Erscheint Wöchentlich einmal in Zürich iSchweiz) Yerlaz N. Herter. Znduftrieha!!« Riesbach-Zürich Koststlldullze» franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der ZoMIdemckmt entral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie Abonnements werden nur beim Verlag und besten bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren VierteljahrspreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mt. 3.- fr- 'and'ßouv'rt) st. 1. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereins(Kreuzband). Iiserite Tie dreigespaltene Petitzeile •2b Qti.== 20 Pfg. 11. Sonntag, 13. März. 1881. Ali« an die Sorresvandenttn und Adoineutcn de«„Lojialdemiikrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verb indungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf�keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Brieimarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. besten Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adreste außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt! anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadresien mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Muhe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent» gegenstehenden Schwierigkeiten den„ Sozialdemokrat• unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Partelgenossen! Vergeh l der Verfolgte» und Gemaßregelten nicht! Gedenktage des Proletariats. Z>er 18. März 1848. Achtzehnhundert vierzig und acht, Als im Lenze das Eis gekracht, Tage des Februar, Tage des Märzen, Waren es nicht Proletarierherzen, Die voll Hoffnung zuerst erwacht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert� vierzig und acht, Als Du Dich lauge genug bedacht, Mutter Germania, glücklich verpreußte, Waren es nicht Proletarierfäuste, Die sich ans Werk der Befreiung gemacht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert vierzig und acht, Als Du gerubt von der nächtlichen Schlacht, Waren es nicht Proletarierleichen, Die Du, Berlin, vor den zitternden, bleichen Barhaupt grüßenden Zäsar gebracht Achlzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert siebzig und drei, Reich der Reichen, da stehst Du, juchhei! Aber wir Armen, verkaust und verrathen, Denken der Proletarierthaten— Noch sind nicht alle Märze vorbei, Achtzehnhundert siebzig und drei. So sang im Jahre 1873 Georg Herwegb, der Treugebliebene. Damals schwamm Deutschland in Glück und Wonne. Noch übte der Milliardensegen seine„besruchtende" Wirkung aus, die deutsche Einigkeit war vollzogen, das deutsche Kaiserreich wieder hergestellt, und getreu seinen früheren Traditionen hatte es den Kampf gegen„römische Herrschsucht und römische Tücke" aufgenommen, den„Kulturkampf gegen römische Finsterniß" eröffnet. Und wo ein Bürger des Reiches den andern sah, da riefen sie sich beseeligt zu: Wie hat sich Alles so herrlich erfüllt! Und fragte man da, was sich denn so herrlich erfüllt habe, so lautete die Antwort: Selbstverständlich da«, was wir 1848 gewollt haben. Wirklich? Hatte» sie nichts Anderes gewollt, als sie im„tollen Jahre" feurige Freiheitslieder sangen, mit Begeisterung die revolutionären Gedichte eines Freiligrath, Hcrwegh ic. deklamirten? Als sie beim Bier oder Wein Spottlieder aus die deutschen Fürsten sangen? Nein, sie, die guten Bürger, hatten in der That nichts Anderes er- strebt, als ihnen das neue Kaiserreich bot. Freilich hatte das Ding in ihrer Phantasie einen ganz anderen Anstrich gehabt, es war so schön gewesen, von einem mächtigen geeinigten Deutschland zu schwärmen, von der Theilnahme des Volkes an der Gesetzgebung, von politischer und vor allen Dingen wirthschastlicher Freiheil, kurz es ging ihnen, wie dem Pferd in der Fabel, das vom Zeus höhere Beine, eine gewölbtere Brust und einen angeborenen Sattel erbat und welches, als der- Gott ihm Zeigte, wie es nach Verwirklichung seiner Wünsche aussehen würde, vor stch erblickte— das K a m e el. Da, heißt es in der Fabel weiter, schauderte das Pferd und scheute zurück,— die guten deutschen Bürger aber waren weniger feinfühlig, sie er- klärten mit echt deutscher Genügsamkeit, daß sie in der That nicht mehr gewollt, und wenn das Ding auch'in der Wirklichkeit nicht so schön aus- schaue, als in ihrer Vorstellung, so seien sie doch muthige deutsche Männer, die noch nie davor gezittert hätten— Kameele zu sein. Denn sie zitterten vor etwas ganz Anderem. Hinter ihnen stand wie bereits im Jahre 1848, aber schon in viel höherem Grade seiner Klassenlage sich bewußt— das Proletariat. Man hat zuweilen darüber gestritten, ob die Revolution von 1848 eine rein bürgerliche oder eine proletarische war. Unserer Ansicht nach war sie weder das Eine noch das Andere, und das war die Ursache ihrer Schwäche. Tie deutsche Bourgeoisie, die in wirthschastlicher Beziehung der eng. lischen und französischen zwar noch nicht ebenbürtig war, aber doch gleich t diesen einen gewaltigen Ausschwung genommen hatte, war in politischer Beziehung weit zurückgeblieben. Sie bedurfte aber zu ihrer vollen Ent- Wickelung politischer Macht und politischen Einflüsse«, um sich der lästigen 'Fesseln des absolutistischen Polizeistaaies zu entledigen. Sie kann die wohlmeinenden Borschriften einer väterlichen Polizei nicht vertragen, sie braucht vor allen Dingen Freiheit. Die„Freiheit, die sie meint", ist zwar bei Lichte besehen, nichts als Ausbeutungssreiheit, da ihr aber die Aus- beutungssreiheit als„ewiges Naturgesetz" erscheint, so lautet ihr Feld- geschrei vorläufig nur: Freiheit, Freiheit und wiederum Freiheit. Den gleichen Ruf erhebt das Proletariat. Gleich der Bourgeoisie fühlt sich der besitzlose Arbeiter durch die landesväterliche Fürsorge schwer bedrückt. Es will seine Arbeitskraft so gut als möglich verwerthen, da tritt ihm die Polizei mit Paßzwang und anderen schönen Dingen hin- dernd in den Weg, des Interessengegensatzes zwischen Kapital und Arbeit ist er sich zwar bewußt, saßt ihn aber meist individuell auf, vom Polizei- staat Hülfe zu verlangen, liegt ihm noch fern, auch er ruft in erster Linie nach Freiheit. Für ihn aber ist die Freiheit identisch mit der Gleichheil, mit der Brüderlichkeit. Und auch die verhältnißmäßig kleine Anzahl von Arbeitern, die den Klassengegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat in seiner ganzen Tragweite erkannt haben, auch sie stimmen offen in den Ruf nach„Frei- heil" ein, überzeugt, daß es zunächst die Reste de» Mittelalters, des Feu- dalismus sind, die beseitigt werden müssen. Freiheit, das ist die Devise aller sortschrittlichen Bestrebungen der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, aber nur in dem Munde des Proletariers hatte sie eine revolutionäre Bedeutung. Und als dann nach dem Hungerjahre 1847 der Völkerfrühling ausbrach, „Waren es nicht Proletariersäuste", die aus der gcknzen Linie fast ausschließlich den Kampf führten? Das Proletariat kämpfte und blutete für die Freiheit, an seiner Seite nur die damals noch vorwärtsstrebende akademische Jugend, den Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat, wenn unbewußt auch, verhüllend. Nur wenige Monate genügten indeg, um die Situation zu klären. Das Proletariat begann, von der erkämpften Freiheit Gebrauch zu machen, selbstständige Organisationen traten ins Leben, die korporativen Vereine gründeten nationale Verbände, hier und da nahm der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit sogar einen greisbaren Charakter an, in Berlin und an anderen Orten fanden bereits Strikes statt, auf Arbeiterkongressen wurden die Worte Sozialismus und— horribile!— Kommunismus laut, und als nun die Kunde kam von deu Junikämpfen in Paris, da war das Schicksal ver Revolution besiegelt. Dem Spießbürger fiel es wie Schuppen von den Augen: die Freiheit hatte doch auch ihre recht bedenklichen Seiten! Sie muß daher ihre „vernünftigen" Grenzen haben, philosophirte er. Wo fingen aber die Grenzen der Freiheit an, nzivernünftig zu werden? Das war die schwierige Frage. Und je mehr er darüber nachdachte, um so klarer wurde es ihm, daß vor Allem„Ordnung sein muß". Heil'ge Ordnung, segensreiche! sang ja schon sein Nationaldichter. Er alhmete auf. Jetzt hatte er einen prächtigen Entschuldigungsgrund für seine Feigheit. Der freiheitsliebende Bürger mußte ja vor Allem zeigen, daß mcch er der„ordnungsliebende" Bürger war. Also, Passiver Widerstand! Die Reaktion hatte gewonnenes Spiel.', „Weh Euch", läßt der Dichter(Freiligrath) die Todlen an die Lebenden ihre bitteren Klagen richten, „Weh euch, wir haben uns getäuscht! Vier Monden erst vergangen, Und Alles seig durch euch verscherzt, was trotzig wir errangen! Was unser Tod euch zugewandt, verlottert und verloren— O, Alles, Alles hörten wir mit leisen Geisterohren! Wie Wellen braust an uns heran, was sich begab im Lande: Der Aberwitz des Dänenkriegs, die letzte Polenschande Das rüde Toben der Vendee in stockigen Provinzen Der Soldateska Wiederkehr, die Wiederkehr des Prinzen, Die Schmach zu Mainz, die Schmach zu Trier--- ---„Der Kerkerthore dumpf Geknarr im Norden und im Süden; Für Jeden, der zum Volke steht, das alte Kettenschmieden; Der Bund mit dem Kosackenthum, das Brechen jeden Stabes, Ach, über euch, die werth ihr seid des lorbeerreichsten Grabes: Ihr von des Zukunstdranges Sturm am weitesten Getragnen! Ihr Junikämpfer von Paris! Ihr siegenden Geschlagnen! Dann der Verrath, hier und am Main im Taglohn unterhalten— O Volk, und immer Friede nur in deines Schurzfells Falten? Sag' an, birgt e« nicht auch den Krieg? den Krieg herausgeschüttelt! Den zweiten Krieg, den letzten Krieg mit Allem, was dich büttelt! Laß deinen Ruf:„die Republik!" die Glocken Überdröwien, Die diesem allernenesten Johannesschwindel tönen!*' Umsonst!"—----- Dreiunddreißig Jahre sind seitdem verflossen, ein ganzes Menschenalter! Das Proletariat hat sich inzwischen in ungeahntem Maße entwickelt. Mit allen früheren Illusionen hat es gebrochen, als selbständige, seiner historischen Mission sich bewußte Partei ist es aus den politischen Kampfplatz getreten, allen reaktionären Elementen der Gesellschaft gleichzeitig den Krieg erklärend. Und es führt diesen Krieg mit jener eisernen Beharrlichkeit, die nur dazu finden ist, wo die feste Ueberzeugung vorhanden ist: du mußt und du wirst siegen, du vertrittst die Sache des Fortschrittes, die Sache der Zukunft! Und merkwürdig! Während in keinem anderen Lande die Bourgeoisie sich so feige gezeigt hat wie in Teutschland, steht das deutsche Proletariat, wir sagen es ohne jeden nationalen Dünkel, als ein leuchtendes Beispiel da im Kampfe der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker! Nur Narren können es ihm zum Vorwurf machen, daß es zu einer Zeit, wo seine Gegner wohlorganisirt sind und über ein stramm dis- ziplinirtes Heer, über alle Vernichtungsmittel der modernen Kriegstechnik verfügen, nicht leichtfertig den Straßenkampf provozirt; so wenig als das deutsche Proletariat sich noch je dazu hergeben wird, für eine andere Gesellschaftsklasse die Kastanien aus dem Feuer zu holen, so wenig wird es sich einigen Phrasendreschern zu Liebe die Finger verbrennen. Soweit es in seiner Macht liegt, den Ausbruch des Kampfes zu bestimmen, wird es den Moment wählen, wo die Chancen des Sieges aus seiner Seite sind. Wenn wir heute aus die Zeit, die seit der Märzrevolutton verstrichen ist, zurückblicken, so haben wir sicher gar manche Enttäuschung zu verzeichnen, vergleichen wir indeß die damaligen Verhältnisse mit den gegenwärtigen, so sehen wir keinen Grnnd'zu pessimistischen Anwandlungen. Freudig und siegesbewußt blicken wir in die Zukunft, und rufen unfern Gegnern, der gesammten Reaktion, stolz entgegen: „Nur, was zerfällt, vertretet ihr! Seid Kasten nur, trotz alledem! Wir sind das Volk, die Menschheit wir, Sind ewig drum, trotz alledem! Trotz alledem und alledem! Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht— Unser die Welt trotz alledem!" Denn: Noch sind nicht alle Äiirie oorbei! Der 18. März 1871. Ein Dezennium liegt nunmehr hinter uns, seit da« Pariser Volk sich im März 1871 zur Rettung der Republik gegen die in Versailles tagende Junker- und Psaffenverschwörung erhob. Die Bourgeoisie, welcher im September 1870 die Republik als reife Frucht in den Schoost gefallen war, zeigte auch hier, daß sie ob liberal oder radikal weder den Willen noch die Kraft hat, für ihre ehemaligen Ideale irgend welche Opfer zu bringen. Sobald der Kampf entbrannt war, ging sie mit fliegenden Fahnen in das Lager der vereinigten Reaktion über, während die Pariser Erhebung, Anfangs eine rein politische, immer mehr den Charakter einer sozialen, d. h. da sie im Proletariat wurzelte, einer sozialistischen annahm. Der Klassenkampf zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, zwischen Unter- drückern und Unterdrückten trat von Woche zu Woche klarer zu Tage, bis er in dem Blutgemetzel der Maiwoche seinen klassischen Ausdruck fand. Während das Proletariat aller Länder den achtzehnten März afä Erinnerung an die Pariser Kommune feiert, scheinen uns zu einer Be- trachtuDg in uuserm Organ die Maitage mehr geeignet. Wohl gibt die Geschichte der Kommune von 1871, wo'wir sie auch ausschlagen mögen, zu ernsten Betrachtungen Veranlassung, aber während diese bis zur Mai- woche lediglich trüber Natur sein können— denn sie zeigen uns die Schwächen jener Erhebung, die an der allgemeinen Unklarheit und Uneinigkeit ihrer Vorkämpfer zu Grund ging und zu Grunde gehen mußte—, ruft die Erinnerung an das Gemetzel der Maiwoche in uns ausschließlich jenes Gefühl hervor, welches für den Kampf der Zukunft unerläßlich ist, das Gefühl leidenschaftlichen Hasses gegen die feigen grau- samen Mörder und die ihnen zujubelnde Reaktion aller Länder. Das Bewußtsein, daß wir eine ganze Welt gegen uns haben werden im Kampfe für Brot und Freiheit, daß unsere Gegner vor keinem Mittel zurückschrecken werden, das arbeitende Volk in das alte Joch zu spannen, die Erinne- rung an die grausame Rache, an die kalten Mörder, längst nachdem die Kommune zu Boden geschlagen, das ist die Lehre, die wir vor Allem ans der Geschichte der Kommune zu ziehen haben. Wer diese Lehre begriffen hat, der wird auch begreifen, warum die Kommune zu Grunde gehen mußte. Der Kampf des Proletariats gegen die Ausbeutergesellschaft ist keine Komödie, die man in Szene setzt und abwartet, was daraus werden wird, sondern er ist eine geschichtliche Nothwendigkeit, die man zu er- kennen, auf die man sich vorzubereiten hat. Wer das nicht begreift und da glaubt, es bedürfe nur seines Einzelwillens, um den Kampf früher oder später zum Ausbruch zu bringen, der mag noch so revolutionär schreiben, er gehört der Vergangenheit an. Zu den Wahlen. vi. Während der Debatten über das Sozialistengesetz und in verschiedenen Kundgebungen kurz nach Erlaß desselben, unter Anderem in dem Recheo- schaftsbericht der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten wurde von Seiten der Parteivertreter hervorgehoben, daß die herrschenden Klassen durch Annahme des Ausnahmegesetzes gerade das herbeiführten, was sie angeblich dadurch verhindern wollten: daß sie den Weg der Reform versperrten und den der Revolution gewaltsam öffneten; daß sie Staat und Gesellschaft den tollsten Experimenten preisgaben und den Umsturz rapider vorbereiteten, als es der Sozialdemokratie möglich gewesen wäre; daß sie die Auflösung der alten Parteien beschleunigten— mit einem Wort, daß der Schlag, welcher der Sozialdemokratie zugedacht sei, nicht diese, sondern seine Urheber in's Herz treffen werde. Wir haben jetzt dritthalb Jahr der Wirksamkeit de« Sozialistengesetzes hinler uns. Jene Vorhersagungen haben sich buchstäblich erfüllt, vollständiger, gründlicher, rascher erfüllt, als der Sanguinischste von uns wohl ge- hofft hat. Während die Maßregelungen, Chikanen, Brutalitäten, Versolgungen, Lockungen und Bestechungsversuche der Gegner wirkungslos an unserer Parteiorganisation abgeprallt sind, finden wir überall in den Reihen unserer Feinde Symptome der Zersetzung, Auflösung, Zerfall, Zwietracht und Hilflosigkeit. Diejenige Partei, welche, um das Gewitter von eigenem Haupte ab- zulenken, alle ihre Grundsätze mit Füßen tretend, dem Götzen der Wil- Hilmsstraße das Sozialistengesetz apporlirte, sie hat, nachdem sie den Kelch der Schmach bis ans die Neige geleert, auch den Kelch der De- müthignng und Beschämung bis auf die Neige zu leeren gehabt. In all ihren Hoffnungen getäuscht, mit Fußtritten von der offiziellen poli« tischen Bühne weggejagt, in der Person ihrer„besten Männer" von dem servil angewedelten Dalei Lama, dem sie Alles, Prinzip, Konsequenz, Intellekt inbrünstig geopsert, auf's Uebermüthigste insultirt und miß- handelt— hat diese traurige Partei, nachdem sie außer dem Verlust des politischen Einflusses auch ihre fast noch empfindlichere Niederlage auf wirthschaftlichem Gebiete hat erleben müssen, thatsächlich als Partei aufgehört, zu exiftireu. Der übriggebliebene Rumpf vegetirt blos noch als Gegenstand allseitiger Verachtung, als gemeinsame Ziel- scheide der Ohrseigen von rechts und von links. Und in kaum besserer Lage sind die„Sezessionisten", welche sich von diesem verwesenden nationalliberalen Rumpf abgelöst haben. Bald sind es zwei Jahre her, daß Herr von Forken deck, der feigste und servilparteiischste der Reichstagspräsidenten, sein famoses Prahlwort von„der großen liberalen Partei" aussprach, die sich aus dem Bürgerthnm der Städte herausbilden und, die hereinbrechende Reaktion siegreich zurücktreibend, dem deutschen Reich die bürgerliche Freiheit nebst deren wenigen Früchten, dem Wohlstand und dem Gedeihen verleihen werde. Was ist aus diesen schönen Hoffnungen und Versprechungen geworden? Zerplatzte Seifenblasen! Das Bllrgerthum der Städte— von vereinzelten Ausnahmen ab- gesehen— hat entweder, wie dies eine auszeichnende Eigenschaft der deutschen Bourgeoisie ist, jedes Selbstgefühl, ja jedes Ehrgefühl verloren und wälzt stch behaglich in dem Moraste knechtseliger, fatalistischer Hingebung an eine Gewalt, durch die es sich in seinem Ausbeutungs- und Aussaugungsgeschäft geschützt glaubt. Aber— und das ist die Mehrheit des Kleinbürgerthums— es begreift, daß die verderblichen Folgen der wirthschaftlichen und sonstigen Politik der Reichsregierung nicht durch jämmerliche Schwächlinge ab- gewandt werden können, die mehr als ein Jahrzehnt lang durch dick und dünn mit dieser nämlichen Regierung gegangen sind, und das Unheil und die Schande haben anstiften helfen, über die ste jetzt zetern. Es begreift, daß, wenn denn einmal die Hand zur Befferung angelegt werden soll, dies auch starke Hände sein müssen, die gründliche Arbeit macheu. Die kindischen Versuche Bismarck'«, die kleinen Gewerbtreibenden, den kleinen Handwerkerstand durch allerhand sozialpolitische Quacksalbereien und Taschenspielerkünste für seine abenteuerlich-reaktionären Schwindel- experimente zu gewinnen, können, da sie die vollständigste, fast phänomenale Unkenntniß der einfachsten wirthschaftlichen Gesetze und Vorkommnisse bekunden, nur das Gegentheil des beabsichtigten Zweckes erreichen. Als ob es dem„kleinen Mann" Kredit verschaffte, wenn der Wucherer, oft leider seine letzte Hilfe, bestraft wird. Als ob es die zermalmende Konkurrenz der Großproduktion beseitigte, wenn man aus dem Papier mittelalterliche Innungen errichtet! Innungen im Jahrhundert der Dampfmaschinen, des Wassertriebs, der Industrie- armeen! Die Innungen, welche Herr Bismarck schafft, sind genau so solid, wie die Dörfer, welche sein Geistesverwandter P o t e m k i n vor hundert Jahren aus Papierkoulissen errichten ließ, um die Zarin Katharina zu täuschen. Katharina,„die größte aller Monarchinnen und H—", um ihr den von Lord Byron zuerkannten Ehrentitel zu geben, ließ sich auch durch die groteske Komödie täuschen. Dafür, daß das deutsche Kleinbürgerthum sich nicht durch die groteske Bismarck-Komödie täuschen läßt, sorgen schon die Verhältnisse mjt ihrer unerbittlichen Logik, und sorgt, außer den Verhältnissen, die Plumpheit des Regisseurs. Für ihn scheint in der That das Wort geschaffen zu sein: tZuem cksus perdere vult, dementat— wen Gott verderben will, den schlägt er mit Wahnsinn. Es gibt verschiedene Arten von Wahnsinn. Der Größen- Wahnsinn in seinen verschiedenen Nuancen ist vielleicht die verbreitetste Art. Sie findet sich in allen Sphären menschlicher Lebensstellung, und fast unfehlbar ist dieser Krankheit verfallen, wer durch ein glückliche« Zu- sammentreffen von Umständen zu unbeschränkter Macht emporgehoben wird, oder überhaupt im Besitz von unbeschränkter Macht ist.