstern Stirnen Erglänzt ein neuer Hoffnungtschein. Per Frühliag kommt, der Wirf kehrt müder, E« schwillt da« Herz zu kühner That: Getrost, Ihr lang gequälten Brüder, Aich unser P«lkrrfri>hli»i y«ht.— Gefüllt ist längst da» Maß de« Zaren, Reif ist die deutsche Tyrannei,-- Zur Ernte reif! Und bald in Schaaren Al« Schnitter eilt das Boll herbei. Bald wird die Trommel wieder rufen, Da« rothe Banner wieder weh'n, Vor de« Palastes Marmorstufen Die Völker, nicht al» Kettler, steh'n; Die Freiheit, die fie fich erkoren, Erhoben wird fie aus den Thron.-- So sei'S denn abermal« geschworen Zum Jah'rStag: Koch dir Krkeliia! Ein Gedenktag der Revolution. 1848. 1871. Der Schlag in Paris, welcher am 24. Februar 1848 den Thron deS Bürgerkönigs zertrümmerte, weckte ringsum die Völker aus dem Schlaf und brachte alle andern Throne und Thrönlein ins Wanken. Durch Deutschland ging die Bewegung wie ein Lauf- fever: in Süd und Nord, in Ost und West, überall das Wetter- leuchten der Freiheit. In Wien brach der Sturm zuerst los und fegte den vornehmsten Vertreter der Reaktion, Metternich, hinweg. Und von der Donau fegte der Sturm weiter nach den Ufern der Spree. Unbeschreiblich war die Wirkung der Wiener Ereignisse in Berlin, wo es schon seit Längerem gährte. König Friedrich Wilhelm IV,, der romantische Gottesgnadennarr, suchte durch einige Konzessionen die heranbrausende Windsbraut zu beschwören, und das Volk hätte sich wirklich beschwindeln lassen, wenn nicht ein„Zufall" dazwischen gekommen wäre. Am 18. März drängten sich dichte Volksmassen vor dem königlichen Schloß und jubelten dem„ gütigen" König zu, als plötzlich aus dem Schloß Infanterie heranrückt und gleichzeitig von der anderen Seite Kavallerie an- marschirt, und Schüsse fallen auf die Menge und die Reiter hauen ein. In Schreck und Wuth stürzt da« Volk von dannen, zahl- reiche Todte zurücklassend, und Verrath! hallt es durch ganz Berlin; der von der Volksstimme dem jetzigen Kaiser zugeschriebene feige Ueberfall mußte gesühnt werden. Barrikaden erhoben sich bald, erst hier und dort, dann immer mehr und planmäßig; der Kampf mit den Truppen begann und der Widerstand des Volkes wurde immer erbitterter. Die ganze Nacht durch wüthete der Kampf und am nächsten Tag hatte das Königthum die Parthie verloren. Der König mußte die Truppen aus der Stadt ziehen und harrte zitternd des Urtheils, welches das Volk an ihm vollstrecken würde. Und was that es ihm? Es trug ihm die Leichen der Straßenkämpfer vor's Schloß, ließ ihm den Hut abnehmen(leider nur den Hut) und— begnadigte ihn. Der Dank für diese unzcitige Großmuth folgte bald. DaS Königthum hielt das Volk durch Schauspieler- künste aller Art hin, bis die reaktionäre Landbevölkerung aufgewiegelt, die Revolution durch die Rückläufigkeit und Schwäche der Bourgeoisie gespalten und die Armee gesammelt und gestärkt war. Schon nach vier Monaten waren alle Erungenschaften der Revolution verloren und der November machte dem kurzen Freiheit?- träum ein Ende. Zwei Männer, die schon damals die ärgsten Volksfeinde und Reaktionäre waren, sind heute die unumschränkten Herren in Deutschland: Bismarck und Wilhelm! Dreiundzwanzig Jahre nach jenem Berliner März erhob sich die Revolution in ihrer Mutterstadt siegreich gegen die frechen Verschwörer, welche die junge französische Republik in den Windeln erdrosseln wollten. Freudig hatten die Arbeiter von Paris die Entbehrungen und Gefahren der Belagerung mitgetragen und zähneknirschend der Unfähigkeit und dem Verrath der Trochu und Favre zugesehen. Die Orgien des verrätherischen Krautjunker- Parlaments von Bordeaux, das auf den Untergang der Republik sann, aber brachte das revolutionäre Paris in Flammen. Ver- jagung der Verräther und Rettung der Republik war die Losung. Und auch diesmal war es die Reaktion, welche das Ztichen zum Kampfe gab. Das Volk sollte entwaffnet und am 18. März der Hauptstreich geführt werden. Aber er mißlang, ein Theil der Truppen wandte sich selbst gegen die Reaktton und das Volk ward siegreich. Das Volk von Paris hatte mit der Verräther- regierung gebrochen und sich zum Retter der Republik aufgeworfen. Draußen vor den Thoren aber sammelte das Haupt der Reaktion, Thiers, unter dem Schutz Bismarcks seine Soldateska, um die revolutionäre Stadt mit Mord und Todtschlag zu überziehen und die Kommune zu vernichten. Dritthalb Monat hielt Paris die Fahne der Revolution, der neuen sozialen Revolution, gegen die Uebermacht aufrecht, bis es endlich, vom Blutverlust erschöpft, fiel, durch die Größe seines Falles die Welt erschütternd. Dann kam die Herrschaft der Mordbuben und Henkersknechte und bald lag die„stolze Rebellenleiche" todt und still. Aber schon zeigen fich in ihr wieder Zuckungen de« Leben« und wie in ihr, so rührt stchs auch in ganz Frankreich und nicht minder in Deutschland und fast auf dem ganzen Festland. Roch ist der Winter der Reaktion nicht zu Ende und die Zeit der Auferstehung nicht gekommen; aber auch unser Frühling wird anbrechen. Roch eine kurze Zeit und die Völker, die Geknechteten und Gedrückten aller Länder und Rassen, werden nach einem schweren Kampf einen herrlichen März haben und ein Fest des SiegeS, der Befreiung und der Freude feiern, dergleichen die Welt noch nicht gesehen! Ein Wort zur Aufklärung. Wie ich vernehme, hat die von mir im deutschen Reichstag gegen Herrn von Kardorff gemachte Erklärung über meine