richeiat■*.<4 � � j Abonnements werden nur beim Verlag und deffen bekannten Agenten ent» gegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« wöchentlich einmal in Zürich iSchweiz) Verlag W. Herter, Hottingen-Zürich Der AoMeMmt VierteljahrSprtiS von: Fr. 2— fiir die Schweiz(Rttu zdanb) Ml. 3.— für Deuiildland iEonvert) «asmostraße 3. W � �-�p- fl. l. 70 sür Oesterreich -' Fr. 2.-0 für alle übrigen Länder deD VaKseuduagell(m Weltpostvereins lltreuzband). ftanco gegen frone o. «-wohnliche Briefe i i i f f*(* /* Inlerate --«- Jentral-Hrgan der deutschen Sozratoemouratle R? 28._ Donnerstag, 7. Juli. 1881. AM' Alis an die fiamfmifnha und Aksnaraten de«„SofiaidemaKrat"."NU To der.Sozioldeniolrot' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw.»erfolgt wird, und die dortigen als möglich an den.Sozialdemokrat', res», dessen Verlag selbst adresstren, sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtige Behörden fich alle Muhe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, reip. Briese von dort an uns Adrcstc außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß »nd unsere Zeitungs» und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußeriie Vorficht im Poiiverkehr nothwendig und auch uns möglichst unverfängliche ZuftellungSadrefien mitgetheilt werden. In jwciftlhasten Fällen empfiehlt fich behufs größerer darf leine Porfichtsinaßregel»ersäumt werden, die Briesmardcr über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt Sicherheit Relommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller eut» der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauvtersorderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten. egenstehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' llnsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. Unser« Abonnenten in der Schweiz zur gef. Kenntniß, daß wir diejenigen bisherigen Abonnenten, welche die Annahme unseres Blattes seit Beginn dieses Quartals nicht ablehnten, auch für das laufende Quartal als Abonnenten vortragen und Nachnahme mit Nr. 29 erheben werden, sofe.n bis zum 13. ds. M. die betreffenden Abonnementsbeträge nicht eingesandt wurden. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Vom 2.— 30. Juni gingen ein: Rostock 25,—. Halle a./S. 15,—. Bautzen 4,—. Dresden 48,86. (Srfurt„Hoch das Banner!" 15,—. München 50,—. K. F. u. M. in Flensburg 7,—. 13,—. Hanau 30,—. Greiz 2,50. B. Dresden 50,—. *• m H- 3,30. Heidelberg 9,45. Zeitz 12,50. Buckau-Magdeburg 60,—. Großenhain 15,—. Nürnberg„Alte Garde" 25,-. Görlitz 10,50. C. Stuttgart 10.-. S.. Leipzig 4,30. Gotha 5,-. Fürth 20,—. Limbach 9,—. Zittau 6,—. Chemnitz 15,—. Zwickau 10,—. Großenhain 5,—. Groitzsch 4,—. Reichenbach 8,—. Mittweida 10,—. M-, Leipzig 2,30. SB. Leipzig 26,—. Leipzig 8,80. Brunndöbra 5,—. „Zinsen" 129,82. C. Th. S. f. 1 Erps. Nr. 12(Fr.-.50)-.40. Rückzahlung eine« Ausgewiesenen(Fchr-Z.) 34,14 und 35,86. Bon den liommune-Flüchtlmgen in London(Ps. St. 1, 7,—) 27,20. E— r Ellrich Kr. 2.-> 1,60. Kp. in W.(Fr. 3.-) 2.40. O. H. in R.-.40. Stfche Soz.SBinterthur(Fr. 2,50) 2,-.„Pfaffenseind"(st.-.60) 1,-. m tc/i* i'' Sozialisten Kopenhagen« d. H.(Fr. 126,— i JSiJjÜfche Grenzt 6; 1,80. Parteigenossen Antwerpen«(Fr. 6,—) 4,80. Rothe Kegler auf dem Balder Zürich(Fr. 5,—> 4.— Tische ffoz- Basel(Fr. 5,—) 4.-. Uto Slat(Fr. 1,80) 1.45. Ein„Anti- scmit" für Ausgewiesene(50,—) 40,—. Ein„Semit" sür Ausgewiesene (5,—) 4,—. Fünf Arbeiter der Schweiz. Bereinsbuchdruckerei(Fr. 6,40) 5,12. Durch R. F. von T. HSfldt, A.(Fr. 24,-) 19.20. und I. F. (Fr. 1,25) 1,—. Zusammen Mk. 667, 26 Früher eingegangen Mk. 28,934. 84 Gesammteingang Mk. 29,602 10 Flugschriften-Fonds. H. I. Paris(Fr. 10,—) 8,—. Dtsche Soz. Frauenseld(Fr. 1,20) 1,—. L. H. Paris(Fr. 2,50) 2,—. Dtsche Soz. Kopenhagen d. H. ei a»• 722: l.60. Deutsche Soz. Zürich(Fr. 75.-) fr« 22 f 7 7?ari!}(5r- 2'50) 2'-- Dtsche Genossen in Paris ltb.,' /oT-• Parteigen. Antwerpen(Fr. 6,—) 4,80. Dtsche Soz. '(Fr. 5,—) 4,—. Dr. B.(Fr. 1,10)—,83 Zusammen Mk. 95. 84 Früher eingegangen Mk. 275. 52 Zusammen Mk. 371. 36 An unsere Freunde und Gesinnungsgenossen und an alle rechtlich denkenden Leute. Tie sächsische Regierung hat für gut befunden, auf Grund von z 28 des sog. Sozialistengesetzes den kleinen Belagerungs. zustand über Stadt und Amtshauptmannschaft Leipzig zu ver- hängen, weil angeblich in diesen Bezirken durch die Sozialdemo- kratie„tik öfftllttichr Sicherheit dedrsht ist". An die Bedrohung der öffentlichen Sicherheit glaubt in Stadt und Land sicher keine Seele, dennoch genügt diese Annahme. die, davon sind wir fest überzeugt, durch keine ciazige sshatsache ierechtlertigt werden Kanu, um eine große Anzahl von Existenzen Zu vernichten, sie, ohne Richterspruch, von Weib und Kind. Haus und Herd zu. vertreiben, der Existenzlosigkeit, der Roth und dem Elend preiszugeben. Bürger- und Heimathsrecht, das Man dem gemeinsten Verbrecher nicht nehmen kann, sst für sie nicht vorhanden; ein Federzug der Polizei genügt, 'hnen Alle? zu rauben. � � � Mit Ausnahme eines einzigen Falles, der einen bereits aus Berlin Ausgewiesenen betraf, hat das hiesige Gericht bl her ""ht vermocht, gegen irgend einen der Ausgewiesenen auf Grund eines Vergehens wider das sogenannte Sozialistengesetz auch nur eine Stunde Gefängniß oder nur eine Mark Geldstrafe zu ver- hängen. Aber die Polizei kann ohne richterliches Urtheil, ohne irgend eine ungesetzliche Handlung nachweisen zu können, die Existenz und das Familienleben eineS Jeden zerstören, von dem nach ihrer Meinung„eme sfftsährdllug der öffentlichen Sicherheit oder lordnnng sn besorgen ist". Freunde und Gefinnungsgenoffen! Das ist ein Zustand, wie er in keinem zivilifirten Lande der Welt— denn Rußland gehört nicht dazu— möglich ist. Das sind Verfolgungen, die eine Analogie nur in den Massenaustreibungen der Hugenotten und Protestanten vergangener Jahrhunderte finden, Verfolgungen, über die heute jeder liberale und konservative Geschichtsschreiber empört ist. Grimm und Haß im Herzen, werden die Aus- gewiesenen die Heimath, Weib und Kind verlassen, sie sind ge- zwungen, wenn auch knirschend vor Ingrimm, sich der Macht zu beugen. An Euch ist es, für ihre Frauen und Kinder einzu- treten, damit diese neben dem schweren- moralischen Druck, den die Beraubung des Gatten, des Vaters und Ernährers ihnen bereitet, nicht aucy noch unter dem schwersten materiellm Druck des Elends seufzen. Sorgt auch dafür, daß die Ausgewiesenen sobald als möglich wieder Arbeit und Unterkunft finden. Freunde und Gesinnungsgenossm! Thut, was in Euren Kräften steht, thut es ohne Scheu und ohne Furcht als eine Parteipflicht, als eine Menschenpflicht! Den Ausgewiesenen wird der Gang in die Fremde leichter, wmn sie wissen, daß Tausende hinter ihnen stehen, die bemüht sind, den schweren Schlag, der ste ihrer politischen Ueberzeugung wegen getroffen hat und den sie als Männer werden zu tragen wissen, nach Kräften überwinden helfen. Am gestrigen Tage sind zunächst aus Lcipzig-Stadt 19, aus Leipzig-Land 14 ausgewiesen und zwar mit wenig Ausnahmen lauter Familikllväter, eine weit größere Zahl wird in den nächsten Tagen folgen. Seid überzeugt, daß wir, was immer uns noch treffen mag, fest und treu zu der Fahne stehen, für die wir in die Ver- bannung gehen. Leipzig, den 39. Juni 1881. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag Im Namen sämmtlicher Ausgewiesener: A. Lebel. iü. fjafmlmr.|U. Ziebknecht. Unterstützungen nehmen in Empfang: Frau Iltlie Lebel, Hauptmannstraße 2,11. Frau Clira tzaseuclever, Davidstraße 3,111. Frau Natalie Liebknecht, Südstraße 2,1., Ecke der Schenken- dorfstraße, sämmtlich in Leipzig. Karl birillellberger, Waizenstraße, Nürnberg. Emil Lackofell, Mittweida in Sachsen. Iguat Auer, Wladimirstraße 16a, Schwerin in Mecklenburg. Angebote wegen Arbeitsstellen sind an ßarl Krilleuberger, Waizenstraße, Nürnberg, zu richten. Ein Verzeichniß der Ausgewiesenen und ihres Standes wird folgen. Freiheit. „Freiheil, die ich meine, Die mein Herz erfüllt!" „Freiheit", das ist eines jener Worte, die sich gern da einstellen, wo Begriffe fehlen. Ein Apell an die Freiheit verfehlt seine Wirkung nie- mals; daher kommt e«, daß jede Partei die Freiheit als besonderes Privileg sür fich in Anspruch nimmt ü.erikale, Liberale und Fortschrittler, fie alle erklären, blas sür die„Freiheit" zu kämpfen. Und mit Recht. Es fragt fich nur für welche„Freiheit". Ganz besonders ist die„Freiheit" eines der Schlagworte der demo- kratischen Partei, und ist von ihr aus zu uns übergegangen. Auch inner- halb unserer Partei spielt diese« Wörtchen noch eine große Rolle, ohne daß man e« immer für nothwendig hält, den richtigen Begriff damit zu verbinden:„genug, die Freiheit ist eine demokratische Forderung und deshalb müssen wir sie auch stellen, und um so energischer stellen, je radikaler wir sind." Diejenigen, welche so raisonniren, betrachten eigentlich die Sozial- demokratie blo« als eine Erweiterung der bürgerlichen Demokratie, auf deren politische Forderungen eben noch eine Anzahl sozialistischer For- derungen hinausgepfropft wurde, wie auch von denselben Leuten die Sozialdemokratie als die natürliche Konsequenz der bürgerlichen Demo- kratie betrachtet wird. Die Demokratie als Vorstufe der Sozialdemokratie. Nichts einseitiger als das. Die naturnothwendige Konsequenz der Demokratie ist nicht die Sozial- demokratie, sondern die Anarchie. Beide, Demokratie und Anarchie, sind blos die letzten Konsequenzen der modernen Gesellschaft und bilden daher den geraden Gegensatz zur Sozialdemokratie. Wenn Anarchisten und bürgerliche Demokralen uns heute näher stehen als die anderen Parteien, so ist dies größtentheils nur dem Umstände zu verdanken, daß die guten Leutchen gar nicht wissen, was fie denn eigentlich wollen, an- dererseitS ist es noch ein Fortwirken der Tradition der achtundvierzigcr Bewegung, die, wenigstens in Deuffchland, Demokraten und Sozialisten in einem Lager vereinigte, und damals mit Recht. Der Grund, warum damals richtig war, was heute falsch ist, ist ein sehr einfacher. Das Proletariat ist zugleich mit der Bourgeoisie ent- standen, letztere kann ohne ersteres nicht bestehen. Neben der revolutio- nären Klasse der Bourgeoisie entwickelte sich zugleich die revolutionäre Klasse des Proletariats, beide schon in natürlichem Klassengegensatz, der aber verdeckt wurde durch die beiderseitige revolutionäre Tendenz. Eine Verbindung des Sozialismus mit der bürgerlichen Demokratie, des energischen revolutionären Proletariats mit den energischen, radikalen Theilen der Bourgeoisie war damals nicht nur gerechtsertigt, sondern nothwendig. Heute ist die Bourgoisie aus einer revolutionären eine reaktionäre