Erscheint wöchentlich einmal in Zürich iSchweiz) verlaz N. H«rter, Znduftrtkhall« Ri-sbaS-Zurich VoSstllölllliiln sranco geg«n franco. BewShnliche Brief- nach der Schweiz losten Doppeiporio. Der IoMlötiiickral .entral-Hrgan der deutschen Soziatöemokratie Abonnements werden nur'beim Verlag und dessen belannien Agenien entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« VierteljahripreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Ml. 3.— für Deuilchland(Souv-rt) st. l. 70 für Oesterreich(lioupert) Fr. 2. so für alle übrigen Länder de! Weltpostvereins(Kreuzband). Z-serite Die dreigespaltene Petitzeile 25 StS.-- 20 Psg. R? 19. Sonntag, 8. Mai. 1881. Avis an die Sorrespolldeuteu und Aboullenteu des„Sozialdemokrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist. bezw. verfolgt wird, und du dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns and unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und darf keine Porfichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt �er Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersordernitz ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemolrat', resp. dessen Verlag selbst adrcsstren, sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtig« Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche flch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche ZuftellungSadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behufs größerer Sicherheit gielommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller-nt» gegenstehendcn Schwierigleiten den. Sozialdemotrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelteu nicht! Unser der Sieg— trotz alledem! Wenn irgend etwas die Macht der sozialistischen Idee zu beweisen geeignet ist, so ist es die früher schon von uns erwähnte Einstimmigkeit aller Parteien, mit Ausnahme der verranntesten Freihändler, in Anerkennung des sozialistischen Prinzips. In keinem anderen Land haben wir ähnliches erlebt. Das Merkwürdigste ist, daß die nationalliberale Partei— soweit noch von einer solchen die Rede sein kann—, welche doch ganz entschieden eine B o ur g eo i spartet ist, sogar die Bourgeois- Partei— sich mit dem Bismarckischen Staatssozialismus ein- verstanden erklärt Hai. Tie„Nationalliberale Korrespondenz" sucht ihre Partei durch das Beispiel der liberalm englischen Regierung zu decken, die mir der irischen L a n d b i l l sich ja auch aus das Gebiet des Staatssozialismus begeben habe. Allein das Beispiel ist durchaus nicht zutreffend. Die irische Landbill ist keine staatssozialistische Maßregel. Sie gehl nicht einmal soweit, wie die bürgerliche Revolution von 1789: die Grundeigenthumsverhältnisse bleiben vollkommen un- berührt, und der Staat macht von keinem Rechte Gebrauch, das er nicht schon hundertmal ausgeübt hätte. Um mit dem deutschen UnsallversicherungSgesetz verglichm werden zu können, müßte die irische Landbill— von den Landgesetzen selbst abgesehen— eine Garantie der Existenz der kleinen irischen Pächter enthalten, was bekanntlich nicht der Fall ist. Die staatssozialistische Bedeutung des preußischen Unfallver- sicherungSgesetzes besteht darin, daß es die Verpflichtung des Staates, die Existenz der Arbeiter zu gewährleisten, in sich birgt und damit in nucs das Prinzip der staatlichen Regelung und Organisation der Arbeit, oder mit anderen Worten die sozialistische Organisation der Gesellschaft. Daß die deutsche Bourgeoisie, wenigstens soweit sie durch die nationalliberale Partei vertreten ist, sich im Wesentlichen mit einem Gesetzesvorschlage einverstanden erklärt, der so diametral den Bourgeois-Jnteressen und Bourgeois-Anschauungen zuwider- läuft, das ist allerdings ein sehr bemerkenswerthcs Zeichen der Zeit und läßt sich nur auf die Erkenntniß der deutschen Bour- geoisie zurückführen, daß der Staat und die Gesellschaft das Bor- und Eindringen und den Sieg der sozialistischen Idee nicht mehr verhindern können. Und auch Fürst Bismarck würde flch sicherlich nicht zu einem so folgenreichen Schritte entschlossen haben, wenn die Rothwendiz- keit ihn nicht dazu triebe. Tie letzte Form der Klassenherrschaft— das zeigten wir in unserem letzten Artikel— ist die Diktatur. Die letzte Form der Diktatur ist der Staats- sozialismus. Und der Staatssozialismus bahnt den Weg zum revolutionären, zum demokratischen Sozialismus——. Der Diktaturstaat hat alle seine Hülfsquellen erschöpft; er hat sich in schneidenden Widerspruch gebracht mit den Interessen der Staatsbürger— er muß sich eine Prätorianergarde kaufen. .Puneui etCircenses! Brod und Spiele! lautete die Devise der altrömischcn Diktatoren und Cäsaren. Ins Bismarck'sche Deutsch übertragen, heißt das Staats« sozialism us. Die Sklaven, deren Fäuste und Arme man braucht, müssen gefüttert werden. Bei den materialistischen heidnischen Römern mußten sie auch amüsirt werden. Bei den idealen christlichen Deutschen ist das Vergnügen überflüssig. Der Sklave bekommt sein Futter, und zur Abwechslung, wenn er sich muckst, statt der Zirkusspiele die Peitsche. In der Linken das Unfallgesetz, in der Rechten das Sozia- listengefetz,— so Kitt der deutsche Reichskanzler vor die deutschen Arbeiter: Futter und Peitsche. Früher hieß es Zuckerbrod und Peitsche. Aber die neue Steuergesetzgebung zum Besten des„armen Mannes" hat den Zucker vertheuert. Der Zucker ist nur noch für die„Wohlthäter des armen Mannes". Die sozialistische Phase des Absolutismus und der Klassen- Diktatur ist deshalb die letzte Konsequenz des absoluten und ab- solutistischen Staatsgedankens. Ich bin der Staat. Der Staat ist Alles. Ich bin Alle«. Das ist pjx Formel. So lange der Staat sich nicht für gefährdet hielt, so lange kümmerte er sich um die ökonomische GesellschastSthätigkeit nur aus fiskalischen Gründen— um Geld daraus zu schlagen. Er ließ die Camphausen und die Delbrück ruhig wirthschaften. Jetzt ist eS anders. Die ökonomische GesellschastSthätigkeit muß dem Zweck des absoluten Staates untergeordnet, muß dem Staat zur Verfügung gestellt werden, damit der seine Existenz bedrohende Zwiespalt zwischen den Staats- und Volksinteressen aufgehoben werde. Um sich lebensfähig zu machen, macht der Staat sich zum Brodgeber. Mit derpolitischenKnechtschaft wird die ökonomische Sklaverei verbunden. Der Knecht des Staates wird zum Lohnsklaven des Staats, und empfängt, dem Hunde gleich, das Brod aus der Hand, die ihn züchtigt. Freilich, das steht nicht im Unfallversicherungsgesetz, aber es steckt darin. Es ist die äußerste Konsequenz des Staatssozialis- mus, zu der Fürst Bismarck sich ja auch in der Debatte über das Unfallverstcherungsgesetz bereits theoretisch bekannt hat. Die Durchführung des Staatssozialismus bis in die äußerste Konsequenz wird allerdings frommer Wunsch bleiben. Im Peru der alten Azteken, die das Eisen nicht kannten, war die Verwirklichung des absolutistischen Staatssozialismus möglich. Sie war möglich.in Paraguay, wo die mit dem Wissen Europa's ausgerüsteten Jesuiten Heerden von wilden, aber lenksamen Indianern vorfanden. In unseren modernen Kulturländern ist es nicht möglich, die gigantische Industrie mit ihren Giganten-Kräften in den Zwangs- stuhl des absolutistischen Staats einzuquetschen. Die Bretter des Zwangsstuhls werden zerknickt werden, wie Schilftohr. Wir sehen dem Versuch in heiterster Laune zu. Je tiefer der Keil des Sozialismus in den Baum des Polizei- und Militärstaates hineingetrieben wird, desto besser für uns. Je mehr Bismarck seinen Sozialismus dem Publikum auf- drängt, desto weniger Schwierigkeit haben wir, die gegen unseren Sozialismus noch bestehenden Vorurtheile zu überwinden. Bismarck arbeitet in doppelter Hinsicht für uns: praktisch und propagandistisch. Praktisch, indem er durch Einführung des sozialistischen Elements die Auflösung des Polizei- und Militärstaats beschlcu- nigt,„die Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft untergräbt" und den sozialistischen Staat vorbereitet, der nur demokratisch sein kann. Propagandistisch, indem er, unter Zuhülfenahme der zu absolutistischen Zwecken von ihm-ingerichteten Agitationsapparate, seine ganze Macht darauf verwendet, sozialistische Jveen und Schlagwörter in Kreise zu bringer, welche uns bisher unzugänglich waren— und die Furcht vor dem Sozialismus auszurotten, welche bisher das HaupthindernH für die Ausbreitung unserer Ideen war. Den Nachweis zu liefern, daß unser Sozialismus gemein- nütziger ist, als der des Herrn Jismarck, wird uns sehr leicht sein. Neun Zehntel der Einnände, die uns früher gemacht wurden, fallen jetzt weg. Dagegen können wir durch Nebeneinanderstellung unseres Programms Jedem ad oculos temonstriren, daß, wenn dann einmal Sozialismus sein muß, es dann auch im Interesse der ungeheuren Mehrzahl des Volkes liegt, sich für den demokratischen Sozialismus zu entscheiden, uni für die Holzäpfel des absolU' tistischen Sozialismus zu danken. Die Fortschrittspartei. Während Fürst Bismarck mi aller Energie zu der Wahl- kampagne rüstet und seine Presie und seine Polizei bereits ins Treffen geschickt hat, sind mit Ausnahme des Zentrums alle reaktionären Parteien noch in dm ersten Stadien der Vorberei- tung. Auch die Fortschrittspartei die vor Kurzem noch so laut krähte, ist ziemlich kleinlaut geworden, und sie hat alle Ursache dazu. Wo ist ihr Programm. Wie will sie vor die Wähler treten? Verweigerung der neuen Steurn? Sehr gut. Aber eine Negatim ist doch kein Programm. Es müßte dmn eine allgemeinestegation sein. Und zu dieser fehlt der Fortschrittspartei die Kmrage. Herr Richter, die einzige agitatorische Kraft, welche diese Gesellschaft von Heuchlern, Schvätzern und Invaliden unter sich zählt, zeichnete sich von jeher ducch jene Eigenschaft aus, welche Fallstaff als den besseren Thil des Muthes zu bezeichnen pflegte. Daß er im Anfang sener Karriere als Beamter ver- schiedentlichen Konflikten, die er sich durch sein loseS Mundwerk zugezogen, nicht gerade tapfer out dem Wege ging, sei nur neben- bei erwähnt. Jeder, der ihn im lieichstag und preußischen Land- tag zu beobachten Gelegenheit jatie, weiß, in welche nervöse Aufregung der sonst gar nicht nrvöse Herr Richter geräth, wenn ihm der Gegner auf den Leib rlckt. ES ist bekannt, daß er vor zwei Jahren, als ihn Bismarck den er durch einen scharf per- sönlichen Zwischenruf unterbrochen hatte, aufforderte, sich zu nennen und ihm Stirn an Stirn gegenüberzutreten, nicht so kouragirt war wie neulich der kleine Struve, sondernd abwechselnd b�aß und roth wurde, und den Mund hielt. Es ist speziell unfern Genossen bekannt, daß Herr Richter, der im Schimpfen auf die Sozialdemokratie ein wahrer Thersytes ist, durch keinen Appell an sein Ehrgefühl dazu zu bewegen war, einem