Krschewt Wöchentlich einmal in Zürich tSchweiz) Verl«« A. Serter. Sottingen-Aürich Kasinostraxe Z. ZZoisendunzeil sranco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz losten Doppelporto. Der SoMemoKnit Zentral-Krgan der deutschen Sozialdemokratie Aöonnements werden nur beim Verlag l»».d desien bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« VierteljahrspreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband Mk. 3— für Teutschland(Couvert fl. 1. 70 für Oesterreich(Couvert Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder dts Weltpostvereins(Kreuzband). Illserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Cts. 20 Pfg. R? 48. Donnerstag, 24. November. 1881. Ali» au die ßarrespondeuteu null Abonaenien de»„Sozialdemokrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp, Briese von dort an uns und unsere ZeitungS- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Poftverlehr nothwendig und darf leine VorstchtSmaßregel versäumt werden, die Brie'marder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersordernitz ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adresstren, sondern stch möglichst an irgendeine unverdächtige Adresse' außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche fich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweiselhasten Fällen empfiehlt fich behusi größerer Sicherheit Rckommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent> gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern, Jreunde und Genossen! Die Stichwahle« liad glorreich für uutere parlei verlaufen, nunmehr gilt es, auch bei deu Nachwahlen unfern Mann m Helten. In Mainz handelt es Lch jetzt darum, an Stelle Liebknechts, der für Dffenbach annehmen mutzte, ouferrn bewährten, stets schlagfertigen August Webet in den Reichstag zu bringen. Die Gegner werden Riescuankrengnugen machen, uns diesen Mahl- kreis wieder zu entreitzen. Die Mittel unserer dortigen Freunde sind erschöpft, ohne Geldmittel aber ist unter den heutigen RmKLnden, und gerade im Mainzer Mahlkrcise ein Mahlkampf für uns nicht möglich. Darum, Keuosseu und Freunde, ergeht an Such der dringende Mahnruf: Sammelt Hetdmittet für Main;! Lastet unsere Mainzer Henosten, die fich bei der Kaupt- und Stichwahl so wacker gehalten, nicht im Stich! Thuc ein Jeder, was in feinen Kräften steht, und doppelt gibt, wer schnell gibt. Ilud nun noch einmal: Auf für Mai«;! Achtung! Achtung! Da viele auswärtige Besteller, besonders in Deutschland, sowie in Oesterreich, ihre Briefe immer wieder ungenügend frankiren, wodurch uns erhebliche Verluste durch Strafporti entstehen, so bemerken wir hiemit wiederholt: Einfache Briefe(bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz losten: aus Deutschland(und dein iibeigeu Ausland). 20 Psg. aus Oesterreich-Ungarn....... 10 Krz. ©et schwereren Briefen kosten immer jelSGrammweilereSOPsg., bezw. 10 Krz. Die Genossen wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, a l s wir ungenügend frankirten Sendungen in der Regel die Annahme verweigern müssen. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Quittung. Rein-Ertrag der Reise von Fritzsche und Viereck nach den Vereinigten Staaten 12,000 Mk. Davon wurden 2000 für den Unterstützungssond verwendet, 2000 für unvorhergesehene Fälle reservirt, 6000 für die Wahlen verwendet. Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Vom 1. Oktober bis zum 15. November gingen ein: R. Mücke in Buenos-Ayres(Fr. 18,—) Mk. 14,40. A. in Utzendors (Fr. 2,—) 1,60. E— s. M.(Fr. 1,45) 1,16. Gen. Chur v. einer Kegelparlie Fr. 1,10; Fm.—,45) 1,24. Gen. i. Winterthur(Fr. 17,—) 13,60. Konstanz„für 3 Liter getrunkenes Wahlfiegfreibier"— ,75. Von den Thonberg-Leipziger Gen. i. St. Louis(Dllr. 10,—) 41,44. G. PH. R. in R.(Fr. 1,—)—.80. R. B. Brighton(Pfd. St.— 5,-) 5,—. Lawrence, ges. v. neun Gen. d. Karl Möckcl(Dllr. 2,—) 8,—. W. Leipzig 6,—. H. Dessau 5,—. Gotha 20,—. MUlscn St. Jakob 4,20. Ludwigs» Hasen 12,—. S. H. Leipzig 16,98. Frankfurt a. M. 20,—. I. Leipzig 2,—. Delitzsch 11,60. Kom. Arb.-B. Verein London 61,20. Opp. Frankfurt a. M. 15,—. Wien(5 fl.) 8,50. Bremen 100,—. Frankfurt a. Od. 15. S. H. Leipzig 15,66. F. I. Leipzig 3,—. C. M. Leipzig 15,—. P. Dresden 40,—. B. Gotha 3,—. L. Würzen 2,—. B. Dresden 100,—. Sch. Leipzig aus Westpreußen 250,—. X. Leipzig 44,—. H. u. K. Dresden 8,—. B. Dresden 10,—. C. M. Chemnitz 5,—. Osnabrück 79,50. Kalk bei Cöln 36,88. Deutsche in Gens 150,20. P. Leipzig 6,—. Die bei Herrn E. Backofen in Mittweida im Monat Juli mit Be« schlag belegten Gelder sind freigegeben und bestehen aus folgenden Sendungen: München 80,—. München: Druff 10,—. Waldenburg in Schl. 8,50. I. L. in K. 3,—. Posen 26,30. Erfurt: die Fahne hoch 25,—. Genf aociite allemande 20,—. Neumarkt in Schl. 6,—. Rkühlhauser Gen. 2,40. Der in voriger Quittung aufgeführte Posten aus Wyl von Fr. 9,70 war für den Wahlfonds bestimmt. Zusammen. Mk. 1335» 01 Hiezu...„ 2000.— Mk. 3335. Ol Allgemeiner Wahlfonds. 5000 Mk. von einem Ungenannten. M. u. E. in London 10 Pfd. und Prof. Sch. w Manchester 4 Pfd. 12 Sh. in Summa Mk. 296,30. Cöln 372 Mk. Jena 100 Mk. Leipzig sieben Männer-Wahl 40,40 Mk. Augsburg 200 Mk. Gen. in Verviers(Fr. 3 ,—) Mk. 2,40. Wandsbecker Klu b in New-York d. Engels Pf. St. 1. 7. 9.) 28,—. Sauerkraul 16,—. E. H. Z.(Fr. 10,—) 8,—. Deutsche Soz. Zürich d. A. U.(Fr. 97,90) 78,32. Gen. i. Winterthur(deutsche Soz. u. deutscher Ber.) Fr. 17,—. Mz. Fr. 5,-= Fr. 22,-) 17,60. V. Canlina ges.(Fr. 15,) 12.-. K. Bp. Zürich(Fr. 50) 40,-. Ges. im deutschen Ver. Genf(Fr. 9,50) 7,60. I. Hpl. Lstl.