Stellung zu den Nihilisten, in Folge der verballhornten Wiedergabe durch verschiedene Zeitungen, den Glauben erweckt, ich habe das Vor- gehen der Nihilisten in Rußland gewissermaßen verurtheilt oder doch desavouirt. Zugleich hat Freund Most in London sich natür- lich die schöne Gelegenheit nicht entgehen lassen, in bekannter perfider Weise gefälschte oder falsch verstandene Zeitungsnotizen gegen mich auszubeuten. Ich erkläre hiermit, daß ich weder zu einer Verurtheilung, noch zu einer Desadouirung deS russischen Nihilismus Veranlassung hatte und daß meine Worte gegen Herrn von Kardorff nichts weiter besagten und besagen konnten, als eine mir von jener Seite imputtrte engere Verbindung und daraus folgende Verantwortung für das, was der Nihilismus thut oder nicht thut, abzulehnen. Wenn ich dabei darauf hinwies, daß die russischen Nihilisten sich im Gegensatz zu der deutschen Sozialdemokratie nicht aus der Arbeiterklasse, sondern aus den Gesellschaftskreisen, denen Herr von Kardorff angehöre, rekruttrten, so konnte damit nicht, wie werkwürdigerweise ebenfalls in nihilistischen Kreisen verstanden worden ist, gemeint sein, daß die Nihilisten die Bestrebungen des Herrn von Kardorff theilten, sondern ich konstatirte damit lediglich, daß sie aus der gesellschaftlichen Schicht, der Herr von Kardorff angehört, vorzugsweise hervorgehen. Diese letztere Thatsache ist so evident und so in der Natur der russischen Verhältnisse begrün- det, daß ich nicht begreifen kann, wie diese von mir hervorge- hobene Thatsache zu Mißverständnissen Veranlassung geben konnte. Soll ich mich über diese Erscheinung hier weiter aussprechen, so kann ich nur her-vorheben, daß die nihilistische Bewegung von heute in Rußland großentheils auf dieselben Bestrebungen hinaus- geht, wie die Burschenschaftsbewegung und die Bestrebungen des jungen Deutschland in der Vorachtundvierziger Periode in Deutschland, nur modifizirt durch die Verschiedenartigkeit der beiden Länder und die mittlerweile vorgeschrittenen wissenschaftlichen An- schauungen. Verlangte man von mir eine Solidaritätserklärung mit dem russischen Nihilismus, so müßte ich diese darum einfach ablehnen. Der russische Nihilismus ist nur einig in der Negation, er ist einig in der Uebereinstimmung, das gegenwärtige in Rußland herrschende System zu stürzen, einerlei durch welche Mittel. Po- fitive Berührungspunkte aber hat der russische Nihilismus mit dem deutschen Sozialismus nur sehr wenige. Dagegen erkenne ich an, daß der Nihilismus angesichts deS Systems, daS in Rußland herrscht, nicht anders kämpfen kann wie er kämpft, und bin weit entfernt, ihm au« dieser Kampfesweise einen Vorwurf zu machen. Damit dürfte aber die Uebereinstimmung so ziemlich aufhören, denn die positiven Forderungen der Nihilisten sind verschwommen und unbestimmt. Hier spalten sie sich in Konstitutionelle vom Schlage unserer deutschen Liberalen bis zu den radikalsten Sozialisten. Ich erkenne die Existenz der letzteren als eine erfreuliche Thatsache an; leider bilden dieselben aber nur eine verhältnißmäßig Neinc Anzahl, welche bei der posittven Gestal- tung der' Dinge in Rußland kein entscheidendes Wort mitzu- sprechen haben werden. Kein Zweifel aber, daß die große Mehrheit der Nihilisten nach Sturz deS gegenwärtigen Systems in Rußland sich mit Begründung einer konstitutionellen Monarchie nach westeuropäischem Muster begnügen werden. Möglich, ja wahrscheinlich, daß diese russisch- konstitutionelle Verfassung radikaler werden wird, als ähnliche Verfassungen Westeuropas und zwar aus dem einfachen Grund, weil nur ein weitausgedehntes System bürgerlicher Freiheit, verbunden mit einem umfassenden Bildungssystem allein die alsdann in Rußland herrschenden Klassen in die Lage setzen werden, ihr eigene» liberale« System vor dem Wiederuntergang zu retten. Eine solche That wird eine Kulturthat im vollsten Sinne des Worte« sein— denn ein Volk kann wohl die Entwicklungsstufen abkürzm aber nicht überspringen—, aber dieser Zustand hat mit dem westeuropäischen Sozialismus nichts gemein, er bereitet nur den Boden vor, auf dem eines Tage? auch für das gesammte russische Volk die Sonne de« modernen Sozialismus aufgehen wird. Ich erkenne also an, daß der russische Nihilismus eine revo- lutionäre Partei ist, deren Sieg für die kulturelle Entwicklung Europas von den größten und nützlichsten Folgen sein wird; ich erkenne ferner an, daß der russische Nihilismus, durch die Kampf- weise de» russischen Regierungssystems gezwungen, in der Wahl seiner Mittel nicht wählerisch zu sein braucht und jedes zum Ziele führende Mittel ergreifen muß und zu ergreifen das Recht hat; ich erkenne aber nicht an, daß der russische Nihilismus in feiner gegenwärtigen Gestalt und die deutsche Sozialdemokratie gleichartige Parteien sind und daß die letztere die Verantwortung oder volle Solidarität für den ersteren zu übernehmen habe. Die« der Sinn meiner, im Rahmen einer„persönlichen Be- merkung" gegen Herrn von Kardorff erlassenen Erklärung. Zürich, den 16. März 1880. A. Bebel. Schwabenstreiche der deutschen Polizei. London, 2. März. Während leider die meisten unserer Freunde die Sozialistcnheßc von der tragischen Seile kennen gelernt haben, scheine ich dazu bestimmt zu sein, der geistreichen deutschen Polizei Gelegenheit zu geben, auch die groteike Seite derselben hervorzukehren. Folgende« merkwürdige bureaukratisch-lrterarische