ßrschewt «»ch.ntlich einmal in Zürich(Schweiz) 9(11*1 > Reiter, Zn»uftrtehaU« «itibach-Ikrild flNtlUtltR ftanco gegen ftanco. Bewihnliche Briese nach der Schwei» loste» Dopyeiporio. N? 16 Der SoMlöemckrat Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Aöouuemeuts werden nur beim(Betlag und bestell delanntcn%g entern entgegengenommen und zwar»um »»tauch zahlbaren VierleljnhrSpreiS don: Fr. 2.— für die Schweiz< Kreuzband> Ml. 3.— fllr Deutschland lllouvert) st. 1. 70 für Oesterreich(Sondert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder de» Weltpost» ereiu»(Kreuzband). ?»str«tt Die dreigespallene Petit, eile 25 St».= 20 Pfg. Sonntag, 18. April. 188« .»M- A»i«*:«t»»rrispo-dinti* und Ikiüini» ht..Sojl»ldi«»ltr»t �'JStben sich�ull�i Entschädigungsraten an die Expropriirten(wovon spater) deckt. Da nun der Privateigenthümer seine Produkte weder in«gen. uütziger Absicht dem Konsum vorenthalten darf, noch fiq etwa durch Ausfuhr einen lohnenderm Markt suchen kann(da sich der Handel, wie noch zu zeigen, im Alleinbesitz deS Staates befind«), o'st für seinen Verkauf der vom Staat bestimmte Preis wesent- l'ch maßgebend, so lang- nämlich ein eigentlicher..Markt, d. h. Konkurrenz, überhaupt noch existirt. Durch die sukzessive Einfuh- 'ung der staatlichen L-bensmittelämter wird dies Bnhaltniß l-doch Ziemlich schnell sein Ende erreichen, und den Privateigenthumern dann nichts übrig bleiben, als ihre Produkte dem Staute zu dem d°" diesem ermittelten Preis zu verkaufen. Ihr ganz« Ge- wmn wird also- im Hinblick auf die oben erwähnten Maß- regeln, welche den Privatproduzenten kaum billiger, als d« Staat produziren lasten- lediglich in dem Lohn für die Betriebs- °''ung(so weit sie zu dieser gewillt und sähig) und mnn Th-'l kes Ankaufspreises bestehen, den der Staat als Entschadigungs- rale an die Expropriirten zu bezahlen hat, den der Privatpro u- zmt aber für sich behalten kann.,....~ . Unter solchen Umständen sind steilich die Vorthelle des Privat. °'gen,hums sehr prekärer Natur. Der Eigenthümer kann seinen Trund und Boden nicht mehr nach Belieben zur Ausbeutung bt8 Arbeiters und Konsumenten zur Befriedigung seiner Passionen 'd. verwenden; dagegen hat er dem Staat gegenüber sehr bedeu- Unde Pflichten und eine schwere Verantwortung. Als einziger reeller Nutzen seines Eigenthums bleibt ihm aber genau so v.-l, °!8» ohne jede Verantwortlichkeit und Verdrießlichkeit auch er- ??' te, wenn er sein Eig-nthum freiwillig expropniren ließe. Unter b'e'en Verhältnisten dürfte wohl die überwiegend- Mehrzahl der SrSßeren Besitzer bald freiwillig auf ihren.Eigenthum-r-Titel "erzichten und sich mit der vom Staate gewährten Entschädigung� �"ckz'-hen. Diejenigen von ihnen aber, die«n trag-S "ußlebcn verabscheuen und arbeiten w o l l e n, werden en Wfichren. ihr Eigenthum tüchtig zu bewirthschasten und dadurch VjUbst und dem Gemeinwohl nützen, oder st-««den als khaend? der verschiedensten Art im Staatsbetrieb ein Werden s�. �r ihre Thätigkeit finden. Die Kleinbesitzer aber güllstia �"fihen, daß sie als Staatsarbeit« eine Werde« �®?'sten2 haben, denn früh« als„Eigenthümer", weit und DZZ-rT-M mim# 'stttthmn an den Produktionsmitteln überhaupt ausHort. mm m ÄfSfeFis» Lebensgenüssen sichert, sofern er an der Erhaltung und Ver- vollkommnung der Gesellschaft nach seinen Kräften mitarbeitet. Durch diese Garantie gewinnt nicht nur d« früh« Arme, sond«n auch der ehedem Reiche, da« die Unfichnheit des Eigenthums mit all' ihren materiellen und moralischen Nachtheilen gegen eine absolute Sicherheit der Existenz vertauscht. Indem unser Staat dem bish«igen Eigenthümer diese Existenz gibt,«füllt er nur seine Pflicht, aber auch seine ganze Pflicht. Und wenn« diesen Leuten trotzdem noch mehr gibt, so geschieht das deshalb keines- Wegs in Anerkennung irgend eines nicht existirenden„RcchteS" auf solche Mehrleistung, sondern lediglich aus praktischen Gründen, um nämlich den Uebergang aus dem alten Zustand der Dinge in den neuen zu erleichtern. Einzig aus diesem Gesichtspunkte läßt sich die erwähnte Entschädigungsrente rechtfertigen, woraus sich die Art, in welcher sie zu geben ist, leicht«gibt. Wie schon ihr Name sagt, wird diese Entschädigung(richtiger und bezeich- nend«: Trost- und Beschwichtigungsgeld) nicht auf einmal, son. dern als eine Art von Genußmittel-Leibrente gegeben. Sie wird eine mäßige sein, d.h. das Durchschnittseinkommen d« Bürger nicht allzu unverhältnißmäßig üb«steigen; aus diesem Grunde wird sich auch mit der steigenden Größe des expropriirten Ver- mögcns der Prozentsatz der Entschädigung entsprechend vermindern und bei ein« gewissen Höhe jede Steigerung aufhören. Diese Rente erhält nur die expropriirte Generation selbst; nach dies« ist auch das letzte Ucb«bleibsel der alten Ungleichheit verschwunden.— Aehnlich, wie ich es vorstehend von der Bodenbebauung ge- zeigt habe, wird uns« Staat auf allen Produktionsgebieten vor- gehen und dadurch das Privateigenthum— soweit nicht große Konzentratton des bett. Betriebes dessen sofortigen Uebergang in den Gemeinbesitz möglich und nothwendig macht, wie z. B. bei der Montanindustrie(bei den Eisenbahnen'") und sonstigen VerkehrSinstiluten ist es fa ohnehin selbstverständlich)— nicht nur hindern, dem Gemeinwohl zu schaden, sondern es auch zwingen, in seinem Dienste zu fungiren, dadurch aber sich all- mälig selbst aufzuzehren. Die Art d« Anwendung der aufgestellten Grundsätze auf die verschiedenen Produktionszweige zu erört«n, fühle ich mich nicht berufen, ich wollte nur an einem Beispiele die Grundsätze selbst zeigen; eine derartige, auf Grund des heutigen und der für die nächste Zukunft voraussichtlichen Ent- Wicklung angestellte Untnsuchung würde aber ohne Zweifel sehr verdienstlich sein. Nur ein« Art von Privateigenthum muß ich noch besonders ge- denken, weil bei ihr die vorerwähnten Grundsätze der Natur der Sache wegen nicht durchweg zutreffen, vielmehr wesentliche Modifi- kationen erleiden müssen. Ich meine jenen Besitz, der heute vulgär allein als„Kapital" bezeichnet wird, nämlich der Geld besitz, der Besitz an Leihkapital. Dessen Rolle ist in unserem Staate mit dem Wegfall seiner Voraussetzungen selbstredend gründlich ausgespielt; es hat in einer ökonomischen Organisation, welche lediglich auf Arbeit beruht, absolut keinen Platz mehr. Deshalb kann auch hier von einer allmäligen Expropriation keine Rede sein, sondern muß dieselbe unbedingt sofort und auf Einmal «folgen. Sämmtliche Schuld- und Pfandtitel aller Art, heißen sie nun Hypotheken, Wechsel, Privatschuldscheine, Aktien, Pfand- briefe, Börseneffekten jeder Gattung,— sie gehen gesetzlich alle an den Staat über. Die Expropriirten erhalten eine nach dem faktischen W«th ihres früheren Besitzes bemessene Entschä- digungsrente. Vermögliche, d. h. noch privatbesitzende und nicht lediglich von ihr« Arbeit lebende Schuldner w«den vom Staat zur entsprechenden Abtragung ihr« V«pflichtungen an ihn an- gehalten. Muß die Epropriation des bereits zinsbar gemachten Kapitals eine obligatorische sein, so ist dies keineswegs der Fall in Bezug auf das im Privatbesitz befindliche Baargeld. Da der Wegfall des Metallgeldes, des Weltgeldes, mit dem d« Handel oder vielmehr die Ausbeutung d« Arbeit durch den Handel un- z«ttennbar verbunden ist, eine nothwendige Voraussetzung der sozialistischen Organisation unseres Staates ist, so ist das bis- h«ige Geld in unserm Stat fortan nur mehr einfaches Metall, aus dem sich der Eigenthümer Werkzeuge, Kunstgegenstände:c. fertigen lassen kann, aber nicht mehr ein allgemeines Zirkulations- mittel, durch das stch d« Eigenthümer jeden Augenblick beliebige Genüsse zu«kaufen v«mag. In Genußmittel umsetzen können die. Metallgeldbesitz« dies ihr Eigenthum nur mehr auf zwei Arten: Entweder sie treten ihr Geld an den Sta«t ab, der es zu Leistungen an daö Ausland braucht und ihnen dafür Ent- schädigungsrente gibt. Oder sie gehen mit ihren Geldsäcken in's Ausland, woran ste zu hindern uns« Staat gar keinen Grund hat— je weniger Faullenz«, desto bess«; wie lange sie. übrigens dort ihre Existenz fortfristen, ist eine and«e Frage.