US er- och en, )en er- He lh- :r-- on 'ei aß ls Krscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz) perlaz d. Herter, Znduftrtehall« RieSbach-Ziirich PaSseatungell franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der SoMldeMkmt entral-Argan der deutschen Sozialdemokratie Nvonnements werden nur beim Verlag und desien bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum vora,»s zahlbaren VierteljahrspreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mk. 3.— für Deutschland(Eouvert) fl.!. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. 5V für alle übrigen Länder deS Weltpostvereins(Kreuzband). Zilserite Die dreigespaltene Petitzeile 25 Cts.— 20 Pfg. N? St. Sonntag, 19. Dezembcr. t88N. Da der.Sozialdemokrat� sowohl in Deutschland als auch in Oesterre-ch verboten ist. bezw. verfolgt wird und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorstchtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Avis au die Korrespondenteu uud Absuueuten des„Sozialdemokrat". als möglich an den.Sozialdemokrat", resp. desten Verlag selbst adresstren, sondern stch möglichst an irgendeine unverdächtig Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, das aucb uns inöalilbst unvt'ffrtnnsifh«''Quftpfliittna.thfori.n»..nvX.« cv., �.~a t-L..ro'- t daß ____ r____ J...........|l9'7 vmwfcv|n.» wuvfc, uu|j auch an» möglichst unversängliche Zustrllungsadress-n m!t'g«ih-i!i werdtn. In jwcis-lhasten Fällen empfiehlt sich behuss größerer Sicherheit Ziekomrnandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um»coh aller ent- gegenstehendcn Schwierigleiten den. Sozialdemolrat' unsern Abonnenten möglichst regelmäßig;u liesern. Parteigenossell! Vergeßt der Verfolgten»nd Gemaßregelten nicht! u n n 1 k % ■ i j. ,u r % Abonnements-Einladung. „per Sozi-tldemokrat," Zentral-Organ der deutschen Tozialdemotratte gibt unserer Partei und ihren Forderungen die nothwendige Vertretung in der Presse, welche ihr ein Ausnahme-. Gesetz" in Deutschland selbst unmöglich macht. Er sammelt die Parteigenossen allerorts und hält sie in ununterbrochener geistiger Ver- bmdung untereinander und mit der sozialistischen Bewegung aller Länder. Er unter- ächtet sie von den Schandthaten unserer Gegner und macht sie ans deren Anschläge rechtzeitiy aufmerksam. Er festigt und klärt die Genossen prinzipiell und hält sie über dte politische Lage und die von der Partei derselben und den einzelnen Vorkommnissen gegenüber einzunehmende Stellung auf dem Laufenden. Er dient als Sprechsaal zur Debattirung wichtiger Parteifragen, behandelt die inneren Parteiangelegenhciten und veröffentlicht die Mittheilungen der Parteivertretung wie aller sonstiger Parteiorgani- sationen. Er klärt die Unterdrückten und Ausgebeuteten alle über ihre Lage und den Weg der Rettung auf, flößt ihnen tiefsten Haß gegen ihre Unterdrücker und Ausbeuter ein Und feuer: sie zur Beseitigung der heutigen ungerech'en Staats- und Gesellschasts- �Ordnung" und zu deren Ersetzung durch eine die Freiheit und Gleichheit Aller sichernde Ordnung der Dinge an. Mit Einem Wort: der..Sozialdemokrat" ist die Killende Allarmtrompete im gewaltigen Ringkampf der alten Welt der Bevorrechtung mit der neuen Welt des Sozialismus: kr ist die hochflatternde Heerfahne, durch die Finsterniß der heutigen maßlosenUnterdrückungvoran wehend zur nahenMor- genröthe. die de in arbeitenden Volke Erlösung aus den Fesseln volitischer und ökonomischer Knechtschaft bri n g t! Der„Sozialdemokrat" wurde vom letzten Parteitongrefl einstimmig tum einzigen offiziellen Organ der sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch- lands erklärt. ist deshalb Pflicht wie In teresse jedes Parteigenossen. auf's eifrigste für die Verbreitung des„Sozialdemokrat" tu wirken. Da der.Sozialdemokrat" in Deutschland bekanntlich auf Grund des Ausnahmegesetzes verboten ist, so muß die Verbreitung selbstverständlich vllt größter Vorsicht geschehen; letztere angewandt, ist die Sache übrigens durchaus ungekährlich und leicht ausführbar. Das blotze Abonnement ohne Weiterver- breitung ist gesetzlich erlaubt. Der vorauszahlbare Abonnementspreis des„Sozialdem." beträgt viertelj.: für Deutschland und Oesterreich 3 Mark(1 fl. 70 kr.), wofür das Blatt wöchentlich als verschlossener Brief versandt wird; für die S ch w e i z 2 Fr., für alle übrigen Länder des Weltpostvereins 2. Fr. 50 Cts.(unter Band). Dieser Preis kann indessen, nanientlich in Deutschland, bedeutend ermäßigt werden, wenn sich die Genossen eines Ortes zun» Bezug im Großen vereinigen. Wenn unverdächtige Empfangs- adresser. gewählt werdee? u:.dtrjOTh flers gewrchsett fcWu' wenn ferner die geheime Vertheilung an die abonnirten Genossen vorsichtig geschieht dann ist die Gefahr der Entdeckung beim Gesammtbezug weit geringer wie bei den Briefsend nngen. Bis zu 16 Exemplaren können in Doppelbrief übermittelt werden; bei größeren Be- stellungen ist die Zusendung in Packet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplaren an ist der Preis per Quartal auf M. 1. 80. franko ins Haus festgesetzt, und ist der Betrag monatlich mit 60 Pf. im Voraus einzusenden. Sämmtlichc Sendungen werden gut verpackt, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland auftsegeben. Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen; größere Beiträge in Papier- geld mittelst eingeschriebenem Brief oder Post-Einzahlung. Da nicht unbedeutende Kosten durch ungenügendes Frankiren entstehen, so machen wir darauf aufmerksam, daß einfache Briefe(bis 15 Gramm) nach der Schweiz 20 Pfg., resp. 10 Kreuzer ö. W. kosten, bei schwereren Briefen je 15 Gramm weitere 20 Pfg., �esp. 10 Kreuzer. Man wende stch bei Einzelbestellungen an den Verlag von A. Herter, Industriehalle, Piesbach. Zürich. bei gemeinsamem Abonnement und um Ausschlüsse an die be- kannten Agenten in Deutschland, oder an die Unterzeichneten durch Vermittlung in der Schweiz oder sonst im Ausland lebender Freunde. Vorausbezahlung des AbonnementSpreifeS bei Beginn deS Ouartales an «nfere Vertrauensmänner uud Kilialeverwalter ist unerläßlich! Parteigenossen! Sammelt Euch um Eure Fahne und benützt die Euch gegebene Waffe mit Eifer und Geschick; seid rührig und thut Eure Pflicht! Redaktion und Expedition deS„Sozialdemokrat". Ein amtliches Zeugniß für den Sozialismus. In dem Jahresbericht �>cs Arbeitsstatistik-Amtes des Staates Ohio für das Jahr 1877 läßt sich der Vorstand des Amtes, I. H. Wall, über die Verhältnisse der Arbeit in folgender Weise aus: Ohio wird in einer nahen Zukunft der größte Alanufaktnr- staat der Vereinigten Staaten sein. Seine Laage, seine Ver- kehrsmirtcl, Seen, Flüsse, Kanäle, Eisenbahnen, seine leicht- zugänglichen Kohlen- und Eisenbergwerke, sein Klima, alles was ans die Vervielfältigung der Fabriken hinzielt, ist in Ohio vorhanden... Als Mannfaktiirstaat besteht Ohio erst seit einigen Jahren und schon hat es alle seine Mitarbeiter, mit Ausnahme von drei Staaten, überflügelt... Das Jahrzehnt von 1863— 73 war in den Vereinigten Staaten eine Zeit ununterbrochenen wirthschaftlichcn Gedeihens... In Ohio stieg, während die Bevölkerung von 1860— 70 um 14 Proz. (1860 2,339,511, 1870 2,665,260) zunahm, der Werth des unbeweglichen und beweglichen Eigenthums um 87 Proz., nämlich von 5 Milliarden 500 Millionen auf 13 Milliarden. Das Nationalvermögen betrug auf den Kopf der Bevölkerung 1860 2,500 Franken, 1870 dagegen 4,190 Franken. Die Zunahme der Zahl der Fabriken war gleich 100 Proz.; 1860 waren 11,123: 1870 22,773. Die Zunahme des Personals der Fabriken betrug über 71 Proz., von 75,602 auf 129,577. Die Zunahme des WertheS der Erzeugnisse betrug über 100 Proz.; er hatte sich von 605 Millionen auf 1,345 Mill. ver- mehrt. Und doch, trotz dieses ungeheuren Anwachsens des Reichthums und der Arbeitsmittel, und trotzdem dasselbe von einer geringsten Bermeh- rung der Bevölkerung begleitet war..., fand seit 1872 eine, verglichen mit der Vertheuerung der Lebensmittel, unge h euere Herabs etzun g der Löhne statt das Einkommen der Arbeiter hat seit 1872 eine mittlere Verminderung von 50 Proz. erlitten. Die in den hauptsächlichsten Industriezweigen vorgenommenen Untersuchungen sind hinreichend vollständig, um auch den Zweifelsüchtigsten zu überzeugen, daß Mangel und Elend in den Häusern vieler Arbeiter eingedrungen sind, welche sich früher des Besitzes alles zum Leben Nothwendigen und vieles Angenehmen erfreuten. Die Frage der Arbeit kommt als Hauptfrage aus die Tagesordnung, wenn sie nicht bereits da rauf steht, und von ihrer Lösung hängt der Friede und die Wohlfahrt nicht nur des Volkes von Ohio o d e r d e r V e r e i n i g t c n S t a a t e n, sondernder ganzen Welt ad. Die Macht, welche das allgemeine Wahl- recht den Arbeitern gibt, kann nicht übersehen werden; und diese Macht wird immer zum Guten geübt werden, solange sie mit ihrem Loos zufrieden sein werden. Daß sie nicht zufrieden mit ihrem Loose sind, daß der Geist der Unzufrieden- heit reif ist, daß die offene Empörung lediglich durch die Hoffnung einer nahen Besserung verhindert wird,— das sind Thatsachen, welche keines Beweises bedürfen... Die Thal fache, daß das öffentliche Vermögen sechsmal schneller gewachsen ist, als die B e v ö l- kerung und daß die Arbeiter dabei fortfahren, sich ihres täglichen Brodcs wegen in voll- kommcner Abhängigkeit von ihrer täglichen Ar- beil zu befinden,— beweist, daß sich die Löhne in keinem gerechten Verhältniß zur Erzeugung befinden... Das System, nach welchem die Arbeit ihre Entlohnung erhält, das Lohn- system, ist die Hauptursache der Armuth der Arbeit. Ein System, nach welchem das Arbeitserzeugniß und nicht die Löhne die Entlohnung der Arbeit sein werden, muß die erste Reform zur Emporhebung der Arbeit ans.ihrer abhängigen Stellung sein. Um die v orhand e nen Ü eb el zu heilen, müssen die Arbeiter die Eigenthümer und Ver- Walter der künstlichen Produktivkräfte deS Landes werden."— Man beachte: I. H. Wall, welcher so spricht, ist nicht ein böser sozialistischer Agitator; nein der Plann, dessen Aus- führungen den Lehren der Partei, deren„auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichteten, in einer den öffentlichen Frieden, insbesondere die Eintracht der Bevölkerungsklassen gefährdenden Weise zu Tage tretenden Bestrebungen" durch das Oktobergcsetz in Deutschland ver- vehmt sind, so nahe kommen, ist ein öffentlicher Beamter der großen transatlantischen Republik. Und doch ist seine Beurtheilung der wirthschaftlichen Erscheinungen und seine Lösung des„sozialen Räthsels"— das für den Verständigen und Gutgläubigen längst kein Räthsel mehr ist— dieselbe wie die unserer verfolgten Partei, die Lösung des Kollektivis- mns, des materialistischen Kmnmunismus, der Sozial- demokratie. Aber freilich, wer die wirthschaftlichen Erscheinungen mit offenem Kopfe stndirt, der kann zu keinem anderen Ergcbniß kommen; und wen das Interesse der herrschenden Klasse nicht soweit beherrscht, daß er seine gewonnene Erkenntniß« eigennützig und heuchlerisch verheimlicht und das Volk wider besseres Wissen belügt, der kann nicht anders, als der Sozial- demokratie beizustimmen. Revolution oder Reform? IV. Das Sozialistengesetz machte diesen süßen Träumereien der Mehrheitstheoreliker ein schnelles Ende. Zwar konnte sich ein Theil der Genossen nicht sofort von den gewohnten Illusionen und Hoffnungen trennen, und in der ersten Zeit der Herrschaft des Sozialistengesetzes konnte man nicht selten die Mei- nung hören, daß dies Gesetz unmöglich lange bleiben könne und bald wieder werde abgeschafft werden, worauf die Bcwe- gung wieder in der alten, gewohnten Weise weiter gehen werde. Aber das Vorgehen der Regierung gegen die Partei gab dieser Illusion bald den Rest, und heute möchte es sehr wenige deutsche Sozialdemokraten mehr geben, welche mehr eine frei- willige Aufhebung des Sozialistengesetzes erwarten und nicht überzeugt sind, daß die Ereignisse seit dem Sommer 1878 tiefgreifende Veränderungen in der sozialistischen Bewegung Deutschlands bewirkt haben, welche die Rückkehr zu früheren Entwicklungsphasen für immer unmöglich machen. Vor dem Sommer 1878 hielten viele den Weg der Reform für möglich oder ließen ihn wenigstens theoretisch gelten.