5-schewt »»ch«n»lich einmd Zürich(Schweiz) Verla« A. Herter, Z»»uftri«h«ll» Nieibach-Zürich P,ßse»»-»«e» frmco ieg«n Sewihnliche Briefe «ach der Schweiz tasten Dopp-lportir R? 13. Der Soiialkmolirat Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Sonntag, 11. April. Kvauuemeuts werden nur beim jBerlag und dessen dekannten Agenten ent» gegengenommen und zwar zum »orau» zahlbaren BierteljahrspreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) MI. 3.— für Deutschland(Souoect) st. 1.70 für Oesterreich(Stmveit) Fr. 2, 50 für all« übrigen Länder del Weltpostverein» sKrenzband). Ziserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Gl».-- 20 Psg. 188« Ali«»» die Karrespilldtite» und Ab-uueutru de»„Sizialdemikrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw verfolgt wird und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitung»- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adresstren, sondern sich möglichst an irgendeine unverdächtige Adresie außerhaib Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufS größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent- gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Unser« � Abonnenten in der Schweiz zur gef. Kenntniß, daß wir diejenigen, welche die An- nähme unseres Blattes bisher nicht ablehnten, auch als Abonnenten für das laufende Quartal vortragen und Nachnahme mit Nr. 16 erheben werden, sofern bis zum 15. dS. M. die betreffenden Abonnements- betröge nicht eingesandt wurden. Unser« auswärtigen Abonnenten, Filialen. Vertrauensleuten zc. legen wir ans Herz, Abrechnungen und Abonnementserneue- rungen. soweit noch nicht erfolgt, ungesäumt zu bewirken, damit keine Unterbrechung in der Lieferung eintreten muß. UnsereVertrauensadressen sind bekannt. Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen. Größere Beträge in Papiergeld oder Post-Ein- zahlung. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Flugschriften-Fonds. — F., Pfalz S.—; I. Sch., Augsburg 10,—; C. A. Pol in O. 2,—; Johanne« B. 5,—; K. 1,10 x; 7,—; St.O. Peter 2,50; Freunde A. O. 3.-; Ag. d. B'schen Mgplln. Fbg 0.-; I. K. A. 5.-; Fürth Ulk??? 24,10; Pole in Pest<ö. W. fl. 1,30) 2,17; Von der nasen kömglichen Familie, Tafelrefi—,80; Indirekt T— z.—,40; früher eingegangen: 168,55; zusammen: Mk. 235,62. Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Den Opfern de« Sozialistengesetzes als Zeichen ihrer Theilnahme, Ar- beiter von Nyon 10,20; Vom greulichen Freikorps auf dem Zürichberg gesammelt hundert Centimes—— ,80; Johannes B. 1,05;-- ger -- schl(30 kr. östr.)—,44; Von einer sozialrevolutionären Märzseier in Veveh 4,—; Selbstbcsteuerung, Liste 1, vom 13. März bis mit -. 23,20).8,50) 8,nir � g Gesam in leingang Mk. 12,756— Allgemeiner Wahlfonds. Bon den Gen. in Brg.(Rothwein) 8,10; St. O. durch Peter 2,—! früher-ingegangen 39,90; zusammen Mk. 50,— An Deutschlands Herren! Ihr sitzt aus stolzen Thronen, die Zügel in der Hand, Und lenkt nach Eurem Willen das schöne deutsche Land, Und lenkt eS hin und wieder und lenkt's— daß Gott erbarm. Da« Volk vom ew'gat Lenken wird matt und krank und arm. Da« Volk, da« todesmuthig die blut'gen Schlachten schlug, Die fadenschein'gen Banner zu neuem Glan; Euch trug, Das, wuthberauscht und hungernd, noch sterbend für Euch kocht, Such um die Todtenschädel den frischen Lorbeer flocht. Euch, denen gar so willig das Volk solch Opfer gibt, Euch stell' ich drum die Frage:„Habt Ihr es je geliebt? Habt Ihr— von„Gottes Gnaden"— wohl je danach gqragt� Ob diese« Volk der Wahnwitz, ob es der Hunger plagt?" Rein! Denn mit Eurem Herrschen entschlugt Ihr Euch der Roth, Jndest das Boll geknechtet stirbt hundertfachen Tod; Statt endlich einzugreisen mit aller Eurer Riacht, Habt Ihr ihm neue Henker und Ruthen nur gebracht. Und sinnt, wie Ihr den Beutel ihm fortan schneller leert, Ein sürstlicher Gedanke, der wahrlich Ruhmes werth. Doch scheint Ihr auch zu wissen, was Ihr dem Volke seid, Ihr suchtet gute Deckung für eine trübre Zeit. Fünfhunderttausend Krieger, gezeugt von unsrem Blut, Bewachen Eure Häupter und Euer Herrengut. Sonst schlug das Herz des Volkes für manches Herrscherhaus, Glück zu, Ihr bliest die Flänimchen zur guten stunde aus. Volk« liebe! Ja, Ihr kanntet als Wahn sie längst und drum Da Ihr das morsche Throuwerk aus« Bajonnet gestützt. Wähnt Ihr den Sturm drum ferner? Ich glaube, er ist nah, Seitdem durch das Gewölk- ich Bliyeszncke» sah. Im Osten an der Newa— schaut hin da« Sturmsignal! Magnetisch aus der Scheide hebt's westwärts schon den Stahl, Die Wetter zieh'n zusammen,— die Kämpfer ziehn zu Haus,— Glück aus den Weg Ihr Herren, die Republik steht aus! Georg Hammer. Was thun? Reue Folge. II. Wir haben also einen Staat, in welchem der Sozialismus zur unbedingten Herrschaft gelangt ist, während in allen übrigen zivilisirten Staaten noch die alte Ordnung der Dinge, d. h. das alte Wirthschaftssystem— in Verbindung mit welchen politischen Formen, ist hier gleichgültig— besteht. Welche Mittel wird nun unser Staat ergreifen, um einerseits seine innere Einrichtung nach den Prinzipien des Sozialismus zu gestalten und anderseits nach Außen eine Stellung einzunehmen, welche die Kollision der alten und neuen Wirthschastsordnung zu Gunsten der Letzteren löst und überhaupt sein Gedeihen sichert? Was die Neuordnung der inner» Verhältnisse betrifft— ich beschränke mich hier rein auf das wirthschaftliche Gebiet, dieser Stufe ökonomischer Entwicklung entsprechende administrative, po- litische, Bildungs- zc. Institutionen als selbstverständlich voraus- setzend— so möchte es jedenfalls als das Einfachste erscheinen, durch die ganze, gründlich verpfuschte alte Rechnung einen reso- luten Strich zu machen und ftisch zu beginnen, d. h. sämmt- liche Produktionsinstrumente durch einen gesetzgeberischen Akt auS dem unberechtigten Besitz der Einzelnen in den der Gesammt- heit überzuführen und so an Stelle der anarchischen Privatpro- duktion die planmäßige Kollektivproduktion zu setzen. Aber wenn die Geschichte auch an gewissen großen Wendepunkten ihren ge- wohnten gleichmäßigen Schritt beschleunigt und zahlreiche Hinder- nisse, die sie sonst bedächtig abträgt, im energischen Vorwärts- streben mit Einem Tritt niederwirft, so kennt sie doch keine Salti- mortali, und wer sie je dazu nöthigcn wollte, hat es schwer zu büßen gehabt.— In der ersten Zeit unseres Staates wird noth- wendig ein Uebergangszustand eintreten müssen, in welchem das Alte, das Privateigenthum an dm Produktionsinstrumenten, noch Platz findet, wobei es sich freilich von selbst versteht, daß möglichste Garantien gegen seinen bisherigen, dem Gemeinwohl schädlichen Einfluß und für sein successives Erlöschen geschaffen werden. In Bezug auf die sofortge Besttzergreifu� g von Produktions- instrumenten seitens unseres Staates wird> allgemeinen die schon öfter erörterte Regel maßgebend sein,.?ß sie bei allen wirklich konzentrirten Beirieben zu erfolgen habe, während mangel- Haft konzentrirte Branchen und solche, welche ihrer Natur nach schwer konzentrirbar sind, zunächst unter der Aufsicht des Staates dem Privatbetrieb und vor allem dem Wirkungskreis der Kom- mune zu überlassen sind. Es ist keineswegs der Zweck dieser Abhandlung, all die verschiedenen Produktionen unter den erwähnten Gesichtspunkten zu betrachten; es werden sich zu dieser Aufgabe andere, kompetentere Federn finden und haben sich zum Theil schon gefundm. Um aber die Grundsätze, nach welchen meiner Idee nach sowohl die sofortige Expropriation, als insbesondere die Unschädlichmachung, Unterordnung unter den all- gemeinen Betriebsplan und allmälige Ueberführung in den Kollektivbesitz vorläufig noch in Privalhänden befindlicher Produktionsmittel zu erfolgen haben, wähle ich einen wichtigen Produktionszweig, die Landwirthschast, als Beispiel. Ueber die Nothwendigkeit des Kollektivbefitzes von Grund und Bodm braucht man unter Sozialisten so wenig ein Wort zu verlieren, wie über dessen Rechtmäßigkeit; aufmerksam zu machen ist aber darauf, daß die Sicherung der unenlbehrlichsten Lebens- bedürfnisse in unserm isolirtem sozialistischen Staat in Folge der Möglichkeit, wmn auch nur vorübergehender, ganz oder theil- weiser Zufuhrstockung durch feindliche Maßregeln der kapitalistischen Nachbarstaaten noch nothwmdiger als sonst, zeitweilig zu einer wahren Lebensfrage werden kann. Trotzdem ist es sehr zweifel- Haft, ob in unserem Staate sofort das gesammte Land oder auch nur dessen überwiegender Theil in den Kollektivbesitz übergehen können wird. In England, vielleicht auch in Italien, wo schon heute fast die gesammte Bodenfläche von einer geringen Anzahl Großbesitzern monopolistrt ist und die Kleinbesitzer kaum in Bewacht kommen, wird die„Expropriation der Expropriateurs" keine Schwierigkeit machen, und der Staat ohne erheblichen Widerstand, sozusagen auf Einen Schlag, Besitzer des gesammten Landes werden(denn die den Kleinbesitzern vielleicht gewährte Ausnahme wird ohne jeden gesetzlichen Zwang bloS durch die Natur der neuen Wirthschastsordnung bald ein Ende nehmen). Für die zersplitterten Bodenverhältnisse Frankreichs und Deutschlands aber das Gleiche zu fordern, würde— selbst die Entwicklung einiger künftiger Jahrzehnte vorausgesetzt— eine Absurdität sein. Das ganze Mittel- und Kleinbauernthum, das trotz seiner großentheils bedeutenden Bedrängniß und Roth mit der größten Zähigkeit an seiner Scholle hängt, würde, trotzdem seine Enteignung nur eine rein nominelle wäre und es dafür thatsächliche Vortheile errängt, ohne weitere Einsicht in unserm Staat nicht seinen Wohlthäter, sondern seinen Todfeind erblicken und demselben nicht nur passiven, sondern auch sehr aktiven Widerstand leisten. Der von uns vorgestellte Staat wird also in seinen Besitz zunächst nur die schon vorhandenen öffentlichen Güter nehmen, also alles Staatseigenthum, das Kirchen-, Schul- und sonstiges Stiftungseigenthum und die Gemeindegüter. In wieweit und nach welcher Maßgabe auch der private G r o ßbesitz zur sofortigen Expropriation heranzuziehen sein wird, resp. ob dies in Hinblick auf die nachfolgend dargelegten, die schnelle Vergrößerung des Kollektivbefitzes sichernden Grundsätze, welche unser Staat dem fortbestehenden Privatgrundbesttz gegenüber zur Anwendung bringt, überhaupt nöthig ist, wird auf den speziellen Fall an- kommen und will ich hier nicht erörtern.