Erscheint wöchentlich einmal in Zürich sSchweiz) Nerlaz A. Herter, Hottingen-Zürich Kasinostraße 3. jMfeninmijtn franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der SoMemoKmt entrat-Argan der deutschen Sozialdemokratie Abonnements werden nur beim Verlag und desien bekannten Agenten ent» gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren VierteljahrSpreiS von i Fr. 2__ für die Tchweiz jKreuzband MI. Z.— für'3>*u,'*Tanb'(Souvrt fl. 1. 70 für Oesterreich«iouvert Fr. 2. so für aste übrigen Länder de Weltpostvereins lKreuzbandj. Jllferite Die dreigespaltene Petitzeile 25 CtS.= 20 Pfg. R? 37. Donnerstag, 8. September. 1881. Ali» an die sorrespondcilte» und Abouueuien de«„S»iia>demokrit". Da der.Sozialdemolrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns and unsere ZeitungS» und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äusterste Borficht im Postverlehr nothwendig und darf leine VorfichtSmastregel versäumt werden, die Briesmarder über den wahren Absender und Empsänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdcmolrat', resp. dessen Verlag selbst adresstren, sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtige Adresie außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche ZustellungSabresjen mitgetheilt werden. In zweiselhasten Fällen empfiehlt fich behuss größerer Sicherheit Relommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aber ent» � gegenstehenden Schwierigkeiten den, Sozialdemokrat" unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. An unsere Abonnenten richten wir die dringende Anss-rdernng, den Abonnements- betrag regelmäßig monatlich an die Vermittler ,u übergeben. da dieselben gleichfalls monatliche Abrcchnnng und Zahlnng verpflichtet. Mere Filialen wollen diese Verkehrsregel ebenso flreng anfrechterhalten laflen, als selbfl beachten. vir Erpedition des„Sonaldemokrat". Das Vaterland in Gefahr! Als im Juli des Jahres 1792 das reaktionäre Europa seine Streitkräfte zusammenzog, um das revolutionäre französische Volk mit Gewalt unter das frühere Joch zu bringen und den Absolutismus in Frankreich wiederherzustellen, da entschloß sich die Nationalversammlung, den Ränken der Anhänger des alten Regimes gründlich ein Ende zu machen, und auf Antrag ihrer vereinigten Ausschüsse erklärte sie in feierlicher Sitzung am 11. Juli das Vaterland in Gefahr! Die Zivilbehörden traten zur beständigen Aufsicht gegen den inneren Feind zusammen, das Volk wurde zu den Waffen gegen den äußeren Feind aufgerufen, an die Stelle des Berufsheeres trat das Volksheer. I.» patrio en danfjor! Das Vaterland, das heißt, die Sache des Volkes in Gefahr, dieser Ruf elektrisirte die Massen, von Nah und Fern strömten sie zusammen, und immer stärker wurde die Sache der Revolution, bis sie schließlich dem vereinigten Europa siegreich Trotz zu bieten vermochte. Das Vaterland in Gefahr! Dieser Ruf ergeht jetzt an Euch, Genossen in Deutschland. Die vereinigte Reaktion rüstet sich, um am 27. Oktober unserer großen Sache den Garaus zu , machen. Mit allen Mitteln der Gewalt und der Jntrigue geht man gegen uns vor, die Partei, die in ihrer großartigen Ge- schlosscnheit durch ihre bloße Existenz die Vertreter der alten Gesellschaft erzittern machte, soll vernichtet oder wenigstens ge- sprengt werden. Schon ist das Seitenstück zu dem berüchtigten Manifest des Herzogs von Braunschweig erschienen. Der Mann, der seit Jahren Gewaltmaßregeln gegen die Partei des arbeitenden Volkes verlangte, der auf die Nachricht von des unglücklichen Hödels Attentat mit fieberhafier Hast„Ausnahmegesetze gegen die Sozial- demokratie!" telegraphirte, dieser Mann tritt jetzt vor Euch hin, Arbeiter Deutschlands, und verspricht Euch schmeichelnd goldnc Berge, wenn Ihr ihm Heeresfolge leistet, oder Kampf bis zur vollständigen Vernichtung, wenn Ihr es wagen solltet, seinen Plänen Euch zu widersetzen. Und die ganze Meute seiner Kreaturen, ob sie sich christlich-sozial, reichs-sozial, sozial-konser- vativ, soziale Arbeiter, staats- und kathedersozialistisch nennen mögen, wiederholt bei jeder Gelegenheit dieselbe Melodie. Vergebene Liebesmüh! Die deutschen Arbeiter wissen zu gut, welches der wahre Grundtext all' dieser Variationen ist, daß er nicht anders lautet als Rückkehr, schimpfliche Rückkehr in's alteJoch, in's Doppeljoch der kapitalistischen Ausbeutung und der polizeilichen Bevormundung. Darum haben sie sich muthig entschieden, nicht nachzugeben, sondern kühn und entschlossen den Kampf aufzunehmen, oder vielmehr ihn fortzusetzen, den Kampf für den wahren Fortschritt, für die Beseitigung aller Klassenherrschaft. Während so gegenüber dem Massenaufgebot unserer vereinigten Gegner das Gros unserer Genossen muthig und voll Kampf- begicrde fich zum Streite stellt und mit bewunderungswürdiger Ausopferung die Haut zu Markte trägt, liefert ein Theil derer, deren Pflicht eS wäre, voranzugehen im Kampfe und durch ihr gutes Beispiel anzufeuern, wir meinen diejenigen, die früher in erster Reihe gestanden haben, die sich die Männer unseres Vertrauens nennen durften, mit einem Wort: ein Theil unserer ehemaligen Reichstagskandidaten das betrübende Schau- spiel einer, sagen wir es offen, kläglichen Fahnenflucht. Es ist Unendlich traurig, zu sehen, wie Leute, von dmcn wir es am cnigsten vermuthet hätten, plötzlich unter der Angabe von Gründen, die wir unmöglich als stichhaltig anerkennen können, angetragene Kandidaturen ablehnen und früher für sie eingetretenen oder gar von ihnen vertretenen Wahlkreisen Absagebriefe schreiben. Kann man es den Genossen verargen, wenn sie durch ein derartiges Verhalten ihrer Vertrauensmänner erbittert werden? Muß nicht diese Erbitterung, wenn die Absagen sich häufen, schließlich eine Demoralisation in unsere eigenen Reihen hinein- tragen, größer als alle Manöver der Gegner sie zu schaffen vermocht hätten? Wirken somit nicht diejenigen, welche fich jetzt zurückziehen, ebenso schädlich, ja noch schlimmer als unsere er- bsttertsten Widersacher? Wohl mag hier und da wirklich für den Einzelnen mehr auf dem Spiele stehen als das Wohl unserer Sache erfordert, wohl mag vielleicht der Eine oder der Andere durch Verhältnisse ge» Kunden sein, die er ohne gröbste Pflichtverletzung nicht lösen darf, oder deren Lösung unserer Sache mehr Schaden bringm als ein direktes Eintreten uns nützen würde, wir wollen deshalb K I j/Fa f G L über Niemand ungehört den Stab brechen. Aber bei Mehreren, das wissen wir, liegen solche tristige Gründe nicht vor, und deshalb glauben wir es an dieser Stelle aussprechen zu müssen: I.» patrie est en ä»llA«r, die Sache unserer Partei, die Sache der sozialistischen Arbeiterpartei steht auf dem Spiele, darum strenges Gericht über alle diejenigen, welche sie in einer so ent- scheidenden Stunde im Stich lassen! Ob dieses Gericht vor oder nach den Wahlen stattfindet, soll uns gleich sein, aber daß es stattfinde, das glauben wir im Namen der im Stich gelassenen Genossen hier fordern zu müssen. Wir klagen um Niemanden, der uns heute ohne Noth ver- läßt; weg mit Dir, Du hast im Ernste nie zu uns gehört. Aber wir wollen Niemand fürder unter uns dulden. Niemand soll den Ehrennamen Parteigenosse in Zukunft führen dürfen, der seiner Partei einen so geringen Dienst versagte, seinen Ehren- Posten um einer vielleicht nur eingebildeten Gefahr wegen im Stich ließ. Nur wenn wir diesen Grundsatz festhalten, wird unsere Partei den schweren Kampf, den sie jetzt zu führen hat, mit Ehren bestehen. Daß wir nicht zu viel verlangen, wollen wir an dem Beispiel unserer beiden meistgenannten, von den Gegnern aller Art meist- gehaßten Genossen darthun. Bebel ist, wie Jeder weiß, Fabri- kant, und da er nicht gleichzeitig Kapitalist ist, muß er sehr auf dem Posten sein, um sich ehrenhaft durchzuschlagen. Wie nun, wenn auch er plötzlich erklären würde:„Ich kann nicht kandidiren, das schadet mir im Geschäft? Und ist nicht Bebel bereits durch die Ausweisung sehr arg geschädigt worden? Liebknecht wiederum, der eine sehr starke Familie hat, ist auf seine literarische Thätigkeit angewiesen, er muß daher in einer großen Stadt wohnen. Aus Leipzig ist er ausgewiesen, aus Berlin und Hamburg würde man ihn sofort ausweisen, an ailbcren Orlen wurde man ihm Schwierigkeiten machen. Könnte man es ihm verargen, wenn er plötzlich erklärte, ich darf meine Familie nicht fortwährenden Umzügen aussetzen, ich kann daher eine hervorragende Rolle in unserer Partei nicht mehr annehmen. Aber sowohl Bebel wie Liebknecht haben die Gefahren und Unannehmlichkeiten des Kampfes willig in den Kauf genommen, sie haben, trotzdem ihnen der Kampf ums Dasein nicht gerade leicht gemacht ist, nie aufgehört, anfeuernd und ermunternd für unsere große Sache zu wirken, und wenn wir heute sehen, daß sie in so vielen Wahlkreisen als Kandidaten aufgestellt werden, so ist dies im Wesentlichen dem Umstände zuzuschreiben, daß sich die Genossen sagen können: Es sin) Männer, die uns nicht im Stich lassen werden, sondern die feß zur Fahne halten. Festigkeit, das ist beut die Paroli! Und darum, Freunde, noch einma, laßt uns das Banner auf- pflanzen, welches Alle, die es mit urserer Sache treu und ehrlich meinen, um sich schaaren soll, welches die bisher Säumigen zur Pflicht ermahnen, z die Lauen ernärmen, die Muthigen noch muthiger, die Entschlossenen noch mtschlosscner, die Energischen noch energischer machen muß, laßt ms den Ruf erheben, der das revolutionäre Frankreich in den St«nd setzte, einer ganzen Welt zu trotzen, den Ruf: Das Latirland ist in Gefahr! Das Vaterland ist in Gefahr, unsere Partei soll gesprengt, die Stimme des deutschen Prolctaiats unterdrückt, der Geist der Unabhängigkeit dem deutschen Arbiterstand geraubt werden. Das Vertrauen auf seine eigene Kraft soll er verlieren, sich wieder abhängig fühlen von der Gnade einer natürlichen Feinde. Das ist der Zweck des infamen Ausnihmegesetzes und jetzt soll die Probe gemacht werden, ob dieser Zweck erreicht worden ist oder nicht. Darum herbei zu Eurer sahne, Ihr Genossen von Nah und Fern, schaart Euch um Eue Banner— hie Freund, hie Feind, ein Drittes gibt es nicht. Schmach über die Zaghaften. Urscre Parole lautet: Muthig voran! Freileit. Antwort an den Gmossen A. B. C. Die Leser brauchen nicht zu erschrecn. Ich werde in meiner Antwort auf die Angriffe de« Genossen A. B C. nicht allzulang werden. Ich hätte freilich da« Recht, nachdegi er ins einen nicht ganz zwei Spalten langen Artikel mit 2 drei Spalten langen Artikeln geantwortet hat, meinerseits wieder mit 3 vier Spaln langen Artikeln zu entgegnen. Aber ich''weiß zu gut, mit welch ez Schwierigkeiten und Opfern an Zeit, Geld und Freiheit unser wöchentch nur einmal erscheinendes Blatt zu kämpfen