d Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Verlag A. Herter, Industriehalle Riesbach- Zürich Poßtsendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz toffen Doppelporto. M: 18. Der Sozialdemokrat Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Sonntag, 2. Mai. NO Avis au, die Korrespondenten und Abonnenten des„ Sozialdemokrat". Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Desterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Flugschriften- Fonds. Emilio Kers Como 1,-; Zur Belehrung über Zucht, aus Schwaben 6; R- r Schw. H. 50; Hammerwerk X 5 ,; F- br- z. Rest ( ö. fl.- 73) 1,22; P. B. Antwerpen: Reft, 92; X. 3: 5,20; Braunschweig 2,-; A. Lg. Pzin. 2,-; A. y. Assg.( ö. fl.-, 30)-42; Buckau 6,25; St. D. Peter für eine Zigarre 4,75 u. 1,50; E. K. Klf. 3 ,; München 10,-; Ludwigsvorstadt 2,-; an dem Verkauf von 4000 Mehlgöttern" verdient 2 ,; Mainz 2 ,; E. Hychn-, 60; übrige Reichsmoneten des Baron von Juchzer 3,10; von der nasenköniglichen Tafelrunde( Prinz Näslein und Genossen)-, 90; früher eingegangen Mt. 235. 62; zusammen Mt. 295. 98. Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Augsburg My.-, 60; Deutscher Verein Biel: für die Familien der ausgewiesenen Sozialisten( Fr. 10,50) 8,40; Selbstbesteuerung Liste 1 vom 10. März bis mit 23. April( Fr. 31,40) 25,12 nou sp 34 12 zusammen Mt. Bisher eingegangen Mt. 12,756 Gesammteingang Mt. 12,790 12 Fluctuat nec mergitur!*) Wie das Schiff die Wellen schneidend, Ob das Meer auch sturmbewegt, Riff und Klippe sorgsam meidend Sicher durch die Fluth uns trägt; Wie es trotzet den Gewalten Der entfesselten Natur: So soll zum Symbol erhalten Unfre Fahn, die wir entfalten, Diese eine Inschrift nur: Fluctuat nec mergitur! In dem Ungestüm der Zeiten Ist es doppelt Pflicht und Ehr', Für des Volkes Recht zu streiten, Für die Freiheit, hoch und hehr! Und nicht ängstlich erst besonnen, Nur dem Feigen schlägt die Uhr! Sondern kühn das Werk begonnen: Frisch gewagt schon halb gewonnen Peitscht der Sturm auch Wald und Flur Fluctuat nec mergitur! Ja, es gilt sich aufzuraffen Aus der Knechtschaft langer Bein, Und mit blanken, scharfen Waffen Endlich sich vom Joch befrei'n! Denn zu lang schon trägt hinieden Alle Last der Arme nur Darum sei fortan kein Frieden, Bis für Alle ist beschieden, Was geboten die Natur Fluctuat nec mergitur! Doch nur Einheit kann bezwingen Unsrer Feinde Uebermacht! Nur die Einheit kann erringen Uns den Sieg in heißer Schlacht! Und so mag sich denn erheben Ringsum alle Kreaatur Und ein Jeder setz' das Leben, Recht und Freiheit zu erstreben Brüder hebt die Hand zum Schwur Fluctuat nec mergitur! Was thun? Neue Folge. IV. Abonnements werden nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Fr. 2.- für die Schweiz( Kreuzband) Mt. 3. für Deutschland( Couvert) fl. 1. 70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder des Weltpoftvereins( Kreuzband). Juferate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Gts. 20 Pfg. 1880. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch kosten scheuen, um trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten den„ Sozialdemokrat" unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. hoc Waaren billiger kaufen können, da ferner infolge der auch von ihnen einzuhaltenden Arbeiterschutzgesetze mit dem Minimallohn 2c. auch ihr Geschäftsbetrieb keineswegs billiger ist, da endlich die lediglich im Dienste des Gemeinwohles funktionirenden Lebensmittelämter den Konsumenten hinsichtlich der Qualität der Waaren eine viel größere Garantie bieten, als die auf ihren Privatvortheil bedachten Kaufleute: so werden die letzteren mit dem Staat nicht lange konkurriren können, vielmehr wird der Zulauf zu den Lebensmittelämtern und damit der Bedarf nach deren Vermehrung ein immer größerer werden, bis dieselben den Privat: handel vollkommen verdrängt haben. Daß die Kaufleute deshalb nicht brodlos werden, braucht man nicht eigens zu versichern; ste werden eben zum Theil bei den Lebensmittelämtern angestellt werden, während ein anderer Theil, der durch die Beseitigung des Zwischenhandels und der bisherigen, fabelhaften Kräfteverlust erzeugenden Zersplitterung in diesem Thätigkeitszweige überflüssig wird, in anderen Arbeitsbranchen Verwendung findet. Wer sich bergegenwärtigt, welche ungeheuren Schäden durch den außerordentlichen Transportlurus, die eben so große Lokal und Arbeitskräfte- Verschwendung, die Verfälschung und den Verderb der Waaren abgesehen von Betrug, Schwindel 2c. entstehen, der kann sich einen Begriff machen, wie sehr die Organisation der Konsumtion, zusammenwirkend mit der der Produktion, das Wohl unseres Staates und feiner Bürger fördern wird. Mit dieser Organisation der inneren Verhältnisse ist aber noch feineswegs Alles gethan. Kein Kulturvolt lebt nur für sich, nichts brauchend, als was es selbst erzeugt und nichts erzeugend, als was es selbst verbraucht; je weiter die Kultur fortschreitet, desto zahlreichere Lebensfäden verbinden die Völker mit einander, desto nothwendiger braucht eins das andere. Unser Staat bedarf von den geistigen Gütern, welche ja, ohnehin Gemeingut aller Menschen find, abgesehen zahlreicher Produkte, welche er nicht hat und von anderen Ländern beziehen muß, während hinwiederum diese viele Produkte brauchen, welche er im Ueberfluß erzeugt. Der nöthige Ausgleich wird durch den internationalen Handel bewirkt. Diese wichtige ökonomische Funktion befindet sich in der innigsten Wechselwirkung mit der inneren Produktion und Konsumtion, von denen sie nicht getrennt werden kann, und muß daher ganz denselben ökonomischen Gesetzen unterliegen wie jene. Will also der Staat seine ökonomischen Verhältnisse nach dem Prinzip des Sozialismus umgestalten und entzieht er zu diesem 3wed Produktion und Konsumtion der Willkür des Privateigen thums, so muß er das auch beim Handel thun, weil dieser heute auf demselben Ausbeutungsprinzip wie jene beruht und( wie schon die Bemerkungen über die Rolle des Handels in der Produktion und Konsumtion unseres Staates bei den betreffenden Abschnitten zeigten) überhaupt gar nicht durchzuführen ist, ohne daß auch der Handel sozialistisch organisirt ist. Das alte ausbeuterische Wirthschaftssystem kann so lange einem anderen nicht Platz machen, als ihm durch den Handel noch die Möglichkeit der Spekulation gegeben ist. Deßhalb, und da es auch der Natur der Sache nach dem Handel gegenüber keinerlei Mittel gibt, durch welche dem Privatbetrieb desselben die Möglichkeit, dem Gemeinwohl zu schaden, genommen werden und sein allmäliger Uebergang in den Kollektivbetrieb angebahnt werden könnte, so kann hier auch von einem Uebergangszustand in Bezug auf das Eigenthum( anders verhält es sich natürlich in Betreff der Entschädigung an die Expropriirten, hinsichtlich deren das hierüber schon Gesagte zutrifft) keine Rede sein, sondern hat vielmehr der gesammte Handel und die Rhederei sofort in den Kollektivbesitz, Dahniel. in das Staatseigenthum überzugehen. Mit dieser Organisation der Produktion muß aber die der Konsumtion, b. h. der Genußmitteldistribution, Hand in Hand gehen, wenn der erstrebte Zweck erreicht werden soll. Daß sich die auf diesem Gebiet herrschende vollkommene Anarchie, die Ausbeutung des Volkes durch Spekulation, Schwindel, Fälschung, massenhaften Zwischenhandel 2c. nicht mit dem sozialistisch orga= nifirten Staat verträgt, braucht nicht erst erörtert zu werden. So nothwendig aber hier das energische Einschreiten des Staates ist, so wenig schwierig ist es, da man es hier mit gar keinem festen Eigenthum zu thun hat. Der Staat kann die private Genußmitteldistribution ohne Weiteres mit deren eigenster Waffe tobtmachen, indem er als größter Konkurrent seine kleineren Rivalen 12 aus dem Felde schlägt. Er errichtet zahlreiche Lebensmittelämter, in denen er sowohl die eigenen Produkte, als die von ihm allein importirten Waaren( worüber nachher ausführlicher) zum Selbſt tostenpreis verkauft. Da die Kaufleute aus den angegebenen Gründen weder die inländischen Produkte noch die ausländischen *) Es schwankt, aber es versinkt nicht! Wahlspruch der Stadt Paris, welche bekanntlich ein Schiff im Wappen hat. 1918 19 eite द D. R. der Daß nun ein Handeltreibender wie unser Staat, den gesammten Export und Import eines ganzen Landes in seinen Händen hat und nach einem einheitlichen Plane leitet, auf dem Weltmarkt die denkbar günstigste Position einnehmen muß, wird fein Kaufmann bestreiten. Unser Staat produzirt für den auswärtigen Markt ebenso wie für den inneren nicht blindlings, rein auf gut Glück, wie es die Privatproduktion thun muß, sondern er regulirt seine Produktion nach der( durch seine Agenten im Ausland ermittelten) Nachfrage bezw. Bestellung und kennt damit den ungefähren Bedarf des Exportes. Anderseits importirt er ebenso wenig aufs Gerathewohl, sondern nur das, was wirklich konsumir werden kann, worüber er aus den Berichten der Lebensmittelämter, resp. aus der daraus zusammengestellten Konsumstatistit, genau unterrichtet ist. Dadurch fällt das auf der Unkenntniß des Wirthschaftsganzen beruhende Handelsrisiko für unsern Staat fast vollständig hinweg, er braucht sich nicht auf Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten, d. H. auf Spekulation einzulassen, denn er hat Gewißheit, wenn auch nicht in den