Hrschnat W Schentlich****** in Aurich(Schweiz) Pttltg «. Herter, Zndustri«haUe Zii-idach-Zirich Di»se»d»il»ti harnt« gegen ftanco. Bewdhnliche Briese nach der Schweig tosten Doppelporio. Der KoMemckrat Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Abauuemeuts werden««r beim Lerlng und beste» belannten Agenten ent- gegengenommen und ,war zum »«»««» zahlbaren «ierteljahriprei» von: Kr. 2.— für die Schweiz Ml. 3.— für Deutschland< st. 1. 70 für Oesterreich(öouoert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Linder de» Weltpostverein». Die dreigespaltene Petitzeile 25 Sil.= 20 Pfg. R? Ii Sonntag, 4. April. 188«. Ali» all die Kirrespilldellte» ll»d Akllllelltei de«„Sojiildt«»kr»t". BedBrd.i. Bi0.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland al» auch in Oesterreich verboten ist, bezw verfolgt wird und die dortigen »«k vue Müde geben, unsere Berbindunaen nach jenen Ländern möglichst>u erschweren, resp. Briese von dort an UN» als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. d-sten Berlag selbst adresstren, sondern stch möglichst an irgendeine unverdächtige «dreste außerhalb Deutschland» und Oesterreich» wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung seht; anderseit» aber, daß auch NN» möglichst unversängliche Zustellungiadresten mitgetheilt werden. Zn zweifelhaften Fällen empfiehlt stch behus» größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um teoh aller ent- gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat" unser» Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Was thun? Neue Folge. I. Es ist ein Verdienst unserer Gegner, der deutschen Regierung >hr zustimmenden deutschen Bourgeoisie, daß sie die b in dem zwischen der alten Welt der Klassen- �rnchast und der neuen des Sozialismus entbrannten Kampf, zründliche Umgestaltung der Staats- und Gesellschaftsorgani- d m't e'nem Wort, d er sozialen Revolution durch a"iusnahmegesch gegen die Sozialdemokratie in Zusammenhang und i" Ästigen politischen und wirthschaftlichen gesetzgeberischen . �miniftrativen Maßregeln aus der früheren unbestimmten, Hilgen Ferne uns schnell nahe gerückt hat. Vor dem Ausnahme- s.s. �chle man innerhalb der deutschen Sozialdemokratie nur Nack" �en Äkitpunkt des künftigen Entscheidungskampfes ach, und wenn es geschah, so gingen die kühnsten Hoffnungen '»g unter ein Menschenalter herunter. Heute hat sich das Mündlich geändert; heute handelt es sich höchstens um "<-ustrum*°) mehr oder weniger, und alle Anz eichen *uten darauf Hin, daß der Zeitpunkt der Erlösung % er �en hundertjährigen Jahrestag der großen �olution wenig hinausliegen dürfte. ."'ß es denn die Pflicht, die dringende Pflicht aller Sozialisten, 1 allen Kräften dafür zu wirken, daß uns der unausbleibliche �""pf und der ersehnte Sieg nur möglichst vorbereitet finde. 'e verstehen unter dieser Vorbereitung nicht etwa die Anschaf- nS von Waffen. Einexcrzirung der Revoliltionskämpfer%., wie im' un'tre Gegi er träumen mögen. Denn jene finden sich � gegebenen Moment leicht, während letzteres vom heutigen i'Uarstaat freundlichst selbst besorgt wird, und sich überhaupt �ezug auf den Kampf der Waffen und die gewaltsame Nieder- Nung alten Gewalt im gegebenen Augenblick noch stets w Stunden hat. bes�" nichtiger ist die geistige Vorbereitung, welche uns flast soll, den einmal errungenen Sieg für immer an unsere den f? � srsseln, der alten„Ordnung" der Dinge gründlich wid i" machen und die Herrschaft des Sozialismus un- �.�stich zu machen. Welche politischen und ökono- .'Ichen Maßregeln hat der siegreiche Sozi alismus r. etPtn Moment und weiterhin zur Vernichtung .'"".Gegner und Befestigung seiner Herrschaft, � � glichst schnellen und gründlichen Umgestaltung Staates und der Gesellschaft im sozialistischen nickt" � ergreifen? Das ist die wichtigste Frage, welche 0't genug und nicht früh genug besprochen werden kann. statt" en �'len finden bereits seit Längerem darüber Debatten voll' nt�en �lclem Unbrauchbaren ist auch mancher werth- wärt« �a9 ausgetaucht, der verfolgt und mit ähnlichen ander- aell �lstandenen verglichen und schließlich zu einem System wi?b» ��l>en muß. Auch der„Sozialdemokrat" hat bereits 3ßo T—'n den Nummern 9, 10, 11 und 13— das fdiih er9r'ffen und zur Aneiferung zu neuen Debattten ver- � Men Ansichten Raum gegeben, und wird das auch ein« hu". Heute beginnen wir mit der Veröffentlichung Zuerft werthvolle Anregung gebenden Artikels, welcher weJll 10 �em öon Parteigenossen herausgegebenen, sehr empfehlens- »Jahrbuch für Sozialwissenschaft"—) abgedruckt, aber dort kommy�r. �er kleinsten Zahl von Gmossen zur Kenntmß ge- g. laden wiederholt die Genossen zur eifrigen Diskussion � v'tfe wichtige Frage ein. iv®'" im Drang der Ereignisse bisher fast völlig unbeachtetes igj � welches in Absicht auf die ersten Schritte nach dem ill �. �e8 revolutionären Sozialismus vom größten Belang süst � �'e Frage: ob dir Sozialismus zur Durch- aihVt"® si'uer wirthschaftlichen Pläne in der ganzen Täie Welt resp. bei allen ökonomisch entwickelteren Ouck" Zugleich zur Herrschaft gelangen müsse, oder ob l�ein einzelner sozialistisch organisirter Staat mög- Frag: ist bisher sowol in der mündlichen Agitation— so ql» wir bekannt geworden— wie in der Presse kaum mehr einl oberflächlich erörtert worden, obwohl ihre Wichtigkeit kg. ächtend ist. In der Regel hat man sich damit begnügt, es tu« �rfcheinlikh, ja nothwendig zu erklären, daß die Umgestal- den� S l�rsellschaft im Sinne des Sozialismus gleichzeitig in Ein ��uptländern der- zivilistrtm Welt vor sich gehen müsse. �g-blich��'nd« Begründung dieser Ansicht suche ich aber ** l-ustrum= Zeitraum von fünf Jahren. von Jahrbuch für Sozialwissenschast und Sozialpolitik. Herausgegeben ersch.jv' Richter. 1. Jahrg. 1. Hälfte. Zürich 1879. Die zweite Hälfte tra?. demnächst und sind beide durch die Expedition des„Sozialdemo- 'U beziehen.(Preis je Frs. 3.50.) Ich bin nun gerade der der erwähnten entgegengesetzten Meinung. Ich glaube nämlich— und werde es nachfolgend zu beweisen suchen— daß der endliche Sieg des Sozialismus in vorerst nur einem einzelnen Staat nicht nur historisch wahrscheinlicher sei, sondern daß auch der Existenz und Prosperität des isolirten sozialistischen Staates gar nichts im Wege stehe. Keine Gefahr liegt der unzureichenden Erkcnntniß näher, als eine neu erworbene Erfahrung sofort alles anwenden, aus einer neu erkannten Wahrheit ohne Rücksiicht auf die sonstigen in Be- tracht kommenden Umstände alles erklären zu wollen. Da man das Ganze nicht kennt, hält man den Theil dafür. Diesem Fehler begegnen wir sehr häufig und zwar sowohl im gewöhn- lichen Leben, als auf dem Gebiet der Wissenschaft. Gute Ernährung z. B. ist gewiß eine wesentliche Voraussetzung der körperlichen Gesundheit, aber zu glauben, daß von ihr allein Wohlbefinden und Kraft abhänge, wie es Viele thun, ist unrichtig; denn es kommen noch eine ganze Menge anderer Dinge in Betracht, in Verbindung mit welchen das gewünschte Resultat erzielt werden kann, welche aber anderseits den Einfluß jenes Einen theilweise oder sogar ganz neutralisiren können.— Wasser ist gewiß ein vortreffliches Heilmittel, aber zu glauben, daß in ihm alle Körper- gebresten ersäuft werden können, wie zahlreiche Anhänger der Hydrotherapie meinen, ist lächerlich; das Wasser ist eben ein Heilmittel, aber kein Arkanum, und gibt es außer ihm noch viele andere Heilmittel, deren bei den meisten Krankheiten zur Erzielung einer günstigen Wirkung mit jenem zusammenwirken müssen.— Oder: Es ist sicher, daß der geologische Bau eines Landes von wesentlichem Einfluß auf das Leben des dasselbe bewohnenden Volkes sei, insofcrne er auf dessen hauptsächlichste Beschäftigung und deren Einförmigkeit oder Verschiedenheit maßgebend, auf die sonstige Lebensweise und das Klima ic. theilweise, einwirkt; die Meinung aber, daß vom Bodenbau allein der politische und soziale Zustand eines Volkes abhänge, wäre so absurd, daß ich nicht erst nöthig habe, das Gegentheil nachzuweisen. Nicht minder einseitig und unverständig verfahren aber sehr viele Sozialisten bei Beurtheilung der gesellschaftlichen Zustände und deren geschichtlicher Entwicklung. Diese Leute machen sich ihre Arbeit ungeheuer leicht, indem sie, gleichviel ob es sich um die französische Revolution oder den Untergang Karthago's, die Entstehung des Christenthums oder den Einfall Tschingis-Chang handelt, das große Wort gelassen aussprechen: alles das war und alles ist in den jeweiligen wirthschaftlichen Zuständen be- gründet!