Klasse geworden, und dadurch ist die Koalition der bürgerlichen Demo- kratie und des Sozialismus unmöglich geworden. Der eine Theil der Demokratie ist entschieden auf Seiten des Proletariats getreten, ein au- derer ebenso entschieden auf Seiten der Bourgeoisie. Die sogenannte demokratische Partei, welche noch an der alten Tradition festhält, fristet nur noch ein fast- und kraftloses Dasein, sie ist ein rudimentäres*) Organ am Körper der Bourgeoisie. Der vom Bourgeoisstandpunkt aus konsequenteste Theil der ehemaligen Demokratie dagegen, die Forsschrittspartei, ist eben dieser Richtung wegen diejenige Partei, die uns am fernsten steht, die den größten Gegensatz zu uns bildet. Sie ist es, welche das Schlagwort„Freiheit" ebenso laut und oft im Munde führt, wie die Anarchisten und einige sich besonders radikal dünkende Sozialisten. Und da dieses selbe Wort auch in unseren Reihen einen großen Zauber ausübt, dürfte es nicht überflüssig sein, zu fragen, was ist denn das eigentlich, die„Freiheit"? Der Begriff der Freiheit ist ein doppelter, ein positiver und ein negativer. Der negative besagt nichts, als ein Aufhören der bisherigen Herrschaft einer Klasse oder einer Person. Daß wir sür diese Forderung eintreten, ist selbstverständlich, sie bildet ja den Grundzug unserer Bewegung. Die Forderung dieser Art der Freiheit ist jedoch in der Forderung der Gleichheit schon enthalten. Die bürgerliche Demokratie verbindet aber mit dem Wort„Freiheit" auch einen anderen positiven Begriff, den der absoluten i n d i v i- duellen Freiheit, des laisssr faire laisser aller(das Gehenlassen und Geschehenlasfen). Und dieser verderbliche Begriff, diese Hoch- schätzung der individuellen Freiheit hat fich leider als Nachklang au« der Zeit der fozialistisch-demokratischen Koalition auch in den Köpfen vieler unserer Genossen eingenistet. Wie entrüstet wird nicht stets der Borwurf zurückgewiesen: der Kommunismus vernichte die individuelle Freiheit. Und doch ist diese Entrüstung höchst überflüssig. Dieser Vorwurf ist gar kein Vorwurf. Die absolute mdividuelle Freiheit ist etwas der menschlichen Natur geradezu Widersprechendes. Der Mensch ist ein soziales Thier, und wie bei allen sozialen, in Heelden lebenden Thieren ist auch beim Urmenschen das Individuum Nichts, die Heerde Alles. Der Indianer erträgt die härtesten Qualen und Entbehrungen mit stoischem Muthe, um dem Stamme zu nützen, um den Stamm nicht zu schänden. Die historische Entwicklung hat diesen urwüchsigen Kommunismus zersetzt, sie hat an Stelle des kommunistischen Kampfes um« Dasein den individualistischen Kampf ums Dasein, den Kampf Aller gegen Alle gesetzt. Und trotzdem und trotz unserer ganz individualistischen Erziehung schlägt immer wieder der alte Kommunist im Menschen durch; die kommunistischen Instinkte, durch den Kamps ums Dasein in Hunderltausenden von Jahren erwor- ben, lassen sich durch die verhältnißmäßig kurze moderne historische Ent- Wicklung der letzten 4—5000 Jahre nicht ausrotten. Der Kommunismus ist keine künstlich erfundene Kategorie, er ist tief in der Menschennatur begründet, und selbst heute gelten nur die kommunistischen Tugenden, welche die Verleugnung des Individuums und dessen Hingabe an die Gesammtheit bezwecken, als vcrehrungswürdig, indeß der Jndividuali»- mus als Egoismus im Volke allgemein als etwas Verächtliches gilt. Die Vernichtung der individuellen Freiheit durch den Kommunismus ist denn auch durchaus nichts Unerträgliches. Der Urmensch unterwirst sich freudig der Herrschaft der Gesammtheit über den Einzelnen. Wogegen er sich empört, das ist die Herrschast des Einzelnen oder einiger weniger Individuen über die Gesammtheit. Die Idee der VolkSsouveränetät ist von reaktionärer und von„revo- lutionärer" Seite aus bespöttelt worden. Das Volk könne nicht herrschen, denn sich selbst könne Niemand beherrschen. Die moralische Selbftbeherr- schung sei ja keine Herrschaft. Sehr richtig, aber sehr salsch, wenn die Einen daraus die Nothwen- digkeit der Aristokratie oder Monarchie, die Anderen die der Anarchie folgern. Die Idee der VolkSsouveränetät besteht nicht in der Herrschast des Volke« über sich selbst, sondern in der Herrschaft der Gesammtheit des Volkes über das Individuum. Diese Idee ist weder lächerlich, noch undurchsührbar. Lächerlich und undurchführbar ist dagegen die Idee der vollen, individuellen Freiheit jedes einzelnen Menschen. Eine solche Freiheit hat es n i e gegeben und wird es nie geben, wenigstens solange nicht, als die gegebenen technischen Produktion«- bedingnngen nicht aus eine ganz neue Basis gestellt werden— ein Mo- ment, welches für uns so undenkbar ist, daß wir damit nicht rechnen können. Soweit es bisher volle individuelle Freiheit gegeben hat, bestand fie stets blos sür die Herrschenden und Genießenden; die Erwerben- den waren stets abhängig, abhängig entweder von einander oder von den Herrschenden. Die Erzählung vom Urmenschen, der einsam im Walde umherstreist, um Kräuter und Früchte zu sammeln, ist ein Hirngespinst, weiter nichts. Die vorgeschichtliche Forschung zeigt uns, daß die Menschen ursprünglich in Horden vereint gemeinsam auf Nahrung«- erwerb ausgingen Die Indianer, soweit ihre Stammesverfassung nicht durch europäischen Einfluß gelockert worden ist, diese Indianer, deren Lebensweise und Sitten denen des Urmenschen am meisten enssprechen dürften, jagen heute noch in Gemeinschaft und verzehren das erlegte Wild gemeinsam. Die technischen Forschritte haben seitdem sür die produzirenden Klassen *) Verkümmertes. die natürliche Abhängigkeit derselben von einander und von den Prodnk- tionsmitteln nur gesteigert. Man sehe sich den Betrieb einer Eisenbahn einmal an und frage sich, ob der bei voller individueller Freiheit fort- geführt werden könnte, ob nicht strenge Ordnung, Disziplin, Zwang zur Erhaltung desselben unbedingt nöthig sind? Wer heute frei ist, das sind die Kapitalisten, die Grundbesitzer und dergleichen Herren, und das Pro- blem besteht nicht darin, den Proletariern dieselbe„Freiheit" zu verleihen, was eben nur denkbar wäre, wenn man alle Proletarier zu Kapitalisten machte— ein anarchistisch-reaktionäres Unding im Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität— das Problem besteht darin, diese in d i v i d u e ll e F r e i h e i t d e r K a p i t a l i st en und Grund- Herren zu vernichten, und anStelle des unerträg- lichen Zwanges der Einzelnen Uber die Gesammt- heil denZwang d e r G e sa m m t h e i t über den Einzel- neu zu se tzen, ein Zwang, der in der Menschennatur begründet ist und darum gerne von Jedem getragen wird, außer von den paar ent- arteten Mitgliedern der herrschenden Klassen, in denen der zersetzende Einfluß des Privat eigenthums jeden kommunistischen Nachklang er- stickt hat. Heute schon erzieht der Klassenkampf das Proletariat zur Selbstver- leugnung der Individualität zu Gunsten der Gesammtheit. In den Ge- werkschaften existirt schon heute keine volle individuelle Freiheit mehr, sondern ein Zwang, der mit dem Wachsthum der gewerkschaftlichen Be- wegung sich immer mehr steigert, ein Zwang, der aber keineswegs als eine drückende Bürde gefühlt, sondern freudig getragen wird, weil er der Zwang der Gesammtheit über das Individuum ist. Die Forderung der vollen individuellen Freiheit für Alle ist also ein Unsinn, sie ist undurchsührbar. Die individuelle Freiheit kann nur existiren, wenn sie einigen Wenigen auf Kosten der Gesammtheit zu Theil wird. Darum ist die Forderung nach solcher„Freiheit" unvereinbar mit der Forderung nach Kommunismus und voller Gleichheit, und Diejenigen, welche Beides zugleich verlangen, beweisen damit nur, daß sie nicht wissen, was sie wollen. Unser Wahlspruch lautete bisher: Freiheit, Gleichheit und Brüder- lichkeit. Soweit man unter Freiheit das Aufhören jeder Herrschaft Einzelner über die Gesammtheit versteht, ist diese Forderung in der Forderung der Gleichheit bereits enthalten. Insofern man aber unter Freiheit absolute individuelle Freiheit versteht, ist diese Forderung entschieden im Gegensatz zum Kommunismus und daher unbedingt zu verwerfen. Diese Freiheit können wir Denen überlassen, welche die moderne Gesellschaft auf die Spitze treiben wollen, den Fortschrittlern und Anarchisten. L�mmaeüos. Der„kleine Velagerungszuftand" in Leipzig und Umgegend. Aus Mitteldeutschland. Die Reichsregierung, d. h. Bismarck hat seinen Willen durchgesetzt: der„kleine Belagerungszustand" ist über Leipzig und Umgegend verhängt worden. Der„kleine Belagerungszustand", das heißt das„Recht", nach Belieben und Laune Existenzen zu vernichten, Familien zu zerreißen. Einige Monate lang hatte die sächsische Regierung sich gesträubt: die frechen Zumuthungen des Puttkamer wurden in Dresden sehr übel ver- merkt, indeß, wie Figura zeigt, zuletzt hat man sich gefügt. Brutalität und Feigheit haben sich brüderlich zu diesem nichtswürdigen Streich die Hand gereicht. „Jeder Esel kann mit dem Belagerungszustand regieren", sagte einst Cavour; der große Bismarck ist so weit heruntergekommen, daß er ohne Belagerungszustand nicht mehr regiereu kann. Wir können uns Uber diese« klägliche testimonium paupertatis nur freuen. Und die sächsische Regierung! Ihre Feigheil wird nur von ihrer Dummheit übertroffen. Sie halte doch das Beispiel Hamburgs vor Augen, das Bismarck durch den„Kleinen" entwaffnet und der Widerstandssähigkeit beraubt hatte. Durch Lerhängung des kleinen Belagerungszustandes über Leipzig hat die sächsische Regierung die stärkste Partei im Lande zum Kampf aus Leben und Tod herausgefordert und sich den zentralistischen Bestrebungen Bismarcks gegenüber wehrlos gemacht. Sie erlebt jetzt schon— wenige Tage nach Leistung des sauberen Liebesdienstes—, daß die von Bismarck inspirirte preußische Presse die sächsische Regierung ob ihrer Nach- giebigkeit und allzugroßen Reaktionswuth angreist und verhöhnt. Geschieht ihr recht. Wahrhast kläglich ist die sogenannte„Motivirung" in den amtlichen sächsischen Blättern. Da wird gesagt: Seit dem Erlaß de« Reichsgesetzes gegeu die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie haben es, wie anderwärts, so auch in Leipzig und Umgegend die Polizeibehörden es für ihre Pflicht erachtet, gegm die dort erscheinende sozialdemokratische Presse, welche geradezu terroristisch gegen Alle vorging, von denen bekannt war, daß sie die Ziele der sozialdemokratischen Bewegung mißbilligten oder verabscheuten, und deren Hauptzweck es offenbar war, durch Schürung des Klassenhaffes die Partei zu kräftigen und ihr neue Mitglieder zuzuführen, energisch einzuschreiten. Dieses Vorgehen gegeu die Presse hat die sozialdemokratische Agitation veranlaßt, sich mit um so größerem Eifer dem Vereinswesen zuzuwenden, in