am« igo Erscheint tbien imm wöchentlich einmal e r. unso ihan uchei Zürich �Schweiz) Verlag A. Serter. Zndustriehall« Riesbach-Zürich Ll-Sse-dullgen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto.. Der SojinUimoKrat Jentral-Hrgan der deutfijcn Sozialdemokratie Abonnements werden nur beim Verlag und desien bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« VierteljahrSpreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mk. 3.— für Deutlestland lEouvert) st. 1. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder dtT Weltpostvereins(Kreuzband). Zuserite Die dreigespaltene Petitzeile 25 Et».-- 20 Pfg. fluff Ver-' sei, zrde» R? 12. Sonntag, 20. März. 1881. Ali, an die Lorrespolldealeii und Abonnenten de»„ioitalbemokrnt". •öt»_ Da b«.Eoiialdkmolrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist. bejw.»ersolgt wird, und die dortigen ib» �'bdrdeu sich alle Miihr geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briese von dort an uns ?> ZeitungS- und sonstigen Eendungen nach dorl abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverlehr nothwendig und »xrs liiar VorfichtSmaßregcl versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Smpfänger, sowie den Inhalt »er Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterfordernitz ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp, dessen Verlag selbst adrcsfiren, sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtige Adresse autzerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zllftellungsadresjcn mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behufs größerer Sicherheit Rckommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch kosten scheuen, um trotz aller ent» gegenstehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern, vegkl ÄUi hst-r. 0 bv Soz. G» iergp Marl z. D lb. l rwar llei! omnr cago scher i-d-- Jev.l -ig i' Zdg lnunz On . m lscher Hahn i bert euch seiiu I wlO . und blun) Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! ene» Der Kaiser von— China. Mein Vater war ein trockner Taps, Ein niichtcrner Duckmäuser; Ich aber trinke meinen schnaps Und bin ein großer Kaiser. Das ist ein Zaubertrank! Ich hab's Entdeckt in meinem Gemstthe: Sobald ich getrunken meinen Schnaps, Steht China ganz in Blllthe. Allüberall ist Ueberfluß, Und es gesunde» die Kranken; Mein Hosweltweiser Konfusius Bekömmt die klarsten Gedanken. Der Pumpernickel des Soldats Wird Mandelkuchen— O Freude! Und alle Lumpen meines Staats Spazieren in Sammt und Seide. Die Mandariuenritterschast, Die invaliden Köpfe, Gewinnen wieder Jugendkraft Und schütteln ihre Zöpfe. Die große Pagode, Symbol und Hort Des Glaubens, ist fertig geworden; Die letzten Juden taufen sich dort Und kriegen den Drachen-Ordeu. Es schwiitdet der Geist der Revolution Und es rufen die edelsten Mantschu: „Wir wollen keine Konstitution, Wir wollen den Stock, den Kantschul" Wohl haben die Schüler Aeskulap's Das Trinken mir widerrathen, Ich aber trinke meinen Schnaps Zum Besten memer Staaten. Und noch einen Schnaps und noch einen Schnaps Das schmeckt wie lauter Manna! Mein Volk ist glücklich, hat's auch den Raps, Und jubelt: Hosianna! H. Heine. Zum 22 März. Die in der vorigen Nummer des„Sozialdemokrat" bereits ■"« gebrandmarkte Schweifwedelei der„Züricher FreilagSzeitung", bei :«cv deren Lektüre jedem Republikaner die Rothe der Scham ins lchläg Gesicht steigen sollte, ist ein deutliches Zeichen dafür, auf wie inifin Widerstand in gewissen Kreisen der Versuch stoßen würde, al il-f die republikanische Schwei; der Segnungen der Monarchie theil- rgaai' haftig werden zu lassen. Derartigen Tendenzen entgegenzuwirken, ist Pflicht eines Jeden, hast* dem es um das Wohl des Volkes, um seine wohlerworbenen und treu bewahrten Rechte ernst ist. Wir erfüllen diese Pflicht sicherlich am besten, wenn wir » et der gedanken- und gewissenlosen Verherrlichung der Hohcnzollern- 'leit dhnastie gegenüber die Frage auswerfen, ob das deutsche, Volk «m« wirklich Grund habe, auf seinen Kaiser Wilhelm gar so rts» stolz zu sein. Ob es glücklich ist unter dem„wachenden und er- s,n,. haltenden Arme" des Heldengreises, da« mag der begellterte ärui!» Redakteur der„Freitagszeilung" die von Woche zu Woche sich ndü» vermehrende Zahl der deutschen Auswanderer fragen. Vielleicht nt* verlassen sie ihre Heimath nur abwechslungshalber. Am 22. März feiert Wilhelm!. seinen 85. Geburtstag. Blatt Wenn die seivile deutsche Presse an diesem Tage Jubelhymnen tfö anstimmt, so mag sie das mit ihren Lesern abmachen, wir aber wollen die Ehre der republikanischen Presse dadurch retten, daß wir gerade anläßlich dieses Tqges einige T h a t s a ch e n aus dem Leben Wilhelm l. anführen, die von den servilen Biographen 6t| sorgfältig verschwiegen werden, deren Kenntniß aber zur richtigen i Br Werlhschätzung dieses Mustermonarchen unerläßlich sind. DaS ta"fi Gcdächlniß des Volkes ist leider so kurz, daß Vieles der Ver» gessenheit anheimfällt, was bei Beurtheilung Wilhelm l. fort und ,pi-r< fort in treuem Geoächtniß bewahrt werden sollte. aches Wilhelm I. wird von aller Welt als ein leuchtendes Beispiel Pfg" kdler Gesinnung, ritterlicher Tugend und sittlicher Kraft verehrt- Schon in frühester Jugend, heißt es, machten sich diese Eigen- If schaften bei dem jungen Prinzen bemerkbar. Zeugniß dafür legt nachstehende Anfangs der zwanziger Jahre » begangene Heldenthat ab. Eine Berliner Predigertochters halte tin' die Anträge des minnebedürstigen Jünglings mit Entrüstung Zurückgewiesen. Da fährt derselbe eines TageS im leichten offenen Wagen, selbst die stolzen Pferde lenkend, die Linden entlang, steht das Mädchen auf dem Bürgersteigc ihm entgegenkommen— flugs läßt er die Peitsche durch den Koth schleifen und schlägt sie dann— wie ritterlich!— der Jungfrau lachend inS Gesicht. Die Berliner Bürger knirschten, sie hatten für echte Ritterlich- keit keinen Sinn, die edlen Herren aber lachten ob des gelungenen Spaßes.— Folgt dann die berühmte Szene auf dem bürgerlichen MaS» kenball im Hofjäger- Etablissement am Thiergarten in Berlin. Drei Söhne Friedrich Wilhelm III., Fritz, Wilhelm und Karl, erschienen ungeladen auf diesem Ball, schickten die aufsichtführenden Gensdarmen fort und verübten darauf so schamlose Unflälhig- keilen, daß sich endlich auch das Selbstgefühl des so unterthänigen deutschen Philisters zu regen begann und die edlen Herren der näheren Bekanntschaft mit den kräftige» Fäusten einfacher Hand- werker nur durch das Einschreiten eines hohen Beamten ent- gingen. Ein preußischer Offizier, Friedrich von Sallet, sang darüber in edlem Zorne: „Was in schnöden Unzucht-Gruben Kaum getraut ein Wüstling sich— Allerhöchste Lotterbuben Wagten solche« öffentlich! Kann für Sitt' und Frauenehre Ein zerschlagenes Schädelein— Wenn es noch so vornehm wäre— Ein zu hoher Preis wohl sein?" Fritz hatte aus triftigem Grunde kein allzugroßeS Gefallen an so un— schuldigen Affären, desto mehr aber leisteten Wilhelm und Karl in dieser Beziehung, Die persönliche Liebenswürdigkeit des Prinzen Wilhelm zeigte sich aber erst in ihrer vollsten Entwickclung, als derselbe in daS reifere Mannesalter eintrat. Einen schönen Zug, der leider auch nicht in die Biographien übergegangen ist, erzählt in dieser Bc- ziehung der Freund Göthe's, Larn Hagen v. Ense, in seinen Denkwürdigkeiten. Es war im Jahre 1841, als auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin ein fremder Kaufmann an dem Prinzen Wilhelm vorüber- ging, ohne ihn zu grüßen. Pa stürzte der Prinz auf ihn los, packte ihn, würgte ihn am Halse, stieß ihn mit der Faust ins Gesicht, und nur mit Mühe gelang es einem der hei beieilenden Polizisten, den Unglücklichen vor weiteren— Liebkosungen zu schützen. Ein schönes Vorrecht höherstehender Personen ist die Pflege und Förderung der Kunst. Wilhelm I. macht in dieser Bezie- hung keine Ausnahme, und war es namentlich die darstellende Kunst, für die er stets lebhaftes Interesse zeigte. Sehr schmerzvoll soll ihn zum Beispiel der frühzeitige Tod der schönen Ida Pellet berührt haben. Die näheren Umstände, unter denen sich das tragische Schicksal dieser hochtalenlirten Künstlerin vollzog, sind wenig bekannt. Ida Pellet, Mitglied des königl. Schauspiel- Hauses zu Berlin, war mit dem Polizeiassessor von Paunewitz verlobt, ließ sich aber von Herrn von Hülsen—. die Verdienste dieses, durch allerhöchste Protektion zum Generalintendanten der königlichen Schauspiele avancirten Gardelrcutenants um die Kunst sind weltbekannt— verleiten, einer hohen Persönlichkeit in einem nur den„feinsten" Herrschafren zur Verfügung stehenden appart gelegenen Salon bei Ewest ein Rendezvous zu geben, Ewcst ist eine Delikatessenhandlung in der Behrenstraße, unweit der hinteren Front des königlichen Schlosses. Es ist nie bekannt gewordkki, durch wen Herr von Pannewitz Nachricht von der Sache erhielt; genug, er erfuhr von dem Zusammentreffen. Verzweifelt drang er vom Hof aus in den Salon ein, stürzte auf den vornehmen Verführer los und schlug ihn ins Gesicht— dann aber trat er plötzlich bestürzt zurück, wäh- rend der Andere mit den wüthenden Worten:„Das werde ich ihm gedenken, Pannewitz!" sich schnell entfernte.