Erschein: wöchentlich einmal in Zürich iLchweiz) Verlag A. Hertcr. Zndusiriel>all« Ricsbach-Zurich iloiseadullgen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der SoMldemcknt Jentral-Krgan der deutschen Sozialdemokratie Abonnements werden nur beim Verlag und defien bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum v«rau», ahlbar«» Bierteljahrspreii von: Fr. 2.— für die Schweiz M«. Z.- für T'u'Winb'Soutinrt) fl. 1. 70 für Oesterreich(Eouvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder de! Weltpostvereinsband>. Zllserile Die dreigespaltene Petitzeile 25 St».- 20 Psg. N? 22. Sonntag, 29. Mai. 1881. Iii« ig»ie ßorressioudeiteg gad Abiggegleg de«„Sojitlbmokni". .. Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und varf�keine Vorfichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt ver Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adresfiren, sondern fich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreich» wenden, welche fich dann mit unS in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent- gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Widerstand! Als die Dclegirtm der deutschen Sozialdemokratie auf dem Wydener Kongreß das Wort„gesetzlich" aus dem Programm strichen— einstimmig und unter allgemeiner Begeisterung— da waren sie fich wohl bewußt, daß dieser Schritt von unfern Gegnern als Vorwand für allerhand Schurkereien ausgebeutet werden würde. Aber trotzdem thalen sie ihn, denn fie hielten es vor allen Dingen für nothwendig, offen und vor aller Welt auszusprechen,„was ist". Das Sozialistengesetz ist die Proklamirung der brutalsten Polizeiwillkür, es ist die gesetzliche Proklamirung der Ungesetzlichkeit, ihm gegenüber heißt es nur„Schweigen oder ungesetzlich handeln", ein Mittelding gibt es nicht. Und eine Partei, die ihre Anhänger nach Hunderttausenden Zahlt, die das einzige Programm vertritt, das heute vor der Wissenschaft noch Stand hält, die einzige, die im Aufstreben be- griffen ist, läßt sich nicht von einer beliebigen Parlaments- majoritär zum Schweigen verurtheilen, die will sich regen, und wenn man sie in Gesetzcsparagraphen eingeschnürt hat, dann zerreißt Jie die Schnüre, wie der im steinigen Boden wurzelnde Baum Felsstücke zersprengt, die sein WachSthum hemmen. Die Macher des Sozialistengesetzes wußten auch sehr gut, daß die Sozialdemokratie dieses Gesetz nicht innehalten werde, sie hofften und hoffen nur, daß sie im Widerstand gegen das- selbe ihre Kräfte aufreiben werde, sie konnten den Baum nicht fällen, so wollten sie wenigstens seinem Wachsthum so viel Hinder- niste in den Weg legen, daß er im Widerstand gegen dieselben seine ganze Kraft aufbrauchen müsse. Sie waren deshalb durch- aus nicht überrascht und gaben sich kaum die Mühe,„Entrüstung" zu heucheln, daß wir den gesetzlichen Weg aus unserm Programm strichen, das überließen sie den geistreichen Herren vom„Eid- gcnösfischen Verein", den Vätern der Anti-Weltkongreß-Petion. Nicht die Heuchelei, beileibe nicht, sondern nur die„sittliche Ent- rüstung". Das ist nämlich deren Spezialität. Aus die Gefahr hin, zum Ehrenmitglied dieses ehrenwerthen Pcreins ernannt zu werden, wollen wir ihm eine neue Beran» lassung geben,„entrüstet" zu sein. Wir wollen nämlich unsere Genossen in Deutschland auffordern, nicht nur ungesetzlich vor. zugehen, wo sie es für nöthig halten, sondern sie sogar zum Widerstand gegen die Gesetze, zum Ungehorsam aufmuntern und auffordern. Und es ist uns bitter ernst mit unserer Aufforderung, wir wünschen und hoffen, daß sie befolgt werde, wir sind sogar der Ansicht, daß ihre Befolgung ein Gebot der Nothwendigkeit für die deutsche Sozialdemokratie ist. Es ist im„Sozialdemokrat" schon mehrfach behauptet worden, daß die Durchführung des Sozialistengesetzes in Preußen einen Verfassungsbruch, für diejenigen Beamten, die den Eid auf die Verfassung geleistet, einen Eidbruch bedeutet. Was für Preußen gilt, gilt mehr oder minder auch von den übrigen deutschen Staaten, meist sogar mehr. Das Sozialistengesetz, und ins- besondere die Blüthe desselben, der„Kleine Belagerungszustand" hebt alle den Staatsbürgern durch die verschiedenen Verfassungen gewährleisteten und beschworenen Grundrechte auf, wozu der deutsche Reichstag absolut nicht das Recht hat. Das deutsche Reich ist ein Bund selbständiger Staaten, die nur verschiedene Dinge gemeinsam mit einander regeln, diese Dinge, 16 an Zahl, sind im Artikel 4 der Reichsverfassung auf- gezählt. Es steht zwar auch geschrieben, daß die Reichsgesetze den Landesgesetzen vorgehen, da aber davon nicht» in der preußischen tt. Verfassung steht, so muß jeder Beamte, der diese letztere be- schworen hat. da wo Reichs- und Landesgesetze kollidiren, ent- weder die Reichsgesetze hinten ansetzen oder, will er nicht eid- brüchig werden, sein Amt niederlegen. Bei dem guten Beispiel von oben fällt das den biederen deutschen Beamten natürlich gar nicht ein, wie steht es aber in dieser Hinsicht mit dem Volke? Soll das um der preußisch-deutschm Militärherrlichkeit willen sich von Reichswegen schuhriegeln lassen, wo ihm die wohlerworbenen Landesrechte Schutz gewähren? Wir denken, nein und tausendmal nein! ES handelt sich für uns hauptsächlich um den kleinen Be- lagerungszustand. Warum, fragen wir, lassen sich eigentlich preu- ßische Staatsbürger, die im Vollbesitze ihrer bürgerlichen Rechte sich befinden, aus ihrem Wohnorte verjagen, ohne Urtheil und ohne Begründung, nur weil vielleicht ihre Nase oder ihre Beine irgend °'nem Polizeipascha nicht gefallen? Warum erklärt nicht einmal �"er ganz energisch: ichgehenicht!? Halt! ruft uns ein Prakttkus entgegen. Du Schlaukopf, weil er dann einfach per Schub hinausgeworfen wird. Gut, oder vielmehr nicht gut, wie man will. Aber warum �ehrt er nicht sofort durch irgend ein Thor wieder zurück und erklärt wie Bismarck: Hier bin ich und hier bleib ich! Antwort: dann würde man ihn einstecken und wegen Bann- bruch verurtheilen. Einstecken? Zweifelsohne. Aber was kann einem aus seiner Existenz gejagten Proletarier an 14 Tagen bis 4 Wochen Untersuchungshaft liegen! Wir haben uns doch früher nicht davor gefürchtet, warum denn jetzt mit einem Male? Und v er- urth eilen? Wie aber, wenn unser ffreund sich vor den Richter hinstellte und ihm zuriefe: . Ich bin preußischer Staatsbürger, die Verfassung, die Sie, Herr Richter, die Beamten, der König und die Minister beschworen haben, gewährleistet mir die„persönliche Freiheit"(Art. 6) zc. Weshalb hat man mich ausgewiesen? Weil ich Sozialdemokrat bin? Jawohl, da? bin ich und bin stolz darauf. Weil ich für die Sozialdemokratie agitirt habe? Jawohl, das habe ich, denn das halte ich für meine heiligste Pflicht. Weder das eine, noch das andere ist verboten, wenn ich aber wirklich gegen die Gesetze verstoßen habe, warum klagt man mich nicht an? Möge man es doch thun, ich werde mich fügen, solange ich und meine Ge- nossen nicht im Stande sind, andere, uns mehr zusagende Gesetze durchzusetzen. Aber weil meine Ansicht dem oder jenem Schergen nicht gefällt, mich von meiner Familie, von meinem Freundeskreise fortjagen lassen, aus der Existenz hinaus aufs Pflaster von Ort und Ort— denn von meiner Üeberzeugung lasse ich nicht, das sage icy Ihnen im Voraus— dem füge ich mich nicht! Ich lasse mir mein elementarstes Recht, mein Heimathsrecht nicht nehmen. Hier bin ich Bürger, ich habe ein Rechtz hier zu sein, nirgends auf der ganzen Erde sonst, und darum gehe ich nicht. Führt man mich noch einmal mit Gewalt hinaus, so kehre ich wieder zurück und immer wieder. Mich wegen Bannbruch verurtheilen? Aber, Herr Richter, ich frage Sie auf Ihr Gewissen, was ist denn dieser über mich verhängte Bann? Ist er gesetzlich zulässig? Nein, er ist es nicht! Und weil ich einer ungesetzlichen Aufforderung nicht Folge leistete, wollen Sie mich verurtheilen? Mit welcher Stirn werden Sie später einen Meineidigen bestrafen, wenn Sie selbst Ihre Eide so gering achten? Und der Richter verurtheilt ihn dennoch, wird man uns ein- werfen. Sei'S drum. Zu drei, vier Wochen, zu einem, zwei, drei Monaten Gefängniß! Und um dieser Gefahr willen, soll man eS nicht riskiren, durch eine Gerichtsverhandlung, die immer wieder die öffentliche Aufmerksamkeit sich lenkt, die Nieder- trächtigkeit deS Ausnahmegesetzes vor der ganzen Welt zu brandmarken! Um dieser Gefahr willen lassen sich Genossen, die sonst sich um jahrelange Hast nicht kümmerten. wie Lämmer auseinanderjagen?— geht doch! Ein gutes Bei- spiel, und den Herren Madai, Engel und Consorten wird die Suppe ganz bedenklich versalzen werden. Denn das eine Beispiel wird und kann nicht ohne Nachahmung bleiben. Je größer aber die Zahl der„Bannbrüchigen" wird, so mehr wird der Unwille im Volke wachsen, je unbequemer werden die Prozesse gewissm Herreg werden, denen es zwar auf einen Eidbruch nicht ankommt, die sich aber nicht gern daran erinnern lassen. Wir erwarten keine Wunder zon dieser Maßregel. Aber wir halten sie, von welcher Seite vir sie auch betrachten mögen, für durchaus zweckmäßig. Es ist nicht erst heute, daß wir sie in Vorschlag bringen. Schon im Dezember 1878, als die ersten Massenauüweisungen erfolgten, als Most, den wir damals noch schätzten, nach Amerika gehen wollte, äußerten wir uns ähnlich im privaten Kreise. Man bestritt damals die Wirksamkeit und mag auch wohl angesichts des noh herrschenden Attentatsfuror Recht gehabt haben. Später bezmgten einzelne Genossen in gelegentlichen Gesprächen mehr Sympathie dafür, die Sache gerieth indeß immer wieder in Vergessenheit. Jetzt scheint unS aber die höchste Zeit zu fein, sie errsthaft in Betracht zu ziehen und dann entsprechend darnah zu handeln. In Hamburg-Altona sind letzte Woche schon wieder zehn Genossen, darunter fünf Familienväter ausgewiesen worden. Welche Summe von Elend steckt in diesen Worten! In Leipzig soll mit aller Gewalt der kleine Belagerungszustand verhängt werden; hat die sächsische Regierung erst hier nach- gegeben, so wird Bismarck und mit Recht verlangen, daß sie ihn auch über halb Sachsen verhängt kurz, man will uns mit Gewalt klein kriegen. Das legt eS ms ans Herz, immer ener- gischeren Widerstand zu leisten. Wir verlangen heute keine Revoluttcn, keine Putsche, keine Atten- täte von den Genossen in Deutschland Was wir ihnen aber an- gesichts der bevorstehenden Kämpfe empfehlen möchten, das ist�noch mehr Muth, mehr Trotz, mehr Witerstandsgeist. Die stim- mung in der Bevölkerung ist uns Heu« günstiger als sie je war, die Opposition im Reiche ist im Waysen, nur eines fehlt dem deutschen Volke, Selbstvertrauen. Es ist gewohnt, zu gehorchen, sich alles gefallen zu lassen, darum ist es Sache der Sozial- demokratte, durch ihr„böses" Beispiel des Ungehorsams und der Unbotmäßigkeit die„guten" Sitten des deutschen Volkes: Demuth, Treue und Geduld gründlich zu verderben. Darum also Widerstand gegen die Staatsgewalt! Vitellius. Briefe eines Achtundvierzigers. Berlin, den 12. Mai. Bei dem donquixoti schen Feldzug, welchen Herr Bismarck gegen die„internationale Revolution" versucht hat, weiß man nicht, wo die Komödie aufhört und die Angst anfängt. Ganz Komödie ist er nicht— dazu ist er zu dumm. Und daß die Angst reell ist, kann keinem Zweifel unterliegen. Von den Sicherheitsmaß- regeln, welche der tapfere Reichskanzler für seine werthvolle Person getroffen hat, sind verschiedentliche ja unstreitig nur ver- anstaltet, um gewisse Leute an die Existenz entsetzlicher Gefahren glauben zu machen, allein wer die ängstlichen Blicke sieht, die der Herr Reichskanzler in den durch seine Anwesenheit gezierten Sitzungen des Reichstags auf die von einem Dutzend Polizisten und ebenso viel„Geheimen" bewachten Tribünen wirft, kann die Aechtheit der Furcht nicht in Frage ziehen. Es ist schon lange her, daß Bismarck das kühne Wort aussprach:„Ein Appell an die Furcht findet in dem Herzen eines deutschen Manne» keinen Widerhall".