*)— Durch diesen Besitz der öffentlichen Güter hat—- wenn derselbe zentralisirt ist, was heute nicht der Fall— der Staat schon einen gewichtigen Einfluß auf die landwirthschaftliche Produktion, einmal in Folge der Vortheile rationellen Großbetriebes und danu durch die öko- nomische Hebung seiner Arbeiter,— ein Einfluß, der freilich erst durch anverweitige, nachher zu erläuternde Bestimmungen maßgebend werden kann. Die bedeutend größere Menge l.'s Bodens befindet sich also immerhin noch im Privatbesitz. Welche Maßnahmen hat nun unser Staat zu treffen, um diesen Privatbesitz nicht nur zu hind-rn, daß er in der bisherigen Weise dem öffentlichen Wohl schädlich werde, sondern ihn zu zwingen, demselben dienstbar zu sein? Um diese Frage präz's beantworten zu können, muß ich vor allem eine Gegenfrage stellen: Was verschafft dem Privateigen- thümer oon Produktionsmitteln die Möglichkeit, letztere zum Schaden der Allgemeinheit zu gebrauchen? Nun, wird man et« wider», eben der Umstand., daß diese Produktionsmittel sein „Eigenthum" sind, mit den er anfangen lann, was er will. Diese Antwort ist im allgemeinen vollkommen richtig, genügt aber im einzelnen und speziell für unsern Fall keineswegs. Der Begriff„Eigenthum" ist kein ein für allemal feststehender, vielmehr ist er von den verschiedenen Zeiten und Völkern sehr verschieden aufgefaßt worden, wobei dem unumschränkten römisch-rechtlichen Eigenthumsbegriff deS jus ulendi et abutendi und jus quae cuique rem suam negligere licet(den die Eigenthumsfanatiker noch heute am liebsten zur obersten unnah- baren, außer aller Diskusston stehenden Gottheit erklären möchten) praktisch nach zeitlicher und örtlicher Ausdehnung das ge- ringste Wirkungsgebiet zukommt. Fast überall erlitt und er- leidet das Eigenthumsrecht zahlreiche Einschränkungen, die häufig sogar so weit gehen, dem Eigenthümer im Interesse des öffent- lichen Wohles jede Disposition über sein Eigenthum(mit Aus- nähme des Veräußerungsrechtes) zu nehmen. Die Vergangenheit, die bei den Griechen, Römern zc. Beispiele des unbestrittenen Verfügungsrechtes des Staates, d. h. der Allgemeinheit über den Besitz des Einzelnen, genug böte, ganz beiseite lassend, will ich nur einen prägnanten derartigen Fall aus der Gegenwart an- führen. Nach den neuesten Forstgesetzgebungen Oesterreichs und Württembergs(nach deren Ausdehnung auf alle Kulturstaaten die Forstmänner streben) darf der Eigenthümer eines Waldes in demselben ohne Erlaubniß der Forstaufsichtsbehörde absolut gar keine Veränderung vornehmen. Hält die Forstbehörde aus forst- wirthschaftlichen Gründen eine Holzfällung für schädlich, so darf der Eigenthümer keinen einzigen seiner Bäume schlagen, und brauchte er das Holz auch noch so dringend; ist dagegen ein Hieb nöthig(z. B. wegen Ueberständigkeit), so muß ihn der Eigenthümer ausführen, wenn er auch gar keine Lust dazu hat. Das, was das Privateigenthum an Produktionsinstrumenten am gefährlichsten für die Allgemeinheit macht, nämlich die vollkommen freie Verfügung, es gut oder schlecht zu gebrauchen, ist ihm so genommen; es kann der öffentlichen Wohlfahrt nicht nur nicht ent- gegenhandeln, sondem muß ihr in allen Dingen dienen. Geblieben ist dem Eigenthümer nur das den Grundbestandtheil des EigenthumsbegriffeS ausmachende Recht, früher oder später aus seinem„Eigenthum" einen der Gesammtheit nicht zukommenden, separaten Nutzen zu ziehen, der zwar in Folge jener Beschränkungen keineswegs nach Belieben vergrößert werden kann, aber immerhin noch ein wesentliches Vorrecht dem Nichtbesitzenden gegenüber bildet. Halten wir diese Eigenthumsdefinition fest(man sieht, daß wir keineswegs lauter so ganz„Unerhörtes" und„Niedagewesenes" einführen wollen, vielmehr nach jeder Richtung blos an schon vorhandene Zustände anknüpfen, viele schon in der heutigen „Ordnung" existirende Keime nur zu entwickeln brauchen), so ist die Aufgabe, im Uebergangstadium einen modus vivendi zwischen dem sozialistisch organistrten Staat und dem Privateigenthum zu schaffen, der die nöthigen Garantien für das öffentliche Wohl— *> Indessen wcrdendie Kolossalgüter, die sürstliche» und adelichen Fidei- tommisse:c. wohl jedenfalls sofort einzuziehen sein. sowohl für das augenblickliche als für das künftige, d. h. für den sukzessiven Uebergang des Privatbesitzes in den Kollektiv- besitz— bietet, zu finden, keineswegs allzuschwierig. Für das ganze Land wird ein nach den Grundsätzen der wissenschaftlichen Landwirthschaftslehre und den Ergebnissen der Konsumstatistik entworfener Wirthschaftsplan aufgestellt, dessen Bestimmungen über die Kultur des Bodens(zum Getreide-, Futter-, Garten- tc. Bau) und die dazu anzuwendenden Mittel (Bewirthschaftungsart, Samensorten-c.) genau einzuhalten, die Privateigenthümer gesetzlich ebenso verpflichtet sind, wie die Be- triebsleiter der Staatsgüter. Zum Zwecke der Durchführung des Wirthschastsplanes wird der ganze Staat in Landwirthschafts- bezirke eingetheilt, deren jeder das nöthige Beamtenpersonal zur Beaufsichtigung und Hilfsbewirthschaftung erhält. Privatgüter, welche aus Renitenz oder Unkenntniß anders, als es der Wirth- schaftsplan vorschreibt, verwaltet werden, werden vorläufig auf Kosten ihrer Eigenthumer unter besondere Kontrole der staatlichen Landwirthschaftsbeamten genommen; zeigen sich die Eigenthümer aber dauernd widerspenstig oder unfähig, die zur Erzielung einer rationellen Bewirthschaftung gegebenen Bestimmungen zu erfüllen, so erfolgt Expropriation— ebenso selbstverständlich bei Emi- gration und Landesverrath der Eigenthümer(in den letztern Fällen natürlich ohne Entschädigung).— Wie die Privatbesitzer sich hinsichtlich des Bodens nach den staatlichen Bestimmungen zu richten haben, so haben sie dies auch in Bezug auf die bei ihnen beschäftigte» Arbeiter zu thun. Es werden nicht nur gesetz- liche Maßnahmen in Betreff der Arbeitszeit, der nöthigen sani- tären und sonstigen zum Arbeiterschutz erforderlichen Einrichtungen getroffen, sondern auch ein Minimal lohn festgesetzt(wobei selbstverständlich der Staat auf seinen Gütern nach jeder Rich- tung mit gutem Beispiel vorangeht). Vergebliche Mühe. Der letzthin von uns veröffentlichte Brief Nobilings ist, wie sich voraussehen ließ, den Berliner Gewalthabern, be- sonders gerade jetzt, unmittelbar vor der Berathung der Sozia- listenvorlage, höchst unliebsam in die Quere gekommen und hat ihnen gewaltige Unbehaglichkeiten gemacht. Ein neuer, von un- verdächtigster, amtlicher Seite ausgehender Beweis, daß Nobiling kein Sozialdemokrat, sondern ein waschächter liberaler Monarchist war,— das heißt ja den„sittlichen" Grundstein des Sozialisten- gesetzeS zermalmen und die Regierung zwingen, letzteres offen vor aller Welt ausschließlich auf die Gewalt fundamentiren. Und das muß für die Regierung höchst unangenehm sein! Da gab es denn kein anderes Mittel, als freches Ableugnen und das ließ man denn auch sofort durch das speziell für Lügen, Berläum- dungen und Fälschungen vorhandene Organ, die hochoffiziösc „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", besorgen. Nachdem das Blatt unfern Artikel in Nr. 13 erwähnt und gleich mit der großspu- rigen Unwahrheit begonnen hat, daß es eigentlich sonst nicht die Gewohnheit habe, sich mit dem„Sozialdemokrat" abzugeben, — während es Thatsache ist, daß sich, namentlich in letzter Zeit, keine deutsche Zeitung mehr mit uns beschäftigt, als gerade tyrs Bismarck'sche Lciborgan—, behauptet es keck:„... daß der niit- getheilte Brief nichts als eine plumpe, schamlose Fälschung ist, deren Zweck sehr deutlich durch die daran geknüpften Schluß- folgerungcn in die Augen springt." Dann aber fügt cS vorsichtig, nämlich in Voraussicht, daß sich die Ableugnung dem zu produ- zirenden Original des Lewin'schen Briefes gegenüber auf die Dauer nicht wird aufrecht erhallen lassen, hinzu:„Aber selbst im Falle der Richtigkeit des Schreibens würde das letztere, nämlich die Abschüttelung des Verbrechers Nobiling von den Rockschößen der Sozialdemokratie nicht erreicht werden. Denn darauf, was der kranke, geistig und körperlich zerrüttete Nobiling gesagt hat, wird es niem als an kommen, sondern nur darauf, was der seiner Sinne völlig mächtige und seines ThunS und Handelns bewußte Nobiling erklärt hat, und dieser letztere hat sich zu gerichtlichem Protokoll voll zur Sozialdemo- kratie bekannt." Aus diese Tirade, von der man nicht weiß, ob man an ihr mehr die eherne Stirn, mit welcher bewußte und längst vor allen Verständigen und Ehrlichen hinfällig gewordenen Lügen dreist wiederholt werden, anstaunen, oder das armselige Handwerk, sich so erbärmlich plump um Thatsachen herumwinden zu müssen, bemitleiden soll,— erwidert die fortschrittliche Berliner„Volks- zeitung" mit folgenden Fragen:„Bezieht sich ihre(der„Nordd. Feuilleton. Am Garge eines Cäsaren. Ein Brief„aus Heuchelland". Von Heinrich Ziiue. (Fortsetzung.) Zu der Zeit, von welcher ich spreche, war Eugenie just ver- reist; unbekannt wohin. Nur ihr Sohn— sagen wir vorsichtshalber ihr angeblicher Sohn, denn ich möchte hier um Gotteswillen keine Garantie der Echtheit zu übernehmen haben— befand sich im Hause, derselbe, welcher im Lande der Kaffern vor beinah einem Jahre den Tod erlitt. Armer Lulu! Armer Prinz Langohr! Ein echter Peter Schlemiehl, rannte er zeitlebens seinem Ruhme nach, wie jener seinem Schatten.