welchem dermalen unverkennbar ihr Schwerpunkt zu suchen ist und welches durch eine große Zahl von meistens sehr unschuldig klingende Namen führenden Bereinen betrieben wird. Insbesondere seitdem über Berlin und über Hamburg der so- genannte kleine Belagerungszustand verhängt worden ist, hat sich Leipzig mit seinen stark bevölkerten industriereichen Vororten zu einem Hauptsammelpunkt der Sozialdemokraten ausgebildet, von wo aus die Agitation planmäßig geleitet, das Zusammenhalten der wohldisziplinirten Partei gepflegt und die Verbindung mit den Parteigenopen des übrigen Deutschlands unterhalten wird. Aus den eingegangenen Berichten hat die Regierung gegenwärtig die Ueberzeugung gewinnen müssen, daß die Organisation und die revolutionäre Thätigkeit der dort vereinigten, nicht wenige der tonangebenden Führer unter sich zählenden Mitglieder der llmsturzpartei eine Höhe erreicht hat, durch welche die öffentliche Sicherheit bedroht erscheint. Die Regierung hat es daher für ihre Schuldigkeit gehalten, von der durch das oben gedachte Gesetz gewährten Füglichkeit Gebrauch zu machen und bei dem Bundesrathe die Genehmigung zur Anwen« dung der im§ 28 erwähnten Maßregeln zu beantragen. Seitens des Bundesrathe« ist diese Genehmigung ausgesprochen worden." Entweder gelogen, oder kein Grund. Daß in Leipzig sozialdemokratische„Führer" sind oder waren, und eine sozialdemokratische Partei und Organisation besteht, ist allerdings richtig, gilt aber so ziemlich von jeder Stadt in Deutschland, denn wo Sozialdemokraten sind, sind auch sozialdemokratische„Führer", fintemalen Sozialdemokraten ihre eigenen Führer zu sein pflegen, und Sozialdemo- traten gibt es zum Glück so ziemlich überall in Deutschland und wird es geben in immer steigender Anzahl. Was aber die angebliche Bedrohung der öffentlichen Sicherheit betrifft, so ist sie eine unverschämte Lüge. In Leipzig und seiner Umgebung war die öffentliche Sicherheit keinen Moment durch die Sozialdemokratie be- droht— und wenn dies später der Fall sein wird, so haben die Herren sich selber das zuzuschreiben. Tie Sozialdemokratie wird auch aus diesen Reaktionsstreich die Ant- wort nicht schuldig bleiben. Wenn die Herren in Berlin und Dresden unsere Organisation ge- brachen, unsere Kämpfer eingeschüchtert zu haben meinen, so gönnen wir ihnen das kindliche Vergnügen; es wird nicht lange vorhalten. Wir trauern nicht, das dürfen die Herren uns glauben. Im Gegentheil. Durch solche schuftige Maßregelungen wird in jedem Parteigenossen das Gefühl des Hasses gegen die bestehende Ordnung der Dinge gesteigert. Dem deutschen Volk fehlt die revolutionäre Leidenschast; die muß ihm durch Verfolgungen, welche den Zahmsten„die Milch der frommen Tenkungsart in gährend Drachengift verwandeln", erst künstlich ein- geflößt werden. Bismarck, unterstützt von der Niedertracht der deutschen Bundesregierungen und der deutschen Bourgeoisie, hat der Sozialdemokratie schon so viel Dienste geleistet— er leistet ihr auch diesen: er erzieht das deutsche Volk zur Revolution. Ter kleine Belagerungszustand ist die beste Schule der Revolution. Wir danken Herrn Bismarck! Apropos, sein Sohn, der Reichslulu, sprach neulich in Berlin das geflügelte Wort: Der kleine Belagerungszustand ist weniger drückend als die Hundesperre. Das war ein wahres Wort, und es war ein gutes Wort. Ein wahres Wort, denn da» deuffche Bürgerlhum, die deutsche Bourgeoisie, ist in der That alles Freiheits- und alles Gerechtigkeils« sinnes, aller Scham und aller Humanität so vollständig baar, daß ihr die Leiden ihrer Schooshunde und sonstigen Köter weit näher zehn, als das namenlose Elend der Hunderte, ja Tausende von Existenzen und Familien, die in Deutschland bisher durch den kleinen Belagerungszustand zerstört worden sind. Ein gutes Wort, denn es zeigt uns die empörende Verrohung de« Menschen, der es gesprochen, und der Sippe, zu der er gehört. Die deutschen Arbeiter mit Hunden verglichen! Das ist sogar der Berliner „Nationalzeitung" und der„Kölnischen Zeitung" zu arg. Und ehrliche Männer so bubenhaft zu beschimpfen, dessen erdreistet sich der Sohn eines Individuums, das aus einem verschuldeten, bettelarmen Krautjunker in wenigen Jahren zu einem mindestens dreißigfachen Millionär geworden ist, durch Mittel, die gleich der Politik des gleichen Individuums, zum großen Theil das Tageslicht zu scheuen haben. Die sozialistischen Arbeiter nicht einmal des Mitleids Werth, das Hunden gebührt! Gräflein, das Wort sitzt! Sozialdemokraten find keine Nationalliberale, von denen Bamberger einst mit Fug bemerkte:„Hunde sind wir ja doch!" Die Sozialdemokratie wird des Wortes eingedenk sein! Und wenn der von Bismarck so eisrig vorbereitete Tag der Nemesis gekommen fem wird, und wenn dann gewisse Verbrecher und Hochverräthcr am Volk verdientermaßen wie t o l l e H u n d e behandelt werden, dann mag sich der ReichsUilu, und inag seine Sippe sich der H u n d e sp e r r e erinnern!—ml— Sozialpolitische Rundschau. Zürich, ti. Juli 1881. — Der glänzende Wahlsieg unserer Genossen in Mann- heim, der 16 weitere sozialistische Depulirle sin die Stadtvertretung und zwar mit erdrückender Majorität— 569 gegen 214 Stimmen— brachte, erregt allseits in unseren Kreisen die freudigste Genugthuung und wird Feuilleton. Kart Mar* über die Iudenfrage. (Schluß.) Der Gott der Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott gewor- den. Der Wechsel ist der wirkliche Gott des Juden. Sein Gott ist nur der illusorische Wechsel. Die Anschauung, welche unter der Herrschast des Privateigeuthums und des Geldes von der Natur gewonnen wird, ist die wirkliche Ver- achtung, die praktische Herabwürdigung der Natur, welche in der jüdischen Religion zwar existirt, aber nur in der Einbildung existirt. In diesem Sinne erklärt es Thomas Mllnzer für unerträglich, „daß alle Kreatur zum Eigenthnm gemacht worden sei, die Fische im Wasser, die Vögel m der Lust, das Gewächs auf Erden— auch die Kreatur müsse frei werden". Was in der jüdischen Religion abstrakt liegt, die Verachtung der Theorie, der Kunst, der Geschichte, des Menschen als Selbstzweck, das ist der wirkliche bewußte Standpunkt, die Tugend des Geldmenschen. Das Gattungsverhältniß selbst, das Berhältniß von Mann und Weib ic. wird zu einem Handelsgegenstand! Das Weib wird verschachert. Die chimärische'Nationalität des Juden ist die Nationalität des Kaufmann'«, überhaupt des Geldmenschen. Das grund- und bodenlose Gesetz des Juden ist nur die religiöse Karrikalur der grund- und bodenlosen Moralität und des Rechts über- Haupt, der nur formellen Riten, mit welchen sich die Welt des Eigennutzes umgibt. Auch hier ist das höchste Berhältniß des Menschen das gesetzliche Berhältniß, da« Berhältniß zu Gesetzen, die ihm nicht gelten, weil sie die Gesetze seines eigenen Willens und Wesens sind, sondern weil sie herrschen und weil der Absall von ihnen gerächt wird. Der jüdische Jesuitismus, derselbe praktische Jesuitismus, den Bauer im Talmud nachweist, ist das Berhältniß der Welt des Eigenunutzes zu den sie beherrschenden Gesetzen, deren schlaue Umgehung die Hauptkunst dieser Welt bildet. Ja, die Bewegung dieser Welt innerhalb ihrer Gesetze ist uothwendig eine stete Aufhebung des Gesetzes. Das Judenthum konnte sich als Religion, es konnte sich theoretisch nicht weiter entwickeln, weil die Weltanschauung des praktischen Bedürfnisses ihrer Natur nach bornirt und in wenigen Zügen er- schöpft ist. Die Religion des praktischen Bedürfnisse« konnte ihrem Wesen nach die Vollendung nicht in der Theorie, sondern nur in der P r a x i s finden, eben weil ihre Wahrheit die Praxis ist. Das Judenthuni konnte keine neue Welt schaffe», es konnte nur die neuen Weltfchüpfuiigeu und Weltverhälmiffe in den Bereich seiner Bettieb- samkeit ziehen, weil das praktische Bedürsniß, dessen Verstand der Eigen- nutz ist, sich passiv verhält, und sich nicht beliebig erweitert, sondern sich erweitert findet mit der Fortentwicklung der gesellschaftlichen Zustände. Das Judenthum erreicht seinen Höhepunkt mit der Vollendung der bürgerlichen Gesellschaft; aber die bürgerliche Gesellschaft vollendet sich erst in der christlichen Welt. Nur unier der Herrschaft des Christen- thiim, welches alle nationalen, natürlichen, sittlichen, theoretischen Ver- Hältnisse dem Menschen äußerlich macht, konnte die bürgerliche Gesellschaft sich vollständig vom Sraatsleben trennen, alle Gattungsbande des Menschen zerreißen, den Egoismus, das eigennützige Bedllrfniß an Stelle dieser Gattungsbande setzen, die Menschenwelt in eine Welt aiomistischer feindlich sich gegenüberstehender Individuen auflösen. Das Ehristenthum ist aus dem Judenthum entsprungen. Es hat sich wieder in das Judenthum aufgelöst. Ter Christ war von vorneherein der theorettsirende Jude, der Jude ist der praktische Christ, und der praktische Christ ist wieder Jude geivorden. Das Chrislenthum hatte das reale Judenthum nur zum Schein über- wunden. Es war zu vornehm, zu spiritualistisch, um die Rohheit des praktischen Bedürfnisses anders als durch die Erhebung in die blaue Luft zu beseitigen. Das Ehristenthum ist der sublime Gedanke des Judenthums, das Judcnthum ist die gen:»nie Nutzanwendung des Christenthums, aber diese Nutzanweudung konnte erst zu einer- allgemeinen werden, nachdem das als gutes Omen für die kommenden Reichstagswahlen begrüßt. Das edle Zeitungsgeschwister schreit auch bereits laut nach dem Belagerung«- zustand für Mannheim. Köstlich ist ein naives Geständniß der Frankfnrterin. Den Sieg der Sozialdemokraten erklärt sie dadurch,„daß die dritte Wählerklasse fast ausschließlich aus Arbeitern besteht, während die Gewerbtteibenden meist der zweiten Klasse angehören. Eine wirksame Agitatton für die demokra- tische Partei war sonach von selbst für die dritte Wählerklaffe aus- geschlossen." Die„demokratische"„Frankfurter Zeitung" hält es also für selbst- verständlich, daß kein Arbeiter für einen„demokratischen" Kandi- � didalen stimmt. Welche Selbsterkenntniß! Ter Mannheimer Wahlsieg ist unter Anderem die beste Widerlegung des lächerlichen Geschwätzes, die Mannheimer, die Berliner und die Sozialisten anderer Orte hätten Wahlenthaltung beschloffen. Wenn solche Beschlüsse wie die von einem„rrrevolutionären" Blatte berichteten, wirk-| lich gefaßt wurden, so hat sie höchstens der betteffende Korrespondent im I einsamen Kämmerlein für sich selbst gefaßt, und zwar als echter Ver- f schwörer auch so geheim. daß kein anderer Mensch etwas davon er-: fahren hat. — Die„Y o ix cke I'ouvrier"(Arbeiterstimme) in Brüssel be- richtet, daß Herr Adolf Wagner in Elberfeld für den Reichstag kandidire und daß die Sozialisten daselbst diesmal auf eine eigene Kan- didatur Verzicht geleistet