Erscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz) Perlag «. Herker, Andustriehalle Riesbach-Zürich �akseudlingcn franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Toppelporto. Der SoMeiiutot Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge Avonnements werden nur beim Berlag und dessen bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum »««an» zahlbaren BierteljahrSpreib von i Fr. 2.— sllr die Schweiz slireuzband Mb S.— für Deutschland lCouvert) st.>. 70 für Oesterreich lCouvert) Fr. 2. 50 sür alle übrigen Länder de» Weltpostverein» llkreuzband). Jusernte Die dreigespaltene Petltzeile 25 Ctg.— 20 Pfg. R? 30. Sonntag, 25. Juli. 1880 Am« in die Lorrespondentei und Abiueuien de«„Josiaidemodrat". Da der Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist. bez«. versolgt wird und die dortigen Behörden flch all- Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briese von dort an UN« und unser- Leitung«- und sonstigen Sendungen nach dort abzusaugen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und pars keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briesmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhal« der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersorderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhakb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit un« in Verbindung setzt i anderseits aber, daß auch un« möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an UN« liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheue», um trotz aller ent- gegenstehendcn Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu lirsern. Noch einmal der Militarismus. Der zweite Artikel des Gen. Dich gen über den Militaris- mils in Str. 24 klingt ganz anders, als der erste, und ich glaube wohl, daß ich ihn in etwas mißverstanden habe, indem ich den ersten Artikel dahin auffaßte, daß wir unter den heutigen Um- ständen gar keine Ursache hätten, den Militarismus zu bekämpfen. So war es also nicht gemeint; man soll nur bessere Gründe gegen ihn vorbringen, als bisher. Aber wenn Genosse Dietzgen den Militarismus eine Niedertracht nennt und die bisherigen Gründe, mit denen man ihn bekämpft hat, als schlecht erkennt, warum führt er denn nicht selbst die besseren Gründe dagegen an, die er doch unzweifelhaft dann auch kennen muß. Davon kann ich mich aber absolut nicht überzeugen, daß die bisherige Kampfcswcise gegen den Militarismus von unserer Seite falsch gewesen sein soll. Die Gründe z. B., die Genosse Bebel in seinem„Rechenschaftsbericht" anführt, scheinen mir durchaus stichhaltig und ich wüßte in der That nicht, was an ihnen aus- zusetzen wäre. Gen. Dietzgen steift sich nun immer darauf, daß der Militarismus augenblicklich eine verhältnißmäßige Wohlthat sei, gegenüber den Zuständen, die entstehen müßten, wenn man plötzlich das stehende Heer entließe; aber dieser Fall ist ja gar nicht möglich. Das war und ist ja eben das Unsinnige von der„Demokratie", die ja überhaupt an politischer Unfähigkeit das Menschenmögliche geleistet hat, daß sie immer gegen den Militarismus agitirt hat, ohne zu begreifen, daß mit seiner Abschaffung allein in Volks- wirthschaftlicher Hinsicht nichts geholfen sei und ohne also auch zu wissen, was man nachher mit den Hunderttausenden von arbeitslosen Händen machen solle. Wir aber haben uns ja in unserer Agitation gegen den Militarismus dadurch von der Demokratie unterschieden, daß wir die Abschaffung desselben nur im Verein mit den entsprechenden wirthschaftlichen Reformen be- fürwortet haben. Und ohne diese ist es ja auch gar nicht möglich, das stehende Heer plötzlich oder selbst innerhalb einiger Jahre zu entlassen; das müßte ja selbst die dümmste Regierung von Gottes Gnaden und die unfähigste„demokratische" Majorität des Reichstags begreifen. Die„Demokraten" be- greisen es nur heute nicht, weil ihre ganze Agitation eben nur Phrase ist und sie so weit gar nicht denken. Aber eben darum, weil der Gegensatz, den Gen. Dietzgen immer in. Betracht zieht, wenn er den Militarismus eine äugen- blickliche Wohlthat nennt, gar nicht denkbar ist, fällt auch die Be- rechtigung weg. ihn so zu nennen; man könnte ja mit demselben Recht auch den Kapitalismus'selbst eine Wohlthat nennen, wenn man plötzlich seine Abschaffung dekretirte, ohne entsprechende Or- ganisationsmaßregeln für einen neuen Zustand bei der Hand zu haben. Darin habe ich ja schon in meiner ersten Erwiderung dem Gen. Dietzgen beigestimmt, daß in wirthschaftlicher Bezie- hung der Militarismus bei weitem nicht so viel Unheil erzeugt, als die kapitalistische Produktionsweise. Aber das ist doch auch wahrlich nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daß in dieser vielleicht zwanzig Mal mehr Menschen wirken, als durch den Militarismus beschäftigt sind, und diese geringere schlimme Wirkung deS Militarismus gibt doch auch kein Recht, ihn als das„Heil vom Unheil der bürgerlichen Wirthschaft" zu bezeichnen. Allerdings sind meiner Ausfassung nach, wie schon in der ersten Erwiderung berührt, die wirthschaftlichen Gründe nicht gerade die wichtigsten; viel bedeutender scheint mir zu sein: 1) daß der Militarismus den jeweiligen Machthabern das Mittel gibt, jedes Verlangen des Volkes nach Gleichheit und Gerechtigkeit mit brutaler Gewalt zu unterdrücken; und 2) daß durch den Militarismus notorisch ein großer Theil unseres Volkes zu sklavischen knechtsseligen Menschen, zu Arbeitsscheuen und sogar zu Mördern gemacht wird. Da man aber diese beiden letzten Gründe gegen den Milita- rismus heutzutage, trotzdem sie laut genug zum Himmmel schreien, in Deutschland nur mit großer Vorsicht aussprechen darf und auch außerdem die wirthschaftlichen Gründe bei dem Volke besser ziehen, so können wir sie wol kaum entbehren, wenn auch ab und zu etwas Phrase mit unterlaufen sollte. K. Deutscher Parlamentarismus. Bon Friedrich Roth. Wenn uns die Geschichte oft genug zeigt, daß Völker zur Zeit ihrer größten politischen Machtentfaltung doch innerlich dem Ver- fall und der Auflösung entgegengingen, so drängen sich uns im deutschen Reiche sofort Merkmale aus, welche auf denselben Zu- stand hindeuten, indem sie mit denjenigen im alten Rom zur Zeit seines Verfalls fast haargenau übereinstimmen. In erster Linie steht hier die Erscheinung des schrankenlosesten Byzantinismus, einer Speichelleckerei und Kriecherei, die für das Ausland ein Gegenstand des Spottes ist und ganz an die be- zeichneten Zeiten moralischer Verkommenheit erinnert. Der mit „hohen",„höchsten",„allerhöchsten" Personen, insbesondere mit dem bekannten Heldengreis getriebene Kultus, dieser moderne Götzendienst gebildetseinwollender Leute, ist ein so schmachvoller Beweis von Mangel jeden eigenen Selbstbewußtseins und von Manneswürde, daß die bei Geburtstagsfeiern des Heldengreises tausendmal aufgewärmten Phrasen:„Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" zc. mir wie die höchste Ironie klingen. Schweigen will ich von den Majestätsbeleidigungsprozessen en gros, die den Altentaten folgten(die dabei zu Tage getretenen Leistungen der Richter und Staatsanwälte in der Selbstkastration sind ekel- erregend);— daß die Priester den Baal anbeten, der sie ernährt, ist nicht anders zu erwarten. Wenn sich aber aus dem Volke heraus freiwillig Schweifwedeleieu der niedrigsten Art kund- geben, dann müßte man doch ob der zahlreichen Hundeseelen im deutschen Reiche schamroth werden, wenn man sich ja bis dahin als Deutscher gefühlt hätte, wozu jedoch in der That jeder Anlaß fehlte. Zur Zeit der Caligula und Caracalla setzten Schmeichler den- selben Standbilder bei Lebenszeit, um ihnen gewaltsam eine sonst sehr zweifelhafte Unsterblichkeit zu sichern; das Moltke- Denkmal in Parchim und dasjenige Bismarck's in Cöln liefern den Beweis, daß die biederen Deutschen den entarteten Römern Nichts nachgeben, obgleich jene durch die Ketten, die die bezeich- neten zwei Herren schmiedeten, eigentlich einer Unsterblichmachung nicht mehr bedürfen. Und ist die Siegessäule in Berlin, zu der das deutsche Volk seinen Beutel hinhielt, diese Selbstlobpreisung des Militarismus, genau genommen, etwas Anderes? Aber selbst diejenigen, welche für die höchsten und besten Geister der Nation gelten möchten, haben offenbar jedes Schamgefühl über die hündische Unterwürfigkeit, die sie üben, verloren. Wie hätten sonst die Paul Lindau, die Rudolph Gottschalle u. s. w. aus allen Kräften mit ins Horn der Reaktion stoßen können? Man begreift dies aber leichter, wenn man die Protektion Lindau's seitens der Berliner Hofthcater-Jntendanz, sowie den Hofraths- titel Gottschalls kennt. Man lese nur die„Gegenwart" jener Zeit, die„Gartenlaube", die nach dem zweiten Attentat erschien, und worin ein Herr Blüthgen in der Art der alten Perser auf dem Bauche liegt vor dem Dalai Lama Deutschlands. Wer bei dieser Lektüre nicht in ein Hohngelächter über die Früchte beut- schen Dichtergeistes ausbricht, dem muß jeder Begriff von dem Werthe des Menschen, jeder Stolz, den ehrenhafter Charakter und Bildung verleihen, abhanden gekommen sein. Oder macht es Victor von Scheffel etwa besser, der bei irgend einer Gelegen- heit seinen Landesherrn, den Badenser, derart ansingt und in den Himmel hebt, daß es selbst der„Gartenlaube", die doch sehr viel vertragen kann, zuviel wird und sie ihm Mäßigung anem- pfiehlt? Wenn das die sogenannten besten Geister der Nation thun, wie kann man sich über die Leistungen der berufsmäßigen Jour- nalisten in diesem Genre wundern, die fast jedes Zeitungsblatt zur Zeit irgend einer landesherrlichen oder gar kaiserlichen Ge- burtstagsfeier zu einem der wirksamsten Vomirmittel machen! Von dem„Männerstolz vor Königsthronen", den Schiller be- singt, ist wenig zu finden und hätte der Dichter des„Fiesko" diese Zeit erlebt, er würde wahrscheinlich einen Ausdruck wieder- holt haben, den Ferdinand dem Hofmarschall von Kalb ins Gesicht schleudert. Am eklatantesten aber zeigen