„Ruhm um jeden Preis!", war die Parole der bis zum Wahnwitz eitlen und herrschgierigen Mutter. Und als es ihm endlich glückte, die Welt ander» als mit Spottgelächter von sich reden zu machen, da war er— todt, da war es bei jenem Anlaß, von welchem ein Sprichwort seines Landes sagt:«II ment comme une Epitaphe»,„er lügt wie eine Grabschrift". Und zusammmgelogen wurde was über den edlen Helden von Kaffernland! Es war wahrhaft herzerweichend, die endlosen weh- müthig-thränenvollen Klagen anzuhören, mit welchen z. B. die gesammte gutdenkende Presse den„ruhmvollen Tod" des„letzten Napoleoniden", des„jugendlichen Heros" besang.(In Wahrheit ist der Edle bekanntlich mit einer Geschwindigkeit von Null Komma Null vor den Kaffern ausgekniffen und nur, weil er in Allgem. Z.) Behauptung auf eine unbekannte Vernehmung vor dem Attentate oder versteht sie unter dem„seiner Sinne völlig mächtigen Nobiling" den Nobiling, der mit der tödtlichen Kugel im Kopfe, mit einem Loche im Gehirn am Boden lag? Die Zugeständnisse, welche der Eifer der Polizei aus diesem Nobiling herausgebracht haben mag, werden in den Augen verständiger und vorurlheilsfreier Menschen wohl kaum den Anspruch auf irgendwelche Glaubwürdigkeit machen dürfen. Wer sind denn die Acrzte, die vor der Vernehmung seine Zurechnungsfähigkeit kon- statirt haben? Wer sind die Zeugen, die dieser Vernehmung bei- wohnten? Wo ist überhaupt der Beweis, daß es sich mit dieser Behauptung nicht um freie Phantasien handelt, wie sie augenblicklich gerade gebraucht wurden? Wo sind die amt- lichen Protokolle? Bei einem Verbrechen, wie demjenigen Nobilings, das die gesammte Nation in Mitleidenschaft versetzt, bei einem Verbrechen, das zur Grundlage eines Ausnahme- gesetzes gemacht ist, das etliche Hunderttau- sende von Staatsbürgern außerhalb des Ge- setz es stellt, da wird die öffentliche Meinung, die nicht irre geführt sein will, sich schwerlich mit den Korrespondenzen eines unzuverlässigen Berichterstatters oder den offiziösen Auslassungen des Wolff'schen Telegraphenbüreaus begnügen, für welche Nie- mand die Verantwortung übernimmt; da hat sie ein Recht, die Auslieferung der Protokolle zu verlangen, wie sie ein Recht hatte, mit zu Gericht zu sitzen, als Hödel seine Bekennt- nisse ablegte. Diese Protokolle einsehen, ihre Glaubhaftigkeit prüfen, die angeblichen Bekenntnisse des zu Tode getroffenen Ver- brechers mit seinem Vorleben und den Aussagen der Zeugen ver- gleichen zu dürfen, das ist eine berechtigte Forderung der Nation. So lange dieser berechtigten Forderung nicht Genüge geschehen, sind Behauptungen, wie sie die„Nordd. Allg. Ztg." aufstellt, nichts als Redensarten, die nicht nur an sich auf irgendwelche Glaubwürdigkeit k e i n e n Anspruch haben, sondern schon um des- halb, weil sie bestimmt sind, die fortgesetzte Zurückhaltung der Protokolle zu vertuschen, in ihrer Tendenz in hohem Grade ver- dächtig sind. Solchen vagen Verdächtigungen gegenüber werden ehrliche Leute mit dem Abgeordneten Lasker bei der Ucberzeugung stehen bleiben, daß der Zusammenhang zwischen Nobiling und der Sozialdemokratie nicht vorhanden ist."— Die„Volkszeitung" protestirt deshalb gegen den erneuten offiziösen Versuch, aus den Attentaten Kapital gegen eine politische Partei zu schlagen. Die „Berliner Zeitung" aber spricht von der Wiederauffrischung„des Ammenmärchens, daß Nobiling sich zur Sozialdemokratie bekannt habe" und fährt dann fort:„Das offiziöse Organ hat die Stirn, zu sagen, daß die„Abschüttelung des Verbrechers Nobiling von den Rockschößen der Sozialdemokratie" nicht gelingen werde. Diese Art der Polemik gegen eine Partei richtet sich selbst; sie ist aber ein Beweis der niedrigsten Gesinnung in dem Augenblicke, da die Sozialdemokratie mundtodt gemacht ist und sich gegen die schmählichsten Verleumdungen nicht zu Verlheidigen vermag. Glaubt man wirklich, mit derartigen Mitteln die verhetzte und verbilterte Sozialdemokratie in das Lager der bürgerlichen Ord- nung zurückzuführen?" Da selbst gegnerische Blätter— die dafür natürlich von der ergrimmten„Nordd. Allg. Z." als„Anwälte der Sozialdemo- kratie" denunzirt werden— so sprechen, da können wir uns weitere Ausführungen ersparen. Wir konstatiren nur: 1) Vor dem Attentat bekannte sich der„seiner Sinne mächtige Nobiling" erwiesenermaßen als Gegner der Sozialdemokratie, als Ratio- nalliberaler; 2) Nach dem Attentat wiederholte der allmälig wieder zu Besinnung und Erinnerung gekommene Nobiling sein den sozialistischen Ideen in allen Dingen gerade entgegengesetztes politisches Glaubensbekenntniß.— Wasaberdic.freilichnur von einer„Nordd. Allg. Z." angestrittene Aecht- heit des von uns mitgetheilten Lewin'schen Brie- seS betrifft, so wird der Beweis für dieselbe an b er geeignetsten Stelle, nämlich im Reichstag, er- bracht werden. Polizeipech. In der„guten alten Zeil" beunruhigte einmal ein Schnapphahu die Reichsstadt Nürnberg mit Raub, Mord und Brandstiftung auf's äußerste, worauf der Hochwohlweise Rath anordnete, daß der Missethäter schleunigst vom ttben zum Tod zn bringen sei,— wenn man ihn nur erst hätte! Der schlaue Patton ließ sich aber nicht sangen, woraus die mit den RUrnbergern in ewigem Hader liegenden Erlangcr den Reichsstädtern das Spotlwort ausbrachten:„Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn zuvor." Bald darauf fing der Schnapphahn auch in Erlangen an, fem Unwesen zu treiben, wurde jedoch bald erwischt und vom hochnothpein- der allzugroßm Eile vom Gaule herunterplumste, fiel er den Zulu'S in die Hände. Schlechte Unterthanen könnten hier allerdings einwenden, was denn der Tod dieses blödsinnige» Jungen mehr zu bedeuten habe, als der Tod jedes andern Menschen, z. B. jener zwei Soldaten, die zugleich mit ihm fielen? Noch schlechtere Unter- thanen könnten am Ende noch hinzufügen, jene zwei Soldaten hätten vielleicht später nützliche Menschen werden können— Schneider, Schuster oder auch Handschuhmacher—; der„Erbe der Napoleoniden" aber hätte höchstens nur den Bürgerkrieg in Frankreich verursacht und so Roth und Tod über viel Tausende von Menschen gebracht, so daß es, ganz genau bettachtet, besser sei, er existirt nicht mehr. Ja. wenn Einer schon ganz und gar vom Gifte der Anarchie verderbt ist, könnte er schließlich gar noch die Frage auswerfen, wer weiß, ob sich die Welt nicht besser befände, wenn alle die erlauchten Standesgenossen des jugend- lichen Prätendenten seinem schönen Beispiele folgten und ins Pfeffer- land oder besser ins Zululand gingen, um nimmer wiederzu- kehren! Natürlich brauche ich nicht erst zu sagen, daß ich meinerseits solche Ansichten voll Abscheu weit von mir weise, die offenbar „den Thatbestand des Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung begründen", welche ja nach§ 302 des Strafgesetzbuchs verboten ist. Wohin sich Eugenie zu jener Zeit, als ich vor Camden-House stand, so geheimnißvoll entfernt hatte, sollte die Welt gar bald erfahren: damals war es nämlich' gerade, als der bekannte Staatsstreichversuch unter dem Ministerium der Broglie, Fourtou -c. im Zuge war. Und da wollte die Gattin des Dezembermannes, die sich den Weg zum Throne bereit« geebnet glaubte, natürlich lichen Gericht zum Galgen verurthcilt. Des Nachts vor dem festgesebken Hinrichtungslag aber gelang es dem durchttiebenen Sünder, zu entwisch, a und die Nürnberger gaben nun den Hohn doppelt zurück, indem sie spotteten:„Die Erlanger hängen nicht einmal die, so sie schon haben."— Dieser Spruch und dies Geschichtchen fallen uns unwillkürlich ein, ang. sichts einer urkomischen Affaire, welche jüngst der schlauen deutschen Po lizei in ihrem Komps gegen die Sozialdemokratie und zwar speziell gegen den„SozialdeinoKat" zugestoßen ist. Die Genosten werden sich eine» Münchencr Berichtes in Nr. 13 erinnern, wornach zur Feier des Kaisergeburtstages in der bayerischen Hauptstadt nicht weniger als 135 Haussuchungen bei Sozialdemokaten abgehalten worden sind, bei denen freilich, ttotzdem der Stteiszug bereits um 5 Uhr früh begann und die Wohnungen bis in den kleinsten Winkel und die Personen bis auf's Hemd durchsucht wurden, so gut wie gar nichts gefunden wurde. Was war nun der Grund dieser Razzia? Aus ein paar verbotene Blätter konnte es doch nicht abgesehen sein, da man deshalb doch kaum einen so gewaltigen Polizeiapparat entfaltet hätte. Es handelte sich offenbar um etwas Größeres— um einen Hauptstreich. Daß der„Sozialdemokrat" die Ursache war, erfuhr man gleich von de» schnüf- selnden Polizeitölpeln, insbesondere aus dem voreiligen Freudengeschrei eines derselben, als er einen von der Lerbreituug des„Sozialdemokrat" sprechenden Brief(der freilich nach einem ganz andern Ort gerichtet war) fand.