hätten. Zunächst berichtigen wir unser Bruderorgan dahin, daß die Sozialisten in Elberseld-Barmen durchaus nicht gewillt sind, jenen Wahlkreis aufzugeben, sondern entschlossen sind, in den Wahlkampf eiuzuttelen und 1 als Kandidaten unser» Genossen Moses Oppenheimer, z. Z. in 1 Stuttgart, in Aussicht genommen haben. Des Weiteren bemerke» wir aber, daß die Kandidatur des Herrn Adolf Wagner am allerwenig- I sie» für uns jemals ein Grund sein wird, von der Ausstellung eine«; eigenen Kandidaten abzusehen. Herr Wagner ist unser Gegner und I mindestens ebenso bekämpfenswerth als jeder andere Gegner. Darüber I lassen wir uns durch seinen„Kathedersozialismus" ebensowenig täuschen, als durch den Bismarck'schen„Staatssozialismus". Beide entpuppen! sich bei näherer Beleuchtnng als ganz infamer Humbug, als Rezepte, die bürgerliche Gesellschaft und den Klassenstaat um jeden Preis aufrecht zu erhalten und das Volk durch den Namen„Sozialismus" zu betrügen. Unter den deutschen Arbeitern hat dieser„Kathedersozialismus" mit Recht längst allen Kredit eingebüßt, er spukt nur noch hier und da in den Köpfen einzelner wohlmeinender Ideologen, und es ist die höchste Zeit, daß auch die Sozialisten im Ausland darüber ausgeklärt werden, wie wenig Grund sie haben, Deutschland um diese Spezies zu beneide». — Bismarcks Arbeiter freundlichkeit ist glänzend I zu Tage getreten— in der Antwort auf die Anregung des Schweizeri- I schen Bundesraths betreffs der Internationalen Arbeitsge- I setzgebung. Hier, wo es sich wirklich um eine durchgreifende Re- I form im Interesse der Arbeiter handelte, hier hatte der große Sozial- reformer nichts als ein kühles Nein! Und welch' jämmerliche Moti- virung! Die industrielle Entwickelung sei in den verschiedenen Ländern> eine zu verschiedene, um für Alle maßgebende Normen zu schaffen. Wie nichtssagend! Als ob nicht auch innerhalb der einzelneu Länder die in- dustrielle Entwicklung je nach bestimmten Distrikten eine verschiedene wäre und als ob nicht solche Verschiedenheiten in der Gesetzgebung sehr gut Berücksichtigung finden könnte»! Aber freilich, unter einer internationalen Arbeitsgesetzgebung, wie Uber- Haupt unter jeder Arbeiterschutzgesetzgebung könnte ja die Ausbeutung der Arbeiter aus den preußischen Slaatswerkstätten und Bettieben, sowie in denjenigen Etablissements, in deren Aktien Bismarck seine zusammen« ge— sparten Millionen angelegt hat, eingeschränkt werden, das geht wirk- licki nicht, geht beim besten Willen nicht, denn die Arbeiterfreundlichkeit Bismarcks darf ja auf keinen Fall etwas kosten, im Gegentheil, sie soll noch erübrigen, recht viel einbringen, man vergleiche den berüchtigten „Schutz der nationalen Arbeit", auf deutsch„Schutz der natio- nalen Ausbeutung der Arbeite r". — Einen Theil des projektirten großen Reformwerke«, zu dessen Durchführung Tabak und Branntwein mehr bluten sollen, bildet die Kanatisirung des nördlichen Deutschlands, welche Wunder für die, Landwirthschaft bewirken soll. Was das für Wunder sein werden, sieht! man daraus, daß die von der Regierung vorgezogene Linie de« Kanals zwischen Glückstadl und der Ostsee der Landesbewässerung gar keinen Nutzen bringen kann. Entscheidend ist der Ausspruch Moltke's, der diese Linie für die für Kriegsschiffe geeignetste hält. Beruhige Dich, Deutschland, der Geniale und seine geschulte Kraft i werden Dich nicht in ein Rieselfeld verwandeln, dieses entsetzliche Schicksal bleibt Dir erspart. Sie machen au« Dir ein Distelfeld, welches blo» sticht, aber keine Früchte trägt und in dem sich bloS Esel wohlfühlen. — Der„S t a a t s s o z i a l i st", mit dessen Sozialismus nur kriechende j Pfaffen Staat machen können, versucht in seiner neuesten Nummer aus unsere Kosten ungeheuer— geistreich zu sein. Der Moniteur der königl. preuß. Staatskonfusionäre schreibt wörtlich: „Der Züricher Sozialdemokrat" beantwortet die Frage, welche unser Artikel, der„Börsenköllig", am Schlüsse aufwwft:„Wo ist der Gärtner, der den Giftbaum mit der Wurzel ausrottet? Wo der Staatsmann, der den echten König von dem Bürsenkönig befreit? mit wahrhaft kindlicher Freude Uber seine große Klugheir durch ein Wort— Sozialismus. In der That, die deutschen Arbeiter haben wenig verloren, daß sie die Weisheit dieser Herren nicht mehr zu verdauen brauchen. Wir fragen: Wer ist im Christenthuni als die fertige Religion die Selbstentfremdung des Menschen von sich und der Natur theoretisch Vollendel halte. Nun erst konnte das Judcnthum zur allgemeinen Herrschast gelangen und den entäußerten Menschen die entäußerte Natur zu v e r ä.u ß e r- lichen, verkäuflichen, der Knechtschaft des egoistischen Bedürfnisses; dem Schacher anheimgefallenen Gegenständen macheu. Die Veräußerung ist die Praxis der Entäußerung. Wie der Mensch, so lange er religiös befangen ist, sein Wesen nur zu vergegenständlichen weiß, indem er es zu einem fremden phantastischen Wesen macht, so kann er sich unter der Herrschaft dcs egoistischen Bedürfniffes nur prak- tisch bethätigen, nur praktisch Gegenstände erzeugen, indem er seine Pro- duklc, wie feine Thätigkeit, unter die Herrschaft eines fremden Wesens stellt und ihnen die Bedeutung eines fremden Wesens— de« Geldes— verleiht. Der christliche Seligkeilsegoismus schlägt in seiner vollendeten Praxis uothwendig um in den Leibesegoismus des Juden, das himmlische Be dürfniß in das irdffche, der Subjektivismus in den Eigennutz. Wir er- klären die Zähigkeit des Juden nicht aus seiner Religion, sondern viel- mehr aus dem menschlichen Grund seiner Religion, dem praktischen Be- dürsniß, dem Egoismus. Weil das reale Wesen des Juden in der bürgerliche» Gesellschaft sich allgemein verwirklicht, verweltlicht hat, darum konnte die bürgerliche Gesellschaft den Juden nicht von der Unwirklichkeit seine« r e l i- g i ö s e u Wesens, welches eben nur die ideale Anschauung des praktische» Bedürfnisses ist, überzeugen. Also nicht nur im Pentaleuch oder im Talmud, in der jetzigen Gesellschaft finden wir das Wesen des heutigen Juden, nicht als ein abstraktes, sondern als ein höchst empirisches Wesen, nicht nur als Beschränktheit de« Juden, sondern als die jüdffchc Beschränktheit der Gesellschaft. Sobald e« der Gesellschaft gelingt, das empirische Wesen de? Judenthums, den Schacher und seine Voraussetzungen aufzuheben, ist der Jude unmöglich geworden, weil sein Bewußtsein keinen Gegen- stand mehr hat, weil die subjektive Basis des Judenthums da» praktische Bedürsniß vermenschlicht, weil der Konflikt der individuell- sinnlichen Existenz mit der Gattungsexistenz de« Menschen ausgehoben ist. Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die E m a o» zipatlvn der Gesellschaft vom Judenthnm. Stande, eine gerechte Gesellschaft zur Thatsache zu machen, wer kann den Sozialismus praktisch gestalten? Antwort:„Der Sozia- lismus." So klug find wir selber. Die Herren glauben, wie es scheint, wenn man ein Wort auf eine �rage zurückgibt, dann habe man die Frage beantwortet, gerade wie der große Selbst- zersetzer des Christenthums, der Philosophaster Liartmann auf alle Fragen der organischen Welt die tiefgeheimnißoolle Antwort hat: „Das klnbewußte", oder wie die Eingebornen Australiens auf alle Fragen die noch geheimnißvollere Antwort haben:„Demi", „Tevil", was ungefähr so viel heißt wie Teufel, von dem sie aber keine klareren Vorstellungen haben, als die Züricher Sozial- demokraten vom Sozialismus." Das ehrenwerlhe Blatt schemt mit seinem Protektor, Herrn Stöcker, die löbliche Eigenschaft gemein zu haben, niemals richtig zitiren zu können. Nicht nur unsere Antwort, sondern sogar die eigene Frage. Es ist dem Herrn A. I. gar nicht eingefallen, darnach zu fragen, wer den Sozialismus praktisch gestalten kann, wir haben ihm vielmehr auf seine mehr als naiven Fragen klipp und klar als den„Siegfried, der ,| diesen Drachen— den Borsenkönig— zu tobten vermag", den Sozialismus bezeichnet, als den„Gärtner, der den Giftbaum mit der Wurzel ausrottet" die s o z i a l e R e v o l u t i o n, und auf die Frage nach dem Staatsmann antworteten wir: „Kleiner Schäker! Der„echte König" kann ohne den Finanzminister, der aber, wie Sie sehr richtig bemerkten, ohne den Börsenkönig nicht bestehen; der rechte Staatsmann wird wohl der sein, der sie alle drei abschafft. Und nun rathen Sie einmal, wer das sein mag?" Die Herren vom„Staatssozialist" können oder wollen es nicht rathen. Ihr stets nach Oben schielender Sinn kann es nicht fassen, daß dieser Staatsmann keine Kreatur eines Königs von Gottes Gnaden seiu wird. Dieser Staatsmann, Ihr Herren, wird weder ein Minister noch ein Hofprediger, weder ein Professor noch ein Königlicher Geheimrath fein, dieser Staatsmann wird Niemand anders sein, als das revolutionäre Proletariat, welche die ganze Schmarotzergesellschaft zum Teufel jagen wird. Sind wir Ihnen jetzt deutlich genug, Herr Hofprediger? � Ein verlogneres Gesindel als diese christlich-konservattven „Sozialreformer" wird man sobald nicht finden. Wo man auch in ihre Berössentlichungen hineinblickt, Uberall stoßen wir aus ein System von -"ge, Verleumdung und Falschheit, daß einem vor Ekel übel wird. Da zitirt der biedere„Staatssozialist" in seliger Verzückung einen„vortress- lichen" Artikel„Die historische Weltstellung der Juden und die moderne Judenfrage" aus der„Allg. konservativen Monatsschrift für das christ- liche Deutschland", und wenn wir uns diesen„vorttefflichen" Artikel näher ansehen, auf was stoßen wir? Auf die seichtesten Salbadereien, „pikant" gemacht durch die infamste Verdächtigung. Man höre nur: Lawinenartig wächst der Reichthum aus der einen, die Ver- armung auf der andern Seite. Hier liegt der Nerv der sozialen Frage. Den jüdischen Sozialisten Marx, Lassalle u. a. ist es frei- lich gelungen, diese Frage in ein ganz falsches Fahrwasser zu leiten. Sie faßten die Frage auf als Konflikt zwischen Arbeiter und Ar- beitgeber, zwischen Arbeiter-Lohn und Unternehmer-Gewinn, zwischen Kraft und Kapital, als ob die paar Millionen, welche die Fabri- kanten in einem langen arbeitsvollen Leben erwerben, Schuld seien an der Verarmung des Volkes, an der Noth der unleren Klassen. Was find aber die Millionen aller Fabrikanten gegenüber den Milliarden der großen Geldfürsten V Was ist Unternehmergewinn eines langen, mühevollen Fabrikantenlebens gegenüber dem Börsen- gewinn, den jene obersten Zehntausend mühelos bei Staatsanleihen und beim Handel mit Staatspapieren und Aktien machen? Daher rührt die Verarmung des Volkes, denn des Volkes Steuern müssen die Zinsen der Staatsschulden aufbringen. Es läßt sich nicht entscheiden, ob die jüdischen Sozialisten ab- sichtlich und im Einverständuiß mit den jüdi- schen Börse n Männern der sozialistischen Be- wegung diese Richtung gegeben haben oder nicht; aber soviel ist gewiß, daß die soziale Frage bisher den christlichen Fabrikanten vielmehr Sorge gemacht hat, als den jüdischen Börsen- Männern. Wir haben diesen Blödsinn schon öfters und in allen möglichen Ton- arten parlircn hören, einmal sogar von Jemanden, der sich im Ernst für einen Sozialisten hielt, aber in fast allen Fällen war eine fast phänome- nale Unkenntniß der Schriften dieser jüdischen Sozialisten und eine noch Phänomenalere Unwissenheit in Bezug auf den Charakter der modernen Gesellschaft die Ursache. Unser„vorttesslicher" Artikelschreiber aber weiß, daß er lügt, denn kurz nach dieser jesuittschen Verdächtigung sagt er mit einer wunderbaren Unverfrorenheit:„Denn nicht allein die Roth- schilde bedürfen der Staaten, sondern auch umgekehrt, die Staaten be- dürfen immer wieder und noch lange der Rothschilde"— wozu selbst der „Staatssozialist" ein weise« Fragezeichen macht. Und es folgt der fürch- terliche Vorschlag, die„Rothschilde" zu verstaatlichen, in der Weise, daß der Staat mit den Rothschilden den„Rebbes" theilt: Rothschild darf weiter spekuliren, aber der Staat heimst den Gewinnst ein, und Roth- schild bekommt nur einen bestimmten Prozentsatz.