Einzelheiten, so doch im großen Ganzen. Damit ist er die sich erste Handelsfirma der Welt. Und da die Qualität seiner Waaren nicht durch die betrügerische Gewinnsucht der sich überbietenden Privatproduktion beeinträchtigt wird, so ist er auch die solidest e. Er braucht demnach gute Kunden ebensowenig zu suchen wie gute Lieferanten, vielmehr wird alle Welt mit ihm handeln wollen, und er kann deshalb die Bedingungen stellen; ja unser Staat hat einen viel größeren Einfluß auf den Weltmarkt, als dieser 2004 Adnim ibise auf ihn, weil dieser nichts ist als ein Chaos von tausend einander wechselweis abstoßenden und anziehenden Interessen, deren Gruppirung sich stets verändert, während er selbst eine einheitliche, sich im Wesen stets gleichbleibende, zielbewußte Macht ist. Gegen diese folgerichtige Aufstellung erheben nun aber die Gegner einen Einwand, durch welchen sie die totale Unmöglichkeit des isolirten sozialistischen Staates, bezw. des Sozialismus überhaupt, schlagend nachzuweisen glauben. Sie argumentiren nämlich folgendermaßen: Durch die in Eurem sozialistischen Staat er folgende bedeutende Verbesserung der Lage des arbeitenden Volkes höherer Verdienst bei geringerer Arbeitszeit werden Eure Produkte so vertheuert, daß sie das Ausland nicht mehr kaufen wird. Es wird sie durch wesentlich billigere Arbeitskräfte, welche die etwaige Transport und sonstige Vertheuerung bei weitem aufwiegen, selbst herstellen. Wenn Euch aber der Export mangelt, dann fehlen Euch die Mittel zur Erwerbung von tausenderlei zum Leben nöthigen oder es doch erst angenehm machenden ausländischen Produkten. Ihr werdet also in Eurem Staate ein elendes Dasein führen und höchstens durch Landwirthschaft und ein paar armselige Gewerbe Euer Leben fristen. Dieser Einwand, schon von Mazzini( 1 sistemi e la democrazia) gemacht, scheint wirklich etwas für sich zu haben, hat es aber in Wirklichkeit nur für die Gedankenlosen. Bei der ganzen schlauen Berechnung, daß sich die Produkte im sozialistischen Staat gegen heute um so viel vertheuern müssen, als der Verdienst der sie erzeugenden Arbeiter steigt, ist blos die Kleinigkeit vergessen, daß mit dieser Arbeitsverdienst- Verbesserung der Wegfall des Kapital gewinnes forrespondirt. Dieser Kapitalgewinn beträgt aber heute nicht weniger als durchschnittlich den dritten Theil( nach Boccardo in England 21%, in Amerika 25%, in Frankreich 36%, in Italien gar 58%) des Waarenpreises, mithin kann das Einkommen der Arbeiter um ein volles Drittheil oder, wenn wir die( die Höhe des ehemaligen Kapitalgewinns natürlich bei weitem nicht erreichende) Entschädigungsrente der expropriirten Kapitalisten in Anrechnung bringen, immer noch um ein Bedeutendes vielleicht ein Fünftel bis ein Viertel - vergrößert werden, ohne daß deshalb das Produkt vertheuert würde. Dazu kommt aber noch weiter, daß die sachlichen Produktionskosten infolge der gründlichen Beseitigung der schon erwähnten zahllosen Uebelstände der heutigen Produktionsweise und durch die höchste Steigerung aller ökonomischen Kräfte erheblich vermindert werden, woraus einerseits eine weitere Verbesserung der Lage der produzirenden Arbeiter oder besser der Bürger unseres Staates, anderseits eine erhöhte Konkurrenzfähigkeit resultirt. Die sozialistische Organisation der Produktion gereicht mithin unserem Staate auch hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt auf dem Weltmarkt weit entfernt ihm zu schaden zum größten Vortheil. Eine nicht- sozialistische Produktion, deren Arbeiter sich mit denen unseres sozialistischen Staates vor dessen Neugestaltung hinsichtlich ihrer materiellen Lage ihrer materiellen Lage also des Arbeitslohnes und der Lebensbedürfnisse in annähernd gleichen Verhältnissen befanden( und die Gleichheit dieser Art ist ja in den meisten Kulturstaaten schon großentheils erreicht und nimmt täglich zu), wird unserm Staat als Konkurrentin auf dem Weltmarkt niemals gefährlich werden können. Denn da aus den angegebenen Gründen die Produkte unseres Staates keineswegs theurer werden, so könnte ihnen die nicht sozialistische Produktion nur dadurch erfolgreiche Konkurrenz machen, daß sie die Produkte bei gleicher Güte billiger lieferte. Da das aber selbstverständlich keineswegs auf Unkosten des Kapitalgewinns geschehen dürfte( was nüßte es denn sonst den Unternehmern?), so bliebe nichts übrig, als eine Verminderung der Produktionskosten, d. h. da eine Verminderung der fachlichen bei der kosten, d. h. angewandten Produktionsart nicht möglich der Arbeitslöhne. Ob sich aber die unter dem Regime der kapitalistischen Produktionsweise ohnehin schon in einer sehr schlimmen Lage befindenden Arbeiter eine weitere Verschlechterung derselben angesichts der günstigen Stellung ihrer Brüder im sozialistischen Staat so ruhig gefallen lassen würden, dürfte mindestens sehr zweifelhaft sein, um so zweifelhafter, als auch der sozialistische Staat einem derartigen Beginnen nicht ganz regungslos zusehen würde. Eine Warnung. namojo modod Der in unserer Nr. 15 festgenagelte Lump Küster schrieb neulich in einem seiner im Auftrag der Polizei fabrizirten Schimpfartikeln gegen die deutsche Sozialdemokratie:„ Es ist Thatsache, daß wenn heute 20 Sozialisten eine geheime Zusammenkunft abhalten, morgen alle 20 bereits denunzirt sind. Daher das Mißtrauen, das wir auf Schritt und Tritt bei den Sozialisten antreffen können; daher die Unmöglichkeit der Schaffung einer geheimen Organisation 2c. 2c." Und die Bourgeoispresse, welche jedesmal hoch erfreut ist, wenn sie etwas Neues gegen die verhaßte Sozialdemokratie ergattert, gleichviel in welcher Goſſe ſte es finde und wie schmutzig oder dumm es auch immer sein möge, sie druckte die Polizeinotiz selbstverständlich mit Behagen nach, obgleich dieselbe doch mit ihren Lamentationen über die ,, wachsende sozialdemokratische Gefahr" u. dgl. keineswegs übereinstimmte, sondern ihr vielmehr straks widersprach. Aber freilich, das Wort Mirza Schafft's:„ Logik gibts für keine Frau" paßt auf Niemand besser, als auf die Buhlerin Bourgeoisie und die Meze ,, öffentliche Meinung". Doch zurück zu der erwähnten Polizeibehauptung. Sicherlich ist dieselbe in dieser Form eine Lüge, wie sich schon leicht aus der Thatsache des uneingeschränkten Fortbestandes unserer Partei in Deutschland und ihrer geheimen Agitation, aus der Verbrei tung unseres Parteiorgans und zahlreicher Flugschriften, der wachsenden Ausdehnung und Verbesserung der Organisation u. a. m. ergibt, was ja eben alles nicht möglich wäre, wenn die weise Polizei so gut über jedes Vorkommniß im sozialdemokratischen Lager unterrichtet wäre, wie sie wünscht und behauptet, wie es aber nicht der Fall ist. Es ist eine von uns in zahlreichen Fällen erprobte Thatsache, daß die deutsche Regierung, bezw. Polizei troß des geradezu enormen Aufwandes an Kräften und Geldmitteln zu Ueberwachungs- und Spionagezwecken selbst über die einfachsten und in weiteren Parteitreisen bekannten Vorkommnisse meist elend unterrichtet ist, wichtige Dinge oft gar nicht oder doch nur halb und viel zu spät erfährt und sich auf die gröbste Weise hinters Licht führen läßt. Nicht minder ist es aber eine Thatsache, daß dieser für uns günstige Umstand oftmals nicht durch eine große Schlauheit und Verschwiegenheit unserer seits, sondern hauptsächlich durch die bekannte Ungeschicklichkeit und Tölpelhaftigkeit der preu: ßischen„ Militäranwärter"-Geheimpolizei erzielt wird. Es ist das nicht sehr schmeichelhaft für uns, allein es muß gesagt werden, wollen wir uns nicht einer verhängnißvollen Täuschung aussehen. si Pflichten klar und letzterer jeden Augenblick bewußt sein. Eine Ungeschicklichkeit ist in der Politik nach einem bekannten Wort oft schlimmer als ein Verbrechen, und in einer revolutionären Partei ist weder für arglose Kinder noch für alte Weiber Platz. Partei ist weder für arglose Kinder noch für alte Weiber Platz. Ein Schwazhafter oder zu unüberlegten Streichen Neigender ist meistens gefährlicher als ein Verräther, und muß man im Verkehr mit ihm deshalb ebenso mißtrauisch und zurückhaltend sein. Also höchste Vorsicht und tiefste Verschwiegenheit! Wichtige, geheim zu haltende Dinge nicht unter dem Siegel des Schweigens, sondern nur dem mitgetheilt, welcher sie unbedingt wissen muß, und sich im übrigen daran gewöhnt, alles in's Tiefinnerste zu verschließen und stumm wie das Grab zu sein. Und dann Borsicht und Mißtrauen gegen jede nicht unbedingt bewährte oder als zweifellos sicher legitimirte Person und vor allem gegen alle abenteuerlichen Pläne von„ Verschwörungen"," Aktionen" und dgl. verdächtige Dinge. Wie dringend nothwendig diese Vorsicht ist, das zeigen uns in drastischer Weise jüngste Pariser Vorgänge, deren vorläufigen Abschluß die bekannte Ausweisung von 19 deutschen Sozialisten bildet. Wir hatten ursprünglich die Absicht, über diese Angelegenheit aus naheliegenden Gründen zu schweigen; nachdem die Sache aber bereits zum Theil in die Bourgevispresse gedrungen ist, halten wir es um so nothwendiger, darauf einzugehen, weil diese Vorgänge als abschreckendes Beispiel dienen können, wie man nicht agitiren darf, wenn man sich nicht schädigen und die Sache kompromittiren und der herrschenden Gewalt einen schein baren Vorwand für ihre Schandthaten liefern will. Immerhin werden wir uns möglichst reserviri