— Diese Erklärungsmethode hat sicherlich den Vortheil, einfach zu sein und zeitraubender Studien zu ersparen, im Uebrigen aber„erklärt" sie sehr wenig. Sicherlich ist es eine Wahrheit, daß die ökonomischen Verhältnisse die Grundlage aller gesellschaft- lichen und politischen Organisationen und Institutionen bilden, und daß daher jcse Entwicklung jener maßgebend auf diese ein- wirken muß. So richtig es aber ist, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse den allerschwerwiegendsten geschichtlichen Faktor bilden, ebenso falsch ist es, zu glauben, daß es sonst überhaupt keine geschichtlichen Faktoren gebe. Um die Absurdität dieser Behauptung zu erkennen, braucht man blas einen Blick auf die politischen und sozialen Zustände in den heutigen Hauptkulturländern und> besonders auf die Stellung des Sozialismus in den letzteren zu werfen. Der Sozialismus setzt unbedingt ökonomisch entwickelte Verhältnisse voraus; käme es nun auf letztere allein an, so müßte er da am mächtigsten sein, wo die wirthschaftliche Entwick- lung am größten ist. Das ist aber keineswegs der Fall. England ist sicher das wirthschaftlich entwickeltste Land; trotzdem sehen wir in ihm den Sozialismus noch eine sehr untergeordnete Rolle spielen, während derselbe in dem ökonomisch minder entwickelten Deutschland bereits eine solche Macht ist, daß sich die ganze alte Gesellschaft nicht mehr sicher wähnt und zu seiner„Ausrottung" verbündet. Ebenso wenig lassen sich die politischen und religiösen Zustände Englands, Frankreichs, Deutschlands, Italiens k. aus den ökonomischen Verhältnissen allein erklären. Die Wahrheit ist eben, daß die Geschichte kein kindlich einfaches Urväterwerkzeug ist, dessen Bau auch der Ungeübteste auf den ersten Blick begreift, vielmehr ein sehr tomplizirter Mechanismus zahlreicher ineinandergreifender Theile von zwar sehr verschiedener Größe und Bedeutung, die aber alle ihre Funktion haben. Außer dem Hauptfakior der wirthschaftlichen Verhältnisse sind noch zahl- reiche andere bewegende Kräfte thälig, welche freilich alle in kausa- lem Zusammenhang mit jenem stehen, da sie größtenthcilS direkt von ihm erzeugt, mindestens aber von ihm beeinflußt sind, daß von ihnen und ihrer Kombination die Art— sowohl nach Form, als Zeit— in welcher sich jene ursprüngliche Kraft äußert, sehr wesentlich abhängt. Diese wichtigen Faktoren sind: politische, rechtliche, wissenschaftliche, religiöse Zustände, Raceneigcnthümlich- leiten«., nicht zu vergessen auch deS individualistischen Moments, das trotz der allgemeinen Gesetzlichkeit— denn gesetzmäßig ist keineswegs gleichbedeutend mit mechanisch— im einzelnen eine größere und einflußreichere Rolle spielt, als manche Geschichtsfatalisten ihr einräumen wollen. Daß beim Zusammenwirken so zahlreicher Kräfte die Ent- Wicklung irgend einer allgemein menschheitlichen Bewegung bisher kaum in ein paar Ländern geschweige denn in allen(selbstver- ständlich zivilisirten) eine nach Zeit und Art gleichheitliche sein konnte und noch kann, vielmehr eine überaus verschiedene sein mußte und muß, ist klar. Und demselben Gesetz wird auch der Sozialismus unterliegen. Allerdings werden die politischen, religiösen w. Ueberlieferungen und Institutionen, welche seiner Ausbreitung jetzt so häufig hindernd in den Weg treten— obwohl sie ihm unter gewissen, freilich selteneren, Umständen auch förderlich sein können— im Verlauf seiner Entwicklung mehr und mehr an Einfluß auf die Entwicklung der Gesellschaft ver- lieren, bis schließlich diese zwischen den Völkern errichteten Schran- ken vollständig fallen. Aber das wird bei der großen Gewalt des Hergebrachten noch eine gute Weile dauern, und kann an die Möglichkeit der Hinausschiebung der Umgestaltung der Dinge durch den Sozialismus bis dahin im Ernst wohl nicht gedacht werden. Unter den heute und auch für die heute absehbare Zukunft maßgebenden Verhältnissen erscheint so die Annahme eines gleich- zeitigen Sieges des Sozialismus in allen Kulturländern als� schlechthin ausgeschlossen; nicht weniger und aus denselben Grün- den aber auch die, daß dem Beispiele eines sozialistisch organi- sirten Staates nothwendig sofort alle übrigen zivilisirten Staaten folgen würden. Möglicher dagegen erscheint es schon, daß der Sozialismus in zwei oder drei wirthschaftlich und auch geistig entwickeltsten Ländern annähernd zugleich zur Herrschaft gelange. Die ökonomischen Gegensätze, welche schon, heute in diesen Ländern einen hohen Grad erreicht haben, spitzen sich täglich mehr zu, Kapitalmonopolisirung und Massenverarmung machen rapide Fort- schritte. Angesichts dessen wenden sich die enterbten Völker mehr und mehr von den politischen und religiösen Velleitätcn, welche ihre Aufmerksamkeit und Kraft bisher so sehr von dem Haupt- ziel abwandten, ab und dem einzig rettenden Sozialismus zu, der sie organisirt und in ihrem Fühlen und Denken einander nähert. Gegenüber diesen täglich wachsenden Massen, die durch keinen Autoritätsglauben mehr von dem Streben nach den ma- teriellen und ideellen Gütern zurückgehalten werden, müssen die herrschenden Klassen zu immer neuen physischen UnterdrückungS- maßregeln schreiten, auch da, wo solche bis jetzt nicht beliebt waren. Bei solcher Gleichheit des Elends— und je weiter wir uns das Ende der heutige»„Ordnung" hinausgerückt denken, desto mehr wird sie eintreten— und allgemeiner Spannung kann dann allerdings die Bewegung, durch irgend ein das Maß übervoll machendes Ereigniß in Fluß gebracht, mehrere Völker zugleich erfassen. Ich sage, das ist möglich. Es wäre es aber auch nur dann, wenn die genannten Umstände auch wirklich einträfen und zwar nicht nur im Allgemeinen, sondern auch in vielen Einzel- heilen, welche zur wirksamen Kooperation nöthig sind; das aber ist aus dem angeführten Grunde der so überaus verschieden- artigen Entwicklung der Völker um so unwahrscheinlicher, je näher wir unL den Zeitpunkt der Umgestaltung denken. Ein einziger vorurtheilsloser, nicht durch Wünsche getrübter Blick auf die ge- nannten Länder genügt, um sich von dieser Unwahrscheinlichkcit zu überzeugen. Auf alle Fälle aber darf der praktische Politiker — und die Gegner sehen schon jetzt ein und werden später noch mehr einsehen, daß wir keineswegs so„unpraktisch" sind, als sie bisher glaubten— keine solch optimistischen Kalküls machen, sondern nur die sichersten Posten(und seien ihrer noch so we- nige) anschreiben— sonst steht seine Rechnung auf schlechten Füßen. Damit wären wir also auf den isolirten sozialistischen Staat gekommen, von dem ich nachgewiesen zu haben glaube, daß erzwar nicht das allein Mögliche, aber das Wahrschein- lichste ist.») Indem ich nun dazu übergehe, die Existenzfähigkeit des isolirten sozialistischen Staates zu untersuchen, sehe ich von einer Erörterung der Art und Weise, in welcher der Sozialismus in diesem Staate zur Herrschaft kommt(resp. kam), absichtlich gänzlich ab, obwohl Reflexionen über dieses Thema nicht nur in jeder Beziehung sehr interessant wären, sondern auch bei der Neuorganisation des Staatswesens der Weg, auf welchem man zu ihr gelangt, selbstverständlich von gewichtigem Einfluß ist. Wollte ich aber alle die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten: den allmäligen friedlichen Uebergang von dtr alten in die neue Ordnung, oder die in Folge langer Zurückhaltung plötzliche und damit rücksichtslosere Umwälzung oder die verschiedenen zwischen beiden denkbaren Abstufungen, den früheren oder späteren Zeit- *) Wir können uns hier mit dem Verfasser nicht mehr ganz einver- staiideu erklären, sind vielmehr der festen Neberzeugung, daß eine siegreiche soziale Revolution in Einem Staate bald die Hauptländer Europa'« oder doch des Kontinents mitreißen wird. Jedenfalls kann die Umwälzung in einem der beiden Hauptländer, Deutschland und Frankreich, nicht ohne entscheidenden Einfluß ans das andere bleiben. Uebrigens bemerken wir, daß der Artikel noch vor dem Ausnahmegesetz entstanden ist, also unter Verhältnissen, welche heute— wie schon bemerkt— wesentlich verändert sind. D. Red. Punkt der Umgestaltung zc. in Betracht ziehen, so würde ich mich in Einzeluntersuchungen verliere», was meinem Willen vollständig ferne liegt. Meine Absicht ist vielmehr, die wesentlichen Be- dingungen, welche mir für den Bestand des isolirten sozialistischen Staates, seine ökonomische Organisation und sein Verhältniß zu den übrigen, nicht sozialistisch organisirten Staaten maßgebend erscheinen, so allgemein als irgend möglich zu fixiren — mit der einzigen Voraussetzung, daß ich als Zeitpunkt der Organisation dieses ersten sozialistischen Staates nicht eine in nebelhafter Ferne liegende Zukunft, sondern einen der Existmz- Möglichkeit heute Lebender erreichbaren Termin im Auge habe. Der Darwinismus und die Revolution. Kalt und vornehm haben die Hauptvertreter des Darwinismus in Deutschland: Häckel, Hellwald, O. Schmidt, Jäger(der famose „Seelenriecher") u. A. von dem Volke, diesem„unreinen und fatalen Absätze" der Gesellschaft sich abgewendet und ihre Hände rein gewaschen, indem sie laut und feierlich erklärten, der Dar- winiömus sei eine aristokratische Lehre, die den Demokraten, resp. Sozialdemokraten auch nicht die geringste Handhabe biete, auS ihr Kapital für ihre„wahnwitzigen",„bodenlos widersinnigen" u. s. w. Lehren zu schlagen. Gönnen wir diesen„Herren"— als Geistes aristokraten sind sie uns immer noch lieber als als Geburtsaristokraten— ihren„hohen" Standpunkt; ich sage noch mehr: um der hohen Verdienste willen, welche sie sich um die Wissenschaft, d. h. um die Menschheit, welche ja nicht blos aus den„oberen Zehntausend" besteht, erworben haben, verzeihen wir ihnen ihre aristokratischen Schwächen und Schrullen. Prü- seit wir dagegen kalt und objektiv, ob eine Lehre, welche, wie die Lamark. Darwinsche Deszedcnztheorie, die ganze Wissenschaft revolutionirt und umgewandelt hat, spurlos an den sozialen und politischen Einrichtungen der Gesellschaft vorübergehen kann, oder ob dieselbe auch auf diesem Gebiete eine„Revolution", d. h. eine Umgestaltung, in manchen Fällen vielleicht sogar eine Ver- nichtung alter liebgewordcner Einrichtungen mit unerbittlicher Konsequenz herbeizuführen berufen ist. In der That wissen die Gegner des Darwinismus sehr wohl, warum sie Gegner sind, und es ist kein bloßer Zufall, daß heute, da die Wissenschaft die neue Lehre längst als die einzige überhaupt mögliche wissenschaftliche Hypothese von der Begreiflich- keit der organischen Natur anerkannt hat, ihre Gegner sich Haupt- sächlich aus konservativen Kreisen rekrutiren, aus denjenigen