— Beiläufig, gleich anderen„Originalitäten" des Herrn Reichskanzlers nicht auf dessen Miste gewachsen. Das Blödsinnige der projektirten internationalen Polizeikam- pagne wird durch das russische Zirkular recht drastisch hervor- gehoben. Nach offiziellen Mittheilungen heißt es darin:„An- gesichts der einstimmigen Meinungsäußernngen Seitens auS- wärtiger Regierungen, gesetzgebender Versammlungen und der Presse, glaube sich die russische Regierung zu der Annahme ge- rechtfertigt, daß die Nothwendigkeit der Bekämpfung eines Uebels, welchem Rußland nicht allein unterworfen sei, derzeit allgemein anerkannt werde. Das Schreiben führt sodann aus, daß, wenndieRevolutionäretäglich in den Fortschritten der Wissenschaft neue, bisher unbekannte Mittel zur Ausführung ihrer gefährlichen Pläne ent- deckten, die Regierungen sich nicht mit ihren vor- handenenVertheidigungsmittelnbegnügenkönnen. Die russische Regierung lade deshalb die auswärtigen Kabinete zur Betheiligung an einer gemeinsamen Berathung ein, um in Erwägung zu ziehen, welche Maßregeln räthlicherweise im all- gemeinen Interesse zu ergreifen seien. Indem sie eine Konferenz vorschlage, handle sie nicht ausschließlich unter dem Eindruck, welchen die Ermordung des verstorbenen Zaren hervorgerufen habe, sondern gleichzeitig von dem Wunsche geleitet, in Ueberein- stimmung mit dem übrigen Europa praktische Mittel für die Sicherheit der Grundlagen der gesellschaftlichen Ordnung auS- findig zu machen, ohne in die bestehende Ordnung der Dinge in den betheiligten Staaten einzugreifen." Also gegen die„ Fortschritte der W i s s e n s ch a f t" will man sich schützen. Die russischen Diplomaten, die dieses Opus verfertigt, haben hiermit nur einige, wie es scheint, unverdaute Brocken Gentz- Metternich'scher Expektorationen aus der Sand-Attentats- Periode reproduzirt. Was sie fich dabei gedacht haben mögm? Ob sie sich überhaupt etwas gedacht haben? Ist ihnen denn nicht bekannt, daß Rußland das einzige Land ist, in welchem die Attentate zur permanenten politischen Institution geworden sind? Haben sie denn nicht einmal da» durch die böse Wissenschast sogar den höheren Vierfüßlern zuer- kannte Schlußvermögen, Ursache und Wirkung aneinanderreihen zu können? Die simpelsten Thiere des Waldes vermeiden Stellen, wo viele von ihnen den Tod gefunden haben, weil sie kapiren, daß todtbringende Kräfte daselbst thättg sein müssen; und sie suchen solche Oertlichkeitm auf, wo solche Kräfte sich nicht bemerken lassen. Hätten die russischen Diplomaten, die weiland für die gescheidtesten der Welt galten— ein schlechtes Kompliment für die anderen und ein prächtiger Kommentar zu dem Oxen stier na'- schen Diktum— hätten sie so viel Verstand wie die ein- fachsten Thiere des Waldes, so würden sie sich sagen: „In Bern, in Genf, in Zürich, in London, in Pari«, ja sogar in Berlin und Wien werden die Fürsten, Minister, Präsidenten u.Z. w. nicht regelmäßig mit Dynamit- bomben, Dynamitminen und anderen Dynamit-Manifestationen traktirt— wohingegen in unserem Heiligm(Sankt) Petersburg daö Dynamit zur antidynastischen Staatsinstitution geworden ist. Daraus ist zu schlußfolgern, daß die Luft von Genf, Bern, Zürich, London, Paris u. f. w. dem Dynamit nicht zuträglich ist, während es in unserem heiligen Petersburg gedeiht." Und das praktische Resultat dieser Ausübung des primi- tivsten Schlußvermögens würde sein, daß die russischen Staats- weisen, da sie nicht gleich dem Vieh des Waldes den Aufenthalt verändern können,— daß sie die todbringenden Kräfte be- seitigen oder bannen. So viel Verstand haben jedoch die Staatsweisen nicht: statt die Stätte sicher zu machen, wo sie sich aushalten müssen und wo die Gefahr droht, wollen sie sich dadurch retten, daß sie für die Sicherheit von Stätten sorgen, in denen keine Gefahr droht. Kann man diesen Aberwitz ernst nehmen? Ja, die böse Wisienschaft, wenn nur sie ausgerottet werden könnte! Die Wissenschaft, welche der Revolution Waffen liefert— schade, daß man nicht wie in den amerikanischen Südstaaten zur Zeit der Sklaverei Jeden aufknüpfen kann, der einem Sklaven, d. h. einem Unterthan die Pforten der Wissenschaft erschließt. Jede Schule, jede Universität ist eine Brutstätte der Revo- lution, jedes Buch eine Orsinibombe, jede Zeitung eine Dynamit- mine. Die ganze Wissenschast muß abgeschafft werden. Metternich und Gentz begriffen es schon, daß man„hinter die Reformation" zurückgehen müsse, um die Revolution an der Wurzel zu packen. Freilich„hinter die Reformation zurück"— weit, weit .hinter die Resormation zurück"— die schwarze Kunst des Buchdrucks als Zauberei bestraft, die Kunst des Schreibens zum Hochverrath gestempelt, und das menschliche Hirn, den Erzrebell, der die Welt nicht zur Ruhe kommen läßt, in die Acht erklärt und durch irgend eine noch zu erfindende Kunst den Kindern bei der Geburt ausgeschnitten und durch die Landeskokarde, sowie ein Exemplar der Kriegsartikcl und des Fahneneids ersetzt. Vorläufig scheinen die Herren Staatsweisen die nützliche und nothwendige Kunst blos für sich selber erfunden zu haben— wenigstens fehlt bei ihnen das Hirn. Sogar in Wien hat man das Absurde des russisch- bismarckischen internationalen Revolutionsfcldzugsplans eingesehen und für die angebotene Ehre der Mitblamage gedankt. Der arme Teufel von jungem Zar soll vor allen Dingen ein- mal sehen, wie er der Belagerung seines„Lust"-Schlosscs Gat- schina ein Ende macht. Tann mag er seine Blicke in die Ferne schweifen lassen. Einstweilen hat er genug vor der eigenen Thür zu fegen, genug und übergenug. Also Oesterreich hat die Theilnahme am Feldzug abgelehnt. England und Frankreich haben von vornherein angezeigt, daß sie nicht zu sprechen sind. Und damit ist die Sache endgültig erledigt, die beabsichtigte„Hätz" gegen die Schweiz gegenstands- los geworden. Fast sollte man freilich glauben, in der Schweiz gäbe es Leute, die eine derartige„Hätz" wünschten— natürlich aus reinem„Patriotismus". Diese„Republikaner", die russischer sind als unsere bismarckische Presse, sollen doch einmal lesen, was Zeitungen wie die„Kölnische", die„Tribüne", der„Hambur- burgische Korrespondent", und so weiter von der russischen Wirth- schaff halten, und von dem toll-unvcrfchämten Versuch, ffcmde Länder, die geordnete Zustände haben, für die selbstverschuldete Anarchie im eignen Land verantwortlich machen zu wollen. Be! unseren Nationalliberalen könnten diese republikanischen „Patrioten" sich ihren Republikanismus auffrischen.— Berlin hat vor zehn Jahren den Fürsten Bismarck zum „Ehrenbürger" ernannt. Zum Dank dafür soll es enthaupt- stadtet werden. Geschieht Berlin recht. Warum setzt man sich solche„Ehrenbürger" in den Pelz. Zu bewundern ist in der Sache blos die— Originalität Bismarcks. Daß 1848 der österreichische Reichstag von Wien nach Kremsich und die preu- ßische Nationalversammlung von Berlin nach Brandenburg ver- legt wurde, sind blos phantastische Legenden, ebenso daß s87ff die französische Hauptstadt von Paris nach Versailles verlegt worden. Der„geniale" Fürst Bismarck kann doch kein so stümperhafter Plagiator sein! Schon 1848 wollte er den großen Städten zu Leib gehen und hatte speziell Berlin �Kannibalischen Haß geschworen. Jetzt will er den Schwur erfüllen— weil er städtische Steuer be- zahlen muß. Um 500 Mark eine Revolution! Daß dieser Mann, der seit zehn Jahren Tag und Nacht darüber brütet, welche neue Steuern er dem Volke aufhalsen kann, selber eine so gewaltige Abneigung gegen das Steuerzahlen hat, ist allerdings recht kurios und auch charakteristisch. Land und Freiheit!'