„Die Krankheit der römischen Zäsaren"— eines Tiberiu«, eines Nero, ist von Tacitus und Sueton als abschreckendes Beispiel sür alle Zeiten verewigt worden. An diese Krankheit der Zäsaren müssen wir unwillkürlich denken, wenn wir das jüngste Treiben Bismarcks betrachten. Es ist zwar Methode darin, aber die Methode des Unsehlbarkeitsdünkels und des Wahnes der persönlichen Allmacht. Ist die Partei, welche dem Fürsten Bismarck bei seiner gemein- schädlichen Politik die wichtigsten Hand- und Spanndienste geleistet hat, von der Nemisis ereilt und als Partei vernichtet worden, so läßt sich am Fürsten Bismarck selbst das Walten der vcemesis kaum weniger deutlich erkennen. Die ftüheren Erfolge sind zu unerschöpflichen Quellen von Verlegen- heften geworden. Der Stoß ins Herz gegen Oesterreich, die Annexion von Elsaß-Lothringen— die„glorreichen" Siege von 18öK und 1870/71 sind in ihren Folgen zu nationalen Kalamitäten geworden, denn sie haben da« siegreiche Rumpfdeutschland in Europa isolirt und ihm eine Last von Blut- und Geldsteuern auferlegt, der es einfach nicht gewachsen ist. Die Last ist so groß und schwillt so gewaltig an, daß sie dem Volk verheimlicht werden muß. Daher die tollen Steuerprojekte Bismarcks, die wesentlich darauf hinauslaufen, die unmittelbar zu fühlenden und zu kontrolirenden direkten Steuern durch die weit erschöpfenderen, aber in ihrer Schwere nicht so unniittelbar zum Bewußtsein kommenden indirekten Steuern zu ersetzen— eine Prozedur, durch die Fürst Bismarck nebenbei auch seinen reichen Freunden einen zu Gegendiensten ermunternden Gefallen thut. Darum die Steuerpolitik, deren einziger Zweck es ist, das Danaiden- faß des Militärbudget« zu füllen. Mehr Geldsteuer»! Mehr B l u t st e u e r n! Das ist das politische Programm Bismarcks. Alles Andere ist blos Mittel zum Zweck, oder, gleich dem Kulturkamps, Zeitvertreib für den gedankenlosen Janhagel. Um das Volk mit seiner Lage auszusöhnen, um den„Schöpser des Reichs" in seiner Unentbehrlichkeit zu zeigen, muß von Zeit zu Zeit ein „Krieg in Sicht" gebracht werden. Handel und Industrie mögen darunter leiden, das System erheischt es. Und mit den sich steigernden Verlegenheiten steigert sich der Unfehl- barkeitsdünkel, der Wahn der persönlichen Allmacht. Nur Einer ist fähig, der Schwierigkeiten Herr zu werden, und aus der Höhe seines Unfehlbarkeitsdünkels und Allmachtswahnes blickt dieser Eine mit souveräner Verachtung auf das gewöhnliche Menschenvolk herab und dehnt diese Verachtung sogar auf diejenigen aus, auf deren Mit- arbeiterschast er angewiesen ist. Kein Gesetz, kein Einwurf, kein Vernunftgrund existirt für ihn. 8 tot pro rntione-voinntas— Sein Wille ist alleiniges Gesetz. Jede Oppo- sition ist eine Majestätsbeleidigung, jeder Opponnent ein persönlicher Feind. Wir haben gesehen, wie Camphausen und Eulenburg traktirt worden sind— von Kleinereu gar nicht zu reden. Dank dieser Omnipotenz des Unfehlbarkeitsdünkels ist die ganze Regierungs- und Verwaltung«- Maschinerie in die furchtbarste Verwirrung gebracht und trotz scheinbarer Festigkeit und militärischer Ordnung hat die Diktatur Bismarck das Chaos, die Anarchie geschaffen. Er hat die D e s o r g a n i s a t i o n o r g a n i s i r t. Wäre die Sozialdemokratie vor dritthalb Jahren an's Ruder gelangt, mit der bestimmten Absicht(um Bismarckisch zu reden),„Alles zu ver- unjeniren", sie hätte nicht das geleistet, was Fürst Bismarck fertig ge- bracht hat. Durch seinen Zunft- und Kasernensozialismus, mit dem wir uns das nächste Mal beschästigen werden, vermehrt er blos das„xäokis univer- sell" das allgemeine Durcheinander. Genug— er ist ausgezogen, die Sozialdemokratie zu vernichten, aber er erwies sich als ...... ein Theil der Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft", er ist durch das eherne Muß der Entwicklungsgesetze dahin getrieben worden, dem Sozialismus die Wege zu ebnen. Briefe eines Achtundvierzigers. Berlin, im Februar. In den unlängst in der„Deutschen Revue" veröffentlichten, bodenlos rohen, geradezu bestialischen Aeußerungen des Herrn von Roon hat der preußische Junker sich einmal so recht ungenirt gehen lassen und seine ganze, durch die eingepaukte„Intelligenz" nur noch gemeiner gemachte Gemeinheit enthüllt. Es ist gut, daß nationalliberale Servilität diese Schandworte an's Licht gezogen hat— damit hat sie wirklich einmal der nationalen und der liberalen(beides ohne Gänsefüßchen) Sache, d. h. der Sache des Volkes und der Freiheit, einen Dienst geleistet. Natürlich wider Willen. Und zwar einen zwiefachen Dienst. Die bauchrutschende Geschichtsfälschung hat seit 30 Jahren in Deutsch- land das Wort; und namentlich seit 1866 und mehr noch seit 1870 ist sie eifrig an der Arbeit. Die Götzen des Tages, die Gewaltmänner des Augenblicks-Ersolges werden mit einer in der Geschichte beispiellosen Verlogenheit und Speichelleckerei zu großen Männern, zu Heroen auf- gepufft und dem Volk als seine anbetungswürdigen Wohlthäter, als seine Retter aus vergangener und künftiger Roth hingestellt. Drei Personen vor Allem sind von der bezahlten Geschichtssälscherbande zu Nationalheiligen gemacht worden: Bismarck, Moltke und Roon— „der denkende Kopf",„die ausführende Hand",„der Schmied des Werk- zeuges". Diesem Dreigestirn, dieser Dreieinigkeit, dieser Dreigottheit ver- danken wir, daß wir sind; vor ihr haben wir uns bewundernd, an- staunend in den Staub zu Wersen. Vergebens wäre es gewesen, so lange die„patriotische" Drehkrankheit die deutschen Schädel beherrschte, dem tollen unwürdigen Treiben ent- gegenzutreten, dem ekelhaften unter zulukaffrigen Kultus zu steuern. Nun endlich fängt's an, zu tagen. Die„Denkerschädel" fangen an, sich der ungewohnten Beschäftigung des Denkens wenigstens dann und wann zuzuwenden. Der„denkende Kopf" hat mit seinen hypergenialen Bockssprüngen und Doktor Eisenbart-Operationen zum Glück so hart an die„Denkerschädel" gestoßen, daß dieselben noch zehnmal dicker hätten sein müssen, als sie sind, wenn es sich nicht ein bischen darin hätte regen sollen. Der„denkende Kopf" ist auf dem besten Weg, sich abzuthun und ab- gelhan zu werden. Und das Urtheil, das seiner nach seinem Sedan harrt, läßt sich jetzt schon ziemlich genau feststellen. Es wird das über seinen Vorgänger und sein Vorbild, den blutigen Dezembermann, ge- fällte Urtheil an Milde und Schonung gewiß nicht übertteffen. Die„ausführende Hand" alias der„Schlachtendenker" oder„große Schweiger", der, trotz seiner Muckerei noch relativ für den anständigsten der Sippe galt, hat sich durch seinen Brief an den berüchtigten Ex- und dessenungeachtet Erz- Jesuiten Bluntschli selber die Kulturmaske abge- rissen und sich in der ganzen Rohheit und Barbarei seines Menschen- schlächter-Gewerbes hingestellt. Und nun auch der dritte im Bunde, Roon, der„Schmied des Werk- zeuges" für Massenmord und Verfassungsbruch! Das sind die Gründer des deutschen Reiches— beiläufig der einträglichsten Gründung der siebziger Jahre. Aber die letzten Enthüllungen über Roon haben noch ein weiteres Verdienst, als das, zur richttgen Beleuchtung des Kultus der Reichs- dreieinigkeit einen Beitrag geliefert zu haben. Sie haben das Verlogene des nationalliberalen Märchens, die Bismarck- Roon- Moltke'sche „Schöpfung" sei die Erfüllung des„Traums" der 1818er Demokratie, handgreiflich und augenfällig demonstrirt. Dortu war ein klassischer Ver- treter der 1818er Demokratie, und Roon ein in seiner Art ebenso klas- sischer Vertreter des Reichs von 1871. Wer wagt es, Angesichts der jetzt bekannt gewordenen Aeußerungen Roons Uber Dortu noch von einer Gemeinsamkeit des Denkens und Fühlens zwischen der Partei eines Dort» und der Sippe eines Roon zu reden? Nein— die Demokratie, welche das in Freiheit, das heißt, von unten herauf, durch das Volk geeinte Deutschland, die deutsche Republik erstrebte und erstrebt, hat nichts gemein mit dem junkerlichen Großpreußen, das sich deutsches Reich nennt, und nur ein versklavtes Rumpfdeutschland ist. Dortu würde heute von den„Schöpfern" und Vertretern dieses Blut- und Eisenreichs mit derselbeü Wollust gestandrechtet werden, wie vor 32 Jahren, und so wenig, wie damals, würden sie vor der kugelzer- fetzten Leiche des gemordeten Feindes und vor dem Schmerz der eben- falls ins Herz getroffenen Eltern Achtung und menschliches Rühren empfinden. Noch einmal: es ist gut, daß die Bestialität sich voll und ganz offen- bart hat. Und es ist gut, daß die Kluft zwischen 1849 und 1871 so deutlich gezeigt worden ist. Bon Dortu wollte ich aber noch erzählen— und ihn Betreffendes. Er hatte sich während dem Rückzüge der badischen Armee nach der Schweiz zu lange in Frciburg im Breisgau aufgehalten. Die Armee war schon voraus. Mit ihm waren verschiedene Freunde und Kameraden, darunter Näff, der badische Schullehrer, auch Gustav Sttuve, Liebknecht und Andere. Man hatte sich im Hotel Fehrenbach Rendezvous gegeben. Die preußischen Vorposten schwärmten schon in der Nähe der Stadt und einige Bürger hatten bereits auf dem Münster eine weiße Flagge ausgehißt. Dortu und Näff wurden auf dem Weg nach dem genannten Hotel von Bürgern verhaftet; die Andern entkamen mit knapper Roth. Es war das in den ersten Tagen des Juli. Dortu und�käff wurden beide zum Tode verurtheilt und beide er- schössen. Sie starben beide heroisch. Dortu, ein bildschöner junger Mann, schlank, mit feurigen Augen, schrftt stolz und fest an die Mauer des Kirchhofs von Wiehren bei Freiburg; stolz und fest sah er in die Mün- düngen der Gewehre, welche sich gegen seine Brust richteten, leuchtenden Blickes und mit weithinschallender Stimme rief er:„Es lebe die deutsche Republik!" Die Musketen knallten— der Mord war vollbracht. Die Soldaten, welche als Werkzeuge der verbrecherischen That hatten dienen müssen, waren so ergriffen, daß sie— wie einer von ihnen daheim erzählt hat—„den ganzen Tag wie krank waren und sich vor ihren Mitmenschen und vor sich selbst schämten, als ob sie Meuchelmörder wären."— Die armen Teufel— sie konnten sich nicht zur„intelligenten" Höhe der Bestialität eines Roon erheben. Dorw wurde am 11. August 1819 erschaffen— man hatte den Fall der Festung Rastatt abgewartet, der durch das Trugversprechen einer Amnestie beschleunigt worden war. Auf der Stätte, wo Dorw sein junges Leben aushauchte, steht ein ein- facher Grabstein mir der Inschrift: Hier ruht Maximilian Dort» aus Potsdam 23 Jahre alt, erschossen am 11. Aug. 1819. Mit ihm vereint seine Eltern, deren einzige Freude und Hoffnung er war. Die Eltern, wie man sieht, sind ihm nachgefolgt. Der Gram brach ihnen das Herz. Der Vater war bekanntlich ein hoher Justizbeamter und mit dem vorigen König von Preußen persönlich besreundet, soweit man mit Fürsten befteundet sein kann. Er schöpfte daraus die Hoffnung aus Gnade. Ein erster Versuch blieb fruchtlos. Friedrich Wilhelm IV. er- klärte, dem Kriegsrecht seinen Laus lassen zu müssen. Auch ein zweiter Versuch hatte kein Resultat. Endlich am 13. August Nachmittags gelang es den flehentlichen Bitten des Vaters und den Thränen der Mutter, den König anscheinend zu erweichen. Er sagte die Begnadigung zu. Getröstet gehen die Eltern nach Hause. Sie trauen dem Königswort. Den Vormittag des folgenden Tages erfahren sie, daß ihr Sohn erschossen ist.-- Aber die königliche Begnadigung? Die Depesche war richtig abgegangen, aber erst am Morgen des 11. August, als es z u spät war. So wurde das Wort des Hohenzollern eingelöst! Ich habe das von Jemand, welcher der Familie Dortu nahe stand undl es aus dem Munde des alten Dortu hatte. Es ist nothwendig, daß unsere Jugend von Zeit zu Zeit an die Ver-j gangenheit erinnert werde. Erst aus der Vergangenheit lernen wir den' ganzen Ernst unserer Gegenwart. Fritzsche und Viereck in Amerika. Es liegen uns nunmehr weitere Berichte über die Aufnahme und die Thättgkeit der Abgesandten unserer Partei vor, aus denen hervorgeht,! daß unsere in voriger Nummer ausgesprochene Vermuthung nicht zu opttmistisch war. Wo unsere Genossen bisher ausgetreten sind, ist man ihnen überall mit größter Sympathie, ja wir können sagen mit Be- geisterung entgegengekommen. Die bereits erwähnte Massenversammlung in Irving Hall in New-Iork ist glänzend verlausen.