halten und nicht mehr sagen, als schon gesagt ist oder unbedingt gesagt werden muß. " " " " „ Sozialrevolutionäre", arrangirten sie eine großartige wer schwörung", an welcher auch eine gewisse Gruppe Franzosen theilnahm und in welcher u. a. sogar schon über den Tag(!!) der kommenden Revolution" gesprochen wurde, nebenbei ein Zeichen des Verständnisses, das diese Leute, welche die deutschen Sozialdemokraten als„ Schlafmüßen" ansehen, von den staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen haben! Es wurde ein„ Revolutionskomite" gebildet, und die Herrn Spizeln saßen natürlich mitten drinne. So gingen die Dinge bereits eine Zeitlang; alle Abmahnungen, Warnungen der deutschen Sozialdemokraten in Paris erzielten nichts, als Anfeindungen unserer Genossen seitens der„ Sozialrevolutionäre" und natürlich zuvör derst der verkappten Polizeiagenten, welche aus leicht zu errathenden Gründen die erbittertsten Feinde der deutschen Partei und ihrer ihren Versuchungen unzugänglichen Taktik und des „ Sozialdemokrat" waren. Es gab in Paris eine Gruppe deutscher Sozialisten, deren Uebereifer die überlegt vorgehende deutsche Sozialdemokratie noch nicht weit genug ging, und welche nach sofortigen„ Thaten" dürfteten. Sie nannten sich zum Unterschied(?) von den gewöhnlichen(!) Sozialbemokraten Sozialrevolutionäre". Nun gibt es aber in Paris nicht nur bekanntlich eine sehr raffinirte, boaa partistisch gedrillte französische Geheimpolizei, sondern auch eine Art internationaler politischer Polizei, in welcher die deutschen Spizeln eine nicht geringe Rolle spielen, sowohl was ihre Zahl, als was die Befugnisse betrifft, welche ihnen die Gefälligkeit" der französischen„ Republik" gegen die deutschen Machthaber einräumt. Dieser internationalen Geheimpolizei, welche über sehr geriebene Subjekte verfügt, war es bei der Unvorsichtigkeit und Ünüberlegtheit der„ Sozialrevolutionäre" leider nicht schwer, sich in die Reihen der letzteren einzudrängen und dort ihre Rolle als agents provocateurs mit Erfolg zu spielen. " Der schon in Nr. 14 erwähnte, nun als Polizeiagent entTarvte Apotheker Franz Jakob Lehmann stellte sich als ge 11 Plötzlich kam durch die Entlarvung des Lehmann der Krach, - für die deutsche und französische Regierung wohl zu früh, da man vermuthlich das Spiel so weit getrieben hätte, bis man eine großartige Gesellschaftsrettung" sammt allem Zubehör hätte daraus machen können, etwa nach Art der von Stieber, Cherval und Fleury 1850 in Szene gesetzten Verschwörung, die Bonaparte die Vorbereitung des Staatsstreiches so sehr erleichterte. An dem entdeckten Spizel wurde, wie bekannt, verdientermaßen ein Erempel statuirt; und in dem Ausschuß, welcher ſeine Züchtigung beschloß, befand sich wieder ein verkappter Polizeiagent und that nicht das Geringste zur Verhütung. Die über die Durchkreuzung ihres weitangelegten Planes, dessen Gelingen der internationalen Reaktion un geheuren Vorschub geleistet hätte, wuthschnaubende Geheimpolizei, bezw. ihre französischen und deutschen Auftraggeber bekamen so einen scheinbar stichhaltigen Vorwand, sich an den Zerstörern ihrer sauberen Pläne zu rächen. Es folgte nun die Schandthat der Regierung der französischen„ Republik", 19 deutsche Sozialiſten binnen 24-48 Stunden von der Stätte ihres Berufes, aus dem Schooß ihrer Familie zu verjagen, sie und ihre Angehörigen aufs Aeußerste zu schädigen, wenn nicht total zu ruiniren. Und dabei beschränkte man sich bezeichnender Weise keineswegs nur auf solche, welche an der von den Polizeiagenten arangirten Verschwörung" und der nachfolgenden Züchtigung des Lehmann theilgenommen, sondern nahm auch andere mit, welche mit beiden in keinerlei Verbindung standen. So befindet sich unter den willkürlich Gemaßregelten u. A. auch Gen. Voß ( früher in Berlin), seit langer Zeit in Paris ansäßig und im Besitz einer viel beschäftigten Schneiderwerkstätte; sein Geschäft ist nun völlig ruinirt. Er bekämpfte die Attentatsverherrlichung und Verschwörungspolitik, deren einzige Wirkung bis jetzt gewesen ist, Material für die Polizei und für die Motive reaktionärer Gefeßesentwürfe zu liefern, stets auf's Entschiedenste, freilich ein Grund mehr, gerade ihn aufs Korn zu nehmen.- Und all das angeblich nur eines geprügelten Mouchards willen, in der That aber, weil die von agents provocateurs Verführten die Gefahr noch in später Stunde erkannt und das von geschäftigen Gesellschaftsrettern als schon gewonnen geglaubtes Spiel verdorben, ihnen den Hauptgewinn vereitelt hatten! Das Stück Wahrheit in der erwähnten Polizeibehauptung ist: daß ein großer Theil unserer Genossen die gegen die frühere Zeit der offenen Agitation gründlich veränderten Verhältnisse noch viel zu wenig ernst nimmt und ihnen Rechnung trägt, daß die jetzt zu einer erfolgreichen Wirksamkeit dringend nöthige Vorsicht und Verschwiegenheit noch sehr zu wün= schen übrig lassen. Vertraulich und unbedingt geheim zu haltende Dinge werden von den in's Vertrauen Gezogenen oft schleunigst weiter verbreitet, in den Familien und auf der Bierbant, ja womöglich sogar in größeren Zusammenkünften besprochen; fich als Gesinnungsgenossen und Eingeweihte Gebahrenden wird oft ohne nähere Prüfung und Beobachtung Vertrauen geschenkt; in den doch nie vor dem schwarzen Kabinet sicheren Briefen werden die gefährlichsten Sachen ausführlich, sogar unter Namen 8nennung verhandelt; Parteiangelegenheiten betreffende Aufmaßregelten deutschen Genossen vor, gab vor, einige Grüße aus zeichnungen werden trotz der Wahrscheinlichkeit der Haussuchung ohne Sorge aufbewahrt u. dgl. mehr. Kurz: es wird nur zu oft außer Acht gelassen, daß unsere Agitation aufgehört hat, eine öffentliche zu sein, und eine geheime, unterirdische geworden ist, daß im Grund jede sozialdemokratische Wirksamkeit verboten ist, daß allenthalben Horcher und Häscher lauern und daß jedes unbedachte Wort, jede unvorsichtige Handlung Personen und vor allem der Sache großen Schaden zufügen, die Reaktion aber fördern kann. Wir wünschen nur, daß der Polizeiagent Küster in der erwähnten Lügennotiz recht hätte mit der Behaup tung: daß man bei den Sozialisten auf Schritt und Tritt Miß trauen antreffe; in der That herrscht leider noch viel zu viel, nicht blos Vertrauen, sondern Vertrauensseligkeit. Wir wollen heute dies Thema nicht ausführlicher behandeln; es wird und muß sich wohl an anderer Stelle dazu Gelegenheit finden.Soviel aber ist sicher, daß die erwähnte übel ange brachte„ Gemüthlichkeit" so schnell und so gründlich als möglich ein Ende nehmen muß, wenn unsere Agitation nicht höchst unsicher gemacht und überall gehindert, und die Parteiinteressen aufs äußerste geschädigt werden sollen. Jeder Genosse muß sich über die Situation und die aus ihr für ihn erwachsenden erhöhten Feuilleton. Am Sarge eines Cäsaren. Ein Brief aus Heuchelland". Bon Heinrich Löwe. ( Schluß.) Von Camden- House( der freundliche Leser erinnert sich vielleicht zufällig noch, daß wir uns in Chiselhurst befinden) setzte ich meinen Weg zwischen Gartenbecken, über frischgrüne Wiesen und murmelnde Bäche fort. Die Sonne, eine prächtige Junisonne, neigte sich zum Abschied, die Blumen hauchten, wie zum Abendgruße ihren Duft aus, eine wunderbar wohlthuende Stille herrschte in der Natur- kurz, es war ein Abend, wie ihn selbst Berthold Auerbach für seinen süßlichsten Roman nicht brauchbarer finden Fönnte. Deutschland mitzubringen, worauf sich ihm sofort alle Herzen und Thüren öffneten. Ein anderer Polizeizuträger, ein gewisser Karl 3abed, angeblich Photograph, spielte schon seit zwei Jahren eine gewisse Rolle unter den deutschen Sozialisten in London und Paris. Er tauchte 1877 in Dresden auf, benahm fich wie ein frecher Bube, verschwand dann Anfang 1878 unter Unterschlagung einer größeren Summe und Hinterlassung zahl reicher Schulden bei Par imirthen 2c., um kurz nachher in London wieder aufzutauchen. Er spielte sich dort und ein Jahr später in Paris als großen Sozialisten auf und wurde merkwürdiger weise aller Warnungen zum Trotz im Kom. Arb.- Bild.