sich diese Korruption und Schwäche in dem parlamentarischen Leben, in der Körperschaft, welche doch den„Willen der Nation" zum Ausdruck bringen soll, sosern diese letztere nämlich einen Willen hat und es nicht vorzieht, mit der Schlafmütze über den Ohren in stumpfer In- differen; dahin zu vegitiren. Zur Zeit Heinrich VIII. von England, Ludwig XIV., sowie der Napoleoniden, aber auch nur da finden wir analoge Jammerfiguren von„Volksvertretungen". Denn betrachten wir uns schon allein die Vorlagen, mit denen sich der Reichstag jahraus jahrein beschäftigt, ohne daß es ihm einfiele, darin etwas Abnormes zu finden, so sehen wir, daß die- selben im Wesentlichen zwei Bcschneidungszielen zusteuern: 1) Beschneidung des Geldbeutels und 2) Beschneidung der Volksffeiheit. Darunter läßt sich, was sonst noch von Wichtig- keit vorkommt, leicht rubriziren. Es ist nun schon traurig genug, wenn eine Regierung, die selbstverständlich nur das Wohl des Volkes im Auge haben sollte, dieses auf solche Weise nach dem Prinzip:„Zahlen und Maulhalten" zu erreichen strebt. Aber es ist daran doch nichts gerade Ungewöhnliches oder Abnormes, denn ein jedes König- thum ist und bleibt mehr oder weniger ein Antagonismus der Volksfreiheit und hat seine, dem Volkswohl gerade entgegen- gesetzten Interessen. Für es ist das Volk nur die Kuh, die man insoweit pflegt und behütet, als sie dadurch mehr Milch geben kann, und schlechte Regenten nennt man nur die, die mit aller Gewalt zu melken strebten, ohne für das unumgänglich nöthige Futter zu sorgen. Jammer- und schmachvoll aber ist es, wenn eine Volksvertretung sich gewissermaßen selbst als Milchkuh an- erkennt und die konstanten Melkversuche als berechtigt sanktionirt. Die Zusammensetzung des Reichstags bürgt aber auch schon da- für, daß die Freiheit nicht in den Himmel wachse; denn außer einer Menge Adliger(Grafen, Fürsten, Barone) und Regierungs- beamten— schon fast die Hälfte— besteht der Rest ziemlich ausschließlich aus Leuten solcher Gesellschaftsklassen, die einige Mark Steuer mehr oder weniger kaum an ihrem Beutel spüren, zumal, wenn ste als indirekte Steuer hauptsächlich auf die Schultern der arbeitenden Klassen gewälzt wird— aus Leuten, die mit wenig Ausnahmen Hunger und Roth nur vom Hören- sagen kennen und daher verzweifelt wenig Begriff davon haben, was dem Volke frommt. Es kann daher nicht Wunder nehmen, wenn die„Volks- Vertretung" eigentlich nur für die Regierung da ist, um ihr die Verantwortung für das, was sie thut. abzunehmen. Von einer Wahrnehmung der Volksrechte keine Spur; jede Partei treibt ihre eigene egoistische Jnteressenpolitik und opfert dieser ohne Skrupel das allgemeine Ganze auf. Betrachten wir uns zu- vörderst die national serv i l e Partei. Was diese an Kriecherei in den letztem Jahren geleistet hat, ist schon so zum Sprüchwort geworden, daß man im Volk sehr oft hören kann:„Kriechen, wie ein Nationalliberaler". Nur um die Hand des gewaltigen Mannes fassen zu können, sich seiner Freundschaft zu rühmen, auf seinen parlamentarischen Soireen sich in eingebildeter Wich- tigkeit zu spreizen und zu kannegießern— solchen Motiven erbärmlicher Eitelkeit zu Liebe hat sich diese Partei zum Sstefel- Putzer des Reichskanzlers erniedrigt, der ihr dafür mit einem verächtlichen Fußtritt(gelegentlich des Zolltarifs) lohnte. Aber daraus darf sich ja eine echte Hundenatur nichts machen, sie kommt doch immer wieder schweifwedelnd zu ihrem Herrn zurück. So zu Fleisch und Blut ist diesem Herrn die Speichelleckerei geworden, daß, als sie gegen den Zolltarif zu stimmen sich ge- zwungen sahen, doch dies nicht über sich vermochten, bevor sie nicht Bismarck einige Elogen über seine Taktik sagten, vermittelst derer er sich eine Majorität zu schaffen wußte. So Herr Bam- berger; und die ganze nationalservile Partei folgte seinem Bei- spiele. Alle mißbilligten den Zolltarif, weil sie ihn nicht gemacht hatten, aber in einer Weise, die von Lobhudeleien überfließt, z. B.„der Begründer des deutschen Reiches darf auf Rechnung seiner Verdienste viel sündigen" u. dcrgl. (Schluß folgt.) * Der von verschiedenen Seiten der sozialistischen Welt längst erwogene, vom letzten Kongreß der belgischen sozialistischen Arbeiter- Partei zum Beschluß erhobene Gedanke, kommendes Jahr einen sozialistischen Weltkongreß abzuhalten, ist bereits von einem großen Theil der sozialistischen Presse syinpathisch aufge- nommen worden. Die belgischen Parteiorgane«ffe voix de l'Ouvrier«(Brüssel),»De Volkswil«(Gent),»De Werker« (Antwerpen) erklärten sich einhellig und in begeisterten Worten für den Wellkongreß. Von den französischen Blättern ver- öffentlichten die»Lgslite«(Paris) und die»Relbrme politique et sociale«(Lyon) das Einladungsmanifest der belgischen Partei und erstere, das einflußreichste Hauptorgan der französischen Sozialisten, erklärte sich mit der Einberufung des Kongresses auS- drücklich einverstanden. Als wichtige Kundgebung der französtschin Genossen ist weiter zu erwähnen, daß der jüngste Lyoner Kongreß des Ostterritoriums die Verlesung des Manifestes mit lebhaftem Beifall und Zurufen aufgenommen hat. Mit besonderer Sympathie wurde der Gedanke des Weltkon- gresses auch von dem in London erscheinenden»Iravail«, dem Organ des dortigen,«us Sozialisten aller Richtungen und Na- tionen bestehenden internationalen Klubs für Sozialstudien, auf- genommen, in welchem von P. Brousse in einem trefflichen Artikel für den Weltkongreß und die Vereinigung der bisher gerrennt marschirenden sozialistischen Parteien und Gruppen aller Länder eintrat. Es ist dies Vorgehen Brousses um so erfreulicher, weil dieser bekanntlich gleich dem ebenfalls mit Eifer für den Welt- kongreß eintretenden Andrea Costa der anarchistischen Richtung angehört, welche sich früher energisch gegen jede Vereinigung erklärte. Wir begrüßen dies Zeichen der zunehmenden Versöhnung und Einigung mit großer Freude und wünschen nur, daß sich dieselben Gefühle auch in dem Genfer Organ der Anarchisten, dem»kevolte«, geltend machten, welches indeß trotz früherer mündlich ausgedrückter Zustimmung verschiedener seiner Freunde bis jetzt noch nichts hat davon merken lassen. Das Manifest wurde weiter noch von dem italienischen Parteiorgan»Da Diebe«(Mailand), von der ungarischen „Arbeiter-Wochen-Chronik"(Budapest), sowie von den schweiz e- rischen Organen»Drecurseur«(Genf) und„Tagwacht" (Zürich) veröffentlicht. Zwar hat die letztere sich nicht besonders für die Idee erwärmt und die Meinung ausgesprochen, daß der Schweizerische Arbeiterbund jetzt nicht in der Lage sein würde, einen in Belgien abzuhaltenden Weltkongreß zu beschicken. Aber diese wenig erfreuliche Auslassung erscheint bereits reparirt durch eine neueste Veröffentlichung des Bundeskomite's, welches die An- regung der belgischen Partei warm unterstützt und bereits die Sammlung freiwilliger Beiträge behufs Beschickung des Kon- grestcs mit einem Abgeordneten anregt. Tie Sympathie des Organs der deutschen Sozialdemokratie für den Gedanken des sozialistischen Weltkongresses, den es mit angeregt hat, ist bekannt. Eine eigentliche Bekämpfung und Anfeindung des Weltkon- gresses haben wir ausser der, naturgemäß jede Einigung der Arbeiter hassende und fürchtende Presse der herrschenden Klasse nur noch in einem Blatt gefunden, welches den Weltkongreß und seine Veranstalter schon im Voraus begeifert, beschimpft und der- läumdet— in der Londoner„Freiheit".— Der Landesrath der belgischen sozialistischen Arbeiterpartei fordert alle sozialistischen Organisationen und Zeitungen auf, so bald als möglich die Fragen, welche sie auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt haben wollen, Ort und Zeit des Kon- gresses u. f. w., zu besprechen und ihre Anträge dem Sekretär des Landesrathes, E. Anseele, Bleekerstreke 14, II., Gent, mit- zutheilen. * Seit dem 14. Juli erscheint in Paris unter der Leitung des zurückgekehrten Henri Rochefort ein radikal-sozialistisches Blatt, ,,I.'Intrgnf)ig;ekmt". Als Mitarbeiter an demselben wurden in der Presse Arthur Arnould, Benoit Malon, Protot, Olivier Pain, E. Bazire, Kasimir Bovis, sowie für das Ausland der Nihilist Hartmann, der englische Freidenker Bradlaugh, Garibaldis Sohn Menotti und— Herr H a s s e l m a n n genannt. Obgleich nun schon die Zusammenstellung der„ausländischen Redakteure" offen- kundig zeigt, daß es dem genannten Blatt lediglich um eine effektvolle Herausputzung mit vielgenannten Namen zu thun war, wobei man bekanntlich nie sehr wählerische ist, so hielten wir es doch für unsere Pflicht, einen der hervorragendsten Mitarbeiter des Blattes durch Ucbersendung des nöthigen Beweismaterials darüber aufzuklären, welchen Kukuk man sich— in offenbarer Unkenntniß der Verhältnisse— in Herrn Hassclmanns Person ins Nest zu setzen im Begriff war. Eine that sächliche Mit- arbeiterschaft des Herrn Hasselmann besorgten wir zwar keines- wegS; denn Beschimpfereien der deutschen Sozialdemokratie und Denunziationen gegen dieselbe und ihre Mitglieder— das ein- zige, was Herrn Hasselmanns Feder noch leistet— fänden in den„IntransiAesrnt" zweifellos keinen Eingang. Aber es wäre uns um das Blatt und einige uns befreundete und von uns hochgeachtete Mitglieder desselben leid, die durch eines gewcrbs- mäßigen Denunzianten und Kronzeugen Kollegcnschast beschimpft wären. Noch bevor aber unsere diesbezügliche Mittheilung zur Kennt- niß der Redaktion und der übrigen Mitarbeiter gelangt ist, finden wir in der Presse die Meldung, daß Hartmann, der bekannte russische Nihilist, in mehreren Blättern angezeigt hat: er würde mit einem Hasselmann niemals an einem und demselben Organ arbeiten. Wie man sieht, ist Herrn Hasselmanns Ruf auch be- reits nach London gedrungen, obgleich die dort erscheinende „Freiheit" noch mit keinem Wort Veranlassung genommen hat, sich von ihrem entlarvten„bewährten Freund" HMelmann los- zusagen. Weil wir übrigens gerade bei Herrn Hasselmann sind, so wollen wir noch