Gesellschaftsklassen also, welche ein Interesse daran haben, daß die „göttliche Wcltordnung", wonach Millionen Menschen nur ge- schaffen sind, damit einige wenige von ihrem Schweiß und Blut sich mästen und gütlich thun können, so lange als möglich erhalten bleibe. Unaufhaltsam jedoch vollzieht sich der Uebergang von einer alten Weltanschauung zu einer neuen; altgewohnte Einrichtungen, auf die Bedürfnisse früherer Zeiten gegründet, brechen zusammen, neue treten an ihre Stelle. Mehr denn je tobt heute jener Kampf deS Bestehenden mit dem Werdenden, jenes Ringen der christlich- feudalen Welt mit der auf neuen gesellschaftlichen Gedanken und Idealen ruhenden Zukunft und die Erkenntniß der Abstammung des Menschen und seiner Stellung in der Natur ist der letzte und entscheidende Schlag, den die mittelalterlich-mönchischen An- schauungen erhalten. Mit unerbittlicher Schärfe zerstört der Darwinismus sowohl den Glauben an einen allmächtigen Schöpfer, als auch den Glauben an eine unsterbliche Seele und eine Fortdauer nach dem Tode. Diese Erkenntniß, einmal durchgedrungen und zum Gemein- gut de« Volkes oder wenigstens des größten Theils desselben geworden, sollte sie nicht eine totale Umgestaltung des sozialen und politischen Lebens herbeiführen? Eine Bettachtung der Grund- lagen unserer heutigen Gesellschaftsordnung wird uns diese Frage klar und deutlich, beantworten. Um über die Menschen in dieser Welt besser schalten und walten zu können, erdichteten die Diener deS Aberglaubens einen zukünftigen Aufenthaltsort, woselbst diejenigen, die sich hier ihren willkürlichen Gesetzen gebeugt, Belohnung, diejenige» dagegen, welche sich widersetzten, Bestrafung erwarte. Statt dem Menschen Trost zu gewähren, statt seine Vernunft zu bilden und ihn zu lehren, sich der allgemeinen Nothwendigkeit zu fügen, war die Religion immer nur darauf bedacht, ihm den Tod bitterer und sein Joch schwerer zu machen. Im Glauben an die Verheißungen der Religion nährte der Eine eine schwärmerische Begeisterung, während der Andere durch ihre Drohungen in unwürdiger Furcht dahinlebte; die leider so verbreitete Meinung, als sei dies gegen- wärtige Leben nur der Durchgangspunkt zu einem zukünftigen, weit wichtigeren, hatte den ungeheuren Nachtheil, daß die Men- schen darüber ihre gegenwärtigen Lebensintercssen vernach- läßigten. Solche Menschen denken nicht mehr daran, ihre sozialen Institutionen und Gesetze zu verbessern, sie werden säumig in in ihren sitttlichen und wissenschaftlichen Bestrebungen, weil ihr ganzer Sinn durch die Erwartung eines Jenseits in Anspruch genommen wird; sie lassen sich geduldig den Druck religöser und politischer Tyrannei gefallen, daß man ihnen jeden Fortschritt zu geistiger Aufklärung und materieller Verbesserung ihrer Lage verkümmere, weil sie sich der Hoffnung eines zukünftigen glück- sicheren Lebens hingeben und das feste Verttauen hegen, daß den Drangsalen dieser Welt dereinst eine ewige Seligkeit folgen werde. Sie tragen kein Bedenken, ihr irdische? Lebensglück der künftigen Seligkeit zum Opfer zu bringen, weil sie glauben, daß nur durch so schmerzliche Entsagung der Zorn Gottes besänftigt und sein Wohlgefallen erworben werden könne und daß es ein strafbares Beginnen sei, wenn der Mensch sich seinen Drangsalen zu entwinden suche. So war der Glaube an ein zukünftiges Leben von dem nachtheiligsten Einfluß auf die Entwicklung der Menschheit; das Interesse an dem gegenwärtigen Leben ging verloren, alle ihre Bestrebungen wandten sich dem Jenseits zu und nicht selten entzündete jener Glaube die Gemüther zu fana- tischer Schwärmerei, in Folge derer die Menschen sich gegenseitig verfolgten, in der Meinung, dadurch den Himmel zu verdienen. Trotzdem wird heute noch von den meisten Geschichtsschreibern und Autoren die ganze moderne Entwicklung der Menschheit dem Christenthum zugeschrieben; diese Leute bedenken nicht, daß das Prinzip dieser Religion, wie jeder Religion, wenn es sich durch- gängig wirksam erwiese, die Bestrebungen der Menschen»ach einer ganz anderen Seite hinlenken müßte. DaL Ziel, welches die Religion den Menschen anweist, nämlich das Gottesreich, ist gänzlich erhaben über die Interessen dieser Welt, nicht einmal ein Uebergang findet statt von dem Irdischen zu jener idealen Weltordnung. Himmel und Erde sind zwei getrennte Sphären, die sich gegenseitig ausschließen. Mag die Menschheit in ihrer materiellen, irdischen Entwicklung Riesenschritte machen— dem Himmel ist sie um keine Stufe näher gerückt. Kulturfortschritte sind dem religiösen Idealismus, der vor allen Dingen Heiligkeit verlangt, gleichgiltig; wie kann man also behaupten, das Prinzip dieses Idealismus sei zugleich daS Prinzip der kulturhistorischen Entwicklung der Menschheit? Im Gegentheil, je energischer die Menschen sich dieser kulturhistorischen Entwicklung zuneigen, je mehr Aufmerksamkeit und Anstrengung sie ihren Leben sin ter- essen zuwenden, desto mehr werden sie sich von jener Heiligkeit entfernen, welche der religiöse Idealismus als letztes Ziel alles menschlichen Seins und Strebens aufstellt. Ein Glück ist es, daß die Mensche» in ihrem praktischen Leben vielfältig von ihrem Glauben abzuweichen gezwungen wurden, denn sonst müßte längst in ihren Bestrebungen ein vollkommener Stillstand eingetreten sein. Warum sollten auch die Menschen für eine Welt noch thätig sein, deren Untergang sie jeden Augenblick erwarten müssen? Was für ein Interesse könnten sie daran haben, sich für diese Welt glücklich zu machen, wenn dieselbe nur der Vorhof eines ewigen Reiches ist? Kann eine solche Ansicht den Menschen wohl zu etwas Anderem führen, als zu gänzlicher Lostrennung von allen irdischen Angelegenheiten, zu Prinzip. mäßiger Verzichtleistung auf jede, wenn auch noch so unschuldige Lebensfreude? Und muß ein solcher SpiriwaliSmus, der den Menschen für alle Interessen diefeS LebenS gleichgiltig macht, der seinen Lebensmuth bricht und ihm jeden Anttieb zu echt mensch. sicher Thätigkeit raubt, nicht als der ärgste Feind aller sozialen Entwicklung, aller gesellschaftlichen Vereinigung der Menschen er- scheint»? Wie gesagt, zwänge nicht die Nothwendigkeit den Menschm, in der Ausübung von seinen Glaubensgrundsätzen ab- zuweichen, zwängen ihn nicht seine physischen Bedürfnisse zu Ver- folgung seiner natürlichen LebcnSinteressen— allen seinen religiösen Ueberzeugungen zum Trotze— so würde die Erde bald zu einer wüsten Einöde werden und die Menschen, durch keine Gesittung veredelt, durch kein geistige« Band zusammengehalten, würden wieder zu thierähnlichen Geschöpfen herabsinken. Fast alle religiösen und polisischen Systeme nahmen diesen Glauben an ein Jenseits zur Basis und jeder Angriff, den man auf denselben wagt, erscheint demnach zugleich als ein Angriff auf den Staat. Religionsstifter sahen in dieser Lehre«in wirksames Feuilleton. Am Garge eines Cäsaren. Ein Brief„aus Heuchelland". Von Heinrich{imt. Es war an einem wunderschönen Frühlingsabend— o weh! — so fangen ja alle dummen Geschichten an. Ob ich das wieder streiche?— Aber nein! Es war ja nun einmal wirklich und wahrhaftig an einem wunderschönen Frühlingsabcnd, als ich aus dem Qualm und Rauch und Dunst der Riesenstadt an der Themse per Dampfgaul in die anmuthigen Gefilde von Kcnthshire hinaus- eilte. Ich siebe nämlich solche Ausflüge. Es ist so schön in der frischen freien Natur I Und wie lacht man dann, mit dem Lachen deS Demokrit, von den grünenden Hügeln auf die dummen Menschen herab, die flch da drunten in ihren tobten Steinhaufen, in den engen, dumpfen Gassen und Gäßchcn-ihrer Städte be- graben, indessen draußen die lebendige, blühende Natur winkt, Wohlsein und Gesundheit auSathmend. „C Hisel hurst!" ertönte es nach kurzer Reise. Ich war am Ziele meiner abendlichen Ausfahrt. Chiselhurst, früher ein Ort von der Bedeutung von EnzerSdorf oder Fischamend, hat be- kanntlich seit mehreren Jahren Weltberühmtheit erlangt dadurch, daß eS weiland Seine Majestät Kaiser Napoleon III. nach dem Sturz des kaiserlichen Thrones in Frankreich zum Wohnsitz erkor. Man frug sich damals vielfach, warum der berühmte Monarch unter allen ihm zu Gebote stehenden Orten gerade auf daS kleine Dorf im Süden Englands verfallen war. Jndeß läßt sich auch hier stegreich nachweisen, wie in allen, selbst den scheinbar will- kürlichsten Handlungen der Großen der Welt ein tiefer, weiser Sinn liegt, wenn ihn auch der beschränkte Verstand der Unterthanen nicht immer zu erkennen vermag. Chiselhurst heißt nämlich im Englischen so viel als Gaunerhorst, Diebsnest. Man begreift nun wohl, daß kein Ort der Welt zu einer Niederlassung Sr. Majestät Kaiser Napoleon III und seiner Getreuen so geeignet erschien, al« gerade Chiflehurst. Wo hätten sie Alle sich wohnlicher, heimischer fühlen können, als gerade in Chiselhurst? Für den in der Geographie wenig Bewanderten sei jedoch noch hervorgehoben, daß dicseS Chiselhurst, der Wohnsitz einer Herrscher- dynastie, nicht das einzige in Europa ist. Vielmehr existiren noch recht viele Chiselhurst«, wenn sie auch öffentlich nicht so genannt werden, lsiid das find nicht etwa lauter kleine Dörfer, wie dieses hier— o nein!