- Ver. und bei den Sozialrevolutionären" als solcher angesehen. Endlich soll es sich mit einem gewissen Eduard Tint, seines Gewerbes Kürschner, ähnlich verhalten. Balb tauchte das zweite Ziel meiner Wißbegierde vor mir auf: St. Mary, die kleine katholische Kapelle, in welcher Napoleon III. ruht. Ich schritt durch den kleinen Kirchhof, eine Frau ( vermuthlich die des Todtengräbers) öffnete mir die Kirche; ich entrichtete meinen vorschriftsmäßigen Obolus( eigentlich war's und tein Dbolus, sondern ein koscherer englischer Schilling) Klapp! schlägt die schwere Pforte hinter mir zu. Da stehe ich nun allein in dem vom Abendroth übergoldeten Halbbunkel des Kirchleins von Chiselhurst. In der Mitte erhebt sich auf hohem Bostamente ein Sarkophag von porlirtem schottischen Granit. Das ist„ SEIN" Grabmal. " Diese drei, und vorzüglich die beiden ersteren, suchten nun im Auftrag der Geheimpolizei, bezw. der mit diesen Angelegenheiten besonders betrauten Kontrolagenten Retig, Klinghammer und Bing- Mayer die ,, Sozialrevolutionäre" zu möglichst unüberlegten Handlungen aufzustacheln, indem sie sich als eifrige Revolutionäre geberdeten. Und ihre schändliche Absicht gelang ihnen leider nur zu gut. Im Besitz des vollen Vertrauens der Armeen von Bütteln und Spionen wurden aufgewandt, um jede Regung eines geknechteten Volkes, jeden Schritt seiner Gegner zu überwachen und dem ängstlich lauschenden Gäsar zu berichten; Armeen von Ränkespinnern gab es in aller Herren Länder, nur damit beschäftigt, ihn in alle Welthändel einzumengen, seine Macht, seinen Einfluß überall fühlen zu lassen. Und dann genügten die Ereignisse weniger Wochen, diesen mühsamen jahr zehntelangen Bau, der so stolz und herausfordernd dastand, kläglich über den Haufen zu werfen! Da lag er nun vor mir, der Mann, dem einst eine Welt bewundernd zu Füßen gelegen, der mit dem matten Blick seiner halbgeschlossenen Augen die Geschicke Europa's lenkte, wie vor ihm nur Wenige, wie seit ihm keiner ein stiller Mann! Seltsame Gedanken gingen mir durch den Kopf, indeß ich mich auf den Sockel zu Häupten des Sarges niederließ. Ich dachte daran, welch ein ungeheurer Aufwand von Lug und Trug, von Eidbruch und Vert ath, Raub und Mord geschehen war, um diesen Menschen erst zur Herrschaft emporzuheben, dann ihn darin zu erhalten, die Befestigung der Dynastie"," die Krönung des Gebäudes" zu vollziehen, wie sie es damals nannten. Armeen von Soldaten wurden hingeschlachtet, um seine Macht zu erweitern, sterbend ihm den Ruhm des Sieges zu bringen; " " Wir wiederholen es, daß diese Ausweisung eine Infamie ist, gleichwie der ganze Polizeistreich ein um so arger Schmachflecken für Frankreich ist, weil er in seinen Grundzügen in Ber lin ausgesonnen wurde und wir es demnach, wie schon erwähnt, wieder mit einer jener niedrigen Gefälligkeiten" gegen fremde Gewaltherrscher zu thun haben, durch welche sich die heutigen Gewalthaber der französischen„ Republik" den Zaren und Bismarcken und ähnlichem Gelichter ebenbürtig und Freund zu machen suchen. Und dann stieg eine Erinnerung in mir auf: wie ich einst denselben Mann, genau ein Dezennium war seither vergangen ber jetzt in seinem kalten Hause von Stein so still und prunklos vor mir lag und sich nicht im Mindesten darüber zu wundern schien, daß ich mich so ohne alle Förmlichkeit neben ihm hingesetzt wie ich eben diesen Mann auf der höchsten Höhe menschlicher Macht und Größe erblickte, mit dem staunenden Blick des Knaben all die märchenhafte Pracht, all den Glanz anstarrend, die den mächtigsten Monarchen der Welt umflossen. Das war damals ein Tausend acht hundert, fieben und sechzig-, als die Völker aller Zonen kamen, der holden Städtekönigin am Seinestrand die Erzeugnisse ihres Fleißes zu Füßen zu legen und all die Mächtigen der Erde herbeieilten, dem bewunderten " Bruder" und" Vetter", dem erprobten Retter der Gesellschaft" ehrfurchtsvoll die Hand zu drücken, unbekümmert um die Meineide, die eben diese Hand geschworen, unbekümmert um die häßlichen Blutflecke, die diese Hand gleich der Lady Macbeth's bedeckten. " Und das Laub der Bäume am Kirchhof draußen blickte, vom Abendwind bewegt, geheimnißvoll rauschend, durch die hohen Fenster der Kapelle herein. Und jedes einzelne Blättchen schien die gebannte Seele eines Gemordeten zu sein und furchtbare die gebannte Seele eines Gemordeten zu sein und furchtbare Flüche dem Mann im Sarge zuzuflüstern:„ Cäsar, die Gemordeten grüßen Dich!" D li P w di ru IL ein V Ve die da 18 no ( P fini wu me En Be gefe Hir зи dere icha Su 220 Buf Jur revi 1 Wir Gr E баз über betri Q Vi B 201 Es übrig enden Ueber dieser Schändlichkeit darf aber nicht vergessen werden die unerhörte Unvorsichtigkeit derer, welche sich blindlings hatten in die Netze der Polizei locken lassen und sich und andere und vor allem die Sache leicht noch weit mehr hätten schädigen können. Wir bedauern trotz alledem ihr Loos und werden es mit Freuden Ersch Und dann wieder eilten meine Gedanken nach dem nahen Camden- House hinüber. Ich gedachte jener Winternacht, als der einstige Gebieter Europa's im einsamen Gemach sich unter den Qualen einer schrecklichen Krankheit auf seinem Lager wand, bis die fromme Gattin, das treue Weib, des alten« Imbécile» ( Schwachtopfs) überdrüssig, ihm jenes gewisse Heiltränkchen reichte, das allem Schmerz und aller Qual ein Ende machte. Damals, in den letzten Augenblicken des Daseins, da mag er wohl im Geiste sein Leben überflogen haben, schaubernd sich er" fozial 983 Staa Nach innert haben all der ungeheuren Unthaten, die er verübt; wie er vor nichts zurückgeschreckt, alles schonungslos aus dem Wege gegeräumt, was ihm auf der wilden Jagh nach einem Phantom ganz der Macht und der Größe im Wege lag- seine Mission" 16. nannte er es, sich selbst betrügend und wie er nun, gestürzt 17. aus der einem Diebe gleich erklommenen Höhe, verhöhnt und Leher beschimpft von aller Welt und dann vergessen, millionenfach ver- hat i flucht von einem Volke, über das er unsäglichen Jammer gebracht, Irla einsam, frank, selbst von der verrathen, die er aus dem Schmut tation auf einen Kaiserthron gesetzt, sein Leben endete, das ihm zur unter Qual geworden war. Damals mag er wohl mit einem letzten Ansp milden Aufleuchten des brechenden Auges sich gefragt haben: den „ Also dafür Räuber und Mörder?" fich Und wie Viele, die, nachdem sie eine Welt in Bewegung ge- der ſetzt, wie er auf der Höhe der Macht und menschlichen Größe hohe gestanden, mögen sich hinterher bitter lachend die gleiche Frage nenn gestellt haben? Und wie Viele werden es noch in Zukunft? Ja, cre wer weiß, ob nicht just in unsern Tagen irgendwo Einer, der, bon gleich Jenem dort im Sarge von Granit, über Berge von Pfb. Leichen und Meere von Blut hinweg zu ungeahnter Macht empor Rent geschritten, nun, da er es erreicht, krank und zerrüttet, im Betönni wußtsein all des Bösen, das er der Menschheit zugefügt und noch oder zuzufügen gedenkt, in allen Menschen seine Feinde erblickend, in mit der ewigen Furcht des Tyrannen vor dem Erwachen eines unter 230, drückten, mißhandelten Volkes, in noch größerer Furcht vor dem seine Dolch des Meuchelmörders lebend, vor jedem unerschrockenen, wir freien Manneswort in wilder Wuth auffahrend, dabei unter genü Legionen von Kriechern und Speichelleckern doch allein, ganz allein ziehu stehend, angeekelt von all dem Schmutz, all der Fäulniß und all nicht der Niedertracht, die ihn umgeben und die er doch selbst um sich kann geschaffen, zudem mit Undank belohnt, angefeindet selbst von denen, die er zur Macht und Größe miterhoben, kurz unglücklich bei dem der Erfüllung alles dessen, was er mit der ganzen Gewalt seines Szer furchtbar eisernen Willens angestrebt wer weiß, ob nicht fe solch ein Mensch eben jeßt, indeß er in den qualvoll schlaflosen Erbf Nächten sich auf seinem Pfühle wälzt, zähneknirschend vor sich u hinmurmelt: Also dafür Räuber und Mörder? 20 lift bon ** 1 1 11 ie n 8 en en id begrüßen, wenn dasselbe von unsern Genossen allerwärts möglichst erleichtert werden kann. Aber sie selbst und die gesammten Parteigenossen, mögen sie nun in Deutschland oder im Ausland wohnen, mögen sich diese Geschichte als eine ernste Warnung dienen lassen vor Unvorsichtigkeit, Vertrauensseligkeit, Verschwörungsplänen und unüberlegten Streichen. Mit alledem wird nur unsern Feinden in die Hände gearbeitet,-uns frommt nur ein ruhiges, überlegtes Vorgehen, kluges Mißtrauen, äußerste Vorsicht, wenig Worte und mannhaftes Handeln! Die Landfrage in England. ( Schluß.) Aber außerdem haben sie, als wären sie entschlossen, noch im Verlauf unserer Generation eine Krisis herbeizuführen, nicht nur, die Steuer nicht gezahlt, welche die gesetzliche Bedingung war, daß sie ihren Landbesitz behalten durften, sie haben sogar ſeit 1841 Millionen von Acres der Kultur entzogen. 1836 betrug noch das Ackerland im Vereinigten Königreiche 19,135.990 Acres ( Porter, Progress of the Nation p. 177), heutzutage dagegen sind nur noch mehr 16,000.000 Acres unter dem Pfluge. 1871 wurden noch 3,818.848 Acres mit Weizen bebaut, 1876 nur mehr 3,114.294 Acres. In schreckenerregender Weise greift die Entvölkerung in den Agrikultur- Distrikten um sich. In einigen Bezirken der schottischen Hochlande ist die Bevölkerung wie weggefegt. Aderland hat man in Schafweiden, und Weideland in Hirschparts( Deer Forests) verwandelt, indeß die Bevölkerung zu Tausenden verjagt wurde. Bis 1870 hat man folgende Ländereien in Schottland in Jagdreviere verwandelt: In der Grafschaft Caithneß 25.000 Acres; Barff 30.000; Forfar 35.000; Sutherland 130.000; Aberdeen 175.000; Roß 190.000; Argyle 220.000; Berth 225.000 und Inverneß 260.000 Acres(!). Busammen blos in diesen 9 Grafschaften 1,320.000 Acres. Bis Juni 1872 waren 2,000.000 Acres auf diese Weise in Jagdreviere verwandelt worden. Und welches ist der Erfolg dieses ungeheuerlichen Systems? Wir entnehmen Folgendes der Quarterly Review, Jan. 1875: Größe der Bevölkerung, die von Größe der Bevölkerung, die von einheimischem Weizen lebte: ausländischem Weizen lebte:*) 600.000 1821 18,500.000 1831 21,850.000 1841 24,250.000 1851 23,550.000 1861 21,500.000 1871 19,278.000 1877 17,000.000 700.000 1,200,009 3,730.000 6,700.000 11,661,000 16,000.000 Betrachten wir unsere Lebensmittel- Einfuhr. Wir entnehmen das Folgende einem voriges Jahr erschienenen Parlamentsbericht über die Einfuhr von Getreide von 1827-1878. Die Einfuhr betrug 1840 10,560.000 Zentner 1850 18,092.627" 1860 1870 31,841.926 " **) 36,906.115 " " 1877 63,491,427 Der Werth des eingeführten Kornes, Mehles 2c. betrug 1876 51,534.648 Pfd. St. 