eine diesen Herrn weiter kennzeichnende Thatsache fest- fkellen. Bekanntlich wurde f. Z. das„Deutsche Wochenblatt" wegen der bloßen Veröffentlichung— als nichtredaktionelle Notiz— der höchst harmlosen Erklärung der sozialdemokratischen Abgeordneten, daß dieselben mit Herrn Hasselmanns Privatblatt nichts zu thun haben, verboten; und dasselbe geschah mit dem, vollkommen sachlich geschriebenen und jeder Verkündigung„unter- grabender" Grundsätze fernen Flugblatt unserer Abgeordneten gegen Herrn Hasselmann. Letzterer dagegen veröffentlicht seit Wochen in jeder Nummer seines Blattes unter dem Titel„Ent- hüllungen" und mit Namensunterschrift spaltenlangc Artikel von schmutzigsten Verleumdungen gegen die sozialistischen Abgeordneten, die früheren Leiter der Parteiinstitute, den ehemaligen Vor- stand u. f. m, ohne daß ihm von der Polizei das Geringste in den Weg gelegt würde. Und das ist auch sehr leicht erklärlich; denn die ganze Schmutzarbeit wird ja ledig- lich i m I n t e r e s s e u n d w a h r s ch c i n l i ch a u ch u n t e r V o r- wissen der Polizei besorgt. Die letztere muß deshalb der Verbreitung der Hasselmann'schen Produkte den möglichsten Vor- schub leisten, während sie ebenso selbstverständlich jede Entgegnung der Verläumdetcn, welche die Wirkung der Hasselmann'schen Thätigkeit abschwächen könnte, verhindern muß. Wie willkommen der Polizei und unseren Gegnern überhaupt die Hasselmann'schen Verläumdungen sind und wie sie dieselben zur Schädigung unserer Feuilleton. Pfaffentrug oder Ki» Naddau-Aliend bei Stöckern. h. Des Nachts kriecht allerlei lichtscheues Geschmeiß aus den Winkeln und Löchern hervor. So jetzt im nachtschlafenden Deutschland. Z. B. Herr Hosprediger Ltöcker. Dieser Kauz, sonst im alten Äirchengemäuer hausend, krächzt jetzt laut sein„E h r i st l i ch- Z o z i a l!" So heißt das nagelneue Arcanum, das er, voll Erbarmen, der kranken Welt ersann. Es besteht aus: Mucke rthum und K u e ch t s s e t i gleit. Das heißt dem Vergisteren Strychnin mit Blausäure verordnen. Thut nichts. Seit man uns Sozialdemokraten unser» Jrrthnm so Uber- zeugend nachwies, indem man uns wegjagte oder einsperrte, hat der kon- zessionirle Hos-Wellverbesserer sich in Berlin breit gemacht. Ihr kennt die Geschichte vom Assen, der den abwesenden Herrn nachahmt? Stöcker ist so ein Asse. Unsere Plakate, Versammlungen, Schlagwörter— alles findet sich da wieder. Fehlt nur, was eben das Vieh vom Atenschen scheidet: der V e r st a n d. I ch kümmerle mich nie um das Affenspiel. Es war mir zu dumm. Neulich sitze ich betrübt auf meiner Bude. Ich dachte an das Gliick, deutscher RcichsbUrger zu sein und an meine unbezahlten Sleuerzettel. Ich dachte— kurz mir war schrecklich. Da kommt ein Freund.„Sie brauchen Aufheiterung", sagte er,„und wo finden Sie die besser, als bei Stöcker?" — Ich ggb nach. Bei unserem Eintritt in die dichtgefllllte„Tonhalle" stand er schon auf der Tribüne, der große Reformalor, der, zu bescheiden, noch immer nicht gestehen will, wenn seine Anhänger ihn den„neuen Luther" nennen. Der Typus des sanatischen Pfaffen! Das finstere Geficht, das tückische Auge, strafen das süßliche Wort Lügen. Partei benützen zu können hoffen, zeigt der Umstand, daß die erwähnten Schmutzartikcl in der ganzen Polizei- und Reptilien- presse mit großem Behagen vollinhaltlich abgedruckt werden, und daß Herr Hasselmann von der genannten Presse allgemeines Lob und Aufmunterung zum Fortfahren auf dem betretenen Weg erhält. Unsere Genossen werden hiernach die Hasselmann'schen„Ent- hüllungen", wenn ihnen dieselben in irgend einer gegnerischen Zeitung zu Gesicht kommen sollten, zu würdigen wissen und es begreifen, wenn w i r über dieselben kein Wort verlieren. Sollten die Angegriffenen irgend eine Veröffentlichung in dieser Sache für unbedingt nöthig halten, so werden dieselben unser Blatt selbst- verständlich zur Aufnahme bereit finden. Indessen halten wir dafür, daß die Worte eines notorischen Denunzianten und Kronzeugen für Sozialisten keinerlei Widerlegung� bedürfen und daß man einem solchen Subjekt dadurch, daß man sich mit seinen Schuftereien überhaupt befaßt, unverdimte Ehre erweist. * Ueber die Angelegenheit Most, des Bundesgenossen des Herrn Hasselmann, hat die neueste Entwicklung der Dinge — seit der bekannten Züricher Versammlung mit ihrem von Herrn Most nicht gehaltenen Waffcnstillstandsoorschlag— auch bei dem letzten, bisher etwa noch zweifelhaften und zurückhal- tenden Rest der sozialistischen Presse Klarheit geschaffen, und mit einziger Ausnahme des anarchistischen Genfer«Revolte», des grundsätzlichst en Gegners der deutschen Sozialdemokratie, gibt es kein sozialistisches Organ irgend einer Sprache, welches Most in Schutz nähme. Die beiden Hauptorgane der deutschen Sozialisten Nordamerika's, die Chicagoer„Arbeiterzeitung" („Vorbote") und die„New-Aorker Volkszeitung", haben von Herrn Most vergeblich erwartet, daß er auf unser» Vorschlag zur Waffenruhe eingehe und werden ihre Schlußfolgerungen da- raus ziehen müssen. Ueber das niederschmetternde Fiasko, welches Herr Most— der erbitterte Gegner jeder Wahlthätigkcir— gelegentlich seiner Kandidatur bei der jüngsten Berliner Wahl erlebte, schreibt die„New-Aorker Volkszeitung", welche sich oft kritisirend gegen die deutschen Parteiverhältnisse verhält, deren unbeeinflußtes und aus eigener Ueberzeugung gewonnenes Urtheil demnach von doppeltem Gewicht ist: „Most, der bekanntlich die„revolutionäre" Richtung vertritt und fortwährend Rebellion predigt— allerdings nur in dem recht sicheren London— fordert jene 3600 sozialdemokratischen Wähler(des 5. Berliner Wahlkreises) auf, für ihn(Most) zu stimmen, indem er in der Stärke des eventuell für ihn abge- gebenen Votums zugleich eine Billigung der von ihm eingeschla- gene» Taktik sehen wollte. Wir sagten, als diese Aufforderung in Most's„Freiheit" erfolgte, gleich voraus, daß dieselbe ein für Most sehr gefährliches Experiment in sich schließe. Bis dahin kannte man nicht die große Schwäch? seiner Stellung innerhalb der Partei, die geringe Zahl seiner Anhängerschaft. Das Resultat dieser Wahl, wenn die Frage so gestellt wurde, wie Most sie stellte, mußte die Ent- hüllung bringen. Und sie ist denn auch gekommen. Während die Masse der Sozialdemokratie, der ausgegebenen Parole entsprechend, sich der Wahl gänzlich enthielt, hat Most— 2 03 Stimmen auf sich vereinigt.— In Fragen der Taktik entscheidet immer der Erfolg. Wenn 3400 sozialdemokratische Wähler sich für die Richtung Bebel-Liebknecht(wohl richtiger: für die Partei D. R.) entscheiden und 200 für die Most's— s o zählt letzterer eben ni cht mehr...." Uebrigens herrscht auch über Herrn Hasselmann in der ganzen sozialistischen Presse— ebenfalls mit Ausnahme des«Revolle» — Uebereinstimmung, ein günstiges Zeichen für die fortschreitende Klärung und Einigung. Sozialpolitische Rundschau. Deutschland. * Die Reaktion nützt ihre Zeit weidlich aus und macht ganze Arbeit— das muß man ihr lassen. Auf allen Gebieten des staatlichen Lebens wird mit Leibeskräften zurückgeschraubt und Unmöglichkeiten gibts da nicht mehr. So machte das preußische Herrenhaus eine neue Jagdordnung zurccht, die für die Bauern eine wahre Skorpionengeißel werden wird und sie zur Verzweiflung bringen muß. In der Kommission befanden sich ein Fürst und neun Grafen und alle 15 Mitglieder sind passiv- nirte Jäger. Verminderung der Jäger und Vermeh- Heut predigt er über„Die Parteien und die Religio n". Er beweint, daß jede Partei apart darüber denke, statt sich in Christo zu einen. Und deutlich winkte er, daß er von Junker wie Sozialist mit gleicher Liebe— die Sporteln annähme, vtnr, sürcht' ich, dauert's damit noch eine Weile. Der Feridale„von Gottes Gnaden" ist wohl sromm; denn er weiß, daß mit dem Gott auch er flöten geht. Der Mastbürger, der Hälbling, ist'S halb— für den„Plebs", der glauben müsse. Der Proletarier, ein ganzer Kerl, brach ganz mit dem Schwindel. Spanische Dörfer für das hochwürdige Xameel.— England lobe er sich; dort sei Lord wie Arbeiter fromm.— Ei! Sieht die christliche Lösung der sozialen Frage so aus? Älerci! Wie Viele verhungern doch in London jährlich? Nun gings zum Arbciterfang. Warum die Sozialisten sich nicht auf die Bibel stützten, dies sozialistischeste Buch! Beweis sei— das alte Testament. Oller Semite!— Draus fischt er aus dein bibli- scheu Unsinn die bekannten Brocken, die zum modernen Sozialismus passen, wie Barer Abraham zum Professor der Nationalökonomie. Dann kamen die wohlseilen Moralsprüchlein, die vor paar ein Tausend Jahren mal ein semitischer Jüngling, Jcschn Hanozri, gepredigt haben soll, wie xTausend Jahre vor ihm schon andere, rührselige, gntmeincnde, kon- fnse Religionsschwärmer, die aber keinen Hund vom Ofen, resp. keinen Bourgeois vom Geldsack locken, keinen Hungrigen sättigen und trotz deren wir noch immer so sündhaft, daß der HErr eben wieder den Hosprediger Stöcker als Geißel über uns schicken mußte. Bald rief er: „Eher kommt ein Kameel in's Himmelreich, als daß ein Reicher durch ein Nadelöhr geht". Bald:„Du sollst dem Ochsen, der drischt, das Maul nicht verbinden!" So drosch der— Redner immer weiter, ohne daß istan ihm leider Gottes das Maul verbunden hätte.— Ich dacht mit Shakespeare:„Der Teufel könnt' sich auf die Schrift berufen". An die Bibel, schrie er, solle der Arbeiter glauben und nicht an Darwin! Was die Pfaffen vom großen monkey-man,„Affenmann", wie ihn die Frommen seines stillen Dorfes Down rufen— nur wollen! Zeugen sie mit ihrer Bosheit, Tücke, Geilheit nicht laut für seine Affentheorie?