— Ida Pellet reiste unmittelbar„ach diesem Vorfall nach Dresden, wo sie plötzlich an Gift starb. Offiziös wurde verbreitet, sie fei an den Pocken gestorben und deshalb so schnell beerdigt worden. Herrn von Pannewitz' Leiche fand man mit zer» schmettertem Schädel in Prag! König Wilhelm, der gerade an einem durch einen unglücklichen Fall verursachten blauen Auge litt,— acht Tage lang war er für keinen Minister zu sprechen,— wurde durch die Nachricht von dem Tode deS Brautpaars, wie gesagt, aufs schmerzlichste berührt. Seit jener Zeit aber widmete er seine hohe Protektion ausschließlich der Choreographie, vulgo Ballet. Und hunderte von Balleteusen können für die eheliche Treue des hohen Herrn den Beweis der Wahrheit antreten. Besonders erhebend für Wilhelm I. müssen seine Erinnerungen aus dem Jahre 1848 fein. „Als vor dem Schloß", erzählt Varnhagen,„durch die her- vorstürmenden Soldaten die ersten Gefangenen in den Schloß- Hof gebracht wurden, meist armselige Leute, Krüppel, die nicht schnell genug hatten fliehen können, schwächliche Alte und unreife Jungen, die darauf in die Schloßkeller gebracht und arg behan-� delt wurden, da trat der Prinz von Preußen(Wilhelm) hervor und redete die Soldaten heftig an:„Grenadiere! Warum habt ihr die Hunde nicht auf der Stelle nieder- gemacht?" Der Major X stand dabei und hörte eS, auch der General, Fürst X,"(Varnhagen von Ense, Tagebücher. Leipzig, Brockhaus, Bd. III. s. 298.) „In der Nacht vom 18. auf den 19. März trat ein an- gesehener Mann hervor und bat den König flehentlich, er möchte doch Befehl geben, daß der furchtbare Kampf aufhöre, daß die Truppen das Feuer einstellten. Der König lag auf den Arm gestützt und schwieg. Da trat der Prinz von Preußen heran und rief:„Nein, das soll nicht geschehen, nimmermehr! Eher soll Kerlin mit allen seinen Einwohnern in«runde gehen! Wir müssen die Ausrührer mit Kartätschen zusammen- schießen," Der König blieb auf den Arm gestützt und schwieg. (Aus sehr zuverlässiger Quelle)." lctsm, Bd. 3. S. 319.) Kaum aber hatte sich gezeigt, daß die Bewegung so tief im Volk wurzelte, daß die Truppen auf die Dauer die Erhebung nicht niederzuhalten vermochten, da schneidet sich der Prinz, um sich der Liebe des Volkes zu entuchen, den Schnurrbarl ab und läßt sich bei Nacht und Nebel v dem Fuhrwerksbesttzer Fried- länder nach Spandau fahren, wo er sich von Bredow nennt und von wo er von verkleideten Offizieren in einem Segel- boot nach der Pfaueninsel bei Potsdam geschafft wird. Dort hält er sich drei Tage lang bei dem Hofgärtner Fintelmann versteckt, um dann„in diplomatischer Mission" via Hamburg nach London zu reisen. Beim Pferdewechsel in Perleberg wird der Koffer mit den Buchstaben P. v. P. sichtbar, ein Bürger glaubt einen guten Witz zu machen und sagt, ohne eine Ahnung von der Sache zu haben,„das heißt ja Prinz von Preußen" — flugs springt unser Held aus dem Wagen und läuft, was ihn die Beine tragen, bis zum nächsten Dorf, Quitzow, gibt sich dort dem Pfarrer zu erkennen und wird von demselben zu Wagen über die mecklenburgische Grenze geschafft. Die diplomatische Mission in London ist den Lesern deS „Sozialdem." bekannt. Der heimlich nach London transportirte preußische Staatsschatz wurde auf den Namen der Hohenzollern bei der Bank von England deponirt. Die preußische Staatskasse hat nie wieder etwas von diesen Millionen zu sehen bekommen. Ich liebe das Zurückzahlen nicht, sagt Sir John Fallstaff, es ist doppelte Arbeit. „Komme doch, komme doch, Prinz von Preußen, Komme doch, komme doch nach Berlin! Woll'n auch Steine nach dir schmeißen Und die MUtze nicht abziehn." So sangen in jenen Tagen die lustigen Berliner! Bekannt ist, wie der Kartätschenprinz 1849 in Baden gehaust hat, wie den gefangenen Aufständischen die KapitulationS- bedingungen gebrochen, wie Dortu, Trützschler und hunderte der besten Männer ermordet wurden!——— „Die Welt soll wissen, daß Preußen unter meiner Regierung überall da« Recht zu schützen bereit ist." Mit diesem stolzen Wort übernahm Wilhelm die Regierung. Dem meineidigen Kurfürsten von Hessen, der Verfassung»- .widrig regierte, wurde durch einen einfachen Feldjäger ein Schreiben zugefertigt und ihm zu Gcmüthe geführt, daß eS Ehrenpflicht eines deutschen Fürsten sei, die beschworene Ver- ffafsung treu zu halten; dem Dänenkönig wurde der Krieg er- klärt, weil er die Schleswig.Holsteinische Verfassung gebrochen hatte! Als aber der Versucher an ihn herantrat, als, wie es in der Bibel heißt:„Satan ihn aus einen hohen Berg führte und zeigete ihm viele Reiche im schönen Deutschland und sprach zu ihm: Das Alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest"— da vergaß Wilhelm sein stolzes Wort, fiel auf die Knicc und betete an! Es geht nichts über einen festen Charakter! Schon Wilhelm III. meinte, wenn er über seine Söhne sprach: Fritz, der spätere Friedrich Wilhelm IV., habe Geist aber keinen Charakter, Karl habe Charakter aber keinen Geist und Wilhelm habe weder Geist noch Charakter. Auf seine, Wilhelms, Veranlassung ließ der-deutsche Adel dem verjagten König von Neapel einen silbernen Ehrenschild über- reichen, um seine Sympathie für die Legitimität, seinen Abscheu vor dem„Kronenräuber" Viktor Emanuel zu bezeugen! Dem König von Hannover aber hat man keinen Ehrenschild geschenkt, und das Wort„Kronenräuber" darf in Deutschland nicht mehr ausgesprochen werden!— „Treue gegen Treue!"— lautet der Wahlspruch König Wilhelms. Er ist Soldat und nur Soldat. Deshalb gilt ihm der Fahneneid als das höchste und heiligste auf Erden! Die gefangenen österreichischen Soldaten aber hat er 1866 zum Bruch des Fahneneides verführen lassen, hat sie unter den Bcfeh l des Hochverräthers Klapka gestellt, um ihrem legitimen Herrscher im Wege der gewaltsamen Revolution den Stoß ins Herz zu geben! Ich führe keinen Krieg gegen das französische Volk, sagte König Wilhelm 1870 in seiner Proklamation, als er in Frank- reich einrückte, und trotzdem Napoleon bei Sedan gefangen ge- nommen worden war, trotzdem die französische Nationalregierung sich zu jeder Kriegsentschädigung bereit erklärte, setzte er den Krieg fort— gegen das französische Volk— Ich werde der kirchlichen Heuchelei nach Kräften entgegen- wirken, sagte König Wilhelm bei seinem Regierungsankitt— heut ist er der Hort der protestantischen Orthodoxen, der schlimmsten unter allen Jesuiten. Aber er weiß auch, warum! Wehe, wenn das Volk, dem Allerhöchsten Beispiel folgend, den Eidschwur nur dazu gut hält, im pasienden Momente gebrochen zu werden. Und die Gefahr lag und liegt in Deutschland sehr nahe. Darum muß vor Allem dem Volk die Religion erhalten werden. Und Wilhelm I. läßt keine Gelegenheit vorübergehen, selbst inbrünstig zu Gott dem Allmächtigen zu flehen. Es ist indeß nicht ganz unmöglich, daß es dem am Rande des Grabes stehenden Manne ernst ist. Sonderbar aber muß sich sein Gebet aus jeden Fall aus- nehmen. Wie betete doch gleich Franz Moor? „Höre mich beten, Gott im Himmel!——— Ich bin kein gemeiner Mörder gewesen, mein Herrgott— ich bin kein elender Dieb gewesen, mein Herrgott! Ich habe mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben, mein Herrgott!" Es ist übrigens lediglich Privatsache, wie sich Kaiser Wilhelm mit seinem Herrgott abfindet, wie aber das Volk eines Tages über ihn urthcilcn wird, das ist doch eine ganz andere Frage. Wilhelm I. hat, ob selbstständig, ob durch Bismarck verführt, ist gleichgültig, die Aera der Kriege auss neue in Europa ein- geführt. Er ttägt die Hauptschuld an dem rapiden Anwachsen der Militärlasten, nicht blos des deutschen Volkes, sondern aller europäischen Völker, er hat nicht nur den Wohlstand seines Volkes, sondern den aller europäischen Völker untergraben, seine Schuld ist es, daß die Existenz der freien Schweiz bedroht ist, wie es seine Schuld ist, daß die Kriegsfurie in jedem Augen- blick über Europa herzufallen droht! Und wenn heute seinem Volke der Mund geknebelt ist, so halten wir, die Söhne der freien Schweiz, es doppelt für unsere Pflicht, den vor jenem Mann kriechenden Schweiswedlern mit aller Energie entgegenzutreten, der systematisch betriebenen Verherrlichung des Hohenzollcrnhauses die geschichtliche Wahrheit entgegenzu- halten. Der edle Johann Jacoby rief einst Friedrich Wilhelm IV. zu: „Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen!" Heute aber muß es heißen: Und das ist das Unglück der Völker, daß sie sich nicht einmal getrauen, den Königen die Wahrheit zu sagen. A. H. Das Ende Alexander des Zweiten. Also bis in den März hinein war seine Herrlichkeit zu schauen; Doch— auch in Rußland kommt der Lenz, und auch der Newa Blöcke thauen! Ihr aber wollt verschlungen sein!— Freiligrath, Der Eispalast. Stüssi: Sieh, wie er bleich wird.— Jetzt, jetzt Kitt der Tod Ihm an das Herz— die Augen sind ge- brachen. A r m g a r d: Seht Kinder, wie ein Wilthcrich verscheidet! Schiller, Wilhelm Tell. Gottes Wille ist geschchen— mit diesem Satze leitet der russische „Regierungsbote" die Nachricht von dem Ableben Alexander II. ein. Wir sind Ungläubige, wir vermögen es nicht, uns bis zu solcher Höhe des gottergebenen Fatalismus emporzuschwingen, wohl aber empfinden wir beim Lesen der obigen Worte ein Gefühl innerer Genugthuung. Feuilleton. Das Hohenzollernideal. Das Borbild, welches jedem Mitgliede des Hohenzollernstammes vor- schwebt, in dessen Verehrung es erzogen wird und dessen Prinzipien es getreulich nachlebt, ist bekanntlich Friedrich II., der sogenannte Große. Wenn man den deutschen Geschichtschreibern glauben dürfte, war dieser „gekrönte Philosoph" der größte und beste aller Menschen, dessen Vor- bild und Beispiel allein hinreichen muß, jeden Hobenzoller zur Volks- beglückung besonders geeignet zu machen. Wir wollen diesen übertriebenen Lobhudeleien, diesem servilen Schweis- wedeln nicht Worte der Enttüstung entgegensetzen, sondern die Erzählung nackter Thatsachen,— ohne böswillige Verdrehung, aber auch ohne Be schönigung. Aus diesen Thatsachen möge Jeder selbst den Schluß ziehen, wie es mit der Moral des Urahn s und Vorbildes Wilhelms, des Mannes der Zucht und frommen Sitte, bestellt war. Hören wir zuerst einige Thatsachen aus dem Privatleben des„großen Königs". Friedrich wurde bekanntlich von seinem Vater erbärmlich behandelt, und als er in Folge dessen einen Fluchtversuch machte, auf die Festung Kiistrin gebracht und dort gleich einem gemeinen Verbrecher behandelt. Nur der Nachsicht seines Kerkermeisters, der menschlicher war als sein Vater, hatte er es zu verdanken, daß er sich von Zeit zu Zeit nach einem Schlosse in der Nachbarschaft, dem Wohnfitz der sehr liebenswürdigen Familie eines armen Landedelmanncs, Namens Wrcchs, stehlen konnte, welche alles aufbot, ihn zu erheitern. Der Baron, obgleich in den miß- lichsten Berhätlnisscn lebend und mit einer zahlreichen Familie gesegnet, ging so weit, durch die äußersten Einschränkungen Geldsumme» bis zur Höhe von 6000 Rcichsthalern auszubringen, um damit den gefangenen, aller Mittel entblößten Prinzen zu unterstützen. Und was that dieser, als er König geworden war? Er verstieß die ihm unbequem gewordene Familie nicht nur in Ungnade, sondern zahlte ihr auch nicht einmal einen Pfennig von dem G e l d e z u r U ck, das sie sich, um ihm seine Lage zu erleichtern, vom Munde abgedarbt hatte! Er verschanzte sich hinter dem famosen preu- ßischen Gesetze, welches alle Schulde», die von Prinzen von Geblüt kontrahirt werden, für null und nichtig erklärt. Seine Vertheidigcr nennen das die Grundlage der„gesunden preußischen Finanzpolitik". Auch sonst zeigte Friedrich, daß seine maßlose Eitelkeit jedes Gefühl der Dankbarkeit in ihm erstickte. Die Schlacht bei M 0 1( ivi tz, die Erste, welche Friedrich mitmachte, und aus der er, sie verloren gebend, entfloh, wurde nur durch des Marschalls S ch m e r i» Geschick ge- Wonnen. Dieß war Ursache genug, dem General besonders feindselig Gottes Wille!