Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Verlag A. Herter, Industriehalle Riesbach- Zürich Poffendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz fosten Doppelporto. M: N: 22. Der Sozialdemokrat Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Sonntag, 30. Mai. Avis an die Korrespondenten und Abonnenten des„ Sozialdemokrat". Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Abonnements werden nur beim Berlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Fr. 2. für die Schweiz( Kreuzband) Wit. 3. für Deutschland( Couvert) fl. 1. 70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder des Weltpoftvereins( Kreuzband). Zuferate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Gts. = 20 Pfs. 1880. als möglich an den" Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adreffiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung sett; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch kosten scheuen, um trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. " 514 Leier und Kriegstrompete. Ich wollte Lieder singen zum Lob für's deutsche Land, Ich griff in meine Leier sie sant mir aus der Hand, Und sprang in tausend Trümmer. Und wie sie vor mir lag, Da hört' ich, wie sie sterbend noch mahnend also sprach: Laß mich von hinnen scheiden, ich bin zu nichts mehr werth, ,, und statt in meine Saiten, greif männiglich zum Schwert; ,, Und nehm die Kriegstrompete statt meiner von der Wand, Und laß sie dröhnend schmettern hinaus ins deutsche Land, Auf daß ihr Ton, der grelle, zu Herrn und Knechten dringt. Blast laut fie mag sie bersten, nicht fassend all den Schall " " Blast mächtig, wie Held Roland im Thal zu Roncesval! ,, Und wenn einst durchgedrungen der Freiheit Donnerklang, Dann hab ich mir gesungen den schönsten Schwanensang." Georg Hammer. " Mittheilung. " " " " Nur eine Angabe der Freiheit" glauben wir für kurz beühren zu müssen. Die Freiheit" behauptet, daß die bekannte, verschobene Zusammenkunft von deutschen Parteigenossen die sie eine von den gesetzlichen Wegelagerern des deutschen Sozialliberalismus in Szene gesetzte raffinirte Nachahmung der Reichsparlamentskomödie", eine Vertrauensschwindelkonferenz" nennt ( anderer Ausdrücke zu geschweigen) deshalb vertagt worden sei, weil sich zahlreiche revolutionäre", d. h. die Wege der " Freiheit" gehende Sozialisten an ihr betheiligt und so den Züricher Arrangeuren" das Spiel verdorben hätten. Diese Behauptung ist von Anfang bis Ende eine grobe unwahr heit. Der hauptsächlichste Grund der Verschiebung ist einfach der Umstand, daß die deutsche Polizei von der Sache, bezw. Ort und Zeit wußte und daß die deutschen Genossen es nicht für sonderlich ersprießlich hielten, die Bismarckische Polizei in ihre Karten blicken zu lassen. Dieser Grund dürfte bei einigem guten Willen der Freih." wohl ebenso wahrscheinlich und einleuchtend sein, wie er es den in Deutschland lebenden Genossen war und ist. " Nur etwas guter Wille, dann sehen sich die Dinge ganz an ders an und dann wird auch die Durchführung des erwähnten Vorschlages nicht so schwer sein. 10 Jor Die Redaktion des" Sozialdemokrat" hat namens der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands an den Kongreß der belgischen stischen Arbeiterpartei Deutschlands an den Kongreß der belgischen Sozialisten, welche den letzten, leider im wesentlichen erfolglofen sozialistischen Weltkongreß zu Gent organisirten, ein brüderliches Begrüßungs- und Beglückungsschreiben gerichtet, in welchem sich Begrüßungs- und Beglückungsschreiben gerichtet, in welchem sich folgende Stelle findet: und Schulen abermals kühn die Initiative ergriffen haben. Möge ihr Beispiel in der ganzen sozialistischen Welt begeisterte Nachahmung finden, dann wird, dann kann der erstrebte Erfolg für unsere gemeinsame, große Sache nicht ausbleiben! Gedenktage des Proletariats. 21.- 28. Mai 1871. Es ist in diesen Tagen neun Jahre, daß in Paris die große Kommuneschlacht gekämpft, und die rothe Fahne des Proletariats noch einmal wie wir hoffen, zum letztenmal- niebergeworfen wurde. Jene Tage sind ernste Gedenktage des Prole tariats, an denen es sich das Vergangene lebendiger als sonst Zukunft lernen. ins Gedächtniß zurückrufen muß, damit wir aus ihm für die Gleich bei der Geburt von mächtigen Feinden umringt, die sie zu erwürgen suchten, hatte die Kommune einen ununterbrochenen Kampf um ihre Existenz zu führen. Mit der Rechten das andringende Heer abwehrend, blieb ihr nur die Linke zur Ordnung der inneren Angelegenheiten. Unter dem Druck der eisernen Nothwendigkeit, gehörte sie in erster Linie der Praxis, nicht der Theorie; und es zeugt von absoluter Verkennung der Umstände, wenn man der Kommune daraus einen Vorwurf machen will. Il fallait vivre. Sie mußte leben! Und um jeden Moment endgültig bem blutdürftigen Feinde abgerungen, dann war es an der Zeit, den Sozialismus im Großen zu verwirklichen. Bis dahin mußte man sich mit Gelegenheitsmaßregeln und Proklamirung der Prinzipien begnügen. Eine Reihe bekannter deutscher Parteigenossen hatte jüngst Gelegenheit, mit dem Redakteur der Londoner Freiheit", Joh. Most, mündlich eingehend Rücksprache zu nehmen. Unter dem Eindruck dieser Besprechung, bezw. der ihm in Betreff der Schreibweise der Freih.", sowie seines ganzen Vorgehens überhaupt gemachten Vorhalte gab Most selbst zu, daß er wohl zu weit gegangen sein könne, was freilich auch der Sozialdem. ge- Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! ihres Lebens kämpfen, sich ihn erkämpfen. Wurde das Leben than habe; und auf die hierauf von verschiedenen Genossenausgesprochene und sodann von sämmtlichen Anwesenden einstimmig zum Beschluß erhobene Aufforderung, die unsere Sache schädigenden fortwährenden Angriffe auf die Partei und die deutschen Genossen einzustellen, wies Most ein Einlenken nicht von Haus aus zurück, sondern bekundete vielmehr versöhnliche Gesinnungen und forderte eine Bedenkzeit zur reiflichen Ueber. legung. Es wurde hierauf der Vorschlag gemacht, daß die Angesichts der Verfolgungen, denen unsere Sache von Seite beiden wiederholt miteinander im Streit begrifaller heutigen Gewalthaber ausgesetzt ist, müssen wir alle die fenen Blätter, der Sozialdemokrat" und die so nothwendige Solidarität der Sozialisten aller Länder mehr " Freiheit", sich zur Prüfung und Bestätigung denn je betonen, und wir unsererseits wollen dieser Solidarität, dieser ihres guten Willens fortan jeglicher Feindselig Internationalität des Sozialismus hier Ausdruck geben. Fort teiten enthalten und die zwischen ihnen etwa be= mit allen nationalen Vorurtheilen, fort mit allen persönlichen stehenden prinzipiellen und tattischen Meinungs- Streitigkeiten, fort mit allen rein theoretischen Zwisten, die alle verschiedenheiten nur in sachlicher und versöhnennur unsern Feinden zum Vortheil gereichen und der sozialistischen der Weise zur Besprechung bringen sollen; wer Partei die Macht vorenthalten, welche ihr schon heute zukommt. von beiden die Feindseligkeiten durch angriffs Allenthalben zeigt sich die Nothwendigkeit eines gemeinsamen Hanweises over herausforderndes Vorgehen wieder beginne, der solle dann als böswilliger Friedenss störer betrachtet und dem entsprechend behandelt werden. Die Redaktion des Sozialdemokrat" kann diesem Vorschlag nur vollkommen beistimmen und spricht den aufrichtigen Wunsch aus, daß er auf beiden Seiten dem gleichen ehrlichen Willen begegne und so zu dem gewünschten Erfolge führe. Um ihrerseits mit guten Beispiel voranzugehen und ihre feste Absicht, der getroffenen Vereinbarung getreulich nachzukommen, zu beweisen, hat sie schon in Nr. 21 den Anfang gemacht und an dem Voß'schen Artikel„ Noch einmal die Pariser Affäre" verschiedene Streichungen und Milderungen vorgenommen, obwohl fie die fachliche Berechtigung des Gestrichenen keineswegs bezweifelte. Das Gleiche trifft auch auf die im heutigen Blatt enthaltene Erklärung des Londoner Kommun. Arb.- Bild.- Ver. zu. Die betroffenen Genossen werden die für die vorgenommenen Ver änderungen maßgebenden Gründe zu würdigen wissen und damit einverstanden sein; fernere Einsender aber wollen sich bis auf Weiteres nach dem Gesagten richten. " " Wir lassen uns in dieser gewissenhaften Auffassung des eingegangenen Waffenstillstandes auch dadurch nicht stören, daß die neueste Nummer( 21, vom 22. Mai) der Freiheit" in Angriffen, Beschimpfungen, Verdächtigungen und Verleumdungen gegen die deutsche Partei und deren Mitglieder geradezu Unglaubliches leistet. Denn obgleich die Möglichkeit für den augen blicklich von London abwesenden Redakteur der Freiheit", die getroffene Verabredung in Kürze nach London zu melden und auf deren Grund weitere Feindseligkeiten einſtellen zu lassen, vielleicht nicht ganz ausgeschlossen gewesen wäre, so redigirte doch thatsächlich Most diese Nummer nicht, sondern wurde die jelbe von A. Scheu zusammengestellt. Um so beſtimmter muß aber erwartet werden, daß sich das Ergebniß der erwähnten Besprechung in der Freiheit" von jest an zeige es deren Redakteur wirklich Ernst ist mit der Versicherung der Versöhnlichkeit und des selbstlosen Eifers für unsere Sache. Wir übergehen deshalb die unerhörten Dinge dieser Nummer mit Schweigen, um so mehr als wir es für gut gehalten haben, das in Frage stehende Blatt in einer Anzahl von Stücken den haupt: sächlichsten Parteiorten zur Beurtheilung zu senden; jedenfalls das geeignetste und zugleich gewiß loyalste Mittel, einer solchen Handlungsweise die richtige Beurtheilung der Parteigenossen zu fichern. wenn belns der Sozialisten aller Schulen und Nationen. Wir müssen der internationalen Organisation der Reaktion eine internatio nale Organisation des Sozialismus entgegenstellen. Die Bande der Sympathie und die gelegentlichen