- Für wie dumm müssen die Herren ihre Leser halten, daß sie ihnen mit einer so elenden Utopie Honig um's Maul schmieLen zu können glauben! Wollen den Börsenschwindel verewigen und zetern über die„jüdischen Sozialisten", welche der menschlichen Ausbeutung in allen ihren Formen den Krieg erklärt haben und den „Gislbaum" au der Wurzel anpacken, bei der Aus- beutung des besitzlosen Proletariats durch den be- s i tz e ii d c n d e ii Kapitalisten. Wie die Ausbeuter unter sich gegen- seifig den Raub sich streitig machen, das ist den„jüdischen Sozialisten" ebenso schnuppe, wie dem christlich-germanischen" Proletarier, wenn er vor Hunger und Elend zu Grunde geht. Und ob Ihr platzen möget vor Wuth, sie bleiben bei einander, der jüdische Sozialist und der christliche Arbeiter, bis sie dem christlichen und dem jüdischen Ausbeuter den Garaus gemacht haben. Basta! Ein köstliches Geständniß finden wir in demselben Artikel. Es heißt da:„Die Zwangslage der Fürsten, daß sie, um unter jetzigen Verhältnissen den Geldfürsten an Vermögen gleich zu bleiben, sich mit Geldgeschäften abgeben nnd sich in jüdische Interessen hineinziehen lassen müssen(!) liegt offen am Tages!!!); gleichwohl bleibt es ver- häugnißvoll für sie und wird sie um so gewisser in den großen Ruin mit hineinreißen(selbstverständlich! Red. de«„Sozialdem."); denn„Einst wird kommen der Tag, wo das heilige Jlion hinsinkt!"— das gilt auch vom Tempel der Börse." Bravo! — Prosessoraler Blödsinn. Herr Adolf Wagner, Ka- theder-Sozialist außer Diensten, der 1672 pflichtschuldigst zwischen Na- tionalliberalismus und Frcikonservalismus schwebte, jetzt aber sich durch den Wind von oben nach einigem Sträuben in's konservative Lager hat treiben lassen, hat für seine neue Partei ein Wahlprogramm entworfen, in welchem wir u. A. folgende schönen Dinge vorfinden: „Aufrechterhaltung der allgemeinen Wehrpflicht, unter möglichster Schonung der Volkskräste"— heißt auf deutsch: Bewilligung aller von Bismarck für nöthig befundenen Militärlasten, unter möglichster Schröpsung der Volkskräste. „Energisches Eintteten für das Köuigthum von Gottes Gnaden".— Wozu lebten wir auch sonst im 19. Jahrhundert? „Preß- und Versammlungsfreiheit unter selbstverständlicher Jnnehaltung der Grenzen, welche die christlich- Moral, die gute Sitte und die Rück- ficht auf die Grundlagen der öffentlichen Institutionen vorschreiben/ Echte« Gummi elastikum. Wir zahlen 1lX)0 Franken demjenigen, der uns au« diesem Gallimathias einen Anhaltspunkt herausfindet für die Stellung des Herrn Wagner zum Sozialistengesetz, das bekanntermaßen Preß- und Versammlungsfreiheit aufhebt. Welche Grenzen schreibt denn die„ch rist- liche" Moral in Bezug auf Presse und Versammlungen vor? Räch den Evangelien ist Christus durch kein Versammlungsgesetz genirt worden, es steht nichts zu lesen, daß ihm ein jüdischer Bürgermeister oder ein römischer Polizeilieutenant je eine Versammlung ausgelöst habe, seine Apostel aber haben sich, wie die Apostelbriefe zeigen, einer ausgedehnten Preßsreiheit erfreut. Paulus, Petrus, Jakobus durften an die Römer, an die Galater, an die Epheser, an Tod und Teufel Flugblätter richten, ohne zu riskiren, daß sie ihnen verboten wurden, wie z. B. das Flug- blatt Hasenklevers an die Breslauer zc. „Christlicher Eid"— müssen den auch die Juden schwören, Herr Professor? „Konfessionelle Volksschule" d. h. Ableiern von Gesangs- buchliedern und Kernsprüchen, biblischer Köhlerglaube an Stelle natur- wissenschaftlicher Erkennmiß,— zu Ehren der Manen des Herrn Rudolph Wagner, weiland Professor in Göttingen. „Einttacht unter den Konfessionen und Garantien für die Gewissens- freiheit"— ausgenommen der Sozialisten. „Wiederaufnahme der Erbpacht," das heißt: Wieder- Herstellung des alten Hörigkeitsverhältnisses. „Inländische Verbrauchssteuer und Finanzzölle, besonders aus Luxus- artikel(stärkere Belastung des Tabaks und Branntweins)"— und der Mann nennt sich Arbeiterfreund. Ach zweifelsohne, er ist ein großer Arbeitersreund, dieser Kathedersozialist. Man höre nur weiter: „Schutz der Fabrikarbeiter in sanitärer, sittlicher und ökonomischer Hinsicht". Großartig, nicht wahr? O, gewiß, und damit Niemand über die ungeheure Tragweite dieses„Schutzes" im Unklaren bleibe, ist gleich in Klammern hinzugefügt, wie weit dieser„Schutz" ausgedehnt werden soll. Man höre also: „Arbeiterversicherungsweseu, Sonntagsruhe,"— das ist alles, was Herr Wagner den Arbeitern— verspricht. In der That, großartig! Splendider ist dagegen Herr Wagner gegenüber den H a n d w e r- kern. Denen verspricht er: a.„Umgestaltung des Jnnungswesen s." b.„Möglichste Beschränkung des Hausirhandels und der Wanderlager(Wechselrech t)". Wie das Jnnungswesen umgestaltet werden soll, verschweigt Herr Wagner, vermuthlich aber will der Mann der Wissenschaft Zwangs- innungen. Bravo! Geschieht den Handwerkern nur Recht, wenn sie darauf hineinfallen. Was aber die„möglichste Beschränkung des Hausirhandels" anbettifft, so thut der„arbeitersreundliche" Herr Professor, als sei es ihm ganz unbekannt; wie viele Arbeiter sich heule nur dadurch vor dem gänzlichen Ruin retten können, daß sie in Zeiten der Arbeitslosigkeit einen kleinen Hausirhandel anfangen, daß der Hausirhandel in der heutigen Gesellschaft für viele Ortschaften geradezu ein Segen ist, und der Uebertheuerung durch lokale Monopolisten entgegenwirkt, es scheint ihm ganz unbekannt zu sein die Petifion der Glauchauer„W e b e r i n n u n g" gegen die auf Beschränkung des Hausirhandels gerichteten Bestrebungen. Die heutige bürgerliche Gesellschaft aufrecht erhalten wollen und den Haufirhandel be- schränken, dazu gehört eine ganz engherzige, philiströse Beschränktheit oder das Hirn eines deutschen Professors. Mag dieser Professor sich auch nennen wie er will, mag er noch so hochtrabende Worte von Sozialreformen im Munde führen, die sozialisti- schen Arbeiter werden auf seinen Köder nicht anbeißen. — In Berlin hat dieser Tage ein seit Monaten vergeblich Arbeit suchender Proletarier eine einem Hunde vorgesetzte Schüssel voll Hunde- s u t t e r„gestohlen", um seinen quälenden Hunger mit der ekelhaften Speise zu stillen. Hundefuttcr und Hundespe r.re! Wie herrlich wird doch dem„armen Manne" geholfen! Der„Staatssozialist" richtet anläßlich dieser Nachricht einen fulminanten Appell an— den Oberbürgermeister von Berlin.„In Berlin", schreibt das edle Blatt,„wird so viel Geld verschleudert, wird ein so unsinniger Luxus gettieben, daß es das Strafgericht des ewigen und gerechten Gottes geradezu herausfordern heißt, wenn innerhalb dieser Schlemmerei, umgeben von allen Genüssen der Welt, Menschen Hungers sterben oder Hunde um ihre Mahlzeit bestehlen müssen." Sehr gut, Ihr christlich-sozialen Menschenfreunde! Aber das„Straf- gericht Gottes" wird nicht bei dem Oberbürgermeister stehen bleiben, höher rauf, höher rauf, Herr Hofprediger! — Heißeres Blut!„Mit welcher Kaltblütigkeit jetzt die Aus- Weisungen aufgenommen werden, davon macht man sich kaum eine Vorstellung", lesen wir in einem Privalbrief aus Hamburg. Wir müssen offen gejtehen, daß dieser Satz, so sehr er auf der einen Seite ein Zeichen höchst anerkennenswerther Opserfreudigkeit ist, doch für uns einen recht unangenehmen Beigeschmack hat. Wenn nur nicht mit dieser Rücksichts- losigkeit gegen die eigene Existenz ein nur zu großer Theil Unempfindlich- keit gegen die Niederttacht der feigen Polizeipascha's verbunden wäre! Kaltblütig sein ist gewiß gut, aber es gibt einen Grad von kaltem Blute, der dem türkischen Fatalismus verdammt ähnlich sieht, und vor diesem möchten wir unsere Genossen in Deutschland doch dringend warnen. Mehr Leidenschast, mehr Leidenschaft, man könnte sonst an der Befreiung des deutschen Volkes verzweifeln. — W i l h e l m s s p e n d e n. In D r e s d e n nnd F l ö h a ist das Einsammeln von Beiträgen zur Förderung der Wahl eines sozialdemo- kralischen Kandidaten verboten worden. Verderbenschwangeres Flöha!— Genosse K a y s e r sitzt noch immer in Haft. Wahrscheinlicher Grund: möglicher Verdacht, an die Verbreitung verbotener Schriften gedacht zu haben.— In Nürnberg ist der gesellige Verein„Männerkreis Gosten- hos" auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden und mit Recht. Ein Mann und nicht sin«lies Weib in Hosen zu sein, ist in Teutschland heutzutage eine Gefährdung der öffentlichen Unruhe und Un- sicherheit und daher ein Verstoß gegen das Sozialistengesetz.— Verboten würben Bebel S Rede über da« Unfallversicherungsgesetz, der Chicagoer „Vorbote", das Flugblatt„an unsere Gefinnungsgenoffeu und an alle rechtlich denkende Leute in Leipzig und Umgegend." Wie können Bebel, Hasenklever und Liebknecht sich auch unterstehen, an alle rechtlich denkende Leute sich zu wenden! Fortsetzung der„Hilfe für den armen Mann" nächstens. Genosse Auer schreibt an einen Parteigenossen betreffend seiner angeblichen Verhaftung:„Es ist zwar recht freundlich von Euch, daß Ihr mich in Berlin festfitzen laßt, aber lieber ist es mir doch, daß man Euch einen Bären ausgebunden hat. Weder bin ich derzeit in Hast noch überhaupt in jüngster Zeit in Haft genommen worden. Jndeß, was nicht ist, kann ja noch werden." Das Gerücht von Auers Jnhaftirung stammt wohl daher, daß er aus seiner Rückkehr von Sachsen nach Schwerin�) in Mecklenburg über Berlin fuhr und dort auf der Fahrt vom Anhalter nach dem Lehrler Bahnhof von einem Reichsspitzel erkannt und nach dem Molkenmarkt ttansportirt wurde, dort hielt man ihn von Morgens acht bis Mittags ein Uhr auf, woraus er wieder fröhlich von bannen zog. Die Frage, ob Durchreise gleich Bannbruch sei, harrte schon lange ihrer Lösung, und ist sie nun, wenigstens polizeilich, entschieden!