Krschewy wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz) Nerliz kl. Herl«». Hottingen-Zürich Aafinostraße 3. iloSseuduogell franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz losten Doppelporto. Der SoMetnoKwt .entrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie Aöonnements «erden«u» beim Verlag und dessen bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum uotau«, a l> lb a r« a BierteljahrSpreii von � Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mk. 3.— für Deutlibland«louvert) fl. 1. 70 für Oesterreich(Couvert) Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereins(Kreuzband). Inftitit Die dreigespaltene Petitzeile 25(ltS.-- 20 Pfg. R? 2Ä. Sonntag, t2. Juni. 1881. Ali,„ die Imtfrinktnitn und Abonnenten des„Sofialdemokrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist. bezw.»erfolgt wird, und die dortigen vehörden fich alle Muhe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an unS and unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Postverlehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat", resp. desien Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresie außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadresien mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent» gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat" unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. An unsere Abonnenten nchtm wir die drmgende Aufsorderimg, den Adonuements- detrag regelmäßig monatlich au die Kemittler zu übergedeu, da dieselben gleichfalls monatliche Abrechnung und Zahlnag in leisten haben. Die Erpcdition des„Aozialdemobrat". Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Fiir die Opfer des Sozialistengesetze« gingen vom 1. April bis 1. Juni ein: Dr. M. Berlin 20,—. F. Hamburg 10,—. Leipzig 23,40. 5,60. Eine Anzahl nichtsozialistischer Reichstagsabgeordneter 1000,—. König«. berg 10,—. K. London 40,—. D. Schwerin 30,—. Wtz. Leipzig 28,—. Jastrow 1,50. München 5,—. Augsburg 20,-. 50,—. München 111,85. Nürnberg 50,—. Dr. Br. Leipzig 25,—. Großenhain 12,—. «»suchen 10,—. Groitzsch 6,—. Siegburg 10,—. Danzig 50,—. Allenburg 20,—. Gumbinnen 20,—. Leipzig 22,—. Chemnitz 13,—. Jnowraclaw 4,00. Pforzheim 25,00. Darmstadt 10,—. Wilhelms- Hafen 20,—. Luxemburg 100,—. M., Fürth 20,—. Baden-Baden 10,—. GörberSdorf 100,—. Gotha 10,—. Gumbinnen 40,—. Z. Köln 40,—. Außig i./B. 9,73. Gumbinnen 115,—. Hannover 10,—. Braunschweig 10,—. Kappel b. Chemnitz 10,—. Salzungen 7,—. Verden 20,—. Gumbinnen 10,—. Fürth 40,-. Hohenstein 3.-. Mannheim 10.-. München 60,—. Hannover 11,—. Bernburg 6,80. Oberlunqwitz 9.— Karlsruhe N. 20,—. K. M. Leipzig 7,10. H. Köln a. Rh. 32,—. Rendsburg 20,—. T. Hamburg 10,—-. Großenhain 15,—. M. Ulm 9,—. U. Ulm 21,—. O. Stuttgart 20,—. F. Reutlingen 5,—. A. Dübingen 5,—. Mannheim 19,30. Speyer 50,—. P. A. Frankfurt a M 40.—. Weimar 12,—. Güstrow 9,—. Frömmersbach 10,-. Lausann« 5,22. Delitzsch 5.-. Möckern 2,15. Lausigk 10,—. Zwenkau 5 Stadtküll i/E.— ,40. Neumarkt i/Schl. 6,55. WermSdors 5,-. Oppeln 4'7* Krefeld 10,—. Friesenheim 5,—. Freudenthal 5,17. Brundöbra 5,—. Potsdam 16,95. Jägerndors 9,64. Gohlis — ,57. Großenhayn 8,—. Meeran i./Tyrol 20,40. Talkar 5,20. Oederan 7,—. Kaiserslautern 10,—. Jena 140,—. R. München 10,— Leipzig 3,25. R. Leipzig 9,-. O. Mainz 10,—. W. u. M. München 12,-. Pirna 10,-. Köln 60,-. B. Halle a. S. 6.—. Solingen 8,—. Halle a/S. 20,—. Ein Reicher für die Armen 450,—. Leipzig 60,—. Berlin 40,—. Straßburg 20,—. Frankenhansen i/DH. 10,—. Crimmitschau 15,—. Harburg 20,—. Garden i/H. 10,—. Celle 15,—. Rawitz 5,40. Berlin 20,—. Römerburg—.20. Zentral-Komite in Genf, Ueberschuß d. Vers. v. 27./4.(Fr. 12,50) 10,—. Deutsche So,. m Wyl(Fr. 10,—) 8,—. Winterthur Ertrag d. Vers. v. 25./4. (Fr. 50,—) 40,—. Deutscher Verein Zürich Erlös aus Vorträgen zum Besten d. U.-FdS(Fr. 16,73) 13,38. St. Gallen Ertrag d. Vers. v. 28./4.(Fr. 52,—) 41,60. Serlow 4,50.-y Altdorf d. O.(Fr. 1.-) —.80.*) Zusammen Mk. 3,830. 66 Früher eingegangen Mk. 25,104. 18 Gesammteingang Mk. 28,934. 84 Flugschriften-Fonds. — � Fllrth 20,—. G. Gsg. Ldn.— ,36. Deutsche So;. St. Gallen B*-'5?'-'40- I- H- Gm.(o. st.-,60) 1,-. I. B. P. « 7/7-�-.50-..Gleiches Recht für Alle!" 1,-. Zentralausschuß -Lasel(Fr. 5,—) 4.—.— r Riesbach(Fr. 1,-)-.80. Zusammen Mk. 28. 06 Früher eingegangen„ 1062. 70 Gesammteingang„ 1090. 76 ..Fliegender" 2,—. Agitationsfonds. Lehrer K. in S.(Fr. 1,75) 1,40. Zusammen Mk. Früher eingegangen Mk. 3. 40 78. 35 Gesammteingang Mk. 81. 75 Allgemeiner Wahlfonds. — y Altdorf d. O.(Fr. 1,—)—,80. Für den Wahlkampf in Deutsch- land v. Arb.-Ver. Lausanne(Fr. 5,80) 4,64. Zusammen Mk. 5. 44 Früher eingegangen Mk. 270. 08 Zusammen Mk. 275. 52 *) B e r i ch t i g u n g. In voriger Quittung waren irrthümlich für Mittweida 20,— ausgeführt. Diese zahlte Straßburg i/E. Der Parlamentarismus. Wenn die Sozialdemokratie auf die Betheiligung an den Wahlen Gewicht legt, geschieht es. wie schon hundertmal feiten» der Partei erklärt worden ist, ausschließlich aus praktisch agita- torischen Gründen. Sicherlich nicht au» Begeisterung für den Parlamentarismus. Die sogenannten„Männer der Thaf- in Wirklichkeit Männer des.Nichtsthun« und renommtstischen Schwadroniren»— welche die Verleumdung der deutschen Sozialdemokratie gewerbsmäßig betreiben, wissen sehr wohl, daß ste uns mit Unrecht den Vorwurf der Verliebtheit in daS parla- Mentarische Komödienspiel machen. Der Parlamentarismus in seiner heutigen Form ist selbst für die a l t e n Parteien theilweise ein überwundener Standpunkt. Man bewege fich einmal auf ein paar Stunden in den verschie- denen Kreisen des deutschen Reichstages und man wird wohl kaum einen Abgeordneten finden, der den Parlamentär! smus ernst nähme und an eine Besserung der Dinge durch denselben glaubte. Sogar Herr Lasker ist von seinen parlamentarischen Illusionen zurückgekommen. Bismarck und die Konservativen möchten die ganze Volks- Vertretung durch Wahl wieder loswerden und erblicken in einer sogenannten Interessenvertretung durch— von der Krone(der Regierung) ernannte— Notablen das Heil. WaS fie gegen den Parlamentarismus vorbringen, kann man, soweit es sich auf dessen legislatorische(gesetzgeberische) Thätig- keit bezieht, ziemlich Wort für Wort unterschreiben. Herr Lothar Buch er, welcher jetzt Betriebsleiter der Bismarck'schen Gedanken- und Schrullenfabrik ist, hat ja vortreffliche Gelegenheit gehabt, den Parlamentarismus an der Quelle zu studiren, und die vor» treffliche Gelegenheit auch vortrefflich ausgenützt. Die Bucher'sche Kritik des Parlamentarismus dürfte in keinem wesentlichen Punkte zu widerlegen sein, und der Umstand, daß fie nicht Original— sondern eigentlich nur eine Uebersetzung aus dem Englischen des genialen Querkopfs David Urquhart ist, hebt das Verdienstliche des Werkes keineswegs auf. Zu bestimmten positiven Vorschlägen hat Herr Buch er es nicht gebracht, er eben stak in dem vereis vioioux seines Lehr- meisterS Urquhart, der fich durch die schlimmen Resultate des Parlamentarismus zur Negirung des Volksvertretungs-Prinzips und der VolkSsouveränetät verleiten ließ. Statt eine konsequentere Durchführung der Demokratie anzustreben, und auf die Besei- tigung der Klassenherrschaft hinzuarbeiten, die sich in dem modernen Parlamentarismus ausdrückt und ihm seinen odiösen(gehäsfigen) Charakter verliehen hat, wandte er sich zurück und befürwortete — zunächst freilich blos für England— das starke, über den Parteien und Klassen stehende Königthum. Das war der Halm, an dem Bucher von Bismarck gepackt wurde. Jndeß mit dem Königthum allein ist es nicht gethan, und der eifrigste Absolutist ebensowenig wie der begeistertste Anhänger der direkten Gesetzgebung durch das Volk kann heut- zutage def Volksvertretung in irgend einer Form entbehren. Und merkwürdig: der Satz, daß die Extreme fich berühren, hat in diesem Falle abermals seine Bestätigung gefunden, indem die Interessenvertretung, für die Fürst Bismarck plädirt, von unserem Standpunkte aus«in durchaus berechtigter Gedanke ist. Nur muß eS eine wirkliche Interessenvertretung sein, nicht eine scheinbare, künstlich und willkürlich hergestellte. Wäre der VolkSwirthschaftSrath nicht aus Puppen und Strohmännern des Fürsten Bismarck, sondern aus frei- gewählten Verttetern der Interessengruppen des arbeitenden Volkes gebildet, so würde er unzweifelhaft Ersprießliches leisten können, während die« bei dem Reichstag, selbst dessen guten Willen vorausgesetzt, einfach unmöglich wäre. Und zwar deshalb un- möglich, weil eS den Mitgliedern, mit verschwindenden Ausnah- men, an den nöthigen nationalökonomischen Elementar-Kenntnissen s-hlt. Die ReichstagS-Debatten der letzten Monate über volkswirth- schaftliche Fragen haben, neben dem bewußten Klassen-Egoismus eine wahrhaft erschreckende Ignoranz zu Tage gefördert. Sie erinnern lebhaft an jene Theaterszenen, wo Jemand einen Ver» steckten sucht und nicht findet, obgleich er ihm doch über die Beine stolpert. ES ist ein fortwährendes Neben die Scheibe schießen— sei es aus Ungeschicklichkeit, sei es aus Absicht. Man nehme nur die Jnnungsfrage und die Unter- stützungSwohnsitzfrage. Hat ein einziger konservativer oder liberaler(und fortschrittlicher) Redner den Kern der Fragen berührt? Sind bei der Jnnungsftage die Liberalen aus dem fteihändlerischen, die Konservativen aus dem zunftzöpfleuschen „NarrenparadieS" herausgekommen? Hat einer von ihnen durch ein Wort, durch eine Andeutung verrathen, daß er den histo- rischen Entwicklungsprozeß versteht, welchem das Handwerk zum Opfer gefallen ist! Und bei der Frage des UnterstützungSwohnfitzes— mühten die Redner sich nicht förmlich ab, die vor ihrer Nase liegende Lösung: Erhebung des Armenwesens zur Staatssache, zu vermeiden? Wir find keine sentimentalen Esel, die an den Evelmuth und die philantropische Ehrlichkeit unserer Feinde glauben, allein so viel steht fest, gar manche ihrer Sünden ist mehr ihrer Un- wissenheit als ihrem bösen Willen geschuldet. Nach allen Richtungen hin zeigt der Parlamentarismus seine Impotenz. Auf dem politischen Gebiet so gut wie auf dem wirthschaftlichen. Bismarck hat eS offenbar daraus abgesehen, den Reichs- tag zu insultiren; er benutzt jeden Anlaß, ihm seine Verachtung vor aller Welt zu bekunden; und die freche Erklärung seines KommiS' Bötticher in der Sitzung de« 25. Mai war eine mora- lisch« Ohrfeige, so klatschend, wie, außer in Spanien, noch kein Parlament fie erhalten. Und was hat der Reichstag gethan? Nichts! Und was wird er thun? Nichts! Die große Mehrzahl der Mitglieder fühlt sehr wohl, daß der Reichstag eine unwürdige Rolle spielt, ja sie schämt sich dieser Rolle und leugnet im Privatgespräch nicht, daß fie sich schämt, aber—„was sollen wir thun?" Es hilft ja doch nichts, ist der ewige Refrain. Mit anderen Worten, die Parlamentarier haben den Parlamentarismus aufgegeben. Und da wollen einige Deserteure nnd Verleumder der deutschen Sozialdemokratie uns vorwerfen, wir schwärmten für den Par- lamentarismus! Der Vorwurf ist so albern, daß ihm durch eine Widerlegung zu viel Ehre angethan würde. Wir find nicht nur überzeugt, daß wir in dem gegenwärtigen Reichstag und unter dem herrschenden parlamentarischen Regime gesetzgeberisch nichts von Belang erreichen können, wir find auch prinzipielle Gegner des modernen Parlamentarismus und der heutigen Form der Volksvertretung. Das ist jedoch kein Grund, die Waffen, welche der moderne Parlamentarismus uns bietet, nicht zu benutzen. Was würde man von dem Mann sagen, der einen Konflikt mit der reaktionären Staatsgewalt sich zu kämpfen weigerte, weil die Flinte, welche man ihm darreicht, in einer Regierung?