■Tur�1 Zozial t aw , air Habel g wb reden n air längs Erscheint wöchentlich einmal in Zürich lSchweiz) ilerlag #. S-rter, Znduftri«l>all« Riesbach-Zürich Vllseildkllgell Iranco gegen sranco. gewöhnliche Briese nach der Schweiz losten Doppelporto. NUNg i. Uli! lwalbi 0 A ndigt 10.- erh >. erb oartet iiarz� Zchris ?ache> '■ unsere Zeitung». JentrahKrgan der deutschen Sozialdemokratie Abonnements werden nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mk. 3.— für Deutilbland �Couv-rt) fl. 1. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder deS Weltpostvereins(Kreuzband). Iilseraie Die dreigefpaltene Petitzeile 25 StS.--- 20 Pfg. 16. Sonnt«, 10. April. 1881. Ali« in die korrespondkiltr!! und Adoiieiie» de«„Sosiaidemiikrit" Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die Görden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort dura darf keine Vorsichtsmaßregel (h.— öer Sendungen zu tauschen, --- 9 sch i fort sindig« dazu !uenoi leicha---- 9f. ai alicho jineiff Veitelt und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so versäumt werden. die Briefmarder über deh und letztere dadurch zu schützen. Haupterfl ft die äußerste Vorficht im Postvrrkehr-nothwend! wahren Absender und Empfänger, sowie- den. iß ist hiezu einerseits< daß unsere Freunde. so � «lp. als möglich an den.Sonaldemokrat', resp. besten Verlag selbst adresfiren, sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch unö möglichst unverfängliche ZuftellUngsadresten mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent- gegenstehenden Schwierigkeiten den. TSzialdcmokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! 4 Vergeßt der Versolgte» imd Gemaßregelten nicht! Papi»p Aus der Rede unseres Genossen Äuer über die Handhabung des kleinen Selagernngsmltandes in Leruu»nd Hamborg. Die Rede unseres Genossen Auer ist entsprechend dem Eindruck, den -- machte, in der Tagespresse ausführlicher wiedergegeben worden, als es b« den Reden unserer Genossen sonst der Fall ist,' wir beschränken uns daher daraus, einzelne Stellen derselben, die in den Berichte! nicht ge. Rügend hervorgehoben wurden oder in ihnen eine Abschwächulg ersahren ,oim!» haben, nach dem amtlichen stenographischen Bericht zum Kbdruck zu «-'bringe... lchlais——————- »Aceliie Herren, ich muß zunächst gestehen, daß, als ich diesen Bericht timmt>as, mich ein gewisses freudiges Gesühl beschlichen hat. Es wird mt* von euts< der offiziellsten Stelle aus das Zeugniß ausgestellt, daß det jahrelang ...�süen uns Sozialdemokraten und besonders gegen diejenige» Personen, i ei5• dieser Partei an der Spitze standen, geschleuderte Bonvnrf, daß \ 2 zr."ch" nicht aus Ueberzeugung so handeln, wie wir handelten, sondern daß > i, � wir das nur thun, um die Arbeiter auszubeuten und vo» den Gro- „t,»ischen, die wir denselben abnehmen, ein angenehmes Lebeit zu führen, » zu«daß dieser Vorwurf in nichts begründet war, daß es eine oibfurde Ver- cpfangt teumdung war. Wer unter so außerordentlichen Schwierigkeiten, wie wir t f aJ Sf �eute durchzukämpfen haben, unter Verhältnissen, wie sie noch keiner lV b< � iei in den Weg gelegt worden sind, wer da noch treu und fest zur Fahne hält, der hat damit wohl bewiesen, daß es ihm überhaupt nicht rtn 9»"nnun zu thun ist, sich ein angenehmes Leben zu verschaffen, sondern daß mpiarl� handelt aus Ueberzeugung. Ob diese Ueberzeugung begründet ist >st Dingen, die gut oder die nicht gut sind, das will hier nicht ent- werdvichjeden sein. ! Andererseits ersreute es mich noch besonders, daß die Regierung zu- geben muß, daß die sozialdemokratische Bewegung in Deutschland trotz r<.»,nitps SoziaUßingesetzes bis heule nicht zu unttt�xjllsyz�mM�zjJch mächte >ie b �>e'n??uiift!st—'und der'Wunsch gsht ganz sicher in Erfüllung— nittioldeisügen, daß die sozialdemokratische Bewegung überhaupt nie unterdrückt werden werden wird, sondern daß sie endgiltig zum Siege komme. Aber '""Hntben diesen sreudigen Gefühlen ergibt sich für mich aus den Mitthei- ��'üsugen, die uns die Regierungen da zukommen lassen, noch eines, und � bieses eine ist der Beweis für die absolute Nutzlosigkeit des von Ihnen >l»»«t�insstnen Gesetzes. Denn was war denn der Zweck dieses Gesetzes? Etwa, uns einzelne Personen zu chikaniren, un« zu verfolgen, uns ein- ,kgkd«s»tlne Hindernisse in den Weg zu legen? Nein, das glaube ich doch nicht, °nfi das die ausschließliche Absicht der Regierungen und de« Reichstags tut".;n)at,'~ nein, die sozialdemokratische Bewegung sollte aus der Welt ge- - schafft werden, die sozialdemokratische Bewegung, diese Giftpflanze . m Ihren Augen, sie sollte vernichtet werden, und was haben Sie er- ,1 r-icht? Jahre sind darüber hingegangen und Sie müssen konstaliren lassen durch Ihre eigene Regierung, daß die sozialdemokratische —«a�ewigung in Deutschland nach wie vor florirt, daß .gjjgj-Uach U0r jjjj sozialdemokratischen Ideen noch getheilt werden von Dausenden und Hunderttansenden deutscher Arbeiter und— was für Iie noch viel schlimmer ist— Sie müssen durch Ihre Regierung konstaliren lassen, daß dieseBewegung 'ist r Sie einen viel gefährlicheren Charakter an- !9e nommen hat, als wie sie bisher gehabt hat. Meine Herren, wer darüber sich zu ärgern braucht, ob wir, b Sie, das U b e r l a s s e ich Ihrem Ermessen. Daß es aber -Dhatsache ist, daß die Regierung gerade den Umstand, daß die sozial- Demokratische Bewegung in Deutschland einen mehr und mehr revolutio- - Charakter anzunehmen droht, daß sie diesen Grund gerade mit für i.* t»v>e Verlängerung der Uber Berlin verhängten Maßregel anführt, das unden Sie aus Seite 5 de« Berichts. Da heißt es: In der Most'schen„Freiheit" wird dem Eintreten Felix Pyats für Berezowski, der da« Pariser Attentat ans den Kaiser von Rußland begangen, voller Beifall gespendet und der Fürstenmord als eines der hauptsächlichsten Mittel zur Vorbereitung der sozialen Revolution gepriesen. ! Daß Herr Most das gethan, ist wahrscheinlich richtig. Ich lese die p'Fteiheit" nicht, nicht etwa deswegen, weil ich Angst hätte, sondern weil immt. fit der Haltung des Blattes nicht einverstanden bin. Bei der Gele- genheit will ich aber doch gleich eins hier ansühren. Wenn vielleicht— Strostund ez war ja gestern im Hause schon die Mittheilung verbreitet, daß lhente bei Gelegenheit der jetzt anstehenden Debatte vom Bundesrathslische Nts eine ganze Reihe von Enthüllungen zum Besten gegeben werden wlll-n wenn diese EitthUllnttgen sich vielleicht darauf beziehen sollten, Pn* für die Extravaganzen, die Herr Most und seine Freunde in Szene gesetzt haben, verantwortlich zu machen (Oho! rechts.) ich bitte, meine Herren,— so lehn- ich ich das von vornherein ab ,(Abgeordneter Bebel: Natürlich! selbstverständlich!) (Oho! recht«.) jm Meine Herren, Sie müssen nur hören. Ich habe ein Recht, in meinem de.!. ften und im Namen derjenigen deutschen Sozialdemokratie, welche hier � Hause ihre Vertrelung hat. zu erklären,— daß wir für Most und «NN« k net Freunde Handlungen keine Verantwortung übernehmen, ohne rj" ß w i r damit ein Urtheil im lobenden oder tadeln- °n Sinne Uber Most ausgesprochen haben wollen. r« Düir haben ein Recht, uns den Herrn Most und seine Handlungen von ?n Rockschößen abzuschütteln. Wir haben mit Most gebrochen schon zu S?" Zeit, wo sonst noch Ihre gesammte Presse mit einem gewissen �flefallett die Most'schen Extravaganzen verbrettete, Ihre Presse war die stets mit einem gewissen Wohlgefallen Stellen aus der„Freiheit _>'""6 und erklärte- das ist die richtige Sozialdemokralte, so sieht ste -..g' da bietet sie uns ihr wahres Gesicht. Nein, meine Herren, so sieht nicht au«, die deutsche Sozialdemokratie ist eine Arbeiterpartei, das_ Roai'fll sie sein, die die Interessen der deutschen Arbeiter und der Arbeiter 9 bi» utr Länder, soweit sie gedrückt sind von der Kapitalmacht, wahren will. ineet*.(Hört! Hört!). tsx: T" la wohl, aller Länder, meine Herren! so gut sie mternattonal '"d, soweit Ihre Interessen in Betracht kommen, so gut sind wir es -- 1»»?' d a w i r d k e i n I o t a« e st r i ch e n. Aber Dummheiten— und "»der» können die Handlungen.".cb. wie sie in London vorkommen, nicht bezeichnet werden,— wahnfinnige Streiche, die niemals dazu führen können, den Arbeitern zum Wohle zu dienen, wohl aber von Stipendtaten des Repliliensonds ausgeführt werden könnten,— solche Streiche unterstützen wir nicht, und daß wir das nicht thun, dafür tvill ich Ihnen einen vollgiltigen Beweis vorbringen. Bor mir liegt eine Resolution, die lautet folgendermaßen: (Folgt die Resolution des Whdekter Kongresses betr. Ausschließung Most's. Anm. d. Red.) 9htn, ich dächte, das ist eine Erklärung, die rund bündig und nett ist. Dieselbe wurde befchloffcn am A.. August v. I. auf Schloß Whdeit in der Schweiz von den Vertretern der deutschen Sozialdemokratie. Damit ist diese Angelegenheit für mich erledigt; wenn Sie aber versuchen sollten, Herrn Most aus nnseru Konto zu fruktifiziren, werden wir vielleicht noch weiter antworten. Eines aber will ich bei der Gelegenheit schon jetzt feststellen. Wenn es Jistien so sehr unangenehm Ist, daß für die Most'scke„Freiheit" in Deutschland agitirt wird, dann möchte ich an diejenigen, welche dsit Leitern der Verfolgung der deutschen Sozialdemokratie etwas mitzntheilen haben, den Rath geben, daß die von der deutschen Polizei gewählten Agenten, die die Aufgab« haben, der deutschen Sozialdemokratie aus die Finger zu sehen, wenigstens den Auftrag bekommen, nicht selbst für die Verbreitung der„Freiheit" in Deutschland t h ä l t g zu sein. Ter Fall ist solgender: Ein gewisser Oskar Reu» mann, angeblich Agent und Inhaber eines KommissionsgeschSstes, Hai hier in Berlin mit unsereit Leuten Verbindung gesucht— es war ein gewisser Thierfelot und ein gewisser Hennig, Beide sind beute aus- gewiesen. Diese Personen haben sich mit diesem Neumaim eingelassen, er hal ihnen die„Freiheit" vermittelt, er hat sie aufgestachelt, daß sie das Blatt weiter verbreiteten, er hat auch gesucht, und es ist ihm leider gelungen, seine Bekanntschaft in den Kreisen der Berliner Sozialdemov traten auszudehnen. Später ist dieser Herr zweimal nach London gereisr und bei der geradezu skandalösen Knrzsichtigkeit Most« ist es Neumann gelungen, Most's Geheimnisse zu erforschen. Es ist ihn-' gelungen, einen großen DML dxr Adressen, mit denen Most in De'Osst� land in Verbindung stand, lernten zu lernen," die er dann"später der* Berliner Polizei denunzirte. Dieser Neumanii, der später wieder nach Deutschland zurückkehrte, ist notorisch ein Polizeiagent.— Da nun der Bericht von dieser Sympathie- Erklärung der deutschen Sozialdemokratie für die russischen Sozialisten spricht, werden Sie mir wohl auch erlauben müssen, daß ich dieselbe hier vorlese, sie ist ganz kurz und lautet: Wie die deutsche Sozialdemokratie aller Bewegung, die auf die Befreiung der Völker vom sozialen und politischen Druck ausgeht, ihre volle Sympathie entgegenträgt, so thut sie dies selbstverständ- lich auch den für die Befreittttg des russischen Bülte« wirkenden sogenannten-Nihilisten gegenüber, (Hört, hört!) — Gewiß meine Herren, hört, hört! obwohl sie deren durch die besonderen Berhältttissc Rußlands be- stimmte Taktik für Deutschland nicht geeignet hält. (Große Heiterkeit.) Es ist merkwürdig, daß man über so etwas lachen kann. Als seiner Zeil General Garibaldi die bekannten„Tausend" sammelte und in Marsala landete und von dort aus seinen Siegeszug gegen Neapel unter- nahm, der schließlich zur Vertreibung der neapolitanischen Königsfamilic sührte, habe ich, ich war damals noch sehr jung, in einer ganzen Reihe deutscher Zeitungen der liberalen, konservativen Partei— und besonders gilt dies von den norddeutschen Konservativen— Berhimmelung dieser durch und durch revolutionären Handlung, welche den Sturz des neapo- litauischen Königthums zur Folge hatte, gelesen.