— — Aus Nettstall(Kanton Glarus) wird mitgetheilt, daß in einem dorfigen Weberei- und Spinnerei-Etablissement sämmtliche Weberinnen die Arbeit eingestellt haben, weil ihnen Tags zuvor bei Strafe anbefohlen worden war, von nun an von Morgens bis halb 3 Uhr Abends zu *) Wohin Auer jetzt übersiedelt ist. arbeiten. Mit Recht bemerkt Freund„Grütlianer" dazu:„In der Wehr für das Fabrikgesetz beschämen diese Weiber sonach viele, die zum „starken" Geschlecht zählen. Respekt vor ihnen!„Sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter Dich", rief einst die Stauffacherin; es scheint, daß die Nettstaller Mädchen und Frauen dies Wort noch nicht vergessen haben. Ihre eigene und ihrer Kinder Zukunft geht ihnen über den Befehl eines Fabrikpascha's und selbst über ein paar Rappen Mehrverdieust, wenn dieser mit vermehrter und schädlicher Kraftaufopferung erkauft werden muß." — Ein neues Attentat wird geplant, die Berschwornen werden sich in Salzburg versammeln. Die Polizei trifft eiftige Borkehrungen, um die Verbrecher in ihrem unheilvollen Treiben zu— schützen, denn sie heißen Wilhelm der Hohenzoller und Franz Joseph der Habsburger. Wie lange die Beiden noch Esel finden werden, welche die Attentate für sie ausführen? — Die österreichische Bauerubewegung dehnt sich jetzt auch nach Böhmen aus. In Tetschen fand bereits eine Bauernver- sammlung statt, wo auch nächstens ein Parteitag der deutschböhmischen Bauern abgehalten werden soll. Leider zeigt diese Bewegung bisher keines- wegs den naturwüchsigen, frischen Charakter, den die ober- und niederöster- reichische und die steierische Bauernbewegung an den Tag legt. Daß die deutschböhmischen Bauern loyal sind und sich an lauter kleinliche unzu- reichende Forderungen anklammern, würde weniger machen. Die Bauern- bewegung ist zu jung und zu unklar, als daß sie bereits zu emem ge- nügenden Programm hätte gelaugt sein können. Das Wesentliche ist der Geist, der in der Bauernschaft steckt und der die weitere Entwicklung beeinflußt. Und in dieser Beziehung steht es in Deutschböhmen schlimm. Der deutschböhmische Bauer hat schon kapitalistisches Fühlen und Denken eingesogen, seine Geistesrichtung entspricht mehr der zahmen des Klem- bürgerthums, als dem trotzigen Unabhängigkeitsgefühl der Bauern in den Ländern der Alpen und deren Ausläufern. Der deutschböhmische Bauer ist bisher blo« ein Liberaler, der jetzt beginnt, seine Bauerninteressen mehr wahrzunehmen als bisher; Gutsbesitzer, Verwalter, ja Professoren führen bei ihm das große Wort, kurz, von der deutschböhmischen Bauern- bewegung ist vorläufig nicht viel zu erwarten, wenn nicht der frische Luft- zug aus den Alpen sie etwas beleben sollte. — In P r a g haben Exzesse gegen deutsche Studenten stattgefunden, welche natürlich von der Sudelpresse, auch von der edlen Frankfurterin, dem Pöbel in die Schuhe geschoben werden, worunter natürlich das arbeitende Proletariat gemeint wird. Unsere Genossen wissen, daß die tschechischen Arbeiter sich seinerzeit ebenso wie die deutschen gegen den Nationalitätenzwiespalt erklärt haben und daß tschechische Arbeiter es waren, welche eine nationale jungtschechische Volksversammlung vereitelten. Nicht die„rohen" Arbeiter, nein, die„Blüthen der Intelligenz", d i e Besitzenden und derenSöhne, dieStudenten imBer« eine mit dem Lumpenproletariat, diese edle Koalition ist es, welche von der Uebermacht so feigen und erbärmlichen Gebrauch macht. Die tschechischen Arbeiter sehen den ganzen Vorgängen ohne jegliche Theilnahme für den einen oder anderen Theil zu: sie wissen auch den Werth der deutschen Studenten nach Gebühr zu würdigen. Und es will sie schier bedünken, daß der Deutsche und der Tschech, daß sie alle Beide— würdige Kulturkämpfer sind. — Aus Wien wird die Verhaftung eines„hervorragenden sozialistischen Agitators" Namens Friedrich Wilhelm Matz, sowie seines „Agenten" Lucian Lemke gemeldet. Beide sollen Kolporteure der„Freih." gewesen sein. Matz bot angeblich eine Kaution von 2000 fl. aus mysteriöser Geldquelle an. Auch soll er sehr„nobel" gelebt haben. Wenn an der ganzen Geschichte überhaupt etwas Wahres ist, dann kann dieses Geld nur von der russischen oder preußischen Polizei herrühren, und dann hat die österreichische Polizei in ihrer Dummheit wieder einmal den Un- rechten erwischt. Daß die verbündete Polizei der heiligen Allianz unter den Parteigenossen in Wien Spitzel und Agent« Provokateurs hält, wissen wir, ebenso wie daß diese Herren ihr sauberes Geschäft am besten unter sozialrevolutionärer Maske treiben zu können vermeinen. Trotzdem halten wir die ganze Schanermähr für ein Gewächs der Saurengurken- zeit. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil es einen„hervorragenden Agitator" Matz in Wien nicht gibt. So lange wir nicht genauere Nach- richten haben, erscheint uns die Sache ebensowenig glaubwürdig, als die Salzburger Dynamitbomben. — In Drammen(Norwegen) ist in einem Sägewerk ein Strike ausgebrochen, zu dessen Unterdrückung und„Aufrechthaltung der Ordnung" Militär von Christiania gesandt wurde. Die Arbeiter ließen sich leider von der Soldateska provoziren, so daß es zu einem blusigen Zu- sammensloß kam, bei dem ein Arbeiter getödtet, viele verwundet wurden. In Norwegen zeigt sich dieselbe Erscheinung, die man in Schlesien beobachten kann, die man im Ansänge unseres Jahrhunderts in England beobachten konnte und welche sich überall zeigt, wo die kapitalistische Produktionsweise ein industrielles Proletariat zu schaffen beginnt: verein- zelte und deshalb ohnmächtige Versuche der unorganisirten Arbeiter, auf gewaltsamem Wege nicht etwa die Produktionsweise zu ändern, sondern vorübergehende Mißstände abzuschütteln. Solche Erhebungen bedeuten das Erwachen des Klassengegensatzes, sie sind die ersten, u r w ü ch- s i g e n Erscheinungen desselben, welche immer mehr verschwinden, je stärker das Klassenbewußtsein hervortritt und je mehr die Organisation der Arbeiter sich ausbreitet. Vereinzelte gewaltsame Erhebungen bedeuten den Beginn, nicht das Ende des Klassenkampfes, der nicht einmal in einer allgemeinen nationalen, sondern blos internationalen Revo- lution sein Ende finden kann. Das Beispiel der norwegischen, im Be- ginn der kapitalistischen Produktionsweise stehenden Arbeiter den im Klassenkamps geschulten Proletariern Frankreichs, wie es die„Rev. soc." thut, zu empfehlen, beweist also nichts, als völlige Unkenntniß der sozialen Entwicklung der letzten hundert Jahre. Doch ist es unbillig von den Herrn Anarchisten zu verlangen, daß sie etwas lernen, ja, es ist unbillig, überhaupt etwas von ihnen zu verlangen. Wozu hätten sie auch ihr famoses Motto erfunden:„W eder Rechte, noch Pflichten"?! — Am 26. Juni wurde in Brüssel ein großes Bolksmeeting zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts abgehalten. Mehrere Deputirte wohnten bei. Die von dem Deputirten Brüssel'«, Janson, beantragte Motion, welche verlangt, daß jeder Belgier, welcher schreiben und lesen kann, zu Provinzial- und Gemcindewahlen zugelassen wird, wurde ein- stimmig angenommen. Und ein Parlament, welches solche Forderungen zurückweist, erscheint dem deutschen Reichsphilister als der Gipfel des Radikalismus! — In Lemberg fand am 26. Juni eine zahlreich besuchte Arbeiter- Versammlung statt, welche sich für die Einführung des allgemeinen Stimm- rechts und des Milizsystems, für die Reform des Justizwesens, die Ver- mehrung der Schulen, vollständige Preßfreiheit und die Aufhebung des Zeitungsstempels aussprach. Die Versammlung beschloß die Einberufung eines allgemeinen galizischen Arbeitertages nach Lem- berg. Aus demselben soll ein an da« Ministerium zu richtendes Memo- randum über die Arbeiterfrage beschloffen werden. Als Lebenszeichen, als propagandistische Demonstration können diese Schritte nur von Vortheil sein. Daß die Einberufung eine» Arbeitertages Angesichts der bekannten„Freiheil wie in Oesterreich" einen anderen Erfolg nicht haben wird, darüber sind sich unsere galizischen Genossen wohl klar. — Spanien. Die vereinigten Bauarbeiter von Barcelona haben eine Agitation für den achtstündigen Normalarbeitstag beschlossen, In Jgualada(Catalonien) striken 400 Handweber behufs Erhöhung der Arbeitslöhne. Auch in verschiedenen anderen Orten Cataloniens befinden sich die Arbeiter im Ausstande. Gleichzeitig mit diesen sozialen Kämpfen geht auch eine politische Bewegung, deren Charakter sich indeß schwer bestimmen läßt. In der„Revista social" von Madrid findet man neben durchaus anarchistischen Phrasen ganz kleinbürgerlich-republikanische — eine übrigens ganz natürliche Erscheinung— so daß es sast scheint, als ob man in Spanien die Lehren der Vorgänge von 1873 noch immer nicht beherzigen will. _ Was die Arbeiter können, wenn sie wollen. Die Solidarität der Arbeiter hat sich bei dem Streik der New- Iorker Bierbrauer wieder einmal glänzend bewährt. Angesichts der durchaus gerechtfertigten Forderungen der Brauergehilfen— ISstündige Arbeitszeit in der Woche und für Sonntagsarbeit 10 Cents pro Stunde— haben sämmtliche Arbeiterverbindungen Newyorks und mit ihnen ein großer Theil der nicht organisirten Arbeiter beschlosien, kein Wirthshaus zu besuchen, in welchem Bier aus den Brauereien der„Scabs"— Bezeichnung derjenigen Prinzipale, welche die Forderungen der Arbeiter bekämpfen— ausgeschenkt wird. Dieser Beschluß ist aber nicht nur an- genommen, sondern auch durchgeführt worden, so daß bereits ein großer Theil der Prinzipale nachgegeben hat und der Streik schon jetzt als gewonnen betrachtet werden kann. Große Vereinigungen, wie z. B. die der Zimmerer, haben geschloffen Mann für Mann ihr bisheriges Ver- sammlungslokal verlassen unter der Parole:„nur Unionbier!" d. h. nur Bier aus solchen Brauereien, in denen die Forderungen der Brauer- gehilfen-Union anerkannt werden. Da« sind herzerhebende Nachrichten von„jenseits des großen Baches", sie erinnern uns an ähnliche Manifestationen aus der deutschen Arbeiterbewegung, die wohl werth sind, der Vergeffenheit entrissen zu werden als leuchtende Beispiele für alle Zeiten. solange da« Proletariat gegen politische und soziale Unterdrückung zu kämpfen haben wird. Am groß- artigsten war das Verhalten der Berliner Arbeiter während der Attentats- Hetze. Theils unter dem Druck der sogenannten öffentlichen Meinung, d. h. aus Bornirtheit oder Feigheit,-theils direkt veranlaßt von der Polizei, welche bekanntlich in Preußen- Deutschland die Wirthe„in der Hand" hat, schafften damals über 3000 Wirthe die