— es gibt große, große Städte darunter, mit vielen hunderttausendcn von Menschen darin, die sich jahraus, jahrein rackern und plagen und dabei doch in Roth und Elend und Unwissenheit verkommen und ttotzdem gar nicht einmal merken, daß sie— in Chiselhurst wohnen. Ist das nicht wunderbar? Da könnte ich mit Leichtigkeit gleich ein Dutzend solcher Chisel- hurst an den verschiedenen Flüssen und Sttömen nennen; aber die Leser werden ja die ihnen am nächsten gelegenen„Gauner- horste" selbst am besten kennen. Lassen wir das also und eilen wir rasch nach unserm Chiselhurst auf Albion zurück. DaS muß man dem einstigen Beherrscher Frankreichs lassen — er hat sich feine Zufluchtsstätte auch hinsichtlich ihres äußeren Ansehens gar nicht übel auszuwählen verstanden. Chiselhurst ist heute einfach einer der schönsten Punkte der an Schönheit so reichen Umgebung Londons. Schon bei der Einfahrt im Bahnhof erblickt man, terrassenförmig aufsteigend, eine Gruppe geschmack- voller Villen und CottageS, die mit ihrem rothen Backsteinbau Mittel, ihre gläubigen Anhänger desto fester an sich zu fesseln; Staatsmänner benützten dieselbe, um desto leichter die Menschen in Gehorsam halten zu können, und so haben von jeher Fürsten und Pfaffen einander in die Hände gearbeitet, wie zwei einver- standene Beutelschneider.„Die Priester urtheilten sehr richtig' wer sich frevelhaft seiner Vernunft bedient und die Vorrechte der Geburt leugnet, der zweifelt am Enve auch an den heiligsten Lehren der Religion und glaubt nicht mehr an die Erbsünde, an den Satan, an die Erlösung, an die Himmelfahrt; er geht nicht mehr zum Tisch des Herrn und gibt dann auch den Dienern des Herrn keine Abendmahlstrinkgelder oder sonstige Gebühren mehr, wovon ihre Existenz und also das Heil der Welt abhängt. Die Fürsten und Aristokraten ihrerseits haben eingesehen, daß das Christenthum eine sehr nützliche Religion ist, daß derjenige, der an die Erbsünde glaubt, auch die Erbprivilegien nicht leugnen wird, daß die Hölle eine sehr gute Anstalt ist, die Menschen in Furcht zu halten und daß jemand, der seinen Gott frißt, sehr viel vertragen kann."(Heine). Jedoch diese Kunststücke sind alt und verbraucht, die Natur- Wissenschaft hat die Schliche und Kniffe geistlicher und weltlicher Betrüger aufgedeckt und— allerdings sehr gegen den Willen der Herren Forscher und Gelehrten vom Fach— dem Volke die Augen geöffnet. Jahrtausende lang ließ man die Völker sich mühen und plagen um übersinnliche Güter, und unterdessen hal man ihnen die irdischen(Stüter geraubt; Jahrtausende lang ließ man sie ein glückliches JenseitS erstreben und das Diesseits ließ man ihnen zum Fluche werden; Jahrtausende lang hat man ihnen einen Himmel vorgespiegelt und darüber ist ihneq die Erde zur Hölle geworden. Endlich durchschauen sie den Jrrthum, in dem man sie so lange gefangen gehalten hat; sie wissen, daß>w ganzen Weltall der„Himmel" ist, also auch auf der Erde; sie fangen an zu begreifen, daß nur eigene Kraft ihnen vorwärts hilft und lernen endlich auf eigenen Füßen stehen; sie erkenne», daß alle übersinnliche Güter gettäumte Phantasiebilder sind, f2r deren Wirklichkeit auch nicht der leiseste Schatten eines Beweises beigebracht werden kann. Der Traum schwindet, sie reiben sich die Augen und sehen sich herzhaft um;— draußen blüht der Frühling, die Erde mit ihren Gütern lacht sie an, sie und die ganze Welt gehört ihnen, denn auf der ganzen weilen Welt>si außer ihnen Niemand, Niemand, der sie ihnen streitig mache» könnte. sSchluß folgt.) Der Militarismus*) ist ein Sündenbock, der den Abscheu, welcher ihm von demott»' tischer Seite zu Theil wird, im höchsten Maße verdient. Jedoch heißt es den Sack statt des Esels klopfen, wenn man dabei Übersicht, wie die Demokraten(im engeren Sinne) thun: daß die europäische Soldatenwirthschaft nur daS Atttibut einer Politik ist, welche in der Herrschaft des Kapitals, in der ökonomischen Organisation unserer Gesellschaft ihre wahrhaftige Substanz hat. Uw diesen substantuellen Esel auszutteiben, darf nicht verkannt werde», daß die ökonomischen Gründe, mit denen der Militarismus gewöhnlich angegriffen wird, faule Gründe sind. Wenigsten« will mir die Sache so scheinen, und gebe ich deshalb meine Ansichi hiermit in aller Bescheidenheit der Diskussion anheim. Die engeren(bürgerlichen) Demokralen rathen uns gewöhnlich, wir sollten mit unsern Forderungen nicht soweit ausschweife». nicht gegen die bestehende Politik und Wirthschaft im Ganze» anstürmen, sondern erst einzelne Positionen zu nehmen suchen, und dann von Fall zu Fall, von Schritt zu Schritt, weiter arbeiten- Die werthen Oppositionsgenossen haben darin schon einigermaße» recht; sie sollen uns als Sturmgenossen auf einzelne Forts ganz liebe Brüder sein; nur müssen sie zugeben, daß es nach Erobe- rung der Forts auch weiter auf die Festung gehen muß, ja daß auch die Festung nur erst Mittel und daS ganze Land der Zwen ökonomischen Dingen. Ich möchte behaupten, daß der Druck, den die Kriegsmeister mit ihren enormen Budgets auf das Volk ausüben, ein winziger ist, im Verhältniß zu dem unerträglichen Elend, das ihm von der kapitalistischen Wirthschaft angethan wird. ES wird beständig versichert, daß die Völker von unfern Militärstaaten zum ökonomischen Ruin geführt werden. Jawohl, die Steuern Helsen manchem kleinen Manne am Marke zehren; aber daß der kleine Mann auch bei vollständigster Steuerfreiheit von der Konkurrenz herunter geritten werden müßte, leuchtet sogar dem Pastor Stöcker und dem Zunftbürger Miquel ein. Weil die Kultur es durchaus will, daß die Schuhmacherei raisonabel betrieben werden soll, darum muß mein Nachbar, der kleine Schuster, einpacken, wie die andern Nachbarslcute, der Färber und Schlosier, schon eingepackt haben. Sie können alle drei kein raisonables Stück Arbeit herstellen, nicht weil sie ihr L�andwerk schlecht gelernt hätten, sondern weil m ihren Metiers Entdeckungen gemacht sind, die wegen der Kosten nur von den Mastbürgern ausgeführt werden können. Diese letzteren nun haben eS soweit gebracht, daß sie mehr Getreide, Fleisch, Wolle und Baumwolle, mehr Zeug aller Art auf den Markt schleppen, als Käufer da sind. Deshalb müssen sie von Zeit zu Zeit ihre Arbeit einstellen; und wenn "un die Kriegministerien ihre Soldaten ganz oder theilweise heimschickten, wäre das ein doppeltes Malheur: erstens würde me Zahl der Arbeiter vermehrt, d. h. der Arbeitslosen, "nd zweitens würde dadurch die Zahl der Käufer v er mindert. Der Mensch vergesse niemals, daß wir die Zeit längst überstan- m-n haben, wo die Welt Mangel hatte; sie leidet dermalen ,m Gegentheil an Ueberfiuß. Da ist denn nicht zu verkennen, daß me Militärlast und der Kirchenbau gewissermaßen noch Wohl- holen sind, indem damit weidlich geholfen wird, das überfliunge Material aufzuräumen. Daß man mit den Erbsen und Bohnen Besseres thun könnte, als Soldaten füttern, daß man die Geschoß- mbriken, Kanonengießereien und Kriegsschisse produktiver verwenden �"nte, ist keine Frage; aber dennoch muß dem engerm Demo- "ten deutlich gemacht werden, daß der Militarismus einen mohlthätigen Einfluß solange auf die Wirthschaft ausübt, als >e Kapitalisten daS Regiment haben. Sicherlich ist das Kriegshandwerk ein Betrieb, den"'«n au, ven Blocksberg wünschen soll; aber zu glauben, daß dem Volk damit gedient sei, diesen Unfug abzuschaffen, ohne den Unfug "lies Unfugs, ohne die Kapitalherrschaft abzuschaffen- das ist �gere Demokratie. Was soll aus der Industrie werden, wenn Krautjunker kein Blut und kein Geld abzapften? Da wäre Arbeitsmarkt noch überfüllter, wie er jetzt ist, und in Folge °°ssen auch der Waarenmarkt. Man glaube nur nicht, daß arbcits- "st Arbeiter so viel verzehren dürften und könnten, wie unsere Soldadeska. Ganz recht, manch kleiner Bauer könnte seinen Sohn Haus besser verwenden; aber wenn der liebe Bauer nicht sieht, nicht merkt, daß seine Ackerschaft von Jahr zu Jahr "nren, barer wird, weil die internationale Bürgerschaft die Ge- �«dezucht und Viehmast besser versteht, dann hat er eben nur «n Kirchthurmsgesicht. Kommt sein Sohn vom Militär nach Haus, dann jagt„ ben �echt weg. Wo geht der hin? Wahrscheinlich ""ch Amerika und hilft dort internationalen Weizen bauen, der �""chstenS heimkommt und der gemüthlichen Familien- Wrrth- 'chaft die Preise drückt. Unsere Schlußmoral und das Ende vom Lied heißt demnach: "Heil Dir im Siegeskranz Der Militarismus schafft Absatz lur unfern Ueberfiuß und läßt die Industrie besser blühen me Ni ohne Militär blühen würde. Trotzalledem bleibt die Sache °°ch eine Niedertracht, und wollen wir auch gegen sie losgehen; "der dabei im Auge halten, daß nach Abschaffung der stehenden sofort und zugleich an die Substanz alles Unheils, an die "Ichaffung de« ökonomischm Ueberfiusses, gedacht werden muß. Vierte Eisenbahnklasse. ein 20. März fand auf dem Bahnhofe zu Halle a/S. Ütftorl'ch'8 Eisenbahnunglück statt. Bis jetzt sind 8 Personen Der nn" � liegen schwerverwundet in der Klinik zu Halle. Nem uT�nsteller, der das Unglück verschuldet hat, machte sei- lassend". durch Erhängen sofort ein Ende, 9 Kinder hinter- an• Sämmtliche Verunglückte gehören dem, vierten Stande" % demgemäß fuhren sie auch 4. Klasse. Nur die beiden Da*�"8 � Klasse des Halberstädter Zuges sind zertrümmert. bli.r.""�Personal und die Passagiere der anderen Wagenklassen unverletzt. trsaK� � s" die dürftigen Nachrichten, die man bis jetzt hat genügt'Önnen— dürftig wohl, aber grausig und bezeichnend schrifl0 d aIte®'eb 60n der Schuld des Weichenstellers klingt recht Pz,-. die Schauernachricht. Der Weichensteller sollte die des n't�t eichlig gestellt haben. Aber wodurch ist diese Schuld di eichenst, llers entstanden? Vater von 9 Kindern, IKstün- 1 �.Arbeitszeit und ein Hungerlohn von 1 Mark 50 Pfg. bis haben? � täglich! Wo wird da die Schuld gelegen 'n d Doch sicherlich in der Abspannung des armen Mannes, Do�.�.ederarbeitung und der schlechten Ernährung desselben. 