iSe« (n, i len! :iH ixr. 1 ich zu. 1 die| >ei- i ni- Zs- I be- ine rlle en- im rm ]dt •ige ode ls-! seru :inc ircr I irer| yka ime den i es! die Krschetul wöchentlich einmal in Zürich iSchweizj Verlag A. Herker, Industrie ha He Riesbach-Ziirich VoKseudungea franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Toppelp orto. Der KoMldemoKrat >entral-Argan der deutschen Sozialdemokratie Köonnemeuts werden nur beim Verlag and deffen belannten Agenten entgegengenommen und zwar zum vnraut ialzlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz iltreuzband) Ml. S.— für Deutlldland iEouv-rt) ft. I. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. so für alle Übrigen Länder de» Weltpostvereins lkreuzband). Juseritr Die dreigefpaltene Petitzeile 25 EtS.— 20 Pfg. R? 13. Sonntag, 27. März. 1881. Ali, an die K-rresiiolldeuten und Abonnenten de«„Aotinldemolirnt". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch m Oesterrc ch verboten ist. bezw. verfolgt wird, und die dortigen DeHörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns J»nd unsere ZeitungS- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorfichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersorderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemglrat'. resp. besten Verlag selbst adresfiren, sonder» stch möglichst an irgendeine unverdachii;( Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung seht! ander eits aber da» auch uns möglichst unverfängliche Zuftellungsadresten mitgetheilt werden. Zn zweiselhaften Fällen empfiehlt stch behufS größer� Sicherheit Relommandirung. Soviel an uns lieg«, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um tcoh aller-n>. a egenstehenden Schwierigleiten den, Sozialdemokrat" unser» Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. Parteigenosseil! Vergeßt der Bcrsolgtm und Gemaßregelten nicht! . I mit i fe*. ikau itet«' per« iber. Zeit) tcher sog« Zöh« eine inch« mit issär die neu" edak« zabte tliche »riefe iand« wski iona« zrken l>. wang itzsch« lieb c Nr. gegen icher Sdg« iteuer* Zelix- Dit >isher. n! Jorge nicht . erb ire W. Diesen, ichtigt, Diesen rt ini> nicht imerll,' :rmaN I. Di' - Rk. Dank! ir di' !lnderi> straßet oerdell, eitnng, Alle«! sank Abonnemeuts-Einladung. Mit dem l. April beginnt ein neues OuartalSabonnemcnt auf den.Sozialdemokrat«. Wir ersuchen unsere Leser, ihr Abonnement rechtzeitig zu erneuern, sowie für Gewinnung neuer Abonnenten unablässtg thätig zu sein. Weder da« Abonnement aus «en„Sozialdemokrat«« noch das Empsehlen»estelben ist in Teutschland strasbar, sondern lediglich die direkte Verbreitung. Ter„Sozialdemokrat«« wurde vom letzten Parteikongrest einstimmig tum einzigen osfiziellen Organ»er sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch- lau»» erklärt. Der vorauszahlbare Abonnementspreis des.Sozialdem.« beträgt vierteljl. sbr Deutschland und Oesterreich Z Mark tl st- 70 kr.>, wofür das Blatt wöchentlich als»erschlossener Bries versandt wird! für die S ch w e i z 2 Fr., sür all, übrigen Länder des Weltpostvereins 2. Fr. so CtS.(unter Bands. Dieser Preis kann indessen, namentlich in Deutschland, bedeutend ermäßigt werden, wenn sich die Genossen eines Ortes zum Dezug im Großen vereinigen. Wenn unverdächtige EmpsangS- udresten gewählt werden und damit stets gewechselt wird, wenn ferner die geheime Drrtheilung an die abonnirten Genosten»orfichtig geschieht: dann ist die Gefahr ö>r Entdeckung beim Gesammtbezng weit geringer wie bei ben Briessendungen. Bii zu 1« Exemplaren können in Doppelbrief übermittelt werden i bei größeren Be- stellungen ist die Zusendung in Packet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplaren "D ist der Preis per Quartal auf M. 1. 80. franko WS Haus sestgeseht, und ist der Detrag monatlich mit SO Pf. im Boraus einzusenden. Sämmtliche Sendungen werden out verpackt, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschlan» aufgegeben. Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen! größere Beiträge in Papier- o-ld mittelst eingeschriebenem Brief oder Post-Einzahlung. Man wende stch bei Einzelbestellungen an den Verlag von A. Hertel, Zndustriehalle, Piesbach-Zürich, bei gemeinsamem Abonnement und um Ausschlüste an die de- 'annten Agenten in Deutschland, oder an die Unterzeichneten durch Vermittlung >n der Schweiz oder sonst im Ausland lebender Freunde. Vorausbezahlung des«bonnementsprelses bei Beginn»es Ouariales an «nser« Vertrauensmänner und Filialeverwalter ist unerläßlich! Parteigenostcn! Sammelt Euch um Eure Fahne und benüht die Euch gegebene Waffe mit Eiser und Geschick; seid rührig und thut Eure Pflicht! Redaktion und Expedition de«„Sozialdemokrat". Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. II. O u i t t u n g s s e r i e. Erlös ans Bildermakulatur(Fr. 5.—) 4.—. A. L. in V.(Fr. 10.—) Rud. Bleibtreu 5.—, F. Sch. in A.(ö. fl. 3.77) tt.33. Gen. in Cincinnati durch O.. sllr die verfolgten deutschen Sozialisten Ar. 268.05) 214.44. 3£' in Kbg. für die Ausgewiesenen 9.— Pariser Genossen d. B.(Fr. 7.10) 5.68. Soz. Arb.-Bild. u. Ag.-Ber. St. Louis d. Jugow(Fr. 129.50) 103.60. D. Soz. in Luzern(Fr.—.40)—.32. -ch in C. sllr Onkel 30.—. Gen. in Paris d. B. I(Fr. 5.05) 4.03. Ärb.-Ber. Frohsinn in Daoosplatz(Fr. 9.50) 7.60. Schlosser F. V. Zürich, gef. b. Sttst.-Fest(5.60) 4.48. Selbstbesteuerung Zürich d. M. lFr. 27.30) 21.84. M-z(4.60) 3.68. Zusammen Mk. 428. 00 Früher eingegangen Mk, 20,961. 53 Gesammteingang Mk. 21,398. 53 Agitationsfonds. „Zur Kriegskasse", ges. ans einer soz.-dem. Hochzeit(Fr. 20) 16. Komm. Arb.-B.-Ver. London(Fr. 50.—) 40.—. Zusammen Mk. 56. Flugschristen-Fonds. Onkel 12.—. Rud. Bleibtreu 5.—. Pariser Genossen d. B.(Fr. 7.10) 5.68. W. D. in M.—.60. H. N. in B. 6.—. Pariser Gen. d. B. Ar. 5.65) 4.03. Part.-Gen. in Herisau(Fr. 3.—) 2.40. G. Lde Abck. London 10.—. Deutsche Soz. in Whl(Fr. 2.60) 2.08. Zusammen Mk. 47. 79 Früher eingegangen„ 977. 39 Gesammteingang„ 1025. 18 Allgemeiner Wahlfonds. Rudols Bleibtreu Mk. 5.— hhand« Lehrer A. K. in S.(Fr. 1.—)— ,80 Zusammen Mk. 5. 80 Früher eingegangen Mk. 251. 28 Zusammen Mk. 257. 08 *) Unter diesem Titel eröffnen wir aus Wunsch der ersten Geber öMen Fond« für solche freiwillige Beiträge, welche oer Partei Behufs Allgemeiner Agitationszwecke sowohl, als wie zu Schutz Upj, Trutz unserer Sache zur Verfügung gestellt worden. Die Red. u. Exped. d. S. Allerhand Vorzeichen. so' Schon wiederholt und von verschiedenen Seiten ist der Gedanke aus- uell, gesprochen worden, daß das Ende des neunzehnten Jahrhunderts einen ähnlich revolutionären Verlaus nehmen werde, wie das Ende de» acht- ithnten Jahrhunderts. Und in der That, die Aehnlichkeit ist bis jetzt eine frappante. ) Dieselbe Unvermitteltheit und scharfe Zuspitzung der Gegensätze; die- Itlbe Allgemeinheit des Mißbehagens und der Unruhe; dieselbe Gährung tu der Geister und Auslösung der Verhältnisse. <« Die Probleme sind andere; die Gegensätze find andere; die Welten find "Ndere, welche sich feindlich gegenüberstehen. Aber die Probleme sind heute — Ebenso reis wie damals; die Gegensätze ebenso unversöhnlich, die seind- >'chen Welten ebenso kampsbereit und kampffähig. Und die streitenden Mächte sind heute noch ungleich mächtiger, intensiv und extensiv ungleich gewaltiger, so daß das„89" des neunzehnten Jahr- Hunderts an Großartigkeit das des achtzehnten Jahrhunderts ohne Zweifel noch übertreffen wird. Ganz wie der bürgerliche Gedank«. vor 100 Jahren Alles beherrschte, auch seine Feinde beherrschte, so jetzt der sozialistische Gedanke. Und so wie damals die feudalistisch- monarchische Welt selber sllr die bürgerlich-revolutionäre Welt Propaganda machen und ihr als Borspann dienen mußte, so heute die bourgeois-monarchische Welt der proletarisch- revolutionären. Nicht als ob>vir glaubten, die sozialistische Well werde und könne in wenigen Jahren fix und fertig, wie Minerva aus Jupiters Haupt sprang, aus die Bühne der Geschichte tretenl Das wäre eine sehr thörichte, sehr „unhistorische" Annahme. Ist etwa die bürgerliche Welt 1789 fix und fertig gewesen oder ge- worden? Mit nichten. Einer oberflächlichen Auffassung nach soll die französische Revolution eine reine Bourgeois revolution gewesen sein. Der„tiers etat"; der dritte Stand, enthielt zwar die Keime der modernen Bourgeoisie, aber nicht sie allein. Die französische Revolution vernichtete die mittelalterliche Feudalwelt mit ihrem ständischen und zllnstlerischen Plunder und emanzi- pirte den dritten Stand, indem sie ihn als Stand aushob und der moder- neu K l a s s e n e n t w i ck l u n g den Weg bahnte. Vom 17. Juni 1789 an, an dem der dritte Stand sich als die Nationalversammlung, als das französische Volk erklärte, gibt es keine Stände mehr. Der dritte Stand, das war das ganze französische Volk mit Ausnahme von einigen Hunderttausend Geistlichen und Adeligen (dem„ersten" und„zweiten" Stand), die durch die Revolution politisch und sonst depoffedirt wurden. Aus dem siegreichen dritten Stande heraus hat sich die Bourgeoisie uuv uwv-fuuihuiuu �tiuuxjycuuua) üuu wtvab vit tvjivvv|iuy Cii utw Besitz der politischen und ökonomischen Machtmittel zu setzen wußte. Bourgeoisie wie Proletariat sind Kinder der Revolution. Zkur daß die Bourgeoisie um des schnöden Mammon« willen die Mutter verrathen und verleugnet hat. Sie nimmt heute dieselbe Stelle ein wie vor hundert Jahren die feudalmonarchische Welt, ist, gleich dieser, zum Hinderniß jedes Fortschritt« geworden und muß gleich dieser ihr„89" finden. Das Proletariat, die Sozialdemokratie wird es ihr bereiten. Ein paar Jahre früher oder später— darauf kommt es nicht an. Je länger die Katastrophe ausbleibt, desto gründlicher wird sie sein. Lange ausbleiben kann sie nicht. Die Dinge drängen mit wahrhaft dämonischer Hast einer Entscheidung zu. Auf die Symptome in Deutschland, Frankreich und Rußland wollen wir nicht hinweisen. Sie sind bekannt; und aller Boranssicht nach wer- den die Kontinentalstaalen beim 39 des 19. Jahrhundert« erst in zweiter Linie stehen. Da« klassische Land der politischen Entwicklung, Frankreich, machte die Revolution des achtzehnten Jahrhunderts, das klassische Land der ökonomischen Entwicklung, England, wird die Revo- lution des neunzehnten Jahrhundert« machen. In England hat die Bourgeoisie ihre Macht am festesten begründet; eine sozialistische Revolution, in der England nicht die Initiative ergreift oder doch ausschlaggebend auftritt, ist einfach undenkbar. England ist der Mittelpunkt der Bourgeoiswelt, ihre Zitadelle, in der sie über Hilfsquellen verfügt, von denen die Staaten des Kontinentes keinen Begriff haben. Die Blut- und Eisenmonarchien des Kontinents erscheinen dem stüch« tigen Beobachter bei weitem mächtiger, aber der Schein trügt und sie gleichen in ihrer Gewaltthätigkeit jenen Panzerkolossen, die, scheinbar un- überwindlich und jeder Gefahr trotzend, beim geringsten unvorhergesehenen Zusammenstoß zerschellen und versinken. Es fehlt ihnen der organische Zusammenhalt. Ander« England, wo die Bourgeoisie sich des gesammten Staats- und Gesellschaftsorganismus bemächtigt, ihn in ihrem Sinne zurechtgestaltet und aus eine staunenSwerthe Machthöhe gebracht hat. Diese« bis jetzt unbesiegte und unbesiegbare England nun, das zu Ende des vorigen und zu