Produkt, welche« au« der Feder Joseph Prud'homme'S•) geflohen zu sein scheint, liefert den einiger- maßen erfreulichen Bewei», daß in unserer kampfbewegten Zeit doch auch noch richtige Schildbürgerstreiche begangen werden und unsere Lachmu«keln in Bewegung setzen können. Ich lasse e« hier wörtlich folgen. „Bescheid. Dem Kistenmacher und Sozialisten(!) Solomon Kaufmann, geboren zu Münstermaifeld bei Koblenz, bt«her zu(I) London wohnhost, welcher die preußische Staat«angehörigkeit nach Maßgabe der Bestimmung in§ 25 Absatz 1 de« Gesetze« über den Verlust uud Erwerb der Bunde«. und Staatsangehörigkeit vom 1. Juni 1870 angesichts der ungeheuren Aufregung des Publikums nicht wohl anders kann. Warum wurden aber nicht auch die Berginspertions- beamten, die erwiesenermaßen die Fahrkunst seit Jahren ni» dieser Gesellschaft nicht gesehen werden, meine Stellung gestattet! das nicht; da nun aber der Mensch keine Vernunft annehme» wollte, und der Schlitten, welcher die Aufmerksamkeit der Vorüber' gehenden auf meine Person ziehen mußte, jeden Augenblick Hera»' brausen konnte, so faßte ich kurz den Burschen am Kragen, dreht» ihn ein paar Mal herum und gab ihm einen Stoß, daß er i» den Sttaßenkoth schoß. Da« hatte den gewünschten Erfolg;»»' vergeßlich aber sind mir die Worte, die mir der Flegel im Fort' kriechen zuwinselte: Iswinite, Gossudar, jussam kriw!(bitte m» Verzeihung, gnädiger Herr, ich bekenne mich schuldig."„Seh«» Sie", soll Bismarck hinzugefügt haben,„so sind die Slaven alle- die Einzelnen wie die Völker. Man muß ihrer Frechheit»»» mit der gehörigen Kraft entgegentreten, und sie werden schuld' bewußt für die erhaltene Züchtigung danken, wo der Deutsche W verletzten Rechtsgefühl über das Zuviel zum Himmel schreie» würde". Wenn diese ganze Erzählung mit der sich daran knüpfende» Russenhetze nicht bestellte Arbeit ist, und der deutsche Reichskanzlei wirklich im Jahre 1874 diese geniale Aeußerung gethan bat, i» dürften ihn die jüngsten Vorgänge in Rußland gelehrt habe»- daß die Slaven nicht„alle so sind". Ueberaus komisch abef nimmt es sich aus, diese Erzählung in einem Blatt der Parte» zu finden, auf die sie besser, als auf den unterwürfigsten Slave» paßt. Wahrhaftig dieser Muschik war schließlich nur ein einzelne» Mensch, in Deutschland aber wälzt sich eine ganze Partei,»o» Bismarck in den Koth gestoßen, vor ihm und winselt:«Isvinite. Gossudar, jussam kriw!» Feiges kriechendes Gesindel find»' sich wohl bei allen Völkern, im„liberalen Bürgerthum" Deutseh' landS aber mehr als irgendwo.— eb — Für den richtigen Spieß- und Mastbürger kommt bckanntlieh der Sozialist unmittelbar nach dem Mörder und zwische" diesem und dem Räuber mitteninne. Ja dem eigentlichen Eigenthuws' fanatiker nach ist der Sozialist noch weit gemeinschädlicher u»d muß deshalb weit erbitterter bekämpft und verfolgt werden, ali Mörder, Räuber, Diebe und Mordbrenner, da diese letzteren einzelne Menschen an Leben und Eigenthum schädigen, währet erstere gleich die ganze Gesellschaft berauben und abmurkse" wollen. In diesem Sinne hat ja auch da« deutsche„freisinnige Bürgerthum" vor zwei Jahren das Ausnahmegesetz gegen d'» gefährlichste und verabscheungswertheste Mcnschensorte auf deutsche"' Boden gemacht. Um so schmerzlicher muß es für diese Leute st'"' daß sie heute selbst von ihnen über den Kopf wachsenden walten zu diesen selben gemeingefährlichen Menschen geworfe»- mit ihnen auf eine Stufe, ja noch unter dieselben gestellt werde"' Man erinnert sich, wie die Offiziösen den ehemaligen v'! getreuen Reichstagspräsidenten Forkcnbeck, als er an der Spitzt einer Anzahl deutscher Städteverwaltungen der Schutzzoll- Jndirekte-Steuer-Politik der Regierung unangenehme Oppositi»" machten, schlankweg als„Kommunard des Städtctages bezeichnet wurde. Vor kurzem hat nun ein leitendes Org"" der protestantischen Kirche in Preußen, die hochorthodoxe„Allge"» ®WutIj. Kirchenzeitung" die Ausdrucksweise der Offiziösen au, Ja§ kirchliche Gebiet übertragen, indem es anläßlich des Streit- falleS des Predigers Werner das Recht jeder freifinnigen Rich iung in der Kirche bekämpft und jene mit der Kommune au| «ne Stufe stellt.„Unbedenklich— sagt ste— sind die irchlichen Kommunards noch gefährlicher als die politischen, da diese nur den materiellen, jene aber den ge- 'ommten geistigen Besitzstand in Frage stellen." Damit aber aller guter Dinge drei sind, kommt auch noch ,'£ Handelskammer von Aachen und Burtscheid und schreibt(in ihrem Jahresbericht) dem freihändlerischen Liberalismus Folgendes las Stammbuch:„Die Phrase nennt das Zerstörungswerk des absoluten Freihandels die Entfesselung des Verkehrs, aber man a�ußte es wohl anders bezeichnen. Es wäre ein großer Segen ur das Land, wenn dieser wilde Konkurrenzkampf aufhören ante: denn wenn der Sozialismus höchst gefährlich ist, so hat a? iinstweilcn der abstrakte Freihandel mehr Materiellen Schaden angerichtet, und was sehr be- auerlich ist, auch talentvolle Persönlichkeiten ergriffen, deren be- an'®r�te hom©tagte von großem Nutzen sein können." Wir enthalten uns hier jeder Kritik der angezogenen Angriffe 2 politischen, kirchlichen und ökonomischen Liberalismus. ii wollen nur zeigen, wie schnell man aus dem Hammer uidos werden kann und wie thöricht es daher ist, wenn man l? �ampf beider aus einem natürlichen, regelmäßigen und aHalen in einen wüthenden Vernichtungskampf umgestalten