- Was wollen Sie denn hiergegen? Als im Jahre 1366 der König von Hannover gehen mußte, als der Herzog von Nassau gehen mußte, als der Kurfürst von Hessen gehen mußte, wie groß war denn da die Zahl der Deklaranten in der konservativen Partei, welche mit diesen Maßregeln nicht einver- standen waren? (Sehr gut! im Zentrum.) Meine Herren, gewiß hat der Krieg entschieden, und der Krieg soll ja nach einer gewissen Ausführung, die in letzterer Zeit sehr viel in der Presse erörtert worden ist, nach einem gewissen Briese eine göttliche Einrichtung sein. Wer aber nun nicht daran glaubt, daß der Krieg eine göttliche Einrichtung ist, wer meint, Mord bleibt Mord, ob dazu regelrecht kommandirt wird oder ob er durch einen Zufall oder durch eine Dyna- mitpatrone passirt,— ja, können Sie denn darüber Jemand einen Vorwurf machen? Ich sage also noch einmal, was wir ausgesprochen haben in unserer Resolutton, ist das, daß wir überall da, wo eine-Bewegung vorhanden ist, deren Ziel daraus hinausläust, die Völker vom sozialen und politischen Druck zu besreien, dieser Bewegung unsere Sympathie entgegenbringen. Aber die Art und Weise, die Wege, aus welchen das erreicht werden soll, dafür uns verantwortlich zu machen, das kann niemals der Fall sein, die Verantwortlichkeit nach dieser Richtung müssen wir ablehnen. Meine Herren, so groß die Sympathien in Deutschland in gewissen Parteien heute sind für die Entwicklung der republikanischen SiaalSjorm in Frankreich, werden Sie vielleicht Diejenigen in Deutschland, die diese Shm- palhien hegen,— und wir finden ja solche Personen bis hinaus in die Regierungskreise, haben wir doch aus dem Prozeß Arnim kennen gelernt, daß der Herr Reichskanzler sogar die republikanische SlaalSform, entgegen den Anschauungen Arnims, in Frankreich für die nützlichere hält— nun, wollen Sie Diejenigen, wollen Sie den Reichskanzler, weil er in Frank- reich die republikanische Staatsform sllr die bessere hält, deshalb in den Verdacht bringen, daß er Republikaner ist? Doch ganz sicher nicht. Wenn wir keine Entrüstung zum Besten geben, wenn in anderen Ländern Dinge geschehen, die uns selbst ungeheuerltch vorkommen, dann thun wir es nicht, weil wir vielleicht nicht nach wie vor jeden Mord, mag er in irgend welcher Gestalt vor sich gehen, be- dauern und verurtheilen und wünschen, daß er vermieden werden könne. Nein, meine Herren, wir können uns nur nicht entrüsten, wenn wir sehen, daß die Dinge mit elementarer Gewalt hereinstürzen. ir können uns nur nicht entrüsten gegen Diejeni- gen, welche schließlich aufschreien und zu Mitteln der Verzweiflung greisen, wenn wir sehen, daß anderseits von Denjenigen, die die Mittel in den Händen hätten, diese Verzweiflung aus der Welt zu schaffen, diese Mittel nicht angewendet werden. Weiter wird in dem Bericht konstatirt, daß, gleichwie im vorjährigen Rechettschafisberichle schon geschildert sei, die feste Organisation der Ber- : liner Sozialdemokraten nach wie vor vorhanden ist. Die Berliner Polizei - muß in dieser Beziehung besser unterrichtet sein als ich; ich weiß nicht, »ob ihre Angabe richtig ist, ist das der Fall, so will ich die Gelegenheit i doch wahrnehmen, meinen Berliner Genossen meine Hoch- Pachtung dafür auszudrücken, daß sie dies fertig ge- bracht haben. Der Bericht konstatirt weiter, daß die heimliche Verbreitung verbotener Druckschriften in Berlin erheblich zugenommen hat. �Ob das wahr ist, .weiß ich wieder nicht; ist es wahr, so kann ich es nicht ändern, es ist aber auf alle Fälle wieder ein löbliches Zeichen sllr meine hiesigen Parteigenossen und anderseits eine Berurtheilung sür das Sozialistengesetz. Sie haben nichts damit erreicht. Sie haben es selbst konstalirl, die Sache bleibt dieselbe, die Verbreitung verbotener Schristen geschieht nach wie vor, das Einzige aber, was Sie bei der 'ganzen Geschichte erreicht haben, ist, daß Sie zugeben müssen, und das .gebe ich auch zu, daß der Ton der Schriften, die heute vom Auslande ' hereinkommen, ein solcher ist, der ziemlich weil über denjenigen hinan»- �gcht, den wir seiner Zeil angeschlagen haben. Ob das ein Bortheil für Sie ist, das ist eine andere Frage; aber bemerken will ich dabei, daß es mir sehr erklärlich scheint, daß die Blätter, die im Auslände hergestellt werden, eine andere Sprache führen, als ste führen würden, wenn sie in Deuischland hergestellt würden. Nicht etwa, weil ste zu feig wären, in Deutschland ihre Meinung zu vertreten, nein, sie haben sich den bestehen- den Gesetzen gefügt, weil diese Gesetze für Alle giltig waren; heute, wo s Sic nach dem Erlaß des Sozialistengesetzes die Sozialisten für vogel- j f|ei, für außerhalb des Gesetzes stehend erklärt haben, können Sie keinem Menschen einen Vorwurf daraus machen, wenn er sagt, wenn ich letne Rechte mehr habe, so habe ich auch keine Pflicht, und wenn deshalb >je Blätter, die im Ausland erscheinen, angestchl» der Thatsachen, die in 'Deutschland sich abspielen, maiichiital ziemlich weil über die Schnur hin- aushauen,— ich habe keinen Tadel dafür, das liegt in der Sache begründet, es sind die Folgen Ihrer Handlungen. (Abgeordneter Bebel: Sehr richtig!) Es wird weiter konstatirt, daß man sogar eine Einschmuggelung solcher Schriften in die Kasernen versucht hat, und zwar nicht ohne Ersolg. Ob e» wahr ist, weiß ich nicht; ist es wahr: schaden thut es nichts!——————_————_— Genützt hat der Belagerungszustand nichts, das konstatirt der Bericht selbst. Nun fragen Sie sich: hat er auch nichts geschadet? Inwiefern er uns, das heißt einzelnen Personen unserer Partei geschadet hat, darauf werde ich ja noch zu sprechen kommen. Aber ich möchte Ihnen hier ein paar Punkte ganz allgemeiner Art zur Erwägung geben. Meine Herren, wer Windsäet, wirdSturm ernten! und Druck erzeugt Gegendruck! Sie sehen an Most und seinem Anhang, daß mair noch viel weiter gehen kann, als wir seiner Zeit gegangen sind und heute noch geben. Sie haben in Deutschland eine Arbeilerpartei gehabt, und Sie haben sie heute noch, die in der größten Oessentlichkeil ihre ganzen An- gelegenheiten verhandelt hat; Uber die Kongresse dieser Partei sind jedes Jahr die ausjührlichsten Berichte erstattet worden, so ausführlich, daß, als seiner Zeit das Sozialistengesetz im ersten Entwurf mit den Motiven an den Reichstag kam, diese Motive fast ausführlich ihr Malcrial aus den Protokollen über die Kongresse der Partei herausholten. Die Partei hat kein Geheimniß daraus gemacht, sie hat offen und vor aller Welt ge- wirkt, ihre Ansichten mögen Ihnen noch so unsympathisch sein,— mit Polizeidruck werden ste nicht aus der Welt hinausgeschafft. Sie haben diese Ihnen unsympathischen Ansichten nicht zu vertreiben vermocht, im Gegemheil, Sie haben uns nach einer Seite hin gedrängt, die Ihnen schließlich unter Umständen sehr unangenehm werden kann. Weil das so ist, deshalb möchte ich Ihnen doch zu erwägen geben, ob es nicht jetzt schon, wo die Reaktion in voller Hochfluth sich befindet, doch sllr den- jenigen Theil von Ihnen, welcher nicht blos von heute auf morgen rech- nel, sondern auch in die Zukunft schaut, am.Platz wäre, den überflüssigen Druck— und der Druck, der aus dem Sozialistengesetz hervorgeht, ist absolut überflüssig— zu beseitigen und den Arbeitern das Recht wieder einzuräumen, sich frei zu bewegen. Das sage ich nicht in meinem und meiner Partei Interesse. Ich glaube an meine Sache, und damit ist die Sache entschieden. Diejenigen Herren, die von der Richtigkeit ihrer Anschauungen überzeugt sind, die daran glauben, werden wissen, daß keine Macht der Welt im Stande ist, diesen Glauben zu beseitigen, und je mehr wir versolgt, je mehr wir gehetzt, je mehr wir mißhandelt werden, umsomehr steigert sich unser Fanatismus, wenn Uber Haupt von einem sol- ch e n die Rede sein kann. Ich muß gestehen, seit dem Jahre 1878, seit der neuen Reaklionsperiode, habe ich das Vergnügen, gerade immer inmitten derjenigen Positionen mich zu befinden, die am allermeisten an- gejochien, verfolgt, geschädigt werden, und die man zu rniuiren bestrebt ist, aber bis heute ist mir noch keiner von meinen Partei- genossen begegnet, der da sagte: wir sind so viel ver- folgt, jetzt wollen wir aufhören und es ander« machen. So einer ist noch nie dagewesen, die Zahl derjenigen aber, die da sagen: ja, wenn das Ding so Weiler geht, dann gibt es eben gar nichts mehr, datttt wird zu allen Mitteln gegriffen, diese Zahl wächst in für Sie ganz bedenk- l i ch e m Maße. (Hört! hört! rechts.) Ja, meine Herren, so ist es. Gut, Sie sehen, es liegtanJhnen.—————————— Und was geschieht heute? Heute wird offen ausgesorderi, in dieser Weise vorzugehen, heute besteht in Berlin eine Verbindung, die es offen als ihre Ausgabe erklärt, daß dem und jenem, weil er eben Jude ist, die Kundschaft entzogen wird, heute wird in öffentlichen Versammlungen sortgesetzt dazu ausgesorderi, und die gesammte konservative Presse— und das konstatire ich hiermit ausdrücklich— die ganze konservative Presse hat noch kein Wort de« Tadel« gehabt gegen dieses Hineintragen des politischen und sozialen Gegensatzes in die Familien und die geschäftlichen Beziehungen der einzelnen Individuen. Die Herren aber, die so das Herauskehren der sozialen Gegensätze, das„Hetzen" silr recht und billig finden, die so gar nichts dagegen zu sagen haben, wenn in hiesigen Ver� sammlungen sich Skandalszenen abspielen, wie sie niemals bei uns vor gekommen sind, dieselben Herren treten vor uns in ihrer Presse und sind vor uns getreten bei Berathung des Sozialistengesetzes und erklären: ja wohl, die Sozialdemokraten müssen unterdrückt werden, weil sie den sozialen Haß nähren und pflegen. Run, so, wie es heule getrieben wird, haben wir es niemals gelrieben, was sich heute in den Berliner Versammlungen abspielt, dessen hätten sich die Berliner Arbeiter, so- weit sie Sozialdemokraten sind, geschämt. (Sehr richtig! links.) Run, freilich muß ich konstatiren, daß in diesen Versammlungen, in denen verlangt wird, daß man die jüdischen Mitbürger exkludire, daß man ihnen die bürgerliche Gleichberechtigung entziehe, daß in diesen Versammlungen freilich regelmäßig etwas vorkommt, was früher in sozialdemokratischen Versammlungen nicht vorgekommen ist, und ich kann nicht umhin, den Verdacht auszusprechen, daß das wohl die eigent- liche Erklärung ist, warum da ruhig weiter Sozialismus gepredigt und vor allem Haß geschürt werden darf, ohne daß die Polizei dareinredet. Meine Herren, wir haben zum Schluß der meisten dieser Versammlungs- berichte zu lesen bekommen, daß schließlich der Herr Dr. Henrici oder Herr Förster oder sonst einer dieser Herren ein Telegramm aus der Tasche zog und vorlas, und diese Telegramme begannen regelmäßig:„An Se. Durchlaucht den Fürsten-Reichskanzler", und in der nächsten Ver- sammlung hat es sich fast regelmäßig ereignet, daß, während in der vor- hergehenden Versammlung zum Schlüsse ein Telegramm kam, die nächste Versammlung beim Beginn ein Telegramm hatte, und das kam gewöhnlich vom Fürsten-Reichskanzler. (Sehr gut! links.— Fürst von Bismarck: Das ist nicht wahr!) Meine Herren, es ist dieser Borgang sehr häusig dagewesen, die Zeitungen lügen in diesen Dingen nicht, und so muß ich allerdings sagen, daß das mir den Weg zeigt, der es mir erklärlich macht, warum man sich in diesen Versammlungen so ganz besonders rühren darf.