Ansaug des gegenwärtigen Jahrhunderts von sämmt- lichen Staaten Europa'« allein stark genug war, der sranzöfischen Revo- lution die Spitze zu bieten und an dessen Kreideselsen auch die Revo- lutton de« 19. Jahrhunderts scheitern könnte, ist seit einiger Zeit in einem Zersetzungsprozeß begriffen, der es aller Borausberechnung nach nicht nur unfähig machen wird, gegen die soziale Revolution anzukämpfen, sondern es auch geradenwegs in die soziale Revolution hineinführen muß. Die irische Frage, der Einfluß der irischen Bewegung auf das englische Prole- tariat in Stadt und Land, die Krisis des englischen Ackerbaues— eine Folge der amerikanischen Lebensmittelkonkurrenz— welche in die englischen GrnndeigenthumsverhälMisse Bresche schießt, die Niederlagen, welche die englische Äolonialpolitik in Afrika und Zentralasien erleidet, die Krisis, der die englische Weltherrschaft entgegengeht— da« sind Faktoren, die zusammenwirkend geeignet sind, das„alte England" der Bourgeoisie, den Eckstein der bourgeois-monarchisch-reakttonären Welt, zu erschüttern und über den Hausen zu werfen. II— s. Zu den Wahlen. vm. Dem kleinen Handwerk, der Kleinproduktion kann nicht mehr ausgeholfen werden. Jeder Versuch, es zu thun, ist reaktionär und uto- _ sagten wir in unferrn letzten Artikel, und wir sagten nur, wa« jeder Sozialist weiß. „Aber ist es nicht eine Unklugheit, das so offen auszusprechen? Treiben wir dadurch nicht die„kleinen" Leute gerade in das Bismarckische Garn und leisten so dem Schwindel Vorschub, der mit dem Jnnungsgesey und anderen ähnlichen Charlatanerien inszenirt werden soll? Keineswegs, wenn wir nicht sehr plump und ungeschickt zu Werke � gehen. Die ganze Wahrheit ist nie gefährlich. Blo« die halbe. Die ganze Wahrheit kann freilich vorübergehend erschrecken, aber nur sa lange sie nicht verstanden ist. Vom Moment an, wo sie verstanden wird, hört sie auf, zu erschrecken. Wir haben das recht deutlich bei der Grund- und Bodenfrage gesehen. Als der bekannte Basler Kongreßbeschluß gefaßt wurde— welche« Halloh in der gutgesinnten Presse; welche Verdutztheit und Entrüstung unter den Bauern, die von dem„monströsen Attentat" aus ihr Eigenthum Kunde erhielten. Sobald wir aber den Stier bei den Hörnern nahmen, die Frage rückhaltlos und aus den Grund besprachen und den Nachweis lieferten, daß weit entfernt, durch eine sozialistische Gesellschaslsorganisatioa zu verlieren, der Bauer nur davon zu gewinnen habe— wandte sich da« Blatt schnell, und jeder unserer Parteigenossen, der die Agitationsfähigkeit der Partei kennt, wird uns zugeben, daß die Propaganda unter der ländlichen Bevölkerung nirgends Schwierigkeiten bietet, wenn nicht Takt« losigkeiten begangen werden. In ähnlicher Lage sind wir den Klemgewerbtteibenden gegenüber. Daß es ihnen schlecht geht, wissen sie alle. Es muß ihnen blas klar gemacht werden, warum es ihnen schlecht geht, und die Gefahr der Nasführung durch charlatanistische Demagogen vom Schlage des Fürsten Bismarck und seiner agrarisch-zunftzöpflerischen, polizeisozialistische» Komplizen ist beseitigt. Wir Sozialisten müssen stet« bedenken, daß unsere Partei eine wiffen- schaftliche Partei ist, und daß gerade in diesem wissenschaftlichen Charakter Grunoiage oer Wissenschaft. Nicht der t o d t e n Wissenschaft, nicht der grauen, öden Theorie, sondern der K e n n t n i ß der Triebfedern des mensch- lichen Lebens und Handelns, derErkennlniß des gesell* schastlichenund staatlichenLebens und seinerGesetze. Das ist es gerade, was uns von allen andern Parteien unterscheidet, die sich bisher revolutionär genannt, wohl auch für revolutionär gehalten haben. Wir setzen uns nicht willkürliche Ziele,— wir folgen der logischen Roth- weudigkeit, der Sozialismus i s? d i e in revolutionäre Altion umgesetzte Staats- undGesellschaftswisseu* s ch a f t. Wo die Wissenschasts-Basis fehlt, geht die Aktion ins Blaue hinein, und kann selbst der größte Heldenmuth den Mißerfolg nicht verhindern. Und die Aktion, aus die wir vorläufig in erster Linie angewiesen sind; die Agitation bedarf ganz eminent dieser Wissenschastlichkeit. Die großen Erfolge, welche wir aus dem Gebiete der Agitattou zu verzeichnen haben, sind nur zum kleinsten Theil der in die Augen springenden Güte unserer Sache, zum weitaus größten Theil dem Umstand zu verdanken, daß unsere Partei wissenschaftlicher agitirt hat als jede andere Partei. Es ist dies eine Thatsache, aus die wir stolz sein können. Und jetzt, wo Dank unseren agitatorischen Erfolgen die sozialen und wirthschajtlichen Fragen ojfiziell aus die Tagesordnung gesetzt find und die Achse bilden, um>pelche die nächsten Wahlen sich drehen werden,— jetzt gilt e« zu zeige«, daß, was unsere Feinde zur Heilung der gesell- schaftlicken Schäden vorschlagen, Pfuschrezepte sind, die das Uebel nur verschlimmern können, istdem sie es tiefer in den Gesellschaftskörper hineintreiben. Nie hat eine Partei e»ne glänzendere Gelegenheit gehabt, ihre sieghafte Ueberlegenheit zu zeigen,— die Gelegenheit muß ausgenutzt werden. Ausgenutzt von jedem Parteigenossen, denn jeder Sozialdemokrat hat, wie die Fähigkeit so die Pflicht, Agitator zu sein,— jeder in dem Kreis, welchen er mit seinen Kräften beherrscht. Diese Massen-Agitation ist eine gewaltige Macht. Die Franzosen haben ein Sprichwort, da« wir frei übersetzen wollen: Der stärkste und weiseste Mann ist Jedermann. „Jedermann" war es, der Frankreich in den Revolutionskriegen den Sieg über das verbündete Europa der Monarchen gab. „Jedermann" muß auch uns den Sieg geben. Zehntausend, zwanzig. lausend der bescheidensten Agitatoren entfalten eine Summe von Kraft, welche die de« beredtesten, gebildetsten, geübtesten Agitators tausendfach übertrifft. Das bedenke ein Jeder. Und bedenke er, daß da« herrliche Gesetz, welche» die Wissenschaft entdeckt hat: es geht keine Kraft verloren auch aus moralischem und intellektuellem Gebiete gilt. 4 Den Klemgewerbtreibenden und überhaupt den kleinen Leuten gegen- über, um wieder aus diesen Punkt zu kommen, haben wir ein besonder« dankbare« und leichtes Spiel. E« muß ihnen nachgewiesen werden— und jeder unserer Genossen ist wenigstens in kleinem Kreise dieser Aufgabe gewachsen,— daß die schlimme Lage, in der sie stch befinden, die unvermeidliche Folge eine« ökonomischen(wirthschastlichen) Umgestaltungsprozesses ist, der aus dem Wesen unserer Gesellschaft entspringt und keine Krankheit bedeutet, sondern W a ch s t h u m. Die bisherigen Produkttonsformen genügen der Gesellschaft nicht mehr; um ihr Bedürsniß zu befriedigen, muß ste die Produktion steigern, und das ist blas möglich durch die größere Kon- zentrirung von Arbeitsinstrumenten und Arbeitern, mit anderen Worten durch Einführung der Großproduktion an Stelle der Klemprodnktton. Es ist dies ein ungeheuerer Fortschritt, den wir alle begrüßen müssen, und ohne den Deutschland seine heutige Bevölkerung nicht ernähren könnte. Rückkehr zur Kleinproduktion de« Mittelalter« hieße Rückkehr zur Bevölkerungszahl des Mittelalters, Hungertod von Zweidritteln der jetzt in den Kulturstaaten lebenden Menschen. Das ist geltend zu machen: und die Unmöglichkeit einer Wiederherstel- lung überwundener Gesellschafts- und Produktionsformen läßt fich ja leicht an dem allgemeinen geschichtlichen Entwicklungsgang, und namentlich am Beispiel vorgeschrittener Länder, z. B. Englands, veranschaulichen. Aber die heutige Gesellschaft versäumt es leider, die Opfer dieses Um- gestaltungsprozesses zu retten. Sie gibt fie erbarmungslos dem Verderben preis, und nimmt sich höchstens die MUhe, durch Verabreichung eines marktschreierisch angepriesenen Wundertrankes ä>a Bismarck' sches Jnnungs- gesetz ihnen die Taschen und das Sterben zu erleichtern. Von der heutigen Gesellschaft— das muß das A und das O der Agitation sein— hat der kleine Mann nichts zu«warten. Die Kurz- sichtigen, die sich ihm anbieten, wollen ihn blas zu unsauberen demago- zischen Zwecken mißbrauchen. Die einzige Rettung des kleinen Mannes ist im Sozialismus. Die sozialistische Assoziation— das ist die wahre Innung der Zukunft. Aber sie muß erkämpft werden. Der heutige Staat geivährt sie nicht, er steht im Wege— er muß im sozialistischen Sinne umgewandelt werden. An Stelle des Klassenstaates, der den kleinen Mann zu Grunde richtet, muß der sozialistische Volksstaat treten, der den kleinen Mann durch Ver- wirklichung des Assoziationsprinzips aus den tödtlichen Klauen der groß- kapitalistischen Konkurrenz reißt und ihn zu Wohlstand und Freiheit erhebt. Je energischer der Kamps geführt wird, je massenhafter die Betheiligung an dem Kamps, desto näher der Sieg. In der Hand des Kleinbllrgerthums und Uberhaupt der kleinen Leute selbst liegt es, ob ihre Besreiung früher oder später erfolgt. Und sie sind wahrhaftig nicht in der Lage, warten zu können. Der Anschluß an die Sozialdemokratie ist sür sie im buchstäblichsten Sinne des Wortes eine Lebensfrage. Zum„Attentat". Aus Mitteldeutschland, 16. März. Die Zeitungen berichten einstimmig, daß der„Heldengreis", als er die Nachricht von dem Tode seines Nesien erhielt, entsetzt ausgerufen habe: „Und trotz der Eskorte?" und daraus ohnmächtig geworden sei. „Trotz der Eskorte!" Also die Eskorte hat nichts genutzt; nichts die Schutzwehr, nichts die Polizei, nichts die Mouchards, nichts die Schlauheit des Armeniers Loris Melikoff! Alles umsonst. Seit Jahren ist der Schlag angekündigt, seil Jahren sind alle Vor- sichtsmaßregeln gettoffen; die Repression und Spionage auf die Spitze getrieben, und Alles umsonst! Es lag viel in diesem„Und trotz der Eskorte!" Uud was dem Alexander Passiren konnte, könnte es nicht mir, dem Wilhelm, passiren? Hat mir nicht Bismarck, hat mir nicht Eulenburg gesagt, die deutschen Sozialdemokraten hätten die Attentate gegen mich gemacht, strebten mir fortwährend nach dem Leben? Haben die Deutschen nicht ebensoviel Kourage wie die Russen? Wenn die deutsche» Sozialdemokraten das find, wofür Bismarck und Eulenburg sie ausgegeben haben, was nützt mir mein herrliches Kriegs- Heer, was meine Leibgarden, was eine Armee von Polizeidienern, hohen und niedrigen? Durch das Sozialistengesetz haben wir die deutschen Sozialdemokraten zu Meuchelmördern gestempelt— wenn sie es sind, wer kann mich retten? Das Alles steckt in dem kaiserlichen:„Und trotz der Eskorte!" Und Herr Bismarck? In derselben Minute, wo er die Nachricht von der Hödelei erhalten hatte, telegraphirte er nach Berlin sein famoses: Mit seinem damaligen Ausnahmegesetz hat sich Herr Blsmarcr blamirt. Die deutsche Sozialdemokratie hat darauf„gepfiffen". Ob er nun ein drakonischeres Ausnahmegesetz an die Hinrichtung Alerander« knüpfen wird? . Möglich! Aber was hieße das? Da« russische Regierungssystem eiusühren. Und das russische System hat die Hinrichtung Alexanders zur Folge gehabt. Straffer, als es unter Loris Melikosi geschehen, können die Zügel des Polizeiregiments nicht angezogen werden, und— Alexander ist todt! Der persönliche Absolutismus hat'in der Hinrichtung Alexander« seine letzte Konsequenz gefunden. Die Person regiert unbeschränkt, unverant- wortlich— die Folge ist: man hält stch an die Person! Es war übrigens in Rußland nie anders. Wer kennt nicht das berühmte Wort des aristokratischen Mörders:„Unser System ist der Zarendespotismus gemildert durch den Meuchelmord." Der„Meuchelmord", der früher blos aus den Reihen der kaiserlichen Familie kam, er kommt jetzt au« den Reihen der Plebejer. Die Unter- drück«, die Zaren, die Adligen, haben nicht mehr das Monopol des „Meuchelmordes". Die Unterdrückten haben entdeckt, daß der persönliche Absolutismus sterblich ist, daß er in der Person seines Hauptttägers getödtet werden kann, und am lll. März 1881 haben sie ihn in Rußland todtgeschossen. Ob der Nachfolger Alexander II. das begreift oder nicht, ändert nichts an dieser Thatsache, kann höchstens von Einfluß sein auf sein persönliche« Geschick. Und in Deutschland? „Discüo rnoniti!" riefen die Sozialdemokraten nach den ersten russischen Attentaten den deutschen Attentätern an der Volksfreiheit zu. Damals beherzigten die Bismarck und Konsorten die Warnung nicht. Ob sie jetzt etwa« gelernt haben? Wir würden ihnen schmeicheln, sagten wir: wir glaube» es!