*) Der Zar ist getödtet! Getödtet von dem Kleinbürger Ryssakow und Genossen. Nichr zum ersten Mal erhebt sich eine Hand gegen den Zaren. Ihn zn tödten beabsichtigten die Bauern Tichanow und Schyrjajcw, die Arbeiter TholMrin und Presnjakow, der gewesene Bolksschullehrer Solowjew und Andere. Warum hat man denn den Zaren getödtet?! Der hat ja die Bauern von der Leibeigenschast befreit? Ja wohl, der Zar hat allerdings dem Bauer Land ertheilt, aber so zugemessen, daß aus jede Seele kaum ein Fußbreit Land kam. Den größten Theil de« von den Bauern mit Schweiß und Blut bearbeiteten Bodens verschenkte er aber den Herren (Adel). Er hat auch die wahre Freiheit dem Bauer gewährt, nämlich die Freiheit, Hungers zu sterben, die Freiheit, Leib und Seele den Herren, den Krämern, dem Ausbeuter aus den Reihen der eigenen Brüder zu verlaufen, die Freiheit— für Urjadnick'S(Landespolizisten) und Tschinow- niks(Beamten), dem Bauer den Hals zu brechen! In Verlegenheit ge- rieth der Bauer Uber die Freiheit, die ihm das Väterchen gab. In Ver- legenheit gerieth er, überlegte es sich immer und immer wieder und kam zu der Ueberzeugung: die Herren und die Tschinowniks haben die Freiheit gefälscht, haben eine miechte, nicht die zarische Freiheit proklamirt.... Wie wäre es sonst denkbar, daß des Bauern Grund und Boden, mit dessen Schweiß und Blut durchtränkt, in die Hände der Herren fiele! Sandte aber der Bauer Bevollmächtigte zum Zaren, um über die Freiheit sichere Auskunst und Bescheid zu bekommen, nun, so bekamen *) Wie wir in unserer vorigen Nummer anzeigten, veröffentlichen wir hiermit auch die vom Bunde„Semlja i Wolja" ausgehende Proklamation an das Landvolk. Als sozialistisch im modernen Sinne wird sie wohl selbst von ihren Urhebern nichr ausgegeben, sie erinnert vielmehr an die Bauernerhebungen zur Zeit der französischen Revolution. Bei aller Sympathie sür die Sache der russischen Revolutionäre glauben wir das doch betonen zu müssen. sie Bescheid: der eine ging nach Sibirien, der andere wurde mittelst Schub nach Hause transportirt! Da haben sie die echte Freiheit zu genießen bekommen!! Oder haben vielleicht die Tschinowniks ohne Wissen Zaren die Bauerndelegirten nach Sibirien verschickt?! Oder hat etwa der Zar keine Gelegenheit gehabt, den Bauern zu sehen? Haben ihn die Herren zum Bauer nicht zugelassen, so sah er doch Soldaten in Hülle und Fülle; und der Soldat ist doch derselbe Bauer! Nein und wieder nein! Der Zar selbst besahl im Jahre 1879, den Bauern zu erklären, daß sie Grund und Boden nicht im Mindesten mehr zu erwarten haben! Der Zar selbst— ist ja aller Herren Herr, aller Kausleute Kaufmann, aller Blutsauger, aller Tschinowniks der erste. Nun fanden sich Leute in Rußland, die dem Volke auseinandersetzten, wie die echte Bauernsreiheit zu erlangen sei..... Augenscheinlich aber paßte die Wahrheit dem Zaren nnd den Herren nicht in den Kram: sie begannen jene Leute in den Gefängnissen zu martern, in unzähligen Massen nach den sibirischen Bergwerken schleppen zu lassen, zu stranguliren und zu erschießen. Für diese Grausamkeiten nun, und dafür, daß der Zar das Volk bewogen, ist er getödtet worden. Auch vom neuen Zaren hast Du nichts Gutes zu erwarten! Den Grund und Boden den Herren zu nehmen und dem Bauer zuzutheilen, fällt ihm nicht ein, die echte Freiheit wird er nicht geben! Sich selbst und sein Herren-Gesindel wird er nicht zu kurz kommen lassen! Die Herren, die Tschinowniks beschenken— das thut er freilich. Der ge- wesene Zar beispielsweise hat seinen Brüdern, den Großfürsten, den Tschinowniks, verschiedenen Herren und Damen, von Deinem Boden zwei Millionen Deßjatinen vertheilt. Der Bauer aber hat nichts und wieder nichts! WillstDuLand undFreiheit, so nimm sieselb st m i t Gewalt! Diese Sache aber muß gemeinsam, von Allen gleichz e i t i g in Angriff genommen werden. In alle russischen Lande sind Bevoll- mächtigte zu schicken, von Tor; zu Torf, von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt. Um Freiheit erlangen zu können, müssen alle sich unter einander verständigen. Das Volk ist die Macht. Was es will, muß gesch ehen! Vor Allem— seinen eigenen Grund und Boden zurückzunehmen, dem Zaren keine Steuern zu zahlen und keine Rekruten zu geben! Da mag der Zar sehen, wo er bleibt! Da wird er mit allen seinen Herren zusammengenommen Nichts gegen die Bauern auszurichten ver- mögen. Einer für Alle, Alle für Einen, die Haut nicht schonend! Dann wird Niemand mehr Unkraut und Holzrinde zu essen oder vom Almosen zu leben genöthigt sein! Kämpfe, Bauer, für die reine Wahrheit, sür Dein Land und Deine echte Freiheil! Stehen wir Alle wie Ein Mann sür die Freiheit, für„Semlja i Wolja"! 14./26. März 1881. Fliegende Druckerei des Bundes„Semlja i Wolja" St. Petersburg. Petschaft des Geheimbundes„ „Semlja und Wolja". Aus der Rede unseres Genoffen Bebel über den Arveiter- Mnfall» Ver>icher«ngs- Kesetz- Sntnmrf. Gehalten in der Sitzung vom 4. April 1881. (Nach dem stenographischen Bericht.) (Schluß.) Der Abdruck dieser, die Stellung unserer Partei zu dem Unfall- Versicherungsgesetz charakterisirenden Rede hat mehr Zeil in Anspruch ge- nommen, als wir anfänglich vorausgesetzt. Wir glauben daher im In- teresse unserer Leser zu handeln, wenn wir zum Schluß einige Kürzungen vornehmen. Bebel wendet sich im weiteren Verlaus seiner Rede zur Frage der Reichs» nsallversicherungsbank und widerlegt die gegen die-. selbe, meist von liberal-fortschrittlicher Seite erhobenen Einwände. Nachdem er dieselben aufgeführt, fährt er fort: „Meine Herren, alle diese Einwände lasse ich in keiner Weise gelten. Ich glaube, daß diese Einwände fthr leicht zu widerlegen sind. Zunächst also betone ich noch einmal, die Konzentration des gesammlen Unfall- wesens in einer einzigen Hand ereichtert sehr bedeutend den Nebcrblick über das g e s a m m t e U n s a l l v e f e n; denn selbstverständlich muß mit der Einsührung eines derartigen Unfallgesetzes auch die Ver- pflichtung verknüpftseirsür die Arbeitgeber, jeden Unfall, und da wir auf alle Unfälle selbstverständlich vom ersten Tage ihres Eintritts die Haftpflicht ausgedehnt wissen wollen, also auch die Arbeitzeber genöthigt sind, jeden eintre- t e n d e n U n s a l l s o f o r t an die betreffende Reichsunfallbankbehörde zu melden. Das ist, meine Herren, gar keine Erschwerung des Ver- k e h r s, denn die Arbeitgeber find auch gegenwärtig verpflichtet, die sofortige Anmeldung auch den Privatunsallebanken zu machen, weil diese zur Feststellung der Versickerungsenrschädigung dieser Meldung bedürfen. Der Arbeiter muß soga: ein ärztliche« Attest beibringen, daß der Unsall wirklich vorgekommen ist, in der und der Weise den Arbeiter geschädigt hat. Ebenso hat der A:beiter, sobald er wieder geheilt ist, wiederum ein ärztliches Attest beizwringen, daß er bis zu dem und dem Tage nicht gearbeitet und demgemlß die entsprechende Entschädigung zu beanspruchen hat. Hier tritt der bedeutende Unterschied des Vortheils einer derartigen Anmeldung bei ter Rcichsunsallbank im Vergleich zu der bei den verschiedenen Privatunsallbanken recht drastisch in den Vordergrund. Die Privatunfallbank ist immer rur in gewissen Bezirken und häufig nur sporadisch vertreten, sie ist daiei genöthigt, Agenten zu halten, die mehr oder weniger über ganz Deutchland ihre Thätigkeit ausdehnen, um bald hier bald dort irgend einen bäiebigeu Gewerbebetrieb in ihre Unfall- bank hereinzuziehen zu suchen, ohn: zn fragen, ob die Unsallbank bereits eine Reihe ähnlicher Gewerbebetriebe in ihrer Versicherung hat. Die Privatbank ist also dabei sehr bedeutend in ihrer Kontrole und in ihrer Urtheilssähigkeit beschränkt, ob die Gefahrenklasse, die sie dem betreffenden Betriebe zuweist, gerade die richtig: ist. Ganz anders, wenn die Reichsmfalloersicherungsbank es in der Hand hat, ganz anders, wenn in einer lestimmlen Zentralstelle des Reichs die gesammlen Anmeldungen der Vorsälle allmonatlich und alljährlich zu- sammenlaufen. Tamil wird inmrhalb weniger Jahre ein so umfassendes Material gesammelt und dadurh eine genaue Kontrole des gesammlen vorkommenden Unfallwesens stauirt, daß auf Grund dieser Kontrole, aus Grund dieser massenweise gstammelten Thatsachen die Rcichsbehörden in der Lage sein werden, in wät besserer, weit zuverlässigerer Art die Versicherungsprämien bemessen ,« können, als dies je etzier PrivaMnfall- verficherungsbank möglich wäre.———— Weiter wird von Bebel mit Recht bestritten, daß die Reichsunfall- verficherungsbank weniger koulatt fein müsse al« die Privatbanken, nnd dem gegenübergestellt, daß sie enorm weniger Unkosten haben wird. Bebel fährt fort: „Was endlich den Mangel ai geeigneten technischen Kräften anlangt, so behaupte ich, meme Herren, laß auch in dieser Beziehung die Staats- unsallbank genau ebenso und üelleicht noch mehr im Stande ist, die geeigneten.Kräfte heranzuziehen wie irgend eine Privatversicherung«- aastalt. Das haben ja bereits die bezüglichen Staatsverwaltungen im Eisenbahnwesen, im Bergwesen n. s. w. im ausreichendsten Maße be- wiesen. Ferner spricht im höchsen Grade s ll r die Reichsunfallbank, daß Dieselbe im Stand eist, durch die genaue Uebersicht, die sie in Folge der Anmeldung aller Unfälle Uber unser ganzes bestehendes Industrie- und Gewerbsleben bekommt, mit Hilfe der Fabrikinspektoren, die in diesem Fall selb st verständlich bedeutend an Zahl zu vermehren sein dürften, ich sage, daß sie in der Lage sein dürfte, alsdannauch geeigneteBerordnungenerlassen zu können, krast deren die einzelnen Industriellen g en ö t h ig t s in d, Schutzmaßregeln für ihre Arbeiter eintreten zu lassen mehr und besser, als dies bisher d e r F a l l w a r. Es ist bereits bei Gelegenheit der Berathung des Haftpflichtgesetzes vor zehn Jahren festgestellt worden, daß schon damals die Fabrikinspektoren konstatirt haben, daß es sehr leicht möglich sei, durch geeignete Schutzmaßregeln allmählich die Zahl der Unfälle um 25 bis 30 Prozent zu vermin- d e r n. (Hört! links.) Es ist auch damals, meine Herren, insbesondere von einem Fachmann, dem Bergbaudirektor Ulbrich, die Ansicht vertreten worden, daß sogar in einem der notorisch gefährlichsten Betriebe, dem Bergbau, nach den vorhandenen technischen Kennt- nissen der Betrieb in den Bergwerken nahezu gar keinegrößerenUnfällemehrvorzukommenbrauchten. (Hört! links.) Dem widerspricht allerdings, meine Herren, in sehr bedenklichem Grade die Tbatsache, daß wir trotzdem seit jener Zeit eine sehr große Zahl von Unglücksfällen hatten, daß bei einer ganzen Reihe von Kuappschafts- lassen und Kuappschaftsverbänden deren Leistungsfähigkeit und deren Existenzfähigkeit in Frage gestellt ist, und zwar im höchsten Grade in Frage gestellt ist. Das kann einzig und allein nur möglich sein, weil bisher das AussichtSwesen über die Bergwerke und die Vorsichtsmaßregeln in denselben nicht in demjenigen Grade gepflegt worden sind, wie es un« umgänglich nothwendig wäre und nach dem Stand unserer technischen Kenntnisse möglich ist. Wenn nun aber in einer allgemeinen Reichsunfallbank alle Bergwerke gewissermaßen solidarisch mit für die Schäden des Bergbettiebs eintteten müßten, dann, meine Herren, habe ich auch die Ansicht, daß gerade aus den Kreisen der Arbeitnehmer*) selber, die jetzt derartige Fälle möglichst zu vertuschen gesucht haben, daß da, sage ich, in der allerentschieden st en Weise die For- d e r u n g l a u t w e r d e u wird, daß Unfälle möglichst zu den Un« Möglichkeiten gehören, selbst aus dieGesahr hin, daß damit die Kohlenpreise in der That um eine Kleinigkeit erhöht werden müßten. (Sehr richtig! links.) Es wird serner ein sehr gewichtiger Einwurf gegen die Reichsuusall- bank dadurch erhoben, daß man sagt: ja, sie schädigt das Privateigen- thum, sie ruinirt eine ganze Anzahl bereits bestehender Kassen, sie setzt eine ganze Anzahl von Menschen, die ihre Existenz in den Unfallbanken finden, in ihrer Eristenz in Frage. Meine Herren, auch das halle ich nicht für richtig. Wa« die Beamten betrifft, so meine ich, sei es nicht nur christlich, weil dieser Standpunkt in den Motiven so stark betont wird, sondern es sei auch sogar für das Gedeihen der Rcichsunsallbank nothwendig, daß sie bestrebt ist, diejenigen Beamten, die gegenwärtig in den Privatunsallbanken thätig waren, in erster Linie in der Reichsunsallversicherungsbank anzustellen. Ich bin mit dem Herrn Abgeordneten Richter darin vollständig ein- verstanden, daß der tz 52 der gegenwärtigen Vorlage, der von der An- ficht ausgeht, daß überhaupt direkte Beamte nicht noth- wendig seien, auf einer großartigen Illusion beruht. Dann lassen Sie, wenn Sie das wollen, die ganze Reichs- unsallbank lieber weg, denn dann ist sie absolut unmög- lich. Man hat, scheint es, hier dem partikularistischen Standpunkt eine Konzession machen zu müssen geglaubt. Nun bin ich der Meinung, daß doch die allgemeinen Volksintereffcn über den Interessen der einzelneu Partikularstaaten resp. deren Regierungen stehen, die da meinen, es sei ein gesährliches Ding, wenn wiederum neue Reichsbeamten geschaffen würden. Meine Herren, wir sind es nicht, die für die Vermehrung der Beamtenwelt schwärmen— aber wenn Beamte nothwendig werden, deren Thätigkeit sür das allgemeine Wohl und speziell zum Vor- theil der unterdrückten Klassen angewandt werden soll, wie die« bei dem Gesetzentwurs, wenn er in der von uns bezeichneten Richtung konstruirt wird, der Fall ist, stimmen wir mit Vergnügen da- sür. Auch werden wir keine eigentliche Vermehrung der Beamten be- kommen, wenn, wie von mir angedeutet, bei der Rcichsunsallbank die Beamten der Privatunsallbanken so weit als möglich in Thätigkeit treten.