— Wenn es Gottes Wille war, daß der„Selbstbeherrscher aller Reußen" gewaltsam vom Leben zum Tode befördert werde, nun so muß dieser Gott sicher einen bestimmten Zweck dabei im Auge gehabt haben. Mögen die, welche jenen Satz niedergeschrieben haben, sich aus der Alternative, ob ihr Gott ein Strafgericht halten, oder ein warnendes Exempel statniren wollte, selbst herausfinden. Gottes Wille!— Nun, wenn das der Fall, so sollte man die Werk- zeuge, deren Gott sich bedient hat, preisen und feiern, anstatt sie zu ver- folgen, sie zu mißhandeln, sie hinzurichten. Wir sind Ungläubige, wir sehen nicht Gottes-, sondern nur Menschen- Hand in dem„Attentat" vom 13. März. Aber dieses„Attentat" heißt für uns nicht die Ermordung, sondern die Hinrichtung Alexander II. Der Tod des russischen Tyrannen ist für uns zugleich Strafgericht mid warnendes Exemp el. Strafgericht? Jawohl. Alexander II., von seinen Schmeichlern der Befreier genannt, in Wahrheit aber der Unterdrücker, ist längst zum Tode verurtheilt worden. Mag die gesammte europäische Reaktion heuch- lerisch darüber zetern, noch nie war ein TodeSurlheil so gerechtfertigt als dieses. In freventlichem Uebermuth hat Alexander II. sich vermessen, nicht nur über den Leib, sondern auch Uber den Geist von Millionen und Abermillionen Menschen bestimmen zu wollen. Keines der ihm zur Verfügung stehenden ungeheuerlichen Machtmittel hat er unbenutzt gelassen, um den in seinem Volke vorwärtsstrebenden Geist gewaltsam zu unterdrücken. An Leib und Seele gebrochen, schmachtet heute im entlegenen Osten Sibiriens der edle Denker Tschernischewsky, im Jahre 1864 zu zehnjähriger Zwangsarbeit verurtheilt wegen anfrllh- rerischer Propaganda, begangen in seiyen Schriften, d. h. in Veröffent- lichungen, welche die Zensur bereits pasfirt hatten und in einem ihm fälschlich untergeschobenen Entwurf einer Proklamation. Die zehn Jahre sind vorüber, aber der„milde" Czar gab den bleichen Mann mit der hohen Stirn nicht frei, sondern ließ ihn immer weiter nach Osten trans- porttren, in Ortschaften, deren Bewohner die russische Sprache nicht ver- stehen, deren Klima dem Europäer fichern Tod bereitet. Und heute ist Tschernischewsky für die Wissenschast bereits todt, mag er vielleicht noch einige Jahre fortvegetiren. Und das Schicksal TschernischewSky's zeigt an einem Beispiel, was die Regierung Alexander II. an Tausenden und Abertausenden verübt. Mit den drakonischsten Skafen belegt man die friedliche Propaganda der Ideen; man umgab die studirende Jugend mit Spionen, die„gefährlichen" Elemente mit Agents Provokateurs. Wenn die Verbreitung einer ver- botenen Schrift schwerer bestraft wird, als der infamste Betrug im bür- gerlichen Leben, ist es da nicht ganz natürlich, daß sich der Gehetzten und Verfolgten eine bittere Verzweiflung bemächtigt, daß sie sich zunächst an den Verräthern in ihrer nächsten Umgebung, allmälig aber direkt an deren Auf- traggebern zu rächen suchen.*) Und mit ausgesuchtem Rasfinemcnt trieb Alexander IL die vorgeschrittenen Elemente Rußlands zu immer ver- zweifelteren Maßnahmen, um die geistige Knechtung desto rücksichtsloser ausüben zu können, bis es schließlich dahin gekommen ist, daß man einen Menschen, den neunzehnjährigen R o s o w s k i, auf den bloßen Verdacht der Verbreitung eines Flugblattes hin aufhängte. Unzählige Male wurde Alexander gewarnt, er hörte nicht, immer drakonischer wurden seine Maßregeln, immer zynischer trat er die Menschenrechte in den Kolh— bis das Maß voll war. Das Urtheil ist längst gefällt— am 13. März ist es nach. mehreren mißglückten Versuchen endlich vollstreckt worden. Wir haben keinen Grund, mit unserer Stimmung hinter dem Berge zu halten. Leidenschaftliche Gegner der Todesstrafe, haben wir die Kunde von der Hinrichtung Alexander II. mit innerster Besrie- digung vernommen. Denn für Fürsten, die sich von„Gottes Gnaden" nennen, die sich außerhalb der bürgerlichen Gesetze stellen, deren Regierung außer jeder Verantwortung sich befindet, in deren Staate» schon die Forderung nach Preß- und Versammlungsfreiheit als Verbrechen bestraft wird, gibt e» keine andere Skafe als die Todesstrafe. Ihr stellt Euch höher als die übrige Menschheit, nun so müßt Ihr es Euch gefallen lassen, mit anderm Maß gemessen, mit andern Mitteln bekämpft zu werden. Alexander II. Tod ist aber nicht nur ein Skafgericht, sondern auch ein warnendes Exempel. Drakonischere Maßregeln gegen eine auf- *) Es ist vielleicht nicht unpassend, bei dieser Gelegenheit die Prokla- mation wieder abzudrucken, welche nach der Hinrichtung Mcsenzows am 16. August 1878 in Petersburg heimlich angeschlagen wurde. Sie lautete: „W ir verabscheuen jeden Mord, aber wenn wir jedes gesetzlichen Mittels beraubt sind, uns des Un- rechts zu erwehren und einen Verbrecher zur Strafe zu ziehen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als Selbsthülse zu üben und Rächer und Richter in einer Person zu sein. „Der Bluthund Mesenzow, den heute sein Schicksal erreichte, hat Hunderte von Unschuldigen in den Tod und ins Elend gejagt und nach gemeinem Recht hundertfach den Tod verdient. Kurz, das Todesurtheil, welches über ihn gefällt und an ihm vollstreckt wurde, war ein gerechtes, wenn es auch unregelmäßig vollstreckt worden ist."(Folgt die Aufzählung der Verbrechen Mesenzow'«). entgegenzukommen, um ihn schließlich in der Schlacht bei Prag dem gewissen Verderben entgegenzusenden, wo er im Handgemenge fiel. Bettachten wir nun den„großen König" als Staatsmann. In Allem und Jedem, was er thut, spricht sich der preußische Kasernengeist aus, den seine Nachkomme» so herrlich sortgepflanzt haben. Friedrich ist ein„Freund der Wissenschaften". Er ladet Philosophen an seinen Hof und gründet eine Akademie der Wissenschaften".. Aber die Philosophen werden fortgejagt, sobald sie ihn nicht bewundern, und die Akademie gehorcht ebensogut unter seinem Kommando wie das bestdis- ziplinirte Soldateurcgiment. Friedrich ist ein Freund der Industrie und sucht sie aus jede mögliche Weise zu fördern, d. h. er kommandiri, Fabriken anzulegen. So kom mandirt er z. B. die Einführung der-Seidenzucht in Preußen; aber die Natur ist kein preußischer Grenadier, und selbst Friedrichs„Genie" kann sie nicht zwingen, in Sandfeldern Maulbeerbäume wachsen zu lassen. Friedrich versucht sich auch schon im Kalernensozialismus, der jetzt wieder aufgefrischt und als neue Waare seilgeboten wird. Die Monopole er scheinen ihm als ein sehr probates Mittel, seine Lasche» auf Kosten des Volkes zu füllen. Er findet es aber bequemer, die Monopole zu verkaufe», als sie selbst auszuüebn. So erhält das Haus Daum und Splikberg das ausschließliche Recht, Zucker zu rasfiniren, unter der Bedingung, daß es ihm um sehr billigen Preis Flinten und Mützen liefert: einen andern Zweck verfolgt auch die„moderne" Idee des Tabak- und Zuckermonopoles nicht. Ebenso preußisch kasernenmäßig strainm, wie in Wissenschaft und Zu- dustrie, wird auch in der Justiz verfahren. Die Richter haben so zu richten, wie es der König wünscht. Dieß gilt nicht blos für volirischc, sondern, auch für Privatprozesje. Ein Müller strengte einen Prozeß gegen seinen Gutsnachbar an und verliert den Prozeß. Stracks läuft er zum König und beklagt sich bei demselben: natürlich hat der Müller Recht. Sogleich läßt Friedrich seinen Kanzler und die drei Richter rufen, welche die Rechtssache cnt- schieden halten. Er empfängt sie leidenschaftlich, gestattet ihnen kein Wort der Berlheidigung, nennt sie ungerechte Richter und Bösewichter und schreibt mit eigener Hand ein Nrtheil zu Gunsten des Müllers— ohne den Gegner gehört zu haben— laittcnd auf Ersatz der Kosten und eine Entschädigungssuinmc, größer, als sie der Müller selbst verlangt hatte. Der Kanzler wird auf der Stelle unter de» schimpflichsten Ausdrücken entlassen, obgleich die Sache gar nicht in de» Bereich seiner Jurisdiktton gekommen war, die drei Richter aber wirst seine Majestät eigenhändig oder vielmehr eigen füßig vermittelst Tritten a» ihre Schienbeine— eine seiner beliebtesten Me- thoden, seine-Unzufriedenheit auszudrücken,— zum Zimmer hin- aus und schickt sie auf die Festung nach Spandau. Natürlich wagte keiner der getreuen Unterthanen mich nur das leiseste Murren über diese Justiz. Ein französischer Journalist aber, Linguet, strebende Partei, als der russische Czar in Anwendung gebracht, sind wob kaum denkbar, und das Resultat? Der Belagerungszustand ist über ganz Rußland verhängt, ein Hee von Spionen, wie es kein zweites Land auch nur annähernd aufzuweisei hat, ist unausgesetzt in Thätigkeit, Verschwörungen nachzuspüren,— unl in seiner eigenen Hauptstadt, von der Parade kommend, umgeben voi Polizisten, erreicht den mächtigsten Potentaten der Erde sein wohlver diente« Schicksal. Schergen und Schranzen mögen an seinem Grabe jammern, das bt trogene und absichtlich in Unwissenheit gehaltene Volk mag seinen Tol beklagen, Tausende und Abertausende dagegen, denen er den Bater, der Bruder, den Sohn, den Gatten, den Freund— denen er die Tochtv die Schwester, die Braut hingemordet, werden aufjubeln, und ihnen stimml freudig zu, was in der ganzen zivilisirten Welt noch ein Herz Hai für Freiheit und Gerechtigkeit. Ihr aber, die Ihr Euch die Mächtigen dieser Erde nennt, die Ihr vermeint im Stande zu sein, den Gang der weltgeschichtlichen Entwicke- lung durch Gewallmaßregeln und Verfolgungen aufhalten zu können— Disoite rnuniti! Lernet, Ihr seid gemahnt! Leo. Zu den Wahlen. vn. Bei den nächsten Wahlen wird es sich in erster Linie um wirthschaft' liche Fragen handeln, und zwar speziell um die sogenannte Wirthschaft»- Politik des Fürsten Bismarck und Alles, was dxum und dran hängt.! Nachdem das Bismarck'sche Regime anderthalb Jahrzehnt lang von der auswärttgen Politik, von den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 und von den Attentaten gelebt hat, ist es in Folge des Scheitern! der neuesten Kriegsprojekte in Folge der verheerenden Industrie- uns Wirthschaftskrise auf das wirthschaftliche Gebiet gedrängt werden. Die Politik, in welcher Bismarck bisher nur Machtfragen kannte, Hai sich mit einemmale für ihn zu einer Magenfrage zugespitzt. Er begreift, daß er sich nicht am Staatsruder behaupten-kann, wenn die kolossale» Opfer, die er zur Durchführung seines Systems dem Volke aufzulegeo gezwungen ist, nicht durch gewisse materielle Vortheile kompensirt werden, welche das Volk mit diesem System aussöhnen. Eine