— ml— Feuilleton. Kommunistische Kolonien Wenn es sich darum handelt, die Undurchführbarkeit de« Sozialismus zu beweisen, da sind Unwissenheit und böser Wille gleich mit einem, wie fie meinen, vernichtenden Argument bei der Hand: dem Scheitern der meisten Versuche, kommunistische Kolonien zu gründen. Wer diesen Einwand vor- bringt, beweist jedoch nicht, daß der Kommunismus undurchführbar sei, sondern blos, daß er von der Geschichte der Kolonialgründungen keine blasse Idee hat. Wohl sind die meisten kommunistischen Kolonien gescheitert, aber nicht an dem Kommunismus, sondern an der Ungunst des Klimas und des Bodens und an dem Mangel von Mitteln— Uebelständc, denen im Berhältniß noch weit mehr Kolonien, welche auf dem Privateigenthum beruhten, als dem Kommunismus huldigende erlegen sind. Es gibt nichts schwierigeres und mühsameres, als in einer Wildniß eine Ansiedelung zu begründen. Die zweite Hälfte des 16. und die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts vergingen unter den fruchtlosen Versuchen der Engländer, Holländer, Franzosen und Spanier, festen Fuß an der Ostküste Nordamerikas zu fassen. Die von den Hugenotten 1S6L gegründete Kolonie Port Royal in Karolina, die 1585 von Walther Ralcigh auf der Insel Roanoke angelegte Ansiedelung, das 1607 gegründete James- town, Maryland, 1634 besiedelt, die französischen Gründungen in Kanada im Lause' des 17. Jahrhunderts, ja selbst noch das 1732 gegründete Georgia, obschon bereit» inmitten der zivilisirten Ansiedelungen liegend, siechten dahin und bedursten mehrfacher Nachschübe vom Mutterland und die energischeste Unterstützung des Staates. Trotzdem gingen viele dieser Kolonien gänzlich zu Grunde imd mußten mehreremale nacheinander von Neuem besiedelt werden, ehe sie zu bleibendem Gedeihen kamen. Wer mit Fritzsche und Viereck in Amerika. Es haben nun bereits eine ganze Reihe von Versammlungen statt- gefunden, über die uns jedoch nur zum Theil Berichte vorliegen. Am 20. Februar fand aus der Westseite New-Uorks eine sehr gut be- suchte Massenversammlung statt, in welcher Fritzsche, Viereck und Shewisch in deutscher, Osborne Ward in englischer Sprache unter stürmischem Beifall für die Unterstützung unserer Partei einttaten. Eine sofort vor- genommene Sammlung ergab 70 Dollars(300 Mark), während für die von Photographen Holler zur Versügung gestellten Bilder unserer Ge- nassen 20 Dollars erzielt wurden. Acht Tage darauf sprachen unsere Genossen in einer glänzend besuchten Massenversammlung in Philadelphia, außer ihnen Genosse Waldmann in englischer, sowie die Genossen Metzler und Alexander Schlesinger in deutscher Sprache. Die Tageskollekte ergab 80 Dollars. Im Repräsentantenhaus zu Washington brachte am 26. Februar General W e a v e r, Deputirter der Greenbackpartei, folgende Resolutton ein: „Beschlossen vom Repräsenlantenhause, daß die Halle des Hauses dem Ehrb. F. W. Fritzsche, einem Mitgliede des deutschen Parlaments (Reichstag) am Sonnabend, den 26. Februar, Abends 8 Uhr, behufs Ueberreichnng einer Adresse über die Lage des deutschen Volkes gewährt werde; und daß das Haus an diesem Tage und zu dieser Zeit an dem Vorgange theilnehme." Die sür einen derartigen Beschluß»nothwendige Einstimmigkeil wurde zwar nicht erzielt, indeß war der Widerspruch nur sehr schwach und lediglich der Geschäftslage des Kongresse« geschuldet. Jedenfalls hat General Weawer sür sein mannhaftes Eintreten den Dank unserer Partei verdient. Die weitere Reiseroute unserer Genossen war nach den uns vorliegenden amerikanischen Parteiblättern folgendermaßen festgesetzt: Mittwoch den 23. Februar N e w a r k, Sonnabend 26. und Sonntag 27. Februar Philadelphia(s. oben), Mittwoch 2. März Ncw-Hav en; Freitag 3. resp. Sonnabend 5. März Lawrence, Mass., Sonntag 6. März Boston. In der zweiten Märzwoche sollte die Reise nach dem Westen an- getteten werden, Sonntag den 13. März große Versammlung in M i l- waukee sein, zur Kommunefeier sollte Viereck in Chicago, Fritzsche in St. Louis sprechen. Aus der Rückreise nach New-Zork sollten dann folgende Städte berührt werden: Evansville(Ind.); Jndianopolis, Louis- ville(Ky), Cincinnati(O.), Detroit(Mich.) Cleveland(O.), Eric(Pa.), Pittsburg(Pa.), Buffalo(N.?).), Rochester(N. I.) Syrakuse(N.?).), Utika(N.?).) und Albany(R. U,). Mitte April gedenken die beiden Delegirten der deutschen Sozialdemokratie wieder in New-Hork zu sein, um an den für die Osterwoche projeklirten großen Abschiedsfeierlichkeiten Theil nehmen zu können. Ueber die Versammlung in Boston, die glänzend gewesen zu sein scheint, sowie über die in Chicago liegen bereits telegraphische Berichte vor. Der über die Chicagoer Versammlung schiebt Fritzsche eine Aeußerung unter, die dieser wohl schwerlich in der Form gcthan haben dürste. Fritzsche soll nämlich gesagt haben, er könne über das Petersburger „Attentat" nicht so sprechen, wie er denke, da er sonst, wenn er nach Deutschland zurückkehrte, eingesteckt würde. Wir bezweifeln, wie gesagt, diese Aeußerung, die mit Fritzsche's bisherigem Austreten in Widerspruch steht. Wahrscheinlich hat Fritzsche, wie in anderen Versammlungen erklärt, er wolle im Auslande nicht ander« sprechen, wie vor den deutschen Ar- beitern, ein Verhalten, das wir nur billigen können.— Nicht nur an den Orlen, die unsere Genoffen passiren, sammeln die Arbeiter zur UnterMtzung unserer Partei, sondern auch kleinere Ort- schaslen liefern Beweise dafür, daß unser Appell an die Genossen in Amerika aus guten Boden gefallen ist. So liegt aus Millburg(Massa- chusetts) ein von Wm. Hanke und I. Rudolph unterzeichneter sehr warm gehaltener Aufruf vor, der mit folgenden Worten schließt: Müßten nicht gerade wir, die wir aus den Fabrik-Distrikten Deutsch- land's, dem eigentlichen Herd der Sozialdemokraten, hierher kamen, unseren Brüdern und Freunden zum Sieg verhelfen? Denn ihr Sieg ist unser Sieg! Thut soviel als in Euren Kräften steht. Wir haben hier bereits eine Sammlung veranstaltet. "iefe Ärgevmij"cu Herren Fritzsche und Viereck per Adresse der New-Aorker„Bolkszeitung" übermittelt werden soll mit dem Motto:— „Für die Freiheit eine Gasse!" „Arbeiter aller Orten, gehet hin und thut desgleichen!" setzt der von Paul Grottkau redigirte„Vorbote" diesem Ausruf hinzu. Dagegen suchten die sogenannten Sozialrevolutionäre die Mission unserer Genossen mit allen Kräften zu vereiteln— glücklicherweise ohne Erfolg. Angeblich im Interesse der deutschen Revolution, scheuten diese Herren, die selbst Deutschland muthig den Rücken gekehrt, vor keiner Ver- leumdung unserer Partei zurück, und niachten fich, indem sie eines ihrer Flugblätter mit„die Sektion New-Dork der sozialistischen Arbeiterpartei" unterzeichneten, einer groben Fälschung schuldig, deun diese Sektion hat unsere Abgesandten einmüthig mit der größten Solidarität empfangen. Sie sind sich überall gleich, diese Rcvoluttonsmanlhelden. ozialpolitischf Rundschau. — Die Hinrichtung Alexander« des Zweiten beschäftigt die Presse noch immer in hervorragendem Maaße. Aus dem Gewirr der sich strikte widersprechenden Darstellungen, die Ansang« über die Art und Weise der Ausführung, da« Verhalten des Zaren u. s. w. verbreitet wurde, geht heute schon so viel mit Sicherheit hervor, daß da«„Attentat" mit einer bewunderungswürdigen Selbstverleugnung zur Ausführung gebracht worden ist. Nicht die spontane Thal eines oder zweier leidenschaftlichen Fanatiker liegt hier vor, sondern ein planvolles, von langer Hand der vorbereitetes Unternehmen, von dem eine mehr oder minder große Gruppe Kenntniß gehabt, zu ihm beigetragen hat. Kein freiwilliger oder unfrei- williger Verräther fand sich unter den„Verschwörern", und als die Vorbereitungen soiveit gediehen waren, daß das Urtheil vollstreckt werden der Geschichte dieser Kolonien die der kommunistischen vergleicht, findet, daß es ganz dieselben Mißgünstigkeiten waren, mit denen die letzteren zu kämpfen hatten, und denen sie schließlich erlagen. Wer daher die Wirkungen des Kommunismus vorurrhcilslos prüfen will, der hat fich nicht mir den gescheiterten Kolonien zn befassen, wie dies unsere Gegner gewöhnlich thun, sondern mit denjenigen, welche die ersten Schicksalsschläge überwunden und sich erhalten haben. Das hat ein Nordamerikaner, Namen? N o r d h o s s gethan, der die einzelnen in Nordamerika bestehenden kommunistischen Gemeinden aus gesucht und die bei ihnen herrschenden Zustände studirt hat. Die Ergebnisse seiner Forschungen legte er in einem Buche„Tbe Communistic Societies of tbe United States, from personal visit and Observation", London, John Muray 1875, nieder, das unfern Ausführungen zu Grunde liegt. Es sind zwölf Gemeinden, die er genau studirt hat, die Jnspirationisten von Amana im Staate Iowa, die Harmonisten von Economy in Penn- sylvanieu, die Separisten von Zahar im Staate Ohio, die Shaker, die Persellionisten, die Jcarier, der„sozialen Freiheil" tc. ic. Wenn N. nun fand, daß bei so vielen Gemeinden gewisse übereinstimmende Resultate sich zeigten, so sind dieselben gewiß nicht als ausnahmsweise, sondern als regelmäßige zu betrachte». Welches sind nun die Ergebnisse des Kommunismus? Man sagt, der Kommunismus vernichte das Kapital, mache Kapital- ansammeln unmöglich, weil er den Sparfinn ertödte. Was finden wir aber? Die zwölf Gemeinden, die von armen Leuten gegründet wurden, also nicht mit großen Kapitalien begannen, besitzen heut ein Gesammt- vermögen von über 50 Millionen Mark— das heißt, auf den Kops— sie zählten 1874 mit Einschluß der Frauen und Kinder an 5,000 Köpfe— kamen ungefähr 10,000 Mark(!), und sie ver- fügen über ein Gcsammtarcal von 180,000 Acres— 36 Acres per Kopf. Dabei hebt aber N. ausdrücklich hervor, daß die Gemeinden bei der Ansammlung diese« Vermögens viel behaglicher gelebt haben als die Nachbarbevölkcrung, daß sie gegen Unglücksfälle und Verluste Alexant Gouver Abschaf um 40- konute, da gingen die mit der Vollstreckung Betrauten muthig und cnt- �aben schloffen an's Werk, nicht wie die mit Recht vom Volke verachteten die m Henker, nicht wie italienische Bravi, die ihr Opfer feige von hinten Uber- i B e i s p fallen, auch nicht wie ehrgeizige Herostraten,— denn der Eine von ihnen Eine starb namenlos, von dem Andern ist es noch sehr zweifelhaft, ob der von die Red den Zeitungen gemeldete Name, Ryssakoff, der richttge ist,— sondern wie ab, unt wahrhafte Helden; sie wußten, daß ob ihr Werk gelinge oder nicht, ihnen der z H. Bris sichere Tod drohte. Man mag über die Hinrichtung Alexanders sonst!