sozialistische„Berliner Freie Presse" ab. Da faßten die Berliner Arbeiter aus eigener Jniziative ohne Versammlung und ohne in der Presse dazu aufgefordert zu sein, den Entschluß, in keinem Lokal zu verkehren, wo nicht das Parteiorgan gehalten wird. Und truppweise gingen sie Abends von Arbeiterlokal zu Ärbeiterlokal, forderten die„Berliner Freie Presse", und erhielten sie die Antwort:„Die hallen wir nicht", so konnte der Wirth sicher sein, den größten Theil der Kundschast einzubüßen, d. h. auf jeden Fall zu Grunde zu gehen. Und siehe da, in vier Wochen war der Abonnentenstand der „Berliner Freien Presse" höher, als erjevordem„Attentat" gewesen. Dieses Beispiel mögen sich auch gewisse Angstmeier hinter die Ohren schreiben, die sofort den Muth verlieren, wenn nicht Alle« glatt geht. — Am 2. Juli hat ein kanadischer Franzose, Namens Charles G u i t e a u, einen Mordversuch auf Garsield, den Präsi- denken der amerikanischen Republik unternommen und diesem schwere, vielleicht tödtliche Wunden beigebracht. Ob der Thäter verrückt war, ob er lediglich den Eingebungen persönlicher Rachgier folgte, ist bis zur Stunde noch nicht festgestellt. Ebenso fraglich ist es auch noch, ob er ein Anhänger der Grant-Conkling-Partei beziehungsweise— wie von einigen Sekten ausgesprengt wird— von solchen angestiftet worden ist. Auf jeden Fall aber ist dieses Attentat ein schmachvoller Akt, der nicht scharf genug verurtheilt werden kann. Im Uebrigen ist es eine heilsame Lehre, daß, wenn durch den Tod eines Mannes die alte Korruptionswirthschast wieder an's Ruder ge- langen kann, da« Volk aus eine gründliche Aenderung der I n st i t u- t i o n e n bedacht sein muß, will es sein Geschick nicht von dem Lauf emer Kugel abhängig machen. Freilich Iankec bleibt Dankee, ob Garsield oder Arthur Präsident ist, und die Korruptton und Stellenjägerei wird erst ein Ende nehmen, wenn die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen auch in der Nordamerikanischen Union ein Ende genommen hat. — Ein Vorschlag z u eiueramerikanischenLand-Liga. Gracchus(Mr. Hume), ein Mitarbeiter an der sehr verbreiteten„Jrish World", thut folgenden Vorschlag:„Es wird vorgeschlagen, das Volk, ehe es zu spät ist, in eine amerikanische Land-Liga zu organisiren. Zweck: Für die„Vereinigten Staaten" womöglich die verderblichen Folgen, welche nach den Lehren der Geschichte aus dem ausschließenden Privat-Landeigenlhum in den Händen blos eines Theil« der Bevölkerung fließen, abzuwenden. Mittel: Eine Konstitutions-Veränderung des Sinnes: 1. Daß weder die Union noch die Einzelstaaten hinsort Land veräußern, außer gegen eine verhälwißmäßige Bodenrente, sondern das Eigenthum daran selbst be- halten und die Bodenrente zum Gemeinwohl und zum Erlaß aller anderen Steuern verwendet werden sollen. 2. Nach einem näher zu bestimmenden Jahre soll kein Grundeigenthums-Titel in den Ber. Staaten mehr Geltung haben, sondern die gewesenen Privateigner sollen blos ein EutschädigungSrecht auf Verbesserung am Boden besitzen, oder das Land fortbehalten können, sei es der Union, sei es dem Einzelstaate gegen- über. Wer mit diesem Vorschlage einverstanden ist, wird gebeten, die« dem Gracchus, Adresse„Jrish World" anzuzeigen. Nun, derselbe Vorschlag ist in„Better Times"(Bessere Zeiten) gemacht. Schaden kann die An- nähme desselben nicht«, schreibt der„Chicagoer Vorbote", dem wir obige Notiz entnommen haben. Parteigenossen! Vergeßtder Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. — Jever, 25. Juni. Am Freilag nach Pfingsten hielt Professor Wendt au« Hamburg hier einen Bortrag über die Ziele der Fortschritts- Partei, in der er unter Anderen auch aus die Diktatur des Fürsten Bis- marck loödonnerte, zugleich aber als echter Fortschrittler die Behauptung, Eugen Richter hätte den Ruf„Fort mit Bismarck" ausgestoßen, als Verläumdung(!) zurückwies. Derselbe Herr beklagte sich über die Verläumdungen, welche die arme Fortschrittspartei, namentlich von der „Norddeutschen Allgemeinen" zu erdulden habe; dieselbe Fortschrittspartei, die in der Verläumdung der Sozialdemokratie ihr redliches Theil geleistet hat. Aufsallend war es, daß der Herr Professor kein Wort vom Arbeiter- Versicherungsgesetz gesagt hat, wie überhaupt der ganze Vortrag wesentlich eine Angelei der liberalen Wahler war. Dieser Umstand wird uns in der Wahlkampagne sehr zu stalten kommen. Wir im zweiten Oldenburg'schen Wahlkreis haben Genosse Fr ick aus Bremen als Reichstagskandidaten ausgestellt. Die Liberalen stellen einen eigenen Kandidaten gegen den der Fortschrittler und Sezessionisten auf. Wie gut es mit der Gesinnungstüchtlgkeit der Letzteren bestellt ist, beweist unter Anderem das hiesige Organ derselben, welche« sür da« Tabaks- Monopol schwärmt! Sonderbarer Schwärmer. Auch ein Getreuer. — AilS Süddeutschlanv, 6. Juli. Nahezu gleichzeitig mit der Leipziger Unglücksbotschast traf eine Siegesnachricht ein von Mannheim. Die Sozialdemokratie,„von dem Zügel des Ausnahmegesetze» in Schach gehalten", wie ein demokratischer Mannheimer Korrespondent der Fkf. Ztg. mit schlecht verhehlter Genugrhuung sich ausdrückt, hat trotz dieser„Zügel" die von der Polizei protegirten Demokraten bei der Stadtverordneten- wähl der III. Klaffe glänzend aus dem Sattel gehoben und mit 569 gegen 214 Stimmen ihre ganze aus 16 Namen bestehende Liste durchgesetzt. Im Jahre 1879 noch hätten die Sozialisten bei der damals mit den Demo- traten gepflogenen Verhandlungen sich begnügt, wenn man ihnen von den 96 Stadtverordnetensitzen sechs eingeräumt hätte. Das lehnten die übermüthigen Herren von der Volksparlei damals schroff und hochmüthig ab. 1878, am Tage nach Verkündigung des Ausnahmegesetzes, siegten die Sozialisten zum ersten Male bei der Wahl der III. Klasse, nun zum zweiten Mal. Wunderlich genug vertheilt sich nun die Macht aus dem Mannheimer Rathhause. Das eine Drittel der Stadwerordneten gehört den Sozialisten, das andere(II. Klasse) den„Demokraten, und das dritte (I. Klasse) den Liberal-Konservativen. Und dabei wäre es wahrscheinlich nur eine Frage der Anstrengung, so könnte man die„Demokraten" anch aus der II. Klasse hinauswerfen. Der„Schwäbische Merkur" voin Sonntag füllt drei Spalten seines Papiers mit Wehklagen über die Verfolgung der Deutschen. Erschrecken Sie nicht, die Welt ist noch nicht am untergehen, Merkurius ist nicht entrüstet über die Deutschenverfolgung in Deutsch- l a n d, sondern über die in Prag, wo anscheinend die Universitäts- jugend der Deutschen mehrmals derbe Prügel von den Czechen erhielt, was man ja den Muttersöhnchen der deutsch-böhmischen Bureaukratie und Bourgeoisie als heilsame Lehre von ganzem Herzen gönnen könnte. Schon daß der„Merkur" sich der Geprügelten so warm annimmt, dürfte ein sicherer Beweis dafür sein, daß ihnen nur Verdientes widerfahren ist. Denn wann hätte der Merkur je aus Seite der unschuldig Verfolgten und Mißhandelten gestanden? Seit Jahrzehnten haben die Deutschen in Böhmen alle Mittel, gute und schlechte, aufgeboten, um die Czechen zu unterdrücken. Gewaltthaten und Bestechungen, schreiendste Nngerechtig- leiten, Hohn und Spott in Hülle und Fülle bekamen die Unterdrückten zu kosten. Die Bestienarur der deutschen Bourgeoisie offenbarte sich in Böhmen gegen die Czechen gerade so, wie in Deutschland gegen die So- zialisten. Und nun sich der Wind in etwas gedreht und die Czechen Lust bekamen und ihrem lange zurückgedrängten Groll auch Lust machten— nun höre man das Gezeter der Geprügelten, weil sie auf einmal ver- tauschte Rollen vorfinden. Hat der„Merkur" auch aufgeschrien, als man 1878 in Deutschland sozialistische Versammlungen sprengte, in sozialistische Lokale gewaltsam eindrang und mit Stöcken, Messern und Steinen Be- lehrung spendete? Damals war es ihm löbliches Thun. Die Wichre! Wie sie es nun wagen mögen, von Recht und Gerechttgkeit und Civilisation zu spreche», die sie stets mit Füßen getreten, heute davon zu sprechen, wo Tank ihrer Niedertracht abermals 100 Deutsche heimarhlos und recht- los ins Elend gestoßen sind! Aber für Prager Bourgeoissprößlinge leeren sie ihre Thränendrüsen, für das Unglück Teutschlands, für die Schmach des eigenen Landes haben sie kaum ein kaltes Achselzucken. Ambrosius. — Magdeburg. Am 8. April wurde bei Genosse Wollschläger Haussuchung gehalten und verschiedene auf einander folgende Nummern des„Sozialdemokrat" vom Jahrgang 1830, sowie zwei Nummern der „Freih." vom Jahrgang 1879 vorgesunden; daraufhin zum Polizeibüreau sistirt, wurde Wollschläger ohne Weiteres hinter Schloß und Riegel ge- bracht und erst am Abend um 7 Uhr vom Polizeiinspektor Krieter zu Protokoll vernommen. Unter Anderen fragte man ihn, ob er sich zur Sozialdemokratie bekenne, welches er bejahte; serner erfuhr er, es sei ein Brief an ihn aus Zürich angehalten worden, welcher die Einlage Peter Waldus enthielte, deshalb müsse er wissen, wer Peter Waldus sei. Aus die Erklärung, er könne das dem Herrn Krieter nicht sagen, wurde Wollschläger von demselben beschimpft:„frecher Patron sind Sie, frecher Lügner find Sie, Mörder sind Sie",„meineidig müßten sie alle gemacht w e r d e n", „na umsonst sollen Sie Ihr Lügen nicht haben, 14 Tage werden es doch." Als unser Genosse sich gegen die Beleidigungen verwahrte, meinte der Polizeiinspektor, daß er die Aeußcrung„frecher Patron", sowie „frecher Lügner" aufrecht erhielte, und bei der Aeußerung„M ö r d e r sind s i e", da hätte er Wollschläger nicht direkt gemeint, sondern die Sozialdemokraten im Allgemeinen und führte hierbei Hödel und Nobiling an, woraus W. ihm erwiderte:„Man hat e« versucht, den Hödel und Nobiling der Sozialdemokratie an die Rockschöße zu hängen, aber bis jetzt sind noch nicht die Untersuchungsaklen veröffentlicht." W. wurde nun in seine Zelle zurückgeführt und kam erst am Montag den 11. nach dem Landgerichtsgesängniß, wo ihm am 13. April das Protokoll verlesen wurde. Aus seine Beschwerde, weshalb er als ansässiger, selbständiger Hand- werker in Untersuchungshaft genommen werde, erwiderte man ihm einfach: „Sie könnten sonst auf die Zeugen einwirken; aber Sie können Beschwerde führen beim Oberlandgericht, es wird Ihnen aber nichts nützen."