Ur. 154. 15> Jahrg. Abonnement--ZtdtngAngen: U Die Insertion--Gebühr' Abonn-mentZ-PreiS pränumerando! H I■ BSl W M ZW Böl beträgt für die f-chSgespaltene«olonel. vterteljährl. SL0 Mb, monatl l.IVMl., W> I l MW DW#C HB HB MW« ff HB jede oder deren Raum S0 P1g>, für wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau»..»ItBM fiHH i H HB w) H| WM HB BH BH �pv HB HH 1 //«eretns- und BersammlungS-Anzeigen, Einzelne Nummer B Pfg. Sonntag». MDW|>pH|l H H■■■ B B B B B B> I ÄL. sowie ArbeiiSmarN 20 Pfg. Inserate Nummer mit illuftrtrter Sonntag». WWW I WM| B B B Bl Bl B B B B �Bd�BV die nächste Nummer dt» Beilage.Tie Reue Welt" 10 Pfg. Post- �rmU I I DD Hfl HH\ �H abgegeben werden. Tie Expedition Eingetragen in der Post. Zeitung». HB I I �DM»V J/ BN ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», Preisliste für ISSg unter Sr. 787«. V m■>>._/ Zjg�ßtk\ an Sonn, und Festtagen bi»» Uhr Unter lireuzband für Teutschland und-> r&A_____>v�\-> vormittag» geöffnet. Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» V) � �- Übrige«u»land» Marl pro Monat. �/ Zr——.»rrnsprecher:»ml l,»r. ISO«. Erscheint vlgltch auster»»ntag«. � � � J�f � � �„!So,>nld-mol>r«t Serlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. R-dsktion: SVI. IS, Sruth-Strq- 2. Zwei Deutschlande. Sdcht von den„zwei Nationen", die in Deutschland nebeneinander und durcheinander leben, soll hier geredet sein. Diese„zwei Nationen" leben nicht blas in Deutschland, sie bevölkern die ganze kapitalistische Welt beider Halb- kugeln— die zwei Nationen, die der scharfblickende englische Staatsmann Disraeli zuech in England entdeckt hat,— die zwei Nationen, die nicht national sind, sondern international, über alle Kulturländer der Erde verbreitet, und mit einander ringend um die Herrschaft in allen und über alle. Von diesen zwei Nationen wollen wir hier nicht reden. Sie fechten ihren Kampf aus in Deutsch- land wie in den übrigen Kulturländern und fühlen in allen Ländern sich in solidarischer Interessengemeinschaft. Wir hätten gesagt: in solidarischer Interessengemeinschaft undB rüder- gemeinschaft, wenn der Gedanke und das Gefühl der Brüderlichkeit nicht auf die eine der zweiNationen beschränkt wäre — auf die Nation der Arbeiter und Ausgebeuteten, die sich eins wissen und brüderlich verbunden mit den An- gehörigen ihrer Nation in allen Ländern, während die andere Nation, die der N i ch t s e l b st a r b e i t e r und Ausbeuter, weil von fremdem Eigcnthum lebend und nach fremdem Eigenthum strebend, stets in Hader und Streit sind, im Lande den Klassen- kämpf zur Unterdrückung ihrer arbeitenden Mitmenschen führend, nach außen hin aus schnödem Gold- und Land- Hunger blutige Kriege mit Länderverwüswng entzündend. An diese zwei Nationen denken wir jetzt nicht, sondern an das Schauspiel der Zerklüftung, des inneren Zwiespalts und Widerspruches, welches dem Auslande und dem nicht bis über die Augen und Ohren im Sumpf unseres politischen Elends steckenden Deutschen gegenwärtig vom Deutschen Reiche geboten wird. Hier das deutsche Volk, welches am 16. Juni seine Souveränität bekundete, mit gewaltiger Majorität die mittelalterlich- reaktionäre Politik der herrschenden Parteien ver- urtheilte und der von ihnen beherrschtcnRegierung einMißtrauens- Votum ertheilte, so wuchtig, wie keine Regierung jemals ein wuchtigeres erhalten hat— hier die ungeheure Mehrzahl des deutschen Volkes für eine Politik des Friedens, der Frei- heit, der Zivilisation. Dort das Regier» ngs-Dentschland— und das Deutschland der herrschenden Parteien I Welcher Kontrast! Die Regierung beachtet nicht das Mißtrauensvotum des Volkes— sie bleibt ruhig im Amt. Die Volkssouveränität besteht für sie blos darin, daß das Volk Meinungen und Wünsche aussprechen darf, aber keinen Willen hat. Und in Deutschland gilt noch heute in Rcgierungskreisen der Satz, welcher nach dem dreißigjährigen Krieg auf dem Leichenfeld deutschen Volksthums, unter den giftigen Miasmen französischer Gottesgnaden-, Hof- und Bcaitressenwirthschaft deutscher Rc- gierungs-Axiom geworden ist— der Satz von der Erbsündig- keit des Volkes und dem„beschränkten Unterthanenverstand"— der Satz von der Allweisheit und �Allmacht der Regierung, vor welcher das Volk sich in stummem Gehorsam zu verneigen hat. Dieses Regierungsaxiom dreht das Verhältniß von Regie- rung und Volk um. Die Regierung ist nicht für das Volk da, sondern das Volk für die Regierung. Die Regierung hat nicht den Willen des Volkes zu thun, sondern das Volk den Willen der Regierung. Jede selbständige Willensregung des Volkes ist von vornherein wenn nicht strafbar, doch mindestens tadelnswerth und enthält den Keim des Aufruhrs, wo nicht gar der Revolution. Es ist das die Weisheit der Heiligen Allianz, die heute wieder für„leitende Kreise" das höchste Strebeziel ist— es ist die Weisheit Metternich's, des höchsten staatsmännischen Ideals der modernen Minister, Staatssekretäre und sonstigen auf und an den Regierungsmaschinen sitzenden Per- sonen, die sich auch«Staatsmänner" nennen und nennen lassen! Staatsniann und Staatsmann ist zweierlei. Nach englischem Begriff hat der Staatsmann die verschiedeneu Interessen- und Willensströmungen im Volke zu erforschen, die Gegensätze zu mildern, Reibungen zu verhindern und das Parallelogramm der Kräfte— die auS dem Wider- streit der Kräfte sich ergebende mittlere Linie— zu berechnen. Der deutsche„Staatsmann" braucht sich den Kopf nicht mit so mühsamer Arbeit zu zerbrechen— er hat am grünen Tisch, in seinem Bureau und schon beim Bierglas als Korps- bursche alle politische Weisheit gelernt, die er nebst seinen Kollegen und überhaupt seiner und ihrer Kaste als ererbtes Geheimgut inne hat. Alles, was mit dieser Weis- heit nicht im Einklänge steht, ist verwerflich, alle Gedanken, Gefühle, Wünsche, Forderungen, die ursprünglich, aus dem Volke heraus, ohne hohe obrigkeitliche Erlaubniß laut werden, sind unbefugt und Unfug. Die Kräfte, welche sich ohne obrigkeitliche Erlaubniß ans Licht wagen, sind staats- feindlich und müssen zurückgedrängt werden. Und alles das geschieht nach der vorgeschriebenen bureaukratischen Polizei- schablone, mit dem vorgeschriebenen bureaukratischen Polizei- geist— denn Politik und Polizei sind in Deutschland eins, wie wir schon des öfteren darzuthun hatten. Welche Kraft, welche schöpferische Kraft, welche staats? erhaltende Kraft hat sich in den zwei Millionen Dienstag, den F. Juli 1898. und mehr als hunderttausend Stimmen offenbart, welche die deuffche Arbeiterklasse und die Blüthe der Intelligenz am 16. Juni dieses Jahres für die Sozial- demokratie abgaben— es ist eine Summe und Bethätigung von Kraft, von Kraft, auf die edelsten und höchsten Ziele gerichtet, der die Geschichte der Völker gleich Großes, annähernd gleich Großes nicht an die Seite zu setzen hat. Für einen Staatsmann, der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zuhören, der seine Hand hat am Pulse der Zeit, und in dessen Kopf Empfänglichkeit und Raum ist für neue und große Gedanken— für einen Staatsmann welche Aufgabe I Welche lohnende, berauschend ruhmvolle Aufgabe! Aber in Deutschland, imRegierungs- und Reaktions-Deutsch- land! Die zwei Millionen und mehr als Hunderttausend sozial- demokratischen Stimmen sind ja ohne obrigkeitliche Erlaubniß abgegeben worden, ja sogar wider den ausdrücklichen Befehl der patentirten Zunftstaatsmänner Miguel und Posadowsky — das ist unbefugt, das ist Unfug. Das muß zurückgedrängt werden— womöglich noch bestraft— so will es die deutsche Staatsmauusschablone, die deutsche Polizei- schablone. Und daß die Regierung aus dem Mißtrauensvotum, das sie am 16. Juni vom Volke empfangen, d i e Konsequenzen zieht, welche die Regierung jedes anderen Kulturlandes daraus ziehen würde— daß sie das Feld räumt und das Regiment Männern übergiebt, die mehr im Einklang sind mit dem Denken und Fühlen des Volkes— das fällt ihr nicht ein. Das wäre ja unverzeihliche Schwäche.„Nun erst recht!" ist die Losung. Das ist„stark"— das ist„schneidig"— das ist russisch und türkisch, und der Zar und Sultan werden ihre Freude haben an dieser deutschen Praxis. „Nun erst recht!" Da das Volk nicht will wie die Re- gierung will. so muß das Volk gezwungen werden. Haben wir nicht das Polizeirezept? Und ist Polizei nicht das Alpha und Omega der deutsch-staatsmännischeu Politik? Das Volk„muß Ordre pariren".„Und folgst Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt!" heischt die Polizei- Weisheit der Polizeipolitik. Sintemalen aber das Schreien ein häßliches, unästhetisches Geräusch ist, außer wenn es von ostclbischen Junkern verübt wird, flugs einen Knebel in den Mund— Vernichtung des allgemeinen Wahlrechts und Soziali st engesetz! Das ist die neueste Regieruugsweisheit, welche das amtliche Organ der sächsischen Regierung, der weisesten unter den polizeiweisen Regierungen Deutschlands, und seit einem Jahrzehnt deren Pfadfinderin auf den Schleichwegen der Reaktion, uns soeben verkündigt hat! Staunend reibt das Ausland sich die Augen: Die Millionen Wähler, die am 16. Juni an der Spitze der Zivilisation marschirten und der Welt ein leuchtendes Bei- spiel darboten— und die herrschenden Parteien Deutschlands, die, dent Beispiele der Halbbarbareustagten: Rußlands und der Türkei folgend, eine weltbewegende, iveltunigestaltcnde, weltverjüngcnde Bewegung mit den Mitteln der Polizeiwachfftube ausrotten wollen— ist das ein und dasselbe Deutschland? Nein! Es sind zwei Deutschlands. Und das Deutschland, welches jetzt in O st a s i e n durch sehr bedenkliche Flottenmanöver im Schlepptau Rußlands den Zorn der von unseren Großkornwuchereru grimniig gehaßten kornreichen amerikanischen Republik herausfordert und, ncbel- haften Phantomen nachjagend, uns— man lese nur die englische und amerikanische Presse— den empfindlichsten Demüthigungen aussetzt und mit dem Feuer eines Krieges spielt, der zweifellos binnen 48 Stunden unsere paar Kriegs- schiffe und unseren gesammten Seehandel vom Meer weg- fegen würde— ist dies dasselbe Deutschland, welches am 16. Juni die Politik der Junker und Junkergenossen durch den Wahr- spruch des Volkes verurtheilt hat? Nein— wir haben zwei Deutschlande. Am deutschen Volk aber ist es, dafür zu sorgen, daß das Deutschland des 16. Juni 1893 das alleinige Deutschland werde, und daß das andere Deutschland, das uns im Innern die Lebensluft raubt, und nach Außen das Ansehen Deutschlands tief schädigt, möglichst bald verschwinde — zumWohl und zurEhre des deutschenVolkes und des deutschen Vaterlandes! politische Meberstchk. Berlin, den 4. Juli. Die Sozialdemokratie in Hamburg und Berlin. Unter allen Bundesstaaten nimmt nach wie vor Hamburg an relativer sozialdemokratischer Stimmenzahl bei weitem die erste Stelle ein. Aber es hat bei der letzten Wahl nicht nur seine Position behauptet, sondern es hat erfteulicherweisc wiederum einen beachtcnswcrthen Vorstoß gemacht. Unter je 166 giltigen Stimmen sind bei der Wahl am 16. Juni nicht weniger als 62,46 sozialdemokratische Stimmen gezählt worden gegen nur 59,19 bei der Wahl des Jahres 1893 und 58,71 im Jahre 1896. Die Zahl der abgegebenen Stimmen hat sich gegen 1893 um 12,666 vermehrt, während die Zahl der sozialistischen Stimmen einen Zuwachs von 11,566 er- fuhr. Annähernd der gesammte Zuwachs ist also uns zu gute gekommen. Am imposantesten repräsentirt sich unsere Stimmenzahl im 2. Wahlweise, wo sie von 66,37 pCt. Expedition: SW. 19, Beukh-Stratze 3. auf 72,25 pCt. gestiegen ist. Damit hat Hamburg II, das schon bei der letzten Wahl unter allen deutschen Wahlkreisen in bezug auf die relative Höhe der sozialdemokratischen Stimmen an zweiter Stelle stand, die damalige höchste Prozentzahl, die Berlin IV erreicht hatte, überschritten. Aber auch der IV. Berliner Kreis hat sich wacker gehalten und die zuletzt erreichte Prozentzahl noch weiter m die Höhe ge- schraubt, so daß er auch bei dieser Wahl, nun schon zum dritten Male hinter einander, die erste Stelle behauptet hat und der II. Hamburger Kreis sich weiter mit der zweiten Stelle begnügen muß, nachdem er vorher ein Jahrzehnt lang die erste eingenommen hatte. Unsere Stimmenzahl im Hamburg I hat sich von 57,93 auf 63,95 pCt. und die in Hamburg III von 56,61 auf 57,78 pCt. erhöht. Jedenfalls ein glänzendes Resultat! Erwähnt sei hier noch, daß auch das benachbarte Altona wiederum in glänzender Weise abgeschnitten hat, indem sich unser Stimmenantheil doxt von 63,86 auf 76,56 pCt. erhöhte. Altona hat damit Glauchau-Meerane, das 1893 vor ihm rangirte, überholt und sich an die dritte Stelle unter den deutschen Wahlkreisen gesetzt. Ein Vergleich dieser Ergebnisse, die von allen Seiten als für uns glänzend anerkannt werden, mit denen von Berlin liegt nahe. Fast die gesammte gegnerische Presse hat geglaubt, uns wegen des Berliner Wahlresultates mit Hohn und Spott übergießen zu dürfen. Wir werden gleich zeigen, wie unrecht die giften Leutchen daran thaten und wie sie alle Ursache haben, der weiteren EntWickelung der Parteiverhältnisse mit keineswegs rosigen Erwartungen entgegenzusehen. Der Fort- schritt, den wir bei dieser Wahl in Berlin gemacht haben,— e s ist thatsächlich ein Fortschritt, ihr Herren Gegner, und zivar ein recht bedeutender Fortschritt— hält nämlich den Vergleich mit Hanl- bürg vollständig aus l Unser Antheil an der ge- sammtcn Berliner Sttmmenzahl belief sich diesmal auf nicht weniger als 59,56 pCt. gegen 56,65 PCt. bei der vorigen Wahl und 52,86 PCt. bei der Wahl von 1896. Unsere Zu- nähme also gegen die vorangegangene Wahl ist am 16. Juni 1898 3,45 pCt. gewesen, ain 15. Juni 1893 aber nur 3,25 pCt. Es ist also auch diesmal ein durchaus normales W a ch s t h u m zu konstatiren. Ist doch die Prozentuale Zunahme für Berlin sogar noch größer als die oben für Hamburg berechnete, die diesmal nur 3,27 pCt. und 1893 gar nur 6,48 pCt. ausmachte! Diesmal sind in Berlin etwa 8566 Stimmen weniger abgegeben worden als vor 5 Jahren, unsere Partei aber hat über 4666 Stimmen mehr erhalten. Da erscheint es doch recht voreilig, von einem Fiasko der Sozialdemokratie sprechen zu wollen! Daß wir Wahlkreise verlieren, die wir früher in der Stichwahl giwonnen haben, bedauern wir gewiß sehr, aber es ist doch noch nicht so ohne weiteres ein Beweis unserer Schwäche, sondern nur � weis für die Angst unserer Gegner vor uns, die so grojz ist, daß sie alles Trennende vergessen und sich zu der einen reaktionären Masse zusammenfinden. Nur weiter so; wir werden dabei sicher nicht am schlechtesten fahren! Was aber an dem Berliner Wahlresultat besonders er- freulich ist, das ist die Thatsache, daß unser Stimmenantheil sich ausnahmslos in allen 6 Wahlkreisen erhöht hat. Trotz- dem also die minderwohlhabeude Bevölkerung immer mehr an die Peripherie und in die Vororte gedrängt wird, haben wir überall einen sehr erfreillichen, stetigen Fortschritt zu ver- zeichnen. Wir erhielten von je 166 abgegebenen Sttmmen: am 16. Juni 1898 am 16. Juni 1893 also diesmal mehr im I. Wahlkreise 23,61 26,61 1.90 ., II.„ 48,04 45,69 2,35 „ III.. 48,12 47,91 0,21 „ IV.„ 73,00 71,36 1,73 „ V.„ 47,65 41,95 5,70 „VI.„ 67,54 63,50 4,04 Also in allen Kreisen ist es vorwärts gegangen. Und ein Blick auf die obige Tabelle lehrt: Wenn wir das nächste Mal dieselben Fortschritte zu verzeichnen haben, wie diesmal, so gehören bei der nächsten Wahl die beiden Kreise, die wir jetzt verloren haben, bereits im ersten Wahlgange uns! t öffentlich wird aber der Reichstag und seine Wahlprüfungs- oniniissioil dafür sorgen, daß wir auf diesen Moment nicht noch fünf Jahre zu warten brauchen.