- Werkstatt verfertigt und dem Arsenal des reaktionären Staats entnommen ist? Feig oder verrückt! wäre das einstimmige Urtheil. Und feig oder verrückt wären wir, wollten wir nicht jede Waffe, welche der reaktionäre Staat unS bietet, gegen den reaktionären Staat benutzen. Selim. Parteigenoss en! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Das Arbeiter-Unfallversicherungs-Gesetz in zweiter Lesung. Was wir, und was namentlich Bebel in seiner Rede bei der ersten Lesung gesagt, ist geschehen. Das an und für sich schon höchst Mangel» hafte Gesetz ist vom Reichstag in der zweiten Lesung in emer so jämmer- lichen Art und Weise hergerichtet worden, daß von der ganzen„Arbeiter» freundlichkeit" desselben weiter nichts übrig bleibt, als eine höchst ch r i st» l i ch e Herabsetzung und Einschränkung der Unfallsentschädigung und die noch christlichere Abwälzung eines Theile« der Versicherungsprämie aus die Arbeiter. Unsere Genossen im Reichstage haben diesem Gesetz gegenüber einen Standpunkt eingenommen, der, von welcher Seite man ihn auch betrachtet, durchaus korrekt ist, das heißt Pflicht derer ist, die als Vertreter de» arbeitenden Volkes gewählt worden sind. Sie haben den Grundsatz des Gesetzes als richtig akzeptirt und durch ihre Amendement« auch dem Inhalt des Gesetzes eine solche Gestalt gegeben, wie sie sein muß, wenn der Grundsatz nicht blos Schwindel sein soll. Weder dem Reichstag noch den Vertretern der Reichsregierung, da« heißt Bismarcks, hat es beliebt, aus die Vorschläge unserer Abgeordneten einzugehen. Die„A r b e i t e r f r e u n d l i ch k e i t" der Herren hat sich da, wo es ihnen selbst an den Kragen geht, einmal wieder in ihrem wahren Lichte gezeigt. Insbesondere gilt das von den Herren vom Zentrum, die sich sonst so ungeheuer rühmen, das Wohl der Arbeiter vor Allem im Auge zu haben. Das Austreten des Herrn Schorlem er- Alst, der mit faulen Witzen die Verpflichtung der ländlichen Arbeitgeber zur Versicherung ihrer Arbeiter gegen Unfälle— es fehlte natür- lich auch nicht das Märchen von dem„patriarchalischen" Ver» hältniß*) zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus dem Lande, da? nämlich darin besteht, daß der Arbeiter Knecht genannt, und als Knecht behandelt wird, daß der Gutsbesitzer ihn echt patriarchalisch, d. h.„väterlich" dutzt und prügelt, und sich von ihm wie ein Vater, nein! wie Gott-Bater anbeten läßt— das Austreten dieses Herrn soll nicht vergessen werden, namentlich nicht von unseren Genossen in kithilische» Di- strikten. Wie es heißt, soll Bismarck auf dem vom Reichstag verworfenen Staatszuschuß bestehen, und lieber für jetzt ganz auf das Zustandekommen des Gesetzes verzichten, ja das Schicksal des Gesetzes als Agitationsmittel gegen den Reichstag bei den Wahlen ausbeuten wollen. Un« kann'S Recht sein, wir sagen wie Hamlet: wen'« juckt, der kratze sich". Der „große Staatsmann" wird sich die Sache aber wohl noch überlegen. Es sind nämlich gerade seine Freunde, die am schlimmsten mit dem *) So rief der Herr u. Ä. ganz entrüstet au«:„Wenn ec.»c., da muß auch das landwirthschaftliche Gesinde nothwendig mit hinein- gezogen werden".— Ja wohl! wurde ihm mit Recht, wahrscheinlich von einem unserer Abgeordneten zugerufen. Das G e s i n d e verhältniß, da» liegt den Herren schwer am Herzen, wir bringen an anderer Stelle auch so ein Stückchen über dieses Sklavensystem unserer Epoche. Gesetz gehaust s haben. Würde er nun auf Konservalive und Zentrum schimpfen lassen— die Nationalliberalen standen wieder da wie Buridans Esel, keinem zur Lust und Allen zum Leide— aus Fortschrittler und Sezessionisten, die wenigstens einen prinzipiellen Standpunkt einnahmen, wird ohnehin geschimpft— so muß sich der„arme Mann", d. h. der Arbeiter schließlich, sagen: soll ein für mich wirklich günstiges Gesetz zu Stande kommen, so gibt es nur eine Partei für die ich wählen muß: die sozialdemokratische. Und das ist der Humor davon. Darum wird wohl zwischen zweiter und dritter Lesung stark kompro- misselt werden. Fällt ja doch Pfingsten, das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes, dazwischen, warum soll sich nicht schließlich der„heilige Geist" auch aus Bismarck und seine Getreuen ergießen! Sie werden zusammenkommen, mit Engelszungen werden sie reden und schließlich ein Ding zustandebringen, so hohl, so verlogen, so nichtssagend wie der berüchtigte Wechsel au s's Jenseits des Christenthums. Eine christliche Gesetzgebung nennen sie diese Spiegelfechterei— gut; eine schreiend ere Berurtheilung ihres Christen thums ist gar nicht denkbar, als dieser Volksbetrug! Liebknecht hat es ihnen am 31. Mai vortrefflich gesagt. Wir würden gern die ganze Rede hier wiedergeben, müssen uns indeß darauf beschränken, nur einige Stellen derselben len Parteigenossen zur Kennmiß zu geben. Dem Erzjunker, Herrn von Kleist-Retzow, rief Liebknecht zu: ;„Herr von Kleist-Retzow hat weiter behauptet, daß die Sozialdemo- kratie nur zerstören wolle, daß dagegen aufgebaut werden könne blos durch eine Gesetzgebung, welche auf christlicher Anschauung beruhe; blos das Christenthum habe auf dem Gebiet der Gesetzgebung eine schöpferisch- wöhlthätige Kraft. Ich möchte den Herrn Abgeordneten von Kleist-Retzow doch einmal ersuchen, mir zu sagen, zu welcher Zeit denn eigentlich das Christenthum diese schöpserische Kraft bewiesen hat? Der Herr Ab- geordnete von Kleist-Retzow gehört einem Stand an, welcher zu einer Zeit geherrscht hat, von der man behauptet, daß das Christenthum in ihr geblüht habe. Diese mittelalterliche Blüthezeit des Christenthums und des Adels ist aber notorisch diejenige Zeit gewesen, wo die Knechtschaft in ihren schlimmsten Formen geblüht hat, wo Leibeigenschast, Ar- mulh und Elend bei unbeschränktem patriarchalischem Züchtigungsrecht der christlichen Obrigkeit das Loos des Volkes war. Ich möchte wissen, ob das Ideal, welches uns von Herrn Kleist-Retzow für die Zukunft in Aussicht gestellt wird, damals verwirklicht morden ist? Uebrigens hat Herr von Kleist-Retzow selbst ja die beste Gelegenheit, in seinem Kreise das christliche Ideal schon jetzt zu verwirklichen. Wie komm: es denn nun aber, daß in den ländlichen Bezirken, wie uns von dem Herrn Vorredner soeben ausgeführt worden ist, die Mißstände, denen durch dieses Gesetz entgegengetreten werden soll, in so hohem Maß existiren? Und wie kommt es, daß von Herrn von Kleist-Retzow, der ja Gutsbesitzer ist, und von seinen Herreu Parteikollegen, die meistens eben- salls Grundbesitzer und ebenfalls vom christlichen Geiste beseelt sind, die Jniziative zu diesem Gesetz nicht ausgegangen ist? Warum haben sie nicht dafür gesorgt, daß auf ihren Gütern und in den von ihnen bewohnten und beherrschten Distrikten ein kleines Himmel- reich aus Erden m christlichem Geiste besteht? (Sehr richtig! links.) Warum grassirr die Auswanderung gerade in jenen Bezirken, wo die Herren Meister sind, am ärgsten? Warum laufen Ihnen die Arbeiter weg? Warum müssen Sie durch die komischsten Mittel, z. B. durch das Altersversorgungsprojekt eines gewissen Herrn Putt- kamer jetzt der Auswanderung zu steuern suchen? Da heißt es vor allen Dingen„luv Rliodus, hic salta!"— vor der eigenen Thür gesegt!"----------------- Und weiter: „Wann haben Sie sich denn um die Arbeiter bekümmert? Wann haben Sie die soziale Frage studirl? Wann haben sie überhaupt etwas für den sogenannten„armen Mann" gethan? Erst seit die sozialdemokratische Bewegung Sie an Ihre Pflicht erinnert hat; erst seit Sie gesehen haben, daß die Arbeitermasse u n z u s r i e d e n ist und daß sie sich der einzigen Partei zu- gewendet hat und zuwendet, welche für die Arbeiter etwas thut, welche ihnen den Weg zeigt zur Erlösung, den Weg aus dem Elend, zu welchem sie durch die bisherige Gesetzgebung und durch die bisherigen Staats- und Gesellschastseinrichtnngen verurtheilt worden sind! Das Kirchthunn- Wettrennen, welches wir jetzt aus dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung erleben, wer hat es veranlaßt? Die sozialdemokratische Be- wegung, die Sozialdemokratie. Und da» ist doch eine„schöpfe- rische Thät" und verdanken Sie die Ideen, mit denen Sie jetzt hier austreten, nicht der Sozialdemokratie? Sind es nicht sozial- demokratische Schlagwörter, wie mein Freund Bebel es neulich ausgeführt hat, die selbst aus dem Munde des Herrn Reichs- kanzlers ertönen? s In unseren Fußtapsen sind Sie genöthigt, zu gehen; und wenn Sie glauben, dadurch, daß Sie jetzt die Arbeiter- beglückung in die Hand nehmen, die Sozialdemokratie, die Sie durch das Sozialistengesetz zu erwürgen versucht haben, was Ihnen mißlungen ist, moralisch und geistig zu tödten, dann irren Sie sich sehr, denn jeder Arbeiter, jeder der Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, weiß, daß das, was von hier und was von da oben her für die Arbeiter zu thun versucht und versprochen wird, nur in Firlge unserer Jniziative geschieht, weil durch unser Vorgehen man moralisch dazu gezwungen ist. Wir, meine Herren, sind die Urheber dieses Gesetzes, soweit es einen berechtigten Kern hat, wir, die Sozialdemo- kratie. Ohne uns war es unmöglich. Die Ideen, welche in diesem Hause vom Abgeordneten Stumm und von Anderen angepriesen werden — alle jene Ideen, wem verdanken Sie sie? Der Sozialdemokrane. Nur daß der sozialdemokratische Gedanke dabei in einer Weise zum Aus- druck kommt, daß wir ihn ost kaum mehr erkennen und anerkennen können, denn man hat ihn, wie das auch bei dem vorliegenden Gesetz- entwurf der Fall ist, den Interessen der herrschenden Klasse, dem Jnter- esse der Großindustrie, dienstbar zu machen gesucht."