(?) Nachdem W. drei Wochen hinter Schloß und Riegel isolirt zugebracht hatte, ohne eine Anklageschrist zu erhalten, wollte er Beschwerde einreichen, bekam aber, als er dieselbe zu Protokoll zu geben im Begriff war, die Anklageschrift mit dem Bemerken zurück, daß nun in den nächsten Tagen der Termin stattfinden werde, die Beschwerde aber erst nach Naumburg an das Oberlandesgerichr gesandt werden müsse und dadurch der Termin sich noch verzögere; infolgedessen unter- blich die Beschwerde. Das war am 2 9. April und am 1 2. M a i bekam er erst Vor- ladung zum Termin, welcher am 1 9. M a i stattfand. Angeklagt waren der Schneider W. Habermann, der Schuhmacher O. Wollschläger, der Zigarrenarbeiter A. Volckmann, der Schncidergeselle H. Carl. Tie Ersteren, H. u. W., angeklagt wegen Verbreitung der„Freiheit" und des„Sozialdemokrat", die Letzteren wegen Verbreitung des„Sozialdemokrat". Laut Aussage des K a r l W i n l e r, jetzt in Amerika, welcher Kolporteur war, sollen sie sich der Verbreitung verbotener Schriften schuldig gemacht haben. H. soll als bekannter Agitator und Führer der Sozialdemokraten die„Freiheit" und den„Sozialdemokrat" in Packelen zugeschickt erhalten und verhreitet haben und den Angeklagten W. als Deckadresse benutzt haben. Ferner war ein Brief des H., au den Reichstagsabgeordnelen A. Bebel adressirl, wegen s e i u e r S ch w e r e(?) aus der Post angehalten worden. In seiner Vertheidigung theilte H. mit, er habe aus sicherer Quelle er- fahren, daß dem C. Winter 309 Markgeboten worden seien, um der Polizei Liebesdienste zu erweisen, es hat jedoch W. nur 100 Mk. dafür erhalten. Diese Ausführungen erregten Gemurmel im Zuschauer- räum, was den Präsidenten veranlaßre, den Saal zu räumen. Derselbe wurde aber auf Antrag mehrerer Herausgewiesener wieder geöffnet, aber nur sür Diejenigen, welche nicht bestraft waren. Das Resultat der Ber- Handlung war: Habermann wurde zu drei Monaten Gesängniß verurtheilt. Wollschläger, der zugab, daß er mit dem Schlosser Märtens, welcher jetzt in Amerika ist, zusammen den„Sozialdemokrat" gelesen habe, bestritt aber die Verbreitung; er wurde zu einem Monat verurtheilt. Bei V. und C. beanttagte der Staatsanwalt vierzehn Tage, dieselben wurden jedoch freigesprochen. Keinem der Verurlheillen wurde die Untersuchungshast, welche sechs Wochen gedauert hat, angerechnet. Und dabei war der einzige Zeuge, der hätte beeinflußt werden können, (s. oben)— Der P o l i z e i i n s p e k l o r Krieter! Habermann hat gegen das Unheil Berufung eingereicht, Wollschläger dagegen hatte keine Lust, noch länger in Untersuchungshaft zu sitzen, und brummte daher seine„Strafe" ab— von Rechtswegen. Die Gedanken aber, die er sich während dieser Zeit über Recht und Unrecht.machte, waren ganz eigener Art. Arnulf. — Talzburg, 28. Juni. An die Dummheit, Frechheit und Gemein- heit der Behörden ist unsere„gemüthliche" Bevölkerung so gewöhnt, daß die größte Blamage unserer heiligen Hermandad kein Aussehen mehr er- regt. Bei uns tödtel Lächerlichkeit nicht, sonst gäbe es keinen öfter reichischen Staatsanwalt und Polizeispürhund mehr, der nicht moralisch ladt wäre. So wundert sich denn auch die„öffentliche Meinung" gar nicht mebr über den jämmerlichen Ausgang de« Prozesses, den man gegen unschuldige Familienväter eingeleitet halte, um bei den Hochzeitsseierlichkeiten eines belgischen Backfisches mit einem österreichischen„Lebemann" das„gemüth- liche" Verhältniß zwischen dem Monarchen und seinen Völkern, welches die Presse so sehr hervorhob, besonders zu beleuchten. Diese Salzburger Nihilisten sollen nichts Anderes im Schilde geführt haben, al« den Eisenbahnzug mit der Landesftiuiter in sps in die Luft sprengen zu wollen. Acht Wochen lang blieben die Angeklagten in Untersuchungshaft, während welcher die erbärmlichsten Mittel angewendet wurden, um ihnen ein Geständniß zu erpressen, was natürlich nicht ge- lang, denn wo nichts ist, bat der Kaiser sein Recht verloren, sagt ein österreichisches Sprichwort. Trotz der empörendsten Behandlung endete die ganze Prozedur, der ganze in die gruselnde Welt hinausgepaukte Dynamitprozeß damit, daß dem Hauptnihilisten Staar nicht mehr als vier Tage zuerkannt werden konnten, indeß die Uebrigen mit 3 Tagen bis 24 Stunden davon kamen. Nur P e r l o n e g g sitzt noch, aber auch nicht wegen Attentärerei, sondern angeblich wegen verschiedener Flugblätter, die man bei ihm gesunden haben will. i — London, 26. Juni. Da ich im„Sozialdemokrat" bis jetzt noch keinen Bericht über die Reden gefunden habe, welche Fritzsche und Bahl- teich vor ihrer Abreise hier in unserem Klublokal gehalten haben, so halte ich mich im Interesse unserer Prinzipien für verpflichtet, einige besonders charakteristische Stellen aus denselben mitzutheilen, damit die Genossen allerwärts ein Urtheil über die Genannten fällen können. Was I mich persönlich anbetrifft, so bin ich der Ansicht, daß es heule für unsere I Sache nur gut ist, wenn derartige feige Schönredner ihr den Rücken j kehren, denn sie sind unserer Bewegung nur schädlich. Leid thut mir nur, daß von unserer Seite Niemand an dem betreffenden Abend den I Herren entgegentrat. „Den sozialistischen Staat einzurichten ist nur möglich bei der hierzu I bis zu einem gewigen Grade nöthigen Summe von Intelligenz im 1 gesummten Volke." „Umstürzen ist nur möglich durch eine große Majorität, wozu erst das j Volk geistig erzogen werden muß." „Die Entwicklung des Militarismus macht es unmöglich, die Revo- lution gewaltsam durchzuführen." „Wie manche Oppositionspartei ist nicht schon durch den Druck von oben vernichtet worden!" „Was ist aus den Junikämpfern geworden?" „Wer kann wissen, was die nächste Zukunft uns bringt? Vielleicht, geht unsere Partei zu Grunde, und nach zehn Jahren tauchen neue Leute' I auf, vielleicht auch unsere Ideen unter ganz neuen Formen!!"-- I Da« Letztere ist wohl das Stärkste, was je geleistet worden ist. Nach Fritzsche und Bahlteich würde also der heuttge Sozialismus als Wissen- i schaft in die Rumpelkammer geworfen, um vielleicht nach Jahren al« ganz etwas Neues hervorgeholt zu werden! Ein Pfui! über solche Männer. Schließlich wurde selbstverständlich der Artikel„Widerstand" im „Sozialdemokrat" verurtheilt, was nach dem Vorhergesagten leicht zu � begreifen ist. Es läßt sich besser eine gut bezahlte Stelle annehmen, al« für das von der Reaktton mit Füßen gettetene Volk womöglich in da»' Gesängniß wandern. Und das wollen sozialdemokratische Volksvertreter i sein! Mir ist der Artikel ganz aus dem Herzen geschrieben, und wünschte ich nur, er wäre schon früher veröffentlicht worden. Auch wo ich sonst verkehre und agitire, findet er allgemeine Zustimmung, wie man über-] Haupt mit der gegenwärtigen Haltung unseres Parteiorgans zuftieden ist, nur wünscht man gelegentlich auch interessante wiffenschasttiche J Artikel. Mit sozialdemokratischem Gruß! H. Daubenspeck. Briefkasten der Expedition:— h: Neuestes vorgemerkt. Weiteres erwartet. — I. O. Paris: Einverstanden!— F. I. E. St. Gallen: Ab. 3. Qu. Fr. 2.— erh. Alles besorgt.— Russische Grenze 6: Mk. 6.80 Ab. 3. i Qu. u. Schft. tc. erh. Kennen keinen MHz. Chiffrirkohl Ihrerseits am Anfang unbegreisl.; Cxzeyszuwa hoffen jetzt verständlich. Ihre Erfin- dung kapirt. Zettelschluß unerforschlich. Bitten im Allgemeinen doch deut--! licher!— Bgrmnn: Mk. 4,40 Ab. 3. Qu. erh., fehlen noch 88 Psg.— 1 Brüssel: Mk. 10.— Ab. ä Cto. erh. Weiteres erwarl. Fehlend, folgt.— I M. B. Ehsn.: Fr. 2.- Ab. 3. Qu. erh.— M. E. Rstk.: Mk. 3.- Ab. 3. Qu. erh.— H. Z. Hg.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh. 28 bringt Fehlendes.— H. M. A. b. H.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— Serlow: f Mk. 3,— Ab. 3. Ou. erh. Da« hieße den Schinken nach Wnest werfen und dazu ist die Bande zu schmutzig.— I. I.: Fr. 20,10 Ab. 3. u. 4. Qu. u. Schft. erh. Alles stimmt. Weiteres folgt.— I. M. Jl.: j ö. fl. 1,70 Ab. 3. Qu. erh. Wer weiß, ob nicht der Esel noch Lauten- schlagen lernt.— H. P. Lg.: Mk. 3,— Ab. bis Ende Aug. erh.— A. W. Ilster: Fr. 2,— Ab. 3. Qu. erh.- R. N. Prag: Mk. 136,—] a Cto. Ab. u. Schst. erh. Pünktlicher Adressen senden, sonst Stockung unvermeidlich.— Liebig: Folgen 42 u. gew. Phot. Briest, am 4./7. i geantw.— Crlo Pgtore: Mk. 27,28 Ab. 2. Qu. Manch. 2 Pesc. u. Dm. 3. Qu. erh. Empfohlener war gut. Bes. rührt vom„alten Rummel" her. Gratuliren! 13 folgen.— Die Getreuen: Bf. v. 25./6. am 5. 7.\ erh. B. langsam, haben deshalb Ersatz gesandt.— v. Bismarck: Mk. 50,— Ab. 3. Qu. erh. Auszug am 5./7. abges. Signalisirte erwartend. — Lasier: 3 Brse u. keine Antw. Na nu!?— M. u. W. Kst.: 6. fl. 2,10 sür 7 P. erh. Rest erwartend.— Frl. M. R. St. G: Fr. 2,— J Ab. 3. Qu. erh. 12 nachges.— K. R. Mkch: Mk. 1,80 Ab. per Ende Juli erh. Gruß!— Antwerpen: Fr. 19,50 für Ab. 2. Qu. Ufds. und I Wsds. eingest.— Nr.(500): Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh. Ausgehalten» das ist die beste Unterstützung!— F. Mnrt. Amst.: Dank u. Gruß I— 1 C. B. Bern: Fr. 2,— Ab. 3. Qu. erh.— Tische Soz. Zürich: Fr. 5,— 1 u. Tische Soz. Basel: Fr. 5,— Usd«. erh. siebe FdSquittg.— T. D. C.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— Lbrtl. u. Sauerkr.: Notiz v. 2./7, 1 erh. Ptzlr. erscheint nicht rascher. Weiteres beachtet.— Rosa Beck: Ml 50,— Ab. 2. Qu. erh. Auszug folgt. Rekl. betr. d. Mk. 10,— be- wirkt.„Und ob gleich alle Teufel hie wollte» widersteh»"— wir find im Bormarsch begriffen!— W. Pf. Hg.: Ab. 3. Qu. Mk. 3,— erh. i — Moritz: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh. Gewünschtes abges.— M. O.' Kst.: ö. fl. 2,— Ab. 3. Qu. erh.— H. M. Mn.: ö. fl. 1,70 Ab. 3. Qu. erh. Erbetene« erwartet.— H. St. P.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh. I C. P. folgen. 10 Ps.-Frankatnr reicht nicht. Doppelt genäht!— 1 Kommerzienrath: Mk. 15,— Ab. 2. u. 3. Qu. mit Bdr. verrechnet.— I Felix: Noch nichts hier.— Sieben Schwaben: Der„Kleine" kennt kein Hcimalhs-, Bürger- oder anderes Recht. Bayern allein hat seine i Reservatrechte worunter das H e i m a t h« r e ch t bewahrt, aus das sich pochen läßt. Die Andern sind verkaust, bis wir den Handel rückgängig j machen.— Ph. H. Frtgn: Fr. 3,— sür Ab. 3 Qu. verwendet. 50 Cts. siehe Usdsquittg. Weitere» willkmmn.— C. B. Kbg: M. 6,— für 2 Ab. 3. Qu. erh.— S. Unruh: Bf. v. 2/7. erh. u. am 4/7. beautw. Alle« vorgem.— Rothbart: Nachr. v. 25/5. erh. Neue vorgem. Weitere« er. wartet.— I. R. Rorschach: Fr. 14,20 3 Abts. 3. Qu. u. div. Schst. erh.— C. Th. Sse: Fr. 3,85 Ab. 3. Qu. u. div. Schst. erh.— 50 Cts. j v. früher siehe Usds.— P P f Himmel--: Bs. v. 4/7. hier und erwidert. An Gespenster betr. L. glauben nicht,— aber—!— Rothhahn: Bs. v. 1. u. 4/7. erh. War bereit« so disponirt. Neueres durch den Flie- genden D.— In unserem Berlage ist soeben erschienen und durch uns, sowie durch die Expedition de«„Sozialdemokrat" zu beziehen: Karl Fourier. Ein Vielverkannter. Versuch einer Darlegung seines sozictären Jdeenganges im Lichte des modernen Sozialismus. Von Herman Greulich. (Separarabdruck au« dem„Jahrbuch sür Sozialwissenschast".) 72 Seiten 8°. Mit dem Bildnisse Fourier'« und einer Skizze seines Phalanstdre-Gebäudes» Preis: 50 Cts.--- 40 Psg. Volksbuchhandlung Hottingen-Zllrich. Ctattj. Vereint�uchdruckirii HuNinxin-Zilria Mt einer Beilage.