Verbindungen, welche uns jetzt vereinigen, genügen in dieser Zeit des erbitterten Kampfes nicht mehr. Es muß ein wohlorganisirter regelmäßiger und ununterbrochener Verkehr zwischen den sozialistischen Parteien der ganzen Welt geschaffen werden, ein dauerndes, sichtbares Band, welches uns alle umschlingt. Diese Vereinigung, welche noch vor drei Jahren auf dem Genter Kongreß- unmöglich war, drängt sich uns heute von selbst auf und ihre früheren Gegner sind die ersten, welche dies anerkennen. An's Werk denn, Genossen! Sprecht euren festen Wunsch nach einer solchen Vereinigung aus, und die Sozialisten der übrigen Länder werden euch darin folgen; und die deutschen werden dabei gewiß nicht zurück bleiben. Organisiren wir uns und der endgültige Sieg der gemeinsamen Sache des Proletariats der ganzen Welt wird nur eine Frage der Zeit sein. Unsere thätigste Mitwirkung ist euch, gleichwie allen, welche nach dem gleichen Ziele streben, sicher!" Der Kongreß nahm die Verlesung dieses Schreibens mit großem, allgemeinem Beifall und lebhaften Zurufen auf und beschloß folgende Antwort, die sofort an die Redaktion des„ Sozialdemokrat" zu Handen der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands abgesandt wurde: „ Die auf dem Brüsseler Kongreß versammelten Abgeordneten der sozialistischen Arbeiterpartei Belgiens danken ihren Brüdern in Deutschland für deren gute Wünsche, betonen mit ihnen die Nothwendigkeit eines gemeinsamen Handelns der( sozialistischen) Arbeiter der ganzen Welt und drücken den Wunsch aus, bald einen sozialistischen Weltkongreß dieses gemeinsame Handeln organifiren zu sehen" Es wurde dann auch sofort ein Ausschuß gewählt, welcher die nöthigen Vorarbeiten zur Organisation eines sozialistischen Weltkongresses in die Hände nehmen und nach Verständigung mit den sozialistischen Parteien aller Länder den Kongreß 1. 3. einberufen soll. Indem wir die weitere Besprechung dieser bedeutsamen Angelegenheit auf später verschieben, wollen wir nicht schließen, ohne unseren wackeren belgischen Genossen unsere volle Anerkennung und unsern brüderlichen Dank dafür auszusprechen, daß sie in dieser hochwichtigen Frage der Vereinigung der Sozialisten aller Länder Während der zwei Monate ihres Bestehens half die Kommune dem in Paris als Nachwirkung der Belagerung herrschenden außerordentlichen Elende wirksam ab; regelte das Ver hältniß der Arbeiter zu den Arbeitgebern nnd bahnte die genossenschaftliche Produktion an, organisirte die Volkserziehung, entzog der Kirche jeglichen Einfluß auf die Schule, und stellte die Lehrer ökonomisch unabhängig; sorgte für die öffentliche Sicherheit; Prostitution, indem man den wenig Verderbten unter den Proſtireinigte das moderne Seinebabylon von dem Schmutz der tuirten eine ehrliche Existenz ermöglichte, die übrigen nach Vers ſailles zu ihren gesellschaftsretterischen Patronen schickte; führte die allgemeine Voltsbewaffnung, mit Ausnahme eines stehenden Heeres, ein, schaffte die Todesstrafe ab. Paris wurde billiger und besser verwaltet als je zuvor; nie waren Person und Eigenthum so wenig gefährdet die Männer des Proletariats, welche die Leitung der Geschäfte übernommen hatten, bezogen den Lohn von Arbeitern und ließen die Schäße der Bank und Münze unberührt. Ordnungsparteien. Umsonst wurden von bürgerlich- demokratischer Und dabei unablässigen ruhelosen Krieg mit den Söldnern der Seite mehrere Einigungsversuche gemacht- Paris fonnte nicht die Republik, nicht sein Programm opfern; und die Vertreter der alten Gesellschaft konnten nicht dulden, daß der Sozialismus geworden, um so tödtlicher durch die Mäßigung des Pariser seine Lebensfähigkeit bethätigte; das Beispiel wäre ihr tödtlich Proletariats, welches die Sache der Humanität durch kein Verbrechen an der Humanität besudeln wollte das unverzeihlichste Verbrechen in den Augen der Bourgeoisie. Eine Kommune, die geraubt, gemordet, blödsinnige Orgien des Geistes und des Körpers inszenirt hätte, sie wäre von ihr gehegt und gepflegt, mit Millionen und Milliarden bezahlt worden, denn sie hätte die Sozialdemokratie todtgeschlagen. Doch diese Pariser Proletarier, welche die Bank nicht bestahlen, die Münze nicht ausplünderten, die Weiber nicht für Gemeingut erklärten, sondern umgekehrt einen fast donquixotisch- idealen Tugendkrieg gegen die Prostitution führten, sie paßten nicht in die beste der Welt der Bourgeoisie, fie mußten um jeden Preis aus ihr herausgeschafft werden. Der eingehegte Löwe mußte müde gehetzt und dann getödtet werden. Seit dem 3. April kein Tag ohne Scharmüßel, Gefechte, Ueberfälle, Bombardement. Freudig thaten die Arbeiterbataillone" ihre Schuldigkeit. Kein Zweifel, die militärische Leitung war in mancher Beziehung mangelhaft; denn wo große Armeen im Nu aus " dem Boden gestampft, improviſirt werden müssen, ist das nicht zu vermeiden! Troß all dieser Mängel ist die Bertheidigung von Paris durch die Kommune, nach dem Zeugniß kompetenter Militärs, eine Leistung, welcher die Kriegsgeschichte keine ruhm vollere gegenüberzustellen hat. Was den Führern an Geschicklichkeit abging, ersetzten bie Soldaten durch ihre Aufopferung. Seitens der Kommune beobachtete man im Kampf die ge wissenhafteste Menschlichkeit. Die Versailler fuhren fort, wie sie am 3. April begonnen hatten; sie mißhandelten, verstümmelten, tödteten die Gefangenen und Verwundeten. Im Intereffe der Selbsterhaltung entschloß sich die Kommune endlich, Geiseln zu nehmen, die für die menschliche Behandlung der den Versaillern in die Hände gefallenen Pariser bürgen sollten. Die Versailler, die Humanität ihrer Gegner kennend, .ummerten sich nicht um die Geiseln und mordeten weiter. Darauf| Volk, der Herz und Hirn auf dem rechten Flecke hat? Und hin ward in der Kommune der Antrag gestellt, einige der Geiseln als Repreffalien erschießen zu lassen, damit Thiers sehe, daß die Pariser Ernst machten. Damals erklärte der so schmachvoll verlästerte Raoul Rigault wörtlich:" Ich meine, daß wir auf die Mordthaten der Versailler mit Bestrafung der Schuldigen, nicht aber der ersten Besten antworten müssen; ich gestehe, lieber wollte ich noch Schuldige entrinnen lassen, als einen einzigen Unschuldigen verurtheilen, wie dies bei der Entscheidung durch das Loos geschehen würde." Dies schlug durch. Keiner der Geiseln wurde ein Haar gekrümmt und so lange die Kommune bestand, vergoß sie außer im Kampf keinen Blutstropfen. Die Der eingehegte, unablässig gehegte Löwe ermattete. Armee der Versailler war Dank des Vorschubs, den Fürst Bismard ihnen leistete, allmälig auf 120,000 Mann gebracht worden, das dreifache der vertragsmäßig festgesetzten Stärke. Am 9. Mai unterzeichnete Bismarck in Frankfurt den definitiven Friedensvertrag, dessen erster Paragraph lautete:„ Die franzöfifche Regierung zahlt die erste halbe Milliarde Kriegs: entschädigung dreißig Tage nach der Unterwerfung von Paris". Am 20. Mai wurde der Vertrag ratifizirt; als Fürst Bismarck am 22. durch Weimar fuhr, sagte er auf dem dortigen Perron: Wir haben die Versailler nach Paris hineingelas sen; sie mögen zusehen, ob sie sich darin halten." Am 21. waren die Versailler, unterstützt von Verräthern, im wobei die deutsche Armee Innern, in Paris eingedrungen ihnen in jeder Weise behilflich gewesen. Das Morden en masse begann nun: Heidenmüthig vertheidigte sich das Proletariat, acht Tage lang dauerte der furchtbare Todeskampf. Am 28. Mai, genau zwei Monate nach Proklamirung der Kommune, fiel die letzte Fahne des Proletarials auf dem Père Lachaise; 10,000 Kommunekämpfer waren auf der Barrikade gefallen zum mindesten die dreifache Zahl Verwundeter und Gefangener war von den Siegern niedergemacht worden, dazu viele Weiber und Kinder im Ganzen 50,000 Menschen. Dreißig Tage später zahlte Thiers getreulich an Bismard die stipulirten 500 Millionen- 10,000 Franken per Kopf. Das Blutgeld wars verdient! Die französischen Proletarier aber und ihre Brüder in der ganzen Welt mögen jene Tage und ihre Ereignisse nie vergessen und sich vor allem stets der Worte erinnern, welche General Gallifet( der heute der Freund Gambetta's und Kommandant deffelben Paris ist, welches vor neun Jahren der Schauplatz seiner mörderischen Schandthaten war) in jenen Tagen in seiner Proklamation an die Truppen sprach: Krieg ohne Waffenstillstand und ohne Mitleid!" ( Nach dem„ Volksstaat".) An das deutsche Volk. Volt! Wir, Deine Freunde, sind heute gezwungen, unsere Worte an Dich in Deine Hände zu schmuggeln; denn für das Volk und seine Rechte darf in Deutschland heute kein offenes Wort geschrieben werden. Ein schädliches Ausnahmegefeß, das die Mächtigen und Reichen zur Niederhaltung des Volkes gemacht haben, unterdrückt jede freigesinnte Zeitung, Schrift und Rede, um der Lüge und dem Verrath an den Volks- und Menschen rechten besto freieren Spielraum zu lassen. Wo immer Einer ehrlich und mannhaft in Schrift oder Nede für das mißhandelte Bolt eintritt, ihm seine Lage zum Bewußtsein bringt und ihm die Mittel zur Besserung derselben zeigt, den Mächtigen und Reichen ihre Unterdrückungen und Schandthaten vorhält und sie zur Ein und Umkehr auffordert: ben nennen sie einen verfluchten Sozialdemokraten, einen Räuber, Theiler, Familienzer störer, Reichsfeind und Königsmörder; die rohe Faust der Schergen legt sich auf ihn, man schleppt ihn von der Polizei zu Gericht, steckt ihn in den Kerker, und die Mastbürger ver höhnen und die Pfaffen verfluchen ihr... Zu List und Schleichen, zur Verborgenheit und Heimlichkeit sind des Volkes Freunde und Vorkämpfer heute gezwungen; gleich Verbrechern müssen sie des Tages Licht scheuen, während die wirklichen Verbrecher, des Boltes Schinder und Blutsauger, stolz auf dem Thron fitzen! Aber das Volk wird seine Männer auch im Dunkel erkennen und ihre Worte auch