——— Und an einer anderen Stelle: „Spreche man uns nicht von C h r i st e n t h u m; behaupte man nicht, der Sraatsbegriff sei eine christliche Idee. Nein, meine Herren! diesen I t a a t s b e g r i s s hat die antike Welt schon gekannt, speziell der preußische Staat hat mit dem Christenthum nichts-zu schaffen, ein Fried- rich der Große und seine Vorgänger haben ihre Idee des Staats durch- aus nicht dem Christenthum entnommen. Der Staatsbegriff ist au« der menschlichen Kultur hervorgewachsen, als die Mensch- heit aus dem Thierzustand heraustrat; als das bsUum omuium contra omnes in der rohesten Form aufhörte, war es nothwendig, Verbände zu schaffen, in deuen der einzelne gegen Unfälle, die seine Person treffen konnten, sich sicherte, VerAinde zunächst in der Familie, in den Stäinmen. Aus diesen Verbänden entwickelte sich der Staat. Der Staatszweck war einjach, die Existenz des Einzelnen, der als Einzelner zu Grunde gehen müßte, zu sichern. Der Kulturmensch kann nur im Staat existiren, und darum scheuen wir uns keineswegs vor dem Einwand, der uns von jener Seite(zur Linken) gemacht wird, daß wir, indem wir auf diesem Gebiete für die Staatsversicherung eintreten, dem Staate eine allzugroße Atacht einräumen. Diese Gefahr ist nicht vor hau- den; wir wissen allerdings, daß der jetzige Staat durchaus nicht den Idealen, welche wir vom Staate haben, entspricht, durchaus nicht die Aufgabe, die wir als Slaatsausgabe betrachten, erfüllt, aber wir wissen auch, daß die Gewalt der Dinge stärker ist als der Wille der Menschen. Augenblicklich werden die Geschicke Deutschlands von einem Manne gelenkt, dessen Wille für unfern gilt, von dem man glaubt, daß er in seiner Faust die Geschicke Deutsch- lands und vielleicht der Welt trage. Mein» Herren, wir Sozialdemokraten gehen von einer anderen Anschauung aus, wir glauben, daß die Macht, welche der Herr Staatskanzler ausübt, nicht in seiner Persönlichkeit liegt, nicht von seiner Person ausgeht, sondern daß sie in den Ber- hältnissen liegt. Die Verhältnisse haben ihm diese Bedeutung gegeben. Die Zerfahrenheil, welche wir überall jetzt finden, das Aus- cinandergehen der gegenwärtigen Staats- und Gescllschaftsbildungen, der Zersetzungsprozeß, den wir auf politischem, wirthschaftlichem Gebiete— überall beobachten.— Diese allgemeine Auslösung und Zersetzung hat eine ähnliche Aera bei uns hervorgebracht, wie sie zur Zeit der Auflösung der heidnischen Kulturwelt, des alten Römerreiche« stattgefunden hat. Das Volk wird ängstlich, jeder fängt an, für sich zu fürchten, niemand fühlt den Boden fest unter den Füßen, und da liegt es in der Natur der Menschen, daß sie sich dem Regiment der persönlichen Diktatur zuneigen. Im Schatten der Diktatur glauben sie sicher zu fem. Dieselbe Erscheinung, die uns jetzt in Deutschland entgegentritt, haben wir— in einer nach den Umständen modifizirten Form— in neuerer Zeit drüben in Frank- reich erlebt. Fürst Bismarck selbst hat sich vor kurzem mit Napoleon III., dem Kleinen, verglichen, und mit vollkommenem Recht, denn auf dem gesammten Felde der Politik verfolgt er die gleichen Bahnen. Napoleon wurde in diese Stellung genau durch dieselben Verhältnisse gebracht, wie der Fürst Bismarck: durch die Angst des Bürgerthums vor dem An- drängen des Sozialismus, durch die Zerspaltung der Klassen in sich, durch die Unsicherheit der Verhältnisse. Das hat den Cäsarismus in Frankreich erzeugt, das hat jetzt in Deutschland einen ganz ähnlichen Zu- stand herbeigeführt. Daraus ersehen wir, daß die Zustände stärker sind als die Menschen. Wie in Frankreich die Berhälttiisse ihren zufälligen Ausdruck in Napoleon gesunden haben, so haben sie in Deutschland ihren Ausdruck im Fürsten Bismarck gefunden. Aus die Person kommt es nicht an. Ein beliebiger Schulze oder Müller würde die Rolle zu spielen haben, wenn Fürst Bis- marck nicht vorhanden gewesen wäre. Das liegt in der Natur der Dinge. Der historische Entwickelungsprozeß ist unendlich stärker als der mächtigste Machthaber. Fürst Bismarck hat selber die wunderbarsten Wandlungen durchgemacht, er hat die Auftich- tigkeit, welche mininter an ihm zu bewundern ist, gehabt, es einzugestehen: er war eine Zeitlang im Schlepptau des Freihandels, ist dann in das Schlepptau der schutzzöllnerischen Bewegung gekommen,— jetzt ist er im Schlepptau des Sozialismus. Da« ist nicht sein Wille, das ist Rothwendigkeit. Ganz ähnlich hat es Napoleon machen müssen; die Logik der Thatsachen zwang ihn dazu. Und, meine Herren, wenn S i e(zur Linken) glauben, daß w i r dem Fürsten Bismarck Dienste leisten, indem wir für den Kern des Gesetze« eintreten, so täuschen Sie sich. Wir stehen hier in der That über den Kämpfen, die Sie bewegen; wir freuen uns über diese Kämpft, wir sehen, daß hier nur für uns gearbeitet wird; Fürst Bismarck glaubt uns zu haben, und wir haben ihn. (Heiterkeit. Sehr wahr! links.) Er würde dieses Gesetz nie und nimmer. ohne uns gemacht haben. Und, meine Herren, glauben Sie nicht, daß durch dieses Gesetz in unserer Stellung zu ihm etwas ge- ändert wird. Das vorliegende Gesetz ist an sich sehr unbedeutend. Sie fürchten es wegen dessen, was drum und dran hängt. Es ist das spitze Ende des Keils, welcher in die hemige bürgerliche Gesellschaft eingettieben wird; das dicke Ende wird schon nachkommen, ob Fürst Bismarck will oder nicht. Die Verhältnisse sind stärker als er. Sie haben also vollkommen Recht, dieses Gesetz vom Standpunkt der Klasseninteressen zu fürchten, es wird weiter führen.------ Es ist in einem ftüheren Stadium dieser Gesetzesvorlage erklärt wor- den, daß die Unfallversicherung sich vielfach decke mit der Armenpflege. Das ist richtig, aber es liegt hierin auch kein Widerspruch. Wir stehen auch in Beziehung auf das Armenwesen auf dem Standpunkt, daß der Staat das ganze Armenwesen zu übernehmen habe, und glauben, daß die großen Schwierigkeiten, in welche.Sie mit dem UnterstützungS- wohnsitzgesetz gerathen sind, einzig darauf beruhen, daß Sie die Konse- quenzen der durch die moderne Industrie gebotenen Freizügigkeit nicht zu ziehen den Muth gehabt haben. Bei der Freizügigkeit können Sie da« Heimalhsrecht nicht beibehalten, das ist vollkommen richtig, insoweit waren Sie logisch; Sie sind aber nicht weil genug gegangen. Sie können den Unterstützungswohnfitz nicht beibehalten, ohne der Industrie Schranken aufzuerlegen und ohne in große Ungerechtigkeit und Inhumanitäten zu versallen. Die Freizügigkeit kann nur Wahrheit werden, wenn der Staat das Armenwesen übernimmt. Und dann ist ja der Staat auch vom Standpunkt der Armenunterstützstng aus verpflichtet, für denjenigen, welcher bei der Arbeit verunglückt ist, einzutreten. So findet sich also kein Widerspruch zwischen diesem Gesetz und dieser Armcngcsetzgebnng, es ist einfach eine Ergänzung derselben. In der neuen Fassung des Gesetzes ist nun von dem Armenwesen überhaupt nicht mehr die Rede, und das ist gut, obgleich wir keineswegs der Meinung sind, daß, wie die gesellschaftlichen Verhältnisse heute sind, es eine Schande i st, Armenunterstützung zu empfangen. Wir glauben nicht, daß der Ar- beiter, der im Dienst der Arbeit Invalide geworden ist und der Gemeinde zur Last fällt, Ursache hat, sich zu schämen; schmachvoll sind nur die Zustä n d e, welche es möglich machen, daß so viele Arbeiter in eine solche Lage kommen. Die So- zialdemolratie erkennt an, daß jeder Mensch, wenn er im Kampf um die Existenz niedergeworfen ist, das Recht aus Unterstützung hat. Es ist nicht ein Almosen, welches ihm gereicht, nein, es ist eine gesellschaftliche, eine staatliche Pflicht, vie ihm gegen- über erfüllt wird.----- Liebknecht schloß dann seine Rede mit folgenden Worten: „Nehmen Sie das Gesetz an mit denjenigen Amendements, welche wir gestellt haben, um es von den ihm anhaftenden Mängeln zu befteien, dann werden Sie einen bedeutsamen Schritt auf der Bahn der Reform gethan haben. Der Sozialdemokratie fteilich haben Sie damit nicht den Boden entzogen, sondern einen Dienst geleistet, denn dieses Gesetz ist ein Zeugniß für die Wahrheit de« sozialistischen Ge- danken«." Nun, der Reichstag hat unsere Amendement« abgelehnt, er hatte aber nicht den Pkuth, das Gesetz im Prinzip abzuweisen. Die Verhältnisse sind eben stärker als die Menschen, und ob die Herren wollen oder nicht, der Sozialismus wird seinen Siegeslauf machen, ohne sie und gegen sie! Die Aussührungen Liebknechts lagen den Herren ganz gewaltig in den Knochen. Nur widerwillig ließ man in der Spezialberalhung unsere Genossen zum Wort. Durch die ganzen nachfolgenden Debatten zog sich der Gedanke: Gehen wir auch nicht zu weit in den Sozialis- mus hinein? Wir hoffen, daß die sehr lehrreichen Debatten im Separatabdruck er- scheinen werden, es wäre die beste Wahlagitation«- broschüre für unsere Partei, wir werden auz die eingehende Kritisirung derselben daher mit Rürkficht ans den beschränkten Raum unseres Blattes verzichten. Es war geradezu skandalös, mit welcher Gewissenlosigkeit z. B. die Herren„Arb ei ter freunde" bei Berathung des famosen§ 7 die Hastpflicht für die ersten zwei Wochen von der Bersicherungskasse aus die Tasche der Arbeiter, bezw. der Krankenkassen abwälzten. Der Herr Melbeck, mit Hisse der Ultramontanen in Solingen gegen unfern Genossen Rittinghausen gewählt, trieb die Schamlosigkeit so weit, eine Aenderung de« Hilfskaffengesetze« anzu- kündigen, nach welcher die Kraukenlaffen zwar nach wie vor erst dreizehn Wochen nach Eintritt des Mitglied« Krankenunterstützuug zu gewähren haben, dagegen Unfallunterstlltzuug vom ersten Tage des Eintritts an. Diesem Gebahren gegenüber rief Genosse Bebel mit treffendem Sarkasmus: „Ich muß sagen, das warme Herz, da« sich in dieser Beziehung für da« Wohl der Arbeiter bei Ihnen kundthut, ist wirklich rührend anzu- sehen; ich halte ein solches Verlangen für eine Ungerechtigkeit, wie ich mir sie stärker gar nicht denken kann. Da« wird aber nicht ver- hindern, daß wir von Ihnen bei tz 13 die schönsten Redensarten darüber anhören müssen, wie nothwendig es sei, aus ethischen und moralischen Gründen die Arbeiter an der Unfallverstcheruugslast theilnehmen zu lassen, wie das Selbstbewußtsein der Arbeiter ganz ander« gehoben würde, wenn sie dazu zu zahlen hätten, ja, aber die Herren Arbeitgeber sorgen weidlich dafür, daß ihnen die ihnen zukommenden Lasten möglichst erleichtert werden und die Last möglichst auf die Schultern der Arbeiter gewälzt werde. Run, wir haben am Ende keinen Schaden dabei, wenn Sie in dieser Richtung Ihre Beschlüsse fassen, im Gegentheil, Sie werden etwa« ganz andere« erreichen, als Sie mit dem Gesetz erreichen wollen." Selbstverständlich fiel da« Amendement unserer Genossen, die Herren vertrauen auf die Dummheit und Schlasmittzigkeit der Arbeiter. Wir werden sehen, ob sie sich täuschen. Auch die Anträge auf bessere Unterstützung der Hinterbliebenen der Verunglückten fielen, es half nichts, daß Bebel den Herren zurief: ---„es wäre das bitterste Unrecht gegen die Familie eines Getödteten, neben dem schweren moralischen Schaden, den der Tod des Vaters der Familie zufügt, noch materiellen Schaden hinzuzufügen; ich meine, daß gerade nach dieser Richtung hin das„ch r i st l ich e G e- f ü h l", das Sie in so hervorragendem Maße verschiedentlich bei Be- rathung dieses Gesetzes betont haben, Veranlassung für Sie sein müßte, hier für unsere, der Nichtchristen, Anträge einzutreten." Aber die guten Christen besannen sich eines besseren.