2'ß schon ein ganz altes, vielfach abgesungenes Lied. tr.au8 dem Unglück tönt noch ein zweites, viel schärferes Ankl traurigeres Lied hervor, welches in einer furchtbaren snoi� üegen die Eisenbahnverwaftung ausklingt. Nur Pas- ��"4. Klasse sind getödtetundverletztworden! flätlirf. c"1 k'' Bahneinrichtungen kennt, wird es für sehr er- tveita« ß"din, baß die Armen und Arbeiter bei solchen Unglücken T�ad" i am nitißtn' ja fast immer betroffen werden, wenn nicht Di, an Üaaze Zug entgleist oder zertrümmert wird. ">aaen 89""* 4. Klasse werden nämlich von allen Personen- >wmer, oder doch meist, zunächst an die Lokomotive ge- hängt, höchstens kommt ein solcher hin und wieder ganz hinten hin, wenn kein Gepäckwagen zum Anhängen vorhanden ist, um das arge Schwanken der übrige» Personenwagen zu hindern. Nur bei Doppelzügen, die sich auf einer Zwischenstation trennen, finden wir in der Mitte einen Waggon 4. Klasse, der aber nach der Trennung vorn im Scparatzuge zu stehen kommt. Weshalb aber werden die Waggons 4. Klasse vorne hin- gestellt? 1) Der Qualm der Lokomotive trifft und belästigt die vor- deren Wagen zumeist; 2) Vorn und ganz hinten ist die Bewegung eines Zuges am wenigsten gleichmäßig, also für die Reisenden unangenehm. 3) Ist bei einem Zusammenstoß das Leben der in den ersten Waggons sich befindenden Personen mehr bedroht, als der in den mittleren und Hinteren Wagen. 4) braucht die Eisenbahngesellschaft für Verletzte 4. Klasse viel geringere Entschädigungssummen zu zahlen, als für Verletzte I., II. und III. Klasse, die ja in ihren Erwerbsverhältnissen höher stehen und deshalb viel bedeutendere Entschädigungsansprüche machen können. Zu wundern brauchen wir uns freilich nicht über solches Ver- fahren der Eisenbahnverwaltungen; sind doch die oben geschilder- ten Zustände nur ein getreues Spiegelbild unserer ganzen gesellschaftlichen Zustände! Es wird aber eine Zeit kommen— und daß sie bald komme, ist unser heißester Wunsch und muß unser eifrigstes Bestreben sein— in der es nur eine Eisrnbahnklasse und nur einen Stand in der menschlichen Gesellschaft geben wird. Sozialpolitische Rundschau. * Ein erhebendes Gefühl bewegt un« angesichts der von allen Seiten einlaufenden Nachrichten über die Feier des Revolutions- festes vom 18. März. Fast in allen Theilen der zivilifirten Welt haben solche mehr oder minder große Feste der Erinnerung an die unvergeßlichen Helden der Revolution und der Begeister- ung für den gegenwärtigen und zukünftigen Kampf stattgefunden und es gibt nur wenige moderne Staaten, aus denen nicht wenigstens von einem, kleinen Häuflein von Pionnieren der Freiheit ein Zeichen der Solidarität uud ein brüderlicher Gruß gekommen wäre. In Nordamerika fanden zahlreiche Feste, Festversammlungen und Bankete statt, davon eines der größten in New-Aork. In Südamerika feierten die Internationale Assoziation französischer Zunge und das Centro di Propaganda Obrera in Buenos-Ayres, sowie eine Gruppe in Rio Janeiro; in London die deutschen, spanischen und italienischen Gruppen, sowie einige radikale englische Gesellschaften. Die zahlreichsten Feiern fanden natürlich in Frankreich statt: außer Pari« in Marseille, Lyon, Grenoble, Bordeaux, Beziers, St. Etienne, Montpellier, Cette, Besan�on, Douai, Rheims, Montpellier, Roanne, Trohes u. f. f. Weiter fanden Feste statt in Belgien: Brüssel, Gent, Lüttich, VevierS, Antwerpen ic.; in der Schweiz: Zürich, Genf, Bern, Basel, Arbon, Winterthur zc.; Italien: Mailand, Bologna, Carrara, Rom, Rimini, Cesena, Forli, Florenz, Livorno zc. Aus Spani en wird von einem Banket in Madrid berichtet. Auch in der Türkei, nämlich in Konstantinopel und selbst iy Egypten, in Alexandrien wurde der 18. März ge- feiert; in erstcrem von dem Bund der Internationalen Assoziation, in letzterem von dem Zirkel für sozialistische Propaganda, und zwar war das Banket des letzteren sehr zahlreich besucht. peutschtand. ' Ueberaus bezeichnend für die deutschen Zustände sind die sich fast alltäglich ereignenden Fälle von Uebermuth und bru- taler Gewaltthätigkeit von Militärpersonen gegen- über„Zivilisten". Dieselben sind im„neuen Reich" etwas so Gewöhnliches, daß wir gar nicht erst Notiz davon nehmen; in der letzten Zeit sind aber zwei ganz besonders empörende Fälle vorgekommen, an die wir doch einige Worte wenden müssen, besonders da die deutsche Bourgeoisprcsse in ihrer überwiegenden Mehrzahl kaum mehr als ein Kopsschütteln dafür hatte. Als vor kurzem eine Kompagnie des 3. Garderegiments in Berlin von der Wache abzog, versuchte ein Mann vor der marschirenden Truppe über die Straße zu laufen. Er kollidirte hierbei mit dem die erste Sektion führenden Offizier, worauf dieser den Mann mit dem blanken Degen derart über den Kopf hieb, daß Hut und Krempe durchschlage» wurden und der Mann aus einer erheblichen Kopfwunde blutend auf dem Pflaster zusammenbrach. Von dem aufgeregten Publikum wurde der Verletzte, der später als ein in der Leipzigcrstraße 101 wohnender Schneidergeselle Mosig rekognoszirt wurde, nach der nächsten Sanitätswache geschafft, wo man auf dem Kopfe eine 12 Cenlimcter lange Wunde konstatirte. Der Mann ist gefährlich krank und sein Aufkommen ist noch zweifelhaft; über eine Be- strasung des rohen Epaulettenträgers hat man nichts gehört.— Noch Großartigeres in dieser Richtung leistete aber ein Ulanen- lieutenant in Jnstcrburg. Derselbe krakehlte in Gesellschaft mehrer besoffener Osfiziere und Adliger, unter welchen sich auch der Sohn des Kultusministers befand, gegen einige„Zivilisten" und stach den einen ihn zurcchtweisendenHerrn einfach nieder! Der mörderisch Angefallene liegt hoffnungslos darnieder; der Mörder aber ist nach wie vor auf freiem Fuß und schon haben seine Vorgesetzten Partei für ihn ergriffen. Nette Kulturbilder aus dem an dir Spitze der Zivilisation marschirenden herrlichen Reich— nicht wahr? Aber freilich, ein Staat, in dem der Krieg als„Jungqucll der Sittlichkeit" be- trachtet und schon in der Schule gepriesen wird, in dem die Gewalt nach Außen und Innen die einzige Rechtsquellc ist— wie kann es in ihm anders kommen! Und es wird auch nicht anders werden, als bis der thatkraftige Sozialismus auf dem Plan erscheint und den brutalen Militarismus mit sammt dem feigen Bürgerthum, die ganze Gewaltherrschaft hinwegfegt und an seine Stelle die Ordnung der Gerechtigkeit und Gleichheit setzt, in welcher Leben und Wohlfahrt jedes Bürgers heilig und untastbar ist! — Dem Bundesrath liegt gegenwärtig ein Antrag vor, welcher Tausendevon Arbeitern indas tiefste Elend stürzen wird. Sachsen beantragt nämlich die Einführung eines Ver- ebelungSzolleS für den Verkehr mit Oesterreich; dem Bundesrath wird es keine große Ueberwindung kosten, diese Forderung anzunehmen, und damit wäre eine Antwort auf den am 16. Februar in Kraft getretenen österreichischm Appreturzoll gegeben, wie sie sich kaum schlagender denken läßt. Wie Oester- reich unsere Kattundrucker und Färber geschlagen hat, so sollen jetzt seine Weber getroffen werden, deren Arbeit seither die deutschen Garne veredelte. Nur ist ein kleiner Unterschied dabei. Die süddeutschen, insbesondere die elsässischen Besitzer von Druckereien und Färbereien sind reiche Leute, welche sich zur Roth dadurch helfen können, daß sie Zweigniederlassungen ihrer Etablissements in Oesterreich gründen und sich somit ihre dortige Kundschaft auch für die Zukunft sichern; die böhmischen Weber sind arme Teufel, welche seither froh waren, um Hungerlöhne sich in den Dienst deutscher Fabrikanten stellen zu können. Wird ihnen die seitherige Nahrungsquelle entzogen, so steht der Nothstand vor der Thür. Darum aber kümmern sich die heutigen Regierungen wenig; sind sie doch nicht die Regierungen der Armen, sondern die der Reichen! — Hundedemut h. Ein großes nationalliberales Organ, die„Magdcburgische Zeitung" schließt am Tage vor dem Ge- burtstage des deutschen Kaisers einen Artikel, der sich über die gegenwärtigen russischen Zustände ausspricht, mit folgenden Worten: „Bei Betrachtung dieser verworrenen russischen Verhältnisse aber werden wir erst recht des Segens inne, welchen un- ser Hohenzollernhaus über Deutschland gebracht hat. Unser greiser Kaiser, dessen Wiegenfest wir morgen feiern, hat sein ganzes Leben dem hohen Ziele gewidmet, Deutschland die Segnungen der Einheit, der Freiheit(!I) und des Frie- dens zu bringen, und die spätesten Geschlechter werden noch die Erfolge preisen, welche sein Regiment erreicht hat. Einmüthig in unentwegbarer Treue schaart sich die Nation um ihn und er- fleht vom Himmel Heil und Segen aus sein theures Haupt!"