— Sächsische Bürgermeister wühlen gegen das Reichs- tags-Wahlrecht. Aus Dresden wird uns geschrieben: „In Radeburg tagte vorige Woche eine Gcneralver- sammlung der Vereinigung sächsischer Bürger- meister mittlerer und kleiner Städte und berufsmäßiger Genieindevorstände, die gegeil- wärtig 155 Mitglieder zählt. Der Bürgenneister Berg- Händler- Radeburg eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßungsansprache, in welcher er ganz unangebracht auf die Reichstagswahlen hinwies. Daß die Sozial- deniokratie immer weiter vordringe, liege daran, daß wir unter der Herrschaft des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes lebten. Dieses Wahlrecht habe es mit sich ge- bracht, daß jedeAutorität erschüttert sei. Auch sei dadurch die Begehrlichkeit der unteren Klassen ins unendliche geiveckt worden. In demselben Athem- zuge erklärte der Bürgermeister aber, es sei nothwendig, daß jeder Emwohncr ein„ordentliches Einkommen" habe. Diese Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Bemerkt sei nebenbei, daß der bekannte Dr. Mehnert. der in Radeburg Besitzungen bat, den Verhandlungen beiwohnte und der ganzen Demonstration gewissermaßen seinen hofräthlichen Segen gab." Hier haben wir den ersten Fall, daß eine Versammlung von öffentlichen Beamten offen gegen das Rcichstags-Wahlrecht zu Felde zieht. Und warum? Weil das Wahlrecht für die Sozialdemokratie enffchieden hat. Und warum dies? Weil die schweren politischen Fehler der sächsischen Regierung die Masse der Bevölkerung der Sozialdemokratie förmlich zu- getrieben haben. Aber anstatt ihre eigenen Fehler zu erkennen, wühlt man gegen das Wahlrecht, das diese Fehler nur ans -icht des Tages gebracht hat.— Die Katze läfft das Mausen nicht, und die„Kreuz- Fciülng" kann ohne zu denunziren nicht leben. Das Organ der Edelsten der Nation, dem dereinst in seiner Jugend die Ohm und Gödsche Eideshelfer gewesen sind, erbost sich in einem ebenso langen als phrasenhaft und muckerisch gehaltenen Artikel darüber, daß unser Genosse Singer von der Stadt- verordneten-Versanimlung zum Mitgliede der Schuldeputation gewählt worden ist. Wir begreifen, daß es der„Kreuz-Zeitung" lieber gewesen wäre, wenn ihr früherer Chefredakteur, der Zuchthäusler von Hammerstein, dem es an„christlichem Sinn und Liebe zu König und Vaterland" nicht gefehlt haben mag. zu dem Anüe berufen worden wäre. Jndetz wird die„gottes- fürchtige" Jubilarin, die, der Gewohnheit früherer Tage folgend, das Provinzial-Schulkolleaium gegen den„Berliner Kommunal-Freisinn" hetzt, dieses Mal kaum Glück haben mit ihrem widerwärtigen denunziatorischen Treiben, da die Bc- stätigung der Schuldeputations-Mitglieder durch ein Ministcrial- Reskript— irren wir nicht, aus den siebziger Jahren— dem Magistrat übertragen ist. und dieser wohl verrucht genug sein wird, sich nicht an das Gewinsel der reaktionären Betschwester zu kehren. Es ist zwar traurig für die„Kreuz-Zeitung", auf ihre alten Tage noch erleben zu müssen, daß die Sozial- demokratic in Berlin in die städtische Schuldeputation ein- dringt, deren Thür, nach Ansicht des pfäffisch-junker- lichen Muckerthums, einzig und allein den Vertretern der auf Thron, Altar und Gcldsack aufgebauten gegenwärtig herrschenden Gesellschaftsordnung offen stehen sollte. Daß die Arbeiterklasse ein Recht darauf hat, durch ihre Vertreter ein Wort mitzusprechen bei der Erziehung der Jugend, das paßt natürlich in den durch allerlei fossiles Gerümpel verpappton Kopf der„Kreuzzcitungs"-Rcdaktion nicht hinein. Wir können der frommen Kollegin vom eisernen Kreuz nur rathen, die Wahl Singer's als Schickung des Herrn in Demuth hinzu- nehmen. Es hilft eben nichts, dieser Wernmthstropfen fällt nun einmal in den Jubiläumsbccher, den sich die„Kreuz-Zeitung" in ihreni fünfzigjährigen Kampfe gegen Vernunft und Freiheit zusainmendenunzirt hat.— Der frankfurter flinsch- und Patent-Demokratie ins Stammbuch: Die„Züricher Post", das Hauptorgan der schweizerischen Demokratie und lange Zeit— theils durch persönliche Beziehungen, theils durch prinzipielle Wahlver- wandtschaft— mit der Redaktion der„Frankfurter Zeitung" auf besonders gutem Fuß, schreibt in eineur Leitartikel über„den neuen Reichstag"(Nr. IM): „Ein spezielles Interesse hat der Sieg, den die Sozial demokraten schon bei der Hauptwahl in Franko furt erfochten haben. Ihr Kandidat siegte, obgleich die bürgerlichen Parteien sich geeinigt hatten. Geeinigt? Auf eine Person vielleicht; aber ihrem Aufmarsch fehlte der innere Schwung, der große Zug, der nicht dem Sitz, der einer Herzenssache gilt. Hinter der ni ü h s a in geklebten Einigung st e ck t e die alte, müde, zerfahrene Stim m u n g, die am Boden liegt, weil sie nichts mehr hat, zu dem sie a n f s ch a n c n kann. Die alten Ideale sind vermodert, neue fehlen, an ihrer Stelle stehen, ihre Nacktheit kaum»nehr verhüllend, Sondcrinteressen, die heute diese, morgen jene Gruppe zusammen- schweißen, ohne ihnen den organischen f c st e» Halt eines großen Gedankens zu geben." Wie gefällt der«Frankfurter Zeitung" dieser Fußtritt aus dem eigenen Lager— freilich aus einer Gegend, mit der Herr Miquel, der Ratten s a m m l e r, der leider nicht Ratten f ä n g e r geworden, keine Korrespondenz hat. „Sonderinteressen"— so„roh" war der„Vorwärts" nicht; stimnit aber. Und die„vermoderten Ideale",— daS hat schon Ludwig Bamberger gesagt, der sich auf die bürgerliche Demokratie sicherlich so gut versteht, wie die schriftleiteuden und sogar die leitenden Geister der„Frankfurter Zeitung"— als er uns vor zwölf Jahren beneidend zurief:„Ja. Ihr habt noch Ideale!" Wir nicht mehr l" Hätte er die„Bildung" und den„journalistischen An stand" der„Frankfurter Zeitung" gehabt, so hätte er uns da mals der„Rohheit" geziehen, weil wir so— unverschämt sind, Ideale zu haben, nachdem die der„Frankfurter Ztg." und ihrer Musterdemokratie„vermodert" sind, um mit der „Züricher Post" zu reden.— Internationale Solidarität. Genosse Görault-Richard liat im Namen der„Petite Nvpubliaue", deren Redaktion er mit l genossen I a n r d s leitet, an Liebknecht folgendes Telegramm g eschickt, das uns durch einen noch unaufgeklärten Zufall erst heute brieflich, in einer Abschrift zugegangen ist: Paris, den 30. Juni. Lieber und verehrter Kamerad I Die Redaktion der„Petite Röpubliqne" bittet Sie, durch daS Organ„Vorwärts" Zder(deutschen.Sozialdemokratie die wärmsten Glucktvünsche zu dem schönen Sieg, den sie erfochten hat, zu über mitteilt und sie der brüderlichen Solidarität zu versichern. Ich füge die Bezeugung meiner herzlichen Achtung für Ihr? Person bei und bitte«ie, meinen sozialisttschcn und revolutionären Gruß anzunehmen. Görault-Richard. Wir danken für diese Sympathie-Erklärung. Die deutsche Sozialdcmokratte, die sich so herzlich über den Wahlsieg unserer französischen Kameraden gefreut hat, wird in diesem herzlichen Glückwunsch der französischen Brüder zu unserem Wahlsieg einen neuen Beweis dafür erblicke», daß die Gefühle des rcattio- nären Chauvinisinns, der die beiden vornehmsten Kulturvölker des europäischen Festlandes nach dem unheilvollen Krieg des Jahres 1870/71 dauernd einander zu entfremden sucht, im französischen Volke so wenig Wurzel gefaßt haben, als im deutschen. eerner erhielten wir zwei weitere Zuschriften: m Auftrage des Centralkomitees der russi- schen sozialdemokratischen Arbeiterpartei entbieten wir den deutschen Genossen zu ihren neuesten Wahlsiegen brüderliche Grüße und die besten Glückwünsche der rcvo- lutionären Avantgarde des rllssischen Proletariats. Mit spannendem Interesse und tiefen Sympatien verfolgten die klassenbewußten Arbeiter Rußlands den energisch und großartig gc- führten Wahlkampf ihrer deutschen Genossen, denn sie sind sich wohl bewußt, von welch ungeheurer Bedeutung der Vormarsch der dcut- schen Sozialdemokratie fiir die zukiinstigen Entivicklungs- und Kampf- dedingungen des russischen Proletariats sein kann.> Die Zeiten, wo der Zarismus, ohne jegliche Gefahr für seine Existenz, die Rolle eines Henkers der Volksfreihcit im Westen auf sich nehmen durfte, sind vorbei. Jetzt ist es vielmehr das Vor- dringen der reaktionären Mächte im Westen, das dem Absolu- tiSmuS im Zarenreiche neue Kraft verleiht und seine Position den einheimischen revoluttonären Elementen gegen- über verstärkt.- Er befindet sich selbst in der Defensive gegen die umsichgreifcnde revoluttonäre Gährung in der russischen Nation und sucht sich in den westlichen Nachbarländern einen äußeren Vorposten gegen seine inneren Feinde zu sichern. In der That ist das absoluttstische Zarenreaiment unrettbar dem Tode geweiht, sobald in den westlichenLänbern dieDemokratte immer weiter vordringt. Deshalb werden die politischen Erfolge des deutschen Proletariats von den russischen Sozialdemokraten als Etappen in dem Befreiungskampf gegen den gemeinsamen Feind emhusiastisch begrüßt und gefeiert. Die letzten Wahlsiege der deutschen Sozialdemokratie geben dem kämpfenden Proletariat Rußlands neue Kraft in seinem Kampf für Freiheit und Wohlfahrt. DieVertreter der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei im Auslände." Die zweite Zuschrift lautet: „Im Namen der norwegischen Arbeiterpartei sende ich den deutschen Brüdern und Parteigenossen hiermit die besten Grüße und Glückwünsche zu dem groharttgen Wahlsteg, welchen sie errungen trotz der Koalition aller Gegner und Hand- langer der Reaktion. Wir können hier in Norwegen unsere deutschen Parteigenossen nicht genug bewundern fiir ihre Anfopferung und für den Mirth, welchen Sie in dieser Wahlschlacht bewlesen haben. Deutsche Brüder! Alle klassenbewußten Proletarier aller Länder habt Ihr Euch zu Dank verpflichtet durch das, was Ihr gethan für die internattonale Sozialdcmokratte. Euer herrlicher Sieg hat auch uns hier in Norwegen wieder mit neuem Muth beseelt, und wir hoffen, daß auch wir bald Eurem gutem Beispiel folgen werden. Hoch die internattonale Sozialdemokratie I Mit Gruß im Namen der Parrci zeichnet Dr. Oscar Nissen. Redakteur deS„Sozialdemokraten". C h r i st i a n i a, den 1. Juli 1808. >�Die italienische Standrcchts- Wirthschaft. Unter den �nhllosen Opfern des Standrechts, welches die Habgier und Brutalität der Brotkornwucherer und sonstigen Groß-Ausbeuter über das unglückliche Italien verhängt hat, befindet sich ein krankes, schwaches Weib, das durch seine geistige Begabung und seinen Hochsinn die Bewunderung aller Edcldenkcndcn sich erworben hat, aber gerade durch diese Eigenschaften die Wuth der Standrechtshcnker entfesselt zu haben scheint. Wir nieinen Frau K u l i s ch o f f, die als Mit Urheberin des Mailänder Hungoranfstandes verhaftet und am 23. Juni 2 Jahren Kerker der urt heilt wurde, iveil auch zu Briefe von Republikanern und Sozia- listen bei ihr gesunden wurden— Briefe, die mit dem Aufstand gar nichts zu thun hatten. Das monströse Urtheil, das im Getöse des Sttchwahlkampfes wenig beachtet ward—, ist in Wirklichkeit, wie der„Avantt" aus- führt, ein Todes urtheil. Frau Kulischoff leidet nämlich seit Jahren an Knochen- Tuberkulose; nur durch sorgsamste Pflege und Diät kann den Fortschritten der Krankheit Halt geboten und ein tödtlicher Ausgang abgewendet werden. Zwei Winter im Kerker— ja nur ei n Winter im Kerker, das wäre der sichere Tod. Man denke, in einem italienischen Kerker: einem Steinloch ohne Licht und Luft, und ohne H c i z v o r r i ch t n n g für den Winter. Der„Avantt" veröffentlicht einen herzzerreißenden Brief der unglücklichen Frau, die abciHmit stoischem Muth ihr Loos trägt und der Zukunft entgegenschaut. Und Menschen, die solche Greuel verüben, nennen sich „zivilisirt" und gar— Staatsmänner! Hat daS neue Ministerium keine Scham?—> ** Jr Deutsches Reich. Schachcrgeschästc sind auch zwischen Freisinn nnd Zentrum bei der Wahl reichlich abgeschlossen worden. So z. B. in K ö l n. DaS Zentrum legte bei der diesjährigen Rcichstagswahl großes Gewicht darauf, in Köln gleich im ersten Wahlgang durchzukommen. Jmnier wieder kehrte in der ZenttumSpresse der Hinweis auf die Nachwahl vom Jahre 189<) wieder,>vo seit lange der Kandidat des Zentrums zum ersten Male wieder ohne Stichwahl gewählt wurde, als Beweis, daß die Sozialdcmokratte am Rhein, und speziell in Köln, zum Sttllstand gebracht sei. Run hatte diesmal die freisinnige Parteileitung iinKöln beschlossen, eine Zählkandidatur(Engen Richter) aufzustellen, die denn auch in cincrgutbesnchtenVersammlnngproklamirt und gut geheißen wurde. Aber bereits andern Tags lvar in der „Freisinnigen Zeitung" zu lesen, daß die Zcntralleituiig der frei- sinnigen Volkspartei im Einverständnis mit Engen Richter die Frei- sinnigen iir Köln angewiesen habe, die Zählkandidalur zurückzuziehen nnd um eine Stichwahl zu vermeiden, für den ZentrumSmaim zu stimmen. Gehorsam leisteten die Freisinnigen, trotz des Bersanrmlungs- beschlnjlcS, Folge, zogen die Kandidatur zurück nnd stellten es— darin wichen sie von ihrem Führer ab— den Parteimitgliedern anhcim. wen sie die Stinune geben wollte». Wie kam diese Wendung zu stände? Sehr einfach I Herr Trimborn, der Kandidat des Zenttums, hatte sich hinter Eugen gesteckt, auf Hageir- Schwelm nnd aus Lenncp-Mcltmann hingewiesen, wo das Zentrum für die Freisiningen schwer ins Gewicht fiel und um die Unterstützung der Freisinnigen in Köln gebeten. AlleS um im ersten Wahlganqe gc- wählt zu werden. Und Eugen, der fiir sich und seinen Frschbcck fiirchtcte, sagte zu und erließ die erbetene Anweisung an seine Kölner Getreuen. Ob die Freisinnigen in großer Zahl fiir Trimborn gestinmit haben, wissen wir nicht; das avcr wissen rvir, daß der Aergcr der ZentruniSlente darüber, daß sie ihren Kandidaten trotz aller Anstrengung und Handelei nicht iui ersten Wahlgange durch- gebracht haben, ganz gewaltig ist. Ttndcnteii-Ailsweisimg. Aus Fr eiberg in Sachsen wird uns geschrieben: Durch Senatsbeschluß wurden am 2. Juli zwei Studenten der hiesigen VerH- Akademie wegen Verkehrs mit er- klärten Anhängern der sozialdemokratischen Partei von der Berg-Akademte verwiesen. Sechs Studenten erhielten eine„Androhung des Wegweisens" infolge desselben„Vergehens". Die ersten Zwei erhielten, da sie Aus- länder sind, auch gleichzeitig die polizeiliche Ausweisung aus Sachsen. Dieselben haben das gelobte Sachsen innerhalb dreimal 24 Stunden zu verlassen." Gerade den Vertretern der„Wisjenschast" steht diese Beihilfe bei der in Sachsen beliebten Sozialiftcnhatz sehr schön. Die Herren Professoren wollen die Wissenschaft pflegen und die Wahrheit suchen und geben sich her zu Trägern des Polizcisystems, verfolgen und verjagen jeden, der auch auf sozialem Gebiete die Wahrheit sucht und darum mit Personen von allerlei Parteirichtung Verkehr hält. Besonders ausfällig erscheint der Frcibcrgcr Senats- beschluh, weil er offenbar beeinflußt nnd verursacht worden ist durch die Hetze, welche vom Freiberger Ordnungsblatt nnd ähnlichen sächsischen sozialistenfresserischen Zeitungen ausgegangen war. Die Ausweisung der Studenten mag für diese ein unliebsames Ereigniß sein. Aber für die deutsche Wissenschast ist sie ein heilloses Unglück, eine immertvährendc Schmach vor der ganzen gesitteten und gebildeten Welt.— „König Stumm". Wieder eine echte Stumm-That hat der edle Freiherr vollbracht. Am Thor seiner Zwingburg in Neunkirchcn wurde folgender Anschlag angebracht: „An die Arbeiter. Infolge der von der„Reunkirchencr Zeittmg" in letzter Zeit gegen mich geschleuderten Verleumdungen und Verhetzungen betrachte ich es als selbstverständ- lich, daß kein treuer Arbeiter ein solches Blatt in seinem Hause duldet. E. v. Stumm." Der Arbeiter, der vom Freiherr»„sein Brot erhält", der in Wahrheit dem Freiherrn den Reichthnm schafft, darf„selbstverständ- lich" keine andere politische Meinung haben, als sein„Brotherr", darf„selbstverständlich" nur die Zeitung lesen, die sein Herr und Gebieter ihm erlaubt. Die„Ncunkirchener Ztg." ist ein Zentrums- Blatt I Freiherr v. Stumm ist aber nicht der einzige„unumschränkte Monarch". Andere verstehen es ebenso gut. So war an den Tafeln des Eisenwerks und sämmtlicher Fabriken in St. Jngert folgender Anschlag zu lesen: „Das gehässige und austeizende Verhalten der„Westpfälz. Zeitung"— nebenbei bemerkt auch ein bürgerliches Blatt— gegen die hiesigen Arbeitgeber gelegentlich der letzten Reichs- tagswahl, welche das gute Einvernehmen zwffchen Arbeit- qcber und Arbeitnehmer zu zerstören droht, zwingt uns, an unsere sömmtlichcn Beamten und Arbeiter die dringende Bitte zu richten, von einem weiteren Abonnement auf diese Zeitung abzusehen." Und da soll es eine Ucbertreibung sein, wenn man von Lohn- s k l a v e r e i spricht!