— Die Angabe also, daß in Hamburg, Altona und Umgegend die„Frei- heit" in zahlreichen Exemplaren verbreitet worden ist, i st f a l s ch, sie kann durch nichts begründet werden. Ich bin überzeugt, daß außer den Exemplaren, die die Hamburg-Altonaer Polizeibehörden bezogen haben zu ihrem speziellen Gebrauch, nach Hamburg-Altona nicht süns Nummern der„Freiheit" selbst zur Zeit ihrer höchsten Blüthe gekommen sind, abgesehen von dem einzigen Falle, der gleich im Anfang der Gründ- ung des Blattes pasfirte, wo aber die Polizei sofort dahinter gekommen ist. Ebenso ist es nicht wahr, daß zahlreiche revolutio- n S r e Flugschriften verbreitet worden sind. Wenn solche Behauptungen in offiziellen Aktenstücken aufgestellt werden, dann muß man auch in der Lage sein, sie beweisen zu können; diesen Beweis verlange ich, indem ich die Tage angeführt verlange, wann diese Flugschriften verbreitet worden sind. Wenn die Regierung so gut unterrichtet ist, daß sie hier behaupten kann, daß in Hamburg zahlreiche revolutionäre Flugschristeu, also verschiedene Flugschristen zu verschiedenen Zeiten, verbreitet worden sind, dann muß sie auch nachweisen können, wann das geschehen ist. Diesen Beweis verlange ich, denn ich stelle diesen Angaben gegenüber die Erklärung, daß mit Ausnahme von zwei Fällen, wo Personen, die von London nach Hamburg herübergereist kamen, und welche mit den Hamburger Sozialdemokraten nichts zu thun haben, daß außer in diesen Fällen nicht ein einziges Flugblatt in Hamburg össent- lich verbreitet worden ist, wie das in anderen Städten thatsächlich viel- fach vorgekommen ist. Daten müssen Sie anführen, wann das geschehen ist, die Flugschristen mögen Sie nennen, welche verbreitet worden sind, dann sollen S i e R e ch t haben. Nicht etwa, meine Herren, daß ich, wenn das geschehen, wenn Flugblätter verbreitet worden wären, darin schon eine Rechtfertigung des Belagerungszustandes erblickte, oder aber, daß ich darüber unglücklich wäre, wenn solche Flugschristen verbreitet würden, weder das eine, noch das andere, aber bei der Wahrheit wollen wir dlei- b e n, und wenn man vor Deutschland etwas rechtfertigen will, was in ganz Deutschland Kopsschütteln hervorgerufen hat, dann müssen die Gründe, die vorgeführt werden, von der Regierung genau geprüft werden. Noch ein anderer ganz interessanter Fall. Oh! oh!<4 — ja, meine Herren, es geht nicht ander«!— der bezieht sich aus einen gewissen Wolff. Während Sie sehen, daß man uns gegenüber in der rücksichtslosesten Weise vorgeht, existirt da ein ganz eigenthümliches Ver- hältniß. Dieser Wolff ist seinerzeit in Oesterreich viel verfolgt worden als Sozialdemokrat, ist später aus Bayern und, wenn ich nicht irre, auch aus Sachsen ausgewiesen worden. Im vorigen Jahre wurde er von der Hamburger Regierung ausgewiesen, weil er Ausländer ist, und die Regierung dadurch ein Recht sich vindizirte, ihu ausweisen zu könne». Dieser selbe Wolss ging nach Altona, und da kann er heute noch bleiben, trotz des Belagerungszustandes, und wissen Sie warum? Der Mann hat weiter nichts gethan, als er ist Korrespondent der Lon- d o n e r„Frei h." und des Berliner Polizeipräsidiums zugleich, deshalb darf er bleiben. Ich will gewiß nicht, daß Wolff hinausgewiesen werde, ich will nur konstatiren, wie man es machen muß heutzutage, wenn man nicht ausgewiesen werden will.——— Und nun zum Schlüsse: ich habe Ihre Geduld lange in Anspruch genommen, (Abgeordneter Bebel: schadet nichts!) ich konnte aber nicht ander». Das, was ich hier vorzubringen hatte, mußte hier vorgebracht werden, denn Sie haben dafür gesorgt, daß es keine andere Stelle in Deutschland mehr gibt, an der solche Dinge noch vorgebracht werden können. Meine Herren, das, was ich vorgebracht habe, glaube ich, zeigt Ihnen klar und deutlich, daß es hier einen Krebs- schaden auszuheilen gibt, der aber nicht zu suchen ist aus unserer Seite, sondern ganz wo anders. An Ihnen ist es, die Sache zu bessern, thunSie, was Sie für dasBeste halten, wir sind auf Alles gefaßt! (Bravo! links.) Briefe eines Achtundvierzigers. Berlin, Anfangs April. Da man das Petersburger Attentat nicht im Innern zu reaktionären Zwecken verwenden kann, will man wenigstens den Versuch machen, der unbequemen Schweiz etwas am Zeuge zu flicken und das Asylrecht zu vernichten. Daß man in dieser Beziehung gegen England und Frankreich nichts ausrichten kann, das weiß man sehr wohl— die Anstrengungen werden also gegen die Schweiz gerichtet. Die Schweiz ist bei den Gewalthabern in Petersburg und ihren hie- ' figen Speichelleckern und Nachahmern bekanntlich seit vielen Jahrzehnten ein Stein des Anstoßes. Im Oktober 1v5v sagte„Väterchen" Nikolaus, der angebetete Pro- . tektor der deutsche» Fürsten, die preußischen voran: „Di» Schweiz muß man gewähren lassen, sie ist wie der betrunkene Helot unter den Völkern und gibt ihnen ein warnendes Beispiel von Anarchie." Die Freundschaft ist seitdem im Palast des Zaren nicht größer geworden für die Schweiz— wohl aber die Angst vor ihr. Der„betrunkene Helot" ist der einzige Staat auf dem europäischen Kontinent gewesen— wenn wir Holland, Belgien und Schweden aus- nehmen— der seit dem Tag, da Nikolaus durch jenes alberne und freche Wort seinem selbstherrlichen Geist Lust gemacht, Friede und Orb- nung im Innern gewahrt hat, wohingegen die monarchischen Muster- und Großstaaten insgesammt der Schauplatz von Kriegen und Revolu- tioncn gewesen sind. Und das Land, welches am meisten heimgesucht worden, am Hoffnung«- losesten der Auarchie versallen ist— heute— nicht in übermüthiger Phrase, sondern in Wirklichkeit„der bettunkene Helot unter den Völkern, der ihnen ein warnendes Beispiel der Anarchie gibt"— es ist R u ß- land I Die Saat des Nikolaus ist aufgegangen. Die Nemesis hat den Zaren- Wahnsinn entsetzlich bestraft. Nikolaus mußte sein eigenes Werk zusammenbrechen sehen, und endete bankrott als Politiker, bankrott an Leib und Seele, als Selbstmörder, ein Gegenstand des Mitleids und der Verachtung. Und sein Sohn, der das Walten der Nemesis nicht beachtete, er hat am 13. März sein Ende gesunden, nachdem er sein unglückliches Rußland einer beispiellosen Anarchie überliefert und schon volle zehn Jahre das elende Leben eines zum Tod verurtheilteu Verbrechers geführt hatte. Der Enkel des Nikolaus scheint ebenfalls taub zu sein für dje Lehren der Geschichte. Das alte verhängnißvolle„Wichts gelernt und nicht« vergessen"! Die Polizei, um sich rein zu waschen, hat ihm offenbar eingeredet, das■ Attentat, das seinem Vater das Leben gekostet, sei auf fremdem Boden, in der Schweiz, gewachsen, und wenn man das Asylrecht zerstöre, zer- störe mau auch das Verschwörungsnest, in dem die Attentate ausgebrütet würden. Die Petersburger Polizei, deren grenzenlose Unfähigkeit durch das Attentat und die dasselbe begleitenden und ihm folgenden Umstände grell »deleuchtet worden ist, hat leider in Herrn Rochesort einen Helfer in der Roth bekommen. Die mit geradezu skandalösem Leichtsinn von Herrn Rochesort veröffent- lichten Schwindel- Enthüllungen haben ihr eine vortteffliche Handhabe geliefert. Freilich nicht für die Dauer. Denn der Schwindel ist ja bereits ent« larvt. Indessen, seine Wirkung hat er immer gethan. Beiläufig rühren diese Enthüllungen von einigen Großmäulern her, die, fern vom Schuß, sich als surchtbare Revoluttonäre geriren, jedem, der nicht gleich ihnen schwadronirt, für einen„falschen Revolutionär" er- 'lären, und hinter ihren Bramarbas-Alluren blos die kläglichste Feigheit verbergen. Es sind dieselben Großmäuler, die vorigen Herbst die inzwischen sssig berstokbene„Commune" des selig durchgebrannten Felix Pyat nn- sicher machten und unter Anderem den bekannten Lügenbericht über die Konferenz, in der Liebknecht sprach, anserttgten. Zum Glück liegen die Dinge sehr günstig für die Schweiz. Der dritte Alexander hat daheim genug zu arbeiten, wen» er nicht das Schicksal des zweiten Alexanders theilen will. Bei un«, in Deutschland, hat Bismarck desgleichen jetzt um die eigene Existenz zu kämpfen; und von einer Belebung des reaktionären Geiste« durch den Schuß ist absolut nichts zu spüren. Im Gegentheil,— während der blindgeladene Sackpuffer Hödels und die Schrotbüchse Nobilings die aus dem letzten Loch pseisende Bismarckerci wieder lebendig geschossen haben, hat der Petersburger Dynamitschuß sie ins Herz gettoffen. Der ganze Zug der öffentlichen Stimmung geht dahin, daß der 13. März eine entscheidende Niederlage, ein nicht zu verwindender Schlag für das Prinzip und System der persönlichen Regierung gewesen ist. Aehnlich in Oesterreich. Die emfache Tharsachc, daß die Polen und Ungarn eine parlamentarische Kundgebung zu Ehren des russischen Zaren- thums kategorisch verhindert haben, genügt, um die Unmöglichkeit der Theiluahme Oesterreichs an einer ernsthaften Koalition gegen die Staaten des Asvlrechtes, speziell gegen die Schweiz, zu demonstriren. Kurz, die Schweiz hat nicht» zu fürchten. Und wenn den Drohungen, ivelche in einigen seilen Regiernngsorganen ertönen, die gebührende Ver- achtung bezeigt wird, dann werden die Drohungen von selber verstummen. Im Jahre 1847 war die Schweiz weit schlimmer gestellt; trotzdem ließ sie sich nicht ins Bockshorn jagen, warf den Sonderbund nieder und begann das Werk der Versassungsresorm. Feuilleton. In Sibirien. Die Verehrer von Alexander II. nennen ihn milde und wohlthättg. Das Folgende wird zeigen, was sie unter'Milde und Wohthätigkeit verstehen. Die Statistik zeigt, daß unter der„milden" Regierung Alexanders die Deportation nach Sibirien von Jahr zu Jahr gestiegen ist; daß zur Zeit jährlich die sünssache Zahl von„Verbrechern" verbannt wird, als unter der Regierung seines Vaters Nikolaus, der in der Geschichte ver- zeichnet ist als der grausamste Despot und blutdürstigste Tyrann, der seit dem letzten Jahrhundert auf einem europäischen Thron gesessen. Diese Deportationen wurden verfügt von der dritten Abtheilung oder geheimen Polizei, welche unter des Kaisers persönlicher Direknon stand. Vor seiner Regierung wurden die polittsch Exilirten und die gemeinen Verbrecher abgesondert gehalten. Alexander hob diese Anordnung aus und ließ eine gleiche Behandlung der Gefangenen eintteten, und welcher Art diese war, erzählt uns der deutsche Reisende und Schriftsteller Robert Lemke, welcher verschiedene Gesängnisse besuchte. Nachdem er Tobolsk verlassen, und eine schreckliche Reise in einem alten Wagen hinter sich hatte, sah er einen hohen Berg vor sich. In seiner nackten zerrissenen Vorderseite zeigte der Berg eine große Oessnung, gleich einem ausgebrannten Krater. Stinkende Dämpfe, die das Athem- holen erschwerten, stiegen daraus hervor. Der Reisende hielt da» Taschentuch vor seinen Mund und begab sich nach der Oeffnung des Felsens, wo sich ein großes Wachthaus befand, besetzt mit Kosaken. Nachdem er seine Papiere und Legitimation vorgelegt hatte, begleitete ihn ein Führer durch einen langen, dunklen und schmalen Korridor, welcher in schiefer Richtung niedergehend in eine unbekannte Tiefe führte. Ungeachtet des dicken Pelzes fühlte der Reisende eine große Kälte. Nachdem sie ungesähr 10 Minuten im tiefsten Dunkel gegangen, wurde der Boden immer lockerer und der Reisende bemerkte einen schwachen Lichtschimmer.