hat, bevor es in die Hüde der Leser gelangt, und werde daher den Raum unsere« Parteiorganinur so weit in Anspruch nehmen, als nothwendig ist, um nicht abermal mißverstanden zu werden. Die» Bestreben leitete mich auch be meinem ersten Artikel, und da ich wußte,»tzr für Leser zu schreiben, die das ABC des Wissens und Denkens längst hinter sich haben, so lbe ich alle« Selbstver stand- l i ch e aus meinem Artikel w e g g e l s s e n. Daß wir die Idee der Demokratie, d. h. Volksherrscha, hochhalten, daß wir volle Ver- eins-, Versammlung«-, Preß- und ähnche Freiheiten anstreben, ist so selbst- verständlich, daß ich kein Wort darillr verlor. Ich deutete dies blas an in dem Satze: „Der Begriff der Freiheit ist ein doppelter, ein positiver und ein negativer. Der negative besagt nichts, als ein Aushören der bisherigen Herrschaft einer Klasse oder einer Person. Daß wir für diese Forderung eintreten, ist selbstver- ständlich, sie bildet ja den Gruudzug unserer Bewegung. Die Forderung dieser Art der Freiheit ist jedoch in der Forderung der Gleichheit schon enthalten." Für Jeden, der denken kann, ist da deutlich genug ausgesprochen, daß diese Art der Freiheit, welche in der Gleichheit enthalten ist, keine andere sei, als die, welche die Volkssouverainetät mir sich bringt. Oder wer soll denn souverain sein, wenn die Souverainetät einer Person oder einer Klasse aushört? Ich hätte es für eine Beleidigung der Leser unseres Parteiorgans und für Raumverschwendung gehalten, ihnen dies noch ausführlicher auseinanderzusetzen. Was thut aber Herr A. B. C.? Der eben zitirte Absatz erscheint ihm ganz bedeutungslos, so bedeutungslos, daß er ihn in seiner„Wider- legung" nur verstümmelt anführt, indem der gesperrt gedruckte Satz im Zitat fehlt. Ans der Thalsache nun, daß A. ß. C. diesen sür das Verständniß des Ganzen so wichtigen Satz übersehen statt über- dacht hat und aus der weiteren Thatsache, daß mir der lapouv calarni passirte, zweimal Demokratie statt bürgerliche Demokratie zu schreiben, ein Verschen, das keinen denkenden Leser irreführen konnte und das in zwei Zeilen hätte berichtigt werden können, aus diesen zwei unbedeutenden Thatsachen schöpft mein Opponent die Anregung zu zwei ellenlangen Artikeln, in welchen er mit behaglicher Breite Dinge an- greift, die Niemand vertheidigt und Dinge vertheidigt, die Niemand an- gegriffen hat. Allerdings gibt er selbst zu, das Wort„Demokratie" müsse in meinem Artikel in dem Zusammenhang nicht nothwendigerweise als„Volksherrschaft", es könne auch als„bürgerliche Demokratie" auf- gesaßt werden. Allein im ersteren Falle bedeutet es einen Unsinn, und darum beeilt sich A. B. C. die erste Deutung anzunehmen und dann des Langen und Breiten darzuthun, daß diese von ihm akzeptirte Deutung ein Unsinn sei. Ich überlasse es den Lesern des„Sozialdemokrat", zu entscheiden, ob man aus der von A. B. C. beliebten Art der Polemik etwas lernen kann. Sinn aber zur stäche selbst. Drei Behauptungen sind es, mit denen ich mich beschästigen will: 1. Die Anarchie sei nicht die Konsequenz der bürgerlichen Demokratie. 2. Die bürgerliche Demokratie verlange nicht volle individuelle Freiheit. 3. endlich:„Tie allein vernünftige individuelle Freiheit" sei diejenige, „wonach Jeder das Vermögen, das Recht und die Macht haben soll» Alles das nach eigenein Willen und Ermessen zu thun, was erwiesener- maßen sür das Wohl und den Bestand, des Ganzen weder gefährlich noch schädlich ist." A. B. C. meint, die Konsequenz der bürgerlichen Demokratie sei nicht die Anarchie, sondern die Sozialdemokratie. Soweit es sich um die historische Konsequenz handelt, ist die« richtig. Aber der Zusammen- hang ergibt, daß es sich bei meinen Anssührungen nicht um die h i st o- r i s ch e, sondern um die logische Konsequenz handelte. Historisch ist die Sozialdemokratie ebenso die Konsequenz der bürgerlichen Demokratie, wie die bürgerliche Demokratie die Konsequenz des Absolutismus ist. Wenn mir dagegen aus dem Jdeengange der bürgerlichen Demokratie die logischen Konsequenzen ziehen, kommen wir zur Anarchie. Zur Illustration des von ihm Gesagten wies A. B. C. ans den Entwicklungsgang beim einzelnen Menschen hin. Derselbe kann allerdings sehr wohl als Illustration der allgemeinen menschlichen Jdeen-Entwick- lung dienen, sowie die Phasen, welche der Embryo durchmacht, uns die Entstehungsgeschichte des ganzen Menschengeschlechtes illustriren. Aber zum Unglück für A. B. C. lehrt uns der Entwicklungsgang der Individuen das Gegentheil seiner Behauptung. Er behauptet, der Weg vom bürger« lichen Demokraten zum Anarchisten führe durch den Sozialismus. Die Anarchie erscheint also gewissermaßen als etwa« weitergehendes, radikaleres, als die Sozialdemokratie. Gerade das Gegentheil ist richtig. Kein einziger bewußter und ehrlicher Sozialdemokrat ist jemals zum Anarchismus übergegangen. Die das thaten, waren unklare Köpfe oder Abenteurer, welche durch persönliche Rücksichten„bekehrt" wurden. Dagegen zählen wir zahlreiche brave und sich vollkommen klare Genossen in unseren Reihen, welche vor wenige» Jahren noch Anarchisten waren. Ich nenne nur Costa, Brousse, Malon, Guesde, obwohl sich deren Zahl noch sehr vermehren ließe. Des Genossnk A. B. C. Jllustrationsversuch ist also nicht geglückt. 2. Es ist„eine h i st v r i s ch e Unrichtigkeit", zu behaupten, „die bürgerliche Demokratie verbinde mit dem Begriff Freiheit den der absoluten, individuellen Freiheit. Positive Beweise dafür beizubringen, dürste dem Genossen Symmachos so wenig gelingen, als unseren Geg- nern für ihre Behauptungen, wir wollten theilen" sc.— So A. B. C. Vor Allem müssen wir eine„historische Ungenauigkeit" des Herrn A. B. C. berichtigen und ihn aufklären darüber, was denn eigentlich die bürgerliche Demokratie sei. A. B. C. ist naiv genug, die sü'd- deutsche Volkspartei dafür zu halten(!). Er hat keine Idee davon, daß die bürgerliche Demokratie ganz Europa umsaßt, daß sie das Kind einer Jdeenrichtung ist, deren Keime wir in der Renaissance und der Reformation zu suchen haben und deren hervor- stechendstes Merkmal die überaus große Hochschätzung des Individuums ist. Er hat keine Idee davon, daß die glänzendsten Geister der Bour- geoisie aller Länder der bürgerlichen Demokratie angehört haben, und daß die Glanzperiode derselben in die Zeit des Ringens der Bourgeoisie nach politischer Macht fällt,— weil er das nicht weiß, verwechselt er die bürgerliche Demokratie im Allgemeinen mit ihrem schäbigen Rest in Deutsch- land, der V o l k« p a r t e i! Und nun zur Behauptung, die bürgerliche Demokratie verlange nicht volle individuelle Freiheit. Ich will nur zwei Autoren anführen, bekannte Namen von Gewicht, welche sicher zur Demokratie— bald hätte ich wieder das Wort„bürgerlich" vergessen! Pardon, Herr A. B. C.— gerechnet werden müssen, wenn sie auch ebenso unzweiselhast nicht zur Volkspartei gehört haben— zur größeren Deutlichkeit will ich noch hinzufügen: der deutschen Volkspartei, sonst könnte fich A. B. C. versucht fühlen, uns noch einmal aus sechs Spalten darzuthun, die Partei, zu der die beiden gehörten, sei auch eine Volkspartei gewesen. Ich meine John Stuart Mill und Buckle. Buckle sagt:„Die Ordnung ausrecht zu erhalten, den Starken an der Unterdrückung des Schwachen zu hindern und eine gewisse Vorsorge für die öffentliche Gesundheit durch Vorsichtsmaßregeln, dies sind die einzigen Dien sie, die eine Regierung derZivilisation leisten k a n n."(Buckle, Geschichte der Zivilisation in England, deutsch von Rüge I. Bd. 1. Abth. S. 242.) I. St. Mill zählt in seinem Buche„Die Freiheit" die verschiedenen Arten der Freiheit auf; zuerst diejenigen, welche die bürgerliche Demo- kratie mit der Sozialdemokratie gemein hat und die aus der Idee der Volksherrschaft entspringen, Gewissensfreiheit, Versammlungssreiheit sc. Dann sagt er:„Zweitens erheischt dieser Grundsatz die Freiheit in der Wahl des Berufes und sonstiger Beschäftigungen, das Recht, unser Leben so einzurichten, wie es uns gefällt, zu thun, was wir wollen (in Erwartung der Folgen, die uns treffen mögen) ohne hiebei irgend welche Behinderung von unfern Mitmenschen zu erfahren, so lange wir ihnen kein Leid anthun, auch wenn sie unser Benehmen für thöricht, verkehrt oder unrecht halten sollten."(Mill, Gesammelte Werke, übersetzt von Gomperz. I. Bd. S. 12.) Diese Proben dürften genügen. Was die Beiden verlangen, ist die volle individuelle Freiheit in jeder Beziehung, obwohl ihnen natürlich die w i r th s ch a s t l i ch e Freiheit die Hauptsache ist, da das herrschende wirthschaftliche System den Charakter des Lebens und Treibens bestimmt. Oder sollte die Verhinderung der Verbrechen die individuelle Freiheit nicht zu einer„absoluten" machen? Nun, ich meine, es gibt nicht ein- mal unter den Anarchisten Jemanden, der verrückt genug wäre, zu ver- langen, man solle ruhig znsehen, wenn die Leute sich gegenseitig todt- schlagen, um ihre„Freiheit" nicht zu gesährden. In diesem Sinne saßt wohl Niemand die absolute individuelle Freiheit auf. Wir haben zu lernen und nicht müssige Silbenstecherei zu treiben und müssen deshalb jedes Wort oum grano salis auffassen. Wir kommen nun zum Hauptpunkte, zur Frage der vernünftigen und sittlichen individuellen Freiheit. Merkwürdigerweise hat X. B. C. gerade in diesem Punkte das Wesentliche meiner Ausführungen gar nicht begrissen. Instinktiv fühlt er, daß zwischen uns eine Differenz besteht, aber er wird sich nicht klar darüber, wo er dieselbe zu suchen hat, und glaubt sie daher in allerlei nebensächlichem Zeugs zu finden. Ich will es versuchen, ihm klar zu machen, worin der Zwiespalt besteht. X. B. C. geht von der Ansicht aus, die Wohlfahrt des Individuums sei der höchste Zweck des Gemeinwesens, dasselbe ist wegen des Jndivi- duums da, und blas, weil die höchste Wohlfahrt und Freiheit des Jndi- viduums im bürgerlich-demokratischen Staate nicht erreicht werden kann, streben wir ein sozialistisch demokratisches Gemeinwesen an, welche« seinen Mitgliedern die höchstmögliche Wohlfahrt garantirt, indeß von denselben „Jeder das Vermögen, das Recht und die Macht haben soll, Alle« das nach eigenem Willen und Ermessen zu thun, was erwiesenermaßen für das Wohl und den Bestand des Ganzen weder gefährlich noch schädlich ist." Die individuelle Freiheit ist die Grenze des Zwanges der Gesammt- heit Uber den Einzelnen. Ich aber sage: Da« Gemeinwesen ist nicht des Individuums, sondern das Individuum ist des Gemeinwesen« wegen da. Das Individuum soll seine Wohlfahrt nur erlangen können durch Vermehrung der Wohlfahrt der Gesammtheit. Von Rechten des Individuums kann man über- Haupt nur sprechen in dessen Beziehungen zu anderen Individuen. D e r Gesammtheit gegenüber hat