— / Stöcker-Stumm. In Saarbrücken wurde heut vom Landgericht MS Urtheil in der Beleidigungsklage Stöckcr's gegen Stumm vcr- kündigt. DaS steisprechende Urtheil deS Schöffengerichts wurde auf- gehoben. Freiherr v. Stumm wurde zu 300 M. Geldstrafe der- urtheilt, der Redakteur seines Leibblattes zu 200 M. Herr v. Stumm muß es also erleben, daß er doch nicht ganz über allen Gesetzen steht. Herrn Stöckcr andererseits kann"lein GerichtSurtheil mehr reinwaschen. Ein Paar edler Brüder!—/ Schule und Sozialdcmokratte. Der„Volks-Zeituna� wird geschrieben: Bei der kürzlich in Weiße nfels stattgesundencn zweiten Lehrerprüfung wurde in Religion das Thema zur Bearbeitung gestellt:„Schnlgemäße Behandlung der vierten Bitte mit Berücksichttgnng der sozialdemokratischen Strö- mung der Gegenwart." Wahrscheinlich sollten die zu Prüfenden darlegen, daß die Sozialdemokratie es ist, welche in der Gegenwart dafür kämpft, daß niemandem das tägliche Brot vorenthatten bleibe, um das in der vierten Bitte gebetet wird. Die Rache des patriotische« Gesangvereins. Dem Chemnitzer „Beobachter" liegt folgender Brief vor. Zschopau, den 28. Juni 1898. Herrn....... Hier. Sie haben sich bei der stattgefundenen Neichstagswahl offen- kundig zur sozialdemokratischen Partei bekannt und fiir diese in auffälliger Wei;e agitirt. Da Sie bisher aktives Mitglied des Gesangvereins waren, so kommt dieser dadurch in den Verdacht, als ob er denselben Prinzipien huldige, was bei den Mitgliedern allgemein Anstoß erregt hat. In der gestrigen Vorstandssitzung wurde deshalb Ihre Aus- schlicßnng aus dem Gesangverein beschlossen, wovon Sie hierdurch in Kcnntniß gesetzt werden. Der Vorstand des Gesangvereins (Unterschrift.) Solch' intolerantes verhalten„patriotischer" Vereine schädigt die sozialdcmokrattsche Partei keineswegs. Die stillen Partcimänner werden so nur gezwungen, nun offen Farbe zu bekennen und alle bisher geübte Rücksicht bei seite zu setzen. Die Zschopauer Blicmchcn- Sänger können jetzt unbesorgt weiter singen— bis wieder em„rothcr" Sänger entdeckt wird und so fort. Behufs Schaffung eines neuen Staffeltarifs für Stückgüter fand am Sonnabend eine Konferenz von Vertretern der Eisenbahn- Dirckiioncn statt. Es wurde eine Einigung dahin erzielt, daß neue Tarifsätze sowohl für Eilgut als auch für Frachtgut am 1. Oktober er. in kraft treten sollen. Dadurch soll eine Verbilligung gegenüber den bisherigen Tarifsätzen für Stückgüter herbeigeführt werden.— Heber die neuen Militärfordernngcn, von denen schon früher verlautete, ist bei Gelegenheit der Feier deS 2ö. jährigen Bestehens des 12. sächsischen Fnßartillcrie-Rcgimcnts einiges bekannt geworden. Es sollen zunächst alle die Regimenter, die zur Zeit noch nicht voll drei Bataillone haben, ans diese Stärke gebracht werden. Dazu sollen die überschießende» Kompagnien als Stamm für das 3. Bataillon dienen. Diese Ncufonnation oder richtiger Verstärkung der Fußartillerie dürfte etwa 20— 23 Kompagnien umfassen, und soll, wie cShcißt, zum I.Oktober 1899 in kraft treten. Zur Bildung der 10.— 12. Kompagnie soll ferner jede der bestehenden 9 Kompagnien 20 Mann abgeben, so daß die Etatsstärke der einzelnen Regimenter zu S Bataillonen nicht allzusehr von der jetzigen zu 2 Bataillonen mit 9 Kompagnien ab- weichen würde.— Immerhin wird die Sache wieder ein schönes Sttick Geld kosten.— Die l«x AronS, das Gesetz betr. die Disziplinarverhältniffe der Pnvat-Dozenten, wird jetzt im„Reichs-Anzeiger" publizirt. So kann denn die„Steinigung" der Universitäten beginnen— Ein Wahlroscnkranz. Eine der allerersten ZentrnmSliigcn ist wohl die in Oberschlesien aufgelommene, es habe am Wahltage in Altcndorf bei Ratibor ein Genosse, der auf Bebel lautende Stimm- zcttcl vcrtheilte, einen Rosenkranz in der Hand gehabt, dazu gebetet und gesagt: Seht, Ihr Leute, diesen Rosenkranz betet Bebel alle Tage für Euch. Eine Roscnkranz-Geschichte hat eS allerdings in Altendorf am Wahltage gegeben, aber, wie ganz selbstverständlich, haben unsere dortigen Genossen nichts mit ihr zu thun gehabt. Vor einem Wahilokale in Altendorf vertheilte u. a. auch ein ältlicher Mann f ü r den Z c ll t r n m S k a n d i d a t e n Frank Stimmzettel; anfangs trug dieser Mann einen Rosenkranz in der Hand, wahrscheinlich tu der abergläubischen Vorstellung, dadurch die Wahl zu gunsten„seines Mannes" zu becinflussen, ivar doch sicher der Rosenkranz geweiht. Als er aber nicrkie, daß trotzdem seine Geschäfte immer schlechter gingen, ließ er sein Gcbetinstniment verschwinden. Wie wenig der geweihte Rosenkranz genutzt hat, geht daraus hervor, daß in Alten- borf für Pfarrer Frank 52, für Bebel dagegen 222 Stimmen abgegeben wurden. Der Aergcr über dieses allen Rosenkraitzglauben erschütternde Resultat hat wahrscheinlich zur Umlügung der Rosen- kranzgeschichte geführt. �Noch eine gemctne Wahlliige. Durch die gegnerische Presse kürzlich eine Notiz, in der unser Parteigenosse A.Braun- 'Mehleden, der Kandidat nnserer Partei in dem ostpreußischen Kreise Gcrdauen, Fricdland-Nastenbnrg beschuldigt wurde, den Tod eines Arbeiters Kumstcllcr dadurch verschuldet zu haben, daß er dem Mann, der ans seinem Gut» bei der Arbeit den Fuß brach, jede Hilfe vcr- weigerte. Daran wurden allerlei hämische Bemerkungen geknüpft. Die ganze Geschichte ist ein erbärmlicheSWahlmanöver gelvesen. Unser Parteigenosse Braun belvirthschaftet seit mehr denn 15 Jahren daS Gut Mchlcden im Kreise Gcrdauen und hat als Land- wirth sowohl wie als Mensch den besten Ruf im ganzen Kreise. Seit Jahren schon als Sozialdemokrat bekannt, verkehrten auch die Gegner unserer Partei mit ihm in freundschaftlicher Weise bis zu dem Augenblick, wo er dem Drängen der Königsberger Genossen und des Proviiizial-Partcitages nachgnb und für den Kreis Gcrdaucn- Friedland- Raftenbiirg die Kandidatur aiinahin. Nlui begann eine maßlose Hetze gegen Braun. Zivei Tage vor der Wahl wurde im Braun'schcn Kreise ein Flug- blatt verthcilt, welches denselben Inhalt hatte, wie die jetzt durch die Presse gehende Nottz. In einem am Tage der Wahl thcilweisc verbreiteten Blatt und in der„BolkS-Tttbüne" ist sofort erklärt, das; cS sich nur um eine Gemeinheit der Gegner handelt. Der Arbeiter Kumsteller hat überhaupt nicht den Fuß gebrochen, sondern sich einen Zeh gequetscht. Die Verletzung war so geringfügiger Natur, daß der Mann den Vorschlag Braun's, mit einem gerade nach Friedenberg gehenden Fuhrwerl nach Hause zu fahren, mit dem Bemerken ablehnte, es sollte doch der Kleinigkeit wegen kein Auf- sehen gemacht werden. Der Vorfall passirte morgens um 9 Uhr, der Mann hat an dem Tage bis zum Mend weiter gearbeitet. 5UlmfteKer hat dann noch mehrere Tage auf dem Braun'fchen Hof Bretter geschnitten. Erst dann ist er weggeblieben, und Braun hörte, das; der Fust schlimmer geworden sei, weil der Verletzung nicht die nöthige Aufmerksamkeit geschenkt sei. Darauf zu achten war aber selbstverständlich der Arbeiter und nicht Braun verpflichtet. Braun ist also am Tode des Arbeiters vollständig schuldlos. In Strafe soll er genommen werden, weil er den Unfall nicht recht- zeitig angemeldet hat, was darauf zurückzuführen ist, dasz der Verletzte selbst die Sache nicht als Unfall, sondern als unbedeutende Ver- lctzung ansah. Wie wenig im Kreise selbst geglaubt wurde, daß Braun sich einer so schändlichen That schuldig machen könne, zeigt die gewaltige Zunahme der Stimmen, welche Ivir gerade in seinem Kreis zu ver- zcichuen hatten. Gegen die Urheber der gemeinen Notiz wird richtlich vorgegangen werden.— � Tic oberschle fische« Wahlresultate sind leider immer noch nicht im einzelnen genau bekannt geworden. Wir stellen hier die Resultate der 18g8er Wahl mit denen der 18O3er zusammen. Sozial- demokratische Stimmen wurden abgegeben: Danach ist die Zahl unserer Stimmen von zirka 8000 auf über 25 000 gestiegen, hat sich also verfiinffacht. Die stärkste Steigerung weisen die Jndustriekreise auf; in einem Jndnstriebezirk hat sich unsere Stinimenzahl vcrzwanzigfacht; in einzelnen Landkreisen ist ein Rückgang zu verzeichnen. Er findet seine natürlichste Er- klärung darin, daß in diesen Kreisen viele hunderte, ja taufende von Saisonarbeitern, Nkaurern, Zimmerleuten und dergleichen wohnen, die den Sommer über nicht zu Hause sind und entweder gar nicht oder in ihrem augenblicklichen Aus- enthaltsorte wählen. Gerade unter diesen Arbeitern ist die Mehr- beit sozialdemokratisch; sie ist es geworden in den deutschen Groß- städtcn, Ivo sie die Sozialdemokratie kennen gelernt hat. Die Richtig- keit dieser Erklärung bestätigt schlagend die im Winter vollzogene 1890« Wahl. Damals wählten die Saisonarbeiter in ihrer ober- schlcsischen Hcimath mit und das zeigte sich sofort in den Zahlen der sozialdemokratischen Stimmen m folgenden Wahlreiscn: Oppeln 522. Ratibor 627. Leobschütz 901, Neustadt 1251. Da189IderZuwachs dersozialdemokratischcnStimmen im Industrie- bezirk noch kein wesentlicher war, betrug die Zunahme unserer Stimmen in Obcrschlcsien überhaupt von 1890 auf 1893 nur etwa 27 pCt.; von 1893 auf 1898 hat sie zugenommen um 410 PCt. Diese Zunahme erklärt zwar den Schrecken, der die schlesische Zentrumspresse bis jetzt noch lähmt; trotzdem müßte sie sich schon wieder erholt haben. Ob sie im stände ist, daS oberschlesische Wahlresultat in halbwegs vernünftiger Weise zu würdigen? Uebrigens freut sich ein Theil des oberschlesischen Zentrums selbst über die Blamage, die sich das Zentrum geholt hat: die mir gezwungenerweise beim Zentrum ver- bliebene Katolik-Partei, die seit jeher darauf drang daß das Zentrum wenigsten« einigermaßen weniger konservativ« agrarisch, mehr Volks thünilich auftrete. Wer übrigens glaubt, die dem Zentrum in Oberschlesicn gegebene Lehre werde etwas fruchten, täuscht sich gewaltig. Besonders wenn der Großagrarier und Großindustrielle Ballestrem, von dem man sich eigenthümliche aristokratische Stückchen erzählt und der überhaupt von ftüher her als nicht im geringsten volkssreundlich bekannt war, die Führung in, schlesischen Zentrum erhält, dann ist eö sehr leicht möglich. daß das Zentrum m,t dem armen oberschlesischen Volke noch mehr nach seinen Hcrrcnlaunen umspringt als bisher. Es glaubt immer noch nicht, daß in der That das Volk von ihm abfällt. Die Geistlichkeit bietet alles auf. un, die verlorenen Schäflein wieder um sich zu sammeln, Vergebliche Mühe l— Chronik der MajestiitSbeleidignngS Prozesse. Ein typisches Beispiel für periodischen Irrsinn ist der Maurer Friedrich Paul Strube, der vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I wegen Majestätsbeleidigung und Hausfriedensbruchs unter Anklage stand. Am 16. April d. I. befand sich Strube in einem Restaurant. Nachdem er einige Seidel Bier zu sich genommen hatte, sprang er von seinem Stuhle auf. lief wie besessen im Lokal umher und stieß gegen den Kaiser und die Polizeibeamten Schimpfworte aus, so daß er schließlich durch Schutzleute zur Wache gebracht wurde. Hier benahm er sich ganz vernünftig, nur behauptete er, sich seiner Worte, die er in dem Restaurant gebraucht habe, nicht mehr zu erinnern. In der Verhandlung stellte sich nun heraus, daß der Angeklagte wegen genau derselben Delikte be- reits zweimal vorbestraft war, und die Schwester be- kündete, daß er geisteskrank sei. Sein fünf Stunden älterer Bruder sei am Irrsinn in einer Ansialt gestorben, der genau dieselben Strafthatcn begangen habe und ebenfalls wiederholt deswegen be« straft worden sei. Der Angeklagte habe erst mit dem sechsten Jahre sprechen gelernt und sei dann im zehnten Jahre von den Krämpfen befallen worden. Eigeuthümlicherweise wurde Strube zum Militär- dienst ausgehoben und hat, ohne daß Störungen der Geistesthätia- keit bemerkt worden sind, seine drei Jahre abgedient. Erst jetzt seit den letzten Jahren, bei Eintritt dcS Mondwechsels, führe er solche wirren Reden. Trotz alledem schildern ihn seine Meister als einen geschickten und fleißigen Arbeiter. Der medizinische Sach- verständige, Professor Dr. Straßmann, äußerte sich gutachtlich dahin, es sei nicht unwahrscheinlich, daß die einzelnen Mond- Phasen auf das Seelenleben des Angeklagten einen Einfluß haben. Für die dem letzteren zur Last gelegten Strafthnten könne dieser nicht verantwortlich gemacht werden, weil zur Zeit der That seine freie Willensbcstimmnng ausgeschlossen war. Für gemeingefährlich könne der Angeklagte noch ni'chl angeschen werden, da er sich biß jetzt niemals in Gewaltthätigkeiten ergangen habe. Der Gerichtshof erkannte demgemäß auf Freisprechung. ES wäre aber erforderlich, daß ein Wiederaufnahme« Ver- fahren auch wegen der ftühcren Majestätsbeleidigungen deS Ange- klagten eingeleitet wird. Der Fall zeigt, wie leicht oerartige Ver- urtheilungen unzurechnungsfähiger Personen vorkommen können.— Oesterreich. Krakau, 3. Juli. Gestern fanden hier bei zwölf Sozialisten- führen, Haussuchungen statt, bei denen hauptsächlich Privatbriefe beschlagnahmt wurden.—> Ungarn. Budapest, 2. Juli. Der Handelsminister Daniel benist für den 14. d. Mts. eine große Zollcnqucte ein, welcher die Regierung Vorschläge bezüglich eines ungarischen autonomen Zoll- t a r i f s zur Durchberathung vorlegen wird.— Frankreich. Pariö, 3. Juli. Wie der„Soir" meldet, überfiel Major Esterhazy heute Nachmittag auf der Straße den Oberst P i c q u a r t und mißhandelte ihn mit Stockschlägen. Picquart, der sich zur Wehr setzte, wurde von den llmstehcnden verhöhnt. Nach anderer Darstellung hat Picquart sich des Angreifers energisch scrwehrt und ihn in die Flucht getrieben. Er habe ihn nur deshalb nicht mit der Pistole niedergeschossen, weil derselbe für das Gericht aufbewahrt werden müsse. England. London, 2. Juli. sEig. Bcr.) Liberale und Ab- st i n e n z l e r. Eine Nachwahl in D u r h a m, der Hauptstadt der Grafschaft gleichen Namens, hat am 30. Juni den Liberalen den Verlust eines Sitzes gebracht. Dies hätte an sich wenig Bedeutung, da die Majorität der Konservattven eine geringe ist und 1895 die liberale Mehrheit nur 3 Stimmen betrug. Aber der Ausgang gewinnt da- durch ein allgemeineres Interesse, als der Sieg der Konservattven unbestrittenerweise durch die Sttmmenthaltung der entschiedenen Temperenzler herbeigeführt wurde. Diese, die bisher liberal ge- stimmt, beschlossen diesmal garnicht zur Wahl zu gehen, weil der liberale Kandidat es abgelehnt hatte, sich auf die Harcourt'fchc Lokal- Veto-Bill zu verpflichten. Wie schon gemeldet, haben auch bei den anderen Nachwahlen, die neuerdings stattgefunden, die liberalen Kandidaten sich gegen die Lokal-Veto-Bill erliärt, ohne jedoch dadurch ihre Aussichten nennenswerth zu verschlechtern. Das hat die Temperenz- oder vielmehr Absttnenzpartei veranlaßt, in Durham eine Kraftprobe zu machen und den Liberalen zu zeigen, daß sie kein zu verachtender Wahlfattor derselben. Ihre Wortführer jubeln jetzt und erklären, das Beispiel von Durham überall wieder- holen zu wollen, wenn nicht die liberale Partei offiziell erklärt, daß sie an dem Prinzip des lokalen Veto unbedingt festhalte. Führen sie den Beschluß mit Energie durch, so würde dies, da die Brauer und Brenner den Liberalen bei alledem nicht über den Weg trauen, deren Wahlaussichten in vielen Wahlkreisen erheblich verschlechtern. Italien. Rom, 3. Juli. Die Anklagebehörde des AppellhofeS zu Bologna erklärte, es liege kein Grund vor, Madame Crispi und den Advokaten Manzone, den Neffen Cttspi's, wegen der Affäre des Bankdirettors Favilla zu verfolgen.