hilft. � Haussuchungen in größerem und kleinerem Maßstab och dem„Sozialdemokrat" und sonstigen verbotenen Schriften ha en wieder stattgefunden in Chemnitz, Burgstädt, , �asen, Hamburg, München, Schwabach, Har- "iZ-Ulm, Reutlingen, Schwäbisch»Hall, Königs- et9. Eisenach, Magdeburg, Wilhelmshaven, Cop- Hhörn, Metz, Breslau. Soweit wir erfahren konnten, ist aew r alg � Polizeilichen Bemühungen allenthalben gleich Null g.!n" �ootzdem wurden aber an einzelnen Orten vorüber- 8 heade Verhaftungen vorgenommen. Nur in Wilhelmshaven ein Arbeiter der kaiserlichen Werft bei Verbreitung des » ozialdemokrat" ertappt worden und auf Anzeige der Po- Je' Jafort aus der Arbeit entlassen worden sein. Am un- Ichamtesten und ungesetzlichsten, und sogar die Berliner übertreffend, geht bei den Haussuchungen das Polizei- jidium Breslau vor. Nachdem die einigen 50 in letzter > �ater Aufbietung aller Kräfte unternommenen Durchschnüffe- gen nichts als einige Broschüren und eine russische Revolutions- et®c�en hatten, erschienen am 10. d. M. in der Schlesischen s- pachhandlung Zimmer u. Co. Polizeibeamte und präsentirten di,"£a unglaublichen Ukas des Polizeipräsidenten:„Da sich dtte Volksbuchhandlung H. Zimmer u. Comp., resp. �"haber H. Zimmer mit der Verbreitung verbotener resp. Dr �s Gesetzes vom 21. Oktober 1878 zu verbietender " Ichriften beschäftigt, sollen zur näheren Ueberwach- 3 alltäglich und zu jeder Tageszeit Durchsu- n9tn der genannten G es chäftSräume stattfinden"! d„» auf. wurde zur Durchsuchung geschritten, welche jedoch nicht 3eringste Resultat ergab. ,, j, sialle sich vor:„alltäglich und zu jeder Tages- fallen Haussuchungen stattfinden! Ist daS nicht mehr als ob a � �i�kauer Polizeipräsident hat sich offenbar den ist v Eh'f" LoriS-Melikoff zum Muster genommen. Natürlich stellt'», im höchsten Grade ungesetzlich. Denn erstens lidior*.Sozialistengesetz gar kein Durchsuchungsrecht, sondern Ges?«, Beschlagnahmerecht fest. Auf Grund der gemeinen geord aber sind nur für jeden Einzelfall besonders an- Vers Haussuchungen zulässig; eine generelle Haussuchungs- iiche P' �'e elementarsten Bürgschaften der persön- ein"'he'* aufheben würde, absolut unzulässig. Aber auch eine und �""�"chung kann nur von jenen Polizeibeamten befohlen anwnn/J�aoiamen werden, welche als„Hilfsbeamte der Staats- küwn, ft" stalten, niemals aber vom Polizeipräsidenten. Was svllb'q � aber die Polizei, wenn es den Sozialisten gilt, um Brest Valien wie Gesetze? Wer weiß übrigens, ob das neue To■®!ier Verfahren nicht eines schönen Tages noch allgemeines licht/ echt wird. Nun, wir wüßten uns auch darauf einzu- führ/""k as würde das Maß dem Ueberlaufen bedeutend näher h«r® e r*' 1 wurde abermals ein Genosse ausgewiesen, dr?!&' �kßnatz. Es ist das der Hundertzweiund- stigste Ausgewiesene! Kwbe Leser werden sich an einen, in Nr. 12 vom De- 'ineti rt*' � abgedruckten Brief des Gen. Hasenklever a» ftoo-."asian C. H. in London über die vielbesprochene„Eid- uns« dauern. Ende Januar oder Anfangs Februar übersandte � a"s H�ah— denn dieser war der Empfänger jenes Briefes sehr" London eine berichtigende Erwiderung, welche indessen stffchi.»berichtigte", dagegen die längst entschiedene Eid- Hilf frt�ftfApn StrrtrtPIt ." 7"0'w f"---------- Ol----- 1/ loch• den drum und dran hängenden taktischen Fragen «-vn pikit trat und zum Ueberfluß auch noch eine Reihe kannt-% �hai* ziemlich perfiden Ausfällen gegen mehrere be- den an"��n enthielt. Wir theilten das Hirsch'sche Elaborat >Ni� n,.�st�'�encn Genossen, u. A. Liebknecht und Hasenklever ste'viel»,/ �e®en*"e Veröffentlichung nichts einzuwenden hatten, nicht d- pasürworteten. Wenn also der Brief nichtsdestoweniger Gadern wurde, so trifft die Schuld nicht die Genannten, nicht m t un8' �'e n''r �£" kostbaren Raum unseres Blattes durch e'ntm neuen unfruchtbaren Streit anfüllen wollten, der der An".-.a''n natürlich unvermeidlich erfolgende Erwiderung '"Üssen große räumliche Dimensionen hätte annnehmen �Hiutia■"Härten deshalb Hirsch, daß wir seine langen Aus- Berichs""'4* aufnehmen könnten, dagegen einer thatsächlichen �ndlick""�'h� angeblich ungerechtfertigter Vorwürfe selbstver- stiu �"asere Spalten öffneten. Hirsch antwortete hierauf, daß '' a e s% a�iloeder ohne Veränderung auch nur dürs. oder gar nicht veröffentlicht werden deui gL' toar Pia Sache schnell entschieden und wir stellten �n'�sch auftretenden Verfasser seine Arbeit wieder zur j"t l l. Miirz. Um bei unseren Genossen nicht den Glau- Weber en'u lassen, at« ob wir hier im Rosenbeete siiben und um Polizei noch Obrigkeit zu- kümmern Hütten, wollen wir im Nachstehenden doch Einige» über die Thaten unserer Polizei seit Erlaß de« Oktobergesetze« berichten. Da hier— um in der Sprache unserer Gegner zu reden— ein Hauptheerd der Sozialdemokratie ist, so ließ sich voraussetzen, daß e« unsere„republikanischen"(siol) Behörden nicht an dem nöthigen Eiser fehlen lassen werden. Die Voraussetzung traf auch zu. Sobald da« Gesetz in Kraft getreten war, ging es an ein Verbieten, daß e« eine wahre Freude war. Da blieb kein Verein- chen, kein Klub und keine auch noch so unschuldige Verbindung von der Auflösung verschont, sobald die Polizei nur irgendwie den Namen eine« Sozialisten unter den Mitgliedern entdeckte. Auch an HauSsuch- ungen fehlte e« nicht, und da unsere hiesigen Genossen e« nicht gewohnt waren, sich auf den Besuch der Polizei vorzubereiten, so fiel derselben mancherlei— Fahnen rc.