widerspruchsvoll! Ausgabe, wie man auf den ersten Blick sieht: mit der einen Hank nehmen, mit der andern geben. Es erinnert an da« bekannte Schauspiel, dem man in den Gärte» von Irrenanstalten zu begegnen pflegt: ein Theil der Insassen gräbt mil riesigem Eifer ein Loch, das der andere mit ebenso riesigem Eifer zuzu- werfen bemüht ist. Ter Unterschied ist blos der, daß Bismarck in seiner einen Person das Lochgraben und das Lochzuwerfen besorgt. Und noch ein anderer Unterschied. Die Insassen jener Anstalten grabe» genau so viel aus, als sie zuschütten. Bismarck dagegen gräbt doppell und dreimal so viel aus, als er zuschüttet. Darauf beruht sogar das ganze Geheimniß seiner„Wirthschaft«- resorm". Er braucht Geld für die Soldaten, immer mehr Geld! Gut: das Volk muß besteuert werden. Damit es aber nicht unzufrieden wird und murrt, soll es besteuert werden, ohne daß es dieses merkt. Da bieten sich denn von selbst die Zölle und indirekten Steuern dar. Dieselben haben außer der guten Eigenschaft, daß sie nicht unmiltelbal empfunden werden und sich leicht der Konkole entziehen, auch noch die: den Herren Großgrundbesitzern und Großindustriellen sehr augenehm z» sein, da sie ihnen die Staatslasten größtentheils abnehmen und auf Koste» des Volkes die Einnahmen vermehren. Um das Volk vollends zu täuschen, erläßt man ihm für jede Marl, die man ihm an indirekten Steuern auferlegt, etwa L0 oder 36 Pfennige an direkten Steuern und sagt ihm: Sieh', wie gut ma» es mit Dir meint. Also mit Scheffeln genommen, mil L ö f f e l n wiedergegeben � das ist Bismarck'sche WirthschaftSpolitik. Ist es möglich, daß ein so plumpes Taschenspielerkunststückchen dei» Volk der Denker vorgespielt wird? Es ist nicht blos möglich— es ist Thatsache, und in den letzte« Finanzdebatten des preußischen Abgeordnetenhause« und deutschen Reich»' tags hell beleuchtet und auch offen eingestanden worden. Daß Fürst Bismarck an den Erfolg solcher Taschenspielerei glaubt erklärt sich freilich blos aus seiner fabelhaften Unwissenheit in national' ökonomischen Dingen. Aus mehreren seiner Aeußerungen geht deutlick hervor, daß er indirekte Steuern gar nicht für Steuer» hält. Bei Zöllen ist es seiner Ansicht nach der I m p o r t e u r, der de» Aufschlag zahlt, bei inländischem Fabrikat ist es der Fabrikant uiü Kaufmann. Gelegentlich der Kornzölle hat er dies wiederholt ai» das Positivste versichert. Gegenüber so phänomenaler Ignoranz hör> natürlich Alles auf. Kan wenig Sac zusami Tnr »ahme ren er die Lei gegenü lichen ihn thi werbe» DieM msse n Den durch Inn, Sch: dem F Kredit die Ko Teutsä fongess Diejeni de« Kl lung nicht zi Wuche: V fahrunl solm o so nati Geier j sorm f Wer UP fit Und n findet, Die Nich So schon! hinaus Herst wese Seil redet r an der Gen er sich Nur des v für jel tiberw, daß d> lleberc produl Wer daß hj und dl Naii Den wenig« Witt Klei einand wollen Gxperi Wir Eharlc von 4l lich zu Ein sich in auch t �rgar dlätter und d machte den Thatbestand bekannt, aus dem hervorging, daß auf der Seiü des Müller? keine Spur von Recht sei. Seiner Majestät Unfehlbarkeit hatte sich wieder einmal unsterblich A blamirt. Was thun? Offen erklären, daß man sich geirrt hat? Z», der Größe, einen gemachten Fehler einzugestehen, konnte sich des„große»' Friedrich kleinliche Eitelkeit nilht erheben. Die Sache mußte vertusch! werden, er mußte»afür sorgen, daß Niemand mehr von ihr sprecht- Dem Gegner des Müllers kommt daher unter der Hand die Weisung z»- sich dem königlichen Richterspruchc nicht zu sügeu, der Müller aber erhä» die zügesprochene Entschädigungssumme aus dem Staatssäckel— Alle» natürlich mit der größten Heimlichkeit: nach acht Tagen ist die Zach« glücklich vergessen und Friedrich wieder ein großer Mann. Da? ist Hohenzollerniustiz. Uttd zum Schlüsse noch ein Streistichl auf Friedrich II. Finanzwirth', schaft. Wie alle Könige und namentlich alle kriegführenden König? brauchte er Geld— viel Geld. Nicht immer aber war die genügend! Menge im richtigen Augenblicke auszutteiben. Was thut in solchen Fälle» unser„großer Philosoph"? Er fälscht Geld! So befahl er auch einst seinem Sekretär Galscr, fünfzehn Millione« Dukaten mit einem Drittel schlechten Metall« versetzt insgeheim schlage» zu lassen. Diese Summe wurde sodann dem Inden Ephraim, desse» sich Friedrich II. gern bei solchen Gelegenheiten bediente, mit dem Aus- trage übergeben, sie iu Polen in Umlaut zu setzen. Die Polen enl- deckten jedoch bald, daß man sie betrogen habe und suchten den Verlujl ihren Nachbarn, den Russen zuzuschieben. Aber auch die Russen merkte» den Bcttug und klagten so laut, daß die Kaiserin sich ins Mittel schlug- die Sache untersuchen ließ und entdeckte, woher das Geld stamme. Sit ließ nun das schlechte Geld in ihre Schatzkammer liefern und wechselte et gegen gute Münze. Tann aber drang sie in Friedrich, die falschen Du« katen zu ihrem Nominalwerthe anzunehmen. Friedrich war wieder ein- mal in fataler Situation: sollte er sich als'den Fälscher bekennen? Ei» König thut so etwas, gesteht es aber nicht: er läßt seinen Agenten Galset zu sich rufen und setzt ihm ruhig auseinander, daß er sich für„seinen' König opfern und sich als den Urheber des Betrüge« hinstellen müsse. Gossel protestirt dagegen, Friedrich wird wild, versetzt ihm nach seiner Gewöhn- heit einige Tritte an's Schienbein und schickt ihn aus die Festung SpandaL- Die„königliche Ehre" war wieder einmal gerettet. Die Festung also war die ultima ratio, der letzte Grund des Hohen- zollern Friedrich, wie es der Belagerungszustand der de? Hohenzoller» Wilhelm ist. Ist dieser auch sonst ein gelehriger Schüler seine! Ahn« und Borbildes, der, wie der englische Historiker Brougham sitl ausdrückt, sein Reich durch Betriebsamkeit, Betrug und Gewaltthal vo» den Nachbarstaaten„zusammengescharrt" hat? Das mögen unsere deutscheu Genossen selbst entscheiden. Gec Wiuev Persö: S«ioss" seine beui f er M« Gegne seine Ii Aus klärte wurde wenre Bei Pulve nich, in zw Da Ab« liehen stemac einen viel Z nicht, Uni von< Frani Ab dem Prinz wriat Und> ihn d Nu was Er bildet wein, > woi Hek weisa - itn! I DO! chlver i« bd i Tot , du achtel timwt Hai e Jhl -wicke« in— eo. ichast' haftS- Zt. N dtt 70f7i itertil - un» e, hol greif!, ,sialei> rlege» erden, svoll! Hand )är!eit >t mi! Zu;»' Zerso« graben oppell riede« e s es r dar. relbar h die! hm zu Kostet Marl, ier!56 mal en-H a deil letzte» teich»' Kann ein Mann, der die einschneidendsten Fragen und Verhältnisse so wenig kennt, an der Spitze des Staates belassen werden? Sache der Wahlflugblätter ist es, die nöthigen Ziffern und Beweise zusammenzustellen und die Frage klar und.scharf zu stellen. Durch seine sogenannte„Wirthschaftsreform" hat Bismarck mit Aus- nähme einiger Großindustrieller und Großgrundbesitzer, zu welchen letzte- reu er selbst gehört, dem gesummten Volke schweren Schaden zugefügt, die Lebensmittel vertheuert und unsere Erwerbsfähigkeit dem Auslände gegenüber wesentlich vermindert. Der„Rückgang" aus allen wirthschaft- lichen Gebieten ist so augenfällig, daß Bismarck, obgleich er ihn leugnet, ihn thatsächlich zugesteht, indem er Maßregeln zur Hebung de« Kleinge- werbe« und zur Besserung der Lage der arbeitenden Klassen vorschlägt. Die Maßregeln, die er vorschlägt, sind seiner nationalökonomischen Kennt- nisse würdig. Dem Kleingewerbe soll durch zwei Mittel aufgeholfen werden: einmal durch Schutz gegen den Wucher, zweitens durch Organisation von Innungen. Schutz gegen Wucher! Warum leidet überhaupt das Kleingewerbe unter dem Fluche des Wuchers? Die Antwort ist sehr einfach: weil es keinen Kredit hat. Und warum hat es keinen Kredit? Weil das Kleingewerbe die Koukurrenz mit der Großproduktion nicht aushalten kann und in Teutschland seinem Untergänge entgegengeht, wie es in dem wirthschaftlich fortgeschrittenen England bereits seit Langem zu Grunde gegangen ist. Diejenigen, welche in dem Wucher die Ursache des Darniederliegen« des Kleingewerbes erblicken, machen sich einer lächerlichen Verwechs- lung von Ursache und Wirkung schuldig. Das Kleingewerbe geht nicht zu Grunde, weil es dem Wucher verfallen ist, sondern es ist dem Wucher verfallen, weil es zu Grunde geht. Wir sympathisiren gewiß nicht mit den Wucherern, aber die Er- sahrung hat leider bewiesen, daß Strafgesetze dem Wucher gegenüber ab- solm ohnmächtig sind, ja die Neigung haben, ihn zu verschärfen; und so natürlich es ist, daß, wo ein verendendes Thier liegt, die Raben und Geier sich sammeln, so natürlich ist es, daß, wo eine verendende Erwerbs- form sich findet, die Wucherer sich sammeln. Wer in geregelten Vermögensumständen lebt und sich wirthschaftlicher uP finanzieller Prosperität erfreut, schwebt nicht in Gefahr vor Wucherern. Und wer in ungeregelten Vermögens- und Erwerbsverhältnissen sich be findet, kann durch kein Strafgesetz vor Wuchern bewahrt werden. Die BiSmarck'sche Wuchergesetzgcbung ist also die reinste Pfuscherei. Nicht besser steht es um das Jnnungsprojekt. So weit der jetzt dem Bundesrath(vielleicht wenn dies gedruckt wird, schon dem Reichstag) vorliegende Gesetzentwurf nicht auf leere Spielerei hinausläuft, bezweckt er— in verschämter Weise— die Wieder- » r st e l l u n g des mittelalterlichen Zunft- und Gilden'- Wesens. Selbstverständlich will man die« nicht gelten lassen, selbstverständlich redet man von grundsätzlichen Verschiedenheiten, indcß, das ändert nichts an der Sache. Genug,„wie er"— der Herr Reichskanzler—„sich wendet und wie er sich dreht, der Zopf, der hängt ihm hinten"— nämlich der Zunftzopf. Nun hat aber die Statistik, hat der jüngste Zensus, haben die Ende de« vorigen Jahres erschienenen Berichte der deutschen Fabrikinspektoren für jeden Menschen, der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hären, mit überwältigender Massigkeit des Beweismaterial« den Beweis geliefert, daß das Kleingewerbe in Deutschland in den letzten Zügen liegt, daß der Uebergang der mittelalterlichen Kleinproduktton in die moderne Groß- Produktion sich mit rapider und zunehmender Geschwindigkeit vollzieht. Wer von den ökonomischen Entwicklungsgesetzen einen Begriff hat, weiß, daß hier ein Prozeß vor sich geht, der nicht ausgehalten werden kann, und dessen Verhinderung obendrein, wenn sie möglich wäre, als eine »ationale Kalamität betrachtet werden müßte. Denn Erhalntug deL Kleingewerbes, das heißt nicht mehr und.