Srscheiat � � � � ALoanements Werden nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbare» wöchentlich einmal in Zürich iSchmeiz) Serlaz A. Serter, Hottingcn-Zürlch Der SoMldeMkrat Vierteljahrspreis von i Kr. 2.— für die Schweiz llkreuzbant) Mi. 8.— für Deu'iMand'Souvert) Kafinostrahe 8. M � �»r f-'• 70 für Oesterreich((Souvttl) - Fr. 2. SV für alle übrigen Länder de» �oflsrnduuge» /C W-ltpostv-rcinS(ftttujbonb). sranco gegen Iranco. E-wihnlich- Briese � �, ft i 1 i f(* /T* f* /**| U f 1 1» t f --ä- Jentral-Grgan der deutschen SozmldeMouraüe..... AO Donnerstag, 2t. Juli. iSM- Apis a« die korres?«lldelltell uud Kdouvellteu de«„Ioiialdemikrat".'MW Ta der Eozialdemoirat' sowohl in Deutschland alS auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen a!S Ntdglich an den.Sozialdemolrat', resp. dessen Verlag selbst adresstren, sondern fich mäglichst an irgend eine unverdächtige Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp.»riefe von dort an uns Adresse auherhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung seht! anderseits aber, da� und unsere ZeitungS. und sonstigen Sendungen nach dort abznsangen, so ist die äußerste Vorstcht im Postverlehr nothwendig und auch uns möglichst undersängliche ZustellungSadressen mitgetheilt werde». In zweiselhaftcn Fällen empfiehlt stch behuss größerer dar! keine VorfichtSmaßregel versäumt werden, die Bri-imarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt Sicherheit tiiekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller IN«. der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten gegenstehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unser» Abonnenten möglichst regelmäßig zu lt-sern. Der 23. Juli. „Unserm" Kaiser gewidmet. Unser theuerer Heldengreis weilt— wenigstens zur Zeit der Abfasiung dieses Artikels— am Bodensee.„Alle Stände', wie es heißt,„wetteifern, Allerhöchst demselben ihre Huldigungen darzubringen und die Versicherungen ihrer Liebe und Treue zu Füßen zu legen". Gar erbaulich lauten die Berichte über die Anstrengungen der guten Konstanzer, durch Feuerwerke, durch dra- matische Vorstellungen und v. Scheffel'sche Verse„die herzliche Liebe zwischen Fürst und Volk zu offenbaren". Auch wir fühlen unS bemüssigt. zu diesem Freudenfeste ein Scherflein beizutragen. Freilich nur in schmuckloser Prosa. Auch greifen wir nicht zurück in die„glorreichen" Zeiten Karls des Großen und nicht in die Barbaroffa's, um dm Heldenkaiser zu verherrlichen— wir lassen seine eigenen Thaten für ihn sprechen, seine Thaten in demselben Lande Baden, das ihm jetzt so entzückt zujubelt. 3'� Jahre sind es her, daß Wilhelm I., damals noch Prinz von Preußen, in Baden einzog, als Feind, mit der Exekution»- armee. Es war derselbe Prinz von Preußen, der ein Jahr vorher, in den Märztagen 1848, aus Berlin. ausgekniffen" war, wie sich Leute ausdrücken, deren Lieblosigkeit nicht einmal vor der Majestät zurückschaudert. Dieselben Leute treiben ihre Gemüth- losigkeit so weit, zu behaupten, seine Feigheit sei nur von seiner Habsucht übertroffen werden, und führen als Beweis an, daß zugleich mit ihm der Staatsschatz— a u s k n i f f. Verläumdung! Als Entschädigung für den im„Interesse des Staates" mitgegangenen Staatsschatz ließ er auf seinen Palast unter den Linden die Aufschrift„Nationaleigenthum" anbringen, damit derselbe vom„Pöbel" rcspektirt werde. Und der„rohe mordormnrrischc Pöbel" respektirte in der That daS„Nationaleigenthum". ES kennt eben noch nicht die Gesetze der„höheren Moral", nach denen Fürstm Staatsschätze verschwinden lassen können und doch ehrliche, nachahmungswürdige Men- schen bleiben. Ter musterhafte Prinz von Preußen kämpfte also 1849 in Baden gegen die von dem Polen MieroSlawSki befehligte Revo- lutionSarmee. Die Schlacht von Wag Häusel(21. Juni) war durch den Verrath der badischen Dragoner unter Beckert, welche mitten im Treffen zu den Preußen übergingen, unglücklich für die Revo- lutionsaimee ausgefallen. Die Letztere zog sich gegen die Festung Rastatt zurück und besetzte die Murglinie, im Ver- trauen auf Württembergs Neutralität. Ihr folgte die„Exe- kutionsarmee". Am 29. Juni wurde zwar deren Angriff zurück- geschlagen; am 39. Juni aber nahm sie, indem sie daS„neutrale" württembcrgische Gebiet betrat, die Murglinie und schloß die Festung Rastatt ein, die von einem großen Theil de» Revo- lutionshcereL besetzt war. Noch während der Dauer des Krieges wurden gefangene Aufständische erschossen. Im Gefechte bei Durlach wurden verschiedene Turner, die den Abzug der Revolutionsarmee deckten, von einem Kirchthum herab- geworfen und unten mit den Bajonetten gespießt. Rastatt leistete hartnäckigen Widerstand. Schon beorderte der Prinz von Preußen, um Bresche zu schießen, von Koblenz schwereres Geschütz, als die Regierungen von Oesterreich und Baiern gegen die Zerstörung der Bundesfestung kräftige Ein- spräche erhoben. Da gerieth ein Lieutenant auf die Kriegslist, auf der Murg wohlverschlosscne Flaschen mit Zeitungen hinab- schwimmen zu lassen, damit die Belagerten, wenn sie selbige auf- fingen, sich von dem gänzlichen Aufhören des Kampfes über- zeugien und dadurch den Muth verlören. DaS wirkte. Unter den Belagerten befand sich Corvin-Wierbitzki. Dieser brachte cS dahin, daß man ihn nebst dem Major Laupen damit betraute, fich am 18. Juli bei den Preußen als Parlamentäre zu melden und bis hinauf nach Freiburg und Konstanz zu reisen, um zu sehen, ob noch Entsatz möglich sei. Diese Reise machten die Ge- nannten in Begleitung eines preußischen Offiziers und zweier Unteroffiziere. Corvin gab bei seiner Rückkunft den Belagerten nicht nur Nachricht von der in Baden eingetretenen Grabesruhe, sondern er benachrichtigte sie auch, daß der Großherzog unterm 5. Juli eine Amnestie für Alle, welche sich bis zu einem be- stimmten Termin freiwillig unterwerfen würden, verkündet habe. Ferner wurde-in Kapitulationsvertrag auf Betreiben Korvins abgeschlossen, in welchem dm Belagerten volle Am- nestie zugesichert wurde. Nun ergaben sie sich auf Treu und Glauben und die Kapitulation ward am 23. Juli vollzogen. Bei dieser Feierlichkeit ritt der F-stungskommandant Tie de- mann dem an der Spitz- seines G-neralstabs haltenden preu- ßisch-n Geneial von der Gröben entgegen und üb-rli-ferte.hm seinen Tegm. Di- Festungskavallerie, welche absaß und die Offiziere teg.en ihre Säbel auf die Erde und d.e Infanten- stellte ihre Gewehre zusammen. Nachdem aber die Frei- schaaren ihr- Waffen abgeliefert hatten, wurden sie Räuber und Lumpengesindel genannt und als Gefangene in die Kasemctten der Festung einge- sperrt, wo sie auf das Erbärmlichste behandelt wurden. Der Prinz vor Preußen erklärte den Kapitulationsvertrag jetzt für ungültig, weil dieser nicht von ihm selbst, sondern in seinem Namen von einem Generalstabs off izier, Major von Alvensleben, unterzeichnet war! Dieser niederträchtige Wortbruch wurde am 23. Juli 1849 vollzogen. Nun wüthete das Standrechl mit preußischer Virtuosität. Der hochherzige Tiedemann aus Landshut wurde zuerst erschossen, nach ihm der Schriftsteller Elsenhans, der alte Bönning von Wiesbaden, Major Heilig, Gebhard Croner, Reff und viele Andere. Alle starben mit dem Rufe:„Es lebe die Republik!" In Freiburg blutete Max Dortu, in Mannheim fielen Trützschler, Streubel, Lacher, Dietz und Höfer unter den mörderischen Kugeln des Standrechts. Sollen wir unserem Gedmktag»och besondere Betrachtungen widmen? Wir glauben es nicht nöthig zu haben. Wir wollen nur an das letzte Wort des jungen Dortu erinnern, der den Soldaten, die ihn zu erschießen hatten, zurief: „Schießt gut, Brüder!" Was würde Max Dorm wohl denken und sagen, könnte er hören, wie die charakterlosen Huvrahschreier und Volksverräthcr, die heute denselben preußischen Prinzen mit Hosiannah begrüßen, den sie vor 32 Jahren am liebsten aufgehängt hätten, wie jene traurigen Sklavenseelen die Gräber der Standrechtsopfer von 1849 schänden und das Andenken der Tobten beleidigen, indem sie ihrem Henker zujubeln: „Dem Schirmherrn Deutschlands an des Südens Grenzmark, „Den nicht allein der goldne.--iegeSlorbeer, „Den auch des Eltervaters Pflicht erfreut, „Dem deutschen Kaiser Wilhelm Glück und Heil! „Heil seinen Kindern und den Kindeskindern." Anders sang man in Baden 1849. Ein Wiegenlied aus jener Zeit lautete: „Schlaf' mein Kind, schlaf' leis, „Da draußen geht der Preuß'! „Deinen Bater hat er umgebracht, „Deine Schwester hat er zur Hur' gemacht, „Deinen Bruder trieb er in's fremde Land, „Das HauS hat er uns niedergebrannt! „Schlaf' mein Kind, schlaf leis, „Da draußen geht der Preuß'!" Dieser Preuß' heißt heute: Wilhelm!., der Hütige. Baden-Baden. Ein Unversöhnlicher. Briefe vom Kriegsschauplatz. Leipzig, 17. Juli. Die Wahl Bebel'« im Landkreis und die Niederlage de« national- liberalen Vollblut-Kandidaten Krause in der Stadt Leipzig hat unsere Nationalliberalen ganz aus dem Häuschen gebracht. Letzteres Malheur vielleicht noch mehr al« das erstere, auf welche» sie halb vorbereitet waren. Zum ersten Mal seit es überhaupt Nationalliberale gibt, ist in der„Hochburg de« Nationalliberalismus" ein nicht nationalliberaler Kandidat gewählt worden. Uud Heine, der Krause geworfen, ist nicht nur kein National- liberaler, sondern sogar ein entschiedener Gegner des Nationalliberalismus. Beiläufig, als zoon politikon— politisches Thier— betrachtet, ein wunderbares Mischexemplar:— fortschrittlich, konservativ, sozialistisch, republikanisch, loyal-monarchistisch, kurz alles Mögliche, nur nicht bis- marckisch und nationalliberal. Kurios und so recht bezeichnend sür die beispiellose Gefinnungslofigke it unseres„liberalen" Bürgerthums ist der Umstand, daß derselbe Heine, welcher in Leipzig-Stadt gegen die Nationalliberalen kandidirte, in Leipzig-Land von ihnen„als einziger Kandidat der Ordnungsparteien" aus den Schild gehoben und eifrigst unterstützt ward. Dem ersten„S ch u b" ist bald der zweite gefolgt: zwei Tage vor der Wahl! Und da sage noch einer, die Berhängung des Belagerung«- zustande« habe nicht« mit den Wahlen zu thun! Das Vorgehen unserer Behörden in punoto des Ausweisens ist charak- teristisch. Hätte man gleich nach Proklamirung des„Kleinen" die auf der Liste stehenden zweihundert mit einem Male ausgewiesen, dann würde die Welt über die unerhörte Grausamkeit geschrieen haben, und — der Schlag war gefallen: die nicht Getroffenen hätten bald wieder ein gewisse« Gefühl der Sicherheit erlangt. Statt dessen ist man so„human", zu Anfang nur ein Sechstel der aus der Liste Stehenden auszuweisen; die übrigen kommen zu geeig- neter Zeit an die Reihe. Dies hat den doppelten Bortheil, daß die Regierungsorgane die „Mäßigung" betonen können, mit welcher die Behörden von dem„Aus- Weisungsrecht" Gebrauch machen; und daß gleichzeitig— da die auf der Liste befindlichen Namen geheim gehalten werden— da« peinlichste Gefühl der Unficherheit in Tausenden hervorgerufen wird. Niemand weiß, ob er auf der Proskriptionsliste steht, und Jedermann weiß, daß bei Entwersung der Liste die schamlosese Willkür gewaltet hat, daß also Jedermann auf der Liste stehen kann. Wie schamlos diese Willkür, davon haben Sie bereit» Proben gehabt. Unter den zuletzt Ausgewiesenen befindet fich ein Köjähriger Greis, Rabe in Zschocher, dessen einziges Verbrechen es ist, einen sozialdemo- kratischen Sohn zu haben; und ein Buchbinder, dem nichts anderes zur Last gelegt werden kann, außer, daß er sür ein sozialdemokratisches Ge- schäst rein geschäftlich thätig war. In dieser letzteren Infamie ist Methode. Die Sozialdemokratie soll sozusagen in gesellschaftliche und geschäftliche Quarantaine versetzt, und für die noch nicht„vergiftete" Bevölkerung zum Gegenstand des Abscheues und Schreckens gemacht werden. Der beabsichtigte Zweck ist indeß nicht erreicht worden. In allen, nicht von Servilität und Nationalliberalismus völlig durchseuchten Volks- kreisen haben die frevelhaften, durch nichts auch nur scheinbar gerecht- fertigten Gewaltmaßregeln, statt der erhofften Zustimmung, die lebhafteste Enttüstung hervorgerufen. Bei der Wahl Bebels im Landkreis hat diese Entrüstung mitgesprochen, und bei den kommenden Reichstagswahlen wird sie mitsprechen.