1877 63,192.224 11 Der Gesammtwerth unserer Lebensmittel- Zufuhr 1876 86,129.386 Pfd. St. 1877 96,289.707 " Vieh und Fleisch figuriren darunter im Jahre 1876 mit 19,030.455 Pfd. St. Butter und Käse mit 13,954.052 Pfd. St. 1877 17,313.674 Pfd. St. 13,301,358 Pfd. St. Wahrlich, ein solcher Stand der Dinge tann nicht ewig währen! Es ist thatsächlich ein Kampf der Land- Aristokratie gegen die übrige Bevölkerung. Ein solches System muß früher oder später enden, und wird es nicht bald beseitigt, so muß es in einer fozialen Umwälzung vernichtet werden, welche furchtbar in ihren en Erscheinungsformen sein wird. 11. rzt 17. sich selbst darauf festzusehen. Aber in diesem Falle wird oder dürfte wenigstens bald der gesammte englische Grundbesitz auf Kauf beruhen, und damit wäre die Nationalisation des Grund und Bodens sehr erschwert, denn die Verstaatlichung mit seinen Minen, Eisenbahnen 2c. wird eine Entschädigung bedingen, da die Entschädigung eine moralische Pflicht ist(? D. Uebers.). Dagegen erinnere man sich, wenn man die Entschädigungsfrage in Beziehung zu den jetzigen Eigenthumsverhältnissen betrachtet, daß die Bodenrente ungeheuer gewachsen ist, ohne daß die Grundbesitzer das Mindeste dazu beigetragen hätten. Das Anwachsen der Bevölkerung, die Zunahme der Erleichterungen des Transportes, und die allgemeine Vermehrung des Reichthums des Landes haben den Bodenwerth ungemein gesteigert. Herr James Caird, eine unserer größten Autoritäten in Landangelegenheiten, berechnet in seinem 1878 erschienenen Werke die Bodenrente für 1770 auf 13 Sch. per Acre, für 1850 auf 27 Sch. und 1878 auf 30 Sch. Die Rente ist also innerhalb 108 Jahren um 118 Proz. gewachsen. Nehmen wir die 47 Millionen Acres, die heutzutage bebaut sind, so erhalten wir ein Anwachsen der Rente um 44,650.000 Pfd. St. Nehmen wir an, sie betrage 5 Proz. des Bodenwerthes, so haben wir eine Vermehrung des Werthes der Ländereien um 893 Millionen Pfd. St. Da in allen Fällen nur dort eine Entschädigungspflicht besteht, wo das Grundeigenthum auf Kauf beruht, dürfte die Frage der Entschädigung noch zu gewichtigen Erörterungen Anlaß geben. Wie dem auch sei: die Nationalifirung des Landes ist eine unvollständig. Sie ist die Grundlage aller anderen sozialen und der brennenden Tagesfragen. Ein Programm ohne sie gilt für ökonomischen Probleme. Daher sollte in Bezug auf sie jeder Rompromiß abgewiesen werden. Wenn in England das ganze Land mit seinen Minen, Eisenbahnen 2c. verstaatlicht und keine übertriebenen Entschädigungen gezahlt würden, dann würden und ich glaube, es wäre nicht schwer, das darzuthun bald alle unsere Zölle und Steuern verschwinden, in wenigen Jahren würde sogar eine bedeutende Pension für jeden Mann und jede Frau von mehr als 60 Jahren entfallen. So lang Grund und Boden nicht verstaatlicht sind, wird die Industrie unfrei bleiben und die den Neichthum erzeugenden Klassen werden nicht die Stellung in der Gesellschaft einnehmen, die ihnen gebührt. So lange das Grundeigenthum ein Monopol ist, kann der Arbeiter nicht frei sein, er wird immer abhängiger von denjenigen, welche den Boden innehaben und seine Bebauung nach ihrem Gutdünken lenken. Wäre Grund und Boden nie Privateigenthum geworden, so würden die Arbeiter eine ganz andere Stellung einnehmen, als ihre jetzige, in der sie so lange verharren werden, als der Boden Privateigenthum bleibt. Wir wollen mit folgenden Worten von Adam Smith schließen: „ Das, was die Arbeit hervorbringt, ist ihre natürliche Belohnung und macht also den ersten Arbeitslohn aus. In dem ursprünglichen Zustande der Gesellschaft, wo noch kein Landeigen thum und kein gesammeltes Kapital da war, gehörte dem Arbeiter das Produkt seiner Arbeit ganz. Er hatte weder einen GrundHerrn noch einen Meister, mit dem er theilen mußte. Hätte dieser Zustand fortgedauert, so würde der Lohn der Arbeit mit der Zunahme der produktiven Kräfte berfelher in gleichem Maße vermehrt worden sein; alle Dinge wären stufenweise wohlfeiler, weil durch eine kleinere Quantität von Arbeit hervorgebracht worden.") So spricht der Vater der politischen Dekonomie. Birmingham, im März. J. Sketchley. Sozialpolitische Rundschau. Schweiz. * Am 20. April stellten 400 Eisenbahnarbeiter der Monte Cenere- Linie die Arbeit ein. Gründe waren der über die Maßen elende Lohn, die Auszahlung des Lohnes in minderwerthigem, italienischen Papiergeld und der Zwang des Kaufs der Lebensmittel in den theuren und schlechten Unternehmermagazinen. Da die Ausständigen einig waren und die öffentliche Meinung der Skandalosität der streitigen Mißstände halber den Arbeitern günstig war, so mußte die Unternehmung bald nachgeben und die höchst billigen Forderungen der Ausständigen bewilligen. Bezeichnend für die Herrschaft des Kapitalismus in unserer Republik aber ist: erstens, daß eine solch infame Ausbeutung der Arbeiter durch Trucksystem und ausländisches Geld, welche selbst in monarchischen Staaten, z. B. in Deutschland, unzulässig ist, bei uns noch vorkommen kann; und weiter, daß die Regierung, trotzdem die Rechtmäßigkeit der Arbeiterforderungen von Anfang an unzweifelhaft feststand und die Ausständigen keinerlei Unfug verübten, sich sofort zur Aufbietung von 60 Mann vom 94. Bataillon veranlaßt sah. Von einem Polizei- oder Truppenaufgebot gegen ausbeuterische Arbeitgeber hat man noch niemals gehört. Sind„ Gesetz und Obrigkeit" in der That nur gegen das arbeitende Volt da? " und alledem erhielt diesmal der sozialdemokratische Kandidat Hartmann 13,155 Stimmen gegen nur 3583 nationalliberale und 6451 fortschrittliche und siegte fonach glänzend im ersten Wahlgang! Die Sozialdemokratie erhielt sonach unter dem Sozialistengeset mehr Stimmen als vor demselben und eroberte einen Wahlkreis, den sie vorher nicht besessen. Dieser Hauptschlag muß auf die Gegner geradezu ver blüffend wirken; für uns und alle Denkenden aber ist er der schlagendste Beweis für den Rückgang" der Sozialdemokratie und die Wirksamkeit des Sozialistengesezes. Nur so fort; lernen wird das blöde Geschlecht der Gegner freilich auch aus dieser neuen Lektion nichts, als höchstens, daß die Unterdrückungsmaßregeln noch vermehrt werden müssen. Aber wer jetzt nicht hören will, der wird später um so sicherer fühlen müssen. Uns aber soll die Verblendung der Feinde nicht schaden, sondern nur zu erhöhtem Eifer anspornen. Ziehen wir aus dem Bewußtsein unserer Kraft neue Stärke und neuen Muth und schreiten wir vorwärts ohne Raft und Ruh, neuen Kämpfen, neuen Siegen zu! Es lebe die Sozialdemokratie! Zur richtigen Beurtheilung der Berliner Wahl fügen wir, unseren Berliner Bericht in Nr. 17 ergänzend, einige geg= nerische Urtheile hinzu. Die Berliner Volkszeitung", das " 1 Organ der bei der Wahl von den Sozialdemokraten bekämpften Fortschrittspartei, welche demnach nicht als parteiisch für uns bezeichnet werden kann, äußert sich folgendermaßen:„ Die auffallend geringe Betheiligung der Sozialdemokratie bei der Wahl im zweiten Reichstagwahlkreise wird von den verschiedensten Seiten als ein Argument für die wohlthätige Wirkung des " Sozialistengesetzes ins Treffen geführt. Etwas ungereimteres ist eigentlich kaum zu denken. Die Polizei hätte nur noch einen Schritt weiter gehen und vor sämmtlichen Wahllokalen die sozialdemokratischen Stimmzettel konfisziren sollen, dann wäre am Ende gar kein sozialdemokratischer Wahlzettel abgegeben. Solche Erfolge der Gewalt als eine Wirkung des Sozialistengesetzes, die doch nur Werth hat, wenn sie einen inneren Rückgang der Sozialdemokratie, nicht aber ein Zurücktreten rein äußerlicher Manifestationen erzielt hat, zu bezeichnen, bekundet in der That eine harmlose Naivetät in der politischen Auffassung. Vielleicht erinnern sich die nationalliberalen Organe, die diese sonderbare Anschauung theilen, der Preßordonnanzen vom 1. Juni 1863. Während des ganzen Monats Juni berichtet Schultheß in seinem Geschichtskalender sind von den Behörden gegen die liberale Presse nach allen Seiten hin zahlreiche Verwarnungen erfolgt. In Folge dessen ist die Presse der Opposition über innere Angelegenheiten fast gänzlich verstummt". War damit auch die Opposition erstorben? Die Nat.- Zeitg." braucht nur ihre alten Jahrgänge aufzuschlagen, um die kühne Sprache fich ins Gedächtniß zurückzurufen, die sie nach Aufhebung der Preßordonnanzen sofort wieder anschlug. Hat also mit dem äußeren Erfolg ein gleichmäßiger innerer Rückgang jener Opposition stattgefunden? Gewiß nicht. Dasselbe war bei der Reaktion der fünfziger Jahre der Fall. Die Be seitigung des Druckes hatte das sofortige Emporschnellen der bis dahin unterdrückten Parteien zur Folge und die schweren Jahre ber Reaktion waren es, die der Oppofition von vornherein die großartige Unterstützung des Volkes sicherten. Einmal wird auch der Druck von der Sozialdemokratie genommen werden müssen, ob nach vier oder nach zehn Jahren, und dann wird die Sozialdemokratie wieder da sein, auch wenn die Kundgebungen ihrer Existenz unter dem fortgesetzten Druck der Polizei noch so gering geworden sind. Man wende sich endlich der Arbeiterfrage zu und versuche etwas Positives zu leisten, wie man es allseitig versprochen; die Gegner der reinen Negation" sollten sich sagen, daß mit der reinen Negation" der sozialen Frage gewiß nichts erreicht wird." Nun, wir denken, etwas dürfte damit allerdings erreicht werden, aber freilich kaum das Gewünschte, sondern vielmehr etwas sehr unberechnetes! Der konservative Staatssozialist" schreibt:„ Die Reichstagswahl im zweiten Berliner Wahlbezirk wird von den Bewunderern der Erfolge des Sozialistengesetzes als neuer Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorie ausgegeben. In Wahrheit steht die Sache so, daß der 4-5te Wähler ein Sozialdemokrat war, und zwar in Anbetracht des kleinen Belagerungszustandes jedenfalls ein ganzer..."