der Unseren in offener Volksversammlung bei gleichem Winde und gleicher Sonne in ehrlichem Kampfe Rede zu stehen. Wir erwähnen dies, weil Herr Richter die Fortschritts- Partei ist, und weil sein Naturell die Taktik der Fortschritts- Partei wesentlich beeinflußt. Wie kühn donnerte er noch vor wenigen Wochen sein: Fort mit Bismarck! in die Welt hinaus. Seit Bismarck im Abgeordnetenhaus und im Reichstag ihn systematisch und aufü Beleidigendste provozirt hat, sich doch zu seinem: Nieder mit Bismarck! zu bekennen, ist Herr Richter ganz kleinlaut geworden, und von dem: Nieder mit Bismarck! hören wir nichts mehr. Aber die Herren Fortschrittler brauchen doch irgend ein greif- bares Programm. Zum mindestens müssen sie doch zu allen Fragen, die bei der nächsten Wahl zur Entscheidung kommen, Stellung nehmen. Und das ist gerade das Schlimme für sie! Das Unfallversicherungsgesetz nöthigt sie, auf sozialem Gebiet Farbe zu bekennen. Den Arbeiter auf die Selbsthülfe verweisen, das heißt einen abgetriebenen Klepper besteigen, der auf allen vier Beinen lahm ist. Es ist wirtlich erstaunlich, wie wenig Fortschritte diese Fort- schrittspartei gemacht hat. Wer die Tiraden liest, welche die Fortschrittspresse vor 18 Jahren gegen Lassalle ableierte, findet genau die Stichwörter und Scheinargumente, mit denen Herr Richter, das lebendige Preßbüreau der Partei, jetzt das Unfallver. sicherungsgesetz und den Bismarck'schen Staatssozialismus bekämpft. „Nichts gelernt und nichts vergessen." Die reinen Rip van Winkles, die Alles verschlafen habep, was seit fast zwei Jahr- zehnten von der wichtigsten Wissenschaft des 19. Jahrhunderts, von der Gesellschafts-Wissenschaft, geleistet worden ist. Was die Herren Fortschrittler durch ihr„Keine neuen Steuern!" gewinnen, das werden sie auf der anderen Seite durch ihre Manchesterei verlieren. Wir können uns nur darüber freuen, daß es Herrn Richter gelungen ist, die Fortschrittspartei mit dem Manchesterthnm voll- ständig zu identifiziren, dadurch hat er ihr von vornherein die Möglichkeit abgeschnitten, in die kleinbürgerlichen und bürgerlichen Kreise— von den Arbeitern gar nicht zu reden— einzudringen. Dank Herrn Richter, unzweifelhaft dem prononzirtesten und agitatorisch thätigsten Vertteter des Manchesterthums, ist die Fortschrittspartei zu einer ausschließlichen Bourgeois- Partei geworden. Das Won Bourgeois in seinem strengsten Klassensinn, gleichbedeutend mit Großbürger, Großkapitalist, genommen. Das ist ein Punkt, den die Genossen bei den bevorstehenden Wahlen überall zu betonen und zu verwerthen haben. Diese Partei, welche in erster Linie auf die Stimmen des Kleinbürger- thums und überhaupt der kleinen Leute spekulirt, verfolgt ein Programm, dessen Durchführung den Ruin der kleinen Leute bedeutet. Die Nichteinmischung des Staats in die Beziehungen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, und in die Beziehungen der Ardeiter unter sich,— die Ausschließung des Staats von der Industrie und vom Eisenbahnbetrieb,— das laissez faire, laissez aller auf dem Felde der Produktion— was ist es in Wirklichkeit? Die Ausbeutung des Staats und der Arbeiter durch die Bourgeoisie; die Vernichtung der Klein- Produktion— kurz die ökonomische Aufspeisung der Kleinen durch die Großen. Die Fortschrittspartei hoffte und hofft wohl auch noch, unter dem Schutze des Sozialistengesetzes bei den nächsten Wahlen einen guten Fischzug zu machen— wir werden sie an ihr Manchesterthum annageln! Aus der Rede unseres Genossen Bebel Uber den Arveiter- Anfall- Versichervngs- Gesetz- Entwurf. Gehalten in der Sitzung vom 4. April 1881. (Nach dem stenographischen Bericht.) ._,. t(Fortsetzung.) Da Hecht es immer wieder: die Unternehmer können solche Lasten nicht tragen, sie werden konturrenzuns-ihig. So oft wir in diesem Hause Gesetz- entwürfe oder Anträge in Bezug aus die soziale Lage de» Arbeiters zu beralhen hatten, die sich aus ArbeitsverkUrzung, Kinderarbeit, Anstellung jugendlicher Arbeiter, Ausnutzung der Frauen zur Fabrikarbeit u. s. w. bezogen, untr so oft von irgend welcher Seite Beschränkungen verlangt wurden, trat uns immer sofort der Zuruf entgegen: das heißt uns auf das Schwerste in unserer Konkurrenzfähigkeit schädigen, es ist darum un- möglich, solche Beschränkungen anzunehmen. Nun, wenn Sic die Ber- Handlungen Uber das Hastpflichtgesetz von 1871 lesen, so finden Sie, daß damals namentlich Herr von Unruh es war, der gegenüber den Bestim- münzen des Hastpflichtgesetzes bezüglich der Eisenbahnen sich nachzuweisen bemühte, daß, wenn dieses Gesetz durchgehe, es gar keinem Zweifel unter- liege, daß oas Kapital in sehr bedeutendem Grade sich von den Eisen- bahnunternehmungen zurückziehen würde, daß in kurzer Zeit die Eisen- bahnen 1'asten auferlegt bekämen, die sie in die Lage setzten, nicht mehr existenzfähig zu sein, und dergleichen Befürchtungen mehr. Kurz, Herr von Unruh malte damals die Folgen des§ 1 des Hast- Pflichtgesetzes in den schwärzesten Farben. Sie, meine Herren, sind noch weil besser in der Lage als ich, beurtheilen zu können, wie wenig jene Befürchtungen bis auf den heutigen Tag eingetreten sind. So dürfte es auch wohl mit den Befürchtungen in Bezug auf unsere Vorschläge hier gehen. Und eins halten Sie doch fest: gegenwärtig bereits— wir haben das vorhin erst wieder aus dem Munde des Herrn Bundeskommissars gehört— besteht eine große Zahl von Etablissements, die über den Wort- laut und die Bestimmungen des gegenwärtigen Hafwslichtgesetzes hinaus die Einrichtung getroffen haben, daß die Arbeiter für alle Unfälle versichert sind, für die Haftpflichtigen und Nichthaftpflichtigen. Das ist seitens der Unternehmer natürlich wesentlich in der Absicht geschehen, damit keine Prozesse entstehen und Streitigkeiten über den Unfall, wer haftpflichtig ist und nicht pflichtig, vermieden werden. Damit hat aber ein nicht unerheblicher Theil der deutschen Arbeitgeber bereits frei- willig Lasten übernommen, die er nach dem Gesetze gar nicht zu übernehmen hatte. Damit ist aber auch bewiesen, daß der andere Theil, der dies bis jetzt nicht gethan hat, wohl in der Lage sein dürfte, ähnliche Lasten zu übernehmen. Auch würde eine solche allgemeine aus alle Unternehmer ausgedehnte Verpflichtung nicht eine Verschlimmerung bedeuten, sondern eine Verbesserung. Ungünstig ist der gegenwärtige Zustand sür alle diejenigen Unternehmer, welche im Gegensatz zu ihren Konkurrenten, sei es aus Humanitäls- oder sonstigen Gründen sich veranlaßt sehen, ihre Arbeiter sür alle Fälle zu versichern, denn sie haben dabei eine be- deutende Mehrausgabe übernommen gegenüber denen, die nur sür den Haftpflichtfall versicherten. Sie ertragen es und können es ertragen, sonst würden sie es nicht thun. Indem aber die Verpflichtung weiter ausgedehnt wird, und alle Unter- nehmer verpflichtet werden sollen, für alle Unfälle zu versichern, tritt eine volle Gleichheit der Lasten der Unternehmer ein. Da alsdann die Unternehmer sämmtlich mit einer bestimmten, alljährlich wiederkehrenden Ausgabe zu rechnen haben, die einen Theil ihrer Geschäftsspesen aus- macht, so werden die Unternehmer das thun, was sie immer thun, wenn ihnen direkte ober indirekte Lasten auf ihren Produktionszweig gelegt werden, die sie bei den bisherigen Preisen ihrer Waaren nicht mehr glauben decken zu können, sie werden einfach diese Spesen auf den Preis ihrer Produkte abzuwälzen suchen und auch abwälzen können, da aus das einzelne Stück libertragen, die Last, die ihnen hier auf Grund unseres Vorschlags zugemuthet wird, eine so außerordentlich minimale ist, daß sie thatsächlich kaum in Betracht kommt. Aber man wird sagen, gut, das mag innerhalb des deutschen Reichs- gebieres möglich sein, das wird aber nicht möglich sein auf dem Welt« markt, wo oft mit sehr minimalem Gewinn der Arbeitgeber sich begnügen muß. Ja, meine Herren, auch dafür habe» wir ein Mittel, daß dieses verhütet werden kann. Der Herr Reichskanzler hat im Laufe der Jahre gerade durch seine auswärtige Thätigkeit sich seinen Hauptruhm erworben. Er hat drei große Kriege glücklich geführt, es sind zwar viele Menschen in diesen Kriegen hingeopfert worden, Ströme Blutes sind vergossen worden, viel mensch- liches Elend ist aus ihnen hervorgegangen. Meine Herren, ich meine aber, sein Ruhm würde viel dauernder und größer sein als durch diese glücklich gewonnenen Kriege, wenn er jetzt auf einem Gebiet seinen großen Ein- fluß, den er auf alle Mächte ausübt, anwenden würde, um friedliche Einrichtungen, Einrichtungen zum Besten und zum Wohle der Unier- drückten nnd Enterbten, wie er sich so treflend ausdrückte, in allen Kulturländern herbeizuführen. (Zustimmung links.) Es würde dies ein weit größerer Ruhm und viel em- pfehlenswerther für ihn und Sie sein, als wenn die Vor- läge, die Sie nach diesem Unsallversicherungsgesetz heute noch berathen werden, Ihre Zustimmung findet. (Sehr richtig! links.) Also, meine Herren, der Herr Reichskanzler soll sich an die Spitze einer Initiative, wie ich sie andeutete, stellen, er soll die Regierungen der verschiedenen Länder, die vorzugsweise hier in Betracht kommen, wie die Schweiz, Frankreich, Belgien, England, Nordamerika, die also besonders unsere Konkurrenzländer sind, auffordern zu einer interna- tionalen Konferenz, in welcher völlig gleichmäßige nnd gemeinsame Feststellungen in Bezug auf- den Schutz der Arbeiter in Industrie, Handel nnd Gewerb« stlpulirt werden. Dann tritt eine vollständige Gleichheit der Konkurrenzbedingungen nach dieser Richtung ein, dann haben Sie die inter- nationale Konkurrenz auf diesem Gebiet nicht mehr zu fürchten und, meine Herren, Sie werden, und das dürfte von Ihnen doch auch wohl sehr zu beachten sein, weit wirksamer den internationalen Sozialismus und den internationalen Nihilismus mit. solchen Maßregeln bekämpfen, als mit solchen, wie ihnen heute noch von den Herren Abgeordneten Windthorst und Genossen zur Berathung vorgelegt werden. (Sehr richtig! links.) > Das wäre ein Stück Arbeit, des Schweißes des Edlen werth, an dem der Herr Reichskanzler sich versuchen könnte, mit dessen Vollendung er seineu Ruhm in erheblichem Grade vermehrte und dauernder machte als durch vieles andere. Und ein solcher Schritt würde unzweifelhaft von Erfolg sein; denn wenn eine Regierung es wagen wollte, einer derartigen Aufforderung des Reichskanzlers gegenüber sich ablehnend zu verhalten, so würde ein allgemeiner Sturm der Entrüstung durch die gesammte Arbeiterwelt des betreflenden Landes gehen, einmüthig würden sie für die Bestrebungen des deutschen Reichskanzlers eintreten und ihre eigene Regierung zwingen, Abgesandte zu jener internationalen Konferenz zu schicken, aus der so vortheilhafte, so menschliche