verstehen, wenn sie im aufgezwungenen Gewande der Gegner auftreten... Wie wäre es auch anders möglich! Braucht man denn wirklich ein Gelehrter, ein Studirter zu sein, um zu verstehen, wo das Bolt der Schuh drückt? Fühlt das nicht Jedermann aus dem Feuilleton. Revanche. Episode aus den Tagen der Kommune. Von Leon Cladel. Ohne Ruhepause dem Ansturm der Versailler Truppen ausgesetzt, hatten die Unbeugsamsten der Kommunalisten, die auf den Père- Lachaise geflüchtet waren, die, welche den Untergang ihrer theuersten Hoffnungen nicht überleben wollten, die ganze Nacht durchgekämpft, im Anfang Einer gegen Zehn, am Morgen Einer gegen Hundert. Endlich wurde der Eingang in den Kirchhof erzwungen und die Brigaden Vinoy's ergossen sich über die Stätte der Todten, in deren Mitte, aufgehißt über einer Art von Blockhaus, von Kugeln durchlöchert, das lezte rothe Banner der Kommune flatterte. Ein letztes Mal gilt es zu kämpfen und dieses Mal im hellen Lichte des Tages. Durch Laufgräben und Brustwehren mit einander verbunden, würden die Gräber, welche den Föderirten als Deckung dienten, ein festes und vielleicht uneinnehmbares Bollwerk gebildet haben, wenn es nicht an Munition und Artillerie gefehlt hätte; aber die wenigen Geschütze, die dorthin gebracht waren, hatten nicht einen Mann zur Bedienung und nicht eine Kartätschenladung mehr; die letzten Kanoniere waren getödtet worden, als sie ihren letzten Kanonenschuß abgefeuert, in demselben Augenblick, wo der letzte Sonnenstrahl auf dieſe Bestegten fiel, welche sich hier zusammengefunden hatten, um zu sterben auf diesem geheiligten Fleck Erde, wo ihre Väter und Größväter schliefen. Es war acht Uhr Morgens. Ein dumpfer Trommelwirbel und der Kommandant dieser Handvoll unbezwinglicher Rebellen, der es unternommen hatte, sich als Parlamentär zu dem kommandirenden General der regulären Truppe zu begeben, erschien zu Pferd vor einer der Oeffnungen des Blockhauses. " Ohne Bedingungen und fünfundzwanzig Minuten Frist!" berichtete er, nachdem er abgestiegen und indem er sich mit dem Elbogen auf eins der falt und unnütz gewordenen Geschütze stützte, die ihre leeren Schlünde den zweihundert Meter entfernt im Hinterhalt liegenden Belagerern zeigten. doch streiten sich die alten Parteien: Konservative, Nationallibe rale, Ultramontane, Fortschrittler, Unitaristen, Föderalisten, Freihändler und Schutzöllner, und wie sie sonst alle noch heißen mögen, im Reichstag und in der Presse jahraus jahrein herum. Aber all diese Fürsten und Grafen, diese Minister und Gene rale, Beamten und Advokaten, Fabrikanten und Rittergutsbefizer, Bürgermeister und Pfaffen, die an der Spiße der alten Parteien stehen und in der angeblichen„ Volksvertretung" das große Wort führen: was wissen sie von des Volkes Leid, von seinen Be dürfnissen und Sorgen? Sind sie je für sich und um ihre Fa milie in Kummer um das tägliche Brod gewesen? Haben sie je Noth und Hunger gelitten? Hat man ihnen je für unbezahlte Steuern das letzte Hab und Gut weggenommen? Haben sie je die Kraft ihrer Knochen, die Arbeit ihrer Hände an wucherische Ausbeuter verkaufen müssen? Nein und abermals nein! Sie leben alle ohne die tausend täglichen Sorgen des Handwerkers, des Lohnarbeiters, des Bauers; denn das gute Volk muß sie alle ernähren und erhalten... Wozu wäre denn dieses, rohe"," gemeine", dumme" Volk da, als um den Fußschemmel für die Spitzen der Gesellschaft, für die Herrschenden Klassen zu bilden, für sie zu arbeiten, Noth und Entbehrungen zu ertragen? Nein, die herrschen den Parteien, die Mächtigen und Reichen, wissen von den Bedürfnissen des Volkes nichts! Das kann nur der, welcher selbst zum Volk gehört und mit ihm lebt und denkt und arbeitet! Wüßten die Großen aber auch, was das Volk braucht so könnten, " ſo wollten sie ihm boch' entrecht nicht helfen; benn ſonſt würden sie ihre eigene Schmaroßer Existenz auf's Spiel setzen, sie würden ihrer eigenen Vorrechte, ihrer eigenen Macht und Herrlichkeit Todtengräber sein. Uebertriebener Reichthum auf der einen Seite ist nur durch Armuth auf der andern, Bevorrechtung nur durch Rechtlosigkeit möglich. Die Freiheit kann nicht neben der Knechtschaft bestehen. Deßhalb sind die Großer und Reichen und vom Volk Lebenden des Voltes nothwendige Gegner und Feinde und werdens bis zum Ende bleiben... Ebendarum und weil diese Politik auch der Ungelehrteste begreift, liegt es klar auf der Hand was das Volk zu thun hat. Die Lage ist einfach und klar diese: Auf der einen Seite stehen die herrschenden Klaffen: der Adel, die Pfaffen, die hohen Beamten, die Fabrikanten, die Großhändler, großen Gutsbesitzer, Geldleute, kurz alles, was Macht, Reichthum, Ansehen und Einfluß besitzt und immer noch vergrößern will. Und auf der andern Seite steht das Volt, die große, überwiegende Masse der Bevölkerung, die alle Werthe und Reichthümer schafft, alle Arbeit verrichtet, alle Lasten trägt, alle Dienste leistet und doch weder Wohlstand und Macht befißt, sondern von jener Handvoll " Herren" ausgenüßt und kommandirt wird! Ist das recht? Soll das immer und in Ewigkeit so bleiben! Jeder Vernünftige wird mit Nein antworten! Denn was nüßen uns denn alle gewal: tigen Kulturfortschritte unserer Zeit, die großen Erfindungen und Entdeckungen, der sich immer weiter ausdehnende Handel und Verkehr, die Durchstechung von Landengen und Gebirgen, die was nüßt das alles, wenn wir, das fortschreitende Bildung Volk, dadurch unsere wirthschaftliche und politische Lage nicht nur nicht verbessern, sondern stetig verschlechtern? Oder befinden wir uns heute wirthschaftlich besser als früher? Im Gegentheil: die Geschäfte gehen immer schlechter, der Arbeitslohn sinkt immer mehr, die Arbeitslosigkeit will kein Ende nehmen, die Preise der Lebensmittel steigen immer mehr, die Steuern und der Militärdienst wachsen ins Unabsehbare, Konkurse und Bankrotte, Zahlungsunfähigkeit, Pfändungen, wirth schaftlicher Ruin, wohin man blidt; Tausende und Zehntausende früher auskömmlich lebender kleiner Geschäftsleute, Handwerks. meister, Bauern werden durch Geschäftsmisere ,, Schwindel und Steuerdruck in die besitzlose Klasse, ins Proletariat hinabgeschleu bert, und die Massen verarmung macht riesenhafte Fortschrittte! Nur noch wenige Jahre, und es wird unter den 42 Millionen Deutschen nur mehr eine halbe oder viertel Million Menschen geben, welche allen Reichthum und alle Macht in ihren Händen vereinigen, während die übrigen Millionen eine gleichmäßige befiz- und machtlose Masse sind. " faum das Maul aufthun, ohne daß man ihm empfindlich darauf schlägt, Versammlungen und Vereine sind dem Volk verboten, die Presse verschließt sich seinen Klagen, die Landtage und der Reichstag, diese angeblichen Volksvertretungen", thun das Gleiche und sie und die Regierung hören nur die Großen und Reichen! Belogen und betrogen haben die Herrschenden das Volk zu allen Zeiten, und belügen und betrügen und mißhandeln es noch heute, und heute gerade am allermeisten und allerschändlichsten! Das Volk ist heute rechtloser und verachteter denn je! Es ist Nichts, während es doch Alles sein sollte! Ja Alles, denn die sogen.„ höheren Klassen" find Nichts ohne es, weil aller Reichthum und alle Macht vom Volt allein kommt. Soll das Volk immer nur für fürstliche, adlige, pfäffische und fapitalistische Schmaroßer schaffen? Nein! Wenn es nicht in Elend und Ohnmacht verfommen soll, muß es seine an geborenen Rechte zur Geltung bringen und denen, welche unverschämter Weise seine Herren spielen, und sie in seine Hände nehmen, um sie zu seinem Vortheil, zum Wohl der Gesammtheit zu benutzen, um vermittelst ihrer eine Staats- und Gesellschaftsordnung einzuführen, welche allen Staatsangehörigen gleiche Rechte und gleiche Pflichten gibt, welche jedem die Früchte seines Fleißes sichert, welche jedem ehrlichen Arbeiter die Möglichkeit einer menschenwürdigen Eristenz gewährleistet und das Volk wirthschaftlich und politisch zum Herrn seiner Geschicke macht! Und das Volk kann das leicht; es braucht nur zu wollen. Denn wer könnte sich mit ihm an Straſt meſſen, jo bat es einig ist? Freilich, da liegt der Hacken! Denn während die Unterdrücker und Aussauger des Volfes über ihre Interessen mit sich im Klaren und untereinander einig sind, herrscht im Volk leider noch immer die größte Unwissenheit, Beifahrenheit und Uneinigkeit.... Die einen halten die Regierung, die andern die Pfaffen, die dritten die Liberalen, die vierten die Fortschrittler für ihre Freunde; wieder andere, die es wohl einschen, daß die Herrschenden alle nichts tauger, legen die Hände in den Schooß und meinen, daß sie doch nichts ändern könnten u. s. f. Und diese Uneinigkeit allein ist es, welche den Feinden des Voltes die Macht gibt! Raffe Dich auf, o Volt, erkenne Deine unerträgliche Lage, wende Dich ab von all' den Betrügern, die Dich so lange genaurt, höre feinen mehr an und begreife, daß die Hilfe nur von Dir selbst kommen kann. Höre auf Deine einzigen Freunde, auf Deine muthigen Vorfämpfer, höre auf die Sozialdemokraten! Warum unterdrückt, warum verfolgt man diese, warum ferfert man sie ein, warum macht man sie mundtodt? Weil sie das Volk befreien und ihm den sichern Weg aus seinem Elend und seiner Ohnmacht zum Glück und zur Freiheit zeigen! Höre deshalb aufmerksam auf ihre Worte, lese ihre Schriften. Höre auf diese Deine Freunde, vereinige Dich mit ihnen und sei überzeugt, daß Dein Elend nur mit Abschaffung der politischen und wirthschaftlichen Bevormundung, Beherrschung und Ausbeutung ein Ende nehmen kann. Schließe Dich zu diesem Zweck allerorten fest zusammen, sammle Dich zu einer festgegliederten, unwiderstehlichen Macht und bereite Dich so vor auf den Tag, wo Du Deine alten Rechte nicht zurück bitten, sondern gebieterisch zurückfordern wirst. Und ist der Becher Deiner Leiden zum Ueber fl eßen voll und bist Du bereitet: dann fordere die Herrschenden und Neichen auf, ihre unrechtmäßige Macht nieder und in Deine Hand zu legen; und wenn sie sich dessen weigern, so zwinge sie dazu! Denn beim Volk wohnt Alles Recht und der Allgemeinheit Wohl ist das höchste Gesetz! Handle so, o Volk, dann ist die Zeit Teiner Erlösung nicht ferne! Hellroth oder blaẞroth. 