— Wie ich schon oben bemerkt habe, vnzichte ich darauf, alle die mit der sozialistischen Organisation des Produktionswesens Hand in Hand gehenden politischen, administrativen-c. Umgestaltungen aufzuzählen; meine Absicht ist ja, ein bish« vernachlässigtes *) Soweit die Verstaatlichung derselben nicht schon im heutigen Staat stattfindet, welche UebersUhrung übrigens in Deutschland gegenwärtig be- reits stattfindet, was uns trotz mancher augenblicklicher Nachtheile nur erwünscht sein kann. D. R. Gebiet zu bearbeiten, nicht aber von Dingen zu sprechen, die häufig genug erörtert wurden und w«den, daß man wenigstens ein allgemeines Verständniß derselben voraussetzen darf. Aber ein kurz« Hinweis darauf sei mir doch gestattet, welche kolossale Menge von Arbeitskräften durch all diese Umgestaltungen für die Produktion verfügbar werden, die bisher gegen ihren Willen brach liegen oder schädlich wirken mußten(Armee, Theil der Beamten zc.). Durch diese bedeutende V«mehrung d« Arbeitskräfte und den rationellen Betrieb, mit einem Worte durch die Entwicklung und Zusammenfassung aller dinglichen und persönlichen ProduktionS- kräfte zu einem planvoll geleiteten Ganzen wird eine großattige, jetzt noch gar nicht absehbare Vnmehrung der Produkte statt- finden. Deutschland z. B. würde unt« solchen Verhältnissen bald nicht mehr nöthig haben, alljährlich für 100 Mill. Mark an Getreide, Mehl und Fleisch einzuführen, weil dieses Land, sobald erst die ungeheuren gar nicht, schlecht oder falsch bebauten Land- strecken richttg kultivirt und an Stelle d« Kräfte vergeudenden Zwergwirthschaft ein rationeller, mit allen Hülfsmitteln d« Wissenschaft und Technik arbeitender Großbetrieb getreten sein wird, diese Lebensmittel bald selbst erzeugen könnte. Und die- selbe Produktenvermehrung würde auch auf allen Industriegebieten, ja dort erst recht, eintreten, so daß nicht abzusehen ist, woh« der Mangel, ja der Hunger, der nach der Prdphezeihung von Gegnern in unserm Staate bald herrschen soll, kommen sollte; wahrscheinlicher ist vielmehr, daß das gerade Gegentheil davon eintreten wird. Der Darwinismus und die Revolution. (Schluß.) Eigentlich hat Darwin nur ein Werk vollendet, das schon vor mehr als 300 Jahren begonnen wurde. Der erste Revolutionär der neuern Zeit war der Verfasser der Schrift:«De revolutio- nibus orbiuir ccelestium», Nikolaus Kopernikus. Er hat den ältesten und heiligsten Glauben der Menschheit, den Glauben an die Unbeweglichkeit der Erde, umgestoßen und mit diesem Stoße das ganze Glaubenssystem der alten Welt erschüttert.„Als ein ächter„Umsturzmann" hat er daS Unterste zu oberst und das Oberste zu unterst gekehrt, der Erde die Initiative der Bewegung zugeeignet und dadurch allen ferneren und anderweitigen Revolu- tionen der Erde Thür und Thor geöffnet; er hat der phantastisch- despotischen Herrschaft des Mittelalters, welche sich die Erde üb« die Himmelskörper, d« Papst über die Geister, der Kaiser über die Fürsten und Völker, der Mensch über die Menschen angemaßt hatte, für immer den Garaus gemacht; er hat den menschlichen Geist aus den epicyclischen Zauberkreisen des verworrenen, widerspruchsvollen Unsinns einer eingebildeten Welt erlöst und zur Anschauung der wirklichen Welt, zur Einfachheit der Natur zurückgeführt. Er hat mit frech« Hand die bis auf ihn ver- schlossenen, mit Ausnahme einig« ketzerisch« Denker selbst den größten Geistern des Alt«thumS undurchdringliche, nur zur Brustwehr menschlicher Beschränktheit, Gedankenlosigkeit und Gläubigkeit dienende HimmelSveste aufgesprengt und dadurch den Blick deS Menschen bis in die Unendlichkeit des Universums er- weit«t und dem gesunden Menschenverstand Eingang selbst in den Himmel v«schafft. D« Himmel galt sonst in der Religion für den Thron und Sitz der Gottheit, den Wohnort der Seligen, in der Philosophie für das fünfte Element, wo keine Negation, keine Veränd«ung, kein Entstehen und Vergehen wie auf der plebejischen Erde stattfinden sollte, kurz: für- ein heiliges, göttliches Wesen. Aber alle diese süßen, heiligen Vorstellungen und Aussichten, die stch sonst an den Himmel knüpftm, hat die wod«nt Astronomie schonungslos vernichtet; KopernikuS hat die Menschheit um ihren Himmel gebracht,« hat daS körperliche Zentrum der Welt, die Erde, in die Reihe der Irrsinne eingeführt und daS geistige Zentrum d« christlichen Welt, die Bibel, in die Klaffe der inenden menschlichen Büch« v«setzt."(Feu«- bach.) Mit vollem Recht wurde das kopernikanische Weltsystem von den Pfaffen und ihrem Anhange förmlich verdammt, mit demselben Rechte sehen wir heute dasselbe Schauspiel dem Dar- ' winismuS gegenüber, denn dies« reißt vollends die letzten Boll- w«ke, hinter denen Lüge und Betrug immer noch ihr Wesen treiben konnten, nieder und in strahlendem Glänze steigt die Sonne der Wahrheit empor und verkündet den«staunten Völkern den Anbruch einer glücklicheren Zeit. Umsonst ist das Bemühen jener zwar mächtigen, ab« kleinm Kaste, die an dem Nacht- und Nebelzustande des Geistes ein gewerbsmäßiges Interesse hat, den Aufgang des glänzenden Gestirns zu v«zög«n oder gar zu verhindern— die Sonne dn Freiheit und Bildung, welche im vorigen Jahrhundert nur erst die Höhen der Menschheit üb«- glänzte und«leuchtete, leuchtet heute auch in die Thäln hinunter und das„Volk" läßt sich schlechterdings nicht mehr in d« Be- schränktheit und Enge des ihm von seinen„Herrn" angewiesenett Gesichtskreises festhalten. Mit der Ausbeutung der großen Mehr- heit durch eine kleine Minderheit, mit der Herrschaft Weniger und der geistigen, politischen und physischen Knechtschaft Vieler ist es bald für immer vorbei. Freilich lassen die herrschenden Klassen kein Mittel unversucht, die errungenen Wahrheiten in ihrer Verbreitung zu hemmen, namentlich ist das brüderlich geeinte Pfaffen- und Junkerthum aufs äußerste bemüht, die Volksschule von dem Gift der modernen Naturwissenschaften rein zu halten und eine möglichst armselige, aber streng konfessionelle Schuld als Drillanstalt für das Volk gehört zu den höchsten Kulturidealen dieser edlen Sippschaft. Das bloße Verhehlen der Wahrheit ist an sich schon schlimm genug, ein Verbrechen an der Menschheit aber ist es, wenn die- selbe, wie in unfern Schulen, durch eine positive Unwahrheit er- setzt wird, infolge davon unsere Kinder an einem Widerspruch zwischen Schule und Haus, zwischen Worten und Thaten, also kurzweg an Verstellung und Heuchelei gewöhnt werden. Unbe- kümmert um die erhabenen Lehren der Geschichte, nichtbeachtend die kampfvollen Thaten und schmerzensreichen Arbeiten der Mensch- heit, höhnend und verletzend die Rechte und Ansprüche, welche durch tausendjährige Arbeiten die Vernunft sich erworben hat, wagt man es heute, zu dem Alten zurückzukehren und die Fesseln, welche die freie Forschung kaum erst zu lockern begonnen hatte, auf? neue fester zu schnüren. Aber in dem Maße, in welchem man die Spräche des Gedankens hemmt, wird diejenige der Geschütze das vorherrschende Verständigungsmittel, und wer den Austausch von Ideen hintertreibt, wird denjenigen von Kugeln selbst verschulden. Glaubt man denn, die Blutströme vergangener Zeiten seien umsonst vorübergerauscht oder höchstens nur zu dem Zwecke vorübergeflossen, daß gewisse Individuen dadurch nur um so sorgloser in den Hängematten des alten Glaubens sich schaukeln und an dem Strome umsonst verflossener Jahrhunderte einen Spiegel der Herrlichkeit, Festigkeit und Beständigkeit ihres partikulären Eigenthums, ihres Glaubens besitzen sollten? Zum Trost lehrt uns die Geschichte, daß gerade dann, wenn etwa« am Rande seines völligen Untergangs steht, es noch einmal mit aller Gewalt sich erhebt, als wollte es von Neuem seinen schon vollbrachten Lebenslauf beginnen. Mögen auch heute die Reaktionäre aller Farben, zitternd vor dem erwachten Volksbewußtsein, den wahnwitzigen Versuch machen, Staat und Gesellschaft um Jahrhunderte zurückzuschleudern; mag Virchow aus Angst vor den Sozialisten die Deszendenzlehre für sich behalten und die Schule noch so sehr bewahren, weil der Darwinismus den revolutionären Elementen zu scharfe Waffen in die Hand liefere; mag Höckel noch so hoch und theuer ver- sichern, der Darwinismus führe zu nichts weniger als demokra- tischen Konsequenzen, sondern sei vielmehr eine aristokratische Lehre; mag das von seiner feilen Presse verhetzte und mit dem rothen Gespenst« kopfscheu gemachte, selbstständige und feige Bürgerthum noch so angstvoll in die rettenden Arme der Polizei und unter die schützenden Fittige der Kirche sich flüchten— es ist zu spät! Der Mensch des 19. Jahrhunderts will sich nicht mehr beugen vor selbstgemachten Autoritäten, er will nicht mehr erzittern vor selbsterfundenen Schrecken, er will nicht mehr anbetend nieder. sinken vor selbstgemachten Götzen; denn Furcht und Abhängig- keit find nach der von ihm gewonnenen Erkenntniß keine Bestand- theile echten religiösen Gefühls, und das Urbild wahrer Frömmig. keit ist ihm nicht das geduldige Schaf. Die moderne Naturwissenschaft hat die Fesseln einer vergangenen Weltanschauung zerbrochen und die Grundsteine einer neuen, großartigen, Kulturepoche gelegt, deren Eintritt spätern Geschlechtern als eben solcher Abschnitt in der Entwicklung der Menschheit erscheinen wird, wie uns der Sieg des Monotheismus vor 2000 Jahren. An die Stelle deS Wunders setzte sie das Gesetz. Wie vor dem anbrechenden Tag erblichen vor ihr Geister nnd Ge« spenster, sie löschte die Scheiterhaufen der Hexen und Ketzer und wird nicht müde, den Wust alten Aberglaubens hinwegzufegen, die trüben Nebel scholastischer und dogmatischer Vorurtheile zu zerstreuen und dem reinen Lichte der Wahrheit freie Bahn zu schaffen. Sie ist von ihrem staubigen Schulthron herabgestiegen und, alles gelehrte Phrasenwerk abstreifend, redet sie jetzt in ver- ständlicher Sprache zu allem Volk, das sie hören will; denn daS Recht auf Wahrheit ist kein Monopol, eS ist daS erste Recht des ganzen Volkes. Und diese« sein Recht läßt sich daS Volk nicht mehr verkümmern— merkt'S euch, ihr Herren Darwinianer l Und wenn ihr eure erhabene Wissenschaft zur Frohnmagd des Kapitals herabzuwürdigen versucht, indem ihr auf Grund eurer Forschungen den Kampf Aller gegen Alle proklamirt, so laßt es euch gesagt sein: wir durchschauen den Betrug! Wir wissen sehr wohl, daß der Kampf umS Dasein in der ganzen belebten Natur herrscht und sogar daS tteibenve Prinzip in der Entwick- lungsgeschichte der Organismen bildet, aber einerseits beruht auch in der Thierwelt dieser Kampf nicht allein auf dem Recht des physisch Stärkeren,— sonst müßte es ja lauter Löwen und Tiger geben!