„Die herrschenden Klassen haben die Wahl zwischen dem Wege der Reform, den wir Sozialdemokraten eingeschlagen wissen wollen und dem Wege der Revolution." So drückte sich I oh. Most') aus, und zahlreiche Stimmen nahmen nicht nur dieselbe Formel an, sondern hielten auch, gleich I. Most, in der That für möglich, auf dem Wege der Reform, zum ') Vortrag Uber die pariser Koinmune, 23. März 1374, abgedruckt in „Die pariser Kommune vor den berliner Gerichten". Ziel zu kommen, ja gaben sogar bereits genaue bis ins ein- zelnste gehende Mittel zur Durchführung der allmäligen fried- lichcn Umwandlung an. Man hielt ein Nachgeben der Herr- schenden Klasse für möglich und wies auf den 4. August 1789 mit seinem„freiwilligen" Verzicht ans die Adelsvorrechte hin, ohne zu bedenken, daß ihm die Rachczüge und Schloßver- brennungen der Bauern vorangingen und die Royalisten- Verschwörungen, die Emigration, der Vendeerkrieg und der weiße Schrecken folgten. Heule dagegen dürften diejenigen, welche nicht von dem Glauben lassen, daß das Volk allein in den zähen Gleisen der Reform sich sanft emporwiege zum Gipfel der Befreiung, zu zählen sein. Wer es aus der älteren Geschichte aller Völker noch nicht weiß, der hat es aus den Ereignissen der neuesten Zeit mid zum Theil aus eigeiien Er- fahruilgeil gelernt, daß die herrschenden Klassen nie und nimmer freiwillig abdanken und daß das Volk genau so viel an Rechten und Verbesserungen seines Loses erlangt, als es sich zu er- zwingen vermag. Die Vorkämpfer des Volkes, die Sozia- listen, haben daher ihre Anstrengungen darauf zu richten, daß sie baldmöglichst in die Lage kommen, zu erzwingeil. Und da die herrschende Klasse den Kampf keineswegs blos auf dem geistigen Gebiet führt, vielmehr ihre Stellung mit recht matc netten Mitteln— als Militär, Polizei, Gerichte, Kirche u. dgl.— nach Kräften befestigt und bereit ist, es zur Schlacht auf Leben und Tod kommen zu lassen, so müssen wir uns auf das Unvermeidliche vorbereiten: ans die Revolution. lieber die Art, wie. diese Vorbereitung bewirkt wird, bestehen aber Meinungsverschiedmhciteit. Die Leute, welche sich Anar- chiften nennen, glauben, daß dieselbe lediglich durch Abschlicßung und Ausschließung vom politischen Leben, durch Organisirung von revolutionären Zirkeln, durch die„Propaganda der Thal", d. h. durch Emeiiteii, Attentate und Gewaltmaßregcln aller Art, sowie durch Bciscitcwcrfniig aller anderen„untergeord- neten" Fragen und alleinige Betonung der großen Frage der Revolution bewerkstelligt werde. Und eine Anzahl der 472 Abnehmer der„Freih." ist von dem neubekehrtell Anarchisten Most ebenfalls in diesen Jrrthum hineingeredet worden. Wir Sozial- demokraten dagegen sind der Ueberzugung, daß diese Art der Porbereituilg zum Theil eine gänzlich falsche, zum Theil eine durchaus unzureichende ist. Wir haben schon auseinandergesetzt, daß und warum der Ausbruch der großen Resolution keineswegs so unmittelbar vor der Thürc steht; und der französische Anarchist Kahn, der sie im nächsten Jahr, der jurassische Anarchist Krapotkin, der sie in zwei oder drei und der blangnistisch-anarchistische Mostianer oder mostisch-anarchistischc Blanquist Most, der sie in ungefähr derselben Zeit erwartet, aber aus angeborener verfluchter germanischer Giitmüthigkeit auch allenfalls ein Jährlein zugeben will,— sie alle dürften sich gleichmäßig verrechnen. Setzen wir nun zur Abwirthschaftung der Reaktion, zur wci tcren Aufsaugung der Kleinexistenzen, zur Aufklärung der Massen, mit einem Wort zur Revolutionirung des Volkes nur ein Jahrzehnt— was eher zu wenig als zu viel ist—, so ist es vor allem klar, daß wir. so lange Zeil mit der bloßen Revoluffonsphrase nicht ausreichen. Die Sache würde den Leuten bei ewiger Wiederholung in der gleichen Dicke überdrüssig werden, sie würden bald zu gähnen ailfangeil und später einschlafen— oder zu ein ein abwechslungsreicheren Konzert laufen. Das darf allerdings nicht so verstanden werden, als ob wir mit Auer einverstanden wären, dem der „Sozialdem." zu„oft von der Möglichkeit und Rothwendigkeit einer Revolution(von einer„demnächstigen" haben wir n i e gesprochen) spricht. Wir müssen vielmehr dem Volk von der Revolution und ihrer unabwendbaren Rothwendigkeit sprechen; wir müssen die Revolution den Geknechteten und Ausgebeuteten, de» Mühseligen und Beladeneil allen als die einzige Möglichkeit einer ergiebigen und dauernden Besserung einer wahren Erlösung weisen, sie den zur Erkennrniß Gelangten als Retterin und Belohnerin, den Uneingeweihren und Zaghaften aber als das nothweildige reinigeiide Gewitter zeigen. Durch diese sichere Hoffnung, durch diese Gewißheit des endlichen Sieges und der endlichen Befreiung erwecken wir Muth und Thatkraft im Volk und geben ihm die Fähigkeit, bis zum rechten Zeitpunkt auszudauern. Den zum Bewußtsein gekommenen Geknechteten diese Hoffnung, diese Gewißheit eines endlichen Sieges und zwar eines Sieges in nicht allzuweiter Ferne rauben, hieße dagegen ihre Thatkraft lähmen und die Bewegung ent- wenden. Aber freilich ist es mit dem Hinweis auf die kommende Revolution, die Befreierin und Rächerin und Richterin, allein nicht gethan,— noch weniger mit großmäuligem Revolutions- geschrei. Eine internationale sozialistische Kundgebung. (Schluß.) Bürger Krapotkin(Russe, Anarchist) begrüßt im Namen der Sektion der Propaganda von Gens mit einigen begeisterten Worten die junge sozialistische Partei Polens, die in die Internationale kommt, jene Weltorganisation, welche noch immer im Herzen und in den Gedanken aller Arbeiter der Welt besteht. Er betont vor allem, daß die polnischen Sozia- listen von keinein polnischen Staat träumen, was in Anbetracht der in den nächsten(?) Tagen kommenden Revolution eine hervorragende Be- dentung habe. Hieraus sprach Bürger W a r y» s k i(Pole) zu den zahlreich anwesenden russischen Genossen in russischer Sprache von den Beziehungen zwischen den polnischen und russischen Revolutionären, die schon seit langem, seit 1824 datiren; aber sie konnten früher keine innigen sein, da die Polen ihren Blick nur immer in die Vergangenheit, die Russen aber den ihren in die Zukunft warfen. Was sie damals vereinigte, war nur der gemein- same Feind. Jetzt haben beide eine gemeinsame Arbeit zu vollbringen. Jetzt streben die polnischen Revolutionäre mit den russischen nach dem gleichen Ziele und ihr Kampf nicht nur gegen die russische Tyrannei; die russischen Sozialisten aber haben einen Theil der Arbeit übernommen. Jetzr gilt es nicht mehr, zu rufen:„Es lebe Polen, nieder mit Rußland!" jetzt sind alle Bürger eines Landes, das viel unglücklicher ist als Polen — des internationalen Proletariats! Bürger S u k o w s l i(Russe) spricht sowohl in seinem Namen, als im Austrage der sozialistischen Gruppe„Tschornji Peredjel". Er begrüßt in französischer Sprache die vorhandene Vereinigung der sozialistischen Intelligenz Polens und Rußlands und wünscht, daß derselben die Ver- einigung zwischen den Arbeitern beider Länder nachfolge. Hieraus wurde ein Theil der von allen Seilen eingelaufenen Briefe und Telegramme verlesen.„Die sozialistischen Arbeiter Polen» unter dem Joche des Zaren" sandten eine Begrüßung, in welcher sie den Grund- sätzen der internationalen Solidarität Ausdruck gaben. Außerdem kamen noch zwei weitere Briese von sozialistischen Vereinen in Polen. Die übrigen Zuschriften und Depeschen kamen von 22 in Paris wohnenden russischen Sozialisten(mit den Unlerschristen Lawroff's, Plechanow, Michail), von Gruppen polnischer Sozialisten in Bern, Rapperöwyl, Jahsy(Rumänien), von russischen Sozialisten in Zürich, von der revolutionären Gruppe „Freiheil" in Paris, von dem revolutionären Schriftsteller Tony Revillon in Paris, von Lawroff in Paris, von einer Gruppe ehemaliger Glieder des Generalraths der Internationale in London(von Karl Marx, Friedr. Engels, Paul Lafargue und Lessner unterschrieben). Letztere Zuschrift er- wähnt, welche wichtige Rolle die Polen in allen revolutionären Bewe- gungen der Welt stets gespielt haben, und schließt, daß die allgemeine Sympathie, welche die Polen dadurch gewonnen, jetzt dank der neuen polnischen sozialistischen Agitation noch gewaltig steigen müsse. Aus London kam weiter ein Brief von Leo Hartmann. Hieraus nahm das Wort Bürgerin Bjera Sassulitsch, von großem Beifall empfangen. In russischer Sprache führte sie in kurz- gefaßter Rede aus, daß es in Anbetracht der jetzt zu Stande kommenden Vereinigung der polnische» und russischen Sozialisten, die zu einer nahen Bereinigung des arbeitenden Volkes beider'Nationalitäten führen könne, für die gemeinsame Sache schädlich wäre, Fragen der Nationalität, des nationalen Hasses zu erwecken; die polnischen und russischen Arbeiter, die polnischen und russischen Sozialisten können und müssen, unbekümmert um solche kleinliche Dinge, vereinigt zur Erringung einer besseren Zukunft wirken. Sodann wurde abermals eine Anzahl Begrüßungsschreiben verlesen: von der auswärtigen Verkehrsstelle der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands namens der Partei, von dem Ausschuß der deutschen Partei- Mitgliedschaft in Zürich, vom deutschen Arbeiterverein in Winterthur, vom sozialdemokratischen Verein in St. Gallen, vom Internationalen Verein in Zürich, von der sozialrevolutionären Gruppe in Bern, vom Buchbinderverem in Bern, von dem russischen Sozialisten Schemanow in Lausanne, von den russischen Sozialisten aus Bern, von der ,,xroupv ü'actiun" in Marseille, von der„Aroups d'action" in Lyon, von der Redaktion der„Voix de rouvriers" in Brüssel, vom Landesrath der belgischen sozialistischen Partei in Gent, von der Redaktion des„bituduuit socialiste" in Brüssel, vom Verein der Propaganda in Brüssel. Zum Schluß faßte die Versammlung einstimmig folgenden Beschluß: In Erwägung: 1) daß die bisherigen revolutionären Bewegungen in Polen stets von den bevorrechteten Klassen unternommen waren und daß die Theilnahme des Volkes aus dem Grunde, weil dabei nur die Jnter- essen der