«cht weniger, als Vernichtung der Großproduktion, Rückkehr in die Wittel alterlich beschränkte Arbeitsorganisation, Kleinproduktion und Zunstproduktton können auf die Dauer nicht nesen ttnander bestehen; und den Sieg der Großproduktion verhindert zu wollen, ist ein utopisches Bemühen, das nach einigen gemeinschädlühen Gpperimeiiten zu einem jämmerlichen Fiasko führen muß. Wir hatten erst geschrieben:„lächerliches Fiasko— alleiu'der Gharlatanismus, welchen eine unverantwortliche Diktatur einem Volke von 45 Millionen als rettende Staatsweisheit aufzwingt, hört auf, lächer. "ch zu sein, er ist ein Verbreche n. Aus Frankreich. ssanbt. ionab eutlilt uer» Paris,»>. Mär�. er de» Eine gute Nachricht für die Partei ist die, daß der„Citopen", welcher t mit sich sehr gefährdeter Lage befand, nicht blas sichergestellt ist, sondern lt auf auch der Partei erhalten bleibt, die in ihm ein vollkommen unabhängtzes ; hört Drgan befitzt. Die Sozialdemokratie hat damit in Paris drei Tages- blätter, die ihre Interessen vertreten, die„Justice", den„Jntransigcaat" -- und den„Citoyen". Arjlt Gegen den„Jntranfigeant" herrscht allerdings noch immer viel Miß- Hauen. Es ist merkwürdig, daß gerade die bei der Masse populärste ich Persönlichkeit, daß Rochefort es ist, dem seitens tüchtiger Partei ? Sji Genossen das wenigste Vertrauen entgegengebracht wird. Es findet das toßen seine Erklärung in der Natur und Geschichte des Mannes. In einem u s*■ dem französischen Wesen besonders zusagenden Genre der Journalistik ist prechi-......--■ et Meister und hat große Erfolge darin aufzuweisen. Als Publizist seinen cryäi: Gegnern persönlich zu Leib gehend, hat er durch seine Kampsesweise Aütt �'ue Person in den Vordergrund gestellt und ihr ein außerodentliche« ZaK Prestige verschafft. Auf der andern Seite fehlen ihm solide Kenntnisse und bestimmte, ae- klärte Parteigrundsätze und fehlt ihm, was ihm zweimal verhängnisvoll zwirths wurde, die Ruhe des Ueberblicks und der Aktion in entscheidenden Mo- Königt �«3 Beim Begräbniß Victor Noir's, wo Napoleons Thron auf einem ' Pulverfasie stand, wurde Rochefort ohnmächiig und 1871 benahm er sich Uione» uicht nur nicht als braver, unerschrockener Parteimann, sondern ließ sich chlage» tu positiver Verläugnung des Prinzips und feigen Appellationen an die dessc» Gnade seiner Feinde fortreißen. i Auf Da« ist ihm ja neulich von Gambetta unter die Nase gerieben worden. B a�cr das Volk hat Rochefort verziehen, was es keinem andern ver- imckte» �dn hätte. Es meint, Niemand kann für sein Naturell verantwortlich schlug- �Hnacht werden, und wegen einer momentanen Schwäche dürfe man �jt«wen Mann nicht über Bord werfen, welcher der Sache des Volkes so elte e* diel Dienste geleistet habe und noch leisten könne. n Du'! Es gibt indeß trotzdem gar Manchen und die Schlechtesten sind es er eiw Nicht, die Rochefort mit Mißtrauen betrachten. ßt r-r �nö ier sozialistischen Theorie versteht tzollerr und von Klassentampf und Klassengegensätzen keine Idee hat,' so halte ich iriiH'hn doch für unfähig, der Sache des Volkes den Rücken zu kehren. nl il. Rur muß man ihn nehmen, wie er ist— nichts von ihm erwarten, in vi was er nicht leisten kann. Gr und sein„Jntranfigeant", den er in loyaler Weise den durchgc dildeteren Parteigenossen zur Verfügung gestellt hat, werden uns also, vteiner festen Ueberzeugung nach, nicht im Sttche lassen.— Die Verschmelzung der sozialistischen Gruppen geht zwar langsam vor sich, aber sie geht vor sich. Im Namen Maro- t e a u' s, des von den Versaillern auf die trockene Guillotine geschickten Journalisten der Kommune, haben sich die meisten der Kommunarden und Kommunardenfreunde vereinigt, die bisher durch allerlei Differenzen, die meist mit Prinzipien gar nichts zu thun haben, von einander ge- trennt waren. Und auch sonst vollzieht sich die gegenseitige Annäherung mehr und mehr. Die tollen Orgien der Phrase, in denen sich eine Anzahl Sozialisten, zum Gaudium der Gegner, Monate lang erging, haben seil den klärenden Ereignissen der letzten Kommunalwahlen ganz ausgehört.— Daß A p t ö, der Mann der Kriegsgerichte von 1871 und der Freund G a l l i f e t s bloß zu 6 Jahren Gefängniß verurtheilt worden ist, ist ein Skandal, welcher bxweist, wie korrupt unsere Gerichte sind. Daß er aber überhaupt verurtheilt werden mußte, wegen so gräulicher Verbrechen wider die Sittlichkeit, das ist ein schwerer Schlag für die Ordnung«- Partei. Beiläufig hat sich vorgestern vor acht Tagen der Herzog von E l ch i n g e n, ein Schwiegersohn des Marschalls Ney, ebenfalls Freund Gallisets, erschossen, weil er auf dem Punkte stand, wegen Unzucht vor Gericht gezogen zu werden. Das ist die Moral der Ordnungsmänner und der herrschenden Klassen! Lelim. ozialpolittscbe Rundschau. Schwei;. — Am 13. März feierte der Internationale Arbeiter-Verein Zürich im Hottinger Kasino den Gedenktag der März-Ereignisse der Jahre 1848 und 1871. Die Festrede hielt Genosse Motteler aus Leipzig, der in zün- dender, mit stürmischem Beifall aufgenommener Darstellung nachwies, wie der wesentliche Untergrund aller revolutionären Erhebungen der Rus nach Brod gewesen sei. Deklamatorische Vorträge, Chor- und Massen- gesang, sowie Darstellungen der Turnsektion des Deutschen Arbeitervereins füllten den übrigen Theil der außerordentlich gut besuchten Feier aus. Die Züricher wohlgesinnte Presse kann natürlich nicht umhin, unsere Märzfeier in der ihr üblichen Weise zu glossiren, wir sehen aber keinen Grund, uns mit ihren verbrauchten Ergüsseu zu befassen, nur in dem Bericht der„Neuen Zürcher Zeitung" finden wir eine Stelle, die zu genial ist, um den Lesern des„Sozialdem." vorenthalten zu werden. Es heißt da: „Nach der Festrede trat noch ein Fräulein aus und deklamirte ein höchst widerliches Gedicht, in welchem eine Nätherin sich in langweiligen Tiradeu und Wiederholungen über ihre Arbeit ausdrückt, welche die ärgste Sklaverei in sich schließe und Höllenqualen erzeuge, in deren über- triebener Schilderung sie selbst einen Dante zu überbieten suchte." Also ein höchst widerliches Gedicht!— Wie schade, daß dieses wider- liche Gedicht seinerzeit so großes Aussehen machte, daß sein Verfasser sich auf den Grabstein schreiben ließ„Er dichtete das Lied vom Hemde". Denn dieses, von dem„höchst widerlichen" Dichter Ferd. Freiligrath ins Deutsche übertragene ergreifende Gedicht ist es, welches den Wider- willen de« geistvollen Reporters erregte. Wie kann man auch Verse dichten, wie den folgenden: Mit Fingern mager und müd, In schlechten Hadern saß ein Weib, Nähend fürs liebe Brod. Sttch! Stich! Sttch! Aufsah sie wirr und fremde; In Hunger und Armuth flehentlich— O, schwang �S.�aut ziptpcu Reichen ficht— Sang sie dies„Lied vom Hemde". Höchst widerlich in der That! Deutschland. —"Das Petersburger Attentat gibt der gesammten kontinentalen Presse aller zur reaktionären Masse gehörigen Parteien willkommene Veranlassung, sich üi ihrer ganzen Jämmerlichkeit bloßzustellen. Hündische Kriecherei einerseits, feige Verläugnung der bisher verfochtenen Prinzipien anderer- seit«, das ist das Bild, welches aus der gesammten nichtproletarischen Literatur entgegenlcuchtet. Wir gestchen e« offen, wir hätten uns nicht träumen lassen, daß es schon soweit mit dem Versall der heutigen Gesellschaft gekommen wäre. Welche« Blatt wir auch in die Hand nehmen mögen, wir stoßen nur auf Worte des Abscheu'«, des Entsetzens, der Entrüstung, der tiefsten Betrübniß,— alles natürlich nur erheuchelt, denn wer von dem Zeitungsgeschwister kümmert sich im Ernst um die Person des russischen Zaren. Ja, einzelne Blätter können sogar ihre stille Freude nur unschwer hinter den Ausrufen„teuflische Pläne, ruch- lose Bosheit 2c." verbergen, andere benuven die Gelegenheit, um ihre unbequemen Gegner zu denunziren.*) Nirgends aber, selbst nicht auf der äußersten Linken der bürgerlichen Demotratte finden wir das Wort, welches für den gewalssamen Tod Alexanders des Zweiten allein zutreffend ist: Nemesis. Nemesis für die hingeschlachteten Polen, Nemesis für die in Sibirien dem sicheren Elende überlieferten Freiheitskämpfer, Nemesis für die um ihrer Ueberzeugung willen Erhängten, Nemesis für die der czarischen Eroberungssucht zum Opfer gesallenen Soldaten von hüben und drüben, Nemesis vor Allem für den U. September 1877. Erinnert Ihr Euch nicht mehr, Ihr weichherzigen Gemüther, des sa- mosen Sturme« auf Plewiia zu Ehren des kaiserlichen Na- m e n« t a g e s, wo der„milde" Alexander II. auf einer zu diesem Zweck extra errichteten Tribüne mit einem Opernglase das so menschliche Schauspiel betrachtete, wie sich Russen, Rumänen und Türken seiner Eitelkeit zu Liebe gegenseittg abschi�chtceu? Wie die russische» Soldaten beim dritten Anlauf mit Revolvern in de» ,�ampf getrieben wurden? Habt Ihr, gefühlvolle Seelen, die Berichte über die Schreckensnacht, die jenem gewissenlos iascenirten„Schauspiele" folgte, bereits wieder vergessen? Lest sie nach, die Berichte der„Taly News" in denen der russeiifreundliche Korrespondent dieses Blattes erzählt, wie schrecklich ihm, dem an die Kriegsgreuel längst gewöhnten Mamie, das Stöhnen der Zehntausendc von Verwundeten, die in der heißen Sommernacht elend verschmachteten, in die Ohren drang. Zehntausende kamen um zur Feier de« czarischen Namenstages,— wa« ist em- porend, was ist scheußlich, was ist teuftisch? Antwort, Ihr Thränen- drüsen! — Also hat die Eskorte auch nichts genützt, soll Kaiser Wilhelm gesagt haben, als er von dem gelungenen Attentate horte. Das ist allerding« das schrecklichste dabei, daß auch die Eskorte nichts mehr nützt.