Vorschläge zum Heil der Gesammtheit berathen werden sollen. Und nicht nebensächlich wäre noch der Punkt dabei, derartige Bestrebungen des Herrn Reichskauzlers würden ungemein wenig kosten, ungemein billig sein und doch ihre moralischen und materiellen Vortheile in das Riesenmäßige sich steigern. A b e r vielleicht ist gerade die Billigkeit und das lliahelie- gende der ganzen Sache der Grund, daß in an nicht darauf eingehl. (Bewegung.) Man hat dann weiter die Pflicht der Arbeiter, zu den Unfallversiche- rungen beizutragen, und auch die Höhe der Unterstützung damit zu be- gründen versucht, indem man auf die bezüglichen Bestimmungen unserer Gesetzgebung in Betreff der Staatsbeamten und der Militärpersonen glaubte hinweisen zu können. Dieser Vergleich stimmt ganz und gar nicht, und da voraussichtlich ja von uns, wie ich nach der Stellung, die das Haus uns gegenüber einnimmt, auch als selbst- verständlich ansehe, kein Mitglied in der fraglichen Kommission wird Platz finden können, so halle ich mich für verpflichtet, diesem schein- bar begründeten Einwand hier mit einigen Worten zu begegnen. Meine Herren, der fragliche Einwand trifft nicht zu. Der Staats- beamte befindet sich gegenüber dem Arbeiter in einer ganz anderen Lage; es handelt sich bei den Staatsbeamten um die einfache Invalidität, die eintritt durch die Länge de, Dienstzeit und den allmäligen Verbrauch seiner Kraft, nicht um Unfälle. Es kommt hier hinzu, daß der Staats- beamte in der Regel die bestimmte Aussicht hat, einmal mit der Dauer der Dienstzeit ein höheres Gehalt zu bekommen, dann, daß er bis zu einem gewiffen Grade nach der Anciennität befördert wird, infolge dessen eine weitere Gehaltserhöhung eintritt, wonach sich auch die Invaliden- Pension schlieWch bemißt. Der Arbeiter befindet sich in weit schlimmerer Lage. Ihm wird mit der Dauer der Jahre seiner Arbeit, die er im Dienst seines Arbeitgebers steht, nicht ein höherer Lohn bewilligt, sondern er wird, da die Entschädigung sür seine Arbeit meist gering ist und andererseits die Nahrung«- und Lebensbedingungen, unter denen er lebt, sehr erschwert sind, seiner besten Kraft frühzeitig beraubt; er tritt bereits in das Greisenalter ein, wo die meisten Angehörigen der besser situirten Klasse sich im Hochgenuß und Vollgefühl ihrer Kraft und Frische be finden. Mit 40 Jahren ist ein großer Theil der Arbeiter bereits bebe» tend leistungsunfähig geworden, diese Thatsache hat sich in einer sehr drastischen und nichts weniger dl« ckriftlichen Weife in der Ver- ordnung ausgeprägt, welche die k a i s e r l i ch e Werftverwaltung vor einigen Jahren erlassen hat, wonach kein Arbeiter über 4t) Jahre in ihren Dienst eingestellt werden darf. (Hört! links.) Man wirft also die Arbeiter über 4t) Jahre einfach auf den Kehrichthaufen der Gesellschaft und sagt ihnen: ihr habt kein Recht mehr, eure Kräfte auszunutzen, seht, wie ihr existiren könnt, und wenn ihr nicht existiren könnt, so fallt der Kommune als Armen- last zu. (Fortsetzung solgt.) Sozialpotitische Rundschau. — Die Rede Bebels zum Arbeite r-Unfalhversicherungs- g e s e tz ist vom Telegraph in einer Weise mitgetheilt worden, die bei unseren auswärtigen Genossen nothwendigerweise einiges Beftemden her- vorrufen mußte. Wir gestehen ofien, daß auch wir seiner Zeit beim Lesen des Telegramms stutzten, denn es mußte den Anschein hervorrufen, als sei Bebel Plötzlich zu Bismarck übergelaufen. Aehnlich, wie uns ist es der„New-Uorker Volkszeitung" ergangen, und die Betrachtungen, welche unser wackeres Brudcror�in an die telegraphische Mittheilung knüpft, veranlaßt uns, auf die Motive, welche die Rede Bebels bestimmten und die wir durchweg theilen, kurz zurückzukommen. Vorausgeschickt sei, daß das in Nr. 13 des„Sozialdemokrat" mit- getheilte angeblich von hervorragenden Sozialisten unterzeichnete Flug- blatt Hauptveranlassung de« Mißverständnisses ist. Uns schien das Ding gleich verdächtig, was wir auch durch die Form der Mittheilung andeu- teten, und in der That rührt es nicht von„hervorragenden Sozialisten", sondern von hervorragenden Mitgliedern der Hirsch- Dunker'schen Gewerkvereine her, denen allerdings jedes Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz zuwider ist, da ihnen durch ein solches, je wirksamer und besser es ist, eine um so gefährlichere Konkurrenz ge- macht wird. Umgekehrt steht es mit der Sozialdemokratie, welche die Interessen der Arbeiterschaft durchaus uneigennützig vertritt, die durch keinerlei Reformen entwaffnet werden kann— und infolgedessen in der Lage ist, alle Vorschläge, die von herrschender Seite ausgehen, durchaus unbefangen zu prüfen. Gerade das ist eben ihre Stärke, macht sie den Gegnern so ungemein gefährlich. Nun ist es doch selbstverständlich, daß wenn die Regierung einen Entwurs einbringt, der darauf hinauslaufen soll, bestehende Mißstände zu beseitigen, es die Pflicht der sozialdemokratischen Vertreter ist, nicht nur abfällig zu kritifiren, sondern auch nachzuweisen, was an den Bor- schlägen gut, was schlecht ist, und wenn dieselben wirklich den Arbei- lern Vortheil bringen, dafür zu stimmen. Das Gegenlheil wäre Un- sinn, ein Zeichen unendlicher Schwäche, würde da« Geschwätz unserer Gegner, daß wir nur im Trüben zu fischen vermöchten, bestätigen. Wie anders stehen wir nach der� Rede Bebels da! Es geht ein Zug stolzen Siegesbewußtseins durch dieselbe, das der Ueberlegenheit unserer Sache klassischen Ausdruck giebt. Wenn Ihr wähnt, un» durch Reformen entwaffnen zu können, dann nur her damit, rief er den Bismarck und Konsorten fröhlich zu, wir wollen Euch noch helfen dabei. Und indem er anstatt auf den manchesterlich-gewerkschaftlichen Leim zu gehen, sich auf den Theil der Motive stützte, der unserm Arsenal entnommen ist, konnte er um so wirksamer den Bismarck'schen Entwurs kritifiren, konnte er zeigen, daß er nur scheinbar ein sozialistischer ist, daß er vielmehr eine Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Zustand der Dinge zur Folge hat. konnte er in Wahrheit wie die„New.?)orker Volksztg." richtig ver- muthet, eine Bombe gegen Bismarck schleudern, die dessen Heuchelei gründlich bloslegte. Alle Argumente, welche von liberaler Seite gegen die Arbeiter- Versicherung, wie sie von Bebel skizzirl wurde, vorgebracht worden, sind hinfällig, sie haben eben nur gegcr den Bismarck'schen Entwurf einen einen Sinn. Sollten wir nun deshalb aber vom manchesterlichen Stand- punkt gegen den Entwurs losziehen, den Nachtrab des Herrn Max Hirsch nnd der Gönner der Privatversicherrngsanstalten bildend? Mit Nichten. Von links aus, vom sozialistischen Gesichtspunkt aus, mußte das Ding beleuchtet werden, und erst der Umstand, daß es da in keiner Beziehung die Probe besteht, zeigt die ganzeMrbäcmlichkeit der Bismarck'schen„sozialen Reform". � Soeben erhalten wir noch den„Vorboten" und freut es uns, daß auch unser hsthicagoer Bruderorga» die Stellung Bebel« selbst nach dem Tele- gramm richtig auffaßt. — Fortschrittliche Blätter brüsten sich damit, daß die R e- solutionen gegen dasUnscllversicherungsgesetz viel fach von Sozialdemokraten unterzeich, et worden seien, im„Gegensatz zu Bebel". Die guten Leutchen vergessen dabei, daß die Proteste lediglich dem Bismarck'schen Entwurf galten, von dem sowohl Bebel als auch der „Sozialdemokrat" nachgewiesen haben, daß er eine Verschlechterung des gegenwärtigen Zustandes der Dinge bekundet, daß ihm eine Erwei- terung des Haftpflichtgesetze« vorzuzrhen wäre. Daß aber eine obliga torische allgemeine Arbeiterunfallvcssicherung mit voller Beitragspflicht der Unternehmer und voller Entschädigung der Beninglückteu das ratio- nellste ist, das leugnet nicht nur kein Sozialdemokrat, sondern überhaupt kein Arbeiter, soweit er nicht HirschDunckerscher Generalrath, Verbands- rath oder irgend ein anderer Ratb cder Unrath ist. — Während Bismarck im deuckchen Reichstag sich brüstet mit seiner ch r i st l i ch- s o zi a l e n W i r I h s ck a f t s p o l i t i k, die sich bei Lichte besehen als der schamloseste Humbug herausstellt, der je gettieben worden ist, ist im schweizerischen Nationalrah ein Anttag für erheblich erklärt worden, der wirklich auf sozialem Gebiete von großer Tragweite ist, ja die Anerkennung eines durchaus mzdernen Gedankens bedeutet,— wir meinen den Anttag des radikalen Okrst Frei aus Basel aus Einleitung von Schritten zur Einführung einer internationalen Fabrik gesetzgebung. Unsere Leser finden in dem heute zum Abdruck kommenden Theil der Bebel'schen Rede über das Unfa llvcrsiyerungsgesetz bereit? einen schlagenden Beweis sür die Nothweudigkeit internationaler Arbeiterschutzgesetze. Selbstverständlich ist die Stelle, wo Bebel solche Gesetze als einen wirk- samen Schutz gegen den inlernationaen Sozialismus hinstellt, enrngrano sali» aufzufassen, als ein Hieb gqeu die internationale„Anttdhna- mitenliga". Thatsächlich würde eiie ernsthaste internationale Fabrik- gesetzgebung vielmehr dem internatioialen Sozialismus die Wege ebnen, nur würden diese Wege organische, nehr oder minder friedliche sein. Deshalb geben wir uns aber aich bezüglich des Schicksals diese« Anttags Frei keinen Illusionen hin. Nach den Proben, welche die Herr- schenden Klassen in England, Frackreich, Deutschland, Oesterreich Zc. bisher in Bezug auf ihren guten Allen in punkto Abschaffung sozialer Uebelstände an den Tag gelegt, ist»cht zu erwarten, daß sie aus die Einladung der Schweiz mit Frendei eingehen werden, und wenn sie es dennoch thun, so werden sie ihr Möglichstes aufwenden, die Konserenz aus die lange Bank zu schieben, ihr bi jeder Gelegenheit Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Wir kennen da. Gerade das aber muß eben anderefeit« die Arbeiter aller Länder ver- anlassen, wie ein Man» für die Zache einzutreten. Jetzt gilt es ein- mal zu zeigen, ob die Arbeiterschaft einer energischen Auftaffung ihrer Kräfte fähig ist, ob sie noch im Stande ist, emen imposanten Druck auszuüben auf die herrschenden Klassen, denn hier ist ein Ansatzpunkt geboten,| von dem au« die fruchtbarste Propaganda entfaltet werden kann, I es handelt sich um eine Angelegenheit, für welche alle Arbeiterparteien,! gleichviel welcher Schattirung, einzutteten verpflichtet find und! unbeschadet ihrer sonstigen Anschauungen auch eintteten können. Es gilt, die Arbeiterschaft vor gänzlicher Versumpfung; zu b ewahren! �Fortschrittliches. Die Kritik der Fortschrittspartei in unserm! heutigen Leitarttkel ist eher zu milde als zu scharf. Man muß sich zur Beurtheilung dieser edlen Partei nur nicht an Einzelne ihrer Preßorgane, sondern an ihre offiziellen Vertteter und deren Thaten halten. Als es sich j jüngst im deutschen Reichstag um die so billige Forderung