Bevorrechteten berücksichtigt wurden, immer eine leidende war, 2) daß die wirkliche Besreiung des Volkes allein aus die Grundsätze der Gleichheit gegründet werden kann, welche eine vollständige Aenderung der sozialen Ordnung erheischen, 3) daß jede politische Bewegung der wirlh- schastlichen Bewegung untergeordnet werden muß, 4) daß die Befreiung der Arbeit nur das Werk der Arbeiter selbst sein kann; erkennt die am 29. November in der Brauerei Schieß in Gens zur Feier der polnischen Revolution von 1830 zusammenberusene Sozialistenversammlung die internationale Verbrüderung der Sozialisten aller Länder als das einzige Mittel der Befreiung des polnischen Volkes und zugleid) aller Völker aus der wirthschastlichen, staatlichen und nationalen Knechtschast. Iii Beantwortung der von polnischen Sozialisten, welche unter dem Joch des Zaren leben, gesandten Begrüßungsschreiben, sendet die Ver- sammlullg ihnen die Versicherung der Sympathie und Solidarität. Hieraus schloß der greise Vorsitzende I o h. P h i l. B e ck e r— neben dem die Bürger und Bürgerinnen Vjera Sassulitsch(Russin), Karl (Deutscher), Dalang(Französin) und Dluski(Pole) als Schriftführer amtirr halten— die Versammlung mit einigen zum Herzen gehenden Worten für die Verbrüderung der Sozialisten der ganzen Welt. Aus die Versammlung folgte ein einjaches Bankett, aus weld>em Bürger Dluski namens der polnischen Genossen einen mit allgemeinem Beisall ausgenommenen Trinkspruch aus den nächstjährigen sozialistischen Weltkongreß in Zürich ausbrachte, von dem alle Sozialisten hoffen und wünschen, daß er das geistige Band, welches die Sozialisten aller Länder längst umschlingt, verkörperlichen und eine neue Jnternalio- nale schaffen möge!-- Diese Kundgebung ist insbesondere für den jungen polnischen Sozialis- mus von großer Bedeutung. Hat er doch gezeigt, daß er, die wahren Interessen des Proletariats ins Auge fassend, sich von alle» alten, blos landcspolitischen Bestrebungen lostrennt und offen, frei und ohne Rückhalt in die große Brudersamilie der Sozialisten aller Länder eingetreten ist. Die Kundgebung hat weiter gezeigt, wie von dem überlieserten nationalen Haß der Polen gegen die Russen unter den Sozialisten beider Länder nichts zurück geblieben ist, sondern wie sich beide als Brüder und Glieder eines Bundes betrachten. Dadurch und durch die erfreuliche Uebereinstim- mung und brüderliche Gesinnung, welche in den Worten aller Redner zum Ausdruck kam, hat ferner der Gedanke der internationalen Ver- brüderuug unter den Sozialisten aller Länder eine neue, tiesgehende An- regung erhalten, die weiter wirken und sicherlich zur ersehnten Vereinig- ung mächtig beitragen wird. Wir schließen mit den Worten, mit welchen wir die Kundgebung begrüßten: Hoch die ausblühende polnische Bewegung! Es lebe der internationale Sozialismus, der Befreier und Vereiniger der Völker! Der F�rozek der„Adrodvaja Wolja" und des revolutionären HFekutivkomitcs vor dem Petersburger Kriegsgericht. 7. bis 12. November(25. bis 3V. Oktober). (Fortsetzung.) 2) S t e p a n S ch i r j a j e s f, 23 Jahre alt, Bauer aus dem sara- tower Gouvernement, besuchte zuerst das saratower Gymnasium und dann die Thierarzneischule zu Charkow. Schon am Gymnasium nahm er revo- lutionäre und sozialistische Ideen in sich auf, Ende 1877 floh er vor den Verfolgungen der Behörden in das Ausland, wo er bis Ende 1878 blieb. Während dieser Zeit arbeitete er in London und Paris in tech- nischen und chemischen Fabriken. Dann kam er nach Rußland zurück und schloß sich den Personen an, die später die Partei„Narodnaja Wolja" bildeten; verhastet wurde er am 4. Dezember 1879 zu Petersburg unter dem Namen Smirnizki.- � Aus die gegen ihn gerichteten Anklagen erklärte er: a) Dem Kongresse habe er beigewohnt; als Zweck desselben erklärte er dasselbe wie Kwjal- kowski und fügte hinzu: Bis 1876 war die sozialistische Partei eine Partei der Propaganda; erst die grausamen Verfolgungen und harten Verurtheilungen der Propagandisten veranlaßten sie, revolutionär zu werden. 1876 bildete sich die Organisativ» der Narodniks. Spätere Ereignisse brachten mehrere Mitglieder dieser Organisation zur Ueberzeugung, daß die ökonomische Freiheit des Volkes erst nach dem Sturz des jetzigen Systems erfolgen könne. Daß sich die Partei„Narodnaja Wolja" von der früheren Organisation nur durch die terroristische Thätigkeit unter- scheide, wie Goldenberg angab, sei unrichtig; solche Thatsachen waren auch schon bei der früheren Organisation anerkannt(Sassulitsch und andere); die revolutionären Gewaltthaten hingen von den Gewaltthätig- keiten der Regierung ab. Die Leute, welche sich mit der Ausführung des terroristischen Theils den lipezker Programms beschäftigen, bildete» das Exckutivkomite.') Weder er noch Goldenberg waren Mitglieder der alten Narodniks-Organisation und konnten daher nicht alle Veranlassungen zur Berufung des Kongresses kennen. Von Lipezk begaben sich die Mit- glieder der alten Organisation nach W a r o n e s ch, wo der Kongreß der alten Narodniks(die spätere Fraktion des„Tschornji Peredjel" stattfand, um dort ihre Ansichten über die politische Thätigkeit der Partei zu er- örtern. b) An der moskauer Affäre habe er Theil genommen; die Form der Ausführung wurde in Lipezk nicht besprochen, sondern die Sache nur prinzipiell beschlossen. Als Chemiker verfertigte er mit andere» Personen Dynamit. Das Urtheil lautete auf Tod; wurde vom Zaren in lebens- längliche Bergwerkszwangsarbeit umgewandelt.') 3) Sundelewitsch Aaron, 26 Jahre alt, Sohn armer israe- litischer Eltern in Wilna; studirte bis zu 16. Jahr Talmud, erlernte die russische Sprache als Autodidakt und betrat die Rabbiuerschule zu Wilna, welche er indeß nicht zu Ende bringen konnte, da sie 1873 von der Regierung geschlossen wurde. 1875 wurde er beschuldigt, in Gemeinschaft mit andere» Personen eine geheime Gesellschaft gestiftet und verbotene Schriften in Wilna verbreitet zu haben. Er konnte indessen noch recht- zeitig ins Ausland entfliehen, kam aber nach einer kurzen Zeit wieder nach Rußland zurück und war bis zu seiner Verhaftung einer der thätigsten Mitglieder des linken Flügels der konservativen Partei. Er wurde am 28. Oktober 1879 zu Petersburg in der kaiserlichen Bibliothek verhastet,') wobei einige Nummern der„Narodnaja Wolja" nnd andere Schriften bei ihm vorgefunden wurden. Sundelewitsch bekannte: a) den Zusammenkünften vor dem 2. April beigewohnt zu haben; die Einzelheiten gab er an wie Kwjatkowski. Auf die Frage, ob Solowjoff das Attentat ausgeführt hätte, auch wenn sie, (Sundelewitsch und Kwjatkowski) als Mitglieder der Organisation der „Narodnaja Wolja" es nicht gebilligt hätten, antwortete er mit ja. Die Gespräche über den Zarenmord bei den Zusammenkünften waren rein theoretische; Goldenberg bot sich wirklich zur Aussnhrung des Attentats an, aber Sundelewilsck) sprach beflig dagegen. Goldenberg wußte bis zur letzten Zusammenkunft nicht, daß Solowjoff das Attentat ausführen werde, Kobyljanski aber wußte es auch nachdem»och nicht, der beste Beweis, daß die Versammlungen keine entscheidende Bedeutung halten. d) Als der in Odessa Hingerichtete L i s o g u b seine Erbschaft antrat, betrug sein Vermögen nach' den Angaben seiner Brüder 150— 180,000 Rubel, nach seiner Hinrichtung aber nur 30,000. Da die Regierung voraussetzte, daß Lisognb das sehlende Kapital für die Bedürfnisse der Partei ausgegeben, so wurde eine Untersuchung hierüber eingeleitet, in welche auch Sundelewitsch verwickelt wurde. Ueber das Ergebniß derselben sagte S. aus: Wohin Lisogub seine Kapitalien vor seiner Verhaftung in Odessa gethan, wisse er nicht, wahrscheinlich seien sie sür die Partei ausgegeben worden. Nach Lisogubs Verhaftung wurde er, Sundelewitsch, Ende 1878 von der Organisation der Narodniks bevollmächtigt, das Vermögen L.'s zu liqui- diren, zu welchem Behuse er sich aus das Gut des letztern, bei Tschernigow begab, um mit dem Verwalter D r i g o, dem er einen vertrauliäien Bries von L. aus dem Gefängnisse brachte, zu sprechen. Anfang 1879 kam S. nochmals, erhielt von Drigo ca. 4,000 Rubel, übergab dann aber die Unterhandlung einem andern Mitglied und begab sich ins Aus- land, um einen Bankier zu finden, der die Wechsel von Lisogub annehme und die Eintreibung besorge. Aber es gelang ihm nicht; bald nach seiner Rückkehr aber wurde er verhaftet, nachdem währenddessen Lisogub hin- gerichtet und Drigo in die Untersuchung mit einbezogen worden war.— In seiner Schlußrede entwickelte S. den Gedanken, daß der Sturz der heutigen Gesellschaft durch die Propaganda erreicht werde; die Gewalt- thaten der Partei seien nicht daraus gerichtet, die Gesellschaft zu stürzen, sondern bezwecken lediglich die Erreichung der Rede- und Versammlungs- sreiheit. Das Urtheil lautete aus lebenslängliche Zwangsarbeil in Berg- werken. 4)Tichanoff Jakob, 28 Jahre alt, Bauer aus dem smolens- kischen Gouvernement, verheiralhet, Schlosser und Weber. 1875 wurde er beschuldigt, unter den Arbeitern Propaganda gemacht zu haben, verhastet und 1876 auf dem Verwaltungswege nach Pinega(im archangelsk'schen Gouvernement), verbannt, wo er jedoch im November 1877 entfloh. Am 3. November 1878 in Moskau verhastet, gelang es ihm am 4. März 1879 in ganz wunderbarer Weise aus dem Gejängniß zu Moskau zu entfliehen. Am 24. November 1879 wurde er indeß zu Petersburg aber- mal verhastet. Er bekannte, an dem Eisenbahnatteutat bei Alexandrowsk theilgenommen zu haben, erklärt aber, nicht Mitglied der terroristischen Fraktion gewesen zu sein. Er vertheidigle sich nidft; als er in seinem Schlußwort heftige Worte gegen das Gericht richtete, wurde er aus dem Saale geführt. Er wurde zum Tode verurtheilt, welches Urthlil aber vom Zaren in lebens- längliche Zwangsarbeit in Bergwerken umgewandelt wurde. 5. Okladski Iwan, 22 Jahre alt, Bürger der Stadt Noworschow (pskower Gouvernement), Schlosser, arbeitete von 1872 an in verschie- denen Fabriken zu Petersburg, schloß sich 1874 der sozialistischen revolu- tionären Partei an. In den Verdacht gekommen, unter den Arbeitern Propaganda gemacht zu haben, verließ er Petersburg, um den Händen der Polizei zu entgehen. Von da an lebte er unter verschiedenen falschen Namen; seine Verhaftung erfolgte am 5. Juli 1880 zu Petersburg. Er bekannte sich als Mitglied der Fraktion„Narodnaja Wolja", sowie der Theilnahme an dem Attentat bei Alexandrowsk, bezüglich dessen er hinzujügte, daß, wenn es nicht gelungen sei, er keine Schuld daran trage. Er vertheidigle sich nicht, sondern benutzte sein letztes Wort nur, um zu bemerken, daß die Anklage gegen ihn lediglich aus seinem eigenen Ge- ständniß beruhe(die Aussage Goldenbergs gegen ihn wurde durch die Thatsache nicht bestätigt); dies Bekenntniß habe er aber nicht darum gemacht, weil er etwa Reue empfinde oder sein Schicksal lindern wolle. Als er hieraus ansing, seine Anschauungen„in gehörigen Redensarten" zu ent- wickeln, wurde ihm das Wort abgeschniileu. Er wurde zuin Tode ver- urtheilt, sodann zu lebenslänglicher Bergzwangsarbeit„begnadigt". 