— Rustland. Petersburg, 3. Juli. Einer Blättermeldung zufolge begann die der Gesellschaft ostsibirischer Eisenwerke gehörige Schienenwalzerci im Gouvernement Jrkutks ihre Thätigkcit; das ist die erste Produktton von Eisenbahnschienen in Sibirien. Amerika. Montevideo, 4. Juli. Hier kam abermals eine revoluttonäre Bewegung zum Ausbruch. Nachdem das vierte leichte Artillene- Regiment unter General Esteban gemeutert hatte, begaim das Gewehrfeuer am ftiihen Morgen und setzt sich ganz nahe bei der Stadt fort. Die Regierung beschloß, über die Stadt den Be- lagcrungszustand zu verhängen und die Nattonalgarden einzuberufen. Die Unruhen sollen verursacht worden sein durch die Jntriguen des ftühcren Präsidenten Herrcra. Naekei-MAchvichtett. DaS AgitattonSkomitce für den Riedmhein(Elberfeld) sendet an alle Vertrauensleute der Kreise Fragebogen, um Auskunft zu erhalten über die Zahl der während des Wahlkampfcs ab- gehaltenen Versammlmige», die Anzahl der verbreiteten Flugblätter. Stimmzettel, welche politische Partei als Hauptgegnerin in betracht kommt, wieviel Gelder aufgebracht wurden u. s. w. Dadurch soll nicht allein der Opfermuth und die Thätigkcit der Parteigenossen zahlenmäßig festgestellt werden, sondern es sollen damit auch etwaige Mängel und Lücken in der Organisation und Agitation erkannt und beseitigt werden._ GemevkpLzAftlichrs. Berlin und Umgegend. Die stiidttsche» KanaltsationSarbetter find wiederholt bei den Inspektoren und der technischen Betriebsleitung wegen Auf- besserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhälttiisse vorstellig geworden, Herr Direttor Goldowsky hat auch im vorigen Jahre Lohnzulagen, welche vom 1. April 1898 ab gezahlt werden sollten, in Aussicht gestellt. Da aber ttotzdem bis jetzt keinerlei Verbesserungen ein- getreten sind, so haben die städttschen Kanalisationsarbeiter eine Petitton an den Magistrat und das Stadtvcrordneten-Kollegium gerichtet, in der den Behörden folgende Wünsche der Arbeiter unter- breitet werden: Für Kanalarbeiter ist ein Wochenlohn von 21 M. zu gewähren, mit jedem Jahr der Beschäftigungsdauer uni 2 M. steigend, bis zum Maximum von 27 M. Die Arbeitszeit soll von 6 Uhr morgens bis 5 Uhr abends dauern niit einer Frühstücks pause von'/e und einer Mittagspause von l1/, Stunden. Zwischen Tages- und Nachtdienst wird eine Ruhepause von 6 Stunden ge- wünscht. Der Nachtdienst darf nicht länger als 8 Stunden dauern. Den Heizern soll ein W o ch e n l o h n von 26 M., nach einem Jahre 28 M. gezahlt werden. Die Arbeitszeit soll bei Tages wie bei Nachtdienst 10 Sttmden bettagen und jeder zweite Sonntag ein Ruhetag sein. Die Putzer wünschen einen Wochenlohn von 22,50 M., nach einjähriger Beschäftigung 24,50 M., nur Tagesarbeit und zwar 10 Stunden, jeden zweiten Sonntag frei. Für Sandfangarbeiter werden dieselben Löhne gefordert, wie für die Kanalarbeiter, bezüglich der Arbeitszeit und der Sonntagsruhe sollen sie den anderen Kategorien der tm Maschinen betrieb beschäftigten Arbeiter gleichgestellt werden.' Kohlentarrcr und'Drilckrohrrevisoren wünschen 24,50 M. Wochenlohn, Arbeitszeit und Sonntagsruhe wie die vorigen. Da die Lohn- und Arbeitsverhältnisse ein und derselben Ar- beiterkategorie auf den einzelnen Pumpstattonen ganz verschiedene sind, so wird die Einführung einer AroettSord- nung gewünscht, welche die Lohn- und ArbeitSvcrhält niste ftir den gefammten Betrieb der KanalifattonSwerke gleichmäßig regelt. Ferner wird um die Einführung eines ArbeiterausschusseS, sowie einer eigenen Betriebs- Krankenkasse ersucht. Zum Vergleiche mit den in obiger Petition niedergelegten Wünschen der KanalisattonSarbeiter führen wir das wesentlichste von den gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsverhälttiiffcn derselben a». Die Kanalarbeiter erhalten einen Tagelohn von 3—3,50 M., die Heizer einen Wochenlohn von 22,40—25,20 M.. die Putzer einen Wochenlohn von 21—22,40 Mark, die S a n d f a n g- Arbeiter einen Wochenlohn von 21—23,80 Mark, die Kohlenkarrer 21—22,40 Mark, die Druckrohr- Revisoren 22,40—23,10 M. Ins allen Kategorien bestehen 3—4 Lohnklassen, in welche die Arbeiter jedoch nicht nach einer be- stimmten Beschäftigungsdauer, sondern, wie eS den Anschein hat, ganz nach den, Ermessen ihrer Vorgesetzten hinaufrückcn. Die Tag- und Nachtarbeit der Kanalarbeiter ist nicht m regelmäßige Wechsel- schichten eiugetheilt. Die Sonntagsruhe ist ebenfalls nicht geregelt. Während die Arbeiter in einzelnen Stadialsystemen jeden Sonntag frei haben, wird ihnen in anderen nur jeder zweite Sonntag, ja mitunter überhaupt kein voller Sonntag als Ruhetag gewährt. Achnlich ist es mit der Sonntagsruhe bei den anderen Kategorien. Die Wünsche der Arbeiter sind ebenso bescheiden wie berechtigt. Ob wohl der Magistrat und die Mehrheit- der Stadtverordneten ge neigt sind, dieselben zu erftillen? Achtung, Vergolder! Bei der Firma O. Liepmann in Königs-Wu st erHausen sind wegen PreiSreduzirungen Diffe- renzcn ausgebrochen. Zuzug ist bis auf weiteres fernzuhalten. Sonnabend, den 2. Juli, erklärt'» Herr Liepmann seinen Arbeitern, nachdem er dieselben hatte antteten lassen, daß von nächster Woche an bei verschiedenen Nummern die Preise nicht mehr gezahlt würden; wer die Arbeiten für den Preis nicht niehr machen wolle, könne aufhören. Der Bevollmächtigte der Filiale Berlin. Deutsches Reich. Die Töpfer und Töpferet-Arbeiter Veltens haben vor etwa vierzehn Tagen, nachdern Unterhandlungen mit den Unternehmern stattgefunden hatten, ihre Lohnbewegung beendet. Ein Theil der Forderungen der Arbeiter wurde von den Fabrikanten bewilligt. In den letzten Tagen werden nun in bürgerlichen Blättern 250 Töpfer und Glasurstuben-Arbeiter bei erhöhtem Lohn für die Veltener Ofenfabriken gesucht. Die dortigen Töpfer haben nun berechttgtes Mißtrauen, daß die Veltener Fabrikanten sich be- ftteben, überflüfsige Arbeitskräfte nach B e l t e n zu locken, um in die Lage zu kommen, die Vereinbarungen wieder rückgängig zu machen. Es wird daher ersucht, sich vor der Annahme von Arbeit in Velten erst zu wenden an A. Paris, Luifenftt. 15, Bellen i. M. Auch wird gebeten, ein Exemplar derjenigen bürgerlichen Blätter, die vorerwähntes Inserat enthalten, an genannte Adresse ein- zusenden. In Gühlitz»ei Ottilienarub«(Westpriegnitz) sind gestern die Stetnsetzer wegen Lohndifferenzen in den Generalstreik getreten. Es wird deshalb um Fernhaltung deS Zuzuges gebeten. Ebenso wird vor Annahme von Arbeitsangeboten nach Kyritz oder Witten- berge gewarnt, da die betreffenden Unternehmer an diesen Orten ihre resp. Wohnsitze haben. Vom Hamburger Bäckerstreik. Bis zum 1. Juli hatten 268 Meister mit 680 Gesellen die Forderungen der Arbeiter be- willigt. 400 Gesellen befinden sich noch im Ausstand, die übrigen sind abgereist. Viele Bäckereien, deren Besitzer die Forderungen nicht bewilligten, sind gänzlich geschlossen. Dte Streik- leitung hat weitere drei Weißbäckereien errirchtet, um ge« nügenv Weißbrot auf den Mar» werfen zu können; in diesen Betrieben arbetten 36 Mann.— Der Arbeitgeber-Verband von Hamburg-Altona, der die Sache der Jnnungsmeifter in die Hand genommen hat, läßt in den.Hamb. Nachr.- eine Epistel gegen die „unverschämten Bäckergesellen- vom Stapel. Bezüglich der Forde- rung der Bäcker auf Abschaffung von Kost und Logis beim Meister heißt es dort:„Gerade das Wohnen beim Meister mit der sich von selbst dadurch ergebenden Aufsicht über das Leben und Treiben der Gesellen hat eS vermocht, die Bäckergesellen von vielen Gefahren der Großstadt und des ungebundenen Lebens fern zu halten und ihnen einen gesunden Geist und Körperelbe sechs Abtheilungen erhalten. Diese sollen ihre Sitze haben in Düsseldorf, Essen, Duisburg, Elber fcld, M.-Gladbach und Krefeld. Selbstmorde unter der niedere» Schiffsmannschaft. Nävi- gare necesse est, vivere non est neoesse! So drängt es sich einem ans die Lippen, wenn man die Erhebungen über die Selbstmorde unter der niederen Schiffsmann- s ch a s t liest, wie sie von der Technischen Reichskommission für Seeschifffahrt und dem Vorstande der See-Berufsgenossenschaft jüngst herausgegeben wurden. In der objekttven Schtlderung der That fachen sprechen beide Berichte eine gleich traurige Sprache, nur in der Erklärung der Ursachen dieser jammervollen Zustände und den daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen und Abänderungsvorschlägen weichen die beiden Kommissionen, ganz ihrem Charatter entsprechend, von einander ab. Doch vorerst die Thatsachen I Beide Berichte stimmen darin überein, daß„die Arbeit des niederen Maschinenpersonals, also der Heizer, Schmierer, Kohlenzieher, schon unter normalen Ver Hältnissen sehr schwer, vielleicht eine der schwersten ist, ivelche es über- Haupt giebt, und daß sie unter ungünstigen VerMtnissen, wenn z. B. kein Zug im Schiff ist, den kräftigsten Mann in verhältnißinäßig kurzer Zeit erschöpfen kann. Die Selbstmorde, die in der Zeit vom 1. Januar 1883 his zum 31. Dezember 1897 bei der See-Benifs- genossenschnft nachgewiesen sind, betragen 179; 162 Schiffsbcdienstete wurden in dieser Zeit als„vennißt" gezählt, sie sind aus irgend welchen Gründen über Bord gegangen,„zumeist wohl fteiwillig", denn zu den auf Deck beschäftigten gehörten davon die allerwenigsten, soitdern fast durchwegs zu den unten im Kohlenraum angestellten Kohlenziehern. Ganz eigenthümlich ist in dieser Hinsicht auch die Vertheilung dieser Zahlen; von den 341 Selbstmördern resp. Ver mißten waren nämlich nur 33 auf Segelschiffen, sämmtlichi übrigen auf Dampfern angemustert gewesen, und zwar ist die Selbstmordziffer auf den Segelschiffen nur halb so hoch wie bei der männlichen Landbevölkerung; dagegen bei dem Maschmenpersonal der Dampff'chiffe ö�/e mal, bei den Kohlenziehern aber 20 mal so groß wie bei der männlichen Landbevölkerung. Und von dieser Selbst mordepidemie sind auch die übrigen Dampferbediensteten be troffen, namentlich Oberheizer, Heizer und Schmierer und die Oberköche nnd Oberstewards. Die See-Berufsgenossenschaft ninimt als Selbstmordversuche für diese letzteren Mkoholmißbrauch an, für die bei den anderen Dienstleuten hat sie keine ausreichende Erklärung. Die Technische Kommission, eine von keinerlei Berufs- interessen' befangene Behörde, die aber ihre sozialpolittschen und hygienischen Erfahrungen hat, meint, daß m der Arbeit und Ein- richtung dcS Schiffes die ausschlaggebende Ursache für die hohe Selbstmordfreguenz der Kohlenzieher gesucht werden müsse; und weitere Einzelbetrachtungen bestättgen das nur; denn nur eine bestimmte Gruppe von DampffchififahrtSbetrieben hatten diese Hohen Zahlen zu verzeichnen. Die höchsten giffern weisen der Nord- deutsche Lloyd in Bremen und die Hamburg— Amerika-Linie auf und von diesen Rhedereien sind wieder eine ganz besondere Anzahl(27 Prozent) an der hohen Selbstmord« requenz bethetligt. Von den nordamerikanischen Schiffen dieser Rhedereien sind dazu in der gleichen Zeit von 1888—1397 80 pCt. der Fcuerleute deseMrt. Es scheint also doch etwas faul in diesen Schifffahrtsbetrieben und ihren Einrichtungen zu sein, und nicht, wie die See-Berufsgenossenschaft meint, die Zahl der Selbstmorde unter den Kohlenziehern allein auf die Untaugnchkeit der Leute, diese aber wieder auf die überaus häufige Desertton zurückzuführen zu sein. Und ihren Vorschlägen, die Kohlenzieher fester an Bord zu halten, und sie zu tüchttaen, ausdauernden Kohlenziehern herauszubilden, änd wohl die Refonnvorschläge der Technischen Konnnission auf er- höhten Arbeiterschutz und Durchführung hygienischer Maßregeln, Ein- richtung von Brausebädern, Entfernung der Schlaf- und Wohnräume der Feuerleute aus der Nähe der Maschinen, kurz auf Ausdehnung der sozialreformerischen Gesetzgebung auch auf die schwimmenden Großbetriebe unbedingt vorzuziehen. Eine Steigerung der Zahl her Unfälle im verflossenen Jahre hat auch der Verwaltungsbericht der Nordöstlichen Bau- gewerks-Berufsgenossenschast zu verzeichnen. Während im Jahre 1896 die Zahl der zur Anmeloung gelangten Unfälle sich auf 6773 ' Die Steige- belief, betrug im Jahre 1897 die Zahl derselben 7274. rung beträgt demnach S01. Der Sturm auf Santiago. Eine Madrider Depesche behauptet zwar, es sei dem Geschwader des Admirals C e r v e r a gelungen, den Hafen von Santtago zu verlassen und so der Umzingelung durch die amerikanische Flotte zu entrinnen. Jedoch tritt die Nachricht aus N e w- D o r k von dem vollständigen Untergang derselben Flotte Cervera's mit hoher Bestimmtheit auf, daß an ihr kaum gezweifelt werden kann. Ter Landm»griff. Ueber die Schlacht am Freitag wird noch aus New-Dork berichtet: Die Details über die Schlacht am letzten Freitag berichten Rühmliches von dem Muth und der Ausdauer der Spanier, welche dem Gegner jeden Schritt streitig gemacht hätten trotz schwerer Verluste. Der einzige Punkt, auf dem die Amerikaner keinen Erfolg zu verzeichnen haben, war auf dem äußersten linken Flügel, wo die Division des Generals Duffield den Fluß nicht überschreiten konnte un, sich in den Besitz von Aguadores zu setzen, weil die Brücke zerstört war, wodurch Duffield gezwungen war, nach Juragua zurückzugehen. Die Amerikaner hätten 2000 Gefangene gemacht. Nach dem„New-Dork Herald" beziffern sich die Verluste der Amerikaner am Freitag und Sonnabend auf 1200 Mann. Die Spanier hätten zum mindesten t000 Tobte gehabt. Nach einer anderen Meldung soll die dem General Lawton gegenüberstehende Division bei El Ganey 2000 Tobte und Verwundete verloren haben. Die Gefangenen und Gefallenen im Zentrum und auf> dem linken Flügel beziffern sich auf nahezu 4000 Mann. Einige Konchagnien der Amerikaner sollen sämmtliche Offiziere verloren haben und mehrere Obersten und ObersllieutenantZ seien gefallen. Am Sonnabend wurde der Angriff von neuem aufgenommen. Wiederum war der Kampf sehr heiß und allem Anschein nach gelang es den Amerikanern nicht, erhebliche-Vortheile zu erringen. Vielmehr gelang es dem spanischen General P a n d o, vom Innern der Insel her mit seinen Truppen zu der Besatzung von Santiago zu stoßen. Depeschen aus Washington vom Sonntag lauteten daher nicht un- günstig ftir die Amerikaner. Eine Depesche des Generals Shafter, datttt aus dem Lager bei Sevilla vom 3. Jnli besagt: Santiago ist vollständig umringt im Norden und im Osten, aber die Einschließungskette ist sehr schwach in der Nähe der Stadt. Ich finde dieselbe so stark ver- theidigt, daß es mir unmöglich sein wird, die Stadt im Stnrin zu nehmen mit den Sttettkräften, über die ich gegenwärtig verfüge. Der Oberkommandirende General Miles äußett über die Schlacht: General Shafter wird sich vorläufig auf die Anhöhen beim Meere zurückziehen und dort die Ankunft von Verstärkungen abwarten; auch wird es ihm dort möglich sein, seinen Truppen Ruhe zu gönnen. Shafter lvird voraussichtlich El Ganey und die Ebene bei Santtago aufgeben. Auch die gleichzeitigen Versuche der amerikanischen Flotte, von der Seeseite her den Spaniern Schaden zuzufügen, waren am Sonnabend ohne besonderen Erfolg. Adniiral Tampson dringt in den Hafen. Erst am Sonntag gelang der Flotte das kühne Wagestück, in den ttesen Hafen von Santiago zu dringen und die Flotte Cervera's zu vennchten. Das „Reuter'sche Bureau" meldet: „Das Weiße Haus giebt bekannt, Admiral Sampson sei am Sonntag in den Hafen von Sairttago eingedrungen und habe die Flotte Cervera's zerstört. Das Kriegsdepattement meldet, die gesammte Flotte, mit Ausnahme eines Schiffes, sei zerstört und an der Küste verbrannt worden. Das Weiße HauS erhielt nachfolgende Depesche vom General Shafter aus Playa del Este vom 3. d. M.:«Heute früh habe ich die Uebergabe Santtago'S ge- fordert und gedroht, die Stadt zu bombardiren. Ich glaube die Stadt wird sich ergeben." Also dürste das Schicksal der Stadt Santtago besiegelt sein. Damit hätten die Amerikaner einen außerordentlichen Erfolg erreicht. In später Abendstunde wird noch telegraphirt, die Spanier hätten die Uebergabe Santtagos verweigert. General Shafter habe ihnen noch bis morgen Mittag Bedenkzeit gelaffen, und werde das Bombardement nicht eher eröffnen. Die Stimmung in Madrid. In einer Unterredung erwidert« Sagasta auf die Frage, ob die Regierung nach der Ein- nähme von Santiago Friedensverhandlungen einleiten werde: „Niemals!" und fügte hinzu, es blieben ja noch auf Kuba 100 000 Soldaten und Freiwillige, welche bereit seien, für das Vaterland zu sterben. Sagasta rühmte alsdann den Heldenmuth der Vertheidiger Santtago's. Auch auf den Philippinen Verbeffert sich die Situation der Amerikaner weiter. Aus Hongkong wird gemeldet: Der Aviso„Zafiro" ist heute hier aus Cavite angekommen. Der« selbe bnugt die Nachricht. daß die Transportschiffe „Peking",„Sydney" und„Australia" mit den amerikanischen Verstärkungsmannschaften am 30. Juni in Cavite eingetroffen sind. Auf der Fahrt haben die Amettkaner die Ladronen-Jnseln genommen und ein Truppen-Detachement dort gelassen. Der spanische Gouverneur und seine Beamten wurden nach Cavite mitgefühtt. Die Ausschiffung der Truppen in Cavtte hat am 1. Juli begonnen. Uetzke und Depesthen. Posen, 4. Juli.