— An solchen Stellen brach. runa des Wildes und des Wildschadens wird die Folge dieses Gesetzes sein. So wird die Gebühr für einen Jagdschein von drei Mark auf zwanzig Mark jährlich erhöht, während die Forstbediensteten der Herren Waldbesitzer keinen Jagdschein zu lösen brauchen. Große Jagdbezirke helfen den Wildstand vermehren; deshalb wird den Landgemeinden, welche nicht eine Fläche von 100 Hektaren— 392 Morgen haben, das Recht genommen werden, über Ausübung und Verpachtung der Jagd selbstständig zu bestimmen. Vielmehr sollen solche Ge- meinden mit großen Gütern zu Jagdbezirken zusammengelegt werden. Diesen ernennt dann der Kreisausschuß einen Jagdvor- sicher, dem ein Jagdvorstand mit Stimmrecht nach der Größe des Besitzes beigeordnet wird. So bekommt der Großgrundbesitz wieder den längst gewünschten Einfluß auf die Bauernjagden. Die Beseitigung eines Jagdpächters, welcher den Wildstand zum Schaden der Bauernäcker allzusehr sich vermehren läßt, wird er- schwert. Denn die Jagd soll künftig nicht auf weniger als sechs Jahre(bisher drei Jahre), dagegen bis auf achtzehn Jahre (früher höchstens zwölf Jahre) verpachtet werden. Der Wild- schaden wird nicht vergütet, es bleibt die Gesetzgebung darin so nachtheilig für den Landmann, wie sie ist. Ja, in den neuen Landcstheilen, wo der Wildschaden jetzt noch gesetzmäßig vergütet werden muß, soll diese Verbindlichkeit aufhören, damit „die Felder nicht mit nutzloser Aussaat bestellt würden, nur um das Wild anzuziehen und nachher Wildschadensersatz zu ver- langen". Aber nicht werthlose Aussaat, sondern die Frucht von saurem Schweiß und Arbeit wird jetzt, insbesondere in der Nähe des Waldes, oft in einer einzigen Nacht vom übertretenden Wilde vernichtet. Nun soll sogar in der Nähe des Waldes der Waldbesitzer, damit„der Wildstand des Waldes nicht in un- gewöhnlichem Maße beeinträchtigt werde", wie es«m Gesetz- entwurf heißt, ein gesetzliches Recht bekommen, die Jagd auf den in den Wald einspringenden Flächen zu pachten. Beeinträchtigt dagegen das aus dem Wald austretende Wild die Felder des Bauern, so hat dieser nur das Recht, den Herrn Landrath ge- horsamst zu bitten, geneigtest einen Abschuß herbeizuführen. Kein Wunder, wenn man solchen Bestimmungen gegenüber im land- wirthschaftlichen Kasino in Sonnenbcrg jüngst vorgeschlagen hat, statt der Jagdschutz- und Thierschutz-Vereine künftig lieber„Bauernschutzvereine" zu gründen.— Ein ächteS und rechtes Herrengesetz, das wohl so manchem Bauern die Augen öffnen dürfte über die väterlichen Absichten seiner Herrschenden! — Das Reichsgericht macht sich immer besser— für das Interesse der Regierung und der Polizei nämlich. Das Sozialistengesetz wird durch die Beschlüsse dieses obersten Gerichts- Hofes statt eingeschränkt immer mehr ausgedehnt. Man erinnere sich nur an die Urtheile hinsichtlich der(von mehreren Unter- gerichten verneinte») Strafbarkeit der Sammlungen für die Aus- gewiesenen und ihre Familien, sowie an die Strafbarkeit des ein- fachen gemeinschaftlichen Abonnements einer verbotenen Zeitung. Am 9. Juli hat nun das Reichsgericht auch, abweichend von dem freisprechenden Erkenntniß des Hamburger Landgerichtes, er- kannt, daß in der bloßen Uebergabe sozialdemo- kratischer Schriften(z. B. von Zeitungen durch den Re- dakteur oder Expedienten) schon. eine„Verbreitung" liege, ohne daß sich der Angeklagte deshalb an der eigentlichen Ver- breitung betheiligt zu haben braucht. — Ein Herrscher, der von seinem Volk geliebt wird. Am 14. ds. machte der kaiserliche Heldengreis feinem Schwiegersohn, dem badische» Landcsvater, einen Besuch, der natürlich allen loyalen Seeleu der Umgegend zu demonstrativer Bezeugung ihrer Ergebenheit benutzt wurde. Reden, Ehren- weiblein, Glockengeläute, Geschützdonner und der ganze bei solchen „erhebenden" Gelegenheiten übliche Zauber wurde aufgewendet; und zu ganz besonderer Feierlichkeit.maskirten sich die sämmtlichen Offiziere und führten am hellen lichten Tag auf dem Schloß Meersburg Wallensteins Lager auf. Das Hübscheste aber ist, dax der„vielgeliebte" Kaiser von nicht weniger als 60 Geheimpolizisten und 36 Wachtmeistern, zum Schutz vor seinem eigenen Volk, begleitet war! Nicht wahr, wie sie groß ist, diese Liebe des Volkes zu feinem Kaiser, und wie der Kaiser die Größe dieser Liebe kennt und sie gebührend zu schätzen weiß! — Mehr— Guillotine! Die Vollstreckungen der Todes- urtheile durch den Scharfrichter werden in Deutschland— ein Zeichen unserer fortschreitenden Kultur— immer häufiger, so daß die vorhandenen Mordmaschinen nicht mehr ausreichen wollen. aus den süßen Friedensworten der wilde Haß gegen die neuere Zeit vor, den dies nnversöhnliche Zelotcnthum nährt, das vor 200 Jahren noch die Ketzer- und Hexcnscheiterhausen zum Himmel auflodern ließ, daß der, so viel Schandthaten in seinem Namen gewöhnt, doch stets erröthete. Heut ist der Brut der Giftzahn ausgebrochen. Aber ihr wüthen- des Zischen zeigt, wie ihr nur eins fehlt, wie im ersehnten Einst zu morden und zu brennen: Die Macht!— Draus verkündet der Gotlgesandte, wie sich die soziale Frage lösen wird.— Da zerbrechen sie sich die Köpfe und die Geschichte ist kinder- leicht: Es wird einfach der Besitz der Reichen unter die Kontrolc Gottes gestellt!!— Ha, nicht wahr, nun leuchtet's Ihnen aus? Beruhigen Sie sich— Sie kamen doch nie drauf. Rur eins ängstigt mich noch: Ob der liebe Gott bei den vielen Ge- schäfteu die ihm von Stöckcr übertragene Finanz-Ober- Kontra- leur- Stelle annimmt? Und: Wie soll er bei der Entfernung und der noch immer mangelhasten Omnibusverbindung revidiren kommen? Halt— ich hab's! Sind doch die Diener des Herrn da! Schließlich wird am einfachsten aller Besitz unter die Kontrole Stöckers gestellt. Kleiner Schäler! Das paßt Dir!— Und immer wiederkäute er den göttlichen Ulk mit der„göttlichen Kontrole". Da— plötzlich— im heiligen Eifer— bekommt er einen apoplektischen Anfall— ach nein, es war leider! nur ein apokalyptischer. Man nenne„uns Christen" Narren, weil wir die Bibclwunder nicht beweisen können. Zum Glück sei Apostel Johannes da, ein zuverlässiger, polizeilich unbescholtener Mann. Und sage der nicht:„Wir haben gesehen mit Augen, belastet mit Händen"? Gottlose, was verlangt Ihr?— Nun preist er den verrückten Gallimathias dieses wunderlichen Heiligen und zeigt sich als rechter Mistiger— Pardon, Mystiker schreibt man's wohl nach der alten Orthographie. (Fortsetzung folgt.) Es werden daher, um diesem dringenden Bedürfniß abzuhelfen, an mehreren Orten neue Köpfmaschinen angeschafft, wie z. B. das Justizministerium des kleinen Hessen-Darmstadt allein zwei neue Guillotinen bei einem Mainzer Mechaniker bestellt hat. „Hat man denn Grund zu der Annahme, daß bei uns in Zu- kunst recht viel geköpft wird?"— fragt ein blaudemokratisches Bourgeoisblatt. Je nun, wenn man die Todesstrafe als eine Panacec zur Heilung der gesellschaftlichen Schäden und Wieder- Herstellung der wacklig gewordenen Rechtsordnung ansieht, dann kann's an Schaffotkandidaten nicht fehlen. Vielleicht richten sich die wcitausblickenden Staatslenker auch bereits auf eine Zeit ein, wo man die„sozialistischen, sozialdemokratischen und kommu- nistischen, auf den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen" durch dieses abgekürzte Verfahren gründlich aus dem Weg zu schaffen suchen wird? Freilich könnte bei einer so weitgreifcuden Berechnung leicht ein kleiner Fehler unterlaufen und könnten die»eukonstruirten hessischen und andern Guillotinen am Ende eine andere Bestimmung finden, als die man ihnen heute gibt; die Fallbeile passen für jeden Hals.. — Aus Berlin sind abermals zwei Sozialisten ausgewiesen worden: der Maurer Neu mann und der Tischler Hennig; letzterer ist Familienvater und hat sich sofort nach Amerika ein- geschifft. — Aus Sachsen, 15. Juli. Bei der von mir schon jüngst gemel- beten KönigS-Komödie begab sich eine artige Posse, welche gegenwärtig, vollkommen ernsthast genommen, mit dem nöthigen Aufwand an Lotiali- tätsphrasen durch die ganze Bourgeoispresse läuft. Der„ErzgebirgS- Berein" faßte den Beschluß, zum Andenken an die beglückende Anwesen. heit Gr. Majestät einen steinernen AussichtSthurm auf dem sogen. Spiegel- Wald bei Schwarzenberg zu errichten und sagte der König„huldvollst" seine Betheilignug an der Grundsteinlegung zu. Bei letzterer Festlichkeit begleitete nun der König die üblichen drei Hammerschläge mit den Worten:„Mögen viele Wanderer sich von dieser Stätte aus der Werke der herrlichen Gottesnamr ersrcucn, und mögen sie dabei aus ein glück- liches und zufriedenes Land schauen." Natürlich sind die in Ergebenheit ersterbenden oder, mit Heine reckivivus zu reden, verreckenden„Ordnungs"- menschen über so viel Huld und Güte ganz weg und die liberal-konser- vativen Organe schließen ihre Auszeichnung und vieler dieser ähnlichen„Kö- nigsthaten" mit den Worten:„Als Resultat dürste aber unser allgeliebter König die feste Ueberzcugung gewonnen haben, daß die destruktiven Ten- denzen, deren Herd man vielfach in Sachsen sucht, trotz aller gegentheiligen Behauptungen im Herzen der erzgebirgischen Bevölkerung nicht viel Ter- rain erobert haben". Es ist nun schon möglich, daß König Albert sich derlei einreden läßt; denn bei Königen ist ja der gesunde Menschenverstand ein verdanimt seltener Artikel. Aber wer hinter die Slirne so vieler Zeugen der KönigS-Hanswurstiade und in zehntausende von sächsischen Herzen blicken kann, der weiß, was sich das Boll bei den königlichen Worten vom glücklichen und zufriedenen Land gedacht haben wird.