— Ohne die geradezu russischen Zustände, die seit einiger Zeit in Dres- den herrschen, würde die Sozialdemokratie am 12. ds. zwei weitere Siege erfochten haben: im Dresdener Landkreis und in einem Dresdner Stadtkreis. Wie die Dinge lagen, war der Kampf zu ungleich— trotzbrachten wir es auch dort, zu einer bedeutenden Stimmenzahl. Ich sagte: es herrschen russische Zustände in Dresden. DaS ist keine Uebertreibung. Hören Sie nur: Daß nach und nach Schlüter, Kayser, Zumbusch, fünf andere„Führer" und schließlich noch Kegel hinter Schloß und Riegel gebracht worden, das war für unsere Staats- und Gesellschastsretter noch nicht genug: die Partei mußte ihrer Presse beraubt werden. Die Buchdruckerei Zumbusch u. Co. wurde in der Woche vor der Wahl von der Polizei förmlich belagert, uud bei einem Einbruch in das Geschäft fiel den unisormirten Einbrechern ein im Druck befindliches Wahlflugblatl für Bebel in die Hände, das, trotz seines ganz unverfänglichen Inhalts, natürlich sofort verboten wurde.— Doch dies war nur die Einleitung. Nach dem Verbot des Flugblatts und nach obligater Ausplünderung der Druckerei erklärte die Polizei, da» verbotene Flugblatt sei dem Ver- böte zuwider weitergedruckt worden. Und auf Grund dieser u n- wahren und unsinnigen, durch nichts unterstützten Behauptung wurde das sämmtliche Personal der Druckerei und Expedition verhaftet und da« Geschäft selbst, von dessen Theilhabern und Arbeitern kein einziger mehr in Freiheit war, von der Polizei geschlossen—„im Interesse des(herrenlosen!) Eigenthums!" Ebensalls im Interesse des„Eigenthums" wurde das in der Druckerei- lasse befindliche Geld bis auf den letzten Pfennig weggenommen. Und das Alles am Freitag, d. h. vier Tage vor der Wahl, am Vor- abend des eigentlichen Wahltampses, der in der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag beginnen sollte. Die braven Dresdener Genossen ließen sich aber nicht entmuthigen. Ungeachtet der Schließung der Druckerei gelang es, neue Flugblätter und die nöthigen Stimmzettel herzustellen. Frischen Muths ging es an die Vertheilung und an die Landagitation. Seitens der Amlshauptmannschaft wurden die Polizeiorgane und Ge- meindevorstände angewiesen, die Verbreiter der verbotenen sozialdemokra- tischen Flugblätter— inzwischen war auch unser Flugblatt für den an- deren Dresdener Wahlkreis(Stadt), wo Münch ausgestellt war, verboten worden— zu verhaften. Und dies wurde— gewiß nicht zum Aerger der Herren von der Amlshauptmannschaft— von den Polizeiorganen und Gemeindevorständen so aufgefaßt, als sei die Verbreitung jedes sozial- demokratischen Flugblatts, ja selbst der sozialdemokratischen Stimmzettel verboten. Demgemäß begann, namentlich in dem Dresdener Landkreis, eine Hetz- jagd auf unsere Genossen, wie Aehnliches noch bei keiner Wahl vorge- kommen. Zehn unserer Leute wurden verhaftet, Dutzende durch Polizei und Gensdarmerie am Verlheilen gehindert. Es half jedoch Alle« nicht; die Verbreitung der Flugblätter und Wahl- zetlel wurde nichtsdestoweniger bewerkstelligt. Und das Wahlresultat wäre trotz alledem in beiden Dresdener Kreisen ein für uns günstiges gewesen, hätte die Regierung nicht amtlich, d. i. durch ihre Zeitungen und Be- amten, die Losung ausgegeben: Wer für den Sozialdemokraten stimmt, stimmt sür den Belagerung«- Zustand. Durch diese Drohung, deren Lächerlichkeit wir bei dem Mangel einer Presse den Wählern nicht demonstriren konnten, wurden hunderte von Wühlern, die unter normalen Verhältnissen sür unseren Kandidaten ge- stimmt hätten, von der Wahlurne ferngehalten und der Sieg uns entrissen. Die sächsische Regierung wird in der nächsten Landtagssession für diese Reihe von Attentaten aus die Freiheit der Wahl, auf das Gesetz Rede und Antwort zu stehen haben! Nachschrift. Der Fall Goldhausen ist Ihnen bekannt. Jetzt sucht die amtliche„Leipziger Zeitung" dieses schreiende Unrecht damit zu moti- viren, daß ein Wahlaufruf für Bebel in der Goldhausen'schen Druckerei gedruckt worden sei. Nun wurde aber dieser Aufruf erst nach der Aus- Weisung Goldhauseu's gedruckt, kann also unmöglich den Grund zur Ausweisung geliefert haben; und zweitens ist der Wahlaufruf(sür den Leipziger Landkreis) gar nicht verboten worden, enthält also nichts, was selbst nach dem Sozialistengesetz ein Verbot rechtfertige» könnte. Unsere Behörden müssen ein sehr schlechtes Gewissen haben, daß sie ihre Vertheidigung nicht besser zu führen wissen. Wenn man einmal Gewalt- und Willkürakte verübt, dann soll man auch entweder die Courage haben, sich offen auf den Standpunkt der Gewalt und Willkür zu stellen, oder da» Geschick, die Willkür- und Ge- waltakte jesuitisch zu beschönigen. Die sächsischen Behörden haben weder dieses Geschick noch jene Courage. Das 5sodles«soblij»e hat sein ergänzendes Pendant. Nicht die Noblesse legt Pflichten aus, sondern auch das G e g e n t h e i l der Noblesse, namentlich wo es sich in Amt, Würden und auf dem Geld» sack spreizt und staats- und gesellschastSretterische Allüren annimmt. Wenn nicht Pflichten des Anstand«, doch wenigstens Pflichten der Logik, oder richtiger der S o p h i st i k. Briefe eines Achtundvierzigers. Berlin, 16. Juli 1881. Ein Glück, daß das„Le ridicule tue" der Franzosen für unser Deutschland, die fromme Kinderstube, nicht gilt, sonst wäre unser Ober* Revolutionär, der sogenannte„eiserne Kanzler", der aber in Wirklichkeit ein hasenherziger Angstmeier ist, jetzt dem Schauplatze seiner segensreichen Umsturz*Thätigkeit entrückt. Das letzte„Atteniat" war aber etwas zu lächerlich. Eine gesprungene Waggonfeder, die mit einer Dynamitpatrone, ein ehrsamer Schaffner, der mit einem Nihilisten verwechselt wird— das ist wahrhaftig zu arg! Und dann der komische Schrecken, der sich aus dem Gesichte des „Eisernen" malte, als er nach dem unheimlichen Knall an das Waggonfenster gestürzt kam, und leichenblaß, sprachlos vor Enffetzen, krampfhaft die Thüre zu öffnen versuchte, um den vermeintlichen Mördern zu entrinnen! Es war ein Schauspiel für Götter und sündige Sozialdemokraten. Das„Attentat" passirte bekanntlich auf der Fahrt nach Kissingen. Ganz erholt hat der„Eiserne" sich bis auf den heutigen Tag noch nicht von dem fatalen Abenteuer, das übrigens nicht ohne Folgen sein dürfte. Gegen den Fabrikanten, welcher den betreffenden Waggon mit der Attentats-Feder geliefert hat, soll ein Hochverraths- und Mordanfalls- Prozeß intendirt sein. Und des weiteren vernimmt man, daß der „Eiserne" sich den Genuß des sonst so verehrten Champagners abgewöhnt hat, weil der Psropsen zu lebhast an Dynamitpatronen erinnert. Wie gut, daß der heilige C o g n a k nicht explosiv ist!— ** � Recht spassig ist die neueste E u c y c l i c a des Papstes. Sie wirft Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus, Nihilismus, kurz alle modernen i s m e n, gute und schlechte, xäts mels in einen Topf, und leitet das ganze Uebel der Welt aus der Reformation her. Darnach wäre der protestantische Fürst Bismarck ein Sozialist, Kom- munist, Nihilist— was ja nicht so ganz unrecht. Im höchsten Grade ergötzlich ist die Entrüstung unserer Liberalen über diese„Insulten", diesen„Faustschlag" ins Gesicht des protestantischen Prinzips. Der Papst hat eben mehr Logik als die Herren Liberalen, deren starke Seite die Logik nie gewesen ist, so wenig wie die Konsequenz. Freilich, es ist nur die Logik des Unsinns.— Wenn übrigens die Herren Liberale» aus dem kuriosen Aktenstück Kapital für den Kulturkampf zu schlagen hoffen, so täuschen sie sich sehr. Der reaktionäre Staat de« Herrn Bismarck ist dem bürgerlichen Libera- lismus gerade so feindlich wie der unfehlbare Papst, und daß der unfehl- bare Papst die Welt in religiöser und wiffenschaftlicher Beziehung hinter die Reformation zurückschrauben will, kann dem genialen Staatsmann sicherlich nicht mißfallen, der dasselbe Ziel auf politischem und wirthschaftlichem Gebiete verfolgt. *** Es steht fest, daß noch vor der Reichstagswahl, die nicht vor Oktober, vielleicht später stattfindet, der Belagerungszustand Uber eine Reihe von Städten und Jndustriebezirken verhängt werden soll. Haupt- lich mit Rücksicht hierauf wird der Bundesrath Anfangs September wieder zusammentreten. En attendant hat die sächsische Regierung für„ihr" Land eine Anzahl Blanco-Vollmachten zur Benutzung ä discretion erhalten. Sie glaubt aber ohne weitere Applikation des„Kleinen" fertig zu werden. Daß sie fertig werden wird, glauben wir auch. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 20. Juli 1881. — Die Antwort auf den Belagerungszustand in Leipzig ist am 12. Juli gegeben worden. Der östliche Leipziger Landkreis für die sächsischen Landtagswahlen hat mit glänzender Majorität den Kandi- baten der Sozialdemokratie, den ausgewiesenen Bebel gegen den Kandidaten der vereinigten Ordnungsparteien gewählt. Wenige Tage vor der Wahl hatten die Männer des Ausnahmegesetzes noch 22 neue Ausweisungen verfügt, um unsere Partei durch den Schrecken zu lähmen. Es war aber Alles umsonst. Umsonst setzten sie Himmel und Hölle in Bewegung, verbreiteten die unverschämtisten Lügen, beschränkten sie die Freiheit der Wahl, hetzten unsere„Agitatoren", legten der Verbreitung der Wahlflugblätter und selbst der Stimmzettel jedes mögliche Hinderniß in den Weg— umsonst ließen sie mehrere Träger von Flugblättern und Stimmzetteln am Tage der Wahl, oder unmittelbar vorher, verhaften— die sozialdemokratischen Wähler blieben unerschütterlich fest, und der Sieg blieb unser. Die ganze Umgebung von Leipzig, welche für die Reichstagswahlen einen Wahlkreis bildet, ist nun im Landtag durch zwei Sozialdemokraten vertreten: durch den jetzt gewählten Beb eck und den vor zwei Jahren in der— westlichen— andern Abtheilung gewählten Liebknecht. Damit Feuilleton. Die„nütiovare" Bewegung in Böhmen. Ii. Im Jahre 1848 zeigte es sich deutlich, wie Oesterreich als ein lieber- rest aus der Periode, in welcher die Völker noch nichts in die Staats- Verwaltung dreinzureden hatten, daß Oesterreich �als ein wesentlich zu- sammengeheiratheter und zusammengestohlener— siehe Galizien— Staat, der nicht durch die Bande der Nationalität oder Interessengemeinschaft, sondern nur durch die Dynastie zusammengehalten wird, daß der zu Grunde gehen muß, bevor seinen Einwohnern wirkliche politische Freiheit zu Theil werden kann. So oft man den Habsburgern Zugeständnisse abgerungen hatte, benutzte man sie regelmäßig dazu, sich gegenseitig zu unterdrücken und wieder dem Absolutismus zuzuführen. I n O est e r- reich i st nur der Absolutismusmöglich, und da dieser heutzutage unmöglich ist, ist auch Oesterreich un möglich. Das Jahr 1848 zeigte denn auch in Oesterreich eine heillose Konfusion. In Böhmen waren die Tschechen anfangs revolutionär, die Deutschen in Prag schlugen sich dagegen auf Seite des Mordbuben Windischgrätz, als derselbe Prag beschießen ließ. Als aber derselbe Windischgrätz gegen Wien zog, um dieses niederzuschmettern, waren die vor kurzem noch revo- lutionären Tschechen aus seiner Seite. Aehnlich verhielt es sich mit den Kroaten und Ungarn. Kein Wunder, daß die Erhebung in Oesterreich bald niedergeschlagen war, mit Ausnahme der der Ungarn, dem einzigen ausschließlich österreichischen Volksstamm, der einen größeren geschlossenen Landkomplex bewohnt. 1880 kam endlich die deutsche Bourgeoisie in Oesterreich zur Herr- schaff, nachdem das Jahr 1859 die Unmöglichkeit dargethan hatte, blas auf das Militär und die Büreaukratie gestützt, zu regieren. Das Jahr 1867 befestigte diese Herrschaft für die westliche Reichshälfte, indem man den Ungarn die östliche mit mehr als fünf Millionen Slaven und drei Millionen Rumänen überließ. Nun begannen in Cisleithanicn die Orgien der deutsch-liberalen Bour- geoisie unter dem„Bürgermiuisterium". Wer da weiß, wie albern sich diese selbe Bourgeoisie in Deutschland während und nach dem„heiligen" Krieg gegen den„verkommenen Erbfeind" benahm, wie tölpelhaft brutal dieselbe jetzt gegen die„Semiten" austritt, dann wird man begreifen, daß dieselbe ihre Herrschast über die Slaven in einer Weise übte, die den haben wir den Leipziger Landkreis auch für die bevorstehenden Reichs- tags wählen erobert. Die Herren in Dresden und in Berlin wissen jetzt, was das Volk über sie und ihr Treiben urtheilt. Die volle Bedeutung unseres Sieges tritt erst dann hervor, wenn man erwägt, daß die Landtagwahlen nicht nach allgemeinem Stimmrecht statt- finden. Landtagswähler in Sachsen ist nur, wer an direkten Landes- steuern mindestens 4'/, Mark jährlich— 3 Mark fixe Steuern und 1'/, Mark sogenannten Zuschlag— bezahlt, ein Zensus, durch welchen im Ganzen ungefähr zwei Drittel sämmtlicher Reichstagswähler von dem Wahlrecht für den Landtag ausgeschlossen werden. Die Ausgeschlossenen sind aber durchweg Sozialdemokraten. Und den- noch hat die Sozkaldemokratie gesiegt. Hierzu kommt noch, daß die vereinigten Ordnungsparteien uns in der Person Heine's, der sehr populär ist und infolge seiner vortrefflichen Privateigenschaften auch unter der Arbeiterklasse viele Sympathien hat, den denkbar gefährlichsten Gegenkandidaten gestellt hatten. Und doch hat die Sozialdemokratie gesiegt. Dieser Sieg ist ein imposanter Protest gegen die Ver- häng ung des Belagerungszustands. Er zeigt, daß die Bevölkerung von der schmachvollen Reaktionswirth- schaft nichts wissen will, und daß die Organisation der Sozialdemokratte durch keine Verfolgung erschüttert werden kann. Nach ihrer Niederlage erlaubten sich die vereinigten Ordnungsparteien das kindliche Vergnügen, die Gültigkeit der Wahl Bebels zu be- streiten, indem sie erklärten, derselbe entrichte bloß 17 Mark direkter Landessteuern, während das sächsische Wahlgesetz die Landtags wähl- b a r k e i t an die Zahlung von mindestens 30 Mark jährlich knüpft. Aber das war nur ein Parthischer Pfeil, den der geschlagene, fliehende Feind abschoß. Es ist wahr, Bebel bezahlt nur 17 Mark. Durch einen strafbaren Amtsmißbrauch war dies in die Oeffentlichkeit gelangt. Allein das sächsische Landtagswahlgesetz vom Jahre 1868 bestimmt: „s 5. Insoweit Wahlrechte von dem Eigenthum eines Grund- siückes oder der Enlrichttmg eines gewissen Abgabenbelrages abhängen, ist dem Ehemann und Vater der Grundbesitz seiner Ehefrau und der in seiner väter« lichen Gewalt befindlichen Kinder, sowie die für Ehefrau undKinder zu entrichtende Steuer anzurechne n." Und „tz 20. Die Wählbarkeit wird außer den§ 4 bemerkten — hier nicht in Frage kommenden— Voraussetzungen serner dadurch bedingt, daß der zu erwählende an Grundsteuer von ihm eigenthümlich zugehörigen inländischen Grundstücken, oder an direkten Personallaudesabgaben, oder an beiden zusammen wenig- stens zehn Thaler jährlich— ohne den Zuschlag von 50 Prozent— entrichtet fvergleiche iibrigea« Paragraph»>. Bei Be- rechnung dieses leiden die Vorschriften im— hier nicht in Frage kommenden—§ 19, Absatz 2 und 3 analoge Anwendung." Nun ist aber Bebels„Ehefrau" juristisch die Inhaberin eines Theiles des Geschäfts„Jsleib und Bebel" und bezahlt als solche das vier- und fünffache des von dem sächsischen Landtagswahlgesetz für die Wählbarkeit vorgeschriebenen Steuerbetrags. Nach dem sächsischen Landtagswahlgesetz muß dieser Betrag dem„Ehemann" Bebel„angerechnet" werden, welcher demnach die Bedingungen des sächsischen Landtagswahlgesetzcs, zum un- sagbaren Aerger der Feinde, übergenügend erfüllt. Uebrigens würde es unserem Sieg keinen Abbruch gethan haben, auch wenn Bebel wirklich nicht wählbar gewesen wäre. Unseren Sieg vom 12. d. M. kann man uns nicht entreißen, und im Falle der Ungiltig- keitserklürung hätten wir einfach am Tage der Ersatzwahl einen neuen Sieg erkämpft.— Denn die Behauptung der reaktionären Blätter, der Gegenkandidat wäre dann einfach als gewählt zu betrachten, ist total falsch, wie ein Blick auf die unalo,� erste Wahl Liebknecht s lehrt. Bekanntlich wurde dieselbe— im Jahre 1877— deshalb kassirt, weil Liebknecht noch nicht die erforderlichen drei Jahre Staatsangehörig- keit aufweisen konnte. Die Reaktionäre, obenan natürlich die National- liberalen, verlangten damals, gerade wie jetzt bei Bebel, die für Lieb- knecht abgegebenen Stimmen sollten sans fagon als nicht vorhanden, und der Gegenkandidat als gewählt bettachtet werden. Die Regierung weigerte sich jedoch, diesem Vernunft- und gesetzwidrigen Ansinnen zu entsprechen: sie ordnete, ohne den Zusammentritt des Landtags abzu- warten, aus eigener Initiative eine Neuwahl an, au« welcher F r e y t a g als Sieger hervorging. Genau so hätte auch jetzt verfahren werden müssen. Und die Sozialdemokratie hätte zwei Siege erkämpst statt eines. — Der Liberalismus hat in Teutschland gründlich abge- wirth s chastet. Sowohl in Sachsen als auch in Bayern ist er bei der letzten Landlagswahl gründlich geschlagen worden. Die Konser- vattven, die jetzt in Sachsen, und die Ultramontanen, die in Bayern die Majorität im Landtag haben, sind zwar um kein Jota besser, aber viel schlimmer als die Liberalen werden sie es auch nicht machen. Vielmehr werden sie sich ebenso schnell, ja wahrscheinlich noch schneller als diese abwirthschaften. Und dazu: Glück auf! — I e tz t i st' s h e r a u s! Es hat zwar ein bischen lange gedauert, fast drei Wochen, bis es der erstaunten Welt kund gethan wurde, aber nationalen Fanatismus nichts weniger als einschläferte. Die Periode des„Bürgerminifteriums", diese allseits als die des Ideals der Freiheit von den Liberalen bezeichnete Periode, ist denn auch in Böhmen durch den Belagerungszustand in Prag, durch unzählige Konfiskationen lschc- chischer Zeitungen, durch zahlreiche mehrjährige Kerkersttafen tschechischer Schriftsteller gekennzeichnet. Die Liberalen haben die Gesetze gemacht und die Praxis eingeführt, über die sie jetzt so wimmern, weil sie gegen sie angewender werden. Und doch hat es das reaktionäre Ministerium Taafse noch nicht gewagt, so weit gegen die Deutsch-Liberalen vorzugehen, als diese seiner Zeit gegen die Tschechen vorgegangen sind. So war es z. B. eine beliebte Praxis unter der„liberalen" Aera, tschechische Schriftsteller, die man gerne ver- urtheilt wissen wollte, und deren Freisprechung durch eine tschechische Jury man fürchtete, vor deutsche Geschworuengerichle zu verweisen. Heute noch»erfährt man so gegen die Jrredmristen, ohne daß eine Stimme der Enttüstung laut wurde. Man stelle aber einmal den Redak- teur der„Neuen Freien Presse" vor ein tschechisches Schwurgericht, und es wird sich ein Zetergeschrei erheben, als wäre jetzt erst die Freiheit in Oesterreich bedroht, die ja doch faktisch bisher nur für die Deutsch-Liberalen bestanden hat. Tie Tschechen waren bis zum Regime Taaffe— mit Ausnahme der kurzen Hohenwartschen Episode— in Oesterreich den schmerzlichsten Temü- thigungeii� ausgesetzt. Ihr Name war zu einem Schimpfwort geworden, deutsche Schuljungen, noch feucht hinter den Ohren, sprachen ihnen in „liberalen" Blättern jede Befähigung zu höherer Kultur ab und erklärten Erdarbeiten und Zicgelstreichen als ihre„natürliche" Beschäftigung. Wahrlich, es klingt höchst lächerlich, wenn die Deutschliberalen, nachdem sie in Folge ihrer Unfähigkeit und Feigheit die Herrschaft an eine slavisch- klerikale Koalition abtreten mußten, über Vergewaltigung und Exzesse seitens der Tschechen klagen, deren nanonalen Fanatismus sie selbst künstlich auf's höchst mögliche Maß gesteigert haben, nachdem ihn schon eine tausendjährige Entwicklung mehr als wünschenswerlh entwickelt hatte. Noch lächerlicher aber ist es, wenn unsere christlich-germanische Studenten- schaft, deren Fäuste noch die Spuren antisemitischer„Kundgebungen" tragen, höchst entrüstet über die Rohheit des tschechischen„Pöbels" thut. Wir wollen damit natürlich die Vorgänge in Prag nicht beschönigen und noch viel weniger das Regime des Herrn Taaffe entschuldigen. Die Tschechen benehmen sich heute ebenso albern und flegelhaft gegen die Deutschen, als diese sich früher ihnen gegenüber benommen halten, und Graf Taaffe ist um kein Haar besser als Herbst und Konsorten. Doch nicht um eine moralisirende Beurtheilung der jüngsten Borkomm- niffe hanvelt es sich, sondern aus ihnen für die weitere Entwicklung desto glänzender steht sie jetzt vor der Welt da— die sächsische Regierung nämlich, ob der Verhüngung des„Kleinen" über Leipzig. Schauerlich sind die Enthüllungen, die sie jetzt durch ihr offiziöses Mundstück,„Leip- ziger Zeitung" genannt, zum Besten gibt. Ist es nicht entsetzlich, daß es in 21 Orten der Amtshauptmannschaft Leipzig 76 mehr oder weniger entschieden sozialdemokratische Gemeinderathsmitglieder gibt'? Muß sich nicht jedem ehrsamen Spießbürger jedes Haar auf dem Haupte einzeln sträuben, wenn er