da« Individuum keine Rechte, sondern blos Pslichten. Unter Gesammtheit natürlich nicht der moderne Klassenstaat, sondern eine Vereinigung gleicher Menschen verstanden. Das mag für unsere individualistischen Ohren brutal und barbarisch klingen. Aber es ist richtig und ich werde die Richtigkeit des Gesagten beweisen. Dazu ist jedoch ein eigener Artikel nothwendig, umsomehr, da ich zu meinem Bedauern ersehen, daß die Kürze meines ersten Artikels Mißverständnisse möglich machte. Die Sache ist zu wichtig, als daß eine Unklarheit über sie in unseren Reihen herrschen dürfte. Obgleich erst mit diesem Artikel meine Antwort auf X. B. C.'s „Widerlegung" beendet sein wird, halte ich es doch für nothwendig, jetzt schon Abschied von ihm zu nehmen, da der erwähnte Artikel frei von jeder Polemik sein soll. Ich hatte es gewünscht, daß sich über meinen Artikel eine Polemik ent- spinnen möge. Gerade die Polemik pflegt ja unsere Ansichten zu klären und zu sestigen. Ich bedauere, sagen zu müssen, daß die von X. B. C. beliebte Art der Polemik dazu nicht geeignet, sondern eher im Stande ist zu verwirren nnd die endgiltige Lösung des Problems weiter hinauszu- schieben, welches da lautet: Ist die vernünftige und sittliche Freiheit nicht schon in der Gleichheit enthalten? Lpnmacbos. Aus Dänemark. Kopenhagen, 28. August. Wenn ich seit Anfang diese« Jahre» noch nichts wieder von hier be- richtet habe, so dürfen die Leser nicht glauben, daß hier oben im Norden der Strom der sozialistischen Bewegung eingefroren sei. Im Gegentheil, immer breiter und tiefer wühlt sich die Bewegung ihr Bett nnd hält dieselbe Richtung ein, welche sie in Deutschland eingeschlagen hat, so daß sür die Zukunft, wenn es gilt, auch aus die skandinavischen Brüder ge- rechnet werden kann, die in diesem Jahre ganz eminente Fortschritte gemacht haben. In Norwegen haben früher schon Sttikes mit Gewaltthätigkeiten statt- gesunden, wie e« in dem Charakter der Söhne der alten Normannen liegt; heute aber stehen z. B. die Maler in Christiania im Streik und finden, daß o h n e O r g a n i s a t i o n Nichts zu erreichen ist. Deshalb wurde vorige Woche beschlossen, den Winter zu benutzen, um das Fehlende nachzuholen und dann eine Verbesserung ihreer Lage herbeizuführen. Ebenso gehen in Schweden— nicht blos in Stockholm— die Arbeiter verschiedener Gewerbe daran, sich sachlich zu organisiren, da die dieses Jahr stattgesundenen Streiks gleichfalls den Mangel des einheitlichen Zusammenwirkens klar zu Tage legten. Vor zwei Jahren wurde aus dem „Arbeitertag", welchen die Bourgeoisie in Szene gesetzt hatte, offen der Welt verkündet: In Schweden ist kein Boden sür den Sozialismus! Im selben Augenblick aber, in dem das erstemal vom Sozialismus ge- sprachen wurde, wurde der Grundstein zu demselben gelegt. Hier in Kopenhagen überwiegt da« polirische das sozialistische Bedürsniß, denn zwei Wahlkämpse in einem Vierteljahr lassen die nöthige Ruhe des Beralhens nicht auskommen, da gilt es zu handeln und gehandelt wurde beide Male. In Kopenhagens fünftem Wahlkreis, wo schon früher ein sozialistischer Kandidat ausgestellt war, stand beide Male Schneidermeister P. Holm als Arbeiterkandidat. Im Maimonat erhielt derselbe ungefähr 13(X) Stimmen und der Regierungskandidat Professor Goos 2600 Stimmen, was beiderseits rege Betheiligung zeigte; das andere Mal, am 26. Juli, erhielt unser Kandidat 1429 St., Professor Goos 2286 St. und Zimmerer L. Andersen, Sozialrevolutionär und Nachlreter Brix' 88 St., d. h. der Regierungskandidal verlor 314 St., der unsere dagegen gewann 134 St. und der sozialrcvolutionäre Keil, den die Regierung in unsere Partei treiben wollte, fiel lächerlich ab. Ganz unerwartet ttat aber auch im ersten Wahlkreis ein Arbeiter- kandidat, Pianofortearbeiter Holst, aus, und erhielt ohne eigentliche Agitatton 260 St., während der langjährige Regierungskandidat, Assessor Rimestad, 811 St. aus sich vereinigle. Im zweiten und neunten Wahlkreis waren unsere Redner stets in den Wählerversammlungen und machten damit auch in diesen Propaganda sür unsere Sache. Ein heiteres Stücklein sührten die Sozialrevolutionären bei der Wahl im 5. Kreis aus, indem sie öffentlich anfragten, ob Schneidermeister Holm nicht zu Gunsten L. Andersens auf seine Kandidatur verzichten wolle, welche Unverschämtheit ein weithinschallendes Gelächter und wohl auch die 88 Stimmen zur Folge hatte, denn Brix Austteten hat den letzten Rest von Autoritätsglauben, den Pio noch zurückgelassen, vollends zum Verschwin- den gebracht. Unser hiesiges Blatt„Sozialdemokraten" ist aber auch unter der neuen Redaktion jederzeit aus dem Platze und eine kräftige Stütze der Partei, da es die Ortsangelegenheiten in selbständiger Weise be- spricht und auch die Bewegung im Auslande den Genossen besser zum Verständniß bringt. Außer dem Solidaritätsbewußtsein herrscht jetzt auch Verttauen und Opferwilligkeit unter den dänischen Arbeitern, was schon die Abendunterhaltung zu Ostern bewies, die zirka ISO Franken Ueber- schuß ergab, und dann die beiden Wahlkämpfe. Jetzt sind wir Deutschen beschäftigt, für den Unterstützungsfond auch die Dänen heranzuziehen, während gleichzeitig sür den Schiffszimmererstrike gesammelt werden muß. Ein Jahr früher hätte ich selbst dergleichen nicht für möglich gehalten. Der gegenwärtig hier ausgebrochene Schiffszimmererstrike ist, wie überall so auch hier, der Brutalität der Vorgesetzten zu danken. Die Entstehung ist folgende: Ein Arbeiter Namens Hansen ist eine Art Reserve-Vormann, der dann und wann den Meister-vertteten muß. Mit einem Zimmerer gerieth er in Konflikt, der so weit ging, daß die ganze Abtheilung, zu welcher er gehörte, aushörte zu arbeiten, da sie sich eine solche BeHand- lung nicht gefallen lassen wollte. Jeden Morgen ttaten sie an, um weiter zu arbeiten, wurden aber allemal vom Meister an Hansen gewiesen, der ihnen Arbeit anweisen würde. Aber vor diesem Menschen wollten sie nicht demüthig um Arbeit bitten und gingen wieder heim. Jeden Morgen dieselbe Zumuthung, bis die noch Beschäftigten sich an die Direktion mit der Bitte wandten, den bett. Hansen nicht mehr in dieser Stellung aus dem Platze zu belassen. Die Antwort fiel nicht versöhnlich aus und nun legten alle Schiffszimmerer aus den„vereinigten Niederlagsplätzen und Werften", 150 Mann, die Arbeit nieder. Die Beittäge hier am Orte gehen verhältnißmäßig gut ein, da die Schiffszimmerer vor einigen Jahren den Rest ihres Sttikefonds nach dem Siege den Tischlern, welche gleich- salls im Sttike waren, überließen. Und es ist sehr die Frage, ob die Direktion auf die Tauer ihren Standpunkt behaupten kann, wenn nicht Zuzug vom Auslande kommt, wovor dringend ge- warnt werden muß. Ebenso dringend ist vor Zuzug der Tisch- l e r nach Stockholm zu warnen, da auch dort vor ganz kurzer Zeit ein, und wie es scheint, organisirter Strike ausgebrochen ist, wobei noch besonders hervorzuheben ist, daß die Löhne in Schweden und Nor- wegen zu den a l l e r n i e d r i g st e n gehören. Daher kommt es denn, daß die Schweden hier so verhaßt sind, weil sie sür einen wahren Hunger- lohn arbeiten und dabei noch Geld sparen, wie anderswo die Böhmen, Italiener tc., während die Deutschen die Löhne nicht herunterdrücken, wie ihnen zugestanden wird, obwohl sie sür die„Erbfeinde" hier gelten. Der Arbeiteraufstand auf St. Croix hat endlich seinen Abschluß ge- funden, da das höchste Gericht das Urtheil der unteren Instanzen bestätigt hat. 39 Personen beiderlei Geschlechts waren noch am Leben, wovon fünf zum Tode verurtheilt waren. Dieselben erhielten Zuchthausarbeit auf Lebenszeit, die übrigen Sttafarbeit aus„Königsgnaden"(unbestimmte Zeit). Eine Anzahl war gleich„standrechtlich" erschossen worden und einige Andere waren im Gesängniß dem Skorbut, vielleicht auch anderen Ursachen, erlegen, denn vom 1. Oktober 1873 bis zum 23. Mai d. I. kann viel geschehen, und noch dazu auf den westindischen Inseln; aber warum wollen die schwarzen und braunen Arbeiter sich besserlohnende Arbeit aus den Nachbarinseln suchen? Das war den Pflanzern zu radikal und deshalb wurden sie zu Paaren gettieben, obgleich sie aus ge- setzlichem Boden standen. Man sieht, die Unterdrückung der Arbeiter, die ihre Lage verbessern wollen, ist international, darum muß auch der Widerstand international sein, mit dem Wahlspruch: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Wenn es möglich ist, so wird Dänemark aus unserm Weltkongreß durch einen eigenen Abgeordneten vertteten sein, im andern Falle senden wir ein Mandat, denn die Dänen halten rüstig Schritt, um nicht die Letzten zu sein, die an's Ziel kommen. Es ist wohl nicht überflüssig, wenn ich mit ein paar Worten aus die augenblickliche Lage des„Staates Dänemark" eingehe, umsomehr, da die Sozialdemokratie thatkrästig in die Verhältnisse eingreift und die bürger- liche Demokratie sich aus die Sozialdemokratie zu stützen beginnt. Schmerpnnkt, welchen stch Alles dreht, ist die Fracje: hat das Folkething(zweite Kammer) allein das Recht, das Budget festzustellen? Die Verfassung spricht es deutlich genug aus, aber Estrup, oder wie er jetzt hier auch schon genannt wird, Klein-Bismarck, hat seine Leibmame- lucken, das LändSthing(erste Kammer) ausgehetzt, die» zu bestreiten, so daß bis jetzt kein Budget zu Stande gekommen ist, oder aber eigentlich zwei, so daß sich Estrup in die angenehme Lage versetzt sieht, ohne jedes Finanzgesetz zu regieren, wenn er nicht vorzieht, sich ein eigenes drittes zu machen, wie vor drei Jahrm. Die letzten Wahlen haben seine An- hängerschast im Folkething, die schon vorher in der Minorität war, um weitere acht Sitze verringert,»ie der Opposition zugefallen sind. Der Stein des Anstoßes der Lage, in welcher sich Dänemark befindet, ist Haupt- sächlich der, daß das Miiüsierirm Kopenhagen zu einer Festung ersten Ranges umwandeln will, so grcß, daß die ganze dänische Armee nicht hinreicht, dieselbe zu besetzen, nid daß es die Marine um ein paar stählerne Panzerbatterien zu vermchren gedenkt. Daß die vielen Millionen, welche die Verwirklichung diese« Glanes kosten würde, unnütz weggeworfen sein würden, steht jedem klar vor Augen, denn aus mächtige Verbündete darf nicht gerechnet werden, wie die Minister selbst ausgesprochen haben, aber so könnte man doch„mit Ehren fallen". Ich für meinen Theil denke aber, und Einige haben mr schon Recht gegeben, die dänische Re- gierung ist im Begriffe, sich dem„deutschen Reiche" anzuschließen und da ist die erste Bedingung, vermehr: die Marine und baut Kopenhagen zu einer Festung, die wir dann mit oerlheidigen Helsen. Deshalb geht Estrup auch so rücksichtslos gegen das Folkething vor, um diesen Hauptfaktor der Verfassung zu einer Jasagemsschine