„Jetzt haben wir, was wir suchen", jubilirte der Biedere, wird aber doch gleich den höheren Polizeinasen aus dem Ding sehr wenig zu macheu gewußt haben. Die Sache aber verhält sich so: Bor kurzem war in mehreren deutschen Blättern nachsolgende Mit- theilung über die geheime sozialdemokratische Propaganda zu lesen:„Man weiß, daß die Sozialdemokraten Uberaus findig sind, wenn es gilt, Mittel zn entdecken, ihre Schriften, die offen nicht näch Deutsch- land hereingelassen werden, unter allerlei Formen über die Grenze und an die Empfänger zu spedireu. Wie fie's beginnen, davon weiß eine Korrespondenz vom Bodensee Folgende» zu erzählen: Der in Zürich wöchentlich einmal erscheinende„Sozialdemokrat, internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge, gelangt au» der Schweiz auf räth- sclhasten Wegen in das deutsche Reich, bald dahin, bald dorthin, seit das Änsisozialistengesetz die regelmäßige Versendung sozialdemokratischer Zei- tungen unmöglich gemacht hat. Das wußte man lange. Auf dem Bahn- Hose Lindau wurde jüngst von den Zollaussichtsorganen gelegentlich der Zollrevision ein große« Colli behandelt. Es kam aus Vorarlberg mit der Deklaration„Papierabfälle" und war in eine kleine, am Main gelegene Stadt bestimmt. Was ergab sich aber? Oben und unten und ringsumher richtige Papierabfälle, in der Mitte eine große Sendung de« obeu genannten sozialdemokratischen Organe». Sie wurde nach dem Reichsgesetze von der bayerischen Preßpolizeibehörde zu Lindau beschlagnahmt und das Weitere eingeleitet. Wie klug war doch das Ganze ge- plant! In einem obskuren Vorarlberger Orte war die Sendung aus- gegeben und nach Franken in ein Mainstädtchen adressirt, wo Niemand auch nur einen Sozialdemokraten vermuthen wird." Diese Darstellung ist im Wesentlichen richtig. Nachdem bereits zahl- reiche Sendungen von„Sozialdemokrat" und andern verbotenen Schrif- ten in ähnlicher Weise unter den blöden Augen der Zensurwächter die Grenztafeln mit dem fettgeivordenen Raubvieh passirt hatten, fiel da» obenerwähnte Colli durch irgendeinen widrigen Zufall den amtlichen Zei- tungsdieben in die Hand. Derlei kleine Unsälle muß sich natürlich zede geheime Propaganda, gefallen lassen, und werden einfach Mittel und Wege geändert, worauf die Sache in der alten Weise wieder fortgeht. Wir machten also gar kein besonderes Aushedens von der Sache, umsomehr als wir sicher waren, daß die mit der Bewachung der betr. Linie betrauten Bertrauensgenosten alle Umsicht entfalten würden, um der edlen Polizei den schon erhaschten Raub womöglich wieder zu entwinden. Und wir täuschten uns nicht. Denn nun kommt die Erlanger Hänaemaxime. Am 11. März erhielten wir die Benachrichtigung der kgl. Güterexpedition Lindau, daß die in dem erwähnte» Colli ausgesundenen„zahllosen Exemplare" unseres Blattes von dem kgl. Bezirksamt Lindau auf Grund des Sozialistenge- setze« mit Beschlag belegt worden seien. Schon am nächsten Tage aber besand sich die konsiSzirte Sendung nicht mehr in der Gewalt der Polizei! Sie war über Nacht auf„räthselhafttn Wegen" verschwunden, und hat die Polizei trotz ihrer sprichwörtlichen Schlauheit bis heute keine Spitt mehr davon entdecken können, noch wird sis dieselbe mehr entdecken, da die Sendung längst und unbeirrt durch die kurze Rast im Lindauer Zollkeller an die richtige Adresse gelangt ist. Plan kann daraus und aus manchen ähnlichen Fällen sehen, daß sich unsere„Findigkeit" neben der der weisen Polizei doch einigermaßen sehen lasten kann, besonders wenn man unsere geringe Ucbung in derlei Dingen mit der Uberaus großen der Polizei vergleicht, und mögen hier- aus unsere Genossen einen gewissen Trost und das Berttanen schöpfen, daß unserer Propaganda und vorzüglich auch der Berbreittmg des„SozialdeinoKat" gegenüber alle Rasfinirtheit und Diebsserttgkeit der Polizei nur geringe Erfolge zu erzielen vermag. Da wir aber die vorübergehend beschlagnahmte Sendung gewohn- heitsgemäß nicht frankirt hatten und die konfiszirende Lindauer Zoll-, bezw. Preßbehörde bei der Beschlagnahme die aus der, Sendung stehende Fracht bis Lindau bezahlen mußten, welchen Betrag wir bei der späteren Weitersendung ersparten, so müßten wir undankbaren Herzens sein, wenn wir nicht hiemit der deutschen Polizei unfern aufrichtigsten Dank für ihre uneigennützige Beihilfe zur billigen Versendung und Weiterverbreitung des„SozialdemoKat" aussprechen würden!— Vermnthlich erinnert dies heitere Polizeistückchen, dem wir mit der Zeit noch andere werden hmznsllgen können, manchen einigermaßen an ähnliche von den„Nihilisten" der russischen Polizei gespielten Stteiche, über welche die ganze Welt lachte, ehe ihr über ernsteren Thaten da« Lachen verging. Nnn, die Zustünde in Deutschland werden eben immer russischer; und wenn der Druck der Tyrannei so zunimmt wie bisher, dann wäre es nicht unmöglich, daß auch da« dicke Ende noch nachkäme! hübsch bei der Hand fein. Leider schlug aber ihre Hoffnung fehl, denn jener Staatsstreichversuch mißlang bekanntlich schon vor seinem Beginn. Freilich nicht etwa in Folge der Umsicht und Thatkraft der„Republikaner", die im Gegentheil munter fort- schwatzten, sondern in Folge der Unfähigkeit der Verschwörer selbst. Ei fehlte an dem Morny, Louis Napoleon, Persigny; ein Mac Mahon ist selbst zu einem Staatsstreich zu dumm. Wird er aber deshalb viel längere.Dauer haben, jener ekelhafte Wechselbalg, dm ste drüben jetzt auf den hehren Namen der Republik getauft haben, diesen Namen dadurch schändend? Ich glaube es kaum. Was ist sie denn, bei Lichte besehm, diese Republik der Thiers, Favre, Gambetta? Nichts als eine neue— im Grunde auch nicht einmal neue— Form für die alte Herrschaft der herrschenden Stände. Nachdem das wieder ausgegrabene ancie» rtzgirae Karls X., das Börsenkönigthum des Jobberkönigs Louis Philipp, der demagogische Humbug des Kaiserreichs nach einander unmöglich geworden, war die Zeit der erwähnten politischen Spekulanten gekommen.„Versucht es doch einmal mit uns", sagten sie,„laßt uns dem Volke die Puppe Republik reichen, und ihr sollt Wunder sehen, wie artig und folgsam der Unband wird. Der alte Spitz- bube Thiers sagte es ja seinerzeit offenherzig genug, die Auf- richtung der„konservativen" Republik sei das einzige Mittel gewesen, die Revolution, d. h. die wirkliche Republik zu ver- hindern, sie sei für jetzt die einzig mögliche Staatsform, man müsse den Versuch damit machen. Und der Versuch wurde gemacht. (Fortsetzung folgt.) Sozialpolitische Rundschau. pevtschlaud. * An der Spree vollzieht sich wieder einmal ein Götlerschau- spiel, welches für die Dinge im Reich außerordentlich charakter- istisch ist. In der Bundesrathssitzung vom 3. ds. fand bei Feststellung des Gesetzentwurfs betr. die Erhebung von Reichs- stempelabgaben, über die Frage, ob Quittungen über Postan- Weisungen und Postvorschußsendungcn der Stempelabgabe zu unterwerfen seien, eine Abstimmung statt, wobei die Reichsregierung, bezw. Bismarck den Kürzeren zog. Allerdings behaupten die Offiziösen, die Majorität von 30 Stimmen habe eine Bevölkerung von 7'/, Mill., die Minorität von 28 Stimmen dagegen eine solche von über 30 Millionen repräsentirt und sechszehn Stim- men kleinerer Staaten hätten sich im Wege der Substitution in den Händen von zwei Mitgliedern des Bundesraths befunden. So bezeichnend solche Dinge nun auch für die deutschen Ver- fastungsverhältnisse sind, so sind sie doch einmal gesetzlich, ja vom Gesetzgeber Bismarck selbst ermöglicht; und überdies wird sich das Mißverhältniß auch oft genug gegen die Kleinstaaten gelten machen. Weil aber der„große Kanzler" Unrecht bekommen, spielt er sofort dm Trotzkopf und reicht seine Entlassung ein, mit der Motivirung: daß er den gegm Preußen, Bayern und Sachsen gefaßten Majoritätsbeschluß nicht vertreten könne. Münd- (ich aber sagte er's deutlicher:„Ich habe keine Lust, mich von den Kleinstaaten majorisiren zu lassen; dazu habe ich das Reich nicht geschaffen!" Vortrefflich: ER hat das„Reich" geschaffen, damit darin alles so gehe, wie ER es will! Das Wort ist unbezahlbar und wir werden noch davon sprechen. Selbst- verständlich ist die Sache nicht zu ernst zu nehmen, denn in dem allgemeinen Reichsdurcheinander kann Bismarck nie entbehrt wer- dm und er wird deßhalb bleibm, während der ärgerliche Bun- deSrathsbeschluß suspendirt wird. Das heißt sich dann in Deutsch- land konstitutionelles Regiment! Nur so fort— wir könnten's nicht besser wünschen! — Der Reichstag hat sich wieder versammelt und wird in dieser Woche die zweite Lesung der Militärvorlage durchpeit- sche». An der Annahme der letzteren ist natürlich nicht zu zwei- feln— wofür wäre denn die Jasagergesellschaft da! — Die ursprünglich auf den 7. ds. anberaumte Reichs- tagswahl im 2. Berliner Wahlkreis wurde auf den 15. ds. verschobm. Bei der jüngsten Nachwahl in Osnabrück erhielt der sozialdemokratische Kandidat Freitag bei 1000 Stimmen, ein für diesen Wahlkreis sehr ansehnliches Resultat. — Das Lügen aus die Sozialdemokratie ist der gegnerischen Presse schon zur zweiten Natur geworden und wird namentlich jetzt eifriger denn je betrieben, weil die tapferen Ver- leumder durch das Sozialistmgesetz davor geschützt sind, von einer deutschen sozialdemokratischen Presse auf der That gefaßt und empfindlich gezüchtigt zu werden. Ganz besonders weiß eine Anzahl deutscher Blätter immer und immer wieder von einer „Theilung",„Zersetzung" und„Auflösung" der deutschen Sozial- demokratie zu berichten, unbekümmert darum, wie sehr die That- fachen der deutschen Regierung und Bourgoiste zu ihrem Leid- Wesen das Gegentheil beweisen. So ging neulich folgende Nach- richt durch die Blätter(auch die„Neue Zürcher Zeitung" ver» schlang den settm Bissen natürlich begierig): „Innerhalb der Sozialdemokratie mehren sich die Anzeichen, welche auf eine stetig wachsende Zersetzung dieser einst so stramm gegliederten und gut disziplinirten Partei hinweisen. So theilt Jemand, der neuerdings in geschäftlichen Angelegenheiten in Braunschwcig weilte, der„Dresdner Zeitung" mit, daß an die angebliche Krankheit des Herrn Bracke, der aus„Gesund- heitsrückstchten" sein Reichstagsmandat niederlegte, in Braun- schweig kein Mensch glaubt. Bekanntlich ist Bracke„Bourgeois" durch und durch, er ist Inhaber einer großen Getreidehandlung, Buchdruckereibesitzer, Verlagsbuchhändler u. s. w. u. s. w., und soll auch seine Mandatsniederlegung in einer Beziehung auf ge- fchäftliche„Rücksichten" zurückzuführen sein. Als Getteidehändler unterhält nämlich Herr Bracke mit einer Anzahl adeliger Groß- gruudbesitzer in Braunschweig