— Bebel nahm auch Veranlassung, für die Gleichberechtigung der Frauen eine Lanze ein- zulegen. Er verlangte gleichmäßige Unterstützung für beide Geschlechter und sagte in dieser Beziehung: „Ich begreift wirklich nicht, wie man in unserer heutigen Zeit noch dem männlichen Berechtigten auf Grund des Gesetzes einen Vorzug vor dem weiblichen Berechttgten geben kann. Ich erkenne an, daß unsere bisherige Gesetzgebung, insbesondere das Privatrecht, eine solche Bevor- rechtung des männlichen Geschlechts statuirt hat. Einer solchen Bevor- rechtung wird aber von denjenigen, welche die Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern anerkennen, entgegengehalten: das geschieht blos, weil ihr Männer bisher die Gesetzgebung ausschließlich in der Hand habt und dadurch euch solche Vorrechte vorbehalten habt,— genau so wie die Arbeitgeber resp. Unternehmerklasse überall der Arbeiterklasse gegenüber ihre bevorzugte Stellung in der Gesetzgebung zum Ausdruck zu bringen sucht. Warum wollen Sie das stärkere Geschlecht, das sich viel leichter forthelfen kann, vor dem schwächeren, dem weiblichen, bevor- zugen? Wir sehen keinen Rechtsgrund dafür. Wir beantragen also, daß das Gesetz die volle Gleichberechttgung der Geschlechter anerkenne und ausspreche." Herr Stumm hielt eine sehr moralische Rede dagegen, schwefelte von dem sittlichen Gefühl der Arbeiter und auch diese Anträge sausten in den Papierkorb. Dasselbe Schicksal hatte der für den Schutz der Arbeiter gegen Berunglückungen so wichtige Antrag unserer Genossen, den Arbeitgeber, welcher die in gleichem Betriebe k. bei anderen Unternehmern vorhandenen Schutzmaßregeln unterläßt, in eine höhere Gefahrenklasse einzureihen, trotzdem Genosse K a y s e r zweimal eindringlich dafür einttat und an vielen Beispielen die Rothwendigkeit dieser Vorschrift nachwies. Das Klasseninteresse der Herren steht eben höher als alle übrigen Rücksichten. Kurz und gut, das Gesetz ist in einer solchen Weise zugerichiet worden, daß unsere Vertreter, wie sie gegen den Bismarck'schen ursprünglichen Entwurf gestimmt hätten, desto mehr Grund haben, die Mißgeburt von Regierung und ReichstagSmajorität schlankweg abzulehnen. Sie haben Alles gethan, um die Benachtheiligung des arbeitenden Volkes zu verhindern, sie können guten Muthe« und mit reinem Gewissen vor ihre Wähler hintrelen,— daher ihre„gesättigte", siegesgewisse Haltung, Herr Bamberger! Sozialpolitische Rundschau. — Unsere Vertreter im Reichsta g e. Bei der Berathung über die Petition der sächsischen Textilindustriellen — die entweder Herabsetzung der Garnzölle oder Erhöhung der Einfuhrzölle auf fertige Gewebe, bezw. Rückvergütung der Garnzölle forderten— hat unser Genosse Auer einige treffende Schlaglichter aus unsere herrlichen wirthschaftlichen Zustände geworfen. Sehr bezeichnend ist nachfolgende Stelle au« dem Briefe eines der Petenten— eines Fabrikanten— an Auer. E« heißt da: „Sie wünschen ferner zu wissen, ob nicht auch der mechanische Webestuhl den Handwebestuhl überflügelt hat, also ei» Theil der Schuld an der Nothlage auf Konto des erstercn zu schreiben sei. Dieser Einwand ist sehr wichtig und wird nach meiner Ber« muthung als Angriffswaffe gegen unsere Petitton benutzt werden. Die Sache liegt aber thatsächlich so, daß die mechanische Weberei, weil diese vorzugsweise nur billige sogenannte Stapelartikel fabri- zirt, welche am meisten von den ungünstigen Zollsätzen betroffen werden, ebensosehr, ja noch mehr darnicderliegt als die Hand- weberei. Der Sachverhalt ist in Wirklichkeit der, daß schon seit Jahren infolge der beispiellos billigen Hand- löhne die mechanische Weberei nicht mit der Handweberei konkurriren kann. Der„Kampf auf Tod und Leben" zwischen Hand- und mechanischer Weberei kommt auch noch, aber später, erst dann, wenn die Handlöhne wieder ein gewisses Lohnmaximum erreicht haben werden, wo dann die mechanische Weberei wieder konkurrenzfähig wird und die Handlöhne dauernd aus diese« Lohn Maximum niederdrückt." Soweit hätten wir es nun also glücklich gebracht, Dank der segen- spendenden„fteien Konkurrenz" aus dem Arbeitsmarkte! Die Preise der Handarbeit so heruntergedrückt, daß die mechanische Weberei mit ihr nicht mehr konkurriren kann! Hier steht die kapitalistische Gesellschaft an der Grenze ihres Witzes. Die Handlöhne müssen erst wieder em gewisse«„L o h n m a x i m u m" erreicht haben, ehe es anders wird, meint der Fabrikant. Wißt Ihr, was das heißt? Wenn durch flotteren Geschäftsgang die Nachfrage steigt, dann bildet Euch nur nicht ein, Ihr Handweber, daß auch Eure Löhne entsprechend steigen, nein, das geht nur bis zu dem berühmten Lohnmaximum, höher nicht, und dann beginnt der Kampf auf„Leben und To d". Rasciate vAni speranza voi ch'entrate! Laßt die Hoffnung draußen, die Ihr einttetet, ruft er Euch zu, Ihr Proletarier. Ihr darbt und hungert heute und harrt sehnsüchtig aus besseren Geschäftsgang, aber wenn er kommt, dann— geht e» Euch erst recht an den Kragen. Sehr richtig sagte Auer im weiteren Verlaus seiner Rede: „Sie haben letzchin das JnnungSgesetz beschlossen. Di- Enquete zeigt Ihnen nun die Berhälttiisse, in denen Taufende von Webermeistern leben. Glauben Sie, daß diesen Webernmeistern durch Innungen noch zu Helsen ist? Nein, meine Herren, der Borgang, der uns heute beschäftigt, zeigt uns auf das Entschiedenste, daß das Klein.- gewerbe in einer ganzen Reihe von Zweigen absolut nicht mehr im Stande ist, den Kamps mit dem Großbetrieb zu führen, zeigt wie ganz zwecklos und verloren Ihre Be mühungen sind, einem Stand, der imAbsterben begriffen ist— und das ist d a« K lei nhand werk— no ch auf die Beine zu Helsen. Der Enquetbencht führt auch an, daß Lehrlinge von den Weber- meistern nicht mehr ausgebildet werden, zeigt also auch in dieser Rich- tung, wie wenig Sie mit den Bestrebungen der Jnnungsvorlage, wonach Sie einzelnen Meistern da« Halten von Lehrlingen verbieten wollen, noch werden erreichen können. Mit Bezug aus die L o h n v e r hä l tn i s s e möchte ich hier noch-ins erwähnen. Herr von Mirbach meinte, die Arbeiter sollen vom Westen nach dem Osten ziehen, dort wären ja billige Lebensmittel, dort könnten sie mit ihren Löhnen auskommen. Ich fürchte nur, daß das Umgekehrte noch mehr eintreten wird, als es heute schon der Fall ist, nämlich, daß die Arbeiter vom Osten nach dem Westen ziehen, und zwar wird das so lange so bleiben, als Herr v. Mirbach und seine Freunde im Osten ausschließlich das Regiment in der Hand haben. Im Uebrigen möchte ich dem Herrn Abgeordneten bemerken, daß sein weiterer Ausspruch: „hohe Lebensmittel geuiren den Arbeiter nicht, wenn die Löhne nur im Verhältnis zu den Lebensmittelpreisen bleiben", zwar richttg ist. daß aber leider fein« Voraussetzung, daß hohe Lebensmittelpreise stets mit hohen Löhnen Hand in Hand gehen, nicht zutrifft. Der Umstand, daß wir genöthigt find, nach dem Ausland unsere In dustrieprodukte zu verkaufen, und daß wir dort aus dem Weltmarkt der Konturrenz anderer Länder begegnen, zwingt uns. wenn wir diese Kon- kurrenz bestehen wollen, die Löhne aus das niedrigste Niveau herabzu- setze». Wenn nun, wie e« bei uns der Fall ist, die nothweudigsten Lebensmittel mit Steuern belastet werden, so werden zwar die Arbeit?- — Ein„L e b e m a n n". Fritz Eulenburg, Verfasser von„die Flinte schießt, der Säbel haut", ist im„rneuson de sante" in Schöneberg bei Berlin gestorben— am Säuferwahnsinn. Die gesammte„anständige" Presse widmet dem ehemaligen Konfliktsminister die üblichen Krokodils- thränen, und wenn ste überhaupt aus die Ursache seines Todes anspielt, so heißt es zartsühlend, er fei ein großer Lebemann gewesen. Ein Lebemann, wie hübsch sich das anhört! Ein Mann, der lebt, das heißt, ein Mann, der zu leben versteht. Aber wie, wirft' hier ein unschuldiger Jüngling ein, weil der Mann zu leben verstand, darum ist er also vorzeitig gestorben? Das kann doch nicht stimmen. Besteht die Kunst zu leben darin, sich zu Tode zu sausen? Freilich, guter Freund, freilich! Leben heißt fressen, saufen und h____ Und wer das nicht glaubt, der ist ein Gottesleugner, ein Aufwiegler, ein Maierialist. Aber, wohlverstanden, das gilt nur für die„oberen Zehntausend". Beim niederen Volk heißt's: umgekehrt wird ein Schuh draus. Da heißt leben Entbehren, Entbehren und noch einmal Entbehren! Also unterstehe dich ja nicht, Arbeiter, wenn du einen zuviel Himer die Binde gießest, etwa zu sagen, du seiest ein„Lebemann". Du bist und bleibst ein Säuser, ein Fresser, ein Schwein! So steht's... Wir sind keine Splitterrichter. Daß Fritz Eulenburg mehr genossen als ihm gut war, ist noch lange nicht da« Schlimmste, was ec gethan. Aber festnageln wollen wir es doch, was die heutige Gesellschaft unter einem Lebemann versteht. �— Sehr gut. Im„S t a a t s s o z i a l i st" wehklagt ein Herr O. I. über den enormen Gewinn, den das Haus Rothschild bei der Konversion der ungarischen Goldrente gemacht, daß einem Sozialisten das Herz im Leibe lachen könnte.„Eine WirthschaftSordnung," schreibt dieser Biedermann,„welche es einem Einzelnen ermöglicht, in wenig Wochen die Mittel zu gewinnen, von denen hunderttausend Arbeiter ein ganzes Jahr lang leben können, ist ungesund und verderblich, selbst wenn jener Gewinn moralisch unantastbar wäre."— Sehr wahr, theurer Freund, und ebenso wahr, wenn Sie im weiteren Verlauf die geringe Wirksam- keit der Börsensteuer dagegen konstatiren, und nicht minder wahr, wenn Sic von der Börse selbst sagen,„ein Institut, da» zehn Millionen(Bör- sensteuer) einbringt, ist ein Xoli me längere(Rührmichnichtan) für jeden Finanzminister." Weil Sie nun so brav waren, so wollen wir auch Ihre Schlußsragen beantworten: Also.