6. P r e s n j a k o f s Andrej, 24 Jahre alt, Bürger von Oranien- bürg(Petersburger Gouvernement), studirte im Lehrerseminar. Von 1875 an arbeitete er, um Propaganda zu»mchcn, als Schlosser in Petersburger Fabriken. Er wurde 1877 verhastet und angeklagt: 1) Ter Verbreitung sozialistischer Anschauungen, 2) der Ermordung des Geheimpolizisten Scharaschkin. Im April 1878 gelang es ihm, aus der Haft zu fliehen,') woraus er ins Ausland ging und dort bis März 1879 verweilte. Zurück- gekehrt wurde er am 24. Juli zu Petersburg verhastet, wobei er bewaff- neten Widerstand leistete, einen Portier tödtcle und einen Dwornik (Hausmann, welche in Petersburg der Polizei untergeordnet sind) ver- wundcte. Er bekannte, daß er der Partei„Narodnaja Wolja" angehört habe, nach Simseropol gereist sei, um die Abreise des Zaren nach Alexandrowsk mitzutheilen; zu welchem Zwecke indes letzteres geschah, wisse er nicht, ahnte es aber. Bewaffneten Widerstand habe er nidil leisten wollen; er wollte blos bürgerlich gekleidete Personen(der Polizeikommiffar war nicht in Uniform), die ihn auf der Straße aushielten, erschrecken, um fliehen zu können. Er erklärte sich mit seinen Genossen aus der Anklage- bank Uber die Gründe der jetzigen Bewegung einverstanden. Wurde zum Tode verurtheilt und am 3. November ausgehängt. __(Schluß folgt.) 1) Schirjajess setzte da« auseinander, weil sich unter de» Angeklagten solche befanden, welche der Partei der»Aar. Wolj,- angehörten, aber nicht dem Exekulivkomitc, wie er. 2) Der Staatsanwalt und feine Sehilsen forderten, den Militärgeietzen gemäß, für die fämmtlichen Angeklagten das Todeiurtheil. S) Ganz zufällig, indem ihm beim Ausziehen des OberrolteS eine Flugschrift ent- fallen war, ohne daß er e» gemerkt hatte, woraus ihn der Portier denunzirte. S> Als man ihn jum-Unterfuchungsrichter führte, warf er einen Haufen Schnupftabak den Polizisten in die Augen, sprang aus dem Wagen, warf sich in eine auf ihn war- tende Kutsche und verschwand. Sozialpolitische Rundschau. Schweiz. * Nach vielen Volksfeindlichem hört man doch endlich auch von etwas Besserem. Ter Bundesrath hat den Entwurf eines Haftpflichtgesetzes vorgelegt. Selbstverständlich gibt derselbe die Perbesserung des Arbeilerloses nur in homöopathischen Gaben, aber es ist doch etwas. Eine vernünftige Bestimmung ist beson- ders, daß die Beweispflicht nicht wie in Deutschland dem Ar- beiler, sondern dem Arbeilgeber auferlegt ist, und fernerhin setzt der Entwurf über das Haftpflichtgesetz hinaus eine Entschädigung im Fall von Krankheiten, welche in gesundheitschädlichen Fabrik- betrieben durch diew verursacht wurden, fest. Dagegen soll die höchste Entschädigungssumme nur 6()()t) Franken betragen. Wir werden wohl gelegentlich ausführlicher über den Entwurf sprechen. Einen arbeiterfreundlichen Schritt hat der Nalionalrath(Ab- geordnete) Frei gethan, indem er den Antrag stellte, der Bundes- rath solle sich mit den auswärtigen Regierungen zur Anbahnung einer internationalen Arbeitsgesetzgebung ins Ein- vernehmen setzen. Der Antrag hat zwar wenig Aussicht, aber er wird nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden, bis diese nothwendige Forderung erfüllt sein wird. peutschkaud. * Das„Ereigniß" der Woche ist die Entdeckung einer groß- artigen„Sozialistcnverschwörung". Es handelt sich um die schon in unserer letzten Nummer erwähnten Verhaftungen in Frankfurt a/M., Darmstadt, Eberstadt und Mannheim, die von der eines„Erfolges" gegen uns bedürftigen Regierung zu einer Haupt- und Staatsaffäre aufgebauscht werden. Was wir bis jetzt von der Sache erfahren konnten, ist folgendes. Allem Anschein nach wollten etwa anderthalb Dutzend von der „Freiheit" gegängelte Leute am Sonntag den 5. ds. auf dem in der Nähe von Darmstadt liegenden sogen. Dippelshof einen „sozialrevolutionären Kongreß" halten. In bekannter londoner Art wurde die Sache indeß so schlau angefangen, daß die Polizei längst von der Absicht, ja sogar von näheren Umständen, z. B. von den Paßworten(!) der sich Versammelten Kenntniß hatte. Infolge dessen wurde am 3. ds. vier darmstädter Arbeiter: Böll, Braun, Mahr und Jakobh, welche angeblich den Empfangs- ausschuß bildeten, verhaftet, worauf sich die Polizei an ihrer Stelle als Empfangsausschuß aufstellte und die sich ihr ver- trauensvoll Nähernden festnahm; auch waren auf den nach Darmstadt führenden Bahnen alle Stationen polizeilich besetzt. Natürlich folgten nun, und da auch bei verschiedenen Verhafteten verrätherische Papiere:c. gefunden worden sein sollen, Haus- suchungen, Polizeiübcrfälle, Briefdiebftähle k. in Menge. So in den benachbarten Orten Eberstadt, Pfungstadt, Arheilgen, wo Briefe, Schriften:c. beschlagnahmt wurden. In Darmstadt selbst dauerten die Versolgungsmaßregeln— soweit unsere Berichte reichen— bis zum 10. ds. so«; vielleicht sind sie noch nicht zu Ende. In wie weit die ähnlichen Polizeimaßnahmen in Mannheim, Mainz, Frankfurt mit der Sache zusammenhängen, ist uns noch unklar. Von erstercm Ort sollen zwei Mann auf dem Dippelshof gewesen und sind verhafteil Am L. begannen Haussuchungen im großartigen Maßstab. Etwa 30 Schutzleute und Gensdarmen umstellten gegen 10 Uhr die Fabrik von Bopp und Reuther und begannen alsdann eine äußerst scharfe Durch- suchung der einzelnen Arbeiter, deren Kleider, Schränke und Schubladen. Ueber das in der Fabrik erzielte Resultat ist nichts bekannt, doch soll bei gleichzeitig bewirkten Haussuchungen in Wohnungen eine nicht unbedeutende Anzahl Blätter, Schriften, Briefe rc. mit Beschlag belegt worden sein. Auch in Mainz wurde scharf gehaussucht. In Frankfurt will die Polizei in einem Haus der Judengasse Druckvorrichtungen(?), Briefe„von im Ausland lebenden Agitatoren" u. dgl. gefunden haben. Indessen scheint es, daß die frankfurter Maßnahmen mit der„Kongreß- geschichte" in keinem sachlichen Zusammenhang stehen und daß es sich hiebei lediglich um eine am 20. Okt.(beim Kaiser- besuch) bewirkte Flugschriftenverbteilung handelt. Dagegen soll die in Augsburg vorgenommene Verhaftung des aus London kommenden„Sozialrevolutionärs" Dave, des jetzigen Intimus des Herrn Most, sowie die Verhaftung des derselben Richtung angehörigen augsburger Arbeiters Lichtensteiger in Frankfurt mit ver darmstädter Geschichte in Verbindung stehen. Daß die Polizei in Heller Freude ist über die endlich gefundene Handhabe zur Einleitung eines wirkungsvollen MonstreprozesseS, ist klar, und suchen denn auch die gewürfeltsten Polizisten die aufgefundenen großen und kleinen Fäden zu einem kunstreichen Gewebe zu verknüpfen, das den staunenden und schaudernden Spießbürgern als„Hochvcrralh" und„Verschwörung" präsentirt werden soll. Das ist offenbar auch der Grund, weshalb man die wahrscheinlich von der srankiulter Flugschrifienverbreitung ganz unabhängige„Kongreß"geschichte milerstererzusammenwirsl und alle Gefangenen, sowie die sonstigen Untersuchungsergebnisse von allen Seiten nach Frankfurt schickt(die sieben darmstädter Verhasteten wurden am 10. nach dort geschafft). Außerdem hat man ja dort „bewährte" Richter. Indessen wird die Polizei mit dem„Hoch- verrath" trotz ihrer Findigkeit doch kaum Geschäfte machen; und wenn nicht noch viel unerhörtere— sagen wir einstweilen: Un- geschicklichkeiten begangen wurden, so dürfte der kreisende Berg höchstens das Mäuslein einer Anklage wegen Zuwiderhandlung gegen das Sozialistengesetz und höchstens noch wegen geheimer Verbindung gebären. Ob aus der von Replilienblättern berichteten geplanten Verhängung des Belagerungszustandes über Frankfurt und Umgegend unter solchen Umständen etwas wird, ist sehr zweifelhaft.— Hoffentlich können wir nächstens Genaueres über die Sache berichten. Uebrigens verweisen wir noch auf unfern heutigen darmstädter und augsburger Bericht. Nun ei» Wort über unsere Stellung zu der„Kongreß"-An- gelegenheit. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich nie vor Ge- fahren und Verfolgungen gescheut; sie hat ärgere Dinge als solche Kleinigkeiten durchgemacht und sich freimülhig und stolz zu ihren„Verbrechen" bekannt— sie wird es auch ferner thun. Aber sie verlritt nur solche Handlungen, welche von ihr beschlossen und gutgeheißen, welche die ihrigen sind. Die Verantwortung für unüberlegte Streiche, von deren Planung sie nichts weiß und deren �Tendenz und Ausführung ihren Grundsätzen und Absichten widersprechen, muß sie ablehnen und die Vertretung si.. ik i Jk M rafc» i aller ihrer Folgen ausschließlich denen überladen, welche jene „Thaten" auf eigene Faust unternommen. Die deutsche Sozialdemokratie hat mit den darmstädter„Kon- greß*-Ocschichten und allem damit Zusammen- hängenden nichts zu thun. Die Genossen aber mögen sich durch diesen neuen Mißerfolg der londoner Sekte und die empfindlichen Folgen defielben ge- warnt sein lassen! — Die sozialistische Presse hat schon zahllose Male Gelegen- heit gehabt, nachzuweisen, wie das bismarck'sche Leiborgan, die „Norddeutsche Allgemeine Zeug."— dem Charakter ihres Herrn und Meisters entsprechend— den unbestreitbaren Ruhm hat, die ganze übrige Bourgeoispresse an ausgesuchter Gemeinheit noch weil hinter sich zu lassen. Dieses schöne Vor- recht übte sie jüngst in ganz besonderem Maße dm Opfern des jüngsten Petersburger Sozialistenprozesses gegenüber aus. Der größte Theil der Presse konnte, so feindselig er auch den Sozia- listen und„Nihilisten" sonst sein mochte, sein Erstaunen über die eminente Thätigkeit und Aufopferungsfähigkeit der russischen Sozialisten im allgemeinen und der Angeklagten insbesondere nicht verbergen, die, kaum eine Handvoll, durch ihre Thatkiaft das ganze mächtige Zarenreich in Bewegung gesetzt, die Tyrannen Rußlands in ihren bestbewachtesten Palästen zittern gemacht und in das Herz des Volkes trotz aller systematischen Verdummung doch manchen später zur Flamme anwachsenden Funken geworfen. Ihre Charakterreinheit, ihre rückhaltslose Hingebung für die von ihnen erwählte Sache, ihre JiUelligflfiz— nirgends wurde sie bestrittm und nicht selten begegnet man ungeheuchelter Bewunderung, die sich meist in dem spießbürgerlichen Gedanken gibt: „wenn soviel Talent und Gemeinsinn doch nicht auf solche Irr- Wege geraihen, sondern aus dem von der Gesellschaft und dem Gesetz vorgezeichneten Weg zum Heile ihres Landes angewendet worden wäre". Die einzige„Norddeutsche Ganzgemeine" denkt anders. Sie, die ja von der ganzen deutschen Presse nahezu allein die Ansicht vertritt, daß der Grund der„nihilistischen" Bewegung in— der zu großen Freiheit, welche in Nußland herrsche, zu suchen sei,— sie weiß den ruhmvoll unterlegenen Feinden keinen besseren Gruß mit auf das Schaffst, in die Bergwerke und nach Sibirien auf den Weg zu geben, als sie in der denkbar niedrigsten Weise zu beschimpfen und mit Schmutz zu bewerfen. Sie nennt die Verunheilten Schurken, wirst ihnen mangelhafte Bildung, Armseligkeit deS Verstandes, unermeßliche Scheu vor jeder geregelten Arbeit, Stumpfsinn vor, bezeichnet sie als moralische Krüppeln u. s. w. und schließt ge- wohntermaßen damit, daß an den Schandthaten der Nihilisten lediglich das nachsichtige Gehenlassen, die Sucht, durch Milde ein unreifes Publikum gcscheidt zu machen