101011 Geschichte einer jozialistischen Flugschrift. Die Genossen erinnern sich wohl noch einer in Nr. 13 enthaltenen Warnung vor einer gegnerischen, auf frechen Bauernfang berechneten Sudelschrift, welche der reaktionäre Buchhändler Hermann Leuschner in Magdeburg unter dem betrügerischen Titel:„ Der Sieg der Sozialdemokratie oder die Idee Deutschland als Republik. Von einem Parteifreunde" herausgegeben hat. Ebenso verhält sich's in politischer Beziehung. Was haben die alten Parteien und die Regierungen dem lieben Volk nicht schon alles, an Freiheiten und Rechten versprochen, wenn sie feiner Hülfe bedurften, wie z. B. beim 1870/ 71er Kriege?! Und was hat das Volk dann bekommen? Was war der Dank? Mehr denn je regiert der Gendarm und das Beamtenthum, die Lande behörden und die Reichsregierung und über allen der allmächtige Schandblatt, macht, daß Ihr Arbeiter Revolution, verlangt. Glaubt Ihr Bismarc in die kleinsten Dinge mischt sich und kommandirt die Polizei; das Volk aber darf zur Wahrung seiner Interessen Jeder hörte diese düsteren Worte„ Ohne Bedingungen!" Das væ victis aller Bürgerkriege, wehe den Besiegten! Und fühlend, daß die Stunde gekommen, für die Ueberzeugung zu sterben, zu der sie sich, die Waffen in der Hand, bekannt hatten, stießen seine Kampfgenossen wie aus einem Munde den Ruf aus:„ Es lebe die Kommune!" Und dröhnend braufte der Ruf durch die Stadt des Schweigens und der Todten! ,, Verlest die Namen, Bürger, und zählt die Patronen." Und der Mann, welcher den Trümmern der drei Föderirten- Bataillone, die unter seinem Befehl standen, das Recht des Stärkeren hatte verkünden müssen, kreuzte die Arme über die Brust und beobachtete, während man die von ihm angeordnete doppelte Auszählung vornahm, faltblütig seine Waffenbrüder, die unerschrocken waren, wie er und wie er zum Tode verurtheilt. Er war noch nicht alt, 40 Jahre höchstens, von hohem Wuchs, jeurigem Blick, fester Haltung, mit den Händen des Arbeiters, das dichte Haar schwarz, und kurz geschnitten und der Schnurrbart weiß wie Schnee. Er trug das Käppi der Legionsführer mit vier Tressen. Ein weißes Taschentuch mit Blutflecken bedeckt, war um seinen Kopf geschlungen. Vor fünf Tagen, während der Kanonade von Neuilly war er unter der Porte Maillot von einem Granatsplitter getroffen worden. Eine Stimme ruft: ,, Dreihundert Mann, davon zweihundert und sieben verwundet und tausend Patronen!" ,, Also dreiundneunzig Kampffähige, antwortete er und zehn Patronen für jeden"; dann auf seine Uhr sehend, fügte er hinzu:" In einer Viertelstunde, Bürger, werden die Versailler hier sein, bereite sich jeder von Euch, mit Ehren zu sterben!" Nachdem sie vergeblich Alles gethan, um den Sieg zu erringen, waren die Föderirten zum Sterben bereit, von einem achttägigen Kampfe erschöpft, von einer regnerischen Nacht erstarrt, bleich, mit Koth besudelt. Die jüngeren, diejenigen, welche während des preußischen Kriegs in die Marschbattaillone der Nationalgarde eingereiht waren, je mit einem jener langen Mäntel von kastanienbrauner, eisengrauer oder dunkelgrüner Farbe bekleidet eine sonderbare Uniform, in welcher unsere Milizen fremden Kohorten gleichen, die älteren ehemalige Bürgergardisten der seßhaften Bataillone, die während der Belagerung den Dienst auf den Wällen und Dieses eben so plumpe als gemeine Machwerk begann mit einigen sympathisch flingen sollenden Phrasen, um gleich auf der zweiten Seite den reaktionären Bockfuß zu zeigen. Nur der Schnaps, heißt es in diesem vielleicht, daß Euch mit einer Revolution geholfen wäre?" Was versteht Ihr denn überhaupt von Revolution und von der Politik im Allgemeinen? in den Straßen versehen hatten, meist in der altgewohnten Uniform der Bürgerfoldaten mit den drei Farben Frankreichs: blauen Waffenrock mit weißen Metallknöpfen, blauen Beinkleidern mit breiten scharlachrothen Streifen, weißen Kamaschen und blauem Käppi mit rother Borde so furchtbar und prächtig in ihren blutigen, kothbespritzten, zersetzten Kleidern rüsteten die Föderirten sich allesammt, Greise, Männer, Jünglinge zu dem letzten Kampfe! Diejenigen unter ihnen, welche zu schwer verwundet waren, um mitkämpfen zu können, wurden in die Todtengewölbe getragen, welche sich im Bereiche des Blockhauses befanden; diejenigen, denen ihre verhältnißmäßig leichten Wunden noch ein Gewehr abzuschießen erlaubten, postirten sich in den Gräben oder hinter den Brustwehren, welche die Zugänge zu dieser armseligen, in der letzten Nacht hastig errichteteten Zitadelle vertheidigten; die dreiundneunzig unversehrten Männer endlich umgaben schweigend ihren Anführer. Festen Blicks und stolz erhobenen Haupts, erwarteten sie, auf ihre Flinten gestützt, unerschütterlich den Feind, Franzosen, ach! wie sie und wie sie Proletarier! ,, Halt! Wer da?" Auf diesen Zuruf erfolgte feine Antwort; dann schmetterte ein Pariser Trompeter in die von der aufsteigenden Sonne erhellte Luft. Auf dieses Alarmsignal eilte der Legionsführer nach dem Punkte, woher es ertönt war und sah sich dort einem Weibe gegenüber, welches zwei Schildwachen nach dem Blockhaus geleiteten. " Du!" rief er, indem er sie sofort erkannte," Du?" Halb nackt, ganz außer Athem, die blauen Augen funkelnd, das Geficht weiß wie Wachs, das weiche, wellige Haar über Busen und Schultern fallend, machte sie schwankend Halt und indem sie die kleine Last, die sie, in einem wollenen Unterrock gewickelt, auf den Armen trug, sacht an sich drückte, sagte sie endlich: Ja, ich bin es, ich komme, um mit Dir zu sterben, Çardoc." Cardoc, der nicht eine Miene verzogen hatte, dessen zusammengepreßte Lippen aber die innere Bewegung verriethen, schloß sie schweigend in seine Arme, und diese beiden Liebenden, diese beiden Gatten hielten sich leidenschaft lich umschlungen und durchlebten in einer einzigen Minute ihr dahingeschwundenes Glück. ( Fortsetzung folgt.) Wer über Politik urtheilen will, muß ein Gelehrter sein; Ihr Arbeiter aber seid geistig Unmündige, dumme Tröpfe! Mit der Politik verdient Ihr keinen Pfennig und werdet noch der hohen Polizei mißliebig. Laßt daher das unnütze Geschwätz über Dinge, die Ihr nicht versteht und die Euch nichts angehen. Die Politik, das Regieren, das Kommandiren und Machtgenießen ist die Sache der Großen, der Fürsten, Minister, Beamten, Advokaten, Fabrikanten und Reichen; Eure Sache ist es, zu arbeiten, zu dienen, Steuern zu zahlen, Euer Blut im Kriege zu vergießen, zu hungern und im Uebrigen das Maul zu halten! Was schwätzt Ihr von Noth, schlechtem Verdienst, Arbeitslosigkeit, ungerechten Gesetzen, von Unterdrückung und Ausbeutung an allen Ecken und Enden, von schlechter Staats- und Gesellschaftsverfassung? Seid Ihr doch an allem Eurem Elend selbst schuld. Ihr Arbeiter seid faul, unverschämt, verschwenderisch, wollt Euch göttlicher und menschlicher Zucht nicht mehr fügen und seid mit allem unzufrieden. Da geschieht Euch Pack ganz Recht, wenn Ihr von Kaiser und Reich, von Bismarck und Polizei, von Arbeitgebern und Geldproßen aller Art gedrängt und gedrückt und geschunden, wenn Ihr werdet! Kehre zurück, Pöbel, in Deine alten Fesseln, schlage Dir die Flausen von gleichem Recht mit den herrschenden Klassen, von Erlösung aus den Jahrtausende alten Banden, von Freiheit und Glück aus Deinem dummen Kopf und überliefere Dich der Gnade Deiner Herren, der Großen und Reichen! den Präsidentenstuhl derselben gesezt hatte, um sie zu verrathen. Die faktische Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und die unumschränkte Herrschaft der Eisenbahn- und Bankbarone in den gesetzgebenden und vollziehenden Behörden scheinen uns diese Schlußziehung zu rechtfertigen. Die Säbelraßler scheinen übrigens in ihrem innersten Herzelein- sofern sie überhaupt so was haben selber so zu denken, da sie den„ Sozialdemokrat" zu ihren Gegnern zählten, ohne ihn gesehen zu haben. Uebrigens haben die Herren, mit oder ohne Absicht, ihre Statistik auch abgesehen von uns- schlecht gemacht. Die Die « Revue» von Lausanne schreibt: Die fünf Zeitungen, welche gegen das Projekt geschrieben, seien( so sagen die Obersten) zwei sozialdemokratische Blätter in Zürich, der« Nouveliste vaudois» und zwei ultramontane. Wenn unsere Offiziere die Revue der nicht nur mit Ruthen gezüchtigt, sondern mit Skorpionen gepeitscht Truppen ebensogut pasfiren wie diejenige der Zeitungen, so können wir ihrem Scharfblid keine große Bewunderung zollen. Von den waadtländischen Blättern haben sich alle gegen die Toquade ausgesprochen, ebenso der« Democrate» von Delsberg( welcher schon bei Berathung des Militärgefeßes die Heißsporne mit Kübeln voll Wasser überschüttete). Was die Ultramontanen be trifft, so preffiren fie mit dem Sprechen nicht, allein ihre Politik riecht nach Kompromiß, und wenn, wie nicht anders möglich, die Befestigungen mit Hülfe der Ultramontanen erbaut werden, so geschieht es auf Kosten der Demokratie und des Fortschritts, und dann können gewisse Dandins, indem sie Befestigungen auf ihrem Bauch errichten sehen, ausrufen:« tu l'as voulu!» Das war so ungefähr des acht Seiten langen Papieres furzer Sinn. Daß ein solches Preßerzeugniß den deutschen Polizei und Regierungsmännern aus der Seele geschrieben war und ihrer thatkräftigen Förderung sicher sein konnte, ist klar. Und der Verleger der famosen Schrift, der außer dem patriotischen" Zweck auch noch einen hübschen Gewinn erzielen