(Fr. 2,—) 1.60. Durch R. F.: Dr. St.(Fr. 5,—); Frl. M. Rtm. St. G. Fr. 10,-! A. Z. Fr. 10; K. K. Fr. 5.—; Schw. Fr. 1,—; A. E. Fr. 1.-; B. Fr. 1,-; Bg. Fr.—.50; F. D. Fr. 1.-; Grafel Fr. 2,—; K. Fr. 1,—; Sch. Bern Fr. 3,—; C. Th. S. Fr. 1,—; E. H. S. Fr.—,25; H. H. Pf. u. Gen. Fr. 20,—= 56,75) 45,40. Kom. A..B.-V. London(Pfd. St.—, 16, 6) 16,56. A. G. Rgn. 30,—. Bon dänischen u. deutschen Gen. i. Kopenhagen d. R. B.(Kr. 34,60) 38,40. D. A.-B.-V. Chur. Liste 44: Fr. 9,20; Liste 46: Fr. 3,25; Erlös v. Quittungsmarken Fr. 16,—— 28,45) 22,76. Gen. in Ölten (Fr. 8,—) 6,40. Deutsche Soz. in Wyl(Fr. 6,—) 4,80. Durch R. F.: v. e. östr. Gen. Fr. 1,50; v. Pros. Kkl. Z. Fr. 15,—) 13,20. Dtsch. Soz. Zürich durch A. U.(Fr. 20,35) 16,63. Deutscher Ber. Zürich (Fr. 31,50) 25,20. Neminar(Fr. 50,-) 40,-. Dickst. Gens(Fr.—.50) —,40. Pariser Gen.(Fr. 50,—) 40,—. Deutsche Soz. Zug, ges. bei Gründung der Mitgliedschaft(Fr. 13,—) 10,40. Deutsche Soz. Zürich (Fr. 97,40) 77,92. Glasersachver. Zürich(Fr. 5,—) 4,—. Weisheit do. (Fr. 10,—) 8,—. Deutsch. Ber. Davosplatz(Fr. 7.60) 6,03. Glüh- wurm i. Rs. 1,—. Bon den Walfischen 3,55. Deutsche Soz. Liestal (Fr. 1,50) 1,20. Durch Breul in London: v. Steiger 1,—; v. Gerlach 2,—. Die Genter Sozialisten für ihre kämpfenden Brüder in Deutsch- land d. E. V. B.(Fr. 75,—) 60,—. K. A.-B.-B. London(Pfd. St. 5,—,—) 100,80. Genossen in Antwerpen(Liste 60 Fr. 9,50; für Quittungsmarken Fr. 9,—; Int. Bild.-Ber. Fr. 19,50— Fr. 38,—) 30,40. Von den Freunden in Reutlingen 10.—. Deutsche Soz. Biel (Fr. 9,—) 7,20. Deutsche Soz. Luzern(Fr. 17,—) 13,60. Deutsche Soz. Frauenfeld(Fr. 8,—) 6,40. Allg. Arb.-Ber. Bern(Fr. 6,50) 5,20. Paris s. d. Stichwahlen v. X. B. Fr. 5,—; L. Fr. 5,— P. F. Fr. 5,—;) 12,—. Pariser Gen.(Fr. 76,60; F. Bs. Fr. 5,—, durch B. von P. B. Fr. 5,—; L. Fr. 3,-; D. Fr. 2,—= Fr. 91,60) 73,28. Deutscher Verein Glarus(Fr. 3,—) 6,40. Deutsche Soz. Frauenfeld(Fr. 2,50) 2,—. Ges. d. d. Mhr. Rattenvertilger(E. R. 2,—, A. M. 3,—) 5,—. Von d. Walfischen 5,40. Alter Schnauzbart 2.—. Frauenseld ges. b. d. Verlobung eines Genossen(Fr. 1,60) 1,28. G. T. in Krähwinkel 37,-. G. PH. R. in Ii.(Fr. 1,04)- 83. R B. Brighton für Selim(Pfd. St.— 10,—) 10,—. R. Jäcklin Lawrence (Dllr. 2.-) 8,—. F. S. O. durch R. F.(Fr. 6,25) 5,-. Deutsche Soz. Winterthur(Fr. 9,—) 7,20. Do. ges. bei einem gemüthl. Erdäpfel- mahl(Fr. 1,—)—.80. L. S. Th. d. R. F.(Fr. 1,30) 1,44. Zürich durch Kappes: Dr. Sn. Fr. 20,—; C. A. 2,—; M. E. 1,25; Zu- sammenkunfl v. Wiuterth. u. Züricher Schuhmachern 2,80; R. 1,—- (Fr. 27,05) 21,64. Deutsche Soz. Zürich do. 4. Rate, ges. d. A. U. (Fr. 20,35) 16,63(inkl. Fr. 5,- v. Robertsen). Zusammen. Mk. 7084. 72 Hiezu...„ 8000.— As,___ Mk. 15.084. 72 Flugschriften-Fonds. Genossen in Gens(Fr. 14,—) Mk. 1 1.20. G. L. London 5,—. Gen. i. Kopenhagen 1,20. R. B. Brighton(Pfd. St.—3,—) 3,—. Zusammen Mk. 20. 40 Agitationsfouds. Nr. 512 Mk.—,80. Serlow 2,-. Zus. Mk. 2. 80 Eine kaiserliche Botschaft und eine sozial- demokratische Antwort. An demselben Tage, an welchem der deutsche Kaiser dem neu- gewählten Reichstag durch seinen Reichskanzler in einer Botschaft sein �allerhöchstes Einverständniß" mit der sogenannten Sozial» reform des Letzteren vei künden ließ, machte durch die deutsche Presse eine Erklärung unserer Genossen Bebel und Lieb- knecht die Runde, welche mit Recht als die Antwort der Sozialdemokratie auf die kaiserlichen Ausführungen betrachtet werden kann. Aus diesem Grunde halten wir es für zweck- mäßig, beide Erklärungen an hervorragender Stelle im Parteiorgan abzudrücken. In der kaiserlichen Botschaft heißt es: „Schon im Februar dieses Jahres haben Wir Unsere Ueberzeugung aussprechen lassen, daß die Heilung der sozialen Schäden nicht aus- schließlich im Wege der Repression sozial-demokratischer Ausschreitungen, sondern gleichmäßig auf dem der positiven Förderung de« Wohles der Arbeiter zu suchen sein werde. Wir halten es für Unsere Kaiserliche Pflicht, dem Reichstage diese Ausgabe von neuem an's Herz zu legen und würden Wir mit um so größerer Befriedigung auf alle Erfolge, mit denen Gott Unsere Regierung sichtlich gesegnet hat, zurückblicken, wenn es uns gelänge, dereinst das Bewußtsein mitzunehmen, dem Vaterland e neue und dauernde Bürgschaften seines inneren Frieden« und den Hilfsbedürftigen größere Sicherheit und Ergiebigkeit des Bei- standes, auf den sie Anspruch haben, zu hinterlassen. In Unseren darauf gerichteten Bestrebungen sind Wir der Zustimmung aller verbündeten Regierungen gewiß und vertrauen auf die Unterstützung des Reichstages ohne Unterschied der Parteistellungen. „In diesem Sinne wird zunächst der von den verbündeten Regierungen in der vorigen Session vorgelegte Entwurf eines Gesetzes über die Ver- sicherung der Arbeiter gegen Betriebsunfälle mit Rücksicht auf die im Reichstag stattgehabten Verhandlungen über denselben einer Umarbeitung unterzogen, um die erneute Berathung desselben vorzubereiten. Ergänzend wird ihm eine Vorlage zur Seite treten, welche sich eine gleichmäßige Organisation des gewerblichen Kranken- k a s s e n w e s e n S zur Aufgabe stellt. Aber auch diejenigen, welche durch Alter oderJnvalidität erwerbsunfähig werden, haben der Gesammtheit gegenüber einen begründeten Anspruch aus ein höheres Maß staatlicher Fürsorge als ihnen bisher hat zu theil werden können. Für diese Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden, ist eine schwierige, aber auch eine der höchsten Aufgaben jede« Gemeinwesens, welches aus den sittlichen Fundamenten de« christlichen Volkslebens steht. Der engere Anschluß an die realen Kräfte dieses Volkslebens und das Zusammensassen der letzteren in der Form korporativer Ge- Nossens chaften unter staatlichem Schutz und staatlicher Förderung werden, wie Wir hoffen, die Lösung auch von Aufgaben möglich machen, denen die Staatsgewalt allein in gleichem Umfange nicht gewachsen sein würde. Immerhin aber wird auch auf diesem Wege das Ziel nicht ohne die Auswendung erheblicher Mittel zu erreichen sein."