„Wenn Dein Wunsch, das Land glücklich mid zufrieden zu sehen, ehrlich gemeint wäre, dann niüßtest vor allem Du selbst Deinen Bündel schnüren und Dich sammt Deiner ganzen Vettern- und Frenndessippe, sammt Deinem ganzen hohen und niederen Bediententroß und sammt allen, die an Deiner Herrschast hängen: Pfaffen, Amtleuten, Fabrikanten und Ausbeutern aller Art, zum Teufel scheeren; dann wollten wir uns das Land schon glücklich und zufrieden einrichten. Da Du und Dein ganzes Herrscherpack aber nicht gutwillig gehen werden, wir aber„glücklich und zufrieden" werden wollen, so—— werden wir wohl noch eines Tages ein Hühnchen mit einander pflücken, daß euch das Polksbeschwindeln ein für allemal vergehen soll!" So denkt der aufgeklärte Theil des sächsischen und des deutschen Volkes; und ich denke, es sollen ihrer nicht zu Viele grau werden, bis der Gedanke zur That gereift ist! — Darmstadt, 14. Juli. Unsere ganze löbliche Gemeindeverwaltung ist neulich über das rothe Gespenst schön in Schrecke» und fast ganz aus Rand und Band gekommen. Professor Ludwig Büchner, der berühmte Materialist, stellte nämlich in der Stadwerordneten-Versammlung den Antrag auf Einführung allgemeiner Wahlen in der Genieinde und meinte in seiner Begründung: wenn etwa bei dieser Wahlart auch Sozialdemo- traten mit in die Stadtverordnetenversammlung kämen, werde das sowohl für die Stadt als für die gedachte Versammlung selbst nur von Nutzen seüi; und die Zukunft gehöre trotz allen Ausnahmegesetzen doch den Sozialdemokraten. Da hätte man aber unsere Rathsperrücken sehen müssen! Wie ein gereizter Löwe fuhr der Bürgermeister Ohli, ein in der Wolle gefärbter Nationallibcralcr, auf und donnerte: es wäre eine Schande, wenn in dieser„hohen" Versammlung eine Partei vertreten wäre, gegen welche die ganze Nation(?!) Front gemacht habe und auch mir der bisherigen„friedlichen Eintracht" in der Versammlung würde es dann bald ein Ende haben(das glauben wir schon, daß die Betternwirthschaft bald ein böses Loch kriegte!). Er hoffe von dem gesunden Sinn(?!) der Bevölkerung, daß es nie einem Sozialdemokraten gelingen werde, in's Rathhaus einzudringen(!).— Nun, was das„nie" betrifft, so wird der weise Herr Bürgermeister wohl mit sich handeln lassen müssen; am Ende steht ihm das Jnswassersallen seiner Hoffnung sogar schon recht nahe bevor. Jedenfalls aber soll ihm in Bälde gezeigt werden, daß sich das Ausnahmegesetz auch all uns hiesigen Genossen sehr wenig bewährt hat und daß ivir nichts tveniger als todt, vielmehr recht gesund und lebendig sind. ö. L. — C. Th. Aus Hessen, Ende Juni. Seit der Proklamirung de« Ausnahmegesetzes widcz- die Sozialdemokratie � hat sich auch bei uns im Großhcrzogthum Hessen vieles geändert.— Vereine wurden zu Hun- dertcn aufgelöst, die Presse unmöglich gemacht, kurz Alles gethan, um durch das famose Gesetz den Rückgang der Sozialdemokratie bewirken zu können. Allein die Herren machten ihre Rechnung ohne den Wirth— die herrschenden Zustände. Die auch bei uns sich immer schärser zu- spitzenden gesellschaftlichen Gegensätze, lassen sich nun ein für all- Mal nicht wegjustifiziren; es bleibt dabei, daß der Mittelstand stetig rückwärts geht und die Gerichtsvollzieher alle Hände voll zu thun haben, so daß diese Leute bald sehr reich sein werden. Ich kann Ihnen bestimmt mit- theilen, daß es Gerichtsvollzieher besonder« in den ländliche» Bezirken gibt, die sich im Verlause der neun Monate ihrer Amtsthätigkeil bereits 10,000 Mark und mehr eroberten. Daß diese Tausende dem Volke cnt- zogen worden sind, brauche ich nicht zu erwähnen, die täglichen Per- stergerungsannoncen in den Amtsblättern unseres Ländchens sprechen zu deutlich. Ein Bauer nach dem andern und ein Handwerksmeister oder selbstständiger Gewerbetreibender nach dem andern inuß sein sauer Er- worbenes in den Taschen der Wucherer, Gerichte und Gerichtsvollzieher verschwinden sehen. Daß sich bei solchen Zuständen die Wunderkrast des Ausnahmegesetzes gegen die Sozialdemokraten nicht bewährt, ist gar nicht wunderbar für Leute, die denken können und wollen; für gedankenlose Maschinen ist es natürlich— schrecklich. Alles in Allem kann ich Ihnen au« Hessen über die Aussichten unserer Bewegung nur Günstiges niittheilen. Die geprellten Landleute im Odenwald dürften den Liberalismus„dick bis an den Hals" gekriegt haben und unsere Jndustriebezirke gehören schon lange der erhabenen Idee des Arbeiter- standes. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß bei den demnächst stattfindenden Wahlen zum Reichstag(gleichviel, ob die Wahl im Ja- nuar oder Juli nächsten Jahres vollzogen wird), sich die Industrie- bezirke mit denen der Landwirthschaft besser als früher vereinigen, und große Erfolge erzielen werden. Die Wahlkreise Off enbach-Tieburg und Mainz sind Festungswerke, von wo aus die Sozialdemokratie einst- mal« ganz Hessen erobern wird. Auch Darmstadt- Großgerau ist sehr gut und dürften sich die Sozialisten dort, wenn es ihnen gelingt, einen tüchtigen Kandidaten aufzustellen, selbst über ihre Erfolge wundern: mancher Saulus ist seit neun Monaten zum Paulus geworden! Die Sozialisten Hessens müssen den Spruch beachten:„Dem Mnrhigcn gc- lingt selbst das scheinbar Unmögliche"; zumal wenn ihm die Gerechtigkeit dabei helfend zur Seite steht. — Aus Württemberg, 17. Juli. Auch ein Schwaben- st r e i ch. Ende Mai ds. I. fand sich in der U l m e r Presse folgende Aufsehen erregende und befreindliche Notiz:„Wegen Majestätsbeleidignng und Verbreitung verbotener Schriften werden steckbrieflich verfolgt zwei Männer, welche vom S./0. ds. iin„Stern" hier übernachteten, am Morgen des 6. wahrscheinlich nach Friedrichshafen gesahren sind, nachdem sie zuvor an die Bänke auf dem Bahnhofperron mehrere Flugschriften gehängt hatten. Letztere tragen die Ueberschrist:„Ungeziefer-Tod!" und die Ab- bildung zweier Insekten, während der Inhalt ein sozialdemokra- t i s ch e r Aufruf ist. In's Fremdenbuch hatten sich die Beiden mit schlechter Handschrift als Sittwall, Swdent aus Heidelberg, und Timuoff, russischer Hosrath, eingetragen; dem Hausknecht habe» sie das Trinkgeld mit russischen und österreichischen Kupfermünzen gezahlt. Beide waren anständig gekleidet und hatten in einen, Paket anscheinend noch weitere Flugschriften bei sich."— Die beiden steckbrieflich Verfolgten reisten damals, des ihnen beigemessenen schrecklichen Verbrechens unbewußt, gemnthlich nach Paris. Sonderbarer Weise aber wurde in derselben Nacht von uns der„Wanzentod" verbreitet. Auf dem Rückweg von Paris wurden beide Herren— nach dem Steckbrief— in Stuttgart ausgefangen, festge- nomine» und sammt zwei Damen ihrer Begleitung nach Ulm, der Stätte ihres vermeintlichen Verbrechens, transportirt. Die guten Leutchen vom Gerichte schnupperten natürlich sofort die Nihilisten(hu, hu) und es wurde nun ein hochnothpeinliches Prozeßverfahren eingeleitet, dessen Resultat— —— die Freilassung der Llermsten war. Da hat sich also „I e m a n d" schön b l a m i r H— Nu»,„die Ulmer hängen keinen, sie hätten ihn denn zuvor"; zum Trost für das anmuthige Versehen und die Weisheit dieser Ulmer I a l o m o s und Compagnie sei hier hemerkt, daß die wahren„Attentäter", die üizwischen Lunte rochen, noch mit heiler Haut die dustige Sphäre einer hohen Ulmer oder vielmehr deutschen Polizei q n i t t i r t e n. Der kolossale Scharfsinn unserer Ulmer Spitzel wird also hiermit aus Verlangen gerne kvnstatirt und für anderwärts im Reiche auf's wärmste empfohlen. Mit höflichem Dank für den Komfort und die -gemüthliche Passage ab Ulm Z U r i ch. H. Barth, stuck, phil. Gefferreich-Ftngarn. * Während in Ungarn die seit dem Einigungskongreß planmäßig betriebene Sozialistenhetze ungeschwächt fort- dauert und sich von der Hauptstadt auch nach der Provinz, nach Oedenburg, Erlau, Fünfkirchen, Temesvar, Szegcdin?c. ausgebreitet hat, dauert auch in Zisleithanien der alte Kampf in der bisherigen Weise fort. Hat doch die österreichische Regierung während des einzigen Monats Mai d. I. nicht weniger als 46 ausländische Sozialisten, darunter sieben Frauen, aus. gewiesen, wovon 60 infamster Weise nach Rußland, was natürlich lebenslänglichem Gefängniß oder Sibirien gleichkommt. Am 14. ds. fand eine Schwurgerichts-Verhandlung gegen einen deutschen Sozialisten statt. Derselbe, Zimmernialer Franz Schneider von München, sollte der Verfasser einiger, alle möglichen und unmöglichen Verbrechen(Majestätsbeleidigung, Aufwiegelung, Ruhestörung:c.) enthaltender Berichte der„Frei- heit" sein und wurde diese Behauptung der Anklage trotz des Ableugnens des Angeklagten, auf Grund mehrerer Briefe, welche mit demselben Pseudonym wie jene Berichte unterzeichnet waren und als deren Schreiber der Angeklagte aus Grund des Sachverständigcn-Gutachlens angesehen wurde, von den Geschwo- renen für erwiesen erklärt, worauf Schneider zu sechs Mo- naten schweren Kerkers vcrurtheilt wurde.— Wir finden an dieser Thatsache selbst wenig verwunderliches; denn solche Verfolgungen der Sozialisten sind nichts neues mehr. Aber zwei Dinge sind in diesem Prozeß besonders ben-erkens- werih. Erstens daß es die richterliche„Gerechtigkeit" ganz an- gemessen fand, den vom Angeklagten angeblich persönlich belei- digten und darum als Zeuge fungirenden Staatsanwalt Lamezan zugleich als Ankläger amtiren zu lassen. Beleidigter, öffentlicher Ankläger und Zeuge in Kiner Person— es fehlte blos noch, daß der Herr auch zugleich noch formeller Richter wäre!