herabzudrUcken und der Mottle- spektakel im Tivoli war nur Heuielei, da er nicht von selbst entstand, sondern von den offiziösen Blätterr fabrizirt wurde. Gras Mottle,„der große Schweiger," der eigentlich in Stolz der Dänen ist, da er hier erzogen wurde und hier das Schlähterhaudwerk erlernte, war gar nicht mehr anwesend, als der„feine Pbel" in blinder Wuth den Konzert- dirigenten Balduin Dahl so kanübalisch niederpfiff und niederbrüllte. Einigen Mordspatrioten, alle in aigesehenen Stellungen, kostete der Spaß 15 bis 20 Kr. Sttase an die Polieikasse. Fleuron alias Petersen sht immernoch, warum und wie lange ist mir nicht bekannt. Barbier E.W. Klein ist auch wieder hier von London, er ist, wie ich schon ftiher schrieb, internationaler Spitzel und muß dringend vo: ihm gewarnt werden. Er ist jetzt Däne geworden, in St. Goarshaum lHerzogthum Nassau) geboren und steht in russisch- dänisch- preußisch» Polizeidiensten. Ein„Glück auf!" von allen hieigen Genossen zum Weltkongreß. Jörgen Gaardmand. An die Pa'teigenossen. In verschiedenen Wahlkreisen ist nan betteffs der aufzustellenden Kan- didaten in Verlegenheit, und es mcht sich die Neigung geltend, einige bekannte Parteigenossen als allein mögliche Kandidaten zu bettachten. Dies ist eine durchaus falsche Ausfssung. Es gibt zweierlei Kandidaturen: solche, wo mit Grund ein Wahlsieg zu erwarten ist; und bloße Zählkavidaturen. Daß es vom Nebel wäre, einen nd denselben Kandidaten in mehreren Wahlkreisen zu wählen, leuchte von vornherein Jedem ein; man braucht nur die K o st e n einer D P p e l w a h l in« Auge zu fassen. Aber auch für Zählkandidaturen empfiehlt sich nicht die Ausstellung einer und derselben Person in viel, Wahlkreisen. Es steht im Wider- spruch mildem sozialdemokratische G l e i ch h e i ts p r i nzip. welche« den Personenkultus verbietet. Und« bringt außerdem unsere Partei in ein schlimmes Licht, weil aus einen derartigen Borgehen gefolgert wird, es fehle uns an geeignete Persönlichkeiten. Ein Kandidat braucht durchaus cht in den weitesten Kreisen bekannt zu sein. Hat er nur da« Vertraue der Genossen im Wahlkreis, so ge- nügt das vollkommen; und mit eine guten Lokalkandidatur lassen sich, falls sonst praktisch vorg>angen wird, der Regel nach auch numerisch bessere Resultate erzielen, als mit der Zählkandidatur eines bekannten Namens. ES ist überhaupt nothwendig, daß frische Kräfte hervortteten und die Gelegenheit erhalten, im Dienste der Partei vor der Oeffentlichkeit thätig zu sein, oder wenigstens mit ihrem Namen für die Partei ein- zustehen. Und eine Wahl bietet hierzu die beste Gelegenheit. Aufforderung. Die Parteigenossen in Sachsen werden ersucht, den Parteiverttetern im sächsischen Landtag genaue Mittheilungen über alle Maßrege- lungen, Verfolgungen, Willkürakte— kurz über alle einschlägigenVorkommnisse zu machen, welche der Kompetenz des sächsischen Landtags unterstehen. Die Mittheilungen müssen streng wahrheitsgetteu fem und das Raisonnement auss strengste von dem That- sächlichen gettennt werden. Durch Ungenauigkeit und Uebertteibung wird die Wirkung der Wahrheit abgeschwächt oder aufgehoben. Das, was thatsächlich vorliegt, ist so massenhaft und so skandalös, daß es weder des Aufputzes noch der Zurichtung bedarf, um uns gegen unsere Feinde ein überwältigendes Anklagematerial zu liefern. Wir müssen jede Gelegenheit benlltzen, um unsere Feinde in ihrer ganzen Niederttacht an den Pranger zu stellen, und dem Haß und der Verachtung jedes gebildeten und anständigen Menschen zu überliefern. Und im sächsischen Landtag soll das nach Möglichkeit geschehen. Alle Mittheilungen sind entweder an die bekannten Privat-Adreffen der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten zu richten, oder in das Landhaus in Dresden zu adressiren. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 7. September 1881. — Aus dem Gesängniß Deutschland. Je näher die Wahlen heranrücken, desto tollere Orgien feiert die Reaktion. Aus Altona und aus Berlin find wieder Massenausweisungeu erfolgt und aus Leipzig wird nächstens ein neuer„Schub" kommen. Und das„Verbrechen"? Vorbereitungen für die Reichs- tagSwahlen. Nichts Anderes. Abgesehen von den Arbeitern Blonk, Deichsel, Hintze, Marsch und Poppe, die wegen ihres Auf- ttetens gegen die Stöcker-Henrici'sche Judenhetze mit den berüchtigten Ausweisungsdekreten versehen wurden, sind sämmtliche zuletzt Ausgewie- senen nur wegen ihrer Wahlthätigkeit von dieser niederttächtigen Maß« regel bettossen worden. Wir werden nicht verfehlen, die„Moral" aus diesem Borgehen zu ziehen. Ausgewiesen werden heißt r u i n i r t werden— es ist eine schlimmere Sttase als jahrelanges Gesängniß sür ein schweres Verbrechen. Bestraft man nun den„gesetzlichen Weg" des Wählen« strenger als eine schwere GesetzeSverletzung, so wird damit, wie wir schon früher hervorhoben, förmlich eine Prämie aus die Unge- setzlichkeit gesetzt und— die Konsequenzen werden nicht ausbleiben. Bei Berathung des Sozialistengesetzes wurde von unseren Vertteteru im Reichstag ausgesprochen, der Zweck dieses Attentates auf Freiheit und Volksrecht sei: möglichst geräuschlos die Sozialdemokratie zu ersticken, in aller Stille die Existenzen zu vernichten und die sogenannten Führer durch sortgesetzte Maßregelungen und Verfolgungen allmälig„mürbe zu machen." Damals wurde dies abgeleugnet— heute kann es Niemand mehr leugnen. Die Absicht des„MUrbemachens" ist von Bismarck'schen Schand- und Schmutzblättern mit cynischer Offenheit eingestanden wor- den; und wer seine fünf Sinne beisammen hat, kann nicht daran zwei- sein, daß die Behörde» des ganzen deutschen Reichszuchchauses in brüder- lichem Zusammenwirken nach besten Kräften diese schuftige Absicht zu ver- n-irklichc» suchen. Wie viele Existenzen sind in den letzten 3 Jahren zerstört worden, mit welcher raffinirten Bosheit zerstört man täglich neue Existenzen! Während gemeine Verbrecher, die unter polizeilicher Aufficht stehen, von der Polizei nicht s o molestirt werden dürsen, daß sie dadurch in ihrer Erwerbssähigkeit leiden, hat die Polizei den Sozialdemokraten gegenüber ein System der Verfolgung eingesllhrt, das ihnen die Erwerb«- sähigkeit raubt. Sie werden planmäßig zum Ruin gehetzt. Und damit ja Keiner enttinnen kann, läßt man jetzt da« Signalement der Aus- gewiesenen ausnehmen und Uberallhin an die Polizei versenden. Die Ehre dieser Erfindung gebührt Leipzig. Jeder Ausgewiesene ist auf diese Weise im gesammten Deutschland vogelfrei. Und wer die schmachvollen Zustände brandmarkt, seiner Entrüstung Ausdruck verleiht, wird in Anklage versetzt. So ist vor Kurzem gegen die Unterzeichner des bekannten Leipziger Flugblattes, welches den Be- lagerungSzustand charakterisirt, aus Grund des berüchtigten tz 131 An- klage erhoben worden. Noch mehr, die Anklage wurde auch auf den Drucker jenes Flugblattes ausgedehnt. Nachdem unsere Druckereien durch die abscheulichsten Manipulationen und Gewaltstteiche vernichtet worden sind, sollen die Besitzer fremder Druckereien eingeschüchtert werden, daß sie keine Arbeilen sür un« liefern. Ueber die letzten Dresdener Prozesse wird anderweitig berichtet. Hier sei blos aus die kennzeichnende Verurtheilung Kayser's hingewiesen. Wie der Leser sich erinnern wird, ist aus K a y s e r, der beiläufig an dem ihm zur Last gelegten Vergehen— Verbreitung ver- botener Schriften— ganz unschuldig ist, die samose Aufenthaltsbeschrän- tung de«§ 22 des„Sozialistengesetze?" angewendet worden. Dieser Paragraph lautet: „Gegen Personen, welche sich die Agitation für die in z 1, Absatz 2 bezeichneten Bestrebungen zum Geschäfte machen, kann im Fall einer Verurtheilung wegen Zuwiderhandlungen gegen die 17— 20 neben der Freiheitsstrafe aus die Zulässigkeit der Beschränkung ihres Ausenthaltes erkanni werden. Aus Grund dieses Erkenntnisses kann dem Berurtheilten der Aufenthalt in bestimmten Bezirken oder Ort- schaften durch die L a n d e s p o l iz e i b e hö r d e ver- sagt werden, jedoch in seinem Wohnsitze nur dann, wenn er denselben nicht bereits seit sechs Monaten inue hat. Aus- länder können von der Landespolizeibehörde aus dem Bundes- gebiete ausgewiesen werden. Die Beschwerde findet nur an die Aufsichtsbehörden statt. Zuwiderhandlungen werden mit Gesängniß von einem Monat bi« zu einem Jahre bestrast." Ein Kommentar ist überflüssig. Nach diesem sauberen Paragraphen kann Kayser, salls das Urtheil bestättgt wird, aus jedem Orte in Deutschland ausgewiesen werden,— au» jedem Orte, ausge- nommen Dresden, wo er seit länger al« sechs Monaten seinen Wohnsitz hat. Nun gibt es aber ein sächsische« Gesetz, welches der Polizei die Besuguiß ertheilt, Jeden, der binnen eines Jahre« mit Gesängniß be- straft worden ist, auszuweisen', ausgenommen au« der Stadl, wo er den Unterstützungswohnsitz hat. Und den Unterstützung«- Wohnsitz hat Kayser nicht in Dresden. Er befindet sich also in einer Zwickmühle, aus der kein Enttinnen ist. Aus Dresden kann er auf Grund des sächsischen Laudesgesetzes und aus dem übrigen Deutschland aus Grund de« Sozialistenge« setze« ausgewiesen werden. Höchstens in seinem GeburtSdors, wo er Hungers sterben würde, ist er gegen die Ausweisung sicher. Da» ist das Bismarck'sche Reich! Ob dem A l t deutschland des Heine'schen Weberliedes so viel Flüche in das Leichentuch gewoben worden sind, als diesem N e u deutschland der Brutalität und Niederttacht? Wann werden die Flüche sich erfüllen? Die Zeit wird kommen und unsere heilige Pflicht ist, dafür zu sorgen, daß das Volk die an ihm verübten Schandthaten nicht vergesse. Die französische Ralionalversammlung hat in der letzten Session die Entschädigung der Opfer des 2. Dezem- ber beschlossen. Das ist ein gutes Präzedenz. Ter Tag naht, wo wir fllr die Opfer des S o z i a l i st e n g e- setze« E n t s ch ä d i g un g f o r d e rn werden— vorbehaltlich weiterer SUHne. Die französische Kammer läßt die Entschädigung aus dem Staats- s ä ck e l verabreichen. Das ist inkorrekt und eine Ungerechtigkeit. Sie hätte die Urheber des 2. Dezembers(des Staatsstreiches Boustrapa's) persönlich haftbar machen sollen. Jedenfalls werden wir diesen Fehler vermeiden. Die Urheber und Geburtshelfer des Sozialistengesetzes sollen uns Mann für Mann mit Leib und Vermögen hastbar sein, obenan Fürst Bis- m a r ck mit seinen durch die Reichs- und andere Gründungen„verdien- teil" 40— 50 Millionen Mark. Und nicht blas die Urheber und Geburt«- Helfer de« Sozialistengesetzes. Auch Jeder sonst, der sich irgendwie bei der Sozialistenhatz durch Eifer und Brutalität hervorthut. Die Feinde haben ihre Proskriptionslisten. Liste gegen Liste. Auf der nnserigen darf der Name keines der großen und kleinen Ver- brecher fehlen, die, sei es als