handelte, daß diejenigen elsaß-lothringischen Abgeordneten, welche der deutschen Sprache\ nicht mächtig find, das Recht haben sollen, im elsaß-lothringi-t schen Landesausschuß sich der französischen Sprache zu bedienen,- da stimmten diese wackeren Demokraten Mann für Mann dagegen.! Das sind dieselben Herren, die über die ungarische Deutschenhetze Zeter I und Mordjo schreien! Mit derselben Deutschthümelei stimnien sie in den I polnischen Distrikten sür die verhaßtesten deutschen Reaktionäre gegen den I fteisinnigsten polnischen Kandidaten. Einer ihrer radikalsten Redner, Herr I von Sauken-Tarputschen, rühmte vor wenigen Tagen unter„rauschendem Beisall" seiner Parteigenossen seine Königstteue mit folgenden Worten: I „Ein heuchlerischer und schmeichlerischer Diener ist kein rreucr Diener". I (Bergl. Verl. Bolkszeitung" vom 1. Mai). Aber Diener sind sie alle. Ebensowenig darf man sich über den„Freisinn" dieser Herren durch, ihren Kamps mit Bismarck täuschen lassen. Dieser Kampf ist für sie; Lebensbedingung. Bismarck'« Popularität ist gewaltig im Schwinden begriffen, und da« machten sich die Herren zu Nutze, wobei sie der alte Esel durch seine plumpen Angriffe noch kräftig unterstützt. — Volksparteilich e Feigheit. Die Organe der„bürger- lichen Demokratie" jammern über die aufgelöste Eßlinger Versammlung, daß es schier einen Hund erbarmen möchte. Bezeichnend für didse Gesell- schast ist dabei, daß sich ihr Zorn nicht gegen die Polizei, sondern gegen die„unvermuthete, und, gestehen wir es nur, unwillkommene Anwesenheit Bebels" richtet. So sagt wörtlich die von Frankfurt aus redi- girte„Demok. Korresp.", und wir glauben es ihr gern. Diese» Kastraten, deren ganze politische Weisheit darin besteht, sich als die„wahrhaft konservative Partei" aufzuspielen, mußte es allerdings höchst unwillkommen sein, daß ihnen ein Mann wie Bebel Aug' in Auge gegenllberttat, dessen kräftige Stimme zu ihren rührenden Melodien durchaus nicht paßte. Wir genießen feit einiger Zeil das unschätzbare Vergnügen, den„Stuttgarter Beobachter" zu lesen, und da sehen wir uns denn in der That genöthigt, unfern Stuttgarter Genossen reuig abzu- bitten, was wir einst über ih re Haltung gegenüber diesen„BolkS"parteilern geschrieben. Eine so jämmerliche Sprache, wie sie da geführt wird, muß auf die Dauer jeden unabhängig denkenden Mann empören. Wenn diese Gesellschaft trotzdem wieder an Anhang gewinnt, so hat sie es wahrhaftig nicht ihrer Energie zuzuschreiben. Der angeblich„kon- servative Hauch", von dem vielfach gefaselt wird, war eben nur die noth- wendige Fofge der liberalen und„demokrattschen" Heulmeiercien. Heute kommt da» Volk wieder zum Bewußtsein, und es würde weit schärfer seiner Mißstimmung Ausdruck geben, wenn die Sozialdemokratie nicht mundtodt gemacht wäre, und die„Staatsmänner" der Volks- und Fort- schrittspartei nicht mit Gewalt bremsten. — Ein würdiges Seitenstück zu den französischen Polizei- hallunlen A n d r i e u x ist der ehemalige Adjutant und Rathgeber Madai'«, von Schlieckmann, derselbe Schuft, der die berüchtigten Aus- weisungsdettete mit einer so virtuosen Brutalität an den Mann ZU bringen wußte, soviel Elend über Arbeiterfamilien herahzubeschwören verstand, daß er in kurzer Zeit in Anerkennung seiner besonderen Ver- dienste zum Regierungspräsidenten des Kreises Gumbinuen befördert wurde. In dieser Eigenschaft verbot der unverschämte Polizeipascha zwei Nummern der fortschrittlichen Jnsterburger Zeitung, blas weil diese in ihrem Reichstagsbericht auch die Reden von Bebel und Auer wiedergegeben hatte. Bei der Wahl dieses simbera Patrou« in den deutschen Reichstag waren s.'Z. derartige Schweinereien vorgekommen, daß selbst die Wahlprüfungskom- Mission des in seiner Mehrheit konservativen Reichstag«— freilich erst nach fast drei Jahren— beschloß, die Ungilli gleit der Wahl zu bean- tragen. Zwei seiner Kollegen, die das gleiche Loos ttaf, besaßen wenig- stens soviel Anstandsgefühl, ihr Mandat daraufhin sofort niederzulegen, der biedere Schlieckmann aber bleibt, schamlos wie Andrieux, ruhig im Reichstag sitzen, eine Zierde der ehrenhasten Partei der„Ritter ohne Furcht und Tadel". — Gründlichabgeblitzt. Wäre er nicht ein gar so abgebrühter Komödiant, so könnte er un« eigentlich leid thun, der„geniale" Bauernfänger von Friedrichsruh. Eine so scheußliche Blamage, wie er sich in der berühmten Miethssteuerdebatte geHoll, ist wirklich„noch nicht dagewesen". Da hat sich die vielgepriesene Genialität dieses„größten Staatsmannes des Jahrhunderts" in ihrer ganzen Plumpheil dokumenlirt, er glaubte- durch eine ganz besondere Unverschämtheit imponiren zu können und wurde ausgelacht. Nicht? Abgeschmackteres gibt es, als eine Drohung, an die kein Mensch glaubt. Weil er und sein Tiedemaun zu viel Miethssteuer zahlen, und weil ihm zu viel Berliner im Reichstag sitzen, soll diese illustte Körperschaft, sowie die ganze Reichsregierung von Berlin �verlegt werden— nach Kassel. Und, siehe da, die bösen Berliner, sie sind gar nicht außer sich vor Enttüstung und Entsetzen, sondern sie lachen ob der angedrohten Maß- regelung. Nach Cassel zieht es ihn, auf die Wilhelmshöhe. Uns kann's recht sei». Aus Wilhelmshöhe spielte ja auch sein Vorbild, der schuftige Gaukler Bonaparte seine schmachvolle Rolle zu Ende. Also nur los! Er wird sich aber wohl besinnen. — Aus Dresden wird uns geschrieben: Parteigenosse A. Jonas aus Newyork, während der letzten drei Jahre Cheftedakteur der„New- Yorker Bolkszeitung", machte Ende letzten Jahres eine Reise über den Ozean, um nach langer Abwesenheit seine Verwandten wiederzusehen und seine Gesundheit im südlichen Europa wiederherzustellen. Er langte gegen Weihnachten in Berlin an, wo er im Hotel abstieg, seinen Namen ins Hotelbuch eintrug und— den Belagerungszustands- Vorschriften ent- sprechend— seinen Paß ablieferte, der ihm nach polizeilicher Inspektion wieder zugestellt wurde. Während der Weihnachtswoche blieb Jona« uu- behelligt in Berlin, ging dann auf ein paar Tage nach Leipzig und vou dort direkt nach Italien, wo er während des ganzen Winters verblieb. Als er Mitte April über Wien zurückkehrte und am Böhmischen Bahnhof in Dresden abstieg, um einen in der Nähe Dresdens wohnenden nahen Verwandten zu besuchen, wurde er von zwei Polizeibeamten in Zivil verhaftet und— nach vorläufiger Durchsuchung auf dem Bahnhof selbst— nach dem Polizeihaupiquartter gebracht, wo seine Gepäckstücke einer gründlichen Durchsuchung unterworfen wurden. S ä m m t l i ch e Papiere, die er mit sich führte: Privat- und Geschäfts- briese, Rechnungen, Visitenkarten, Zeitungen u.s. w. wurden von dem die Untersuchung leckenden Polizeitommissär Paul zurückbehalten und dem Verhafteten nach mehrstündiger VerHand- lung bedeutet, daß er zwar das Polizeihauptquarfter, aber bis aus Weiteres keineswegs Dresden, resp. Tharandt verlassen dürfe. Auf die Protestationen de« Verhafteten, der seck langer Zeit amerikanischer Slaatsbürger ist und selbstverständlich steine Legitimation mit stch führte, wurde erwidert, daß dringender Verdacht vorliege: er(Jonas) reise im Interesse der sozialdemokratischen Partei und deren Organisation. Mit einem„deutschen Unterthan" hätte man wahrscheinlicher Weise noch weniger Umstände gemacht als mit einem amerikanischen Bürger. Nach nenn Tagen Verzögerung und nachdem die Polizei in Berlin, Leipzig und Wien angefragt und jedes Stück Papier, das fie Jonas abgenommen, genau sezirt hatte, ohne daß irgend ein Anhaltspunkt für die polizeiliche Bermnthung sich ergeben hätte, gab sie dem in einem gewissen Landes- distrikt„Jnternirten" sämmtliche Papiere wieder zurück und zugleich die Erlaubniß, zu gehen, wohin es ihm beliebe. Genosse Jonas, der in diesem Augenblick die Rückreise nach Newyork wieder angetreten, hat sich sofort mit einer Beschwerde, in welcher er den Willkürakt der Dresdener Polizei genau schildert, an den amerikanischen Gesandten in Berlin, Hrn. Andrew G. White, gewendet und von demselben verlangt, daß er ihm für die erlittene Unbill Genugthnung verschaffe. Mit Ausnahme des offiziellen„Dresdener Anzeiger" brachte keine Zeitung eine Notiz über den Vorfall. Der„Anzeiger" meldete lakonisch und ohne Angabe von Namen, daß ein„aus Wien signalifirter Sozialdemokrat" in„Gewahr- sam" gebracht worden sei. Man dars aus die weitere Entwickelung dieser Angelegenheit gespannt sein. — Die in voriger'Nummer bereits erwähnten weiteren V e r s a m in- langen unserer zeitweise in der Schweiz weilenden Reichstagsabgeordneten haben die an sie gestellten Erwartun- gen nicht Lügen gestraft. Ueberall war der Besuch ein guter, an den meisten Orten waren die Säle buchstäblich überfüllt und überall ernteten unsere Genossen stürmischen Beifall. In Genf traten Auer einige sogenannte Sozialrevolutionäre ent- gegen, wurden aber unter dem Jubel der überwiegenden Mehrheit der Versammlung glänzend abgefertigt. Dw anarchistische„Revoltö" schreibt hierüber: „Als die Polrmik des„Sozialdemokrat" gegen die„Freiheit" zur Sprache kam, begab sich der Bürger Auer aus ein Gebiet persönlicher Angrisse und Verdächtigungen, auf welches wir ihm sicher nicht folgen werden, diese Art der Polemik widerstrebt uns." Wirklich? Widerstrebt Euch? Wie seinsühlig Ihr seid! Also auf die elende tOOOMark-Lüge sollte Auer wohl mit Komplimenten antworten? Sonderbare Schwärmer, diese Herren! Da wird ins Blaue hinein ge- logen, verläumdet, beschimpft und verhöhnt, und wenn dann die Angegriffenen sich ihrer Haut wehren und mit kräftiger Faust dreinschlagen, lriegt diese ganze Gesellschaft plötzlich den Anstandskoller und entwickelt ein Zartgefühl, um das sie ein indischer Säulenheiliger beneiden könnte. Zum Tonnerwetter! Man soll sich in dieser Zeit der allgemeinen Charakter- lofigkeit auch noch das einzige gesunde Organ, die Galle, abgewöhnen. Fällt uns nicht ein! »Die Polemik des„Sozialdemokrat" gegen die„Freiheit"!" Sollte man nicht meinen, die„Freiheit" sei das arme Opferlamm, ein„Kind, kein Engel ist so rein"? Diese salbungsvoll-'vorgebrachte Verdrehung würde sogar Herrn Stöcker alle Ehre machen. — Immer hübsch konsequent!„Dieses Dokument", nämlich die Proklamation des Exekutivkomite's an den Zaren,„ist ein Beispiel des Taktes und der Politik, welche diese junge Partei der That bereits er- worden, sowie dieser bescheidenen Aufrichtigkeit, welche der einstige Nihilist bewahrte. Wozu viel fordern, wenn mansichcr ist, daß der Zar absolut nichts bewilligen wird?" Das steht weder in einem m i n i mummi st i s ch e n, noch in einem evolutionistischen Blatte, sondern das steht schwarz auf weiß in der neuesten Nummer des a n a r ch i st i s ch- r e v o l u t i o n ä r e n„Revolte'.'