und Hannover direkte Verbindungen, und dieser Umstand sei dafür mitbestimmend gewesen, daß er auf ein weiteres Hervortreten innerhalb seiner Partei und vor allem im Reichstage Verzicht geleistet habe. Diese Nachricht wird auch weiter dadurch bestätigt, daß Herr Bracke seine Buchdruckerci und sein Blatt zu verkaufen beabsichtigt, somit also sich nur auf seine eigentliche(kaufmännische) Thätigkeit beschränken will. In zweiter und hauptsächlicher Linie soll ihm aber noch mehr der gewalt- thätige Sozialismus, wie ihn das offizielle Parteiorgan„Sozial- demokrat" in Zürich und die Most'sche„Freiheit" in London augenblicklich predigen, zu seinem Rücktritt bewogen haben. Bracke war von jeher der Feind von solchen Extravaganzen und ist in persönlicher Beziehung sogar(!) ein durch und durch achtens- wercher Mann. Daß die Herren Bebel und Liebknecht von diesem Verlust wenig erbaut sind, braucht nicht speziell erwähnt zu werden." Daß dieses ganze Histörchen nichts als Eine plumpe Lüge sei, welche einerseits den Gegnern einen kleinen Trost für ihre Erfolg- lostgkeit im Kampf mit der Sozialdemokratie geben sollte und anderseits ein(natürlich vergeblicher) Versuch, ob sich nicht Miß- trauen und Zwietracht in unsere Reihen säen ließe,— darüber konnte kein Sozialist, noch sonst ein mit den Verhältnissen ver- trauter und vorurtheilslos urtheilender Mensch im Zweifel sein. Gen. Bracke hat aber ein Uebriges gethan, indem er einem, die obige Lüge reproduzirenden Blatt, unterm 27. v. M. aus Braunschweig folgende Berichtigung sandte: „Ich erkläre: 1) Mein Gesundheitszustand ist leider ein so trauriger, daß noch vor Weihnachten mein Arzt, der Dr. med. Otto Müller, wie er mir nach der seit einigen Monaten ein- getretenen geringen Besserung sagte, die ernstesten Bedenke» hegte. Auch jetzt leide ich noch an periodisch austretenden äußerst heftigen Katarrhen, welche allein genügen, mich zum„Stillsitzen" zu zwingen; an einem rheumatischen Zustande, der mir oftmals nicht erlaubt, ohne Hülfe wenige Schritte im Zimmer zu gehen; an einem Nervenleiden, welches jede größere Anstrengung und Aufregung als gefährlich, wenn nicht tödtllch erscheinen läßt. Wenn an diese Krankheit aber in Braunschweig kein Mensch glaubt, so muß sich die Mehrzahl der Einwohner über Nacht in Thiers oder Engel verwandelt haben. 2) Geschäftliche„Rücksichten", wie überhaupt materielle Interessen haben mich nie in meinem Leben davon abgehalten, für meine Ueberzeugung meine Pflicht zu ihun. Die Behauptung des Gegentheils bei Gelegenheit der mir jetzt auferlegten Zurückhaltung ist eine höchst leichtfertige und grobe Beleidigung. Auf„eine Anzahl adeliger Großgrundbesitzer" habe ich bisher nie„Rücksicht" genommen und glücklicherweise auch keine zu nehmen; diejenigen Herren, welche bisher mit mir verkehrt, fanden offenbar Geschmack an meinen geschäftlichen Grundsätzen und fragten nicht nach meinem politischen Stand- punkte, und diejenigen, welche sich erdreisten möchten, hiernach zu fragen, thun am besten, mir fern zu bleibe». 3) Ich bedaure aller- dings jedes gewaltthätige Vorgehen, aber die Geschichte zeigt, daß noch jedesmal die Gewaltthat von oben die Gewaltthat von unten erzeugte. Ich befinde mich deshalb auch mit meinen Freun- den Bebel und Liebknecht, wie mit dem„Sozialdemokrat" in Zürich in vollem Einverständniß. Von einem„Verluste" in Ihrem Sinne kann deshalb keine Rede sein, wenn ich auch allerdings vorläufig zu den Ganzinvaliden gehöre. W. Bracke." Natürlich wird sich das Gesindel durch diese neue Züchtigung nicht abhalten lassen, es in der gewohnten Weise weiterzutreiben; wenn man einmal entehrt ist, kommt es einem auf eine Ohrfeige mehr oder weniger nicht mehr an. — Polizei und Ordnungspartei haben eine interessante Eroberung gemacht. Die seit längerem in der Bewegung befindlichen und mit ihrer Geschichte vertrauten Genossen erinnern sich des Namens Küster. Die Persönlichkeit, welche diesen Namen trägt, war von Hause aus Hutmachergcselle, trat später dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein bei und war um 1874 verantwortlicher Redakteur des„Neuen Sozialdemokrat". Seine Unzuverlässigkeit zeigte sich schon in einem Prozeß in Raum- bürg, in welchem er so feig war, sich seiner freiwillig übernom- menen Verantwortlichkeit entschlagen zu wollen und Hasselmann als den wahren Redakteur zu denunziren. Indessen nützte ihm dies gemeine Manöver nichts, indem er trotzdem verurtheilt wurde. Zu Pfingsten 1876 reichte er aus dem Gefängniß ein Urlaubs- gesuch ein, das ihm bewilligt wurde. Er entfloh darauf in die Schweiz, verbrachte sein mitgebrachtes Geld und richtete, nachdem dasselbe zu Ende war, ein in den demüthigsten Ausdrücken ab- gefaßtes Gnadengesuch an den König von Preußen, das indessen abschlägig beschieden wurde. Er schrieb nun von der Schweiz aus mehrere Schmähartikel gegen unsere Partei an den Berliner „ Gewerkverein" und ging dann nach Deutschland zurück, um seine Strafe in Plötzensee abzusitzen. Als der christlich-soziale Rummel in Berlin begann, schrieb Küster mit Genehmigung der Gefängnißdirektion von Plötzensee aus einen sehr albernen „Offenen Brief" an Most und ließ sich auch nach Ablauf seiner Haft bei den„Christlich- Sozialen" als Agitator anwerben. Bald aber kam er mit seinem würdigen Kollegen Grüneberg in Streit(ob wegen der Kandidatur im vierten Wahlkreis oder wegen der Grammatik, ist ungewiß) und suchte nun durch einen ihm verwandten Sozialdemokraten sich wieder unserer Partei zu nähern, die sich aber für diese Ehre bedankte und ihn ferne bleiben hieß. Unter dem Regime des Sozialistengesetzes hat nun der biedere Küster, nachdem er es fast mit allen Parteien versucht und überall mit Stank wieder abgegangen, den letzten, noch möglichen Schritt gethan, indem er sich in die Dienste der Polizei begeben hat. Und diese hat den sauberen Patron, der allen anderen zu schlecht war, mit Freuden ausge- nommen; denn je größer der Schuft, desto tauglicher für ihre Zwecke. Die letzte bekannt gewordene Heldenihat Küsters ist eine Serie von Schmähartikeln, welche vor kurzem in dem hochkonser- vativen Berliner„Reichsboten" erschien und unter Benützung ihm durch die Polizei zur Verfügung gestellter Daten über Partei- ereignisse der neueren Zeit und unter schamlosen Verdrehungen und Fälschungen aller Art im Auftrag seiner neuen Brodgeber für die Verlängerung des Sozialistengesetzes eintritt. Wir haben keine Ursache, uns auf den theils infamen, theils lächerlichen Inhalt dieser Artikel einzulassen, sondern begnügen uns damit, ihren Verfasser der geeigneten Berücksichtigung unserer Genossen, namentlich derer in Bertin, zu empfehlen. — Zur„loyalen" Ausführung des Sozialisten- gesetzes. In München wurde eine von dem bekannten Sta- tistiker und Kulturhistoriker Kolb präsidirte demokratische Ver- sammlung, in welcher Abg. Sonnemann sprechen sollte, auf Grund des Sozialistengesetzes aufgelöst. So haben den alle Be- strebungen der„Frankfurter Ztg." sich bei den Machthaber» durch Verleugnung der Sozialdemokratie anzuschmcicheln, nichts gefruchtet! -a». Berlin, 7. April. Am Vorabend des Sozialistenpro- zesses Heiland und Genossen erscheint es angemessen, die schür- tische Art zu charakterisiren, aus welche dieser Prozeß eingeleitet worden. In der natürlich nicht veröffentlichten Anklageschrist findet sich folgende Stelle:„Nachdem der Silberdrücker Fr. Mark, Buctowerstraße 5. II. bei O. Heinrich(derselbe, welchen wir schon vor einiger Zeit als Polizeispitzel bezeichneten D.M.) am 2. Januar er. durch eine mit der Chiffre Seh. verzeichnete Postkarte aus Eßlingen davon in Äenntniß gesetzt war, daß in den nächsten Tagen eine Kiste an ihn ankommen würde, die er Demjenigen herausgeben sollte, der sich danach bei ihm melden würde, ging wirklich am 7. Januar mittels Frachtscheins dd. Besigheim den IH.yXII, 79 eine Kiste— angeblich Wollwaaren enthaltend— Hierselbst ein. Der Frachtbrief war ursprünglich an den Schneider Treptow, Kleine Alexander- straße, gerichtet gewesen. Dessen Adresse war jedoch ausge- stridien und die des Hrn. Marck darüber gesetzt. Dem Mark schien die Sache verdächtig, er madste der Polizei von dem Ein- tresfen der Kiste Anzeige, woraus dieselbe geöffnet wurde. Es wurden darin 750 Exenrplare der Nr. 10 des Sozialdemokrat, 12 Exemplare des ebenfalls verbotenen Schmühgedichtes„ein Wintermärchen" und ein Brief des Herausgebers des„Sozialdemokrat", Herker in Zürich, vorgesunden. Nachdem mehrere Personen den vergeblichen Versuch ge- macht hatten, die Kiste von Mark in Empfang zu nehmen, erschien bei ihm zu gleichem Zwecke der Tischler Hugo Blum. Aus Mark's Frage, was Blum abholen wolle, erwiederte Blum:„Sie wissen ja schon" und sagte, als Mark daraus bestand, er solle den Gegenstand näher bezeichnen, mit halblauter Stimme„eine Kiste". Zu seiner Legitimation holte er schließlich aus dem Futter seines Hutes einen mit mehreren Namen be- schriebenen Zettel vor, den er dem Mark vorzeigte. Dieser erklärte jedoch die Art der Legitimation für ungenügend, woraus sich Blum entserntc. Auf dem Hausflur wurde er verhaftet Im Gefängniß gelang es dem Schutzmann Ewig, ihm den Zettel, den jener inzwischen aus dem Hute genommen und in seinem Rockfutler verborgen hatte, abzunehmen. Der Zettel enthält die Anweisung, daß Seewald 35 Stück, Pitschelmann 60 Stück, Beeck 100 Stück, Hiller 72 Stück, außerdem ein gewisser tennig 35 Stück und ein gewisser Künzel 150 Stück erhalten sollten."