die Schuld trage und daß nur zu bedauern sei, daß die außerordentlichen Maßregeln (Generalgouverneure, Militärgerichte zc.) nicht gleich mit vollem Nachdruck angewendet wurden. Entfaltung heilsamer Strenge— das allein gewährleiste eine gedeihliche Entwicklung Rußlands! Schamloser ist die ganze Herzensgemcinheit des Despotismus Wohl nicht leicht an den Tag gelegt worden und selbst die ver- sailler Schandpresse hat während des Blutrauschcs der Maiwoche nicht mehr Niedertracht bewiesen. Wahrlich, wenn jedem unserer Feinde nach seinem Verdienst vergolten werden sollte, dann müßte.. während die andern Volksfeinde einfach vertilgt werden, an de» Patronen des bismarckischen Blattes die Strafe in Anwendung gebracht werden, welche einst ein blutrünstiger Henker auf dem Spielberg an den gehetzten Feinden seines Herrschers ausübte: man müßte sie in die Kloake schmieden. — Eine hübsche Illustration zur deutschen Glückseligkerl bildet die jüngst vom statistischen Amt des Reiches veröffentlichte Aus- wanderungsstatistik. Darnach schifften sich in den Häfen — Darmstadt, 11. Dez. Daß die Polizei wie anderorts auch hier sehr pflichttreu und amtseifrig in Ausführung des Sozialistengesetze« ist, möge aus unsrem heutigen Bericht ersichtlich sein, und wollen wir uns auch für diesmal daraus beschränken, der mühevollen Thätigkeit unsrer Polizei, die seit einigen Wochen gar nicht mehr zur Ruhe kommt, durch einige Zeilen unsere Anerkennung darzubringen. Eine auch zwei Haus- suchungen in der Woche, einige Verbote der unschuldigsten Vereine und dann und wann eine Massenhaussuchung, das alles war seither an der Tagesordnung. Aber man konnte dadurch dem Spießbürger nicht glauben machen, daß die Sozialdemokratie hierorts ausgestorben sei. Da wurde die Angst der Philister stärker und die Aufmerksamkeit der Polizei verdoppelt, als vor einiger Zeit seitens einiger——■, sogenannter „Revolutionäre um jeden Preis", die Heldenthat begingen, die Buchen und Tannen in der nahen Waldung mit Mostischen Flugblättern zu be- kleben, worauf natürlich in einer Stunde der ganze Polizeiapparat in Bewegung gesetzt und zu gleicher Zeit bei zwanzig Genossen Haussuchung vorgenommen wurde. Allein dies sollten die Künste der hiesigen„Sozial- revolutionäre" noch nicht alle sein. Vorigen Freitag mittag wurden 4 Mann unter dem Ehrennamen„Sozialdemokraten" und unter der Anschuldigung des Hochverraths verhastet. Soweit wir die Ursache dieser Verhaftungen erforschen konnte», handelte es sich um eine geheime Delegirtenversamm- lung aus den Städten Mannheim, Frankfurt,(Mainz?) und den zunächst Darmstadt liegenden Ortschaften aus dem unweit Darmstadt liegenden Düppelshof. Ob man dort über die, wahrscheinlich bis zum nächsten Frühjahr fertig gebackenen Barrikaden berathen wollte, weiß ich nicht. Aus ausgefangenen Briefen(oder durch Spitzel?) soll die Polizei die ganze Sache erfahren haben, und sollten alle Delegirten auf dem Bahn- Hofe in Eberstadt von den vier Jnhastirlen, welche das Empfangskomite bildeten, unter einem i» den Korrespondenzen verabredeten Zeichen, ab- geholt werden. Während nun das Komite in Sicherheit gebracht war, benutzte die h. Hermaudad die Gelegenheit, nachdem noch nach allen be- nachbarten Orten Polizeibeamte gesandt-waren, selbst das Empfangs- komite zu bilden, und verhaftete unter Abgabe des bestimmten Zeichens noch zwei von Maiinheini kommende Delegirle. Nach Berichten hiesiger Blätter soll bei einem der Jnhastirlen eine Flasche Strichnin(!) gefunden worden sein, womit man nach Aernzuthungen der Polizei ein kleines Attentat geplant habe(!!) Es ist wahrhast zum kranklacheu, daß sich die Polizei bei den daraus folgenden Haussuchungen weit mehr mit Bisita- tion der Flaschen, Fläschchen, Krüge und Töpfe als mit Suchen nach Schriften beschäftigte. Ein Genosse erzählt uns, daß der, während seiner Abwesenheit in Gegenwart seiner Frau haussuchende Kommissar jedesmal beim Vorfinden einer Flasche oder eines Fläschchens seine Frau aus- gesordcrt habe, z u e r st daran zu riechen, was sie aber, nachdem sie ein- mal dem Wunsche des Beamte» nachgekommen war, fürs weitere nicht nothwendig zu haben glaubte, weshalv die Herren die gefahrvolle(!) Ar« beit weiterhin selbst ausführen mußten. Wehe, wenn die Nasenweisigkeit durch die Wirkung einer mit Gift(hu!) gefüllte Flaschen geahndet wor- den wäre! Nun, das war der Spaß, und jetzt wieder zun, Ernst. Was aus dem „Hochverrath" werden wird, müssen wir abwarten und dürfte dies wie manches anoere nicht so heiß gegessen werden, als es gekocht ist. Was die Personen anbetrisst, die davon belrossen worden, so müssen wir nur sehr bedauern, daß wir nicht im Stande sind, ihnen durch materiellen Opfermuth, oder auch hier und in den Spalten unseres Zentralorgans durch warme Worte unsere Theilnahme zu bezeigen; denn sie haben trotz aller Warnungen und Ermahnungen der von unserer Partei eingeschlagenen Taktik sowie unserem geschlossenen Vorgehen den Rücken gekehrt und blind der Revolutionsphrasendrescherei Most'« gefolgt. Mögen aber auch die Genossen, welche noch au der Richtigkeit unserer Taktik zweifeln, aus diesem Vorfall eine Lehre ziehen und mit uns in geschlossener Reihe dem Wahlspruch folgen: Einer für Alle, Alle für Einen den einzigen richtigen Weg, den unsere Partei mir so viel Ersolg eingeschlagen hat und sesthält, marschiren— er wird uns gewiß und zur richtigen Zeit zum Ziele sührcn!— Während nun die Leute Most's eine traurige Gelegenheit haben, Uber ihre Tollkühnheiten nachzudenken, entwickelt die Polizei eine sieber- haste Thätigkeit, so daß es vorkam, daß bei einem Genossen an einem Tage zweimal gehaussuchl wurde. Man sucht eben Material zu dem Hochverrathsprozeß; allein bei uns wird mau ein solches nicht finden, denn Klatschweiber und verrückte Köpfe gehören schon lange nicht mehr in unsere Reihen. Im. übrigen wäre nichts weiter«m Bedeutung, al« daß es vorigen Mittwoch, trotz der jetzt hier herrschenden Situation, ein Genosse wagte, eine Volksversammlung mit der unschuldigen Tagesordnung„Die Auti- semiten an der Arbeit" einzuberusen, welche aber von der Polizei als Gegendemonstration zu den Verhaftungen(!) betrachtet und unter Vor- gäbe verboten wurde, cö könnten durch Erörterung dieses Themas in einer den öffentlichen Frieden gesährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung gegeneinander ausgereizt werden. Wir aber wollten durch Erörterung dieses Themas die Ausreizung der Arbeiterklasse gegen die Juden verhindern. Aber verdirbt man da nicht der deutschen Regierung den Spaß, gelegentlich mit Kanonen dazwischen kartätschen zu dürfen? Nun, wir dürsen zum Schluß noch der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Bevölkerung im Wahlkreis Darmstadt-Groß Gerau bei der nächsten ..W. ,c v~ i Ulk I oec-ueooiuiuiig im«juyiuci» �ueiugaoi-WroiZ �»erau vc> ocr»u Bremen Lmmbura Stettin und Antwerpen bis Ende-Szeptemver k Reichstagswahl durch Vereinigung ihrer Stimmen aus den von uns nach überseeischen Häfen 79.9d8 Personen ein-und�zwar 48.329 �geschlagene« August �BÄel. j«. best. Antwort-u, all- I z »ach— � männlichen und 31.t)29 weiblichen Geschlechtes. Nach' den Ver- einigten Staaten von Nordamerika gingen 77.629 Personen. Im Jahre 1878 wanderten 19.758 aus; im Jahre 1879 stieg die Zahl auf 25.546. Im Jahre 1889— in welchem sich bereits die ersten segensreichen Folgen der„Wirthschaftsreform" zeigen sollten— hat sich demnach die Zahl der Deutschlands- müden gegen 1879 fast um oas vierfache, gegen 1878 um mehr als das fünffache vermehrt. Das bismarkische Deutschland ist gewiß eine herrliche Gegend, aber es sieht sich am besten an, wenn man sie von der Ferne betrachtet I — Aus B erlin erfahre» wir über die angeblich„nihilistischen Umtriebe", daß einige junge Leute verhaftet sein sollen. Man nennt die Namen Metzkow, Louis und Colberg, sowie drei junge Mädchen„auö höheren Kreisen". Von anderer Seite wird diesen Gerüchten widersprochen. Was an der Sache ist, darüber herrscht noch Unklarheit. — In Pforzheim wurden außer den neulich gemeldeten vier Verhaftungen noch zehn weitere vorgenommen. Vier wurden bereits wieder entlassen, die meisten der übrigen wurden nach Karlsruhe eingeliefert. Näheres in nächster Nummer. — Bei Berlin, 2. Dez. Wie das blutaussaugendeFabrikantenthum darauf bedacht ist, sich die Taschen zu füllen, darüber kann auch ich einen kleinen, aber überzeugenden Beitrag liefern. Der berliner Fabrikant Rehn- länder benutzt nämlich die bei uns alle Winter wiederkehrende Arbeits- lofigkeit, weil er Geld genug hat und wohl weiß, daß er im Sommer einen höheren Lohn zahlen muß, daß dagegen die Arbeit jetzt infolge der allgemeinen Roth der Arbeiter von Berlin und Umgebung auch für die niedrigsten Löhne gemacht werden muß,— um sich seine Arbeit für wahre Hungerlöhne schon sür den nächsten Sommer fertig stellen zu lassen. Dabei ist dieser Fabrikantenlump so heuchlerisch, den Arbeitern vorzuspiegeln, er habe, lediglich um die Arbeiter zu beschäftigen, eine Bestellung von vielen hundert Stück Satin angenommen, könne aber für den Meter nicht wie im Sommer 50 Pf., sondern nur 25 Pf. zahlen! Dieser schändliche Lump ist von jeher einer der größten Aussauger der Weber von Berlin und Umgegend gewesen; aber so erbärmlich wie dies- mal hat er sich noch nie benommen. Freilich, der Appetit kommt mit dem Essen! Durch den erwähnten Schandstreich schädigt er nicht nur „seine" Arbeiter, sondern den ganzen Weberstand in und um Berlin; denn des sauberen Fabrikanten saubere Standesgenossen werden sich vor- aussichtlich beeilen, diesem schuftigen Beispiele zu folgen. Es ist das bei der Geldgier der Fabrikanten um so mehr zu erwarten, als der genannte Artikel der Mode wenig unterworfen ist. Damit wäre de» Webern Berlins und denen, die dahin arbeiten, ein furchtbarer Schlag versetzt, so daß sich dieselben in wenigen Jahren keinen höheren Lohn werden aus- rechnen können, als die verhungernden Weber im sächsischen Erzgebirge. Darum sei unsere Losung: Nieder mit all diesen ausbeuterischen Lumpen — es lebe die sozialistische Produktion! vor- Maßregeln und Polizeiwillkür ertheilen wird! ? Augsburg, L Dez. Soeben ersahre ich aus erster Hand, daß heute in aller Frühe der aus Paris s. Z. ausgewiesene„Sozialrevolutionär" Dave in einem hiesigen Gasthof verhaftet worden sei. Unter seinen beschlagnahmten Effekten fand sich auch ein Notizbuch, in welchem die ganze Reiseroute, vollführte und beabsichtigte, mit Orts- und Person enangabe(!!) vor, so daß die Polizei nun wieder Material zu verschiedenen Schikanen hat, denn daß die Adressen den betr. Behörden mitgetheilt werden, liegt auf der Hand.