wollte, verfehlte in richtiger Kenntniß der heutigen deutschen Rechts" verhältnisse auch nicht, sich um diese Förderung, um die hohe Protektion der Regierung zu bewerben. Er sandte das Manuffript an den Polizeipräsidenten von Magdeburg, v. Arnim, indem er es mit folgenden Worten begleitete:" Ew. Hochwohlgeboren überreiche ich anliegend das Manuskript einer durch den Druck zu vervielfältigenden Broschüre, welche in konservativem Sinn das Wesen der Sozialdemokratie bespricht und deren Anhänger im Interesse des allgemeinen Wohles(!) zu beeinflussen sucht. Ich war gezwungen, Titel und Anfang scheinbar sozialdemokratisch zu halten, damit das Heftchen auch in diejenigen Hände fomme, für die es bestimmt ist. Bevor ich dieses Manustript dem Druck übergebe, lege ich es Ew. Hochwohlgeboren mit der Bitte vor, den Titel zu gestatten(!) und etwaigen durch denselben seitens der Exekutivbeamten entstehenden Vertriebshindernissen gütigst vorzubeugen." Natürlich traf der Verfasser des edlen„ Werkchens" in dem Polizeipräsidenten eine verständnißinnige, gleichgesinnte Seele und es erfolgte daher nicht nur schon am selben Tage die Antwort,„ daß polizeilich dem Druck nichts entgegenstehe"( man sieht, daß wir bereits wieder auf einem kleinen Umweg zur seligen Zensur gelangt sind!), sondern der Polizeipräsident erwies dem„ Werkchen" sogar die Ehre, Mitarbeiter an ihm zu werden, indem er auf Seite 6 und 7 einige Bemerkungen einschaltete. Nun schien dem massenhaften Vertrieb, bezw. der Volksbeschwindelung im Großen nichts mehr im Wege zu stehen. Man machte fünf oder sechstausend Abzüge und versandte dieselben dann mit einer Wiedergabe der polizeipräsidentlichen Druckerlaubniß an die Buchhändler zur schleunigen Verbreitung im patriotischem Interesse bei hohem Rabatt." Aber man hatte die Rechnung ohne die Sozialisten gemacht, die nicht willens waren, den Schwindel ungestraft ausüben zu lassen, sondern schnell entschlossen waren, den Stil umzudrehen, den Gegnern die Waffe aus der Hand zu reißen und sie gegen ihre Verfertiger zu fehren. Im Laufe weniger Tage nach Erhalt des Wisches und noch vor der Ausgabe desselben an die Buchhändler wurde eine Broschüre hergestellt, welche der vom Polizeipräsidenten privilegirten im Umschlag und auf der ersten und letzten Seite täuschend nachgeahmt war, so daß sie nicht nur auf den ersten Anblick, sondern selbst bei flüchtigem Ueberlesen der nicht aufgeschnittenen Blätter von der reaktionären Schwindelschrift nicht zu unterscheiden war. Im Innern aber fand sich eine fulminante ,, Brandpredigt gegen die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung"," wie es die über diesen gelungenen Streich withenden Gegner jeßt nennen. Die Genossen finden dieselbe ihrem wesentlichen Inhalt nach in dem Artikel der heutigen Nummer„ An das deutsche Volk!" Die so ausgestattete sozialistische Broschüre wurde in etwa 25,000 Abzügen zur gleichen Zeit wie ihre reaktionäre Doppelgängerin ausgegeben und gelangte, da sie allenthalben für die polizeilich befürwortete Schrift gehalten wurde, unter dem Schuh der Polizei ungehindert, ja zum großen Theil an Stelle der letteren in ganz Deutschland zur Verbreitung, so daß sich die überschlaue Polizei mit ihrem eigenen Messer geschnitten und selbst den Sozialisten eihen vortrefflichen Weg zur Propaganda im deutschen Volk geliefert hatte! Und wie gründlich derselbe ausgenützt werden konnte, zeigt die Thatsache, daß die weise Behörde erst jetzt, nach mehr als zwei Monaten, auf die Sache gekommen ist und zum Verbot schreiten founte. Und sauer genug ist ihr letzteres geworden; denn wie die sozialistische Nahrung verbieten, ohne die ganz gleiche reaktionäre mitzutreffen? Das Verbot bermag denn auch kein anderes äußeres Kennzeichen anzugeben, als daß die Farbe des Umschlags hellroth statt blaßroth" sei. Wie viele Polizisten werden aber entwickelten Farbensinn genug haben, um diese heitle Unterscheidung machen zu können? Da wird wohl am Ende nichts übrig bleiben, als daß die Regierung den ganzen Wortlaut der verfehmten und doch so schwer faßbaren Schrift zum Abdruck bringt. Wenn sie das aber nicht will, wird die sozialistische Brandschrift" im gegnerischen Gewande wohl noch lange in Deutschland Verbreitung finden und das„ konservative Interesse", wie das besondere Interesse des reaktionären Magdeburgers gleich schlechte Geschäfte machen. " Im ganzen sozialistischen Lager erschallt selbstverständlich ein Hohngelächter über die weise Polizei, die in die Andern gegrabene Grube ſelbſt so gründlich und schmerzlich hineingefallen ist Die von den Reaktionären angegaffte„ sozialistische Findigkeit" dürfte aber damit ihr Ende noch nicht erreicht haben, sondern durch den erzielten Erfolg nur zu weiteren Unternehmungen angespornt werden. Sozialpolitische Rundschau. Schweiz. Republikanischer Militarismus. " In der seit einiger Zeit ventilirten Frage der schweizerischen Landesbefestigung haben eine Anzahl Ober- Kriegsgurgeln das Verhalten der Blätter in dieser Hinsicht statistisch rubrizirt. Dabei heißt es:„ Die zwei in Zürich erscheinenden sozialdemokratischen Organe bekämpfen mit aller Entschiedenheit das Projekt"; wozu die Züricher Post" bemerkt, der Sozialdemokrat" habe sich in der Frage ihres Wiffens gar nicht ausgesprochen. Es ist richtig, daß wir uns damit bis jetzt nicht beschäftigten, weil die Frage für ein internationales Organ der Sozialdemokratie von sekundärer Bedeutung ist. Wenn wir aber bei dieser Gelegenheit unsere Meinung furz sagen sollen, dann ist es die: " Die Landesbefestigung wird der Schweiz nichts nüßen, ist vielmehr die reinste Fronie, so lange man das Asylrecht schändet, die wahren Republikaner des Auslandes ihren Feinden ausliefert, gemeinsam mit den Kaisein und Kartätschenprinzen die republitanische Bewegung in den Nachbarländern- die beste Ver theidigung der Schweiz gegen monarchische Gelüfte von Außen niederdrückt. Bei dieser Sorte Politik würden die Befestigungen vielmehr für das Schweizervolt das werden, was die vom königlichen Minister Thiers begründeten Befestigungen von Paris für bes letteren Einwohner wurden, als dieselben die Republik gegen ben gleichen Thiers vertheidigen wollten, ber sich unterdessen auf Wir zitiren diese Stimmen gerne zur Erinnerung, daß der Entscheid nicht bei einem Halbbutzend Obersten, sondern beim Volk liegt. Deutschland. " * Als neuestes Ereigniß der genialen" inneren Politik Bismarcks und ein Markstein der staatlichen Entwicklung Deutschlands liegt jetzt der lange besprochene aber gegen die Vermuthung aller Parteien ausgefallene Gesetzentwurf zur Einleitung des Endes des berühmten Kulturkampfes", die Ver Kulturkampfes", die Ver. ordnung über die Benützung des neuregulirten Weges nach Canossa vor. Wir haben keinen Raum, um unsere Leser mit den Früchten der gesetzgeberischen Weisheit der deutschen Regierung eingehender bekannt zu machen; es ist aber auch gar nicht nöthig, denn wenn man die elf Paragraphen des Ent. wurfes aufmerksam liest, so fommt man zu der Ueberzeugung, daß die ganzen langen Ausführungen eigentlich vollkommen überflüssig sind und woh! durch einen einzigen Paragraphen ersetzt werden könnten:„ Die Regierung hat das Recht, die Maigesetze zu beachten oder zu ignoriren ganz nach ihrem Belieben." Gegen Uebertretungen der Maigeseze darf nur der ( von der Regierung befehligte) Oberpräsident Klage erheben, die gerichtlich abgesetzten Bischöfe können durch die Regierung wieder eingesetzt werden u. s. f. alles nach administrativer Willkür. Man sieht, es ist System in der inneren Politik Bismarcks: das Sozialistengesetz, die indirekten Steuern, das Canossagesetz und die folgenden-die Regierung hat das Recht, die Geseze zu beobachten oder nicht, ganz nach ihrem Gutdünken zu handeln; und alles das vollkommen, verfassungsund gesetzmäßig". Was diese Verfassungen doch für eine schöne Einrichtung sind für findige Staatsmänner! Das Interessanteste ist übrigens, daß die katholische Pfaffenschaft, welcher der Appetit im Essen kommt, das Angebot der Regierung furzweg abweist, oder doch vorläufig sich anstellt, als ob es für sie unannehmbar wäre. Welches Schicksal die Vorlage demnach in dem neuzusammenberufenen preußischen Landtag haben wird, läßt sich noch nicht berechnen spielt da boch so viel hinter den Koulissen. so viel hinter den Koulissen. Was uns betrifft, so haben wir nicht allzuviel Interesse an der Sache. Schaden tann uns der Ausgang weder so noch so, vielmehr wird er auf alle Fälle zur Zersetzung und Versumpfung der Parteien und Verhältnisse wesentlich beitragen, zu unserem Nußen. " th. Reutlingen, 19. Mai. Sechs Mann hoch: ein Amtsrichter nebst Schreiber, der Stationskommandant mit zwei Gendarmen, sowie der Polizeiwachtmeister drang heute früh gegen 8 Uhr die heilige Hermandad in die Wohnung unseres Gen. Fehleisen ein, um sofort das ganze Haus von oben bis unten aufs sorgfältigste durchzustöbern. Ein mitgenommener „ Reichsbürger", sowie eine„ Leipz. Boltszeitung" vom vorigen Jahre wurden am Abend desselben Tages zurückgegeben; behalten wurden einige Handschriften des Delinquenten, sonst wurde Nichts gefunden. Wie es scheint, handelt es sich um Verbreitung eines Ungeziefer- Tod" betitelten Flugblattes und wird die morgen den 20. ds. in Tübingen stattfindende Untersuchung wohl Näheres zu Tage fördern. Viel Worte über eine im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in Deutschland alltägliche Geschichte zu verlieren, wäre lächerlich. Es soll blos konstatirt werden, welch efelhaftes, schuftiges und erbärmliches Gesindel die niederen Polizeihunde sind. Hatte z. B. der Amtsrichter schon sämmtlich Kinderspielzeuge, Schulranzen, Betten, Dienstbotenschränke, Nachttisch, schmutzige Wäsche u. dergl. u. dergl. untersucht, namentlich