— in die Hände, was sie eigentlich nicht hätte zu sehen brauche». Adch an Verboten von periodischen und nicht periodischen Zeitschriften hat es nicht gefehlt-, so wurde hier da« un- schuldige Petroleum-Lied von Jakob Audors jun. verboten. Doch diese« letztere Verbot scheint die Polizei selbst genirt zu haben, denn bi« heute hat sie e« unsere« Wissen« unterlassen, dem Verleger diese« Verbot zu- zustellen. E« ist die« auch nur zu erklärlich, wenn man weiß, daß da« Gedicht nicht« weiter al« ein von Humor und unschuldigem Witz spru delnde» Kneiplied ist. Im Uebrigen muß man e« der hiesigen Polizei lassen, daß sie sich gegenüber der Polizei in dem benachbarten preußischen Altona und anderen Orten verhältnismäßig anständig benimmt. Das ekelhafte Spionagesystem kennt man hier nicht und ebenso wenig erlauben sich die Beamten bei Haussuchungen:c. Rohheiten, wie sie von anderwärt« berichtet werden. Die Folge dieses bi« zu einem gewissen Grade noblen Benehmen« der Polizei ist nun aber eine ganz merkwürdige. Unsere Genossen wollen sich nämlich von der Polizei nicht übertrumpfen lassen und so meiden sie denn theilweise mit einer wahren Aengstlichkeit jede Parteithätigkeit, um— der verehrlichen Polizei keine Ver- legenheit zu bereiten! Man sollte e« kaum für möglich halten, aber e« ist thatsächlich so. Ein großer Theil unserer Genossen besteht nämlich steif und fest darauf, daß„unsere Hamburger Polizei" nicht„so schlecht sei" und daß sie nur von Berlin au« getrieben werde. Um aber den Berlinern nicht die Freude zu machen, der hiesigen Polizei einen Vorwurf machen zu können, plaidiren diese Genossen für mög- lichste« Ruhigverhalten. Daß diese Thatsache eine besonder« erfreuliche wäre, möchten wir nicht gerade behausten; aber eine Aenderung läßt sich leider nicht so schnell als wünschenSwerth herbeiführen.— Daß der bisherige Vertreter de« II. Hamburger Wahlkreise«, der Zünstler Bauer, sein Mandat niedergelegt und wir sonach eine Neir wähl zu bestehen haben, ist Ihren Lesern bereit« bekannt. Bauer, welcher seinerzeit al« Kandidat der Ordnungspartei sich zum Freihandel be- kannte, lieb sich durch einen Händedruck von Bismarck bestimmen, für die Schutzzölle zu stimmen. Die Folge war, daß Bauer bei dem ganzen Ordnungsmischmasch, der ja hier ausschließlich freihündlerisch ist, in Miß- kredit kam und daß er schließlich bei den letzt stallgehabten Bürgerschaft»- Wahlen, wo ihn seine„Handwerksbrilder" al« Kandidaten ausstellten, jämmerlich durchfiel. Wann die Wahl stattfindet, ist noch nicht be- kannt; schwerlich wird sie vor Mitte Mai angesetzt. Wer von unserer Seite al« Kandidat aufgestellt wird, ist noch nicht entschieden, wahr- scheinlich wird e« der frühere Kandidat de« Kreise«, G. W. Hart- mann, sein. Ueber die Wahlaussichten läßt sich wenig sagen; möglich wäre c« immerhin, daß wir siegen, allzugroß ist indeß die Hoffnung in unseren Kreisen nicht. Ein Slrike, der so recht die Brutalität unserer Kapitalistenklasse zeigt, ist mit Anfang dieser Woche in der Druckerei de«„Korrespondent" und der„Börsenhallc" ausgebrochen. In dieser Druckerei sind Arbeiter be- reit« seit 30 und 40 Jahren, einige sogar schon über 45 Jahre beschäftigt. Vor ein paar Wochen wurde nun ein neuer Leiter angestellt, welcher sein horrende« Gehalt, 7500 Mark, dadurch herauszuschlagen sucht, daß er dem gesummten Setzerpersonal einen Lohnabzug bi« zu 15 Prozent zumulhete. Die Setzer, 57 an der Zahl, haben darauf jämmtliche die Arbeit niedergelegt und die beiden Blätter müssen nun durch Pfuscher fertig gestellt werden, welche der neugeworbene technische Leiter au« allen Windrichtungen zusammen geholt hat. Diese» brutale Verfahren der Besitzer der Druckerei wird dadurch besonder« illustrirt, daß da« Geschäft in diesem Jahre sein ISOjührige» Jubiläum feiert. Daß der Strikc seitens der Geschäftsleiter hauptsächlich nur deshalb pro- vozirt wurde, um die alten Arbeiter lo« zu werden, ist hier ein öffentliche« Geheimniß und beweist eben wieder einmal recht tref- send, wa« e« mit der„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit" auf sich hat. Die Harmonie existirt eben nur so lange, al» die Arbeiter sich geduldig ausbeuten lassen und vor Allem, so lange sie auch noch die Kraft haben, um ausgebeutet werden zu können. In den letzten Tagen hatten wir hrer und aus dem Landgebiet eine große Anzahl von Haussuchungen. Die Polizei suchte, auf Requisition der Altonaer Staatsanwaltschaft, Exemplare de«„Sozialdemokrat". Ge- sundeu wurde nicht«. Sonst wäre nur noch zu melden, daß sich hier eine kleine Kliqne vo» Stänkern befindet, welche e« sich zur Lebensausgabe gemacht zu ha- den scheinen, den Frieden und die Einheit unter den Genossen zu stören. Leider befinden sich darunter auch ein paar Genossen, von denen man, in Folge ihrer früheren Stellung in der Partei, Bessere« erwarten sollte. Daß e« übrigen» keine prinzipielle Opposition ist, welche diese Herrn machen, geht wohl am besten darau« hervor, daß sie sich zu gleicher Zeit an die Most'sche„Freiheit", an die Findel'sche„Bolksztg." und au die hiesige„Tribüne"(ein Bordellblatt, da» kein anständiger Mensch in die Hand nimmt) wandten, um da ihre Stinkbomben lo« zu werden. Die„Tribüne" hielt sich indeß für zu gut, um diesen Leuten die Spalten zu öffnen, Findel prostituirte sich dagegen; wa» Herr Most getha», wissen