„Wir sind im Bergwerk", sagte der Führer und deutet� nach hohen eisernen Kreuzstangen, welche die vor ihnen liegende Höhle abschlössen. Die massiven Stangen bedeckte ein dicker Rost. Ein Wächter erschien und öffnete das schwere eiserne Thor. Sie traten in einen Raum von bettächtlicher Ausdehnung, der jedoch nur in Manneshöhe war und von einer Oellampe matt beleuchtet wurde. Der Reisende fragte:„Wo sind wir?",—„In den Schlafzimmern der Verurtheilten. Früher war es eine produktive Ader des Bergwerkes, jetzt dient es als Obdach." Den Reisenden überlies es kalt. Dieses unterirdische Grab, welches nie einen Strahl Sonnen- oder Mondlicht gesehen, nannte man ein Schlaf- zimmer. In den Felsen des Raumes waren Verttefungen gehauen, und hier, kauernd in der Feuchtigkeit aus halbversaultem Stroh, bedeckt mit Sack- Neidern, konnten die unglücklich Leidenden von ihrer Tagesarbeit aus- ruhen. Ueber jeder Zelle war ein eiserner Haken befestigt, an welchen die Gesangen gleich tollen Hunden festgeschlossen wurden. Keine Thür, kein Fenster irgendwo. Begleitet durch einen anderen Gang, der von wenigen Laternen be- leuchtet und dessen Ende gleichsalls durch ein eiserne« Thor versperrt war, kam Lemke zu einem großen Gewölbe, welches theilweise beleuchtet war. Dieses war die Mine. Ein betäubendes Geräusch von Spitzeisen und Hämmern tönte ihm entgegen. Hier sah er einige Hunderte von traurigen Gestalten, mit zolligen Bärten, bleichen Gesichtern, gerölheten Augenliedern, in Lumpen gekleidet, einige von ihnen barfuß, andere in Sandalen, gefesselt mit schweren Ketten. Kein Gesang, kein menschlicher Laut. Nur dann und wann blickte einer scheu nach dem Reisenden und seinen Begleiter. Da« Wasser tropfte von den Steinen und die Kleider der Gefangenen waren durchnäßt. Einer von ihnen, ein starkgebauter Mann, mit leidenden Gesichtszügen, arbeitete schwer mit keuchendem Athem; aber die Schläge von seinem Spitzeisen waren nicht stark und standhaft genug, um den Felsen zu sprengen „Warum find Sie hier?" fragte Lemke. Der Gefangene schaute bestürzt empor, und setzte seine Arbeit schwei- gend fort. „Es ist den Gefangenen verboten", sagte der Ausseher,„Uber die Nr- fache ihrer Verbannung zu reden." Lebendig begraben, verboten zu sagen, warum! „Aber wer ist der Gefangene?" fragte Lemke seinen Begleiter leise. „Es ist Nr. 114", sagte der Begleiter lakonisch. Damals hatte sie außer Rußland, Oesterreich und Preußen, auit von de Frankreich gegen sich. macht Die Drohungen wurden nicht verwirklicht und konnten nichi freien i verwirklicht werden. wie di Die Februar- und Märzstürme des Jahres 1848 brachten die Feind! Schläg der Schweiz zu Fall. sich ihr Heute hat die Schweiz Frankreich für sich. Rußland ist gelähmt, uni So weder Oesterreich noch das deutsche Reich sind in der Lage, ein Altentat aui bereitet das Asylrecht der Schweiz zu verüben. Gelern Der Versuch könnte Stürme entfesseln, mit denen verglichen die Februar- In und Märzstürme von 1848 leises Zephyrgeflllster waren. Also: Bange machen gilt nicht! — Als» auch Leipzig wird seinen Belagerungszustand be- kommen! Nun, für die Wahlen war das längst geplant. Leipzig wird nicht die einzige Stadt sein, der diese Segnung zu Thei(_ wird. Auch verschiedene Landkreise werden mit dem„Kleinen" beglückt Berlin werden. Ohne Belagerungszustand kann dieses bankrotte System nicht woraus mehr forttegieren. Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht, hxjjjx _ Alten, und H Wie sott man agitiren? Sgr Nachdem den deutschen Sozialisten die öffentliche, freie Agitation im �'�bsl Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte gerade so verboten ist, wie keine A vv*. W WfckVV| M».] V»JV.«.V»VV(V fl'f den Christen die Propaganda für ihre Ideen während der römischen Kai- Jj, serzeit, müssen wir uns ebenso auf die geheime Agitatton legen, wie es jene gethan haben, bis der Abscheu gegen das jetzt herrschende System der Verdummung und Knechtung diesem System selbst und seinen Träger» J""'!1' ein Ende mit Schrecken bereitet. J® Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir im Stillen und Geheimen um a so eifriger agitiren und den Boden, auf dem unsere Feinde stehen, unter- er®ntt miniren müssen, je mehr uns jede öffentliche Agitation unmöglich gemach!.. | M testm worden ist. Es fragt sich nur, wie? Da möchte ich einen Vorschlag machen. Ueberall, wo unsere Genosse» oder n mit jungen Leuten zusammenkommen, müssen sie diese Gelegenheit enheü benutzen, denselben unsere Anschauungen, unsere Grundsätze zu entwickeln. 8e''0bt- Gerade in dem Alter, in welchem der junge Proletarier seine Lehrzeit. m ,a durchmacht, fühlt er einerseits die Härten seiner Stellung am lebhaftesten, i.™? ist aber auch andererseits für ideale Ziele und Bestrebungen am zu-? gänglichsten. Auf die junge Generation müssen wir unsere Blicke richten, sie müsse»'? 1 wir gewinnen, sie müssen wir zu enragirten Todfeinden der Monarch» mem und des Kapitalismus machen; denn in ein bis zwei Jahren werde».Jj.'! diese jungen-Leute zum Militär ausgehoben, damit man ihnen die preu-° ru- ßische Hundedemuth, den blinden Gehorsam, das Morden aus Kommando einbläue. Leicht können wir diesen Folgen der„Volkserziehung" u ia Moltke vorbeugen, wenn wir mit äußerster Energie und Zähigkeit gerad« diese jungen Leute als Rekruten betrachten, die wir für uns exer« Entich z i r t haben müssen, bevor sie des„Königs Rock" anziehen. Sind sie mit unseren Ideen erfüllt, mit dem Streben nach Recht und Freiheit in der Brust, voll gerechter Verachtung gegen die Niedertracht der a � Machthaber, dann gilt den jungen Leuten der gezwungene Militärdienst nur als ein Beweis mehr für die Wahrheit und Gerechtigkeit unserer*' Sache. Die Dressur macht sie dann nicht zu Maschinen, die Mißhandlung-i stumpft sie nicht ab, sondern empört sie, vermehrt in ihre Herzen de» vernick Grimm gegeu da» Bestehende und zeigt ihnen, wo sie zuerst ihre Tod- nur t feinde zu suchen haben. unter An diese jungen Leute müssen sich die Genossen hallen, ihre Gesellschafi das 4- aufsuchen, mit ihnen verkehren, ihnen Haß gegen die Tyrannei und Liebt � j r zur Freiheil einflößen. Sie müssen ihnen die preußische Verfassung und erkenu den Wortlaut�!) es Eide« zeigen, den König, Minister unh Abgeordnet« em geschworen haben; sie müssen ihnen die Frage vorlegen, ob solcher Ei« nicht Meineid war. Dann müssen sie ihnen da« Strafgesetzbuch zeige», nach welchem der Meineid mit Zuchthaus bestraft wird, und die junge» gCnin Leute auf Ehre und Gewissen fragen, ob sie als Geschworene jen<.'mr. Männer, unsere Todfeinde, nicht zum Zuchthaus verurtheile» niendi würden. Alton Haben die Jünglinge hier erst mit Ueberzeugung ein„Ja" aus- wenig gesprochen, dann erzähle man ihnen, wie dem Herzog von Augustenburg, dem König von Hannover, dem Kurfürsten von Hessen, dem Herzog vo» stuhrc Nassau die Kronen vom Kopfe gerissen wurden und frage, ob denn das oder ein Verbrechen sei? Und ob denn die Königskrone von Preußen ei» imwx heiligere» Ding sei, als die von Hannover? Jeder, auch der Dümmst« sieht ein, daß hier kein Unterschied besteht, und daß es um kein Haar schlimmer ist, die H o h e n z o l l e r n vom Thron zu stoßen als di« Welsen. mit> Dann erzählt ihnen, wie König Wilhelm die gefangenen österreichische» mss p Soldaten zum Bruch des Fahneneides verleiten ließ; wie er sie zu eine»(iemo revolutionären Brigade sormirte, uin gegen ihren Kaiser, ihren„höchste» Kriegsherrn" zu fechten, ihm den Stoß ins Herz zu versetzen, ihm di« glIn Revolutton ins Land zu tragen. Dann fragt ihr sie, ob der Bruck e des Fahneneides wirklich ein Verbrechen sei, und ob der dem König vo» Preußen geleistete Fahneneid heiliger sei, als der dem österreichische» Kaiser geleistete Eid. wo t Dann erzählt ihnen von den vielen Selbstmorden in der Armee, macht � � sie daraus aufmerksam, daß selbst das geduldigste Thier sich gegen sein« sn�. Quäler vertheidigt, lest ihnen au« Schillers„Tell" die Stelle vor, in de» � m B „Das sehe ich", antwortete der Reisende,„aber ivas für ein Verbreche» hat er begangen, zu welcher Familie gehört er?" „Er ist ein Gras, ein bekannter Verschwörer. Mehr kann ich zu meinet» Bedauern nicht über Nr. 114 sagen." Der Reisende hatte ein Gefühl, als wenn er erstarrte in dieser grab- artigen Atmosphäre— als wenn seine Brust zusammengedrückt würd« von einem dämonischen Alp. Er ersuchte seinen Begleiter, ihn schnell a» das Tageslicht zurückzubringen. Hier traf er den Kommandanten der Militärstation, welcher ihn srecknd- lich fragte:„Nun, welchen Eindruck haben Sie von unserm Gefängnis mitgenommen?" Lemke machte eine steife Verbeugung, der Offizier schien dieses sii» eine befriedigende Zustimmung zu halten und sagte: „Sehr industrielle Leute sind die Männer dort unten, nicht wahr?." „Aber mit welchen Gefühlen", antwortete Lemke,„müssen diese Unglücklichen in die Zukunft blicken, wenn sie sich am Ende der Woche zw Ruhe begeben?" „Ruhe!" sagte der Offizier;„Gefangene müssen immer arbeiten. Fü> diese ist keine Ruhe. Sie sind verurtheilt zu fortwährender Zwangsarbeit und wer einmal die Minen betreten hat, verläßt sie niemals wieder." „Aber das ist barbarisch." Der Offizier zuckte die Achseln und sagte:„Die Verbannten arbeite» täglich 12 Stunden und Sonntags desgleichen. Sie kennen keine Rast Doch nein, ich bin im Jrrlhum. Zweimal im Jahre ist ihnen ein! Tagesruhe gegönnt,— zu Ostern und am Geburtstage seiner Majestät des Kaisers,"—--- Was Wunder, wenn solche Abscheulichkeiten verübt werden an de» Vätern, Söhnen, Gatten und Brüdern von Tausenden, daß„Schrecke» gegen Schrecken",„Meuchelmord gegen Meuchelmord" zuletzt die Paroll der russischen Nihilisten wurde. Wer würde nicht Nihilist, wenn er i» Rußland lebte, und ihzn solche Torturen täglich in Aussicht ständen, wi« sie soeben geschildert find, die vollführt werden aus Befehl eine« grau samen, gefühllosen Despoten, dessen System einer seiner Träger treffen� zeichnete als„der Absolutismus gemildert durch den Meuchelmord". (Aus der radikalen englischen Wochenzeiluug „Hsxnold's Newspaper" übersetzt von W— r.) sei a gewö At seine das »al sei e dersc Ges« schlü der i «dler vb Arbi Wir! »an A Nete Nato kchei aus Hau der Ter gän; 3 die in j gerr spri dig! sah, i Ulj von den ewigen Rechten des Menschen, von der Grenze der Tyrannen- macht gesprochen wird, in welcher der Appell an das Schwert als de« ich freien Mannes würdig hingestellt wird— und fragt sie, ob sie sich auch wie die Schafe zur Schlachtbank schleppen lassen werden, ob sie die ndt Schläge und Schimpsworte eines Unteroffiziers geduldig hinnehmen oder sich ihnen durch Selbstmord entziehen würden. in« So vorbereitet müssen die jungen Proletarier zum Militär, so vor- aw bereitet müssen sie den Waffendienst lernen. Sie werden dann von dem Gelernten zur richtigen Zeit den richtigen Gebrauch zu machen wissen. ar< T» l'as voulu, Guillaumme! be- ozialpolitische Rundschau. |iil— D i e Debatte über den Belagerungszustand in ick> Berlin und Hamburg bat diesmal zwei Tage in Anspruch genommen, lch> worauf das„hohe Haus" die Denkschrift„zur Kenntniß nahm". Das � heißt, e s bleibt Alles beim Alten. Oder auch nicht beim Alten, denn der Verlaus der Debatte hat gezeigt, daß die Berliner und Hamburger Polizei noch viel brutaler hätte verfahren können, der Reichstag hätte ihre Handhabung trotzalledem höchst loyal gesunden und den Freibrief für eine verbesserte Auflage mit Wollust ertheilt. Für unsere � drangsalirten, von Ort zu Ort gehetzten deutschen Genossen gibt es keine Appellinstanz in Deutschland, sie werden somit angewiesen, zur Selbst- aj. Hilfe zu greifen, wenn ihre Existenz durch die Brutalität irgend eines eg Polizeipaschas ruinirt wird. enl Wir wollen damit Niemand provoziren, sondern nur die Situation -rn'enn5e'chnen. Belagerungszustand setzt Kriegszustand voraus, und wer den Belagerungszustand in Permanenz erklärt, proklamirt damit den Krieg. � Wer aber den Krieg proklamirt, hat auch die Konsequenzen desselben zu verantworten. Es ist in einigen Schweizerblättern mit Entrüstung dagegen pro- testirt worden, daß man Ryssakoff mit Tell— der, ob er gelebt hat er- >chl sen vicht, vom Schweizervolk als Heros verehrt wird,— zu vergleichen Kit tt>a9e* Ryssakoff habe ja— wie geistreich!