erfährt,„bei Berathung des Wahlorganisatiousplanes für Leipzig sei die Eventualität einer„allgemeinen Erhebung" für den Fall, daß man das Asylrecht in der Schweiz und andere Freiheiten aufhebe, ausdrücklich in Betracht gezogen worden'?" Man denke: in Bettacht gezogen! Schauderhaft. Aber das ist noch nicht das Schlimmste; daß es den Verruchten Ernst war, beweist die fernere„That- fache", daß„die Führer der Sozialdemokraten häufig in Leipzig zusam- mengekommen sind(scheußlich!) und geheime Berathungen gepflogen ha« ben(unerhört!), an welchen öfters— und nun kommt das Fürchter- liche— aus Rußland einige Führer der nihilistischen Partei theil- genommen hatten!" Na, wenn das noch nicht genügt, um den„Kleinen" zu rechtfertigen, dann mag der Teufel— offiziöse Blätter schreiben! Woher sie nur wieder dahinter gekommen ist, die sächsische Polizei! Der Guten bleibt doch nichts verborgen. Nun sie es einmal weiß, dür- fen wir es offen eingestehen: Ja, es ist wahr; noch zwei Tage vor der Proklamirung des„Kleinen" fand eine solche„geheime" Sitzung statt, zu der nicht nur Hartmann aus London und Vera Sassulitsch aus Paris erschienen waren, sondern an der auch Trigonja und Jessja Helfmann Theil nahmen, nachdem ihnen— soweit geht die Humanität der russischen Behörden— extra ein Urlaub zu diesem Zweck bewilligt worden war. Und wer nun noch daran zweifelt, daß die Ver- hängung des„Kleinen" so berechttgt war, wie die Ausweisung jenes 65jährigen Mannes, dessen gleichnamiger Sohn Sozialist ist, der ver- dient, selbst ausgewiesen zu werden. — Das Tschechenblatt„Politik" erklärte, um die Deutschen zu höhnen, den Belagerungszustand als echt germanische Ein- richtung. In Berlin, Hamburg und Leipzig, da gilt es also die nationale Ehre wiederherzustellen, an der Spree sitzt der Erbfeind, nicht an der Seine oder der Moldau. — Der Einfluß der k a p i t a li st i s ch e n P r o d u k l i o n s- weise auf die Moral wird deutlich illustrirt durch die Verbrecher- statistik. Die Zahl der Verbrechen in Preußen bettug in dem guten Jahr 1872 blo« 8,198(1871 gar nur 6,403, doch ist zu bedenken, daß der Krieg viele Verbrecher von ihrer Thätigkeit im Innern abgelenkt hat) stieg jedoch mit dem Eintreten der Krise in rascher Folge und erreichte 1878 die furchtbare Höhe von 14,022. Und zwar sind es gerade die Jndustriebezirke, in denen die Krise am furchtbarsten wüthete, wo die Verbrechen am meisten zugenommen haben, Kotzdem, wie die Statistik lehrt, die industrielle Bevölkerung weniger zum Verbrechen neigt, als die ländliche— ein Resultat, welches den Herren Konservativen aller- dings sonderbar erscheinen dürste. 1866— 68 entfielen Verbrechen auf Einwohner Provinz Preußen 1607 Brandenburg 1579(I) Pommern 2277 Posen 1827 dagegen in den industriellen Provinzen Rheinland 2919 Sachsen blos 3189 1876— 78 dagegen hat sich das Bild geändert. In Brandenburg blieb sich die Zahl der Verbrechen gleich. Abgenommen dagegen hat sie in Preußen, wo. 1 Verbrechen nur mehr aus 190l Einwohner kam, 1„ 6122„„ in Pommern 1„„"„ k r 33„„ in Posen. Zugenommen dagegen haben die Verbrechen in folgenden Provinzen, wo 1 Verbrechen aus Einwohner entfiel: 1876—78 1866—68 in Schlesien aus 1673 Einwohner 2157 „ Sachsen„ 2195„ 2157 im Rheinland„ 1992„ 2919 Die Zunahme ist entsetzlich— sie ist nawrnothwendig mit dem Elend der kapitalistischen Produktionsweise verknüpft— und sie wird erst aufhören, bis dieses Elend der kapitalistischen Produktionsweise hinweggefegt ist. — Wie die Bourgeoisie sich und die Welt betrügt. Aus Zwickau läßt sich die„Leipziger Zeitg." schreiben: In den seit Mitte Mai aus Staatsmitteln eingerichteten Lehrwerkstätten für Korbflechterei in seiner und mittelseiner Waare ist die Arbeit in vollem Gange. Gegen 40 Lehrlinge(männliche und weibliche) von 14 bis in die zwanziger Jahre arbeiten mit Lust und Liebe und, da sie alle der Weberbranche, welche ja Verwandtes mit der Flechterei hat, angehörten, auch mit Geschick. Dem Versuche, einen neuen Industrie- zweig hier einzuführen, wird es an Erfolg nicht fehlen, da in 1'/, bis 2jährigem Unterricht die Lehrlinge so weit ausgebildet werden, daß sie selbstständig arbeilen können. An Verlegern für fertige Arbeit wird es, wie es den Anschein hat, auch nicht fehlen." Noch nicht 40 Lehrlinge— und der Mülsengrund zählt Oesterreicks die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Und diese sind aller- dings für die Anbänger de« österreichischen Staatsgedankens nicht sehr ttöstlich. So wie die ganze historische Entwicklung seit 1848, beweisen auch die Ereignisse der letzten Jahre, der Versöhnungsaera, daß in Oester- reich und namentlich in Böhmen eine Aera der Versöhnung aus Grund- läge der herrschenden Parteien unmöglich ist. Es ist nicht möglich, daß die Deuffchliberalen und die Tschechisch liberalen ruhig zusammenwohnen, der eine von ihnen muß stet« den ammer spielen, wenn er nichi den Ambos spielen will. Jede der beiden arteten sinnt, so lange sie unterdrückt wird, aus Rache, um dieselbe zu bethätigen, wenn sie an's Ruder kommt und so die Kette der Repressalien und Rekriminarionen ins Unendliche zu verlängern. Es gibt in Böhmen, wie überhaupt in Oesterreich nur einen Stand, nur eine Partei, die eine Aera der Versöhnung inauguriren könnten, das sind die industriellen Arbeiter, da? ist die S o z i a l d e m o- k r a t i e. Die sozialdemokratischen Arbeiter Böhmens haben ihre internationale Gesinnung in der Versöhnungsaera auf das Glänzendste bethätigt, allen nationalen Traditionen zum Trotz, und so sehr auch ihre Aufgabe da- durch erschwert wurde, daß der nationale Gegensatz in Böhmen auch häufig einen sozialen birgt. Tie Großindustrie ist nämlich daselbst vorwiegend in deutschen Händen, wie dieß der Ausfall der Handels- kammcrivahlen aufs deutlichste zeigt; die Arbeiter, Kleingewerbtreibenden und Lauern find dagegen, die rein deutschen Bezirke natürlich aus- genommen, fast durchgängig Tschechen. Trotzdem haben sich die tsche- chischen Arbeiter nicht abschrecken lassen, ihren deutschen Brüdern die Hände zu reichen und damit zu tokumentiren, daß sie eine neue Welt- anschauung vertreten. Die Bourgeoisie, groß geworden, in dem Be« stteben nach Losreißung von Rom und nach nationaler Einheit und Selbständigkeil, muß naturgemäß national gesinnt sein. Tie Herrschaft der Bourgeoisie muß daher in einem Lande, in dem der nationale Gegen- sah ein urälter ist, denselben noch verschärfen. Nur mit Beseitigung der großen und kleinen Bourgeoisie kann auch der nationale Friede� die Versöhnung in Oesterreich hergestellt werden: Dann freilich zu spät. Denn der Sturz der Bourgeoisie wird unter so gewalligen Konvulsionen vor sich gehen, daß sie Oesterreich in Ztticke reißen werden, wenn diese Zerstückelung nicht den Sturz der Bourgeoisie einleiten sollte. 8. ca. 10,000 balbverhungerter Weber! Dcs nenn:...7N o"f deutsch: Ein Tropseu Wasser in's Fegefeuer. — So kurze Zeit auch die Einkommensteuer im Königreich Sachsen besteht, sie liefert bereits lehrreiche Ergebnisse. Die Zahl der Einkommen unter 1100 Mark ist die einzige, die sich stärker vermehrt hat, als die Bevölkerung; sie betrug 1878 852,875, 1879 dagegen 927,494. Die Durchschnitt�öhe dieses geringen Ein- kommens hat sich dagegen vermindert, von 526 Mark 1878 auf 509 Mark 1879. 509 Mark das jährliche Durchschnitt seinkommen (nicht das niedrigste Einkommen) von 927,494 Erwerben den, deren keiner mehr 1100 Mark einnimmt! Zugenommen haben dagegen in dieser Periode des allgemeinen Elends die Vermögen der Reichen. Die geschätzte(bekanntlich bei den großen Vermögen stets zu niedrig geschätzte) Dnrchschnittshöhe der Einkommen Uber 100,000 Mark betrug 1878 241,913 Mark, 1879 dagegen 248,403 Mark. Diese Herren werden also von der Krise nicht betrosten, ihren Aussall wissen sie stets durch Lohnherabsetzungen — mit Rücksicht auf die schlechten Zeiten— weit zu machen! Lohn- Herabsetzungen zugleich mit Zunahme der großen Ver- mögen— Arbeiter-, merkt Euch's, wernicht nur dastechnische, sondern auch das geschäftliche Risiko der industriellen Unternehmungen zutragenhat! � — Stumm ging herum wie ein brllllender Löwe und suchte, wen er verschlinge. Und da kam ihm entgegen ein harmonisch-harmloser Hirsch. Allsogleich ließ Swmm ein GebrUll in Gestalt eine« Utases los, der also lautet: „An die Arbeiter! Am hiesigen Orte soll sich ein Ableger jener b e- r ii ch t i g t e n Gewerkvereine gebildet haben, deren englische Vorbilder weit über das Maß der s o z i a l d em o k r at is ch e n A u s- schreilungen hinaus nicht vor den gewaltthätigsten Verbrechen zur Erreichung ihrer Zwecke zurückgeschreckt sind. Wohl ließ der klägliche Erfolg, den der u n d e u l s ch e Demagoge Hirsch bei uns erzielt hat, die Gewerkvereine diese blutigen Wege in Deutschland b i s jetzt noch nicht wandeln. Aber auch in unserem Vaterlande haben die Gewerkvereine in ihrem beschränkten Kreise das Verhältniß der Ar- beiter zu ihren Arbeitgebern vergiftet: sie haben hunderte bis dahin steißige und solide Arbeiter in Roth und Elend gestürzt und eine noch weit größere Zahl dazu verleitet, ihre mühsam ersparten Groschen in Jnvalidenkasten abzuführen, welche keine Sicherheit für die Erfüllung der übernommenen Verpflichtung gewähren. Unter der Maske„Freiheit" erstreben die Gewerkvereine gleich ihren sozialdemokratischen Genossen die äußerste Knechtung des Einzelnen durch eine von gewissenlosen Agitatoren geleitete Majorität. Unter diesen Umständen halte ich es für meine Pflicht, die bisher von meiner Firma gegen sozialdemokratische Agitationen gerichteten Bekanntmachungen auf die Hirsch'schen Gewerkvereine und alle Diejenigen, welche dieselben direkt oder indirekt unter- stützen, ausdrücklich auszudehnen." Armer Hirsch! Deine Weisheit besteht darin, uns zu predigen, daß die Äapitalswölfe gar kein Fleisch fräßen, wenn man mit ihnen heule, und nun zerfleischen sie auch Dich trotz Deines Harmoniegeheuls. Ja, lieber Max, ein Wolf bleibt ein Wolf, selbst wenn er wie ein Schas aussieht, und sein Heißhunger wird zu Zeiten so groß, daß er nicht einmal die eigenen Lockvögel verschont. — Preußische Reptile. Dieses Gelichter macht sich in neuester Zeit ganz unverschämt breit, Grund genug, die saubere Gesellschaft wie- der einmal gehörig unter die Fuchtel zu nehmen! Es ist ein recht lehr- reiches Kapitel das, und ganz besonders für die spätere Geschichtsschrei- bung. Beginnen wir also heute mit dem Briefe eines Genossen ans Ostpreußen. ,,Jn Goldap", schreibt unser Freund,„einem kleinen Städtchen Lit- thauens, gab es einmal einen Landrath, einen Baron v. S ch r ö i t e r. Trotz seiner Erbärmlichkeiten hielt ihn die Gumbinner Regierung. Alle Bürger, reich und arm, hatte das Genie anzupumpen verstanden, und stand er zuerst wegen feines Durstes recht beliebt da, so kam doch eine Zeit, wo er keinen Umgang mehr hatte, als nur den Abdecker. Mit diesem fröhntc er seiner Hauptleidenschast, der Jagd, und man sagt, der königliche Beamte habe oft mit seinem erwähnten Freunde im königlichen Forst gewilddiebt. Die Karre ging plötzlich nicht mehr, er mußte von seinem Posten fort. Räch Berlin zog ihn sein reaktionäres Herz, und sofort fand er bei der„Provinzial Korrespondenz", im Preßbüreau, Anstellung. Wir glauben der blaublütige Herr ist bereits zu seinen Ahnen versammelt.