(W. T. B.) Der Regierungspräsident hat dem Vorsitzenden des Kongresses polnischer Aerzte eröffnet, daß die An- Wesenheit von Ausländen: auf dem Kongresse aus allgemein Polizei- lichcn Gründen nicht gestattet werde und daß jeder Ausländer, welcher dennoch zur Theilnahme an dem Kongresse hierher kommen würde, als lästig angesehen und mittels polizeilicher Zwangs- maßregeln des Landes verwiesen werden solle. Der 5longreb sollte vom 1. bis 5. August hier tagen. Es sind bereits mehr als 800 An- Meldungen eingegangen. Rom, 4. Juli. sW. T. B.) Deputtttenkammer. Mnister- Präsident P e l l o u x giebt unter großer Aufmerksamkeit des Hauses nachfolgende Erklärung ab: Die Regierung beabsichttgt im Innern absolute Aufrechterhaltung der Ordnung, beständigen eifrigen Schutz der staatlichen Jnstituttonen und der bürgerlichen Gesellschaft und Beruhigung der Gemüther; nach außen den aus- richttgsten Frieden und Aufrechterhaltung der besten Beziehungen zu allen befteundeten und verbündeten Mächten. Wir werden unsere Sorge der schrittweisen finanziellen und ökonomischen Auf- besserung des Landes widmen und der Besserung der mißlichen Ver- hältmsse, in denen sich ein Theil unserer Bevölkerung befindet. Unser erster Gedanke soll sein durch zweckmäßige Veranstaltungen und durch rationelles Entfalten der öffentlichen und privaten Thätigkeit diese traurige Lage zu lindern, welche, wenn sie auch an vielen Stellen nur den Vorwand der letzten Unruhen bildete, doch nichtsdestoweniger besteht und allgemein anerkannt wird. Dies soll geschehen, ohne daß in irgend welcher Weise die Solidität des Budgets angegriffen wird, welche mit der größten Peinlichkeit gewahrt werden soll. Zum Schluß kündigt der Ministerpräsident an, die Regierung verlange ein provisonscheS Budget bis zum 31. Dezember und fordere die Kammer auf, das- elbe so schnell als möglich zu berathen.— Hierauf erklätte die Kammer gemäß dem Antrage der Wahlprüfungs-Konimission die Wahl des Sozialisten Nofri. des Deputitten im vierten Turiner Wahlbezirke mit geringer Mehrheit für giltig.(Beifall auf der Linken. Lärm auf der Rechten.) Zara, 4. Juli.(W. T. B.) Im Bezirke Sinj wurden auch gestern andauernd leichte und stärkere Erdstöße Verspütt. Einer der vorgestern Verwundeten ist heute gestorben. Verantwortlicher Redakteur: Anglist Jacoben in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Untcrhaltnngsblatt. St. 154. 15. KcilM k« ,Z«Ms" Srrlinrt|alUlitt Celleralliersmmlllllg des UntersttzungsvermS siir alle in der Knt- nnd Nlzwaaren-zndnßrie beslhästigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Guben, den 29. Juni bis 1. Juli 1898. Vor Fortsetzung der Stotutenberathung wurde über einen Antrag der Berliner Delegirten verhandelt. Ein von der Filiale Berlin während des Berliner Streiks von der dortigen Gewerkschafts- Kommission aufgenommenes Darlehn von 3000 M. soll der Verein bezahlen. Der Antrag wurde angenonimen. DieUnter st ützungen beiArbeitslosigkeit wurden wie bisher beibehalten, nur in der Klasse für weibliche Mitglieder wurde die Arbeitslosenunterstützung aufgehoben, weil sie für die Strohhutbranche, wo alle Näherinnen jährlich 4— 5 Monate arbeitslos sind, undurchführbar ist und auch in den anderen Branchen keine guten Erfahrungen gemacht worden sind. In ausserordentlichen Nothfällen können die weiblichen Mitglieder unterstützt werden. Ilmzugskosten und Fahrgelder können je bis zu K0 M. gewährt werden, beträgt die Entfernung 400 Kilometer, und bei Entfernungen von 3ö— 400 Kilometer 25 M. Umzugs- und 30 M. Fahrkosten. Der Jnvalidenkasse wurden, um dieselbe noch aus Jahrzehnte lebensfähig zu machen, aus den anderen Kassen- Mitteln 40 000$)l. überwiesen resp. der Fonds für diesen Zweig in der erwähnten Höhe festgestellt. Der Beitrag von 10 Pf. per Woche wird auch in Zukunft fort- bezahlt, aber die wöchentliche Unterstützung von 4 M. auf 3 M. herabgesetzt. Ein Antrag, die obligatorische Beitragspflicht aller männlichen Mitglieder zur Jnvalidenkasse zu beschlietzen, wurde ab- gelehnt. Die Krankenaeld-Zuschustkasse— 3 M. Eintritts- geld, 30 Pf. Wochenbertrag, 8,10 M. Unterstützung 26 Wochen lang und 64 M. Sterbegeld— bleibt unverändert, nur das Sterbegeld wurde auf 60 M. und die Wartezeit auf 26 Wochen erhöht. Die Frauen-Sterbekasse bleibt in der Hauptsache wie bisher. Nach einer längeren Diskussion, in welcher allgemein die Roth- wendigkeit eines Streikreglements betont wurde, fand ein solches Annahme. Dasselbe legt— außer bei Abwehrstreiks— die Ent- scheidung_ über Arbeitsemstellungen und Sperren über Werkstellen lediglich in die Hände des Vereinsvorstandes. Derselbe kann auch/ wenn er die Aussichtslosigkeit eines Streiks einsieht oder die Mittel erschöpft sind, denselben für beendet erklären. Die Unter st ützung bei Ausständen zc. wurde für männliche Mitglieder auf 10 M., für weibliche auf 6 M. festgesetzt nebst 1 M. pro Woche für ein volksschulpflichtiges Kind. Zur Bildung emes Streikfonds sollen demselben 15 pCt. der Gesammteinnahme de? Vereins zugeführt und Beitragsmarken ä 10 Pf. für fteiwillige Beiträge an die Mitglieder verabreicht werden._ Lokttles. Wahlprotest im fünften Berliner Reichstagswahlkreise. Sluch im fünften Reichstagswahlkreise hat sich nunmehr das zum Wahlprotest erforderliche Material derart gehäuft, daß die Kassirung der Wahl des Herrn Dr. Zwick mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. DaS sozialdemokratische Wahlkomitee ist jetzt schon in der Lage, seinen Wahlprotest ausreichend zu begründen. Um aber den Protest so wuchtig wie nur möglich gestalten zu können, bittet das Wahlkvmitee alle Parteigenossen, welche von gravirenden Vor gängen glaubwürdig zu berichten wisien, mit genauer Angabe von Namen und Adressen an den Parteigenossen Robert Drescher, Linien strahe 218, ihre mündlichen oder schriftlichen Mittheilungen zu richten. Eine proletarische Gedenkfeier fPd am vergangenen Sonn- tage auf dem Friedhofe der Freireligiösen Gemeinde statt. Die Zahlstelle Berlin vom Verbände der Glasarbeiter Deutschlands hatte ihrem Mitglieds, dem Glasschleifer Clemens Mager eiiieii Gedenkstein gewidmet, der an diesem Tage seine Weihe erhielt. Der Berbandsleiter Emil G i r b i g aus Stralau hob in seiner Gedächtnißrede das aufopfernde Wirken des Verstorbenen hervor, der sowohl für den Verband als auch für die politische Partei in selbstlosester Weise bis an sein Lebensende seine ganze Kraft ein- gesetzt habe. Die zahlreich Erschienenen trennten sich nach der kurzen, würdevollen Feier mit dem stillen Gelöbniß, dem Beispiel des Tobten nachzueifern. Der im Liede besungene„grüne Strand der Spree" wird am Oberlaufe unseres heimathlichen Flusses allmälig immer mehr zur Sage. Denn bereits von Tabberks Waldschlößchen an verliert sich stromaufwärts bis nach Köpenick hin das Griin der Spree-Ufer immer mehr, da auf beiden Seiten schon jetzt fast nur Fabriken und Häuser stehen. die zum theil erst in der letzten Zeit entstanden sind. Gegen- über von Tabbert liegt schon seit mehreren Jahren die bekannte Kuhnheim' sche Fabrik, die fast stets in bläuliche, widerlich riechende Dämpfe eingehüllt ist, während sich auf dem rechten Ufer eine Brauerei und zwei große Fabriken hinziehen, die sämmtlich erst vor kurzer Zeit erbaut worden sind. Daran schließen sich Ober-Schöneweide und Wilhelminenhof mit ihrer in stetem Zunehmen begriffenen Menge hoher, im modernsten Sttl erbauter Wohnhäuser. Weiterhin sehen wir auf dem rechten Ufer noch die ganz kolossale An- jage des dicht an der Spree gelegenen neuen Elektrizitäts- Werkes mit seinen vielen Riesengebäuden, die von hohen Fabrik- schornsteinen überragt werden. Daneben dehnen sich noch weite Bauterrains, die beretts zum Kauf angeboten werden und ihrer günsttgen Lage wegen auch sicherlich bald Käufer finden werden. Auf demlinkenUfer reihen sich jenseits der die Orte Ober- und Nieder-Schöneweide ver- bindenden Brücke an die Kuhnheim'sche Fabrik ein großes Etablissement für Baubedarfsarttkel, und ferner die bekannte Färberei und Appretur der Gebrüder Lehmann. Dann kommt eine Reihe von Vergnügungslokalen, die fast alle große Sähe ? laben, und mehrere neuerrichtete Bootshäuser, an die ich wieder eine bedeutende K a afabrik anschließt. Kurz vor Köpenick breitet sich am linken User Spindlers- seid aus, das mit seinen vielen Fabrik- und Wohn- gebäuden einen ganz gewalttgen Komplex umfaßt. So sieht heute das Bild aus, das sich von Tabbert's Waldschlößchen bis nach Köpenick an der Oberspree dem Auge darbietet. Ein wahrer Segen ist es, daß uns von Tabbert aus stromabwÄrtS bis nach Stralau und Treptow hin der grüne Sttand der Spree wohl für immer er- halten bleiben wird, da auf dem rechten User die Wuhlhaide und auf der anderen Seite der der Stadt Berlin gehörende Plänterwald liegen, die beide niemals abgeholzt werden dürften. Entwickelung zum GrosjkapitaliSuins. Die Leipzigerstraße. die jetzt bereits die lebhafteste Geschäftsstraße ist, wird wohl in ab- sehbarcr Zeit vollständig den Charakter einer Waarenhausstraße annehmen. Im oberen Theile der Leipzigersttaße befindet sich das große Wertheimsche Waarenhaus; im nächsten Jahre wird in der Nähe des Dönhoffplatzes der Neubau für das große Tietz'sche Waarenhaus. dem drei umfangreiche Häuser in der Leipzigerstraße zum Opfer fallen, in Angriff genommen werden und am 1. April 1899 wird außerdem der' Grundstein zu einem neuen Waarenhaus in der Nähe des Spittelmarktes gelegt werden, das an stelle des Hauses Leipzigerstt. 64 errichtet wtrd. Dieses, bisher im Besitze der Familie Dalchow, ist, wie der„Konfekt." meldet, für den Preis von 800 000 M. an die Baufinna Lachmann u. Zauber verkauft worden und bereits an die Firma M. I. Emden Söhne in Hamburg auf die Dauer von 15 Jahren vernnethet worden, die dort ein neues Maaren- Haus für die hiesige Firma A. Jandorf u. Ko. errichtet. Liebiingelei mit dem„Mtttclstaud". Gegen die weitere Ausdehnung der Konsumvereine von Beamten machen sich jetzt schon Strönumgen innerhalb der Beamtenschaft selbst be- merkbar. So hat zu dem achten Verbandstage deutscher Post- und Telegraphen-Assistenten. welcher Anfang August in Berlin statt- finden wird, der Bezirksverein Koblenz den Anttag gestellt, das Ver- bands-Waarenhaus auf den Vertrieb von Kleidungsstoffen, Wäsche, Zigarren und Kleidern zu beschränken. Begründet wird der Anttag danüt, daß in der immer wachsenden Ausdehnung des Geschäfts eine Gefahr für die idealen Ziele des Verbandes liege. Das Voranstellen materieller Interessen könne nur eine Einbuße an Sympathien sür die Verbandsbesttebungen zur Folge haben, zumal die Ausdehnung des Bettiebes in die Lebensfähigkeit kleinerer Ge- schäfte eingreifen müsse. Der Verein der Beamte» städtischer Werke» der über 200 Mitglieder zählt, hat seine Selbständigkeit aufgegeben und sich dem„Ortsverein der Berliner G emeino e b e amten" angeschlossen. Verbotene Bricfformate. Die Postbehördcn haben neuer- dings wieder solche Briefe und Drucksachen, welche in ihrer äußeren Form den zusammengesaltenen Telegramm-Ankunfts- Formularen nachgebildet sind, als zur P o st b e f ö r d e r u n g ungeeignet erklärt, weil die posttcchmsche Behandlung solcher Sendungen zu argen Unzuttäglichkeiten Veranlassung geben würde. Diese ans Sensatton beim Empfange berechneten Kouverts u. s. w. sollen daher auch fernerhin zurückgewiesen werden. Die Müllabfuhr betreffend, theilt das Polizeipräsidium folgendes mit: Unter Bezugnahme auf§ 100 Absatz 3 des Straßenpolizei- Reglements in der Fassung der Polizeiverordnung vom 30. Januar 1895 wird hierdurch mit Zustimmung des Magisttats folgendes zur öffentlichen Kenntuiß gebracht. Vom 1. September er. ab werden nur diejenigen Müllabfuhr-Systeme zugelassen werden, welche als den polizeilichen Anforderungen genügend öffentlich bekaiint gegeben worden sind. Als solche find zur Zeit zu bezeichnen: 1. System Kin sh runner sD. R. P. 49 862 and 87 233, D. R. G. M. 45 576); 2. System Geduld u. Comp. scheinen ihn sehr geplagt und schließlich zum Selbstmord getriel zu haben. Am 25. v. M. war er ausgegangen und nicht m zurückgekehrt. Die Nachforschungen nach seinem Verbleib waren folglos, bis die bei der Leiche im Fluthgraben gefundenen Tre, auf die Spur führten. Leonhardt pflegte diese in der Erinweru an eine 20jährige Thätigkcit in einem Geschäfte stets bei sich, tragen. Der alte Mann hatte. sich, um den Tod sicher zu findc mit einem Steine beschwert, als er ins Wasser ging. Von einem Rtngbahnzuge todtgefahren wurde Moni, Morgen kurz nach 6 Uhr der Rentner und Hauseigenthüm Albert Scholz aus der Elbingerstraße Nr. 12. Scholz, der dem Z scheine nach falsch eingestiegen war, sprang in der Nähe von Bude beim Bahnhof Beusselstraße an der Jungfernhaide aus dem Zuge u wurde von dem ans der entgegengesetzten Richtung kommenden Zu Nr. 1515 gesaßt. Die Laterne, die dabei abgebrochen wur schleuderte ihn zu Boden. Mit einem Loch im Kopf und einem brochenen Beine blieb der Verunglückte todt auf der Stelle lic� Die Leiche wurde nach der Charlottenburger Halle gebracht. Verschwimdc» ist seit Freitag Abeud die 11 Jahre und 9 Mona alte Tochter Hedwig des Lederarbeiters Albert Krüger aus d, AndrcaSstr. 67, 4 Tr. Das Kind war von den Eltern nach d Sebastianstr. 84 geschickt worden, hatte dort seineu Austrag auch au gerichtet, ist aber nicht wieder nach Hause zurückgekehrt. Den Elte, fehlt jede Erklärung für das Verschwinden des Mädchens. Hedn Krüger ist etwa 1 Meter 20 Zentimeter groß, hat dunkle Augen u. ist leicht kenntlich an einem handgroßen Hautausschlag am linken Ar, der infolge der Impfung entstanden ist. Die Verschwundene trug cii graue Taille mit grünem Sammetbesatz, weißen Ucbcrrock mit gelb' Blumen, schwarze Strümpfe, schwarze Knöpstiefel und grauen Strohh, mit weißem Seidenband. Ltzer etwas über das Mädchen weiß, wir gebeten, die Eltern oder das nächste Polizeibüreau zu benachrichtigen Ruf der Flucht vor der Sittenpolizei ist die 20 Jahre al, Klara Jokisch. aus der Müuchcbergerstraße 0 verunglückt. Entgegc, der Polizeivorschrift blieb das Mädchen, mit anderen plaudernd, w dem Hause Langestr. 