„Sämn denken, wie man will, man mag sie als eine thörjchte, als eine schäd- die mäi liche, ja als eine verbrecherische Maßregel bettachten, dies Moment dars> ihre Bil auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Nicht da« Petersburger gegen d Attentat, sondern die Petersburger Heldenthat wird die Geschichte dereinst dies Ereigniß zu benennen haben. Wie stets, wenn sie ihre Unfähigkeit und Ohnmacht glänzend doku-I mentirt hat, so greift die Polizeigewalt auch diesmal nachträglich mit brutaler Hand ein und verhaftet, was es nur irgend zu verhaften gibt. Den Gerüchten, welche über vorher ausgespürte und nachher wirklich ent- deckte Verschwörungen ausgesprengt werden, sind daher mit größter- Btuttor Vorsicht aufzunehmen. Ehe nicht authenttsche Nachrichten, und zwar vom ttst Exekutivkomite selbst vorliegen, halten wir uns sür verpflichtet, aus die �">es, Polizeiberichte nicht einzugehen. Unsere Leser finden dieselben ohnehin vttt not in der Tagespresse, für welche die ganze Affäre ein gefundenes Fressen ist.' fltmäßu In Bezug auf das„Attentat" selbst nur noch so viel: Es steht fest,, Gr daß die geflissentlich verbreitete Darstellung, als sei Alexander aus dem R Wagen gesprungen, um nach den Verwundeten zu sehen, eitel Lüge ist.""ststä Der russische Despot hat vielmehr aus Angst davon laufen wollen, wie Hllend er bekanntlich auch bei dem Attentat Solowjesss eine ganz ausnahms«!--Ich weise Feigheit an den Tag legte. Es ist nun freilich nicht sehr angenehm,?°."i von einer Bombe zerschmettert zu werden, das Ausreißen daher auch sehr' begreiflich, aber dem Versuch, einen Akt der Selbsterhaltung in einen he�j-s Akt rührender selbstloser Fürsorge umzulügen, sehen wir uns doch ver- kaiserlii anlaßt, entschieden entgegenzutteten. und Die wahrhast schmachvolle Haltung der europäischen Presse haben wir be- Lebe reits in unserer vorigen Nummer gekennzeichnet. Als besonders charak- und all teristisch verdient noch hervorgehoben zu werden, daß sich die russische Presse am wenigsten servil zeigte, und sich auf Mittheilung der Thatsachen be- schränkte. Unbedingt, und zwar vom ersten Augenblicke an, ttal nur die Arbeiterpresse für die Rechte des Volkes gegen seine Unterdrücker ein. Indeß können wir heute wenigstens mit Genugthuung konstatiren, daß auch in der bürgerlich-demokratischen Presse das Gewissen sich gerührt hat, und die Herren allmählig zur Erken ntniß gekommen sind, wie sehr sie durch Schimpfen auf die„Bösewichter" ihren eigenen Traditionen iitt Gesicht schlagen und der europäischen Reaktion in die Hände arbeiten. Majest- Kraft l Wissen Kräften treuen Staalei oder zr sollte, machen lassen; verttar nach dl Z-it z. dieselb« Meinen schast- — Ebenso schmachvoll als das Verhalten der europäischen Presse ist die Haltung der meisten„B o l k s v e r t r e l u n g e n" anläßlich des Attentats. Der deutsche Reichstag ließ sich— och wie gern!— von seinem Präsidenten zu einer servilen Liebeserklärung überrumpeln- Die„Nordd. Allgemeine" ist ganz aus dem Häuschen, daß unter Genosse Mich z: Kayser bei den Worten des Herrn Goßler demonstrativ da» Haus ver-~1'- tn ließ; wir meinen, es sei das die mildeste Art gewesen, zu doku- � � mentiren, daß die deutsche Sozialdemokratie die Hinrichtung Alerander« II-" nicht für ein fluchwürdiges Verbrechen hält. �u- Jm österreichischen Reichsrath war der Präsident, eine Pole,'charakter-, voll genug, dem Verlangen nach einer Beilcidserklärung nicht nachzu besoigl geben, dafür haben aber die sogenannte Versassungspartei und die Czechet � � ihrem tiefsten Schmerz Ausdruck verliehen. Am erbärmlichsten hat sich indeß die französische Teputirtenkamme:—; unter Anführung des Herrn Gambetta benommen; die Herreu Republi- Ameril kaner, die sich so gerne die Söhne der französischen Revolution nennen, der F, gingen in ihrer Schweifwedelei so weit, als Zeichen ihrer großen Trauet welches •"iffssfcirfcf v Pttlk um.ca I> t.lN Nt Frl-Ut�xg Diäten zu bestehlen. Außerdem lassen die Herren Gambetta, Grevy unk Hoch Kompagnie keine Gelegenheit vorübergehen, die Polizeibüttel Rußland« t v a ch zu spielen. Die in Paris lebenden Russen werden durch die Scherzet brech des Herrn Andrieux in jeder nur möglichen Weise belästigt, am 18. Mär! ölen, verhaftete man einen russischen Studenten Tscherkasoff, der einem Bouket! z-jese beigewohnt, sich aber in keiner Weise an den Debatten betheiligt hatte Die V Zwei Kisten mit Gruppenbildern der Märtyrer der russischen Revolutio- Grund näre wurden mit Beschlag belegt, obwohl die Bilder schon seit Lange« fich im Handel befinden, sowie alle Zeitungen, welche ihre Synipathie mi— den Helden des 13. März ausgedrückt haben, unter Anklage gesetzt, un> Presse zwar auf Grund eines bonapartistischen, in dem von der Deputirten„Satu kammer angenommenen Preßgeseyentwurf bereits gestricheneu Preßknc Damei belungsparagraphen. der I Kein Zweifel, Gambetta u. Cic. wollen durch diese Liebesdienste siä Fraue: für ihren Revanchekrjeg die Hülse Rußlands sichern. Wie abgeschmackt' Berlin Als ob die russische Diplomatie Gefühlspolilik ttiebe! Wenn es ihre« vor ei Zwecke dient, mit Gambetta u. Tie. gegen Deutschland zu marschiren, s« stegun wird fie das auch ohnehin thun, paßt es ihr aber in den Kram, ds in die französischen Republik einen Fnßttitt zu geben, nun, so wird sie da« trat breitet de« Gewinsels der Herren nicht mehr wie gern thun.»ergess Desto anerkennenswerlher ist dieser Bauchrutscherei gegenüber die muthig« Sie„ Sprache und Haltung der französischen Sozialisten. In den meisten der zw wohl Erinnerung an die Pariser Kommune in fast allen Arrondiflemenls von Pari« abgehaltenen Banketts wurde Ryssakoff zum Ehrenpräside nl ernannt oder-m,deri was uns passender erscheint, eine Sympathieerklärung sür die russische« Gesell Revolutionäre angenommen. So nabmen die an dem Bankett des acht zehnten Arrondissements Theilnehmenden, an welchem sich unter Änderet« I. B. Clement, Paul Brousse und Louise Michel betheiligten, folgen» Adresse an:„Das s o; i a l i st i s ch- r e v o l u t i o u ä r c Bankett Welte, von Z derart Zu gn v o n M o n t m a r t r e ist d er Ansi cht, daß dieVerhältnissi lich» den r u s s i s ch e n S o z l a l i st e n eine Pflicht a u s e r l e g' wie si besser geschützt waren, bessere Sdiulen, bessere Pfieganstalten sür dt Greise und Kranken besaßen. Aber die Kommunisten besitzen nicht nur bessere Lehrmittel, al» dt unter privatkapiralistlschcu Zuständen lebende Bevölkerung, ihre ga»j« Lebensweise ist der Ennvicklung der Intelligenz viel förderlicher, als dt bei uns herrschende. Die uubedingte Unterwerfung des Willen» de« Einzelnen unter das Gesammtwohl erlödtet durchaus nicht das Streben uud de» Fortschritt. Im Gegeutheil. Gerade im Interesse der Gesammt heil wird Jeder um d i e Arbeit gebeten, zu der er sich am befähigtest« zeigt und m der er am meisten leisten kann. Ferner ist die physisch« Arbeil aus ein ganz geringes Maß rcduzirt, die Kommunisten besitzen dt besten Maschinen; alle die kleinlichen Lerrichtuugen, die heutzutage so vit Arbeit, namentlich der Frauen, erfordern, das Waffertragen, Kleinmachet des Holzes, geschieht im Großen, vlanmäßig und deshalb in ungemein kurzer Zeit. Auch die Verwaltung ist ungemein einfach, und so komm es, daß die Kommunisten viel freie Zeit haben, daß alle ihre Leistunge« anerkanntermaßen vorzüglich, weit besser als die der Umgebung sind daß sie eine erstamiüche Leichtigkeit und Zuversicht in Allem, wo« sie in die Hand nehmen, an den Tag legen und daß sie ihr Gemein weseu vorzüglich verwalten. Dies gilt nicht nur von den Männern, son dern auch von den Frauen, die in Allem den Männern gleichgestyll sind. Dabei gibt es kaum irgendwo so glückliche Menschen, als die Komm» nisten sind. Sie überarbeiten sich nicht— ihr Grundsatz lautet:„W» wollen aus der Arbett keine Beschwerlichkeit, sondern ein Vergnüge« machen", ihre Werkstätten und Wohnhäuser sind vorttefflich emgerichte« geheizt und ventilirt, uud dabei essen sie viel und gut. Da Alles Pia» mäßig organisirl ist, herrscht Ordnung, Reinlichkeit und Friede, die rast lose Unruhe unserer Gesellschaft ist bei ihnen ein unbekanntes Dinß N. sagt, er habe den Eindruck erhalten, als herrsche in den Kommuniste» gemeinden ein ununterbrochener Sonntag.(Schluß folgt.) j wenn wan „Fräi b dring, 1880 Brem aber weil »ier Möst, de« ttotz ist kei der r & Sinn »nser ober kchast- vnd> Zu bl Zeitu liier i ist dl SRoni 5Reful Zweit �flben, der sie nachg«komm«n sind und welche Allen, die mit gleichen Hindernissen zu kümpscn haben, als Beispiel dienen muß". Eine sehr energische und prinzipiell gehaltene Erklärung gaben auch die Redakteure und Mitarbeiter des unter Anklage gestellten„Ciloyen" ab, unter ihnen Jules Balles, Benoit Malon, Leon Cladel, Fr. Conrnet, H. Brissac, Em. Massard, A. Le Roy sc. Es heißt da unter Anderem: „Sämmtlich haben wir in dem am 13. März vollzogenen Akt der Gerechtigkeit die männliche und berechtigte(logitimo) Empörung der Geknuteten gegen ihre Bllttel, der Gesolterten gegen ihre Peiniger, des russischen Volkes liegen den russischen Zaren erblickt." Gegenüber dem Geflunker von allerhand R e s o r m e n, welche Alexander II. in Aussicht genommen habe— bald heißt es, daß in 23 Gouvernement» die Loskaufszahlungen, welche die Bauern für das bei Abschaffung der Leibeigenschaft ihnen zuertheille Land zu entrichten haben, um 40—70 Proz. verringert werden sollen, bald soll bereits eine Kon- stitution ausgearbeitet sein-c.