- Die ebenfalls konservative, Deutsche volkswirthschaftliche Korrespondenz" aber gibt den über den vermeintlichen Rückgang" der Sozialdemokratie erfreuten Gegnern folgende empfindliche Lektion:" Einige Zeitungen des Landes geben sich angesichts des neuesten Berliner Wahlresultates den behaglichen Anschein, als fühlten sie sich von dem sozialdemokratischen Alp " 1 vollkommen befreit. Damit die Freude nun nicht in Uebermuth und die Erleichterung nicht in Trägheit ausartet, möchte folgende sozialpolitische Doktorfrage wohl am Plaze sein. Wenn sich 3000 Sozialdemokraten fanden, welche trotz des kleinen Belagerungszustandes den Muth und die Begeisterung zur Stimmabgabe befaßen, wie viele konservative oder fortschrittliche Stimmen würden Wenden wir uns nun zur Frage der Erwerbung durch den er Staat oder dem, was die Versammlung„ Konfiskation" nannte. ge Nach der normannischen Eroberung im Jahre 1066 wurde das om ganze Land von den Siegern konfiszirt. Von da an bis in's " 16. 16. Jahrhundert, und besonders während des Bürgerkrieges im Jahrhundert waren Konfiskationen und Einziehungen der nd Lehen durch die Krone nichts Ungewöhnliches. Die Reformation er hat die Maffe der Kirchengüter konfiszirt. In Schottland und ht, Irland kamen noch zu Ende des letzten Jahrhunderts Konfis ut fationen vor. Die Krone hat stets das Recht der Konfiskation zur unter dem Namen der Einziehung der Lehen( resumption) in ten Anspruch genommen. Wenn daher das Volk einmal Lust bekommt, en: ben gesammten Grund und Boden wieder einzuziehen, kann es fich auf eine Fülle von Präzedenzfällen seitens der Könige und Aristokratie stützen. Welchen Anspruch hat dagegen die öße hohe Aristokratie auf die riesigen Güter, welche sie ihr Eigen age nennt? Man nehme den Herzog von Sutherland, der 1,208.546 Ja, Acres als sein Privateigenthum in Anspruch nimmt, den Herzog ber, bon Argyle mit 175.114 Acres und einer Rente von 50.843 von Pfd. St., den Herzog von Bedford mit 87.425 Acres und einer por Rente von 141.434 Pfd. St. Welche anderen Eigenthumstitel Betönnen diese edlen Herzöge aufweisen, als königliche Verleihungen moch oder Parlamentsatte? Ober man nehme den Herzog Buccleuch in mit seinen 459.260 Acres und einer jährlichen Rente von ter 230.400 Bfb. St., oder den edlen Marquis von Bute mit dem feinen 116,650 Acres und 233,933 Pfd. St. Rente. Doch, nen, wir brauchen die Liste nicht weiter auszudehnen. Das Gesagte nter genügt, daß wir die Behauptung wagen können, daß die Ein: haften öffentlichen und ungehinderten Wahlagi- als 3000 frühere Konservative haben sich in einem einzigen ge der Nein ziehung des Grund und Bodens durch das Volk, auch wenn sie all nicht auf Kauf beruht, eine Konfiskation weder ist, noch sein fich fann. " enen, Aber die gegenwärtige Landbewegung, besonders soweit sie von bei dem einstigen revolutionären Bilderstürmer Ch. Bradlaugh in eines Szene gesetzt ist, beschränkt sich darauf, das zu verlangen, was nicht sie Freihandel mit Land" nennen; das ganze System der jetzigen losen Erbfolge und Fideikommisse soll wohl abgeschafft werden, jedoch sich zu keinem andern 3wed, als um es der Kapita: listentlasse zu ermöglichen, die alte Aristokratie bon ihrem Grundeigenthum zu verdrängen und *) 6 Bushels per Kopf gerechnet, 1 Bushel 35-72 Liter. D. Uebers. D. Uebers. **) Nach Kolb, Bergleichende Statistit p. 424. " Deutschland. Das wichtigste Ereigniß der Woche ist entschieden der Ausgang der Hamburger Wahl. Bei der letzten Wahl, im August 1878, brachte es die Sozialdemokratie nach einer lebtation auf 12,446 Stimmen gegen 13,353 auf den gegneri: schen Kandidaten Bauer fallenden, so daß wir unterlagen. Dies mal aber, nach zweijähriger Dauer des Sozialistengesetzes, bei gänzlichem Mangel jeder öffentlichen Wahlagitation, nach VerHaftung des ganzen Wahlkomité's, Verbots jeglicher Wahlflug schriften, ja sogar der bloßen Aufforderung zur Wahl, unter dem Druck der Eulenburg'schen Drohung mit der Ausdehnung des Belagerungszustandes auf weitere Hauptnester der Sozialdemokratie und der Verlängerung des Sozialistengesezes, trotzdem die listen auf jede denkbare Weise gebunden waren, gegnerischen Parteien allein freie Hand hatten und die Sozia trotzdem *) Diese merkwürdige Stelle findet man in der Stöpel'schen Uebersetzung von Adam Smith im 1. Bande p. 89, in der von Garve, Bd. I., p. 116. D. Uebers. fich wohl eingefunden haben, wenn eine Agitation für konser vative und fortschrittliche Programme der Gefahr der Ausweisung und unter Umständen der Verhaftung ausgesetzt wäre?" Das Bedeutendste an der Berliner Wahl ist nächst der rapid um sich greifenden Ueberzeugung von der Unmöglichkeit der Beseitigung der vorhandenen unerträglichen politischen und wirth schaftlichen Mißstände auf dem parlamentarischen Weg entschieden der Rückgang der Konservativen, benen doch die ganze ungeheure Regierungsmacht zur Verfügung stand, die allein das Feld beherrschten und trotzdem am meisten verloren. Mehr Berliner Wahlkreise seit den letzten Wahlen von der Partei Bismard abgewendet. Solche Zahlen sprechen! Lauwarme Philister" sind unsere braven Berliner Genossen, die troß Polizei und Belagerungszustand muthig in den Wahlkampf eintraten; dagegen sind die 24,000 Wahlberechtigten, welche theils aus Feigheit, theils aus politischer Gleichgültigkeit der Wahlurne fern blieben, echte Revolutionäre". Also zu lesen in Nr. 17 der " Freiheit". Daß unter den 36,000 Wählern des zweiten Wahlkreises, der das sog. Geheimrathviertel bildet, die überwiegende Mehrheit sich aus hohen und mittleren Beamten, Rentiers, Gelehrten, Hoteliers 2c. zusammensett, ändert daran nichts. Die Rentiers, denen Herr Virchow zu radikal, Herr Dunder zu konservativ war, die Ge " heimen 2c. Räthe, die Hoflieferanten 2c., denen der Letztere nicht| konservativ genug war, sie alle zählen zur großen Masse der echten revolutionären Proletarier, sie haben der Freiheit" bewiesen, daß Berlin gut ist, daß wir viel davon erwarten dürfen". Einem derartigen Geschreibsel gegenüber kann man wohl nur das Gefühl des tiefsten- Mitleids haben. E. B. Die acht Ottenser Verhafteten mußten wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Merkwürdigerweise hat die Reichsregierung im Reichstag einmal Bech gehabt. Die berüchtigte Samo av orlage, eine Gründerei schlimmster Sorte, wurde in zweiter Lesung abgelehnt. In dritter wird sie aber vermuthlich troballedem angenommen werden,-man kennt ja die Festigkeit unserer Parlamentarier! Ueber die zweite Lesung des Sozialistengesetes können wir auch heute nicht weiter berichten, da uns noch kein Bericht eingelaufen ist. Ob ein solcher gar nicht abgesandt oder unterwegs gestohlen wurde, steht noch dahin. X. Breslau, 20. April. Sie haben schon von verschiedenen Seiten empörende Berichte über die Unverschämtheiten der Polizei und der mit ihr verbundenen Post, bezw. des in alter Bracht wiedererstandenen und ganz nach dem Muster des zweiten Kaiserreichs eingerichteten schwarzen Kabinets gebracht. Aber alles das wird bei weitem übertroffen durch die haarsträubende Gemeinheit und die mehr als napoleonische Willkür des hiesigen edlen Brüderpaares Polizei und Post. Hören Sie: Schon seit Wochen werden die sämmtlichen Sendungen an eine Reihe bekannter Genossen, gleich viel ob es Geschäftsoder Privatbriefe, Zeitungen in Briefumschlägen oder Geldsendungen sind, von der Post direkt der Polizei ausgeliefert und dort erbrochen, worauf die letztere noch so frech ist, die bestohlenen Empfänger nach Gutbefinden vorzuladen und ihnen den leeren Briefumschlag zu zeigen und sie über Absender und Besteller( wenn es eine verbotene Zeitung ist) auszufragen, worauf sie ein diesbezügliches Protokoll unterschreiben müssen! Man sollte nicht für möglich halten, daß derartiges in einem modernen Staate vorkommen tönnte, denn ein offenbarerer Beweis gänzlicher Rechtlosigkeit ist nicht denkbar. Welcher Schaden daraus für die Betroffenen erwächst, ist leicht einzusehen. Man hat Zeitverlust und Aerger mit den Arbeitgebern, ein Arbeiter ist schon gemaßregelt und aus der Arbeit entlassen worden und andern wurde im Falle wiederholter Vorladungen dasselbe angedroht; wer ein offenes Geschäft hat, muß natürlich über kurz oder lang ebenfalls ruinirt werden. Aber das ist es ja gerade, was die Polizei beabfichtigt; die von ihr Gehaßten sollen vernichtet und dadurch andere abgeschreckt werden. Aber dies Ziel wird man trozzalledem nicht erreichen, denn solche unerhörte Schandthaten spornen erst recht und selbst die ruhigsten Leute zur Auflehnung auf. Die Verbitterung wächst hier und anderwärts ungeheuer und wehe denen, welche eines Tages die jetzt ausgestreute Saat zu ernten haben werden! Am 11. ds., dem Geburtstag Lassalle's, wollten wir, wie wir es stets gethan, einen Lorbeerkranz mit rother Schleife und Inschrift