„Nicht Roß nicht Reisige, sichern die steile Höh, wo Fürsten stehn",— man sollte diesen Vers als hochverräthetisch verbieten! — Die„Genialität" unser« Reichskanzlers scheint namentlich in einem Ueberstuß an Phantasie zu bestehen. Diese spielt ihm manchmal eigen- thümliche Streiche. In der Reichstagssitzung vom 4. März erklärte er ganz emphattsch, er habe in seinem Ministerhotel„nur ein einziges An- kleidezimmer unten. Oben habe ich fünf Zimmer; darauf beschränkt sich mein ganzer Privatan theil". Nun wird in einer Pe- tition des Berliner Magistrats allerunterthänigst konstatirt, daß die Privatwohnung des Reichskanzlers in Berlin nicht weniger als zwei- unddreißig Zimmer umsaßt. *) Nach dem Wiener Pfaffenblatt„Baterland" hätte die„AIIiaueE Israelis Universelle" den Tod auf dem Gewissen. Auch gut. Zweiunddreißig in fünf Zimmer zu verwandeln, dazu gehört eine Phantasie, deren Genialität selbst durch die größten Mengen„Wasser" nicht zu erklären ist. Bei einem gewöhnlichen Menschen würde man das eine unverschämte Lüge nennen, bei Bismarck nennt man's„irrige Auf- fassung". So drücken sich die Fortschrittler aus,. die Bismarck der un- ehrenhaftesten Gebahrungen geziehen hat, und die ihrer Wuth und Ent- rüstung in einer— devoten Petition Ausdruck gegeben haben. Eine Opposition, welche so kastrirt ist, wie die fortschrittliche, daß sie einem frechen Schurken nichts entgegenzusetzen weiß, als ein berichtigendes Gewinsel, verdient nichts besseres als die Fußtritte, die sie von ihm erhält. — Herr Bitter, der preußische Finanzminister, will auch in Steuer- refapm machen, und zwar fordert er von den Provinzialbehorden Gut- achten ein über eine von ihm beabsichtigte Reform der Einkommensteuer. Er will nämlich das sogenannte sundirte Einkommen(Renten tc.) höher besteuern und die obligatorische Selbsteinschätzung einführen. Sehr schon gedacht, der gute Mann dürfte aber nicht nur bei den Liberalen, sondern auch bei den Herren Konservattven auf argen Widerstand stoßen. Uns kann's ziemlich gleich sein, da die Mehreinnahmen doch nur für den Schlund des bekannten Moloch bestimmt sind. — Die Auswanderung nimmt immer höhere Dimensionen an. Im Monat Februar(einem für die Ueberfahrt sehr ungünstigen Monat) sind allein über Hamburg 5571 Personen ausgewandert. Bisher hatte das Jahr 1872 für den Monat Februar die höchste Zahl aufzuweisen, sie betrug 2265— also nicht einmal die Hälfte der Ziffer des letztver- flossenen Monates. Kurzsichtige Anhänger des bestehenden Systems freuen sich darüber, daß auf diese Weise die unzufriedenen Elemente aus dem Lande kommen. Die Thoren! Die Auswandernden, das sind die letzten Reste des besitzenden Mittel stände«, dieses so hochgepriesenen Dammes gegen revolutio* näre Sturmfluthen. Was zurückbleibt, sind die Reichen, denen es wohl- geht, und ein riesiges Heer von Proletariern, die zu arm sind, um auszuwand ern. Die Auswanderung verschärft die Gegensätze, statt sie zu mildern, sie räumt die letzten Stützen der bestehenden„Ord- nung" hinweg— auch sie ist ein Faktor der revolutionären Entwicklung unserer Zeit. — In Ostpreußen, im Kreise Osterode herrscht der Hunger- t y p h u s. Au« Oberschlesien werden von allen Seiten, nament- lich aus Z a b r z e und Benthe n Lohnherabsetzungen und Arbeiterent- lassungen gemeldet. In Glauchau endlich veröffentlicht der Obermeister der Weberinnung, H.Franz, eine Erklärung, in der er sagt, niemals, selbst im Jahre 1848 nicht, sei das Elend unter der Weberbevölkerung so groß gewesen wie jetzt, und die mit den Worten schließt:„Von September bis Weih- nachten— Pause— Arbeitsstillstand—; dann zwei Monate bei gedrückten Löhnen Arbeit und jetzt wieder unab- s e h b a r e Pause"— unabsehbare Pause— eine unabsehbare Periode von Hunger, Elend, Verzweistung: graut Euch nicht selbst, Ihr Herr- schenden, vor diesen entsetzlichen Konsequenzen Euerer Herrschaft, und bangt Euch nicht vor dem Grimm und der Wuth, die sich in den Herzen der Mißhandelten ansammeln? — Herr Adolph Wagner hat sich veranlaßt gesühll, in einer Versammlung des„sozialen Arbeitervereins" den Herren Körner und Finu in ihrer Verherrlichung des Bismarckischen Arbeiter- Unsallver- sicherungsgesetzes zu sekundiren. Diese Verbrüderung des Kathedersozialis- mus mit dem sogenannten Staatssozialismus ist wahrhaft rührend. Herrn Wagner kann der Pferdefuß, den diese« Gesetz verhüllen soll, unmöglich verborgen geblieben sein,— aber wozu die graue Theorie der Kritik, dadurch macht man sick nur mißliebig, halten wir un« lieber an den goldenen Baum des Lebens und schweseln wir in'« Blaue hinein von dem„bewunderungs- WHpdigen Muth unseres ehrwürdige» Kaisers, der bei seinen Jahren noch eine solche Bahn beschreite." Nun, wenn die Bahn so segensvoll ist, so gehört, meinen wir, kein sehr großer Muth dazu, sie zu beschreiten. Aber, es ist'ne vortreffliche Phrase, eine ausgezeichnete Phrase, sagt Friedensrichter Schaal. Wir sind nur begierig, zu ersahren, ob Herr Wagner auch bereits zu der Klique gehört, die bekanntlich mit aller Energie daraus hinarbeitet, den dem„Genialen" so unbequemen Statistiker Engel zu beseitigen. Wer so begeistert von dem„größten Staatsmann" spricht, wie Herr Wagner, der wird ihm doch diesen Liebesdienst nicht versagen. —- E i! E i!„Der Teufel hole diese englischen Engländer und die deutschen Engländer!"— ruft der„Staatssozialist" entrüstet über die Anhänger der Goldwährung aus. Der Teufel hole sie— das ist doch eigentlich recht unchristlich gedacht, nicht wahr, Herr Stöcker? Wie würden Sie falbungsvoll die Augen verdrehen, wenn wir gottlose Sozialdemo- traten ausrufen würden: Der Teufel hole diese preußischen Mucker mit- scnnmt ihrem preußischen Schwindel, vulgo Slaatssozialismus. Und verdrehen Sie die Augen, Herr Hofprediger, wir rufen es au«: D e r T c u s e l hole Sie und Ihre hohen und höchsten Protektoren! s— Dem Verdienste seine Krone. Aus P f o r z h e im wird berichtet, daß die dortigen Arbeiter dem scheidenden Staatsanwalt Uibel in der früheren Wirthschaft des aus derselben durch sortgesetzte Ehikanen hinausdrangsalirte» Gastwirths Lehmann eine spezielle Abschiedsfeier widmen werden. Ueber dem Eingang wird ein Blumengewinde mit der sinnvollen Inschrift prangen: Hängt ihn aus, den Kranz der Ehren!"— Und trotz dieser großen Popularität, deren er sich erfreut, soll der bescheidene Mann seine Abreise mit fieberhafter Hast beschleunigen. 'S ist merkwürdig. .— Recht so! Das Berliner Polizeipräsidium hat die Flugschrist: „ickevolution oder Reform?" verboten. Wozu auch diese Frage in Teutschland noch auswerfen. "- E i n ä ch t e r Schwabenstreich. Die wiirttembergische Kämmer hat den Antrag ihrer Finanzkommission, die Regierung zu bitten, im Bündesrath auf die Einführung des Tabakmonopols hinzuwirken, mit.�6 gegen 16 Stimmen angenommen. Sag' Bis- marck, wa« willst Du noch mehr? — Am 16. April wird in Frankfurt a. M. ein„deutscher Freidenker kon greß" stattfindeil. Unter den Einbcrufcrn befinden sich zwar Einige, deren Rainen nicht so ganz rein sind, indeß sind auch tüchtige Leute dabei, und angesichts de« christlich-sozialen, christlich-germanischen tc. Humbugs kann eine Organisation der wirklichen Freidenker nicht schaden. Also, viel Glück! — In Weimar haben bei der Nachwahl für den bisherigen frei- konservativen Abgeordneten Schwendler die Fortschrittler gleich im ersten Wahlgang glänzend gesiegt. Da die Fortschrittspartei die radikalste Partei ist, die in den Wahlkampf eintrat— unsere Genossen beschränkten sich daraus, in Stadt Weimar und Apolda Stimmzettel für Otto Freytag abzugeben,— so begrüßen wir diesen Umschwung in dem sonst so kon- servativen Kreise als ein Symptom der wachsenden Unzufriedenheit mit Genugthuung. — Da hat man's! In Würzburg sind der Kassier und Borstand der früheren Mitgliedschaft des„Deutschen Tabakarbeitervereins" wegen Untreue, s iebzehn weitere Mitglieder wegen Beihilfe, und endlich drei andere wegen Unterschlagung angeklagt worden, weil sie seinerzeit, als die Auflösung des Tabakarbeitervereins vor der Thür stand, ihre Mitgliedschaft selbst auflösten und, widersprechend den Statuten, den Kassabcstand, das heißt, ihr eigenes Geld, unter sich vertheilten. O diese Theiler! — In Dresden ist iraftr Genosse Schlutter aufs Neue ver- hastet worden. Warum?— Darum. Basta. — Weitere Ausweisungen. Die Hamburger Polizei hat die Genossen: N e u b e rjl, Maler; Trau, Schuhmacher; Kerl, Ei� garrensabrikant; Reu mann, Tischler, Barmbeck auf Grund des So- zialistengesetzes ausgewiesen. Die Zahl derer, welche sich noch Illusionen Uber die Unabhängigkeit der„freien" Stadt Hamburg Preußen gegen- Uber hingeben, wird immer geringer. Und das ist das Gute d ab ei. K. Hamburg, 6. März. Jetzt wissen wir, warum der Belagerungs- zustand Uber hier, die Nachbarstädte und deren Umgebung verhängt worden ist.„Die engen Beziehungen zu den FUhrern der sozialdemo- kratischen Bewegung in- und außerhalb Deutschlands, namentlich in London, dem Hauptsitze der Sozialrevolutionäre im Auslande", sowie „die Verbreitung verbotener Zeitschristen, namentlich der Londoner „Freiheit" und des ZUricher„Sozialdemokraten"(wörtlich, die Polizeiesel, die den Bericht geschrieben, wissen nicht einmal wie unser Parteiorgan heißt),„sowie zahlreicher revolutionärer Flugschristen", außerdem aber „die fortgesetzte, unter steter Hinweisung auf eine bevorstehende Umwäl- zung, auf's äußerste betriebene Erregung der Massen hatten Zustände geschaffen, welche eine ernste Gefahr sUr die öffentliche Sicherheit in sich bargen".— Die Verhängung des„Kleinen" war also eine Nothwendigkeit, um die„Ruhe" ausrecht zu erhalten, die nun, nachdem man 125 Personen, von denen Zweidritlel Familienväter, auf die Straße geworfen sind, hoffentlich gesichert sein wird. Aus eine Widerlegung dieser Albernheiten sich einzulassen, ist hier wohl nicht der Platz, unsere Abgeordneten werden das gelegentlich der Besprechung des Berichts im Reichstag hoffentlich besorgen. Konstatirt soll jetzt nur Eines werden. Der Bericht ist gezeichnet von dem gesammten preußischen Staatsministerium und dem Hamburgischen Senat. Man könnte also wohl annehmen, daß ein solches Aktenstück, wenn gleich es sich aus Phrasen stützen muß, da Thatsachen fehlen, doch wenigstens keine offenbaren Lügen enthält, deren Windigkeit Jedermann zu erkennen im Stande ist. Solche Lügen aber sind die Behauptung, daß von hier aus Verbindungen mit Most und der„Freiheit" unterhalten worden sind, und daß die letztere hier verbreitet worden ist. Mit Ausnahme eines einzigen Versuches, den Genosse Saevecke gleich nach Begründung der„Freiheit" machte, dieselbe hier einzusühren, welcher Versuch aber vollständig miß- glückte und als einzige Folge nur-.ine mehrmonatliche Untersuchungshast für die Betheiligten nach sich zog, ist die„Freiheit" hier und in Altona nie verbreitet worden. Im Lause der letzten anderthalb Jahre dürften, mir Ausnahme der Exemplare, die die Polizei für ihren Hausbedarf bezieht, keine süns Exemplare regelmäßig nach hier gelangt sein. Dasselbe gilt von dem Verkehr mit London. Die hiesigen Genossen haben von Ansang an das Unternehmen Most's getadelt, und als dieser immer verrückter und in seinem Benehmen gemeiner wurde, jeden Verkehr mit ihm abgebrochen. Daß die» so ist, konnten die Fabrikanten des Berichts aus den Schimpfereien der„Freiheit" auf die Hamburger selbst ersehen; die Angaben des Gegentheils in dem dem Reichstag zugegangenen Bericht sind also mir vollem Bewußtsein vorgebrachte Lügen, ganz würdig eines Systems, wie wir es jetzt in Deutschland haben. Sonst ist