— Heute taucht ein anderer Ritter, Otto de Grahl, aus demselben Wege ans, der Redakteur des„Deutschen Patrioten". Wer sollte dies Schandblatt nicht kennen, da es nur für die Wahl ge- schassen, allen reaktionären Zeitungen gratis beigelegt wird, und— leugnen wir es nicht, wir lesen, um zu lachen, auch einmal solche Blätter. Wieder hat sich die Reaktion, mit dem Blatte selbst wollen wir uns nicht besonders beschäftigen, einen Ehrenmann zum Redakteur ausgesucht. Dem de nach muß der edle Riller, wenn es ihm überhaupt gebührt— jedenfalls gönnen wir es ihm— aus Frankreich stammen, vielleicht auch aus Holland, geboren ist er aber in Hamburg. Als guter„deutscher Patriot" trat er in österreichische Dienste und brachte es dort, sein„deutsches" Schwert gegen die Freiheit Italiens schwingend, bis zum Artillerie. Lieutenant. Bon dort wandte er sich an Louis Napoleon, und kann man seine Bettelbriew in der Sammlung„Briefe deutscher Bettelpatrioteu" nachlesen. In Schleswig- Holstein kämpfte er als Oesterreicher, blieb nach dem strieze in seiner Vaterstadt, und hatte plötzlich— man sagt, er habe viel mit der preußischen Regierung verkehrt— soviel Geld, eine angeblich- Erbschaft, daß er sich ein Gut kaufen konnte. Wie ge- wonnen, so zerronnen: das Geld flog aus; aber— Gott verläßt die Seinen ilichl, das preußische Preßbüreau sandte den edlen Ritter sofort nach Gumbinncn als Redakteur an die reaktionäre Preußisch Liltauische Zeitung, und wurde ihm ein anständiger Gehalt dafür aus der Regierung«- lasse gezahlt. Mit dem Blatte siedelte er nach Jnsterbiirg Uber und brach auf dem Bahnhof bei seiner Abreise nach Königsberg ein Bein. In Königsberg wurde er Redakteur der reaktionären„Ostpreußischen Zeitung", die Stadt der reinen Vernunft, freilich ein längst überwundener Stand- Punkt, machte ihn zum Vorsteher der Bürgerressource. Dort schrieb er den in mehreren freisinnigen Zeitungen zum Abdruck gekommeuen famosen Bettelbrief au den frommen Major von Oelsnitz in Gumbinnen, der ihn und die erbärmliche Reakrionspartei schauerlich blamirtc. Die Reaktion that Alles, um sich den Ehrenmann zu erhalten, er hatte sich aber eine solche Schuldenlast aus den Hals geladen, daß es schier unmöglich war. Wieder trat der preußische Staat für den weiland österreichischen Offizier helfend ein, und soll ihm ein einttäglicher Polizeiposten in Straßburg geworden sein. In dem fernen Orre entschwand der edle Ritter unfern Augen, jetzt fseuen wir uns um so mehr, ihn wieder in der Nähe auf der Bildfläche erscheinen zu sehen, und zwar als Redakteur des schon erwähnten„deutschen Patrioten", der nach seiner Aufgabe, für reaktionäre Wahlen zu wirken, und nach den Anrecedentien des Ritters besser auch „Bettelpatriot" genannt werden sollte.— Uebrigens kennen wir noch mehrere Beispiele der Art, daß wenn das Berliner Preßbüreau Stelleu zu besetzen hat, so oft gewesene österreichische Beamte Anstellung finden. Ten Grund mag sich Jeder selbst denken. Wir freuen uns aber, daß „bei der Gesellschaft solche Leute die große Flöte blasen". _ Der„Bettelpatriot"— diesen Namen soll das Bauern- sängerblatt Puttkamer's behalten— schimpft auf die Liberalen, daß Einem da« Herz im Leib- lacht. In seiner zweiten Nummer-° möchten ihr doch noch recht viele folgen!- heißt es u. A. über die„traurigen Fol- gcu der liberalen Herrschaft in den letzten 12 Jahren. „Auch Euch. Ihr Arbeiter. Euch ist sie gut bekommen. die Frei- zügigk-... und wie alle die Freiheiten sonst noch he.ß-n!-olang- Ihr arbeiten könnt, braucht man Euch, se.d I'°ber alt und arb-.ts- unfähig geworden, dann wirft man Euch weg. gleich- Recht, zu hungern und zu verhungern, denn(!) d-e Liberalen „ haben ja das Unfallgesetz zu Falle gebracht; sie werden ebenso die Alters- Versorgung verwerfen, wenn sie wieder gewählt werden. Darum fort mit den Liberalen. Ihnen gegenüber steht eine große konservative Partei, die genau weiß, was sie will: Schutz des Christenthums und des Deutsch. thums, ein starkes Königsthum; Schutz der nationalen Arbeit in Acker- bau, Handel und Gewerbe; Schutz und Hilfe dem Arbeiter gegen die systemmäßige Ausplünderun g." „Solche Sprache", jammert das liberale Bauernfängerblatt,„Reichs- blatt" genannt,„wird in einem Blatte geführt, welches auf Kosten des WahlvereiusderKonservativen und in seinemNamen massenweise im Lande verbreitet wird! Möchte man nicht wirklich glauben, es seien verkappte rothe Revolutionäre, welche hier das Wort führen, um die Konservativen zu verderben?" Und nun folgt ein Schmerzenslied, daß die Liberalen an der Gesetz- gebung der letzten zehn Jahre so unschuldig seien wie neugeborene Kinder und selbstverständlich n u r im Interesse der Arbeiter und auf Grund von Arbeiterpetitionen das Unfallgesetz abgelehnt hätten, worauf sich das Blatt der Herren Mosse und Cohn zu salzender Bravourarien aufrafft: „Etwas mehr Achtung vor unseren braven Arbeitern— ihr Herren Konservativen! Sie sind wirklich nicht die einfältigen Menschen, für die ihr sie halten müßt, wenn ihr zu ihnen solche Sprache führt. Sie sind zu ehrlich, um nicht eine Agitation mit solchen verwerflichen Mitteln zu verabscheuen und Denjenigen, von denen dieselbe ausgeht, den Rücken zu kehren!" Sehr richtig, hochgeehrte Herren! Die Arbeiter sind wirklich— dieses „wirklich" ist reizend!— nicht die einfältigen Menschen, für die ihr sie haltet, sie lassen sich weder von dem„verkappten rothen Revolutionär" Otto de Grahl für Bismarck ködern, noch auch von euch für die Herren Richter, Bamberger und Kompagnie; sie wissen, daß, wer sie heute politisch rechtlos macht, nicht morgen ihr Framd sein wird, wie sie sich noch sehr gut erinnern, wer im Sommer 1878 am i n f a m st e n gegen die Ar- beiter hetzte, die meisten Lügen in« Land hinausschleuderte und damit wirksamer für die Reaktion arbeitete, als es heute allerdings der Lum- pazius Grahl vermag. Und was das Unfallgesetz anbetrifft, so hatten die Liberalen leicht dagegenstimmen, nachdem sie selbst ihm mi tHilse derKon- s e r v a t i v e n e i n e s o l ch e F o r m g e g e b e n, daß es in der That die Arbeiter»och schlechter geßelit habell würde, als es heute der Fall ist. Auch das soll Euch, Konservativen wie Liberalen, nicht vergessen werden! — Wilhelmsspenden. Verboten wurde in Leipzig die mit dem„Gewerkschafter" verbundene„Reise-— und Begräbniß-Unter- stützungskassc"! Ja ja, man kann nicht wissen, wen diese Kasse be- graben wollte. Es gibt nichts Gefährlicheres auf der Welt, als eine Begräbnißkasse. — Zum Weltkongreß. Genosse F. Domela Nieuwen- h u i s erklärt in einem Brief an den„Citoyen", daß, wenn der Welt- kongreß in der Schweiz verboten wird, die Delegirten des Proletariats wie im Jahre 1872 brüderlichen Empfang in H o l l a n d finden werden. Bravo! — I n Basel liegen die Schmiede- und Wagner- gehilfen im Streik gegen ihre Ausbeuter. Es hau- delt sich nm Jnnehaltung der gesetzlichen Arbeits- zeit von 11 Stunden und Anerkennung des von den Arbeitern gegründeten Arbeiternachweisbüreau. Vor Zuzug wird daher gewarnt. Unterstützung erbeten. — Gegenüber dem wüsten Geschrei„hier Deutschthum, hier C z e ch e n t h u m!" ist es eine wahre Freude, zu sehen, wie brüderlich die klassenbewußten Pro leta.ier beider Nationen gerade heute Hand in Hand gehen. Erst kürzlich, am 10. Juli, legte ein vom„All- gemeinen Arbeiterverein" in Wien veranstalteter Ausflug Zeugniß davon ab. Es nahmen, heißt es darüber in der Wiener„Zukunft", gegen 4000 den verschiedenen Nationalitäten angehörige Personen daran Theil, und trotzdem deutsche, böhmische, polnische und ungarische Nationallieder ge- sungen wurden, bemerkten wir nicht, daß sich jemand hierdurch„provo- zirt" oder beleidigt gefühlt hätte. Und unser in Reichenberg(Deutsch-Böhmcn) erscheinendes Bruder- organ, der„Arbeitersreund" schreibt: „Wir können die Arbeiter nicht genug warnen, sich ja von diesem nationalen Taumel nicht ergreifen zu lassen; denn ob wir nun deutsch oder böhmisch sind, wir nähen alle an einer und derselben Rath; ob unsere Herren nun Deutsche oder Tschechen sind, sie werden alle nur von dem emen Gedanken geleitet, aus ihren Arbeitern so viel als mog- lich Profit herauszuschlagen. Die Arbeiter haben wahrhaftig Besseres zu thun, als sich auf Anderer Geheiß gegenseitig ihrer Sprache wegen zu hassen und gegebenen Falle« auch durchzubläuen. Wir haben uns in politischer und auch wirthschafllicher Beziehung unserer eigenen Haut zu wehren, aber nicht durch die Theilnahme an den nationalen Hetzereien der verkappten und offenen Reaktion als Fußschemel zu dienen, damit sie Uber unsere gekrümmten Rücken hinweg ihr Ziel um so leichter erreicht und unsere wirthschaftliche und politische Unfreiheit nur um so länger dauert. „Wenn die leitenden Persönlichkeiten an das Volk appelliren, so be- deutet das immer, daß sie in der Klemme sind, und daß dem Volke wieder einmal in einem politischen Spettakelstücke eine Statistenrolle auf« gehalst werden soll. Wenn der Rummel vorbei ist und die eigentlichen Akteure das Ergebniß der Verstellung unter sich uertheilt haben, dann kann der dumme Kerl von Statist wieder gehen und sich die Farbe von dem Gesichte wischen, ob er sich nun weiß-roth, schwarz-roth-gold oder sonstwie angestrichen hatte." Wahrlich, da« sind herzerhebende Zeugnisse für die Richtigkeit des iu unserem Heuligen Feuilleton Gesagten, daß nur die sozialistischen Arbeiter Oesterreichs eine wirkliche Versöknungspartei bilden. — In Belgien haben anläßlich der Kammervcrhandlungen über die Erweiterung des Wahlrechtes in Gent, Antwerpen, Brüssel u. f. w. großartige Demonstrationen der Arbeiterpartei zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts stattgefunden. — Aus Frankreich kommt die erfreuliche Nachricht, daß der schuftige Andrieux endlich doch das Feld hat räumen müssen. Zwar ist er nicht mit Schimpf und Schande davongejagt worden, sondern„freiwillig" gegangen, aber das Resultat ist schließlich das Gleiche. Ob sein Nachfolger, ein Herr Cammescasse, besser sei» wird, bleibt noch abzuwarten. Nachdem ziemlich feststeht, daß weniger Gambetta als Grevy es war, der Andrieux hielt, ist es sogar ziemlich fraglich. Jndeß, wir werden sehen. — Endlich fangen die Pariser Sozialisten an, die Vorbereitungen für die nächste» Wahlen energischer in die Hand zu nehmen. Freilich ist der Erfolg bis jetzt ein wenig ermuthigender, die Spaltung in Blau- quisten, sozialistische Arbeiterpartei und republikanische Sozialisten(die Anarchisten kommen nicht in Bettachl» macht sich sehr unangenehm fühl- bar. In einzelnen, von Anhängern der sozialistischen Arbeiterpartei