70 stehen. Als ein Sittenbeamter kam, lief, alle weg in benachbarte Häuser. Die Jokisch fiel von einer Trepp herab und brach sich den rechten Unterarm. Dennoch entkam sie u> ging, mit dem Arm in Verband, ihrem Gewerbe nach, bis sie dr Tage später wegen eines Vergehens aufgegriffen wurde. Jetzt brach die Polizei sie in ein Krankenhaus. Der Gardc-Grenadicr Birkholz vom Alexander-Regimen der als Rekrut am fünften Tage seiner Dienstzeit während de Unterrichts aus dem Fenster des zweiten Stockes auf die Straß hinabsprang und dabei so schwer verunglückte, daß man ihm ii Lazarcth das linke Bein abnehmen mutzte, ist jetzt in seine Heimatl entlassen worden. Orgolkouzcrt. Den bei freiem Einttitt Mittwoch, den 6. I: mittags 12 Uhr, in der Marienkirche stattfindenden Orgelvorttag t Musikdirektors Otto Dienel werden Frl. Gertrud Mauksch, Frl. Hele Breest, Herr Karl Mendt und der Violinist Herr Max Keller unte. stützen. Herr Dienel wird das vierte Orgel-Konzert von Hände spielen._ Aus den Nachbarorten. Wilmersdorf. Im Volksgarten findet am Mittwoch, abend' S'/i Uhr eine Versammlung des Arbeiter-Bildungs Vereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen A. Hofs» mann über„Glaube und Vernunft". Aufnahme neuer Mitglieder. Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es, die polittsche Organisation am Ort durch seinen Veitritt zu kräftigen. Der V o r st a n d. Maßregelungen in den Spandaucr Musterlvcrkstiitten. Die Verfolgungen, welche die Arbeiter in diesen vom Gelde der Steuer- zahler erhaltenen Instituten zu erdulden haben, überschreiten gegen- wärttg alle bisher gewohnten Grenzen. Die für unsere Parteigenossen bei der letzten Wahl abgegebene Stimmenzahl muß gewissen Leuten arg in die Glieder gefahren sein. Es scheint, wie uns berichtet wird, in Spandau ein förmliches S p i tz e l s h st e m zu bestehen um solche Arbeiter, welche sich nur im geringsten der Sozial demokratie verdächtig zeigen, aus Brot und Lohn zu bringen So ist am 2. Juli ein Arbeiter auf erfolgte Denunziation hin aus den Militärwertstätten entlassen worden, weil er sich über den Ar- beiterkandidaten Schröer lobend ausgesprochen haben soll. Der Ge- maßregelte war vierzehn Jahre im Feuerwcrkslaboratorium beschäftigt, er hat durch die gesundheitsschädliche Arbeit, di ihm aufgebürdet tvar, schwer an seinem Körper leiden müssen ur wird nun von Leuten, die da wähnen, mit solchen Thatcn dc Staat retten zu kömien, dem Hungeftuch überlieferte. Die Sympathien, welche die Arbeiterschaft für den Gemaßregelten hegt, werden noch erhöht durch das Unglück, das zu Hause auf ihm lastet. Seit einem halben Jahre liegt seine Frau schwer krank darnieder; fünf unmündige Kinder stehen an ihrem Krankenbette. Dieser Fall ist besonders geeignet, auch top eitcr flfcet den Werth der heutigen Gesell- zu öffnen. Wer noch nicht Eozialdemvlrat ist, olchen Vorfällen werden! ttcnbnrg wird berietet: Die Wahl des ersten ii Charlottenburg wird nun doch nicht vor Anfang nde kommen. Der Ausschuß zur Vorbemttuig der erst gewünscht, zur Vornahme der Wahl eine außer- ;ii»g für diesen Mittwoch anzuberaumen. Auf .hcuden Bestimmungen ist dieZ jedoch ausgeschlossen. .mntmachnng der Tagesordnung noch nicht erfolgt ist zwei Tage vor der Sitzung zu erfolgen hat. Auch besteht .»eigung bei den Stadtverordneten, die Angelegenheit zn über» rzen und etwa die Wahl anf Sonnabend anzusetzen, zumal da ein .Tßer Theil der Stadtverordneten bereits ihre Soninierreise an» treten hat. Der Ausschuß hat, wie wir initgetheilt haben, begossen. der Stadtverordneten-Versammlung als einzigen Kandidaten i bisherigen Landtags-Abgeordneten und Vizepräsidenten des Ab- ardnetenhauses Rechtsanwalt und Notar Dr. Paul Krause vor- schlagen. Herr Dr. Krause hat sich, wie wir erfahren, bereit erklärt, : auf ihn fallende Wahl anzunehmen. Nns Treptow wird uns berichtet: Als Kuriosum sei initgetheilt, ß es dem stellvertretenden Amtsvorsteher am Orte nicht vglich war, bei der letzten Wahl seine Stimme im ordnungspartei- chen Sinne abzugeben. Der Herr stand nicht in der Wahlerliste. - Einer unbegreiflichen Handlung machte sich am Tage der Stichwahl- ■r Wirth Landsberg in Treptow schuldig. Landsberg befand ch stark angett-unken im Lokale von Zeller. wo die Wahlhandlung r sich ging. Als er den sozialdemokratischen Sttmmzettelvertheiler wahr wurde, soll er diesen hinterrücks ins Kreuz gestoßen haben, daß unser Parteigenosse auf die Straße flog und ihm die Stimm- ttel in den Schmutz fielen. Wie verlautet, soll der Vorgag ein trafverfahren gegen den Angreifer zur Folge haben. Mit der Sicherheit des MarkgrafendammeS ist es fett je cht zum besten gewesen. Ein Vorfall, der sich am Sonnabend bend gegen acht Uhr auf dieser Straße ereignete, giebt besonders t Bedenken Anlaß. Eine Dante, die dort ihres Weges ging, wurde m einem Strolch verfolgt und thätlich angegriffen. Auf daS Hilfe- geschrei der Belästigten eilten Arbeiter herbei. Der Angreifer floh, wurde aber mit Hilfe einer Droschke, die zufällig des WegeS kam, verfolgt. Es gelang den Arbeitern auf diese Weise, auch bald den Attentäter in der Nähe vom Bahn- Hof Stralau-Rummelsburg zu packen; er erhielt eine derbe Lektion und sollte einem Stcherheitsbeamten übergeben werden. ihrend man nach einem solchen vergeblich ausspähte, kamen eineAnzahl .dächtiger Gestalten herbei und befreiten den Mann, der äugen- eittltch mit ihnen bekannt war. Der cinstmals alS gefährlichster Wilderer in der Mark trmidenburg gefürchtete Arbeiter Höpfner aus Lehnin, welcher vom chwurgericht zu Potsdam nach zweitägiger Verhandlung am 5. Fe- mar 1892 wegen Todschlages zu lebenslänglicher Zuchthansstrafe nd wegen anderer Verbrechen zusätzlich zu neun Jahren Zuchthaus erurtheilt wurde, ist jetzt im Zuchthans zu Sonnenbnrg verstorbett. öpfner hatte die Waldungen um Lehnin bis nach Anhalt hinein tficher gemacht. Kein Mensch wagte sich ihm zu nahen; denn er ig gegen jeden gewaltthätig vor, der Miene machte, ihn festzunehntett. .L es bekannt wurde, daß er eines Abends in Lehnin bei feiner rau sei, wollte man ihn festnehmen, aber Höpfner fetzte ich zur Wehr und erschr f den Arbeiter Galle. Von da ab lebte er t Erdhöhlen und erst hinein Kommando des 93. Jnfanterie-Regi- tents gelang es, den gefährlichen Verbrecher zu umzingeln und ein- ufangeii, während er mit einer Landstreichertn namens Stephan in iner Erdhöhle schlief. Es war vorauszusehen, daß dieser„märkfsche iesel", wie Höpfner seinerzeit genannt wurde, dem als echtem Sohn �r Wildniß der Wald der liebste Aufenthalt war, nicht lange hinter uchthausmauern leben würde. Während der ganzen Strafzeit hat c sich gut geführt. Er wurde mit Seidenspinnerei beschäftigt. Abermals ein SchiffSnufafl anf dem Müggelsee. Ein aeS Opfer hat am Sonntag der Müggelsee gefordert. Vier .rliner Herren, die Kanfleute Spiegel, Passeck, Schneider und ander, hatten zu einer Muderpartie nach Rahnsdorf beim Boots- .erleiher Eichbanm in Treptow einen sogenannten Doppelskuller für wei Personen gemiethet. Einer der Insassen stieg später ein, da der Bootsverleiher das Einsteigen einer vierten Person nicht gestattet .jätte. Infolge der Ueberlastung ging daS Boot sehr tief. Mitten ■nf dem Müggelsee, anf dem ein hefttger Süd-West herrschte, wurde aS Boot, als es an einem Dantpfer vorüberfuhr, mit Wasser >efüllt und sank. Spiegel, der des Schwimmenö unkundig war, fing sofort unter, die übrigen hielten sich über Wasser. Passeck uurde von dem Segelboot- Verleiher Krieger in Friedrichs- jagen, der an der Unfallstelle kreuzte, gerettet, während Schneider und Zander von einem vorüberfahrenden Dampfer auf- genommen wurden. Nach der Leiche des ertrunkenen Spiegel wurde von dem Dampfer„Marie' des Rhedereibesitzers Keddig vergeblich gesucht. i Eilt Ehedrama. Ein Revolverattetttat auf den Liebhaber 'einer Frau verübte Sonntag Nachmittag der Schanbudenbesitzer Haupt zu NowaweS-Neueitdorf bei Gelegenheit des dortigen Schiitzen- festes. Bei Haupt war seit vier Jahren ein ArbeitSntann naniens Wiedemann beschäftigt, der in der letzten Zeit ein LiebeSverhältniß nnt Hanpt'S Frau angekniipft hatte. Am gestrigen Tage gestand dies Zratt Haupt ihrem Manne, welcher sofort den Plan faßte, Wiede- mann zu erschießen. Um 1 Uhr betrat Haupt seinen Wohnwagen, wo er Wiedemann vorfand und ihn gleich zur Rede stellte. Wiede- ntantt ergriff die Flucht. Haupt setzte ihm mit einem Revolver in der Hand nach und gab drei Schüsse auf ihn ab. Zwei der- selben trafen den Verfolgten attt Oberann und am Halse so schwer, daß er tödtlich getroffen zusammenbrach. Haupt wurde ver- haftet._ Soziale Mechtspftese. Für Bauarbeiter ist eine Entscheidung der Kammer HI des GelverbegerichtS von großer Bedeutung. Der Maurer P. forderte von dein Baunnternehiner Charlet 99 Pf. für eine Stunde, die er nach seiner Behauptung dadurch versäumt hat, daß er sich am Sonn- abend nach Feierabend von der Arbeitsstätte in der Bairetither- straße nach der Lettestraße begeben mußte, um dort seinen Lohn zu etnpfangen. Außerdem beanspruchte der Kläger eine Versäumuiß- entschädigung fiir die wahrgenommenen Termine. Der Gerichtshof verurtheilte den Beklagten, an den Kläger die 69 Pfennig und eine Termiusentschädiguug von drei Mark zu zahlen. ES sei gleichgiltig, ob der Kläger bei der Arbeitsstätte nach Be- endigung der Arbeitszeit auf das Geld gewartet habe, oder ob er zur gleichen Zeit einen längeren Weg habe zurücklegen müssen, um sich das Geld zu holen.' Entscheidend sei die unzweifel- hafte Thatsache, daß der Kläger den Lohn erst eine Stunde nach Feierabend erhielt. Er habe sich, indem er zu warten gezwungen war, dem Arbeitgeber noch eine Stunde lang zur Verfügung halten müssen, er könne darum eine be- sondere Lohnentschädigung für diese Zeit verlangen. Der Beklagte hätte es sich nun selber gleich sagen können, daß er nicht den Arbeiter eine Stunde Watten lassen durfte, ohne ihn dafür zu bezahlen. Unterließ er letzteres trotzdem, so habe er es frivoler weise zur Klage kommen lasten; das Perlangen des Klägers nach einer Versäumnißgebühr von mindestens 3 M. sei deshalb durchaus gerechtfertigt.— Hoffentlich trägt die Entscheidung ?azu bei, die Herren Maurermeister, Bau-Unternehmer und Zimmer- teister zu größerer Pünktlichkeit bei der Löhnung mzuhalten._ GevitsztS�IeUttNK. Ter Prozeß gegen den Schutzmann Otto Volkmann ge- fangte gestern nach viermaliger Vertagung vor der ersten Straf- kammer des Landgericht» I endlich zum Abschluß. Der Kaufmann Kukuk, welcher in einem Eisenbahnwagen aus den Schneider Schulz das Gespräch brachte und Aeußerungen fallen ließ, daß Schulz, der sich in Frauenfleidern zu bewegen pflege, sich damit gerühmt habe, einmal einem Schutzmann am Kömgsplatz entwichen zu sein, hat nicht ertttittelt werden können; dagegen wurde Schulz durch einen Kriminalbeamten vorgeführt und vernommen. Er gab an, daß er Schneider sei, und machte kein Hehl daraus, daß er häufig in Frauen- kleidung auf Abenteuer ausgehe. Einmal— die Jahreszeit könne er mich nicht annähernd bestimmen— sei er bei den Zelten von einem Schutzmann angesprochen worden. Derselbe habe ihn gefragt, ob er verheirathet sei. Anf die bejahende Antwott habe der Schutz- mann weiter gefragt:„Haben Ste Kinder? Dies habe der Zeuge verneint, worauf der Schutzmann, in dem Glauben, daß er eine Frau vor sich habe, mit unsittlichen Anträgen hervorgetreten sei. Der Zeuge habe eine abweisende Antwott gegeben und dann Kehrt ge- ntacht und die Flucht ergriffen, da er weitere Zudttnglichkeiteit gefürchtet habe und vermeiden wollte, daß sein wahres Geschlecht entdeckt wurde. Er sei blindlings davongerannt und habe sich erst am Königsplatz wiedergefunden, wo er in eine Droschke gesprungen sei. Wohin er gefahren sei, wisse er nicht mehr, aber keinenfalls nach dem Hause Bergstraße 12, dieses sei ihm, wie die ganze dottige Gegend, völlig unbekannt. Der Schutzmann, mit dem er das Abenteuer gehabt, könne der Angeklagte nicht gewesen sein, denn jener habe einen schwarzen Schnurrbart gettagen' Auch liege die Zeit, als sich dies Zusammentteffen ereignete, weit vor dem Vorfalle, der hier in Frage stehe. Da ummtehr weitere Anträge nicht gestellt wurden, wurde die Beweisaufnahme für endgiltig geschlossen erklärt. Staatsanwalt und Vertheidiger blieben bei ihren Anträgen auf Bestrafung, be- ziehungsweise Freisprechung stehen. Nach kurzer Verathung verkündete der Borsitzende, Landgerichts- direttor Fetisch das llttheil: Objektiv sei erwiesen, daß Fräulein Schulz ein hochanständiges, sittlich reines Mädchen, dasjenige erlebt habe, was sie ge- schildert habe. Es sei ferner erwiesen, daß ein schwerer Rechtsbruch begangen sei und zwar durcheinenSchutzmann. Eine Reihe schwerwiegender Umstände spräche dafür, daß der Angeklagte der Thäter sei. In zener Gegend sei er gewesen und verdächtig sei es, daß er seinen Vorgesetzten belogen habe. Sein Alibibeweis sei nicht als vollständig gelungen zu bezeichnen, denn die Zeitpunkte hätten sich nicht genau feststellen lassen. Aber andererseits sei sicher, daß der Angeflagte um 11 Uhr 57 Minuten auf dem Königsplatze eine flüchtige weibliche Person verfolgt habe, und es sei anzunehmen, daß er wenigstens eine kurze Zeit nach derselben in den Gebüschen gesucht' habe. Der Droschkenkutscher habe bekundet, daß er die flüchtige Person um 12 Uhr 8 Min. in seiner Droschke aufgenommen habe und dieser Zeitpunkt müsse als richtig bezeichnet werden. ES sei auch anzu- nehmen, daß der Angeklagte sich damals noch hinter der Flüchtigen, die voraussichtlich die ansgewnndette Pauline Schiller gewesen sei, befunden habe. Diese Umstände sprächen wieder für ihn. Die Möglichkeit, daß ein anderer Schutzmann— von jedem Verdachte frei sei beispielsweise der Schutzmann B u ch a r S k i keineswegs— die That begangen habe, sei nicht ausgeschlossen und deshalb habe der Gerichtshof eS vorgezogen, den Angeklagten ttotz deP intmerhin starken Belastung freizuspreche it. Eine Persönlichkeit, die sich mit dem Schleier deS Ge- heiuintftvollen umgiebt, wurde gestern der zweiten Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt. Es ist eilt Mann, welcher vorgiebt, Kko n r a d B e h r e n d s e n zu heißen und seines Zeichens ein „Journalist" zu sein. Er will in Transvaal geboren sein. Im Februar d. I. wurde er verhastet, als er beim Antiquitäten- Händler Pergamenter ein Mosaikbild verkaufen wollte, welches einen Werth von über 199 M. hatte und welches kurz zuvor im Kimstgewerbe-Museum gestohlen war. Es zeigte sich, daß der Ver- dächiige eine ganze Reihe von Diebstählen in Museen und öffent- lichen Kunststätten begangen hatte und die Art der Ausführung ließ darauf schließen, daß man keinen Neuling auf diesem Gebiete vor sich hatte. Die Behörde glaubt aiich heute noch, daß der Angeklagte ein höchst gemeingefährlicher Verbrecher ist, welcher allen Grund hat. seine Vergangenheit in Dunkel zn hüllen. Alle Bemühungen, über seine Persönlichkeit Auf- klärung zu gewinnen, sind vergeblich gewesen, da der Angeklagte zwar zugiebt, einen falschen Namen zu führen, aber nicht zu be- wegen war, seinen richtigen zu nennen. Er war auch im Teruiin nicht dahin zu bttngen, seinen wahren Namen zu Neimen, er behauptete, auf ein„Verhältniß" Rücksicht nehmen zu zu müssen, welches er hier in Verlin habe. ES sielen ihm ins- gesamuit zehn Diebstähle zur Last, welche im Dezember vorigen JahreS und Anfang dieses Jahres begangen waren. Da er den Eindruck eines vornehmen Mannes machte, schenkten ihm die Museum- diener keine besondere Aufmerksamkeit; im Nu hatte er ein Bild von der Wand, oder eine Statuette von dem Untersatz genommen und sie unter seinem weiten Mantel versteckt. Das Kunstgewerbe- Museum besuchte er wiederholt, das Provinzialmuseum und das Vereinslokal der Berliner Künstler je einmal in diebischer Absicht. Wenn er die gestohlenen Kniistgegenstände oerkaufte, nannte er sich den Antiquitäten- Händlern gegenüber„Ingenieur Bessert". Es stellte sich heraus, daß der Angeklagte noch eine andere Art des Diebstahls betrieben hatte. Er suchte die Wohnung der Studirenden der Medizin auf, zu einer Zeit, daß er annehmen komfie, ste seien nicht zu Hause. Traf diese Annahme zn, so dat er die Wirthin um Erlaubniß. an seinen Freund und Stndiengenossen einige Zeilen schreiben zu dürfen. War die Wirthin vertrauensselig genug, den „noblen" Besucher für einige Augenblicke allein zu lassen, so hatte dieser nichts Eiligeres zu thnn, sich irgend ein iverthvolleL medizinisches Werk unter den Mantel zu stecken und sich dann zu empfehlen. Der Angeklagte bestritt seine Thäterschast in zwei Fällen, aber auch in diesen«rkamiten ihn die Zeugen mit ziemlicher Bestimmtheit wieder. Staatsanwalt Dr. Knx hielt ihn deshalb in allen Fällen für überfühtt. Er fei auch heute noch der Ansicht, daß der Angeklagte ein Dieb von ganz besonderer Gemeingefährlichkeit sei, welcher wisse, daß für ihn die Offenbaning seiner Vergangenheit folgenschwer sein würde. Er beantrage gegen ihn fünf Jahre G e f ä n g n i ß und fünf Jahre Ehrverlust. Der Angeklagte schien bestürzt. Nach kurzem Besinnen fragte er den Vorsitzenden, ob er auf eine mildere Be- nttheilniig zu rechnen habe, wenn er sich noch entschließe, seine Ver- gangenheit zu offenbaren. Er müsse gestehen, daß er über die Höhe des beantragten Strasntaßes„baff" sei, Ter Vorsitzende, Landgerichts- direktor Käller, erwiderte ihm. daß er eine bestimmteZusage nicht machen könne, jedenfalls verbessere sich aber die Lage eines Angeklagten durch Offenheit. Nun erzählte der Angeklagte, daß er im Herbst 1896 nach Berlin gekommen sei. Er habe vorher 4 Jahre eine chemische Fabttk am Rhein gehabt— in welcher Gegend wolle er nicht sagen— und dann eine Ncisestclle für eine chemische Fabttk in Leipzig bekleidet, aber für welches Haus, wolle er ebenfalls nicht angeben, da die Inhaber der betreffenden Firma ja sonst von semer Bestrafung erführen. Es gäbe nur vier derartige Fabriken in Leipzig. Er besitze zwei Kinder, die hier irgendlvo in Berlin untergebracht seien. Bestraft sei er bis jetzt nicht. Das war alles, was ans dem Angeklagten herauszubringen war. Er bat um eine milde Sttafe, da er sich in der schrecklichsten Roth bestmden habe. Ter Gerichtshof war ebenfalls zu der lieber- zeugung gelangt, daß der Angeklagte etwas weit Schlimmeres hinter der hartnäckig getragenen Maske verberge, als er anzugeben für gut gehalten habe, er sei zweifellos ein weit schwererer Verbrecher, als schon durch die Verhandlung dargethan sei. Der Gettchtshof habe sich deshalb nicht veranlaßt gesehen, unter das vom Staatsanwälte beantragte Straffnaß hinabzugehen, sondern es sei auf fünf Jahre Gefängniß und fünfjährigen Ehrverlust erkannt worden. Der Angeklagte ettlätte, daß er sich bei diesem Ilttheile nicht beruhigen könne. Er ist ein Mann von etwa 49 Jahren, von schlanker Figur über Mittelgröße, mit vollem dunkelbraunem Haupt- und Batthaar. Der große Schmirbatt ragt über den kurz gehalten Vollbatt hinaus. Er spricht ein dialett- freies Deutsch in gewandter Ausdrucksweise. Ein sensattoneller Prozeß wurde dieser Tage im Schwur- gettcht zu Hamburg verhandelt. Derselbe liefert wieder einen recht drastischen Beitrag zu dem Kapitel„Dien st botenelend". Bei einer sehr reichen KaufmannSfamilie in Rotherbaum, dem Borott Hamburgs, in dem der wohlhabenste Theil der Hamburger Bevölkerimg wohnt, trat im Februar d. I. ein junges Dienstmädchen in Stellung. Schon nach fiinf Tagen verließ es dieselbe jedoch wieder, weil es sich vor den unverschämtesten Belästigungen des„jungen Herrn", eines 29jähttgen Nichtsthners, nicht mehr retten konnte. Es klagte auf Lohnzahlung und ließ auch durch seinen Vater gegen den „jungen Herrn" Strafantrag stellen. In beiden Prozessen, sowohl vor dem Zivil- wie vor dem Strafgericht wurde auf Borschlag des Mädchens die etwa 47jährige Köchin der Herrschaft darüber ver- »ommen, ob daS Mädchen von dem 29jährigen Sohn des Hauses unsittlich belästigt sei. Beide Male bestritt die Köchin das unter ihrem Eide. Da jedoch durch andere Momente die Behanptuiigen des Dienstmädchens bestättgt wurden, namentlich dadurch, daß auch die Vorgängerinnen des Mädchens eidlich erklärten, auch sie seien in der gemeinsten Weise vom Sohne deS HauseS belästigt, mid zwar in Gegenwart der Köchin, wurde diese wegen Meineids angeklagt. Die Angeklagte blieb dabei, die Wahrheit gesagt zn habe», und von der Herrschaft, der Kaufmannswittwe Phöbe Haberer und ihrem Schwiegersohn, dem Kaufmann Heinrich Kahn, waren ganze Ladungen von Scbmutz aufgeboten, die die gegen die Köchin und damit gegen den 29 jährigen Lüstling Naurus Haberer, den Sohn der Wittwe Haberer und Schwager des Kahn, aussagenden Dienstmädchen in den Augen des Gerichts und der Geschworenen herabsetzen sollten. Die Sache gestaltete sich aber immer schlimmer ftir die Angeklagte, und auf Aurathe» ihres Venheidigers Dr. Suse legte dieselbe schließlich ein umfangreiches Geständniß ab. In demselben ettlätte sie, sie sei von Frau Haberer und deren Schwiegersohn anfgefordett,„für sie" auszusagen, damit der junge Haberer nicht ins Gefängniß brauche. Sie habe sich erst aeweiaett. Da habe die Herrschaft aber furchtbar gescholten. Nim habe sie mit ihrer Hände Arbeit drei Kinder zu ernähren und des- halb die Stellung gern behallen wollen, und als man ihr dann noch Aeldversprechungen gemacht hätte, habe sie sich, da sie sich in großer Roth befunden habe, schließlich zu den unwahren Aussagen be- stimmen lassen. Die Folge dieses Geständnisses war, daß die Frau Haberer, die in Sammet und Seide und mit kostbareii Brillanten an den Fingern siegesgewiß in den Schwurgettchtssaal hereinrauschte, und ihr Schwieger- söhn Heinrich Kahn, Inhaber eines großen Hamburger Export- und Jmpottgeschäftes, die als Zeugen geladen waren, und die unter der Wucht des Geständnisses der Angeklagten zusammen- brachen, ohne auch nur ein Wott erwidern zu können, auf Befehl des amtirenden Staatsanwalts sofott festgenommen und wegen driiigenden Verdachts der Anstiftung zum Meineide in UntersuchungS- haft'abgesühtt wurden. Die bedanernswetthe Köchin wurde zu einer Znchthansstrase von Vh Jahren v erurtheilt. Ter BetriebSinspcktor Schröder von der OmnibnSgescll- schaft„Reform" war zu einer höheren Geldstrafe verurtheilt worden, weil mehrere Schaffner der bekannten einspännigen Wagen der Linie Hausvogteiplatz-Belleallianeeplatz keinen Fahrschein itesaßeii, wie ibu das Ommbusreglement vom 3. Januar 1865 vor- schreibt. Schröder legte Revision ein und machte folgendes geltend. Aus dem Z 8 des erwähnten Reglements gehe hervor, daß nur Omnibusse, die von mehrere» Pferden gezogen würden, einen Schaffner haben müßten und daß die eiiispännigen Wagen eines solchen nicht bedürften. Thatsächlich seien die fraglichen Wagen denn auch in der ersten Zeit ohne Kondukteure im Betriebe verwendet worden, bis die Polizei es der Gesellschaft nahe gelegt habe, Schaffner anzustellen. Wenn man nun dem nachgekommen sei, so sei das nicht die Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht gewesen, es könne darum auch nicht verlangt werden. daß die betreffenden Schaffner den Fahrschein nachsuchten. Das Kannnergericht verwarf jedoch die Revision mit der Begründuno das Reglement von 1865 schreibe allerdings für einspännige Omnibusw nicht'das Mitsahren von Schaffnern vor, indessen müßten Schaffner, die trotzdem mitgegeben würden, auf jeden Fall den Fahrschein haben. Für Zuwiderhaiidliingen sei der Betttebsinspektor vor- antwortlich. Ein Akt der Selbstjustiz hat dem Schanklvttth Robert Fäustel die Anklage wegen Freiheitsberaubung und Körper- Verletzung zugezogen, ivelche gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts 1 gegen ihn verhandelt wurde. Fäustel hatte einmal den Reisenden Blischmck aus seinem Lokal hinmiSgewiesen, weil dieser sich ungebührlich benommen hatte. Seit dieser Zeit haßte ihn Blischmck. Wenn er an dem Fäustcl'schen Lokale vorüberging, pflegte er mit seinem Spazierstocke gegen dnS Blechschild zu schlagen, auf welchem eine große Weiße abgebildet war. Fäustel lieh diese Neckereien unbeachtet. Eines Tages trat Blischmck über die Schwelle de» Lokals, rief dein Wirth das Wort„Zentral-Bnlle!" zn»nd lief dann davon. Dies war dem Fäustel zn viel. Wie ein Blitz sprang er zur Thür hinaus und nahm die Verfolgung des Beleidigers anf. Er holte ihn auch ein, packte ihn am Kragen und schleppte ihn trotz seines Widerstandes zurück und in sein Lokal hiiiein. Nach wenigen Augenblicken flog Blischmck wieder über die Schwelle— seine Wangen waren arg gexöthct. Fäustel war recht nnsreundlich mit ihm umgegangen. Iii dem Zurückbringen nach seinem Lokale erblickte die Anklage- bchörde eine Freiheitsberaubung, in der Verabreichung verschiedener Ohrseigen die Körperverletzung. Der Gerichtshof nabm zu gmisten des Augeklagten an. daß mir eine einzige selbständige Handlung, und zwar die der Körperverletzung, vorliege. Da Fäustel außerdem gereizt worden war, kam er mit einer Geldstrafe von 19 M. davon. Für die Frage der Entschädig«« göpfticht fiir Schäden- die bei cinam Umzüge durch den Transpott der Möbel an den Treppen uno Fluren eines Hauses verursacht werden, ist eine neuer- dings vom Landgericht l ergangene rechtskräftige Entscheidung von Bedeutung. Ein Miether, der vom Hausivirthe für einen solchen Schaden mit Erfolg in Anspruch genommen war, klagte gegen den Möbeltransport-Unternehmer auf Ersatz de« Betrages. Das Amtsgericht wicS die Klage ab unter der Begründung, daß der Frachtführer nicht für ein im Vertrage nicht vorgesehenes Verschulden seiner Leute hafte. DaS Landgericht hob aber diese Eni- scheiduug anf und erkannte nach dem Klageanträge. ES ging' davon auS. daß der Tran sportvertrag ein Werk- verdi ngs-Bertrag sei. bei ivelchem nach s 939 Thl. I Tit. 11 Allg. LandrcchtS der Werkmeister die Handlungen der von ihm selbst gewählten Gehilfen vettreten müsse Die Hinaufschaffung der Möbel vom Wagen in die Miethöwohmmg gehöre zur Ausführung des Vertrages, und wenn bei dieser Arbeit durch Verschulden der Ar- beiter Beschädigungen der Treppen verursacht werden, so sei dies i n und durch Aussü'hrung deS Vertrages geschehen. Für den Schaden aber, den die Gehilfen bei oder durch die AuSfühnmg der Arbeit an- richten, hafte der W e r l m e i st e r. VevlÄmntNtnsen. Eine Versammlung der Baudeputirtrn, welche am 1. JnN tagte, nahm den Bericht der Lohnkommisston der Maurer entgegen. Danach sind bei Betheiligung an 14 Bausperren 1799 M. Unter» stützung ausgezahlt worden. In der Diskussion wurde de» Maurern eine bessere Beobachtung der bei Arbeitsniederlegungen nothwendigen Verhaltungsmaßregeln zur Pflicht gemacht. Ferner faßte die Ver- sammlung folgenden. Beschluß: Die Versammlung erachtet es fiir dringend nothwendig, daß sämmtliche Sammelkatten von 1898 der Lohnkommission vorgelegt werden und zwar ans folgende» Gttinden: 1. um festzustellen, wieviel Kollegen sich an unseren Sammlungen betheiligen, 2. um festzustellen, inwieweit beim Ab- handenkontmen der Karte dieselbe in Orduuna war, 3. um die Karten als Beweis dafür, daß sie der Lohnkommisston vorgelegt und bis zum 2. Juli in Ordnung gebracht waren, auf der Innenseite mit dem Stempel der Kommisston zu versehen. Damit die Angelegen- heit ordnungsgemäß erledigt werden kann, verpflichten sich sämmtliche Baudrvutitte. die Kotten bautenweise zu sammeln, sie im Hinteren 8>mmer des Bureaus, Grenabierstr. SS, abzugeben und sie dort am folgenden Abend wieder in Empfang zu nehmen. Nächste Woche finden mehrere Versammlungen statt. Zahlreiches Erscheinen ist geboten. Slrbeiter-SSngerbnnd Berlins und der Umgegend. Vorsttzender! Adol vlenlirann, Brmmrnstr. 1S0.?llle tendenmaen im VcretiiSkalender sind zu richten an Friedr. Kortum, Manteuffclstr. SS. vom II. Dienstag. abendS iT r: UeDimg?|hinbc und Aufnahme neuer Mitglieder:„Steineiche" Klap- fchuß, Manteuffelstr. 91.-„Scnefelder". Schiller, Rosenthalerstr. 57.- .«Äciechtigkeit"(Westen), Wcmcr, Blllowstr. 59.—„Olympia", Streit, Naimyiistr. 86.—„Hand in Hand I", Richter, Marianncnstr. 41.—„Kreuz! dm", Busch der?, Hafclihaidc 58.-„Edelweist", Stchmann, Mclckiorstr. 15.- „Echo II", Mündiier, Linienstr. 19.-„Wiederdall", Schnieder, Admiral- strabe 21—„Freiheit II", Hcrrguth, Adlershof, Oppenstrage.—„Myrthen- blatter", Blnnie. Prenzlauer Allee 14.-„Unverzagt H", Beusselstr. 9.- „Freies Lied", Friedrichsberg, Schuhmaun, Frankfurter RNcc 181.-„Rothe Nelke I", Obst, Schöncberg, Gruiietvaldstr. 110.-„Rothe Nelke H", Rosin, Ruppincrstr. 42.-„Vorwärts IV", Engel, Rathenow, Jägerstr. 2S.- „Alpcnglorke", Gold, Grobe Frankfurtersir. 13Z.—„Eichenkranz", Jean Poillon. Prcnzlau, Schucllcstr. 67.-„Freier Sängerchor", Witte, Glienicke. Köpenickerstr.-„Weddinger Harmonie", Milbrodt, Müllerftr. 7s..- „Vorwärts VIII", Schurdaum, Marwitz in der Mark.—„Freie Sänger IH", Hecgerwühle bei Ebcrswalde.-„Frohsinn I" Mertens, Rummclsbnrg, Goethe- und Kantstraben-Ecke.-„Akazie"(gemtfchter Chor), Mctzner, Oranienstrabe 184.-„Oranke", Hähling, Ncu-Weibcn- see, Laiighansstr. 166.—„Sangeslust H", Bergmann, Pasewalkerstr. 3.— „Weibe Rose", Malchin, Rcinickcndvrk, Residcnzstr. 101s.-„Arbciter-Maibund", Hicnike, Nowawcs, Wnllstrabe.-„Vorwärts VH", Steves, RummelSSurg, Kant- und Goethestranen- Ecke.-„Fiindholz", Abendroth, Badstr. 42.- „ANiance"(Maler), Nestanrant, Kaiser Franz- Grenabicrplatz 7.— „Glasarbeiter", Zcidler, Köpenick, Müggelheimstrabe 29.—„ESmeralda", Baatz, Cotheninsstraße 3.—„Kreuzberger Harmonie", Möhring, Admiral- strabe 18 o.—„Sangesblnthen", Böttcher, Krautstr. 6.—'„Melvdia II", Pappel-Allee 114.—„Nord-Öst", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Alpen- glühen", Klopfch, Falckensteinstr. 38.—„Freie Feldblume" Batterroth, Ska- litzerftr. 51/52.—„Grüne Eiche", Babenfchneider, Rixdorf, Hermaimstr. 197. —„FrcihcitSklänge I", Somuicr, Grünftr. 20.—„Harmonie III", Banfelow, Rixdorf, Kirchhof'tr. 29.—„Einig", Schee«, Blnmcnftr. 38.—„Morgen- roth"(gem. Chor), RumuielSburg, Thiele, Türrfchmidt- und Mozartstraben- Ecke.—„Einigkeit II", Gold, Frankfurterstr. 133. Slrbeiter-Raucherbnnd Berlins und der Umgegend. Aenderungen im BercinSkalender sind zu richten an Hermann Brauuschweig, Dresdener- strabe 80, S.Hof. Dienstag: Ranchkl.„Eldorado", Grüner Weg 25, Swttrich.-„Grüne Eiche", Urbanstr. 87, Schneider.-„Blüh' aus", Wrangelstr. 32, LulaS.-„Amvalema", Forsterftr. 19, Uckel.-„Neuer Berliner Nanchklub", Reichenbergerstr. 146, Drogge.—„Phönix". Schöne- berg, Hanptstr. 97, Donath.—„Dvnimgo", Waldemarsir. 16, Tanchert.— „Rothe Rose", Bocckhstr. 21, Krebs.—„Veilchcudust", Hennigsdorserstr. 4, Günther.—„Kollegia", Reichenbergerstr. 157, Bergner.—„Einigkeit I" Rixdorf, Hennaimslr. 232, Wulf.—„Rauchan", Adaibcrtstr. 15, Teichert.— „Kamerun", Weidenweg 22, FialkowSky.—„Palmcrio", Lamprccht, Kastanien- Allee 95.—„Korea" Wcidenwcg 90, Jmige.—. Waldmeister", Maricnburger- strabe 47, Kläke.—„Neuer Hain", Langenbcckstr. 4, Techtmeier.—„Bruder- vunb", Griinanerstr. 5, Gallawskv.—„Vlüthendust", Cotheniusstr. 1, Fedtke. —„Ruhiaa", Britzerstraße 46, Herzog.—„Lange Pfeife", Friedrichsberg, RumuielSburgerstr. 23, Neitzel.—„Pscisenkopf", Caprivistr. 4, Wolf.— �Stambyl", Nen-Weibensec, Streustr. 3, Stegemann.—„Geniüthlichkeit I", Wienerstr. 7, Gläser.—„Diana", Schütz, Bmnerstr. 71.—„Immergrün", Mancgold, Liegnitzerstr. 18. Gesang-, Turn-»»d gesellige Bereine. Dienstag: Gesangverein „Fester Wille", Alexandrinenstr. 32, Dietrich.— Arbeiter-Zithcrv.„Einigkeit", Reichenbergerstr. 19, Lehmann.— Musikv.„OsiriS". Wrangelstr. 11, Blum. — Flugiaubcnv.„Borwärts-Nord", Ackcrstr. 17, Reuter.— Vergnügungsv. „Fortuna", Blumenstr. 36, Weiß.— Musikv.„Norddeutsche Klänge", Swine- »lünderstrabe 51, Renter.— Qnarteitv.„Wedding", Ehausiccstr. 72, Mcibner. — Theatcrv.„Concordia", Elifabethstr. 30, Scholz.—„Wünsch'scher gem. Chor", Rosenthalerstr. 57, Schiller.— Geselliger Klub„Don Juan", Linden- strabe 106, Znbeil.— Vergnügungsv.„Feldblume", Mantcuficlstr. 9, Nolvack. — Gesangv.„Schildhom", Usedomslr. 33, Olböter.— Turnv.„Osten", Lehrl-Abth. abdS. 8»/- Uhr, Blumenstr. 63s.— Theatcrv.„Aschenbrödel II, Ackcrstr. 144, Borst. Kasino.— Musikv.„Thalia", Slalitzersir. 95, Jechow.