— gegenüber diesem Geschwätz steht so diel fest, daß der„liberale" Thronfolger bis jetzt nicht nur ganz die Wege seine«„erlauchten" Baters wandelt, sondern diesen sogar an Unverschämt- heil noch zu überbieten sucht. Wir sehen ganz ab von der Unterdrückung so gemäßigter Zeitungen, wie„Strana" und„Golos", aber übertrifft es nicht den Größenwahn selbst der asiatischen Despoten, wenn der Herr sämmt- liche Russen vom 12. Jahre an— denn sobald man auch nur anfängt, selbstständig zu denken, ist man in Rußland schon staatsgesährlich— zu solgendem„Treueid" zwingt: „Ich, Endesunterzeichneter, gelobe und schwöre beim allmächtigen Gott, vor seinem heiligen Evangelium, daß ich will und verpflichtet bin, Seiner kaiserlichen Majestät, meinem wahren und angeborenen Aller- gnädigsten Großen Herrn und Kaiser Alexandrowitsch, Selbst- Herrscher aller Reußen und dem legitimen Nachfolger Seiner kaiserlichen Hoheit, Großfürst- Thronfolger Nikolai Alexandrowitfch, treu und recht zu dienen, in Allem zu gehorchen, mein Leben bis zum letzten B l u t« t r o p s e n n i ch t �z u schonen und alle zur hohen Selbstherrschaft, Macht und Gewalt Sr. kaiserlichen Majestät gehörenden Rechte und Prärogative, die bereits in gesetzlicher Kraft bestehen oder spliter i» geseilliche Kruft trete,! feilten, nach bestem Wissen und Gewissen zu schützen und zu verlheidigen und mich mit allen Kräften zu bemühen, in allen Fällen Alles das zu fördern, was den kreuen Dienst Sr. kaiserlichen Majestät gegenüber und den Nutzen des Staate« betreffen kann; im Falle aber etwas zum Schaden, Nachlheil aber zur Schädigung der Jniereffen Sr. kaiserlichen Majestät geschehen sollte, sowie ich es erfahre, nicht nur sofort Anzeige zu wachen, sondern es auch mit allen Kräften �abzuwenden und nicht zuzu- lassen; jede« mir aiivertraute Geheimniß fest zu bewahren, jedes mir an- vertraute Amt nicht nur nach diesem(General-) Gelöbniß, sondern auch nach den besonderen, im Namen Sr. kaiserlichen Majestät von Zeit zu Zeit zu erlheilenden Instruktionen und Reglement« und Ukaseu, sobald dieselben von den mir bestimmten Vorgesetzten mir mitgetheilt sind, nach meinem Gewiffen zu verwalten, aus Eigennutz, Freundschaft oder Feind- schaft gegen mein Amt und meinen Eid nicht zu handeln, und demnach chich zu führen und zu handeln, wie es einem treuen Unterthan Sr. kaiserlichen Majestät geziemt und zukommt, und wie ich es vor Gott und dem jüngsten Gericht verantworten kann; so wahr mir Gott geistig und körperlich helfen möge. Zur Bekräftigung meines Eides küsse ich das heilige Evangelium und das Kreuz meines Erlösers. Amen." Auf gut Deutsch: ich entsage all' und jeder Selbstständigkeit und erkläre mich zum willenlosen Werkzeug Alexanders III. Nun, dieser Eid wird hefolgt werden wie die Eide der Fürsten, d. h. er wird gebrochen werden, wo und wann es möglich ist. ne:— Scheußlich! Der neue Präsident der Vereinigten Staaten von fli Amerika sagte in seiner Antrittsrede unier Anderem:„Die Verletzung teit. der Freiheit der Wahl ist mehr al« ein Nebel, sie ist ein Verbrechen, ue> welches, falls es fortgesetzt wird, die Regierung selber vernichtet. Selbst- srl mord ist kein Heilmittel. Wenn e» in anderen Ländern al« int Hochverrath gilt, dem König nach dem Leben zu �dl trachten, so sollte es hier nicht minder als ein Ver- g" brechen betrachtet werden, wenn unsere souveräne uy Gewalt erdrosselt und deren Stimme erstickt wir d." k� Tiefe amerikanische Republik fängt wirklich an, fürchterlich zu werden. w Tie Verletzung der Freiheit ein V e r b r e ch e n! Wo bleibt bei solchen ti»' Grundsätzen die Bismarckische Rettung der Gesellschaft. mi— Zum Trunkenheitsgesetz. Die wohlgesinnte deutsche in> Presse druckt mit pharisäischem Behagen einen Artikel der Londoner cn„Zaturday Review" über das Schnapssausen der„fashionablcn englischen »e Damenwelt" nach. Nun, die edlen Töchter Albions, Mistreß Brown an der Spitze, sind durchaus nicht schlimmer al« die mgendhaslen deutschen stf Frauen. Wenigstens sagte bereit» Anfangs der siebziger Jahre ein ckl Berliner Dozent der Medizin, wenn wir nicht irre», Prof. Bardeleben, .•ei> vor einem sehr zahlreichen Auditorium:„Sie machen sich keine Vor- !' stellung, meine Herren, wie sehr der übermäßige Branntweingenuß bis de:(„ � höchsten Kreise hinein, und zwar bei Herren und Damen ver- ro! breitet ist. Wenn Sie später eine vornehme Dame zu behandeln haben, vergessen Sie ja nicht, das sogenannte„Riechfläschchen" zu untersuchen. n!) Sie werden da mitunter weder Eau de Eologne noch Eß-Bouquet finden, zu wohl aber den stärksten Rum oder Kognak". trü � Wenn irgend ein armer Teufel zu tief in« Glas guckt, weil ihm stt andere Genüsse versagt sind, wie unästhetisch, wie roh ist das! Diese he> Gesellschaft aber verfügt Uber die ausgesuchtesten Leckerbissen zweier � Welten, alle Mittel der geistigen Anregung stehen ihr zur Verfügung, ee« von Vergnügen stürzt sie sich zu Vergnügen,— und so überreizt sie sich nd derart, daß sie schließlich gezwungen ist, zu den gröbsten Genußmitteln :' ju greifen, um nicht ihr ganzes Dasein„ekel, schaal und unersprieß- ff lieh»-u finde». Wie nähern wir uns doch mit Riesenschlitten den Zuständen, :9 wie sie da« römische Welttcich zur Zeit seines Unterganges darbot! — Man ist fast versucht, den obigen Vergleich weiter auszuspinnen, wenn man die Berichte über den stetig anschwellenden Strom der Aus- Wanderung in die Hand nimmt. So finden wir in der radikalen „Fränk. Tagespost" vom 14. März d. I. folgende charakteristische Notiz: „Zur Auswanderung schreibt man uns: Die Leipziger„Jllustr. Ztg." bringt unter der Rubrik Auswanderung folgendes: Im letzten Jahre 1330 war die Auswanderung dreimal so viel als im Jahre 1879. Ueber Bremen allein wurden 80,000 Auswanderer befördert. In diesem Jahre »ber scheint die Auswanderung Alle« bis jetzt Dagewesene weit zu übertreffen. Schon jeyt sind von Amerika' au« viermal so viel Schissskarten für Angehörige in der alten Heimath Selbst, al« im vorigen Jahre um diese Zeit. Die Direktion be« Norvdeusschen Lloyd glaubt, daß für diese« Jahr ihre Dampfer, trotz der großen Anzahl, nicht ausreichen. Run, lieber Leser, das >sl keine Auswanderung mehr. Das ist schon mehr eine Bölkerwan- ber ung." Freilich müssen wir hinzufügen, eine Völkerwanderung im umgekehrten Sinne der Völkerwanderung des vierten und fünften Jahrhundert« unserer Zeitrechnung, man könnte sie eher eine Völker flucht nennen, über gleich dieser ein mächtiger Faktor des Unterganges der allen Gesell- schaft. Jeder Einwanderer in Amerika trägt dazu bei, die ökonomische, Und mit ihr die politische Weltherrschaft der transatlantischen Republik iu beschleunigen. Schon im Febrnarheft der„Revue der Neuen Rhein- Zeitung" vom Jahre 1850 schrieb Karl Marx: „Wir kommen nun zu Amerika. Das wichtigste Faktum, da» sich slier ereignet hat, wichtiger als die Februar- Revolution, ist die Entdeckung der kalifornischen Goldgruben. Schon jetzt nach achtzehn Monaten läßt sich voraussehen, daß diese Entdeckung viel großartigere Resultate haben wird, al« selbst die Entdeckung Amerika'«..... Zum Zweiten Mate bekommt der Welthandel eine neue Richtung. Dann wird der stille Ozean dieselbe Rolle spielen, wie jetzt der atlantische und im Allerthum und Mittelalter das mittelländische Meer— die Rolle der großen Wasserstraße des Weltverkehrs, und der atlantische Ozean wird herabsinken zu der Rolle eine« Binnensees, wie sie jetzt das Mittelmeer spielt. Die einzige Chance, daß die' europäischen zivi- lisirten Länder bann nicht in dieselbe industrielle, kommerzielle und politische Abhängigkeit fallen, in der Italien, Spanien und Portugal sich jetzt be- finden, liegt in einer gesellschaftlichen Revo- l u t i o n.*)..." Ein Blick auf die heutigen Verhältnisse des Weltverkehr» zeigt uns, wie nahe wir bereits der von Marx geschilderten Epoche sind. Die kali- sornischen Goldgruben lenken den Strom der Auswanderer nach dem Westen Amerikas und wurden die Veranlassung zum Bau jenes großen Eisenbahnnetzes, welches es heute möglich macht, da» im Westen ge- wonnene Getreide zu einem fast minimen Frachtsatz auf den europäischen Markt zu bringen, der atlantische Ozean ist bereits ein Binnensee gewor- den zum großen Verdruß der europäischen Staatsweisen, denen die land- wirthschaftliche und industrielle Konkurrenz Amerikas anfängt fürchterlich zu werden. Ganz besonders ist es Deutschlands„genialer" Kanzler, der mit wachsendem Aerger sehen muß, daß trotz seiner„großartigen Wirth- schastsresorm" der erhoffte Jndustrieaufschwung beharrrlich ausbleibt. Er hat die Schutzpolitik Amerikas nachahmen wollen, aber leider vergessen, daß„qnod licet Jovi", was sich der Aankee gestatten durfte, deshalb bovi, d. h. dem märkischen Junker, noch durchaus nicht erlaubt ist. Es wäre halt so schön gewesen, die Schutzzölle ack usnm delpliini— für Moltke und Konsorten— einstecken zu können und al« Nebengeschäft der verkrachten Industrie auf die Beine zu helfen. Niemand kann aber zween Herren dienen, und außer einigen Großindustriellen wartet das deutsche Volk noch immer auf die gebratenen Tauben, oder es wartet auch nicht und entzieht sich dem Segen der„nationalen Wirthschaftspolitik" durch eine ganz unnationale Auswanderung. So steigert sich die Produktivkraft Amerikas in rapider Progression, und zwingender tritt die Alternative an die zivilifirten Staaten Europas heran: Uebergang zu einer höheren, zur kommunistischen Produkttonsweise oder vollständige Versumpfung. Daß diese Alternative in ersterem Sinne entschieden werde, dafür zu sorgen, da« ist die Aufgabe des europäischen Proletariats. — In Schwientochlowitz, Oberschlesien, hat am 12. März ein B e r g- a r b e i t e r-„K r a w a l l" stattgefunden, der, wie die„Norddeutsche Hundsgemeine" triumphirend mittheilt,„sehr bald ein End- fand, nachdem aus Königshlltte ein Militärkommando eingetroffen und die Schließung sämmtlicher Schankstätten in und bei Schwientochlowitz angeordnet worden war." Verursacht war die Erhebung durch starke Arbeiterentlassungen, Herab- Minderung der Werktage auf 20 im Monat, jammervolle Löhne— nach der„Benth. Ztg." beträgt der Durchschnittslohn Mk. 1.40 für Schlepper und Mk. 2.50 pro Schicht für die älteren Bergleute. Bon diesen Löhnen erfolgen nun die Abzüge für entnommenes Lampenöl, serner für Knapp- schastsbeiträgc, rückständige Steuern bis zu Steuer- resten von 9 Monaten, etwaige Geldvorschüsse sc.. Und angesichts solcher Thalsachen entblödet sich das Leibblatt de« schnapssausenden Schnapsbrenners nicht, den Arbeitern Vorwürfe darüber zu machen, daß sie das ihnen zum Selbstkostenpreise gelieferte Lampenöl an de» Krämer verschleudern,„um nur ihr Gelüste nach Fusel zu be- friedigen." Als ob bei solchen Hungerlöhnen die Arbeiter nicht gezwungen wären, sich durch Fusel anzuregen! Wenn sie es könnten, würden sie wahrscheinlich lieber guten Kognak trinken, wenn auch nicht in so riesigen Quantitäten wie der„große Sozialreformer". —„H o l' mich Gott!" so flucht in einem Grabbeschen Lustspiel der Teufel. Hol' Dich der Engel, diesen Fluch wird man in Zukunft anzu- wenden haben, will man unsern„genialen" Wirthschastsresormer in ge- linde Raserei versetzen. Hol Dich der Engel! d. h. nicht etwa der Erz- enge! Gabriel, auch nicht der Altonaer Polizeiengel, sondern der königlich preußische Geheimrath Engel. Dieser impertinente Stattstiker kann näm- lich wirklich recht unangenehm werden. Hat da im November vorigen Jahres Herr Hecht, pardon Lnciu», aä majorem Hei, d. h. der Korn- zölle, xloriam dem staunenden Hause der preußischen Abgeordneten mit- getheilt, daß sich im laufenden Jahre, d. h. 1880, die Ernteerträgittsse bedeutend gegen da« Vorjahr gehoben hätten. Welch' ein glorreicher Erfolg der neuen Wirthschaftspolitik. Heil dem großen Kanzler! Und nun kommt dieser Engel, dieser Nichtswisser, und weist im neuesten Hefte der„Zeil- schritt des Königl. Preuß. Statist. Bureau'«" nach, daß die Angaben de« Herrn Lucius falsch sind, daß der Getreidemarkt von 1880 gegen 1879 nicht nur keinen Uederschnß, sondern vielmehr ein Defizit ergebe. So stellt sich für Roggen statt der behaupteten' Zunahme um 6' z Millionen Doppelzentner für die 188<»er Roggenernte gegen da« Vorjahr eine Abnahme um nahezu 7 Millionen Dop- p e l z e n t n e r heraus. Herr Lucius hat nämlich die provisorischen Ernleangaben de« Jahres 1880 mit dem definitiven Ergebniß de« Jahres 1879 verglichen, während ihm der Engel mit teuflischer Bosheit nachweist, daß die provistrischen Angaben bisher gegenüber dem definitiven Ergebniß stetsum20 bis33 Prozent zu hoch gegriffen wur- den. Natürlich hatte unser braver Hecht, der kein Wässerchen zu trüben vermag, nur in gutem Glanben gehandelt. Aber, es ist doch recht fatal, so nn— schuldige Minister zu haben und so boshafte Statistiker. Wenn der Cognak nicht wäre, man könnte verzweifeln. — Der Fabrikantenverein der Meeraner Textilindustriellen petitionirt Angesicht» der Nothlage in seiner Branche— die wöchentlichen Arbeitslöhne sind so gesunken, daß sie jetzt bei 29 namentlich angeführten Fabrikanten bei einer Arbeitszeit vo n 6 T a g e n von Mk. 4.90 bis M. 7.