auf das Grab legen. Aber die Polizei, die hierin eine Gefahr für die Sicherheit des großmächtigen Reiches witterte, ließ Friedhof und Grab bewachen und gestattete auch nur wenigen Personen zugleich den Eintritt in den Friedhof, gleichwie das Stehen am Grabe. Nachmittags gelang es indessen doch einem der Unsrigen den Kranz niederzulegen; kaum 10 Minuten nachher aber kamen schon die Gesellschaftsretter, um ihn mit frecher Hand zu stehlen. Hierauf wurden Genossen in ein Halbdußend Wirthshäuser von der Polizei verfolgt, ein Genosse auch gleich auf dem Friedhof vernommen, ohne daß man herausgebracht hätte, wer der Verbrecher" gewesen. Eine hübsche„ Ordnung", die sich vor Gräbern fürchtet und sie beraubt! pp. Elberfeld, 20. April. Ein recht ausdrucksvolles Zeichen der Erbärmlichkeit und Kleinlichkeit unserer Gegner ist das nachstehende Zirkulär, das in diesen Tagen an alle Fabrikbesitzer hier in Kuvert verbreitet wurde. Es lautet:„ Datum 2c. P. P. Zu den ersten aus Berlin infolge des Sozialistengesetzes Ausgewiesenen gehört auch leider einer unseres Gewerbes, der Barbier O. Wernsdorf, geboren zu Berlin. Derselbe hat seit drei Wochen seinen Aufenthalt hier genommen, und Bachstraß 37 Ecke der Karlsstraße ein Barbier- und Friſeuergeschäft errichtet. Seine Parteigenossen, besonders die Führer der Sozialisten hier, haben sich gleich von Anfang sehr lebhaft für den Mann interessirt und sind denselben opferwillig zur Hand gegangen, die Arbeiter strömen Samstags und Sonntags in Masse zu seiner Barbierstube. Dieser Mann ist ihnen ein Märtyrer. In hiesigen Fabrikslokalen und andern Arbeits räumen hat sich Wernsdorf in Folge kluger Spekulationen Zutritt für sich und seine Gehülfen zu verschaffen gewußt. Empört über die politische Gesinnung dieses Menschen, streben wir darnach ihn als Kollegen wieder los zu werden, und bitten wir fie dringend, uns dazu Ihre geehrte Mitwirkung nicht versagen zu wollen und diesen Wernsdorf das Betreten Ihrer Arbeitsräume zu verbieten. Es zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung der Vorstand des Elberfelder Barmer Barbiervereins." Daß nur der niedrigste Konkurrenzneid dieses Schriftstück( dessen gelungene Rechtschreibung auch zu beachten ist) eingegeben, bedarf keines weiteren Beweises und wollen wir uns auch jeder weiteren Bemerkung darüber enthalten. Laut Beschluß der Straffammer vom 9. April ist die schwebende Untersuchung wegen Verbreitung verbotener Schriften gegen sämmtliche Beschuldigte fallen gelassen worden. Die Angeklagten haben schon seit dem 20. März, an welchem die Untersuchung war geschlossen worden ihre Briefe und Postsendungen sämmtlich uneröffnet und regelmäßig zugestellt erhalten. dem Tage, Aus Pforzheim berichteten wir neulich von einem infamen, aber vergeblichen Versuch der Regierung, ihre politischen Feinde zu gemeinen Verbrechern zu stempeln. Seitdem war in der ganzen Bourgeoispreffe verbreitet, daß die verhafteten Führer der Pforzheimer Soziali sten" sich Gelder aus der Kasse angeeignet hätten, und wurde sogar die Höhe der betreffenden Summe genau angegeben. Jetzt aber ist der Pforz heimer Amtsverkündiger zu der Mittheilung gezwungen, daß sich in der Voruntersuchung gegen die früheren Vorstandsmitglieder des Gewerkvereins der Gold- und Silberarbeiter, Weber, Lehmann und Rühl, deren Unschuld herausgestellt hat und dieselben deshalb aus der Haft entlassen werden mußten. Um das Gericht aber einigermaßen zu rechtfertigen, fügt das Blatt hinzu, daß die Untersuchungshaft zur Verhinderung von Verabredungen als dringend nothwendig erachtet worden sei." Ob man solch niedrige Angriffe auf die Ehre unserer Genossen nach diesem Mißerfolg einstellen wird? Kaum, sowenig als Gassenjungen das Schmutzwerfen entrathen können. ph. Mannheim, 25. April. Nenester Polizeistreich! Vor furzem kam unser vielgeprüfter Genosse Hackenberger, der erst seit furzem das Gefängniß zu Trier nach 21, jährigem Aufenthalt verlassen hat, hieher, um von hier nach Amerika zu gehen. Vor seiner Abreise sollte noch ein Abschied stattfinden, und kamen deshalb mehrere Freunde in einer Wirthschaft zusammen. Allein die Polizei, welche wie es scheint hier gern einen Racheakt verüben möchte, bekam Wind von dem, staatsgefährlichen" Unternehmen und erschien in corpore, den Kommissär Baumann an der Spitze, und verhaftete Dreesbach, Mai, Hackenberger, Koch und Ottenthal. Wahrscheinlich wird man nun nach vorhandenen Mustern diese harmlose Zusammenkunft zu einer Versammlung aufbauschen wollen, was indeffen hoffentlich nicht gelingen wird. Schließlich dürfen wir Sozia listen nicht einmal mehr in's Wirthshaus gehen! Oesterreich- Angarn. * Die Sozialistenhezze wird mit ungeschwächten Kräften und einem Erfolg fortgesetzt, welcher ein Ausnahmegesetz gar nicht vermissen läßt. In dem jüngst verhandelten Wiener Hochverraths"-Prozeß wurde Gen. " Dokter freigesprochen, dagegen Gen. Prager zu acht Monaten ſtrengem Arrest und Landesverweisung verurtheilt. In Brünn fanden Verfolgungen statt, infolge deren Gen. Burian und ein tschechischer Ackerbauschüler Prazak wegen sozialistischer Umtriebe" verhaftet wurden. Die Geschworenen, welche im Krakauer Sozialisten prozeß ein freisprechendes Urtheil fällten, sind deswegen in der reaktionären Presse den heftigsten Angriffen ausgesetzt Der nationalpolnisch- ultramontane Czas" erklärte ganz offen, daß eine Verurtheilung aus„ prattischen" Gründen, um nämlich der sozialistischen Agitation unter den Polen den Rest zu geben, nothwendig gewesen sei und daß die Geschwornen deshalb wider ihre Pflicht( als Bourgeois!) und verdammenswerth gehandelt hätten. So ist die sonst so viel gerühmte Achtung der Bourgeoisie vor den Gerichten beschaffen, wenn ihre Sprüche ihr unbequem ausfallen! " Infolge der ununterbrochenen Verfolgungen durch die Behörden, Beschlagnahme jeder Nummer 2c. sind unsere österreichischen Genossen gezwungen, ihr erst zu Beginn dieses Jahres gegründetes, in Reichenberg in Böhmen erscheinendes Zentralorgan„ Volksfreund" nach Bringung schwerer Opfer mit Ende dieses Monats wieder eingehen zu lassen. So bedauernswerth diese Nothwendigkeit ist, so ließ sich unter den heutigen Verhältnissen kaum Besseres erwarten; denn die Wiener Regierung will die sozialistische Partei um keinen Preis aufkommen lassen und hat bei der Vorzüglichkeit der österreichischen Verfassung und Gesetze und an gesichts der vollkommenen Zustimmung der Bourgeoisie auch die Macht dazu. Es gibt für unsere Genossen jenseits der schwarzgelben Grenz pfähle zur Schaffung einer wirklich freien und die Partei fördernden Presse blos ein Mittel: die Begründung eines Parteiorgans im Ausland, dessen geheime Einfuhr und Verbreitung. Dies Mittel ist bereits von zahlreichen revolutionären Parteien aller Zeiten und Länder, zuletzt auch von der deutschen Sozialdemokratie mit Erfolg ergriffen worden. Hoffentlich werden auch unsere unter habsburgischer Fuchtl stehenden Brüder in Bälde diesen Weg beschreiten zum Nutzen unserer gemeinsamen Sache, ihren und unsern Feinden aber zu Truzz! * Belgien. pida Zu Pfingsten wird in Brüssel der Jahreskongreß der sozialistischen Arbeiterpartei Belgiens tagen. Derselbe wird folgende Tagesordnung haben: Kassenbericht, Zustand der Partei, Sitz des Generalraths, Bewegung zur Erlangung des allgemeinen Stimmrechts, Knappschaftskassen, Vor- und Nachtheile der Cooperativgenossenschaften, der Kongreß der Bergarbeiter, Gesundheitliche Einrichtung der Werkstätten, Arbeitseinstellungen, die Frage der deutschen Sozialisten. In Bezug auf letzteren Punkt fügen wir erklärend hinzu, daß es sich um eine angerufene Entscheidung in der Frage der s. 3. von der Brüsseler Arbeitskammer beschlossenen Nichtzulassung einer sich zu der fozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands in Widerspruch setzenden Gruppe deutscher Arbeiter in Brüssel handelt, die sich an den Londoner Umtrieben betheiligen und trotzdem als Mitglieder und Vertreter der deutschen Sozi ldemokratie gelten wollen. Die Ent scheidung in dieser Angelegenheit kann kaum zweifelhaft sein. Unsere brüderlichen Grüße und Wünsche den sich in Brüssel versammelnden belgischen Genossen! Frankreich. * Unter den französischen Sozialisten herrscht gegenwärtig eine erfreuliche Beweglichkeit. In Paris, Havre, Lille, Bordeaux, Lyon, Marseille, St. Etienne, Cette u. s. w. kurz in allen Hauptorten der französischen Arbeiterbewegung finden zahlreiche Versammlungen statt, werden sozialistische Vereine und Zeitungen gegründet, erscheinen Manifeste und Organisationspläne u. f. w. Das nächste Ziel dieser eifrigen Agitation ift die Organisirung der bereits angekündigten Bezirks- oder Regionalfongresse, welche die Arbeiter: bewegung der verschiedenen Landestheile einheitlich organisiren und aus denen die auf dem Marseiller Kongreß beschlossene sozialistische Arbeiterpartei Frankreichs hervorgehen soll. Italien. * Unser Genosse und Mitarbeiter Andrea Costa, der sich seit längerem flüchtig in Lugano aufgehalten hat und erst letzter Zeit heimlich nach Italien zurückgekehrt ist, wurde in Bologna verhaftet. Er ist zu vier Monaten Gefängniß und sechs Monaten Polizeiaufsicht, sowie zum Zwangsaufenthait auf einer Mittelmeerinsel verurtheilt, und außerdem will die Regierung ihrem eifrigen und gefährlichen Gegner einen Verschwörungsprozeß machen, um