— Sodann ist noch zu bemerken, daß dem Gericht fast das ganze Anklagematerial von der deutschen Justiz zur Verfügung ge- stellt worden war, welche damals Schneider in Anklage versetzen wollte, seiner nicht habhaft werden konnte und ihn dann wenig- stens durch die österreichischen Kollegen verdonnern ließ. Man ersieht hieraus und aus zahlreichen anderweitigen Beweisen, daß die Regierungen und die Polizei uns gegenüber bereits eine wohlorganisirte„Internationale" sind; sollten wir nicht endlich von unfern Feinden lernen und— nicht blos in tönenden Worten und gelegentlichem Verkehr, sondern in bestimmter, cner- gischer That— dasselbe thun? Aelgien. * Am 4, ds. tagte in Brüssel ein Allgemeiner Wahl- rechts-Kongreß. Es handelte sich auf demselben um die weitere Organisation der bekanntlich hauptsächlich von den Sozia- listen ausgehenden, aber zahlreiche freisinnige Elemente anderer Parteien in sich schließenden Bewegung zur Erlangung des all- gemeinen Wahlrechts. Der Vorsitz war ganz in den Händen unserer Parteigenossen. Nachdem der Zentralausschuß über den Stand der Bewegung berichtet, wurde beschlossen, am 15. Aug. eine großartige, aus allen Theilen des Landes beschickte Massen- Kundgebung in Brüssel zn veranstalten, um dadurch der ein- geleiteten Peiitionsbewegung einen kräftigen Nachdruck zu geben. Diese Kundgebung wird eine friedliche sein; nur ein einziger Abgeordneter sprach sich dafür aus, daß sie eine revolutionäre sein müsse, d. h.. daß man das verlangte Wahlrecht durch einen Straßenkampf erobern solle. Zahlreiche Redner sprachen aber gegen diesen sonderbaren Vorschlag und wiesen nach, daß wenn man am 15. August mit den Waffen kämpfen wolle, es un- sinnig wäre, dies vorher zu verkünden, weil die davon verstän- digte Regierung ihre Vorbereitung treffen und die Tollköpsc massakriren würde. Heute sei noch nicht die Zeit, die Waffen zu ergreifen und bei diesem Anlaß am allerwenigsten; um hiebe! Aussicht auf Erfolg zu haben, müsse man organisirt und ge- schult sein und das zu erlange», biete die Wahlrechtsbcwegung die beste Gelegenheit. Krankreich. * In unserer letzten Nummer hat unser Pariser Berichterstatter mit unserm vollkommenen Einverständniß nicht nur die unbeschreiblich gemeine Hetze der gambettistischen Republik gegen die ausländischen und namentlich auch gegen die deutschen Sozialisten gebrandmarkt, sondern auch die schmähliche, von verächtlichstem Nationalwahn und Mangel jedes Rechtsgefühles eingegebene Haltung der meisten republikanischen und selbst eines sozialistischen Pr.eßorganes diesen Ausweisungen gegenüber gekennzeichnet. Die ganze Ausweisungshandluug und die Stellung der öffentlichen Meinung zu ihr sind in der That eine unbeschreibliche Schmach für Frankreich. Und wer das französische Volk blos von dieser einen Thatsache aus benrtheilen, wer die großen Verdienste, welche es sich seit der großen französischen Revolution so oft um die Sache der Befreiung errungen hat, als dessen muthigster, lhatkräftigster und aufopferungsvollster Vorkämpfer es sich er- wiesen hat und zweifellos auch ferner erweisen wird— wer diese Thatsache» über der Schmach der Ausweisungen einen Augenblick vergessen könnte, dessen Hoffnungen auf den hervor- ragenden Antheil des französischen Volkes an der Befreiung der Menschheit, der Durchführung der sozialen Revolution, der wahren Verbrüderung der Völker möchten gesengt werden, wie von einem giftigen Mchlthau. Aber wir gehören nicht zu den vorschnell und lieblos Urtheilmden. Wir bedauern die Verirrung der öffentlichen Meinung Fraizkreichs und noch mehr, daß sie sich selbst französischer Arbeiter be- mächtigt hat, welche sich zur sozialistischen Fahne bekennen und alle Vorurtheile überwunden zu haben glauben; aber wir hoffen bestimmt, daß sich der gehirnnmdüsternde Rausch mit der fort- schreitenden Erkenntniß durch den Sozialismus bald verflüchtigen wird. Und diese Hoffnung scheint um so begründeter zu sein, als schon heute ein zwar an Zahl kleiner, aber an Fähigkeit und Thatkraft und darum an Zukunft reicher Theil des fran- zösischen Volkes, die entwickeltsten und folgerichtigsten unserer sozialistischen Kampfgenossen jenseits der Wasgauberge, sich euer- gisch gegen das heutige verbohrte nationale Treiben erheben und sich dabei rückhaltlos auf den Standpunkt der Gleichberechtigung alles dessen, was Menschengesicht trägt, stellen. Das Organ dieser ächten Sozialdemokraten oder kollektivistisch-revolutionären Sozia- listen, wie sie sich in Frankreich nennen, die«LZsIitff«, läßt sich über die Ausweisungen folgendermaßen aus: „Die„Republik" fährt fort, sich zur unterthänigen Magd der bis- inarckischen Politik zu machen. Kein Tag vergeht, ohne dag die Andrieux- Grevy'sche Polizei unter dem Beifallsgeschrei' des„l'orit National" und feines Gleichen einen oder mehrere deutsche Sozialisten, d. h. Mit- glieder der einzigen Partei in Deutschland, welche sich muthig sind auf Gefahr ihrer Freiheit, dem Raub Elsaß-Lothringens wiedersetzte, beim Kragen packte und ausweist. Am 3. Juli wurden ausgewiesen: die Bürger Kühne, Schreiner, H ü n s ch, Schreiner, K l e i n s e l d, Schreiner; am 7. llmbach, Mechaniker(verheirathet), Pohl, Bildhauer, Renk- wig, Mechaniker; am 0. Rüßeler, Goldschmied, Frau Heß, Wittwe eines deutschen Sozialisten, 60 Jahre alt und seit 30 Jahre» in Paris; am 10, Petersen, Kürschner, u. a. Die russischen Sozialisten werden übrigens von unseren republikanischen Herrschern auch nicht besser behandelt; diese Herren benützen ihre Polizei zu zwei Streichen, indem sie zu gleicher Zeit dem Kaiser aller Deutschen und dem Zaren aller Reußen Dienste leisten. Zu de» Bürgern Klatschko und Eigensohn, deren Auswei- sung wir bereits berichtet habe», sind noch die Bürger Litwinoss, De- nicker, Goldenberg u. a. hinzugekommen, welche auf offener Straße oder zu Hause ausgelesen, durch den Polizeigewahrsam nach der Fremde geschickt worden sind.... In den Händen dieser geüngstete» Bourgeoisie ist Frankreich zur Wüste des Dichters der„Chatimcnts" geworden. E» verbannt die Verbannten des Sultans von Petersburg, es verjagt die Verjagten des Zaren von Berlin..." Und in ihrem im besten Sinne des Wortes„aufreizenden" Artikel über das„Nationalfest" des 14. Juli sagt unsere Kampf- gcnossin: „Ihr behauptet, ein„universelles Fest" zu feiern? Und während der abgelansenen sechsMonate allein hat dieBourgeois- Republik, in Nichtachtung unserer gastfreien Ucberlie- ferungen, mehr russische und deutsche Flüchtlinge aus- gewiesen, als das Kaiserreich des 2. Dezember in ach tzehn Jahren! Und ist es nicht 48 Stunden, daß die Polizei Andrieux' eine Frau von 60 Jahren, deren einziges Verbrechen war, die Wittwe eine« deutschen Sozialisten zu sein, aus ihrem Bette riß und sie aufs roheste an die Grenze warf, nicht ohne sie im Polizeigewahrsam mit dem Ab- schäum der Bourgeoisgescllschast zusammcngeworsen zu haben?... So lange nicht ein 14. Juli der Arbeiter über die kapitalistischen Bastillen hinweggegangen sein wird; so lange die Klasse, welche die Besatzung dieser Bastillen bildet, nicht gleich einem einsachen de Launay(dem Be- sehlshaber der alten Bastille zur Zeit ihrer Erstürmung, der vom wüthenden Volk niedergemacht wurde) sammt ihren Invaliden vom Heer, vom Richterstand und von der Polizei sich ergeben haben; so lange gibt es für das Volk nichts zu seiern."-- Es mangelt uns heute leider der Raum, ausführlicher auf die grenzenlos infame Behandlung der Ausgewiesenen, welche zum Theil gefesselt und mit gemeinen Verbrechern zusammen in Gefangcnenwagen transportirt wurden, einzugehen; vielleicht holen wir's noch nach. Außer den oben angeführten Ausweisungen sind uns bis jetzt noch die folgenden bekannt geworden: Münich, Welter, Seifert, Sautermeister, Schmidt, Tscherkessow, Dzwi- galski. — Arn 11. Juli wurde in Lyon der Arbeiterkongreß der Ostregion eröffnet; derselbe beschloß auf Anregung des Bürgers Coupat einstimmig, sich den Namen„Kollektivistisch- revolutionärer Sozialistenkongreß" zu geben. Die Verlesung der Einladung der belgischen Genossen zur Beschickung eines sozia- lijlischeu Weltkongresses wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Tie über der Rednertribüne hängende rothe Fahne wurde auf Befehl des Präfekten als ein„aufrührerisches Zeichen" entfernt! Als Hauptaufgabe des Kongresses wurde von mehreren Rednern die Organisation der Arbeiterpartei in der Oftregion, die voll- ständige Trennung der Arbeiter von der Bourgeoisie und die Beschlußfassung über die thätliche Betheiligung der Arbeiter an den nächstjährigen Wahlen mit einem Programm von Mindest» forderungcn bezeichnet.— Am 18. ds. wurde der Kongreß der Region des Zentrums eröffnet, welcher von den Ar- bcitern von Paris und der umliegenden Ortschaften beschickt wird.— Der Regionalkongreß von Bordeaux hat bereits am 22. Juni getagt. Wir beschränken uns, mit der«Eigjasiite», darauf, die Hoffnung auszudrücken, daß diese, sowie die noch folgenden Regional- kongresse, indem sie sich mit dem Geiste der sozialistischen Be- schlüsse des Marsailler Kongresses erfüllen, die Wege erforschen werden, auf welchen aus den nächsten allgemeinen Wahlen eine mächtige Arbeiterpartei hervorgehe» wird, die allein die Umge- staltung der heutigen verrotteten politischen und sozialen Ordnung, die Befreiung des Proletariats, mit einem Wort: die soziale Revolution herbeiführen und siegreich durchkämpfen kann! Itatie«. * Die Regierung, schon sonst niemals lau gegen die Sozia- listen, verfolgt seil einiger Zeit ein System der wüthendsten Verfolgung und der Unterdrückung um jeden Preis. Kaum ist unser Freund und Mitarbeiter Costa gegen alle Vermuthung in Mailand verurthcilt, so geschieht schon zwei Florentiner Genossen, Serantoni und Rigatti, dasselbe, indem sie als«msllattori» zu drei Monaten Gefängniß und einem Jahr Polizeiaufsicht ver- donnert worden. Und weitere Verhaftungen und Verurtheilungen werden aus verschiedenen bedeutenden Mittelpunkten der Bewegung gemeldet.— In Perugia wurde auf Anordnung des General- staatsanwaltes ein gegen 20 Genossen wegen Theilnahme an der Internationale" angestrengter Sozialistenprozeß nieder- geschlagen, während gegen vier Genossm weiter verhandelt wird. Die freigelassenen Angeklagten befanden sich volle zwanzig Monate in Untersuchungshaft! Die lange Untersuchungs- Haft, schon immer eine berechtigte Eigcnthümlichkeit der italienischen Justiz, wird überhaupt den Sozialisten gegenüber zu einem wahren System ausgebaut; hat doch die Regierung vor den Gerichten so oft Unglück, während die„Staatsverbrecher" aus jene Weise ohne jegliche Gefahr einer Blamage wirksam ge- troffen werden können. Ein„praktisches" GercchtigkeitSspiel, bei welchem die Gewalt nie verlieren kann— scheinbar wenigstens; denn in Wirklichkeit ruht die Sache aus sehr schwachen Beinen und je länger daS Spiel getrieben wird, desto sicherer und näher ist sein Ende mit Schrecken. — Mailand, 13. Juli. Die Genossen Andrea Costa und Anna Kulischoff harren noch immer im Gejängnisse zu Bologna, daß man sie endlich vor Gericht stellen werde. Wahrscheinlich werden sie schließlich freigesprochen werden, wie die 22 Genossen von Perugia vor einigen Tagen sreigesprochen wurden, nachdem sie 18 ivtouate in Untersuchungs- hast zugebracht hatten. Jtvei dieser Unglücklichen hat niaii nun der Irrenanstalt Übergeben; ein anderer fand nach erfolgter Freisprechung beide Eltern todt— der Bater war an jenem Tage erkrankt, als er seinen Zohn in Ketten sortsühren sah; wieder ein Anderer fand nur noch seine beiden kleinen Kinder vor— sie hatten keine Mutter mehr u. s. s. Wahrlich, dao„radikale" italienische Ministerium thut sein Möglichstes, um sein russisches Vorbild zu erreichen, und wenn es sich noch ein klein wenig Mühe gibt, so wird es ihm an Infamie bald gleich- kommen.