— variiren!— um Abschaffung des Garnzolls oder entsprechende Erhöhung des Zoll« auf ausländische fertige Waaren. Da der„große Sozialresormer" augenblicklich noch von der Unsehl- barkeil seiner nationalen Wirthschaftspolitik durchdrungen ist, so werden die Petenten wohl, wenn sie überhaupt etwa» durchsetzen, den Zoll aus auswärtige fertige Waaren erhöht bekommen. Und dann werden sie zu ihrem Schreck gewahr werden, daß ihnen die Abnehmer ihrer Pro- dukte in steigender Progression davonlaufen. — Sehr ch a r a k t e r i st i s ch ist in der vorerwähnten Petition auch ein Passus, in welchem es heißt, die Erhöhung des Zolle« auf Garne „sei Ursache des Drucke« auf den Arbeitslohn, da e» nahe liege, daß die Auslage des Zolle« wieder eingebracht werden müsi«, und dies werde zuvörderst und fast sich von selbst ergebend>(!!) d i e Arbeitnehmer treffen müssen. Es sei die« um so härter, als andere Bestimmungen des Zolltarifs den Arbeitern ohne Weiteres die Ver« theuerungvonansländischemFett, Schmalz, Getreide, Petroleum sc., also bedeutend vermehrte Ausgaben bei einem Durch- schnittSverdienst von wöchentlich 4—0 Mark ff ür einen Haushalt von 4— 5 Köpfen gebracht und eine Nothlage geschassen habe, die fast unerträglich genannt werden müsse." „Und fast sich von selbst ergebend"— ein klassisches Zeugniß für den Ausbeutungscharakter der kapitalistischen Produktionsweise! Und dabei, welches Herz für die Arbeiter! Man gesteht zu, daß die Steigerung der Lebensmittelpreise bei einem Einkommen von 4—6 Mark wöchentlich, d. h. noch nicht einer Knrli pr» Tag für eine Familie von 4—5 Köpfen eine Nochlage geschaffen habe, die f a st— dieses fast ist empörend!— unerträglich genannt werde» müsse. Was verlangen die Herren denn noch, um die Lage der Arbeiter als positiv unertt-äglich zu bezeichnen! •) Zitirt au«„Herr Bogt" von Karl Marx. S. 43 u. 44. — Eine vernichtende Anklage gegen die heutige Gesellschaft. In H o s e n fand ein Mädchen am Neckarufer einen Zettel mit solgendem Inhalt:„Cannstadt, 8. März 1381. Bitte den Finder dieses in der Eßlinger Zeitung bekannt machen zu lassen:„Ich bin Handwerksbursche, fechten kann ich nicht, Arbeit bekomme ich nicht, hungern kann ich nicht und Geld habe ich nicht und nach Haus kann ich nicht. K. Haas, Ob.-Eßlingen. Sucht mich im Neckar, im Neckar find ich Ruh." So sterben sie um uns herum, Tag aus, Tag ein, und wir sollten no h besonderes Mitleid empfinden für einen Monarchen, der sein Lebelang in Ueberfluß geschwelgt hat, während sein Volk hungerte? Nein, und tausendmal nein! Unser Mitleid gehört dem armen, ausgebeuteten und geknechteten Volke. — Ekelhaft wird nachgerade die unverschämte Art und Weise, wie dem Volke immer nnd immer wieder von der Milde, Güte und Frei- gebigkeit des Hohenzollernkaisers vorgeschweselt wird. Erstens hat es dieser Mann an und für fich ungeheuer leicht,„milde, gütig und freigebig" zu sein; denn wenn z. B. ein armer Arbeiter für einen arbeitslosen oder durch Krankheit heruntergekommenen Kollegen ein Viertel seines kargen Taglohns hergibt, was alle Augenblicke vorkommt, so ist das ein u n- endlich größeresOpser, als wenn der deutsche Kaiser für irgend einen wohlthätigen Zweck einige hundert Mark springen läßt. Zweitens aber, und da« ist das Beste oder vielmehr da« Eckelhasteste an der Sache, ist in der Regel der Heldengreis gar nicht aus seiner Tasche, sondern auf Staatsunkosten„gütig und freigebig". So lausen jetzt wieder zwei rührsame Historien von der„Herzensgüte" des Hohenzollernkaisers durch die Blätter, die fich, wenn man genau zusieht, als ganz gemeiner Schwindel entpuppen. In dem einen Falle nämlich handelt es sich einfach darum, daß einem verunglückten Soldaten, dem man die Pension herabgesetzt hatte, auf Befehl Wilhelms die alte Pension wieder ausbezahlt wird, im zweiten hat der „gute Kaiser" einer alten Bittstellerin, die sich vom Handel mit selbst- verfertigten„Kringen", einer Art Kopsbedeckung, ernährt, sechs paar ab- gelegte Militärhosen nnd einen alten Soldatenmantel übersenden lassen. Da nun die Frau später mit den Kringen Hausiren geht, so wird sie die Mär von dem„guten" Kaiser dabei von Haus zu Hans tragen,— fürwahr eine billige Reklame". Wie lange aber wird das Voll sich noch durch solchen Schwindel täuschen lassen? Wie lange noch da«, was von Rechtswegen ihm gehört, als Bettelpfennig annehmen? — Ein Scheusal in Menschengestalt, der Vizeseldwebel Ludwig Marz, stand am 15. März vor dem Militärbezirksgericht in Würz- bürg, wegen Soldatenmißhandlungen angeklagt. Es ist unglaublich, was die armen Opfer diese» Ungeheuer« sich haben gefallen lasse», ohne daß sie es auch nur wagten, sich zu beschweren. Nur einige wenige Bei- spiele werden genügen, um zu zeigen, mit wie rasfinirter Grausamkeit der Elende zu Werke ging. „Beim Signalunterricht mußte der Soldat Helm von 15 Leuten Ohr- feigen bekommen und zwar von Jedem 5 Ohrfeigen, Helm mußte sie laut vorzählen und die Ohrseigen von Mann zu Mann in Empfang nehmen, so daß ihm das Gesicht ausschwoll und er 14 Tage den Mund nicht mehr aufmachen konnte. Und die» Alles, weil Helm einen seiner Kameraden nicht tüchtig genug geohrfeigl hatte! Ei» andere« Mal ließ der Hallunke 5 Mann antreten und ließ sie von'/,8 Uhr bis nach dem Zapfenstreich vor dem bis zum R othglühen erhitzten Ose» Gewehrübungen machen, bis sie nicht inehr athmen konnten, zusammenstürzten und der Schweiß ihnen in Strömen herunterrann, während er selbst mit einem Anderen Karten spielte. Als Helm im U»lerricht einmal nicht gleich antworten konnte, riß ihm der Vizefeldwebel den Mund mit dem Schürhaken aus, gab ihm dann den Schllrhaken als Gebiß in den Mund und ließ von zwei Sol- daten den Kops nach hinten drücken. Als es ihm nicht genügend erschien, n ahm er selbst die beiden Ende in die Hand und preßte den Kops so nach hinten, daß Helm zusammenstürzte und die Zähne lose wurden. Die Mundw inlel waren 8 Tage von dieser Prozedur ausgerissen.„Ich habe mich melden wollen," sagte Helm aus,„aber die älteren Unter- Offiziere ließen e« nicht zu»nd obwohl ich nicht mehr laufen konnte, wurde ich' nicht zum Arzte geführt." Genug von diesen Scheußlicheiten! Das Urtheil lautete auf 18 Monate Gefängniß und Degradation. In Hannover hat unser Genosse Kaufmann wegen Verbreitung der„Freiheit" vier Jahre abzubüßen! Ein wahres Glück ist e« noch, daß Dank der bairischen Reservat- re chle solche Dinge wenigstens in Baiern zur öffentlichen Verhandlung kommen. Im ganzen übrigen Preußen-Deutschland würden sie insolge des von den Liberalen fabrizirten„Militärstrafrechts" hinter verschlossenen Thüren,„ganz unter uns Mädchen"„verhandelt". Welche Schustereien mögen da„im Interesse der Disziplin" vertuscht werden. O Volk, wie lange noch wirst du deine Söhne einer so schmach- vollen Behandlung preisgeben! Beiläufig. Warum gehen die Mitschuldigen de« Marz, die vertuschenden älteren Unteroffiziere frei aus? — Au« Berlin. Wiederum haben in einer Bezirksversammlung im vierten Berliner Reichstagswahlkreise die Berliner Arbeiter muthig dokumenttrt, daß sie nicht gewillt sind, diesen Wahlkreis der Fortschritts- Partei zu überlassen. Ueberaus treffend sagte i» dieser Beziehung der Tischler Poppe unter lebhaftem Beifall der anwesenden Arbeiter: „Herr Rechtsanwalt Munkel sagte sehr richttg: Mittelparteien wird es bei den künftigen Reichstagswahlen kaum geben, es gibt nur noch ein Recht? oder ein Link«. Nun, meine Herren, dann können wir auch nicht für die Fortschrittspartei stimmen." Außer Poppe sprachen noch im gleichen Sinne die Arbeiter B l o n ck(Bildhauer), H i n tz e(Drechsler) und Marsch, jedem von ihnen wurde aber, sobald er von der Sozial- demokratie sprechen wollte, auf Veranlassung des überwachenden Polizisten das Wort entzogen. Beim Schluß der Versammlung trennten sich die Arbeiter, wie der Bericht sagt, unter Hochruscn auf den 18. März 1848. Bravo! — Verschiedene Zeitungen berichten von einem„An die deutschen Arbeiter aller Parteirichtungen" gerichteten und von Berliner„hervorragenden Sozialisten" unterzeichnetem Flugblatt, „welche« in ebenso klarer als bündiger Weift die Arbeiter über den wahren Werth des Unfallversicherungsgesetzes aufklärt und den Nachweis führt, daß dasselbe nur dem Arbeitgeber zu Gute komme, dein Arbeiter selbst aber nur minimalen Bortheil, dagegen bedeutende Nachtheile bringe". Diese« Flugblatt empfehle schließlich„in Erwägung, daß erstens der vorliegende Entwurf zwei Drittel der Unfälle unver- sichert läßt und zu zahlreichen Prozessen Veranlassung geben würde, daß zweitens die Arbeiter mehr als bisher belastet werde, daß drittens der erstrebteZweck besser durchVer- schärfung des Haftpflichtgcsetze« mit Anzeigepflicht und Schutzvorrichtunegn erreicht werden könne,— den Reichstag in einer Petition aufzufordern, unter Ablehnung de« Arbeiter-Unsallversichernngs- gesetzes, behufs wirksamer Verhütung und Ensschädigung der Unfälle dafür einzutteten,„daß das Hastpflichtgesetz auf alle nicht dem Klein- gewerbe an gehörigen Betriebe ausgedehnt, die Beweis last aus die Unter. nehmer überttagen und die Anzeigepflichl bei Unfällen, sowie die Vor- schriften zum Schutz von Leben nnd Gesundheit der Arbeiter baldigst eingeführt werden." Uns ist diese» Flugblatt bisher noch nicht zu Gesicht gekommen. — Vivant sequentes! In Breslau haben unsere Genossin am 17. März in frühe», polizeiwidrig früher Morgenstunde ein von W. Hasenclever und I. Kräcker unterzeichnete» Flugblatt in vielen Tausenden Exemplaren verbreitet. Der Erster- berichtet dorm über seine Thätigkeit als Reichstagsabgeordneter. Die Verlängerung des Ausnahmegesetzes und die versprochenen positiven Maßregeln der Regierung zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, als da find: die Zwangsinnungen, der Arbeiter-Unfallverstcherungskassenentwurf, die neuen Zölle und indirekten Steuern, sowie die in Aussicht stehenden neuen Steuern und die erhöhten Militärausgaben werden, wie die Zei- tungen berichten, in dem Flugblatt schars k r i t i s i r t, ebenso der Moltke'sche Bries über den Krieg. — Auch in Hannover haben unsere Genossen gelegentlich einer Rede des Herrn S t ö ck e r kräftigen Beweis dafür abgelegt, daß die Sozialdemokratie noch nicht todt ist und der Herr Hosprediger somit daraus verzichten muß, ihre Erbschaft anzutreten. Schmutzig, wie es nur eben einem Pächter der christlichen Liebe möglich ist, suchte sich Herr Stöcker, kaum nach Berlin zurückgekehrt, durch eine seiner Ansicht nach wirksame Denunziation zu rächen, indem er augenverdrehend jammerte, die Sozialdemokratie habe durch das Petersburger Attentat neuen Muth gewonnen und erhebe kecker als je ihr Haupt. Wir merken die gute Absicht, edle Psaffenscele, sind aber gar nicht verstimmt, denn wir haben keinen Grund, es zu verheimlichen, daß der Hcldenmuth der russischen Freiheitskämpfer erhebend und kräftigend auf uns gewirkt hat. Darum geben Sie sich nur rechte Mühe, das„Attentat" zu„fruktifiziren", nützt Ihnen doch nichts, der alte Schwindel zieht nicht mehr. — Wie uns aus Karlsruhe mitgetheilt