— und andrerseits hat, was für die Thierwelt gilt und für die Menschheit auf ihrem langen Weg vom Höhlen- bewohner bis zum Kulturmenschen gegolten hat, für die zivilisirte Gesellschaft deS 19. Jahrhunderts längst seine Gültigkeit verloren. So gut wir die gewaltigen Naturkräfte, vor denen unsere kind« lichen Vorfahren anbetend niedersanken, unS dienstbar gemacht haben und unS schützen vor ihren drohenden Ausbrüchen und verheerenden Wirkungen, denen jene sich rettungslos preisgegeben sahen, so gut haben wir auch daS Recht und die Pflicht, jenes naturgesetzliche Prinzip, mit dessen Hilfe wir unS so unendlich weit über unsere thierischen Vorfahren erhoben haben, zu über» winden und zu beherrschen, denn der kulturhististorische Prozeß der Menschheit zeigt in letzter Instanz nichts anderes, alS eine allmälig immer weiter schreitende Beherrschung der Natur durch den Menschen, d. h. eine Emanzipation von den Naturgesetzen. Heute herrscht allerdings noch der Kampf ums Dasein in seiner rohesten Form; derjenige, welcher durch Geburt, Erziehung, Freunde ,c. bevorzugt ist, welcher die besten Waffen besitzt und die schwächsten Feinde sich gegenüber findet, der hat die meisten Aussichten, zu gewinnen; besser als andere kann er sich eine Stellung verschaffen, von deren Höhe herab er seine weniger begünstigten Mitmenschen verachten kann. Es gab eine Zeit, da man sich scheute, diese Blut- und Eisentheorie einzugestehen und mit dem rechten Namen zu benennen, jetzt aber wagt es eine gewisse Sorte von verschlagenen Politikern und hinterlistigen Bettügern, auf die Entdeckungen der Wissenschaft hinzuweisen mit den Worten:„Seht, das ist daS fatale Naturgesetz; also will es das Geschick der Menschheit, dem wir nicht entrinnen können!" Wohlan!„Die Gewalt regiert", sagen die Vcrtheidiger der sozialen Ungleichheit! Ja, die Gewalt regiert, sagt die moderne Ausbeutung in ihrer brutalen Vollkommenheit. Was aber die Politiker sagen, was die Ausbeuter sagen, können das wir, die Revolutionäre nicht ebenfalls sagen? Ist es denn nothwendig, daß das Recht des Stärkeren immer zu Gunsten der Ausbeu- tung regiert?„Gewalt geht vor Recht" hat Bismarck nach so vielen Andern gesagt; gut! bereiten wir den Tag vor, da Recht vor Gewalt gehen wird. Wenn es wahr ist, daß die Ideen der Solidarität sich mehr und mehr ausbreiten; wenn es wahr ist, daß die Errungenschaften der Wissenschaft bis in die niedersten Hütten dringen, wenn es wahr ist, daß die Wahrheit zum Gemeingut Aller wird, wenn die Entwicklung im Sinne der Freiheit und Gleichheit, der Ge- rechtigkeit und Menschenliebe fortschreittt, so werden die Arbeiter, die Pioniere einer neuen Zeit, welche zugleich im Besitze des'Rechtes und der Gewalt sind, die Revolution durchführen, welche das„Reich Gottes" auf Erden einrichten und alle Menschen zu Menschen machen wird! Der Krieg um die Rechtschreibung. Gedanken über Kanzlerwillkür und Reichstagsdummheit. Von einem Lehrer. Ist denn aus deutschm Landen alles Schamgefühl entflohen? Oder ist der blaue Dunst, welchen ein allmächtiger Minister und Reichskanzler zu machen versteht, so stark, daß durch ihn alle« klare Sehen verhindert wird? Oder ist der Nebel nur im Haupte einer hochlöblichen„Volksvertretung" und benimmt derselbe alle Fähigkeit zu denken? Im Erzgebirge hungern die Arbeiter; in Schlesien auch; Arbeitslosigkeit und Nothstand überall! Die faule, feige Bürgerschaft aber zittert vor dem rothen Gespenst. Die Steuerlast ist kaum zu ttagen und doch Erhöhung derselben in sicherer Aussicht. Dann Vermehrung des Militärs! Und was thut die Volksvertetung?— Sie beschäftigt sich— hört! hört! — mit der deutschen Rechtschreibung! Ist das nicht Hohn? Der Boden Deutschlands glüht vor vulkanischer Bewegung; aber der dumme Bürger will es vor lauter Furcht nicht merken, ehe er nicht sich den Steiß verbrennt, ehe nicht sein Lagerstroh in Flammen steht! Und Bismarck? Man weiß nicht, ob man den Mann bewundern soll wegen seiner geschickten Behandlung unserer famosen Volksvertretung oder ver- achten, weil er mit klarem Bewußtsein das deutsche Volk einem Bürgerkrieg entgegenführt. Und die deutsche Volksvertretung? Nun ja, die beschäftigt sich mit der— Rechtschreibung; und um recht schreiben zu lerne», läßt sie das Recht nach Herzenslust mit Füßen treten. Doch das ist ja auch interessant und wichtig, daß wir deutsch schreiben lernen und keine Kleinigkeit; denn hört! der Reichskanzler interessirt sich dafür, es ist sogar ein Konflikt im Ministerium— das muß doch wichtig sein! Bismarck ist für die alte historische Rechtschreibung, Puttkammer und Stosch sind für die neue phonetische; eS werden Erlasse veröffentlicht, Pütt- kammer kann nicht bleiben— Alles wegen der Rechtschreibung! Es wird eine Vorlage an den Reichstag kommen, die Sache muß genau untersucht werden, und— widerliches Bild— die Volksvertretung stürzt sich in diese Untersuchung und ist taub und blind gegen das, waS während dessen vorgeht! Bismarck sieht dasselbe Bild, gerade so, wie wir es hier schildern, und verachtet eine Volksvertretung, welche sich so nasführen und treten läßt. Wahrhaftig, er lacht nicht, sondern er verachtet und hat ein Recht zu verachten. Aber er hat keinen Theil an der Blindheit unseres Reichstages. Oder meint man, daß Bismarck nicht weiß, waS im Volke vorgeht? Seine Handlungen beweisen das Gegentheil; sie zeigen, daß Bismarck gar wohl daS Bewußtsein hat von dem Kampfe, welcher bereits zwischen der Sozialdemokratie und der absoluten Monarchie entbrannt ist und noch viel heftiger und blutiger ent- brennen wird. Die Sozialdemokratie rüstet zum Kampfe durch die Agitation, das einzige Mittel, welches ihr zu Gebote steht. Ihr gegenüber hat Bismarck reiche Mittel. Erstens versucht er der Sozialdemokratie den Boden streitig zu machen, indem er ihre Ideen auf seine Weise verwirklichen will, durch das Monopol; denn durch dieses würde ja in der That der Staat das Risiko der Produktton übernehmen und die Arbeiter gegen die Schwankungen und Uebermacht des Kapitals sicher stellen können; ob es wirklich der Fall sein würde, ist freilich sehr fraglich. Auch kann die Sozialdemokratie niemals darauf eingehen, denn sie ist demo- krattsch, und nur durch sie können durch die Uebergabe der Pro- duktton und ihre« ErttageS an die Arbeiter, diese wirNich sicher- gestellt werden. Auf eine Demokratie kann Bismarck wiederum nicht eingehen, denn er ist ein Junker und kein Perikles. DaS zweite Kampfmittel Bismarcks ist das Sozialistengesetz, durch welches er die Agitatiott zu hindern sucht und die Gegner materiell an ihrem Vermögen und HülfSmitteln schädigt. DaS dritte Mittel ist die Unterdrückung der Preß- und Redefreiheit und hängt mit dem zweiten eng zusammen, zieht aber weitere Kreise in Mitleidenschaft. DaS vierte Mittel ist aber positiv: die Berstär- kung der Heeresmacht; sie soll die absolute Monarchie(denn daß wir eine konstituttonclle hätten, wird sich wohl Niemand einbilden, welcher einigermaßen klar sieht) die kommende Revolution nieder- zuschlagen. Denn die Zucht dcS preußischen Unteroffiziers ist an- erkannt eine wirksame und weiß manchem guten Deutschen Liebe zum Herrscherhause einzuprügeln; außerdem ist die Macht in Waffen größer, also auch die Aussicht des SiegeS auf jener Seite. Bismarck weiß seine Pläne wohl zu berechnen und durchzu- setzen. Er hütet sich allerdings, dieselben offen darzulegen, denn er müßte ja unserer„Volksverttetung" dann selbst die Augen öffnen. Deshalb läßt er, der verantwottliche Minister, sich niemals sehen und unverantwortliche Staatssekretäre für sich reden— herrliche Verantwortlichkeit! Dann rechnet er unfehlbar auf die Dummheit der erleuchteten„Volksverttetung", und diese Be- rechnung ist vollkommen sicher. So bei der Militäretatdebatte: Seht in Rußland die Nihilisten und ihr verwerfliches Treiben!