„Wo ist der Siegsried, der diesen Drachen zu tobten vermag?" Antwort: Der Sozialismus. , Jffio.der Gärtner, den den Gistbaum mit der Wurzel ausrottet?" Antwort: Die soziale Revolution. „Wo der Staatsmann, der den echten König von dem Börsenkönige besrett?" Antwort: Kleiner Schäker! Der„echte König" kann ohne den Finanzminister, dieser aber, wie Sie sehr richtig bemerkten, ohne den Börsenkönig nicht bestehen; der rechte Staatsmann wird wohl der sein, der sie alle drei ab— schafft. Und nun rathen Sie einmal, wer das sein mag? — Der Betbruder Lehmann in Berlin hat Herrn Stöcker für die„innere S t a d t m i s s i 0 n" 2000 Mark übersenden lassen. Eine 2000fache Anerkennung der Verdienste des edlen Hospredigers als A nlwort auf die Angriffe in der Berliner Stadtsynode, das ist gut! Nun wird das Geschwesel, daß man an allerhöchster Stelle die Judenhetze nicht billige, wohl endlich aufhören. Man bedenke, 2000, in Worten Zweitausend Mark! Bei dem sprichwörtlichen Geiz der Familie Lehmann eine Riesensumme. � Christliche Arbeiter sreunbe. Ein Blatt, welches in echt christlich. konservativer Arbeitersreundlichkeit macht, ist die Bismarckische Königsberger„Ostpreußische Zeitz." Ihre Arbeitersreundlichkeit hat sich nun gelegentlich des in unserer Königsberger Körrespondenz behandelten Prozesst» Hennig- Tausch glänzend bewährt. Wenn man den Bericht °'ises sauberen Blattes liest, so sollte man meinen, die Hennig sei ein wahres Ungeheuer von Verlogenheit, Frechheit K., Tausch dagegen ein wahrer Waisenknabe, so rein, so schön, so hold. Ein„tragisches Ge- ch ick" wollte es, daß Tausch die Hennig engagirte, tragisch nicht für He nn ig, sondern für den Tausch.„Wer mag es", heißt es '""ter,„Herrn Tausch»erdenken, daß er der frechen Person w't der Peitsche, die er noch immer inHänden hielt, einige Hiebe über riß?" Echt christlich, nicht wahr? Nicht minder christlich 'st auch pje Unverfrorenheit, mit der bald die Hennig als Simulantin, >hre Schwäche als erheuchelt hingestellt, bald behauptet wird, sie habe schon l rüher Uber Schwäche im rechten Arm geklagt und den Kopf schies ge- trage«. Am aller christlich ste» ist aber ba« Playdoyer de« Staatsanwaltes — ein wahre« Muster von Gesctzeswächler, dieser Herr Hacker! Die Peitschenhiebe stehen auf jeden Fall s-st. und dennoch behauptet dieser ehrenwerthe Mann, der Angeklagte sei„nicht über das der Dienst- Herrschast aus ß 77 der Gesindeordnung zustehende Züch- tigungsrecht hinausgegangen." Wir haben diese Gesindeordnung, dieses mittelalterliche Gesetz, das sich ebenso mit dem Thristenthum der Herren verträgt, wie die Sklaverei, nicht bei der Hand, aber so reak- tionär sie auch ist, daß Jemand seinen Dienstboten mit der Peitsche schlage, gestattet sie denn doch nicht. Hätte das der Vertheidiger des Tausch gesagt, so wäre die Sache begreiflich, aber der Staatsanwalt, der'Schützer und Wahrer de« Recht«, das ist denn doch selbst in Preußen neu. Freilich, Königsberg liegt sehr nahe an Rußland, und wenn die Herren für russische Zustände schwärmen, so wird man ihnen eines Ta- ges auch russisch zu antworten wissen. — Die Göttinger Studenteurevolte ist glorreich beendet, glorreich sür die Bourgeois- und Adelssproßlinge. Die Burschen ließen sich nämlich herab, den Erlaß de« Magistrats huldreichst anzuerkennen, sprachen aber ihre allerhöchste Mißbilligung über die Art und Weise der Ausführung aus und verlangten die Abberufung des betreffenden Polizei. kommissärs. Tagegen erklärte ihnen der Bürgermeister de- und weh- inüthig, es möge bei Venrtbeilung der„beklagenswerthen" Thatfachen be. Gericht eine milde Auffassung vorwalten. Wenn Arbeiter sich in einer noch so gerecht,ert.gt-n An- gelegenhett zusammenschaarm und ihrem Unmuth Ausdruck geben, dann werden zunächst exemplarischeMaßnahmen getroffen, ehe man sich überhaupt herbeiläßt, nach den Ursachen zu fragen(Vgl. die vor- lährigen Unruhen auf der Radzionkauhütte sc.).— Milbe Aunassung — exemplarische Bestrafung, das nennt mau„Gleichheit vor dem Gesetz"! Wer lacht da? — Unverschämt! In seiner Begrüßungsrede an den in Frankfurt tagenden Journalistentag äußerte der Exkommunist M i q u e l folgendes große Wort:„Die Presse ist ein freies Gewerbe. Wer Gedanken hat, kann schreiben und drucken lassen."— Ist so etwas erhört? Vor Leuten, die denn doch die Verhältnisse kennen sollten, wagt es dieser national- liberale Oberbürgermeister von Volkspartei'» Gnaden, eine so offenbare Lüge hinauszuposaunen! Und unter sämmtlichen versammelten ehren- werthen Journalisten, die sich gegenseitig beweihräucherten, sie hätten gerade in jetziger Zeit dem Volke vorzuleuchten, damit es nicht den Muth verliere, fand sich n i ch t E i n e r, der ausgesprungen wäre und Protest gegen die Schönfärberei eingelegt hätte. Wenn die Herren Journalisten nur einen Funken Gefühl für die Würde der Presse gehabt hätten, so hätten sie nicht nur gegen diese Worte Protest einlegen, sondern direkt erklären müssen: So lange das Ausnahmegesetz besteht, ist die Presse, ist der Gedanke geknebelt, das Ausnahmegesetz ist eine der Neuzeit unwürdige Proskription der freien Kritik, so lange es besteht, ist der gesammte Jour- nalistenstand als unmündig erklärt. Jndeß, wer wollte von den deutschen Literaten Gefühl für Würde und Unabhängigkeit erwarten. Das ist wirklich zu viel verlangt! —„In Sachen Hillmann und Genossen" wurden seit einiger Zeit in ganz Deutschland Haussuchungen, Verhaftungen und ähnliche Schurkereien verübt, ohne daß die Welt etwas darüber erfahren hätte, was eigentlich Hillmann und Genossen ausgefressen haben. Die Sache wurde uns schließlich zu bunt, wir fragten daher in Elberfeld an und erhalten jetzt folgenden lustigen Bescheid: „Wie der„Prozeß Hill mann" mit den vielen Haussuchungen zu- sammenhängt, weiß hier Niemand. Etwa im Januar leitete man in Düsseldorf und Elberfeld eine Untersuchung ein, in welcher wohl einige Dutzend als„Angeklagte" vernommen wurden, weil sie an einer oder auch mehreren geheimen Zusammenkünften theilgenommen haben sollten, in denen Gelder gesammelt und Uber den Kongreß berichtet worden sein sollte. Ein Grüner soll es seinem Vater erzählt und dieser es dem Gensdarm irgend eine« umliegenden Dorfes mitgetheilt haben, daß ein alter Mann in einem Steinbruche eine Rede gehalten habe. Da der Steinbruch im Walde fast der Grenzpunkt zwischen Solingen, Burg, Remscheid, Wermelskirchen und Lennep ist, so war es nicht wunderlich, daß alle„Bekannten" aus allen diesen Kreisen als„Angeklagte", der Eine heute hier, der Andere morgen dort, vernommen wurden. Aus SparsamkeitSrücksichten hatte man keine Zeugen, sondern nur Angeklagte geladen. Es ist natürlich, daß Niemand etwas wußte noch aussagte. Vor etwa 9 Wochen erhielt Hillmann Bescheid, daß die Untersuchung geschlossen sei. Anklage ist noch nicht er- folgt. Wie gesagt, der Prozeß Hillmann kann mit den Haussuchungen in Sachsen und SUddeutschland nicht im Zusammenhange stehen." Herrlich! Etwas dunkel zwar, Aber's klingt recht wunderbar! möchten wir mit Don Azevedo ausrufen, wenn die Sache nicht so ver- dämmt ein— fach wäre. Ist es denn nicht ganz selbstverständlich, daß wenn man Beweismalerial über eine in Elberfeld stattgehabte geheime Versammlung braucht, zunächst in Stuttgart, Offenbach, Mannheim, Dres- den, Breslau, Pöllwitz, Schilda und Schöppenstldt nachgeforscht wird? Nichts natürlicher als das, und wer es nicht einsieht, ist gar nicht Werth, Angehöriger de« heiligen preußischen Reiches deutscher Nation zu sein. 'S sind doch Prachtkerle, unsere Staatsretter! Es wird uns manchmal recht schwer, die Bande so zu hassen, wie sie es verdient. Wären die Kerle nur ein Viertel so gescheidt, als sie schlecht sind, so könnte man sich beinahe vor ihnen fürchten. Aber dumm, saul und gefräßig, so ist einer wie der andere. O Bismarck, Du�wirst wirklich schlecht bedient! — Sonderbare Schwärmer, diese fortschrittlichen„Republi- kaner"! Klagen fortwährend über Reaktion, Uber Rückkehr zu Mittelalter- lichen Institutionen, und sind dabei noch obenan, wenn es gilt, mittelalterliche Schwächen zu fordern. Begeistert sich da neuerdings m der „Berk. Volkszeitung" ein sonst leidlich vernünftiger Mitarbeiter für die Wiederherstellung der Marienburg. Cui bona, zu wessen Nutzen? Ist es in Weftpreußen denn gar so hell, daß Ihr nöthig habt, den Sinn für Institutionen zu wecken, die sich längst überlebt haben? Wir dächten, selbst Fortschrittler hätten Grund, auf andere Dinge ihren Sinn zu richten. Es wird überhaupt wieder stark mit dem Mittelalter geflunkert, so daß wir große Lust haben, mit einem kräftigen Wörtlein dazwischen zu treten. Für heute wollen wir nur mit Göthe Amerika beneiden, von dem der Altmeister mit Recht sagte: „Dich stört nicht im Innern, Aus alter Zeit Unnützes Erinnern Vergeblicher Streit. Benutzt die Gegenwart mit Glück, Und wenn dann Deine Kinder dichten, Bewahre sie ein gutes Geschick Bor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten." Und mit Glasbrenner, der sonst nicht unser Mann war, wollen wir feststellen: Doch das Beste an Ruinen » Ist, daß sie Ruinen find! — Eine deutsche Bauernpartei kündigt in verschiedenen Zei- tungen ihr Erscheinen an. Sie entstammt der Uckermark und trägt einen echt bismarckischen Charakter. Dadurch, daß sie Groß- und Kleingrund- besitzer umfassen will und behauptet, daß die Interessen beider die gleichen 'eien, dokumentirt sie, daß sie nichts anderes ist als eine Bauern sä n- � erPartei. Die kleinen Bauern sollen sür die großen die Kastanien aus dem Feuer holen. Ein Passus in dem Aufruf freut uns trotzdem. Es heißt da:„Standes- genossen! Nur wen» wir un» selbst helfen, kann uns unser Kaiser und sein Kanzler helfen."— So ist's rechts; verbreitet nur diese Ucber- zeuguug so weit ihr könnt im Landvolke, wir werden schon dafür sorgen, daß eine« Tage« die richtigen Konsequenzen gezogen werden, und auch der Bruder Bauer in Heine'« Worte einstimmt: „Bedenk' ich die Sache ganz genau, So brauchen wir gar keinen Kaiser." —„28at wohl je ein Mensch so srech, als der Bürgermeister Tschech"— Dieses schöne Lied läßt laut Beschluß' des Nürnberger Polizeigerichts, „keine sozialdemokratischen, sozialistischen oder kommunistischen Bestreb- ungen ersehen", und ist daher auch nicht auf Grund des Sozialisten- gesetzes zu verbieten, dagegen— und nun kommt der hinkende Bote, bleibt zu„erwägen, ob nach dem Inhalte de« Liedes nicht Anlaß zu einer Einschreitung auf Grund des Reichs-S traf gesetzbuches geboten sei". Wir sind wirklich neugierig, was das Landgericht Nürnberg, vor dem die Sache jetzt zur Entscheidung kommt, über den armen Bürger- meister Tschech entscheiden wird. Berkrachen sie ihn, dann empfehlen wir unseren Genossen als Ersatz das nicht minder schöne Lied: „Oskar Becker hieß der Mann, Der das Attentat ersann." — In Frankfurt am Main ist ein Berliner Ausgewiesener, als er da« Londoner Flugblatt„Endlich" an da« Ausstellungsgebäude anschlagen wollte, verhaftet worden. Wie die dortigen Blätter behaupten, habe er die Sache so ungeschickt angefangen, daß er abgefaßt werden mußte. Aus Anlaß dieser Verhaftung sind sodann sechs weitere theils in Bockenheim thefls in Frankfurt am Main vorgenommen worden. Der Name des„Ausgewiesenen" wird sonderbarerweise nicht mitgetheilt. — Am 2. Juni wurde Genosse W i l h. H 0 ck e n b e r g e r, Gießer, in Frankenthal auf Antrag der Mannheimer Behörde verhaftet, wobei folgender brutale Akt zu verzeichnen ist:' Hockenberger wurde auf seiner Arbeitsstelle abgeholt(ohne daß er sich waschen oder seine Kleider wechseln durste) und mit eurer Kette geschlossen abgeführt. Am Bahnhos brachte ihm seine Frau seine beiden Kinder entgegen und als Hockenberger sie zum Abschiede küssen wollte, stieß ihn der ihn verhaftende Brigadier— eine Bestie in Menschengestalt— gefühllos zurück. Hockenberger ist als einer der tüchtigsten und gebildetsten Arbeiter Frankenthals bekannt, und daher biese Rohheit. — Aus dem Wupperthal theilt man uns noch mit: der Polizei- lump Karl Leverkus, Hasselmann'schen Angedenkens, drängt sich zeitweilig wieder in Parteigenössische Kreise. Wir warnen aller- seits vor diesem mehr als zweideutigen Subjekt. — Verboten wurden in M a i n z auf Grund des Sozialistengesetzes: Der Gesangverein„Frohsinn" und der Bergnügungsverein„Heiter- keit".