wird,(vergl. unsere Korrespondenz), ist der auf Grund des famosen Berliner Hoch' verrathsprozesses verhaftete Genosse Kalnbach nach IVwöchentlicher Untersuchungshast endlich aus der Haft entlassen worden. Der Prozeß selbst �„schwebt" noch— es sitzen noch über 30 Personen— und wird mit einer Heimlich- und Wichtigthuerei betrieben, die dem Spießbürger Angst machen soll, nachgerade aber das Gegentheil bewirkt, d. h. lächerlich wird. Gegenwärtig reist der mit Untersuchung beauftragte Stadtgerichtsrath Hollmann im ganzen Lande herum, wie ausposaunt wird, um„die große Anzahl der Zeugen an Ort und Stelle ihrer resp. Gerichtsbezirke zu vernehmen". Es ist grauslich. — Genial. In Dresden ist Genosse Kegel in Anklagezustand ver- setzt worden, weil man bei ihm einzelne Exemplare verbotener Zeitungen gefunden hat und anzunehmen sei, daß er dieselben Anderen gezeigt habe. Wir könnten dem Juristen, der diese Anklage ausgeheckt, um den Hals fallen. Auf diese Weise könnte man ja endlich den Besitz einer verboteneu Druck- schrist für strasbar erklären, da anzunehmen ist, daß Jeder, der ein solche« Ding hat, es auch Anderen zeige. Ueberhaupt sollte der Unfug, daß für jede Anklage ein Thatbestand vorliegen muß, beseitigt werden. Wer seine Unschuld nicht beweisen kann, ist strasbar. Basta! Leider haben sich die Berliner Richter noch nicht zu dieser Auffassung aufschwingen können und kürzlich vier Genossen, bei denen man mehrere Hundert unserer Flugblätter gefunden hatte, wegen mangelnden That- bestände« freigesprochen. Selbstverständlich hat das auf die s. Z. erfolgte Ausweisung der Angeschuldigten keinen Einfluß. — So muß es kommen. In Petersburg hat man bei sämmtlichen Polizeibeamten, hohen wie niederen, öffentlichen wie geheimen, in ihrer Abwesenheit Haussuchung abgehalten und eine Reihe von ihnen in Anklage- zustand versetzt. Hinter jeden Polizisten noch ein Polizist, welchen euro- päischen Staatsmann lockt dieses Ideal nicht zur Nacheiferung an! — Eine grobe Majestäts beleidigung publizirt in seiner neuesten Nummer der„Staatssozialist", indem er den deutschen Kaiser folgendermaßen ansingen läßt: „Schau wiederum vom Nebo Deiner Jahre Herab auf deiner Thaten schwere Last", Thaten, die schwer auf Wilhelm I. lasten?... Sollte der Dichter an die Rastatter Morde gedacht haben? — Antisemitisches. Die Berliner Antisemiten habe» in einer großen Versammlung, die am 14. März im Tivolisaale stattfand, laut „Volksztg." lebhast bedauert,'„daß der jüdische Ursprung des Attentat« auf den Kaiser von Rußland noch nicht völlig erwiesen sei." Da haben die Herren im edlen Eifer einmal grünvlich Ub�r das Ziel hinaus- geschossen. Eine bessere Reklame für die Juden konnten sie gar nicht ausfindig machen, als indem sie ihnen das ArteMat auf den russischen Kaiser in die Schuhe schoben. Denn das Volk läßt sich in seinem Urtheil über die Petersburger Vorgänge weder durch diplomatische noch durch Partei-Manöver beeinflussen und weiß, wem e« im Kampf zwischen Unterdrückern und Unterdrückten seine Sympathien zuzuwenden hat. — Weit davon ist gut vor'm Schuß. Nach einem Telegramm der„Times" hat Herr Hasselmann in einer Versammlung in New- Aork u. A. gesagt, Alexander sei nicht der einzige Bluthund in Europa, der Kaiser Wilhelm sei durchaus nicht besser, die ganze Familie verdiente ausgerottet zu werden, und habe mit den Worten geschlossen:„Tödtet, zerstöret, mordet, vernichtet Eure Aristokratie bis zum letzten Keime".— Diese Maulhelden sind doch alle gleich; ob wohl je einer der wirklich thatkrästigen Revolutionäre eine so großspurige Sprache geführt, als dieser feige Ausreißer und seine Kumpane, die durch ihre albernen Uebertrei- bungen die heroische That auf das Niveau eines plumpen Effektstückes herabdrUcken. — R i x zu verbieten? Bismarck möchte für sein Leben gern bei dem Petersburger Attentat seinen Schnitt, so ein kleines Profitchen machen und läßt daher vorläufig durch sein Leiborgan die Freihändler als Anarchisten, und folglich auch als Nihilisten denunziren. Wir gönnen den Herren Bamberger und Konsorten eine kleine Hätz von Herzen, müssen aber doch gegen den Vergleich Einspruch erheben. Wenn wir auch den Namen„Nihilist" als vom cko xuorro für die russischen Revolutionäre gelten lassen wollen, so sind wir doch in der Lage, die Behauptung, als sei Anarchist und Nihilist identisch, energisch zurückweisen zu müssen. Weder find alle sogenannten Nihilisten Anarchisten, noch sind alle russischen Anarchisten„Nihilisten". Die Herren Bamberger, Braun, Richter und Konsorten können also ruhig sein, Druckschristen, in welchen sreihänd- lerische, monometallistische und antistaatsmonopolistische auf den Umsturz der Bismarckischen Sozialresorm gerichtete Bestrebungen in einer die allgemeine Bismarckverehrung inbesondere die Eintracht unter den Bis- marckgläubigen gefährdenden Weise zu Tage treten, werden einstweilen noch nicht aus den Index gesetzt. Weitere Ausweisung. Der Bauunternehmer Hecht au« Tempelhof bei Berlin ist von Madai ausgewiesen worden. Kommt auf Konto. — Bon dem bereits früher, sowie in Nr. 11 des„Sozialdem." gekenn- zeichneten Stadtrichter Gottlieb Köhn in Stuttgart geht uns folgender Schreibebrief zu: „Stuttgart, d. 12. März 1831. „Der Redaktion de«„Sozialdemokrat" in Zürich habe ich den Empfang der mich betreffenden Ein- und Zusendung in Nr. 11 Ihres Blatte«„Stuttgart, 6. März" mit gebührendem Dank zu bescheinigen. „Sie haben mir schon einmal die Gefälligkeit erwiesen, meinen Namen in weiteren Kreisen bekannt zu machen. Dießmal geben Sie sich die Mühe, die Ihnen zugängliche Welt von meinem körperlichen Befinden und an- deren privaten Umständen zu unterrichten. Daß Sie wegen meines Gesundheitszustandes in Sorge sind, begreife ich, wenn ich die freund- schastlichen Maßregeln ins Auge fasse, die Sie noch mit mir vorhaben; ich will daher zu Ihrer Beruhigung sogleich zum Arzt gehen, damit Sie, wenn möglich noch etwas von mir finden, falls es heule und morgen und vielleicht auch Ubermorgen noch nicht zu dem von Ihnen ersehnten allgemeinen Losschlagen kommen sollte. Daß Sie sich alsdann mit meinem Rücken begnügen wollen, ist mir ein großer Trost; denn bisher glaubte ich, daß es ohne Pulver und Dynamit bei Ihnen nicht abgehe. Wahr- scheinlich war diese Meinung ein bloße« Erzeugniß der von Ihnen behaupteten Attentatsfurcht. Sollten Sie für letzteres weitere Beweise in Händen haben, so bitte ich, mit denselben ja nicht zurückzuhalten; bei Ihrer reichen Phantasie sollten Sie darüber nicht in Verlegenheit sein. „Ueberhaupt würde es mich freuen, von Ihnen dann und wann weitere Zusendungen wie die vorliegende zu bekommen, sie würden, aus was ich immer viel Gewicht lege, zur Vermehrung meiner Menschen- und Selbst- kennlniß beitragen und mir jedenfalls die Zeit vertteiben Helsen, so daß ich um so leichter — die Schwere des Daseins erttage Und das ermüdende Gleichmaß der Tage. Gottlieb Köhn." Wir haben das Ding zur Belustigung unserer schwäbischen Freunde zum Abdruck gebracht, nicht etwa wegen der Bedeutung des Herrn Köhn, was wir ausdrücklich bemerken, um die hohe Meinung, die Gottliebchen von sich hegt, nicht noch steigern zu helfen; der Mann könnte allzuzeitig Zulassung zum Prytanäum Württembergs in Winnenden erhalten. Nein, verehr- tester Stadtrichter, Pulver und Dynamit kommen, das wird Ihnen der Tag nach Absendung Ihres Briefes gezeigt haben, nur bei Extraschurken zur Anwendung, und zu denen gehören Sie denn doch nicht, werden auch nie dazu zählen, da es Ihnen, wenn nicht an der sittlichen Veranlagung, so doch an der Gelegenheit dazu fehlt. So leid es uns daher thut, eine Illusion zerstören zu müssen, so sehen wir uns doch zu der Erklärung genölhigt, daß Sie vielmehr zu jenen Leuten gehören, die, um uns des nicht sehr zarten aber desto treffenderen Volksausdruckes zu bedienen, keinen Schuß Pulver Werth sind. Und damit Gott befohlen! Korrespondenzen. — Miincken, 18. März. Einer der gefährlichsten Sozialistenhetzer ist gefallen. Nach zehnjährigem Verfaulungsprozeß ist der Staatsanwalt Barsch in München endlich von der Nemesis ereilt worden und befindet sich derselbe jetzt seit Wochen im Irrenhaus. Schon seit einiger Zeit schwebte das moralische Fallbeil Uber ihm. Sein Schwiegervater, ein Advokat der schlimmsten Sorte, sollte mit zwei Schwindlern aus dem Geldprotzenthum vor Gericht sich verantworten wegen Wucher und Schwindeleien. Barsch hat es lange zu hintertreiben gewußt, bis vom Reichsgericht die Weisung kam, gegen alle drei müsse verhandelt werden. Der saubere Advokat wurde denn auch zu zwei Monaten und 1000 Mk. begnadigt, und gleick nachher ging unser Barsch„in Urlaub" und zwar wie die böse Welt sagt, nicht freiwillig, denn Rath Moralt, der Vorsitzende des fraglichen Strafsenats, ist dem Barsch nicht grün und soll den„Urlaub" veranlaßt haben. Daß man nun darüber verrückt werden kann, ist nicht zu ver- wundern, wenn man jahrelang geschmust und gestrebt, und nun vor der Thüre des Polizeipräsidiums mit der bei uns üblichen Aussicht aus'« M i n i st e r h o t c l auf einmal durch die Dummheit des Alten, der sich bei Schwindeleien ertappen läßt, so unzart hinauSkomplimentirt wird. Barsch'«„Krankheitszustand" soll übrigens hoffnungslos sein. Er glaubt immer rothe Gestalten um sich zu haben, die ihn mit Messern und Scheeren be- arbeiten. Die infolge von Roth, Sorge und Kummer verstorbene junge Frau und die ihr nachgefolgten Kinder des Genossen Ernst, den er mit echter Meisterschaft von Weib und Kindern hinweg wiederholt ins Zellengefängniß gettieben hat, hört er Lieder der Vergeltung singen. Alles was man ihm zum Essen und Trinken reicht, riecht nach Petroleum und schmeckt nach Thränenwasser von sozialistischen Weibern und Kindern— mau sieht also, es ist ihm zu Fleisch und Blut geworden, was er, tteulich unterstützt von seinem Spießgesellen Polizeikommissar Gehret, vulgo Meineidsmichel, oft am Gerichtstisch erfunden und gesprochen, wenn es sein sollte und mußte, Proletarier in« Gefängniß zu stoßen. Sei» Amtsnachfolger S ch n a tz ult zwar keinen Schuß Pulver mehr werth als er aus diesem Felde, doch wird der Arm der Gerechtigkeit auch diesen früher als ihm lieb erreichen. Die Haltung der hiesigen Genossen ist vorzüglich. Ruhig und taktvoll wird agitirt und man ist voll Muth für die Wahlen, wo Bebel in den zwei Wahlkreisen kandidiren wird. Die Demokraten, an deren Spitze der weiland kaiserslauterer Sozialist und Erzschwadroneur Kröber, geben sich alle Mühe, im Trüben zu fischen, scheinen aber kein Glück zu haben, da sie noch immer kein größere« Versammlungslokal brauchen. Ihre Märzfeier war von zirka ISO Mann besucht, darunter die Hälfte unsere Leute. Der mit Spitzeder- Schwindel- Geld reich gewordene Advokat Dr. Hüttersdorf hielt eine lendenlahme Rede, während sein „Kollege" Dr. O t t hinausgeschmissen wurde. Interessant war übrigens die Behutsamkeit, mit der man bei dieser Gelegenheit vorging, während man einen Arbeiter sicher mit solcher Schonung nicht behandelt hätte. Parteien gibt es gegenwärtig hier nicht weniger als sieben, und werden auch so viele Kandidaten aufgestellt werden. Die Farben zu unter- scheiden, ist kaum möglich und hier auch nicht nöthig. Es genügt, zu bemerken, daß die am weitesten links stehenden Liberalen die „Neuesten