„Seht nach Frankreich! Zwar droht unS dort kein Krieg, wir brauchen die Armeevermehrung eigentlich gar nicht— indeß eS ist unS nur um deS lieben Friedens willen." Und die Volksverttetung schaut nach Rußland, blickt nach Frankreich und steht nicht, waS im eigenen Lande vorgeht, sondern bei diesem Augenverdrehen wird sie abgespannt und fällt in einen magnetischen Schlaf, schlimmer als den von Professor Hansen hervorgebrachten. Und wie im Traume nickt sie dann ihr„Ja" und das Militärgesch ist durchgegangen! Damit der Reichstag sich ja nicht zu lanzl mit der anstrengenden Polittk befasse, wird ihr dann ein anderer Brocken hingeworfen und über der— Rechtschreibung vergißt P< alles andere, namentlich die sozialen Verhältnisse; so ist dafür gesorgt, daß keiner je auf schlimme Gedanken komme. Bismarck, anstatt dem Volke entgegenzukommen, greift zu de» gewaltthättgsten, tyrannischsten Mitteln und schärft dadurch de» Haß und den Gegensatz zwischen Volk und Monarchie, er führt so mit klarem Bewußtsein das Land einem blutigen Bürgerkriege entgegen. Die elendeste Rolle aber spielt die„Volksvertretung� Es wäre wahrlich an der Zeit, daß die Arbeiterfäuste die ganze Gesellschaft auseinanderjagten und ihr mit Ruthen daS Recht recht auf den Rücken schrieben! Erwiderung. In Nro. 12 des„Sozialdemokrat" hat ein Parteigenosse„aus Sitd' deutschland" mich wegen meiner Rede, die ich am 2. März im deutsche» Reichstag gehalten, deshalb angegriffen, weil ich darin unter andere!» erklärte, daß auch die Sozialdemokratte gegen einen äußern Feind Fr°»� machen werde, wenn ein soyjier wirklich deutsches Gebiet angreifte Diese Erklärung— die übrigens nichts weniger als in einer seiet' lichen Weise abgegeben war, wie man dies nach der eisrigen Verbreitung durch das Wolff'sche Telegraphenbureau glauben könnte— hat den Zor» des süddeutschen Genossen erregt, der darin eine Art von Prinzipienver- stoß erblicken zu müssen glaubte. Ich erkläre nun, daß ich meine damaligen Worte auch heute»»» und ganz aufrecht erhalte und daß, wenn es Parteigenossen gibt, die d» glauben, ich sei„zu weit" gegangen, ich andere in Menge gesunden habt, die sagen: es sei durchaus nothwendig gewesen, eine solche Erklärung retp. Erläuterung unseres Standpunktes abzugeben, um der geflisscus lich verbreiteten Meinung entgegenzuwirken, als sei bit international gesinnte deutsche Sozialdemokratie in dein Sinne vaterlandslos, daß es ihr völlig gleichgiltig sei, fj' eine beliebige fremde Macht Fetzen deutschen Gebietes an fi* r'e i ß e, oder ob Deutschland unter Fremdherrschast kommt- Nach dem Tone, den der Genosse aus Sllddeutschland angeschlagen h»'' soll diese Gleichgiltigkeit die einzig richttge Takttk der deutschen Sozia'' demokratie sein, und unsere Freunde verbreiten diese Auffassung in dtt That seit langem geflissentlich und mit gutem Erfolg. Ich bestreite ab« die Richtigkeil dieser Auffassung ganz entschieden. Wir bekämpfen den Pattiotismus nicht an und für sich, sonder» nur in so fern, als dieser als Hetzmittel gegen fremde Nationaliläte» dient, als er dazu benützt wird, den Chauvinismus, den Nationalitäle»' haß und die Nationaleitelkeit groß zu ziehen, um mit Hilfe dieser Eigt»' schasten beliebig Kriege entzünden zu können, die nur dazu dienen solle»' die Ketten, die das Volk ttägt, weniger fühlbar zu machen, indem m»» seine Aufmerksamkeit von den inneren Zuständen nach Außen abzulenke» sucht. Der Pattiottsmus, der in der Liebe zu dem Lande besteht, in de!» man geboren, in dessen Sitten und Sprache man erzogen ist, der M» einem Wort den Boden bildet, in dem unser Sein wurzelt und sich e»>' saltet, dieser Pattiotismus wird von der Sozialdemokratie nicht»»� nicht verworfen, er wird dadurch tagtäglich von ihr im höch' sten Maaße geübt, daß sie das System, da« aus diesem B»' den herrscht, mit aller Kraft und allen Verfolgungen z»>» Trotz bekämpft und Jedem, der diesen Boden verlass»» will, zuruft: ,,Hic Bhodua, hio salta"— bleibe hier»»» kämpfe mit, hier ist der Boden, auf dem wir die neue Zeib die neue Welt zu erkämpfen und zu schassen haben." Diese einfache Thaffache beweist, daß uns da» Land, das unssst Heimath ist, ttotz unserer weltbllrgerlichen Gesinnung nicht gleichgiltig>»' Und wenn dies richttg ist— und unsere ganze Thätigkeil für bessert Zustände in unserm Heimalhlande beweist es—, so kann der Genoßt aus SUddeuffchland auch nicht bestreiten, daß die erste Bedingung die Befreiung dieses Bodens in unserem Sinne die ist, daß dieser B»' den dem Volke, das auf ihm lebt, gehört, und nicht fremde Eroberer sich auf demselben breit machen. Unsere weltbürgerliche Gesinnung dingt oder fordert nicht die Gleichgilttgkeit gegen das Heimathland; r bedingt vielmehr die brüderliche Gesinnung gegen die Bewohner aller anderen Länder, vorausgesetzt daß man dort die gleiche Gesinnung gegt» uns hegt. Mich au« brüderlicher Liebe zu einem Andern, der mich hat»- todtschlagen zu lassen, würde einfach an Wahnwitz grenzen. Wie wichttg die nationale Einheit, wie immer sie gestallt! sein mag, auch für die ökonomische und die sozialistische Entwickelu»ß ist, das haben uns die letzten 10 Jahre gezeigt. Was hat der sozial#' sehen Bewegung in Deutschland seit 1871 den mächtigen Ausschwung 9'' geben, der unsere Feinde zittern machte und die endliche Vereinigung früher sich heftig bekämpfenden Frakttonen herbeigeführt hat? Einfa»! der Umstand, daß mit Beendigung de« deutsch französischen Krieges dss Zankapfel üher die nationale Gestaltung Deutschlands so gut wie bese>' (igt war und gleichartige wirthschastliche Gesetze die Gleichartigkeit»tk ökonomischen EntWickelung möglichst förderten. Wäre der Genosse aus Süddeutschland älter und erfahrener in dt» Bewegung, als er augenscheinlich ist, so würde er wissen, wie eine de» auptkonttoversen zwischen dem Allg. deutschen Arb.- Berein und»f! isenachern vor 1870 die Stellung zu den Ereignissen des Jahres l#» und deren Folgen war. Er würde aber auch serner wissen, daß f('»' Ansicht, die deutsche Sozialdemokratie habe sich auch in einem Angriffs Kriege seitens de» Auslande« einfach neutral zu verhalten, schon die Stellung, welche dieselbe den Ereignissen des Jahre« 1870 gegenllbck einnahm, als eine grundirrige anerkannt wurde. Al» der Krieg»o» 1870 ausbrach, war in der ganzen deutschen Sozialdemokratie darüber kein Zweifel, daß man bei einem Angriffs, und Eroberungskrieg gegen Deutschland verpflichtet sei, alles für die Vertheidigung der na»»' nalen Unabhängigkeit auszubieten. Wohl aber waren damals die Mei»' ungen darüber sehr gespalten, ob der von Napoleon formell erklärte Krifjj wirklich ein Angriffs- und Eroberungskrieg und nicht vielmehr ein dural die Bismarck'sche Politik gewollter und aufgedrungener sei. Diese letztere Ansicht hatten damals im norddeutschen Reichstag Lieb' knecht und ich— und diesen Standpunkt habe ich in der hier in Fra� stehenden Rede am 2. März im Reichstag auf's neue gewahrt—»»» wir gaben demgemäß damals die Erklärung ab, daß zwar Napoleon de» Krieg erklärt, derselbe aber das nothwendige und gewollte Resultat der Bismarck'schen Politik sei, weßhalb wir uns der Abstimmung für Bf' willigung der Kriegsmittel enthalten mußten. Dieser Ansicht standen d>r damaligen Vertteter des Allg. deutschen Arb.-Ver.(Schweitzer, Hase»' clever, Fritzsche) diamettal gegenüber. Sie erklärten: der Krieg sei»»' zweifelhaft ein Bertheidigungskrieg von deutscher Seite, und für diese» die Mittel zu bewilligen sei eine Pflicht, der gegenüber alle sonstige» Meinungsverschiedenheiten zu verschwinden hätten; und sie stimmten bei»' nach für die Bewilligung. Und diese letztere Auffassung wurde gethei» vom Ausschuß der Eisenacher(Bracke, Spier jc.), der sich gegen Li# knecht und mich erklärte, und mit diesem eine Reihe Mitgliedschaftr»' Einigkeit wurde erst erzielt, al« durch den Sturz Napoleons der ang# liche Friedensstörer verschwunden war und durch die nunmehr offen b» ttiebene Agitation für die Annexion von Elsaß-Lothringen aus dem V»»' theidigungskrieg ein Eroberungskrieg wurde. Diese Auffrischung eines geschichtlichen Vorkommnisses im Leben de» deutschen Sozialdemokratie dürste dem süddeutschen Genossen beweise»' daß die von ihm verlangte absolute Neutralität auch in einem%»' griffskrieg aus wirklich deutsche« Gebiet etwas schwerer aufrecht zu et' halten sein dürste, als er sich vorstellt. Und e« liegt da« ganz in de» Natur der Sache. Zum Ueberfluß will ich ihm noch mittheilen, daß gerade Genosr Kayser, aus den er sich in seinem Angriff auf mich für seine Anst# glaubt berufen zu dürfen, es war, der sein volle« Einverständniß!»' meiner Erklärung sofort im Reichstag aussprach,„weil damit ein für alle' mal dem albernen Geschwätz, als wollte die deutsche Sozialdemokrat deutsches Land jedem beliebigen Eroberer Preis geben, ein Ende gewwr werde.