— Wenn ein sogenannter Patriot dem deutschen Kaiser lobstngt, wenn er ihn preist und gar in den Himmel hebt, so läßt uns das sehr kalt— es ist ja lediglich seine Sache, sich zum Mame- lucken zu entwürdigen. Wenn aber ein Deutscher sich so weit vergißt, daß er den Kulturfortschritt, den Deutschland vor Ruß- land voraus hat, auf Konto des Hohenzollernhauses setzt, so ist dieser Deutsche einfach eine Hundeseele, die der Professor Jäger' schon auf einige Meilen Entfernung riechen wird. Ja, es ist geradezu eine Hundedemuth, wenn ein deutscher Literat sein Volk zu Gunsten seines Kaiserhauses in den Koth zu treten sucht. Bezeichnend aber ist es, wenn ein sozialdemokratisches int er- nationales Blatt, wie der„Sozialdemokrat" es ist, die Ehre der deutschen Nation gegen solche Schlingel schützen muß, waS hiermit geschehen sein soll. — aa Berlin, 26. März. Am 12. April wird endlich die VerHand- lung in dem durch die erdenklichsten Anstrengungen der Polizei zu einer Hauptaktion aufgebauschten Prozeß Heiland und 12 Genossen wegen Verbreitung des„Sozialdemokrat" stattfinden..Weiteres darüber später. Vorige Woche fand Verhandlung gegen Hasselmann wegen„unbe- fugter Verbreitung von Drucksachen" statt(H. ist bekanntlich die Kol- portage entzogen). Dieselbe sollte in der Redaktion eines Blatte«, in der Niederschrift eines Buchhändlerzirkular«, sowie in der Mitnahme eine« Ballens Zeitungen als Reisegepäck liegen. Der Gerichtshof fällte jedoch nach kurzer Berathung ein fteisprechendes Urtheil. — Darmstadt, 21. März. Auch hier lebt die Partei noch fort, natürlich wie überall in Deutschland unter schwierigen BerhälMissen, doch der alte Geist ist geblieben. Auch hier hat die Polizei ihr Möglichstes gethan an Haussuchungen und sonstigen Maßregelungen, so daß wir un« schon vollkommen daran gewöhnt haben. Kein älterer Genosse blieb ver- schont. Der srüher« Parteicolporteur, welcher 5 Tage Haft erhielt, weil man einige Nummern der„Tagwacht" bei ihm fand, wurde Tag und Nacht versolgt, man zog ihn aus dem Polizeirevier ganz nackt au« und durchsuchte ihn nach verbotenen Schriften.(Hauptsächlich galt es der „Freiheit", welche srüher hier in Massen verbreitet wurde.) Endlich cnt- zog man ihm die Kolportage ganz und machte ihn dadurch existenzlo«. Trotz aller dieser Verfolgungen aber geht es unbehindert vorwärts. Bis« mark mit seinen Mameluken und die Gerichtsvollzieher haben es über- nomine», jetzt aus'« thatkrästigste für uns zu agitiren. Namentlich auch die Bauern empfinden die Segnungen unserer herrlichen Ordnung; der Gerichtsvollzieher nimmt ihnen Alle« weg. So kam es kürzlich hier vor, daß in einer Woche in einem Dorfe 11 Kühe zwangsweise versteigert wurden. Exmittirte kann man jeden Tag sehen. Jedermann fragt: wie soll das enden? Bei der allenthalben herrschenden Stimmung der höch- sten Unzufriedenheit wäre es möglich, bei ausreichenden Mitteln jetzt im hiesigen Wahlkreis einen Sozialisten durchzn bringen. Jedoch die Armuth hier ist zu groß, was auch bewirkt, daß die Genossen nicht so opsermuthig sind, wie sonst; jedoch der sie beseelende Geist ist der Beste.— Daß der Gesangverein„Vorwärts" aus Grund des So- zialistengesetzes aufgelöst wurde, wissen Sie wohl schon; es geschah auf Denunziation de« früheren Parteiwirths K. Ost errat h, der deshalb den Genossen bestens empfohlen sei. Zum Schluß habe ich mitzutheilen, daß die hiesigen Genossen mit der Haltung de«„Sozialdemokrat"(hauptsächlich mit den letzten Nummern> ganz einverstanden sind; wir be- dauern nur, daß derselbe so lange auf sich warten ließ; denn dadurch wurden allerlei Ungehörigkeiten und Streitereien möglich. Doch haben wir ihn ja nun und die Sache geht gut vorwärts. Den Genossen ein kräftiges Glückaus zum Kampfe! Nur der Feige bleibt zurück, und ist derselbe nicht Werth, daß es ihm besser gehe. Ei» Hoch der Sache der Sozialdemokratie, nieder mit allen Schlechten! Säuert. u. AuS Schwaben, 26. März. Mit der bei uns ehemal« eine so große Rolle spielenden bürgerlichen Demokratie geht es hierzu- lande*) immer mehr abwärt«, d. h. sie wird immer zerfahrener und lenkt immer mehr in'« Fahrwasser der Reaktion ein; es wird höchste Zeit, daß u»sere Genossen allerorten sich mit dieser Partei gründ- l i ch auseinandersetzen, indem sie dieselbe nämlich rückhaltlos zu der Einen reaktionären Masse unserer Gegner werfen, zu der sowohl die Führer als die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder zweifellos gehören, deren sie sich in ihrer Haltung gegen uns so oft vollkommen würdig gezeigt haben. Interessant für die Helden dieser„Volkspartei" ist die Thatsache, daß auf einer jüngsten Wählerversammlung in Bietigheim der ehemalige 4«er und jetzige„demokratische" Abgeordnete des Bezirks Beugheim ein Hoch aus Bismark ausbrachte. Nachträglich hat der Mann freilich eingesehen, daß er dummes Zeug gemacht hat und aus der Rolle gefallen ist, und entschuldigte sich in einer öffentlichen Erklärung, daß sein„un- ') Auch anderwärts ist dasselbe der Fall. Man beobachte nur die Hat- tu»» de« Hauptorgan» dieser Partei, der.Frankfurter Zeitung-; dieselbe ist so matt und sarbloi, so zaghast und muthlo», so geflnnungslos gegen die Sozial» demolratie, daß Fort s ch rit t«blätter, wie z. B. die Berliner.Bolkizeitung-, weit radtkaler und energischer geschrieben stnd. Porziiglich ist der.Demokrat- Lonne» mann auf's ängstlichste bemüht, seine und seiner Partei frühere Beziehungen zur Eo» zialdemokratie und zu Sozialdemokraten aus jede Weise und selbst durch ziemlich schoft« Mittel vergessen zu machen. Er und das Gros der Partei werden wohl bald beim Fortschritt angelangt sein, während die besseren, wirklich demokratischen Elemente über kurz oder lang zu un» kommen werden. Das ist der natürliche Entwickelungs» gang und es ist natürlich nothwendig, daß unsere Genossen allerwärt» durch Besolgung des oben gegebenen Rathes, nämlich durch oftene Zurückweisung jeder Gemeinschast mit dieser undemokratischen.Demokratie' den Gang diese» Prozesse» möglichst be- jchleunige». D. lsted. vorsichtiges" Hoch auf Bismarck ein„Akt der Aufregung" durch mehr- stllndiges Reden gewesen sei. Aber durch diese„Rechtsertigung" hat er natürlich die Sache um nichts besser gemacht. Welche„Bolksmänner", die„aus Aufregung" Tyrannen anjubeln! Es ist das derselbe Advokat Becher, der seinerzeit östentlich den Ausspruch that:„Die Zukunft gehört der Sozialdemokratie." Sein würdiger Genosse ist der Häuptling der schwäbischen Sektion der Bolkspartei, der bekannte Karl Mayer, der in der Kammer einmal von der schwäbischen Sozialdemokratie wegwerfend als von einer„importirten" Waare sprach und seiner Partei ein weit längere« Leben prophezeite, während er vor nicht langer Zeit einem be- kannten Parteigenossen gegenüber den Bersall der Volkspartei beklagte, und diese auch faktisch in Stuttgart bei der Reichstagswahl weniger Stimmen erzielte, als unsere Partei. Nun, das Gute hat die bürgerliche Demokratie immerhin, daß sie immerfort nicht zu verachtende Kräfte an uns abgibt: ich erinnere nur an Johann Jakoby, Temmler, Dr. Dulk u. A. Als eine für uns siegreiche Episode in der cjegen uns beliebten Verfolgung erwähne ich die' gänzliche Erfolglosigkeit der vom Stadlgericht Stuttgart im vergangenen Jahre mit so großem Geräusch— Massen hasten Haussuchungen und Verhaftungen— in Szene gesetzten Unter- suchung wegen Konstituirung eines verbotenen Vereins. Gesterreich-Ilngar». « Die Sozialistenhetze fängt nunmehr auch in Ungarn, das sich in dieser Richtung bisher vortheilhaft von Oesterreich aus- zeichnete, an, mit Hochdruck und all den bekannten Mitteln be- trieben zu werden. Am 27. März wurde die Herausgabe der Preßburger sozialdemokratischen„Wahrheit" verboten, sämmtliche Manuskripte weggenommen und die Genosien Grundstein(Deutscher) und Wirker(Mähre) verhaftet. Man wird wohl bald noch Weiteres hören. AranKreich. Lx Paris, 24. März. Die Herren Polizeispione haben in letzter Zeit dahier wenig Glück. Noch ist es nicht lange her, daß der russische Spion Nel-Meyer in einer Zusammenkunft sranzösischer und russischer So- zialisten entlarvt wurde, und abermals ist es der Wachsamkeit der So- zialisten gelungen, zwei solche Schufte, einen deutschen und einen ruf- fischen, zu entdecken. Während aber der letztere persönlich entschlüpfte und gleich seinem Konsorten Nel-Meyer ziemlich glimpflich wegkam, da sich die russischen Flüchtlinge darauf beschränkten, ihn mit Schmach und Verachtung zu strafen, ging es dem deutschen Spitzt, einem sicheren Lehmann, desto schlimmer. Derselbe hatte sich seit ungesähr 6 Wochen an verschiedene deutsche Genossen herangemacht und Anknüpfungspunkte mit denselben gesucht, indem er Grüße von in Deutschland lebenden Ge- nassen ausrichtete und allerlei Oberflächliches aus unfern Kreisen zu er- zählen wußte, so daß er aus das erste Ansehen einen gar nicht ungün- stigcn Eindruck machte. Indessen blieben wir doch zurückhaltend und be- obachteten ihn und sein Thun und Treiben, worauf er bald verdächtig wurde. Nun wußten wir uns bald Gewißheit zu verschassen. Ein Ge- nosse ging eines Abends mit dem Hallunken kneipen und ließ so lange nicht nach, bis der Spitzel genug hatte. Dann bat der Genosse den Spitzel, daß er ihn, da es schon spät sei, mit sich nehmen und ihn bei sich schlafen lassen möge. Da der Spitzel des süßen Weines voll war, fiel er auch richtig d'raus rein. Als er nun bald im tiefsten Schlaf lag, stand unser Genosse, welcher wohl präparirt war, aus, hielt Haus- suchung und fand auch richtig Briefschaften, die das Gewerbe seines Zim- mergenossen außer Zweifel stellten und welche er an sich nahm, worauf er sich wieder zu Bett legte, um an andern Morgen sreundschastlichft und anscheinend mit einem schrecklichen Katzenjammer sich zu verabschieden. So kam die Sache heraus und bald wußten alle hiesigen deutschen Ge- nassen davon. Der Spitzel aber ahnte von seiner Entlarvung nichts und kam daher ganz arglos am 18. ds. in eine unserer Märzfeiern, um dort zu spioniren. Nun aber war es mit der Geduld der Genossen zu Ende und kaum hatte Einer aus ihn aufmerksam gemacht, so fielen, ehe der Kerl noch Zeit zur Verwahrung hatte, die Empörten über ihn her, walkten ihn fürchterlich durch und warfen ihn schließlich blutüberströmt aus die Straße hinaus. Dem Kerl dürfte die Lust zum Spioniren in Paris wohl vergangen sein. Es wäre nur zu wünschen, daß mehr solche infame Subjekte erwischt und an ihnen ähnlich ein Exempel statuirt würden. Auch wäre es gut, ihren schuftigen Leichnam in nachdrücklicher Weise zu