Veranstalter, sei es als Helfershelfer, sei es als willige Werkzeuge, an der Bismarck'scheu Sozialistenhatz Theil genommen haben. In Frankreich hat es dreißig Jahre gedauert, ehe die Opfer des f Staatsstreiches entschädigt wurden. In Deutschland werden die Opfer des Sozialistengesetzes nicht so lange zu warten brauchen. Tie volle Sühne ist nicht blos das Recht, sie ist die Pflicht der Opfer. Seien wir dieser Pflicht eingedenk, welche Rechtsgefühl und Ehre uns vorschreiben! — Dem Landtag der gemüthlichen Sachsen stehen sehr ungemüthliche Tage bevor. Unsere Abgeordneten haben einige höchst fatale Anträge nnd In- terpellationen angekündigt(Abschaffung des Treueides, Interpellation ob der Verhängung des„kleinen Belagerungszustandes" über Leipzig und Umgebung und der Dresdener und Chemnitzer Infamien), und gedenken d«i sächsischen Behörden ob ihrer auf Befehl von Berlin verübten Schuf- tereien energisch auf's Dach zu steigen. Dem frommen preußischen General Albert, der sich noch immer König von Sachsen nennen darf, ist vor Schreck ob solch unerhörter Absichten das tapfere Herz in die Hosen ge- fallen nnd hat er daher schleunigst den Landtag„bis aus Weiteres" vertagt. — Tie internationale Verschwörung der europäischen Despotie gegen die Völker tritt von Tag zu Tag frecher auf. Einen Akt infamster Niedertracht, der vor 20 Jahren noch die gesammte„zivilisirte" Gesellschaft in Entrüstung versetzt hätte, entnehmen wir der in Genf er- scheinden„Przedswit"(„Die Morgenröthe"). Zwei brave polnische Ge- Nossen, die, um den russischen Schergen zu entgehen, gezwungen waren, über die österreichische Grenze zu flüchten, M. Piechowski und I. C i e ch o w s k i, sind in Krakau verhastet und ohne Urtheils- spruch, ohne Verhör an Rußland ausgeliefert wor- den.„Alle ehrlichen Leute", fetzt unser Bruderorgan hinzu,„wer- den zweifelsohne mit uns dieses unqualifizirbare Vorgehen geißeln, da« nicht nur die einfachsten Gefühle der Menschlichkeit verletzt, sondern auch in schreiendem Widerspruch mit den österreichischen Gesetzen sich be- sindet." Ja, die Gesetze! Wann hätten die Machthaber sich je um die be- stehenden Gesetze gekümmert. Die sind ja nur da, um das dumme Volk "u Zaume zu halten. —„Der Vetter aus Amerika, eine Erzählung für Landleute, erbaulich zu lesen"— so betitelt sich ein sehr wirksames Bauern- flugblatt, welches einer unserer österreichischen Freunde versaßt hat und welches unsere österreichischen Genossen mit Erfolg zur Agitation unter den Kleinbauern verwendet haben. In demselben wird in durchaus popu- lärer Sprache und an der Hand von Beispielen aus dem täglichen Leben in Form einer Erzählung gezeigt, daß nnd warum der kleine Bauer mit den Sozialisten Hand in Hand gehen muß. Es treten drei Personen auf, ein Bauer, der vor dem Ruine steht, ein ruinirler Bauer, der Fabrik- arbeiter und Sozialdemokrat geworden ist, sowie der Vetler aus Amerika, ein ausgewanderter Bauer, der e«„drüben" zu Etwa» gebracht hat. Mit wenigen Aenderungen kann dieses Flugblatt auch für Süd- und Westdeutschland umgearbeitet werden und dürfte es bei den bevorstehen- den Wahlen seine Wirkung nicht verfehlen. Wir haben deshalb eine An- zahl Exemplare bezogen und an unsere Adressaten in Deutschland ver- schickt, es den verschiedenen Wahlkomite's überlassend, die ihnen nöthig erscheinenden Aenderungen selbst vorzunehmen. Ebenso mögen sie nach Belieben da« Flugblatt selbst nachdrucken lassen, im Auslände natürlich, wobei wir ihnen rathen, auch den Titel zu ändern und am Schlüsse den Namen unseres Kandidaten in ihrem Wahlkreise anzugeben. Wo es mög- lich ist, sollte man bei den Aenderungen einen mit den bäuerlichen Ver- Hältnissen verttauten Genossen zu Rathe ziehen. — Statistisches. Wir haben bereits des Oefteren dargethan, wie bedeutend Teutschlands Großindustrie sich in dem letzten Jahrzehnt ent- wickelt hat und namentlich aus die Ueberflügelung Frankreichs in dieser Beziehung hingewiesen, als einer Thatsache, die uns den Gang der Ar- beiterbewegung in beiden Ländern besser verstehen läßt. Nach einer neuen Veröffentlichung des Berliner Statistischen Bureaus besitzt Frankreich 49,500 Dampfkessel und 7000 Lokomotiven, Deutschland dagegen 59,000 Dampfkessel und 10,500 Lokomotiven. Noch größer ist die Differenz in Bezug auf die durch die Dampfmaschinen geleistete Kraft; dieselbe beträgt in Frankreich 3 Millionen Dampfpferdekräste, während Deutschland Uber 4'/, Millionen Dampfpferdekräste verfügt. Die Bedeutung dieser Zahlen können nur Ignoranten oder Träumer leugnen, welche meinen, die Welt mit Phrasen aus den Angeln heben zu können. — Kapitalistenknifse. Zu dem großen Kapitel der Kniffe, welche die Herren Unternehmer anwenden, um ihren Arbeitern auch noch indirekt am Lohne abzwacken zu können, entnimmt unser holländisches Bruderorgan„Recht voor Allen" einen drastischen Beitrag aus dem„Neuen Rotterdammer". Eine Firma in T i l b u r g ist nämlich aus den schlauen Gedanken gekommen, ihre Arbeiter zu zwingen, belgische Cent« beim Lohn in Zahlung zu nehmen. Zu dieser Manipulation, bei welcher die Arbeiter, deren Lohn ohnehin niedrig ge- nug ist, 10 Prozent Verluste erleiden, wird Kupfergeld in Kisten von Belgien gebracht nnd die ehrenwerthe Firma streicht emen Gewinn von netto fünf Prozent an den Löhnen der Arbeiter in die Tasche. In ähnlicher Weise operirten auch bisher, wie wir zu beobachten Ge- legenheit hatten, einige ingeniöse Unternehmer an der schweizerisch-italieni- scheu Grenze. Gleiche Klagen wurden des Oefteren von der deutsch-hol- ländischen Grenze gemeldet; mit einem Wort, sie find sich überall gleich, die braven, die biedern Herren des Kapitals. — Ossenes Geständniß. Eine edle Kapitalistenseele läßt sich in der Genfer„gemumo financifere"(die finanzielle Woche) über den Eindruck vernehmen, welche die Ausweisung Krapotkins in Bern gemacht. Nur mit der Form sei man nicht recht einverstanden, heißt es; und nach- dem er»och mitgetheilt, daß Ruchonnet gegen die Ausweisung ge- stimmt habe, schließt der hoffmmgsvolle Jüngling Merkurs:„Wie dem aber auch sei, so viel ist sicher, daß die Ausweisung des Fürsten Krapot- kin oder des Flüchtlings Levachoff den Kurs der Rubel weder um eine Kopeke steigen noch fallen machen wird." _ Kann man den sittlichen Bankrott der Bourgeoisie drastischer kenn- zeichnen, als es hier geschieht? Was kümmert die Herren Recht und Ge- rechtigkeit, was politische Ehre und Selbständigkeit! Wenn nur der Rubel nicht fällt, das ist die Hauptsache! — Im Leitartikel unserer letzten Nummer beleuchteten wir die B o u r- geoismoral und Bonrgeoisjustiz. Eine beredte Illustration derselben bringt nun die neueste Nummer der„Voix de rOuvrier". Vor dem Gerichtshof der Provinz L ü t t i ch kamen in der letzten Woche zwei Fälle zur Verhandlung. In dem ersten war der Angeklagte ein reicher Mann und Würdenträger. Derselbe hatte mit der Frau eines Mannes, der weder reich noch bedeutend war, ein Liebes- verhältniß unterhalten. Schließlich wurde ihm die Frau langweilig und er beförderte sie in ein besseres Jenseits. Im zweiten Falle handelte es sich um einen armen Bergmann, tem ein Ingenieur widerrechtlich drei Franken vorenthielt. Thörichter Weise hoffte er durch Bedrohung sein Ziel zu erlangen, nahm seine Pistole, lud sie mit Rehposten und trat mit ihr bewaffnet dem Ingenieur entgegen:„Wollen Sie mir die drei Franken zahlen?" rief er ihm zu und richtete seine Pistole auf ihn. Als dieser sich weigerte, schoß er, außer sich, die Pistole los, aber ohne Jemanden zu verletzen. Das brachte ihn vor Gericht. Und das Resultat? Der reiche Mann erhält zwei Jahre Ge- f ä n g n i ß und 1000 Fr. Buße. Der arme Arbeiter wird zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt! Das ist Bourgeoisjustiz. — Zwei unserer Genossen, der Schuhmacher Schilte und der Zinn- gießer Siegle sind aus dem Bereich von Elsaß-Lothringen ausgewiesen worden. In den„wiedergewonnenen" Reichslanden werden Deutsche ausgewiesen— o du heilige„Wacht am Rhein"? — Genosse Auer ist, weil er den„heiligen" Boden Berlins auf seiner Durchreise gestreift, wegen„Bannbruchs" angeklagt worden. Spaß muß auch sein, denkt die Berliner Strafkammer. — Oesterreichereien.„Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu," daß in Oesterreich die unverschämteste Paschawirth- schast besteht. In jeder Nummer unserer österreichischen Parteiorgane findet sich eine solche Anzahl ganz willkürlicher Verhaftungen, Hausdurch- suchungen, Verurtheilungen und ähnliche schöne Sachen aufgeführt, daß es unmöglich ist, sie alle aufzuführen. Nur zwei besonders unverschämte Bubenstreiche seien hier ausgeführt. Genosse Kaller ist in Folge der scheußlichen Behandlung, die er bei seiner letzten ein Jahr langen Kerkerhast zu erdulden hatte, etwas kränk- lich und begab sich daher nach Kindberg in Obersteiermark, sich zu erholen. Aber er sollte sich nicht erholen, da wäre ja die ganze Mühe, die man im Gesängniß aufgewendet, ihn krank zu machen, vergeblich ge- wesen, und so wurde er in der Sommerfrische Kindberg ohne jeden Grund verhaftet. Eine zweite Schurkerei. Am 26. August fand in Wien ein Geheim- bundprozeß statt, gegen fünf harmlose Arbeiter, deren„Verbrechen" darin bestand, daß der eine von ihnen den anderen in einem Kaffehaus die von ihm selbst verfaßten und niedergesdiriebeuen Statuten eine« revolutionären Geheimbundes verlas und sie sich durch Handschlag zur Befolgung derselben verpflichteten. Die ganze Thätigkeit dieses„Geheim- bundes" bestand darin, von seinen Mitgliedern sieben Kreuzer wöchent- liche Beisteuer zu Parteizwccken zu erheben. Sonst war demselben nichts nachzuweisen, daß ganze entpuppte sich also als eine höchst nnschul- dige Spielerei. Trotzdem wurden alle fünf verur- t h e i l t. Um Gründe waren die Herrn Richter nicht verlegen. So heißt es in den Enischeidungsgründen unter Anderem:„Bezüglich des Max Süß gilt außer seiner sozialdemokratischen Gesinnung, welche sich aus dem Besitz von Korrespondenzen und Zeitschriften ergibt, als beweismachend, daß er, wie aus der Aussage des Polizeikommissars Frankl hervorgeht, von einem gewissen(I!) wenn auch bei der heutigen Verhandlung nicht vernommenen Zeugen (also einem sich als Parteigenossen gerirenden Spitzel) als derjenige bezeichnet wird, welcher ihn zum Einttitt in den geheimen Bund ausgesordert hat." Daß die Richter aus solchen„Gründen" verurtheilen, wußten wir längst. Jetzt erst aber haben sie sich zu der„Vorurtheilslosigkeit" aufgeschwungen, ohne Scham solche Gründe auszusprechen. Mit den Richtern ist's wie mit den seilen Dirnen: hat man die erste Charakter- losigkeit hinter sich, dann geht's schnell abwärts. Nur zu, Ihr Prosti- tuirten der Justiz! — Die Stichwahlen sind in