— „Auch die weitere Durchführung der in den letzten Jahren begonnenen Steuerreform weist auf die Eröffnung ergiebiger Einnahmequellen durch indirekte Reichssteuern hin, um die Regierungen in den Stand zu setzen, dafür drückende direkte Landessteuern abzuschaffen und die Gemeinden von Armen- und Schullasten, von Zuschlägen zu Grund- und Personalstenern und von anderen drückenden direkten Abgaben zu entlasten. Der sicherste Weg hierzu liegt nach den in benachbarten Ländern gemachten Erfahrungen in der Einführung des Tabakmonopols, über welches Wir die Entscheidung der gesetzgebenden Körper des Reiches herbei zu führen beabsichtigen. Hierdurch und demnächst durch Wieder- holung früherer Anträge auf stärkere Besteuerung der Getränke sollen nicht finanzielle Ueberschüsse erstrebt werden, sondern die Umwandlung der bestehenden direkten Staats- und Gemeindelasten in weniger drückende indirekte Reichssteuern. Diese Bestrebungen sind nicht nur von fiskalischen, sondern auch von reaktionären Hintergedanken frei; ihre Wirkung auf politischem Gebiete wird allein die sein, daß wir kommenden Generationen das neu entstandene Reich gefestigt durch gemeinsame und ergiebige Finanzen hinterlassen." Die Erklärung unserer Genossen aber lautet: „Die Mittheilungen des„Reichsboten" in Bezug auf die Unterhand- lungen, welche anläßlich der Stichwahlen im vierten und sechsten Berliner Wahlkreis zwischen den Führern der Konservattven und Sozialreformer (den Herren Prof. Wagner, Hofprediger Stöcker, Distelkamp w.) einerseits und Angehörigen der sozialdemokratischen Partei andererseits stattgehabt haben, veranlassen uns zu folgender Darlegung: Donnerstag Mittag den 10. November erschienen hier in Dresden zwei unserer Berliner Parteigenossen und theilten uns mit, daß zwischen ihnen und den Führern der Konservativen und Sozialreformer Unter- Handlungen wegen der bevorstehenden engeren Wahlen in Berlin staltge- funden und zu folgendem Resultat geführt hätten: Wir, bis Untcvjcictznctcu ucljft H<»scnklcvcr, futXtcit fufyculic©ttfiUaui; unterschreiben: „Wir erklären: 1. Daß wir die arbeite r freundliche Absicht der beut- schen Reichs regierung in ihrer Reformpolitik anerkennen; 2. daß wir ernstlich gewillt sind, gemeinsam mit den sozial- resormerischen Parteien in Frieden an der Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse zu arbeiten; 3. daß wir hoffen, nach dem Worte eines unserer Reichstags-Abgeord- neten(?) durch energische soziale Reformen die Revolution zu überwinden." Als Preis für die Unterzeichnung dieser drei Punkte wurde uns geboten: 1. Die oben erwähnten Führer der Konservativen und Sozialreformer Berlins wollten dafür eintreten, daß ihre Parteigenossen im vierten und sechsten Berliner Wahlkreis bei der Stichwahl am 12. Nov. s ü r uns stimmten; 2. erboten sie sich, alsdann folgende Gegenerklärung zu unterzeichnen: „Dagegen erklären wir, daß wir, wenn die deutschen Sozialisten auf gesetzlichem Wege innerhalb der bestehenden Staatsordnung die Reform erstreben, wir für die Aufhebung des Sozia- listengesetzes im g e g e b en e n F a ll e stimmen wer- d e n." Weiter wurde uns mündlich mitgetheilt: Weigerten wir uns, auf diesen Vertrag einzugehen, so würden die erwähnten Füh- rer die Losung ausgeben: S.t i m m e n t h a l du n g und dann sei unsere Niederlage in Berlin gewiß. Wir haben daraus entschieden und bestimmt mündlich erklärt: 1. Daß wir jeden Schacher und Stimmenkauf von uns wiesen; d a ß wir lieber 3000 ehrlich gewonnene Stimmen, als 30,000 erkaufte haben wollen; daß wir nicht in der Lage seien, die mit Erlaß de« Sozialistengesetzes inaugurirte Wirthschaftspolirik der Re i ch s r e g i e r u n g: Ver- mehrung und Erhöhung der indirekten Steuern und Zölle aus nothwendige Lebensbedürfnisse, Vermehrung der Militärlasten, Jnnungsgesetz u. dergl. als arbeitersreuudlich anzuerkennen; 2. daß wir nie abgelehnt— wie unsere Haltung und unsere Erklä- rungen noch zuletzt gegenüber dem Unsallgesetz gezeigt— Reform- Vorschläge der Reichsregierung ernsthaft zu prüfen; zu versuchen, sie unfern Wünschen entsprechend umzugestalten und, wenn sie unserm Standpunkt entsprächen, zu akzeptiren, daß wir es aber ab- lehnen müßten, mit Parteien gemeinsamxSache zu machen, die in ihrenBestrebungen reaktionär und daruui arbeiterfeindlich seien; 3. daß. wenn mit Punkt 3 die Annahme ausgesprochen sein sollte, als wollten wir eine gewaltsame Revolution, dies eine ganz will- kürliche Annahme sei. Wir hatten stets erklärt, daß planmäßige, gründliche und ganze Reformen der gewaltsamen sozialen Revolution, die andernfalls eine nothwendige Folge unserer politischen und ökonomischen Entwicklung sei, vorbeugen könnten und wir nicht verantwortlich seien für Dinge, die nicht in unserem Willen und in unserer Macht liegen, sondern von dem Willen und der Macht unserer bisherigen Gegner abhängen. Mit dieser Antwort reisten unsere Parteigenossen nach Berlin zurück. Da« Wahlresultat ist bekannt.