„Zur festgesetzten Stunde", schreibt die„N. D. Volkszeitg.", um 2 Uhr Nachmittags, war' Irving Hall bereits überfüllt. Jeder Sitz und Stehplatz, alle Gänge zwischen den Sitzreihen, alle Gallerten waren so dicht besetzt, daß kein Apfel zur Erde fallen konnte, und viele Hunderte mußten umkehren, weil sie keinen Stehplatz mehr finden konnten. Eine annähernde Schätzung der Anwesenden ging aus mindestens 3500 Personen im Saale selber, darunter viele Frauen, denn auch die Außenräume waren von Zu- dringenden gefüllt." Die Versammlung, deren Büreau aus den Bürgern R. Bartholomee, erster Vorsitzender, I. Ritter und Leib, zweite Vorsitzende, Bühr und Schräder, Schriftführer, bestand, wurde mit einem begeisterten dreisacheu Hoch aus die deutsche Sozialdemokratie eröffnett Sodann nahm, vou stürmischem Beifall begrüßt, Fritzsche das. Wort und geißelte in län< gerer Rede die niederträchtige Behandlung, der unsere Genossen in Deutschland ausgesetzt sind. Am Schlüsse sagte Fritzsche unter Andern,! und hat dafür unfern vollen Beifall, er wolle im Auslande nicht ander» austteten, als wie er sich deutschen Arbeitern gezeigt habe, die ihn dann des Verttauens würdigten, sie im Reichstage zu vertteten. Nicht eine gemachte Revolution, sondern eine planmäßige Revolulio« n i r u n g führe mm Ziele, und dann würden auch die Waffen der jetzigen Machthaber sich gegen dieselben kehren. So sei man in Deutsch» land vorgegangen und hätte gewaltige Fortschritte gemacht. Andererseits aber verhindere man auch nicht Revolutionen durch brutale Ausnahme- gesetze, ebensowenig wie man sie gewaltsam mache. Mit der Natur- nothwendigkeit eines Gewitters kämen sie, es sei ihnen nicht auszuweichen,. wenn sie die Verhältnisse gebieten." Nach Fritzsche sprach in englische» Sprache und in überaus packender, drastischer Rede John Swinton, Redakteur des demokratischen „New-Uorker Sun". Dem knechtsseligen deutschen Spießbürger, in dessen Augen die derbe, kräftige Sprache eines freien Mannes ein Gräuel ist, zum Denkzettel, unseren Genossen in Deutschland aber zur Erhebung läffen wir hier einige Stellen aus Swinton's Rede folgen: ---„Unsere Pflicht als Amerikaner ist es heute, sür die Ver- wirklichung amerikanischer Freiheitsideen in Deutschland unsere Stimme zu erheben, daß der Widerhall das Berliner Schloß in seinen Grundvesten erschüttern macht!(Stürmischer Ap- plaus.)---„fürwahr, nicht despotische Tyrannei ist es, es ist eine bodenlose Gemeinheit, eine Gemeinheit, die das Umdrehen im Grabe eines A. T. Stewart sogar zur Folge haben würde.(Donnernder Beifall.) Im Namen der Liebe, die ein Jeder von Ihnen für Freiheit! und die Befreiung der darbenden Menschheit empfindet, appellire ich av Sie, diese Bestrebungen nach Kräften zu unterstützen."---„Dil Morgenröthe einer neuen Zeit bricht heran in allen Ländern, wo e» Unterdrückte giebl, und wohl eher als anderswo dürsten wir in Deutsch- land die leuchtenden Strahlen des Morgenrothes dieser neuen Zeil erblicken!(Donnernder Applaus.)" Aus Swinton solgte L. Viereck, der mit treffenden Beispielen die UnHaltbarkeit des in Deutschland herrschenden vtegierungssyslem» und seine Unfähigkeit, wirksame soziale Reformen durchzuführen, erörterte.„Btt sonders interessant waren," schreibt die New-Aorker Volkszeitung,„seine Nachweise über die zunehmende Zersetzung der Hauptstütze der Dynastie, des stehenden Heeres." Nachdem Viereck unter rauschendem Beifall geschlossen, nahm die Ver- sammlung einstimmig eine Resolution an, in welcher sie erklärt: „Dem Appell, den die deutsche Sozialdemokratie durch ihre Vertreter, das Mitglied des deutschen Reichstages F. W. Fritzsche und L. Viereck, an das amerikanische Volk gerichtet hat, mit vollster und herzlichster Sym- pathie Folge zu leisten, Geldsammlungen zu veranstalten, damit die deutsche sozialdemokratisch- Partei genügend gerüstet sei, den Kamps gegen die freiheitsmörderischen Elemente init Erfolg weiterzuführen, die zu diesem Zwecke von einem provisorisch gebildeten Konnte der soz. Arbeiterpartei auszugebenden Sammellisten mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und voller Energie zu vertreiben und alle Mitbürger aufzufordern, desgleichen zu thun." Einesofort vorgenommene Sammlung ergab die Summe von T. 210,191 (ca. 900 Mark). „Die deutsche Sozialdemokratie," so schließt die Rew-Aorker Volksztg. ihren Bericht,„darf aus den Erfolg dieser Versammlung ebenso stolz sein wie die Arbeiter und das wahrhaft freisinnige Bürgerthum unserer Stadt. Das ist das Beste, was wir von ihr sagen können, denn es ist unbestreitbar." Aehnliche Versammlungen, wie die im Vorstehenden dargestellte, fanden seitdem statt in Brooklyn und P a t e r s o n, wo Fritzsche sprach. Zum Sonntag, den 20. Februar, war für die Westseite New-ryorks eine weitere Massenversammlung angezeigt, über welche uns noch kein Bericht' vorliegt. In A st o r i a sprach Viereck in einer von der dortigen Sektion der sozialistischen Arbeiterpartei arrangirten sehr gut besuchten Abendunter-! Haltung. Soviel sür diesmal. Wir werden in den folgenden Rummern fort- fahren, unsere Leser über die Thätigkeit unserer Abgesandten möglichst aus dem Lausenden zu erhalten, wir können aber diesen Bericht nicht schließen, ohne schon heute unseren wackeren Genossen in Amerika unseren wärmsten Dank auszusprechen für den Eifer, mit dem sie sich unserer Sache angenommen haben. Er dokumentirt in Wahrheit, wie die„New- Jorker Volkszeitung" schreibt, einen weiteren Fortschritt des internationalen Sozialismus. Sozialpolitiswe Rundschau. Schweiz. — Die Aristokraten vom eidgen. Verein in Zürich besprachen am Montag das Jnitiativbegehren um Abschaffung der unentgeltlichen Ein-. bürgerung. Daß dabei der Zopf stark betont wurde, ist natürlich, dafür! find die Herren ja im eidgenössischen Berein. Antistes Fins ler vergoß Thränen über die heillosen Folgen der Zwangseinbürgerung: da müffe man auch das arme Lumpenpack ausnehmen und unter den 1500 in Folge des Gesetzes in der Stadt Zürich Eingebürgerten seien 90 Almosen- genössige. O das verdammte Proletariergesindel! Zum Ausbeuten ist's schon gut, aber zum Unterstützen, wenns zur Arbeit nicht mehr taugt?! Behüte! Aber warum schlagen die Herren die armen Teufel nicht todt? Dann wären sie ihnen ja aus den Augen. — In B a l l w y l(Kanton Luzern) stürzte ein im Bau begriffener Sodbrunnen ein und begrub einen hinabgestiegenen Arbeiter. Natürlich handelte es sich vor Allem darum, den Verschütteten schleunigst wieder Deutschland den Belagerungszustand verhängen: Die„Rechtfertigung" dieser Maßregel wäre ebenso begründet, als die Verhängung des Belagerungszustandes über Berlin und Hamburg allein. Geradezu albern ist es schließlich, wenn behauptet wird,„in Berück- sichtigung der sozialrevolutionären Stimmung und um dem Abfall wei- lerer Parteikreise in Berlin vorzubeugen", habe man sich aus dem Whdener Kongreß weiter nach links drängen lassen und sei dem entsprechend un- sere Haltung eine mehr revolutionäre geworden. Wir haben uns weder weiter nach links drängen lassen, noch war es nothwendig, uns weiter nach links zu drängen. Nach wie vor ste� sten wir auf dem Boden unseres Programms, an dem wir unerschütterlich festhalten, gewappnet gegen alle Versuche, uns nach rechts oder nach links zu drängen. Wenn unsere Sprache schärfer wird, so ist dieß natürlich, Angesichts der Erbitterung, welche die Schand- thaten der herrschenden Klassen in Jedem hervorrufen müssen, der noch Mannesstolz und Mannesmuth in sich fühlt. Unsere Sprache und unsere Taktik werden sich stets nach der Haltung der Gegner richten. Die Schärse unserer Sprache ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung der Verfolgungen, und diese Schärfe wird zunehmen mit der Schamlosigkeit der Henkersknechte deutscher Freiheit und deutschen Rechtes. — Der König der schwarzen Fetischanbeler in Dahomey huldigt dem Glanben, alle diejenigen, die er bei Lebzeiten habe erschlagen lassen, würden ihm im„Jenseits" als Sklaven dienstbar sein. Eine ähnliche Tradition scheint sich im Hohenzollernstamm fortzupflanzen. Schon bei Hödel fiel es aus, daß dieser geisteskranke Mensch justifizirt wurde; noch auffallender aber ist des Heldengreises„Mildherzigkeit" in letzter Zeit hervorgetreten. Den Arbeiter Gehrke ließ er wenige Tage vor der Vermählung des Prinzen Wilhelm d'v p f e n; jetzt, wenige Tage nach dieser Vermählung, wird schon wieder geköpft, und zwar der Arbeiter Wieleb a. Außerdem aber harren noch der Köpfung in Berlin die Ver- urtheilten Graßnick, Roßbach und die unverehelichte Schmuck! Der Alte hat's eilig, seinen Sklavenstand zu komplettiren.„Germania, mir grant vor Dir!" auszugraben und ihn dem Erstickungstod zu entreißen. Der Herr Ge- und meindammann wollte aber mit den Rettungsarbeiten nicht früher be- ginnen lassen, als bis er wußte, wer die Kosten derselben zahld. Zer-! Wir empfehlen den Mann als Fabrikinspektor, wie ihn die Herren den Fabrikanten brauchen. —„Am 27. Februar schwamm ganz Berlin in Festjubel und die dem jungen Paare bereiteten Ovationen waren ein beredter Ausdruck der Loyalität des preußischen Volkes, welches sich mit seinem Herrscherhaus auf's Innigste verbunden fühlt. Alldeutschland darf aber auch stolz sein, wenn es auf den greisen Monarchen, seinen kraftvollen Sohn und den die blühenden Enkel sieht, welche auf Geschlechter hinaus die jehV Zukunft des Reiches sichern, auf daß dieses des zu wachenden und erhaltenden Armes nicht entbehr e." man Was mag das für ein Blatt sein, welches so schreibt? Ein preußisches Be-, Junkerorgan oder ein Mitglied der nationalservilen Presse? Nein, ein ung republikanisches Blatt ist es, das so schreibt, die„liberale" Ilten„Zürcher Freitagszeitun g", in Nr. 9. Daß doch die Bour- war geoiste überall gleich hündisch ist, in der Republik wie in der Monarchie. inge kein Deutschkaud. ren,_ Heissa, Juchheissa, Dudeldnmdei, das geht ja nug hoch her— jm Hause der Erleuchteten des Deutschen Reiches. Die ber, bevorstehende Reichstagswahl, welche die Herren in die unangenehme und Zu- unbequeme Lage versetzt, vor das Volt treten zu müssen und Rechen- schaft über ihr Verhalten abzulegen, spuckt ihnen schon in allen Gliedern, mee, und wahrend sie sich einerseits an Volksfreundschaft und Sorge für das und Wohl des armen Mannes gegenseitig Uberbieten, suchen sie sich anderer- cheu seits gegenseitig möglichst herunterzureißen, allen voran der„Geniale". von Der„größte Mann des Jahrhunderts", dem es in nüchternen Augen- län- blicken nicht verborgen bleibt, wie rapid es mit seiner Popularität bergab 'n geht, entwickelt eine fieberhafte Thätigkeit, um seine Gegner zu vernichten. :rm, Da es ihm Keiner seiner Mameluken mehr recht macht, so stürzt er sich 6"� selbst m den Kampf, wobei ihm sein Größenwahn und der verfluchte mnu Cognak manch bitterbösen Streich spielen. Als am 3. März der Fort- eint schrittler Mendel sich über die von den preußischen Landräthen ausgeübten i o> Wahlbeeinflussungen beschwerte, ging der Krakehl los. I ch bin gegen der jede Wahlbeeinflussung, heuchelte er unverschämt, vielmehr habe i ch unter tsch- denselben am meisten zu leiden, ich habe gar keinen Einfluß, aber gegen seit« m i ch geschehen fürchterliche Dinge,— und eine Fahrt des Herrn Lasker mit pne- seinem Freundr, dem Landrath Baunibach, mußte als Beweismittel dienen, ltur- daß sich die Liberalen gern derselben Mittel bedienen, deren sie die Regie- chen,, rung anklagen. So richtig dieser Satz an und für sich ist, so wenig beweiskräftig war das Beispiel, und wenn die Liberalen weniger Hasen- ider, herzig gewesen wären und ein reines Gewissen hätten, so würde Er noch chen ganz andere Schläge erhallen