— Frohsinn und Heiterkeit verboten, das ist wirklich nicht übel. — Aus Oesterreich schreibt man uns: Der Linzer Arbeiter- tag ist vom Statthalter von Oberösterreich, Fürst Metternich, untersagt worden, und zwar, weil„derselbe als eine allgemein zugängliche Versammlung anzusehen sei". Grund: Es sei zum Besuche des Arbeitertages in mehreren Blättern ausgefordert worden.— Nach der Meinung des weisen Statthalters hätte somit der Arbeitertag nur dann stattfinden dürfen, wenn die Einberuser Niemand dazu eingeladen hätten. Was dem Bauernkomite erlaubt war, ist also bei Arbeitern gesetzwidrig. Man will mit Gewalt verhüten, daß die Arbeiter sich offen und inner- halb der engen Schranken der Gesetze sich über ihre Verhältnisse aus- sprechen und berathen, wie die Uebelstände zu beseitigen wären. Für uns Arbeiter gibt es in Oesterreich kein Versammlungsrecht mehr, es scheint fast, als ob man uns mit Gewalt zu geheimen Organisationen zwingen will, um unsere thätigen Elemente desto sicherer hinter Schloß und Riegel zu bringen. Wenn Fürst Metternich glaubt, auf solche Weise den Staat retten oder die soziale Frage lösen zu können, dann irrt er sich. Arbeiter Oesterreichs! Die Willkür unserer Herrscher kennt uns gegen- über kein Gesetz, warum sollten wir uns um dasselbe kümmern? Tretet heraus au« Eurem Jndifferentismus, organisirt Euch! Wer die Gefahr scheut, kommt darin um, sagt ein altes Sprüchwort. Darum kämpft uner- schrocken und mit Ausdauer sür unsere Sache, der Sieg kann nicht aus- bleiben, der Tag wird kommen, wo auch wir Genugthuung erhalten werden. ß. — Aus Oe st erreich, lieber die Verhaftungen in Salzburg wird uns geschrieben: Diese Verhaftungen schließen sich so unmittelbar an die Anwesenheit des Bgr. Z. aus Wien, der hier vergeblich versuchte, für die Londoner„Freiheit" zu agitiren, daß wir alle überzeugt sind, wir verdanken ihm diesen Liebesdienst. Kaum war er nämlich fort von hier, so wurde zunächst Genosse Müller behaussucht und verhaftet. Bei Müller hatte man Briefe von S t a a r in Wien und S ch n a u b e l t in Steyr vorgesunden, worauf auch diese Genossen verhaftet und wie ge- meine Verbrecher geschloffen nach Salzburg transportirt wurden. Dann wurden die Genossen Pintner, Marschall und S e i d l e r ver- haftet. Nun kommt das Schönste nach. In ganz Salzburg wurde ausgesprengt, die Sozialisten hätten bei der Salzachbrücke den Zug, mit welchem die belgische Prinzessin nach Salzburg komme, in die Luft sprengen wollen, und zwar vom Gasthaus zur Gaß aus. Der Wirth und sein Personal wurden verhastet, das ganze Lokal durchsucht, alle Böden und die Kegel- bahn ausgerissen, ja selbst die Kegelkugeln eingehend untersucht— natürlich ohne Resultat. Da« Gasthaus wurde dann von sieben Polizisten Tag und Nacht bewacht, jeder Aus- und Eingehende durchsucht, ebenso wurde die Bahnbrücke von Polizisten beschützt, bis der Zug vorbei war. Da man aber absolut Sprengmaterial brauchte, so fand man solches schließlich in einem nahegelegenen Steinbruch, woselbst man auch einige Arbeiter verhaftete. Ferner wurden in sämmtlichen Schuhmacher-Werkstätten die Arbeiter abgefragt, ob sie an der Abendunterhaltung, in welcher Zinner gesprochen hatte, anwesend gewesen wären; wer j a sagte, wurde gleichfalls verhaftet. Im Ganzen sitzen jetzt 30 Personen, darunter noch die Genossen Sama- born, Gattinger, Köstler, Härtl und Bauer, sowie des letzteren Geliebte. Zu dem Einzug der Belgierin kamen von Wien mehrere Dutzend Spitzel extra hierher. Als ein Arbeiter zu einem anderen sagte, wie wird's wohl denen in der Haft gehen, wurde er von einem Geheimen gepackt und angeschnauzt: Sie wissen auch davon, kommen Sie nur gleich mit. Gleichsalls verhastet wurde eine Frau, die sich geäußert hatte, wann ein armer Teufel heirathet, dann macht man nicht so viel Geschichten. Es soll einen großen Prozeß abgeben, wir wissen nicht, wie wir die Kosten aufbringen sollen, die Roth unter den Angehörigen der Verhafteten ist sehr groß. Von anderer Seite wird uns noch über die gleiche Angelegenheit ge- schrieben: Die Seele der ganzen Angelegenheit ist wahrscheinlich da« Scheusal von Statthalter—Thun heißt der Schuft— ein Sozialisten- sresser ersten Ranges, der schon 1869 erklärte, so lange er im Amte sei, werde die Arbeiterbewegung in Salzburg nicht auskommen. Außerdem wollten sich die Polizeihallunkeu wieder einmal wichtig machen und dem Spießbürger ihre Unentbehrlichkeit vor die Augen führen, wobei ihnen Z durch Bramarbasiren ,c. wahrscheinlich gute Dienste geleistet hat. — Aus Frankreich. Der in Paris tagende Arbeiterkongre' Mittelfrankreichs hat seine Arbeiten am 2. Juni beendet. Seine Sitzunge: waren fast ausschließlich der Diskussion theoretischer Fragen gewidmet in Bezug aus die praktische Thätigkeit beließ man es beim Alten. Betreffs der bevorstchenden Wahlen wurde beschlossen, nur als selbständige Arbeiter- Partei aus dem Boden des Klassenkampfes einzutreten und auf das in Pari« bestehende Zenttalwahlkomite der sozialistischen Arbeiterpartei ver« wiesen. Der Delegirte de» Malerbundes forderte in der Schlußsitzung die verschiedenen Vereine energisch auf, sich an dem nach Zürich ein- berufenen Weltkongreß zu betheiligen, und unter dem Rufe:„Es lebe die soziale Republik!" gingen die Delegirten auseinander. Auch in Bordeaux hat eine Protestversammlung gegen die Grau- samkeiten der russischen Regierung stattgesunden. Gegen 5000 Personen nahmen daran Theil; es sprachen Fr. Cournet, I. Rose und Louise Michel. Einige Störungsversuche mißlangen. Das Begräbniß des positivistischen Philosophen L i t t r ä hat zu einem kleinen Skandal geführt. Littre war ein großer Feind der Kirche, sein« klerikal gesinnte Frau und Tochter hatten ihn aber, als er aus dem Todtenbette lag, tauseu lassen und ließen ihn auch kirchlich begraben, wo- gegen seine Freunde und Gesinnungsgenossen vergeben» protcstirten. Am Grabe kam es dann zu einem kleinen Radau.—„Freisinnige" deutsche Blätter loben die Toleranz Litträ's, der, obwohl er Freidenker war, nie mit seiner Frau Uber religiöse Dinge gesprochen hatte. Wir können un« sür eiüe solche Toleranz nicht begeistern, hinter ihr steckt ge- wöhnlich nur Indifferenz oder geistiger Hochmuth. Wer sich mit einer bornirten Frau wohlsühlt, sein Kind in religiösem Aberglauben erziehen läßt, der ist e« werth, daß sie ihm schließlich solche Streiche spielen. Herr Littre machte auch, wie alle Positivisten, in Sozialismus— der- selbe war aber auch danach. Er gipfelt in der Schaffung einer wissen- schastlichen und geistigen Aristokratie. Wir aber wollen, wie Em. Mafsard im„Titoyen" am Schluß eine» Artikels über Littrö richtig bemerkt, löhne dadurch nicht gehoben, weil die eben abhängig find von der Kon- kurrenz auf dem Weltmarkt, wohl aber werden Roth stände veranlaßt, wie sie uns im Enquetbericht näher ge- schildert werden. Wenn weiter Herr von Schorlemer meint, es sei weniger der Zoll aus Getreide, als die Korubörse und der dort getriebene Wucher, welche das Brod vertheuern, so stimme ich ihm bis zu einem gewissen Grade bei. Das beweist aber nur, daß schließlich nichts mehr übrigbleibt, als auch auf diesem Gebiet densozia- lislischen Weg zu betreten und die staatliche Organs- sirung des Kornhandels in die Hand zu nehmen. Ohne dieses Radikalmittel werden Sie den Wucher und den Schwindel von der Kornbörse so wenig wegbringen, als sie ihn von der Fonds- börse durch Ihre Börsensteuer wegbringen werden. Solche Giftpflanzen, wie sie sich da breit machen, müssen mit der Wurzel ausgerissen werden, dazu hat aber weder das Zentrum noch sonst eine Partei den Muth und die Lust und deshalb werden alle Ihre w i r t h s ch a s t l i ch e n H e i lp f l ä st e r ch e n nichts hum Heile des Volkes nach sich führe n." Auer erklärte zum Schluß, für die Vorlage stimmen zu wollen, aber nur, weil er und die übrigen sozialistischen Abgeordneten sie als eine Nothstandsvorlage ansehen. ebensowenig eine wissenschaftliche Oligarchie wie eine finanzielle; Wohlstand und Wissen sollen Allen in gleichem Maße zu Theil werden. — In Celle ist am 6. Juni der Regionalkongreß der Arbeiterpartei für Ostfrankreich eröffnet worden. — Aus London, 4. Juni, schreibt man uns: Ju Irland wird die Lage immer drohender, die Haltung der Regierung immer konfuser. 'I'out oommo nous— nachdem der erste Schrecken des Zwangs- gesetzes vorüber ist, erwacht der alte Geist von Reuein und um so sieges- gewisser. Der Widerstand gegen die Pächtereviktionen wird immer ent- schlossener und wirksamer. In Ennis ist es bereits zwischen ungefähr hundert Konstablern, welche 33 Pächter au« ihrem Heim vertreiben wollten, und der wüthenden Volksmenge zu einem förmlichen Kampfe gekommen, bei dem man sich auf beiden Seiten der Feuergewehre bediente. Quinlan Castle bei New-Palla» ist noch immer nicht„erobert",*) obgleich es nach Parnell nur von einem alten Manne vertheidigt wird. Die Kanonen, mit denen man es bezwingen wollte, konnten nicht hingeschafft werden, weil die Bevölkerung von New-Pallas alle Wege unfahrbar gemacht und alle Brücken abgebrochen hatte. Jetzt sind 600 Mann Verstärkung von Dublin abgegangen, um die furchtbare Festung einzunehmen. Nicht er- baulicher klingen die Berichte von der Insel Arran. Auf diesem unsrucht- baren Eiland fristen mühselig einige Familien ihr Dasein, in einer Weise, daß es selbst dem Jrländer elend erscheint— auch sie sollten wegen rück- ständiger Pachtzinse von Haus und Hof vertrieben werden, und das Kanonenboot„Goshawk" wurde abgesandt, die Eviktion(Austrei- bung) zu erzwingen. Die verzweifelten Inselbewohner aber wehrten sich so energisch, daß die 5 Boote des„Goshawk" beim Versuch zu landen theils versenkt, theil« so arg zugerichtet wurden, daß sie sich zurückziehen mußten, worauf der„Goshawk" ein Kanonenfeuer gegen die Rebellen eröffnete. Die Rehposten der Polizei reichen also schon nicht mehr aus.