— tark stand als o erwiesener Maßen im Dienst der Polizei und verriech derselben nicht nur, sondern diente auch als Lockvogel zur Einsangung ihm Vertrauender. Ueberdies wurden noch von der Polizei Fälschungen gemeinster Sorte begangen. Unter anderm fabrizirte die Polizei auch einen, angeblich von dem Verlag des„Sozialdem." ans- gehenden Brief, durch den ein Genosse zur Abholung der Kiste bei Mark bewogen werden sollte; derselbe schöpfte aber Verdacht und kam nicht. Wer hat nun die Fälschungen begangen? Manche Anzeichen deuten darauf hin, daß der schon von Bebel im Reichstag gekennzeichnete Polizei- kommissär Graf Stillfried seine Hand im Spiele hatte, der sich erwiesener Maßen zwischen dem 15. Dez. und dem 6. Jan. in Süddeutschland be- fand und wahrscheinlich dort die ganze Geschichte angezettelt hat. Man sieht, wie viel Stützpunkte der im Reichstag so viel belachte Ver- dacht Bebels, daß sich ans dem Polizeipräsidium eine Kiste mit„Sozialdem." befinde, die an beliebige dem Verderben geweihte Personen addressirt werden, findet.— Ganz würdig dieses wahrhaft bonapartistischen Polizei,- treibens ist die Behandlung des in der famosen Werner-(Geheimdr»ckcrei-) Affäre mitverhafteten Buchbinders Anders. Die Polizei hat sid> näm lich auf dem Molkenmarkt nicht entblödet, denselben— einen politischen Angeklagten!— durch Schläge zu mißhandeln. Wie lange müssen wir diese unerträgliche Gemeinheit noch erdulden? Und wann wird end- lich die Abrechnung kommen? 8. Elberfeld, 30. März. Es schweben dahier gegenwärtig Unter- suchungen gegen 5 Personen, welchen, wie s. Z. berichtet, nach dem„So zialdemokrat" behaussucht wurden, nachdem sie von der Post aus bestoh- len worden. Sämmtliche mit der Post und Bahn ankommenden Sachen werden aufgerissen und durchschnüffelt. [] Chemnitz, 3. April. Die sächsischen Staatsretter sind in komischer Aufregung darüber, daß den pflichtvergessenen Abgeordneten der zweiten Kammer der„Sozialdemokrat" eines schönen Morgens im Landtage servirt wurde, ohne daß sie zu ergründen vermochten, woher diese Morgengabc gekommen. Da Chemnitz der Aufgabeort der Sendung war, erhielt Si ebb rat einen Stoß und stürzte sich mit gewohnter Plumpheit ins Geschäft. Er kalkulirte zunächst richtig: die Sendung muß von auswärts nach Chemnitz gekommen sein. Dann kalkulirte er falsch: sie muß an einen bekannten Sozialdemokraten gekommen fein. So viel Vertrauen zu Stephans schwarzen Kabinetten bei uns zu vermuthen! Siebdrat zog also die Post zu Hilse. Welcher Sozialdemokrat erhält Pakete?„Wiemer" war die gehorsame Antwort. Wiemer ist Ge- schäftsmann und muß daher Sendungen erhalten. Dem Siebdrat genügt aber die Auskunst zu dem Schluß: Wiemer ist der Absender! Haus- snchungcn, Beschlagnahme aller Gcschäftssendnngen und Briefe, kurz echt Siebdrat'sche Wirthschaft beginnt. Man zieht sogar Geschäfts- freunde Wiemers in die Untersuchung und läßt sie Adressen an den Landtag schreiben; man untersucht die Kuverts, die sie benutzen, kurz, man stellt, um nur etwas Lärm zu machen, die ungeschickteste und aus- sichtsloseste Untersuchung an, die es je gegeben hat. Nun, diese Mühe konnte man sich getrost ersparen; wir wollen den Herren Staatsrettern verrathen, daß die Kuverts aus Frankreich bezogen und die Adressen in Italien geschrieben find, und die Absender sind ehemalige Liberale, welche erst durch die Rechtsverletzungen bei der hiesigen Landtagswahl und durch die schamlose Haltung der Kammermajorität zur Sozialdemokratie ge- trieben wurden! Herr Siebdrat kennt sie nicht als solche, und sie werden sich hüten, ihm ihre Bekehrung zu melden. Er mag also suchen, wenn es ihm Spaß macht, aber nicht unschuldige Leute(auch der Schnei- der Fischer wurde gestern durch eine fünf Mann starke Haussuchung vier Stunden lang von seiner Berussarbeit abgehalten) so unverschämt behelligen.— Nur kurz theile ich Ihnen noch mit, daß einer der Jahcrren in unserem Landtage gegenwärtig sein Mandat niederlegen muß, weil er vor Gericht als gemeiner Schwindler entlarvt wurde. Es ist dies der Bankdirektor, Ritter ic. Mehnert, dessen Schwindeleien schon vorigen Sommer die„Dresdner Presse" mit aktenkundigen Belegen öffentlich ausdeckte. Mehnert und sein Mitschuldiger und Verwandter Ackermann, der Führer der sächsischen Konservativen und Vizepräsident des Reichstages, wütheten damals gegen das genannte, von einem Partei- genossen redigirte Blatt, und dasselbe wurde unter einem nichtigen Vor- wände verboten. Die Vertuschung der Mehnert'schcn Schwindeleien gelang aber doch nicht, denn ein Theil der Enthüllungen war in ein liberales Blatt übergegangen; Mehnert mußte dieses verklagen, die Zeugen standen zur Verfügung, und bei der dieser Tage stattgefundenen VerHand lung wurde der Kläger Mehnert der unsaubersten Wucher- und Be- trüger-Manipulationen überführt, weshalb zunächst der angeklagte Redakteur freigesprochen wurde. Das Weitere findet sich, und Mehnert ist schon jetzt unmöglich. So fällt Einer nach dem Andern von diesen Tugend- und Eigenthnmshelden! —dt— Müncken, 1. April. Unser durstiges Jsaratheu befand sich vergangene Woche in einer furchtbaren Ausregung, deren Wogen sicki heute noch nicht verlausen haben. Bei der Polizei war eine Anzeige ein- gelauscn, der zufolge die vielgesuchtcn Hauptverbreiter des„Sozialdemo- trat" sich unter den hiesigen—„Haderlumperinnen"(Lumpensammlerinnen) befinden sollten. Und wie es so Sitte der hiesigen hochweisen Hermandad ist: ohne viel Ueberlegen wurde ins Zeug gefahren; die ganze Polizei- macht ward versammelt und das Polizeigebäude in der Weinstraße spie nach allen Richtungen der Windrose über die arglose Stadt unisormirte und nichtnniformirte Ordnungswächter, die mit einem wahren Feuereiser in den Häusern, auf den Höfen und in den Straßen alle Haderlumperinnen, alt und jung(der letzteren gibts freilich nicht viel), deren sie habhaft werden konnten, zusammenpackten und trotz manchen Widerstandes ans das Polizeipräsidium brachten. Dort wurden die Lumpensammlerinnen sammt ihren Lumpensäcken auss peinlichste nach dem„Sozialdemokrat" und anderen gesährlichen Dingen durchsucht, jedoch mit vollständigem Mißerfolg. Man kann sich vorstellen, daß die wegen ihrer Mund- fertigkeit bekannten Frauen von der Straße über diese sonderbare lieber- raschung nicht sonderlich erbaut waren und auch nichts weniger als da« Lob der weisen Polizei sangen. Im Gegentheil kam es während der Razzia und nach derselben aus der Straße zu lebhasten Auseinandersetzungen und schon am Abend und nächsten Tags waren ganze Viertel Uber den Gewaltstreich der Polizei allarmirt, Der Staat in Gefahr durch die Lumpensammlerinnen— ein köstliches Bild, dessen Komik uns nur nützlich sein kann, denn die Lächerlichkeit tödtet! Auch danken wir bestens dafür, daß solchergestalt immer weitere Volkskreise in Gegnerschaft zur Regierung gebracht und mit den ihnen ehedem unbekannten sozialistische» Dingen vertraut gemacht werden! Uebrigens soll der Hauptgrund der vorgenannten Maßregel, sowie der seit dem 18. März nicht mehr endenden Haussuchungen das„Abhandenkommen" eines s. Z. in Lindau beschlag- nahmten Ballens verbotener Schriften sein, von denen man vermuthet, daß sie hierhergebracht worden sind.(Das Nähere hierüber siehe im Art. „Polizeipech". D. R.) D Fürth, 1. April. Nachdem bereits von allen größeren Orten, wo unsere Partei Anhänger hat, Uber die jetzigen Verhältnisse im Partei- organ berichtet wurde, dürste es auch an der Zeit sein, daß wir einmal etwas von uns hören lassen; es könnte sonst unter den Genossen ander- wärts leicht die Meinung auftauchen, die Fürther hätten sick) wirklich durch das Ausnahmegesetz einschüchtern lassen, was keineswegs der Fall ist. War es doch ein wahrer Jubel, als s. Z. die Genossen Kenntniß von der in London erscheinenden„Freiheit" erhielten, und ein längst ge- fühlte« Bedürsniß endlich befriedigt wurde. Allerdings schlug dieser Jubel bald in das Gegentheil um, als die„Fr." anfing, unsere ver dientesten Genossen zu bekämpfen, Zwietracht unter die Genossen zu säe» und so unsere Sache zu schädigen. Da erschien gerade zur rechten Zeit der„Sozialdemokrat", der die Schergen mit derselben Energie bekämpfte, als das Most'sche Blatt und von uns sofort als die richtige Zentralstelle anerkannt wurde.— Was nun die allgemeine Lage bei uns anbelangt, so ist dieselbe eine nichts weniger als rosige. Die anhaltende Geschäfts- losigkcit, die sich trotz der osfiziösen Versicherungen von dem Aufschwung der Industrie nicht zum Bessern wenden will; die fortwährend wachsenden Steuerlasten, die nachgerade unerschwinglich werden: kurz, unsere ganzen Verhältnisse wirken zusammen, um eine Mißstimmung zu erzeugen, die nicht allein die Arbeiterklasse erfüllt, sondern ganz besonder« in klein- bürgerlichen Kreisen ihre Nahrung findet, lind diese Mißstimmung wird um so inlinsiver werden, je mehr man sich bemüht, dieselben mit rohen Gewaltmittejn zu unterdrücken. Daß unter solchen Umständen der beste Boden für unsere Partei vorhanden ist, bedars wohl keiner speziellen Ausführung. Wir können getrost sagen:„Wir haben unter der Herrschaft des Oktobcrgesetzes in Arbeiterkreisen uichts verloren, in bürgerlichen Kreisen entschieden gewonnen." Der Attentatswahn ist schnell und gründ lich verflogen, überall kann man wieder offen als Sozialdemokrat zaus- treten, und man muß unserer Partei Achtung bezeigen, auch wenn man ihr nicht angehört, ja, sie aufs bitterste anfeindet. In den von unserer Bewegung beeinflußten Kreisen ist die Stimmung eine sehr gereizte und wird es naturgemäß immer mehr, so daß man sich allen Ernstes fragen darf, ob das famose„Reich" noch lange Uber die verlängerte Dauer des Sozialistengesetzes hinaus am Leben sein wird. Diese Stimmung kennt und fürchtet der edle uationalliberale Vertreter unseres Wahlkreises, Professor Marquardsen, recht gut und gibt er sich deshalb in der Sozialisten- gesetz-Kommission auch alle Mühe, damit die Verlängerung des Oktober- gesetzes zu Stande kommt: hat es doch schon bei der letzten Wahl