haben, als Er ohnehin erhielt. Erst unser w Genosse Kayser war es, der beiden Seiten gehörig die Wahrheit sagte äuel und die schlimmste Wahlbeeinflussung, die der Leiter der Staatswerk- mng stätten und der Privatindustriellen gegenüber ihren Arbeitern, gehörig kenn- zeichnete. Namentlich erhielt der Fabrikpascha Stumm eine so kräftige Ver- Züchtigung, daß er nur ein paar blöde Worte der Entschuldigung her- mme vorzustammeln vermochte. i i n Tags daraus ging es gegen die fortschrittliche Verwaltung der Stadt Ap' Berlin los. Der Geniale bezahlt nämlich seiner Ansicht nach zuviel ine Miethssteuer und ließ infolgedessen an dieser Steuer kein gutes Haar, i im während die Liberalen von seiner Schwärmerei für die Mahl-Schlacht- rc. nder Steuer nichts wissen wollen. Beide natürlich nur im Interesse des iheit armen Mannes. Und„Fortschriltsring"— schamlos— unverschämt, ) av in dieser Tonart bewegte sich die Debatte unter den„Edelsten der Nation." ,Die Köstlich war es übrigens, Seine stereotyp gewordenen Klagen zu hören, » � wie E r sich als verkannte und verfolgte Unschuld hinstellte. Er muß tsch' Mehr Steuern zahlen als jeder Andere, E r hat noch nie so eng gewohnt, Zeil wie gerade jetzt in Berlin(Wer lacht da?), Seine Amtswohnung sei keine 3GX> Thaler jährlich werth(das Palais in der Wilhelmsstraße!) ; die und man habe sie ihm zum Aerger mit 22,380 Mark eingeschätzt! Er und müsse daher jetzt die unerhörte Summe von 746 M. Miethssteuer zahlen:c.! ,Be Bei per Mahl- und Schlachtsteuer kommt Er freilich besser fort, aber seine aus wessen Kosten? Beim besten Willen kann Er nicht 200 mal mehr astie, Brod verzehren als eine arme Arbeiterfamilie, in deren Haushalt das Brod eine so große Rolle spielt. Aber was geht das Ihn an, die Mielh. Ver- steuer ist Ihm unbequem und daher ist sie ebenso ungerecht wie die freie Einfuhr von Holz, wie die Erhöhung der Branntwemfteuer, wie eter, die Freihasenstellung Hamburgs u. s. w. Und mit gewohnter Unver- -reck, schämtheit leistete Er sich folgenden Satz, den wir hier festnageln wollen, tsche ben wir unfern Lesern zur Beherzigung dringend empfehlen: x,je„Wenn der Herr Vorredner ferner zu Gunsten der Miethssteuer an es�m Sesllhrt hat, sie bestände seit 1815, ja dann ist man ganz erschreckt, daß artei diese ungeheure Summe von Ungerechtigkeit, die darin liegt, schon so und lange dauert und über die Geduld des ärmeren Volkes". ichen Hört Jhr's, Proletarier, man ist erschreckt über die Geduld des ärmeren Volkes! Und das sagt Euch derselbe 0,13 Mann, der Eure Vorkämpfer rechtlos gemacht hat! sztg. �~ Dem Reichstag ist die Rechtfertigungsschrifl betressend die Ver- sein Egling des Belagerungszustandes über Hamburg und tadl. Altona und die betteffend die Verlängerung desselben Uber Berlin >ar." zugegangen. Aus jeder Zeile leuchtet uns in denselben die Verlegenheit «den �rauS, die Gewalrmaßregeln ausreichend zu begründen. Mit den Haaren räch, �d die Rechtfertigungsgründe herbeigezogen, erlogene oder gänzlich eine Unbedeutende Vorkommnisse als solche vorgebracht. wicht Sehr offenherzig werden in der Hamburger Rechtferrigungsschrift als ktion i>ie hervorragendsten Gründe der Verhängung des Belagerungszustandes nter-l iiber Hamburg der Wahlsieg vom 27. April t. I.(sie!) und der Wydener Kongreß angegeben! Unverblümt wird also zugestanden, was fort-"nr im„Sozialdemokrat" am 14. November v. I. schrieben:„Die Ham- stichst burger Dragonaden sind die Rache für den Wydener Kongreß."„Nun," nicht sitgten und fügen wir hinzu,„der Wydener Kongreß war die Antwort sere» � uns das Sozialistengesetz, und die deutsche Sozialdemokratie serer! wird auch die Antwort auf die Hamburger Dragona- New- ben nicht schuldig bleibe n." des Als eines der Motive der Verlängerung des Belagerungszustandes Über Berlin wird die Entdeckung einer geheimen Druckerei angeführt. Bekanntlich sind es fast zwei Jahre her, daß man ' diesem„revolutionären" Unternehmen auf die Spur kam, und es mußte der wegen desselben verhaftete„Anarchist" Werner wegen Mangels a n Beweisen wieder freigelassen werden, worauf er ausgewiesen wurde. Dieser„Sozialrevolutionär" hat jüngst eine de- und wehmüthige Bitte an Herrn Madai gerichtet, derselbe möge ihn wieder nach Berlin lassen— und dieses„Anarchisten" unbewiesene vor nahezu'zwei Jahren „entdeckte" geheime Druckerei gilt als Motiv, den Belagerungszustand am jetzt zu verlängern. Die weiteren Motive schließen sich dem würdig�an. gjn< Wir müssen den Humor des Herrn Madai bewundern, wenn er nach ?afiir"aben" berichtet, in Berlin sei die„sozialrevolutionäre" Richtung beson- rqoß bers stark vertreten. Kleiner Schäker! In Berlin, wohin schon zur Zeil Nüsse bes Wydener Kongresses, wie wir, ohne Widerspruch zu erfahren, nach- >olqe lviesen, ganze 25 Exemplare der„Freiheit" gingen, und wohin heutzutage 0fen,J nicht mehr fünf gehen, von denen die„Mehrzahl" von der Polizei abonnirt ist! In Berlin, dessen gesammte Arbeiterschaft von den„Sozial- iqt?l Evolutionären" in ihrer jüngsten Auslassung als Kanaille bezeichnet topt? �'Vd, weil die Berliner Genossen sich nicht zu dem kleinen Faschingsscherz bewogen fühlten, bei den Einzugssestlichkeiten in Berlin„die ganze Bande .w die Luft zu sprengen" und so den stoffarmen und sensationssüchtigen fsener Revolutionsjournalisten einige Spalten zu füllen! Irlich Nein, Berlin ist nicht„extremer" gesinnt, als die Sozialdemokratie »jeder stanz Deutschlands möge Bismarck daher ruhig über ganz —„E s ist gewiß, daß jeder Krieg, auch der sieg- reichste, ein Unglück sür da« Land ist, und daß kein Erwerb von Land oder Geld den Verlust anMenschen und die Trauer der Familien auswiegen kann." So schrieb dieser Tage— ein Mitglied der„Friedens- und Freiheitsliga"? — nein, sondern Graf von M o l t k e, der einige Wochen früher den ewigen Frieden für ein Unglück erklärte! Und einige Zeilen weiter unten in dem Brief, in dein er dies geschrieben, heißt es:„E s w ä r e z u wünschen, daß alle Regierungen stark und that- kräftig genugwären, dieLeidenschaften, welche ihre Völker bewegen, zu beherrschen und so den Krieg zu vermeide n." Wenn man das liest, weiß man wirklich nicht, ob der„Schlachten- denker" selbst verrückt ist, oder aber die„Unrerthanen" dafür hält. Oder beides? — Die Direktion der Görlitzcr Bahn hat ihren„Patrio- tismus" bei der Einholungsfeier durch Anschaffung eines Banners und der Embleme, sowie durch Engagement eines Musikkorps, unter dessen Klängen„ihre" Arbeiter erzwungene Ausstellung bei der Feier nahmen, dokumentirt. Aber der Patriotismus dieser Herren ging noch weiter. Das erhabene Beispiel Wilhelm des Uneigennützigen schwebte ihnen vor. „Wenn dieser auf Kosten seiner Soldaten„Heldengreis" geworden ist, warum sollen wir nicht auf Kosten unserer Arbeiter Patrioten sein? Gesagt, gethan. Die Kosten der Einzugsfeierlichkeiten wurden auf die Arbeiter repartirt und jedem derselben am Sonnabend Mark 1.25 vom Lohn abgezogen! Freilich konnte man nichts anderes erwarten. Ist Servilität ohne Gemeinheit denkbar? — Juristische und polizeiliche Attentate. Die sozial- demokratischen Reichsragsabgeordneten und Kandidaten erfreuen sich be- sonderer Fürsorge von Seiten unserer Behörden. Bebel wird in Leipzig wegen Sammlungen zu Gunsten der Ausgewiesenen angeklagt und behaussuchl; Hasen klever wird sein Reisekoffer, den er nach seiner Ankunft in Berlin seinem Schwiegervater übergeben, aus poli- zeilichen Befehl durch einen Schlosserlehrling geöffnet und durchsucht, ohne die geringste Legitimation von Seiten des Poli- zisten und in Abwesenheit Hasenklevers. Wiemer erklärte am 28. Februar im Reichstag, als Ankläger gegen die sächsischen Justizbehörden auszutreten, da das Amtsgericht zu Chemnitz alle an ihn anlangenden Briefe, sogar Postkarten und Postanweisungen— sollten in denen auch verbotene Schriften geschmuggelt werden können?— mit Beschlag belegt. In Stuttgart endlich verboten Staatsdirektion und Amtsoberamt am 28. Februar die Veranstaltung von Sammlungen behuss Förderung der Wahl des D r. D u l k zum Reichstagsabgeordneten I Frecher kann die„Wahlfreiheit" nicht illustrirl werden. Wie man sieht, herrscht eine rührende„Einigkeit" in Deutschland, was die behördlichen Alten- täte gegen die Sozialdemokratie betrifft, Nord- und Süddeutschland, Parti- kularisten und Zentralisten wetteifern darin. Wenn in Rußland der- gleichen sich ereignet, nennt man»s„asiatischen Despotismus"— in Deutschland nennt's die liberale Sippe„loyale Ausführung des Sozialistengesetzes"! Ein vor zwei Monaten in Eberstadt verhafteter Mannheimer Sozial- demokrat, der aus der Berliner Hausvogtei aus Grund seiner bei dem Reichsgericht eingereichten Beschwerde entlassen werden mußte, wurde, wie man dem„Badischen Beobachter" berichtet, dieser Tage vor da« Bezirksamt Mannheim geladen, wo ihm der Polizeikommissar eröffnete, der Reichsanwalt„wünsche" seine Photographie(!). Zugleich behändigte man ihm eine Anweisung, sich sechs Mal Photographiren zu lassen. Der Herr Reichsanwalt meinte wohl, die Verstaatlichung de« Photo- graphirens sei unsere erste Forderung? Der störrige Sozialdemokrat war leider nicht dieser Ansicht und verzichtete auf diese„Staatshilfe"! Die Hamburger Polizeibehörde ließen die Lorbeeren ihrer Kolleginnen nicht schlafen, sie hat sich daher bemüssigt gesehen, das Einsammeln von Beiträgen zur Unterstützung djer Ausgewiesenen und deren Familien zu verbieten. Daß das Reichsgericht und die mittelfränkische Kreisregierung seiner Zeit das Verbot der Sammlungen für die Angehörigen oder Familien der Ausgewiesenen als mit dem Sozialistengesetz nicht im Einklang be- funden haben, genirt die„republikanische" Polizei ganz und gar nicht. Es ging den Familien der Ausgewiesenen noch nicht schlecht genug, der gewünschte Zweck der Abschreckung war noch nicht genügend erreicht. Das ist der Grund, der diese humane und tapfere Behörde veranlaßte, da» edle Werk der Staatsrettung zu vollenden, indem sie die unschuldigen Familien vollends dem Hungertode überlieferte! Diese schurkische Speku- lation soll aber zu Schanden werden! Wer noch Mannesmuth in Deutsch- land besitzt, wird fortfahren, die Opfer eines brutalen Despotismus zu unterstützen. Uns aber werden solche erbärmliche Mißhandlungen eben- sowenig mürbe machen, als die Hugenotten Frankreichs durch die Dra- gonnaden Ludwig XIV. sich einschüchtern ließen. Soweit hat es das siegreiche Deutschland, vor dem ganz Europa zittert, gebracht, daß es, um sich des Anpralls einer Idee zu erwehren, mit den wehrlosen Frauen und Kindern armer Arbeiter Krieg führt! Schmach über ein Land, dessen Männer sich zu solcher Erbärmlichkeit hergeben! Allenthalben unzählige Haussuchungen— natürlich erfolglos. Nächsten« soll in der Wohnung jedes de« Sozialismus Verdächtigen ein Geheimpolizist stationirt werden. Dürfte den Polizisten bald unangenehmer werden, als uns. Schon wieder ist einem Gerichtshof, diesmal dem zu Münster, nach- gewiesen worden, daß er einen der Majestätsbeleidigung Angeklagten verurtheilte, trotzdem dessen Unschuld klar zu Tage lag. Bei den deutschen Gerichtshöfen scheint sich dieselbe Praxis einbürgern zu