— 9. Dez. Zu meiner gestrigen Notiz muß ich heute eine andere„sozialrevolutionäre" Hiobspost melden. Der„Sozialrevolutionär" L i ch t e n st e i g e r von hier wurde in Frank- surt a. M. verhastet, als er zu einem, laut hiesiger Polizeiberichte, auf den 5. Dezember in Darmstadt geplanten„Kongreß" reisen wollte. Der Polizeibericht bestätigt auch meine gestrige Notiz bez. Dave'« und theilt dessen Reiseroute spezialisirt mit. Er ging am 28. November von London weg nach Brüssel, den Rhein entlaug nach Mainz, Darmstadt, Aschaffen- bürg, Augsburg und wollte Uber München nach Wien, Reicheuberg(wir wissen, warum. D. R.), Dresden, Berlin, Hamburg, London. Zwei Thatsachen sind es, die unsere Entrüstung hervorrufen: Der geradezu verbrecherische Leichtsinn, mit dem Most„Verschwörung" spielt und die Genossen in Deutschland der Polizei ans Messer liefert(während er natü- lich im sicheren London bleibt), da er wissen muß, daß er von Polizei- spionen umgebe» ist, die er wie Lehmann, Zadeck, Neuuiaun, König sür seine besten Freunde hält. Denn ich höre, daß die Polizei von dem angeblichen Kongreß- aufs genaueste unterrichtet war. Und wie ist es zu erklären, daß ein„Agitator aus Reisen" Namen im Notizbuche trägt, gleichsam als Speisezettel für die Polizei? Leute von solchem Leichtsinn und solcher— Beschränktheit sind nicht beruft», in so bewegten Zeiten eine revolutionäre Partei zu„Thaten" zu leiten, solche Leute gehören in's 2! a r r e n h a u s oder verdienen im besten Falle wir Knaben gezüchtigt zu werden, wenn man nämlich an ihre Ehrlichkeit glaubt, was ich natür- lich bez. des notorischen Lügners Most, der seine Privatmorai allmälig aus das politische Gebiet übertragen hat und in seiner„Freiheit" als „sozial-rcvolutionäres" Evangelium dogmarisirt, nun nicht mehr glaube. — Vom Höhgau, 8. Dezbr. Heldenthaten der Polizei. Vor ei» paar Tagen ging die Frau eines in der Schweiz wohnenden Deutschen mit ihrem zweijährigen Knaben nach Konstanz, um dort Außen- stände einzukassiren. Kaum dort angekommen, hielten sie ein paar Schutz- leute an, verhasteten sie und jührten sie ins Gefängniß. Dort wurde die hochschwangere Frau, sowie nicht minder auch das Kind von einer Wär- terin bis auf die Haut durchsucht, ohne daß indeß etwas„Staatsgesähr- liches" ausgesunden worden wäre. Sodann ließ nian Mutter und Kind wieder gehen. Frauen und Kinder ohne jede Anklage ihrer Freiheit be- rauben, in ihren Geschäften schädigen und zum Schaden ihrer Gesundheit erschrecken— ist das nicht eine Infamie sonder Gleichen? Wahrhaftig, wir haben'«„herrlich weit gebracht", so weit, daß wir uns vor den an- der» Völkern schämen möchten. Welch ein mächtiges weltgebietendes Reich, das vor Frauen und Kindern zittert! Welch ein Hort germanischer Sitte, wo die Frauen keinen Augenblick davor geschützt sind-, daß ihnen die Kleider vom Leib gerissen und der Körper abgesucht wird. Wie weit wird das heutige Gewaltherrscherthum seine unglaubliche Frechheit noch treiben, wie lange werden wir uns dieselbe noch gefallen lassen müssen und wann wird endlich die Zeit kommen, wo die Reaktionsbande ihren verdienten Lohn empfängt? Und auf Grund welchen„Verbrechens" hin erfolgte jene Polizeiroh- heit? Nun, die Frau war in eine Wirthschast gegangen, welche früher einmal in dem Verdacht stand, daß dort Sozialisten verkehren und welche deshalb dem Militär verboten worden war, welches Verbot indeß bereits läng st wieder aufgehoben ist. Aber nein, nicht einmal in die Wirthschast selbst, sondern zu einer Familie, welche das Hinterhaus des Wirthes bewohnt. Der Sozialismus oder auch nur der Verdacht desselben wird in unserem famosen Reich ähnlich wie Rotz- gift angesehen, durch das jeder angesteckt wird.— Aber mit der Durch- suchung der Frau war es noch nicht genug. Alsbald wurde die Wohnung der Familie, welche sie besucht hatte, polizeilich besetzt. Es scheint die halbe Spitzelschaft in der Nähe gewesen zu sein, denn sobald ein bürgerlich gekleideter Kriminalpolizist gewinkt und dazu gerufen halte:„Kommt, jetzt geht's los!" kam ein ganzer Trubel herbei« gestürzt. Drei Schutzleute nebst zwei Zeugen kamen mit wichtiger Miene, hielten Haussuchung und saMp nichts! Als sie gefragt wurden, was denn dieser Uebersall eiWMich»zu bedeuten habe, erwiderte ein Schutzmann:„Ja, es ist eben Gefahr vorhanden!" Beschwerde gegen diese Willkürlichkeiten ist erhoben, wird indessen kaum etwas helfen; denn für diejenigen, von denen man eine Gefahr sür die„Ordnung" des Staates und der Gesellschaft befürchtet, gibts im deutschen Reich kein Recht. Man wird sich also daran gewöhnen müssen, sich in Geduld zu fassen und die Reaktion hausen zu lassen bis zum Tag,„der jede Schuld bezahlt!" Gesterreich-Ilngarn. * In Wien wurden infolge m äffen h a fter V erb reiJung von sozialistischen Flugblättern zahlreiche1' Haussuchungen vorgenommen und sieben Genossen verhaftet. Die Polizei wußte um die Sache schon mehrere Tage.4>or der Ver- breimng und setzte eine„Fangprämie" von 25 st. auf jeden Verbreiter; trotzdem erwischte sie nur wenige und vermochte natürlich noch viel weniger die Verlheilung zu hindern. Wir bringen in nächster Nummer einen— für diesmal Raummangels halber zurückgestellten— ausführlichen Bericht. Auch eine Reihe von Beschlagnahmen, u. a. die des„Arbeiterkalenders" sind wieder erfolgt. — Aus L>esterreick- Seit unserem letzten Berichte Uber die Demonstration der wiener Arbeiter gegen die deutschliberale Partei haben neue Kundgebungen in ähnlichem Sinne in Brünn, Laibach und Bruck a. M. stattgefunden, natürlich begleitet von dem obligaten Schimpfkonzert der deutschliberalen Presse. Das lächerliche Märchen von der Allianz der Sozialdemokraten mit den Klerikalen und der Negierung geht bereits seinem verdienten Ende entgegen, da die Thatsachen sich mehren, welche die liberalen Verleumder zum schleunigen Rückzug zwingen. Die für Prag emberujene Volksversammlung unserer Partei wurde verboten, in Laibach durste der Antrag aus Einsührung des allgemeinen Wahlrechts nicht zur Abstimmung gebracht werden, in Graz und Bruck konnte nur über den allgemeinen Theil der Resolution abgestimmt werden, da der Regierungsvertreter die darin detaillirteu. Forderungen als identisch mit dem Programm des wiener-neustädler Kongresses des Jahres 1876 er« klärte, die bekanntlich nicht zur öffentlichen Diskussion gelangen dürfen. Diese Thatsachen im Zusammenhalte mit der sortdauernden Versal- gung unserer Partei durch die Polizeibehörden beweisen wohl selbst dem gläubigsten Leser der liberalen Presse die Fabelhastigkeit jener Allianz. In P r a g wurde der t s ch e ch i s ch e A r b e i t e r k l u b wegen„sozia- listischer Umtriebe" ausgelöst, in Proßnitz, Mähren, am 60. Nov. eine Hausdurchsuchung im Lokale des dortige» Arbeitervereines vor- genommen, der Verein selbst ausgelöst und der Obmann W o p a l k a verhaftet. Gegen den Vorstand des Vereins wurde die Untersuchung wegen „Geheimbundes" eingeleitet. In Graz wurden in der Nadjt vom 6. auf den 7. Nov. sozia- l i st i s ch e F l u g s ch r i s t e n mit der Ueberschrist:„Was ist der Ar- beiter?" an den Straßenecken und öffentlichen Gebäuden, selbst inner- halb der Polizeidirektion und an der Büreauthüre des Polizeidirektors, angeklebt. Infolge dessen jandeu bei drei Genossen Haussuchungen statt, selbstverständlich ohne Ersolg. Gen. Gabriel wurde jedoch am 9. Nov. aus der Straße verhaftet, und aus der Polizeidirektion einer genauen Leibesdurchsuchung unterzogen, die ebenfalls erfolglos blieb. Hieraus wurde mit ihm ein Verhör vor dem Oberkommissär Maurer vorgenommen, aus dem hervorging, daß man Gabriel im Verdacht hatte, an der Ver- breitung der erwähnten Flugschriften Theil genommen zu haben. Beson- ders hervorzuheben ist aus diesem Verhöre, daß Herr Maurer, um jede Veränderung in den Mienen Gabriels beobachten zu können, letzteren vor vier brennenden Kerzen Platz nehmen ließ; serner, daß alle Arten Droh- ungen und Versprechungen angewendet wurden, um Gabriel dazu zu bringen, die Verbreiter der Flugschristen bekannt zu geben. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich auch Herr Maurer dahin, daß er alles ausbieten werde, um„die sozialdemokratische Brutstätte" in Graz auszuheben. Er werde sich auch nicht scheuen, so oft es ihm beliebe, Straßenverhaslungen vorzunehmen. Nach diesem Verhöre wurde Gabriel, obwohl nicht der geringste Ver- dacht sgrund gegen ihn vorlag, in Haft behalten und nach vier Tagen an das Laudesgericht abgeliefert, von wo er am 25. Nov., nachdem die Untersuchung durch die Oberstaatsanwaltschast eingestellt worden war, aus freien Fuß gesetzt wurde. Am 28. Nov. sollte in Prag eine vom jungtschechischen Klub ein- berufene Volksversammlung stattfinden, zu der auch etwa 2000 Personen erschienen waren. Schon in den der Versammlung vorausgehenden Konnte- sitzungen hatte die Arbeiterpartei slavischer Nationalität das Verlangen gestellt, daß man den Maurermeister Schalter als Vertreter der Ar- beiter in der Versammlung sprechen lasse. Die Jungtschechen gingen aus dieses billige Verlangen nicht ein. Als nun die Jungtschechen den zahl- reich anwesenden Arbeitern auch jede Vertretung im Präsidium der Ver- sammlung verweigerten, erhob sich ein surchtbarer Tumult, und die Volksversammlung mußte auf Begehren der jungtschechischen Komite- Mitglieder ausgelöst werden. Zweck der Volksversammlung war ein Protest gegen die Beschlüsse des deutsch-liberalen Parteitages in Wien. Zu be- dauern ist, daß die Jungtschechen durch ihre unberechtigte Hartnäckigkeit gegenüber den Forderungen der Arbeiter jedes Zusammengehen der frei- sinnigen bürgerlichen Elemente unter den Tschechen Mit der sozialistischen Partei wieder sür längere Zeit unmöglich gemacht haben. Maurermeister Schaller wurde von den Jungtschechen aus ihrem Klub ausgeschlossen. Am 30. Nov. schloß auch der Fortschrittsklub de« Abgeordnetenhauses den Herrn Dr. Krön awetter wegen seiner Rede gegen die Ver- fassnngspartei aus; dafür hat derselbe am 24. Nov. von seinen Wählern ein einstimmiges Vertrauensvotum erhalten. Aelgiett. * In Brüssel wird von Neujahr an eine Gruppe sozialistischer Sludenlen unter Mitwirkung von belgischen, fran» zöstschen, niederländischen, deutschen und russischen Studenten eine sozialistische Sludentenzeitnng,«DLtncliÄiU socialiste», herausgeben. I» k>er Ankündigung der Herausgeber he'ßl es über die Ausgabe oes Blattes:„Der«Llucliant socia- liste» wird prüfen, ob— wie dies die Hohepriester der National- ökonomie und des opportunistischen Liberalismus sagen— das Elend in unserer gesellschaftlichen Organisation, so vollkommen man auch dasselbe erachte, ein scheußliches, aber nothwendiges Uebel ist"(Dunoyer und sonstige Oekonoinisten). Er wird untersuchen,„ob es keine soziale Frage gibt"(Gambetta), obgleich nach dem Geständnisse der Vertheidiger der gegenwärtigen Orb- nung,„der Lohn des Arbeiters sich unvermeidlich auf das Roth- wendige beschränkt, die Arbeiterklasse in ihrer Nöthigen Zahl zu erhallen"(I. B. Say k.), obwohl„jedes Jahr ein Theil der Arbeiter, selbst im Schöße der wohlhabendsten Nationen, wegen Mangel verkommen muß"(Say). Er wird sich endlich erheben gegen die entsetzlichen Prinzipien Ma l th u s' und Molin aris': „Niemand, der in dieser Welt geboren wird, hat, wenn die Ge- �ellschast seiner Arbeit nicht bedarf, das Recht, einen Nahrungs- theil vom großen Bankett des Lebens zu fordern"...