Frankreich noch günstiger für die Sache der entschiedenen Republikaner ausgefallen, als e« nach den Haupt- wählen zu erwarten war. Aus Paris ist der letzte Bonapartist, aus dem zweiten Wahlkreise von Belleville der Gambcltist herausgeworfen worden. Die Arbeiterpartei ist in der neuen Kammer durch eigene Abgeordnete nicht vertteten, dagegen sind mehrere entschieden radikale Vertreter, wie Tony Revillon, Clovis Hugues(Marseille), Henri Maret auf fast ganz sozialistische Programme gewählt worden. Der Kampf unserer Genossen in Frankreich ist ein um so schwierigerer, als mit der endgültigen Kon- stttuirung der Republik ein wirklicher Fortschritt gemacht wurde, und neben der republikanischen Bourgeoisparlei eine radikal-republikanische Partei mit sehr populären Kandidaten besteht. — Die irische L a n d b i l l hat in die irische L a n d l i g a einen Keil hineingetrieben und insofern allerdings die Hoffnung ihrer Urheber erfüllt. Herr P a r n e l l, der schon lävgst verdächttge Bewegungen machte und Zeichen von Schwäche erkennen ließ, hat sich als gemeiner Streber entpuppt— er will es mit der Landbill versuchen und wiegelt aus Leibes- kräften ab. Die verhungernden Jrländer sollen ruhig und zufrieden sein, wie der satte und wohlsituirte Herr Parnell. Einige andere Mitglieder der Liga, darunter das Parlamentsmitglied D i l l o n, haben sich infolge dessen offen von Parnell losgesagt. Den Manövern des Herrn Parnell wird es natürlich nicht gelingen, die irische Bewegung zu unterdrücken. Die Landliga ist aber lahmgelegt und damit der Beweis erbracht, daß das irische Volk von den B o u r- geoisdemagogen, welche die Landliga gegründet haben und be- herrschen, nichts zu erwarten hat. Wir können hier nur wieder- holen, was wir früher schon ausgesprochen: das irische Volk kann seine Besreiung nur durch ein BUndnißmit dem englischen Pro- l e t a r i a t erwirke». Und es freut uns, melden zu können, daß dieses Bündniß sich langsam, aber sicher vollzieht. — In Rußland sind wieder ersreuliche Lebenszeichen von Seiten der dortigen Revolutionäre zu vermtlden. Eine neue Nummer der „Narodnaja Wolja" ist erschienen und einige Polizeispürhunde haben den wohlverdienten Lohn für ihre elenden Schergendienste erhalten. In den oberen Regionen kracht es wieder einmal, Baronow soll seine Entlassung bekommen und aufs Neue wird ein gründlicher Systemwechsel angekün- digl. Wen der Halbasiate Alexander mit solchen türkischen Reformen eigentlich noch täuschen zu können glaubt! In Krementschug soll es den Reoolntionären gelungen sein, eine Zwangsanleihe bei der Staatskasse zu erheben. C'est la guerre! Im Kriege geht's halt nicht ander«. — In Nordamerika macht die GewertschastSbeweg- ung erfreuliche Forlschritte. In Chicago tagte vom 8. bis 11. August eine allgemeine Nationalkonvention der Zimmerleute, die aus allen Theilen Nordamerika'« beschickt worden war, und auf welcher sich ein rühme nswerther Geist der Solidarität dokumenttrte. Eine„B ruderschast der Zimmerleute und Bauschreiner von Amerika" wurde gegründet, und I zu deren Sekretär unser Genosse Mc Guire, Redakteur des„Carpenter", ernannt. — Ein tapfererAnarchist-Revolutionär. Ein Londoner Blatt, das mit der Wahrheit auf ebenso gespanntem Fuße steht, wie mit dem gesunden Menschenverstand, bestreitet die Richtigkeit unserer neulichen Notiz betreffs des von dem Leipziger P e tz o l d eingereichten Bitt- und Gnadengesuchs an Bismarck. Insofern war unsere Notiz ungenau, als Herr Petzold schließlich doch ausgewiesen worden ist. Dagegen ist es Thatsache, daß der tapfere Anarchist-Revolutionär, gegen den wir, beiläufig, mit einer unverdienten Rücksicht verfahren sind, durch die feigsten Kniffe und Winkelzüge seine Ausweisung rückgängig zu machen versucht hat. Nur die Reserve, welche der Blick auf die Polizei uns auferlegt, verhindert uns, in nähere Details einzugehen. -Anarchistisches. Zu des Verstandes und Witzes Umgehung Ist nichts geschickter als Augenverdrehung— singt Mirza Schaffy, nnd er hat, wie der Berliner sagt, ja s o Recht. Den Londoner Anarchisten- Moniteur hat unsere Notiz über den revolutionären Weltkongreß ganz aus dem Häuschen gebracht, und da ihm der Witz schon seit geraumer Zeit abhanden gekommen, so verdreht er entrüstet die Augen und jammert von„Lug und Trug", Lügenmäulern",„literarischen Busch- kleppern" und dergleichen schönen Dingern mehr. Wozu der Lärm? ant- Worten wir gelassen, die Sache ist doch furchtbar einfach. Die Anarchie, die Alles schon beleckt, Hat sich gewiß aufs— Zählen auch erstreckt. Es ist ja auch scheußlich reaktionär, so immer nach der alten Schablone 1, 2, 3, 4, 5, 6 und so fort zu zählen; fort mit dem alten Plunder, e« muß gründlich aufgeräumt werden. Darum, nur nicht spröde, Ihr Herren! — An einer andern Stelle jammert das edle Blatt über die Einfluß- losigkeit seiner Agenten in Berlin, daß es einen Hund erbarmen möchte. Es heißt da: ---„andererseits aber, und das ist das Schlimmste, die wahre Meinung der Genossen(welcher?) kann nicht in die Oeffentlichkeit ge- langen: Da heißt es einfach, Herr Bebel wünscht das und das, hat dieses oder jenes empfohlen, folglich muß es ausgeführt werden. „Soweit ist es durch das aufs Ausgefeimteste eingerichtete System der Zentral-Unterstützungskasse gekommen. Und Herr Bebel kennt seine Macht wohl. Neulich erfrechte er sich zu einem Ausgewiesenen zu sagen: „Sollten die Berliner radikale Anwandlungen bekommen, oder ein Wort mitsprechen wollen in Betteff der Reichstagswahlen, so werde er(Bebel) sie die Hungerpeitsche ordentlich fühlen lassen." Blöderes Zeug kann in der That nicht geleistet werden. Parteigenoss en! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. Königsberg» 24. Aug. Kurage muß man haben, wenn man eine Sache vertritt. Man muß die Kurage haben, sich offen zu ihr zu be- kennen, man muß bei der Wahl offen an die Urne treten und im Sinne der Sache seine Stimme abgeben. Wir wissen, daß unsere Partei auch im fernen Osten Anhänger hat. Aber Königsberg, Angerburg, Jnster- bürg, Memel K. haben zum Reichstage reaktionäre Vertreter gesandt, und schmerzlich vermissen wir bei Veröffentlichung des Wahlresultates die Stimmen der Unsrigen. Weg mit dieser Passivität! Erkennt Euch und gebt Eure Stimmen als Mahnzeichen irgend einem bekannten Sozialisten. Erwägt nur die Lage der Sache und es wird Euch klar werden, daß Ihr der Partei weder durch Fernbleiben von der Wahlurne, noch dadurch nützt, daß Ihr irgend einem Aufgestellten, möglichst freisinnigen, Eure Stimme gebt. Ein Soziali st muß Euer Erwählter sein, um den Gegnern zu zeigen, daß wir an allen Orten mehr oder weniger An- Hänger haben. Darnach handelt und gebt Eure Stimmen als Zählstimmen unserer Anhänger ab. Das fordert von Euch das Interesse der Partei, die Parteidisziplin. — Mainz, 16. August. Seit dem letzten Samstag hat sich in un- seren Mauern ein buntes Festtagsleben entfaltet; wir haben nämlich das XII. mittelrheinische Turnfest abgehalten. Vom allgemeinen Stand- punkte aus betrachtet, wäre die Sache an und für sich gerade so Übel nicht; e« kommt ja mit der ganzen Gesellschaft Geld in die Stadt, jeder Einzelne wird dabei— direkt oder indirekt— verdienen können, und bliebe da» Fest im Rahmen der eigentlichen Sache, so wäre wahrlich gar nichts daran auszusetzen. Aber— unser hiesiger preußischer Gouverneur von Woyna an der Spitze!— Au!— Wenn man das noch vor zwanzig Jahren einem anständigen Turner hätte voraussagen wollen— der hätte Einem zweifelsohne einen Jnjurienprozeß an den Hals gehängt.— Die gestern beim Festbankett gehaltenen Reden zeichneten sich durch Kriecherei und Beschränktheit aus. Der Hr. Gouverneur toastirte zuerst aus die beiden Menschenbeglücker Wilhelm(Kaiser) den Siegreichen und Lud- wig IV.(Großherzog) den Hoffnungsvollen. Das Schreckbild aller Schrecken aber war unser früherer Bürgermeister Karl R a ck ö, Direktor der Immobilien-Gesellschaft, ein Gründer oomme il kaut. Mit einer wahrhaft staunenswerthen Frechheit schien dieser Mensch alle anderen Rationen geradezu beleidigen zu wollen, indem er gleichzeitig die deutsche in speichelleckerischem Chauvinismus als ein Musterbild par exoellence hinstellte. Der Ströme Blutes, welche dem Volke abgezapft wurden, erwähnte der saubere Patron freilich nicht, und er verschwieg sorgfältig, wie dieses deutsche Musterreich hunderte ehrlicher Männer heimathslos, deren Frauen und Kinder brodlos machen konnte. Und selbstverständlich gedachte Hr. Rackö ebensowenig derjenigen Freiheit, nach welcher edel schlagende Turnerherzen in denjKasematten gedürstet und für die andere, von den preußischen Kugeln durchbohrt, zu schlagen ausgehört haben. Da« allerdings waren noch Turner, wie sie das deutsche Volk sich denken wollte. Wie entartet sind die Epigonen von heute! Nach dem Gesagten ist es überflüssig, der übrigen Salbadereien zu gedenken, die mitanzuhöreu wir leider gezwungen waren. Möge der deutsche Turner wieder sich selbst erkennen und Turner werden, das eigentliche Element seiner Thätigkeit erfassen und seine ausgebildete Kör- perkrast verwenden für edle Zwecke. Er thut dann mehr für seine und de» Vaterlandes Interessen, als wenn er sich von gesinnungslosen Sub- jekien und armseligen Werkzeugen brutaler Staatsgewalt Reden halten läßt!—— e— — Barmen» 20. August. Heute will ich zur Erbauung der Leser einiges Aktenmäßige mittheilen, was aus den in meinem vorigen Brief erwähnten frommen Krach Bezug hat: Zirkular. An die Aktionäre derMissions-Handels-Aktien-Gesellschaft zu Barmen. Geehrte Freunde! Wir sprachen in unserem letzten Jahresbericht die Absicht aus, Ihnen nach Rückkehr unseres Hrn. Spiecker von seiner Inspektionsreise nach Afrika alsbald einen schriftlichen Bericht über die Ergebnisse seiner Reise zu erstatten und beehren wir uns heute, Ihnen denselben in der Anlage zu überreichen. Wie Sie daraus entnehmen werden, find die Hoffnungen, welche wir hinsichtlich einer zu ermöglichenden Reorganisation unserer afrikanischen Geschäfte glaubten an diese Reise knüpfen zu können, leider unerfüllt geblieben. Es hat sich nach dem Ganzen der durch Herrn Spiecker an Ort und Stelle vorgenommenen Untersuchungen ergeben, daß ungeachtet der gemachten Erjahrungen unter denselben üblen Ver- Hältnissen auch in den letzten Jahren mit stetigen Verlusten weiter gearbeitet worden ist. Namentlich sind es die unglücklichen und schlecht geleiteten Unternehmungen in Klein-Namagualand, welche nicht ausgehört haben, unsere Gesellschaft in unheilvoller Weise zu schädigen, und die Existenz des afrikanischen Geschäftes Uberhaupt in Frage zu stellen. Die tiefer liegenden Uebelstände, welche solche traurigen Folgen nach sich zogen, konnten sich leider unseren Blicken entziehen, bis sie durch persönliche Inspektion an« Licht gebracht wurden. Hierzu kommen nun noch die unvorhergesehenen, durch den Krieg herbeigesührten großen Verluste im Hererolande zu eben der Zeit, als wir zu guten Hoffnungen berechtigt waren, unfern dortigen Handelsstationen unter andern Umständen wieder eine neue Gestaltung zu fruchtbringender Thätigkeit geben zu können. Nach der gegenwärtigen Lage der Dinge aber sehen wir uns in die traurige Nothwendigkeit versetzt, eine baldige Liquidation unserer Gesell- schast ins Auge zu fassen, welche wir durch die geschehene Abstoßung des fllr uns so verhüngnißvoll gewordenen Namaqualand-Geschäftes, der Quelle unserer Mißgeschicke, noch verhindern zu können glaubten. Die Tagesordnung unserer demnächst anzuberaumenden Generalversammlung muß daher nach s 3 unseres Statuts auf Liquidation lauten, und werden wir Sie in kurzer Zeit dazu berufen, um über das Schicksal unserer Gesellschaft endgültig zu ent- scheiden. Es ist uns dieser Ausgang schmerzlich und wir beugen uns unter Gottes Lmnd, die solche Wendung zugelassen. Barmen, 23. Juni 1881. Namens der Missions-Handels-Aktien-Gesellschast Der Präses des Aufsichtsraths: H. v. Lohr. Reisebericht.