wollen, welche unter der Herrschaft der römischen Zäsaren und später der„heiligen" Inquisition galt: Die Anklage gilt bereits als Verurtheilung! Die Büreaukratie. verliert Hören und Sehen, sobald sie das Wort Sozialismus hört, einerlei von welcher Seite es kommen mag. Zu den vielen Vorwitzigen, die den Versuch, uns durch Zitirung unserer„Schand- werke" zu widerlegen, büßen mußten, ist wieder einer gekommen. In München wurde der Redakteur der„demokratischen"„Süddeutschen Post" auf Grund des Sozialistengesetzes wegen eines Artikels angeklagt, den er der nationalliberalen„Schlesischen Presse" entnommen, und in welchem unter Zitirung verschiedener Stellen des Wydener Kongreß- Protokolle« auf die„Rothen" geschimpft wurde! Nach 2'/, Monaleu Uutersuchungshast kam der Prozeß am 2. d. M. zur Verhandlung, wobei der angeklagte Bogner geschlossen vorgeführt wurde! Schließlich wurde dieser gefährliche„Verbrecher" zu acht Tagen Haft verurtheilt— und das Alles wegen eines Artikels gegen un«! O Schicksalsironie! — E i u Streber schlimmster Sorte, der Regierungs- Präsident von W o l s in Trier, weiland wüthender, jetzt zahmer und demnächst anti-Kulturkämpser, soll an Stelle Eulenburg« das preußische Ministerium des Innern erhalten. — In der Nürnberger Keck'schen Maschinenfabrik Lohnreduk» t i o n von 15—20 Proz., in der Amberger Gewehrsabrik massenhafte Entlassungen von Arbeitern, die 20—23 Jahre in der Fabrik thütig gewesen waren— und so weiter, und so weiter, das find die Prlllu- dien des Staatssozialismus. — Stuttgart, 2. März. Jm Schwabenlande geht es tüchtig vor- wärt«. In Göppingen traten unsere Leute in die Gemeindewahl- agitation ein und stellten für die Bürgerausschußwahl eine selbständige Liste auf. Obwohl die ersten vorbereitenden Schritte erst drei Tage- vor der Wahl geschahen und die Einfädclung eine äußerst mangelhaste war — man hatte uns hier zu spät in Kennmiß gesetzt— obwohl auch keinerlei Agitation durch Versammlung oder Druckschriften möglich war und obgleich man sich der volksparteilichen„Zwillingsschwester" gegen- über befand, erhielten unsere Kandidaten 120—149 Stimmen, die Volks- parteiler etwas über 400. Selbst sin früheren Jahren, wo wir öffentlich mit allen Mitteln wirken konnten, war unsere Stimmenzahl nicht höher; relativ kann man also zufrieden sein. In Eßlingen hat der von Ihnen schon berichtete Selbstmord eines 23 Jahre lang beschäftigten fleißigen und braven Arbeiters die Bevöl- kcrung so errege und ausgebracht, daß die Zahl der uns sympathisch Gesinnten sehr gewachsen ist, und im gleichen Maße die Agitation und der Eiser der Genossen am Ort. In H e i l b r o n n hat Genosse Horlacher, als er seine vierwöchentliche Haft wegen„Verbreitung" abgesessen hatte, bei seiner Fabrik nicht wieder in Arbeit treten dürfen. Der Chef der Fabrik ist einer der laute st en dortigen �Volksparteiler! Wir müssen nun H., der Familie hat, unterstützen, weil er für die Sache der Partei gemäß- regelt ist. Der Volksparteiler kommt aufs Kerbholz. Auf den Abend des 22. Februar hatte die Volkspartei eine Versamm- lung im Bürgermuseum über das„Unjallgesetz" ausgeschrieben, mit dem Beisatz:„Gäste willkommen!" Es kamen mehr Gäste als die Herren er- warteten. 50 Volksparteiler, etwa ebensoviel Neugierige und Indifferente und mindestens 400— 500 Arbeiter erschienen. Letztere so früh- zeitig, daß der Saal beim Eintreffen der Volksparteiler bereits dicht ge- füllt war. Wir beherrschten die Situation vollkommen. Die Genossen Dietrich, Oppenheimer und Pfau sprachen kräftig, oft von rauschendem Beifall unterbrochen. Diese Versammlung war für uns ein sehr bedeu- tender Erfolg, indem sie uicht nur bewies, daß wir trotz des Ausnahme- gcsetze« noch vorhanden sind, sondern, daß wir uns auch kräftig genug fühlen, unsere Meinung öffentlich zu vertreten. Die Presse hat sich natürlich mit dem„Ereigniß" beschäftigt; zum Theil recht objektiv, zum Theil, namentlich die Amtsblättchen, in dem gewöhnlichen Schimpfton. Genug, auch in den Bauerndörfern hat man nun erfahren, daß es in Schwaben noch Sozialdemokraten gibt und unser Austreten hat die Diskussion der sozialen Frage wieder stärker belebt: jede Diskussion kann uns aber nur von Bortheil sein. Mit den Vorbereitungen zur Reickstagswahl haben'wir bereits be- gönnen. Unser Kandidat für Stuttgart ist Dr. D u l k; für andere Be- zirke, wo es sich lediglich um Zählkandidaturen handelt, ist noch nichts definitives bestimmt.»- Stuttgart, 6. März. Unsere Bureaukrqten, welche vor der Welt die Katzenkrallen einzuziehen sich den Anschein geben, zeigen in gewissen Fällen ihre wahre Gestalt. So gegenüber dem Genossen Baßler, welcher soeben die ihm zudiktirten 3 Wochen Gefängniß absitzt. Er ist bekanntlich deshalb verdonnert worden, weil er Kreuzbandsendungen, den„Sozial- demokrat" enthaltend, an seinen Bruder nach Amerika schickte. Unser schwäbischer Sozialistentödter Staatsanwalt Schönhardt, des nordischen Tessendorff würdiges südliches Affenbild, schnüffelte aus dieser That glücklich eine„Verbreitung" heraus und die wackeren Richter stimmten zu, weil durch solche Kreuzbandsendungen„die Postbeamten korrumpirt werden könnten." Das Reichsgericht sagte gleichfalls Ja und Amen und kaum war seine Sentenz amtlich eingetroffen, als man auch den„Schul- digen" zur Erstehung seiner„Strafe" aufforderte. Baßler darf im Gefängnisse nicht einmal den Besuch seiner Braut empfangen. Unser alter Freund„Gottlieb", der gallsüchtige Schwindsuchtskandidat und Stadt- „richter", leidets partut nicht.(Das Kerlchen scheint, wie au« gewiffen Vorkommnissen ersichtlich, auch von einer bedeutenden Attentatsfurcht befallen zu sein). Ebensowenig durfte Baßler die ihm zugeschickten Zeitungen lesen, während ein anderer Genosse, der kürzlich wegen Post- beleidigung 14 Tage lang beim Staate zu Gaste war, viel anständiger behandelt wurde. Die beiden sauberen Brüder„Richter und Staats- anwalt" scheinen aus Baßler einen ganz besonderen Haß zu haben und die Elenden sind niederttächtig genug, das dem Wehrlosen jetzt fühlen zu lassen. Traurige Tropfe, Feiglinge, wie sie Beide sind, tragen sie indeß ihre Strafe jetzt schon in sich, denn sie leben in fortwährender Angst, eines schönen Tages mit kräftigen schwäbischen Arbeiterfäusten in nähere Berührung zu kommen, als für ihren Rücken ihnen wünschenswerth dünkt. Heftemich-Attgam — In Budapest ist die Lage der Schuhmachergehilfen eine so elende und ihr Kamps gegen die Ausbeuwng ein schwerer. Vor Zuzug dahin wird daher gewarntl 3— r Wien, 3: März. Der reaktionäre Charakter der von verschie- denen Schwachköpsen so hoffnungssreudig begrüßten antiliberalen Aera tritt immer deutlicher zu Tage. Am 25. Februar wurde der Lien- bacher'sche Antrag, der den Landtagen das Recht zuweist, die Schulpflicht von acht auf sechs Jahre zu verkürzen, vom Abgeordnetenhause an- genommen. Daß die Stimmung hier darob eine sehr erregle ist, läßt sich leicht begreifen, ebenso, daß die Studenten ihrer Entrüstung durch eine Katzenmusik vor Lienbacher's Hause Ausdruck gaben. Wir möchten nur warnen, die Herren Studenten deshalb als„Freiheit«- kämpfer" zu betrachten. Dieselben„Vorkämpfer der Freiheit" drängten sich vor zwei Jahren dazu, im Festzuge vor den beiden„Majestäten" unterthänigst vorbeiziehen zu dürfen, und ebendieselben Herren sind es, die bei jeder Gelegenheit ihrer Verehrung für den„Genialen" Ausdruck geben. Es ist nicht Freiheitsdrang, sondern Mordspatriotismus, gemischt mit dem Drange zu randaliren, welche die diversen Kneipgenies hier gegen die„verkommenen Welschen" und„Semiten", die„nur ein Seidel Bier vertragen können," dort gegen die Slaven und Magyaren treibt. Wie für die Bourgeoisie, ist auch für deren Söhne die Zeit der Ideale vorbei— Ausnahmen bestätigen nur die Regel— die Studenten gehöre» mit zur reaktionären Masse: die Sache des Forlschritts, der Freiheit, hat von ihnen nichts mehr zu erwarten. Der kommende 13. u. 18. März der proletarischen Revolution wird sie nicht, wie 1848, auf den Barrikaden finden, sondern in den Reihen unserer Feinde. — S. März. Transleithanien galt bisher für uns Oesterreicher als der„Hort der Freiheit"; und wahrlich, Angesichts der jämmerlichen politischen Verhältnisse in Zisleithanien konnten einen die ungarischen ganz begehrenswerth erscheinen. Es ist wahr, die Behörden können jenseits der Leitha mit derselben WillkUr und Brutalität vorgehen, welche wir diesseits schon so oft erfahren haben. Bersammlungsverbote und Vereins- auflösungen sind auch in Ungarn nicht's Außergewöhnliches, aber die Presse war wenigstens frei, da das„objektive" Verfahren sich noch nicht eingeschmuggelt hat und die Geschwornengerichte noch etwas von altmagyarischem Trotze und allmagyarischer Freiheitsliebe in sich fühlten. Beschämung, ja fast Neid erfaßte uns und glücklich priesen wir unsere ungarischen Genossen, wenn wir die freie und kühne Sprache lasen, welche sich die ungarischen Oppositionsblätter erlauben durften. Hoch- verrath, Majestätsbeleidigungen, Aufwiegelungen konnte man täglich in den Organen der äußersten Linken lesen, ohne daß die Staatsanwaltschaft im Geringsten eingeschritten wäre. Sie weiß nur zu gut, durch mannig- fache Ersahrung belehrt, daß die Pester Geschworenen jeden einespolitischenBergehensAngeklagtenfreisprechen. Umsomehr verwunderten wir uns, daß der Herr Oberstaatsanwalt Kozma in Pest das Bedürfniß fühlte, wieder einmal einen politischen Prozeß anzustrengen, und zwar wegen eines Artikels, in welchem an den deutschen Zuständen nachgewiesen wurde, daß„Druck Gegendruck erzeuge". Wir haben kaum je eine so lä.berliche gewundene Anklage- schrift gelesen, wie die de« Herrn Kozma. Wir erwarteten daher, nach den Ersahrungfti, die wir mit den Pester Geschworenen gemacht hatten, ganz sicher die Freisprechung der Angeklagten. Aber der europäische Tessendorss kennt seine Pappenheimer. In der Thätigkeit eines radikalen Bourgeoisjournalisten Kossuth'scher Rich- tung, der die Vertreibung der Habsburger ossen predigt, ersehen die Pester Geschworenenen keine Gesetzesverletzung. Dagegen ist die Ver- öffentlichung eines Artikels, der deutsche Verhältnisse berührt, strasbar, sobald er von einem Sozialisten herrührt. Es stand eben nicht Herr Verhovay oder einer seiner Gesinnungsgenossen, sondern Genosse Leo Frankel als Redakteur der„Arbeiter-Wochen- Chronik vor den Geschworenen. Das ändert natürlich die Sachlage. Herr Kyma wußte, daß die Bourgeoisie ebenso wie die aller anderen Länder die Freiheit blas für sich verlangt, daß sie aber strenge denjenigen bestraft, der diese Freiheit zu Gunsten des Proletariats benutzen will. Wir rechneten aus die Ehrenhastigkeit und die Freiheitsliebe der Pester Geschworenen, der Staatsanwalt rechnete aus ihren Klassen- egoismus und ihre Furcht vor dem Proletariat, und er hat Recht behalten: Genosse Leo Frankel wurde zu 1'/, Jahren Kerker- strafe verurtheilt, obgleich konstatirtward, daß die inkriminirtenStellen gar nicht von ihm herrührten! Es ist doch merkwürdig, wie sehr die Bourgeoisie gerade jetzt in allen Ländern, welche als relativ freie galten, in Ungarn, England, Frankreich, der