hart genug gehalten, den Professor noch einmal durchzudrucken. Was übrigens an uns liegt, so soll alles geschehen, um dieses Individuum, einen der gefährlichsten Kompromißler und Volksverräther, sobald möglich aus dem Reichstag zu entfernen. Freilich wird dies nicht so leicht gehen, da unser Wahlkreis ein vorwiegend ländlicher ist, und das Organ des Herrn Pro- sefsors, die„Fürther Neuesten Rachrichten", an Verleumdung und Ver- dächtigung unserer Partei das Menschenmöglichste leistet. Selbstverständlich soll uns dieses nicht abhalten, für die Ausbreitung unserer Prinzipien bei jeder Gelegenheit thätig zu sein; es soll uns im Gegentheil ein Sporn sein, unsere Thätigkeit zu verdoppeln— denn Druck erzeugt Gegendruck! Je stärker und ungerechter die Verfolgung, desto fester und ausdanernder der menschliche Geist! In stillem rosigen Gang des Lebens erschlafft die Kraft, aber der Kampf spannt alle lliervcn an, und mit erneuter Gluth und Begeisterung tritt man für die Idee ein! Die Ueber- zeugungstreue ist immer da am größten, wo sie überwinden und kämpfen muß. Parteigenossen Fürths! Beweisen wir dies unseren Gegnern. Sagt nicht: was richten wir Wenige aus? O daß der Mensch doch zur Einsicht käme, wie viel der Einzelne zu leisten vermag, wenn er von einer Ueberzengung voll und ganz durchdrungen ist. Zwölf Apostel sollen einst die ersten Borgänger des Christenthums gewesen sein; nehmen wir uns ein Beispiel an ihnen. Was da auch kommen möge: Unterdrückungen und Verfolgungen,— seien wir fest und standhaft, denn uns gehört die Zukunft! — In Pforzheim sind anfangs dieses Monats mehrere Genossen, ehemalige Vorstandsmitglieder des ausgelösten Ortsvereins der Gold- und Silberarbeiter verhaftet worden. Es sind dies die Genossen: Karl Weber, Daniel Lehmann und Ludwig Rühl; der ebenfalls auf der Liste stehende Karl Stecher befand sich außerhalb des Machtbereiches der Polizei, in London. Das Verbrechen der Verhafteten soll in der„Unter- schlagung der jdem Verein gehörigen Gelder" bestehen. Ein Bericht ist uns leider noch nicht zugegangen. Indessen sind wir sicher, wohl nicht fehl zu gehen, wenn wir die Anklage der„Unterschlagung" schon jetzt als einen infamen, aber vergeblichen Versuch der Regierung, ihre politischen Feinde zu gemeinen Verbrechern zu stempeln, bezeichnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Grund der Verfolgung unserer Genossen wohl der sein, daß die Gelder der Arbeiter, bezw. des genannten Ortsvereins vor den räuberischen Klaue» der sie auf Grund des Sozialistengesetzes einsacken wollenden Regierung bewahrt wurden,— eine Handlungsweise, welche wir nur als Verdienst rechnen könnten. Hesterreich-Angarn. * Im ruthenischen(kleinrussischen) Theil von Galizien haben neuerdings wieder zahlreiche Verhaftungen stattgefunden. So in Lemberg, wo hauptsächlich Studenten der sozialistischen Propaganda angeklagt werden, und in Kalomea; an letzterem Ort wurde auch der talentvolle Romanschriftsteller Jean Franko ver- haftet, der schon einmal an einem Sozialistenprozeß betheiligt war. Es sind das nicht die ersten Verfolgungen. Vor einigen Monaten wurden die beiden Schwestern Paulik, die Töchter eines Bauern im Kostower Kreis, verhastet, von denen die ältere bereits in vier Sozialistenprozesten figurirte. Die tapferen Mädchen wurden gleich mehreren Bauern derselben Gegend vor kurzem ihrer sozialistischen agitatorischen und organisatorischen Thätigkeit unter der Landbevölkerung wegen verurtheilt. — Wien, 2. April. Seitdem die Wegnahme von sozialistischen Brie- seil bei der Uebergabe durch den Briefträger im Prozeß Bernhard in Miß- kredit gekommen ist, werden Briefe und in Briefen kommende Zeitungen einfach auf der Zollbehörde unter dem Vorwand, daß zollpflichtige Waaren(!) oder verbotene Lotterieloose darin sein könnten, aufgemacht und, je nach- dem die Durchschnüffelung ausfällt, gestohlen. Von dieser Maßregel wer- den sowohl Abonnenten der„Freiheit" als des„Sozialdemokrat" Betroffen. Auch anderwärts, z. B. in Klagenfurt, Laibach ic. ist dasselbe der Fall.— Auch an andern Maßregelungen: Haussuchungen, Verhaf- tnngen, Prozessen sc. fehlt es hier so wenig oder noch weniger als im „Reich". So sind gegenwärtig nicht weniger als 12 Wiener Genossen in Haft: Schneider, Becker, Zlocha, Führer, zRedtenbacher, Futschek, Ku- diu, Dobrodinski, Prager und Doktor. Gegen letztere drei hat man einen „Hochverraths"-Prozeß(wegen„geheimer" sozialistischer Verbindungen) eingefädelt, und wird die Verhandlung vor dem Schwurgericht am 23. ds. stattfinden. Die Anklage ist von A— Z aus willkürlichsten Verdrehungen und reinen Lügen zusammengefetzt und entbehrt jeglicher Beweise, so daß eine Freisprechung unter allen Umständen für gewiß angesehen werden müßte, wenn unsere Bourgeoisgeschwornen nicht in solchen Dingen ab- solut unberechenbar wären, worüber mir schon Erfahrungen gemacht ha- ben.— Außer den Obigen hat die hiesige Polizei letzter Zeit eine größere Anzahl, circa 25, fremdländischer Sozialisten, besonders Polen, wegen „Agitationen", besonders Verbreitung sozialistischer Schriften, verhastet. Unter ihnen befindet sich auch der Techniker und Präsident des wissen- schaftlichen Vereins polnischer Techniker, Korotynski, der den Bertrieb „hochverrätherischer" Schriften nach Galizien besorgt haben soll; man soll bei ihm Exemplare des Genfer„Ruwnoscht", sowie Korrespondenzen mit den Krakauer und Lemberger Angeklagten gesunden haben. Die Presse bezeichnete ihn sofort als„Agenten des Nihilismus", ebenso wie einen Russen namens Omiros Fava, welcher kürzlich aus Odessa nach Wien kam und hier, wahrscheinlich durch die gutbesreundete russische Polizei signalisirt, sofort verhaftet wurde. Letzterer wurde an das hiesige, ersterer an- das Krakauer Landesgericht abgeliefert.— Als weitere Polizeimaßregel schurkischster Sorte muß bezeichnet werden, daß die Fabrikanten hierorts von der Polizei ersucht wurden, die in der Bewegung stehenden Arbeiter, sowie die Abonnenten sozialdemokratischer Blätter von Zeit zu Zeil namhaft zu machen; welcher Einladung die Mehrzahl der Bourgeois zweifelsohne auch getreulich nachkommen wird! Alle diese Schandthaten werden uns indessen so wenig zu einem Verlassen unserer hehren Sache bewegen, als die bisherigen Bemühungen der Regierung; was durch derlei erzielt wird, ist nur eins, was bei gewöhnlichen„Unterthanen" schwer bestraft wird: Haß und Verachtung gegen den Hort von Unter- drückung und Infamie, der sich heutiger Staat und heutige Gesellschuft nennt! Vnasda. ZSergien. * Seit einem Monat befinden sich die Zigarrenmacher von Grammont im Ausstand. Die Arbeitgeber haben, um den recht- mäßigen Forderungen der Arbeiter nicht nachgeben zu müssen, Arbeiter und Arbeiterinnen aus den Niederlanden kommen lasten. Seit der Ankunft derselben gibt es fortwährend Unordnungen zwischen den Streikern und den fremden Arbeitern, welche der- gestalt die proletarische Solidarität mit Füßen treten. Natürlich sind die polizeilichen Ordnungswächter auf den Beinen und be- reits haben zahlreiche Verhaftungen stattgefunden.— Von einem industriellen Massenmord ist zu berichten: In einer Kohlengrube bei Charleroi fand eine Entzülldung schlagender Wetter statt; die Zahl der dadurch Verunglückten beträgt 33 Todte und viele Verwundete. Arankreich. * Durch Dekrete des Präsidenten ist der Jesuitenorden ver- boten, die nicht erlaubten kirchlichm Genossenschaften aber werden, wenn sie nicht die Erlaubniß nachholen, aufgelöst. Damit be ginnt der Kampf zwischen der Republik und der Kirche. Der- selbe ist gar nicht so schwierig für die erstere, wenn sie ihn am rechten Ende anfaßt; ob sie das aber thun wird, ist freilich nach sehr die Frage. chroßvritanme«. * Das konservative Regiment Beaconsfield hat sich bös ver rechnet. In der Voraussicht, daß sich das Land,(d. h. die ge- ringe Zahl stimmberechtigter Bürger) mit großer Mehrheit für es aussprechen werde, löst es das Parlament auf und ordnet Neuwahlen an. Diese aber sind so entschieden gegen es aus- gefallen, daß die bisherige Regierung binnen Kurzem abtreten und den Liberalen, welche im Parlament eine größere Mehrheit auf sich vereinigen werden, als bisher die Konservativen hatten, das Regiment werden überlassen müssen. Für das arbeitende Volk wird dabei freilich wenig Vortheil herausspringen, da die politische und ökonomische Freisinnigkeit der„Liberalen" nicht viel weiter her ist, als die der Tories; die einen wie die andern lassen sich Zugeständnisse in dieser Richtung nur abzwingen. Itakie«. * Der in unserer letzten Nummer angezeigte Kongreß der italienischen Sozialisten, auf welchem die Bildung einer sozialistischen Arbeiterpartei Italiens berathen werden soll, wird der„Plebe" zufolge vom 10.— 12. Mai in Mailand tagen, wenn nicht etwa, wie schon so oft, polizeiliche Willkür die Sozia- listen der verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte frech beraubt und ihnen verbietet, was allen anderen Parteien gestattet ist. Jvdeß würden sich die-italienischen Genossen wohl auch in diesem Falle zu helfen wissen! Spanien. * Die heutigen Staaten gleichen sich alle: den Steuerzahlern den letzten Pfennig ausquetschen und wenn sie nicht mehr bezahlen können, ihnen ihr Hab und Gut, das letzte Hemd vom Leib weg verkaufen— das ist so allgemeine Art, wie die wirthschaft- liche Ausbeutung durch die Bourgeoisie und die Unterdrückung aller mit dieser„Ordnung" Unzuftiedenen. Aber in wenigen Staaten wird die gesetzliche Ausraubung so rücksichtslos und raffinirt vollzogen wie in Rußland, Italien und Spanien. Von Italien haben wir schon wiederholt Belege mitgetheilt; wir wollen es heute bezüglich Spaniens thun. Der«Revista social» von Barcelona zufolge, welche den Bericht eines Nationalökonomcn von Ruf wiedergibt, beträgt die Zahl der bis 1879 wegen Steuerrückständen verganteten beweglichen und unbeweglichen Besitzthümer 348,474, wovon 229,258 bewegliche und 159,116 unbewegliche, von letzteren weitaus der größte Theil kleine Bauern- wirthschaften. Von dieser Zahl wurden 27,002 bewegl. und 13,926 unbewegl. Besitzth. verkauft; für den Rest fanden sich keine Käufer. 