— So die Berichte der englischen Blätter, welche keine Ursache haben, zu übertreiben, vom„Kriegsschauplatze"— und man kann wohl sagen, daß der Krieg Irlands gegen England erklärt ist, ein Guerillakrieg, der ent« scheidende Schläge vermeidet und den Feind langsam verbluten läßt. Es ist wunderbar, zu sehen, wie die Jrländer jeder Versuchung zu widerstehen wissen, sich in Masse zu erheben und große Schlachten zu liefern, in denen sie sicher niedergeschlagen würden. Freilich ist ein sozialer Guerillakrieg wie in Irland nur dort möglich, wo das ganze Volk auf Seiten der Rebellen steht. Das Räuberwesen in SUditalien und Süd- Ungarn ist nur eine andere Erscheinungsform desselben Kampfes, erzeugt hier wie dort durch die Latifundien, die Loslösung der Volksmaffen von Grund und Boden, und hier wie dort vom Volke unterstützt. Die irischen Zustände sind denn auch analog den italienischen und ungarischen auf- zufassen, es wäre ganz- irrig, von Irland eine Revolution nach dem Muster der Arbeitererhebungen zu erwarten. Kläglich ist die Haltung der Regierung in der irischen Affäre. Die Berathungen der Landbill nehmen ihren Schneckengang— ist sie vom Unterhaus in dritter Lesung angenommen, dann wird es noch Sache der Lords sein, wochenlanges Geschwätz über sie zur Rettung des Eigenthums und Herstellung der Ordnung zu halten. Und während dem besteht die ganze Weisheit des Ministeriums im Belagerungszustand. Bei seiner Dummheit befitzt es aber nicht einmal die Frechheit de» preußischen Junkers, der Alles, auch die größte Gemeinheit, als nothwendig darzu- stellen versteht. Die letzte Sitzung des Unterhauses gab ein hübsches Pröbchen von der Hilflosigkeit Gladstone's und Konsorten. O'Brien ftagte, warum über gewisse Grafschaften Irlands der Belagerungszustand verhängt wurde. Der Attorney General für Irland erwidert, weil— das Ministerium es für seine Pflicht hielt. Reymond fragt, ob e» gesetzlich sei, daß die Polizei in Kilkenny sich gewaltsam in den Besitz von Wagen setze, wenn ihr dieselben verweigert werden. Der Attorney General weiß nichts davon, kennt aber einige Statute, die das erlauben. Parnell wünscht diese kennen zu lernen. Der Attorney General erklärt nochmal», es gebe solche Statute, er könne sie aber jetzt nicht angeben.(!) O'Donoghue, Parnell und Genoffen erklären das Ministerium als Urheber der Revolte in Irland, weil es die Austreibungen, statt sie zu hindern, noch fördert. Mr. Macartney erklärt, viele irische Landlord« hätten nur die Wahl, ihre Renten gewaltsam einzutreiben oder zu verhungern.(I) Der verhungernde irische Landlord erregt große« Gelächter bei den Home Rulern. O'Connor fragt den Premier-Minister, ob er die Verwendung eine« Kanonenbootes gegen die Pächter aus Arran billige. Herr Gladstone er- klärt, er wisse nichts von der Sache, der Admiral von Queenstown habe blos telegraphirt, daß die Berichte der Blätter falsch seien. Lord Churchill fragt, ob es wahr sei, daß Quinlan Castle bei New-Pallas sich noch in den Händen der Aufständischen befinde. Der Attorney General erklärt, er wisse nichts davon, werde aber Erkundigungen einziehen.(!) Und so fort. Da« find die Männer, welche Irland» Schicksal in den Händen haben — Feigheit, Dummheit und Gemeinheit haben sich in dem Ministerium Gladstone die Hände gereicht. Den Rednern des morgigen großen Mee- ting« im Hyde Park, das die englischen Radikalen einberufen haben, um gegen die irische Politik Gladstone'« auszutreten, wird die Sache leicht werden. Ueber den Prozeß Most ist diesmal nicht» zu berichten. Das Straf- ausmaß wird erst am 22. Juni festgesetzt werden. Dem Vernehmen nach ist auch gegen die englische„Freiheit" ein Prozeß eingeleitet worden Herrn Harcourt lassen Madai's Lorbeeren nicht schlafen. J. S. — Aus Rußland laufen allerlei Gerüchte ein, denen gewöhnlich ein offiziöse« Dementi aus dem Fuße folgt. Es ist dabei nur immer schwer zu entscheiden, was weniger Glauben verdient, die Gerüchte oder die Dementi'«. Den Werth der letzteren kennt man bereit«, in Bezug uf die ersteren scheint namentlich in Lemberg und Pari« stark geflunkert ,u werden. Mehr Vertrauen dürfte in russischen Angelegenheiten die „Kölnische Ztg." verdienen. In G a t s ch i n a soll man ein Dynamitlager entdeckt haben, woraus dreißig Offiziere verhastet worden seien. Graf M u r a w i e s f, ein Enkel des berüchtigten Gouverneurs, ist unter der Anklage, der nihilistischen Partei angehört zu haben, verhastet worden. Eine neue Proklamation des Exekutivkomite's macht die Runde durch die ausländische Presse, ob sie echt ist, wissen wir nicht. Die vor ungefähr vier Wochen veröffentlichte, der Form nach sehr gemäßigte Proklamation soll dagegen authentisch sein. Bon der Anarchie, die in Rußland herrscht, zeugt die Thatsache, daß selbst die„Nowoja Wremja", sonst erzloyal, gegen die Goldverkäuse, ver- mittelst deren die Regierung den Kurs künstlich hochhalten will, protestirt. Das Vertrauen ist vollkommen untergraben. In Kiew, Berdochew und anderen großen Jndustrieorten im Südwesten sollen, wie man den„Daily News" telegraphirt, beschlossen haben, die Wechsel nicht mehr zu honoriren, so daß Diskontirungen auf größte Schwierigkeiten stoßen. Im Nord- westen haben die Mehrzahl der größten Kausleute beschlossen, in diesem Jahre von der Messe von Nischney- Nowgorod, der größten Rußlands, Abstand zu nehmen. Großkausleute, Bankiers-c. haben ihre Familien in« Ausland gesendet, und regeln ihre Angelegenheiten, um nachfolgen zu können-c.-c. Kurz, es herrscht in allen Kreisen Rathlofigkeit und Unsicherheit, die sichersten Vorzeichen einer Revolution. In Warschau sind wieder acht Sozialisten, darunter vier Arbeiter und ein Mädchen, Sophie Piechowska, wegen„sozialistischer Umtriebe", zu unmenschlichen Strafen verurtheilt worden. Fluch ihren Verfolgern! — Arbeiterpresse. Aus St. Louis geht uns die erste Nummer des„Larpentsr", monatliches Organ für Tischler und Zimmerleute zu. *) Neuerdings doch. Die ersten drei Seiten des Blattes find in englischer, die letzte in deutscher Sprache. Wir wünschen dem Mitstreiter für die Befreiung der Arbeiter guten Erfolg. Korrespondenzen. — Königsberg i. Pr.» 18. Mai. Polizeiinspektor Tausch freigesprochen, Vor längerer Zeit*) berichteten wir, daß Polizeiinspektor Tausch sein Dienstmädchen Wilhelmine Hennig bei einem kleinen Anlaß mit einer Reitpeitsche auf eine so un- menschlich rohe Weise geschlagen hätte, daß dieselbe sofort trank geworden und dann dem Siechthum verfallen sei. Dr. Jhlo hatte damals die Kranke zwei Tage nach dem Vorfall untersucht und Rücken, Genick und Arme mit grünen und blauen Flecken bedeckt gefunden, und Medizinal- rath Dr. Pincus hatte ein Attest ausgestellt, welches ungefähr das Gleiche besagte, freilich ohne zu wissen, daß es gegen Tausch in Anwendung gebracht werden sollte. Professor Mediziualrath Dr. Schönborn und Dr. Stadelmann(letzterer hat die Kranke fünf Monate später in der Klinik des ersteren behandelt) gaben ferner ihr Gutachten dahin ab, daß als Ursache ihrer schweren Leiden die Schläge zu betrachten wären, welche sie erhalten. Das Mädchen stellte nun, unterstützt von einem edeldenkenden Kaufmann, einen Strasantrag, welcher sowohl vom Staatsanwalt als auch vom Oberstaatsanwalt zurückgewiesen wurde und wurde endlich beim Justizminister vorstellig,„welcher(wie die konservative Ostpr. Zeitung schreibt), da auch bereits stark die öffentliche Meinung influirt wurde, anordnete, damit Friede im Lande sei, solle die Sache ihren Verlauf nehmen". Und sie nahm am 30. v. M. im Audienztermin vor der Strafkammer des Landgerichts ihren Verlauf. Die Reitpeitsche verwandelte sich Plötzlich in eine Kinderpeitsche, welche Herr Tausch„zufällig" in der Hand hatte und mit der er der Hennig, wie das vorgenannte Blatt schreibt,„einige Hiebe über- r i ß". Da Herr Tausch unverheiralhet mit seiner Schwester wirthschaftet, so ist nicht ersichtlich, zu welchem Zweck er eine Kinderpeitsche braucht. Uebrigens dürfte sich in den Händen de« Tausch eine gewöhnliche Reitpeitsche wie ein Spielzeug ausnehmen und wenige Hiebe genügen, um einen Menschen krank zu schlagen. Die 100 Mark, welche er der Hennig al» Schmerzensgeld auf ihr Verlangen(?) durch Kriminalschutzmann Lange zusandte, und wofür sie erklären sollte, daß sie in jeder Beziehung beftiedigt sei, waren jedenfalls nur ein Zeichen seiner humanen Denkungsart. Das Urtheil der Herren Aerzte über den Zusammenhang der Schläge mit der jetzigen Krankheit änderte sich, nachdem einige mit Tausch befreundete Professoren zugezogen waren, dahin, daß die H. wahrscheinlich schon früher krank gewesen sei und jetzt die Sache übertreibe, wenngleich sie auch schwer zu leiden habe. Der Staatsanwalt hält nun, gestützt auf das Urtheil der Sach- verständigen, eine schwere Körperverletzung für nicht erwiesen und beantragt, weil, was das Maß der Züchtigung betrifft, Herr Tausch als unbescholtener Mann, gewissenhafter Beamter und ehrenwerther Ossizier nicht über das ihm aus s 7 der Gefindeordnung zustehende Recht hinaus- gegangen sein dürfte, die Freisprechung, die denn auch erfolgte. Die hiesige Presse gibt sich alle Mühe, die Sache als eine Jntrigue hinzustellen, vielleicht von einem höheren Beamten ausgehend, der aus seine(des Tausch) Stelle spekulire und möchte gerne dem Publikum gegenüber die Worte des Grasen von Savern i „Dies Kind, kein Engel ist so rein, Laßl'S Eurer Huld empfohlen sein" auf ihn in Anwendung bringen, allein der Volksmund hat für diesen Fall schon ein passenderes Sprüchlein, dasselbe lautet: Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus! C. Th. Vom Main In den letzten Tagen gings bei uns wieder lustig zu. Genosse C. Frohme in Bockenheim hatte eine„gründliche Haussuchung" zu bestehen und wurde durch Mitnahme mehrerer Manuskripte nicht unerheblich in seiner Thätigkeit gehemmt. Beim Ge- nassen C. Ulrich in Offenbach wurde auch gehaussucht und zwar so gründlich, daß selbst seine Kleider, die er am Leibe hatte, nicht verschont blieben; mitgenommen wurde bei letzterem aber nichts. Grund dieser Besuche soll eine Requisitton von Elberfeld sein, wo man zn glauben scheint, ein frischer fröhlicher Sozialistenprozeß könnte die Polizei für die letzten Niederlagen entschädigen. — Münctten, 23. Mai. Zur Situation hier sei bemerkt, daß nach den letzten sensationellen Ereignissen wieder T o d e s st ille ein- getreten ist, ich meine bei der löblichen Polizei; es finden ausfallend wenig Haussuchungen statt— man kennt ja den Rummel und richtet sich darnach. Diese„Besuche" gelten dabei meisten« Leuten, die sehr wenig in der Partei bekannt find und überhaupt bei dem jetzigen Stand der Dinge keine Fühlung haben. Unterbrochen wurde die„Pause" nur durch die Verhaftung des Genossen Vogel aus uns bis jetzt unbekannten Gründen; mau hat Bogel, scheint es, lebendig begraben. Er darf allem Anschein nach nicht schreiben, und alle Nachfragen haben bis jetzt nicht einmal zu dem Re- sultat geführt, daß wir erfahren konnten, in welchem Gesängniß er unter- gebracht ist. Diese Schurken arbeiten mit einer Gemeinheit und Nieder- tracht, die empörend ist. Nächsten« Näheres. Daß da« Sozialistengesetz meisten«„Andersdenkende", und zwar sehr hart trifft, beweist ein Fall, der vor 14 Tagen im Landgericht gegen den Schreinergehülsen Baum wegen Verbreitung verbotener Flugschriften zur Aburtheilung kam. Baum erhielt vier Wochen Gesängniß, die aber durch die nahezu dreimonatliche Unter- suchungshast erstanden sind. Unerhört raffinirt! In Wirklichkeit gab Baum 1 IZxpl. Ungeziefertod einem Bekannten, wurde denunzirt, drei Monate Untersuchung, Verurtheilung— um sich nicht zu b l a- m i r e n!