— keine Kinder zu vertheidigen ,[IU gehabt. Nun, die deutsche Polizei weist mit Vorliebe Familienväter aus, ,eji um ja recht hart zu treffen. Bisher vermochte es die deutsche Sozial- � demokratie, ihre Ausgewiesenen vor dem Verhungern zu schützen, ob e« ihr bei der geplanten Verstärkung der Maßregeln noch möglich sein wird, ''st zweifelhaft. Und. wenn dann, wie in Altona unsere Genossen Reimer, ssea?�ichner und Andere, ei» der Polizei mißliebiger Familienvater, mit chjt°'n-m Federstrich aus einer mühsam geschaffenen Existenz Hinausgeschleu- de» gezwungen wird, fortzugehen und seine Familie in Roth und Elend ,cu,: Zurückzulassen, wer kann es ihm dann verbieten, mit Tell zu argumentiren: „Die armen Kindlein, die unschuldigen, Da« theure Weib muß ich vor deiner Wuth Beschützen"---? a t Wir nicht, und auch kein Bismarck und kein Melikoff. Gegen die .l' Entschlüsse eines Verzweifellen gibt es kein Gesetz. Um nun aus die Debatte selbst einzugehen, so haben wir zunächst unsere rückhaltlose Anerkennung über die ausgezeichnete Rede unsere« Genossen Auer auszusprechen. So war es recht! Kein Zugeständniß, kein Ein- iu» lenken, aber auch kein kindisches Drohen, kein Appell an die guten :re Herzen, aber auch kein theatralisches Gepolter. Mit unerbittlicher Kritik ung wie« Auer die Nichtigkeit der in der Denkschrift angeführten Motive nach, mit � Uernichtender Schärfe geißelte er die Brutalitäten der Polizei ohne auch ot" nur den Schimmer des Verdachte» aufkommen zu lassen, als hoffe er „ unter den heutigen Verhältnissen aus Besserung. Thun Sie, was Sie für ftl k®8 Beste halten, rief er der reaktionären Sippe zum Schluß entgegen, --wir sind aus Alles gefaßt!" Wir können keine bessere An- krienuung jür die Rede aussprechen, als indem wir sagen: � So spricht iln Mann! iebt und leih Was Puttkammer nach Auer vorbrachte, war zwar sehr dazu angethan, 3' loyale Gemüther graulich zu machen, aber eine Begründung des Bela« gerungszustandes war» es nicht. Er erzählte zunächst, daß wir eine Um- 1% �Ur�' e'ne unpatriotische Partei seien, was kein Nachweis für die Roth- " wendigteit des kleinen Belagerungsznstandes in Berlin und Hamburg- Altona ist,— daß Most und Hasselmann sehr rabiate Leute sind, was noch " weniger für die Ztothwendigkeit der Verhängung und Verlängerung des „Kleinen" beweist,— daß Most nach seinen Wahrnehmungen sehr viel ein- vo® flußreicher ist als die„Gemäßigten"(wo? auf dem Monde vielleicht oder bei Ihren Spitzeln, Herr Puttkammer?) was selbst, wenn wahr, " immer noch nicht der versprochene Nachweis,— daß der Wydener Kon- """ Keß den gesetzlichen Weg aus dem Prograntzn gestrichen, wo bleibt der Nachweis?— daß der„Sozialdemokrat" geschrieben habe, auf eine friedliche Entwickelung in Deutschland sei nicht zu rechnen, was hat das wil Berlin und Hamburg-Altona zu thun?— daß wir das Attentat ®us den Zaren nicht verurtheilt haben, daß in einem Gedicht im Sozial- m' demokrat auf die Nothwendigkeil der Rebellion hingewiesen sei?c., daß ifu» der„Sozialdemokrat" mit einer wahrhast infernalischen � Sunft in Tausenden von Exemplaren über die Grenze geschafft werde ru eine glänzende Anerkennung für die sozialistische Feldpost, aber was v0' geh, das die Berliner und die Hamburg-Allonaer an? daß auch in � Leipzig der Belagerungszustand eine Nothwendigkeit sei, zum Teufel, wo bleibt der Nachweis für Berlin und Hamburg-Altona? Ja, wer den !a, w der Rede des Herrn Puttkammer suchen wollte, der könnte sich blind H suchen. Keine Silbe über die laut Gesetz vorgeschriebene Voraussetzung, daß — w Berlin und Hamburg-Altona die öffentliche Sicherheit mehr bedroht sti als in Lyk, in Lübbe», oder'wo sonst noch irgend ein Puttkammer Kwählt worden ist. Auf Puttkammer folgt der berüchtigte Schutzzöllner Kardorss, der seinen tiefen Schmerz darüber ausdrückt, daß die preußische Regierung bas Vorgehen seines edlen Waffenbruders Stumm gegen das— libe- kale!— Neunkirchener Tageblatt nicht unterstützt habe. Stumms Absicht fei es gewesen, das Saargebiet vor der Gefahr(wie kann man sich so ilnd-"erschnappen, Jutester? Der segenspendende Belagerungszustand eine gnik Gefahr!) des kleinen Belagerungszustandes zu verhüten, der jedenfalls Ichlimmer ist als die Maßregeln der Arbeitgeber.— Aber die Maßregeln sitf der Arbeitgeber sind„jedenfalls" schlimm, welch' ein köstliches Geständniß, kbler Schlotjunker. Wir wollen auch deshalb nicht mit Ihnen streiten. �b ein Proletarier seiner mißliebigen Ansicht wegen von den vereinigten Arbeitgebern auf's Pflaster geworfen oder von der Polizei ausgewiesen wird, das ist nach unserer plebejischen Auffassung für ihn gleich schlimm, "vn seinen Bedrängern gleich infam, ganz die gleiche Schusterei.— Am zweiten Tage wurde die Debatte von dem Hamburger Abgeord- Ueten W o t f f s o h n und dem Bundesbevollmächtigten Hamburger Se- Uator, Dr. Bersmann, die beidd nur untergeordnete Punkte der Auer'- Ichen Rede— das Verbot der Sammlungen betreffend— bestritten, aus die eigentliche Frage, wodurch die Berhängung des„Kleinen" über Hamburg gerechtfertigt sei', sich aber nicht einließen, abgesehen von "er feigen Ausflucht Versmann«, daß wenn die Molivirung in der Denkschrift nicht genügt haben sollte, die Rede Auer« ihre nöthige Er- gänznng bilden würde. Der Bolksparteiler P a y e r zeigte sich als gewandter Jurist und wußte "ie Denkschrift und ihre ministerielle Ergänzung schlagend ad absurdum M führen, aber als echter Advokat beschränkte er sich ausschließlich aus "as rein formale Gebiet, ein gerade hier sehr untergeordnetes. Es klingt geradezu wie Hohn, wenn Herr Payer„die Bitte und die Warnung" aus- spricht, man solle doch in Zukunft bei Handhabung eines so zweischnei- "Igen Messers so vorsichtig als möglich sein k., wenn man, wie wir, die Er- fahrung hinter sich hat, daß das„schöne Gesetz" den Mißbrauch geradezu heraus- -che» nei» rab- Urdt l a« ?"■ U«j zi» FU' •beil. eite» «afp eil» iestäl de» ecke» irolk r i» wie y-am ffend ag -r.) fordert. So geschickt Herr Payer auch Herrn Puttkammer heimleuchtete, von dem Standpunkte, den er einnahm, läßt sich Alles das vertheidigen, was er bekämpfte, sobald sein Gegner den allgemeinen Gesichtspunkt hervor- hebt. Herr Payer sprach aber, wie er selbst sagte, als„Angehöriger der Bourgeoisie". Daß Herr Payer„ein Freund der Freiheit und des Reichs" ist, macht seinem Herzen alle Ehre, schade nur, daß dieses Reich und die Freiheit eben unverträglich sind. Minister Maybach erwiderte Herrn Kardoff, daß sein Einschreiten in Neunkirchen gar nicht so böse gemeint gewesen sei, und drückt die trost- reiche Erwartung au», daß auch auf dem gegebenen gesetzlichen Boden ein Handinhandgehen der königlichen Betriebsbehörden mit den Arbeitgebern, und zwar ein wirksameres wie früher, erreichbar sein wird. Das genügt aber dem berüchtigten Sklavenhalter Stumm noch nicht, er sängt daher entsetzlich zu lamentiren an, schwefelt von der sittlichen Pflicht, die ihn allein bestimme, und versteigt sich schließlich zu der frechen Drohung,„überall da, wo die Sozial- demokratie außerhalb Deutschlands ihre Schlupf- Winkel hat, diese aufzuhebe n". Man sieht, Herr Stumm übertrumpft-den russischen Czaren noch. In seiner Rage läßt der protzige Schlotjunker folgendes Geständniß los:„aber sie"(die klugerweise nicht verlesenen Auszüge aus dem liberalen„Neuenkirchener Tageblatt") „würden beweisen, daß ich wirklich verdiente, schließlich eines schönen Tages an einen Laternenpfahl aufgeknüpft zu werden, wenn ich mir meinen Arbeitern gegenüber eine solche Sprache gefallen ließe." Auf deutsch:„Sobald Ich meinen Sklaven gestatte, anders z u d e n k e n a l s I ch, d e r S k l a v c n h a l t e r, es für zweck- mäßig halte, verdiene Ich gehängt zu werde n." Nun, die Anschauungen darüber, wie man sich die Anwartschaft auf den Strick verdient, sind verschieden. Nachdem Minister Maybach eine Lüge des Herrn Stumm in aller Be- scheidenheit„berichtigt" hat, wie ein Untergebener seinen Vorgesetzten be- richtigt, erhält das Wort Bebel, um in der gewohnten schlagfertigen und rückhaltlosen Weise Herrn Puttkammer gründlich heimzuleuchten, so- wie zu den von Auer angeführten noch einige weitere, die„loyale" Hand- habung des Sozialistengesetzes illustrirende Thaffachen anzuführen. Gleich Auer zeigte Bebel in seiner Rede, daß unsere Partei entschlossen ist, unter allen Umständen den Kampf weiter zu führen, und daß wir nicht gesonnen sind, auch nur ein Jota von unseren Forderungen aufzugeben. Besonders freut es uns, daß unser Genosse die Ausführungen des„Sozialdemokrat" über die Hinrichtung des russischen Czaren voll und ganz vertreten hat. Unseres Wissens ist bisher in keinem Parlament so direkt für die Sache der russischen Revolutionäre Partei ergriffen worden, als es von Seiten Auer's und Bebel's geschah. Und das in einem Moment, wo die Real- tion frecher als je gegen uns vorgeht! Wir werden, wie aus Auer's, so auch aus Bebel's Rede Auszüge aus dem stenographischen Bericht bringen. Nachdem noch der deutschkonservative Abg. von Schlieckmann seiner Wuth über die Bebel'sche Rede Ausdruck gegeben, wird die Debatte geschlossen. Und das Resultat? Wir haben es Eingang« bereits ange- geben: Die„Belagerung" wird fortgesetzt. Sorgen niir dnher dnsiir, difj den Lelazerten Proviant und Utnnitian nicht ausgehe! — Die angedrohte internationale Verschwörung gegen„staats- und gesellschaftsfeindliche" Bestrebungen schrumpft immer mehr zusammen, so daß schließlich von der ganzen Herrlichkeit nichts übrig bleibt, als eine sanfte Pression aus die Schweiz und vielleicht das von Deutschland ausgehende Projekt internationaler Vereinbarungen gegen Mordversuche auf Staatsoberhäupter. Was die Pression auf die Schweiz anbetrifft, so stößt dieselbe beim Bundesrath sowohl als auch beim Schweizer Volk— trotz des Ueber- eifers gewisser freiwilliger und gekaufter Reptile— auf sehr geringe Sym- pathien. Die Schweiz, so klein sie ist, hat die östlichen Groß. mächte gar nicht zu flürchten; sie verlangt von ihnen viel weniger als sie ihnen gewährt, und die Drohung mit der Annexion durch Deutsch- land schreckt uns durchaus nicht. Bismarck wird sich hüten, ein Volk zu vergewaltigen, das sich seit Jahrhunderten unabhängig fühlt und dessen Angehörige den Gebrauch der Waffen gründlich verstehen. Die Schweizer Bourgeoisie würde er mit der Zeit, zum Theil sogar von vornherein, meistern können, das Schweizer Volk aber niemals. Dieser Bissen würde ihm schwer bekommen, wenn nicht, um beim Bilde zu bleiben, den Magenkrebs zu. ziehen. Hat der russische Czar die unvers hämte Aeußerung über die Schweiz, die ihm die Zeitungen in den Mund legen, wirklich gethan, so beweist er damit nur, daß er aus der Geschichte absolut nichts gelernt hat. Mag er es versuchen, den asiatischen Despotismus in Europa einzuführen, wir fürchten, er wird schweres Lehrgeld zahlen müssen. — Die von den Herren Windthorst und Geno ssen auf Seinen Befehl apportirte