————————————- „Ja, meine Herren, die Reichsbank! Sie haben gehört, wie Herr Dr. Bamberger sich vor ein paar Tagen in seiner großen Rede gegen die Rcichsunsallbank erklärt hat. Derselbe Herr Dr. Bamberger aber war einer der energischesten Vertreter der Reichsbank. Da haben alle Bedenken, die er gegen die Rcichsunsallbank hat, in keiner Weise bestanden, und doch, meine Herren, sind der Reichsbank gegenüber allen Privat- danken Privilegien in so exorbitantem Maße zugebilligt worden, daß es sich fast lohnt, etwas näher daraus einzugehen, niir um darzuthun, wie ganz ander« diese Reichsbank in die Thätigkeit der Privatbanken und deren materielle Existenzbedingungen eingegriffen hat. (Sehr richtig! link«.) „Und nun, meine Herren, ist das etwa wie hier bei unserer Vorlage zu Gunsten der Allgemeinheit, zu Gunsten einer sehr großen Zahl armer nothleidender Mitmenschen geschehen? Nein, meine Herren, zu Gunsten einer ganz kleinen Zahl von Kapitalisten, denen man die Möglichkeit gegeben hat, ihre Kapitalien in die Reichsbank«inzu- schießen, und zu deren Gunsten das deutsche Reich die Verpflichtung übernimmt, m bester Weise für sie zu sorgen, ihre Privatinteressen wahr- zunehmen, so daß in Wahrheil das deussche Reich der Kommis einer kleinen Zahl reicher Aktionäre ist, für die es arbeitet und denen es all- jährlich, ohne daß die Betreffenden die geringste Arbeit verrichten, einen sehr schönen Gewinn in die Tasche spielt, einen Gewinn, der im Laufe der Jahre sich noch bedeutend erhöhen wird. (Sehr richtig! links.) Ja, meine Herren, da haben die Herren Bamberger und Genossen nichts dagegen einzuwenden gehabt, damals handelte es sich ja um ein Reichsinstitut, das zum B o r t h e i l, und zwar zum ausschließlichen Vortheil der besitzenden Klasse errichtet wurde. Und jetzt, wo es sich darum handelt, eine Unsallbank zu toustruiren, die den armen Gesellschaftsklassen, den Enterbten der Gesellschaft, wie der Herr Reichskanzler sich so tref- send ausdrückte, zu gute kommen soll, da steht er natürlich auf einem entgegengesetzten Standpunkt, da will er von einer solchen Ein- richtung nichts wissen und malt sie so schwarz al« möglich. Hiermit bin ich mit meiner Kritik.des Entwurfs in seinen Haupt- bestimmungen zu Ende.—————————— Freilich, ich gestehe Ihnen ganz offen, ich bezweifle sehr, daß Sie geneigt sind, diesen unseren Vorschlägen beizutreten, ich bezweifle die« hauptsächlich darum, weil hier bei diesem Gesetze genau in derselben Weise wie bei einer Anzahl anderer Gesetze sich der Interessengegensatz der verschie- denen Schichten, in welche die herrschen denKlasscn gespalten sind, bemerkbar machen wird. Was, meine Herren, ist denn der Hauptgrund, weshalb wir Uberhaupt zu keiner klaren prinzipiellen Gesetz- gebung mehr kommen, woran liegt das? Weshalb kommt die Klage, daß, wenn heute ein Gesetz erlassen ist, nach zwei bis drei Jahre» allerlei Resormvorschläge und Aenderungen nothwendig find? Einfach daher, weil man den prinzipiellen Standpunkt, von dem allein au« Gesetze gemacht werden dürfen und sollen, vollständig aufgegeben hat, weil der reine momentane ZweckmäßigkeitSstandpunkt an Stelle der Prinzipien und der prinzipiellen Aussaffung und Durchführung getteten ist. *) Zweifelsohne ein Druckfehler im Stenogramm an Stelle von Unternehmer. Und nun noch eins, meine Herren, Sie alle, wie Sie da sitzen, mit Ausnahme meiner Fraktion, die Sie in Ihren Anschauungen, Ihren Wünschen, Ihren Interessen verschiedenartig sind, Sie stimmen in dem einen überein, in der Bekämpfung der Bestrebungen der Sozialdemokratie; aber sobald nur Fragen auftreten, die Ihr eigenes Interesse berühren, so tritt jede Fraktion mit denjenigen Gesichtspunkten an die Prüfung dieser Gesetze, welche sie aus Grund der Interessen der sozialen Schicht, aus welcher sie vorzugswem ihre Mitglieder rekrutirt, gewissermaßen an- zunehmen gezwungen ist. Meine Herren, ich erkläre Ihnen, so verschieden- anig die Fraktionen sind, in die der Reichstag sich theilt, ich möchte mich anheischig machen, nachzuweisen, wie jede dieser Fraktionen in Wahrheit einer bestimmten sozialen Schichtenbildung unserer Gesellschaft entspricht und dementsprechend ihre Jnteresien bei der Gesetzgebung zu vertreten sucht. Ta nun bei dieser Gesetzgebung der Interessengegensatz der ver- schiedenen Schichten in der eklatantesten Weise zum Ausdruck kommt, uud keine Fraktion stark genug ist, ihre Gesichtspunkte ausschließlich zur Geltung zu bringen, so ist sie genöthigt, Kompromisse abzuschließen. „Kompromiß" bedeutet: Handeln,„Kompromiß" bedeutet: Ausgeben der Grundsätze, Aufgeben der Prinzipien, und die nothw endige Folge davon ist, daß Sie eine grundsatzlose, Prinzip ien l ose Gesetzgebung zum Ausdruck bringen. Das, meine Herren, dürfte auch diesmal beim Unfallversicherungsgesetz der Fall sein, wir haben also in Wirklichkeit gar keine Ursache, zu befürchten, daß Sie uns mir diesem Gesetz schädigen werden, ich glaube im Gegeutheil, die Sozialdemokratie dürfte aus der Behandlung, die dieses Gesetz durch den diesjährigen Reichstag erfährt, neue Nahrung und neues Gedeihen schöpfen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Sozialpolitische Rundschau. — Aus Berlin, 15. Mai, schreibt man uns: Die Liberalen sind wirklich ebensowenig im Stand, etwas zu lernen als zu vergessen. Keine Dummheit, die sie verübt, können sie vergessen, aus keiner Lektion, die ihnen applizirt worden, können sie lernen. Bor den letzten Wahlen, als Jedermann wußte, daß die„Sauhatz" auf den Liberalismus inszenirt werden sollte, als das geflügelte Wort: sie sollen an die Wand gedrückt werden, daß sie quietschen! von den Spatzen herumgezwitschert ward, suchten sie dadurch das Gewitter zu beschwören, daß sie sich mit dem Eiser des Sklaven, der ein Lächeln des Herrn ver- dienen will, in die Sozialistenhatz stürzten. Sie verrichteten die schmutzige Arbeit für Bismarck; und— machten es ihm möglich, das„An die Wand drücken" mit ungetheilten Kräften zu besorgen. Man erlaubte ihnen noch gnädigst, das Sozialistengesetz zu apportiren und dann kam die Generalabschlachtung der„An die Wand- gedrückten." Nie hat eine Partei schlimmere Ersahrungen gemacht, nie ist die Gemeinheit und Prinziplosigkcit grausamer bestraft worden. Die nationalliberale Partei ist zersprengt, aufgelöst worden. Sie vegetirt nur noch in einem verächtlichen Rumpf, der nicht leben und nicht sterben kann. Der verächtliche Rumpf hat nichts gelernt und nichts vergessen, und qnält sich jetzt, angesichts der bevorstehenden Wahlen ab, die Dumm- heit des Jahres 1878 zu wiederholen, und durch hündisches Denunziations- gekläss gegen die Sozialisten die Protektion, oder�doch wenigstens die Schonung Bismarcks zu erkaufen. Ich glaube, man wird vergeblich die Geschichte der Presse aller Länder nach einem Beispiel ähnlicher Niedertracht und Kurzsichtigkeit durchsuchen, wie die nationalliberale Presse es jetzt dar- bietet. Ans der einen Seite das kläglichste Gewinsel, daß man Fürst Bismarck nicht in jeglichem Punkte nachgeben, daß man ihm zwar das Opfer des Intellekts der Gesinnung und des Prinzips mit Wollust darbringe, aber doch nicht aufhören könne, zu vegctiren. Und auf der anderen Seite ein hysterisches„Hepp Hepp" gegen die Sozialdemokratie, mit obligaten Lügen und Verleumdungen. Die böse Sozialdemokratie plant Mord und Todschlag, Raub und Plünderung; gegen die Sozialdemokratie erlaubt der biedere staatsrettcnde National- liberalismus Alles, gegen sie ist er zu allen Hand- und Spanndiensten bereit. Nur soll Percy Bismarck ihm dafür sein bischen Leben lassen. Es ist wirklich ekelhaft; wäre es das nicht, so wäre es hochkomisch, denn diese Jämmerlinge sind weder in der Lage, der Sozialdemokratie noch dem Percy Bismarck nützen oder schaden zu können. Koustatirt muß aber werden, daß die liberale Presse jetzt wieder, wie 1878, der sauberen„Norddeutschen Allgemeinen" an Gemeinheit und speicheckecke- rischer Servilität erfolgreich den Rang abgelaufen hat. Da die sächsische Regierung sich bis jetzt gegen die Protlamirung des „Kleinen Blagcrnngszustandes" erst über Leipzig und dann den Rest des Landes hartnäckig sträubt, so werden wir demnächst wohl von irgend einer Verschwörung hören, zumal aus dem pomphast angekündigten „Hochverrathsprozeß" einiger unglücklicher„Freiheits"-Empsänger nichts geworden ist. Es wird von furchtbaren Drohbriefen an den Reichskanzler gemunkelt, von einem„zweiten Ryssakoss", von„mysteriösen Fremdlingen" in Berlin u. s. w. Es wird sogar hinzugefügt, zuverlässigster Information gemäß sei dieS icher heit in der jetzigen Reichshauptstadt so gefährdet, daß sich die Wegverlegung des Sitzes der Regierung und der Kammern schon aus diesem Grunde nothwendig mache.) Diese Schauergeschichten sind natürlich a» die Adresse des Helden- greises und seiner Familie gerichtet, dürsten jedoch ohne irgend eine t h a t s ä ch l i ch e Unterstützung die beabsichtigte Wirkung kaum erreichen. Es dürste also in nächster