ein- berufenen Versammlungen ist es bereits zu heftigen Auseinandersetzungen mit den— wie es scheint— sehr gut organisirten Blanquisten gekom- men, bei welchen die Letzteren den Sieg davontrugen. ES handelt sich nämlich um die Kandidateusrage, und während die Anhänger der Arbeiter- Partei nur Arbeiter aufstellen wollen, verfechten die Blanquisten die An- ficht, es genüge, wenn der betr. Kandidat ein erprobter Revolutionär wäre und auf dem Standpunkt des Klassenkampfes stehe. Sie weisen dabei aus den der Bourgeoisie entstammenden Blanqui hin, dem sie die abtrünnigen Arbeiter Tolain, Nadaud, Greppo und Andere gegenüberstellen. Ihre Argumente sind, wie man sieht, nicht unbegründet und bereit« tritt auch Malon im„Citoyen" für eine Verbindung des„Zenttal-Wahl- komite's der Arbeiterpartei" mit dem„revolutionären(Blanquistischen) Zentralkomite ein, indem er daran erinnert, daß man bereits in Bor- deaux und Lyon unter gemeinsamem Banner gekämpft habe, in letzterer Stadt sogar für die Klassenkandidatur Blanqui's gegen die Arbeiter- Kandidatur Chepiö. Diese Vereinigung würde sicher von großem Nutzen sein; ob sie aber stattfinden wird, bleibt abzuwarten. — Der nächste— fünfte— Arbeiterkongreß in Frankreich findet in R e i m s im September statt. Es ist zu erwarten, daß er das von seinen Vorgängern so vielversprechend begonnene Werk der Klärung und Organisirung der französischen Arbeiterbewegung wieder um ein gut Stück fördern werde. In dieser Erwartung rufen wir unseren französischen Brüdern ein herzliches„Glückauf!" zu. — Die Charakterlosigkeit der Bourgeoispresse kann nicht häufig genug gegeißelt worden. Eine schlagende Illustration derselben liefert der„California Demokrat", wie wir unserem Bruderorgan, der„Cali- fornia Freien Presse" entnehmen, ks handelt sich um das bekannte Buch von Henry George,„proArss? and Povertv''(Fortschritt und Armuth), in welchem im Privateigenthum an Grund und Boden die Wurzel der sozialen Uebel erblickt und die Annexion des Grund und Bodens und dessen Verpachtung durch den Staat empfohlen wird. An- fänglich nahm der„C. D." das Buch sehr freundlich- aus, änderte aber schnell sein Urtheil, als er sah, daß jenes bei den Sozialisten Gefallen finde. So schrieb denn das ehrenwerthe Blatt: am 18. Dezember 1880: am 5. Mai 1881: „Unser wohlbekannter Mitbürger,„Daß die Propheten nichts in Henry George, untersucht in seinem ihrem Vaterlande gelten, ist ein Buche„ProFrvss and Poverty" eine altes verbrauchtes Sprüchwort, das der wichtigsten Fragen unseres Jahr- nur dann sich wieder verjüngt, Hunderts.---- Indem er wenn es eine recht treffende An- die herrschende Nationalökonomie Wendung findet. Und die findet es bekämpft, errichtet er ein neues in dem Falle von zwei California- System von wu nderb arer Kla r- müden, die unserm Staate den heit, Einfachheit und Folge- Rücken kehrten, weil sie hier nicht richtigkeit. Das Werk verräth zur Geltung kommen konnten. Wir einen selbständigen Denker, haben John Mc-Coullough, den der keiner Autorität blindlings folgt, Schauspieler, und Henry George, sondern der hie herrschenden Theo- den literarischen Zigeuner, rien nur prüfend, ergänzend und im Auge.—--- Letzterer, widerlegend berührt. So gelangter dessen oft bizarre Ansichten in dahin, daß er---— kühne politischen Versammlungen, wie bei und scharfsinnige Konse- Fest- uud Zweckessen nicht ge- quenzen zieht, die ihn in den rade vortheilhast von den Stand setzen, das soziale Problem geistigen Erzeugnissen An- in klarer und bestimmter derer abstachen,----- Weise zu lösen." wird jetzt in mehreren Welttheilen als Verkünder eines neuen sozialen Evangeliums gefeiert." Ein Kommentar ist überflüssig. Wir gratuliren der Bourgeoisie zu derlei unterrichteten, konsequenten, ehrlichen Machern der „öffentlichen Meinung". — Audiatur et altera pars— höre man auch die Gegen- Partei. Wenn wir mißbilligende Aeußerungen der Parteigenossen über V a h l t e i ch und F r i tz s ch c aufgenommen haben, so geschah dieß na- türlich nur mit dem Vorbehalte, auch den beiden Angegriffenen Raum zur Vertheidigung zu geben. F r i tz s ch e hat leider, soweit unsere Nach- richten reichen, eine genügende Erklärung seiner plötzlichen Abreise noch nicht gegeben. Dagegen hat B a h l t e i ch in N e w- I o r k eine, wenn auch viel zu pessimistische, so doch wenigstens ehrliche Erklärung ab- gegeben. Wir konstatiren dies mit um so größerer Genugthuung, je peinlicher das Gefühl war, einen so erprobten und treuen Parteigenossen und Mitkämpfer plötzlich als Deserteur betrachten zu müssen. „Seit zwanzig Jahren— sagte Vahlteich in einer Rede in New- Dork— seit zwanzig Jahren stehe ich in dem Kampfe, den unsere Partei führt. Unter Mühen und Sorgen, stets mit einem Fuße im Gefängniß, und Jahre lang mit beiden— habe ich alle Phasen dessel- ben mit durchkämpft und dabei— wenn auch unter ungeheuren An- strengungen— meine bürgerliche Existenz aufrecht gehalten. Jetzt ist mir das nicht mehr möglich. Ich hatte nicht mehr die Möglichkeit einer Exi- stenz in Deutschland. Ich hätte der Partei zur Last fallen müssen, und die Partei ist unter den heutigen Umständen nicht mehr im Stande, auch mich zu tragen.(? D. Red.) Ich wäre schließlich Partei invalide geworden, und die Partei, der ich nichts mehr nutzen konnte, hätte mich erhallen sollen. Das konnte ich nicht, da» wollte ich nicht I Ich habe nicht die Fahne verlassen, sondern ich fechte unter derselben Fahne weiter für dieselbe Sache, aber an einer anderen Stelle des großen Kriegsschau- Platzes, an einer Stelle, wo ich noch glaube unserer Sache nutzen zu können, und die mir die Möglichkeit der Existenz bietet. Was ich ge- than habe, habe ich in ruhiger Erwägung und mit vollem Bewußtsein der mich treffenden Verantwortlichkeit gethan." Noch einmal, wir halten Vahlteichs Pessimismus weder durch die Lage unserer Partei noch durch die Entwicklung der Dinge im Allgemeinen in Teutschland für gerechtfertigt; auch meinen wir, daß die Gefahr, Partei- invalide werden zu müssen, nicht gerade so ungeheuer nahe lag. Jndeß, Vahlteich war eben anderer Ansicht und hat dieser Ansicht ent- sprechend gehandelt. Des Weiteren wollen wir in dieser Angelegenheit Genossen Rackow das Wort zu einer Entgegnung aus die Korrespondenz Dauben speck geben. Derselbe schreibt uns: „Werthc Redaktion! Was die Korrespondenz Daubenspecks in Nr. 28 des„Sozialdemokrat" anlangt, so halte ich es für nothwendig, Einiges zu berichtigen, obgleich auch ich der Meinung bin, daß es nicht schadet, auch dergleichen Ansichten im„Sozialdem." Raum zu geben. Also Vahlteich sAgte: 1) Die Revolution kann nur siegreich sein, wenn das Volk in genll- gender Anzahl,(also nicht in seiner Majorität) dem sozialistischen Prinzip huldigt, und wenn zur Durchführung dieses Prinzips die nöthigen Intel- ligenzen vorhanden sind, beides sei, nach seiner Ansicht, jetzt noch nicht der Fall. 2) Der Militarismus in Deutschland ist ein Faktor, mit dem wir in erster Linie zu rechnen haben, wollen wir eine siegreiche Revolution haben, daher muß unsere nächste Aufgabe sein, Propaganda in der Kaserne; er sagte also durchaus nicht, daß der Militarismus eine siegreiche Revolution unmöglich macht. 3) Daß Daubcnspeck Fritzsche auch eine prinzipielle Rede halten läßt (er spricht ausdrücklich von den Reden Fritzsche's und Vahlteichs) wirft ein sonderbares Licht auf sein Fassungsvermögen. Thatsache ist, daß die ganzen zitirten Sätze nur von Vahlteich herrühren, Fritzsche hat an dem Abend nichts weiter gethan, als seine Privat- angekcgenheiten und Erlebnisse von seiner Reise nach Amerika erzählt, und gesucht, seine endgültige Uebersicdelnng nach dort zu motiviren, bei welch letzterer Gelegenheit er noch mit Vahlteich in Wortwechsel gerieth, und zwar dadurch, daß Fritzsche versuchte, die Uebersiedelung Beider als im Einverständniß mit der Partei und seinen Reichstags-Kollegen darzu- stellen, während Vahlteich dies Einverständniß bestritt und sogar erklärte, daß e r wenigstens gegen den Willen der Partei uud auf eigene Ver- antwortung hin die Uebersicdelnng ausführe. 4) Taubenspcck bedauert:„daß von unserer Seite Keiner den Herreu entgegengetreten sei". Merkwürdig! Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, so ist Daubenspeck selbst den Herren entgegen getreten?! Es ist wahr, die Rede Vahlteich'« war keine Brandrede, ja, ich will zugeben, daß sie matt und wenig ermuthigend für die Zuhörer war, daß man aber deshalb den oder die Genossen Als feige Schönredner bezeichnet, halte ich entschieden für unzulässig." Mit Gruß! H, R a ck o w." Wir bemerken hierzu folgendes: Der von Rackow gerügte Ausdruck erschien auch uns nicht am Platze, wir dursten ihn jedoch um so weniger Unterdrücken, als Daubenspeck seine Korrespondenz unterzeichnet hatte, und somit Jeder wußte, daß es sich um eine Privatanschauung handelt. Die Ausführungen Vahlteichs waren sicher keine Schönrednerei, aber sie beruhten oder beruhen vielmehr unserer festen Uebezeugung nach auf ganz falschen Voraussetzungen, sowie auf einer ganz falschen Fragestellung. Wir werden diese, nachdem Bahlteich einmal in Amerika ist, einzig noch interessante Seite der Streitfrage schon in der nächsten Nummer aus- führlich behandeln. Und damit siir heute genug. — Der von den sogenannten Sozialrevolutionären nach London einberusene Weltkongreß ist am 14. Juli eröffnet worden. Angeblich seien 144 Vereine oder Gruppen(darunter 75 spanische) ver- treten, über die Zahl der Delegirten liegt uns bis zum Schluß des Blattes noch keine authentische Nachricht vor. Die Redner werden nicht nach ihrem Namen, sondern nach Nummern bezeichnet. Insofern diese Maßregel zum Schutz gegen Verfolgung der Delegirten in ihrer Heimath getrosten wurde, können wir natürlich nichts dagegen sagen, als p r i n- zip ielle Maßregel dagegen, wie sie von den Anarchisten aufgefaßt wird, ist sie die Blüthe des UnsiNns. Ueber die Berathungen und Be- schlllsse des Kongresses in nächster Nummer. Parteigenossen! Vergeßtder Verfolgten und Gemaßregelten nickt! Korrespondenzen. Königsberg. Hochverehrter Herr Oberstaatsanwalt Saro, würdiger Reichstagsabgeordneter für Jnsterburg-Gumbinnen! Nicht Ihnen allein, sondern auch anderen L— euten senden wir, wenn die Dummheiten zu groß werden, manchmal ein Blatt des„Sozialdemokrat" als mens, inkne tekel upharsin. Bor Kurzem waren Sie, verehrter Herr, viel- leicht als Sie gerade einen Kallmüser über den Durst beim Feuerspiel genommen, so freundlich, für unsere derartige letzte Sendung nach Königs- berg eine Prämie von 1 Mark auf die Entdeckung des Versenders ausschreiben zu lassen. Der Einsender lacht Sie natürlich aus, wir aber sind Ihnen für die dadurch ausgestellte Quittung Uber richtigen Empfang der Mahnung und Warnung unendlich dankbar, ersuchen Sie, bei ähn- lichen Gelegenheiten in derselben originellen Weise zu quittiren, und, wenn Sie den Einfluß haben, Ihre allverehrten Kollegen zu gleichem Vorgehen zu veranlassen. Bei der Schnüffelei nach unserem Blatte wird es uns eine Beruhigung sein, stets über den richtigen Eingang unserer Sendungen unterrichtet zn werden. Mit dem Wunsch, daß Sie—! Sie verstehen mich doch? Ein alter Freund. — Bremen, 10. Juli. Die Stimmung unter deu Parteigenossen und selbst unter der Bürgerschaft ist hier samos, unsere Aussichten für die Wahlkampagne vortrefflich. Es kommt uns sehr zu statten, daß die beiden zur Reichstagswahl aufgestellten Kandidaten, die Herren Mösle und H. H. Meier hier sehr unbeliebt sind. Herrn Mosle's Haltung im Reichstag hat hier so böses Blut gemacht, daß an seine Wiederwahl nicht mehr zu denken ist. Die Bourgeois selbst müssen Angesichts dessen seufzend zugestehen, daß eine Wahl unseres Genossen Frick durchaus nicht unwahrscheinlich ist. Wir werden unser Möglichstes thun, die gebührende Antwort auf da« Ausnahmegesetz zu ertheilen. Des moralischen Sieges sind wir sicher. — AuS der Oberlaufitz. Die sortschrittlich-schutzzöllnerische„Zit- tauer Morgenzeitung"— ein Unikum, dem Orleanssabrikanten Fränkel gehörig— ist ganz aus dem Häuschen. Nicht weniger als 4 Spalten ihres„kostbaren" Raumes widmet dieselbe einem von uns verübten ge- lungenen Coup, die Details in einer Weise schildernd, daß dem biedern Spießbürger der Mund offen stehen bleibt und eine wahre Gespenster- furcht ihn schüttelt. Wir hatten beschlossen, den guten Zittauern ihr schönes Schützenfest noch ganz besonders zu verschönern und gingen des- halb an'« Werk, als draußen das Feuerwerk abgebrannt wurde.