---- Dresden, den 16. November 1881. A. Bebel. W. Liebknecht." Setzt man in der letzteren Erklärung überall statt konservative Partei Reichsregierung, und thatsächlich sind ja doch die Herren Wagner, Stöcker und Genossen nur die Mundstücke Bismarcks, so haben wir ein Bild der Situation unserer Partei in Deutsch- land, wie es klassischer nicht gekennzeichnet werden kann. Wir nannten absichtlich die Erklärung unserer Genossen eine Antwort auf die Botschaft, obwohl eigentlich das Umgekehrte der Fall ist: die Botschaft ist eine Antwort auf die Erklärung. Am 10. November fanden die Verhandlungen statt, von denen Bis- marck zweifelsohne unterrichtet worden war, noch am 12. erscheint in der„Norddeutschen Allgemeinen" an hervorragendster Stelle ein Leitartikel, in dem es am Schlüsse mit unverkennbarer Ab- sichtlichkeit heißt: „Es in der That leicht ersichtlich, daß, soweit die liberale Partei sich an dem Genüsse der Gegenwart genügen läßt und die Sorge für die Zukunft ihren Enkeln überweist, ihr aus dem durch jene Repressiv- maßregeln(dem Sozialistengesetz) geschaffenen Zustande mannigfache Vortheile erwachsen. Einmal ist die Furcht des Liberalen in Bezug auf die Sicherheit seines Eigenthums und seiner Person durch das Bestehen jener Repressivmaßregelu zur Zeit beseitigt; andererseits sind diejenigen Volksklaffen, aus deren Unzufriedenheit die Agitation Nahrung zog, zur Zeit weniger fähig, als eS ohne dieses Ausnahmegesetz der Fall wäre, die wohlwollenden Absichten der Re- gierung zur Hebung ihrer Lage zu würdigen und diese zu unterstützen; vielmehr werden einige Elemente dieser Volksklaffen aus Widerwillen gegen jene Repressivmaßregeln geneigt sein, der sortschritt- lichen Bekämpfung der Regierung ihre Unterstützung zu leihen. Die liberale Bourgeoisie hat also, Dank dem Sozialisten- gesetz, politische Verbündete in der Klaffe ihrer wirthschaft- lichen Erbfeinde, den Arbeiterklassen, gefunden, deren un- bequeme Ansprüche aus ökonomischem Gebiet diese selbe liberale Partei gleichwohl nach wie vor zu vereiteln sucht.— In der That eine an- genehme Lage— so weit sie vorhält. „Es ist nicht nöthig, hervorzuheben, daß diejenige staatsmänuische Aus- fassung, die von der Regierung erwartet werden darf, sich nicht mit diesem Genüsse der augenblicklich sichergestellten Gegenwart genügen lassen kann, und daß dieselbe unablässig trachten muß, durch Befriedigung der gerechten Forderungen der Arbeiter den gesunden Kern der sozialistischen Ideen zu verwirklichen und dadurch der revolutionären Richtung der Sozialdemokratie den Boden zu entziehen. Wenn diese Reformen durchgeführt sein werden, dann wird auch das Gesetz vom 2 1. Oktober 1878 un nöthig geworden sei n." Deutlicher kann man schon nicht mehr reden. Offen und unumwunden wird uns hier zugerufen: Stimmt meiner Sozial- reform zu, und das Sozialistengesetz ist nicht mehr! Auf schwache Gemüther hätten so verführerische Lockrufe ihre Wirkung sicher nicht verfehlt, keine andere Partei hätte in gleicher Lage wie die Sozialdemokratie ihnen Widerstand geleistet— man vergleiche nur die ewige Jammerei der Nationallibcralen— die Sozialdemokratie aber, durch Kampf und Verfolgung gehärtet, antwortet im Be- wußtsein der Stärke ihrer Sache selbstbewußt: Nein! wir verzichten nun und nimmermehr auf das Recht der selbständigen Prüfung. Soweit Eure Projekte den Arbeitern von Nutzen, nehmen wir sie an— ohne Euren Dank dafür zu verlangen, soweit sie aber die Arbeiter schäbigen— und dazu gehört vor allen Tingen Euer Lieblingsprojekt, die Ersetzung der direkten Steuern durch indirekte, durch Mehrbelastung der nothwendigsten Lebensmittel,— weisen wir sie rundweg ab, ohne Furcht vor Euren Repressalien. Auf reaktionäre, d. h. arbeiter- feindliche Bestrebungen lassen wir uns nicht ein. Da kommt nun die kailerliche Botichast, von Neuem wird die zärtliche Fürsorge für das Wohl der Arbeiter in den Vorder- grund gestellt, das Sozialistengesetz aber nur flüchtig berührt, und die Versicherung abgegeben, daß die Umwandlung der be- stehenden Staats- und Gemeindelasten in„weniger drückende, indirekte Reichssteuern"—— nicht nur von fiskalischen, son- dern auch von reaktionären Hintergedanken frei ist". Wir wollen ja gar keine Reaktion, wir wollen nur den Bestand des Reiches sichern, heißt es am Schlüsse. Aber die Logik der Sozialdemokratie ist unerbittlich, ihr gegen- über helfen keine Ausflüchte. Die kaiserliche Botschaft wird mit den Worten abgetrumpft: daß wir nicht in derLage sind, die Erhöhung der indirekten Steuern— als arbeiterfreundlich anzuerkennen. Ob sie von reaktiv- uären Hintergedanken frei ist, das ist uns sehr gleichgültig, sie ist an und für sich so reaktionär, daß es der Hintergedanken gar nicht bedarf. Was soll es denn noch Reaktionäreres geben, als dem Arbeiter zehnfach das vom Munde wegzureißen, was er von Rechtswegen höchstens einfach zu zahlen hätte? Für den reichen Mann, für den Kanzler, mag es„wenig drückend" sein, wenn die Lebensmitlel theurer werden, für den Arbeiter, der Feuilleton. M e r e s ch a g i n.