Zeil, das heißt nicht zu früh vor den Wahlen, das eine oder andere Komplöttchen entdeckt werden. Die Armee„Ge- Heivier" muß doch da« viele Geld, das sie kostet, auch verdienen. Die„internationale Kampagne" ist noch kläglicher verlaufen, als wir schon anfangs vermuthcten. Die französische Regierung, bei der die russische die nöthigen Anfragen besorgte, hat mit einem kategorischen possumus! geantwortet, das durch den revanchelustigen Streber Gamberla, der die Chance einer sranzösisch-russischen Allianz nicht ver- lieren will, mit süßen Privatversprechnngen, die leider keinen Centime Werth sind, überzuckert ward. Und die englische Regierung hat bei den ersten Andeutungen des russischen Gesandten(der bei Gladstone Hahn im Korbe ist) so energisch die Unmöglichkeit eines selbst nur formellen Zu- geständnisses an die internationale Reaktion betont, daß von einer amt- lichen Mittheilung der sauberen Mission ganz abgesehen wurde. Unter solchen Umständen ist das saubere Projekt begraben worden, was freilich nicht verhindert, daß e« noch Monate lang in der Presse herum- spucken wird. Ob die republikanischen Zarenverehrer in der S ch w e i z nun noch auf e i g e n e F a u st und aus eigener Neigung einen Feldzug gegen das Asylrecht unternehmen werden? Auf den bekannten Dank des Fürsten Bismarck wäre zu rechnen. — Die Kommission für die Durchberathung des Reichsuufallversicherungs- gesetzes hat ihre Berathungen abgeschloffen, und wenn dieses Blatt die Presse verläßt, wird wahrscheinlich die zweite Lesung schon begonnen haben. Dieselbe wird wahrscheinlich nur ein anständiges Begräbniß für das Bismarckische„soziale Reformwert" sein, denn wie Bebel treffend am Schluß seiner Rede voraussagte, dulden es die entgegengesetzten In- teressen der verschiedenen Gruppen im Reichstage gar nicht, daß ein prinzipielles Gesetz, ein Gesetz ans einem Guße, zu Stand kommt. Der Entwurf war schon in seiner ursprünglichen Form eine Mißgeburt, die hohe Kommission aber hat ihn zu einem Wechselbalg hergerichtet, an dem Niemand, außer eltva Herrn Stumm ein Interesse, geschweige denn Freude hat. Die Kommission hat den Versicherungsbeitrag der Arbeiter angenommen, während Bismarck, wie jetzt offiziös mitgetheilt wird, auf dem Reichs- zuschuß besteht. Gegen Beides aber werden unsere Abgeordneten ent- schieden eintreten und stimmen, denn Beides ist eine durch nichts gerechtfertigte Unterstützung der Arbeitergeber. Es wird also schon hieran das Gesetz wahrscheinlich scheitern, abgesehen von seineu anderen Fehlern. Wir werden ihm keine Thräne nachweinen, sein Schicksal aber liefert uns einen neuen Beweis dafür, daß an den Jnteressengegen- sähen der herrschenden Klassen heute jede wahrhaste soziale Reform schei- tern muß, wenn sie nicht von den Arbeitern erzwungen wird. Aus der ganzen Berathung werden als Sieger einzig und allein wir hervor- gehen und den deutschen Arbeitern zurufen: Unsere Abgeordneten haben den Herren gezeigt, wie das Unfallversichermigsgesetz beschaffen sein muß, aber weder Euer angeblicher Freunds der allmächtige Reichskanzler, noch die übrigen Abgeordneten wollten und konnten ein solches Gesetz zu Stande bringen. Die Einen wollten aus Kosten der Andern, Alle auf Eure Kosten, ihre Spezialinteressen schützen. So lange ihr also bismarckisch oder konservativ-liberal-demokratisch wählt, so lange wird Euch nicht ge- Holjen; man wird Euch demnächst an die Urnen rufen, Ihr wißt jetzt, für wen Ihr zu stimmen habt. So werden wir zu den Arbeitern sprechen. Dank, Bismarck, daß Du uns dazu verholfen! — Bei der Debatte über die Jnnungsvorlage haben unsere Genossen Auer und H a r t m a n n mehrmals kräftig eingegriffen und den Herren JnnungSschwärmern verschiedene derbe Wahrheiten gesagt. Selbstverständlich werden unsere Abgeordneten gegen das ganze Gesetz stimmen, denn es ist der heilloseste Blödsinn, der je ausgetischt wurde, nur bestimmt, den Spießbürgern Sand in die Augen zu streuen dadurch, daß man ihnen wieder mehr Macht über die Arbeiter— verspricht. Die Herren Fabrikanten lachten sich ins Fäustchen über die dummen Hand- werker, die ihnen die Kastanien der Arbeitsbücher aus dem Fener holen; den dummen Tröpfen von Handwerkern aber, die da meinen, es sei schon alles besser, wenn sie wieder das Recht haben, ihre Arbeiter recht zu treten, geschieht ganz recht, wenn sie mit dem Jnnungsgesetz gründlich über den Löffel barbirt werden. Hielten wir es nicht für unsere Pflicht, unter allen Umständen unser Prinzip aufrecht zu erhalten, wir möchten fast, daß unsere Abgeordneten f ü r dieses famose Gesetz stimmten — aus Bosheit. Einige Stellen aus den Reden unserer Abgeordnelen glauben wir wenigstens anführen zu müssen, nachdem die Zeitungen ihnen das hör- rendeste Zeug in den Mund gelegt. Am 111. Mai sagte H a r t m a n n: ----„Meine Herren, gerade der Arbeiterstand in unserer heutigen Gesellschaft weiß im Durchschnitt mehr und bes- ser, was ihm gut und nützlich ist, al? viele Handwerker, denen Sie durch dies Gesetz helfen wollen. Es fst eine Thatsache, daß ein großer Theil des Handwerkerstandes die geschäftliche Entwicklung der Jetztzeit, durch welche seine schlechte Lage bedingt wird, nicht richtig beurtheilt, der größte Theil der Handwerker, welche dies Gesetz wünschen, rekrutirt aus einer Zeit, wo unsere heutigen Verhälmisse und die Aufklärung derselben noch weit zurück war, daher kommt es, daß er auch eigentlich über das, was ihm yeute gut und nütze ist, noch keine klare Uebersicht hat. Es ist leider eine Thatsache, daß in den Reihen der Handwerker sich ein Bedürfniß fühlbar macht, entsprechend der vergangenen Zeit wieder etwas herrschen zu wollen, und diesem Bedürfniß will man nun ent- sprechen, indem der Geselle und Arbeiter in seinen jetzigen Rechten und Freiheiten bedeutend gekürzt wird. Aber Druck erzeugt Gegendruck, und so wird es kommen, daß dann, anstatt eine Harmonie zu schaffen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, das Gcgentheil stattfinden wird." Im ferneren Verlauf sagte Auer: -----„Ich erkläre hier ausdrücklich, daß ich e« an und für sich für falsch halte, daß den Innungen solche Rechte, wie sie die s§ 97 und 97a in Bezug aus die Gesellen enthalten, eingeräumt werden. Es wird das nur Anlaß zu unendlichen Streitigkeiten geben, wie ich denn überhaupt gegen das ganze Gesetz stimmen werde, ob mit s 100s oder ohne denselben, das ist mir ganz gleich- giltig, denn ich stehe mit meinen Anschauungen nicht auf dem Boden, auf welchem die Gesetzesvorlage sich bewegt. Ich muß aber vor allem dagegen protestiren, daß entgegen dem heute bestehenden Zustande den Meistern wieder Borrechte eingeräumt werden sollen, die wir alle zusammen glaubten längst begraben zu haben. Die Gesetzes- Vorlage gehl, soweit von Arbeitern die Rede ist, immer von der Voraus- setzung aus, daß die Meister unter allen Umständen die Klügsten, die Besten und Einsichtsvollsten seien, aber diese Voraussetzung ist falsch. Thatsache ist, daß gerade jetzt nach Einführung der Gewerbefreiheit ein großer Theil der Gewerbetreibenden, die, wenn sie jetzt au« der Lehre kommen, nicht die Kraft und den Muth in sich fühlen, in die Welt hinan« zu gehen, um dort im Handwerk sich noch mehr auszubilden, um erst zu lernen, was das Handwerk bietet, daß die zu Hause bleiben und Meister werden. Und diese Meist er söhnchen, diese aller Spann- kraft entbehrenden Elemente, die, zu Hause sitzend, nichts gelernt und nicht« gesehen haben, denen wollen Sie das Recht einräumen, daß sie über die Kassengelder derjenigen Gesellen, die draußen in der Welt waren, das freie Verfügungsrecht haben?" — Festnageln. Herr Eugen Richter, der fortschritlliche Maulheld, glaubte bei der Jnnungsdebatte einen großen Trumpf auszu- spielen, indem er Herrn Stumm vorwarf, einen an und für sich guten Antrag nicht angenommen zu haben, weil er von der Fortschrittspartei ausgegangen sei. Dabei hat Herr Richter natürlich ganz vergessen, wie er im Jahre 1877 bei seiner famosen Rede gegen die Wiederwahl Hasenklevers die Phrase ausspielte, die Sozialdemokratie schade nur im Reichstage; denn nur dadurch, daß ein Antrag von ihr ausginge, sei es allen übrigen Parteien— inklusive Fortschrittspartei natürlich— unmöglich, dafür zu stimmen. Herr Richter hat also gar kein Recht, über Herrn Stumm den Stab zu brechen. Es ist Einer so ehrenwerth wie der Andere. — Hurjeh, die Angst! Der„eiserne" Kanzler läßt jetzt einen Gesetzentwurf ausarbeiten, nach welchem die Anfertigung von Dynamit, Pulver tc., kurz alle Sprengstoffe zum R e i ch s m o n o p o l er- klärt werden sollen. Warum nicht lieber gleich die ganze Chemie-Wiffen- schast zum Reichsmonopol erklären? Da läge doch wenigstens„Methode" darin. So aber, wo jeder Sekundaner, wenn es daraus ankommt, Dyna- mitbomben anzufertigen versteht, ist die ganze Maßregel nichts als der helle nackte Wahnsinn, wobei noch der schönste Umstand der ist, daß die russischen„Dynamiter" das uöthige Dynamit, wie es scheint, direkt ans den kaiserlichen Arsenalen bezogen. Die deutsche Sozialdemokratie hat zwar unter den Garde-Offizieren noch wenig Anhänger, desto mehr aber unter den Bergleuten. Da läßt sich nun auch bei der schärfsten Koutrole gar nicht verhindern, daß die.Sergleute, wenn es ihnen darauf ankommt, Dynamit in kleineren Portionen für sich zurück- behalten und ansammeln, und ist es heute z. B. in den Bergbaudistriklen bereits üblich geworden, zum Spalten knorriger Holzscheite einfach Dyna mit anzuwenden. Kurz, so oder so, geehrter Herr Reichskanzler, wider das Dynamit ist kein Kraut gewachsen. Aber, die Furcht macht blind, sagt ein altes Sprüchwort. Oder ist die Furcht vielleicht nur Vorwand, um ein gute« Geschäft mit dem neuen Monopol zu machen. Wäre gar nicht so übel. Wer die Juden so haßt, wie Bismarck, der hat gewöhn- lich selbst so'n Bischen jüdischen Geschäftssinn. Es find ja immer die gleichen Pole, die sich abstoßen. — Die Fraktion Kullmann an der Arbeit. Die vier- jährige Legislaturperiode war bekanntlich, da über sie in Verbindung mit der zweijährigen Etatsperiode abgestimmt werden mußte, in der Endabstimmung gefallen, jetzt will nun die Zentrumspartei in Ver- bindung mit Konservativen und der Reichspartei sie der Regierung in einem selbständigen Antrag apportiren. Die Herren Windthorst, Schor- lemer sc. wollen schachern und da könnten ihre Parlamentssitze ebenso wacklig werden als die der Liberalen, also schnell der Riegel vorgeschoben. Elende Gesellschaft! — N u r M u t h! Da Bismarck mit aller Gewalt Hamburg zum E i n