Dynamit-Resolution ist vom deutschen Reichstag „fast einstimmig" angenommen worden. Dagegen stimmten nur Virchow und Wöllmer von der Fortschrittspartei, einige andere Fortschrittler und die zwei Bolksparteiler drückten sich vor der Abstimmung. Unsere Genossen haben sich, da man sie aus Verabredung nicht zu Worte kommen ließ, unter Protest der Abstimmung enthalten. Mit Recht neünt die„Züricher Post" die Haltung der Fortschritts- Partei— für den Antrag zu stimmen, angeblich weil ihm die Majorität schon gesichert sei, in Wahrheit aber aus Furcht vor den Wählern— pi- toyabel(erbärmlich). Und wenn das demokratische Blatt auf die Juristerei des Herrn H ä n e l erwidert: Die Mohren bleiben Mohren Trotz allen Professoren, so setzen wir hinzu: Wähl' nur recht viel Professoren, Deutsches Volk, du bist verloren! — Wenn Kinder unter vier Jahren an irgend einem stand sich gestoßen oder sonst beschädigt haben, so pflegen sie gewöhnlich aus denselben loszuschlagen, was in der Regel einen recht drolligen Eindruck macht. Die gleiche kindliche Logik veranlaßte Deutschlands großen Kanzler, dem die Petersburger Bombe arge Leibschmerzen verursacht hat, seine Freunde zu versammeln, um auf internationale Maßregeln zurBerhütung desMißbrauchs mit explosivenStofsen zu sinnen. Diese Versammlungen haben jedoch leider zu keinem Resultat geführt. Leider, sagen wir aus vollster Ueberzeugung, denn mehr wie jeder Andere sind w i r Gegner desMißbrauchs, der mit explosiven Stoffen getrieben wird. Roch können wir den Eindruck nicht vergessen, den es aus uns machte, als wir während des russisch-türkischcn Krieges die Schilderung lasen, wie türkische Kriegsdampfer vermittelst Torpedo'« derart zerstärt wurden, daß sie mit Mann und Maus sofort in den Grund sanken. Wenn so ein Schiff voll Menschenleben vernichtet war, dann herrschte großer Jubel im russischen Hauptquartier und der milde Zar trank eine Flasche Champagner nach der andern auf diese„Herr- liche Erfindung der Neuzeil." Freilich handelte es sich damals um die„Befteiung" der Bulgaren vom türkischen Joche, die Bulgaren brauchten und erhielten eine Kon- stiwtion. Das russische Volk ruft seit Jahren vergebens nach einer Verfassung, der milde Zar, der gute Alexander, indeß wollte von einer solchen für Rußland absolut nichts wissen, sondern ließ schon das Verlangen nach derselben mit Verschickung nach Sibirien bestrasen— ist es da ein Wunder, daß Leute, die vielleicht den Türkenkrieg mitgemacht, schließlich aus die„befreiende" Wirkung de« Dynamit verfielen? Darum hätten wir von Herzen gewünscht, daß internationale Maß- regeln gegen den Mißbrauch von Sprenggeschossen, im Kleinen wie im Großen in Vorschlag gebracht worden wären, nndgradedarumwurden si e n i ch t i n V o r s ch l a g g e b r a ch t I — Noch erbärmlicher als die Haltung der Fortschrittspartei war das Verhalten der polnischen Abgeordneten. Diese Herren, die sich als die Vertteter eines vergewaltigten Volkes ausgeben, schämten sich nicht, für einen Autrag zu stimmen, der direkt darauf abzielt, die Völker ihren Unterdrückern gegenüber um jeden Preis rechtlos zu machen, denn so wirkungslos der geplante Vertrag an und für sich ist, so muß er gerade deswegen— und Bismarck ist sich dessen sehr klar— schließ- lich auf eine größere Ausdehnung hindrängen. Es ist nur der erste Schritt, der Ueberwindung kostet. Die Polen haben ihn gethan, glücklicher- weise ist man in anderen Ländern weniger charakterlos, oder, was viel- leicht besser zutrifft, vorsichtiger. — Liberale Zeitungen sind außer sich darüber, daß das hohe Reichs- gericht in seiner unergründlichem Weisheit folgendes Erkenntniß verübt hat: „1. Die Ehe eines Mannes von hohem Adel mit einer dem Bürger- stände angehörenden Frau ist als eine Miß heirath anzusehen, bei welcher also, trotzdem sie eine vollkommene und wahre Ehe ist, die Frau nicht in den Stand des Mannes eintritt, vielmehr ihren bisherigen Stand behält. 2. Das Verlangen auf Aberkennung des Rechtes zum Gebrauche des Titels und Wappens eines adeligen Hauses kann im Wege der Civil- klage geltend gemacht werden- 3. Zur Anstellung dieser Klage ist jedes Mitglied der Familie für befugt zu erachten. W i r aber sehen keinen Grund, uns irgendwie darüber zu erregen. Ob Wappen oder Geldsack, beiden gelten die Töchter des Volkes doch nur als nicht vollblütige Kreaturen, mit denen man wohl zeitweilig„Liaisons" unterhält, die man aber nicht heirathet, und für Bourgeoistöchter, Schau- spielerinnen, Balletteusen zc., die nach einer Grafenkrone lechzen, haben wir absolut kein Mitleid. Die mittelalterliche Auffassung aber, die dem Erkennmiß zu Grunde liegt, kennzeichnet den Geist der illustren Körper« schaft zu trefflich, als daß wir derselben dafür gram sein könnten. Nur keine Illusionen, das ist die Hauptsache. — Der Nihilismus i n D e u t s ch l a n d. Aus WUrzburg melden Ordnungsblätter, daß der Unteroffizier Pude, derselbe, welcher den Studenten Eicken erschoß, seit einigen Tagen vermißt werde.„Es wird an dieses Gerücht", heißt es weiter,„die abenteuerliche Kombination geknüpft, als ob Pude ein Opfer verspäteter Lynchjustiz geworden sei." Sieh einmal an, auch Du mein Sohn Brutus! Auch Du, loyalster aller Studenten, beginnst zu attentätern? Es ist zwar nur ein Unter- ofsizier, mit dem Du den Ansang gemacht, aber immerhin ein Re- Präsentant der„staatlichen Ordnung". Pude hatte nämlich den Sicken gar nicht ermordet, nichts weniger als das, er hatte ihn amtlich und reglementmäßig erschossen, er war sonst ein durchaus milder und humaner Unteroffizier, dieser Pude, der mildeste, den die baierische Armee je besessen, und das will viel sagen. Also schnell ein Ausnahme» gesetz zum Schutze der Armee gegen— die deutschen SMdenten. Man muß das Uebel im Keim ersticken! — Böses Gewissen. Nichts charakterisirt die Arbeiterfreund- lichkeit de«„großen Sozialresormers" besser als die heillose Furcht, die Er vor den Arbeitern empfindet. Seit dem Petersburger Attentat werden auf Seine Veranlassung, wie das„W. V." mittheilt,„alle Bewerber um einen Platz auf der Zuschauertribüne de« Reichstages abgewiesen, falls sie in ihrer Kleidung etwas reduzirt aussehen." Ja, die Peters. burger Bombe, die hat's Ihm angethan. Es ist übrigens nach verschiedeneu Richtungen hin sehr lehrreich, darauf hinzuweisen, daß in Rußland der gute Rock, in Deusschland dagegen der Arbeiterkittcl„verdächtig" sind. — Also doch! Jetzt, nach f a st drei Jahren hat die Wahl- Prüfungskommission des deutschen Reichstages beschlossen, und zwar einstimmig, die Wahl des Exminister Fr jeden thal für den Wahl- kreis Reichenbach-Neurode für ungültig zu erklären. Somit hat dieser Herr fast die ganze Legislaturperiode hindurch einen Sitz eingenommen, der in Wahrheit unserm Genossen Kappell, seinem Gegenkandidat, ge- bührte. Aber die Gesetze, die mit seiner und noch drei anderer Herren, deren Mandate ebenfalls für ungültig erklärt worden sind, Hülse vielleicht gerade durchgedrückt wurden, bleibrn trotzdem in Kraft. Und von uns, die wir wissen, wie in Deutschland Wahlen„gemacht" werden, verlangt man, daß wir die aus solche Weise sabrizirten Gesetze für heilig halten? Nimmermehr. — In Chemnitz sind wieder einmal Massenhaussnchunge» vorge- nommen worden, auch ist über acht Personen die berühmte Briessperre verhängt worden. Da kriegt die„infernalische Post" neue Kundschaft. — Aus London, 2. April, schreibt man uns*): Wie Ihnen jeden- falls schon bekannt ist— die deutschen Blätter treten ja die Sache mit sehr viel Behagen breit— wurde Most am 30. März hier verhaftet, angeblich wegen des Artikels in der„Freiheit" über das letzte Attentat, in Wirklichkeit aus Verlangen Bismarck'« hin.— Der russische Botschafter erklärte, der Sache gänzlich ferne zu stehen. So tief ist das „liberale" Ministerium Gladstone bereit« gesunken, daß es Schergen- dienste für den deutschen Despotismus verrichtet; so tief, daß es sich nicht scheut, der Laune eine« deutschen Junkers zu Liebe die englischen Freiheiten anzutasten, die Gesetze zu verletzen und die ganze öffentliche Meinung gegen sich zu erregen. Die Verhaftung Most's ist ein ganz willkürlicher, illegaler Akt. Die Torys haben bereits aus demselben Kapital geschlagen, der E r z t o r y Lord Churchill hat bereit« mehrere Interpellationen an das Ministerium gerichtet, auf welche Sir Harcourt nur mit Phrasen moralischer Ent- rüstung antworten konnte. Auf die Frage, aus Grund welchen Gesetzes hin Most verhaftet worden sei, konnte der Minister nur antworten: da« werde das geehrte Parlamentsmitglied erfahren, sobald die Anklage er- hoben sei; d. h. man sucht jetzt nach einem Gesetz, mit dem man den Bismarck'schen Liebesdienst beschönigen kann. Der öffentliche Ankläger Poland hat allerdings etwas von einem Gesetz von 1861 verlautbaren lassen, nach welchem die Verschwörung gegen das Leben eines ausländischen Fürsten mit 3—10 Jahren Zwangs- arbeit bestrast wird, aber eine Verschwörung liegt ja nicht vor. Herr Poland dürste sich irren, wenn er glaubt, daß Most, weil er jede Woche einige Spalten lang nach dem Blute der Fürsten lechzte, deßwegen auch Anstalten getroffen habe, seinem Blutdurst anders, als mit Tinte und Feder, Genüge zu leisten. Die Anklage ist daher ganz willkürlich und ungesetzlich. Es ist auch gar nicht zu bezweifeln� daß Most freigesprochen wird. Keine Jury in ganz England wird ihn verurtheilen. Wurde doch auch Bernard seiner Zeit freigesprochen, der erwiesenermaßen ein Komplice Orsinis war. Die öffentliche Meinung erklärt sich jetzt bereits einmüthig gegen die Verfolgung. Der torystische Standard war das einzige Blatt, welches in echter Junkermanier, ganz wie die deutschen Blätter, die Verhaftung Most's guthieß. Seitdem er gesehen hat, daß er allein dastehe, hat er ebenfalls eingeschwenkt. Daß die hiesige Emigration ohne Unterschied der Parteistellung— unter Anderen Marx und Engels in einer Ein- sendung an die„Daily News"— gegen da« Attentat des Herrn Glad- stone ausgetreten ist, ist selbstverständlich. Aber auch die gesammte Londoner Presse, namentlich„Daily News" und„Times", ist entrüstet über die Frechheit de»„liberalen" Ministeriums, und, wie sie aus- drücklich hervorhebt, umsomehr entrüstet, als es eine so unbedeutende Person wie Most ist, um derentwillen es sich blosgestellt hat.„Times" und„Daily News" behandeln Most als Hanswurst, den kein vernünftiger Mensch ernst nehmen kann, und der Alles andere eher verdiene, als die Ehre des politischen Martyrium». *) Bergl. auch unsere ob.