Schweiz, bemüht ist, das freiheitliche Mäntelchen abzuwerfen und ihre Brutalität in ihrer vollen Nacktheit zu zeigen. Und sie hat Recht, sich zu beeilen, uns alle ihre Seiten zu offenbaren: denn bald wird sie nur mehr der Geschichte angehören! — Preßburg, 22. Febr. Unser hier seit 1. Jänner erscheinendes Parteiorgan„Der Zeitgeist" ist am 18. ds. Mts. bereits nach dem Erscheinen der vierten Nummer behördlich inhibirt worden, angeblich weil dessen Artikel politischen Inhalts waren! Die Voruntersuchung gegen den Redakteur und die Herausgeber des ge- nannten Blattes hat am 18. d. begonnen; nun ist selbe auch schon be- endet und dürste bald die Schlußverhandlung folgen, die eine interessante Definition über den Begriff Politik bringen wird, von dem die Staats- retter hierzulande gar sonderbare Begriffe haben. Jede, auch die mindeste Kritik sozialer oder lokaler Verhältnisse wird kurzweg für Politik erklärt. Der Untersuchungsrichter konnte dem Genossen Hanslitschek auf dessen Einwendungen beim ersten Verhör keine Ungesetzlichkeit nachweisen; er berief sich daher aus die Macht der herrschenden Partei und sagte: „Möglich, daß Sie Recht haben; aber Sie und Ihre Genossen, die Sie vertreten, würden es auch nicht anders machen, falls Sie in der Majorität wären und die heutige gesetzgebende Majorität(?) an Ihrer Stelle stände, wohin es ja einmal noch kommen kann, was ich aber gewiß nicht mehr erleben werde." Genosse Hanslitschek erwiderte daraus, daß wenn einmal das sozialdemokratische Prinzip soweit jesten Fuß ge- faßt habe, alle Klassenunterschiede aufhören würden und die Unterdrückung einer Klasse durch eine andere eine Unmöglichkeit wäre. Diese Ansicht erschien dem Herrn Richter allerdings sehr lächerlich. Uebrigens passtrte nicht nur dem„Zeitgeist", sondern zu gleicher Zeit auch einem in Trents hin erscheinenden Wochenblatt„Vavölgyi lap" und zwei in Neutra herausgegebenen Blättern, der„Neutra- Trentschiner Zeitung" und der „Nyitra-es-videke", das Schicksal, wegen politischen Inhalts sistirt zu werden. Es scheint, daß eine Razzia gegen die ganze Presse in Ungarn planmäßig inszenirt wird, da nicht nur unsere Blätter sondern auch liberale den Ausschreitungen der Behörden preisgegeben sind, welche die gerühmte Preßsreiheit Ungarns illusorisch machen. Uns kann's recht sein. Ein Regiment, da« nicht einmal mehr liberale Kritik vertrügt, kann sich kein schärferes Armuthszeugniß ausstellen. L. Frankreich. — Die Bourgeois republik zeigt von Tag zu Tag unvcr- schämter ihren Klassencharakter. Man betrachte nur die Justiz, von der man doch in einem Freistaate gleiches Recht für Alle erwarten sollte. Die Parteilichkeit der französischen Richter ist bekannt, nnverhüllt und elelhast zeigte sie sich wieder bei dem Skandalprozeß zu Bordeaux. Der Präsident des Schwurgerichtes legte während der Verhandlungen eine unglaubliche Rücksichtnahme für die angeklagten Offiziere und Rentiers an den Tag. Die Presse wurde von den Verhandlungen ausgeschlossen, dagegen den Freunden(!) der Angeklagten der Zutritt gestattet. Die als Belastungszeugen austretenden Kinder wurden auf die unverschäinteste Weise eingeschüchtert und schließlich hielt der Präsident ein vier Stunden langes sogenanntes Resum», in Wirklichkeit eine Vertheidignngsrede, in welcher er das vernichtende Beweismaterial zu entkräften versuchte. Die Bourgeoisgeschwornen zeigten sich bei der Fällung des Urtheils auch in einein glänzenden Lichte: der Oberst Chatel wurde freigesprochen, trotzdem er erwiesenermaßen an den Scheußlichkeiten sich betheiligt hatte. Und die anderen, welche wohl oder übel verurtheilt werden mußten? Ihnen wurden die möglichst gelinden Strafen zuerkannt— nicht einmal Zuchthaus, sondern einfaches Gesängnißl Jämmerlich benahm sich der Kommandant Apte bei der Urtheilsver- kündigung; er heulte und schrie und fiel schließlich in Ohnmacht— der-. selbe, der vor zehn Jahren in einem Versailler Kriegsgerichte gesessen, das wegen eines einfachen Zeitungsartikels die Todes st rase ausgesprochen. Feig, wollüstig, blutgierig— das sind die Stützen der„guten" Gesellschaft. Noch erbärmlicher als in Bordeaux zeigte sich die Parteilichkeit der französischen Richter vor wenigen Tagen in Lyon. Daselbst war bei einem Auslanf, der sich anläßlich der Ausführung der Ferry'schen Dekrete gegen die Ordensgeistlichen zugetragen, ein Arbeiter, der„Nieder mit den Psaffen" schrie, von einem Klerikalen mit einem Stoßdegen getödtet. Diese« Mordes wegen stand der„Gottesstreiter" vor Gericht, welches ihn, der den Mord eingestand, zu sechs Tagen Haft und sechszehn Franken Buße verurtheilte! chroßvritanuie« und Arlaud. — Das freisinnige Arbeiterblatt„Vaterland" in Stuttgart sagt in treffender Weise über die neueste Niederlage der Engländer in Afrika: Im Transvaalgebiete hat das Recht über die Gewalt abermals einen Triumps davongetragen, wir würden sagen einen glänzenden, wenn wir nicht die armen gekauften englischen Soldaten bemitleiden müßten, die dort im fernen Afrika ihre Haut zu Markte tragen müssen, weil der Eigensinn und die Hab- und Herrschsucht einiger Wenigen die Hände ausstrecken nach fremdem Gut. Fast bis zur Vernichtung ist die kleine englische Armee, die g e s ch u l t e und gedrillte Truppe, von den Milizen der Boeren geschlagen worden. Der zähe Freiheitssiun der Boeren hat gezeigt, was eine kleine Schaar von Männern vermag, wenn sie sest entschlossen ist, lieber zu sterben, als das Joch der Knechtschaft auf ihren Nacken drücken zu lassen. — Endlich erheben auch hier die Arbeiter ihre Stimmen gegen die beabsichtigte Wiedernnterwerfung der Schwesterinsel. Von einem Ende Englands zum andern erschallen entrüstete Proteste gegen dir Henker Irlands; Manchester, Birmingham, Bradford, Glasgow, Norchampton, Newcastle und viele andere Industriestädte organisiren Entrüstungsmeetings: etwas spät, will es uns bedünken. Nordamerika. — Cincinnati, 7. Febr. Die sozialistische Arbeiter- Partei als Organisation in Amerika. Im Jahre 1876 wurde hier ein Versuch gemacht, die verschiedenen sozialistischen Vereine in eine Organisation zusammenzufassen. Es bestanden damals noch die Gruppen der Internationale, die Jllinoiser Arbeiter-Partei und der sozialpolitische Arbeiterverein in Cincinnati. Die Bereinigung kam, da alle Organisationen sie verlangten, zu Stande und gab sich den Namen „Arbeiterpartei von Nordamerika".. Diese Vereinigung aber war nur eine äußerliche, im Innern war fast gar nichts geschehen, und so ist es gekommen, daß sich die Organisation als solche jetzt auslösen muß. Unter den Sozialisten jener Zeit standen sich in Bezug aus Taktik und Organisation zwei Auffassungen gegenüber: die Einen, welche hauptsächlich in der Internationale vertreten waren und zu denen F. A. Sorge in Hoboken, der Vorkämpfer der Jnter- nationalen, zählte, waren gegen jede Wahlbewegung, die nicht direkt von ven Gewerkschaften ausging. Die Anderen, die sich mehr aus Anhängern des„Allgemeinen deutschen Arbeiler-Bereins" rekrntirten, waren für politische Aktion, mit oder ohne Gewerkschaften. Nun wurde allerdings auf dem Philadelphiaer Kongreß seitens der Internationale durchgesetzt, daß die Partei nur dann in den politischen Kamp� eintreten solle, wenn einigermaßen Ausficht auf Erfolg vorhanden sei, und auch dann zunächst aus kommunalem Gebiet; jeder Kandidat sollte zwei Jahre Mitglied der Partei gewesen kein. Letzteres war eine harte Nuß, wenn man die hiesigen Verhältnisse in Betracht zieht, denn wenn eine Partei sich nicht lächerlich machen will, so muß sie unbedingt Kandidaten ansstellen, die der Landessprache mächtig sind. Wo sind die Männer, die hier geboren oder auch 15—26 Jahre hier sind, die so viel Energie haben, einer Sektion, die ihnen keinen Vortheil bietet, zwei bis drei Jahre anzugehören? Solche Leute findet man mit wenigen Aus- nahmen nur in den Gewerkschaften. Da kam das Jahr 1877 mit den Pittsburger Ereignissen, welche die Arbeiterpartei geradezu elektrifirten; man ging in die Wahl, mißachtete die Statuten, da der Aufsichtsrath, der aus alten, erfahrenen Sozialisten bestand, die Disziplin nicht ausrecht erhalten konnte. Die Stimmen- abgäbe war eine sehr große. In einigen Staaten gelang-s, Mitglieder in die gesetzgebenden Körper zu wählen, dieselben machten indeß der Partei keine Ehre, ausgenommen unser Vertreter in Illinois, sowie die Mitglieder des Chicagoer Stadttathes. Diese Wahl-Ersolge wurden als maßgebend angenommen; aus dem 1878er Kongreß iu Rew-Dork wurde Cincinnati zum Sitz der Partei bestimmt, obwohl die Bewegung hier nur zwei Jahre alt war. 1877 hatten wir von 56,666 Stimmen 5666 aus unsere Kandidaten vereinigt, wäre es eine Gemeindewahl gewesen, so hätten wir vier Stadträthe durchgesetzt; zum Glück war es eine Staatswahl. Im Frühjahr 1878 erhielten wir nur 666 Stimmen in der Stadt, dann nur 366 und jetzt wählen wir gar nicht mehr. Dieses Berhältniß herrscht allenthalben und wenn auch in Chicago'und New-Dork noch gewählt wird, so ist doch ein großer Rückgang der Stimmen zu verzeichnen. Es hat sich eben herausgestellt, daß F. A. Sorge Recht hatte. Nur aus den Gewerkschaften kann sich eine politische Arbeiterpartei entwickeln; eine Agitation sür die Arbeiter als Klasse muß hierzulande gewerkschaftlich sein. Es ist ein Unterschied, ob die Bourgeoisie ausschließlich im Besitz aller Macht ist wie hier, oder ob, wie in Denffchland, sich Bourgeoisie und Krone balgen. Aus was für Elementen die Partei-Exekutive in Cincinnati bestand, kann man sich leicht vorstellen, wenn man bedenkt, daß die Bewegung, wie schon erwähnt, hier erst zwei Jahre alt war, und hinzufügt, daß die Mitglieder noch bis über die Ohren im Autoritäts-Humbug steckten: sie fiel Spießbürgern in die Hände, dazu kam noch, daß ein Parteisekretär in Funktion trat, gegen den vielfach Mißtrauen herrschte. Als ,im sJahre 1876 die ökonomischen Kämpfe begonnen hatten, wurde in der Exekutive eine Resolution eingereicht, daß derjenige, der für Abschaffung der Lohnarbeit eintrete, zur Organisation zuzuzählen sei, wenn er auch gegen Streiks und gegen die Achtstundenarbeit sei. Diese Resolution wurde zwar mit einer Majorität von zwei Stimmen ab- gelehnt und die durchgefallenen Spießbürger verließen unter Protest die Partei, letzthin aber haben sie sich wieder der alten Partei angeschlossen. Und nun beging auch noch der jüngste Kongreß von Alleghani, anstatt dem Geschehenen Rechnung zu tragen, den großen Fehler, um nicht mehr zu sagen, er verfertigte ein Preßgesetz, nach welchem die Parteizcitungen, wenn Jemandem von Oben Unrecht geschieht, es nicht eher berichten dürfen, als auf Befehl von Oben.