— TonrkstcnN.„Ruf", Retchenbergerstr. 24, Kicburg. «rveiter-Dchwimmerbund. Anfragen an». Brätle, Schulstr. 24. Dienstag: Schwimmklud„Neptun", Weibensee. Uebungsstunde atendS 7»/, Uhr im Seebad Weibensee. Arbeiter-Durnerbnnd. Dienstag: Tumv.„Fichte", Berlin, abdS. 8—10 Uhr: 2. Männerabth.: Skalitzerstr. 65/56; 4. Mämwrabth.: Stephanstrab« 3; 5. Männerabth.: Ackerslr. 67; 6. Männerabth.: Stallschreiberstr. 54; 1. Lehrlings abth.: Friebenstr. 37; 3. Lehrlingsabth.: Boeckstr. 21; 1. Damen- abtheilung: Mariannenufer 1s.— Männcr-Turnv.„Eiche" Köpenick, Klein'S Hotel(Wilhelnisplatz), abdS. 8—10 Uhr: Nebungsst.—„Freie Turnerschaft Rixdorf-Britz", Wirsing. Knesebeckstr. 113, 6�-«:/, Uhr: 1. Schsilerabtheilg., 8r/z— 10:/,: j. Männer- und Lehrlingsabtheilg.—„Tumerschast b. B. Nereus", Männerabth., Reichenbergerstr. 131/132, abds. 8—10 Uhr. Lese- nnd Diskntirklnbs. Dienstag:„Süden", Ewald, Schönlein- straß« 6.—„Freie Jugend", Seidlcr, Ratiborstr. 16. Arbcitcr-Steliographcnvereine.„Stolze", Nene Robstr. 3, Englischer Hof, abends 8'/, Uhr. Theater- und BergnügungSverew„Helgoland«. Sitzung Abend 9'/, Uhr Ackerstrab- 144. heute Krankheitspflem kommen; und zwar werden sie diesen ihren Standpunkt um schiedener betonen, je ernster sie ihren infolge dessen von der Neberzeugung durchdrungen sind, Mterttvislltzes. Ernesti, Dr. A.: Arzneischatz für'S HauS.— Wiesbaden, Lützenkirchen u. Bröckmg, 1897.— 88®.— 8°. Preis 1,20 M. Es wird heute wohl von allen Seiten— nicht zum wenigsten von den Aerztcn— anerkannt, daß eine möglichst weite Verbreitung hygienischer Kenntnisse wllnschenswerth, ja nothwendig ist; beim es kann nur von Vortheil für die Volksgesundheit sein, wenn auch das Volk weit!, was dem Körper zuträglich ist, und wie gesundheitliche Gefahren vermieden werden können. Eine andere Frage ist die, ob es vortheilhaft ist, das nicht-ärztliche Publikum darüber zu unter- richten, welche Maßregeln zu ergreifen sind, um die ein- mal ausgebrochene Krankheit zu bekämpfen. Die Aerzte werden im allgemeinen diese letztere Frage verneinen, soweit nicht besondere Verhältnisse: erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen, Grundbegriffe der Krankhcitspfleqe und dergleichen in betracht Ständpunkt um so ent- Beruf nehmen, je mehr sie irchdrungen sind, daß es un- möglich ist. einem Laien in wenigen Stunden öder in einem Buche geringen Nmfanges alle die Kenntnisse beizubringen, lvelche zur ge- oeihlichen Ausübung der Heilkunde nothwendig sind. Indessen, selbst wenn man auch diese letztere Frage bejaht, wird man in dem vorliegenden Buche eine Bereicherung der gemein- verständlichen mcdizimschen Littcratnr nicht erblicken können. Ein „Lehr- und Nachschlagebuch über die wichtigsten Arzneimittel." das noch dazu nicht einmal die Grundbegriffe der Arzneimittellehre er- läutert, sondern sich auf die Aufzählung der Arzneimittel und kurze Bemerkungen über ihre Anwendung u. s. w. beschränkt, hat Sinn für diejenigen, welche die Ärzneiknnde im allgemeinen beherrschen und nur gelegentlich über einzelne Punkte Aufklärung suchen müssen; also mit anderen Worten: für die Aerzte. Ein derartiges Nachschlagebuch für Laien zu schreiben, hat nicht den geringsten Zweck; was nützt es z. B. zu wissen, was man bei konstitutionellen Leiden giebt, wenn man incht iveiß, lvas„konstiwtionelle Leiden" sind u. s. w. Ein Buch, wie das vorliegende, kann nur den einen Erfolg haben, die„Kur Pfuscherei" im schlimmsten Sinne des Wortes zu fördern, und kann somit ungeheuren Schaden schon dadurch stiften, daß infolge der An Wendung der angeführten Arzneimittel häufig genug der geeignete Augenblick für eine zweckentsprechende Behandlung verpaßt wird. Auch hiervon abgesehen, hat das Buch noch Fehler, die es gerade für die unbemittelten Schichten des Volkes— für welche es doch wohl in erster Linie berechnet ist— wenig branchbar erscheinen lassen. Her Verfasser ist Apotheker, und er hat daher begreiflicher- weise kein besonderes Interesse daran, die Arzneibehnndlung zu einer .st billigen zu machen. So erklärt eS sich wohl, daß in den beigefügten Rezepten die Regeln de;„Pbarmacopoea oeconomica", der sparsamen Arzneiverordnungskunst, die heutzutage wohl jeder Arzt bei der minderbemittelten Praxis befolgt, vielfach unbeachtet geblieben find; so erklärt es fich auch, daß der Ver- faffer zum Beispiel empfiehlt, Salzsäure— wegen der damit verbundenen Gefahr, die thatsächlich nur bei großer Un- Vorsichtigkeit vorhanden ist— nicht unverdünnt, fondern in der theureren„Mixtur" sMischung) zu verordnen, während er auf der anderen Seite für die Freigabe des Verkanfs der Salicylsäure eintritt, die doch gewiß kein ganz unbedenkliches Mittel ist u. s. Iv. u. s. w. Es wird somit derjenige, welcher sich oder seine Familie nach den „Rezepten" des Verfassers behandelt, häufig genug durchaus nicht billiger fahren, als wenn er einen Arzt zu Rathe gezogen und dessen Berordnnngen auSgeftihrt hätte. Es kann somit vor der Anschaffung des E.'schen Buches nur gewarnt werden._ C. P. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Donnerstag nnd Freitag von 6 bis 7 Uhr abends statt. Koch. Der Bescheid stimmt mit denDDarlegungen auf S. 198 nnd 199 des von Ihnen angeführten Buches üderein.— H. G. S. Berlin. W i e tonn das voreheliche Kind meiner Frau meinen Namen erhalten? 1. Ein vor der Ehe geborenes Kind kann von seinen Eltern durch deren Heirath lcgitinnrt werden. Wenn der Vater bei der Verhcirathung seine Vaterschaft vor dein Standesbeamten ausdrücklich anerkennt, so ist auf Antrag bei dem Standesamt, das die Geburtsurkunde aufgenommen hat, diese Geburtsurkunde ohne weiteres dahin zu berichtigen, daß dasselbe durch nachfolgende Ehe legitimirt ist. Ist bei der Ehe- sch liefen ng diese Erklärung verabsäumt, so ist folgender Weg einzuschlagen: Der Vater begiebt flch mit seiner Heirathsurlunde und der Gebiirtsnrkimde des Kindes zun: Amtsgericht oder zu einem Notar. Dort anerkennt er seine Vaterschaft. Von diesem Änerkenntnife läfet er sich eine Ausfertigung ertheilen und die Heiraths- und Geburtsurkunde zurückgeben. Diese drei Urkunden reicht er dann(in Berlin bei dem Standesbeamten, in der Provinz bei dem Regierungspräsidenten) mit dem Antrag ein, das Geburtsregister dahin zu berichtigen, dafe durch seine nachfolgende Ehe sein Kind legitimirt ist. Statt zu gerichtlichem oder notarteNem Protokoll kann das Änerkenntnife auch vor dein Standesbeamten abgegeben werden, der den Geburtsfall eingetragen hat.- 2. Ist das Kind nicht von dem Ehe- mann, der eS legitimiren will, gezeugt, aber von feiner Ehefrau geboren, _-----' v™.— px- Zustimmung beider Eh W>> W» gegeben werden. 3. Ist das Kind nur anKindeSstatt angenommen, so erlangt es den Namen der Pflege-Eltem nur durch Adoption. Dieselbe mnfe gerichtlich erfolgen. Adoptiren können nur über 50 Jahre alte Leute. Witternngsiibersicht vom 4. Juli 18»8, morgen? 8 Uhr. Stationen SE Ii ae Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbade» München Wien 761 760 762 762 763 762 sß S SW S SO NW Wetter iö K c» äll I» « 4hlb.bed. Ihlb.ded Heiter 4 bedeckt 2wolkig 3>hlb. beb Stationen S" Haparanda Petersburg Cork Aberdeen PnriS 755 768 764 764 S OSO NW SW Wetter 7Z ö. b 2 wolkig heiter wolfig Regen 15 14 12 12 Wctter-Prognose für Montag, 5. Juli 1898. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, vorherrschend wolkig bei mäfeigm West- lichen Winden; etwas Regen nnd Gcwittemcigung. Berliner Wettervureau. Sozialdemokratischer Wahiverein für den 2. Berliner Reichstags-Wahikrels. Bersamntlung-WW am Dienstag, den 5. Jnli 1898, abends 8>/, Uhr, i» Btavel'» Brauerei-Ausschank, Bcrgmannstr. 5/7. T ageSordnung: 1. Die Entwtckeluna der Sozialdemokratie, in den letzten 30 Jahren. Referent: RcichStags-Abgeordiieter f. Kabeil. 2. DtSkusflon. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 238/1 Gäste haben Zutritt.__ Der Borftand. SojmldeiiiliKwMer Mahwertm jlk den 6. iftliittt Wchsiligs- Wahlllreis. Am Dienstag, den 5. Juli, abends 8'/« Uhr: Nersammlnngen in Vei-aaa'» Lokal, Schwedterstrafee 23. für 31 o a b 1 1 bei Fischer, Benssefilrafee Tages-Ordnung: 78. herige Mitglied G. Koopinann ausgeschlossen ist. keine Beitrage mehr angenommen werden. Vorstand. dafe das bis- Es dürfen von ihm 247/4 Arbeiter- Bildungsverein Wilmersdorf. Mittwoch, den ß. Juli er., abends 8'/« Uhr, im„Bolksgarten": HfilT' Versammlung."WD w TageS-Ordnung: Vortrag des Genossen A. H o s s m a n u über: „Glaube und Vernunst". DiSkusston. Verschiedenes. Mitglieder werden aufgenommen.— Gäste willkommen. Brandenburg er Sängerfest. Das BetriebSamt der Potsdamer Eisenbahn hat den Dheil- nchmcrn dcS SängcrfcstcS drei Extrar-tixe gestellt. Der erste Extrazug geht Sonnabend, den IC. Juli, abends 3/«9 Uhr, der zweite: Sonntag früh>/z8 Uhr, der dritte(Rückfahrt)-/.IL Uhr nachts von Brandenburg(auch gelten die Billetö für Montag, de« 18. Jnli). Fahrgeld für Hin-undRücksahrtS. Klasse L 91. 50 Pf.; dasselbe muft Tonntag, den 19. Juli, im Neben- saale der Brauerei Friedrichshain entrichtet werden. AM" Letzter Zahltag: Mittwoch, den 13. Juli. Alles Nähere im obigen Lokale."MlZ t6/14 Alle Anschreibe», das Fest betreffend, find z« richte» an: A. Hilbner, Wilhelmstrasse 134. Werksiails-Bekleidung«ST Adolf Wecker, Mollcenmarkt 3, Blusenfabrik für alla Gewerke. Verbaud der Tlinezirer und nenn. BerilsWOil. Am 2. d.M. starb unser lieber Kollege Karl Seitz. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. Juli, nachm. 5 Uhr, in Spandau von der Leichenhalle aus statt. Sainmelpnnft Arbeitsnachweis. Ab- fahrt 2,« Bahnhof Fricdrichstrafee. Um recht zahlreiche Betheiligung bitten 177/16 Die Ortsverwaltnugcn. Krnnisblnderei n. Rinnien- handinng von 5045S* Robert Meyer, lllo. S. Mnrlanncnstr. Wo. 8. 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Juli 18V8, abends 8Vs Uhr, im Lokale deS Herr« Keller, Koppenstrahe SS: WSf Grosse Versammlung-WS des Zentral-Verbandes deutscher Maurer. TageS-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Maurer Berlin? nnd Umgegend znr vollständigen Durchführung des ßß Pf.>St«ilde»lohnS? 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. - In dieser Bcrsammlung sind Beschlüsse von weitttagender Bedeutung zu machen. Wir machen es Mitgliedern des Verbandes dringend zur Pflicht, kräftig für guten Besuch dieser Bersammlung zu Bio liobnkominission der Banrer Berlins nnd Einlesend Zrntral-Verband dentscher Maurer. I. A.: Wilh. Fritzsch, deshalb allen agttiren. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 6. Juli, abends 8 Uhr: Vtrtme«smilu«tr-VklMml>l«gkli. Silftftn bei Krieger, Wafferthorstrafje«8. T.-O.: 1. Sind die Gewerkschaften vorhanden, um Streiks zu inszeniren? Referent: stliobaeiis. 2. DaS Borgehen der Berliner Tischlermeister. Jede Werkstatt mufe vertreten sein. .StiDnlitn» 6(1 Kantenberg, Oranienstr. 180. T.-O.: 1. Der Stteik bei Rllckwarth u. Riegel. 2. Verschiedenes. Sämmtlichc Kollegen, welche dort in Arbeit gewesen, find eingeladen. (Dfittt null HOtbOften: bei»ann, Strauftbergerstr. s, Wegen Erledigung wichtiger Ailgelegenheiten mufe jede Werfitatt ver- treten fein. Rosenthnler und Schiinhauser Vorstadt: Schwedterstraste 23 bei IVernan. T.-O.: Werkstattangclegcnhciien und Verschiedene?. Die Kollegen der Werlstatt von K urg as, Fehrbellincrstrafee 31(besonders Kollege Thiele) sind hierzu eingeladen. Wedding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herrn Baabe(Kolbcrgcr Salon), Kolbergerftr. ÄS. Woadis: lm 8,,,ale Thurmstrafte 84.' Westen n. Südwesten: bei znbon.«9.»-..?... iv«. Die Kollegen folgender Werkstätten sind eingeladen: E. W e n k e l N a ch f l., Besselstr. 14; S ch a r w i s, Teltowerstr. 23. Znr Beaebtnng! In verschiedenen Werkstätten sollen Arbeite» für die Firma BU.ek'wartli A Hiegcl angefertigt werden; da der Streik bei dieser Firma fortdanert. werden die Kollegen ersucht, sobald ihnen zur Kenntnife koinmt, dafe in ihrer Werfitatt Arbeiten für obige Firma angefertigt werden, dies im Arbeitsnachweis, Annenstr. 39, zu melde». I» der Werfitatt von Sommer, Ncichenbergcrstrastc. werden Arbeiten für Rückwarth u. Riegel angesertigt. Musikinstrnlttentett-Brattche im Lokal des Herrn Znbeli, Lindenstraste Nr. 106. TageS-Ordnnng: 1. Vranchenangelcgeuheiten. 2. Werfitattangelegenheiten u. Verschiedenes. ES ist nothwendig, dafe jede Werfitatt vertreten ist. Modell- und Fabrik-Tischler im.Borstädtischcn Kasino", Ackcrstr. 144. Die Kollegen werden ersucht, auS jeder Werkstatt einen Vertrauensmann zu entsenden. Drechsler. VertramMMr-BersWmlW sömmtlilher Bezirke im �Englischen Garten", Alexaiidcrstraste S7o. Tagesordnung: 1. Welche Vortheile haben unö die Bezirk?- BertrauenSmänner-Versammlungeii gebracht. 2. ErgänzungSwahl der Werk- statt-Konttollkommisstoii. 3. Berschicoenes.— Hierzu sind die Kollegen von G ö r s ch n e r, Reichenbergerstr. 57, S ch o y, Reichenbergerstr. 34, Ludwig, Markusstr. 5, besonders eingeladen. Krantn- u. Mittwoch Mliblben-BilhuNsvertin Wsrf u.iimgegtnh. __ ittwoch, den 6. Juli 1898, abends 9 Uhr:"tHB Mitglieder- Versammlung in Holbach'S Restaurant, Hermannstrafte 120. Tages-Ordnung: I. Borttag: Die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung. 2. Diskusston. 3. Abrechnung vom 2. Quartal. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch(Damen und Herren) bittet[317 Ber Vorstand.' B. Giinzel, Lothrin Lassalse, Marx:c. In Cigarrenspitz Pr»? Spezialität: Porträts "' sozialistischer Führer, seife», Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Lastaue, wiarx zc. m Eigarrenspitzen, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knapsen, Büsten, , Bildem u. dgl., sowie jede DrechSlerwaare u. Repar.(Man Verl. PreiSkurant.) 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Spezialitäten. An- fang 7 Uhr. Tsiend-Carl Weiß-Thttttt. Gr. Frankfurterstrafte 1ZS. Auf Sumatra Gr. Ansstattungsststck.- Auf. 8 Uhr. Borzugsvillets haben Giltigkeit. Oetsnd- Theater- Konzert- Garten. Benefiz für die Orchester- Mitglieder. Gr. Konzert, Spezialitäten-Vorstellung, Theater. Klow» Tuttl m. f. dreff. Ziegen, sprechend. Schwein u. Gänsen. Müller- Römer, Charakter- Komjkcr. Rranka Lvlou, Chansonnette. Geschw. Vanonl, Duettist. TbeGarreton. Panto- mime. Neues Prograutml An- fang 5 Uhr.?ass«-r>artouts haben Giltigkeit. Mittwoch: Gr. Kinder Freudenfest. Jcd.Kind erh. ein Gesch Apollo- Theater. Tollstündlg; n e n c s Program in. 8 l>ebilt8.-U Femer: Don Juan in der Bölle. Phantastische Ausstattungs-Burleske mit Gesang u. Tanz in zwei Bildern von Benno Jacobson, Musik von Wilh. Kosenzweig, in Szene gesetzt v. Direktor Glück. Vor der Vorstellung: Gposetes ftarten- Konzert. Kasseneröffhung OVjUhr, Konzert 7 Uhr, Anf. der Vorst. 8 Uhr. Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/9. Täglich:„Friede auf Erden«. Lebensbild mit Gef. u. Tanz in drei Abth. von Hug o Schulz. Masik v. A. K erste». llngenle Forme«, Stoftüm- fonbrette. Gebr. Milardo, Grotesque- Duett. Osranl Troupe, mustk. Excentr. The 3 Wartons, Parterre-Akrobaten. Mr. Barna mit f. dreff. Ratten Ballet. Pantomime. Konzert und Ball. Anf. 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., reserv. Platz 30 Pf._ Kall»«,. Yictoria- Brauerei liützow- Strasse 111,112 (nahe Potsdamer Platz). Garten resp. Saal. Mitglich: Stetikner Sänger (Nleysel, Pietro, Britto», Stetdl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder). Anfang präzise 8 Uhr. Entree SV Pf. Vorverkauf 40. Pf. Familien- BilletS k l Mark (siehe Plakate). Stets«veeliselntles Programm! W. Hoack's Thealer Jlriinnen-Strasse 10, Täglich im schönen Garten: Theater- iioll Spezialitäten- Vorstellung. Heimlich- Liederschwank von C. A. Paul. Musik von C o n r a d i. Junge oder Mädchen. Ausfiattungs-Burlesle mit Gesang und Tanz von Carlos Duchow. Musik von Mai. Im Saale:«rosser Ball. 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