tr i t t in d e n Z o l l v e r b a n d chikaniren will, so haben sich die Hamburger endlich entschloffen und planen— eine Petition an den Kaiser. Furchtbares Mittel. — Den Bismarckischen Polizei sozialisten, zu denen sich jetzt auch noch ein gewisser Meißner, früher Hauptanhänger Hassel- manns, gesellt hat, haben die Berliner Arbeiter einmal wieder gezeigt, daß sie von ihnen und ihrem Herrn und Meister nichts wissen wollen. Eine am 20. Mai von den Herren abgehaltene öffentliche Arbeiterver- sammlung, für welche dieselbe sich extra drei Redner aus Hamburg ver- schrieben hatten, wählte mit überwiegender Majorität einen Sozialisten zum Vorsitzenden. Wie immer, wo Sozialisten eine Versammlung leiten, konnte der Referent, der obige Meißner, seinen Vortrag ruhig zu Ende führen, al« aber in der Diskussion einige Arbeiter ihm entgegen- traten, da vollführten die Bismärcker ein solch antisemitisches Geheul, bis der überwachende Polizist die Versammlung wegen Tumultes schloß. Es sei dann noch zu einer furchtbaren Prügelei gekommen, berichten die Zeitungen, und wir glauben wohl, daß das Gebahren der elenden Ver« räther die Wuth der Berliner Arbeiter bis aufs höchste gesteigert hat. Bedauerlich bleiben solche Szenen schon deshalb, weil die Hanpsschuste sich gewöhnlich drücken oder hinter der Polizei verkriechen. — Aufgelöst wurde in Berlin eine Putzerversammlung, als einer der Redner, Maurer Schulz, es rügte, daß an der Stadtbahn Sonntag« gearbeitet werde. Ist das gesetzlich? fragen einige Biedermänner. Den Teufel auch, habt Ihr denn bis jetzt geschlafen? Der Herr Polizeilieute- nant langweilte sich— er hatte vielleicht ein Rendezvous mit ein paar Freunden, und da löste er eben die Versammlung, die ihm zu lange dauerte, aus. Bastal Gesetzlich? Gründe? Unsinn, gibt's nicht. — Im Meini n zischen zirkulirt eine Petition an den Reichstag um Abänderung und Revision des M i l i t ä r st r a f- gesetzbuches und der M i l i t ä r st r a f g e r i ch t s o r d n u n g im Interesse eines wirksameren Schutzes der Rekruten gegen die Schindereien durch die Vorgesetzten. Sonderbare Schwärmer, diese Meininger! Das Schinden und Schuhriegeln gehört ja doch zum System, wie die Klinge zum Schwert. Was würde aus dem herrlichsten Kriegsheer, wenn die preußische Subordination nicht zur äußersten Konsequenz durch- geführt bliebe. Der Soldat hat sich von seinem Borgesetzten eher todt- schlagen zu lassen, ehe er sich zur Wehr setzt, so steht die Sache, und wir glauben, der Hohenzoller gäbe lieber den preußischen Staatsschatz heraus, als daß er auf die göttliche Subordination Verzicht leistete. Darum, liebe Meininger, nur keine Illusionen! Schaden kann es übrigens nicht, wenn die hundemäßige Behandlung der Soldaten wieder einmal zur Sprache gebracht wird. So etwas „untergräbt" auch. Ein begnadigter Hallunke. Der infame Soldatenschinder, Schenk von Geyern ist mittelst„allerhöchster Entschließung" ein halbes Jahr seiner ohnehin viel zu milden Festungshaft in Gnaden erlassen worden.�) Die gute allerhöchste Majestät I Hätte eines der Opfer des grausamen Schurken in gerechter Aufwallung auch nur versucht, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen, fünf Jahre strenger Arrest wäre ihm sicher gewesen und der kunstsinnige Mondscheinschwärmer von Bayern hätte sich den Teufel um ihn gescheert. Es ist haarsträubend, was sich das deutsche Volk Alles bieten läßt! — Große Studentenunruhe ii meldet man von verschiedenen deutschen Universitäten. Protestirt die jugendliche Intelligenz gegen die um sich greifende Reaktion? Ach nein, in L e i p z i g und Berlin skandaliren die christlich-germanischen Judenfresser, in G ö t t i ii g e n die ob der aus 12 Uhr Nachts festgesetzten Polizeistunde empörten Kneip- genies. Schande und Schmach über diese„Blüthe der Nation I") — Wilhelmsspenden regnet es lustig fort. In Mainz ist Untersuchung eingeleitet, weil Bebel eine geheime Versammlung daselbst abgehalten haben soll.— Die Gesangvereine„Licderlust"(Hanau), „Liederkranz",„Erinnerung"(Stötteritz) und„Lyra"(Gohlis) sind verboten worden. Wo man singt, da laß dich ruhig nieder.— In Hamburg wurde ein 16jähriger Seemann wegen Verdachtes der Ver« breicung sozialistischer Schriften verhastet, die ultramontane„Rhein- und Wiedzeitung" ist wegen Abdruck einer Stelle ans dem Sozialdemokrat angeklagt worden. In Heilbronn haben sechs Familienväter wegen Verdachtes der Verbreitung verbotener Schriften über fünf Wochen sitzen müssen, wann wird man in Deutschland endlich an Entschädigung der— Polizisten für die unnütz ausgestandenen Sorgen denken!— In Frankfurt a/M. ist ein Schutzmann, der auf einen Sozialisten mit der flachen Klinge losgehauen hatte und zu drei Wochen verurtheilt wor- den war, begnadigt worden. Hoffentlich avancirt er bald.— In Chemnitz, in Dresden, in Stuttgart k. Haussuchungen und Verhöre wegen eines Prozesses H i l l m a n n und Genossen, der eine reine Seeschlange zu werden scheint. Genug für diesmal, morgen wieder l u st i k! — S t r i k e s:c. Aus Frankreich laufen fast täglich Rachrichten aus der Provinz ein über Kämpfe zwischen Kapital und Arbeit, in Berlin regen sich die M a u r e r und P u tz e r, in Z ü r i ch striken die S t e i n h a n e r ic. ,c. Ueberall sind es aber fremde Aufwiegler, welche die guten Arbeiter aushetzen. — Oesterreichischer Arbeiter tag. An dm nächsten Pfingst- feiertagen findet in Linz ein österreichischer Arbeitertag statt, der nach Art der im letzten Jahre in Oesterreich abgehaltenen Bauern- und Parteitage als geschlossene Versammlung einberufen werden wird, zu der geladene Gäste Zutritt haben. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Forderungen der Arbeiter in Oesterreich; 2. Die Stellung der Arbeiter zu den politischen Parteien und zur gegenwärtigen Bauernbewegung in Oesterreich; 3. Die Arbeiter und die neue Gewerbeordnung; 4. Grün- dung eines allgemeinen österreichischen Arbeiterbnndes. Wir wünschen, daß der Arbeitertag einen guten Verlauf nehmen und einen gedeihlichen Einfluß aus die österreichische Arbeiterbewegung aus- üben möge. — Die Entrüstungsversammlung gegen die ruf- fischen Grausamkeiten, welche Sonntag den 22. Mai im Cirque Fernando zu Paris einberufen war, nahm einen ausgezeich- neren Verlaus. Gegen 4000 Personen hatten sich eingefunden, Zustim- mungsadressen von Nah und Fern(u. A. auch von der Redaktion der „Arbeiterstimme" und des„Sozialdemokrat") waren eingelaufm und wurden unter stürmischem Beifall verlesen. Gleichfalls unter begeisterten Zurufen sprachen Achille Sec ondigno, Chefredakteur vom„Citoyen", HeuryBrissac, Fr. Cournet, Eudes, CasimirBoui« G. Rodelet tc. tc. Eine mannhafte Resolution, welche die Grausam-, leiten des russischen Zaren dem Abscheu aller zivilisirten Völker über- liefert und dem russischen Volke eine baldige endgültige Befreiung wünscht, wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung wurde durch keinen einzigen Mißton gestört. Alle *) Neuerdings wird berichtet, daß der Schenk von Geyern„nur vor- läufig" aus der Haft entlassen worden sein soll. Kommt aus dasselbe heran». Parteidifserenzeri traten zurück vor der gemeinsamen Aufgabe. Bravo! — Unsere Londoner Freunde hielten am vorigen Montag in dem großen Saale ihres neuen Vereinslokals gleichfalls eine ö f f e n t- liche Protest Versammlung ab; ein Bericht über dieselbe ist bis zum Redaktionvschluß noch nicht eingetroffen. In der am Sonntag stattgehabten, sehr gut besuchten Versammlung deutscher Sozialisten in Zürich wurde-instimmig der Wunsch ausgedrückt, das Komite der schwei- zerischen Sozialisten mögen auch fürLürich eine solche Versammlung veranstalten. — Aus London, 20. Mai, schreibt man uns: Jndeß im Parla- ment die Debatten Uber die irische Landbill in's Endlose hinausgezogen werden, fahren die Landlords fort, ihr„Eigenthumsrecht" wie bisher auszubeuten und die zahlungsnnsShigen Pächter massenhaft auszutreiben, natürlich unter dem Beistand der Staatsgewalt. Es ist da um kein Haar besser als in Deutschland. Zuerst kommt d«s Zwangsgesetz, welches nur als Vorläufer und Borbedingung der„positiven" Maßregeln hin- gestellt wird. Aber die positiven Maßregeln wollen nicht kommen, und wenn sie kommen, erweisen sie sich als purer Schwindel und Heuchelei, so daß von dem ganzen„Reform"werk nicht« übrig bleibt als das Zwangsgesetz. Daß man auf diese Weise den sozialen Frieden nicht finden kann, muß jedem Vernünftigen klar sein, nur nicht dem englischen Ministerium und Parlament. Dieselben Herren, welche Uber die deutschen und russischen Zustände scheinheilig die Augen verdrehen, wissen in Irland auch nichts Besseres zu thun, als Gewaltmaßregeln der brutalsten Art anzuwenden. Zu Hunderten beläuft sich schon die Zahl der auf Grund des Zwangs- gesetzes in Irland Verhafteten; die meisten wurden blos auf unbestimmten Verdacht hin arretirt, viele derselben mußten schon wieder als völlig schuldlos in Freiheit gesetzt werden. Dazu alle Augenblicke eine neuerliche Verhängung des Belagerungszustandes und viel leeres Strohdreschen im Parlament— ganz wie in Deutschland. Daß diese Maßregeln nichts fruchten, daß der Geist des Widerstandes in Irland weder gebrochen noch auch nur gelähmt ist, zeigen deutlich die unzähligen Berichte Uber Attentate auf Landlords und deren Werkzeuge und die Nothwendigkeit, jede Austreibung eines Pächters unter dem Schutze einer bedeutenden Militärmacht vollziehen zu lassen. Vorgestern wurden z. B. in Listowel die Pachtrückstände von vier- zehn Pächtern versteigert. Um diesen Akt der„Gerechtigkeit" zu schützen, wurde das Gerichtsgebäude während desselben von nicht weniger als dreihundert Soldaten bewacht— dreihundert Soldaten nöthig, um vierzehn Pächter zur Raison zu bringen! An demselben Tage besetzte eine starke Militärmacht unter dem Kam- mando eines Majors ein Gut in New-Palla«, Limerick, um den Sheriff bei der Austreibung von auf demselben wohnenden Pächtern zu unter- stützen. Diese aber hatten sich de» Schlosses bemächtigt, dasselbe verram- melt und mit Schießscharten versehen. Es war nicht möglich, dasselbe ein- zunehmen, die Militärmacht mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. Gestern wurde eine noch stärkere Kolonne mit vier Geschützen gegen die„Rebellen" abgesandt, die hoffentlich inzwischen verduftet sein werden. Das sind die Erfolge der Zwangsbill. Inzwischen beginnen auch die irischen Landarbeiter sich zu rühren. Natürlich sind sie sür die Sache der Pächter nicht allzu begeistert, treten aber gleich diesen gegen