« Mit der Berufung auf Hasselmann dürfte der verehrte Genoffc nach jene»' ganzer bisheriger Auffassung ebensowenig Glück haben; sicher ist es aber lächerlich, wenn er glaubt, dessen dreimonatliche,>>n- schuldig verbüßte Untersuchungshaft als stHotiv für eine kurzstchtige Politik der Rache einem Genossen gegenüber anführen zu dürfen, den das heutige System bis jetzt drei und ein halbes Jahr, und zwar nach seiner Meinung auch unschuldig, hinter Schloß und Riegel gehalten hat. ... Ich begreife den Haß und die Erbitterung, welche unsere Genoffen über unsere Zustände und die uns widerfahrende Behandlung erfüllt, ich(heile diese Gejithle vollständig und sehe lieber heute als morgen, daß diesen Zuständen der Infamie, einerlei wie, ein Ende gemacht werde. Aber es ist ein vollständiges Verkennen aller geschichtlichen Entwiaelung und der Borbedingungen dazu, wenn der süddeutsche Genosse glaubt, daß eine feindliche Jnvaston oder gar die Abreißung densscher Gebiets- theile sllr die Entwickelung und den endlichen Sieg der deusschen sozial- demokratie gleichgültig, wenn nicht gar förderlich sei. Die erste Gebens- bedingung sür jede« Volk ist seine nassonale Unabhängigkeit, und daher stnd nassonale Befreiungskriege und daraus folgende nassonale Unabhängig- l«t die erste Borbedingung für jede höhere nnd eigenartige Äulnirenr- Wickelung eine« Volke». Ein Krieg, der Deusschland zwänge, für seine nationale Unabhängigkeit einzutreten, würde eine so gewaltige Ausrassung ber Kräfte herbeiführen, daß gegenüber diesem einen Zweck alle« andere als reine Nebensache erschiene, und jede Partei unmöglich wäre, die sich diesem widersetzte oder gleichgülssg verhielte. Da» ist nicht bloß m-'ne Aussassung. das ist auch die Aussassung eine« sehr hervorragenden, bekannten deutschen Parteigenossen im Ausland, der mir kürzlich schrieb. »Ein europäischer Krieg, in dem Deusschland sllr seine Unabhängigkeit linipsen müßte, wäre das größte Unglück, da« die deussche SoZt-l- demokrasse treffen könnte c er würde die Bewegung um 20 Jahre zu- rückwersen.«. Ich meine, über da«, was die deussche Sozialdemokrasse rm Falle «mes Angriffskriege« zu thun habe, könnten wir uns bei unseren srarl' Wischen Genossen sehr leicht Raths erholen. Wenn Sozialisten 1- Ur- wche hatten, mit einem Regime unzufrieden zu sein, so warm es die wnzöstschen Sozialisten unter dem dritten Kaiserreich. Unsere iranzü- stschen Genossen waren 1870 so gut wie wir gegen den Krieg, als aber der .... Tanz Frankreich erhoben, die mit Hinweis aus die herrschenden Z i D01t bem Kampfe bis zum äußersten abgerathen hätte. Alle haben bis der Kamps zu Ende war. Glaubt nun der Genosse au« SUddeusschland. daß die französischen Genossen sich weigerten, die M ergrelsen— einerlei, wer in dem Moment in Frankreich am Ruder rr~ n)emt d« sich um die Rückeroberung von Elsaß-Pothrmgen han- delte? Sichn nicht. Und da glaubt er, die deussche Sozialdemokralie % und müsse Gewehr beim Fuß ruhig zusehen, wenn z. B.. wa« Ms x-s&rsstiX putschen Oslprovinzen griffe? Besteht denn die internationale Gesinnung �deutschen Sozialdemokrasse darin, daß sie jeder fremden°asländi chen ch nicht präjudizirt. Es ist vielleicht die gute Seite von dem System, "den mußl Die Zukunft wird darüber cnsschciden! äse.esR'#«# m# ''che Auffassung zu einer Art von Verbrechen stempeln. «"pzig. U). April 1880. �«.pel. Zur Frage der Taktik. » BH Nr. 9 unseres Parteiorgan« veröffentlichten Ansrns„An die deusschen Parteigenossen« ihren Ausdruck gefunden hat. Es thut uns leid, daß uns die Beschränktheit unseres Raumes daran hindert, die unbedingt bei- stimmenden Urtheile zur Kenntniß der deutschen Genossen zu bringen, welche die sozialistische Presse der ganzen Welt, sowie auch nahestehender wirklich freisinniger und radikaler Organe Uber die in jenem Ansrns zum Ausdruck gekommenen Ansichlen und Ensschlüsse gefällt hat. Selbst der „Revolte«, das Organ der Anarchisten, spricht nach einer längeren, aller- ding« mit verschiedenen Jrrthümern behafteten Besprechung der deutschen Bewegung und nachdem er die kennzeichnendsten Sätze de« Ausruse« mit- getheilt, seine Befriedigung und seine Sympathie mit letzterem aus. Indessen geht sowol das genannte Organ als manche andere soziali- stische Stimme außerhalb Deusschland hiebei von einer falschen Anschauung aus, nämlich von der: daß seit einiger Zeit und namentlich mit jenem Ansrns eine komplete Aenderung der Taktik der deutschen Sozialdemokratie, ein plötzliche« Heber- lenken von dem„gesetzlichen« ins revolutionäre Fahr- wasser eingetreten sei. Die« ist nun aber keineswegs der Fall. Die deussche Sozialdemokrasse ist seit ihrer Entstehung eine revolutionäre Partei, weil ihr Prinzip ein revolussonäres ist. Was aber die Mittel zu Durchführung desselben— oder mit andern Worten die Taktik— be- trifft, so find diese nicht etwas ein für allemal Gegebene», sondern haben sich nach den jeweiligen Verhältnissen zu richten. So lange uns das Gesetz wenigstens die formelle Möglichkeit bot, unsere gerechten For- derungen aus dem friedlichen„gesetzlichen« Weg zur Anerkennung und Durchführung zu bringen, so lange wäre es ein Unsinn gewesen, uns selbst außerhalb des Gesetze« zu stellen und damit da« Odium de« bös- willigen Friedensstörers aus uns zu nehmen. Heute ist von unfern ein den die letzte Möglichkeit der friedlichen Geltendmachung unserer echte hinweggenommen und der Weg der gewalssamen Anssechtimg des zwischen der alten Welt der Klassenherrschaft und der neuen Welt des Sozialismus auszutragenden Streite« betreten, bezw. die konsequente Fortsetzung de? im Oktober 1875„provisorisch" begonnenen Kampfes beschlossen worden. Dadurch ist unsere Stellung eine wesentlich verän- derte geworden. Die Entwicklung der deutschen Bewegung zu dem gegenwärtigen Sta- dium war längst vorauszusehen und hat sich auch keineswegs plötzlich vollzogen; aber sie durste nicht Uberstürzt werden, sondern mußte sich naturgemäß, in Anlehnung an die begleitenden Umstände vollziehen. So wenig als erfolgreiche Revolutionen„gemacht« werden können, ebenso- wenig kann die unwiderrufliche Aenderung der Taktik einer großen Partei mit Aussicht aus Erfolg von einigen„Führern« dekressrt werden; sie muß vielmehr das Ergebniß der Entwicklung der ganzen Partei und der allgemeinen Lage sein. Unsere Partei ist jetzt in ein solches Entwicklungsstadium getreten und deshalb war der gethane bedeussame Schritt eine Nothwendigkeit; die Partei wird in ihrer Entwicklung nicht innehalten und es wird nicht allzulange anstehen, bi« wir von weiteren Fortschritten melden können. Diese Entwicklung der Dinge mag wol manchem Ungeduldigen zu lang- sam dünken; aber sie allein behütet uns vor einer krankhaften, den Keim der Fäulniß in sich tragenden Frühreife und verbürgt uns eine gesunde, dauerhaste Frucht!— Wir müssen uns sllr heute aus diese allgemeine Ausführung beschränken, indem wir ein Urtheil Uber die Takssk unserer Partei anführen, welches von einem Organ gefällt wird, welches sich wiederholt und noch vor kurzem sehr abfällig Uber unsere Takssk geäußert und Vergleiche zwischen der deutschen Sozialdemokratie und andern Revolutionsparteien gezogen hat, welche sür erstere nachtheilig ausfielen. Diese« gewiß unparteiische Organ, die„New-Dorker Volkszeitg.«, läßt sich jetzt folgendermaßen ver- nehmen: „Die Ereignisse schreiten rasch in unserer viel bewegten Zeit, welche so recht die Zeit der Tage«blätter ist. Kaum hat man in irgend einer Tagessrage von sozialer Bedeutung einen Standpunkt eingenommen, als sich die Verhältnisse ändern, die Voraussetzungen, die man seiner Argumentation zu Grunde gelegt, umgestürzt werden und der ganze zu besprechende Gegenstand sich in ganz anderer Form präsentirt, als er noch vor wenigen Tagen erschien. Aehnlich ist es uns mit der Besprechung der zwischen der Sozial- demokratie und dem Nihilismus bestehenden Differenzen ergangen. Wir haben gesehen, daß dieselben aus taktischen Fragen entsprungen find, zu denen dann erst später prinzipielle Meinungsverschiedenheiten bei- getreten sind. Die„Zahmheit« der Sozialdemokraten, der Widerspruch zwischen der von ihnen stets gepredigten„Gesetzlichkeit« der Mittel und dem revolutionären Charakter, der nothwendigerweise jeder sozialistischen Bewegung innewohnt, die ängstliche Verleugnung jeder Solidarität mit anderen, weniger„gemüthlich« austtetenden sozialistischen Richtungen,— dies find die Hauptpunkte der von den„Nihilisten« gegen die Sozial- demokratie erhobenen Anklagen. Und nun haben die Ereignisse selbst eine Antwort auf dieselben gegeben, die weit besser und entscheidender ausge- sollen ist, als irgend eine noch so überzeugende Argumentation. Wir meinen die von uns in voriger Woche mitgetheilte Erklärung de« Zentralorgan» der deusschen Sozialdemokratie, die eine vollständige Aenderung der Parteitaktik ankündigt und offen die Fahne der sozialen Revolution aufsteckt. Diese Erklärung enthält vor Allem deshalb eine entscheidende Antwort aus alle Anfechtungen der sozialdemokratischen Taktik, weil sie nicht der Laune diese« oder jenes„Führers" ent- sprungen ist, sondern als Resultat einer tiesgehenden Um- Wandlung im Geiste der gesammten Partei zu betrachten ist. Durch ihre Willkür im Großen— in der Gesetzgebung—, wie im Kleinen— im Klassenkrieg gegen jeden sozialdemokratischen Arbeiter— haben die herrschenden Klassen Deutschlands die Sozialdemokratie gewalt- sam auf revolussonäre Bahnen gettieben. Daß die leitenden Geister der deutschen Bewegung dieses Resultat richtig vorausge- sehen und geduldig abgewartet haben, ohne