-Korrespondenz aus London. Als ein Beispiel von vielen sei als charakteristisch für die herrschende Stimmung folgende einstimmig angenommene Resolution der„National- Liberal League" angeführt:„Dieses Meeting erklärt, obgleich es die gewaltthätige und absurde Sprache entschieden verurtheilt, welche der Herausgeber der„Freiheit" in Beziehung auf den verstorbenen Kaiser von Rußland und andere Personen geführt hat, daß dessen Verfolgung höchst thöricht und überflüssig ist und ebenso unpolitisch, da das Blatt bisher nur wenigen Personen im Lande bekannt war, während jetzt die verrückte Verfolgung sowohl das Blatt als auch dessen Ansichten allge- mein bekannt gemacht hat. Dieses Meeting fordert die Liberalen des Landes auf, sich gegen Preßverfolgungen der Art zu wenden, welche das noch größere Uebel mit sich führen würden, das Asylrecht für politische Flüchtlinge zu untergraben. Reklame für Most, daraus läuft also das Ende vom Lied hinaus, das Niemandem gefährlich werden kann als Herrn Gladstone, dem„Freiheit«- manne", der sich ebenso tölpelhaft und charakterlos, wie die Liberalen des Kontinents, von dem Varziner Krautjunker gebrauchen ließ. Bismarck hat seinen Zweck erreicht. Er ist heute ebenso zu Ende mit seinem Latein, wie 1878, er braucht wieder ein Attentat oder einen Putsch, um noch einige Jahre weiterzuvegetiren, und da die Hödelei und Mosterei in Deutschland nicht mehr verfangen, muß mit aller Gewalt wieder Reklame dafür gemacht werden; und nicht nur die eigenen, son- dern auch die fremden Minister werden dazu verwendet. Herr Gladstone hat daher im wahren Sinne des Wortes pour le roi de Prusse gearbeitet. J- s. — Immer entschiedener wird die Haltung, welche das Schweizer Volk in der A s y l f r a g e einnimmt, und wie wenig das Gepolter einiger Winkelblätter dasselbe zu beeinflussen vermag, das zeigte am besten eine am 2. April im alten Schützenhause zu Zürich abgehaltene glänzend besuchte Volksversammlung. Kopf au Kopf gedrängt folgte die fast ausschließlich von Schweizerbürgern besuchte Versammlung den Ausführungen der Re- serenten(C. Conzett aus Chur, Staatsarchivar Dr. Strickler und Landwehrhauptmann Karl Bürkli von Zürich) mit gespanntester Auf- merksamkeit, und je drastischer dieselben die Zumuthungen des Auslandes zurückwiesen, desto stürmischeren Applaus ernteten sie. Mit Recht wurde die Leisetreterei eines Theils der Schweizerischen Presse gegeißelt, und wir können unserem Genossen Conzett nur voll und ganz zustimmen, wenn er am Schluß ausrief:„Es liegt weniger am Schweizer Bundesrath— die Leute sind gar nicht so übel— als an uns selbst, das Asylrecht zu schützen. Je energischer wir, das Volk, für dasselbe eintreten, desto energischer kann auch der Bundesrath auf die Zumuthungen des Auslandes ant- warten. Es ist die Pflicht jedes freisinnigen Mannes, die Ausführungen bezahlter oder freiwilliger Preßknechte ausländischer Despoten mit Eni- rüstung zurückzuweisen." Die in diesem Sinne gehaltenen Resolutionen wur- den nahezu einstimmig(mit allen gegen vier Stimmen) a n- genommen. — Das„Königreich" Rumänien zeigt sich seines neugebackenen Range« würdig durch Jnszenirung einer Sozialistenhatz. In Jassy wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, unter Anderen verhaftete man auch unseren Genossen, Dr. Rüssel. Ferner sollen eine Anzahl russischer Studenten als des„Nihilismus" verdächtig ausgewiesen worden sein. Man sieht, Karl Lehmann hat von seinem hohen Vetter gelernt. — Russisches. Der neue Stadthauptmann von Petersburg, Ba- r a n o w, von der gesammten wohlgesinnten Presse Europa'« als ein Muster von Intelligenz und sonstigen schönen Tugenden gepriesen, hat schnell gezeigt, weß Geistes Kind er ist. Am 31. März überraschte er Petersburg mit einer neuen segenspendenden Schöpfung, dem Reglement zur Wahl eines„zeitweiligen Rathes", der ihm bei seinen Maßregeln für die „öffentliche Sicherheit" mit Rath und That zur Seile stehen solle. Und damit die Bevölkerung den Segen dieser„freisinnigen" Schöpfung mög- lichst schnell genießen möge, befahl Herr Baranow, daß die Wahlen schon am gleichen Tage Nachmittags drei Uhr vorgenommen würden. Eine Verständigung unter den beglückten Bürgern war natürlich nicht möglich, es wurden somit die Leute gewählt, für deren Verständigung Herr Baranow früher gesorgt halte. Vermittelst dieser freisinnigen Schöpfung— es ist ja die polizeiliche Selbstverwallung— werden nun der Petersburger Bevölkerung die unerhörtesten Lasten und Verpflich- tungen auserlegt, ohne daß sie sich auch nur mucksen darf— sie gehen ja— nicht von der Regierung, sondern von ihrer eigenen selbstgewählten Vertretung aus! Wahrhaftig, nie ist uns dieses Gesindel, welches gegenwärtig in Ruß- land das große Wort führt, ekelhafter, als wenn es sich erfrecht, die Freisinnigen zu spielen. Die Dummdreistigkeit, mit der es andern Leuten zumuthet, seinen albernen Schwindel zu glauben, kann wirklich nur auf so verrottetem Boden gedeihen, wo die Lüge die Gewohnheit, die Wahrheit die Ausnahme bildet. Der sog. Nihilismus, das ist der Protest jedes edleren Gemüthes gegen solche Schandwirthschafl, es ist der Protest der Rechtschafsenheit gegen den Betrug, der Wahrheil gegen die Lüge. — Wtd wir richtig vorausgesetzt, hat sich die Nachricht, daß sich die Petersburger Studenten zu Denunzianten hergegeben hätten, als grobe Lüge herausgestellt. Zu solch infamer Aufführung sind sie noch nicht zivilisirt genug. Da sind die deutschen Studenten doch ganz andere Kerle. Au« Bern theilt man uns mit, daß unter den dortigen deutschen und deutsch- schweizerischen Studenten eine Petition zirkulirt, die darauf hinausläuft, nicht nur die russischen Flüchtlinge sondern die russischen Studenten über- Haupt von der dortigen Universität zu verweisen. Wir sind gespannt, wie viel Jammerknabeu sich da zusammenfinden werden.*) — Wir warnen unsere Genossen ausdrücklich davor, den geflissentlich verbreiteten Nachrichten, als habe an verschiedenen Orten Rußlands die Bevölkerung gegen die Nihilisten eine drohende Haltung angenommen, irgend welchen Werth beizulegen. Die„Bevölkerung", um die es sich da handelt, das sind in der Regel ausdrücklich zu diesem Zweck orga- nisirte Banden, zum größten Theil aus Fleischergehülfen Zc. bestehend. Trotzdem das gesammte Beamtenthum, die offiziöse Preßmcute ic. sich im Hetzen überbieten, verhält sich da« Volk im Allgemeinen durchaus ruhig. Ein Beweis dafür ist gerade die Wichtigkeit, mit welcher die wenigen Krawalle, z. B. der von Kasan, behandelt werden. — Die Sozialisten von I m o l a und Bologna haben die Heraus- gäbe eines sozialistischen Wochenblattes beschlossen, welches den Namen �vanti!(Vorwärts!) führen und dessen Redaktion Andrea Eosta übernehmen soll. Das Blatt soll keiner bestimmten Schule oder Sekte angehören, sondern für die allgemeinen Interessen der Arbeiterklasse und für die Bildung einer italienischen sozialistischen Arbeiterpartei eintreten. Wir wünschen ihm den besten Erfolg. *) Wie uns soeben von anderer Seite mitgetheilt wird, habe fast die ganze nichtrussische Studentenschaft unterzeichnet. Pfui! Korrespondenzen. — Winterthur» 2. April. Die Mitglieder des deutschen Arbeiter- verein« beschlossen, für die Fonds politisch Versolgter einen monatlichen Extrabeitrag von 5 Et», zu entrichten. Für das letzte Quartal des vorigen und das erste des neuen Jahres sind Fr. 15 eingegangen, welche mit einer freiwilligen Sammlung beim Christbaumfest von Fr. 5 und einer solchen gelegentlich der Märzfeier von Fr. 18 an die Unterftützungs- fonds abgeliefert worden find. Wenn die deutschen Arbeiter in der Schweiz überall in dieser Weise vorgehen, so wirir unseren kämpfenden Brüdern in Deutschland dadurch jeden- falls eine wesentliche Unterstützung zu Theil, deren sie in diesen schweren Zeiten ja so sehr, bedürfen. Es wäre dies die beste Antwort, welche wir auf die neuerdings in Aussicht stehenden Maßregeln der deutschen Re- gierung, die das ihr so gelegen gekommene Petersburger Attentat aufs Aeußerste auszunutzen sucht, geben können! — Lörrach, 26. März. Am 23. d. M. wurden hier massenhaft Flugblätter auf den Straßen und in den Häusern gefunden, sowie Exemplare des„Sozialdemokrat" und der„Arbeiterstimme", infolge dessen die löbl. Polizei und Gensdarmerie die ganze Woche hindurch herumschnüffelte und Haussuchungen aller Art vorgenommen wurden. Die erste Haussuchung erfolgte bei Adolf Herman Arnold, Seilergehilse, der sofort verhaftet wurde, die zweite bei I. G. Bauer, Erdarbeiter, dessen Frau Abends 7,7 Uhr von dem Polizeidiener Heß aus der Fabrik geholt wurde, damit diese die Zimmer Lfsue und bei der Haussuchung zugegen sei. Nachdem die Hochlöbliche genugsam in den Büchern des Behaussuchten herumgestiebert, nahm man auf gut Glück einen ganzen Haufen Bücher und Zeitschriften— Verbotenes und nicht Verbotenes im holden Durch- einander, AllesaberEinzelexemplare,— mit sich fort, und das Gr. Amtsgericht Lörrach hat sie anch noch— o, Ihr Gesetzeskenner!— „gemäß§ 110 in Verbindung mit s 108 der Str.-Pr.-Ordng." mit Beschlag belegt. Was bei Anderen gesunden wurde, habe ich noch nicht erfahren können. Man spricht davon, daß über Lörrach der kleine Belagerungszustand verhängt werden soll. Nur zu, Ihr werdet uns doch nicht meistern. Rose. — Karlsruhe, 1. April. Der Schinder Ludwig Marz, über welchen in Nr. 13 des„Sozialdem." berichtet wird, hat in unserer Garnison D u r l a ch ein Seitenstllck gesunden. Der Bruder eines Soldaten war in Kenntniß gesetzt worden, daß der- selbe von seinem Sergeanten unerhört brutal behandelt würde; er fragte zunächst bei seinem Bruder selbst nach, hatte aber einen harten Kampf, bis er aus dem armen Opfer etwas herausbekam. Nach vielem Drängen gestand derselbe endlich, daß er auf den Tisch gelegt und voller Schwielen gehauen wurde; serner soll er, die Hände auf dem Rücken, an eine Säule gebunden worden sein, wo ihm dann zwei Mann sein Essen eingeben mußten, wie man ein kleines Kind füttert. Innerhalb 18 Tagen hatte er 16 Tage Arrest, mit Hungerkost, d. h. Wasser und Brod, nur zuweilen bekam er in dieser Zeit die gewöhnliche Kost. Ferner soll eine Prozedur mit ihm vorgenommen worden sein, auf deren Mittheilung wir des Anstände« wegen verzichten müssen. Aus diese Aussagen hin begab sich nun der Bruder zum Hauptmann der Kompagnie, richtete aber nichts aus; er entschloß sich hierauf zum Groß- herzog zu gehen und erzielte dadurch wenigstens, daß es zu einer Unter- suchung kam, natürlich in aller Stille: der Soldat wurde nach Mannheim versetzt und auf der H a u p ist r a ß e transportirt, während der Ser- geant mit Helm und Seitengewehr aus Nebenwegen nach dem Bahnhof ging, allwo ihm dann erst die Mütze nach der Festung Rastatt überreicht wurde. Auf wie lange konnte man nicht erfahren. Gleiches Recht für Alle—! Der halbunzurechnungsfähige S oldat, Biel ist sein Name, bekam, in Mannheim kaum angelangt, zwei Jahre Sttafkompagnie wegen Gehorsamsverweigerung!!— Am Samstag den 26. d. M. wurde von der hiesigen Strafkammer gegen Geiger und Genossen aus Pforzheim wegen Vergehens gegen das Sozialistengesetz verhandelt. Geiger war nicht erschienen, es wurde nun gegen einen Menschen, Namens Sauter, verhandelt, welcher von dem bekannten Denunzianten M a i e r Flugschriften verschiedenen Inhalts zur Verbreitung erhalten hatte. Erwischt bei derselben hat man ihn nicht, diesen Held, als aber der Präsident ihn fragte, ob er ein solches Päckchen mit Inhalt vor eine bestimmte Thür gelegt habe, sagte er: Ja!— „Nicht wahr, das Flugblatt haben Sie unter einen Baum gelegt?" „Nein, es ist mir'runtergesallen." „Aber Sie haben es liegen lassen?" ..Ja!" Genug. Der Staatsanwalt beantragte angesichts der notorischen Dumm- heit, welche blos von dem gefährlichen Maier ausgenützt zu sein scheine, milde Strafe, dennoch wurde der arme Teusel zu sechs Wochen Gejängniß und Tragung der Kosten verurtheilt, nachdem er bereits 25 Tage Unter- suchungshaft abgesessen hat. Maier kommt von Berlin wieder hierher zur Aburtheilung vor dem Landgericht. — Vom Niederrhvin. Ende März starb hier in Creseld im Krankenhause Genosse N i st e r s, der sich schon seit einiger Zeit in sehr schlechtem Zustande befand in Folge der fortdauernden Hetzereien und Ausregungen. Er war von früher Jugend an unserer Sache mit voller Seele ergeben und hat dies besonders in den letzten Jahren unter dem Ausnahmgesetze gezeigt, indem er unermüdlich thätig war und allen Vor- würfen und Versprechungen seiner wohlhabenden Familie gegenüber Stand hielt. Zu seinem Begräbniß waren Genossen aus der ganzen Umgebung erschienen und am Grabe gaben wir uns das Gelübde, treu wie er zur Fahne zu halten und sür die gerechte Sache zu wirken. Es wird, wenn wir treu diesem Gelübde handeln, die Zeit kommen, wo das schwarze Gevögel, welches sich durch scheinbare Zugeständnisse an unsere sozialen Forderungen der Gemüther eines großen Theile« der hiesigen Arbeiterklasse bemächtigt hatte, seinen Einfluß verliert, und die Arbeiter des Niederrheins in verstärktem Maße wieder in die Reihen ihrer sür die geistige und ökonomische Freiheit kämpfenden Brüder ein- treten werden. — London. 