wenig Neues von hier zu berichten. Die Genossen sind am Platze und die Polizei ist es auch, nur hat die letztere meist das Pech, zu spät zu kommen. Recht rührig sind hier und in Altona die unter der Leitung der Renegaten Stange und Lütgens und des Pseudodemokraten Wilhelm Marr stehenden„Bräncrianer"*) Woche für Woche werden Versamm- lungen abgehalten, in denen lustig die weitgehendsten Forderungen der Sozialisten aufgestellt und besprochen werden. Natürlich stets mit dem Refrain, daß Fürst Bismarck dies alles trotz„Liebknechterei" und„Fort- schreiterthum" durchsetzen werde. Natürlich durchschauen die Arbeiter aber dieses Manöver, und der einzige Erfolg, den die königl. preußischen Sozialisten ernten, ist gründliche Verachtung. Am letzten Freitag wurde vor dem Altonaer Landgericht gegen unseren Genossen, den ebenfalls ausgewiesenen Tischler Peter» verhandelt. P. war seinerzeit wegen Sammeln» für die ans Berlin Ausgewiesenen an- geklagt, wurde aber freigesprochen, weil die Richter annahmen, daß die Po".zei kein Recht hatte, ein bezügliches Verbot zu erlassen. Das Reichsgericht hob jedoch dieses Ertenntniß auf, indem es das Polizeiverbot als für den Richter bindend erkannte und P. wurde nun verurtheilt wie oben an- gegeben. Bezeichnend an dem Prozeß ist, daß der Polizeikommissar Engel einen Zeugen, Maschinenbauer Lehmann, beibrachte, der zwei Tage nach der Verhandlung flüchtig ging, weil er sich des B e t r u g« und D i e b- stahls schuldig gemacht hatte. Derselbe wird heute noch steckbrieflich verfolgt. Aus da« Zeugniß dieses Ehrenmannes hin hat der erste Richter „thatsächlich festgestellt", daß P. gesammelt hat und der zweite Richter hat aus dasselbe Zeugniß hin sein Urtheil gesprochen. Ankläger, Richter und Zeuge waren einander würdig. Am letzten Freitag haben die ausgewiesenen Genossen Schulz und Petersen— nicht der vorerwähnte Peters— Deutschland verlassen, um sich nach Amerika zu begeben. Schulz, bei dem bekanntlich vor drei Monaten ein Schristenlager gesunden wurde, wofür er zwei Monate bekam, hat im Gesängniß den Polizisten Engel am Bart gerissen, Engel aber hütete sich, klagbar zu werden, wohl wissend, daß Schulz zu viel von seinen Bordellgeheimnissen kennt. Die Hamburger Polizeibehörde hat im Auftrage des Herrn v. Madai ein Verbot gegen da« Sammeln für die Angehörigen der Ausgewiesenen erlassen. Daß sich Jemand um das Verbot kümmern wird, daran glaubt wohl die hiesige Polizeibehörde selbst nicht und ebenso wenig verargt ihr hier Jemand ihr Vorgehen, weiß doch alle Welt, daß der Senat der „freien" und Hansestadt Hamburg nur rhun darf, was vorher in Berlin am Molkenmarkt beschlossen, wird. Eine Regierung wie unser Senat kann wohl Mitleid und Bedauern, nimmermehr aber Zorn erregen. Unser Senat darf wohl die ein- und ausgehenden Kaffeesäcke zählen aber sonst hat er nichts mehr zu sagen. — Mainz. 12. März. Wenn ich heute zur Feder greise, um einen Bericht über die gestrige Gerichtsverhandlung zu schreiben, so geschieht dies hauptsächlich deshalb, weil durch dieselbe schon längst zu unserer Kenntniß gelangte Umstände aufs Neue bestätigt werden. Den Lesern unseres Organ« ist an« meinem letzten Bericht bekannt, daß bei dem Genossen Stock gelegentlich einer Haussuchung 70 Exemplare de«„Sozialdemokrat", sowie ein kuvertirter Brief an den Redakteur Schwab in Speyer gefunden wurden. Der Polizeirath, welcher die Haussuchung vornahm, sagte bor Gericht folgendes au«:„Ich wurde durch das Polizeipräsidium in Frank- surt a. M. per Drath benachrichtigt, daß von Frankfurt aus eine Kiste mit Schriften hierher an die Adresse des Angeklagten gehen sollte; ich ließ sofort bei der Post und Eisenbahn für eine etwaige Sendung Be- schlag legen und nahm in der Wohnung des Stock Haussuchung vor, wobei sich zwar keine Kiste, wie sie von Frankfurt kommen sollte, vorfand, aber die 70 Exemplare de«„Sozialdem.", sowie der Brief an Schwab in Speyer." Der andere Zeuge, Redakteur Schwab, sagte nichts Belasten- des gegen Stock aus. Die Kiste, welche angeblich Fourniere enthalten sollte, ist niemals von Frankfurt abgegangen, weil die Polizei auch in Franksurl nach den- selben Schriften fahndete. Die Frankfurter wollten aber eine Kiste senden, und dies war der Polizei durch einen Spion hinterbracht. Die Polizei in Frankfurt ist in die kleinsten Details eingeweiht und hat das in ver- schiedenen Berichten an die Mainzer Polizei, wovon wir durch zuver- lässige Personen Kenntniß erhalten haben, bewiesen. Der Staatsanwalt, welcher in der denkbar schärfsten Weise gegen den beklagten Genossen auf- trat, hat eben doch trotz einer sehr guten Bertheidigung von Seiten des Rechtsanwalts Dr. Wolfskehl seinen Willen bei dem Gericht durchgesetzt und eine Berurtheilung unsere» Genossen zu 30 Mark Geldbuße und Tragung der Kosten erzielt. Bewiesen war absolut nichts, vielmehr basirte das Urtbeil lediglich aus dem llmstand, daß aus einem Packet, welches 1»! Exemplare enthielt, die Zahl 20 vermerkt war. Dieser Prozeß, sowie die hierher gelangten Be richte beweisen zur Genüge, daß in Frankfurt sich ein Verräther in unseren Reihen bestndet. Bei dem vorjährigen Turnfeste in Frankfurt besuchte Genosse Leyen- decker einige Frankfurter Freunde, auch hiervon ist, wie wir erfahren haben, die dortige Polizei genau unterrichtet. Genosse Hasenrlever, der sich vorher an verschiedenen Orten Deutsch- lands aufgehalten hatte, ohne irgendwie belästigt zu werden, wurde gerade in Frankfurt von der Polizei ausgeschnüffelt, als er, wie die„Franks. Ztg." meldet, in Enkhener mit einigen Hanauer und Frankfurter Genossen eine Kegelpartie machen wollte. Aus allem diesen geht die Nothwendigkeit hervor, daß, wenn nicht noch weitere Unannehmlichkeiten vorkommen sollen, dieser Spion ausfindig gemacht werden muß. Sollten die Frankfurter Genossen noch im Zweifel sein, so können sie weitere Details, welche sich für die Oesfent- lichkeit nicht eignen, direkt erfahren. III Konstanz, 28. Febr. Du sollst nicht stehlen. Kaum sind Sozialistenprozeß und Haussuchungen bis auf Weiteres zur Ruhe ge- kommen, so gibt es schon wieder einen neuen Stoff für unsere Politiker zum Bramarbasiren hinter dem Biertisch, aber nicht um so ein Paar ver- fluchte Kerle von Sozialdemokraten handelt es sich bei diesen Diskussionen, sondern um nicht mehr und nicht weniger, als um den w o h l b e k a n n- ten, genialen und ehedem allgewaltigen Kultur- kämpfe r und Finanzkünstler Ex-Oberbürgermeister Strohmeyer. Wem wäre auch dieses Muster von Freisinnigkeit und Mannesmuth nicht bekannt? Wagte es doch dieser Held im Konziliums- Jahre 1869 der päpstlichen Anmaßung so ritterlich kühn gegenüber zu treten und die Schlüssel zu der den Altkatholiken zugestandenen Kirche mit Gewalt r r r ra u s zuholen, wofür er von Pio nono exkommnnizirt wurde. Ganz Deutschland und seine Mamelukenpresse hallte wieder von Beifallsbezcugungen für diesen„Unerschrockenen" und Tausende von Unterschristen aus allen Theilen Deutschlands, sogar aus Königsberg und Danzig langten bei dem Herrn an, um ihm ihre Zustimmung zu beweisen. Großherzog und Kaiser murmelten bei ihrem Hiersein 1871 so etwas von glücklich schätzen, so einen Mann an der Spitze der alten Konziliums- stadt zu sehen, und im alten Konziliumssaale aerherrliche noch heute und für ewige Zeiten ein Bild den erhabenen Moment, wo der Exkommnni- zirle dem„Ollen Willem" die Schlüssel der guten Stadt Konstanz über- reicht. Obige Triumphe ließen aber dieses rastlose Genie nicht ruhen, er wollte auch auf dem Gebiete des Verwaltungs- und Finanzwesens Triumphe erobern und zwar materiell greifbare. Besagter Held gründete nun oder ließ durch seinen Einfluß gründen, eine Reihe von großartigen Unternehmungen zur Hebung der Stadt. Es wurde Geld verdient und vor allem die Mameluken und Jasager des Gewaltigen mögen nicht am schlechtesten weggekommen sein. Wehe denen, die zu oppo- niren wagten, oder an der Zweckmäßigkeit der Rentabilität mancher Unternehmungen zu zweifeln, denen wurde vorgeworfen, sie hätten keinen Gemeinsinn, keine Liebe zur Vaterstadt und da der Gewaltige auch noch bei allen Geld- und Kreditinstituten theils als Vorsitzender, theils im Ausschuß figurirte, so mußte eben gar Mancher aus ganz andern Grün- den den Mund im Zaune halten. Die Krone der Gründungen aber war das großartige Badhotel, welche« auf Aktien gegründet und richtig, wie jeder einigermaßen Klarsehende im Voraus wußte, nie zu der ge- ringsten Rentabilität konnte gebracht werden. Daß nun die gute Stadt mit einem bedeutenden Aktienkapital an dieser Gründung partizipirte, ist einleuchtend. Als aber der Krach in Sicht stand, so wußte dieses Muster von Gemeinnützigkeit und Vater- stadtsliebe nichts Besseres zu thun, als auf ungesetzlichem Wege, nämlich ohne die Stadtverordneten auch nur etwa« wissen zu lassen, vielweniger zu fragen, vonderStadtkasse 300,000 M k. und von der städtischen Sparkasse 140,000 Mk. durch den S t a d t r a t h bewilligen zu lassen, um das Institut lebensfähig zu machen, wie er sagte. Von diesen 440,000 Mk. nun hat aber das Badhotel keinen Pfennig zu sehen bekommen, sondern die ganze Summe wurde der Filiale der Rheinischen Kreditbank hier ausbezahlt, die dafür ihre faulen Badhotelaktien, sowie auch die gleiche Sorte, welche sie zur Deckung des Stromeyer'schen Conto-Corrent im Besitz hatte, der Stadt aufhalste, so daß die Stadt diese ganze Summe beim erfolgten Krach bis auf eine Bagatelle verlieren mußte und bereit« an den Ab- grund kam und manchem fleißigen Bürger und Steuerzahler zum Ruin verHals. Diese Manipulationen brachten den Mann zur Einsicht, daß seine Stellung wackelig sei und am 25. März dankte er ab, vorbehält- l i ch s e i n e r P e n s i o u s a n s p r ll ch e. Die Stadtvertretung genehmigte diese Pensionsmisprüche nicht und so erklärte der Biedermann, er am- tire weiter, wurde aber höheren Ortes suspendirt und die Untersuchung wegen Amtsverletzung und Untreue eingeleitet. *) Zur Ehre Bräuer« sei übrigens gesagt, daß er sich längst von dieser Sippschaft zurückgezogen hat. Die Sache schleppte sich hin bis Juli 1379, wo er rechtskräftig ab- gesetzt wurde. In den dem Erkeuntniß beigefügten Motiven war gar Manches enthalten, was mit dem Strafgesetz nicht im Einklang sein dürfte, aber die Stadtväter haben diese Motive in anerkennenswerlher Schonung für ihren ehemaligen Herrn und Meister nicht zur Kenntniß der Stadl gebracht. Die 300,000 Mk. städtische Gelder, die noch Fug und Recht der Bürgermeister im Verein mit den Stadträthen