wir nicht, da un« die letzten Nummern der„Frei heit" no» nicht zu Gesicht gekommen sind. Hoffentlich zwingen un« die Herren nicht, un» noch öfter und in ernsterer Weise mit ihnen zu beschäftigen. — 6t— München, 12. März. Ein Beweis, daß unsere Sache immer mehr an Ausdehnung und Popularität gewinnt, ist, daß die Gesellschaftsretterin Polizei ärger denn je mit uns zu thun hat, freilich ohne dadurch irgend welche Erfolge zu erzielen. So hielten e« die Spürhunde in den ersten Märztagen für nöthig, Tag und Nacht zu suchen, bei welcher Thätigkeit sich allerdings der Bibelspruch nicht bewährte:„Suchet, so werdet Ihr finden". Die Kerle kamen bei dieser undankbaren Arbeit sogar bis weit über den Burgfrieden unserer Stadt, bis Bogenhausen, in den englischen Garten hinunter. Da sie nun aller Mühe ungeachtet kein« Sozialisten erwischen können, so scheine» sie nach dem Sprüchwort: Wenn der Teufel keinen Braten hat, frißt er Fliegen— ihren Grimm nun an gänzlich unschuldigen Leuten auszulassen. Vor einigen Tagen wurde auf Grund einer Denunziation bei einem Lehrer in dem benachbarten Dorf Ncuhausen' eine Haussuchung gehalten, in welcher einige sozialistische Schriften gefunden worden sein sollen, welche der Mann aber(wenn e« sich wirklich so ver- Hälft nur zum Studium gehabt haben kann, da er un« vollkommen mibe- kannt ist und wahrscheinlich eher zu unseren Gegnern gehört. Trotzdem wurde er von der Kreiiregierung sofort seines Dienstes enthoben. — Die jüngsten Reden unserer Abgeordneten Bebel und Vahlteich haben hier allgemein befriedigende Zustimmung hervorgerufen. — Dresden, 10. März. Gestern ist endlich der seit langem spielende und im Juli v. 2«. mit der Verhaftung mehrerer Genossen und Bescklag- nähme großer Mengen von Schriften, Briefe ic. begonnene Sozialisten- prozeß beendigt worden. Auf die ansänglich gehegte Hoffnung, eine Haupt- und Staatsaktion daraus orrangiren zu können, hat die Regierung freilich fthon längst verzichten und u. a. auch zwei Mitangeklagte schon vor vielen Wochen wegen völligen Mangel« an Beweisen außer Anklage setzen müssen. Angeklagt waren die Genossen Kaufmann Schuster, Redakteur Kegel und Expedient Schlüter wegen angeblicher Verbreitung verbotener Schriften. Schuster sollte an seinen Freund Kaufmann Goldstern eine Nummer der„Freiheit" gegeben haben, Schlüter wurde de« Verkauf« verschiedener aus Grund de« Sozialistengesetzes verbotener Schriften beschul- digt, der in der Expedition der jetzt verbotenen„Dresdner Presse" vor sich gegangen sein sollte, und betreff« Kegel'« wurde angegeben, er sei ver- dächtig, an diesem Verkauf Theil genommen zu haben, weil— er al« Re- dakteur de« genannten Blatte« in dem neben der Expedition gelegenen Zimmer beschäftigt gewesen sei! Die Verhandlung, bei welcher„in Rückficht aus die öffentliche Ordnung" die Oefsentlich- keit ausgeschlossen war, endigte mit einem großen Mißerfolg für die Regierung, indem sämmtliche drei, von Genosse Frey tag I. vertheidigten Angeklagten freigesprochen wurden. In den Entscheiduna«gründen ist von prinzipieller Wichtigkeit, namentlich für die Leser de«„Sozialdemokrat", der Punkt, daß e« nicht al« Verbreitung im Sinne de« Ge- setze» anzusehen sei,»e» man einem Ireanlf ei» Cxemyln einer verbotene» Zeitschrift znr lebtnre»idt, sondern»iß erst da««i»dri»»e« de» verbreitete» Sdjent« in größere Kreise resp. in die SeffentUchdeit dir Straf. dorbeit bedinge. Diese Definition stimmt auch mit einem Kommentar de« SeneralstaatSanwalte« Schwarze überein. Die Regierung dürfte einen solchen Ausgang kaum erwartet haben und von ihm wenig erbaut sein. — Weimar, 5. März. Wenn seit dem Bestehen unsere« neuen Partei- organ« bis jetzt kein Bericht über hiesige Parteiverhältnisse eingesandt wurde, so ist das kein Beweis, daß hier eine Stagnation in der Bewegung ein- getreten wäre; im Gegentheil, die Genossen find sich bewußt, daß e< bei der reaktionären Hochfluth mehr als je geboten ist, aktiv zu sein, ohne die gebührende Taktik außer Auge zu lassen. Denn auch auf unserem klassischen Boden gibt e« wie überall im Reiche der„Gottesfurcht und frommen Sitte", wo sich alle«„so herrlich gestaltet", Briefdiebe, Postspitzel und ähn- liche» Gelichter. Einige Nummern de»„Sozialdemokrat" find den Häschern in die Hände gefallen und wurden dieserhalb zwei Genossen polizeilich ver- nommen, wobei e» vorläufig sein Bewenden hatte. Am 3. d. Mt«. kam ein Packet von Leipzig an einen hiesigen Genossen zur Beförderung an einen hier ebenfalls wohnenden Geschäftsmann. Der schuftigen Neugierde gewisser„Beamten" war e« zu verdanken, daß da« sehr solid gepackte Packet an einer Ecke vollständig zerrissen war. In derselben Weise waren im vorigen Sommer einem hiesigen Genossen mehrere Jahrgänge der„Neuen Welt", welche gebunden, mit dem Namen de« Besitzer« versehen und in je einem Exemplare vorhanden waren, weggenommen worden; alle» Reklamiren auf Herausgabe de« Eigenthums blieben erfolglos.