�) i. Wien, den 31. Oktober 1881. Die Fazzade des Wiener Künstlerhauses ist von zwei Flammen elek- irischen Lichtes taghell erleuchlel. Die intensive Helle reicht weit hin über die breite maeadamisirte Straße. Sie läßt die lange Doppelreihe der Wagen und die vor dem Hause dicht angesammelte Mäige genau erkennen, die au« allen Ständen zusammengesetzt, nur langsam und ruck- weise gegen das weitgeöffnete Thor sich vorzuschieben vermag. Im Vestibüle, das ebensalls, gleich den Ausstellungsräumen, im elektrischen Licht erstrahlt, stehen die Besucher Kops an Kopf gedrängt; Bewegung und Gegenbewegung ist hier gehemmt und an den Kassen, wo die Beamten den Anforderungen nicht zu genügen vermögen, balgt man sich um die Karten. Jetzt ist unter dem ordnenden Einschreiten einiger Sicherheitsorgane wieder ein Schub befördert und die Glücklichen eilen die breite Marmor- treppe hinaus nach dem ersten Stock, um die Gemälde Wereschagins in Augenschein zu nehmen. Seit dem Bestände des Künstlerhauses hatte noch bei keiner Ausstellung, welchen Namen sie auch trug, sich eine solche Theilnahme des Publikums kundgegeben, war ein solcher Massenandrang zu verzeichnen gewesen. In ungeduldig fröhlicher Erwartung, voll lebhafter, oft witzelnder Neugier, als gelte es wie gewöhnlich die nackten Weiber Matorfs zu bewundern, betreten die Besucher den Mittelsaal. Wenn sie die Runde gemacht, ist das Lächeln aus ihren Zügen entschwunden. Sie sehen ernst und nachdenklich; von heimlichem Grauen ersüllt, die Meisten in lauter erregter Weise das Gesehene diskutirend. Aber was hat dieser Maler denn dargestellt, was diese fast wilde Neu- gier hervorgerufen, was hat man denn gesehen, was diese sonst so in- differente Menge aus ihrer Ruhe bringt, ja verstört? Ein Stück Menschengeschichte—' eine bisher sorgfältig verhüllte Wahrheit. Und sie alle empfinden sie als solche, denn sie alle find für diese Er- kenntniß reif, und nicht Einer ist darunter, der zu sagen wagte: das ist absichtliche Entstellung und Uebertreibung, das ist mit zu brutalen Farben gemalt, es ist eine Lüge; nein, kein Einziger. Und wer vermöchte sich auch dem Eindrucke des Wahrhastigen, des Wirklichen zu entziehen, wenn man nur erst einmal den Muth hat, dergleichen vor das Forum der *) Wegen Raummangels bisher zurückgelegt. ____ i!____ mit Pfennigen zu rechnen hat, bedeutet jeder Preisaufschlag nur neue Entbehrungen. Und mag man die Verfolgungen gegen uns verzehnfachen,- niemals werden wir unsere Zustimmung zu solchen„Reformen" geben. Niemals werden wir um das Linsengericht einer Unfalls- und Invalidenversicherung von höchst zweifelhaftem Werthe das Recht des Volkes auf Arbeit und Existenz, niemals das Recht und die Pflicht des Volkes, seine Forderungen im Roth f alle mit Gewalt durchzusetzen, preisgeben. Das ist die stolze Antwort der Sozialdemokratie auf die Kaiserliche Bolschaft. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 23. November 1881. — Der Sieg der deutschen Sozialdemokratie über die vereinigte Reaktion hat unter den Sozialisten aller Länder freudige Begeisterung hervorgerufen. Ganz besonders find es die Nachbarländer Deutschlands, in denen unsere Genossen mit gespannter Aufmerksamkeit der deutschen Wahlbewegung gefolgt sind. Sie waren gewohnt, die deutsche Sozialdemokratie als ihre Vorkämpferin zu betrachten, an ihrer rastlosen Thätigkeit sich ein Muster zu nehmen, und als nun das Sozialistengesetz kam, als uns die öffentliche Agitation unmöglich gemacht wurde, als es den Anschein hatte, als sei die deutsche Sozialdemokratie in sich zerfallen, da litt auch bei ihnen die sozialistische Bewegung schwer, man kann fast sagen, daß ihnen das Sozialistengesetz mehr Schaden zugefügt hat als uns. Desto größer ist aber jetzt unter ihnen der Jubel Uber unseren glänzenden Sieg, der sicher nicht ohne Rückwirkung bleiben wird. „Das Wahlresultat", schreibt unser Wiener Bruderorgan,„Die W a h r h e i t",„hat unsere Erwartungen weit übertroffen und uns mit neuem Muthe erfüllt. Es sollte uns aber auch anspornen, eine energische Agitation für die Einführung des allgemeinen Stimmrechts in Oester- reich ins Leben zu rufen." Und an einer anderen Stelle: „Wir sprechen ihnen, den wackeren Arbeitern Deutschlands, in unserem, wie im Namen unserer politischen Freunde in Oesterreich den herzlichsten Dank für ihre Haltung aus." Die„Arbeiter-Wochen-Chronik" in Budapest schließt ihren Artikel über die deutschen Wahlen mit folgenden Worten, denen sie unfern Aufruf zu Geldsammlungen anfügt:� „Uns aber soll das Beispiel der deutschen Genossen aneifern zum Aus- harren in unseren Bestrebungen und wenn je, so gilt in Bezug auf die deutschen Genossen das Wort: Gehet hin und thut des- gleichen!" Das Organ der belgischen Sozialdemokratie, die Genter„Toekomst", schreibt:„Unsere Genossen haben die Feuerprobe würdig bestanden, sie werden in dem sortdanernden und heißer werdenden Streit die Fahne nicht sinken lassen. Unsere Partei ist unbesiegbar, wie ihre Prinzipien unüberwindlich sind. Was unsere Feinde auch anstellen, um uns zu vernichten, wird sruchtlos sein. Darum, Genossen, niemals den Muth verloren!" Und um ihre Solidarität durch die That zu beweisen, haben unsere Genter Genossen sofort eine Sammlung zu Gunsten unseres Wahlfonds vorgenommen, welche die Summe von 75 Fr. ergab. „Mit Ehrfurcht und Bewunderung", schreibt unser holländisches Brnderorgan,„Recht vor Allen",„werden wir erfüllt, wenn wir vic Auvdnucv ttttb Kraft mit der unsere sozialistischen Brüder in Deutschland den Wahlkampf geführt haben." Der„P r o l e t a i r e", das Organ der französischen Arbeiterpartei, schreibt:„Die Wahlen vom 27. Oktober werden in den Annaleu der deutschen Sozialdemokratie Epoche machen."...