. — Es gährt und brodelt in diesem Rußland, daß es eine wahre Freude ist. Alle Nachrichten, die aus dem Reiche des Nordens zu uns gelangen, stimmen darin überein, und jeder Tag bringt neue Beweise, daß sich Rußland nicht am Borabende, nein, inmitten einer Revolution befindet, die immer größeren Umfang gewinnt. Dieselbe Unsicherheit, welche die herrschenden Kreise noch bei jeder Revo- lution an den Tag gelegt, das Schwanken zwischen den Ertremen äußerster Nachgiebigkeit und schärfster Repressalien, die vollständige Kopflosigkeit, die verunglückten Versuche, unbedingte Zuversicht zu heucheln, während man durch die That die jämmerlichste Angst bekundet, das Parat- machen zum eventuellen Ausreißen— Keines von allen diesen Symp- tomen fehlt. Und auf der anderen Seite gibt die Bevölkerung immer rücksichtsloser ihrer Unzufriedenheit Ausdruck, die Angst vor der Regie- rung verschwindet,— kurz der Petersburger Korrespondent des konser- valiven Londoner„Standard" kennzeichnet die Situation am besten, wenn er seinen Stimmungsbericht mit den Worten schließt: Rußland ist ohne Regierung. Dieser Bericht aus der Feder eines Mannes, der Jahre hindurch Berliner Korrespondent der„Times" war, ist zu bezeichnend, als daß wir ihm nicht einige Stellen entnehmen sollten. Es heißt da u. A.: „Niemals zuvor wurde die Nothwendigkeit einer festen Hand am Steuer- rüder so tief und allgemein empfunden. Es bedurfte nichts Geringeren als des Drama vom 13. März, um es Allen vor Augen zu führen, daß die„Reform", welche die Revolutionäre hxr Regierung durch blutige Handlungen abzuringen bestreb: sind, nicht länger aufgeschoben werden kann und darf....„Das gegenwärtige Regierungssystem" hat in jeder Phase— der grausamer Tyrannei und der halbherziger Zugeständnisse —„seine vollständige Unfähigkeit bewiesen, den berechtigten Wünschen des Volkes zu entsprechen, oder auch nur da» Leben des Monarchen zu schützen."„Wäre Rußland noch eine Nation von Knechten, so könnte dieses Schaukelsqstem seine Existenz verlängern. Aber sein Schicksal wurde entschieden, sein Urtheil wurde gefällt durch den Akt von 1861. Jedermann ist mit dem gegenwärtigen Stand der Dinge unzufrieden, Alles erwartet einen baldigen Wechsel". „Die Mehrzahl aller intelligenten Leute— und in dieser Beziehung sind in Rußland die Frauen den Männern überlegen— würden, wenn sie ihre Wünsche zusammenzufassen wagten, die in der letzten Proklamation des Exekutivkomite enthaltenen Forderungen wiederholen. Es überrascht, wenn man sieht/ welche Gemeinschasl zwischen der russischen Intelligenz und der revolutionären Partei besteht." „Sie unterscheiden sich nicht in den Zielen, sondern in den Mitteln. Das vollständige Fehlen der Freiheit, die Einige fordern und Alle wünschen, läßt den russischen Resormern keine Wahl zwischen Schweigen oder Erhebung." „Niemandem, der durch Rußland reist, kann der Unterschied zwischen Alt und Jung entgehen".„Er— der Junge— ist vielleicht fast ebenso unwissend als sein Vater, aber er besitzt eine gefährliche Kennwiß von Recht und Unrecht, was ihn in vielen Fällen zu einem bereitwilligen Hörer der verführerischen Rathschläge der revolutionären Propagandisten wacht."„Es wäre eine Thorheit, noch länger aus seine blinde Ergebenheit für den Zaren zu rechnen, der ihm die Freiheit geschenkt hat, ihm aber kw Kenntnisse vorenthält, die ihn allein zum Genuß derselben besähigen." «Gehet, wohin Ihr wollt, vom Weißen bis zum Schwarzen ■Reere, von der Donau bis zum Amur, überall erwachen die Bauern von ihrem Jahrhundertelangen todtähnlichen Schlummer. Der Frühling des nationalen Lebens dämmert ___ "Unterdessen lebt der Zar zurückgezogen in Gatschina und läßt Nie- Mauden vor als den Prinzen Warutzow. Man spricht in offiziellen Köv« ,>on einer»»ralische« Altdaid-iig und schüttelt bedenklich die U!> man Bon der Zukunft spricht."--- es•* aU8 58erIin weldet man demselben Blatte,— wir schämen uns, '"cht in Abrede stellen zu können:„Die Dienerschaft der kaiserlichen Familie in Gatschina besteht hauptsächlich aus Peutschra und Tjänen."_______ Ach Deutschland, wirst Du ewig das Land bleiben, wo jdie Dienstboten am besten gedeihen? Kannst Du Dich gar nicht aufraffen aus Deiner Hundedemuth und Hundetreue, deutsches Volk? Reibe Dir die Augen, deutscher Michel, blick um Dich nach rechts und links. Sie verjagen, sie ermorden ihre Tyrannen, Du aber schreist Denen, die Deine Rechte täglich mehr verstümmeln, noch immer das alte Hurrah! zu, bejubelst noch immer das alte Gaukelspiel! Du bettelst, wo Du ein Recht hast, zu fordern. Es geschieht wahrhaftig nicht umsonst, wenn wir den republikanischen Charakter unserer Bewegung heute mehr als je betonen. Wir würden es thun, selbst wenn wir fürchten müßten, dadurch an Anhängern einzu- büßen; um solche Leute wäre es nicht schade. Wir brauchen heute Männer, aber keine Fürstenknechte, und in einem Augenblick, wo sich in Deutschland alle gesetzlichen Parteien, von der stockkonservativen bis zur fortschrittlichen Bolkspartei, um die Ehre streiten, wer die besten Diener sind, wo sie alle unter der Devise kämpfen für„Kaiser und Reich", da hat es uns doppelt wohlgethan, als Bebel im deutschen Reichstag offen und frei proklamirte: Wir erstreben auf politischem Gebiete die Kepublb! Das war nichts weniger als doktrinär. — Kann aus keinen Fall schaden. Rochesort schlägt vor, und der„Citoyen" schließt sich ihm an, man solle in allen ,ranzösischen Städten Protestversammlungen gegen die Erhängung von Heßja Helfmann abhalten. Das gäbe wenigstens Gelegenheit, den russischen Henkern und ihren Helfershelsern zu zeigen, was das französische Volk im Gegensatz zu den französischen Staatsmännern von ihnen denkt. — Aus London, 29. April, schreibt man uns: Angesichts der kläglichen Haltung der„liberalen republikanischen" Presse der freien Schweiz dürfte es nicht überflüssig sein, die Haltung des englischen m o n- archischen Kabinets in der Asylrech ts- Frag e derselben gegenüberzu- stellen. Dieselbe ist so entschieden,' als es einem liberalen Ministerium nur möglich ist, und sie kann, ja m u ß es sein, da sieidas ganze Volk hinter sich hat. Ausgenommen ist natürlich der Fall Most, der jedoch nicht dem ganzen Kabinet, sondern vornehmlich dem charakterlosen H a r c o u r t zur Last zu legen ist. In der gestrigen Unterhaussitzung antwortete Sir Charles Dilke auf eine Interpellation Labouchere's in Beziehung aus das Asyl recht und legte den Standpunkt klar, den das Kabinet in dieser Frage einnehmen wolle.„Die drei Kaiser", sagte er,„hatten die Absicht, eine Konferenz der Großmächte zusammenzuberufen. Man hoffte, wenn Frankreich dem Projekte zustimme, werde sich auch England demselben anschließen. Aber die französische Republik hat sehr zu ihrer Ehre jede Theilnahme an einer derartigen Konferenz zurückgewiesen, und daher wurde der Plan fallen gelassen. Selb st wenn Frankreich zugesagt hätte, würde England abschlägig geantwortet haben. Aber Frankreichs Haltung verhinderte, daß England überhaupt ein Antrag gemacht wurde. Wir glauben, daß die französische Regierung, obgleich sie es ablehnte, an der Konferenz theilzuneh- men, ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen hat, die bestehenden Gesetze über das Asylrecht in Erwägung zu ziehen und, wenn nöthig, zu ergänzen. Unser Land zeigt keine Neigung zu vergleiche u. Wir sind mit unseren Gesetzen zufrieden, wie sie sind. Das gegenwärtige Ministerium will weder beantragen, noch würde das Parlament annehmen irgend eine Einschränkung de« Asylrechtes, welches die politischen Flüchtlinge hier genießen..... Das englische Gesetz schützt Rebellen gegen answärttge Regierungen vor der Rache Derer, die sie angegriffen haben, sobald sie unsere Küste betreten und sobald sie innerhalb derselben bleiben. „Es ist undenkbar, daß das englische Volk eine Aenderung dieser Sachlage zugeben sollte. Kein Gesetz kann aber hier lange in Kraft bleiben, das der Meinung der Nation widerstrebt, un� der Versuch, es gewaltsam durchzuführen, wäre blo« das Signal zu seiner Widerrufung. Nicht die gleiche Sicherheit haben wir in Bezug auf die Gesetze anderer Staaten. I m G e g e n lh e i l, in manchem von ihnen mag da einRegierungssystem herrschen, so willkürlich, so despotisch, so scheußlich, daß die meisten Englän- der den Krieg gegen dasselbe als etwas entschieden Anerkennenswerthes, Tugendhaftes, die Unter- lassung desselben als eine unverzeihliche Schlaff- heil betrachten dürften.... Die politischen Einrichtungen Ruß- lands und Deutschlands sind Sache der Deuffchen und Russen; die Engländer gehen sie nichts an, es sei denn, daß sie von Zeit zu Zeit belehrend wirken— a l s warnendes Beispiel. Ganz anders würde sich die Sache gestalten, wenn wir es unternehmen würden, Nihilisten der zarten Milde der russischen Regierung oder Sozialisten der deutschen Polizei auszuliefern.... „Monarchen haben sich von Zeit zu Zeit zu gegenseitigem Schutze ver- bündet. Die Bürger eines freien Gemeinwesens aber weisen es zurück, die Unterdrückungsmaßregeln des Despotismus zu unterstützen. Die ge- Heimen Gesellschaften Europas sind, so sehr man auch ihre Macht und ihren Einfluß überschätzen mag, sicher eine Gefahr, gegen welche Diejeni- gen, die fie bedroht, sich schützen müssen. Es ist jedoch ihre Sache, zu erwägen, ob sie blos eine noch schärfere Unterdrückungspolitik befolgen oder nicht auch einige der Quellen, au« denen stets Aufstand und Ge- waltthätigkeit entspringen, beseitigen wollen. Uns in England geht das nichts an, wir haben andere Pflichten zu erfüllen und andere Fragen zu lösen. Wir bekämpfen längst die Politik der geheimen Verschwörungen mit der einzigen Waffe, gegen die sie machtlos sind; Anarchie verträgt sich nicht mit Freiheit und Wähler konspiriren nicht. Wenn es Fürst Bismarck für gut findet, die Rolle Metternich'« zu übernehmen, so wird er sie sicher mit Geist und Kraft spielen, aber auch mit den Folgen für die soziale und politische Entwickelung Deutschlands, wie fie naturnothwendig eintreten müssen." So Herr Dilke. Wir schwärmen durchaus nicht für das Ministerium Gladstone, das durch die infamsten Umerdrückungsmaßregeln gegen Irland und die famose Landbill genugsam gezeigt hat, daß es nicht immer die Freiheit ist, mit der es„Anarchie" und„Verschwörung" bekämpft. Nicht sreiheit- liche Ueberzeugung, sondern N atio nalstolz ist es, der das Kabinet Glad- stone zu seiner Haltung in der Asylfrage bewogen hat, eine Haltung, wie sie auch ein konservatives Ministerium angenommen hätte und hätte annehmen müssen. Aber es ist wenigstens eine berechtigte Art Nationalstolz, der Stolz des freien Mannes dem Sklaven gegenüber, der Sir Charles Dilke so reden ließ, daß die„Liberalen" und vielleicht auch manche„Demokraten" der Schweiz— Sie müssen das besser wissen— davon lernen könnten. Die Schweizer Bourgeoisie hat eben, nachdem sie ihre republikanische Gesinnung verloren, auch keinen. Nationalstolz mehr, die„Nation" hat für sie blos den Zweck, ihre Profite zu assekuriren, d. h. die nationale Industrie zu fördern. Das„Vaterland" hat für sie, nur Bedeutung, insoferne es den Schutzzoll einführt und den elfstündigen Arbeitstag abschafft. Thul es das nicht, dann je eher, je lieber zu Preußen, wo man den Arbeiter knechten kann, wie man will.' Aber gemach, Ihr Herren, Ihr dürstet Euch verrechnen. Je preußischer Ihr werdet, desto mehr stärkt Ihr die Sozialdemokratie, indem Ihr jeden ehrlichen Republikaner zwingt, Euer Gegner zu werden. Und sollte wirklich die schweizerische Bourgeoisie, sich verleiten lassen, die Schweiz eine« Tages an Preußen zu verrathcn, dann sind ihre Tage gezählt. Sobald die Preußen in der Schweiz einmarschiren, werden sie sammt der Bourgeoisie vom Arbeiter- und B a u e r n p r o l e t r a r i a t hinausgejagt, von der rothen Republik, der sozialen Revolution. 