— und München und Bayern sind gerettet. Baum ist ein ganz indifferenter Mensch. Im Uebrigen wird wacker von den Genossen gearbeitet, um auch unter dem Druck des Ausnahmegesetzes die„Ehre München«" zu retten. Ein Flugblatt für die kleinbürgerlichen und indifferenten Kreise berechnet, hat sehr günstig gewirkt und wird mündlich und in der Presse vielfach besprochen und zwar eingehend. Erfolg Uber Erwarten günstig. Wird fortgesetzt werden. Abonnentenzunahmc andauernd. Alles intakt. Waffenschmied. — München, 1. Juni. Ueber den Fall Vogel ist heute erst Licht geworden. Vogel befindet sich zu unserem großen Erstaunen in Augsburg. Er hatte mit einem dortigen Genossen in Korrespondenz gestanden, und wurden bei einer Haussuchung einige Briefe von Bogel vorgefunden, Grund genug, ihn zu verhaften und nach Augsburg zu transportiren. Ganz besonders empörend ist noch, daß hier anfangs keine Polizeiseele Etwas von dem Schicksal Vogel« wissen wollte. Weder Pfister, zu dessen Reffort der Fall gehört, noch der erste Staatsanwalt ließen sich herbei, Auskunft zu erlheilen, alle Anftagen waren erfolglos. An eine Verurtheilung Vogels glaubt hier Niemand, obwohl wir vor unserem ehrenwerthen Richterstand allen Respekt haben. — Kopenhagen, 28. Mai. Die Sozialdemokraten stellten bei den diesmaligen Wahlen zur Volksvertretung in dem 5. Kopenhagener Wahl- kreis den Schneidermeister Holm ans. Derselbe erhielt eine bedeutend größere Stimmenzahl als unsere frühereren Kandidaten, so daß ein Fort- schreiten der Bewegung sichtbar zu erkennen ist. Auf ein Durchbringen unseres Genossen war nicht gerechnet worden. Die wüste Agitation de« „Herolden" gegen den„Sozialdemokraten" wird wohl jetzt bald zu Ende sein; denn der Leiter desselben, Brix, ist heute morgen gestorben. _ Georg von der Oberwieck. •) Nr. 39 de«„Sozialdemokrat" von 1880. Sprechsaal. Werthe Redaktton! Obgleich ich ungerne den Raum unseres Blattes für dergleichen Dinge in Anspruch nehme, so möchte ich Sie doch bitten, der nachfolgenden Berichtigung die Aufnahme nicht zu verweigern. In Nr. 22 der hier erscheinenden„Freiheit" befindet sich ein Bericht über eine vom„Komm. Arb.-Bild.-Ver." in 49 Tottenham Str. einberufene Volksversammlung, in welcher ich das deutsche Referat über- nommen hatte. Der Bericht enthält, bezüglich des von mir Gesagten, so viel Unwahrheiten, daß ich es für nothwendig halte, auf diesem Wege eine Richtig- stellung zu veranlassen. Was ich bezüglich der Attentate resp. Anwendung der Gewalt gesagt habe, ist Folgendes: „Wir halten zwar dafür, daß durch Attentate unser Zweck, die Errichtung des sozialdem. Bolksstaates nicht erreicht wird; wir können aber auch ein Attentat für kein Verbrechen, am aller- wenigsten aber für ein gemeine» Verbrechen halten. Ich für meinen Theil halte solange ein Attentat für ein ziemlich nutzloses, wenn nicht gleichzeitig eine revolutionäre Partei Maßnahmen trifft, welche geeignet find, die Thronfolge zu verhindern und die Regierung an sich zn bringen. Solange dies nicht der Fall ist, und man die Thronfolge zu- läßt, wird sich immer der Satz bewähren:„Der König ist todt, es lebe der König!" ins russische übersetzt:„Der Tyrann ist todt, es lebe die Tyrannei!" Ich betrachte das Attentat vom 13. März als ein Resultat des Kampfes, der jetzt in allen zivilifirtm Ländern zwischen Prolete- lariat und der herrschenden Klaffe geführt wird. Dieser Kampf fordert Opfer, und auch unsererseits fallen in diesem Kampfe manche Opfer, für welche wir von unfern Gegnern kein Mitleid fordern, ebensowenig aber haben wir Ursache zu Heulmeiern über unsere gefallenen Feinde. Damit basta! Wir wollen die Gewalt nicht provoziren, wo man uns aber mit Gewalt begegnet, da werden wir nicht anstehen, wenn wir können, Gewalt mit Gewalt zu erwidern." Jeder, der nicht böswillig verdreht, wird zugeben, daß die« ganz etwas Anderes ist als was mir in dem angezogenen Bericht in den Mund gelegt wird. Ich habe gar nicht von agitatorischer Wirkung gesprochen, habe die Nihilisten weder getadelt noch besonders gelobt, eben- sowenig habe ich bezüglich der Gewalt da« in dem Bericht Bemerkte gesagt. Ueberhaupt habe ich mich an dem Abend befleißigt, rein sachlich zu sprechen, weil ich glaubte, daß da« zu behandelnde Thema erfordere, daß man die inneren Parleigehässigkeiten bei Seite lasse, weshalb ich auch von den anwesenden„Sozialrevolutionären"(mit Gänsefüßchen) erwartete, daß sie aus ihrer Resolutton das zugespitzte„Sozialrevoluttonär" herausgestrichen hätten, doch diese Herren zeigten nur, daß sie eben politische Kinder find, die nicht einmal begreifen können, daß andere Menschen nicht auch, gleich ihnen, den Kopf verlieren, sobald sie andere Landesluft athmen. Ferner will ich nur noch erwähnen, daß der bekannte„Jnternattonale" Jung die Frechheit hatte, den Engländern vorzulügen, ich hätte die Nihilisten verdamutt; ebenso sei noch bemerkt, daß die in der„Fr." abgedruckte Resolution gar nicht angenommen worden ist, sondern daß die Herrn Revolutionäre einen solch'„revoluttonären" Skandal machten, nachdem die Abstimmung über die zuerst abzustimmende Resolution zu ihren Gunsten ausgefallen war, daß an eine endgültige Abstimmung gar nicht mehr zu denken war. London, 29. Mai 1881. Mit bestem Gruß H. Rackow, 33 Nikolas Street, Hoxton. Briefkasten der Expedition:(i—.): Bf. v. 30. eingeg. u. an W. beantwortet. Das Abon. eines verbot. Bl. kann Ihnen kein Teufel wehren. Also Widerstand!— Fldhptm: Alles erh. blos keinen Aufschluß über die 500. A. hat auf dich verwiesen. Sonderbare Käutze!-- r: Fr. 1,— Flgbl. erh.— H. H. Whrg: Fr. 7,53 Ab. bis Ende Nov. erh. Weitere« durch B.— Der Bekannte: P.K. v. E. B. erh. Sehr unpraktisch verfahren. Bfl. am 7. ds. durch Wr. Gewünschtes zum Zweitenmal abgeg.— Redhat: Beide erh. u. am 4. ds. gleicher Weise erwidert.— M. u. Wa. Kst: Fl. 4 ö. W. Ab. ä Kto. eingestellt. Bfl. am 4/6. Näheres.— Las- ker: Nachr. v. 2. ds. am 4. briefl. erwidert. Neue eingereiht.— St. H. K: M. 9,— Ab. I. Qu. erh. Weitere« erwartet.— Egmont: M. 39,80 pr. April u. Rest pr. I. Qu. erh. Bfl. am 2. d«. Weitere«.— I. Reitb. Rorsch.: Fr. 3,70 Ab. II. Quf. T., sowie Fr. 1,50 Nachlieserg. jc. erh. u. M. 2,—. Beil. f. Kg. erh.— Laufitzer Rothhaut: Bs. v. 31/5. erh. u. am 4/6. beantw.— Rother Franz: Fr. 2,50 Ab. f. Kch. erh. Wir können derart nicht buchen, haben es nur mit Ihnen zu lhun. Wem Sie liefern ist Ihre Sache. Gruß!— C. B.M. G: Fr. 6,— Ab. II. u. III. Qu. erh. Mahnzettel erledigt.— M. Rssy: M. 2,50 Ab. II. Qu. durch Sch. erh. — Z. Rtbr: M. 3,— Ab. II. Qu. erh. Nachzügler kommt noch.— Serlow: M. 10,20 Schft. u. Usds. erh. H. I. besorgt.— Rosabeck: M. 20,— ä Kto. u. alle« Weitere hier. Alles laufend nummerirt. Am 7. ist Avisirtes abgg.-- y Altdrs: Fr. 2,— nach Vorschr. verwendet. — Felix: Fr. 6,— für Photgr. erh.— Rothhahn: Bs. v. 4/6. erh. u. am 7. beantw.— Feuerrüpel: Versprochenes dringend erwartet. Betr. Eisz. genaue Angabe erwünscht, wie viel.— Bettelsozialismus London: „Dein Register hat ein Loch",— du hast das Narrenhaus vergessen.— D. V. u. S. W.thur: Fr. 24,30 erh. Spezialquittg. später, da Fond? bereits geschlossen.— Rothschwanz: Bf. v. 2. ds. am 8. erst hier. Antw. ging an den Neuen.— Karl Rothschild: Bs. vom 9. d«. erhalten? Gruß! Abonnements-Einladung. Mit 1. Juli beginnt ein neues OuartnlSabonnement aus den.Sojialdemotrat'. Wir ersuchen unsere Leser, ihr Abonnement rechtzeitig zu erneuern, sowie fSr Gewi»- nung neuer Abonnenten unablässtg thätlg zu sei». Weber»a««bonneinent aus den„Sozialbernotrat" noch da««»»n»I«M»a»etselven«ft in Dentschlnn» strafbar, sondern lediglich dt» dir«»««erbreitung. Zier„«oztaldeneotrat-- wnrd«»»» letzten Partettongreh einstimmig zum ein, igen»sstziellen Organ»er sozialistischen«rbeiterpartet Tentsch- lanb» erklärt. Der voran»zahlbare Abonnementsprei« des.Sozialdem.' deträgt»ierteljl. sür D eu« I ch l an d und Oesterreich Z Mark sl st.?0 kr.>, wofür da« Blatt wöchentlich al» v-rschlosseu-r Brief versandt wird i für dieSchwei, 2 Fr.. sür alle übrigen Länder des Weltpostverein» 2. Ar. 50«ts.(unter Band». Dieser Preis l a n n i n b es s e n, namentlich in Deutschland, bedeutend ermästigt werben, wenn sich di, Genossen ein,» Orte» zum Bezug im Großen bereinige». Wenn unverdächtige Gmpsangi- adressen gewählt werden und damit stet» gewechselt wird, wen» ferner di» geheime Bettheilung an die abonnirten Genossen vorsichtig geschieht: bann ist d i e« e s a h r der Gntdeänng beim Sesammtbezug weit geringer wie b den Briessendungen. Bis zu lS Exemplaren sännen i» Doppelbrief übermittelt werden; bei größere» Be- stellungen ist die Zusendung in Packet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplare» an ist der Preis per Quartal aus M. 1. 80. sranlo in» Haus sestgeseht. und ist der Betrag monatlich mit SO Ps. im Borau» einzusenden. Eämmtliche Sendungen werde» gut verpackt, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschla»» aufgegeben. Bricsmarten aller Länder werden für voll angenommen; größere Beiträge in Papier- geld mittelst eingeschriebenem Brief oder Post-Einzahlung. Man wende sich bei Einzelbestellungen an den Verlag von A. Herlcr.' lkasinoftraße 3, Hvttingen-Zürich, bei gemeinsamem Abonnement und um Ausschlüfle an die be- tannten Agenten in D-utschland, oder an die Unterzeichneten durch Vermittlung in der Schweiz oder sonst im Ausland lebender Freunde. Da nicht unbedeutende Kosten durch ungenügende» Aranliren entstehen, so mache» wir darauf ausmertsam. daß einfache Briese(bis 15 Gramms nach der Schweiz 20 Pfg.. resp. 10 Kreuzer i. W. tosten, bei schwereren«riefen je l5«ramm«eitere 20 Pfg.. refp. 10 Kreuzer. Vorausbezahlung de««donnemenispreile» bei»egiu» de» Quartal««»a unsere Vertrauensmänner un» Kiltaleverwalter ist unerläßlich! Parteigenossen! Sammelt Euch um Eure Fahne und benüht die Euch gegibeae Waffe mit Eiser und Geschick; seid rührig und thut Eure Pflicht! vedaktlon an»•gpcdition des..Gozialdemokrat". Schwei,. Vereintbuchdruckerei Hollingen-Zürich.