1877 war die Zahl der wegen Steuer- rückständen verkauften kleinen Bauernwirthschaften 4,566, die- jenigen der in Konkurs getriebenen, jedoch mangels an Käufern unverkauft gebliebenen aber 51,854. Im Laufe der ersten beiden Monate des Jahres 1880 ließ der Fiskus allein 39,000 solcher Kleinwirthschaften in Konkurs bringen. Man sieht, wie die Eni- eignung in entsetzlicher Progression fortschreitet. Wenn es in Spanien so fort geht, wird es in kurzem keine kleinen Eigen- thümer mehr geben. Um dies Bild zu vervollständigen, muß hinzugefügt werden, daß in diesem Augenblick in sechs Provinzen(Katalonien, Valencia, Andalusien, Mancha, Estramadura und Salamanca) 6000 Manufakturen geschlossen und 1800 in Liquidation sind, 29,000 Webstühle feiern und 230,000 Fabrikarbeiter arbeitslos sind und von Almosen oder gelegentlicher Arbeit in den Steinbrüchm ihr Leben fristen oder verhungern und im Elend verkommen müssen. Infolge dieser Zustände nimmt die Auswanderung immer größere Ausdehnung an. Man berechnet die Anzahl der im Laufe der letzten drei Monate von 1879 aus 9 Provinzen nach Südamerika ausgewanderten Spanier auf 61,470, und die während der- selben Zeit über Barcelona nach Frankreich(meist Algerien) ein- geschifften auf 12,000. Sind das nicht herrliche Zustände? Es darf aber nicht unterlassen werden, hinzuzusetzen, daß man in Spanien gleichwie anderwärts scharf hinter den Feinden der Ordnung her ist und mit unvergleichlichem Eifer die bekämpft, welche jene preiswürdigen Zustände zu bekämpfen wagen! Servie«. rnz. Belgrad, 4. April. Soeben erhalten wir mit dem Dampfschiff von Negotin die Nachricht von einem unerhörten Schurkenstreich, den die Re- gierung an einem hervorragenden serbischen Sozialisten verübte. Adam Bogosawlewiffch, der langjährige Abgeordnete zur Skuptschina und einer der Führer der sozialistischen Bauerndemokratie, war von der Regierung wegen seines„schädlichen" Einflusses auf die Landbevölkerung aus administrativem Weg von Regotin nach Zajetschar„versetzt" worden. Aber damit war die Feindschaft der Regierung noch nicht zu Ende. Vor kurzem wurde er unter einer lächerlichen Klage ins Gefängniß geworfen. fltach 14 Tagen krank geworden, verlangte er einstweilige Freilassung, die man ihm indessen nicht bewilligte. Als er»och kränker wurde, ward er ins Krankenhaus gebracht und dort vergiftet. Er starb am I.April, nachdem er vorher noch seine Mörder angeklagt. Die Gemeinde von Zajetschar und Paschitsch, d.h. sozialistische Abgeordnete dieses Departe- ments, wenden alles auf, um durch eine Untersuchung seitens Belgrader Aerzte die Schandthat unleugbar festzustellen. Adam hatte auf der Bel- grader Universität studirt und sich dort umfassende Bildung erworben, kehrte aber nichts destoweniger zu seinem Stand als einfacher Bauer. zurück; er verfolgte und kannte auch die sozialistische Bewegung in Deutsch- land genau und stand mehrere Jahre mir der deutschen Partei in Ver- kehr. Wann wird diesem Gemordeten gleichwie tausend andern Opfern der Tyrannei ein Rächer erstehen? Türkei. * Hunger und Empörung der Verzweiflung in der halben Welt! Nach Spanien, Italien, Rußland sc. ist die Reihe jetzt an dem ottomanischen Reich. In den verschiedensten Gegenden des- selben sind Revolten ausgebrochen, deren letzter Entstehungsgrund in der jüngst eingeführten„Münzreform", d. h. der willkürlichen Herabsetzung des Münzwerthes seitens der Regierung und der dadurch bewerkstelligten kolossalen Verrückung der ganzen Werth- Verhältnisse zu suchen sind. In Smyrna, Saloniki und Adrianopel stürmte daS hungernde Volk die Bäckereien; in der armenischen Stadt Mardin begann man mit der Beraubung der Häuser der Reichen und der Niedermachung derjenigen, welche der Menge in die Hände fielen. In Aleppo, in Syrien, intervenirte die be- waffnete Macht mit aufgepflanztem Bajonett zu Gunsten der Reichen; die Ruhe konnte aber nur dadurch hergestellt werden, daß die Kornwucherer einen Theil ihres in Ueberfiuß aufgespeicherten Getreides dem Volk auslieferten. In verschiedenen andern Städten kam es zum Straßenkampf. Sprechsaal. Der reorganisirte Kommunistische Arbeiter-BildungS-Berein in London, 3 Percy Street, Tottenham Court Road, ersucht alle so- zialistischen Blätter, ihn in der ersten Zeit, während welcher er für da» Klubhans u. A. schwer erschwingliche Ausgaben hat, durch Gratisliese- rung zu unterstützen. Mit sozialdemokratischem Gruß! E. Theodor Fisch, II. Sekr. Nach Brüssel kommenden Genossen wird empfohlen, sich bei Ge- nosse Franpois Goetschalck, Blaamsche Leeuw, Gemeenteplaats, Molen- beck-Brüssel, zu melden, wo ihnen mit Rath und That an die Hand gegangen wird. Briefkasten der Redaktion: K. Czerkauer Paris: Ihr Brief geht erst an unser» Vertrauensmann dort; je nach Bericht in nächster Stummer. der Expedition: Oeg.: M U.: ö. st. 1. 20. Ab. II. Qu. erh.— Rg. N. Ä.: ö. st. 1. 70. Ab. II. Qu. erh. 3 nach g es.— Justin»», Schwaben: Dank für Anerbieten. 14 gieng nochmals au F., Weiteres an die neue Addr.— Aßg.— l— nn: ö. st. 1. 70. per II. Qu. nebst Ahdr. verwendet.— N, N. Prag: Ersatz s. 10 und 12 am 1./4. fort; 12 übrigens wohl noch eingetroffen? 10 wahrscheinl. auch noch erreichbar, hat durch dummen Zufall gehapert.— Ferdinand: Bs. v. 31./4. nebst Inhalt richtig hier. Ans. wird berichten.— Feldhptm.: Avis am 2./4. hier. Weiteres erwartet. Reklamirles abgg. Ueber die 50 rothen von M. wird Anselmus Aufschluß geben.— H. P.— tz.: M. 3—. II. Qu. erh.— A. Bl. Paris: Fcs. 65. 75 erhalten. Neues vorgemerkt. Ehr. Jdr. u. Lge.: sollen also separat und gemeinschaftlich an eine der 4 gehen? 13 wird dort sein. Tgw.: erh. Fr. 1. 25.— M. B. Paris: Fcs. 5.—. erh. Senden statt N. G. Ersatz, da erstere nicht mehr erscheint.— F.—mm Hf.: ö. st. 1. 70. p. II. Qu. erh.— K. K. K.: M. 6.—. Ab. II. u. III. Qu. erh.— Mm. Lttch. Fcs. S.—. Ab. Febr. 80 erh.— W. G.— g: M. 3.—. p II. Qu. erh.— Schw. H.: M. 3.—. p. II. Qu. erh. Sdg. v. 28./3. hoffentl. nun dort.— Karl Rothschild Z.: Bf. v. 2. am 3. hier. 40 Psg. Strafporto, weil Reichsmarken aus bayrischer Fahrpost ungiltig. Wahrscheinl. i. H. i. d. falschen Zug geworfen. Alles vorgemerkt. 10, 11, 12 folgt. Im Weiteren: Ja! Herzliche Grüße Allen!— C. V. C.: M. 3.—. p. II. Qu. erh.— A. I. P.: Bf. v. 1 am 3. hier. Bravissimo! Sollen dem Teufel da» Fell absuchen,— wenn er stille hält. Daß Hampel- mann„nichts versteht",— alte Geschichte. Was nützt der Kuh Mus- kate!? Der Jrrthum a. d. Addr. hat Dr. Eisele verschuldet; Weiteres noch erwartet.— F. S. Brsfeldn: M. 3.— für L. A. 2. Qu. vorge- merkt. Gestohlenes nochmals nach W. dirigirt.— Pole Budapest: Fl. 3 ö. w. erh. 2. Qu. sc. folgt.— fff Himmeldonn.....: Kanu?! Briest. u. im Bfk. auch in 14 war geantwortet. Haben Einiges indeß von einer milden Seele für dich erhalten. Folgt. Kritik über Einladung sc. leichter als Bessermachen. Daß Rab. s. d. Feldj. sein muß, begreift gewiß Jeder. Weiteres siehe Hptblatt. Bestllg. folgt. Alle« vorgemerkt. Bs. durch A. am 5. dss. erst erh.— alter Brummbär!— Unbekannter U. a. D: Bewußte Addr. anlangd., längst Sperre angeordnet. Weitere» folgt.— R. N. Brsl: Da» heißt mit Virtuosität gestohlen! Ihre Schnüffelgarde muß gut bezahlt sein. Neue Ordre genau beachtet, Fehlendes genau melden, daß Ersatz folgen kann.— Amsterdam: O. B. n. G. durch erhaltene M. 10.— p. 2. Qu. versorgt.— D. V. Aarau: f. 2. Qu. Fr». 2.— erh. Uebereinstimmung mit Haltung sehr angenehm.— only W: M. 1.80 für St. V. hier. Partielle Störung im Feldpostdienst, daher möglich, daß 10 u. 12 als Nachzügler. 3 ans 8 erhöht. Alte Addr. erst vom 15 an löschbar, da weiter Weg.— H. H: Pest liefert lt. Ordre Ersatz und Neues. M. 2.— erh.— Ld. v. H: M. 6.— p. 2. Qu. u. neue Addr. hier.— O. Peter: Bf. v. 1. hier. Vorschlag gut, sobald Qu. Wechsel überstanden. Woher erhielt P-Freund Deck-Addr. v. G.? Stärkeren Tabak wünschen die Frde.? A. wird diesbezügl. Bescheid geg. haben. War„H." zu Weihnachten oder später erst in G? Antwort bald. — Freunde A. O: M. 3.— erh. Sdg. folgt.— Indirekt T— z. Nachschub 2 Fl. erh. Durch uns, sowie durch die Volksbuchhandlung Hottingen-Z&rioh ist zu beziehen; Jahrbuch für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. Herausgegeben von Dr. Ludwig Richter. I. Jahrgang. I. Hälfte, gr. Octav 20 Bogen stark, broch. Preis für Arbeitervereine nur Fr. 3. 50(im Buchhandel Fr. 4. 50). Abonnements auf den„Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— so wohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgegen genommen bei folgenden Filialen Genf L Brünier, Montbrilland 42b'» Kopenhagen K Georg llosswann, Kattesund 16, 3. 8.& G. Budapest■■ krnnk«!, VII, Lindengasse 26, Thür 28. T/vnrlAn W. Hoffmann, 59 Wardour Street, Oxford Street, late LOnUOU Princes Street W. H. Rackow, 120 Islington High Street. Pariö Blum, 66 nie Montorgueil. I dl 1B Trapp, 65 nie de Madame, Hotel Baldrian. VOSS, 6 nie de Levis. Antwerpen PB. Coenen, 6 Meistraat. BrUSSel F. Brock, 3, Kuc Ruysbrock, Verviers Bllas, Buchhandlung, 136 nie Spintay. t» ii» i V. Gold, bei Charles Picreaux, 20 nie Luxembourg, LUttlCh Andrimont. Friedrich Mammosser, Rue Potierue 20/11. New-l Ork B. Jonscher, 283 E. Houston Street. St, LOUiS MO, Gebr. Henningshaus, 1711 Franklin Avenue. ChiCagO Jll, A Lanfermann, 74 Clybora Avenue. Cincinnati, Ohio Phuipp k. Theobald, Hr. 391 Maln»tr. «chwei,.«mhi,iitchdriu»ml H»ttli,»»»-s«rich.