— Aerger als durch solche Machinationen kann da« Eigenthum nie in Frage gestellt werden; würden e« andere als Sozialdemokraten sein, welche so fchamloS enteignet werden, der deutsche Spießbürger würde noch um eine Gäusehaut bereichert, aber so ist er„ruhig und sriedlich", eingedenk seiner pietätsvollen Tradition, die ihn dazu verpflichtet, die von„Gott" eingesetzt«„Ordnung" zu respektiren. Neber den Nothstand in Thüringen haben Sie bereit« referirt. Die Betroffenen, deren Zahl eine enorme ist, thetlen ihr traurige« Loa« in allen seinen Konsequenzen mit den armen Oberschlesiern. Oberschlefier? Al» wenn nur diese Distrikte Deutschland« von HungerSnoth betroffen wären. Sachsen, Berlin ic. ,c. liefern ebenfall« ihre Kontingente als mahnende« Zeugniß, wie nothwendig e« ist, bald mit den fluchenSwerthen Einrichtungen aufzuräumen. HungerSnoth, Arbeitslosigkeit, Steuererhöhung, mehr Militär (natürlich mehr für den innern al« äußeren„Feind"), Knebelung jeder freien Regung im Volke— wie lange wird da« Volk der Denker und Dichter diesem Treiben ruhig zu sehen? Aber freilich ist da« Maß der Sünden noch nicht voll; der Deutsche ist nirgend« größer, al« in Lang- müthigkeit, und deshalb kann die herrschende Klaffe Deutschland« mehr sündigen al« in verschiedenen anderen Läuderen, ohne daß die Masse de« Volke« sein kräftige« Halt ertönen läßt. Glücklicherweise mehren sich die Sünden der„Männer" für„Ordnung und Recht" in Deutschland von Tag zu Tag, weshalb ihre Existenz nur noch von kurzer Dauer sein dürfte und ihre Tage gezählt sind. Die Reaktion muß immer weiter schreiten auf ihrer verhängnißvollen Bahn, bi« sie auch dem un« noch fernstehenden Theil de» Volke« unerträglich wird und dieser, seine passive Rolle aufgebend, zu nn« kommt und mit un» gemeinschaftlich den Schmarotzern der Menschheit ihr Treiben endigt. Wenn diese Taktik befolgt wird, kann unser Sieg nicht fern sein. Deshalb wurde auch der Rechenschaftsbericht unserer Abgeordneten van den hiesigen Genossen freudig begrüßt; die darin enthaltenen Gründe für diese Taktik find korrekt und werden auch nach und nach von jenen al« richtig erkannt werden, welche noch theilweise schmollend im Winkel stehen. A propo«, wegen der Diebesbande bei der deutschen Post: die Diebe sind hungrig; spielen Sie daher diesen Leutchen etwa«„Nahrhafte«", z. B. trichi- nöse« Fleisch, verdorbenen Käse ic. ,c. in die Hände; denn von oben bekommen die Diebe für ihren Diebstahl anscheinend wenig.— Von hiesigen Genoffen, desgleichen von denen in Legefeld, Gelmeroda, Oberringen, Berka ic. briider- liche Grüße. Vergißmeinnicht. — Au« Süddeutschland, 5. März. Roch den Zeitungsberichten soll Genosse Bebel in der Debatte über die Militärvorlage im Eingange setner Rede eine Erklärung abgegeben haben, die etwa folgendermaßen lautete:„Wenn da« deutsche Gebiet von einem auswärtigen Feinde angetastet oder angegriffen wird, wird auch die deutsche Sozialdemokratie bei der Vertheidigung mitwirken." Diese Erklärung, wenn sie so ohne jede wettere Bedingung abgegeben worden wäre, könnte nur al« subjektive Mei- nung unsere« Parteigenossen betrachtet werden; in Parteikreisen ist man mißgestimmt über diesen Theil der Bebel'schen Rede.*) E« kann ja dahingestellt bleiben, ob e« parlamentarisch erforderlich war, die Betheili- gung oder Richtbetheiligung der Partei qn einem VertheidigungSkriege zur Sprache zu dringen; zu einer rückhaltlosen Aeußerung über gewisse Punkte ist ja die Reich«tag«tribllne nicht gerade der zweckmäßigste Ort. Wenn aber da« Thema berührt werden mußte, so hätte unser Vertreter e« in einer anderen Tonart thun mögen. Er hatte etwa sagen können: „Wenn Sie ein starke« Land, wenn Sie in demsclben opferwillige Bürger haben wollen, dann streben Sie vor Allem dahin, die Lage der nothleidenden Klassen zu einer menschenwürdigen zu machen, dann heben Sie jene Gesetze auf, welche die Ration in zwei Heerlager scheiden: in Unterdrücker und Unterdrückte. Rur freie, glückliche Bürger haben den wahren Muth, ihr Gut und Blut für die Vertheidigung ihre« Lande« einzusetzen, wenn die Roth ruft. Sklaven und Unterdrückte haben kein Vaterland, sie haben nur eine Geburtsstätte und e« kann ihnen sehr gleichgültig sein, wer in derselben schaltet und die Peitsche schwingt. Sie haben für Millionen von Deutschen einen Zustand der Aechtung und Rechtlosigkeit geschaffen; Sie haben den deutschen Arbeiter faktisch durch Ihre AuSnahmegesetzgebung, durch Ihre Kizirung der Polizetwillkür in eine Lage versetzt, die um wenig besser ist, als jene der christlichen Rajah unter der Herrschaft der OSmanli. Diese Schwächung der innern BolkSkraft kann nicht durch Vermehrung der Bataillone ausgewogen werden. Geben Sie dem Volke Freiheit, gewähren Sie ihm die Mittel, an der Verbesserung seiner Lage zu arbeiten— dann wird ganz Deutschland ebenso opfersreudig zur Vertheidigung der Grenzen fiä, erheben, wie die freien Männer Frankreich« im Jahre 1793." Rur in solcher Weise hätte unser Abgeordneter an jener Stelle al« da« Echo der Partei gehört werden dürfen. Wie, wir. die Verfolgten und Ge- hetzten, die Geächteten und Rechtlosen, wir sollten freiwillig mitwirken an einem Kampfe, der nur die längere Dauer unserer Kitten zur Folge hätte? Wie wurden die Opfer de« Volke« in den Jahren 1818—1815 belohnt? Mit den Karlsbader Beschlüffen, mit der ZentraluntersuchungSkommisfion, mit Kerker für jede« freie Wort. Und 1870 dasselbe Spiel. Und wir sollten so bodenlo« thöricht sein, um sehenden Auge« abermal« in die Falle zu rennen? Wir sollten freien Willen« da« deutsche Reich«zuchlhau« und dessen Zuchtmeister mit unserem Blute vertheidigen helfen? Wenn wir unsere Rücken der Knute darbieten müssen, kann e« un« ein Unterschied sein, ob dieselbe von deutschen oder nichtdeutschen Händen geschwungen wird? Wir sollten all die seit Jahren erduldeten