vor der Zeit mit papiernen Säbeln zu rasseln, bekundet ihrerseits einen hohen Grad von politischer Klugheit und eine genaue Kenntniß de» Volkscharakter«, mit dem sie zu thun haben. Im Verkennen derBedeutung diese« letzten Faktors liegt eben der Kern aller Mißverständnisse, welche zwischen den beiden Richtungen unserer Bewegung bestehen. Jeder urtheclt unbewußt vom Standpunkt seiner Nationalität, unter dem Einfluß der sozialen Ver- HIlwisse seine« Lande«, ohne dabei die Lehre de« russischen Sprichwortes zu beherzigen, da« besagt: kein Mönch darf seine Disziplin einem srem- den Kloster aufdrängen. Die Eigenthümlichkeiten der sozialdemokratischen Parteitaktik, die den Vertretern de« russischen Sozialismus so peinlich ausfielen, erklären sich insgesammt au» solchen, von den Anklägern außer Acht gelassenen natio- nalen Eigenthümlichkeiten de? deutschen Volke«. Wenn die deutsche So- zialdemokratie in ihren Loyalitätsbezeugungen nach den Attentaten ein bis- chen sehr weit gegangen ist, allerding« viel weiter, al» die russische radi- tale Presse es in ähnlichen Fällen zu thun pflegte(?), so geschah dies keines- weg« nur au« Rücksicht aus die Regierung, in dem Wahne, die Loyalität könne die Partei vor Repressivmaßregeln bewahren, sondern vor Allem au« Rücksicht sür das Volk selbst. Der Krieg mit Frankreich, der daraus- hin üppig emporgewucherte Nationalitätsdusel hatten gerade in den letzten Jahren eine der Grundeigenthümlichkeiten des deutschen Volkscharakters, welche die Bewunderer den„schwärmerischen Zug«, die Spötter- aber schlechtweg—„Michelei" nennen, zur vollen Blüthe gebracht. Mit dieser Eigenchllmlichkeit mußte eine Partei, die zur wahren Voltspartei empor- gewachsen war, wohl oder Übel rechnen und dadurch erklären sich so- wohl da« Verhalten der sozialdemokratischen Organe nach den Attentaten, wie auch einige andere, nicht gerade ansprechende Absonderlichkeiten der damaligen Agitation, wie z. B. das hohle, süßliche Pathos, der nicht selten schablonenhafte Charakter der Reden nnd Schriften, aus den schon im vorigen Jahre einer der sähigsten deusschen Agitatoren in dem„Jahrbuch der Sozialwissenschast«(Rückblicke auf die sozialistische Bewegung in Deutschland) hingewiesen hat. Alle diese und ähnliche Eigenthümlichkeiten der deutschen Bewegung mögen sür einen fremden Beobachter sympathisch oder antipathisch sein,— die« macht nichts zur Sache: sie sind und bleiben auf thassichlichen Charakterzügen de« Volke« begründet, die einmal nicht wegzulängnen sind. Jede« Volk ersaßt die revolutionäre Idee des Sozialismus aus seine Art und wehe der Partei, die in ihrer Agitation dem Charakter des Volkes keine Rech- nung trägt! Beim deutschen Volk sängt die revolutionäre Entwicklung mit einer abstrakten Idee, mit einem oft unklaren Streben und Sehnen an, das über die Wirklichkeit erhaben, mit dieser so wenig al« möglich in Kollision gerathen darf. Erst wenn äußere Ereignisse diese« Ideal in saßbare Formen fügen, oder wenn ein äußerer Zwang dem friedlich stre- benden und sich sehnenden Gemüth Fesseln anzulegen sucht, erst dann er- wacht die Thatkraft im deusschen Geiste, erst dann dämmert ihm die Möglichkeit eines gewaltsamen Kampfes aus und wird ihm die bittere Wahrheit klar, daß ein Ideal der Liebe zu seiner Verwirklichung de« glühendsten Hasses, der ungebundensten Gewalt bedarf, daß die soziale Entwicklung eines Volkes keine Idylle ist au« dem Schäserland Arkadien. Daß die deutschen Sozialdemokraten sich mit bestem Erfolge diesem Ent- wicklnngsprozesse de« Bolksgeiste« angeschlossen, zeigt der gegenwärtige Stand der Bewegung in Deusschland, ihre stet« wachsende Macht und Organisation..." Sozialpolitische Rundschau. Schweiz. * Eine neue schmähliche Verletzung des Asyl- rechteS! Der russische Sozialist Peter Krapotkin ist, nach- dem die in unserer Nr. 5 berichtete erste Ausweisung gegen ihn und zwei polnische Genossen aus Protest radikaler Großräthe zurückgezogen worden, auf Verlangen der russischen Gesandtschaft aus Genf ausgewiesen worden! Und was das Beschämendste ist: dieses neue Attentat auf die schweizerische Ehre macht weit weniger Aufsehen als die ersten Streiche gegen Netschajew, Gehisen, Brousse. Natürlich!„Du fingst mit Einem heimlich an, bald kommen ihrer mehre dran, Und wenn Dich erst ein Dutzend hat, dann hat Dich auch die ganze Stadt.« Es ist nur gut, daß sich Hartmann nicht nach der Schweiz wandte, wo unwürdige Söhne der Republik stechen Tyrannen keinen Wunsch versagen können; die Schande Netschajew hätte sich zweifelsohne wiederholt. Umhülle Dein Haupt, Helvetia, und höre auf, von Freiheit und Tyrannen- haß zu singen; die Zeiten der Telle sind vorüber! pevtschtand. * Die welterschütternde Kanzlerkrise ist bereit« wieder in der in Deutschland jetzt gebräuchlichen Weise beendigt worden, d. h. Bismarck hat Recht behalten und die kleinen„Souveräne", sowie der Kaiser und alles, was sonst noch auf Macht Anspruch macht, haben sich Seinem Willen gefügt. Uebrigen« handelte eS sich offenbar um mehr als den angeblichen Grund der Krise: die Quittungssteuer, und aller Wahrscheinlichkeit nach ist die russische Politik mit im Spiel gewesen. Wie eS aber auch fei— uns kann es nur willkommen sein, wenn Bismarck auf solche Weise die Idee der Legitimität im deutschen Volke immer gründ- licher vernichtet! — E« ist überaus bezeichnend für die Rath« und Hilf- losigkeit der ihren nahen Untergang vor Augen sehenden heutigen Gesellschaft, daß sie so viele längst dahingegangene, vermoderte Ideen und Männer wieder aus ihren Gräbern reißt, um sie alS daS neue Heil der Völker zu preisen, und der thatkräftigen, lebenstrotzenden neuen Welt deS SozialiS« muS fürchterliche, unbesiegbare— Leichname entgegenzustellen. Siebenzehn Jahre ist e« nun schon her, daß Herr Bastiat-Schulze von Delitzsch, der gravitätische Theaterkönig im sozialen Reich, unter den Händen Lassalles den Geist(man gestatte den her- kömmlichen Ausdruck, obgleich er nicht so recht passen will!) auf- gab. Längst sind der Dahingegangene, seine„Idee", und seine Schöpfungen in Staub zerfallen und sein Andenken nahezu ver- gessen. Aber leider hatte die undankbare Welt vergessen, ihm ein Stammgrab zu kaufen, und so grub man ihn denn nach Umlauf der herkömmlichen Zeit wieder aui und warf seine Ge- deine in das Knochenhaus. Dort fand sie die Aera deS Sozia- listengesetzes und der„positiven Bekämpfung der Sozialdemokratie", fügte sie nothdürftig zusammen, drapirte einige Fetzen darum und präsentirte das Gerippe der Welt als Neuerstandenen. Die Welt der Bourgeoisie aber glaubte den Schwindel und erwies dem Klappermann große Ehre und pries ihn als Retter der Gesellschaft� ES ist jetzt ein paar Monate her, daß das„freisinnige Bürger- thum« ein großes Aufsehen von einem in der„deutschen Revue" erschienenen Artikel ihres Klassenheiligen machte, in welchem der- selbe das Wort zu dem Thema der positiven Bekämpfung der Sozialdemokratie nahm. Sr. soziale Majestät führte darin au«, daß die besser situirten Klassen sich nicht kastenmäßig ab- schließen dürften, sondern ihre Reihen aus den ausstrebenden Elementen verjüngen müßten. Nicht durch die Beanspruchung eines größeren MaßeS von Rechten, sondern durch die freiwillige Uebernahme eine« größeren MaßeS von Pflichten, im vollm Bewußtsein der sittlichen Verantwortlichkeit ihrer sozialen Lage, vermöchtm die günstig situirten Klassen sich in ihrer Stellung zu be» haupten. Alle diese Bestrebungen verwirklichen sich aber, meint Schulze, am besten in den„freien Vereinen«, wie er sie stet« zu befördern gesucht. Verdanke die sozialistische Agitation dem festen Zusammenschluß der Partei ihre Erfolge, so sei diese» Mittel auch zu ihrer Bekämpfung unentbehrlich. Förderung aller auf Ausbildung der Einzelnen, auf ihr Emporkommen durch eigene Tüchtigkeit gerichteten Bestrebungen— darum müsse eS Allen zu thun sein, die es ehrlich mit der Sache meinen! Die Ge- sellschaft aber hat nach Schulze die Verpflichtung, die Möglich- k e i t dieser Entwicklung de» Einzelnen zu gewähren, das Resultat der Entwicklung, sagt er, kann sie nicht verbürgen. Die ihnen gebotene Möglichkeit auszunutzen, das sei die Aufgabe der Ar- beiter selbst, es sei eine Forderung, die jeder Einzelne von ihnen an sich selbst zu richten habe u. s. f. Kurz, der alte, zehnmal abgebrühte Kohl der famosen„Selbsthilfe": der Ertrinkende soll sich selbst retten! Je mehr aber diese Schulze'schen Theorien sammt allem drum und dran hängenden Krimskram« durch die Entwicklung der so- zialen Verhältnisse, der Wissenschaft und der Volkseinsicht über- holt und abgethan sind, desto besser gefallen sie der Bourgeoisie, deren Interesse sie ihren Ursprung verdanken. Ja, der Ruhm de« Schulze'schen Namen« tönt jetzt in fremden Ländern lauter denn je. In Italien wurde jüngst an den dort anwesenden deutschen Kronprinzen von italienischen Selbsthilfiern ein Lob- Hymnus auf den„großen Meister" Schulze gesungen. Die meiste Ehre erlebt letzterer aber augenblicklich in