3. 8. Nun, gar so schlimm, wie unser Korrespondent meint, sieht es denn doch hier noch nicht aus. Einstweilen befindet sich die Bourgeoisie auch in der Schweiz sehr wohl und hat noch wenig Ursache, die selbst für sie nicht sehr anmuthendeu preußisch-deutschen Zustünde herbeizusehnen. ES ist immer angenehmer, selbst zu herrschen als die Herrschaft theilen zu müssen, und Bismarck ist doch ein verdammt ungemüthlicher Kompagnon. Nein, Alles was recht ist. Im Großen und Ganzen ist auch hier die Agiation gegen das Asylrecht kläglich verunglückt, und würde noch viel weniger Anklang gefunden haben, wenn nicht die französische Nachbar- republik eine so überaus erbärmliche, zweideutige Haltung eingenommen hätte. Solange die Schweiz aber einen Rückhalt für ihre Ausfassung des Asylrechts bei anderen Staaten findet, ist in dieser Beziehung wenig zu fürchten. Es war nur im ersten Augenblick, daß man hier, und selbst bessere Elemente, den Kops verlor. Dadurch kamen, wie immer, einige Blätter obenauf, die aber jetzt den Schwanz einziehen müssen. Auch in der Frage des Weltkongresse!!— das mögen sich die auswärtigen Genossen gesagt sein lassen— ist nichts z u befürchten. Selbst der Chefredakteur der„Neuen Züricher Zeitung", das Haupt- blatt der liberalen Partei im Kan ton Zürich, hat ein Verbot desselben für unzuläsfig erklärt. — Herr Gladstone hat nun auch Dublin als„im Zustande der Ruhestörungen befindlich" erklären lassen. Ursache: die scharfe Kritik, welche die Vertreter der Landliga an der Landbill geübt. Dillon, einer der radikalsten Führer der Liga, ist auch bereits verhaftet worden. Die Landlords aber setzen unter dem Schutze der Zwangsgesetze ihr infames Austreibungssystem mit ungeschwächten Kräften fort. Sie wollen ihre„Rechte" noch ausnutzen so lange es Zeit ist, damit sie, falls die Bill wirklich in Kraft tritt,„freie Hand" haben. Die Empörung des Volkes über dieses Treiben äußert sich vorderhand noch immer nur in sporadischen Zusammenrottungen, Tumulten und Protestversammlungen. Im Großen und Ganzen scheint es das Schicksal der Landbill abzuwarten. — Etwas für Theiler. Nach einer von T. M. Coan in „H a r p e r s Magazin" veröffentlichten Studie über den National- reichthum verschiedener Nationen, beträgt das jährliche Einkommen in Deutschland Pro Kopf der Bevölkerung 85 Dollars, macht bei einer Familie von fünf Köpfen 425 Dollars, d. h. 1866 Mark. Mit dieser Zahl, die im Vergleich mit den für andere Länder angegebenen sogar noch viel zu niedrig erscheint, mögen die deutschen Arbeiter einmal ihr wirkliches Einkommen— welches nach Leone Levi 70V Mark im Durchschnitt beträgt— vergleichen und dann den Herren, die da ewig von den Theilern flunkern, ein Licht aus- stecken, wie heute getheilt wird. — Herr Ed. Nathan-Ganz, Herausgeber des„An-archist", dessen Verhaftung wir seiner Zeit nach dem Chicagoer„Vorboten" meldeten, befindet sich wiederum auf freiem Fuß. Er und seine Freunde stellen den Prozeß so dar, als sei derselbe von der deutschen oder ruf- fischen Gesandtschaft angezettelt. Uns erscheint das mehr wie zweifelhaft, wir halten aber mit unserem Urtheil zurück bis wir in amerikanischen Zeitungen Näheres über die Natur des durchaus unpolitischen Prozesses gesunden haben. Vorläufig macht es einen wenig anmuthendeu Eindruck, daß Herr Nathan-Ganz in der„Reo. soc." seinen Verlust aus über zwanzig- tausend Franken angibt, seinen Ankläger aber auf über Hunderttausend Franken(26,666 Dollars) Schadenersatz verklagt hat und letztere Summe im Voran« unter seinen Freunden vertheilt. Das riecht verdammt nach Humbug. — Quittung. Wir sind eine„in Zürich hausende Clique charakterloser Abenteuerer, Dummköpfe, welche Schurken dienen", unsere„Dumm- heit ist mit Schlechtigkeit gepaart", denn wir lügen„vollbewußt", wir „erscheinen ganz besonders schlecht und charakterlos", wir sind„Buben", denn wir sind„die absoluten Affen der Londoner", wir vollführen einen Höllenspektakel", wir sind„ein Literaturbandit", wir sind„Ehrabschneider", welche„die Miene des Heuchlers aufsetzen" und„meuchlerische Verleum- dung" verüben. Der„Sozialdemokrat" ist ein„Züricher Wisch", aus ihm„gähnt schon wieder der Abgrund eines hohlen Schädels an", sein Londoner I. S.-Korrespondent könnte ebensogut„Simpel oder Schuft" heißen u. s. w., u. f. w. Unter solchen Umständen dürfte der„denkende und unparteiische Leser ganz von selbst herausfinden," welches„die passendste Antwort" für uns wäre, nämlich„Maulschellen". Also zu lesen in der letzten Nummer der„Freiheit" Es ist noch nicht lange her, da wurde uns von London mit Dynamit gedroht, dann kam das Messer an die Reihe, jetzt thun es bereits Maulschellen. Man sieht, die Helden von Rose Street lassen mit sich handeln, oder vielmehr, sie handeln sich selbst herunter, wie eine gewisse Sorte Hau- sirer auf Jahrmärkten. � Wie man es mit diesen thut, man wartet ruhig, bis sie ihre Forde- rung auf einen dem Warthe� ihrer Waaren einigermaßen entsprechenden Satz reduzirt haben— so unsere Haltung gegenüber den Londoner Drohungen. o Wir werden sie ernst nehmen, wenn sie mit dem Muth der Herren im Verhältniß stehen. Das ist aber bei den Maulschellen noch nicht der Fall. Auch noch nicht bei Nasenstiebern. Also „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo, Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid!" Korrespondenzen. — Berlin, 25. April. Die Willkür, mit welcher die Polizeihallunken bei den Ausweisungen vorgehen, ist schon oft gekennzeichnet worden, ich denke aber, es wird nicht schaden, wenn ich noch Einiges zur Charakteristik unserer vortrefllichen Zustände beitrage. Bei Genosse Krause fanden sich, nachdem er bereits ausgewiesen war, noch am letzten Tage 6, sage sechs Kriminalpolizisten ein und nahmen Haussuchung vor. Krause hatte in der Küche mehrere Kisten mit Apfelsinen zur Aufbewahrung, das war so etwas für die Spürhunde, die Kisten wurden gewaltsam geöffnet und die Apfelsinen eine nach der andern aufgewickelt, wobei den Jammer- burschen der Schweiß auf der Stirne stand. Wüthend, daß sie umsonst geschwitzt, machten sich die Edlen dann über das Mobiliar her, kein Bett blieb verschont, kein Bild an der Wand vergessen, überall tasteten, rochen und wühlten sie, bis sie in Schweiß gebadet mit langer Nase ab- zogen. Aehnlich ging es bei Genosse Bünger und Anderen zu. Wie sehr die Schweißhunde, so müßte man die„geheimen Hallunken" eigentlich nennen, daraus ausgehen, ihre schmachvolle Existenz um jeden Preis zu sichern, sich unentbehrlich zu machen, zeigt die Frage des bei Genosse Treptow haussuchenden Schnüffelinski. Dieser ehrenwcrthe Staatsretter fragte nämlich ganz nngenirt: Wie ist es denn, Ihr macht ja jetzt gar nichts mehr? Wir haben ja gar nichts m e h r z u t h u n!" Ein schlagender Beweis, daß, ob wir thätig sind oder nicht, die Verfolgungen nicht ausbleiben. Wenn wir den Burschen nichts zu thun geben, dann machen sie sich selbst etwas zu thun, der Effekt nach oben ist der gleiche. Der Staat muß um jeden Preis gerettet werden, gibt es nichts sozialistisches zu verbieten, so verbietet man fortschrittliche Waare, wie es vor einigen Tagen dem„Berl. Börsen-Courier", dessen Feigheit weltbekannr ist, geschah. Amüsant ist auch folgender Fall. Vorige Wochen zogen zehn junge Leute, die von der Kreiscrsatzkommission kamen und jedenfalls tauglich befunden waren, in angeheitertem Zustande durch die Straßen. An der Gypsstraße wurden sie plötzlich von einem Wachtmeister und mehreren Polizisten angepackt und zur Wache geführt. Warum? Sie hatten r o t h e Federn aus den HUten. Nachdem man dieselben entsernt hatte, ließ man die Burschen wieder lausen— und der Staat war gerettet. Vielleicht hatten die Hüter des Gesetzes geglaubt, Sozialisten zu sangen, darin haben sie sich aber gründlich geirt. Im Uebrigen spitzen sich die Gegensätze hier immer mehr zu. Wachsendes Elend und Roth aus der einen Seite, Feste über Feste bei den vornehmen Nichtsthuern, dabei stehen Mord, Raub, Diebstahl und Betrug aus der Tagesordnung. Man fühlt ordentlich, wie schwül die Luft ist, hoffentlich läßt das reinigende Gewitter nicht mehr lange auf sich warten. P f Steuermann. — Berlin, 24. April. Die auswärtigen Genossen wundern sich ge- wiß darüber, daß so selten Korrespondenzen von hier an das Parteiorgan gelangen, und doch ist der Grund sehr einsach. Erst an dem Fehlen direkter Mittheilungen von hier im Parteiorgan merken die hiesigen Ge- nassen, daß das Loos zum Verlaffen der Haupt- und Residenzstadt auch einen der Korrespondenten getroffen haben muß, und auch dann verläßt sich immer noch einer auf den andern. Es wird indeß jetzt Sorge getra- gen werden, daß durch evenwelle neue Ausweisungen die Berichterstattung keine Unterbrechung erleidet. Wenn ich vorhin von dem Loose sprach, das die Ausgewiesenen gettoffen habe, so ist das geradezu wörtlich zu nehmen, denn nach Gründen für ihre Maßregeln dars man die Polizei nicht fragen, das beweisen wieder recht deutlich die letzten Ausweisungen, von denen zum großen Theil Genossen betroffen wurden, die sich seit ungesähr Jahresfrist jedweder Agitation, ja sogar jeder Zusammenkunst mit Gleichgesinnten enthielten. Die Polizei arbeitet einfach ihre Liste herunter.