— Als Manuskript gedruckt. Barmen, 20. Juni 1881. An den Aufsichtsrath derMissions-Handels-Aktien-Gesellschaft zu Barmen. Geehrte Herren! Im Anfang des vorigen Jahres beauftragten Sie mich, eine Jnspek- tionsreise nach unfern Arbeitsgebieten in Süd-Afrika zu unternehmen. Am 11. ds. kehrte ich nach fllnfzehnmonatlicher Abwesenheit zurück.--- --- landete ich am 9. April v. I. in Capstadt, wo unser damaliger Generalagent Hr. B. Pilgram mich in Empfang nahm--- theilte derselbe mir mit, daß er aus dem Verbände unserer Ge- sellschast auszutreten wünsche.----- In Port Nolloth, einem Platze, wo wir mit erdrückender Konkurrenz zu kämpsen hatten, lag die Leitung unseres Geschäftes in den Händen eines Mannes, welcher wohl ein tüchtiger Verkäufer, aber ein unfähiger Dis- p o n e n t w a r.-- In Steinkopf waren die Verhältnisie derart, daß unser Vertreter sofort seine Entlassung einreichte, als ich auf Grund der Bücher eine Erklärung des regelmäßigen Verlustes der letzten Jahre forderte.-- Unsere Ookieper Niederlassung, einem allgemeinem Waarengeschäfte sn gros und en detail, standen zwei Herren vor, welche sechs Hilssarbeiter und eine größere Anzahl Dienstleute zur Seite hatten.—--- Die beiden leitenden Personen standen in offenem Widerspruch zu einander. Einer klagte über den Andern und Jeder bekannte srei, daß er das Interesse am Geschäst verloren habe.--- Aber meines Erachtens hätte lange vorher eingegriffen werden müssen --- denn unter den gegebenen Verhältnissen hätten bei guter Ge- schästssührung entschieden schöne Gewinne erzielt werden müssen.-- -- Das Geschäft wurde unter der Firma„ilissiou Trading Company" gejührt. Welche Bewandtniß es mit diesem Namen und weiterhin mit den Zwecken unserer Gesellschaft habe, war den meisten unserer An. gestellten unbekannt, und diejenigen, welche es wußten, mußten sich sagen, daß ein solch esAushängeschild an diesemPlatze eine Unwahrheit sei. So konnte es nicht ausbleiben, daß das Bewußtsein eines höheren Zweckes der Arbeit vollständig sehlte.--- Die Konkurrenz in Ooliep war eine reelle und achtungswerthe und den von ihr betriebenen Braun tweinverkauf konnten wir doch nicht beeinflußen.(Bleibt eben nichts Anderes übrig im Zeitalter der Schnapsbrenner. Anm. d. Korresp.) Dagegen fehlte es nicht an solchen, welche über den Namen der Firma spotteten, wozu sie auch Grund genug hatte», denn es konnte sich hier nur ausschliehlich um Gelderwerb handeln, was aber mit dem Namen nicht gut in Einklang zu bringen war.-- Warmbad, Reelmannsboop, Gibeor und Hoachanas, Rehoboth— Straußenfedern und Elfenbein waren in geringer Menge im Handel. Diese Produkte durch eigene Jagdunternehmungen zu erlangen war zweimal fehl- geschlagen— Ochsen waren wohl in genügender Anzahl zu haben, aber nach dem bis dahin üblichen System konnte ein Handel in diesem Artikel nicht lohnen.——— Okahandja und Otjimbinqus. A n- gestellten rathlos.-- Zunächst lag es klar auf der Hand, daß nur der Ochsenhandel die Basis künftiger Operationen bilden könne.— ------ Darauf entschloß ich mich, das Hereroland-Geschäft nicht aufzugeben, sondern neu zu gestalten zur Ausführung dieses Planes. Daß derselbe einen wichtigen Dienst für die Mission in sich schließe, er- höhte meine Freudigkeit zu solcher Arbeit sehr. Die Herero kennen ihre Ochsen bisher nur als einen Gegenstand zur Ergötzung ihrer Augen und Herzen und ihre aberglünbigen Borstellungen knüpfen sie noch fester an diese Thiere, welche ihnen fast Abgötter sind. Da ist es von höäister Bedeutung, daß ihnen das Verständniß beigebrad>r wird, daß ihre Ochsen ein werthvolles Haudelsobjekt bilden. Dies kann aber nicht durch Predigt, sondern allein durch einen aus- gedehnten O ch s e n h a n d e l geschehen.(Ein blindes Schwein findet auch wohl einmal eine Eichel. Anm. d. Korresp.) In Klein-Namaqua--- berechneten wir die Verluste 1) Absdireibungen auf Immobilie» Pfd. St. 1500 „ ausstehende Schulden„„ 1000 Verluste„ 2500 Pfd. St. ätXK) Porth Nolloth Verlust„„ 2500 Leider aber mußte ich während dieses Aufeuthaltes in Klein-Namaqua- land seitens einiger unserer Angestellten die unangenehmsten Ersahrungen machen, welche sich schriftlicher Erörterung entziehen. Jedenfalls aber dienten sie mit dazu.. mir die Hinnahme eines so schweren Verlustes für unsere Gesellschaft zu erleichtern, denn solchen Zuständen mußte um jeden Preis ei» Ende gemacht werden.---- Rehoboth wies wohl einen kleinen Gewinn auf, wenn es die d u r ch K r i e g s- l i e f e r u n g e n zu ungeheurer Höhe angewachsenen Kreditforderunqen voü aufführte--- die Debitoren der beiden Geschäfte in Okahandja und Oljimbingus waren aber auch gestiegen und zwar ebenso wie in Rehoboth in Folge n a in h a f l e r L i e f e r u n g e n an d i e k r i e g- führenden Häuptlinge. Meine Vorschrift, die Kreditgewährung möglichst einzuschränken und mit der Zeit ganz aufzuheben, konnte in diesem Falle nicht befolgt werden, weil die betreffenden Häuptlinge drohten, mit Gewalt zu nehmen, was ihnen etwa verweigert würde.— Sie haben sich zwar gemeinsam verpflichtet, Einer für Alle, und Alle fllr Einen diese Schulden zu decken, aber ich hielt es doch für geboten, eine Abschreibung von 33 Proz. aus die Gesammldebitoren- Summe Pf. St. 10 5 0 0 zu machen. Der Total-Verlust des Herero- land- Geschäftes stellte sich dann auf Pf. St. 6500, und mußte eine Liquidation unserer Gesellschaft nach sich ziehen.---- Bis zum letzten Augenblicke hatte ich den Glauben an ein Gelingen meiner schwierigen Aufgabe festgehalten, aber als jetzt die unzweifelhafte Gewiß- heil vor mir stand, daß ich vergeblich gerungen hatte, beugte ich mich, wenn auch mit schweren Herzen vor d e m Gott, dessen Hand ich auch in dieser schmerzlichen Führung erkennen mußte. Zum Schluß u. s. w. Ich bedaure auf's Tiefste, daß meine Arbeit dem Anscheine nach vergeblich war, aber es steht in Gottes Hand, zu Seiner Zeil auch noch Früchte derselben an den Tag zu bringen. Mit vorzüglicher Hochachtung! Ihr ergebener F. A. S p i e ck e r, Vorsteher der Missions-Handels-Aktien-Gesellschaft. Man muß sagen, die Frömmigkeit dieses Spiecker weiß sich mit dem bösen Geist dieser Welt sehr gut abzufinden. Schade, daß der gute Herr- gott den Eifer des Braven nicht besser belohnt hat. — Wien, 20. Aug. Der Bogel Strauß versteckt bekanntlich seinen Kopf, wenn er seinen Verfolgern nicht mehr entrinnen kann, um sie wenigstens nicht mehr zu sehen. Unsere Staatslenker machen es ebenso. Die Schlaumeier von„Staatsmännern" glauben, wenn sie jede A e u ß e r u n g der Sozial- demokralie unterdrücken, wenn sie ihre Zeitungen konfisziren und ihre Versammlungen verbieten, daß sie damit aufhöre, zu existiren. Je wacke- liger die Stühle werden, auf denen die Herren sitzen, desto ängstlicher sind sie bestrebt, ja nichts zu sehen nnd zu hören. Die Kopflosigkeit ist in den„höheren" Regionen schon auf's Höchste gestiegen und macht sich mitunter in der drolligsten Weise Lust. So wurde unlängst in Böhmen eine Versammlung wegen„Staatsgesährlichkeit" ver- boten, weil auf deren Tagesordnung die achtjährige Schul- Pflicht(huhu!) stand. Das grenzt schon an den Gensdarmen, welcher erklärte, über Thema dürfe nicht gesprochen werden. Ebenso lächerlich war das Verbot des fllr den 14. August einberufenen Delegirtentages der, wie Jedermann weiß, höchst zahmen Buchdruckervereine Oesterreichs. Die„staatsgefährliche" Tagesordnung lautete:„Die Rege- lung der Gegenseitigkeit in Bezug auf das U n t e r st ü tz u n g s w e s e n durch die Schaffung eines Normalstatuts und die Gründung eines Ver- bandes." Ein wackeliges Staatswesen, dem eine, solche Tagesordnung gefährlich werden kann! Fernstehende meinen vielleicht, blos das reaktionäre Kabinet Taaffe sei solcher Dummheiten fähig. Fehlgeschossen! Die„Liberalen" waren um kein Haar besser und werden es auch in Zukunft nicht sein! Das beweist wieder die jüngste Rede Herbst's. Der„verfassungstreuen" Sippe war die Zeit der„Opposition" schon zu lang geworden, sie sehnte sich wieder nach den Fleischtöpfen Egyptens, aus denen sonst Konzessionen, Orden und andere Annehmlichkeiten in H Ulle und Fülle geflossen waren, und so berief sie denn ihren Häuptling Herbst, er möge in einer Ministerrede nach„oben" erklären, er sei ebenso charakterlos und reaktionär als wie Taaffe und eigne sich daher vorzüglich zum Rathe der Krone. Dr. Herbst entledigte sich seiner Aufgabe in ausgezeichneter Weise. Am 14. d. M. hielt er in seinem Wahlkreise Tetschen eine Rede, die weniger für die Wähler als fllr die„Krone" berechnet war. Er erklärte sich voll- ständig einverstanden mit dem seiner Zeit von ihm bekämpften Wehr- g e s e tz e, mit dem Ausgleiche und Zollbündnisse mit Ungarn, mit der österreichisch-nngarischen Bank und mit der vollzogenen That- sachederOkkuparionBo« niens und derHerzegowina und forderte schließlich zur Herstellung des„Gleichgewichts" im Staats- haushalte die— Erhöhung der indirekten Steuern! Was will man mehr? Alles, was man bisher bekämpft hat, akzeptirt man, man erklärt sich bereit, der dienstwilligste Knecht des Absolutismus zu werden: nur Eines verlangt man als Entschädigung: den Minister- Posten, die Verfügung über den Staatssäckel. So offenherzig schamlos kann selbst ein Liberaler nur dann sprechen, wennn ihm die Verzweiflung die Besinnung geraubt hat. Es ist ein letzter Versuch, die Folgen früherer Charakterlosigkeit wieder gutzumachen durch eine noch größere Charakterlosigkeit. In Deutschland glaubt man vielsach, die energische, rücksichtslose