Frankreich. Bor ein paar Monaten hat der liberale Pariser Banquier Isaak Pereire sich das Vergnügen gemacht, den splendiden Preis von 100,000 Franken für die beste Lösung von vier„sozialen Fragen« auszusetzen und in daS von ihm zur Beurtheilung der eingehenden„Lösungen" niedergesetzte Preisgericht auch Schulze- Delitzsch zu berufen, unter folgender Motivirung:„Ganz unent- behrlich, sagt Pereire in der„Liberte", war für unsere Liste der Reichstagsabgeordnete, welcher in Deutschland das ChaosderaltenkommunistischcnUtopiengesäubert und der sozialen Bewegung seiner Zeit einen solchen Anstoß gegeben hat, daß nach dem von ihm ge- schaffenen Muster mehr als zweitausend deutsche Arbeitervereine gegründet worden sind. Der internationale Charakter unseres Werkes mußte ganz von selbst diesen Kämpen der Frei- heit und Emanzipation der arbeitenden Klassen herbeirufen." Diese famose Motivirung kennzeichnet ebenso- sehr den„hochherzigen" Preisgeber und die in seinem Preis- gericht sitzende Gesellschaft, als sie geeignet und bestimmt ist, allenfalls an der Lösung der Fragen mitwirken wollenden Sozia- listen den Riegel vorzuschieben. Veranlaßt durch diese Pereire'sche Schenkung, sowie durch ein zum Zweck der Einführung des Schulze-Dclitzsch'schen Genossen- schaftswesens jüngst in Paris gemachtes Legat von 2 Millionen Franken hat nun die französische Regierung einen eigenen Kom- missär nach Berlin geschickt, der„unter Anleitung von Dr. Schulze-Delitzsch sich genaue Kenntniß über das deutsche Genossen- schaftswesen verschaffen" will, worauf daS Schulze'sche„System" in Frankreich eingeführt werden soll. Hoffentlich lebt aber die heutige französische Regierung nicht so lange, daß sie zur Ausführung dieses genialen Gedankens kommt, damit das fran- zösische Volk nicht die widerliche Selbstzerstörung der Schulze'schen Selbsthilferei mit ansehen und unter ihr leiden muß, wie wir es leider in Deutschland erleben mußten. Die in der Sammlung begriffene sozialistische Arbeiterpartei Frankreichs wird wohl ihr Möglichstes thun, um Regierung und Land dieser Mühen zu überheben. — Weiße Sklaven. Eine vorurtheilslose Betrachtung unserer wirthschastlichen Verhältnisse lehrt uns aufs eindringlichste, wie wenig Grund unser Jahrhundert hat, auf die Zeiten der Sklaverei und Leibeigenschaft in dünkelhaftem Mitleid zurückzu- blicken. Nirgendwo ist das„Herr, ich danke dir, daß ich nicht bin wie jene" weniger angebracht, als in der Gesellschaft des Lohnsystems und Kapitalismus. Denn weit entfernt, daß das Wesen der Sklaverei heute eine abgethane Sache wäre, fehlt es sogar nicht einmal an den Formen derselben, und zwar an solchen der menschenentwürdigendsten, empörendsten Art. Wenn man die formelle Verhandlung deS Menschen(denn die thatsäch- liche unter der, Thoren täuschenden Form der freien Arbeitswahl ist alltäglich) als daS wesentlichste Merkmal der Sklaverei' be- trachtet, so wird man den Bestand der letzteren wohl nicht leugnen können, wenn man z. B. nachfolgende Bekanntmachung des Bürgermeisters Voswinkel in Witzhelden(„Verkündiger und An- zeiger an der Nicderwupper" Nr. 6) liest:„ Eine arme Manns- Person, welche noch zu leichteren Arbeiten fähig ist, soll am Donnerstag, den 22. d. M., Morgens 11 Uhr in meinem Büreau behufs Verpflegung aus der Armenkasse an den Mindest- fordernden vergantet werden, wozu Unternehmungslustige hier- durch eingeladen werden". Ein Mensch in öffentlicher Unterbietung an den Mindestfordernden„vergantet"— wie weit ist da noch bis zum unbedingten Verkauf? Wer erinnert sich ferner nicht der allbekannten Anzeigen gewisser Gefindebüreaus, welche schwedische, polnische zc. Dienstboten und Landarbeiter jedes Geschlecht« und Alters„auf Lager" haben und gegen eine gewisse Summe„liefern", fast ganz so, wie auf den orientalischen Sklavenmärkten? An eine der infamsten Ueberbleibsel der Sklaverei aber sind wir vor kurzem wieder erinnert worden. Kurz nach St. JosephStag haben in Ravensburg wieder die sogen. Kindermärkte begonnen. Seit Jahren, aber in stets zunehmender Zahl, werden hier Kinder von 6 bis 14 Jahren, die von schlauen Unternehmern bei armen Eltern der Ostjchweiz, Tirols und Vorarlbergs für wenige Franken ermiethet und dann in Trupps nach Ravensburg getrieben werden, je für die Zeit von Anfang April bis Ende Oktober an Bauernhöfe zum Viehhüten u. dergl. verdinget. Für kräftige Burschen und Mädchen erhalten die„Vermiether" 22— 30 Gulden.; jüngere und zartere Kinder dagegen werden schon eher blos um's Essen„losgeschlagen". Daß diese unglücklichen Geschöpfe, welche durch Roth und Selbstsucht für die schönste Zeit deS Jahres heimathlos gemacht werden, durch ein solches Verdingsystem, das dem Sklavenhandel so ähnlich sieht, wie ein Ei dem andern, sowohl einer schädlichen Ausbeutung ihrer körperlichen Kräfte, als einer sittlichen Verwahrlosung ausgesetzt sind, die ein Ein- schreiten des Staate? längst gerechtfertigt hätte, ist auf der Hand liegend. Dieser Kinderhandel ist ein empörendes Verbrechen an der Jugendwelt. Aber alle bisherigen Anregungen in der Presse, ja sogar in der schweizerischen Bundesversammlung haben nichts genützt; wenn man nicht sehen will, ist man mit offenen Augen blind. Und so wird wohl auch dieser Kindermarkt gleich so vielen anderen Resten der Sklaverei erst durch den Sieg des Sozialismus hinweggeräumt werden! — Eine Muster-„Wähler"- Versammlung nach dem Herzen der Reaktion. Vorvorigen Sonntag fand im Berliner 2. Wahlkreis eine Zusammenkunft konservativer Wähler statt, in welcher Professor Max Dunker,"der jedoch selbst nicht zu erscheinen für nothwendig gehalten hatte, als Kandidat vor- geschlagen wurde. Diese Kandidatur fand jedoch nicht allgemeinen Beifall, indem ein Wähler einzuwenden wagte, daß man den Kandidaten denn doch erst hören müsse, auch habe sich derselbe früher der nationalliberalen, ja sogar der Fortschrittspartei zugethan gezeigt. Diesem Mißtrauischen ward jedoch von einem Verwandten Dunkers erwidert, daß dieser„ein sehr königstreuer Herr und als Historiker wohl allgemein bekannt sei, weshalb er auch nicht geglaubt habe, zu einer Kandidatenrede verpflichtet zu sein." Diese Meinungsverschiedenheit übernahm ein anderer Wähler, ein Hauptmann a. D. Berg, in überaus glücklicher Weise zu lösen. Derselbe ließ sich kurz und gut also vernehmen:„Es kann flch bei der Aufstellung eines Kandidaten für uns lediglich um die Frage handeln: ist der vorgeschlagene Kandidat dem Reichskanzler genehm oder nicht. Genehmigt ihn dieser, dann wählen wir ihn, genehmigt er ihn nicht, dannkanner nicht unser Kandidat sein!" Nachdem der gesinnungstüchtige„Wähler" dies große Männer- wort gelassen ausgesprochen, erklärte der Vorsitzende, Freiherr v. Maltzahn:„Ich bin in der glücklichen Lage, dem Herrn Redner sogleich zu antworten. Ich hatte bereits Gelegenheit, mit dem Reichskanzler wegen der Kandidatur Max Dunker Rücksprache zu nehmen, und derselbe hat die Kan- didatur nicht blos genehmigt, sondern auch den lebhaften Wunsch geäußert, Max Duncker möchte gewählt werden." Solchen Argumenten und der allgemeinen Befriedigung, dem rauschenden Beifall der sich ihrer staatsbürgerlichen Rechte so bewußten „Wähler" gegenüber konnte natürlich auch der- zuerst unzufriedene Redner, ein Hr. v. Koschinski(in dieser edlen Versammlung sprachen nämlich fast ausschließlich Adelige und der ordinärste Mensch in ihr war ein Stadtrath) nicht widerstehen und er gab dem würdigen Schauspiel einen würdigen Schluß, indem er er- klärte(wörtlich):„daß er nunmehr seinen Jrrthum einsehe und seine Opposition zurückziehe". Hat es nicht der„Konstitutionalismus" während der kurzen Zeit seines Bestehens in Deutschland schon herrlich weit gebracht? Das„einzig Maßgebende" bei einer deutschen Wahl ist: ob Bismarck mit dem Kandidaten ein- verstanden ist oder nicht! Man wird wohl auch noch dazu kommen, jeden oppositionellen Wähler nach dem erweiterten Sozialisten- gesetz zu bestrafen. Ganz gut so; nur immer die Dinge so ge- zeigt, wie sie wirklich sind! Hesterreich-Angarn. * Zu Pfingsten findet in Budap est ein ungarischer Landes- Arbeite r-Kongreß statt, auf welchem die bereits angebahnte und größtentheils thatsächlich eingetretene Vereinigung der beiden bisherigen Fraktionen der ungarischen Sozialdemokratie endgiltig vollzogen und eine einheitliche Partei nach Feststellung eines Programms, der Propagandamittel u. s. w. fest begründet werden soll. Die brüderlichsten Wünsche der deutschen Sozialdemokraten wie der Sozialiften aller Länder begleiten die ungarischen Genossen am 16. und 17. Mai bei ihren wichtigen Arbeiten. Nekgien. * Die Mittheilung unserer letzten Nummer über das große Bergwerkunglück in Anderlues ist dahin zu vervollständigen, daß die Zahl der Opfer eine bei weitem größere, als anfänglich angenommen, ist. Bis jetzt sind bereits 52 Todte zu Tage gebracht! Die Ursache deS Unglücks ist, wie bei den meisten derartigen Katastrophen verbrecherische Nachlässigkeit der Besitzer hinsichtlich der erforderlichen Schutzmaßregeln. Wie lange wird das Morden noch fortdauern dürfen? Spanien. — In unserer Nummer 12 theiltcn wir, einem Bericht der «Egalite» folgend, mit, daß sich in Spanien zwei sozialistische Gruppen(in Madrid und Baicelona) gebildet hätten, welche die Grundlage zur Reorganisation der sozialistischen Partei in Spanien bilden sollten. Gegen diese Darstellung wendet flch nun ein von dem„Bundesausschuß der spanischen Landesföderation der Jnter- nationalen Arbeiter-Assoziation" an die Redaktion der«EgalitA» gerichteter und an die sozialistische Presse mitgetheilter Brief. Ihm zufolge wäre es nichl wahr, daß die Internationale desorganisirt sei.