— In Florenz fanden wieder Berhastungen von Sozialisten statt. Ein neues sozialistisches Wochenblatt„I-a I-otta"(der Kampf), welches am 1. Juli erschien, wurde sofort in seiner ersten Nummer kon- fiSzirt. Das gleiche Schicksal hatte auch die zweite Auslage derselben Nummer, in welcher der beanstandete Artikel„Die neue Kammer" durch einen andern ersetzt worden war. Indessen hat die Beschlagnahme der neuen Zeitung nur gewaltig genützt. Ueberall wurde dieselbe mit großem Interesse gelesen und inan envartet mit Spannung die zweite Nummer. — Unser altes Parteiorgan,.X» Plebe" in Mailand, wurde mittler- weile in Frankreich verboten. In der„Republik" Frankreich, in welcher noch weit radikalere Blätter erscheinen, verbietet man ein auf monar- chischem Boden unbeanstandet gedrucktes Blatt! Wo muß man da eigentlich die Logik suchen?'Nun, nirgends, denn es ist eben keine darin, wie überhaupt keine ist in allen Maßregeln der geängftigte» Bourgeois-Welt gegen die verfluchten Sozialdemokraten. Sie schlagen eben nur immer blind darauf zu, nud treffen deshalb auch niemal« das Rechte. Der Sozialismus breitet sich in Italien mittlerweile immer weiter aus. Bedeutenden Borschub hierbei leistet ihm die gegenwärtige Agitation für da« allgemeine Wahl- und Stimmrecht. Im ganzen Laude finden gegenwärtig Volksversammlungen zu diesem Zwecke statt und die Sozia- listen nehmen lebhaften Antheil an denselben, in der richtigen Absicht, diese Gelegenheit zur Verbreitung ihrer Ideen und Förderung ihrer iele zu benutzen. Bereits hat diese Taktik namhafte Erfolge aufzuweisen. n einer ganzen Reihe von Städten nahm das Volk die von Sozialisten vorgeschlagene Resolution begeistert an; in Livorno lautete dieselbe offen auf Abschaffung aller politischen, ökonomischen und religiösen Vorrechte. Diese aussichtsvolle Bewegung wird uns nächstens wahrscheinlich noch wichtigere Thatsachen zu berichten aufgeben. In Mailand ist der seiner Zeit eingegangene sozialistische Berein„Die Söhne der Arbeit" von Neuem ins Leben getreten. Er hat sich namentlich die Propaganda des Sozialismus zur Ausgabe gestellt und hat auch bereit« nicht unbedeutende Er- folge aufzuweisen. Bei Gelegenheit der Amnestirung der Kommunarden richtete derselbe ein Spmpathieschreiben an dieselben. Tie Vorgänge in Deutschland, besonders in der deutschen Sozialdemokratie werden natürlich auch hier eifrig verfolgt und finden das Gebahren Most's, sowie die Verräthereien Hasselinanns schärsste Verurtheilung. Die hiesigen deutschen Sozialisten lassen sich nicht irre machen in ihrem Ver- trauen zu ihren Brüdern üi Deutschland und stehen nach wie vor voll und ganz und opfermurhig, soweit ihre Kräste reichen, für die Verfolgten ein. Die Zwietrachtsäer und schändlichen Berrälher aber sollten gebrand- markt sein vor allen Genoffen. Man halte sich nicht an Personen: es lebe die Sache! L. K. Nortugak. ♦ Anfangs Juli fanden in allen Städte» große Festlichkeiten zur Feier des ll00jährigcn Gedenktages des Dichters Camoens statt. Zur Bethciligung an dem großen Festumzug in der Hauptstadt eingeladen, erschien die dortige Arbeiterorganisation vollzählig, aber mit entfalteter rother Fahne. Sofort mischte sich die Polizei ein und verbot die Vorantragung des schrecklichen Zeichens, worauf sich die Arbeiter, selbstverständlich unter Protest, entfernten und die Bourgeoisie allein feiern ließen.— Bei Gelegenheit derselben Feste kam es in Evora zu Gewaltthätig- keilen zwischen dem Volk und der Garnison.— Bei den demnächst stattfindende» Ergänzungswahlen zum Parlament wird sich die sozialistische Partei in Lissabon bctheilige» und ihre Stimmen für die sozialistische Kandidatur Anthero in Ouentai abgeben. Bücherschau. ii. Als wir vor bald vier Monaten«in Nr. II) mit unserer Bücherschan begannen, glaubten wir den neuerscheineuden sozialistischen und unserer Beivegung sachlich nahestehenden Geisteserzeugnissen fortmährend ivenig- stens kurze Besprechungen widmen zu können. Vollständiger Mangel an Zeit jedoch(der dadurch verschuldet ist, daß unser Blatt von einer ein- zigen Arbeitskraft hergestellt wird, welche außerdem uoch einen äußerst umstmgreichen Briefwechsel mit den Parteigenossen in Deutschland und allerwärts zu führen und auch noch anderweitige Geschäfte zu besorgen hat) macht uns selbst eine oberflächliche Besprechung— so mangelhast sie auch wäre— unmöglich. Von unsern Parteigenosse» aber hat sich bis jetzt noch niemand bereit gesunden, einzelne der Neuerscheinungen, welche seinem Interesse besonders nahe stehen, zu beurtheilen. So bleibt»ns denn nichts anderes übrig, als unfern gute» Willen, die Genossen über die neuerscheinenden sozialistischen Schriften auf dem Lanfendeu zu halten, dadurch anzudeuten, daß ivir wenigstens die Titel derselben anführen. Wir missen wohl, wie vollkoinmen unzureichend diese Art der Berichterstattung ist; aber über sein Können vermag nie- mand. Deshalb werden uns außer de» Lesern auch die Verfasser und Einsender der nachverzeichneten Schriften entschuldigt halte». Wenigstens wird durch unsere trockene Auszählung soviel erreicht, daß da« Erscheinen neuer Werte zur Kenutniß der Genossen gebracht und den letzteren deren Studium beziv. Anschaffung empfohlen wird; denn die Auszählung in unserer Bücherschau soll, Ivo nichts anderes bemerkt ist, in der Thal zugleich eine Empsehlnng sein. Sollten wir selbst mit der Zeit über die nöthige Muse verfügen oder sollte sich einer oder der audere Genosse mit der entsprechenden Beurtheilung einzelner Schriften beschäftigen wollen, so behalten wir uns selbstverständlich vor, weiter daraus zurück- zukommen und würden mit Freude begrüßen, wenn wir es könnten. »* * Histoire du äocitilifime, depais leg tenipg I es plus reculönjusqu'tt nosjours. Pur Beuoit Malon. edition. Lyon 1879/80.(Fr. 8.—.) Der erste, sehr bemerkenSiverthe Versuch einer umtassenden Geschichte des Sozialismus, von seinen ältesten Spuren bei den verschiedensten Völkern bis auf die neueste Zeit. Der als hervorragendes Mitglied der Pariser Kommune und bewährter sozialistischer Schriftsteller(Leiter der ,.Revue socialiste") bekannte Verfasser hat die erste Ausgabe seines Werkes mit größter Gewissenhaftigkeit von Grund aus umgearbeitet und wesentlich vervollständigt und ist sein Buch in dieser neuen Gestalt zwar nicht die beste Geschichte des Sozialismus, welche geschrieben werden kann, aber doch die einzige von einem Sozialisten geschriebene, welche auf diesen Namen und die Beachtung der Genossen Anspruch erheben darf. Man wird in Malons Werk(welches liescrungsweise erscheint) eine Fülle von Belehrung, allenthalben aber die höchste Begeisterung für unsere große Sache finden. Möge das Buch auch in der deutschen Sozialdemo- kralie— welche Malon kennt und schätzt, wie wenig Ausländer und namentlich wie keiner seiner Landsleute— recht viele Leser und Freunde finden.— Der Einfluß der Volksvermehrung aus den Forlschritt der Gesellschaft. Untersucht von Karl Kautsky. Wien 1880. (Mk. 1.60) Eine Untersuchung von großer Bedeutimg, in welcher der Verfasser, ein bekannter österreichischischer Sozialist, zu dem sehr richtigen Schluß gelangt, daß der Bevölkerungslehre vom Sozialismus bisher ein viel zu geringer Werth beigemessen worden ist und daß man sich mit den landläufigen Phrasen über den Malthusianismus über die hochwichtige Frage: wie im sozialistischen Zukunftsstaat mit seinen unendlich ver- besserten Lebensbedingungen der drohenden Uebervölkerung vorzubeugen sei,— nicht hinwegkomme. Es ist gewiß, daß ivir dieser Frage heute noch nicht so nahe stehen und daß sie auch bei der endlichen Verwirk lichung unserer Grundsätze nicht s o schnell eine brennende werden wird, als der in seinen Gegenstand vertiefte Verfasser meint. Allein sie ist darum für das Sttldium und die Lösung der großen sozialen Frage nicht minder wichtig, und wird in dem vorliegenden Buch unter Aufwand eines fleißigen Quellenstudiums und mit großer Ileberzengungskraft be- handelt. Sozialismus und Darwinismus. Eine kritische Studie. Von Geo. C. Stiebeling. New-Dork 1879.(Mk. 1.—.) Das Schristchen verdankt seine Entstehung der bekannten, durch Virchow hervorgerufenen Debatte der'Naturwissenschafter Häckel, Oskar Schmidt, Virchow, Karl Vogt u. a. über den Zufammenhaiig von Sozialismus und Darwinismus, in welchem die gelehrten Herren ohne Ausnahme eine so hochgradige Unwissenheit über politische Tinge im allgemeinen und die wichtigste Bewegung unserer Zeit, den Sozialismus insbesondere, an den Tag gelegt haben. Die Arbeit unseres amerikanischen Genossen weist nicht nur die Jrrthiimer und Widersprüche der genannten Gelehrten nach, sondern gibt auch eine gedrängte aber tteffende Erklärung des Darwinis- iims einen- und des Sozialismus anderseits und weist nach, daß der Sozialismus in der That unmittelbar'auf dem Darwinismus fuße und also auch in dieser Beziehung den festen Boden der Wissenschaft unter seinen Füßen habe. Arbeiterpresse. Der„Sozialdemokral" steht mit den meisten der nachfolgenden sozia- listiichen oder dem Sozialismus nahestehenden Blätter in regelmäßigem Tauschverkehr und benützt dieselden zu seinen Informationen: Deutsche Sprache. A r be i tc rfreun d, Reichenberg(Böhmen), zweiwöchentlich. Arbeiter- Wochen-Chronik, Budapest, deutsche« Organ der sozialdemokr. Ardeiterpartei Ungarns, wöchentlich. Ärbe iter-Zeitu ng, Chicago, täglich. California Freie Presse, San Francisco, wöchentl. Der Arbeiter, Luxemburg. Organ des Arbeiterbundes, wöchentl. Die Tagwacht. Organ der sozialdem. Partei der Schweiz»nd des Schweiz. Ardeiterbundes, Zürich, halbwöchentlich. Fackel, Chicago,(Beiblatt znr Arbeiterzeitnug) wöchentlich. Grütlianer, Organ des Grütliv-reinS, Bern, halbwöchentlich. N.'SJ. Bolkszeitun g, New-Aork, täglich und Wochenausgabe. Pacific Pilot, San Francisco, wöchentlich. Phil. Tag eblatt, Philadelphia, lägtich. Stimme des Westen», Et. Louis(Nordamerika), täglich. Bolksfreund, Chur(Schweiz), halbwöchentlich. Vorbote(Wochenblatt der Arbeiterzeitung), Chicago. Zukunft, Wien, zwelwöchentlich. 