1. April. Wer wird sich blamiren? Das ist die Frage, welche hier seit zwei Tagen von Mnnd zu Mund geht, das heißt, seit der plötzlich erfolgten Verhaftung des Redakteurs der hier in deutscher Sprache erscheinenden„Freiheit". Der Minister des Innern, würden wir in Deutschland sagen, hat am Donnerstag Nachmittag den Redakteur der„Fr." verhaften lassen, aber nicht blos das, nein, man hat sogar den im Büreau befindlichen Schrift- setzer gewaltsam entfernt, alles Vorgefundene, wie Satz, Typen w. be- schlagnahmt, das Lokal verschlossen und die Schlüssel in Verwahrung genommen. Dem Verhasteten hat man Uhr, Geld und Briefschaften abgenommen. und ihn selbst hinter Gitter gebracht. Wenn ich Ihnen solchen Bericht aus Deutschland oder Rußland sendete, so würde das nichts Ausfallendes sein, von dem freien England jedoch solch echt deulschrussische Nachricht zu bekommen, dürste Ihren Lesern doch etwa« sonderbar vorkommen. Ich muß gestehen, mich hat die Nachricht nicht überrascht, ich habe sie, fast möchte ich sagen, vorhergesehen, und habe bei verschiedenen Gelegen- heilen darauf aufmerksam gemacht, nachdem ich aber sah und las, wie ganz England heulmeierte(siehe vorigen Bericht) über die Hinrichtung des Tyrannen von Rußland, ward es für mich zur Gewißheit, daß man etwas„machen" werde. Nun, es ist geschehen. Der Redakteur der„Fr." verhastet und von einem englischen Richter unter Anklage gestellt. Die Anklage wird begründet auf den Artikel in Nr. 12 de« genannten Blattes, überschrieben„Triumps!"„Triumps!", der„eine niedcrträch- tige Schmähschrift auf den Kaiser von Rußland sein" und außerdem„in ganz gemeiner Weise zum allgemeinen Fürstenmord" ausfordern soll. Und die englische Presse? Nun, wie immer, nachdem man zuvor geheulmeiert und gehetzt, wendet sich nun die ganze Meute gegen den Minister de» Innern, mit Ausnahme der reaktionärsten Blätter a la„Kreuzzeitung", welche natürlich die Maßnahme herrlich finden. Interessant ist es� übrigens: Das liberale Ministerium Gladstone belobhudelt von den Tory's und getadelt von seinen eigenen Genossen, den Liberalen. Würde es nicht zu lang sein, ich würde Ihnen einzelne Zitate der Zeitungen hier hersetzen, so will ich mich darauf beschränke», daß man sich im Allgemeinen wenig Erfolg für die Regierung verspricht, eine Verurtheilung sür sehr unwahrscheinlich hält, welch letzteres natürlich eine entschiedene Blamage sür Sir Harcout wäre. Letzterer wurde heute im Parlament über den Borfall interpellirt, und seine Antwort war: Er nannte den angeklagten Artikel eine„rebellische, bestialische Grausamkeit" und man dürfte einer solchen Schreibweise gegenüber nicht tolerant sein, denn sie übe einen üblen Einfluß aus die Moralität des Volkes. Im klebrigen verwahrte er sich entschieden gegen jede Unterschiebung, als hätte er unter Einfluß irgend welcher auswärtigen Mächte gehandelt; somit bleibt also die Verantwortlichkeit ganz allein auf Sir W. Harcourt hängen. Wir wollen hier nicht über die Art der Sprache des in Rede stehender Artikels rechten, interessant bleibt jedenfalls, daß Sir Harcourt glaubt. der Inhalt eines in deutscher Sprache geschriebenen Blattes wirke demoralifirend auf das englische Volk, wo es obendrein hier kaum ge- kannt ist. Möglich ist, daß nach der Reklame des hoheu Herrn Nachfrage nach dieser demoralisirenden Lectüre entsteht.—. Wie gesagt, bis jetzt ist sich hier kaum Jemand klar darüber, auf welchen englischen Gesetzes-Paragraph hin die Anklage erhoben werden soll. Was die vorher erwähnte Hetze anlangt, so will ich noch erwähnen, daß in den letzten Tagen einige Zeitungen die Frage aufwarfen, waruut man denn eigentlich hier in England den russischen Nihilisten Hartmami unbehelligt lasse? Sie argumentirten: Nicht weil er den Kaiser attakirte, sondern weil er einen Eisenbahnzug in die Lust sprengte, sei er ein eins facher Kriminalvcrbrecher, der gar keinen Schutz hier verdiene, denn wenn ein englischer Arbeiter einen Eisenbahnzug zu demoliren versuche, werde er auch bestraft, warum soll man den H.... schützen? Ferner hat man diese Woche, als die Königin von Windsor nach Lon« don fuhr, ohne ihr Vorwissen, Vorsichtsmaßregeln getroffen, indem man die ganze Bahnstrecke mit einer Postenkette bestellte und äußere dem einen leeren Bahnzug voraussahren ließ. Ist das nicht zum Lachen? Wenn irgend ein gekröntes europäisches Haupt es wagen darf,„d a s Haupt in jedes Unterthanen Schooß zu lege n", so ist es, glaube ich, die englische Königin. In meinem vorigen Bericht erwähnte ich den Versuch, das Stadthaus hier in die Luft zu sprengen. Jetzt will man richtig drei Jrländern aus der Spur sein, die der That verdächtig sein sollen. Einer davon soll mit einem Dampfschiff der Anchor-Linie nach Amerika abgerückt sein, und hat man nun veranlaßt, daß dies Schiff noch vor dem Einlausen in amerikanische Gewässer zum Halten gebracht wird. Famos! Noch eins: Bradlaugh, der bekanntlich bei seinem Eintritt ins Parlament nicht den«erlangten Eid leistete, später aber doch mit votirte, wurde deshalb verklagt und ist jetzt auch in der Appellinstanz verurtheilt. Sein Mandat ist dadurch erloschen. Interessant ist nun, daß die englische Regierung, wie verlautet, um eine Neuwahl Bradlaughs zu verhindern, erkläreai will, daß B. auf Grund richterlichen Erkenntnisses sich nicht zum Parla- mentsmitglied qualifizire, somit alle für ihn abgegebenen Stimmen um gültig seien, und daß derjenige, der nach ihm die meisten Stimmen er- halten habe, als gewählt zu bewachten sei. Es ist doch ein merkwürdiges Ding, diese«„freie England". — ob. i w s-t Zi « H frm ( »ach Vehörd, »»d rnil darf feii dn Stu Di gegan werde Dc sei d° Sprechsaal. und l so sei Bück An meine Freunde und Parteigenossen im Auslande. Die Thatsache, daß in der letzten Zeit mehrfach Briese au» dem Aus« land, die an mich gerichtet waren, nicht in meine Hände ge- langten, nöthigl mich zu der Aufforderung, Briefe, die an mich direkt gesandt werden, nur rekommandirt zu senden. KaliU die direkte Sendung an mich durch die Benutzung der Adresse Dritter umgangen werden, so ist die« noch besser. Erfahrungsgemäß haben Reklamationen über den Verbleib gewöhnlicher Briefe, namentlich wenn diese vom Ausland kommen, keinen Erfolg, weil solche Briefe nicht registrirt werden und es ganz unmöglich ist, die postalischerseits verlangten Angaben nach vielen Wochen oder Monaten, wo man meist erst die Nichtankunst der Sendungen erfährt, noch zu machen. Ich fordere überhaupt alle Gesinnungsgenossen im Auslande auf, in ihren Korrespondenzen an Genossen in Deutschland jede mögliche Vorsicht zu beobachte»; es besteht ein so ausgedehntes und rücksichtsloses Schnüffel- system seilen« vieler deutschen Polizeibllreau«, wie man es sich außer- halb Teutschlands kaum vorstellen kann. Leipzig, den 28. März 1881. A. B e b e l. I von der Di imm stütz Simil «itti Th 5 fjni Gehal Briefkasten der Redaktion: An unsere Leser! Wiederum mußte wegen Raum- mangels ein Theil unserer Rundschau, sowie der Bericht über Fritzsche's und Viereck'« Reise für die nächste Nummer zurückgestellt werden. der Expedition: E. B. Tlthm.: Fr. 2. 50 Ab. 1. Qu. erh.—; F. Mr. Gz.: ö. fl. 1. 70 Ab. 2. Qu. erh.— Rother Franz: Fr. 5.-- ä Cto. Ab. u. Fr. 2. 50 Ah. f. L. erh. Beide» zus. auf Conto gestellt-j — Durch A. H. Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— Stieber aus Reisen! Mk. 1. 50 dem Agltfds. zugewiesen.--- o Hau: Bs. v. 20.3. erh. u. Alles beachtet. Rchtr. Jhrb. mit 14 abger.— v. Bismarck: Fr. 92.10 Ab. 2. Qu. erh., folge» fortan 50 statt 12. Weitere Winke beachtet. Alles notirt, Exzellenz!— Russische Grenze 6: Beide gelöscht. Ersatz ein- gestellt. Was meinen Sie zu Ihrem Vordermann? Eifern Sie nach- Gruß!— Drickes: Mk. 10.— erh., hiervon Mk. 6.— für 2 Ab. per 1. Qu. u. Mk. 4.— Schst.-Cto. vom 20. 11.80 eingestellt. Briest, am 5.4. mehr.— A. Br. Rsb.: Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— Reinecke Lz.ss ö. fl. 2. 52 Ab. ä Cto. 2. Qu. erh. Am 1. 4. Bs. K. abgg.— K— r Anwverpen: Fr. 7.50 i Cto. Ab. erh. Briefl. Weiteres. Dank u. Gruß! — Pariser Genossen: Fr. 73.— dem Ufds. zugewiesen. Tank!— L Gtha: Mk. 6.- Ab. 2. Qu. erh.— E. K lässig N.J.: Fr. 51. 80 erh., höherer Rabatt unmögl.— Redhat: Gewünschtes mit 14 abgeg. Ausz. folgt.— Bfl. am 4. 4. Weiteres berichtet.— Liebig: Nach Vorschlag ist keine Sicherheit geboten, also neue senden! Bf. am 4.4. abges. Strombom: Bf. v. 28.3. zu spät erh. Antw. desh. am 4. 4. durch Lr. Adr. nach Vorschr. gelöscht.— Mf R.: 27.20 Ab. 1. Qu. erh. und nach Vorschr. gebucht. Bf. an D. am 6. 4. abgeg. Weiteres erw.— Sozialisten Winterthur: Fr. 9.50 Ufd« u. Fr. 1.— Flgjd«. erh. Tank! — Tisch. Ver. Winterthur: Fr. 38.— Selbstbefteuenmg sc. dem Ufds- zugewiesen. Spezialquittg. siehe daselbst später. Besondern Dank und An- erkennung!— P. S. Hr. Amsterd.: Fr. 5.— Ab. 2. Qu. erh.— Durch U. Fr. 2.— für Agit.-Nrn. erh.— W. Bt. hier: Fr. 2.— Ab. 2. Qn. erh. durch 11.— L— r A— u: Mk. 3,— Ab. 2. Ou. über II. erh. durch E.- C. Rhg. C.: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. erh.- F. Grbr. hier: Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erh. Fr.—.50 dem ll-.Fds. zugewiesen:— Wyl. D- Ver.: Fr. 2. 50 dem Flg.Fds. zugewiesen.— Ölten. D. Soz.: Fr-. —.50 dem U.-Fds. zugewiesen.— B. Breul London: Mir Fr. 20.10 Ab.-Rest 1. Qu. u. U.-Fds. von G. S. u Freunden geordnei. Gruß! — K— Bol.: Mk. 6.— 2(6.2. Qu. erh. Bfl. am 4. 4. Gewünschtes abg. — Alte Flagge: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. erh. Alles beachtet. Vorwärts! — A. Lauf. Chicago: Bf. v. 17.3. erh. Send, am 5.4. abgeg.--fl Laster: Bs. v. 29. 3. erh. Verfuhren nach Vorschr. und sandten 200 mehr. 15 Pk. und 10 Pbr. nochmals beigegeben.— F. I. E. St. Gall.■ Kennen die Ged. ja gar nicht. Uebrigen« keinen Bedarf. Vielleicht bei der Volksbuchhdlg.?---- Gtz: Mk. 15.— für 5 Ab. per 2. Qn- erh. Briefl. mehr.— W. G. u. S. W. Hg.: Mk. 8. 10 Ab. 2. Ou. n. Schst. erh. Ersatz folgt mit Schst. Verspätung wahrscheinl. durch Zwischen- Hand.— Rosa Beck: Mk. 50.— i Cto. Ab. 1. Qu. erh. Bf. v. 28 3- u. 5. 4. nicht erhalten?:Sofort Bescheid, dafern nicht schon unterwegs» Krzbd. stet« fort, wie gewünscht. Glück aus!— F. S. Heil f St. G.: Dank für Offerte. Sdg. bewirkt. Briefl. Nähere«. Nu die A lührlii dem• besonl halten dabei die S maße, in Be De verlai abgelc hat sc daß. nämli seinen Wel Ürthe ein k> heit x staiiti au« i zu ko sluß Und kein M°si die st seine, all' schärf Den, dieser Comm. Arbeiter-Bildungs- Verein 49 Tottenham Street. Tottenham Gourt Read. Die"Wirthschaft des Vereins ist geSll'net von Morgens 9 bis Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unser® Adresse zu achten. I. A.: Der Sekretär: G. Lemke. Schweiz. ÄUteinibiüfcitiKfttei Hotiingen-Kltrich oieOe zusta, Abge in ix lager bekov mitte [onfti oercii nur drein de«! kein oder duzir gedel AI Min m z in 5 muß glaul »n h Preß '°zi diese Pias !ch oti lehr 9tt«g