„Die spanische Landesföderation war so sagt dieser Bericht — nach dem Sturz der Republik und der Wiederherstellung der Monarchie auf den internationalen Kongressen von Bern, Verviers, Gent und Paris(verboten) veriretm. Sie hat seit ihrer Grün- nung auf dem Arbeiterkongreß zu Barcelona 1870 keinen Augenblick zu bestehen aufgehört, und sind seit dieser Zeit ihre Ver- treter regelmäßig alle Jahre auf einem Kongreß oder auf Bezirks- konferenzen versammelt, den Verboten und Verfolgungen der Regierung zum Trotz; ebenso hat stets ein Bundesausschuß als Mittelpunkt für die Korrespondenz und Statistik der zahlreichen über das ganze Land, in den Industrie- wie in dm Ackerbau- bezirken, verbreiteten örtlichen Verbänden bestanden." Bis hierher berührt uns der Bericht erfreulich, wenn wir auch glauben, daß dieser anscheinend günstige Stand der sozialistischen Bewegung in Spanien zum Theil auf die lebhafte Darstellungsweise der Süd- länder zu setzen ist und die Wirklichkeit zweifellos ein weit nüch- ternes Bild gibt. Wenn der Bericht aber weiter auseinandersetzt, daß die spanischm Sozialisten neben der Ueberführung des Privatbesitzes in das Gemeineigenthum die„Zerstörung der staatlichen(nationalen) Einheit" anstrebt, um auf ihren Trümmern„freie, unabhängige, lediglich durch Bündnißverträge zusamen- hängende Gemeinden" zu errichten; daß sie sich infolge dessen von jeder politischen Partei ferne haltm und von der Bildung einer sozialistischen Arbeiterpartei nichts wissen wollen; daß sie die zur Organisirung einer solchen seitens der erwähnten Madrider und Barceloneser Gruppen gethanen Schritte vielmehr als„auf die Zerstörung der Einheit der Arbeiter gerichtete Umtriebe" be- trachte; wenn sie weiter den für die Bildung einer sozialistischen Partei eintretenden spanischen Genossen aus ihrer Agitation für die Idee eines„ArbeiterstaateS" und der Besitzergreifung der politischm Gewalt durch die Arbeiterklasse ein Verbrechm machen und sie deshalb beschimpfm: so finden sie hiefür bei den Sozial- demokratm— milde gesprochen— kein Berständniß. Wir wollen uns nicht auf eine nähere Prüfung der Vollmachten des Bundes- auSschußeS der spanischen Landesföderation, noch auf eine leichte Widerlegung der angeführten Jrrthümer und der denselben zu Grund liegenden Anschauungen vom Wesen des Staates und der Gesellschaft einlassm,— weil wir es unter den gegenwärtigen Umständen, bei der allgemeinen Hetzjagd auf die Sozialisten und Revolutionäre aller Länder für unsere Aufgabe halten, nur das allen Sozialisten Gemeinsame, daS Vereinende, zu betonen, das Trennende aber in den Hintergrund zu drängm. Nur das wollen wir nicht verschweigen, daß wir die Konstituirung der spanischen Sozialisten in einer einheitlichen politischen Partei als die Vor- aussetzung irgend einer bedeutenden Thätigkeit ansehen und daß wir deshalb nur wünschen könnm, die in diesem Sinne wirkenden spanischen Genossen in Barcelona und Madrid möchten in ihrem Eifer nicht erlahmen, und ihre Bestrebungen möchten baldigen Erfolg haben. Sprechsaal. Kopenhagen- Hier ist ein harter Streik ausgebrochen, ungefähr 100 Cigarrenarbeiter beiderlei Geschlechts sind bereits ohne Arbeit und noch mehr werden es werden. Wir bitten allen Zuzug fern zu halten! Etwaige Unterstützungen sind an L. C. Nielsen, Römersgade 22, 3 S. zu senden. Rechenschast folgt. Näheres wird Jörgen Gaardmand berichten. Den 5. April 1880. Tabaksarbeiter-Forbund„Enigheden". Letzte Post. -as Werkin, 13. April. Gestern fand die Haupt-Verhandlunz des Monstre Sozialistenprozesses gegen Heiland und 15 Genosse» statt. Die Anklage lautete auf Theilnahme an einer geheime» und auf Entkräflung des Sozialistengesetzes abzielenden Verbindung, sowie auf Vergehen gegen JjJJ 16 und 20 des Sozialiste»- gesetz es und Vornahme einer unbefugten Lotterie. Der Staats anwalt beantragte für Heiland und Beeck je 1 Jahr 3 Monate, für Pietschmann, Hiller, Seewald, Ewald, Neumann je 1 Jahr, für Klose 7 Mon., für Zink und Blum je 4 Mon., für die übrigen aber Freisprechung. Der Gerichtshof aber fällte abends 7 Uhr, angesichts der durchaus mangelnden Beweise shl sämmtliche Angeklagte ein freisprechendes Erkeautniß und verurtheiltc nur drei Genossen wegen unbefugter Lotten everan- staltung zu je einer Woche Haft. Eine schmähliche Niederlage de» Regierung, welche auf die Arrangirung dieses Prozesses alle � denkliche Mühe verwendete! Näheres demnächst. L>< Waris, 14. April.(Drath nachricht.) Die Regierunz der französischen„Republik" hat soeben einen neuen Beweis ihw Freiheitsfeindlichkeit und Bedientenhaftigkeit gegen die internationale Reaktion abgelegt� indem sie 19 deutsche Sozialisten aus Frank' reich auswies! Der Streich war lang vorbereitet, die Au� gewiesenen wurden überwacht und von agents provocateur welche erst zu spät entdeckt wurden, als sie bereits Unüberlegte i» ihre Netze gezogen hatten, kompromittirt. Es ist zu vermuthm, daß mit dieser Ausweisung die Aktion der Regierung noch nich> beendet ist. Mehr kann vorläufig nicht gesagt werden; abel Vorsicht und Mißtrauen gegenüber allen„V»� schwörungS"- und„ Aktions"-Pl änen ist dopp»� und dringend nöthig; sollen nicht Personen und vor allo» unsere Sache schwer geschädigt werden! Briefkasten der Expedition: Hammerwerk Z: M. 26.—. erh. 7 folgten,. ebenls Weiteres.— Schw H. R-- r: Bf. v. 8. hier. Alles abgg.— Zünder. Ausstllg. erh.— F— lr.— z: Ab. 11. Qu.(4 Mt.) ö. w. st. 2. 27;#» d. Flgschft.-Fds. mit 73 kr. zugewiesen, zus. Fcs. 6. 30. Cours.— P. Antwp.: Fcs. 17.— erh. Schst. abgg. Flgschft. folgen. 4- O. R. St—»»-' M. 3.—. Ab. II. Qu. hier.— R. W. B. 343: Post am 12/4 h'«» L. signalisirt. Reue Addr. folgt.— A. B. Paris: Addr. 1— 12 vorgemew- B. gelöscht. A. u. M. dagegen eingestellt. Nach St. El. sollte nur 13 geh»»- Möglich, daß direkt kam.—?— C. F. M.: 2 Sort. loco alle Firmen besostr Herzl. Dank für Nachr. Zc.— Ferdinand: Bf. v. 11 am 13. h'"' Frühere Notiz betr. B. ic. auch. Dreimaster gelandet, Ladg. gelöscht. Bs. abgrk- Sonstiges vorgemerkt.— Methusalem: Bs. v. 6. ds. zc. hier. Man n>» also nicht unter den„zehn klugen Jungfrauen", obschon seit 2/1. die VamP bereitet sein sollte!? Heiliges Kanonenrohr,— das ist doch zu stark,»» derart die Spinne auf die Nase zu setzen!— G-- 1t— zsch: M. 6.7" p. II. Qu. hier. M. vorgemerkt— D. 43: Bs. v 11. dß. am 13- Sendung an bekannte Adresse in Briefmarken erbeten.— F. Sch- W' ö. w. st. 5. 05. erh. Bestllg. besorgt. Brief am 12. dß. an F. P. K. abgg- � C. K. D.: M. 6.—. Ab. II. Qu. für 2 Expl. hier, Drittes erwartet. � M. F. Bpst.: M. 15.—. p. I. Qu. erh. Weitere« vorgemerkt. R. A-A demnächst.— L. Cple— hn: M. 3. 20. Ab. II. Qu. erh.— London: Fcs. 100. 80 erh. Fcs. 11.—. Cts. Tgw. abgel. Rest nach VorW' verwendet.— Schw. H. L— d; M. 3.— erh. p. II. Qu. 9— 19 abp sandt.— Durch uns, sowie durch die Volksbuchhandlung Hottingen-Züri"'1 ist zu beziehen: Die Frau und der Sozialismus. Von Augmt Bebel. 12 Bogen Gross-Oktav.— Preis 2 Fr,— Mk. 1. 50. Expedition des Sozialdemokrat Die Zukunft, Sozialistische Revue. Bon diesem Werke werden durch Unterzeichneten unter entspreche»� Portovergülung folgende Hefte zu kaufen gesucht: 1. Jahrg»� 1 Expl. vom 3. Heft; 2. Jahrgang 2 Expl. vom 3. Heft. Riesbach-Zürich. Berlag de»„Sozialdemokrat Abonnements auf den„Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— wohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entg»#»" genommen bei folgenden Filialen: Genf t. J. Brünier, Montbrilland 42bi« Budapest M. Frankel, VII, Lindengasse 26, Thür 28. Kopenhagen K Georg lomnann, Kattesund 16. 3. 8.4° Antwerpen Ph Coenen, 6 Meistraat. Gent J Basse, 3t. Lievenstraat 163. Brüssel F- Brock, 3, rue Ruysbrock, Lüttich Friedrich Mammosser, rue Pont d'Avroy S/III. V awiava T Bllas, Buchhandlung, 136 nie Spintay.. t V Iv 1 o f Gold, bei Charles Picreaux, 20 rue Luxembow» Andrimont. P 01*10 Blum, 66 rue Montorgueil. i dil lö Trapp, 65 rue de Madame, Hotel Baldrian. Voss, 6 nie de Levis. T AnilA-n W. Hoffmann, 50"Wardour Street, Oxford Street, EUilUUll Princes Street W. H. Rackow, 120 Islington High Street. New-York B- Jonscher, 283 E. Houston Street. Chicago Jll. 4. Lanfermann, 74 Clyborn Avenue. Cincinnati, 0. PMUPP K. Theobald, Nr. 391 Main Str. St. Louis Mo. Gebr. Hermlngshaus, 1711 Franklin Ave»0" ech««U- SminlbuabruÄtiri Hottwgni-Altrtch.