„Die Arbeiter, welche sich nicht den neuen, aus der Entwicklung der Großindustrie entsprungenen Bedingungen anbequemen können, werden verschwinden, wie die untergeordneten Thier« verschwunden sind, als sich die Verhältnisse, unter welchen sie sich befanden, verändert halten". Ter«Etud soc.» wird mit Emil Laveleye, dem ausgezeichneten Professor von Lüttich, sagen:„Da die soziale Organisation im Laufe der Zeilen tiefgreifende Veränderungen erfahren hat, darf es uns nicht untersagt sein, vollkoinmenere gesellschaftliche Einrichtungen zu erforschen, als dies unsere heutigen sind. Wir sind selbst hiezu verpflichtet, wenn wir nicht in eine Sackgasse gelangen wollen, wo die Zivilisation zu Grunde gehen würde." Wir können die Gesinnungen und die gute» Abstchien der für unsere Sache begeisterten Jünglinge nur von Herzen be- grüßen, obgleich die Lebensfähigkeit eines solchen, speziell für wissenstbaftlich gebildete Kreise bestimmten Blattes erst noch er- weilen muß. Möchte sich die studirende Jugend anderer Länder, namentlich die Deutschlands und nicht minder die Frankreichs an der Begeisterung ihrer belgischen, wie an dem Opfermuth ihrer russischen Brüder ein Beispiel nehmen, damit sie sich aus dem Sumpf der Gleichgiltigkeit gegen das Schicksal des Volkes, ja der Servilität gegen die Herrscher emporraffe und wieder wie ehedem eintrete in die Reihen der Freiheitskämpfer! ArajiKreich. — Haute, Dezember. Sozialistenkongreß. Fünfte Sitzung. Begrüßungsschreiben und Telegramme von der aus- wärtigen Verkehrsstelle in Zürich namens der sozialistischen Arbeiter- Partei Deutschlands, von Sozialisten in Dijon und Marseille waren ein- gelausen. Auf der Tagesordnung steht die Frage Erziehung und U n t e r r i ch t. Tie Bürger C a st a n(Gemeinderath von Marseille), Corbon, Fehr und Marin sprechen für Einführung der obliga- torischen, gleichen, vollkommenen und unentgeltlichen Schule. Roux will das Lehramt freigegeben und nicht an Prüfungen gebunden haben. P e r r a u d erklärt, daß die wirklich vollkommene Bildung erst in der sozialistischen Gesellschaft möglich sei; Bürgerin Paula Mint schließt sich dem Vorredner an. Bgr. I o r q u e t beansprucht zum Zweck der Erziehung alle K Inder für die Gemeinde. Kahn(Anarchist) will eine vollkommen gleiche Bildung für alle. C h a b e r t meint, daß die Bour- geoisie die drohende Revolution am besten dadurch abwenden könne, wenn sie dem Volk eine gute Schule gebe; aber er glaubt nicht, daß sie das thun werde. S e ch st e S i tz u n g. Es wird beschlossen, einen amtlichen Kongreß- bericht herauszugeben, welcher alle Reden, Anträge?c. tc. ausführlich wiedergeben soll. Mehrere Delegirte des ministeriellen„Kongresses" wünschen, daß der Ausschuß zur Organisirung des nächsten Kongresses von den Sozialisten gemeinschasllich mit den Opportunisten bestellt werden solle. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit abgelehnt und darauf die Berathung Uber Erziehung und Unterricht zu Ende geführt. Bestetti spricht für den obligatorischen Unterricht mit Erhaltung der Kinder durch Gemeinde und Staat, welchem Antrage eine Reihe von Rednern bei- stimmen. Es werden die Ausschüsse für die Fassung der KongreßbeschlUsse über das Lohnwesen und Erziehnngsunterricht gewählt; sie bestehen in ihrer Mehrheit aus Kollektivisten. Siebente Sitzung. Dieselbe verlief sehr stürmisch, da von den Opportunisten gedungene Leute Unterbrechungen und Lärm hervor- riefen; die Friedensstörer stießen die THUre ein, stürzten in den Saal und aufs Präsidium, wurden jedoch von den Vertretern und einigen havrer Genossen zur Ruhe gebracht. Zustimmende Zuschriften aus Toulon, Narbonne, Reims, Bourges, Augers und Arles sind angelangt. Der Kongreß beschließt ein Zustimmungsschreiben an die Nihilisten. Auf der Tagesordnung steht die Franensrage. Mehrere Redner: Bestetti, Nabelet, Chabert, Bürgerin R o u z a d e wenden sich einstimmig gegen die gegenwärtige Ungleichheit, unter welcher die Frau unsagbar leide und sprechen größtentheils für die unbedingte Gleichheit von Mann und Frau. Chabert theilt unter großem Beifall mit, daß einer der pariser Wahlkreise beschlossen hat, seine Anerkennung dieser Rechtsgleich- heit beider Geschlechter dadurch Ausdruck zu geben, daß er für die kommenden Gemeindewahlen eine Frau(vermuthlich Louise Michel) auf- stellt. Einige Redner halten nur eine allmählige Durchführung der Gleich- heit für möglich. Hierauf hielt die Bürgerin Paula Mint einen tresslichen, die Sache vollkommen erschöpfenden Vortrag für die voll- kommene Gleichheit beider Geschlechter. Als die Rednerin daraus zu sprechen kam, wie der gegenwärtige Gesellschastszustand die Frau so oft dazu zwinge, zum Zweck ihrer Erhaltung zu ehrlosen Mitteln zu greifen, wurde sie von auf der Gallerie anwesenden Bourgeois in rohester Weise unterbrochen. Mit großer Energie wandte sich die Bürgerin gegen die Unterbrecher mit folgenden Worten:„Wir sind Familienmütler und wenn wir hierher gekommen sind und die Rednerbühne besteigen, so geschieht es, weil wir besser als irgend jemand die Leiden kennen, unter denen wir seufzen. Bevor man mich unterbrach, hätte man erst wissen müssen, wovon ich sprach." Hierauf nahm Rednerin ihren Vortrag wieder auf, fotgendermaßen schließend:„Wenn die Frau unabhängig sein wird, wird sie zu ihrem Gatten sagen:„Schreite vorwärts, mein Freund, ich folge dir, um deinen Triumph zu theilen, und wenn du erschöpft sein wirst, so wirst du mich bereit finden, dich zu unterstützen und an deiner Seite zu marschiren!" Eine ganze Anzahl von Rednern sprach sich noch in demselben Sinne der vollen Gleichstellung von Männern und Frauen aus. B o r d a t fordert dieselbe, auch wenn sie durch die Revolution durch- geführt werden müsse. C a u p a t spricht gegen die politische Gleichberech- tigung der Frau unter den heutigen Verhältnissen, weil dadurch nur der Reaktion gedient würde. M o l l i n betont, daß diese Gleichberech- tigung nur nach einer wirthschaftlichen Revolution eintreten könne. Die Sitzung schließt mit der Wahl des Beschlußausschusses. Am Sonntag nachmittag fand eine Überaus besuchte und sehr bewegte öfsentliche Versammlung statt. Mit Ausnahme des ersten und letzten Redners bekannten sich alle Redner als Kollektivisten. Zuerst sprach ein gewisser Delesque, Organist an der Dominikanerkirche und schimpfte die Kollektivisten Ll) Minuten lang Diebe und Meuchelmörder, bis er unter dem Unwillen der Versammlung den Rednerplatz verlassen mußte. Nabelet antwortete ihm, indem er zeigte, wer die wahren Diebe und Mörder find und indem er die Nothwendigkeit der sozialen Revolution nachwies. Amouroux sprach sich gegen die Gewalt aus, welche ihre Erzeuger tödte. Paula Mint spricht sehr energisch, läßt aber trotzdem die friedliche Revolution zu; die Bourgeoisie werde es sein, welche sich gegen die soziale Rekonstruktion erheben werde! Bulqnin(Geschäfts- reisender) erklärt, vorher Gegner des Kollektivismus gewesen, aber jetzt bekehrt zu sein. G o u l e t t e, der individualistische Vertreter von Nancy, wiederholt unter allgemeiner Heiterkeit seine Gedanken von der„Resor- mirung" der Gesellschaft durch die Armenpflege, den Schulunterricht tc., worauf die Versammlung mit kräftigen Schlußworten Chaberts ge- schlössen wird.„Arbeitend leben oder kämpfend sterben"— unter diesem mit Beifall überschütteten Wahlspruch trennten sich die Massen in bester Stimmung. Die achte Sitzung beschäftigte sich mit der wichtigen Frage der Vertretung des Proletariats. Nach Verlesung einer großen An- zahl von Zuslimmungsschreiben(worunter auch eines von russischen und polnischen Sozialisten in Genf) beginnt die Debatte zwischen den kollek- tivistischen(sozialdemokratischen) Befürwortern der Betheilignng an den Wahlen und den wenigen anarchistischen Abstenlionisten(Wahlenthaltern). F outras(Tours) spricht gegen die Anwendung von Gewalt. Legil- l o u t o u(Nantes) predigt Enthaltung. D u l u c q(Paris) empfiehlt die Arbeiterkandidaturen. B o r d a(Lyon) spricht im Namen der Minderheil seines Vereins für Enthaltung, während Rodelet(Paris) vollkommen den(für die Wahlen sich aussprechenden) Beschlüssen des mittelsranzösischen Kongresses beitritt. C a st a n(Marseille) verlangt eine Verbündung der Gewerkschaften zur Vorbereitung der Arbeiterkandidaturen. Ebenso treten Chabert(Paris), B o y e r(Marseille), I o u q u e t(Lille) C o l l i o t, Bestetti, Pelluet und Carbon(Paris) für Wahlbetheiligung ein; auch Paula Mink erklärt„trotz ihrer anarchistischen Neigungen" sich für die Wahlbethciligung aussprechen zu müssen. Neunte Sitzung. Der Anarchist Kahn weist die Leistung von Steuern und Militärdienst zurück und will die Arbeitseinstellungen in Emeuten umgestaltet haben; indessen will er seinen Plan nicht vor den 1881er Wahlen ausgeführt haben.') F a u ch 4(Paris) und C o u p a t beziehen sich auf das bekannte sozialistische Wahlprogramm; Marin weist Kahn's Aeußerungen zurück und erklärt das Programm, dem auch P l u y e und L e h o u x zustimmen. Der hieraus gewählte Beschlußfassungs- ausschuß tritt in seiner Mehrheit für Wahlbetheiligung ein. (Schluß folgt.) Italien. — Mailand, 10. Dez. Der K ongreß der ob er-italieni- schen Sozialisten. Am 5. und 6. l. Monats versammelten sich in Chiasso in der Schweiz die oberitalienischen Sozialisten zu einem Kon- gresse, an dem 17 Städte mit Ii) Abgeordneten vertreten waren. Nach- dem der vorbereitende Ausschuß seinen Bericht vollendet, wurde der Kon- greß als der dritte der Sozialisten Ober- Italiens um 1 1 Uhr eröffnet. Auf Antrag des Vereins ,,I ÜAll del lavoro" von Mailand wurde ein von demselben abgefaßtes Programm verlesen und als Programm für den wieder zu grundenden Bund vorgeschlagen. Nach einer längeren Tis- kussion wurde beschlossen, vorderhand gar kein Programm festzustellen; da aber ein solches doch nothwendig sei, so werde man alle Zirkel und Vereine auffordern, für den nächsten Kongreß ihre Vorschläge zumachen. Hieraus eröffnete man die Diskussion über die Prinzipienfrage. Ein- stimmig erkannte die Versammlung den anarchistischen Kommunismus als letztes Endziel der italienischen Sozialisten an, mit Annahme aller Mittel, die zur Erreichung desselben dienlich sein könnten. So- dann wurde von einigen die Frage gestellt, ob man den Kollektivismus und den autoritären Kommunismus als nothwendige Zwischenstufen an- sehen und annehmen müsse, oder ob sie als Hindernisse zu bekämpfen wären. Da die Ansichten hierüber sehr verschieden waren, verlängerte sich die Diskussion bis 6 Uhr Abends, ohne zu einem bestimmten Ergeb- niß zu führen. Nur wurde als negative Kundgebung der Vorschlag, obengenannte Zwischenformen als Hindernisse zu bekämpfen, mit großer Mehrheit zurückgewiesen. In der zweiten Sitzung, die abends 0 Uhr begann, wurde die Frage der politischen Thätigkeit erörtert. Betreffs der Agitation für das allgemeine Wahlrecht entschied der Kongreß einstimmig, daß es ledig- lich als Agitationsmittel zu betrachten sei, und sich die Sozialisten nur von diesem Standpunkte aus damit beschäftigen können. Viel interes- sanier gestalteten sich die Verhandlungen Uber die parlamentarische Aktion. Von einigen wurde darauf hingewiesen, welche gute Früchte dieselbe in Deutschland hervorbringe, während sie von andern als ein Verderb der sozialistischen Partei dargestellt und bekämpft wurde. Nach langem Hin- und Herreden drang die Ansicht durch, daß die parlamentarische Aktion zurückznweisen sei, und wurde ein milderer Gegenantrag verworfen. Da- mit endete die zweite Sitzung um 12 Uhr Nachts. Montag den 0. eröffnete man die dritte und letzte Sitzung um 10 Uhr Pormittags. Diese nahm das Hauptinteresse in Anspruch, da auf der Tagesordnung vor allem die Berathung über das Bundesstatut stand. Dasselbe wurde dann auch ohne viel Schwierigkeiten mit einigen nicht sehr wichtigen Abänderungen angenommen und so der Bund der Sozialisten Ober-Jtaliens für neugegründet erklärt. Hieraus schlug der Verein ,,I tigli del lavoro" ein Reglement für die künftigen Kongresse vor, das mir einigen Abänderungen angenommen wurde.