kennzeichnen, damit ihr Signalement leichter zu geben ist! Hier der Steckbrief de» Schuften Lehmann: Derselbe heißt mit seinen Vornamen Jakob Franz, ist Apotheker und Chemiker, aus Barmen, 33 Jahre alt, hochgewachsen, magerer Gestalt, mit braunem, kurzgeschore- nem Vollbarte, dünnem Schnurrbarte, hellbraunem, kurzgeschnittenem und in der Mitte gescheitelten Haupthaare, unsicherem Blicke. Er macht seine Beobachtungen in schielender Weise, hat einen schleppenden Gang, trug hier meist einen langen schwarzen Frack, welcher ihm das Aussehen eines Jesuiten gab. Er spricht geläufig Französisch, wenn auch mit deutschem Accent, und gebraucht sehr häufig einige lateinische Redensarten. Er gibt sich für einen deutschen gemaßregelten Genossen aus. Sollte er sein Handwerk irgendwo anders wieder versuchen, so seien die Genossen ge- warnt und aufgefordert, ihm ebenfalls einen hinreichenden Denkzettel zu geben. Außer den von uns deutschen Genossen gehaltenen Märzseiern fanden auch noch mehrere französische statt, die alle zahlreich besucht waren und auf denen große Begeisterung für die Sache des Sozialismus und der Revolution herrschte. Namentlich die beiden Feste der„Egalite" und des„Proletaire" zwangen auch die Pariser Tagespresse, von ihnen Notiz zu nehmen, wenn es auch größtentheils in der gehässigsten Weise geschah, indem sie schrieb, daß russische Nihilisten, deutsche Sozialisten und das französische Proletariat gemeinsam die wüsten Orgien der Blntherrschast gefeiert hätten u. s. w. Ganz, wie es unsere deutsche Presse seinerzeit mit uns machte; aber es wird ebensowenig Helsen. Die zurückgekehrten Kommunarden tragen auch da« Ihrige dazu bei, der Bewegung einen mächtigen Ausschwung zu geben. Wie die Bewegung jetzt hier im Gang ist, können wir schon zufrieden sein. Wohl sind die Franzosen theoretischen Diskussionen schwer zugänglich; aber der Geist der Masse des Proletariats ist gut und diese wird die Führer einfach zwinge», den richtigen Weg zu gehen. Für die Entwicklung der Dinge in Deutschland wird die hier sich entfaltende Bewegung von Bedeutung werden. Italiea. a. a. Bologna, 27. März. Der Cassationshos zu Rom hat in Ab- ändcrung des vom Appellhof zu Bologna in dem bekannten„Jnter- nationalisten"-Prozeß erlassenen freisprechenden Urtheiles erkannt, daß die Internationale als ein Verein von Missethätern(malkattori) zu betrachte» sei.„In Erwägung— so hatte das Bologneser Gericht seinen Sprnch� begründet—, daß das Wesen einer wirklichen Uebelthätergescllschast darin besteht, daß sie sich zu dem Zweck vereinigt, sich persönliche verbrecherische Vortheile zu verschassen, kann die Jntcrnattonale, welche nicht die indi- viduelle, sondern die kollektive Bereicherung anstrebt, nicht als eine Ver- einigung von Uebelthätern angesehen werden." Was erwidert hierauf der Staatsanwalt? Hören Sie:„Es ist wahr, daß die Internationalisten den Befitzenden ihre Reichthümer nicht rauben wollen aus Gewinnsucht, son- dern um sie der Allgemeinheit zu überliefern. Da sie(die Sozialisten oder vielmehr die„Internationalisten") aber ebenfalls zu dieser Allge- meinheit gehören, so ist ihr Zweck gleichwohl kein änderer, als der, sich zu bereichern! Deshalb und da sie, um zu dieser Bereicherung zu ge- langen, Plünderung, Metzeleien u. s. w. anstellen wollen, sind sie wahr- haste Uebelthäter." Man sieht, von welch' sauberer Art die Beweisgründe sind, auf welche sich die Urtheilssprüche der Gerichte Roms stützen, des- selben Rom, welches sich den Sitz des Rechte«, die Mutler der Rechts- gelehrsamkeit, die Wiege der Zivilisation der Völker u. s. w. nennen läßt. Trotz alledem aber hören die„Missethäter" nicht auf.. Die der Ro- magna und Emilia haben sich angesichts des neuen Prozesses, welchen dieses jamose Unheil einleitet, am 14. März in Bologna versammelt, um in ihrer Art den Geburtstag des Königs zu seiern, indem sie be- schlössen, die Bildung einer sozialistischen Partei Italien« zu fördern, welche die Sozialisten aller Richtungen vereinigt und die Arbeiter der Halbinsel um ei» gemeinsames Programm zu sammeln sucht. Die end- gilttge Gründung dieser Partei wird wohl auf einem italienischen So- zialistenkongreß stattfinden, welcher wahrscheinlich in den letzten Apriltagen in Mailand tagen wird. Diese Partei wird sicherlich einen wesentlichen Fortschritt gegenüber der bisherigen Haltting der italienischen Sozialisten bedeuten und zugleich die Fortschritte, welche der Sozialismus in Italien gemacht und die Bedeutung, welche er gewonnen hat und welche ihn in den Stand setzen, mit Erfolg in einen Kamps mit den politischen Parteien einzutteten, anzeigen. Es ist bekannt, daß die italienischen Sozia- listen bisher, um sich ausschließlich der Verbreitung ihrer Grundsätze und der unmittelbaren Verwirklichung derselben hinzugeben, jede Bctheiligung an dem öffentlichen Leben ihres Landes vernachlässigten. Ohne irgend- einen Punkt ihres Programmes zu verleugnen, vielmehr ihre Prinzipien nur auf's Reue bestätigend und ihre beständige Ucberzeugung bezeugend, daß die von ihnen angestrebte soziale Wiedergeburt nur die Folge einer Voltsrevolution sei, welche sie begünstigen und fördern wollen,— erklären sie dagegen jetzt: daß sie auch die unmittelbare Erlangung aller polittschen und wirthschaftlichen Reformen erstreben werden, welche ent- weder die von der heutigen„Ordnung" der Dinge dem Sozialismus in den Weg gelegten Hindernisse vermindert, oder ihm Gelegenheit zu einer Volksagitation, von welcher der Sozialismus gewinnen kann, zur Pro- paganda und möglichsten Bethätigung nach jeder Richtung gibt. Der 18. März wurde von den Sozialisten Italiens an zahlreichen Orten geseiert. In Bologna rächte sich die Polizei dafür, indem sie einige der Verbreitung von Gedentschriften aus die Kommune verdächtige Genossen verhaftete. In Rimini war die rothe Fahne der Internationale auf der Höhe de« Titusbogens ausgepflanzt, wo sie während der ganzen Nacht des 17. und einigen Morgenstunden des 18. wehte. Weiter machte ein gedrucktes, von einigen Genosien gezeichnetes Manifest die Runde durch die Stadt. Natürlich rief Beides den Zorn der Polizei hervor; der Präsekt wurde abgesetzt, weil er nicht wachsam genug gewesen war, und verschiedene Genossen wurden verhaftet. Wenn nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreten, werden nächsten Monat zwei sozialistische Publikattonen das Licht erblicken: eine soziali- stische Revue in Mailand, deren bereits erschienenes Programm Ihnen demnächst zugehen wird, und eine täglich erscheinende Zeitung„La Lutte" der Kampf). Ebenso werden Sie das Einladungsmanifest zum Kongreß und ein Rundschreiben erhalten, welches die Beschlüsse des 14. März und das Akttonsprogramm der Bologneser Versammlung entwickelt. Hroßvritannien. lk. London, 24. März. Was schon in dem ersten Bericht von hier an Sie als wahrscheinlich»nausbleiblich bezeichnet wurde, ist nun endlich geschehen: die unwandelbar zu der sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch- lands und ihrem Programm stehenden deutschen Sozialdemokraten Lon- dons sind aus der bisherigen hiesigen Parteiorganisatton ausgeschieden, da in derselben gegenwärtig parteischädlichc und parteifeindliche Einflüsse die Herrschast führen und eine Besserung auf anderem Wege sich nach vielfältigen Versuchen als unmöglich erwies. Die bisherige zweite Sek- tion des Kommunistischen Arbeiter-Bildungs- Vereins hat sich als solche ausgelöst und alsdann am 14. Mär; im Verein mit ebenfalls unentwegt zur deutschen Partei stehenden Genossen der ersten und dritten Sektion zu einem neuen Verein organisirt, der ebenfalls den Namen„K o m- m u n i st i s ch e r Arbeite r-Bildungs-VereinLondon" führt und den Sammelpunkt zur Reorganisation der hiesigen Mitgliedschaft auf Grund der unveränderten Prinzipien und Taktik der deutschen Sozial- demokratie bilden wird. Die Begründung dieses ihres Vorgehens haben die bei der Reorganisation thätigen Genosien in einer Denkschrift niedergelegt, welche den deutschen Genoffen allerorten zugehen wird. Dem rcorganisirtcn Verein gehören bereits bei 100 Mitglieder an und zwar der beste und thätigste Theil, so daß seitdem die Versammlungen in Rose Street, in welchen die Beschimpfung der deutschen Partei und ihrer Vorkämpfer und die Erschwerung ihrer Ausgabe die größte Rolle spielt, sehr spärlich besucht sind. Letzthin z. B. waren bei Eröff- nung der Versammlung dort 7 Personen anwesend. Uns ist es bereits gelungen, ein passendes Klubhaus zu finden, was in London eine der nothniendigsten Voraussetzungen eine« gedeihlichen Wirkens ist. Es be- findet sich in Percy Street Nro. 3, Tottenham Court Road und mögen sich alle nach London kommenden Genossen dorthin wenden. Das dazu nöthige Geld von 200 L. ist in unglaublich kurzer Zeit gezeichnet wor- den, woraus Sie erkennen mögen, welcher Eifer sich aus unserer Seite zeigt. Der Vorstand ist aus folgenden Genossen gebildet: P. Fopp I. und PH. Fisch II. Schriftführer, W. Hoffmann I. und H. Blesi II. Cas- sier, Knorr Broschürenverkäuser, Boxin, Schausclberger, Wollank, Kneip, Substituten, S. Kaufmann I., Breui und Lemcke Revisoren. Möge der rcorganisirte Verein blühen und gedeihen und aus ihm bald und nach kurzer Kampsperiode die neu geeinigte Organisation der hiesigen deutschen Sozialdemokraten hervorgehen; denn nur durch Einigkeit kommen wir an's Ziel! Neues kann ich Ihnen weiter nichts mittheilen, was Sie nicht jeden- salls schon wüßten. Hier gehen jetzt die Parlamentswahlen in hohen Wogen, und bedauere ich nur, daß unsere Partei keinen Antheil nehmen kann. Hoffentlich wird das auch noch einmal kommen.