ihn sich womöglich auf lange Zeit vom Halse zu schaffen. Gleich Costa wurde auch seine Freundin Kulischoff, die erst vor wenigen Monaten im Florentiner Prozeß freigesprochene russische Sozialistin, verhaftet. Serbien. mz. Belgrad, 21. April. In meinem letzten Berichte meldete ich Ihnen den Tod unseres geliebten und hochgeschätzten Volksvertreters und Freundes Adam Bogojavlevitsch. Da dieses unerwartete Ereigniß, wie schon mitgetheilt, bei Allen den begründeten Verdacht erregte, daß Adam nicht eines natürlichen Todes, sondern durch Vergiftung gestorben sei, so forderten seine Familie und seine Freunde eine strenge ärztliche Untersuchung. Die hierauf eingefeßte ärztliche Kommission bestand aus fünf Aerzten, von denen drei von Seite der Regierung und zwei von den Angehörigen Adam's berufen waren. Nach vollzogener Oeffnung des Leichnams lautete die ärztliche Aussage dahin, daß Adam an Pneumonia duplex( doppelte Lungenentzündung) gestorben sei. Das Hauptorgan, durch welches man das Gift konstatiren konnte, die Eingeweide, wurden gar nicht untersucht, sondern versiegelt nach Belgrad geschickt, angeblich um es dort einer chemischen Analyse zu unterwerfen. Selbstverständlich wird auch diese Untersuchung, gleich der der feigen, käuflichen Seelen, die sich noch zu Männern der Wissenschaft zählen wollen, fruchtlos bleiben. Aber man konnte etwas Besseres von diesen charakterlosen Männern, die im Dienste der Reaktion stehen, nicht erwarten; sie sind genug gebrandmarkt durch die Aussage des Volkes das sich zur Leichenöffnung zahlreich eingefunden hatte„ Wir glauben diesen Doktoren nicht, denn sie haben nicht den Muth, die Wahrheit zu sagen". So ist man bei der alten, von Adam selbst kurz vor seinem Tode geäußerten Ansicht geblieben, daß Adam durch Vergiftung gestorben sei, und es entspricht das auch ganz den Gepflogenheiten der Ristic'schen Regierung. Wie sehr Adam geliebt wurde, das jah man auch, als sich die Nachricht von seinem Tode verbreitete. Von allen Seiten strömte das Volf herbei, zum letzten Mal von ihm Abschied zu nehmen; Weiber und Kinder übersäeten ihn mit Blumen, die mit vergossenen Thränen getränkt waren. Adam ist nicht mehr, aber er wird durch seine Thaten ewig im Volfe leben! Wir wollen noch eine kurze Biographie Adam's geben. Adam wurde in Kopriwnitza, im Negotiner Departement geboren, besuchte zuerst die Schulen in Zajetschar und ging später nach Belgrad, wo er 1867 die philosophische Fakultät absolvirte. Nach der Aussage eines seiner Schulkollegen besuchte er fleißig die Vorlesungen, nur als die Prüfung herannahte, ging er nach Hause; er wollte sie nicht ablegen, damit er feine Zeugnisse bekäme, welche ihn später vielleicht in Versuchung führen fönnten, in den Staatsdienst einzutreten. So sprach er zu seinen Freunden und Adam sprach immer die Wahrheit. Er gehörte überhaupt zu jenen seltenen Menschen, welche nebst Charakterstärke auch den Muth haben, nicht nur für ihre Grundsätze und Ueberzeugungen zu kämpfen und zu leben, sondern bis in den Tod ihnen treu zu bleiben. Adam war ein Sohn des Volkes, er lebte im Volfe und starb für das Volf. Er war ein Mann von großer Begabung und seltener Charakterreinheit. In und außerhalb war er der energischste Gegner der tyrannischen und korrupten Ristic'schen Regierung. Adam war erst 36 Jahre alt; er hinterläßt ein untröstliches Weib und drei unmündige Kinder, deren ältestes erst sieben Jahre alt ist. Adam's Freunde und Gesinnungsgenossen haben ein Komite zur Gründung eines Unterstützungsfonds für die hinterlassene Familie Adams gewählt, welches unter den serbischen Sozialisten und den sich für die Opfer schändlichster Tyrannei interessirenden Genossen aller Länder Sammlungen vornehmen wird.( Wir sind leider nicht im Stande, wie wir gerne möchten und wie es die deutsche Partei zur Zeit ihrer öffentlichen Wirksamkeit in solchen Fällen stets mit Frenden gethan, Sammlungen zu eröffnen, da die Opferwilligkeit der deutschen Genossen unter den jetzigen schlimmen politischen und ökonomischen Verhältnissen ohnehin schon aufs äußerste in Anspruch genommen ist. Diejenigen Genossen aber, welche noch mehr zu thun im Stande sind, weisen wir auf das Vorstehende hin und erklären uns gerne bereit, etwaige Beiträge an die Familie Adam's der auch langjähriger Berichterstatter des ,, Volksstaat“ und„ Vorwärts" war zu vermitteln. D. Red.) Sprechsaal. Die Nr. 16 der Freiheit" enthält wieder diverse niedrige Angriffe und Sudeleien gegen die deutsche Partei und Parteigenossen; unter Andern auch eine Notiz, in welcher sie Berichte von hier die jetzt angeblich in einem Berliner PolizeiOrgan erscheinen sollen, in einen Zusammenhang zu bringen sucht mit den s. 3. im Parteiorgan erschienenen+ w- Berichten von hier. Als Verfasser der tw- Berichte mich bekennend und ausdrücklich bemerkend, daß ich auch heute noch jedes dort geschrie= bene Wort aufrecht erhalte und für die Wahrheit des Inhalts der Berichte eine ansehnliche Zahl von Zeugen aufweisen kann, kann ich nur erklären, daß das in Berlin erscheinende, in der " Fr." genannte Blatt mir gänzlich unbekannt ist. Im Uebrigen halte ich es mit meiner Ehre für unvereinbar, auch nur ein Wort der Rechtfertigung zu verlieren über die von der„ Fr." gegen mich gerichtete perfide Verdächtigung und zwar um so weniger, als ich überzeugt bin, daß Herr Joh. Most aus purer Bosheit und wider besseres Wissen handelt. Die tw- Berichte würden nach wie vor, und unbekümmert um gewisser Leute Merger, im Parteiorgan in derselben Weise wie früher forterscheinen, wenn nicht ich und mit mir andere Genossen der Ansicht wären, daß mit der Veröffentlichung des bisherigen der Zweck vollkommen erreicht sei, und weiteres Befassen mit gewissen Leuten denselben zu viel Ehre anthun hieße. London, den 18. April 1880. Letzte Post. H. Rackow. * Soeben bei Schluß des Blattes erreicht uns noch eine Nachricht, welche uns mit tiefer Trauer erfüllt. Der letzthin gelegentlich des falschen Gerüchtes vom Tod unseres Genossen Bracke aus gedrückte Wunsch, daß sich an ihm das Volkswort von dem Langleben des Todtgesagten bewähren möge, hat sich leider nicht erfüllt. Nachdem sich Brackes Zustand gerade in letzter Zeit erfreulich gebessert, erlitt er am 27. April abends einen Blutsturz, der den sofortigen Tod unseres Genossen herbeiführte. Wieder ist einer unserer Besten dahin, aber sein Name und Geist wird nicht so bald verwehen, denn das um seine Befreiung ringende Volk zählte ihn zu seinen treuesten Söhnen und hingebendsten Vorkämpfern! kommen. 1 Briefkasten der Expedition: Feldpost ganzes Bataillon Achtung! Erste Ladung gelöscht. Neue Addr. für Weiteres, wo Bedarf. Vorwärts! Zünder: Nachbestellung mit 17 besorgt. Barba: Reicht's und ist Tante nach B. fort? Anselmus: Bf. vom 12. am 14. loco verspätet erhalten. Inhalt vorgem.: 17 brachte dir Gewünschtes fomplet. Sand aufgebraucht. MM. 2 Flgfd. erh. 2 Bfe. und Sdg. abgg. 3. f. n. c. e. Alles erh. u. beachtet. Nachrichten willH- g i. Schls.: M. 3 Ab. II. Qu. hier. Flgbl. fort Welche Numm. fehlt? A. Rothwein. Bg. M. 3. erh. Alle Gelder an bek. Addr. hier her senden. Marder hat trotz Allem keine Hundenase. O. S. Hyn. M. 3. 50 durch E. F. für Ab. II. Qu. Prag: Wie steht's mit der Pyschen Sache? Vorgesehen, und Flgschft. erh. 10 in der Reichs- Zwischenhand gehapert. N. N. sonst Marderfraß! Methusalem: Signale hier und beachtet.„ Heauf Reisen" Seit 15 geht Alles an F. i. P., auch 8-14 dorthin nachgel. mit 17. Die ,, Harzer" stets fortgeg. H. Roßbg. Courtny: 1 Doll. erh. Ab. II. t. III. Qu. 80 damit geordnet. St. D. Peter: M. 15.( Cours Fcs. 18. 35.) am 23. dß. hier. Für Lll. mit 18 Beilage ges. Ferdinand: Bf. v. 21. am 23. Abds hier. M. 6. für I. u. II. Qu. 80 Ebrg. schon berechnet. Expreßpost am 25. an Dich fort. Gruß! Ph. Leber: Bf. mit 17 2c. 2c. fort, bald Bescheid senden! ††† himmeldonn : Verflirter Kommunist! Die enterbten Kleinen soll 2. bedenken. Melde sie dorthin. Dank und Gruß! Jo hannes B.: M. 3. erst am 24. dß. durch Sch. erhalten. Addr. v. G. fehlt, Fehlendes u. Flgbl. fort. R. Lthn. M. 2. für Mai u. Juni erh. Sdg. folgt wöchtl. Deutscher Verein Chur: Fcs. 2. Ab. II. Qu. erh. durch Pf. Lausitzer Rothhaut: M. 6. Ab. II. Qu. erh. A. B. n. T. G. gestr. X. Eft.: M. 7. Ab. II. Qu. u. R. B. erh. 14. 17. 18 zus. ges. Feldhauptmann: 2 P. Mbg./Bd. mit 17 erh., sofort an d. Empfänger der rothen Hauptration senden. Herzl. Grüße! R. K.( H. Vdd.) H. M. 4. 45. Ab. II. Qu. u. Schft. erh. Durch Schllg. verspätet bis 24./4. Sendungen erfolgen stets auf Gefahr des Empfängers. band H. D. Hg: M. 6. II.. III. Qu. 80 erh. u gebucht. Gruß! Pontifer": W. wird besorgt. Sdg. alle vier Wochen. Bei meiner Abreise rufe ich allen Freunden und Gesinnungsgenossen ein herzliches Lebewohl zu und bitte alle mit mir forrespondirenden Freunde, keine Briefe mehr an mich zu adreffiren, da sie als unbestellbar an den Absender zurückgehen müßten. Mit sozialdemokratischem Gruß! Hottingen- Zürich, 26. April. A L. Schilling, Spezereihandlung. Die Zukunft, Sozialistische Revue. Von diesem Werke werden durch Unterzeichneten unter entsprechender Bortovergütung folgende Hefte zu kaufen gesucht: 1. Jahrgang 1 Expl. vom 2. Heft; 2. Jahrgang 2 Expl. vom 3. Heft. Riesbach- Zürich. Verlag des ,, Sozialdemokrat". Schweiz. Vereinsbuchdruckerei Hottingen- Zürich.