Per- son des„eisernen Kanzlers" sei es, welche die nationalliberale Bour- geoisie so heruntergebracht hat, daß sie, obgleich an die Wand gedrückt, selbst den Schein einer Opposition ängstlich vermeidet. Wir in Oester- reich sehen dieselbe Erscheinung, ohne daß ein energischer, rücksichtsloser Bismarck der Bourgeoisie gegenüberstände. Nicht Bismarck, sondern die eigene Feigheit und Erbärmlichkeit hat die Nationalliberalen gestürzt; die Reaktion herrscht heute nicht, weil sie erstarkt ist, sondern weil die Liberalen bankerott und gänzlich ohnmächtig geworden sind. Getrost können wir daher der Zukunft entgegensehen. Der eine Feind, der Liberalismus, liegt bereits am Boden. Der andere Feind, die Reak- tion, ist zu sehr im Widerspruche mit dem Zeitgeist, als daß er sich lange behaupten könnte. Binnen Kurzem muß er von den Verhältnissen, deren naturgemäßer Entwicklung er sich entgegenstemmt, weggefegt werden. Aber nicht die Liberalen werden es sein, welche das Erbe der Reaktion antreten, sondern w i r, d i e S o z i a l d e m o k r a t ie. B. ck. — Wttl. Vom hiesigen deutschen Verein wurde am Sonntag den 14. August, Nachmittags, eine öffentliche Versammlung abgehalten, zu welcher sich von auswärtigen deutschen Genossen die deutschen Vereine von Herisau, Wattwyl, Franenfeld, sowie Deputationen von Winterthur, Aadorf und Rorschach eingefunden halten. Genosse Seubert aus Winter- thur hielt einen Vortrag über die Entwicklung der deutschen Sozial- demokratie seit den 30er Jahren und betonte dann vor allem die ernste und große Ausgabe, welche den in der Schweiz lebenden deutschen Ge- nassen gestellt sei. Die Schweiz müßte jetzt eine Rekrutenschul« für unsere Partei sein, in der die hier lebenden deutschen Genossen sich zu künftigen Soldaten der Revolution heranbilden sollten. Jeder Einzelne solle seine KennMisse so zu erweitern trachten, daß er bei späterer Rückkehr nach Deutschland der Partei eine brauchbare, nützliche Kraft zuführen könne. Auch solle Jeder in Bezug auf Agitation in der Schweiz und Opfer- Willigkeit für die Sache seine Pflicht thun. Nach Schluß der hieraus entstandenen Diskussion wurde eine Resolu- tion einstimmig angenommen, die dahin lautete, daß jeder sich verpflichte, unsere Sache stets mit aller Krast und Opserwilligkeil zu unterstützen. Eine Sammlung zu Gunsten der Ausgewiesenen ergab 14 Fr. 57 Cts. An der zahlreichen Betheiligung der auswärtigen Genossen ersah man, welch' ein guter Geist in ihnen lebt, und daß die durch die Resolution übernommene Verpflichtung allen mehr als ein leeres Versprechen war, wird hoffentlich die Zukunft beweisen. An die deutschen Genossen im Auslande. Die Wahlen zum deutschen Reichstage sind auf den 2 7. Oktober angesetzt. Tie Genossen sind allerorts entschlossen, in den Wahltampf einzutreten, um den Veranstaltern des Ausnahmegesetzes zu zeigen, daß der Zweck ihre« erbärmlichen Machwerkes niemals erreicht werden kann, daß die Masse des zur Erkenntniß gekommenen arbeitenden Volkes niemals der reaktionären Lockpfeifc folgen wird. Dieser Kamps aber verlangt Opser, und muß es Ehrensache der deutschen Genossen im Ausland sein, ihn thatkrästig zu unterstützen. Seileus der organisirlen deutschen Sozialisten in der Schwei; sind zum Zweck der Sammlungen für den deutschen Wahlfonds sowohl Sammellisten angefertigt worden, als auch Ouittungsmarken Uber je 25 Cts. Man kann also diejenige Erhebungsarr an freiwilligen Beiträgen wählen, die sich am Besten für deq betreffenden Ort eignet und so unserer Sache entsprechend nachhaltigst eingreifen. Zu beziehen sind diese Marken ic. durch C. Härer, Storchengasse 8, in Zürich. Der Landes- Ausschuß der deutschen sozial. Partei in der Schweiz. Sprechsaal. London, 15. August 1881, Die Nr. 34 de« hier erscheinenden„B u m- B u m" bringt einen Versammlungsbericht über eine vor Herrn Gehlsen einberufene Versamm- lung, welcher ein wahres Meistertück von Fälschung ist, und den Lite- raten des„Bum-Bum" alle Ehre macht, weshalb Sie mir erlauben werden, das Ding ein wenig zu zerpflücken. Also 1.„Es hatten sich gegen 400 Genossen eingefunden." Aber das ist ja die reine Friedenstrompete, seit wann sind denn w i r (Tottcuhamstreetler) Eure Genossen geworden? Vorläufig danken wir noch für diese Zumuthung. Aber man merkt den Kniff, diese G eno sscn- schast soll die späteren Lügen ermöglichen, und da wollen wir gleich an die zweite gehen, wenn es auch i, jenem Bericht erst die letzte Finte ist. Also: 2.„Tie Sammlung für die„Freiheit" wurde mit Jubel begrüßt und ergab eine beträchtliche Summe." Warum sagt Ihr denn nicht, dcß diese beträchtliche Summe 11 S h., also 13 2 P e n c e waren; einfach weil Euch folgendes Rechen- exempel nicht gefiel: Anwesend waren 400 Personen Zur Sammlung stcuertea a 1 Pence 132 Mithin steuerten nicht 268 Personen. Rechnen wir hiervon die Akademikir und etwaige Unparteiische ab, so bleibt der Rest ca. 2 00 auf unsern Konto, denn wir steuern zu Eurem „Bum-Bum" nicht; es waren also in jener Versammlung nicht Eure, sondern unsere Genossen. Das gefällt Euch nicht, he!? 3. Daß infolge der Majorität, die wir dort hatten, auch das Büreau in unseren Händen war, verschwindet natürlich unter euren Jongleur- federn vollständig; Kleinigkeiten, hört man Euch da sagen, die beachteten wir nicht, aber warum beachtet Ihr denn diese Kleinigkeiten bei andern Gelegenheiten? Antwort! 4.„Hierauf wurde folgende Resolution unsererseits gestellt." Dies„unsererseits" ist gut. Seit wann gehört denn unser Genosse Rackow, welcher die Resolu- tion stellte, zu Eurer Seite, daß Ihr ein Recht habt, unsererseits zu sagen? Bis jetzt dankt auch Genosse Rackow ganz besonders für die Ehre, zu den Anarchisten gerechnet zu werden. Genosse Rackow nahm das von Euch beantragte Amendement, die Worte„mittels der sozialen Revolution" freiwillig in seine Resolution auf, einestheils weil in diesen Worten für den vernünftigen Sozialisten nichts Unvernünftiges liegt, sondern nur Ihr und Euer Meister Humbug damit treiben, andererseits um Euch eine Ohrfeige zu ertheilen für Euer Benehmen in-der Versammlung zum Zweck eines Protestes gegen die russische Regierung in Sachen der Hessja Helfmann, um Euch zu zeigen, wie man handelt, wenn es gilt, einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Also hinter die Ohren mit dieser Lektion. Treibt Euer Lügenhandwerk weniger frech! X. Z. London, 2. September 1881. Dem A n f r a g e r W. in der„Freiheit" z u r A u f k l ä r un g. Fragen Sie einen vorurtheilungsfreien Sozialisten, der die Gehlsen'sche Versammlung besucht, ob der Bericht im„Sozialdemokrat" erlogen oder entstellt ist, dann werden Sie die richtige Antwort erhalten. Was die Sammlung von 11 Sh. für die„Freih." betrifft, so ist dieselbe nur unfern Genossen zu verdanken, die es für passend hielten, an jenem Abend von allen Privatzänkereien Abstand zu nehmen. Auf den„sich als Auch Revolutionär ausspielenden Heuchler" ist die Antwort sehr ein- fach: wir Sozialisten älteren Datums kennen keinen Unterschied zwischen Sozialist und Revolutionär. Der Sozialist ist Revolutionär. Jedenfalls war für diese Woche kein Sündenbock da, folglich mußte der Lem. her- halten. Das soll uns jedoch wenig geniren, wir bleiben doch der Alte, den Kopf kalt und die Füße warm, das Herz auf dem rechten Fleck und den Verstand nicht im..... Ihr G. Lemke. Brieflasten der Redaktion: Mehrere Einsendungen und ein Theil der Rund« schau mußten wegen Raummangel zurückgestellt werden. Ueb erHaupt bitten wir während der Wahlperiode um Nachsicht. der Expedition. Ntzk: M. 3,-— Ab. 3. Qu. erh.— Rother Franz: Fr. 7,60 f. Schst. erh. N. W.-Verzögerg. liegt am Bchbdr. Weiteres folgt. L. ist uns unbekannt.— I. B. Mw: M.— ,80 fllr Flugf. jc. erh.— Dtsch. Soz. Wthur: Fr. 8,75 Wjds. u. Fr. 8,25 d. Ufds. dkd. zugew. — Schulm. Gew. Wthur: Fr. 5,— d. Ufds. dkd. zugew.— F. S. W: Fr. 8,— Ab. pr. 1881 mit D. verrechnet.— Onkel: M. 11,— 3. Ab. 4. Qu. erh. Stets Alles abges. Weiteres erst in Vorbereitung. Kommt ander« woher.— M. P. Rdsg: Bf. v. 2 9. erh. Borschr. beachtet. Gra- tuliren zum Marderschutz.— Walfische: M. 3,81 durch Bgrm. d. Ufds. dkd. zugew.— Isar: M. 95,— Ab. 2. Qu. erh. Wc iteres bfl. am 5/9. beantw.— K. Worms: Bf. v. 3. ds. erh. u. am 6. beatw. Gewünscht« folgt.— Rothkragen a. d. Cislar: 1 u. 2 eingereiht. H. wohnt nicht mehr in E.— E. V. Eft: Alles geordnet.— Allg. Arb.-Verein Lausanne: Fr. 4,— f. d. Ausgew. durch F. Sch. dkd. erh.— I. H. Tfs: Fr. 3,62 Ab. 3. Qu. erh.— Reichsmaulwürfe: Glück auf zur neuen Etappe. Zugesagtes erwartet.— P. i/S: M. 3,— Ab. 3. Qu. erh. durch U. Alles vorgem.—„Hermine": Bf. v. 5. erh. u. am 7. beantw. — K. Bern:„Da stieg er in sein Tintenfaß u. ärgerte sich grimm und baß;" aber—„Mensch ärgere Dir doch nicht!— A. H. H: Er- satz eingereiht.— Vom Necker: Wird besorgt.— Brutus: Fr. 14,— werden nach Vorschr. verwendet. Dank u. Grnß!— Mdi. Brln: Ihr sozialrevol. Schlachtenbummler ist glückl. eingetroffen u. unter die Schnorrer gegangen. Gott wie praktisch!— Seele: Beide Bse. erh. Den v. 4. am 7/9 beantw. Durch un« zu beziehen: Photographie von Sophia Perowskaja, der heldenmüthigen Vorkämpferin des russischen Volkes. Gestorben durch Henkershand am 15. April 1881. Preis: 1 Mark; sür Arbeiter: 50 Pfennige. Der Reinertrag ist für Propagandazwecke der russischen Revolution«- Partei bestimmt. Abonnements aut den„Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— sowohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgegengenommen bei folgenden Filialen: Zürich Volksbuchhandlung, Casinostrasse 3, Hottingen. Basel M. Fritzenschaft, Deutscher Verein. Gent Wilhelm, 34 chemin des Vollandes. Paris'®r Derveaux, librairie, 32 rue d'Angoulfeme. Kopenhagen N Georg Hoffmann, Korsgade 81, 3. S. Antwerpen Coenen, Dammbrüggenstraat 11. Gent Besse, St. Lievenstraat 163. PriiCflfl Bertrand, librairie, Rue du progres. III 11. Ml g Görler, 15, rue des trois tetes. VprviflM � �a8' Buchhandlung, 136 rue Spintay. 1 1 1> 1 I. Charles Picreanx, 20 rue Luxembourg, Andrimont. Communist. Arb.-Bild.-Verein, 49 Tottenham Street, T Ar, tl An Tottenham Court. Boad,"W. -LiUUllUil B Breul, 54 Polandt Street- Oxford Street. H. Rackow, 33 Nicolas Street Hoxton. M. Daubenspeck, Lererstreet 106 St. Lucas E. C. F. Jonscher, 283 E. Houston Street. "\Iaw YavIt G. Nitzsche, 548, 9. Avenue, City. ilcVV'lUIn. Jos. Stranss, 356 East. 19 Street. Emil Klässig, L. J. P. 0. Box 95(East). Philadelphia Nr-613 per Phlla* ChicagO Jlh k- Lanfermann, 92 S. Market Str. Cincinnati, 0. c- Schumann, 16 Mercer Street St. LOlÜS MO. Gebr. Herminghaus, 1805 Franklin Avenue. Verlag des„Sozialdemokrat" A. Herter, Casinostrasse 3, Hottingen. Gtwetz. vereiatbuchdrucknn Hottinakn-.-jüriib.