den„Landlordism" und für Home Rnle ein, bedeuten also durchaus keine Stärkung des grundbesitzenden Elements. Von Sozialismus ist übrigens bisher auch bei ihnen nicht das Geringste zu verspüren. Unter den englischenJndustriearbeitern scheint es dagegen endlich tagen zu wollen. Wenn die englischen Arbeiter in Großbrittanien und Amerika bisher dem Sozialismus unzugänglich waren, so war dies, neben nicht zu unterschätzenden sekundären Ursachen, ihrem konservativen Nationalcharakter, dem Stolze auf ihre Freiheit, aus die sie übrigens nicht gar zu stolz zu sein brauchten, da sie dieselbe so schlecht zu benutzen verstanden, vor Allem Dem zuzuschreiben, daß ihre Lage im Verhältniß zu derjenigen der Arbeiter anderer Länder eine sehr günstige war. In Amerika war'S der iar West, der die industrielle Reservearmee nicht so rasch anwachsen ließ, als es unter normalen Umständen geschehen wäre, in England war es das Monopol, den Weltmarkt mit Waaren zu versorgen. Das Interesse, den auswärtigen Markt zu beherrschen, war ein Kapitalisten und Arbeitern gemeinsame«, es bestand zwischen ihnen eine gewisse Jnteressenharmonie. Diese« Monopol ist aber gebrochen uud e« schwindet täglich mehr und mehr. Im industriellen ists aber wie im politischen Leben: hat man keine auswärtigen Eroberungen mehr zu machen, verfliegt der Siegesrausch, dann treten die inneren Differenzen um so schärfer hervor. Der englische Arbeiter ist in Folge dessen in den letzten Jahren dem Sozialismus um ein gut Stück näher gekommen und kommt es immer mehr. Ein ersreuliche« Zeichen dieser allmäligen Wandlung im Geiste des englischen Arbeiter« ist unter Anderem das neugegrllndete Gewerkschaft«- organ,„DKo labour Standard", ein Wochenblatt, dessen erste Nummer am 7. Mai erschien. Dieses Blatt, welches von einflußreichen Gewerk- schaftlern gegründet worden ist und das die Masse der Gewerkschaften hinter sich hat, bringt bereits ganz sozialistische Artikel. Ein Artikel, überschrieben:„Ein entsprechender Tagelohn für entsprechende Arbeit", weist treffend nach, daß und warum diese alte Forderung der englischen Gewerkschaftler unzureichend und durchaus unmodern ist, und schließt mit folgenden Worten:„Die Gerechtigkeit der politischen Oekonomie unterliegt den Gesetzen, welche die moderne Gesellschaft beherrschen, und ist daher sehr einseitig— sie ist ganz aus Seite des Kapitalisten. Begrabt also da« alte Motto sür immer und ersetzt es durch ein anderes: Besitzergreifung der Arbeits- mittel— Rohmaterial, Fabriken und Maschinen— durch das arbeitende Volk!" Bravo! Behält es die bisher— in den ersten zwei Nummern— einge halten- Richtung bei, dann werden wir dasselbe wohl ohne Bedenken als Mitkämpfer— allerdings in englischer Manier— begrüßen können.*) Zur Vervollständigung unserer Mittheilung über die Londoner sozia- listische Presse wollen wir noch der Kuriosität halber hinzufügen, daß seit dem 15. Mai ein neues deutsches„sozialistisches Organ" von Herrn— G e h l s e n herausgegeben wird,„Die Glocke"— wohl ein Echo der„Reichsglocke"? Wer da auf den Leim gehen wird? Zugleich mit der Achtung vor dem Kapitalismus ist auch die Achtung vor der Religion in erfreulicher Abnahme begriffen. Der Fall Bradlaugh ist ein Beweis dafür. Günstig wirkt in dieser Beziehung die neue Bibel- Übersetzung. Di- bisher hier gebräuchliche Uebersetzung de« neuen Testamentes stammt noch aus dem Jahre 1611. Dieselbe hat mannigfache Borzüge, vor Allem eine schwungvolle, poetische, manchmal ergreifende Sprache.' Aber die Bibelforschung hat so viel Fehler in derselben nachgewiesen. daß sie unmöglich länger beibehalten werden konnte. Eine gelehrt- Kom'- Mission wurde eingesetzt, welche eine neue, den Anforderungen der „Wissenschaft" entsprechende Nebersetzung herstellen sollte. Nach elfjähriger Arbeit ist dieselbe endlich jetzt erschienen und wird— mit einem Schrei der Entrüstung aufgenommen. Die ganze Poesie und Erhabenheit de« früheren Textes ist verschwunden, ja. die allzu wortgetreue Uebcr- setzung wird sehr häufig lächerlich und unfinnig. Die alte Bibel wird als falsch erklärt, die neue ist nicht« nutz— da« muß denn doch den Bibel- glauben erschüttern. Zeit wär's.- j Si — Die Nachricht des„Jntranfigeant", daß Heßja Helsmann ihren Qualen erlegen sei, hat sich bis jetzt— wir wissen nicht, ob wir sagen dürfen, glücklicherweise— nicht bestätigt. Auch daß man sie gefoltert habe, wird offiziös bestritten; was von russischen Dementi's zu halten ist, weiß jede« Kind, indeß scheinen die aus galizischen Blättern herstammenden grausigen Darstellungen auch eben aus— Galizien zu stammen. Durch solche Uebertreibungen schadet man der Sache der Eingekerkerten mehr als man ihnen nützt. Daß Gewaltmittel angewendet werden, um denselben Geständnisse zc. zu erpressen, ist bekannt, die fortdauernden Verhaftungen lassen gleich- falls darauf schließen. Ist aber diese Thatsache an sich nicht infam genug? Das„E x e k u t i v k o m i t e" hat ans die berüchtigte Proklamation des Zaren mit einem Manifest geantwortet, das bereit« die Runde durch die Presse macht. Wir halten mit unserem Urtheil über dasselbe noch zurück, bis wir die Gewißheit haben, daß es echt ist. Die Judenrevolten nehmen immer mehr den Charakter eines sozialen Krieges an gegen— die Besitzenden. Infolgedessen wendet jetzt die russische Regierung alle Mittel an, sie zu unterdrücken. Die Konse- quenz wird sein, daß die Aufstände sich auch gegen sie richten. Aus diesem Dilemma kommt sie nicht heraus. Korrespondenzen. *) Wir können dem die erfreuliche Mittheilung hinzufügen, daß man auch in Newyork die Gründung eines englischen sozialistischen Arbeiterblattes in größerem Stile plant. — Meerane. 10. Mai. Es ist endlich einmal Zeit, etwas von uns hören zu lassen, denn die Atmosphäre wird hier immer schwüler, so daß eine Steigerung kaum mehr möglich erscheint. Polizei- wie Postbeamte wetteisern miteinander, um in Ausführung de« Sozialistengesetzes anderen Orlen nicht nachstehen zu dürfen. Vorige« Jahr ging die Hätz los. Es sollten nach Angabe der Polizei Flugblätter verbreitet worden sein, und wurden deshalb eine Masse Haussuchungen vorgenommen, welche jedoch resultallos blieben. Bald darauf„überraschte" man eine« Sonntags Ge- nassen Meckel und fand bei ihm eine Sammelliste, einen Brief aus Amerika, sowie ein Exemplar de«„Sozialdemokrat". Meckel wurde sofort verhaftet, jedoch nach Abfitzung der„gesetzlichen Untersuch- ungshaft", 4 Wochen, da kein Beweismaterial gegen ihn vorgebracht werden konnte, wieder entlassen. Anfangs dieses Jahre» sollten nun wieder Flugschristen verbreitet worden sein, und zwar Mostische. Man haussuchte wieder, fand aber auch diesmal nicht«, bis man nachttäglich Genossen R e s ch verhastete, bei demselben nochmal« gründlich haussuchte, ohne indeß etwas finden zu können. Erwähnt sei noch, daß man sogar einen Strickgarnknäuel für staatsgefährlich ansah und unser Wachtmeister dasselbe bis zum Ende aus- wickelte. Genannter R e s ch wurde nach llrägiger Gefangenschaft in unserer Stadt geschlossen nach dem Landgericht Zwickau Ubergeführt. R e s ch war bereits hier als schwerer Verbrecher behandelt worden, man hatte ihn an den Ofen sestgeschlossen, angeblich, damit er nicht an das Fenster gehen könne. Er sitzt gegenwärtig immer noch, trotzdem die Unter- suchung bereits seit 3 Wochen geschlossen ist. Man bietet Alles auf, Resch ettvas anzuhängen, ist jedoch noch nicht zu dem gewünschten Resultate gekommen, da nicht die geringsten Anhaltspunkte vorliegen. Man weiß überhaupt nicht, wie Resch dazu gekommen, solch'„schweren" Verdacht auf sich zu lenken, denn er hat sich seit Bestehen des Sozialisten. gesetzes in keiner Weise an unserer Organisation betheiligt, wir erachteten auch niemals, ihn zu derselbeiz heranzuziehen, da er sich in keiner Weise dazu eignet. Wie dem aber auch sei, Resch ist ein Opfer brutaler Polizeiwillkür, und es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn sie nicht doch noch eine Anklage gegen ihn zu Stande brächten, da die Polizei Alles aufbietet, um sich eine Riesenblamage zu ersparen. Auch Genosse Meckel mußte noch einmal daran glauben; man verhaftete ihn 3 Tage vor seiner Ab- reise nach Amerika und suchte mit aller Gewalt noch etwa« au« ihm herauszupressen, aber trotz Aufbietung aller Geisteskräfte von Seiten unsere« Wachtmeisters Z ü r n e r mußten sie ihn noch am selbe» Tage wieder entlassen. Unser Wachtmeister erspart den Richtern gewöhnlich die Gelegenheit, einen„Rothen" verurtheilen zu können, da er ihnen den Brei im Poraus schon versalzt. Dieser Wachtmeister ist ein verdorbener Webcrgeselle, auch wohl sonst zu jeder anderen Profession unfähig; da- gegen steht er einem gestochenen Kalbe nicht nach, schlimmer als er kann ein solches die Augen auch nicht verdrehen. Der Mann aber strebt nach Orden, und da müssen ihm die Herren Richter schon etwas nachsehen, wenn er ihnen verdorbene Arbeit liefert. Run zu unserem Postwesen: Kein Adressat ist mehr sicher, daß ihm Briese oder Pakete uncröffnet zugehen. Ein Paketträger hier ist so frech, daß er, wenn auch die Adresse genau stimmt, sich nach der Freundschaft oder Bekanntschast im Abgangsorte erkundigt und schließlich verlangt, daß man ihm den Inhalt präsentiren möge. Es ist ihm auch einmal gelungen, einen Adressaten dazu zu bewegen, zu seinem Verdruß aber enthielt das betr. Paket nur unschuldige Vögel. Wir werden ihm aber nächstens einmal besser bei seiner Spionage Helsen und ihm bei Gelegen- heit einen Denkzettel anhängen, welchen er wohl nicht so bald vergessen wird. Vom Postboten zum Himmelsboten: Wir haben einen neuen Ober- Pfarrer bekommen, Namens Bienengräber, welcher sich von allen seinen Vorgängern auszeichnet. Der Mann scheint höheren Ort« dazu bestimmt zu sein, da« sozialistische Nest Meerane wieder einmal re- formiren zu sollen; denn er entfaltet eine so umfangreiche Thängkeit, daß unsere Stadt sich nur mit ihm zu beschäftigen hat. Er sucht die Arbeiter in ihren Hütten auf— anch außerhalb Meerane's— und erkundigt sich nach ihren Arbeitsverhältnissen und— wa« die Hauptsache ist— nach ihrem Glauben und ob sie die Kirche besuchen. Das Resultat auf letztere Frage ist immer ungünstig, und entschuldigen sich die Meisten damit, daß sie nicht« Ordentliches anzuziehen haben, lieber diese? Nebel hilft er ihnen dann immer hinweg und schickt den Leuten Bekleidungsmaterial, wenn sie ihm versprechen, dann die Kirche besuchen zu wollen. Diejenigen, welche nicht kirchlich getraut sind oder ihre Kinder nicht haben taufen