„Ge- heimnißvolle Hände rauchten urplötzlich" Uberall auf, waren„im Nu wieder unsichtbar", verbreiteten„in rastloser Thätigkeit" tausende von Flugschristen und besaßen nachträglich noch die Unverschämtheit, sich nicht einmal von einem„ehrsamen Nachtwächter" arretiren zu lassen. Nu äben! Hätte es doch die Polizei so leicht gehabt, die„Berseenlichgeet" unds„Nachdsjonal" aufzunehmen! Jetzt aber muß sie sich so scheußlich plagen— die arme Polizei! Mit dem Flugblatt:„Die Herrschaft der Verbrecher" belegten wir in weniger als einer Stunde die ganze innere Stadt, die Vorstadt erst gegen Morgen. Wir praktizirten dasselbe bis in die Stuben hinein und in die Keller hinunter, ja als am andern Morgen die aus Bauten beschäftigten Arbeiter zurückkehrten, fanden sie alle ihre Gerüste mit Flugblättern bedeckt. Ebenso gelang es uns, ein Päckchen in der Kaserne zu verbreiten, wie auch im Innern weder Rath- haus, Kirche noch Schule, weder Briefkasten, Laterne noch Wasserrinne verschont, jedes Fenstersims und jede Thürspalte bedacht wurde. Den „Herren" Polizisten, die im Wachtlokale gemüthlich ihren Schasskopp spielten— eine sehr passende Beschäftigung für sie— und sich eben um die„grüne Renne" stritten, klebten wir lachend ein volles Dutzend draußen an die Thüre.(Ihr Inspektor, der als Schützenvorstand sungirte, soll sich sehr geärgert haben. Thut uns herzlich leid!) Inzwischen sind sie nun sehr thätig gewesen und haben— nein, wie schlau doch manche Menschen sind!— schon entdeckt, daß Einer— hu!— mit einem Cy- linder dabei gewesen. Infolgedessen eifrige Jagd auf Cylinderhüte! Wenn dieselben jetzt im Preise fallen werden, sind wir auch wieder schuld! Denn wer wird sich auch der Gefahr aussetzen, Cylinder zu tragen, da ja der Stroh— köpf so gern gesehen wird?— Selb st verständlich sind es Fremde, die in der Ober- und Riederlausitz ihr Unwesen ttei- ben, und die schlaue Polizei weiß das auch und entfaltete eine ganz be- sondere Energie im Durchsuchen der Eisenbahntrains, unter Aufbietung sämmtlicher Gensdarmen. Nun, wir wollen auch einmal lachen und freuen uns jedesmal, die Herren so regsam zu sehen, denn es ist doch ein„schöne« Gefühl, ArbeitSvedürstigen Beschäjtigung verschafft zu haben", und noch schöner, wenn der Betteffende bisher bestenfalls nur als Tage- dieb und Faullenzer, ost jedoch als Schlimmeres seine ptempenschleppende Existenz zu verbringen gewohnt war. Wir haben also ein Lebenszeichen von uns gegeben und die oben erwähnte Zeitung, Repräsentantin der ortschrittspartei, die„stets und allein mit voller Ueberzeugung für die echte des Volkes eintritt", benützt die Gelegenheit, in einem langen Artikel-- mehr Polizei zu fordern. Elende Heuchelei! Ihr macht Euch Hoffnung ans unsere Stimmen? Die Sozialdemokratie hat mit Euch nichts zu schaffen! Sie verachtet die Phrase erbärmlicher Wichte, verläßt sich nur auf sich, auf ihre K rast und ihr Recht! Chlinderfritze. — Nürnberg, 8. Juli. Nach und nach kommt auch unsere wohl- löbliche Polizei in das echt preußische Fahrwasser hinein. Anfänglich be- schränkte sich unser fortschrittlicher Bürgermeister Stromer auf das, was die Ausführung des Sozialistengesetzes erheischt, aber bald ließen die Lorbeeren anderer Polizeiseelen oder der Wink mit dem Zaunpfahle von Berlin her, ihn nicht mehr schlafen. Haussuchungen regnete es nur so, daß es uns bald gar nicht mehr der Mühe werth erschien, davon zu reden. Unschuldige Vergnügungs- vereine wurden bei ihren öffentlichen Festen von so und so viel Spitzeln überwacht; wo dieselben nicht selbst hineinkommen konnten, wurden die Weiber oder Verwandten geschickt, wie dies der eifrigste dieser Tröpse lhat, der Polizist Marsching, dem der versoffene und verkommene Hal- lunke aus allen Ecken und Enden heraussieht. Infolge dieser Beschnüffe- lung wurden nun die meisten Mitglieder dieser Vereine sich erst recht bewußt, daß sie Sozialdemokraten sein sollten; was Wunder, wenn nun- mehr viele derselben wirkliche Sozialisten wurden! Schließlich kam es da- hin, daß bei den freien gesellige» Zusammenkünften eines dieser Vereine, des Vereins„Männerkreis Gostenhos", sogar sozialdemokratische Lieder gesungen worden sein sollen. Jetzt endlich hatten unsere Polizeiochsen das rorhe Stückchen Tuch., nach dem sie drei Jahre lang gesucht hatten, entdeckt. Was die Polizei alles von diesem Bereine vermuthete, führte die Kreisregierung, welche denselben auf Grund des Sozialistengesetzes auflöste, als Motive an. Der Verein sollte die Kandidatur Grillenbergers proklamirt haben, die Flug- schriftenverbreitung sollte von seiner Mitte ausgegangen sein, und ein Hauptgrund zum Verbot war noch der, daß der Berein in einem Blatte, welches die Regierung sozialistischer Tendenzen beschuldigt, annonziren ließ. Als wir die Begründung des Verbots dieses Vereins lasen, sagten wir: da fehlt weiter nichts, als daß man die Vorstandschaft noch zum Exekutivkomite der Nihilisten stempelt, denn für diese Behauptung ließe sich ebensoviel finden wie für die anderen. Unserer lieben Polizei möchten wir nun die Bitte ans Herz legen, in Zukunft bei den übrigen Vereinen, unter deren Mitgliedern sich gleichfalls Sozialisten befinden, eben so eifrig für unsere Sache zu agitiren, wie bei diesem aufgelösten. Sollte die Stadt die 50 Pf., welche die Spitzel zum Versaufen für den Abend bekommen, nicht mehr ausbringen, so darf sie sich verttauensvoll nur an uns wenden. Der Tag, welcher uns die Nachricht von der Berhängung des „Kleinen" über Leipzig brachte, überraschte uns noch dadurch, daß die „Fränkische Tagespost", ein gänzlich unparteisches Blatt, herausgegeben von Genosse Karl Grillenberger, konfiszirt wurde. Als Grund soll der Artikel„Europa und Amerika", abgedruckt aus der unter dem Belage- rungszustande erscheinenden„Berliner Volkszeitung", angegeben worden sein. Tags darauf wurde jedoch die übereifrige Verfügung des Land- gerichts wieder aufgehoben. Auch sonst geht es recht gemüthlich zu. Wenn es den Polizcilumpen Marschmg und Zobel einfällt, fangen sie Kolporteure oder Zeitungs- ttäger resp.-Trägerinnen aus der Straße ab und durchsuchen sie. So wurde kürzlich Genosse Grünewald, als er eines Sonntags Morgens die Abonnementsbettäge für die„Fränkische Tagespost" einkassirte, von oben- genannten zwei Lumpen zur Polizeiwache geführt, ihm die Kleider heruntergerissen, woraus man ihn bip auf die Haut durchsuchte. Schrift- liche Ermächtigung hatten sie nicht zu diesem Itteiche. Bürgermeister Stromer erklärte, sie hätten von einem Beamten den Auftrag hierzu er- halten und wären überdies mit der größten Schonung vorgegangen. Ob er bei dieser„Schonung" nicht gelacht hat, wenn ihm die Galgen- Physiognomie Marsching's ins Gedächtniß kam? Zu welch hohem Berufe die Gewerkvereine ihre eifrigen Mitglieder heranbilden, bestätigt der ebengenannte, wie auch sein nächster Vorgesetzter, der Polizeioffiziant Marx, welch beide lange Zeit, sogar bis zu ihrem Einttitt in die Polizei, Mitglieder derselben waren. Bismarck scheint diese vortheilhafte Seite der fortschrittlichen Gründung gar noch nicht recht gewürdigt zu haben. Obengenannter Offiziant halte auch gegen Genossen Grillenberger Klage gestellt, weil derselbe ihn gelegentlich einer Haussuchung einen dummen Schafskopf genannt haben sollte. Obwohl man ihm das recht gerne geglaubt hätte, fühlte er doch noch das Bedllrsniß, sich den Schafs- köpf von dem ihn bei der Haussuchung assistirenden Polizeidiener vor Gericht eidlich bestätigen zu lassen. Das Gericht glaubte es ihm auch und verurtheilte Grillenberger zu 14 Tagen Arrest, gegen welches Nrtheil Letzterer die Berufung ergriff. Welch gemüthliche Zustände übrigens sonst bei unserer Polizei Herr- scheu, davon gab uns in der letzten Zeit ein Borkommniß, das den Herren dortselbst sehr unlieb sein mag, lebhaft Zeugniß. Ein anonymes Schreiben war an den Herrn Bürgermeister eingelaufen, worin gegen mehrere sehr„verdiente" Beamte der Polizei die Anklage geschleudert wurde, daß sich dieselben„schmieren" lassen. Natürlich durfte man das nicht auf diesen Ehrenmännern sitzen lassen, umsomehr da man glaubte, der Schreiber werde nicht» beweisen können. Bald war auch der Ber- brecher entdeckt und vor Gericht gestellt. Nun kam es heraus, daß diesem Alles von einem Polizeidiener iu die Feder diktirt worden war. Sofort bat der Magistrat um Nieder- schlagung des Verfahrens, da man mit Grund fürchtete, es möchten dabei zn viele Stützen der Gesellschaft umfallen. Als man schließlich sah, daß man gerade durch diesen schimpflichen Rück- zug den„schlimmen" Nachreden Thür und Thor geöffnet habe, da ent- schloß man sich nachträglich die Farce einer Verhandlung auszuführen, aus der zwar die Schmierttegel nicht gesäubert hervorgehen, die dem Schreiber und Diktanten des Brieses aber bei der Urtheilsverkündigung jedenfalls einige Monate einbringen-wird. Soviel ging aber theils au« den Aussagen, theils den Privatgesprächen der Zeugen hervor, daß Offiziant Schwindel, eine verbissene Polizeiseele, sich von den Bäckern, zu welchen er zur Brodschau kam, durch Gänsbäuche bewegen ließ, ihnen dies zuvor mittheilen zu lassen. Voriges Jahr wurde schon ein Polizist Namens S e m m l e r davongejagt, weil er sein Maul nicht halten konnte, als er den Polizei-Aktuar Raschbacher darüber bettaf, wie sich derselbe iu seinem Dienstzimmer mit einer Prostituirten eingeschlos- sen hatte. Als jedoch der Entlassene Miene