Mißhandlungen mit einem Schlage wegwischen? Vergessen die Ausweisungen, die Verhaftungen ohne Recht und Urtheil, vergessen die Hungerpeitsche, vergessen die Konfi«kationen, ver- gessen die Mundtodtmachung, vergessen allen blutigen Hohn und Spott der Gewalthaber? Nimmermehr! Mögen jene da« Land und die StaatSein- richtung vertheidigen, die sich im Genüsse aller Privilegien befinden; un«, die Unterdrückten und Rechtlosen, spornt Nicht« dazu an. E» ist undenkbar, daß der au« Dresden ausgewiesene„Vagabond" Käyser und der in Elber- feld rechtlos eingekerkerte Hasse lmann ihre Leiber zum Bollwerk her- geben sollen, um den wackeren Polizisten und Richtern Schutz vor dem Feinde zu bieten. Bismarck« Reichshnnd Rero mag ihm die Hand lecken, von welcher er die Prügel empfangen: die deutsche Sozialdemokratie be- wahrt sich ihr Gedächtniß und wartet schweigend und aufmerksam ihre Zeit ab! •) Wir halten ei für voreilig, über etwa»„mißgestimmt" zu sein, worüber man gar nicht» Genaueres weiß und was lediglich nach Berichten der gegnerischen Presse geschehen sein soll. Wir find leine AutoritiltSanbeter, aber wir meinen denn doch, daß die GestnnungStreue eine» Bebel bis zur Entscheidung der Lache bei Lo- zialdemolraten mehr Kredit haben sollte, al« bie Behauptung eine« beliebigen Bour- geoiSblatte«. Da wir indessen nicht den Sensor spielen wollen und un« die Intention de« B-rsasser« eine sympathische ist, geben wir der Einsendung nicht« desto weniger Raum: enthalten un» auch— um so mehr, al» un» der stenographische Bericht der Rede nicht zur Hand ist— jeder Bemerlung, da unser Genosse Bebel zweiseliohn, selbst die Antwort nicht schuldig bleiben wird. D. Aed, -1 Aus Franken, Anfang« März. Der Winter geht zu Ende, der ärgste Feind de« armen Bolke«»V auskommen sollen? Man sagt zwar, daß Angesicht« de« Kampfes««f Muth und Kampfbegierde wachsen, daß dann die alte Opferwilligkeit r glänzend dokumentiren werde. Da« hat wohl etwa« für sich. Allein sollte un« doch nicht abhalten, jetzt schon die WahlfondS-Orgamsatiou»' jedem Orte energisch an Hand zu nehmen. Freilich klagen die besser»« (und damit meineich nicht etwa gerade die besser situirten, obwohl geleugnet werden soll, daß diese Letzteren seit Erlaß de» AuSnahmeges-p« stark in Anspruch genommen wurden) Parteigenossen, daß z. Z. Ali« an wenigen Einzelnen hängt, daß die große Masse der Gesinnung genossen finanziell fast gar nichts thut, während die regelmäßig miteinau»« verkehrenden, den engeren Parteioerkehr vermittelnden Genoffen über bühr in Anspruch genommen werden. Mit Recht wird diese Klag» i'' führt, aber die Klagenden find, abgesehen von der großen Arbeit«-«« Verdienstlosigkeit, selbst zum Theil mit daran schuld, weil fie keine erw»" terte Organisation schaffen. Jetzt, wo man genau weiß, wie weit sich«« jedem Orte die Polizeifänge ausstrecken, wo man die Spitzel und minder die„faulen Brüder" in den eigenen Reihen kennt, sollte da» S««« mein in den Werkstätten und Stammkneipen eifriger betrieben werd»«' Es fehlt nur meist an Einem, der die Sache anregt. Ist die 9»' r-gung gegeben, dann macht sich in den meisten Fällen der weitere# lauf spielend. Also vor allen Dingen da« Bezirks-Vertrauensmänner-W»!»« besser kultiviren! Vorsicht, große Vorsiebt ist natürlich nöthig-«« mit nicht der Ertrag der Sammlungen für Strafen und Gericht»� wieder zum Teufel geht. Auf alle Fälle möchte ich durch diese Zeilen Anregung zu lebhafterer Thätigkeit, überall da, wo-» nöthig«'- gegeben haben. Ü • i# »b Briefkasten der Redaktion. II. Sekt. London. Für diese Nr. zu spät nächster. Gruß. der Expedition. Anselmu«: Bf. per 11. d«. avisirt, erst am 15- gegangen. Weitere« durch Ag.— H— y— lin M. 2.50, nicht M. 3,— J! Bfm. erhalten u. 1—11 abges. Brf. v. 16. ds«. hier.— x Mm. Nr. 11 Ersatz 4, 5 u. 6, je 10 abges. an neue Adr. M. 2,— verwend»'- Dank.— I. Z. Lttch. Fr. 2,50 erh. Lfrg. im Gange.— W.®- P. K. hier, haben stet« genau»ach Wunsch disponirt. Mehr unmöglich-"' Paul— che».- Bf. v. 11. ds. u. Fr«. 64,— durch Cz. hier. R. B. mit 11 M Auch der„Bewußte" kam keusch in unsere Hand; möglich, daß wir>'« irgend weiter dirigiren.— R. N.—«dn: Fr. 28,75 hier, auch Bf. v. ll d«. erh. u. am 15. erwiedert. Sehen etwa« zu schwarz in diesem Fall. 3; Natürlich bezieht die Reichsbüttclci theit« durch hiesige Bchhdlr., Geld ist auch kein Blech und wir erhalten« um so— reinlicher.— � M. 10,50 für V. hier. Beilage abgeliefert. Alle« besorgt.— Wolkenkuku?' heim: Nachschub erhalten.— B— r. U.: Da wir'« nicht liefern, haben«, Avis an den vermuthlichen Absender geschickt. Recht nette Praktiker, Ä? „Schnappaus's". Berichten Sie bald.— Tz- Brffl: Bf. erhalt. Beilage«»' Fr. 20,— richtig. Keine Annonce vorgefunden. Flgsch. noch in Arb»'« Brutu« momentan ausgegangen.— Barba: Bf. v. 16. n. hier. 10 W, am 8. an Peter gegangen. Frage bei ihm an, wenn noch immer Nachrichte» erwartet. Tante demnächst erlöst. Tobten von Afdf. gelöscht-� L. R. L. Mk. 7,20 Schrft u. Ab. erh. Sdg folgt. Also doch den gefunden?— Durch uns, sowie durch die Volksbuchhandlung Hottingen-Züri� ist zu beziehen: Jahrbuch für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. Herausgegeben yon Dr. Ludwig Richter. I. Jahrgang. I. Hälfte, gr. Octav 20 Bogen stark, broch. P'«1' für Arbeitervereine nur Fr. 3. 50(im Buchhandel Fr. 4. 50)- Expedition des Sozialdemokrat- Schweiz. BereinSbuchdrackerei Hottingen-Zilrich.