lassen, werden mit einem Briese durch die Post be ebrt, in welchem Adressat gebeten, dann„herzlich gebeten" und zuletzt„innig gebeten" wird, seinen Pflichjen gegen die Kirch- nachzukommen, und bei Nichtbeachtung dieser Mahnung mit einem Besuche von Seiten de? Kirchenvorstandes bedroht wird. Leider fallen diesem Jesnitentreiben Viele zum Opfer, welche zwar nicht ans Reue über ihren Unglauben die kirchlichen Handlungen an sich vollzieben lassen, aber dnrch die Hoffnung, sich wieder unter Menschen sehen lassen zu können, dazu veranlaßt werden, indem sie wenigstens einen Rock oder paar Stiefel bekommen. Um den Sozialismus auszurotten, find unsere Fabrikanteu, resp. ist unsere Regierung ernstlich bestrebt, den hier herrschenden Nothstand zu beseitigen. Und das macht man so: Bon der kürzlich hier weilenden und aus RegierungSräthen bestebenden Kommission, welche aus unserem Rath- bau« Sitzung bielt, wurden von jeder Fabrik ein oder zwei Arbeiter, welche da« Meiste verdienen, sowie von Handwebern diejenigen, welche Nock Grundbesitz haben oder wenigsten» materiell noch nicht gänzlich her- untergekommen sind und deshalb die Roth am besten repräsentiren konnten, zur Feststellung des Nothstandes abgefragt. Mit dem auf diese Art gewonnenen Resultat find die Herren wieder gegangen, und die Herren Fabrikanten haben ihr Ziel betreffs de« hohen Zolles�erreicht, da die hohe Kommission einsehen mußte, daß die Not h�n i ch t in den niedrigenLöhnen zu suchen, sondern nur in der Arbeitslosigkeit, welche durch die hohen Garnzölle, die den Export der Waare beeinträchtigen, herbeigeführt worden ist. Soviel über die hiesigen Verhältnisse; wir haben blo? noch den einen Wunsch, daß der Belagerungszustand über den 17. Wahlkreis verhängt würde, denn kein größerer Gefalle könnte nns gethan werden, und nicht nur wir, sondern auch manche unserer Gegner würden sich freuen, wenn aus Meerane gehörig ausgewiesen würde. Tann muß man wenigstens fort. Noch ist zu bemerken, daß das Individuum, welches Meckel dennn- zjrte, Michael Funke heißt und in der Webcrstraße wohnhaft ist. Wir übergeben denselben der allgemeinen Berücksichtigung und sichern ihm bei der ersten Gelegenheit schlagende Beweise unserer speziellen Hochachtung zu. 3. Genosse Bebel einen Vortrag über die politische Lage Teutschlands hielt' Einige Wochen früher war iu Nürnberg, wie dann auch in Fürth, eine Arbeiterversammlung einberufen worden, in letzterer war Genosse Grillen- berger als Referent für die Tagesordnung—„Das Arbeiterunfallver- sicherungsgesetz"— ausgestellt, während in Nürnberg von den Beisitzern des gewerblichen Schiedsgerichte«, welche diese Versammlung einberiefen, ein Referent gar nicht benannt wurde. Die Nürnberger Versammlung, welche dieselbe Tagesordnung hatte, wurde unter den lächerlichsten Gründen und Erwägungen als sozialistische jc. k. erklärt und verboten, ebenso die Versammlung in Fürth. Das Verbot in letzterer Stadt, woselbst doch der demokratische Magistrat ausschlaggebend war, wirbelte natürlich viel Staub ans, und es wurde innerhalb der Bürgerschaft das Gebahren dieser Auchdemotraten, die größtentheil« Juden find, also selbst vor Ausnahmemaßregeln stehen, scharf gegeißelt. Als aber schließlich der Arzt Herr D r. D e g e n, der selbst im Gemeindekollegium sitzt, eine Versammlung einberief, für welche Genosse Bebel als Redner aufge- stellt war, da wagten e« die Herren'denn doch nicht, bei ihrem feigen Beschluß zu beharren. Die Versammlung' fand also statt. Ein ausführlicher Be- richt Uber dieselbe wird dem„Sozialdemokrat" von Fürth au« zugehen, oder schon zugegangen sein. Nattirlich wurde diese Versammlung auch von den Nürnbergern besucht, so daß Hunderte vor den Thllren Posta fassen oder zurückkehren mußten. Wie die gegnerischen Blätter zuge- standen, waren unter den Besuchern auch viele Nichlarbeiter anwesend. Daß Bebel äußerst gewandt die Klippen des Ausnahmegesetzes zu ver- meiden wußte, gaben selbst die hiesige» Zeitungen, deren Redakteure fast alle selbst anwesend waren, zu, doch sügten sie hinzu, habe er es auch verstanden, begeisternd und aufreizend aus seine Genossen einzuwirken, ohne daß der Ueberwachende Gelegenheit gesunden hätte, einzuschreiten. Einer dieser Herren schrieb:„Wer die begeisterten Mienen der Sozialdemokraten gesehen hat, wird es wohl einsehen, daß gegen solche Leute keine Ausnahmegesetze wirksam sind." Alle schrieben, daß man dem Redner angesehen habe, daß das, was er spreche, anch seine Ueberzeugung sei. Muß den Herren freilich sehr sonderbar vorkommen, wenn e« auch Leute gibt, die ihre Ueberzeugung offen aussprechen, anstatt dieselbe zu verkaufen! Daß die bayerische Streberregierung den Fürthern die Verein«- und Preßpolizei zur Strafe für die Genehmigung dieser Ver- sammlnng entzogen habe und das Bezirksamt damit betraut wurde, wird schon bekannt sein. Letzteres machte auch sofort den ausgiebigsten Gebrauch davon, verbot den demokratischen Verein„Bürgerbund", weil viele Mitglieder Sozialisten seien und Gabriel Löwenstein in einer Per- sammlung desselben zum Reichsragskandidaten proklamirt wurde; ferner wurden sogleich wegen Kleinigkeiten große Haussuchungen, die sich bis Nürnberg ausdehnten, veranstaltet, kurz der Herr Bezirksamt- mann F e i l i tz i ch in Fürth zeigte sich seinem Borbilde, dem Haupt- streber, Herrn Regierungspräsident F r e i l i tz s ch in München, würdig. Der Lohn hiesür wird Beiden in der Zukunit nicht ausbleiben! Doch nun zu unseren Nürnberger Parteiverhältnissen. Unser» bewährten Genossen Grillen berger haben wir auch diesmal wieder als Reichlags« kandidat proklamirt. Ter Geist unter den Genossen ist wie überall, nachdem da« erste Jahr unter dem ungewohnten Ausnahmegesetz vorüber war, besser als er je war; das treue Zusammenhalten, das immer fester— jetzt meist durch Freundschastsband— sich Zusammenschließen, war früher nicht vorhanden; dagegen hilft auch kein Vereinauflösen, kein Belagerungszustand, und wie die ohnmächtigen Äuthausbrüche unserer Volksfeinde sonst noch heißen. Wenn sich auch hier wie allerorts Man- cher, der früher sein Pfeifchen schneiden oder vor der Oessentlichkeit mit seinen„radikalen" Gesinnungen prahlen wollte, zurückgezogen hat, so haben wjr doch viele neue Genossen, die zuverlässig und mit frischem Feuer in den Kampf gehen, gewonnen. Bon den zweifelhaften Ele- menten, die sich früher eindrängten und uns in den Augen vieler Leute. kompromittirten, sieht man nichts mehr, sie blieben entweder selbst weg, oder es wurde ihnen hiezu gerathen. Unser Wahlkamps mag ein lustiger werden; durch die Bemühungen eine« Bismarck'schen, keines gött- lichen Sauhirten, wurde hier eine liberale Partei gegründet, die nun die Herren vom Forsschrilt bö» mitnimmt. Wenn sich die Spitzbuben strei« len, so kommt der ehrliche Mann zu seinem Recht; das werden diese Herren schließlich auch einsehen und bei einer allfallfigen Stichwahl sich um die beschmutzten Hälse fallen. Glück zu! Xorioensis. Briefkasten der Expedition: C. Th. v. Main: Bf. v. 18. hier. End- März durch W. Nichts erh. Reklamirt! 1 R. B. mit 21 abgeg.— I. G. Paris: Fr. 2.50 Ab. 2. Qu. erh.—„Gleiche« Rechi für Alle": Mk. 6.6») Ab. pr. 4 Man. u. Flgfd«. erb. 18 muß noch gekommen sein. Glück auf!— H. 4 R.: Bi. v. 17. 5. u. 2 neue erh.— Nr. 722: Mk. 6.— Ab. 2. u. 3. Qu. erh.„Slieber« Verdruß" besser studiren. Briest, am 24. Nähere«.— Stieber auf Reifen: Mk. 1.— Ab Mai erh. 17 u. 18 ging noch an alte Firma, 12—21 an Stellvertr.— Gundlach u. Cie. P. Alegre: Fr. 13.— Ab. ab Jan. 81— Dez. per Commiss. erhalten. Nachlfrg. abgeg. 24./5. 81.— Zentralausschuß Basel: Fr. 5;— f. Schft. dem Flgfd«. zugewiesen. Wie steht's mit den zur Märzfeier?— Rcinecke L.: Bf. v. 20. 5. erh. u. am 23. beantw. Alle» vorgemerkt.— Lasker: Bs. v. 20. erh., am 22.5. v. O. Vorgänger noch nicht. Wohin ging er?— v. Bismarck: Bf. v. 21. erh. u.'am 23. beanttv. Alle« richtig und beachtet.— 444 Himmel--; Nachr. v. 20. erh. u. am 23. erwiedert. Neuer benüyt. Freilich viel Moo«, aber wie ander«? Hatten mit„M." nur das Revier im Auge.— B. B. Lond.: P.-K. v. 22. erh. Nachbestellg. abgeg. Da« hat ja den Teufel mit Eurer Post! — Allg. A.-B.-Ber. Bern: Adr. vorgem.— B. N. Salzstadt: Bis zu 21 Alles bereit« fortgewesen. Ab 22»ach Wunsch.—(i—): Bf. v. 20. am 23. erh. 21 bereit« abgeg.— H. Ntzsche. N.-?).: Bestllg. v' 6./5. folgt in 7 Krzbdr. Am 23. 5. 2 davon abges. Bs. richtig frankirl gewesen. Je 15 Gramm kosten 5 Cent«. Nota brfl. am 24. ges.— —0 Hu: Alles in Ordnung. 3 neue vorgemerkt u. Notiz an L. gesandt. — Serlow: Bse. v. 19. u. 20. erh. Kat. am 24. briefl. abgeg.— C. Rothschild: Aufstllg. v. 20.'5, am 24. 5. briefl. an St. erwiedert. Schft. mit 22 abges.— Rothhahn: Bse. v. 17., 20. u. 21. 5. erh. u. am 24. er- wiedert.— Feldhauptm.: Was soll's mit den 500 R. B.?— Ahas- verus: W. hat selbst 6 Duy. besorgt. Nach», nebst Porto Fr. 43.90 u. 50 Pf. Porto nach Sch. Alle« an A. zu bezahlen. Geht mit 22.— Egmont: Bf. v. 22. am 23. beantw. Flge. gut.— Nachlfg. mit 22 fort. — Justinus: 3 Bse. und Beil. dank. erh. Novum erwartet. Weitere« sovald mögl. An Sj. gehen stet« Blttr. p. rest. G. Allseits Gruß!— C. Schumann Cincin.: 8 Dll. erh. Bf. u. Geldfdg. v. Theob. haben sich gekreuzt. Nährere» pr. P. X. 25./6.— Sgrl.: 815;«f. v. 23. am 25./5. an N. direkt beantw.— Juxhuber London: Du sprichst so ernst, so klug, so mild, mir bangt für Deinen Au«HSngfchild. In unserem Perlag ist erschienen und durch uns zu beziehen: Revanche! Episode ans den kämpfen der Kommune. Bon Leon Cladel. Aus dem Französischen übersetzt, nebst einem Vorwort von Ol. CieUiett. Preis: pr. Exemplar einzeln: 15 Tt«.— 10 Pfjj. netto baar voraus. Porto beizulegen für 1—5 Expl. in der Schweiz übliches Kreuzband- oder Packetporto, sür Deusschland 5 Pfg.; bei größeren Partien pro Exemplar 1 Pfg. Bei größeren Parthien enssprechender Rabatt. Lieserungnurgegen Baar-Borauszahlung, Bestellung franko und baldigst er- beten, da nur mäsiiarr beten, da nur mäßiger Vorrath Riesbach-Zürich. — Nürnberg. 11- Mai. Durch ein Mißverständniß zwischen den Fürtker und Nürnberger Parteigenossen erhielt der„Sozialdemokrat" keinen Bericht über die glänzende Versammlung zn Fürth, in welcher Verlag de«„Sozialdemokrat". IsTdiidUd», Comm. Arbeiter-Bildungs- Verein 49 Tottenham Street. Tottenham Court Road. Die"Wirthschal't des Vereins ist geöilnet ron Morgens 9 bi« Nachts 12 ühr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unsere Adresse zn achten. I. A.: Der Sekretär: O. Lemke. ktwitz. 8nrinlbu*dTu