— Einiges Interesse dürste folgende Notiz haben, die ich kürzlich im hiesigen„Builder" fand: Im Jahre 1879 fanden in England 327 Strikes statt, von denen— hören und staunen Sie!— nur 3 von den Arbeitern gewonnen wur- den. 20 wurden durch Vermittlung erledigt, 26 blieben unerledigt; der Rest wurde für die Arbeiter verloren. Das der Segen der Trade« Union« und ihrer„rein ökonomischen" Thätigkeit! Kußlaud. * Im Reiche des Zaren wird lustig weiter gehaussucht, ver- haftet, geknulet, gemordet. In der Nacht des 27. März wurde in Petersburg abermals„die letzte Geheimdruckerei" entdeckt und stnd deshalb 16 Verhaftungen vorgenommen worden. In Kijew wurden zwei Soldaten als Sozialrevolntionäre. der eine zum Tod, der andere zur Zwangsarbeit verurtheilt. Am gleichen Ort wurden zwei in einem früheren Prozeß zum Tod Verur- theille zu lebenslänglicher Bergwerksarbeit„begnadigt". Zwei andere Veruriheilte aber, Losinski und Rofowski wurden am 17. März gehängt. Auch in Odessa ist demnächst wieder ein Bluturtheil über 32 Propagandisten zu erwarten. Es wäre an der Zeit, daß der Zar und seine Henker wieder einmal eine eindringliche Warnung erhielten! * Die sozialistische-revoluttonäre Bewegung in dem dem tyran- nischen Septer des Zaren unterworfenen Polen ist nothwendig eine geheime. Das europäische Publikum erfährt davon nur durch die Verfolgungen und Verhaftungen unserer Genossen. Ganz zuletzt hat man wieder in Warschau einige 30 Verhaftungen von Sozialisten vorgenommen. Die Citadelle von Warschau, welche bereits Tausende von Patrioten der nationalen Insurrektionen be- graben hat, beherbergt jezt wieder nahezu 100 polnische Sozialisten, und keiner kennt das Loos, welches ihm der Generalgouveneur von Warschau im Verein mit den Mitgliedern einer dritten Sektion zugedacht hat. Unter den Verhafteten befindet sich ein Advokat, zwei Ingenieure und ein Student der Medizin; die übrigen sind Arbeiter von Warschau. Bei dieser Gelegenheit sind auch einige Jrrthümer zu berich- tigen, welche die fremde Presse bei ihrer Berichterstattung über die Vorgänge in Rußland begeht. So spracht die Pariser„Lanterne" über Verhaftungen von„russischen Nihilisten" in Warschau. Ihrer Fantasie freien Spielraum lassend, erfindet die„Lanterne" einen Ingenieur, welcher ttie existirt hat. in dessen Haus aber die „Nihilisten" nichtsdestoweniger ihre Versammlungen abgehalten haben sollten. Ferner sollen die Nihilisten von Warschau den Befehlen des„nihilistischen" Komites von Rußland gehorchen u. s. f. Alle diese Behauptungen gehören in das Gebiet der reinen Erfindung und sind von derselben Art, wie die Meldung des„Lanterne", wonach in allen Städten der Schweiz russische Revoluttonsausschüsse ihren Sitz haben sollen. Der Sozialismus, welcher seit vier Jahren in Polen mehr und mehr Ausdehnung gewinnt, entfaltet sich nnabhängig von dem, was man..Nihilismus' nennt. Die sozialistische Propaganda in Polen läuft allerdings mit der nihilistischen parallel, und insoweit letztere sozialistisch ist. hat sie gemeinschaftliche Punkte mit jener; aber jene hat bis heute noch nicht den polittschen Charakter angenommen, welche die Hand- lungen des revolutionären Komites in Petersburg kennzeichnet. Bull, des Ruwnoscht. Arbeiterpreffe. Wir stehen mit den nachfolgenden sozialistijchen oder dem Sozialismus nahestehenden Blättern in Tauschverkehr und benützen diejelbe» zu unseren Jnsormationen: Arbetterfreund, Reichenbcrg(Böhmen), zwenvöchenllich. Arbeiter- W ochen-Chronik, Budapest, deutsche« Organ der sozialdemokr. Arbeiterpartei Ungarns, wöchentlich. Arbeiter-Zeitung, Milwaukee, wöchentlich. L' Ateo, Livorno, wöchentlich,(italienisch). Budoucnost, Prag, zweiwöchentlich(czechisch). Bulletin of the social labor morement, osfiz. Organ der sozialdem. Arbeiterpartei Nordamerika'«. Cincinnali, monallich. Ealisornia Freie Presse, San Froncisco, wöchentl. Delnickd Listy, Prag, zweiwöchenllich,(czechisch). L'Egalitä, Saint Cloud bei Paris, wöchentlich. Fackel, Chicago, wöchentlich. La E ederation, Marseille, vom Marseiller Kongreß beschlossene« Organ der z.i organifirenden�französischen Arbeilerpsrlei, monallich. Grütlianer, Organ des Grulliv.reins. Bern, halbwöchenllich Journal historique, von E. Chevalticr, Pari«, wöchentlich. La jeune Icarie, Organ der ikarischen Gemeinde, Iowa Ber. Staaten), halbmonatlich. II Movimento sociale, Neapel, wöchentlich. Le Mirabeau, Organ der wallonischen Sektionen, Vervier«, wöchentlich(französisch). Ndpszava, Budapest, magyarisches Organ der sozialdem. Arbeiter' Partei Ungarns, wöchentlich. N.-U. Volkszeituug, New-Zjork, täglich und Wochenansgabe. Den nye Tld. Chicago, wöchentlich(skandinavisch). L'Ordre sociale, Monatsschrift für Sozialwissensdaft, Paris. O Operario, Porto, wöchentlich lporlugifisch). La Plebe, Mailand, wöchentlich,(ualienisch.) Pochoden, Humorist, satyr. u. bellelrist. Wocheublalt, Prag(czechisch)- Praca, Lemberg, wöchentl.(polnisch). Le Proldtaire, Saint Cloud bei Paris, wöchentlich. O Proteste, Lissabon, wöchentl.(portngis.) L e Prd curseur, Gens, wöchentlich. La Rdforme politique et sociale, Lyon, wöchentlich. The Republicau, London, wöchentlich. La Revue sociale, soz. Monatsschrift Saint Cloud bei Paris. Phil. Tageblatt, Philadelphia, täglich. Ro vn o sc, Organ der polnischen Sozialisten, Genf, monatlich. Recht voor Allen, Amsterdam, wöchentlich,(niederländisch). La Revista social, Barcelona, wöchentlich. Le Rdvolte, Gent, halbmonatlich,(anarchistisch). Den Sozialdemokraten, Kopenhagen, wöchentlich(dänisch). Stimme des Westen«, St. Loui«(Nordamerika), täglich. Die Tagwacht. Organ der sozialdem. Partei der Schweiz und de« Schweiz. Aideilerbuudes, Zürich, halbwöchentlich. L e Travailleur des villes et campagnes, Pari«, wöchelill- La Trique, Brüssel, hiimoristiich satyrische« Wochenblatt. La Voix de l'Ou vrier, sranz. Organ der soz. Arbeilerpartei Belgiens, Brüssel, wöchentlich. Volkssreund, Chur(Schweiz), täglich. De Yolkswil, Gent, wöchentlich(vlämisch). V olkSsreu nd. Zemralorgan der sozialdem. Partei Oesterreich«- Reichenberg, Böhmen, zweiwöchentlich. Vorbote»ud Arbeiterzeitung, Chicago, täglich und Wocheu ausgäbe. Die Wahrheit, Preßburg, holbmonatlidi. De Werker, vläm. Organ der soz. Arbeiterpartei Belgien«, Aul« werpen, wöchentlich. Zukunft, Wien, zweiwöchentlich. Briefkasten der Expedition. Rothwein Bg: Am 25./3. Bf. v. 21. hier. Bis da Wicht« von Verttaucnsmann A eingegangen.-- f. Pfalz: M 3." s. Ab. 2. Qu. a. d. T. abgel. Weiteres s. F.-fonds.— X Mhm: Sdg- v. 24. u. K. v. 27. ß. hoffen dort u. gut wirkend. Prosit!— H. I. Pari«1 am 27. ß. nochmal« 12 abges.— Carolus: 12 mit 13 nochmals ges- „Die Katze läßt das Mausen nicht!"— Schw. H: R B nebst 9— 1-i abges. Warum kommt kein Bericht über Ihr Büttel-Manöver?— Dr Eisele u. Kratzer: M. 35.— nach Vorschrift plazirt. 7. gelöscht. L>b Bürger- oder Polizeimeister,— er würde seine Hiebe für eine Ktiack' wurst quittiren Euer„Rothhaarigcr";— wär aber doch schade um dü Haselstaude!— C. A. Pot. O: M. 5.— erh. S. folgt durch M. Vorschlag nur theilweisc durchführbar, da sich aus Viele kein geeigneter Abs- „reimen" läßt. Besten Gruß und Dank!.—„Vom Neckar": M. 3.-- s. Ab. erh. Warum allein? Könntet dort längst Alles in einem kriegen- — Ks. London: Austrag besorgt. Rur her mit der Geißel!— f.—— S- Graz: 1 Fl. öw. p. 2. Qu. verwendet.— Lausitzer Rothhaut: Dein Wigwam ist eng und kalt, aber die Brüder im fernen Jagdgrunde frieren auch. Mein fünfter und zehnter Pfeil ist nochmals durch den Feind gf drungen. Der Uhu wird rufen, wenn Dir ein besseres Wigwam beredet ist.— Jörgen G. Kophgn: Brief hier. Bestelltes außer einem, hier gar nicht zu schaffen. Wende Dich nach L. Flngbl. folgen. Tagw. geordnet.„Ausmerks." sind wir nicht schuldig, aber eine gemachte„Gratis' zusage" soll trotzdem gehalten werden. Gruß vom„schwarzem Banner!" — Reichenbcrg: Avis hier. Dank. Neues abgg.— Feldhauptmann: Aus P. K. hin 12 an V abges. Die Dcinige schon am 27./3. Künftig nicht so wortkarg, alter Kamerad. Gruß!— P.— A— z—: M. 3.— 2. QU- Ab. erh. ab Kchbl.— o. O H: Bf. am 29. 3 abgg. Muster folgen.■" C. A— r. R: Frs.8.— für Ab. 2. u. 3. Qu. gutgebr.— F.@g(«- London: Frs. 10.—. 2. u. 3. Qu. Ab. für E. u. M. gebucht.— H- Ntzsch. N-B: Frs. 51.80 Ab. u. Schrft-Cto. gutgebr.— A. St. Rg1 M. 3.— Ab. 2. Qu. erh.— Ferdinand: 200 p. 2. Qu. folgen, Addr' F. Efd., ebenso K.« neue Addr. vorgem. Gestohlene 12 anlangend sieht Feldhptm.„Zukunft" wird nur in kompletten Jahrgänge" gebunden abgegeben. Einzelne Hefte nicht vorhanden- Dies auch ans mehrseitige andere Anfrage.— Peter Waldus: 13 bereit« an O. W. ges. bevor Kontreordre von L. kam. Neuestes jür Sie unterwegs.— Oppeln: Bf. v. 8./3. hier. Unser Anttvort als unbestellbar am 31./3. uneröffnct zurückgekommen. M. 3.— vom 2./3. nicht erhalten. Freunde find gebeten' die« Signal thunlichst weiterzugeben. Lausitzer Trompeter: Trompeterliedcr 1 verwendet; 2 später, theilweisi andere Tonlage war nöthig. Gruß!— Reichs-Maulwurf: M. 20.75- Ab. 2. Qu.„S" u. f. 4 Hste.„R S" hat Volksbchhdlg. erhalten- — Johannes B: M. 10.— erh. u. entspr verwendet. Sdg. solgt. K. i. 10 X: M. 10 erh. Weiteres folgt.--- ger.— schl. 2 Fl. öw- Ab. 2. Qu Rest U— F. verwendet.— A-- el R: M.5.— Ab. 2. O"- nebst 15 C. erhalten. Durch uns, sowie durch die Volksbuchhandlung Hottingen- Zürich ist zu beziehen: Die Frau und der Sozialismus. Von August Bebel. 12 Bogen Gross-Oktav.— Preis 2 Fr.— Mk. 1. 50. Expedition des Sozialdemokrat. echvtlz. Stieinlduchbiudnti Hottlngrn-Ztlrich.