„Es müssen wieder so und so viel ausgewiesen werden, um dem Spießer und den„Allerhöchsten" Kreisen die Gesährlichkeit der Sozialdemokraten, sowie die Bor- trefflichkeit der Polizei zu beweisen, und damit basta! Erklärte doch ein Lieutenant der Kriminalpolizei dem letzthin ausgewiesenen Maurer Karl Kandt, er sei beauftragt worden, aus seinem Revier seinen Vorgesetzten 2 Sozialdemo- kraten behufs Ausweisung vorzuschlagen. Welcher Spielraum für die Willkür und persönliche Abneigung eines Beamten! Doch genug stir heute von dieser Schandwirthschast; sie wird und muß einmal ein Ende nehmen und wir wollen nach Kräften dazu beittagen, dasselbe zu beschleunigen. Am 2. Osterseiertage hatten wir hier behufs Stellungnahme zur Wahl im 6. Berliner Wahlkreise eine von ca. SO(ISO?) Vertrauensmännern dieses Wahlkreises besuchte Zusammenkunft, bei der definitiv Stellung genommen wurde. Wenngleich einige Genossen sich gegen eine Betheiligung an der Wahl aussprachen, indem sie geltend machten, daß erstens von einer freien Wahl unter den heutigen Verhältnissen in Berlin nicht die Rede sein könne und zweitens der etwaige Erfolg in keinem Berhältniß stände zu den Opfern, die durch das Eintreten in den Wahlkampf nothwendigerweise gebracht werden müßten, so wurde doch mit großer Majorität energisches Ein- greifen in die Wahlkampagne beschlossen und Hasenklever ein- st i m m i g als Kandidat für den 6. Wahlkreis proklamirt. Nachdem noch einige Lücken in der Organisation ergänzt, resp. ausgefüllt worden waren, gingen die Genossen unter Hochrufen auf die gemeinsame Sache auseinander, ohne daß die überaus mißtrauische und„wachsame" Polizei, die fast jeden der Theilnehmer sorgsältig einzeln durch 3— 4 Spitzel über- wachen läßt, auch nur eine Ahnung unseres Zusammenseins hatte. Nächstens mehr. Mit sozialdemokratischem Gruß! Vf. X. — AuS der Niederlausitz. Seit meinem letzten Bericht vom Oktober v. I. hat es hier während der verflossenen Zeit an ernsten und heiteren Abwechslungen nicht gefehlt. Aus die Denunziation des»c. Tott- leben fanden Ende Oktober v. I. aus Antrag des Staatsanwalts nochmals bei vier angesehenen Bürgern der Stadt Forst Haussuchungen statt. Dieselben waren ohne Erfolg. Es ersolgten mehrere polizeiliche Verneh- mungen, aber trotz der von k. Tottleben angegebenen„genauesten" De- tails über die Leitung der Sozialdemokratie in Forst blieb die Sache in Dunkel gehüllt. Unser tapferer Herr S taatsanw alt Philipp in Guben, sehr unzufrieden mit dem polizeilichen Erfolg, strengte aus die Aussagen Tottlebens eine Untersuchung an wider„Zisowsky und Genossen", wegen„sozial- demokratischer Umtriebe"— ein Verbrechen, welches bis jetzt in unfern Gesetzbüchern noch nicht verzeichnet ist—; aber was vermögen nicht Mangel an Gesetzeskennlniß und zur Gewohnheit gewordene Will- kür und Unmuth über bisherige Mißerfolge in dem Gehirn eines Ver- treters des Gesetzes auszubrüten! Am Iß. Dezember v.J. erhielten Gen. Zisowsky, sowie der Sohn des hiesigen Gerbermeister Liersch eine Bor- ladung vor den Untersuchungsrichter, sich über die ihnen zur Last gelegten Beschuldigungen zu rechtsertigen. Dieselben beharrten aber bei ihrer vor dem Polizeiinspektor Kranz zu Protokoll gegebenen Aussage. Es wurden noch zwei andere Personen vernommen, welche aber nicht in der Lage waren, irgend welche Ausklärung zu liesern. Am 7. Januar d. I. wurde abermals ein Termin vor dem Unter- suchungsrichter angesetzt, Zisowsky und Liersch mußten die Worte: „Oeffnet die Thore, öffnet das Haus" aus ein Stück Papier schreiben und konnten sich hieraus wieder entsernen. Der Grund hierzu war, daß eine Anzahl kouvertirter Flugblätter die Anschrift trugen:„Oeffnet", „Zur Beachtung",„Freiheit",„Das Volksgericht" u. s. w. Ueber den Erfolg der Handschriststudien ist bis jetzt noch nichts bekannt. Am 2. März d. I. hatten wiederum drei Personen als Belastungs- zeugen Vorladung erhalten, ihre Aussagen fielen aber nicht be-, sondern entlastend aus. Von da ab haben wir bis dato von der ganzen Unter- suchung'Nichts mehr vernommen; ob dieselbe von Erfolg gekrönt, oder sanft entschlummert ist, da« wissen die Götter. Bemerkt sei noch, daß der Herr Staatsanwalt während dieser Unter- suchung seine ganze Schlauheit daraus konzenttirte, daß er%ie vom Auslande an den Zigarrenhändler Zisowsky, sowie an noch mehrere andere Per- sonen kommenden Briese beschlagnahmen ließ. Welche Weisheit!!— Doch halt, der Herr Staatsanwalt hatte sich nicht getäuscht!— schon am 24. Dezember v. I. lief ein Brief von Amerika an Zisowski hier ein und wurde vom Amtsgericht sofort beschlagnahmt. Der Bestohlene hätte vielleicht heute noch keine Keuntniß davon, wenn nicht gulmüthige Herzen die Maßregel verrathen hätten. Zisowski, am 20. Januar d. I. davon benachrichtigt, richtete sofort an das Postamt zu Forst eine Ansrage über den Verbleib eines aus Amerika an seine Adreffe eingelaufenen Briese« und erhielt den Bescheid, daß der Brief vom hiesigen Amtsgericht beschlagnahmt sei. Trotzdem Zisowsky sofort beim Amtsgericht Beschwerde einlegte, und die Aushän- digung des Briefes forderte, erhielt er weder Nachricht, noch den Brief selbst. Endlich nach Verlaus von ca. zwei Monaten erhielt Zisowsky Bor- ladung behuss Aushändigung von Schriftstücken. Dieselben bestanden in einem Bries und zwei Broschüren, eine in englischer und eine in fran- zösischer Sprache, welche von der kommunistischen Gemeinde Jkarien im Staate Iowa in Nordamerika aus Ansrage von mehreren Parteigenoffen, welche gesonnen sind, sich der Gemeinde anzuschließen, an Zisowsky ge- sandt wurden. Trotzdem Zisowsky in seiner Beschwerde betonte, daß der Brief nicht sein Interesse, sondern dasjenige mehrerer Europamüden betreffe, blieb derselbe doch volle zwei Monate in den Händen de» Staatsanwalts. Ob dieser die Broschüren vollständig übersetzte, um mit seinen Kollegen eines Tages eine ähnliche Gemeinde errichten zu können, oder ob seine Fähigkeit überhaupt nicht dergestalt ist, eine Uebersetzung herbeizuführen, lasse ich dahingestellt. Zu letzterer Vermuthung gelangte ich aber, da die Prüfung der beschlagnahmten Schriftstücke einen solchen Zeittaum in Anspruch nahm.— Doch nun genug von den erfolglosen Bemühungen des Staats- anwalts; wenden wir uns den inneren Parteiverhältnissen zu. Wie die Genossen ersehen, beschloffen wir das alte Jahr mit den nimmer endenwollenden Verfolgungen seitens der Behörden; durch die- selben nur gestählt, haben wir den Kamps mit frischem Muthe im neuen Jahre eröffnet. Im Januar hielten die Parteigenossen in einem stillen Plätzchen der Niederlausitz eine verttauliche Zusammenkunft ab. Das Resultat war„engere Organisation und Verständigung *) Berliner Zeitungen haben inzwischen Wind von der Zusammenkünft erhalten, was nichts schadet, und behaupten, daß Hasenklever an ihr theil- genommen habe, was nur seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit jje- wesen wäre, und wovon uns wenigstens nicht das Gegentheil bekannt ist. Anm. d. Red. über die nächsten Reichstagswahlen und weitere Verbrei- tung des„Sozialdemokrat". Sämmtliche anwesende Genossen ge- lobten, wie bisher festzustehen gegen alle willkürlichen Uebergriffe seitens unsrer Machthaber. In Spremberg fanden Anfangs d. I. vier Haussuchungen statt. Es wurden einige Sammellisten für die Familien der Ausgewiesenen, sowie einzelne Nrn. des„Sozialdem." beschlagnahmt, die Haussuchung erfolgte aus Denunziation eines ganz gemeinen Lumpen, Namens Aug. Becker in Spremberg, welcher allen Genossen zur besonderen Berücksichtigung empfohlen ist. Es wurde sofort die Untersuchung eingeleitet— ein genaues Resultat ist bis jetzt nicht bekannt. Sehr be- zeichnend ist das Bettagen des dortigen Untersuchungsrichters. Einen Genossen, welcher einen Geldbetrag auf die Sammelliste gezeichnet hatte, herrschte derselbe an:„Warum geben Sie für solche Menschen noch Geld!" Ich habe bis jetzt zu allen mildthätigen Zwecken, selbst bei der Wilhelms- spende mein Scherslein beigetragen, warum soll ich es hier nicht thun? — Richter: Warum steuern Sie nicht für die Spitzbuben im Zuchthause! — Unser Genosse war leider nicht in der Lage, auf dieses gemeine Betragen die einzig gebührende Antwort zu ertheilen, jenem Herrn aber sei bemerkt, daß wir dasselbe zu u n s e r n„A k t e n" genommen haben und am Tage der„Verhandlung", der hoffentlich nicht mehr fern ist, in„Bettacht ziehen" werden! Diese Gesellschaft ist nicht zufrieden, wenn einer Familie der Ernährer entzogen ist— es wird auch darauf Bedacht genommen, die Hinterlaffenen dem Hungertode Preis zu geben. Doch unsere Genossen werden wie bis- her solchen Zuständen zu steuern wissen. Hierüber giebt es nicht ein langes Sinnen nach Mitteln, sondern ein thatkräftiges Handeln nach allen Richtungen hin. Dies ist auch wiederum bereits geschehen. Vom 21. zum 22. März wurde in Forst und dem benachbarten Berge, aus Anlaß der Feier des Geburtstages unseres derzeitigen Königs und Herrschers geflaggt. Wir aber legten unsere Begeisterung durch ein Flugblatt, betttelt„die Herrschaft der Verbrecher" an den Tag, das wie in früherer Weise verbreitet wurde— ohne daß man auch nur eines dieser Verbreiter habhaft zu werden vermochte. Keine Hausthür, kein Gartcnzaun, auch nicht die oberen Stockwerke, ja nicht einmal die Gerichts- und Polizeigebäude blieben davon verschont. Am 23. März sand in Folge dessen Haussuchung bei dem Gerbermeister Liersch in Forst statt, bei welcher Gelegenheit nach dem derzeitigen Aufent- halt von dessen Sohn gefahndet wurde, welcher bereits vor ein paar Monaten hier abgereist ist. Am 25. März telegraphirte der Staatsanwalt aus Guben, sofort eine Haussuchung bei Genossen Hohlfeld in Berge vorzunehmen. Dort sei eine Tonne mit Schriften hingeschafft wurden. E« wurde nach genannter Tonne gesucht und eine solche gefunden, in welcher sich ein kleiner Vorrath von Tuchlumpen befand. Dieselben wurden ausgeschüttet, die Tonne konfiszirt und nach dem Amtsbüreau geschafft. Als die Frau des Gehaussuchten die Frage, woher die Tonne sei, nicht zu beantworten vermochte, wurde sofort Gen. Hohlseld von seiner Arbeit geholt, und nach dem Amtsbureau sistirt. Auf die Frage, wie er in den Besitz der Tonne gekommen sei, antwortete dieser, sie von dem Zigarrenhändler Zisowsky geschenkt erhalten zu haben. Es wurde nun in die Tonne gerochen und gesunden, daß dieselbe nicht nach Schriften, sondern nach Schnupftabak roch. Am 26. März früh gegen 8 Uhr erschien der Herr Polizeiinspektor und der Gensdarm Ewald, sowie der Gemeindebüttel, welch letzterer vor der Thür Posto nehmen mußte, bei Zisowsky, um eine Jnspizirung der Tabakstonnen vorzunehmen. Nachdem man sich überzeugt hatte, daß „Alles in Ordnung sei",— und„Ordnung" halten wir stets, wir sind wahrhaste„Ordnungs"fanaliker, wir Umstürzler— sagte Zisowsky den Herren gründlich seine Meinung, und bemerkte, daß, wenn er nächstens eine alte leere Schnupstabaktonne verschenken will, er sich dies erst vorher amtlich bescheinigen lassen wird. Am 23. März fand abermals auf Antrag des Staatsanwalts bei Zisowsky Haussuchung statt, deren Resultat wie immer ersolglos