auch die Wände gemessen und deren Resonanz geprüft, hatte der Stationskommandant mit seinem langen Spieß die größten Staubwolfen unter den Kästen hervorgezaubert: so entdeckte sicher der naseweise Schreiber noch irgend einen vergessenen Winkel, auf welche er die Aufmerksamkeit seines Borgesetzten lenkte. Nur zu gut ist männiglich bekannt, daß Jedermann auch hat einmal einen Hang zum Küchenpersonal". Doch nicht um holde Minne war es dem wackern Gesellschaftsretter zu thun, der mit raschem und kühnem Griff sich eines vom Feueranzünden auf dem Boden der Küche liegen gebliebenen, geheimnißvoll zusammengeknitterten Papierchens bemächtigte, sondern schon mehr um eine allerhöchste Belobigung oder gar um eine Medaille, oder einen Orden! Die Untersuchung des Kellers war eben beendigt, als der dicke Wachtmeister einen Spalt in der Mauer entdeckte und, nachdem er einen Haufen Kartoffeln mit seinen Elephantenhufen zertreten hatte, in das kahle und feuchte Gemäuer, leider mit getäuschten Hoffnungen, hineinleuchtete. Wozu der Stationskommandant sein Gewehr bis unter die oberste Dachlucke, sowie in den untersten Keller mitschleppte, bleibt wohl ewig ein Räthsel. Zu bedauern war Frau Fehleisen, welcher an diesem Morgen auf Schritt und Tritt einer dieser vom Staate bezahlten faul lenzenden Spione nachfolgte! " H. M. Aus dem Mülsengrund, 18. Mai. Seit einiger Zeit ist es still geworden von der früher, viel besprochenen Noth in unseren Weberbezirken. Und die Lage ist in der That etwas besser geworden, insofern nämlich die Arbeitsgelegenheit nicht mehr so selten wie früher ist. Bei uns fehlt es jetzt an Arbeit feineswegs, aber einen Lohn gibt es nicht; denn eine so niedrige Bezahlung, wie wir sie haben, kann doch nicht wohl ehrlicher Lohn" genannt werden. Der Verdienst ist so schlecht, daß wir die ganze Woche, Sonntags wie Werktags, täglich 14 16 Stunden arbeiten müssen, wenn wir nur trockenes Brod schaffen wollen; an Fleisch und andere, wenn auch noch so bescheidene, Genüsse kann gar nicht gedacht werden. Daß trotzdem mit einem gewissen Recht von einer„ Besserung" gesprochen werden kann, kennzeichnet das Elend dieses Winters und zugleich eine Gesellschaft, in der solche Dinge zur Alltäglichkeit gehören, am besten. Oesterreich- Angarn. * Der Vereinigungskongreß der ungarländischen Sozialisten hat trotz des willkürlichen Verbotes der Regierung zu Pfingsten in Budapest stattgefunden und ist vom besten Erfolg begleitet gewesen. Die Vereinigung der bisher in zwei Fraktionen gespaltenen ungarländischen Sozialisten wurde fast einstimmig( 107 gegen 3 Stimmen) angenommen, und das Gleiche war mit dem von Mitgliedern beider Nichtungen ausgearbeiteten Programm, welches die Umwandlung von Grund und Boden wie aller übrigen Arbeitsmittel in gesellschaftliches Eigenthum behufs Abschaffung des Lohnsystems und Einführung des genossenschaftlichen Arbeitssystems" an die Spiße stellt, der Fall. Die weiteren Punkte des Programms fordern: Allgemeines Wahlrecht; wissenschaftlichen unentgeltlichen Volksunterricht; Abschaffung des stehenden Heeres; Trennung von Kirche und Staat; volle Vereins, Versammlungs- und Preßfreiheit; Rechtsprechung durch das Volk; einzige progressive Einkommenssteuer; Normalarbeitstag; Verbot der Kinder- und Beschränkung der Frauenarbeit; wirksame Haftpflicht und Arbeiterschutz- Geseze; strenge Bestrafung der Lebensmittelverfälschung; Regelung der Gefängnißarbeit; Arbeits- Schiedsgerichte; staatliche Arbeitsnachweisbureaus; Verstaatlichung aller Verkehrsmittel; Uebergang aller Knappschafts-, Fabriks: und sonstigen Werkskassen an den Staat; Aufhören der Veräußerung und Verpachtung von öffentlichen Gütern und Uebergang berselben an Produktivgenossenschaften; Aufhebung der Die weiteren BeZahlenlotterie; progressive Erbschaftssteuer. schlüsse bestimmen die Herausgabe eines deutschen und magyarischen Parteiorgans, sowie von Flugschriften in beiden Sprachen, die Gründung einer Agitationskasse, die Beauftragung des Kon greßpräfidiums mit Abfassung und Verbreitung eines Manifeftes an das Volk Ungarns und die Ausarbeitung einer Parteiorga nisation. Zahlreiche Begrüßungsschreiben aus allen Theilen Desterreich- Ungarns, sowie von der Redaktion des, Sozialdemokrat" namens der deutschen Sozialdemokratie waren eingegangen. Die Polizei versuchte, da sie den Kongreß nicht zu hindern wagte, ihm wenigstens möglichst viele Schwierigkeiten zu bereiten und mengte sich alle Augenblicke in die Verhandlungen. Ihr ganzer Erfolg bestand indessen darin, daß sich die geeinigte Partei ins folge des willkürlichen Verbotes der anwesenden, im Namen der Regierung handelnden, Polizeier statt Sozialdemokratische Partei Ungarns" die offizielle Bezeichnung ,, Ungarländische Allgemeine Arbeiterpartei" gab, wodurch selbstverständlich in der That nichts geändert, und die Partei kein Jota weniger sozialistisch wird. Die ganze oppofitionelle Presse verhöhnt die Regierung wegen dieser Lächerlichkeit; die Regierung ist aber über diesen Mißerfolg wüthend und weiß die Sozialisten nicht besser zu bekämpfen, als indem sie dieselben in Berechnung auf den magharischen Chauvinismus ,, Germanisatoren" nennt, um dadurch den Raffenhaß zwischen Deutschen und Magyaren zu schüren, was sie aber nicht abhält, in demselben Athem nach einer ungarischen Ausgabe des Bismarc'schen Sozialistengeseßes zu schreien. Unsere Genossen aber werden sich selbstverständlich weder durch diese noch durch sonstwelche Mittel der Gegner an der eifrigen Verfolgung ihrer Ziele hindern lassen. Belgien. " * Am 16. und 17. ds. fand zu Brüssel der Jahres. tongreß der sozialistischen Arbeiterpartei Bela giens statt. Derselbe faßte folgende Beschlüsse: 1) Der Generalrath( Vorstand) wird für ein weiteres Jahr in Gent ſein; nach drei Monaten wird in Antwerpen ein Kongreß zusammentreten, der über Aenderungen der Organisation zu beschließen hat. 2) Es soll eine lebhafte Agitation für Aenderung der Hilfs kaffengesetze ertfaltet werden; auf Januar 1881 wird ein Algemeiner Bergarbeiter- Kongreß einberufen. 3) Es soll eine Schrift über die gesundheitlichen Verhältnisse der Werkstätten auf Kosten der Partei herausgegeben und vertheilt werden. 4) Die Partei fördert die Errichtung von Produktivgenossenschaften als vortheilhaft für die Arbeiter, ist aber zugleich weit entfernt, von denselben die alleinige Lösung der sozialen Frage zu erwarten. 5) Die Frage der Arbeitseinstellungen ist auf den nächsten Kongreß verwiesen und wird dieselbe bis dahin von zwei bazu beauftragten Genossen eingehend studirt, und werden die Ergeb nisse dieser Untersuchung in einer auf Parteitosten erscheinenden Schrift veröffentlicht werden. 6) Thatkräftige Agitation für das allgemeine Wahlrecht. Einberufung eines sozialistischen Weltkon greffes. 7)( siehe den Artikel dieser Nummer Proletarier aller Länder vereinigt euch!"). 8) In der Streitfrage der deutschen So= zialisten( über Zulassung der in Brüssel bestehenden Gruppe der " Freiheit"-Richtung zu belgischen Arbeiter Organisationen) beschloß der Kongreß: daß jede Bruppe fremdländischer Sozialisten ohne Rücksicht auf ihre Stellung in ihrer heimathlichen Partei zu zulassen sei, sofern sie nur Programin und Taktik der belgischen Partei nicht zuwiderhandle. Der Kongreß lautet der Be= schluß dann weiter wörtlich läßt die beiden deutschen Gruppen in Brüssel trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten zu; aber er bes bauert zugleich die Zwiftigkeiten, welche zwischen den deutschen Sozialisten bestehen und mißbilligt( blame) die Art der Polemik, wie sie die Freiheit" übt." Dieser Tabel wurde mit 18 gegen 8 Stimmen beschlossen. " Frankreich. " * Die thiers- gambetta'sche Bourgeoisrepublik arbeitet folgerichtig ganz mit denselben Mitteln fort, mit denen sie begonnen. Verrath, Mord, Unterdrückung das ist die Geschichte ihrer Haltung gegen das Volk, gegen das revolutionäre Proletariat vor allem: ganz wie das infame Kaiserreich; und genau wie dieses, ja fast noch schlimmer handelt die„ republikanische" Regierung auch heute wieder. Am 23. ds. sollte an den Gräbern der zum großen Theil feig ermordeten Kommunekämpfer eine Gedächtnißfeier stattfinden. Die Regierung aber, welche die Beilchenstraußprozessionen der Bonapartisten, die Wallfahrtsdemonstrationen der Ultramon tanen und dgl. ungerügt duldet, beschloß sofort, dem Vol* fichtbare Erinnerung an seine Vorfämpfer zu verbieten " Zuwiderhandlung" mit Gewalt entgegenzutreten. Beschluß ausführte, zeigt der nachstehende Ber uns für heute beschränken. 