machte, dies der Redaktion eines oppositionellen Blattes mitzutheilen, gab man ihm Geld, daß er fort konnte. Als Schreiber dieses einem Bekannten kürzlich diese saubere Geschichte erzählte, meinte derselbe, das sei nichts Neues, schon vor ein paar Jahren habe ihm eine junge Böhmin, der er wegen ihres Lebenswandels in Aussicht gestellt hatte, daß die Polizei sie ausweisen würde, erzählt, daß sie sich davor nicht fürchte, denn jedesmal wenn sie aufs Rathhaus müsse, sperren sich stets einige Beamte mir ihr in ein Zimmer ein. Sie kannte dieselben zwar nicht, beschrieb aber den Einen seiner Uniform nach als einen Osfizianten, während der Andere in Zivil war, Vollbart und Brille trug. Nicht wahr, eine nette Gesellschaft, diese Ordnungsretter! Obenerwähntem Polizeisoldat und Schnüffler Marsching wird auch von seinen Kollegen nachgeredet, er habe bei einem Gärtner theuere Blattpflanzen gestohlen und dann verkaust, ja, als er sogar in einem hiesigen öffentlichen Blatte aufgefordert wurde, sich durch Klage gegen diese Nachrede zu schützen, fand er das gar nicht für nöthig; zu was braucht auch ein Spitzel Ehre, die wäre ihm ja im höchsten Grade hin- derlich. Sagte doch der frühere Bürgermeister Rentzsch in Schwabach zu einem Genossen, der sich wegen eines Schutzmannes, der schon verschiedene Diebstähle begangen und unter anderen auch schon einen Koffer erbrochen hatte, beschwerte:„Ja was kann man da machen, ein gescheidter, das heißt ein ordentlicher Mensch geht nicht zur Polizei." Sehr aufrichtig das! Uns nützt aber das alles nichts, indem gerade, wie es fast immer geschieht, die gemeinsten Lumpen das Recht erhalten, in unsere Wohnungen ein- zudringen und uns auf Schritt und Tritt nachzulaufen, um uns durch ihre Frechheit zu provoziren, wie dies schon thatsächlich geschah, als sie uns zuriefen:„Ihr meint gewiß, wir sind feig?"— Geduldet Euch nur, Alles hat seine Zeit, sagte der weise Salomo. Herrn Stromer möchte ich nur die Frage vorlegen, was wohl seine großen Vorfahren, von deren Ruhm man hier Wunderdinge erzählt, dazu gesprochen haben würden, wenn ihnen Jemand prophezeit hätte, daß einst einer ihrer Nachkommen als zollernscher Polizeibüttel enden würde; sie, die so manchesmal mit den Nürnberger Bürgern gegen diese treulose räuberische Zollernsippc zu Felde gezogen sind. Noricenfis. — NuS Baden, 10. Juli. Der Belagerungszustand über Leipzig ist also verhängt, Ehrensache der Partei ist es nun, diesen Gewaltakt mög- lichst fühlbar heimzuzahlen. Am empfindlichsten dürfte es unsere Unter- driicker wohl berühren, wenn sie sehen, daß trotz aller Gewaltmaßregeln unsere Prinzipien doch immer weiter in's Volk hincindringen. Um diese« zu bewerkstelligen, müssen unsere Genossen alle Energie und alle ihnen zu Gebote stehende Kraft ausbieten, um in möglichst breite Schichten de« Volkes, namentlich in die bis jetzt meisten« indifferent gebliebenen Kreise der ländlichen Bevölkerung einzudringen. Daß nun Punkte Agitation nur zu viele Genossen äußerst flau sind, müssen wir leider nur zu häufig bemerken und gar Mancher, der früher, als noch öffentliche Triumphe zu erobern waren, sich fest in's Zeug legte, hal sich heule in's Schnecken- Haus verkrochen, indem solchen Leuten offenbar die innere Genugthuung, seine Pflicht gcthan zu haben, nicht genügt. Während Manche sich in der Agitation bereits ausreiben, geben sich so Viele einer nicht zu verzeihen- den Ruhe und Kälte hin. Auch treiben gar Manche die Rücksichten auf ihre Existenz und sonstige Umstände doch ein wenig gar zu weit. Es ist nun durchaus nicht zu verkennen, daß solche Fülle, wo die Zurückhaltung eine Existenzsrage für den �Betreffenden ist, leider nur zu häusig vorkam- men, aber doch läßt sich auch in solchen Fällen durch geschicktes und takt- volles Manövriren Vieles erreichen. Wie manches Vorurtheil kann zer- stört, wie manche irrige Auffassung betreffend unserer Prinzipien kann richtig gestellt werden durch kluges männliches Eingreifen bei sich bieten- der Gelegenheit. Zur geeigneten Agitation namentlich aus dem Lande dürste nii» Folgendes beachtenswerth sein: Schreiber dieses weiß aus Erfahrung, daß jede« Dorf, jedes Gemeinwesen aus dem Lande Leute unter s-cy zahlt ,■ geistig gut veranlagt sind, ein rege« Jutereffe für die öffentlichen wirthschaftlichen und politischen Zustände besitzen und in ihrem Schaffensdrang und in Ermangelung anderweittger Aufklärung sich am ulttamontanen, konservativen oder auch liberalen Zipfel herum balgen. Ich selbst kannte schon manchen dieser Sorte, bei dem es nur einiger Auf- klärung erheischte und er gehörte, uns und ich bin überzeugt: kann erst solchen Leuten unsere Parteiliteratur einigermaßen zugänglich gemacht werden, so fallen sie in der Regel uns zu, und daß dann solche Leute viel thun können für uns, das dürfte wohl einleuchtend sein. Viele Ge- nossen dürften nun solche Persönlichkeiten, sei es in ihrer Heimath oder an zeitweiligen Aufenthaltsorten kennen gelernt haben. Wie wäre es nun, wenn diese Genossen, sofern ihnen dieß einigermaßen möglich ist, ein kleines Opfer brächten und solchen Leuten zu diesem Zwecke geeignete Broschüren oder sonstige Parteischriften per Post zusenden würden. Dieses Mittel(ich zweifle übrigens nicht, daß es nicht auch schon angewandt wurde) nun in Masse angewandt, dürfte doch in manchen Schädel etwas mehr Licht bringen. Man wird vielleicht hierzu sagen; ja dieß ist schon recht, aber die Bauern gehen zu unvorsichtig mit dem Zeug um, sie würden bald in Masse die Gefängnisse zieren und schließlich das Landvolk noch mehr ab- geschreckt werden. Meines Erachtens nun, denn ich hatte schon Gelegen- heit genug, dieß zu bemerken, ttäfe eine solche Annahme kaum zu, denn gerade solche Bauern, die sich für derartiges interessiren, sind sehr zurück- haltend und sehen sich ihre Leute wohl an. bevor sie Jemandem ihr Ver- trauen schenken. Also Genossen! Frisch an die Arbeit und zeigt, was wir vermögen, damit wir unfern Peinigern sagen können: Schlagt nur zu! Eure Waffen kehren sich gegen Euch selbst, denn wir zahlen jeden Eurer Schläge mit Zulage wieder heim durch Verdoppelung unserer Arbeit!— Briefkasten der Expedition: Pickelhaube: Bestllgn. v. 8/7. abgg. mit ss. Präziseste Addr. Sdg. unerläßl. Mk. 40,— Ab. k Cto. 2. Qu. erh.— Rothstrumps: Willkommen!— Valentin: M. 2,20 a Cto. gutgebr. — H. H. St: M. 12,— ä Cto. Ab. 1 u. 2 durch— k erh. Addr. vorgem. Weiteres erwartet.— Mr. L. Par: Fr. 7,— a Cto. Ab. 3. Qu. erh. —„Gleiches Recht f. Alle": War ein Jrrthum. Zhl. bis Ende Sept. erh. — M. M. Amsterdam: M. 15,— f. d. Ausgew. gesammelt, erh. Fds- quittg. später. Weiteres besorgt lt. Bf. v. 18/7.— B. B. Lond: Fr. 42,10 Ab. 3. Qu. ä Cto. erh.— G. W. Genf: Fr. 5,— Ab. Juli erh.— Md. i. Wphln: Fr. 24,— Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Hiervon M. 13,28 dem Ufds. zugewiesen. Dank!— Hmgh. Bros. St. Louis: Fr. 51,80 Ab. ä Cto. erh.— F. Jonsch. N.-f): Fr. 103,60 ä Cto. erh.— Jörg- Gaardmann: Fr. 20,— ä Cto. Ab. erh. Rechnen bestimmtest auf Fort- setzung, Korresp. v.— pg. müßtest direkt zu erlangen suchen. Selbst knapp dran. Gruß!— Felix; M. 25,20 Ab. 2. Qu. erh.— Zünder: M. 35,40 Ab. 2. Qu. erh.— A W. Hg: M. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— Allg. Gew. K.-Kasse Birsfld. d. Dtsch: F. 10,— f. d. UfdS. dankend erh.— Franke Neuchätel: Fr. 5,80 gesammelt f. d. Ufds. dankend erh. Fr. 5,50 p. Ab. 2. Qu. eingestellt.— F. P. Kbg: M. 3,— Ab. 3. Qu. erh. Alle« glatt. -- H: M. 12,60 Ab. 3. Qu. erh. u. nach Borschr. verfahren. Sind noch zn zahlen 70 Pfg.— Absender der Nummer in W. ist uns nicht bekannt. Direkt reklamiren!— H. P. H: M. 3,— Ab. 3. Qu. erh.—— t— e Paris: Fr. 110,— Ab. 2. Qu. u. Schrst. erh.— Cto. Mr. Paris: Fr. 16,25 Schriftenrest erh.— Br. Adm: M. 12,— Ab. 2. Qu. erh. Gesammtrest einschließt, ganz Altem Fr. 8,45. Wer soll denn genannt werden?— Z. I. Lttch: Am 12/7. Abends briefl. beant- wartet.— Dtsch. V.Wyl: Fr. 10,— dem Ufds. dankend zugewiesen.— Redhat: Am 20/7. schristl. berichtet.— Kam. A. B. V. London: M.20,— durch K. erh. u. dem Wsds. dankend zugewiesen.— Dtsch. Soz. Luzern: Fr. 7,— desgl.— Sch. Stbg: M. 1,45 für Phot. u. St. V. erh.— Reichsmaulwurf: M. 19,80 Ab. 3. Qu. erh.-- ff a/M: Hapert manch- mal unterwegs ohne unser Zuthun.— A. Lanj. Chicago: Nachlfrg. be- wirkt. Weiteres folgt.— Du: M. 7,60 Ab. Mai u. ä Cto. Juni erh. 3 St. V. folgen mit 30.— Schneider i. Casee E. Chauxdefds: Fr. 3,— dem Ufds. dankend zugewiesen.— K. K. G.-G: Fr. 1,25 dem Ufds. zugew. Abonn. nun bis Ende 81 bezahlt. Dank.— Unbekannt sein Wol- lender: Fr. 1,— d. Ufds. dankend zugewiesen.— Leberkl. u. Sauerkr: M. 100,— d. Ufds. dkd. zugew. Bf. kostete.60 Cts. Srrasporto!— Dtsch. V. Liestal: Fr. 8,— d. Ufds. dkd. zugew.— Egt: M. 87,65 k Cto. erh.— Brief erwartet.— Red. d. Rownosc. Genf: Fr. 15,— d. Ufds. dkd. zugew.— Rothbart: Bfe. v. 17./7. erh. Versprochenes er- wartet. Mehr folgt.— Schnürung: Bf. v. 17./7. erh. u. am 21. be- antwortet. Auszg. folgt.— G. i. G.: Mk. 9,— Ab. 3. Qu. f. 3 Expl. erh. Brfl. an bek. Adr. Weiteres berichtet.— London:„Und als mit Spieß und Jägerrock sie ihn zu Grab gethan, Hub selbst die alte Lumpenglock' bettübl zu läuten an," heißt es im Lied vom„verfof- fenen Rodensteiner". Exzellenz, et bimmelt! Jt jlobe jar et is de olle Bekannte!— Anzeigen. Durch die Unterzeichnete, sowie durch die Volksbuchhandlung in Hottingen-Zürich, Kasinostraße 3, find zu beziehen: Die Sozialdemokratie vor dem deutschen Reichstag. Stenographischer Bericht der Berathungen des deutschen Reichstags über die Verhängung des„kleinen Bclagerungs- zustaudes" in Berlin, Hamburg, Altona u. Umgegend in den Sitzungen vom 30. u. 31. März 1881. Preis für Einzelexemplare: 50 Pf.(20 Pfg. Doppelbriesporto beifügen);. bei Partien von 10 Expl. an: franko für Rabatt. Ferner: Bebels Rede über das Unfallverstcherungsgesetz» Gehalten in der Reichslagssitzung vom 4. April 1881. Preis per Einzelexemplar: 10 Pf.(Porto extra); bei größeren Partien wie oben. Der Ertrag ist für die Familien der Ausgewiesene« bestimmt. Vit Eipeditioo des„Zolialdemokrat". Weiter empfehlen wir: Die soziale Baukunst oder Kriinde und Mittel für den ilmüllri und Miedtranfban der gesellschaftlichen Nerhältniffe. Von .J. Alois Petzler. Dieses für das Studium und die Lösung der sozialen Frage wichtige Werk wird im Verlage der Volksbuchhandlung zu Hottingen-Zürich, so- wohl in Einzellieserungen als auch gebunden in zwei Bänden erscheinen. Preis: 50 Cts. das Heft. Der erste Band(mit dem Bildniß des Verfasser«) ist erschienen. Preis de« ersten Bandes, 13 Hefte, brochirt Fr. 4.— ———— in Halbleinwand gebunden— 5.— ——-——— Ganzleinwand—— 5. 50 Der Reinertrag ist für die Opfer deS Sozialisten» gesetzeS bestimmt. Brrlag des„Sozialdemokrat" Ein herzlickeS Lebewohl bei meiner Abreise nach Amerika allen Genossen und Freunden unserer Sache. Elberfeld, 15. Juli 1881. Joh. Heinrichs. Kuweit. v«r8n»b>itdruetrel H»»ii>iien-8tiris>