war. Vom 28. zum 29. März sand in Sarau eine Massenverbreitung des Flugblattes:„Die Herrsckiaft der Verbrecher", statt. Es herrschen in Sarau Uber diese Verbreitung die kuriosesten Meinungen, doch würde es zu weit führen, diesmal hierüber zu berichten. Am Sonntag den 3. April endlich sollen angeblich zwei Schristenver- breiter, von auswärts kommend, aus dem Spremberger Bahnhose ver- haftet worden sein, als sie gerade im Begriff gewesen seien, mit dem Nachtzuge nach Cottbus zu reisen. Hierüber werde ich später berichten, bemerke nur, daß sich die liebe Polizei beruhigen mag, indem sie in den beiden Verhafteten leider wieder einmal einen Fehlgriff gemacht hat. Mit sozialdemokratischem Gruß! Lausitzer Rothhaut. — Frankfurt a./M. Die Reichstagswahlen stehen vor der Thüre und da ist es wohl am Platze, den Genossen Einiges zur Charakteristik der sogenannten Volkspartei, die sich hier durch einen„Demokratischen Verein" vertreten läßt, kundzugeben. Dieser Verein hatte srllher ein Ver- sammlungslokal, in welchem das Glas Bier 13 Psg. kostete und wohin auch sozialistische Arbeiter gingen, die sich an den Debatten betheiligten. Da« mochte aber dem Vorstand, bezw. dem Vorfitzenden, Herrn Sonne- mann, nicht gefallen, denn plötzlich verlegte der demokratische Verein seine Sitzungen in ein Lokal, in welchem die Tische gedeckt waren, die Flasche gewöhnlichen Bieres 40 Psg. kostete und obendrein kaum 60 Personen Platz hatten. Natürlich zogen sich die Sozialdemokraten nach und nach zurück, die Herren hatten ihr Ziel erreicht. Als im Jahre 1377 der König von Preußen nach Frankfurt kam, da wollte die weiland freie Reichsstadt gegen andere Städte nicht zurückstehen und an unsere, für da« Wohl der Stadt so besorgten Stadtverordneten wurde der Anttag gestellt, etliche tausend Mark für den Empfang zu be- willigen, und siehe da, die Herren, die sonst immer das große Wort sührrti, waren plötzlich„nicht da" und— das Geld wurde bewilligt. Ebenso in diesem Jahre der Antheil am Geschenk für die Hochzeit de« Hohenzollernsprößlings. Als Gegenleistung haben die Herren jetzt eine sogenannte Lustbarkeitssteuer eingeführt. Ein Wirth zum Beispiel, der Sonntags Klavier spielen läßt, muß 3 Mark Steuer bezahlen; dieser Tage sind sogar die Theilnehmer an einer Hochzeitsseier, bei welcher musizirt wurde, vorgeladen wurden. In O s f e n b a ch und Hanau gehen die Herren jetzt Hand in Hand mit der Fortschrittspartei zur Bekämpfung der Sozialdemokraten; so sagte auf dem jüngsten Parteitag der Volkspartei ein Advokat: Wir brauchen die Sozialdemokraten nicht und haben dieselben noch nie ge» braucht. Früher hätte der Herr das nicht gesagt, aber—„die Sozialdemokraten find jetzt mundtodt gemacht, jetzt können wir über sie her sallen." Die„Franks. Zeitung" agitirt mit Eiser für Herrn Eugen Richter, der es verstanden hat, die Demokraten in'« Schlepptau zu nehmen. Leider glauben trotz alledem einige Parteigenossen noch immer, für diele Partei eintteten zu müssen. Diesen rufe ich zu: Brüder, laßt Euch nicht von dieser Partei sangen; wo dieselbe nur immer kann, agitirt sie gegen uns, sie scheut vor keinem Mittel zurück, uns zu verdächtigen, darum hütet Euch, ihr Boden zu verschaffen, sondern sorgt a u s s ch l i e ß- l i ch dafür, daß die Sozialdemokratie an Ausdehnung gewinnt. Wenn Ihr es wünscht, so werde ich Euch noch mehr über diese„Volks"partei mittheilen, einstweilen aber gebe ich Euch den ernstgemeinten Rath: Seid gerade jetzt auf der Hut vor den sogenannten„Freunden", sie sind ge- jährlicher als die offenen Feinde. Mit sozialdemokratischem Gruß! Der alte Knabe. — AuS dem Ncich, 9. April. Mit infernalischer Kunst wird der Sozialdemokrat über die Grenze gebracht, klagte Minister Puttkammer am 30. März im deutschen Reichstag. Je nun, unsere Genossen thun ihr Möglichstes, insernalisch ist dabei aber nur die Dummheit der Grenzpolizei. Das hat auch. Genosse Heinz erfahren müssen. Derselbe war bekanntlich in Ulm wegen Verbreitung verbotener Ichristen verur- theilt worden,— er sollte das Verbrechen gemeinschaftlich mit einem Anderen begangen haben, den er aber, wie einer der Ordnung«- retter selbst zugestand, nicht einmal kannte— und hatte gegen Ende vorigen Monats die schöne Reichssestung verlassen, um in der Schweiz Arbeit zu suchen, wobei er, um die dortigen Genossen auszusuchen, den kleinen Umweg Uber Konstanz machte. Und— welche Zuvorkommenheit!— in Konstanz wurde er bereits erwartet, zwar nicht von den Parteigenossen, wohl aber von der heiligen Hermandad. Dieselbe, zweiselsohne von der Ulmer Behörde unterrichtet, empfing unfern Genossen bereits am Bahnhos und lud ihn ein, zunächst im Polizeibureau von den Stra- pazen der Reise zu verschnaufen. Tief gerührt von solcher Lieben«- Würdigkeit nahm Heinz die Proposition dankbar au und wurde auf dem Bureau mit den Worten empfangen:„Heinz, Sie wissen, daß wir Sie kennen und da wir wissen, welchen Bestrebungen Sie huldigen, wir sehen uns daher veranlaßt, Ihr Gepäck zu untersuchen." Diese Prozedur wurde dann auch mit der größten Sorgsalt und Siegesgewißheit vor- genommen, nicht nur sein Gepäck, sondern auch die Kleider, welche H. am Leibe ttug, wurden durchschnüffelt. Dabei spielte sich folgende Epi- sode ab: Unter verschiedenen Photographien, die H. mit sich führte, be- fand sich auch die F. Lassalle's mit Unterschrift, der Ichnüffel- meier aber, Zitzer heißt der Pfiffikus, war polittsch so gut unterrichtet, daß er erstaunt fragte:„Lassalle? wer ist denn der, was ist! denn das für Einer? Konfiszirbares wurde natürlich nicht ge- funden, als aber H. die Bemerkung fallen ließ, daß man sich die Mühe hätte sparen können, da hieß es:„Nur ruhig, wir kennen Sie, und zweitens haben wir das Recht dazu." Schön. Aber welche infernale Schlauheit, Leute, die Eurem Reich denRücken kehren, nach verbotenen Schristen zu untersuchen! Verttödelt nur Eure Zeit mit solchen Schnüffeleien, desto sicherer findet das„Gift" seinen Weg nach Deutschland. Welchen Respekt unsere Genossen vor der Grenzpolizei haben, erfuhr jüngst der Polizeiwachtmeister, als er beim Nachhausegehen seine Taschen voll Flugschriften fand. Daraufhin verstärkte Wachsamkeit in und um Konstanz— o heilige Einfalt! Einer, der nicht zu den„Infernalischen" gehört. Griefkasten d e r R e d a k t i o n. 4 4 Steuermann: Endlich! Spät kommt Ihr, I doch Ihr kommt. Besten Dank für ausführliche Mittheilung und Stim- mungsbericht. Werden den Wünschen der dortigen Genossen gern entsprechen, um das zu können, müssen wir sie aber vor allen Dingen erst kennen. Also nur offen herausgesagt, was Euch gefällt und was nicht. I der Expedition: I. I.: Angabe stimmt. Sendung am 16./4. abgeg. Dank für ges. Notizen.— Schl. Rsb.: Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erh.! — v. Bismarck: Bei 60 Expl. pro Mai und Juni kommen uns nach I Abzug der Verl. u. d. Guthabens zuzügl. ges. Cassa noch Mk. 7.20 zu gute.— Laster: Mk. 35.— ä Cto. Ab. 2. Qu. erh. Alles vorgemerkt. — H. M. M. i. T.: ö. fl.: 1.70 Ab. 2. Qu. erh.— B. Breul London: Fr. 50.40 k Cto. Ab. erh.— Stieber aus Reisen: Mk. 1.— erh. Richtig I verstanden?— 444himmel——: N. wird berichtet haben. Bf. am J 5./5. abgeg.— Dr. Eisenzahn: Bs. v. 29. erh., auch von den Freunden l Nachr. u. zwei Adr. Anttv. wie letztes Mal am 3./S. abgeg. Erbetenes j zum direkten Verkehr dringend.— Lausitzer Rothhaut: Bs. am 7./S. ab- I ges.— Feldhptm.: Warum nicht deutlicher? Ersatz für Xbd. fort.—• Morgenroth: Erst vom 1. Mai waren 10 bestellt. Nachliefrg. unmögl., da inkomplett.— Rosabeck: Sdg. erh., folgen also 33.— X. Ga.: Mk. 3.— j Ab'. 2. Qu. erh.— o— H.: Bf. v. 3. erh. Alles beachtet. Verspätung, j — Brüssel: Fr. 27.65 k Cto. Ab. 1. u. 2. Qu. u. Schft. erh. Wollen J Sie die 2 Expl. laut Vorschlg. besorgen. Sdg. v. 2 Expl. an d. Voix; d. L. stellen somit ein.— Egmont: Bs. v. 2./S. erh. Fuege fehlt. Sonst; Alles geordnet und besorgt in bester Erwartung.— Der Bekte. C.: i Mk. 40.— Cto. Ab. 1. Qu. u. K. 2. Qu. erh. Neuer eingereiht.— I A. Jonas: ö. fl. 1.— erh. Alles besorgt bis 5./5.— A. Schdr. Wyl: l Fr. 3.— Schft. erh. Weiseres mir 19 sort.— H. G. Hg.: Fr. 14.— I Ab. Hk. 1. Qu. u. 3 Ab. pro 2. Qu. erh.— Hentschel u. Co.: ö. fl. 2.—! erh. O. unglückseliger Krause. Lehm upp!— Lord Semmelbrösel London: I Großmächtigster zu Wasser und zu Lande, Gewaltigster an Einsalt und I Verstände, Dein Witz ist spitz, die Logik imposant, wie schad', daß solch I Genie stet» noch verkannt!— Liebig: Mk. 80.— Ab. 1. Qu. u. R. B.> erh. Weiteres vorgemerkt. Schbn. nicht vorräthig.„T. os O." Mk. 3.50 I ftco. Aniw. umgehend erbeten.— K. Tpp. Pari»: Fr.—.30 Schft. erh. 1 Sdg. fort.— Anzeigen. Durch die Expedition des„Sozialdemokrat" und die Volksbuchhandlung J Hottingen-Zürich ist zu beziehen: Jahrbuch für Soziatwissenschaft und Soziakpotitik. II. Jahrgang. Herausgegeben von Ol. Ludwig Richter. Der 399 Seiten starke Band enthält unter Anderem: I. Allfsähe: Karl Fourier, ein Vielverkannter, von H. Greulich. — Tschernischew sky und Malthus von K. Kautsky.—■] Die Auswanderung als Mittel zurLösung der sozio- � len Aufgabe von A. Douai u. s. w. II. Zuhlreilhe Keienliimtn. III. Keriihte»her den Lirtg-llg der s,,iililische- Keweg-ag: von A.. Douai(Bereinigte Staaten von Amerika), Jacquette Liljenkrantz s (Skandinavische Länder). I. Sketch ley(Großbritannien), C. De Paepe (Niederlande), P. Axel rote-(Rußland und Rumänien), M. Theodo- 1 rowitsch(Serbien) u. s. w. IV. preislillsschreidtll. Preis: Bei Bezug durch die Exped. des Sozialdemokrat: Fr. 4,50. Im Buchhandel: ca. Fr. 6,—. Um Mißverständnissen und absichtlich kolportirten Unwahrheiten ent-| gegenzutteten, bemerken wir, daß das„Jahrbuch" nicht eine P u b l i-' kation der sozialistischen Arbeiterpartei, sondern � lediglich ein Unternehme» privater Natur ist, dem Studium und der Diskussion aller in das Gebiet der Sozialwissenschasl und So- zialpolittk einschlägigen Fragen gewidmet. Ferner ist erschienen: Zweite Auflage. Die EntWickelung der Sozialrevolutionären Bewegung in Rußland. Von P. Axelrod. (Separatabdruck aus dem„Jahrbuch für Sozialwissenschaft". II. Jahrg.! 46 Seiten 8°. Preis: Beim Bezug durch die Exped. des Sozialdemokrat: Fr.—,50. P. Axelrod, früher Redakteur der„O b s ch t s ch i n a" und Mitarbeiter am„Tschornii Peredjel", steht wegen seiner Objekttvität bei alles Frakttonen der gegenwärtigen revoluttonären Bewegung Rußlands i» hoher Achtung. W.nnfllnn Comm. Arbeiter-Bildungs-Verei» 49 Tottenham Street. Tottenbam Court Road- Die"Wirthschaft des Vereins ist geöllnet von Morgens 9 bi* Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unser« Adresse zu achten. I. A.: Der Sekretär: Q. Lemke. Schw«t». StTtinlbutkiutctti h»Mng«a.gKria.