'Niederdeutsche Sprache. De Yolkawil, Gent, wöchentlich(vlämisch). De Werker, vläm. Organ der soz. Arbeiterpartei Belgiens, Ant- werpen, wöchentlich. De Werk nmnsbode, Amsterdam, Organ des niederländischen Arbeiterbundes, wöchentlich. Ooet en West, Hadem, Monatsschrift für Sozialwissenlchaft. Reolrt voor Allen, Amsterdam, wöchentlich. Dänische Sprache. De Kavnen, humoristisch- satyr. Wochenschrift,' Kopenhagen. Den nye Tid, Chicago, wöchentlich. Den Sozialdemokraten, Kopenhagen, wöchentlich. Englische Sprache. Bulletin ok tlie goeial labor movement, osfiz. Organ der sozialdem. Arbeiterpartei Nordamerika'«. Cincinnati, monatlich. Tbe amerioain Socialist, Oneida(Nordamerika), Organ der kommunistischen Kolonie Oneida, wöchentl., 'Ille Communist, St. Louis,(Nordamerika), wöchentlich. 'Flie irish World and american liberator, Detroit (Nordamerika), irische« Organ. Tbe Kepublicau, London, wöchentlich. Französische Sprache. Leo Droits du Peuple, Brüssel, wöchentlich. La F edö rati o n, Marseille, vom Marseiller Kongreß beschlossenes Organ der zu organ'sirenden französischen Arbeiterpartei, monatlich. Lajeune Icarie, Organ der kommun. Gemeinde Jkarien, Iowa (Ver. Slaalen), balbmonatlich La Bekorme politique et sociale, Lyon, wöchentlich. Lo Rdvoltö, Genf, balbmonatlich,(anarchistisch) La Revue sociale, MonatSschrist für wiffenschajtlichen Sozialismus, Saint Cloud bei Paris. Le Travailleur des villes et campagnes, Paris, wöchentl. La Trique, Brüssel, humoristisch jaturisches Wochenblatt. La Voix de l'Ouvrier, franz. Organ der soz. Arbeiterpartei Belgien«, Brüssel, wöchentlich. L'Fgalitd, Saint Cloud bei Pari«, wöchentlich. Le Präcnrseur, Gens, wö! entlich. Le Prolötaire, Saint Cloud bei Paris, wöchentlich. Le Reveil, Seraing, wöchentlich. Le Travail, Monatsschrift des Verein« sozialer Studien, London. Le I" ypo grapb e, iozialistisches Bnchdruckerorgan, Brüssel, wöchentlich. L'Ordre sociale, Monatsschrift für Sozialwissenschast, Paris. Italienische Sprache. II Kovimento sociale,'Neapel, wöchentlich. L'Ateo, Livorno, wöchentlich. La Plebe, Mailand, wöchentlich. La Kivista internationale del äocialismo, Mailand, monatlich. Spanische Sprache. LI Internationalista, Montevideo(Uruguay, Südamerika), monatlich. LI Municipio libre, Spanien, anarchistisches Gehcimorgan, monatlich. Li Socialista, Mejico, wöchentlich. La Revista social, Barcelona, wöchentlich. Portugiesische Sprache. 0 Operario, Porto, wöchentlich. O Proteste, Lissabon, wöchentl. Ungarische Sprache. Nepszava, Budapest, magyarische» Organ der sozialdem. Arbeiter- Zartei Ungar»«, wöchentlich. Böhmische Sprache. Budockcnost, Prag, zweiwöchentlich. Delnickd Listy, Prag, zweiwöchentlich. Pochoden, Humorist, satyr. u. belletrist. Wochenblatt, Prag. Polnische Sprache, Praca, Lemberg, wöchentl. Rownose, Organ der polnischen Sozialisten, Genf, monatlich. Russische Sprache. Rabotnik, Genf, monatlich. Obstsche d.jelo, Gens, monatl. Kl ein ru ssls äi e Sprache. Uroma da. Genf, monatlich. Xova Osnova, Genf, zweiwötentlich. Briefkasten der Redaktion: Paul— chen: Herrn Schffrt. soll sein Recht wer- den. Zwar hat es der hiesige deutsche Verein abgelehnt, seinerseits einen Untersuchungsausschuß niederzusetzen, bezw. sich aus die Angelegenheit Sch.'s, der keiner Arbeiterorganisation angehört, eiuzulafsen. Dagegen hat der Internationale Arbeiterverein die Sache zur endlichen Austra- gung abermals in die Hand genommen und eine Untersuchung über da« politische Vorleben und Treiben Sch.'s beschlossen, zu welcher der I. A.-B. wie Herr Sch. je drei Mitglieder wählte, während der Zentralausschuß zur Abordnung eines Vorsitzenden eingeladen wurde. Dieser Untersuch- ungsausschuß wird demnächst zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Material erhalten, weiter zugesagtes erwartet. Sch. fordert übrigens so- eben Beweise binnen 8 Tagen und droht mit dem Friedensrichter, d. heißt: Beginn der persönlichen Denunziation„von Rechts wegen" und Flucht vor dem proletarischen Tribunal. Sehr gut! O. M., A m st e r d a m: Sehr erfreut, daß man auch dort klar sieht und treu zur alten Fahne steht. Was die lange Unterbrechung des des O. betrifft, so sind wir mit Ihren Äussührungen im allgemeinen ganz einverstanden. Indessen ist auch zu bedenken, daß in solchen Sturm- und Drangzeilcn, namentlich wenn die Hauptlast auf wenigen Schultern ruht, leicht Fehler gemacht sind. Diese können nun allerdings nicht wohl ungeschehen gemacht werden, aber die Hauptsache ist, daß man sie noch bei Zeiten erkennt und sie nach Kräften gut macht, was ja— wie Sie scheu— geschehen ist. An die beiden„Großbürger" werden wir wohl einmal eine Ausforderung zur Ausführung ihrer Drohung richten. Gruß!—..r. Liegnitz: Ihr Wunsch soviel als möglich ausgeführt, auch wegen des Drucks; wir erhalten demnächst besseres P., das nicht so leicht erhältlich ist. Exped. erfolgt von hier aus prompt; Sie vergessen, daß es in Deutschland einen organisirten Postdiebstahl gibt. Was an uns liegt, diesen zu durchkreuzen, geschieht.- Ehud: Es ist allerdings richtig, daß die vorherige Mittheilung der T.-O. sehr wünschenswerlh wäre, allem Sie vergessen, daß derlei Dinge heute nicht öffentlich besprochen werden können. Es bleibt hiernach nichts weiteres Übrig, als daß die Freunde in ihren Kreisen auf eigene Fanst das ihnen Nöthigscheinende besprechen; das Weitere wird sich dann schon finden.— H. G., Thurgau: Ihre Einsendung zurückgestellt, da dicse�Frage jetzt ununterbrocheu behandelt wurde; kommen aber bald darauf'zurück. der Expedition: Dr. Rdw., Boston: Fr. 2,50 erh. Sdg. folgt. — H. Kippst., Lausanne: Fr. 4,20 Ab. u. Schst. erh.— E. B., Eft.: Mk. 3,40 Ab. 3. Q».». Schst. hier. Weiteres besorgt.—-Hichimmel- donii--: Mk. 32,20 ä Cto. hier. Ersatz u. Alles fort.„Baukunst" gibt zirka 40 Hefte. Gcneral-Z. folgt, sobald Lust. Dr. Mos. durch Lpg. abgelehnt. Port, wäre ungercchtftgt, könnten wir nur solche Brocken „ins Jenseits" gratis hinüber blasen. Weit, vorgem. Ueber Flahden soll L. verfügen. Mk. 4,30 Schwimmverl, gulgebr. Schrumm!— X. 3: Mk. 20,— Bbhdlg. erh. Weiteres besorgt.— W. W. Ä.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh. Alles fort. Hatte Verzögerung.— H. Rßbrg., Courtn.: Fr. 18,— Schft. folgen. Shlly ab Lpzg.(Blacke's) Thieme's„German u. Engl. Tictionary" ist einfach, handlich u. verhältnißmäßig reichhaltig. — Stch., Rbrg.: Mk. 3,20 Ab. 3. Qu. erh. Nchlieserung. abgeg.— „Bolkswyl", Gent: Senden stets prompt: Reklamirtes muß also gestohlen oder verloren sei».— C. St., Biel: Fr. 4,— Ab. 2. Sem. erh.— A. Krrl, E— ttl.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. P. Sch. erh. Wunsch nochmals be- achtel.— 91. 91., Prag: Fr. 94,35 hier.„Allzu bissig macht stumpfen Zahn!" Bf. v. 14. erst am 21. erhallen. Zwischenhand sehr langsam. 91eue durch Ge». Schr. Alles fort, 26-c. betr. ging Bf. am 30./6. an R. K.— M. 31: Bf. v. 19. hier. Weiteres dringend erwartet.— O. Peter: Sende» fortan 65. U. T.:c. in größerem Posten. Mk. 6,50 pro Mille baar. Sdg. k. folgt. Wink beach'et.— Ch. II. Wandsworth: Fr. 2,50 Ab. 3. Qu. erh.— Sauerkraut u. Leberklos: Mit halbem Preis ein- verstanden. Zu Weiterem sind wir nicht ermächtigt. Sonst Alles gut.— Gustel: Mk. 20,— von„Schafskopf" vorläufig hier»otirt, da Bf. zu spät kam.— St. B. St. 18: P. St. hier und soweit verständl. mit 29 erlcd. Wer ist Br. u. R.?— O. T.,— H: Mk. 3,— 3. Qu. erh. Bis heule stets Alles an Z. fort.— F. Schr.,— gau: Mk. 3,— 3. Qu. erh.— Karl Rothschild Z.: Mit 30 sind Ihre Wünsche berücksichtigt. Warum R. separat und nicht ab dort marschiren lassen? Zehnmal mehr als Euriges geht zehnmal sichrer. Gruß!—.91. Kr. Rbrg. ö. fl. 1,70 Qu. erh. 23 folgt.— Dr. Eiselc: Mk. 35 v. 14./7. am 21. hier. Zauberer hat nach L. rapportirl, Wahrheit u. Dichtung über hiesige Erlebnisse. Säugethier besorgte die„Mache". Sch. Probirl Profitrate herauszupressen. Ilabeat sibi. Bf. fort.— Fcldhplm.: Bf. v. 17. erh. Antw. am 20. fort an Me.— Lgs. L— d— H.: M. 1«.— Ab. 3. Qu. 6 Expl. erh. Wei- teres folgt. Anzeige u. i�stAssdisiiKtZ! rsioloitrapliie! �.näsnken! Das photographische Atelier von P. Ifta hui i» yinl iveriien Rae de la Constitution N" 35 hält sich zur Anfertigung von Copien nach jeder Photographie, Zeichnung u. s. w., sowie zur Herstellung von . Vergrösserungen nach den kleinsten Portraits bis zur Lebensgrösse bestens empfohlen. Sämmtliche Arbeiten werden in Kohldruek(sind also unTergänglich) hergestellt und in künstlerischster Weise sorgfältigst ausgeführt. Für naturgetreue Aehnlichkeit wird garantirt.— Preise äusserst billig. Briefe franko gegen franko. Ein gewöhnlicher Brief nach Belgien kostet 20 Reichspfennige.[Bez.] Durch die Expedition des„Sozialdemokrat" und die Volksbuchhand» lung in Hottingen-Zürich ist zu beziehen: Die soziale Baukunst oder «riindc uud Mittel für den llmliim und Miederansban der gesetlschaftlichen vcrhiittnisse. Von J. Alois Petzler. Dieses für das Studium und die Lösung der sozialen Frage wichtige Werk wird im Verlage der Volksbuchhandlung zu Hottingen-Zürich. so- wohl in Einzellieserungen als auch gebunden in zwei Bänden erscheinen. Die ersten drei Hefte find bereits erschienen. Preis: 50 Et«, da« Heft. Der Reinertrag ist für die Opfer de» Sozialisten» gesrtzeS bestimmt. Echweii. Ln«iniibachdru