„Die von ihr erzielten Resultate sind der stärkste Stoß, welchen die Bismarck'sche Politik in Deutschland erhalten hat. Drei Jahre Bismarckischen Schreckens... haben den Triumph der deutschen Sozialdemokratie nicht verhindern können." „O Protest o", das Organ der sozialistischen Arbeiter Portugals, schreibt:„Alles in Allein ist das Wahlergebniß ein glänzender Sieg, zu welchem wir dem Volk und den Sozialisten Deutschlands Glück wünschen können." Der„A v a n t i!" von I m o l a, der in der uns vorliegenden Nummer erst das Ergebniß der Hauptwahl kannte, begrüßt dasselbe mit Freuden, indem er die vielen Schwierigkeiten in Betracht zieht, welche die soziale Demokratie besiegt hat. Die sozialistische und radikal-demokratische Presse der Schweiz: „A r b e i t e r st i in m e",„G r ü t l i a n e r" und„V o l k s s r e u n d", die sozialistischen Organe Nordamerikas:„N ew-Dorker Volkszeitun g",„B o r b o l e" u. s. w., sie alle stimmen darin überein, daß die Wahlen vom 27. Oktober ein glänzendes Zeugniß für den Muth und die Ausdauer der deutschen Arbeiter darstellen. Und wenn es überhaupt noch eines Zeugnisses für den imposanten Eindruck Oeffentlichkeit zu bringen! Wereschagin hat es gethan und er hat damit der Kunst eine neue Richtung gegeben. Er hat, seinem unabhängigen Geiste folgend, sich von der guten alten Sitte emanzipirt, die dem kaiserlich königlichen Schlachtenmaler bisher nur gestattete, den Sieg und die Sieger zu malen; in überschwenglicher Manier den hohen Kriegsherrn zu verherrlichen und in allerlei rührenden, mehr oder weniger gut erfundenen Szenen den unerschütterlichen Muth, die stets flammende Begeisterung der Truppen zur allgemeinen Kennmiß zu bringen. Wereschagin hat seine Schlachtenbilder nicht aus Kommando gemall, sie sind unverkäuflich, sie gehören ihm. Es ist sein Eigenstes und es ist eine edle licsmitempfindende Seele, die sich darin ausspricht. Gleichwohl scheint er die zarte Empfindsamkeil und ästhetische Rücksicht nicht zu kennen, die da gebietet, das Auge des Volkes mit all' den Gräueln des Bestehenden zu verschonen. Mit unerbittlicher Nariirwahrheil malt er, was er gesehen und selbst erlebt hat: die entsetzliche Misse that an d er M e n s ch h e i t, den Privilegs rten Massenmord. Man sieht und schaudert; selbst der durch die Gewohnheit abgestumpfte, die„Ordnung" hochachtende Bourgeois wird seiner Vernunft die schüch- lerne Frage gestatten müssen, ob denn eine„Ordnung", in welcher der Machtsprnch eines Einzelnen genügt, um die kraftvolle Jugend eines Volkes zu so unsäglichen Leiden oder zu einem frühen Tode zu ver- urtbeilen, nicht verdammenswerth ist, und ob Menschenopfer zu fordern wirklich ein unantastbares Recht der Krone sei? Wir haben in den Gemälden Wereschagins die Schlachtfelder des letzten Orientkrieges vor uns.„Bilder vom russisch-türkischen Kriegs- schauplatze" sagt der Katalog, der überall, wo der Maler allein nicht ausreicht, m trefflichen Kommentaren und Randglossen das volle Ver- ständniß herbeiführt. „Vor dem A n g r i s f" betitelt sich dieses Bild. Es bringt eine Episode vor der Erstürmung P l e w n a' s durch die Russen. Der Tag ist trüb, ein feiner Regen rieselt hernieder. Hinter einem Verhau, dicht aneinandergedrängt und auf dem nassen durchweichten Boden hingekauert, dessen klebriger Schmutz an ihren Kleidern haftet, harren die russischen Soldaten in banger fiebernder Erwartung des Befehls zum Angriff. Ein Generals und einige Offiziere stehen an ihrer Seite. Bangen Auges sehen sie nach der türkischen Festung gegenüber. Aus ihren blassen, eingefallenen Zügen spricht der Ernst ihrer Lage; sie wissen es wohl, sie stehen vor einer schweren Stunde, aber sie versuchen es, den Soldaten Muth einzusprechen:„Haltet Euch wacker, Brüderchen. Es ist heute der Namenstag des Zaren, ihr Braven sollt dem Kaiser Plewna zum Geschenk darbringen!"— „Nach dem A n g r i s s." Wir sehen einen Verbandplatz. Die bedürfte, den die Wahlerfolge unserer Partei allüberall in Arbeiter- kreisen gemacht haben, so ist es die Thaffache, daß die anarchistischen Blätter theils ganz darüber schweigen, theils aber krampfhaste Anstreng- ungen machen, hie und da einen Rückgang anszufinden. Das soll uns aber die Freude nicht verderben, wir werden uns ohnehin nicht aus die Bärenhaut legen, sondern mit frischem Muthe weiter arbeiten an dem Riesenwerk der politischen und sozialen Befreiung des Proletariats. — Die Botschaft, mit welcher der deutsche Kaiser dem neugewähl- ten Reichstag kund und zu wissen that, daß Er mit Seinem Kanzler ein Herz und eine Seele ist,— wer da das Herz ist und wer die Seele, liegt auf der Hand— ist eine bittere Nuß für die Herren Forckenbeck, Richter und Genossen. Mögen die Herren noch so laut schreien: Wir wollen von den Hohenzollern regiert werden und nicht von ihrem Hausmeier! so lange sie den alten Herrn nicht pensioniren, so lange werden sie mit ihrem Geschrei den Bismarck nicht los. Und so wackelig es mit dem Erstcren auch steht, so hat er nun einmal ein zähes Leben und mag es bei guter Pflege wohl noch so ein paar Jährchen aushalten, wogegen wir natürlich nichts einzuwenden haben, da nach unserer Ansicht das monarchische Prinzip durch einen 84jährigen Mann am zweckmäßigsten vertreten wird. Was nun Kaiser— pardon Kanzler Bismarcks Botschaft anbetrifft, so ist das ein äußerst lustiges Ding.