Nachrichten" desavouiren, weil diese ihnen zu radikal sind, während die rechtsstehende Partei, an deren Spitze das„Vaterland", das öffentliche Lügner- und Denunziantenthum repräsentirt. So schrieb dieses saubere Blatt in einer seiner letzten Nummern:„In der juristischen Fakultät der hiesigen Universität sind vier Juden und der fünfte ist sozialistisch an- g e h a u ch t". Zerfahrenheit in den Parteien, Korruption in allen Kreisen bis an den Thron heran, wahnwitzige Ueppigkeit der Geld- und Herr- gotlspfaffen und eines diebischen? sanllenzenden Militär- BUreaukraten- und Pensionistentrosses, Plünderung und Zerreibung de« Bauern-, Gewerbe- und Handwerkerstandes, Roth untew den Arbeitern, stumpfe« Hinschleppen und Leiden der bigotten Menge— das sind auch hier die Symptome der Zersetzung, womit das Feld für eine bessere Zeit gedüngt wird, auf dem wir dereinst unsere Ernte halten und die Spreu von dem Weizen mit wuchtiger Wurfschaufel sichten werden. , Der rothe Stundenzeiger. ? AugSburg, 21. Febr. Die Polizei scheint Alles aufzubieten, den engeren Parteizusammenhalt, der früher durch unser Blatt, die„Volks- zeitung", aufrecht erhalten wurde, durch Verfolgungen und kleinliche Chi- kanen zu ersetzen. So waren jüngst wieder verschiedene Haussuchungen bei Genossen, die in der Riedinger'schen Fabrik arbeiten, und die Polizei erwartete jedenfalls infolge dieser Haussuchungen Massenentlassungen; verschiedene Genossen sind der Ansicht, derselbe Werkführer habe diesmal wieder den Lumpe» gemacht, den er bei der Denunziation unseres braven Werthmann gespielt! Wir wollen schon näher forschen und dann ur- theilen! Was die Polizei dann etwa noch versäumt, holt der staatsanwaltliche Streber, Metzger, ein, der sich mit der Blamage„seines" „großen" Sozialistenprozesses vor der I. Instanz nicht beruhigt hat, son- dern sie vor der II. Instanz bestätigt sehen will. Ein bedenkliches Me- mento wurde ihm allerdings jüngst zugerufen durch die schimpfliche Ent- lassung de« ersten bayrischen Sozialistensressers, des Mllnchener Ober- staatsanwaltes Barsch, eines Strebers und arroganten Bureaukraten, gegen den der freche Ignorant Tessendorff ein wahrer Tugendbold von Anstand war! Angeblich wurde er deshalb so schimpflich„beurlaubt" (und jetzt anstandshalber in ein I r re n h a u s gebracht), weil sein Schwieger- valer, Advokat Fries, wegen Betruges verurtheilt wurde, die böse Welt erzählt aber auch, daß er selbst, der enragirte Vertheidiger des„heiligen Eigenthums" gegenüber den„theilerischen" Sozialisten, bei diesen Be- trugsgeschichten die Rolle der vermittelnden„dritten Hand" gespielt habe. Gewiß ist, daß er, der hier seine ersten Sporen dadurch verdiente, daß er so viele Sozialisten vor Richter- und Geschwornenkollegien mit den gröbsten Insulten belegte und sie der ehrlosesten Gelüste fälschlich be- schuldigte, nun selbst wegen ehrloser Handlungen mit Schimpf und Schande aus dem Staatsdienste gejagt wurde— uns zum Ergötzen und zur Genugthuung, verschiedenen seiner Gesinnungs- und Handlung»- komplicen zum Schrecken. Aus Parteikreisen will ich Ihnen noch kurz anführen, daß wir jüngst eine größere Zusammenkunft abhielten, an der theilzunehmen ich leider durch eine Reise verhindert war. Betreffs der Wahlen traten unter den Genossen anfänglich zwei Meinungen hervor. Während die einen für unbedingte lebhafte Betheiligung sich aussprechen, meinten die andern, bei der jetzigen gedrückten Arbeitslage, mangels jeder Aussicht aus Erfolg wären die Gelder sür die Agitation besser in einem o s s i- z i e l l e n Kreise angewendet. Meiner Ansicht nach neige ich zu ersteren; unter den jetzigen Umständen das Propogandamittel der Wahl zurück- zuweisen, wäre auch hier unklug, doppelt unklug gegenüber den Strauch- ritterüberfällen der Polizei. Maßregelungen find im Großen nicht zi erwarten, da« Volk ist mit der Herrschaft der Ulttamontanen unzufrieden zu den Liberalen fehlt jedes Vertrauen, ergo agitiren wir! Die prinzi pielle Seite sür Wahlbetheiligung haben Sie an Ihrer leitenden Stell wiederholt so klar und packend erörtert, daß wahrhaftig keiner der hiev orts vorgebrachten Gründe für Nichtbetheiligung stichhaltig bleiben kann Kommen wir erst noch mit einer passenden Kandidatur, z. B. Bebel so erwarte ich das Beste— nicht in großen Siegesziffern, nein, abe an Muth und Kampfesfreudigkeit der Genossen, von dem Aufrütteln de indolenten Masse und dem Hoffnungsfrischen Zusammenhalt der Parter genossen, ganz abgesehen von dem moralischen Einflüsse, den eine stark Betheiligung der Genossen unter diesem infamen Ausnahmegesetze be allen ehrlich freisinnigen Elementen haben wird, die mit dem heuchlerischer Muckerthum des hiesigen Pfaffenblattes ebenso gebrochen wie mit bei Paschawirthschaft des rothen Fischer und der unter seinem Reginu üblichen Vergeudung der städtischen Gelder zu Privat- und Parter zwecken! Und daß wir dieses System in unseren Wahlflugblättern geißel» müssen, liegt angesichts unserer moralisch verkommenen Lokalpresse auf de Hand! Darum wollen wir wählen und den Wahlkampf möglichst zeitts eröffnen! w ö «. i kr« nach Karlsruhe, den 12. März. Zu der in Nr. 2 des„Sozialdemokrat" gemeldeten Verhaftung Kalnbach's wegen Hoch- und Landesverrath du Nachricht, daß unser Genope am 11. d. M., also nach Verla»! von vollen zehn Wochen, aus der Untersuchungshaft entlasse« wurde. Wie ich aus guter Quelle erfahre, hatte Kalnbach am 4. Januar ei« Verhör zu bestehen und blieb dann verschont bis zum 11. März, dem Tage seiner Entlassung: die Zwischenzeit benutzte man, ihn bald na� dieser, bald nach jener Photographie zu fragen, auch mußte er sick ins Verbrecheralbum aufnehmen lassen! Wie erbärmliih es ist, wegen einer ausgefundenen Adresse einen Familienvater so lang« seiner Freiheit nud seine Familie des Ernährers zu berauben, da» wirk jeder rechtlich Denkende mit uns empfinden. Zum Glück konnte Kalnbals wenigsten« seine alte Arbeit wieder aufnehmen. In unserer Residenz gibt es auch sonst viel Neues. Da ist zunächs der Hofkassier Jost, der sich in den Finthen des Rheins erttänkte un> ein Defizit von 150,000 M. hinterließ— der achtbare Mann! Fern« spielte sich ein sehr interessanter Prozeß ab gegen die in der großherzoglichcl Hofküche Angestellten; sämmtliche4 oder 5 wurden des Betruges überführt ebenso 2 hiesige Hoslieferanten, nämlich Geflügelhändler Frei und Haas Die Köche erhielten Gefängnißstrasen von 2'/, Jahren bis zu 10 Monate» die Lieferanten 6 und 3 Monate und entsprechende Geldstrafen. Sie sehen, daß es auch hier hoch herging; der Betrug wirkt eben a» steckend. Seit einiger Zeit besteht hier ein demokratischer Berein; derselbe h» in Summa 24 Mitglieder, und was für Herren sind da als Demokrat« verzeichnet! O arme Demoksalie, wenn der Karlsruher Verein dir helf« soll, die Republik zu erringen!— Elwa 10 Männchen spielen hier auä Hirsch-Tunckerei; kürzlich beriefen dieselben eine Versammlung ein zw Besprechung des Reinfallversicherungsgesetzes. Ein Witzbold sagte ihnen. die hiesigen Sozialdemokraten würden die Versammlung sprengen. Flugk gingen die zwei tapferen Referenten auf das P-lizeiamt und suchten alldoü Hilfe, welche ihnen auch im reichsten Maße zu Theil wurde; aber ss warteten vergebens auf den gehofften Radau. Es wäre auch der Müh« werth, sich mit solch' traurigen Gestalten einzulassen! X. Z. sehörd und un d»rf),i »et g„ zur 21b oi Begi lauft Nac zum nicht Briefkasten der Redaktion.— n in P. Wie oft sollen wir denn noch erkläre» daß wir uns mit diesem Blatt in keine Polemik einlassen! Wer den faust dicken Lügen des prahlhansigen Wichtes nach den bisherigen Proben nois Glauben schenkt, dem können wir auch nicht helfen. Also, nur die Ruh nicht verlieren! Uebrigens liegt gerade diesmal die edle Absicht zu kla« auf der Hand, um mißverstanden zu werden.— Im Uebrigen Alle« wohl, Einlage an E. besorgt. Gruß! Leo.-- e: Brief und Einsendunj empfangen, Antwort erfolgt demnächst, da augenblicklich sehr beschäftigt Haben Sie denn an B. nicht geantwortet? der Expedition. Rothkehlchen: Bs. v. 17. erh. Jnh. vorgew Mk. 18.— Inkasso v. Sch. haben belastet.— C. Pe— o: Avis u. 1«!. 3 erhalten. Warum nicht gleich klaren Wein? Aufgepaßt!— Eisenzahn! Bs. v. 3. 3. erh. Antw. briefl. 8 Rp. mit 10 ges., 4 mit 12 fort. Kost» 40 Pf. p. Stück. Netto franko. Xixsxunvüra! Xlptzicpfb: Taum: zpraxat! Weiteres fort, wie gewünscht.— Louise: Bs. v. 15. u. P.-K v. 17. erh. Wünsche erfüllt. 5 G. neu, nochmals versorgt.— G. Lde. Lond.: Mk. 10,— pr. Flgsds. erh. Allerdings!— Solid: ö. fl. 2,— Ab. Fb» bis Ende April erh. Sie behalten 45 Ct«. noch gut.„Geschäftsüblich" sind alle Wünsche hierher zu richten.— N. Herisau: Fr. 3,— de» Flgsds. zugewiesen. Ist auch die Summe nicht„kollosal", wenig mä Liebe erhöht die Zahl!— Hänschen: St. V. fort. Künftig etwas klare« Meldung.— Peter Blitz: Warum so spät? Bse. am 20. u. 21. abgeg Auch uns plagt die Ungeduld.— Liebig: Sollen wir denn die Sumpfl ratte ewig füttern!? Her endlich mit dem seit Monaten versprochene« Ersatz!— Schlossersachverein Zürich durch E.: Fr. 5.60 dem Usds. z«' gewiesen.— A. N.— w: Mk. 2.— f. Schst. erh. Sdg. bewirkt. H. M. f: Am 22.3. Gewünschtes fort. Brauchen mehr Adr. ttt Himmel--: Mk. 62.50 ä Clo. erh. Bf. erwartet.— H. Ps Chur; Königsnuminern haben wahrscheinlich unterwegs Gratislcser gesunde» Ersatz sort, auch Sdg. nach D.-P.— I. H. Chur: Fr. 8.10 f. Schst erh. Sdg. erfolgt.— Lausitzer Rothhaut: Wo bleibt das längst Ben sprochcne? Alles in Bereitschaft. Briefl. mehr.— Schwäbischer Heiland: Wird besorgt. Mk. 13,— pr. 2. Qu. eingestellt.— Hxl.: Amsterdam: Wahrscheinlich von zudringl. Liebhabern gestiebert. Ersatz fort. Weitere« nach Wunsch.— Rkw London: P. K. u. Bf. erh. N. W. sendet di« Vbchdlg. Aufstellung notifizirt.— K. Lond: Bs. u. Einlage erh., steh« Agfd. Weitere» erwartet. Ar des s wir t Bisn W irgen Faktr Ar Die Part« nicht W Neich heule der; ist;ii seine 2uxu wenn winre um auf s jeden W Unfern auswärtigen Abonnenten, Filialen, Vertrauensleuten zc. legen wir attf Herz, Abrechnungen und Abonnementserneue' rungen, soweit noch nicht erfolgt, ungesäumt zü bewirken, ebenso wollen all e A b o n n ent e n an unsere Vertrauensleute uube dingt während de« erstell Monats im Quartal Zahlung leisten, damit keine Unterbrechung in der Lieferung eintreten muß. Unsere Vertrauensadressen sind bekannt. Alle Lieferungen erfolgen nur aus G es ahr d er B e- stell er. Da nicht wenige auswärtige Besteller, besonders in Deutschland, sowie in Oesterreich, ihre Briese immer wieder ungenügend frankiren, wodurch uns er« hebliche Verluste durch Strafporti entstehen, so bemerken wir hiemit wiederholt: Einfache Briefe(bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz kosten: aus Deutschland......... 2 0 Pfg. aus Oesterreich-Ungarn..... 10 Kr. Bei schwereren Briefen kosten immer je 15 Gramm weitere 20 Pfg., bezw. 10 Kr. Die Genossen wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, als wir ungenügend frankirten Sendungen inderRegel dieAnnahme ver-: weigern müssen. wir tiiuscl glaul D ist d> ststse „auf D Neicj des ihm. stand Exist nifat . I Ichlof dem Schweiz.«erei»»»»chdra««ee> Hotttugen-Ztrich Se,ch> ihm genü U beste Aus, ihrer E Aiar bald wie wert B N N besfc twße %Qj der wir �am Etat ltam gleist Herr