hätten ersetzen sollen, da sie dieselben ja ungesetzlicherweise bewilligt halten, luden sie aus lauier Rücksicht und Billigkeit(natürlich für ihren eigenen Beutel), mit Hilfe der Stadtverordneten, der Bürgerschaft auf. Dies alle« und noch dazu der Fall, daß über den Verbleib von einer Stiftung, die ein St. Galler der Stadt Konstanz vermachte, Niemand eine Ausktlärung geben kann, während die Stadt St. Gallen Quitiing über die ausbezahlte Summe von Stromeyer besitzt, reichte nicht hin, dem Mann auch nur ein Haar zu krümmen, während ein städtischer Tagelöhner oder sonst ein armer Teufel, der vielleicht einige Pfennige veruntreut hätte, längst im Zuchthaus säße. Böse Zungen behaupten, man könne dem Str. nichts machen, denn sonst befände sich ja der gute Wilhelm auf dem Bilde im Konziliumsaale in schlechter Gesellschaft. Sei dem, wie ihm wolle, so viel ist sicher, daß eine Anzahl sehr gravirender, zu den Akten gegebener Aussagen des alten Stadtrathes verschwunden sind und in der gepflogenen Nntersuchung auch nicht im Geringsten wieder zum Vorschein kamen. Gestützt ans diesen enormen Tnrkel durste der Geniale schon noch ein neue« Bravourstückchen sich erlauben und den guten Bürgern zum Schaden auch noch den Hohn zu Theil werden zu lassen. Bis zu seiner Absetzung Juli 1879, bezog Str. sein volle« Gehalt, 600 M. jährlich, trotzdem er nichts arbeitete, aber an dem hatte der um das Gemeinwohl so besorgte Mann nicht genug, seine Absetzung(die, beiläufig bemerkt, ohne Pension erfolgte j gänzlich ignorirend, verlangt der gute Mann sein Gehalt weiter und läßt, als Zahlung nicht erfolgte, die Stadtkasse pfänden und versiegeln und war dann so frei, in der Frankfurter Zeitung zu erklären, er wisse von der ganzen Sache nichts, wahrscheinlich that der sonderbare Ehrenmann dieses nur, daß seinem Ruf in weiteren Kreisen kein Eintrag widerfahre. Jetzt aber schnaubte Alles Wuth über diesen Unverschämten, der nur mit Undank lohnt. Dann außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten, alles Material gegen den Treulosen wird herbeigetragen(zittre Tyrann!) um endlich einmal Abrechnung zu halten und was ist das Ende vom Lied? Die Sitzung beschließt, unterthänigst bei dem Staatsanwalt anzufragen, ob sich nicht auf Grund jener Motive im Absetzungserkenntniß(die man jetzt erst der Bürgerschaft zur Kenntniß brachte) ein Versahren gegen den Str. einleiten ließe.„Wer lacht da" nicht!? Str. reibt sich jedensalls die Hände, denn Er, der seine Lauf- bahn als freiwilliger Soldat begonnen, aber den Laufpaß bekam, dann Grenzjäger und Schreiber war, dann noch mittellos zum Bürgermeister avancirte, macht heule das größte Haus in Konstanz und treibt ein aus- gedehntes Bankgeschäft und ist somit nicht leer ausgegangen. Da« ist ein Mann nach den Herzen der liberalen Kulrurkämpser, einer der Götzen vom heiligen Geldsack, welche unsere Gesellschaft vergöttert! Wahrlich, ein Beweis mehr, daß sie faul ist bis in's Mark. Zum Schluß noch einiges über die P r a k i i k unserer Polizei. In Ermanglung einer nützlicheren Thäligkeit und auch weil« nicht immer genug Stoff zum schnüffeln gibt(—„he Strohmeyer.— Wo ist Stroh- meyer!?") begeben sich die Herren in Zivil in die benachbarte Schweiz, wohl wissend, daß dort mancher biedere Deutsche, der seist Schöppli Wy trinkt, seinem bedrängten Herzen Lust macht; die Kerle helfen oft noch selbst mitschimpsen, oder fangen gar selbst an, um dann da« nicht«- ahnende Opfer in Konstanz aus deutschem Gebiet gelegentlich zu fassen, wie es ganz kürzlich einem in Emishosen(Schwcizerort) wohnenden Kohlenhändler erging, der dann drei Wochen nachher in Konstanz ver- hastet wurde. Dieser Herr ist übrigens ein Erzbonrgeois und Sozialisten- fresser. Ein Regime, das solche gemeine Polizeiseelen zu seinen Schützern er-< heben muß, pfeift aus dem letzten Loche. Uns schaden dergleichen Ge- meinheiten nicht, sie kann blos den Erfolg haben, den Michel aufzurütteln, und das kann auf keinen Fall schaden. HWeit. — Warschau, ,13. März. Ich habe Sie lange ohne Nachrichten über unsere junge sozialistische Bewegung gelassen, leider sind die Mit- theilungen, mit denen mein heutiger Bericht beginnt, sehr trauriger Natur. Vor einigen Wochen berichteten unsere Bourgeoiszeitungen, namentlich die russische Presse, von geheimen sozialistischen Publikationen in Warschau. Mit der Zeit nahmen diese Gerüchte eine bestimmte Form an, und die Zeitungen sahen sich in der Lage, den Titel der geheim verbreiteten Zei-! tung anzugeben. Derselbe lautet:„Gespräche mit den Arbeitern". Bald darauf vernahm man, daß 29 Arbeiter und ein Hörer der Uni- versiläl verhaftet worden seien. Den ersten Verhaftungen und Haus- suchungen folgten in wenigen Tagen weitere. Auch mehrere Frauen be- finden sich in Gewahrsam. Es ist unschwer zu begreifen, wie lähmend derartige Verluste auf eine i Bewegung einwirken, die kaum erst im Entstehen begriffen ist. Fast alle zwei bis drei Monate erfahren wir von neuen Opfern! In dem Augen-! blicke, da ich Ihnen von den neuen Verhaftungen schreibe, sind unsere im i vorigen Jahre verhafteten Freunde noch nicht abgeurtheilt und die im Jahre 1880 nach Sibirien geschickten 50 Genossen erst seit kurzer Zeil 1 dort angekommen. Und auch vom eisigen Sibirien werden uns traurige Nachrichten gemeldet. Der„Sozialdem." berichtete seiner Zeit vom Tode' I. Plawinski's; heute muß ich sie vom Tode der Philippina Pias- l kowitzka und des Alexander Wientzkowski in Kennwiß setzen.! PH. Plaskowitzka war eine Dorfschullehrerin in Russisch Polen und eine der tüchtigsten Propagandistinnen in unseren Bauernkreisen____ Nach ihrer 1 Verhaftung petitionirten einige Gemeinden um die Freilassung„ihrer Lehrerin", aber vergebens... Im Gesängniß redigirte PH. Plaskowitzka nebst Plawinski und Anderen die Zeitschrist:„Glos Wiezna"(Stimme des Gefangenen). A. Wientzkowsky, Ingenieur, gehörte zu den intelligentesten und tüchtigsten Kräften unserer Bewegung. Ich muß es mir indeß versagen, auf seine Thätigkeit und aus die' wichtige Rolle, die er in unser Bewegung spielte, genauer einzugehen.— � Während die russische Gensdarmerie die warschauer Gefängnisse mit Sozialisten anftillt, bleiben die österreichischen Bertheidiger der geseU- schaftlichen Ordnung auch nicht ruhig. Erst kürzlich fanden in Krakau zahlreiche Haussuchungen statt, einer der Verdächtigen wurde aus Oester« reich ausgewiesen und ein Maler, Anton Stopa, wegen Verbreitung ver- 1 botener Broschüren verhaftet. In Lemberg sind die k. k. Behörden weniger brutal uns gegenüber. Man ging sogar soweit, eine von der Redaktion der„Praea"(Arbeit)! einberufene große Arbeiterversammlung stattfinden zu lassen, zu welcher sich mehrere hundert Arbeiter einfanden... Man diskutirte über die sog. Minimal(Mindest)-Forderungen der galizischen Arbeiterklasse... Verschiedene Telegramme aus der Provinz, aus Krakau und aus Böh- men liefen ein. Neben einigen Reden von geringerer Bedeutung ist eine Rede des s. Z. in den bekannten Krakauer Prozeß verwickelten Buch- druckers Mankowski über die indirekten Steuern, die unter den Zuhörern große Begeisterung hervorrief und von dem überwachenden Polizeikommissär � sechs Mal unterbrochen wurde, besonders hervorzuheben. Was die sozialistische Presse anbetrifft, so sind neuerdings Nr. 3 und 4 de«„Praca"! in Lemberg, Nr. 3 und 4 der Genfer„Rownost" und der von derRedak-' lion der letzteren herausgegebene„Bericht über da« in Genf stattgehabte internationale Meeting vom 29. November 1880", in welchem sämmtliche! Vehs und dars d«r« TOil Wir< nung «en, l'rasi D«> tum lau», Der siir D »ich,, siir ad Pr«j etm i * fju °d«ss« Gerthe der i den z m fl'Bunf an ist 8ut v« «ricj seid m Man damals gehaltene Reden, sowie alle eingelaufene Telegramme und Briese enthalten sind, erschienen. Einen diesem Bericht entgegengesetzten Stand- Punkt vertritt die unlängst erschienene Broschüre von Dr. Limanowski „Patriotismus und Sozialismus". Limanowski tadelt den Internationa- un\tte lismus de«„Kownosc" und will seinem Sozialmns einen starkell Pur,. nationalen Anstrich geben. k>. Waff,, Briefkasten der Redaktion: An unsere Leser! Raummangel zwang, un« wiederum, mehrere Einsendungen, sowie den Bericht über Fritzscht und Vierecks Reise für nächste Nr. zurückzustellen.— Stadtrichter G o l t l i e b Köhn in Stuttgart: Auch Ihre Zuschrift kann erst in nächster Nrj zum Abdruck kommen; den„Sozialdemokro werden wir Ihnen gcgell Einsendung des Abonnementsbetrages regelmäßig und stiebersicher (Sie wissen doch, was das heißt?) zugehen lassen. Trli der Expedition: Gebirgsbauer: Bf. v. 5. erh. Größere Sdg, am 8? 3. an bek. Adr. abgeg., auch alles Sonstige, sowie Ersatz neuer- dingst— Noßbrg. Courway: Fr. 5.� Ab. 1. u. 2. Qu. erh.— Felix � Ja, Ksm. ans L. Wegen der 17 b. Tl. direkt anfragen, oder in L. Dir 23 gingen in 2 Portionen, 14 für Dich, 9 f. Z. bezeichnet wie bisher. Später wie gewünscht. Alle Eure Nachr. erh. Stets willkommen!-Z A. Lauf. Chicago: Sdg. am 14. 3. fort. Weiteres notirt.— Sorgt Hoboken: Wird bestens besorgt. Gruß!--- t— e Pari«: War nichl lagernd. Am 10. abges.— K. K. Jassy: Fr. 2.50 Ab. 2. Qu. erh Betr. Adr. lautet:„Komm. Arb.-Bild.-Ber. 6 Rose Str. Soho Square Vf. — Davos Platz Arb.-Ver.; Fr. 9.50 dankend erh. u. d. Usds. zugewiesen — C. T.: Dd. Mk. 3. 80 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Adr. berichtigt Gruß!— Part.-Gen. Paris: Fr. 10.10 U.- u. Flgfds. zugewiesen- Dank!— Ne. Br.: Mk. 10.— Schst. u. Flgfnds. erh. Sdg. fort mil Beilage.— Karl Rothschild: Bf. v.? am 13. erh. Ueberbringer nich> kennen gelernt. Sofort an neue Adr. 1 beantw. Alles vorgemerkt Mk. 76.— pr. 4. Qu. mit A. verrechnet. Gruß Allen!— ttthimmet-- l Bs. v. 12. u. 14. erh. Dank für Alles u. briefl. am 16. mehr. Abermall wegen 1 angebohrt. Jhrb. folgt sobald reisefertig. Krzbd. stets fort. Dir verfl. Katz! Entwrse anderswo bestellen. Du mußt ausschließen!— Rk- Lond.: Wird besorgt. N. W. kommt. F. trifft jetzt pünktlich ein. Dank! Rothkehlchen: Bf. v. 13.3. erh. u. beantw. Allerding«, zumal wir dir Böcke Anderer sortgesetzt abschlachten müssen, da« frißt Zeit, vom Ander« zuffchweigen. Habl's auch mil verschuldet Bruderherz!— Bergstraße! Wegen Abonn. eines verbotenen Blattes kann Niemand prozesfirt werdcll- sagen Sie da? Ihrem Freund. Ein Anderes ist's mir der Verbreitung» die Sie natürlich Niemanden ans die Nase binden. Abges. wurde Alle«! Vf. Rbrg.: Bf. v. 30. 1. endlich erhalten. Deckadrb.„Seegr." sauh Löschen! m Ei, ir- 2 Genoff d-Ä rl ir Arb.-Z Zürich