„Der Parlamentarismus, wie er ist", wird da in so vortrefflicher Weise geohrseigt, daß wir unseres Freundes Lothar Bucher„bewährte" Feder in jeder Zeile wieder- erkennen. Die armen Liberalen krümmen sich ordentlich, um diese kai s er- lichenOhrfeigen, die ihnen in der Botschaft allergnädigst verabfolgt werden, in unterthänigster Demuth abzuwehren. Indem sie mit gewohnter Schlauheit den Kaiser immerfort als das Blümchen Rührmichnichtan hin- stellten, erhalten sie jetzt den wohlverdienten kaiserlichen Fußtritt. Alles, gegen was sie geeifert, die neue WirthschaftSpolitik, das Tabaksmonopol, die zweijährigen Etats- und die vierjährigen Legislaturperioden, wird ihnen jetzt vom Kaiser,— nicht vom Kanzler— huldreichst präsentirt. Jetzt zieht die Phrase vom Hausmeier nicht mehr, denn ein Hausmeier setzt, — wie die Offiziösen mit Recht behaupten— einen durchaus unsühigen, unselbstständigen Fürsten voraus, so daß wer Bismarck Hausmeier der Hohenzollern nennt, eigentlich wegen Majestätsbeleidignng bestraft werden sollte. Nachdem aber nun gar der Kaiser mit allerhöchsteigner Unterschrift bebxiest und besiegelt hat, daß er noch Herr im Hause ist, da cxistirt für ein ächt liberales Gemüth gar kein Zweifel mehr—„der König rief, und Alle, Alle kamen!" Da sitzen die Herren nun in der Zwickmühle und warten aus Erlösung. Wären sie Männer, so könnten sie bei der jetzigen Zusammensetzung des Reichstages Bismarck arg in die Klemme bringen, da sie aber Liberale sind, so warten sie auf den„liberalen Kronprinzen" und begnügen sich einstweilen mit dem politischen Schacher. Bismarck hat ja die allerhöchste Erlaubniß erhalten, seine Minister zu nehmen, wo er sie findet, der Preis des Schachers wäre also da— und sein Gegen- stand, die Interessen des Volkes, du lieber Gott, wer wird nach den Wahlen noch ernsthast davon reden! Man wägt die eigenen Jnter. essen sorgfältig gegeneinander ab, das ist die Hauptsache.„Mir ein Vier- tel, dir ein Viertel", wie es im Liede heißt, gestohlen werden sie doch— dem Volke nämlich. — Noch einmal zur Stichwahl in Berlin. In unserem heutigen Leitartikel haben wir den Schlußpassns der Erklärung von Bebel und Liebknecht fortgelassen, weil derselbe mit der dort behandelten Frage nichts zu thun hat. Unsere Genossen konstatiren nämlich ausdrücklich, was wir bereits in der vorigen Nummer festgestellt hatten, daß das in der Stichwahl erzielte Stimmenmehr unserer Partei hauptsächlich von solchen Wählern herrührt, welche in der ersten Wahl, weil sie an einen Sieg unserer Partei nicht glaubten, theils um der politischen Freiheit lind Opposition willen für den Fortschrittler, theils um der veriprocheueo Sozialrejorm willen für den Kandidaten der Konservativen Mimten, sich aber nunmehr wieder dem Gros unserer Partei angeschloffen haben. Der „Volks-Zeitung" paßt das natürlich nicht in den Kram und sie möchte gerne mit aller Gewalt nachweisen, daß der Zuwachs unserer Partei von den Konservativen herrührt. Daß seine eigenen Kandidaten Träger und Klotz bei der Stichwahl anstatt eines Mehrs, wie es sonst bei den Stichwahlen der Fall ist, ein Minus von zusammen 1500 Stimmen erzielten, vergißt das fortschrittliche Organ dabei vollständig. Wie ernst es aber die Konservativen mit der Wahlenthaltong nahmen, dafür liesert die„Volkszeitung" in ihrer Nr. 272 selbst den besten Beweis, indem sie schreibt: „Uns sind Fälle bekannt, in denen Bureauchefs ihren Unter- gebenen am Morgen der Wahl förmlich Bortrag gehalten und ihnen aus dem angegebenen Grunde*) Wahlenthaltung empfohlen oder sie, was dasselbe ist, durch eine Kontrole a m W a h l t i s ch e zur Wahlenthaltong gezwungen haben." Das zeigt denn doch deutlich genug, daß das antisortschrittliche Wahl- komite die Bebcl-Liebknecht'sche Antwort richtig ausgefaßt hat. Der Stöcker'sche„Reichsbote" versucht gleichsalls zn flunkern, indem er behauptet, daß„Berliner Sozialisten den Unterhändlern des antisort- schrittlichen KomiteS ihr lebhaftes Bedauern über das Scheitern der Ver- *) Nämlich daß beide Kandidaten Reichsseinde seien. Menge der Verwundeten war über Erwarten groß; was zur Verpflegung der Kranken vorgesorgt worden, reicht bei weitem nicht aus. Ein Divi- sionslazareth, welches für 500 Menschen abgetheilt war, hatte man mit 8000 angefüllt. Und nun regnet es, und die schutzlosen Verwundeten schwimmen förmlich in Schmutz und Wäger und Blut. Die Aerzle thun, was sie können, die barmherzigen Schwestern suchen mit bewun- dernswerther Ausopferung das Elend dieser Armen zu lindern, aber der Leidenden sind zn viele. Sie bleibe» ohne Verband, ohne Nahrung, ihrer Qual, der Berzweislung anheimgegeben, die Meisten schon den Tod in den schmerzverzerrten Zügen. Diejenigen, die versorgt werden konnten, sitzen still, in sich gekehrt, vielleicht in der Erinnerung an die Lieben in der Heimath. Ein hübscher junger Bursche, ganz im Vordergrund, mit verbundenem Arm, die Tücher vom Blute starrend, der mit großen treuherzigen Augen so traurig vor sich hin sieht, macht einen tief wehmürhigen Eindruck. Eines der bewundernswerthesten Gemälde, von vollendeter Meisterschaft zeugend, betitelt sich„Die Siege r". Jede der vielen Gestalten ist voll Ausdruck und Charakter in der Zeichnung, voll Kraft und Ueppigkeit in der Farbe. Die Türken haben die Russen geschlagen und hier auf dem Schlacht- selbe, inmitten des hundertsältigeil Todes, der grausigsten Verstümmelung, kommt die ganze Brutalität des Siegers, die freudetrunkene Rohheit des zur Bestie umgewandelten Bienschcli zum Dnrchbruch. Die Sterbenden und Verwundeten werden geplündert und gemartert, man sieht, wie die Sieger sie ihrer Kleider, ihrer Wäsche selbst berauben, man sieht die grausigen Säbelhiebe auf den schon entblößten Körpern. Hier zieht ein Arnaute einem Kosaken die Stiesel von den erstarrten Fiißen, um sie sogleich selber anzulegen, neben ihm kugelt ein Kopf, der von dem noch blutenden Rumpf abgetrennt ist. In der Mitte des Bildes sehen wir einen graubärligen Orientalen, in dem verwilderten, fast thierischen Gesicht ein schlaues Schmunzeln. Er hat soeben die glänzende, ordcnverzierte Uniform eine« russischen Generals über seine Lumpen gezogen und steht nun breit, mit auseinander- gespreizten Beineu und vom Leib gehaltenen Armen unbeholfen und selbstgefällig da, um sich von