— Nach diesem war das wichtigste die Arbeitersrage. Da der erste Theil derselben, die Organisirung der Arbeitslosen, nicht so leicht zu lösen und das nöthige Material fehlte, beauftragte man den Verein„1 tigli del lavoro" in Turin, die Angelegenheit zu studiren und sobald als möglich an das Bundesamt Bericht zu erstatten.— Der darauffolgende Theil der Tagesordnung handelte von der allgemeinen Besserung der Arbeiter- klaffe. Nach einer längeren Debatte faßte der Kongreß einstimmig den Beschluß, daß von der ernstlichen Besserung der Arbeiterklasse innerhalb der heusigen Ordnung nichts zu hoffen sei, und daß jene Sozialisten, welche an nicht-sozialistischen Arbeitervereinen theilnehmen, nur vom Ge- danken geleitet sein sollen, eben dadurch den Tod in jene Vereine einzu führen.— Nachdeni hierauf als Sitz des Bundes-Amtes Mailand be- zeichnet und die dortigen Vereine mit der Wahl der Ausschüsse beauf- tragt worden waren, schloß der Kongreß.— Im allgemeinen kann man mit den Ergebnissen desselben, obwohl in Prinzipienfragen größere Klarheit und Sicherheil zu wünschen wäre.�zu- srieden sein. Der Hauplzweck des Kongresses, die Organisation der So- zialisten Oberitaliens in einen Bund, ist erreicht worden, und wird bald seinen praktischen mutze» bewähren. Viele praktische Einrichtungen, die bisher ein frommer Wunsch waren, wie die Gründung einer H i l f S- kafse für die Verfolgten, eines statistischen Amtes u. s. w., sind zur Wirklichkeit geworden und werden dazu dienen, die vertheilten Genossen zusammen zu hallen und zur neuen Arbeit anzufachen. Die dunklen Punkte und die Unsicherheiten in Prinzipiensachen werden sich hoffentlich auf dem nächsten Kongresse mit der Schaffung eines Programms lichten oder verschwinden. G. M. Spanien. • I» Malaga wurde die gehcimeDruckerei des anar- chistischen Blattes«EI munieipio lidro»(die freie Gemeinde) entdeckt, und wurden infolge dessen zahlreiche Verhaftungen vor- genomnien. In Saragossa entdeckte die Polizei die Spuren einer revolutionären Organisation, und fanden zahlreiche Haussuchungen u. s. w. statt. Hrostbritannien und Irland. * Die Zustände in Irland können wohl kaum drastischer geschildert werden, als es in einem Brief des bekannten Afrika- reisenden Gordon Pascha an die„Times" geschieht(dasselbe Organ der herrschenden Klasse, das bis jetzt die sich gegen ihr Elend auslehnenden Jrländer als Räuber und Mörder behandelte). Gordon, der doch in Egypten das Elend der rechtlosen Fellah's genügend kennen gelernt, schreibt über die Lage einiger soeben von ihm bereisten irische» Provinzen, sie sei„schlimmer als die irgend eines Volkes auf dem ganzen Erdenrund. Tie Bulgaren, Analolier, Chinesen und Indianer sind ungleich besser daran, als jene Unglücklichen." Diese Worte werden vielleicht Manchem, der seither ungläubig war und vieles für übertrieben hielt, die Augen öffnen. Gordon hat die Welt ge- sehen und ist uitheilsfähig wie Wenige es sind. Unter diesen Verhältnissen kann das Ueberhandnchmen„agrarischer Verbrechen" de» Vernünftigen wohl nicht wunder nehmen, sondern eher der Umstand, daß sich die Iren nicht in Masse erheben. Doch das kann noch kommen! Wordamerika. * Nach 17tägiger, stürmischer Fahrt und nachdem bereits ernstliche Besorgnisse gehegt worden, landeten die ausgewan- derten Ausgewiesenen aus Hamburg, Altona, Ottensen und Wandsbeck am 7. ds. in Reuyork. Ihr Empfang von Seite der amerikanischen Genossen war ein wahrhaft großartiger. Zahl- reich waren dieselben herbeigeeilt, und kaum war die Silcsta, auf welcher die Ausgewiesenen eine roihe Fahne wehen ließen, gelandet, so wurden sie mit tausend herzlichen Händedrücken be- grüßt, welche ihnen zeigten, daß die Solidarität der Arbeiter keine 1) Am Tage der französischen Kammerwahlen geht bekanntlich nach anarchistisch- sozialrevolutionärer Offenbarung die soziale Weltrevolution los. Die Pläne zu der Hauptaktion wurden s. Z. unter Betheiligung des nachher als Polizeispitzel entlarvten Lehmann entworfen; der Generalstab ist ebenfalls schon gebildet und auch mit der Ausrüstung soll schon begonnen sein— wenigstens was die nöthigen Fahnen, Schärpen, Aufrufe u. s. w. betrifft. Es fehlt— in Frankreich, in Deutschland und anderwärts— nur noch eine Kleinigkeit— das Heer, das sich von den Herren anführen lassen fvll. leere Phrase ist. Es thut uns leid, daß wir Raummangels halber über das weitere Schicksal der Ankömmlinge und die Kundgebungen bei ihrer Ankunft heute nicht ausführlicher be- richten können; wir werden es demnächst thun. Für heute drängt es uns nur, unser» Brüdern in Amerika unfern herzlichsten Dank auszudrücken für die von ihnen geleisteten Beweise thatkräftiger Solidarität! — Von Neuyork kommt uns die Kunde, daß sich am 18. Nov. in Syrakus der bekannte russische Genosse Arthur Lieber- mann durch Erschießen das Leben genommen. Dieser Entschluß wird auf Nahrungssorgen zurückgeführt, uud Liebermann hatte deren in der Thal; aber sicherlich sind sie nicht allein die Ursache seiner That gewesen, sondern haben dazu auch die durch sein Kerkeo und Flüchtiingsleben, sowie die Trennung von seiner Familie hervorgerufenen seelischen Leiden beigetragen. Liebermann machte 1874 zu Wilna die Bekanntschaft des jüngst verurihcilten Sundelewitsch und schloß sich der dortigen geheimen Gesellschaft an; er war damals Verwalter der Transportversicherungs- gcsellschaft„Jakor". Sein Vater, der Lehrer an einer jüdischen Volksschule in Suwolki und ein gebildeter Mann war, gab ihm eine außerordentliche Erziehung. Er ließ ihn die hebräische Sprache und den Talmud studiren, so daß L. ein bekannter hebräischer Schriftsteller wurde; und als freisinniger Mann ließ er ihn auch europäisch bilden und ins Gymnasium, sowie sodann in die Gewerbeakademie zu Petersburg aufnehmen. Letztere mußte L. wegen seiner Heirath verlassen; er nahm hierauf eine Volks- lehrerstelle und später die Verwalterstelle an. Er wirkte als vor- trefflicher Agitator und Redner in den geheimen Versammlungen, und waren seine Bestrebungen vornehmlich auf eine besondere Agitation unter den Juden, in jüdischer Sprache, gerichtet. 1875 floh er wegen Verbreitung verbotener Schriften nach London, wo er Mitarbeiter am„Wperjod" war. Später ging er nach Wien, gab dort eine sozialistische Zeitung in hebräischer Sprache heraus, wurde dann verhaftet und nach einer Untersuchungshaft von Jahr zu 4 Monaten verurthcilt und dann an Preußen ausgeliefert. Sodann wurde er in Berlin in dem bekannten„Nihi- listenprozeß" Aronsohn-Gurewitsch- Liebermann zu neun Monaten verurlheilt. Nach seiner Freilassung befand er sich erst eine Zeit- lang in London. Er hinterläßt eine Frau und vier Kinder. Liebermann hat sich ganz der Sache der Befreiung des gekncch- teten Volkes hingegeben; er wird in den Herzen der Sozialisten, im Gedächtniß aller Freunde des Volkes und der Freiheit fort» leben. Briefkasten der Expedition: Bannbruch: Der aus Barmbeck ausgewiesene E. B. befindet sich in voller Sicherheit im Auslande.— H. H. St: Bestllg. durch Bck. erh. u. besorgt.— I. F. I.„Viribus unitis": Was an uns liegt, längst geschehen. Fl.—,60 ö. W. dem Flgsds. zugeschrieben. Bekannte Addr. sind gut. Nr. 512 angenehm. Im Weiteren verfahren nach Wunsch.— Rothhahn: Bs. v. 6. erh. Alles beachtet. Ersehntes muß jetzt bei E. R. sein. Unangenehm aber unabänderl.— I. U. 9)®: Wir müssen dringend um direkten Verkehr bitten.— Lausitzer Rothhaut: Bf. vom 10/12. erh. Glück zur Taufe. Ueber den B-Pathen sind wir noch nicht klar. an G.(ort. Q sehr angenehm. Addr. H. sehr langsam, selten benutzt.-— Isis-Himmeldonn.---—:„Und würsst du die Krone selber hinein"— deine„Rohrspatzen" würden sie doch nicht herausschimpsen. Bfl. am 11. u. 16. mehr. Ist Addr. am SP. einzureih'n? — Dr. Bfld. Chsds: Für Fr.—,30 Schst. sort.— W. P. H: Nur Mk. 3,— p. 1. Qu. 81, nicht M k. 4,— erh. wie Sie schrieben.— Laster u. Gen.: Mk. 12,50 Ufds. u. Schst. erh. Obschon andre Gründe neuer Vorschlag doch besser. L. soll nicht mehr an M. in A. schreiben. Faul!— L— P— brg: Fl. 2,— ö. W. Ab. 4. Qu. u. Schstrst. erh. Bälder unmöglich, wenn der„Schwarzgelbe" nicht„mitthun" soll.— W. Rumburg: Die Sache liegt anders, wie Sie sehen werden.— Schw. Jockel: Ist nicht nöthig, Erwartetes folgt ehestens.—.......... Hchn: Abwechslung findet immer statt; Lektüre kommt.— Rothkehlchen: Bf. v. 0. ic. hier. L. gelöscht. Einen Wth. kennen wir nicht. Weiteres bfl.— Ahasver: Glaubens wohl. Antw. auf Bf. v. 9. d. per Dppl. an neue Addr. gegg. — Pr. Lgtz: Wunsch beachtet. I. Sch. erloschen, also künftig direkt an A. H.— Liöge: Fr. 10,— i Cto. Ab. erh. Bs. erwartet.— M. A. C: War schon an Cdt. Str. abges., daher nur zuletzt Bestelltes an K.— Z. Brl: Beim besten Stand soll sie 800 gehabt haben. Bon kompetenter Seite werden jetzt noch 500„Freiheit"-Ab. angegeben.— Louise: Bastiat- Sch. längst geräumt. Flgprobe fort.— Zünder: Bf. nach M. am 12 12. abges. i. d.„E. H."— Antwort am 15. hier u. besorgt.— N. N. Prag: Fr. 78,— erh.— Abonnements auf den„Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— sowohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgeg en genommen bei folgenden Filialen: GrOllt ril. Becker, Pro- l'EvSque 35. Basel RE Fritzenschaft, Deutscher Verein. Kopenhagen K Georg Boftoann, Kattesund 16, 3. 8.&a Antwerpen Fh. Coenen, 6 Meistraat. Geilt 1 Basse, St. Lievenstraat 163. BrÜSSel F. Brock, 3, rue Ruysbroek, VprviPl*« 1- Elias, Buchhandlung, 136 rue Spintay. i"1> IC! ö Charles Picreanx, 20 rue Luxembourg, Andrimont. T An/Inn Commnnist. Arb-Bild.-Verein, SPercy Street Totten- -LiUllllUil ham Court. Koad,"W. B. Breul, 54 Polandt Street- Oxford Street. B. Rackow, 120 Islington High Street. F. Jonscher, 283 E. Houston Street. "Maw Ynrl- H. Nitzsche, 348 W. 37 Street Station E. ilCVilOllV Jos■ Stranss, 356 East. 19 Street. Peter Knaner, 22 Churchstr. Boom 26. ChicagO Jll, A' Lanfermann, 74 Clyborn Avenue. Cincinnati, 0. Fhilipp K. Iheohalä, I7r. 331 Main°tr. 8t. LölliS MO. Gebr. Bermlnghaus, 1711 Franklin Avenue. >«n»»«I n»» Comm. Arbeiter-BUdungs- Verein 3 Percy Street Tottenham Conrt Road, Die Wirthschaft des Vereins ist gcö inet von Morgens 9 bis Xachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unsere Adresse zu achten. I. A. Der Sekretär: G. Lemke. «chwi». Bminlbutbbtuanei HoNingen-fzllrich