9 * Die Streifes in Reims und Roubaix scheinen erfolglos verlaufen zu wollen; die Arbeiter waren zu wenig vorbereitet und die Regierung half den Arbeitgebern auf jede Weiſe, während sie die Arbeiter aufs willkürlichste und gewaltthätigste, selbst unter Anwendung von Waffengewalt, bedrückte. Bei der Lyoner Wahl erhielt Blanqui 5956 Stimmen, während auf die beiden radikalen Kandidaten Rochet und Ferrer je 5188 und 2650 fielen. Da Ferrer zu Gunsten Blanqui's verzichtete, so ist der Sieg Blanqui's in der Stichwahl wahrscheinlich. LX Paris, 24. Mai. Der 23. Mai, der letzte Tag, an welchem vor neun Jahren die Commune kämpfte, sollte dieses Jahr durch eine Demonstration in's Gedächtniß der Bevölkerung zurückgerufen werden, um so mehr, als die„ begnadigten" und von Neu- Caledonien zurückgekehrten Kämpfer derselben daran theilnehmen sollten. Der Bourgeoisie ging ein Schrecken durch die Glieder, und die Regierung verbot sofort durch ein Dekret jedwede öffentliche Kundgebung. Die„ Egalité" bemerkte auf dieses Verbot hin, daß die Demonstration ohne ein solches vielleicht 10,000 Theilnehmer gehabt hätte, während jetzt die Zahl der Theilnehmer sicher auf 50,000 anwachsen würde. Doch nach reiflicher Ueberlegung wurde von allen Arbeiter Organisationen von jeder Demonstration Abstand genommen und die sozialistischen Organe„ Proletaire" und" Egalité" traten dieſem Beschluß bei. Nichtsdestoweniger fanden sich kleinere Gruppen, welche gemeinschaftlich dem Massengrab auf dem Père- Lachaise einen Besuch abstatten wollten. Eine solche kleine Gruppe von einigen Hundert Mann, mit Immortellen- Kränzen und Bouquets versehen, traf gegen 2 Uhr auf dem Bastillenplatz ein. Sofort stürzte sich die im Hinterhalt aufgestellte, ca. zwei Bataillone starke Polizeimannschaft auf die Gruppe, packte die Kranz- und Bouquetträger, zerriß die Kränze, zerfetzte die Schleifen und verhaftete die Träger derselben. Das war zugleich das Zeichen für die, den Bastillenplatz wie einen Gürtel umgebenden Polizisten, welcher sich die rue de la Roquette bis zum Père- Lachaise fortpflanzte, um sich auf jeden Mann, auf jedes Weib zu stürzen, welche eine Immortellenblume oder dergleichen trugen, die letzteren zu zerreißen oder die Träger zu verhaften. Auch der Säbel wurde geschwungen; ob jedoch Blut geflossen ist, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Die Haltung der Pariser Bevölkerung war dem wüsten, aufreizenden Treiben der Polizei gegenüber eine musterhafte zu nennen, denn obgleich bis zum späten Abend Zehntausende kamen und gingen und nicht einen Augenblick zwei Personen zusammen still stehen durften, ergab sich kein Anlaß zu weiteren Heldenthaten der Polizei. Auf dem Père- Lachaise in unmittelbarer Nähe des Massengrabes durfte Niemand still stehen. Deutsche Polizisten waren nicht minder vertreten, wie russische. Doch gab es nichts zu ,, fapern". Zahl der Verhafteten beträgt 15, worunter Deutsche und Schweizer, welche natürlich ausgewiesen werden. An der ganzen PolizeiAffaire konnte sich der schnapsbrennende deutsche Oberpolizist auf Varzin und sein erster Adjutant Madai in Berlin ein Muster nehmen; wahrlich, ihr republikanischer" Kollege Andrieux ist den beiden noch weit über"! odplat most mi Großbritannien. * In London wurde von französischen Emigranten ein neues sozialistisches Blatt in französischer Sprache begründet« Le Travail». Unter seinen Mitarbeitern befinden sich u. A. Malon, Brousse, Guesde, Figueras, Hartmann c. Wir rufen dem neuen Kampfgenoffen in den Reihen der sozialistischen Presse ein herzliches Willkommen zu! net ad bed Italien. k nado Die bereits angekündigte sozialistische Monatsschrift« Rivista internazionale del Socialismo», deren Herausgabe durch die Verhaftung ihrer Herausgeber Andrea Costa und Anna Kulischoff verzögert worden war, ist nunmehr in ihrem ersten Hälfte er schienen. Das schön ausgestattete Heft enthält das treffend geschriebene Programm, Beiträge von Costa, L. Castellazzo, Borde, D. Gnochi- Viani, M. Dragomanow, B. Malon und eine PreßUebersicht. Als Mitarbeiter werden genannt: die Italiener 2, Azzali, L. Castellazzo, A. Costa, D. Gnochi- Viani, F. Merlino. Bedroli, Giuseppina Cattani; die Franzosen L. Borde, F. Brousse, G. Guesde, E. Lombard, Lorand, E. Massard, B. Malon, Pignon, Ricard; die Deutschen E. Bernstein, K. Kachelhofer, G. Vollmar; die Belgier L. Bertrand, N. Cornette, C. de Paepe, Duverger; die Russen M. Dragomanow, Lawroff, Anna Kulischoff; E. Covelli in Bukarest. Verleger sind die Gen. E. Bignami u. Co. in Mailand. Indem wir uns vorbehalten, auf die neue Zeitschrift zurückzukommen, bewillkommnen wir sie als ein günstiges Zeichen für die Entwicklung des italienischen Sozialismus und senden dem neuen Kampfgenossen unsere brüderlichen Grüße und Wünsche. tisdisso, dau 390 * Die Regierung hat troß der unerhörtesten Wahlbeeinflussung mit der Auflösung der Kammer wenig gewonnen; denn das endgültige Wahlresultat ergiebt 230 Ministerielle gegen 100 antiministerielle Liberale und 170 Rechte. Wie lange sich diese schandbare und korrupte Optimatenwirthschaft noch hinfristen, wie lange das von Natur reiche Land dieselbe noch aushalten wird? Die Geduld des Volkes ist ziemlich am Ende und wenn dieses erst organifirt und von einem gemeinsamen Gedanken geleitet wird, dann wird die parlamentarische Intriguenwirthschaft sammt allem brum- und dranhängenden bald am Ende sein. " Pl. Mailand, 22. Mai. In welcher Verlegenheit sich die Regierung unserm verhafteten Genossen Costa gegenüber befindet, zeigt eine dieser Tage erschienene Gerichtsverfügung. Trotz ihres eifrigen Bestrebens, den rührigen und ihr gefährlichen" Genossen durch einen Richterspruch" auf recht lange Zeit unschädlich zu machen, trotz allen Suchens und Deutelns von Polizei, Untersuchungsrichter und Staatsanwalt, hat die Re gierung nichts weiter zu Stande gebracht, als eine einfach lächerliche Klage wegen eines im vorigen Herbst in der Plebe" erschienenen Artikels Costa's, wegen dessen bereits der verantwortliche Redakteur des Blattes angeklagt war, aber von den Geschwornen mit Stimmeneinhelligkeit freigesprochen wurde. Man hofft wohl, diesmal gesinnungstüchtigere" Geschworne zu bekommen, worin man sich aber hoffentlich täuscht. Costa wird am 19. Juni vor Gericht erscheinen und von den Anwälten Marcora und Barbetta vertheidigt werden, denselben, welche die Freisprechung des erstangeklagten Verantwortlichen erzielten. Im Uebrigen befinden sich die Genossen Cofta und Anna Kulischoff im Gefängniß leidlich; ersterer verwendet seine unfreiwillige Muse zu einer sehr verdienstlichen Arbeit, nämlich zur Uebersetzung der( bekanntlich bereits von Gen. B. Malon in's Französische übertragenen) trefflichen Schrift Schäffle's„ Die Quintessenz des Sozialismus"." Es ist zu erwarten, daß diese Uebersetzung ihre erfreulichen Erfolge für den Sozialismus in Italien haben werde; und sie wird gerade jezt um so mehr Aufsehen erregen, wo jeder im entferntesten sozialistische Gedanken Aeußernde als„ Verbrecher" behandelt wird. Der österreichische Minister, a. D. Schäffle, ein malfattore ein heiteres Bild, aber recht bezeichnend für die Verhältnisse des freieinigen" Italien! Spanien. * Die spanische Regierung erntet jetzt die Früchte ihrer ver blendeten Politik der Hinauszögerung der als nothwendig erkannten formen. Als den Cubanern das ihnen s. 3. feierlich verpfän: rt, auf der" Perle der Antillen" die Sklaverei aufzu: fie aufs ungeheuerlichste bedrückende HandelsLeichtern, gebrochen wurde, und man sie mit lchen abspeisen zu können glaubte, sah alle hung unausbleiblich sei und daß fie ernster als eine der vorhergehenden werden müsse. Diese Vorausficht ist nun in der That eingetroffen. Es hat eine Erhebung stattgefunden und die Aufständischen haben die unabhängige cubanische Republik ausgerufen, zugleich eine provisorische Regierung unter Führung des schon aus früheren Insurrektionen bekannten Creolen Garcia bildend. ie Bewegung hat im Innern und im Süden großen Anhang, die Schwarzen sind ihr alle, von den eingeborenen Weißen viele zugethan, wenige aber werden für Spanien eine Hand rühren; die Stellung der von den Vereinigten Staaten aus übergesetzten Führer der Be wegung im Südosten der Insel ist unangreifbar und Verbindung und Unterstützung von Amerika sicher. Der Ausgang des Kampfes dürfte deshalb für Spanien wenig hoffnungsvoll sein. " Einer Nachricht des amtlichen Telegraphen zufolge wurde in der Nähe von Barcelona, in Morella, eine Baumwollspinnerei von aufgewiegelten Arbeitern" in Brand gesteckt, welcher die Maschinen zerstörte. Selbstverständlich wurden die„ Rädelsführer" verhaftet, und der Präfekt ordnete bei dieſer guten Gelegenheit " zur Vorsicht" auch gleich die Auflösung aller Arbeitervereine von Catalonien an. So gerne wir das letztere glauben, so sehr geben wir den ersten Theil der Meldung nur mit Vorbehalt. Erst geben wir den ersten Theil der Meldung nur mit Vorbehalt. Erst wenn wir den Sachverhalt näher kennen, können wir uns auf eine Beurtheilung einlassen. Rußland. * Der Diktator Loris Melikom soll dem Väterchen einen Ver fassungsentwurf vorgelegt haben; derselbe soll aber verworfen worden sein; erst der Thronfolger werde zu solchen Reformen berufen sein soweit berlei nämlich von den zarischen Herrschaften absein hängt! hängt! Ueber den eben sich in Petersburg abspielenden Nihien werb listenprozeß Weimar und Gen. werden wir nach Abschluß desselben berichten.- Der revolutionäre Ausschuß hat wieder zwei Ver räther gerichtet: der eine, Scharkoff, früher Sezer an dem geheimen Organ„ Tschornii Peredjel", verrieth, um seinen Hals zu retten, die geheime Druckerei; der andere, Polossoff, lieferte in Kijew nicht weniger als 14 Revolutionäre der Regierung ans Messer. Ersterer wurde erdolcht, letzterer leider nur halb getroffen; er wird indessen seinem Geschick so wenig entrinnen, als andere Verräther. Die in ganz Europa ausposaunte Behauptung, daß der„ milde, liberale" Loris- Melikom nicht weniger als 6000 gefangene Nihilisten in Freiheit gesetzt habe, stellt sich als eine großartige Lüge heraus; es sind im Ganzen höchstens 150 frei gekommen, und das Einsperren, Verurtheilen und Verschicken geht ganz in der bisherigen Weise fort. Nach Beendigung des Prozeffes Weimar dürfte man wohl auch von den Nihilisten wieder etwas hören. 