(? D. Red.) Anstatt eines freien öffentlichen Meinungsaustausches über Fragen der Taktik wurde innerhalb der Bewegung eine Klique gestiftet, die aber noch rechtzeitig entdeckt wurde, leider ist es bei dem Entdecken geblieben. Hier- nach werden Sie die beifolgenden Flugblätter verstehen*) Meine Ansicht betreffs der Reorganisation ist diese: die Sozialisten bilden, wo es immer geht, Klubs, halten sich als solche von jeder Wahl ferne; Jeder aber, dem es seine Beschäftigung erlaubt, hat sich seiner Gewerkschaft anzuschließen. Die Führung der Gewerkschaften muß all- mälig in unsere Hände jallen, diese selbst sind zu zentralisiren und als Klasse Schritt sür Schritt von dem ökonomischen in den politischen Kamps zu führen. Mit Gruß! Carl Schumann. — St. Louis, 16. Febr. Die sozialistische Partei Nordamerikas befindet sich gegenwärtig in einem Klärungszustande, ähnlich wie gegen Ende der sechziger Jahre in Deutschland. Also um soviel wären wir noch zurück. Leider weroen auch die hier ankommenden Ausgewiesenen in den Streit der beiden Fraktionen hineingezogen und veranlaßt, Stellung zu nehmen, ehe sie die Verhältnisse recht erkannt haben. Es wäre sür die Ausgewiesenen nur empfehlensiverth, sich wenigstens eine Zeitlang neutral zu verhalten, denn die Erkenntniß der Sachlage kann ersahreneu, im Kampse erprobten Männern unmöglich lauge verborgen bleiben. Hoffen wir, daß dieser Läuterungsprozeß recht bald ein Ende uimutt, und daß er den Weizen vom Unkraut gründlich scheidet. Der hier in St. Louis vor einem halben Jahre gegründete sozialistische Arbeiterbildungs- und Agitationsverei» mit seinem Wochenblatt„Volks- stimmc" gibt sich alle Mühe, die dunkeln Küpje aufzuklären, die Gleich- gültigen äuszurütteln und den Arbeiter denken zu lehren und zwar mit gutem Erfolg. Ein deutscher Kampsgenosse, R ö h l i n g, srüher in Bremen thätig, macht unserm Verein alle Ehre. Allerdings werde» alle möglichen Versuche gemacht, unser Blatt zum zweiten Male zu ruiniren, aber es soll nicht gelingen. Urban Jugovic, korresp. Sekretär, Benton St. 1616, St. Louis Mo. — New-Pork, 12. Febr. Es mag sür die deutschen Genossen einiges Interesse haben, zu wissen, wo sich die einzelnen, nach Amerika ausgewanderten Ausgewiesenen aushalten. In der letzten Sitzung der in Rew-Aork weilenden Ausgewiesenen wurde solgenves festgestellt: In N e w- J) o r k und Brooklyn sind: Ockelmann, Kölle, Reimer, Berggreen. Hatlenberg, Wallher, Zchloltmann, Lange, Forschuer, Praast, Stange, Kürschner, Zink, Zimmermann, Schnoor, Ichröder, Säveke, Meier, Brammann, Lensch, Brückmann, Herrmann, Haas, Göben, Ger- *) Unser Genosse fügte diesem Bericht noch einige Ausschnitte und ein Flugblatt bei, deren Wiedergabe uns aber nicht zulässig erscheint, wie wir auch aus dem obigen Bericht alle persönlichen Angriffe fortgelassen haben. Da wir und die überwiegende Mehrzahl unserer Leser die ameri- konischen Verhältnisse nicht aus eigener Anschauung kennen, so wird man von uns ein Unheil über die Aufrichtigkeit der einzelnen Personen nicht erwarten dürfen. Sachlichen Erörterungen über die schwebenden Streit- fragen steht unser Blatt, soweit es sein leider sehr beschränkter Raum gestattet, gern zur Versügmig. Die Redaktion. Hardt, Wölki, Baumann, Greifenberg, Ichweppendiek, Rühe, Ramm Wabnitz, Bäthke: in Newark: Schreiber, Kraft; in Chicago Hacker, Wille, Guhl, Glismann; in S t. L o u i s: Stöhr, Kloth, Rathjen Broda; in Cincinnati: Schiele; in Philadelphia: Timm Maaß; in P i t t s b u r g: Jochumsen; in Syrakus: Dohne; Detroit: Keitel, Könneke. _ I. A.: H. Walt h e r. «ich Zü Sprechsaal. «. S< — London. Den auswärtigen Genossen zur Nachricht, daß uns«: Vereinslokal vom 26. März an nach 49 lottondam Street. Tottenhao Court Road verlegt wird. Die korrespondirenden Parteigenossen ersuchet wir besonders daraus zu achten. Der Kom. Arbeit er- Bildungs-Verein lPerozf Street 3) G. Lemke, Sekretär. kra» C »ach t C. Weber. Am 8. März, Morgens 4 Uhr, starb plötzlich an einem Schlagfluffi ein echter Republikaner, Brgr. C. Weber in Außersihl. Der Ver«' storbene, Schweizer von Geburt, hat die deutsche Sozialdemokratie, seb dieselbe durch das schmachvolle Ausnahmegesetz rechtlos erklärt worde« ist, in jeder ihm möglichen Weise unterstützt und verliert dieselbe in ihn einen zuverlässigen Freund. Ehre seinem Andenken!»ars kein ber Cent Briefkasten d e r R e d a k t i o n. Au uusere leser! Kesondereu Itiffuullruuzes wea« s-hru wir uns se-öthizt, du, gauie Kl-tt Petit sehen zu laffeu. Am demielben Grunde können wir verschiedene Einsendungen erst in nächster, die Fondsquittungen erst in übernächster Nummer bringen. d e r E x p e d i t i o n:>V. Rbg.: Bs. v. 24. 2. am 2. 3. mit 16 b» antw.— Stieber aus Reisen: Mk. 1.46 s. Schft. erh. Richtig?— Soz. A. V. St. Louis: 126.56 Ufds. erh. Avis pr. Pk. gesandt.— Gg Paris: Fr. 3.15 Ab. 1. Ou. u. Schft. erh. Alles nachgel. Nr. 1 vergv — Rothkehlcken: Adr. D. abgeändert. Neue vorgem. 16 mehr ab Mär folgen.— G. b. St. Mk. 1.56 Ab. bis Ende März erh.— W. D S— d— t: Mk.—.66 s. Colerado erh.— S. Ei. Par.: Fr. 6.— Ab. 1 n. 2. Qu. erh.— A. A.: Bf. erh. Adr. D. vorgemerkt, weitere erwar tend, Abrechnung erwünscht.— Peter Blitz: Flug fort. Mit alle« Weiteren müssen sie sich an„geeignete Stelle" wenden. Dorther komm der Wind. Allseits für X neue Adr. nolhwendig.— A. Lauf. Chicago Fr. 267,26 ä Cto. Ab. 4. u. 1. Ou. u. Schft.' erh.— F. Jonscher- Fr. 163.66 ä Cto. Ab. 4. u. 1. Qu. u. Ichsl. erh.— Strauß N.-SW MehrbestellleS folgt. Gewünschte Bilder nicht aufzutteiben.- A. K. Sev.- Fr. 1.— dem Wahlfond dankend zugewiesen.— Redhat: Ergänzung z« 7 folgt. Alles Weitere pr. Bf. v. 7.3. Mk. 1.— Flgbl. gutgebr. Sdg- solgt von anderswo her.— H. M. f: Mk. 56.— in Gegenrechnun§ pr. 1. Qu. u. Bs. v. 5.3. erh. 2 gestrichen. Neue baldigst erwartet, St. V. abges. Beil. besorgt. Ab 1. Mär; 55 berechnet. Pr. 4. Qu restiren nur 86, nicht 84.— Condor: Bestellg. folgt in 2 Port. Bs war fehlerhast adressirt. Direkte Zahlung angenehmer, weil rascher- Zwischenhand übrigens gut. Ausstehendes kommt noch.— Rolhhahu- Bf. v. 3. erh. u. am 7. beantw.— Dtsch. soz. Luzern: Fr.—.46 deu Ufds. zugewiesen.— Kothnelke in London:„Und in den Koth mit euch ihr Memmen und Kröten" rief ein gewisser Spiegelberg, der sei« schönsten Wunden am Rücken zeigte.„Det is det Scheenste, Berlin wU meenste?!"— Rothschwanz: Mk.—.66 s. Schft. erh. Ersatzlfrg. und Neubestellg. fort. Bei uns ist erschienen und kann durch uns und die Volksbuchhandlmil bezogen werden: Zweite Auflage. Stieber's Verdruß. Geheimschrifk zur Sicherung des Vriefverkehrs in und mit Teutschland und anderen Ländern, in dene« die Reaktion ihr Wesen treibt. Zweite vermehrte Auflage. Mit großer, zum Aufziehen eingerichteter Chifferntasel. Preis: 26 Ps.= 25 Cts. Die Expedition des„Soz.. Dem." Abonnements-Einladung. „per Sozicldemokrat," Zentral-Organ der deutschen Gozialdemotratte gibt unserer Partei und ihren Forderungen die nothwendige Vertretung in dtl Presse, welche ihr ein Ausnahme-. Gesetz" in Deutschland selbst unmöglich macht.&■ sammelt die Parteigenossen allerorts und hält sie in ununterbrochener geistiger vefl bindung untereinander und mit der sozialistischen Bewegung aller Länder. Er unter' richtet sie von den Schandthaten unserer Gegner und macht sie auf deren Anschlag' rechtzeitig aufmerksam. Er festigt und klärt die Genossen prinzipiell und hält sie übe« die polittsche Lage und die von der Partei derselben und den einzelnen Porkommnissek gegenüber einzunehmende Stellung auf dem Laufenden. Er dient als Sprechsaal zu1 Debattirung wichtiger Partcifragen, behandelt die inneren Parteiangelegenheiten unk veröffentlicht die Mittheilungen der Parteivertretung wie aller sonstiger Parteiorgan»' sationen. Er klärt die Unterdrückten und Ausgebeuteten alle über ihre Lage und den Wet der Rettung auf, stößt ihnen tiefsten Haß gegen ihre Unterdrücker und Ausbeuter ei» und feuert sie zur Beseitigung der heutigen ungerechten Staats- und GescllschaftS' .Ordnung' und zu deren Ersetzung durch eine die Freiheit und Gleichheit Aller sichernd» Ordnung der Dinge an. Mit Einem Wort.' de �.Sozialdemokrat' ist di' Di gebro deren Gesic wen« die r hast« D dem grllendr Allarmtrompete im gewaltigen Ringtamps der alte« Welt der Beoorrechtung mit der neuen Welt dedSoeialismu»! eristdie hochflatternde Heerfahne, durchdie Finsternis de> heutigen maßlosenUnterdrückungvoranwehindzur nahenMon g en r ö t h e, die dem arbeitenden Volke Erlösung aus den Fessel« politischer und ökonomischer Knechtschaft bringt! Ter„Sozialdemokrat" wurde vom letzten Partettougretz einftimmtt zum einzigen»sfiziellen crgan der sozialiftischen iUrbriterpartei TeutfiS landS erklärt.iMWWWW>WM>WW» ES ist deshalb Pflicht wie Znieresse jedes P a r t ei g en o s s« nj. 'e sür dieVerbrritung des.Sozialdemokrat' auf's eifrigst.�..—---............ zu wirke». Da der.Sozialdemokrat- tn Deutschland bekanntlich auf Grünt des AuSnahmegejehes verboten ist, so muh die Verbreitung selbstverständli« mit gröhter Vorsicht gejchchen; letztere angewandt, ist die Sache übrigens durchaiii nngesährlich und leicht ausführbar. Das blosie iUbonnemen» ohne Wcilcrver breit u»g ist gesetzlich erlaubt. j Der voran szahldare Abonnementsprns des.Sozialdcm.- betragt viertelzl- für Deutschland und Oesterreich 3 Mar! U st- TO kr), wofür das Bla« wöchentlich als V e r s ch l o s s e n e r B r i e s versandt wird; sür die S ch w r i z 2 Fr„ sür alle übrigen Länder des Weltpostvereins 2. Fr. 50 Cts, iunter Band», Diese' Preis kann indessen, namentlich in Deutschland, bedeuten« ermäßigt werden, wenn sich die Genossen eines Ortes zui» Bezug im Großen vereinigen. Wenn unverdächtige Empsangs- adrcssen gewählt werden und damit steis gewechselt wird, wenn serner die geheim' Vertheilung an die abonnirten Genossen vorsichtig geschieht: dann ist die Gesah' der Entdeckung beim Gesammtbezug weit geringer wie de« den Br ie ßsen du n gen, Bis zu 16 Exemplaren können in Doppelbrief übermittelt Werdens bei größeren Be> sttllunge» ist die Zusendung in Packet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplare« an ist der Preis per Quartal aus M, 1. 80. franko ins Haus seftgesetzt, und ist d«> Beirag monatlich mit 60 Pf, im Woraus einzusenden, Sämmtliche Sendungen werde« gut verpackt, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland aufgegeben, Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen; größere Beiträge in Papier- geld mittelst eingeschriebenem Brief oder Post-Einzahlung, Da nicht unbedeutende Kosten durch ungenügendes Franliren entstehen, so mache« wir daraus aufmerksam, daß einfache Briese lbis 15 Gramm» nach dcr Schweiz 20 Pfg., resp. 10 Kreuzer ö. W. kosten, bei schwereren Briese» je 15 Gramen weiter- 20 Pjg,> rcjp, 10 Kreuzer. Man wende fich bei Einzelbestellungen an den Verlag von A- Herter, Jndustriehalle- RieSbach. Zürich, bei gemrinsamem Abonnement und um Ausschlüsse an die de' kannten Agenten m Deutschland, oder an die Unterzeichneten durch VermiNlun« in der Schweiz oder sonst in: Ausland lebender Freunde. Vorausbezahlung des«bonnementspreis«» bei»«ginn de» Ouartale» a« unsere Vertrauensmänner UN» Kilialeverwalter ist uncrlähltch! Parteigenossen! Sammelt Euch um Eure Fahne und benutzt dle Euch gegebeil« Waffe mit Eis» und Geschick! seid rührig und thut Eure Pflicht! Redaktion und»xpepition»es..Sozialdemokrat". und W der j dyna denn stolz halte Redo VktM derlo A Wen ansti woll. wir dem jorgs Wn! ®ebi gessei fort Schwei». VereinSbuchPruckerei Hottingnt-�ihrich. edler Schc schaff � 3 beaa die s jurü Wag steht fingt sie d