冻 心 Südamerika. * In Buenos- Ayres( Argentinische Republik) hat sich eine Sektion der internationalistischen Propaganda gebildet. Letzte Post. Jovit * Der petersburger Telegraph bringt soeben die Kunde von einem neuen Schandstreich der zarischen Henker. Das zum Mordhandwerk aus kommandirten Offizieren zusammengesetzte„ Gericht" hat am 26. ds. im Prozeß Weimar u. Gen. folgendes„ Urtheil" gefällt: Michailow und Laburow zum Tob mittelst Stranges' Trotschansky zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit in Bergwerken, Weimar und Berdnikow zu desgleichen fünfzehnjähriger, Kolenfina zur Fabritzwangsarbeit von gleicher Tauer, Löwenthal zu zehnjähriger Festungszwangsarbeit, Nathanson zu ſechsjähriger und Bitaniewa zu vierjähriger Fabrikzwangsarbeit, Malinowskaja zu Verbannung nach Tobolsk mit Verlust aller Rechte, Bulanew desgleichen ohne Verlust der Rechte. Wie lange wird es noch dauern, bis den ungemessenen Schandthaten des gekrönten Scheuals an der Newa und seinen Helfershelfern so oder so ein Ende gemacht wird?! y Magdeburg, 25. Mai. Es haben hier zahlreiche Hausfuchungen stattgefunden, bei welchen ein Brief aus Zürich ge funden wurde, den die Behörde zum Vorwand nahm, um 10 der bewährtesten Genossen zu verhaften. Die Sache scheint durch das schwarze Kabinet eingefädelt. Vorgesehen allerorts. Sprechsaal. Erklärung. Es ist durchaus nicht unser Wille, die Hetzereien, welche von gewisser, gut bekannter Seite schon seit langem betrieben werden, weder zu unterstützen, noch zu nähren. Nachdem sich aber die Freiheit" seit einiger Zeit wieder in der ungeziemendsten Weise uns gegenüber betragen hat, so erachten wir es als eine der deutschen Sozialdemokratie schuldige Pflicht, diese Erklärung abzugeben, indem wir zugleich abermals unsere größte Abneigung gegen die Schreibweise des genannten Blattes aussprechen. Anlaß zu dieser Erklärung gab uns die in Nr. 19 der Freih." vom 8. ds. enthaltene Resolution, die, angeblich von einer Londoner Volksversammlung einstimmig angenommen, sich in Betreff des in derselben erschienenen Artikels über die Pariser Ausgewiesenen in der böswilligsten und ungerechtesten Weise gegen das in Zürich erscheinende. Parteiorgan ausspricht. Wir können nicht umhin, ganz energisch gegen genannte unqualifizirbare Resolution zu protestiren, und werden nachfolgende Bemerkungen einigermaßen darüber aufklären, wie es überhaupt möglich war, eine solche Resolution, wie gesagt wird, vor Londoner Arbeitern aufzustellen. Die Volksversammlung heißt es in Nr. 19 der " Freih." wurde ,, von den Sozialisten Londons" einberufen, während die Einberufer in der That der Redakteur der Freih." und einige seiner Gesinnungsgenossen waren, und beinahe die Hälfte der hiesigen Genossen vor Verlauf der Versammlung nichts davon erfuhren. Die Versammlung war also sozusagen geheim und blos den treuen Anhängern des „ Sozialrevolutionärs" war Ort und Zeit bekannt, jedenfalls weil letzterer eine gegründete Furcht hatte, daß Jemand erscheinen könnte, der die Kühnheit besäße, an seinen aufgestellten Sätzen etwas unbillig zu finden und gegen dieselben aufzutreten, und man hat sich in dieser Annahme wahrlich nicht getäuscht, denn wäre die Versammlung öffentlich bekannt gemacht worden, so hätten sich gewiß massenhaft Arbeiter eingefunden, die solch eine Art von Vorgehen schon lange und immer mehr mißbilligen. Trotz des Verbotes, etwas von der Volksversammlung zu veröffentlichen, konnten sich doch einige Getreue der Freih." nicht enthalten, davon zu munkeln, jedoch stets mit dem ausdrücklichen Bemerken, daß unter feinen Umständen der Ort der Zusammenkunft betannt werden dürfe. Solches " Vorgehen finden wir bei den Sozialrevolutionären" Londons, die stündlich die alleinfeligmachende blutige Revolution predigen und sich dabei in ein Hinterſtübchen verziehen, wenn es blos gilt, öffentlich mit Worten sich zu vertheidigen. Wir sind allgemein der Ansicht, daß eine Zeitung wie die Freih.", die sich ein Organ der Sozialdemokratie nennt, ihre Spalten mit nützlichen Abhandlungen auszufüllen hätte, anstatt der fortwährenden Schmähungen und Verleumdungen, die leider bei ihr an der Tagesordnung sind. Für den Kommun. Arb.- Bild.- Verein London, 3 Perch Street Tottenham Court- Road Die Sekretäre: J. P. Fopp. E. Theodor Fisch. Erklärung. Der Berliner„ Staats- Sozialist", das Organ der Christlich- Sozialen, enthält in Nr. 21 einen gehässigen Artikel gegen die Juden in der Sozialdemokratie", der fast nur aus Mährchen und Verdrehungen besteht. Obgleich jeder, der die Verhältnisse einigermaßen kennt, dies auf den ersten Blick bemerkt, so will ich doch nicht unterlassen, ausdrücklich alle Zürich, den 25. Mai 1880. " Behauptungen des besagten Artikels, die sich auf meine Person beziehen, als Unwahrheiten zu erklären, mit Ausnahme etwa der Bemerkung, daß ich die sozialistische Revue„ die Zukunft" s. 3. geleitet habe. Was Einzelheiten betrifft, so wird mir der Verleger des„ Sozialdemokrat" gerne bestätigen, daß dieses Blatt weder wie der Staats- Sozialist" behauptet von mir in's Leben gerufen wurde( welches Gerücht ich übrigens schon früher dementirt habe), noch daß ich die Redaktion und Expedition desselben besorge oder besorgen lasse. Ebenso ist um anderes ebenso Lügenhaftes zu übergehen die Geschichte, wonach ich Joh. Most bei seiner Entlassung aus dem Gefängniß das gewünschte Reisegeld nur gegen Verpfändung einer Uhr gegeben habe, rein erfunden. Die Wahrheit ist, daß Most mich seiner Zeit telegraphisch ich befand mich damals in Lugano um Reisegeld ersuchen ließ, welchem Gesuche umgehend telegraphisch entsprochen wurde. Herr Most wird das bestätigen müssen und hoffentlich so loyal sein, es unaufgefordert zu thun. Karl Höchberg. da wir die betr. Nummer Anm. der Redaktion. Indem wir des Staats- Sozialist" zu spät erhielten uns, bezw. dem Verlag ein allenfalls nöthig erscheinendes weiteres Eingehen auf die Behauptungen des erwähnten Lügenartikels vorbehalten, können wir die obigen Angaben des Gen. Höchberg soweit sie den Sozialdem." betreffen nur voll und ganz bestätigen. Der Verfasser des Artikels, in welchem wir den berüchtigten Gehlsen vermuthen, ist weder über die Redaktion, noch über den Versandt und die Verbreitung des„ Sozialdem." im Geringsten unterrichtet, sondern er hat lediglich einiges Oberflächliche über Personen und Dinge läuten hören, das er nun nach Art zeilenreißender Sensationsschreiber zu einem großen Verdrehungs- und Lügenragout zusammengebraut hat, was indessen die Absicht und die Wirkung gemeinster Denunziation nicht ausschließt. Wir glauben auch, daß, wenn sich die Redaktion des " Staats- Sozialist" nicht durch ihren judenhasserischen Eifer hätte hinreißen lassen, sie sich wohl kaum ein so plumpes Kukutsei hätte ins Nest legen laffen. " Briefkasten " der Redaktion: M. H. Werden Ihre Einsendung in voriger Nummer gefunden haben. Weiteres willkommen." J. D. via Wy. Empfangen, kommt demnächst zum Abdruck; lassen Sie weiteres hören. S. Kfm. London. Wenn Sie bezw. die betr. Genossen den erw. Art. genau nachlesen, werden Sie finden, daß er aus einem Bourgeoisblatt entnommen und die Quelle auch angegeben ist. Wegen der wahrhaft großartigen Politit" u. f. f. ganz einverstanden; werden unsere Meinung auch durch?? angedeutet finden. Damit ist die Sache wohl erledigt. Gruß! Eisenhauer Vevey. Sie irren sich bei Ihren Verfügungen" offenbar in der Adreffe. Wenn Sie sich das Privatvergnügen machen und mit H. einverstanden sein wollen, so wenden Sie sich an ihn; der S. D." ist das Organ der Partei, die mit jenem nichts zu thun hat. Großpriesener. Gewünschten Aufschluß demnächst brieflich. Gruß. A. Luzz Vhm. Es handelt sich lediglich um Mtgl. der deutschen Bartei, welche privatim zusammenkommen.. P- y. Kopenhagen. Mit Dank empfangen, werden uns f. 3. an Sie wenden. Johannes B. Ihren Art. empfangen. Verschiedene Ansichten über die betr. Frage wohl denkbar und Diskussion zu gelegener Zeit erwünscht; jetzt aber müssen derlei theoret. Frågen in den Hintergrund treten, und legen wir deshalb Ihren Art. auf gelegenere Zeit zurück. Gruß. L. St- Letzter Brf. u. der mit den F.'schen Art. erhalten; letztere kommen schon zu passender Verwendung. " der Erpedition: F. a Kft. ö. w. fl. 2. erh. und ab Nr. 19 Ende III. Qu. lieferbar vorgemerkt. D. Peter: Fes. 30. 63 am 21./4. in unsere Hände gelangt. Cours u. Speesen gekürzt. 11. T. mit 18 gekommen? Ch. B. Besançon: Frc. 31. 75 erh. Ab. IV. Qu. 79. I. u II. Qu. 80, sowie Schft. berechnet. Höchster Rab: auf Schft 25%- Rothkehlchen: Bf. vom 19. durch E. und den v. 24. p. P. erh. Gewünschtes folgt. E. will doch schon vor 8 Tagen betr. H. berichtet haben. H. H. W.: Bis zu 16 Sdgn. abgg., dann gesperrt, da Ordre fehlte. Alles jetzt nachges. f. Pfalz: M. 10. Fischft. erh., Sendg. 2000 fort Sehen Sie sich doch die Fondsquitt. in Nr. 15 u. 21 genauer an u. stimmts nun? Mülsengrund: 500 abgerückt. Das Andre suchen zu besorgen, braucht Zeit. Gruß den Schwarzen und den Rothen"! A. 3. postlagernd: Am 26. dß. endlich für M. 14. fort. N. G." hat so lange gebraucht. Knörte: senden. Höchste Zeit. Wie steht's sonst. Auch sehr nöthig. Leberkloß: Lieber Dicker, haben Sie tüchtig zur Sammlung" geblasen? Mz. wird gekommen sein. Ph. Leber: Bf. v. 21. hier. Salter willkommen. 18 jetzt dort? Fauler Zauberer gelöscht, Ersatz vorgemerkt. Addr. folgen. Johannes B. 12. 13 u. 17 nochmals abgegg. 18 wird gekommen sein. Manuser.: siehe Red.- Bft. W. R. London: " Frau u. Soz." v. Bbl. total vergriffen. Neue Auflage in Aussicht. Wunsch wird in Kurzem zu erfüllen gesucht. Pontifer: Am 24. eingelöst. Fes. 2. Figſchfd. zugewieſen. Avis abgg. H. H. A. M. 3. Ab. II. Qu. erh. Nachtfrg. fort. Dank für Notiz. Ein gewisser Madai könnte Ihre Frage am Besten beantworten. " " Durch uns, sowie durch die Volksbuchhandlung Hottingen- Zürich ist zu beziehen: Rechenschaftsbericht der socialdemokratischen Mitglieder des Deutschen Reichstages über ihre parlamentarische Thätigkeit während des Jahres 1878-79. Preis 25 Cts. 20 Pfg.( ohne Porto.) In Partien von wenigstens 20 Stück 20 Cts. 15 Pfg.( ohne Porto). Von 100 Stück an 20 Prozent Rabatt. Partien von über 500 Stück an nach Uebereinkunft. Es wird nur gegen Vorausbezahlung geliefert. Risiko zu Lasten des Bestellers. Erste Auflage( 10,000) nahezu vergriffen; zweite Auflage in Vorbereitung. Expedition des Sozialdemokrat. Schweiz. Breinsbuchdruckerei Hottingn- Zürich.