den Kameraden bewundern zu lassen. Diese brechen in ein tolles Gelächter aus, man sieht, wie sie wiehern, sich krümmen vor Lachen. Der Kerl wirkt aber auch zu drastisch. Und der Eine greift, voll spöttischen Uebermulhs, salutirend nach seinem Fez, den General auf europäische Weise begrüßend. Ausgelassener Humor und Todesröcheln; gibt es eine schneidendere Satire aus alles Menschenthum?! „Besiegte." In unabsehbarer Perspektive dehnt sich ein Leichenseld hier au«. Die blutige Schlacht bei Telisch war vorüber. Die Russen trugen die verstümmelten, entblößten Leichname, 1500 an der Zahl, zu- Handlungen ausgesprochen haben." Dieses„lebhaste Bedauern" dürfte sich, wie wir die Berliner Sozialisten kennen, und»ach den Proben, welche dieselbe den Herren Körner, Finn und Genossen bereitet haben, wohl auf die Höflichkeitsformel:„Bedauern lebhaft" rcduziren. Die Ber- liner Sozialisten sind zwar keine Antisemiten, aber das Schachern ist ihnen von Grund aus zuwider. — Die Gesammtzahl der abgegebenen Stimmen, schreibt uns einer unserer Abgeordneten, ist bei der diesjährigen Wahl freilich nicht so groß, wie bei den Wahlen von 1877 und 1878, allein dies findet in den anormalen Zuständen seine genügende Erklärung. Ueberall wo wir unter halbwegs günstigen Bedingungen in den Kampf eintreten konnten, hat sich ein Wachsthum der Stimmenzahl ergeben. Wir verweisen auf Nürnberg, Chemnitz, Leipzig, Mainz, Offenbach, Zwickau u. f. w. Außerdem— und das ist ein sehr wichtiges Moment— stellt sich eine viel gleichmäßigere Verbreitung der Partei über ganz Deutschland heraus. Zum ersten Mal ist Süddeutschland vertreten, und gleich mit vier Sitzen; die übrigen sozialdemokratischen Sitze vertheilen sich auf den Norden, Westen, Osten und die Mitte unseres Vaterlandes, so daß kein Theil deffelben ganz unvertreten ist. Dies ist ein großer Fortschritt. Er beweist, daß die Sozialdemokratie in Deutschland mehr und mehr zur Bolkspartei wird, um uns einmal dieses viel miß- brauchten Wortes zu bedienen.— Die Nachtheile der Uebertragung �verschiedener Kandidaturen an Eine Person sind bei der letzten Wahl deutlich hervorgetreten. Bei der nächsten Wahl wird man diesen Fehler jedenfalls vermeiden. Man weiß, daß wir dagegen angekämpft haben. Wie sich nun zur Evidenz herausgestellt hat, ist das Gros unserer Partei- genossen über Pen Personenkultus glücklich erhaben. Vorausgesetzt, daß der Kandidat als tüchtiger Parteigenosse bekannt ist, erhält er die Stimmen, gleichviel ob er einen„Namen" hat oder nicht. Mögen die Parteigenossen Uberall die Lehre beherzigen.— W o sind die„Anarchisten"? Die Anhänger Most's und Hasselmann'S? Man betrachte das Wahlresultat in Barmen- Elberfeld, Chemnitz, Berlin, Offenbach, Hanau, Frankfurt a. M. und Zwickau(Crimmitschau). Nicht ein W S h l e r hat sich um das Geschrei, das Wählen sei reaktionär, bekümmert. Wir begnügen uns, die Thatsache zu konstatiren. — Das einzige Land, welches bei den heurigen Reichstags- wählen dem„Zuge nach Links", wenigstens anscheinend, nicht folgte, ist Sachsen. In Sachsen haben die Konservativen, die sonst überall „Rückgang" aufweisen, Terrain gewonnen und die Sozialdemokratie hat zwei Sitze weniger als im vorigen Reichstage. Dieser abnorme„Zug nach rechts" ist aber kein wirklicher; er ist künstlich und gewaltsam herbeigeführt und erklärt sich gerade daraus, daß die sozialdemokratische Bewegung hier relativ am stärksten und der Regierung am gefährlichsten ist. Ganz Sachsen war vor und während der Wahlen unter dem Be- lagerungszustand, und zwar nicht unter dem„kleinen". Zwar das eigentliche Kriegsrecht herrschte nicht, dafür aber das ebenso brutale, wenn auch weniger blutige, P o l i z e i r e ch t, das ein Polizei unrecht ist. So, wie während dieser Zeit in Sachsen gewüthet wurde, ist, außer nach einem unterdrückten Ausstande, niemals in irgend einem Lande ge« haust worden. Kein Sozialdemokrat war einen Moment lang seiner Frei- heil sicher; er schwebte in beständiger Gefahr, verhaftet zu werden. Jeder, von dem die Behörden energische Agitation erwarteten, wurde entweder kurzweg unter einem beliebigen Vorwand eingesperrt oder sortgesetzt so abscheulichen Chikanirungen und Belästigungen unterworfen, daß nur be- sonders geduldige oder kräftige Naturen ausharren konnten. Abgesehen «on den Massenverhaswngen, Masscndurchsuchungcn, Massenkonfiskationen und sonstigen Polizeischuftereien, von denen im Parteiorgan schon wieder- holt die Rede gewesen ist, hat die Polizei Handlungen verübt, die nur au? der Absicht, einen Tumult oderExzeßhervorzurusen, erklärt werden können. Besonders geschah dies bei den Stichwahlen in Dresden, Chemnitz und Zwickau. In Dresden wurden, obgleich die äußerste Ruhe obwaltete, ostentativ Maßregeln getroffen, wie sie nur am Vorabende eines Ausstandes oder nach Unterdrückung eines Aufstandes am Platze sind. Das Militär wurde konsignirt, scharfe Patronen vertheilt, sogar die Artillerie mobilisirt! Und dazu die Brutalitäten der Polizei! Als es den Provokationen de« Ehren- Paul und Genossen nicht glückte, «inen Skandal hervorzurufen, sperrte man am Abend plötzlich und ohne allen und jeden berechtigten Grund einige der belebtesten Straßen ab und hieb dann auf die naturgemäß sich stauende Menge mit einer Rück- sichtslosigkeit ein, die nur der begreift, der da weiß, daß die Regierung, um ihr schmachvolles Vorgehen bei den Wahlen zu rechtfertigen, einen größeren oder kleineren Putsch außerordentlich gern sähe. Genau so wie in Dresden ist nian in Chemnitz und Zwickau verfahren. In Chemnitz verhastete die Polizei am Wahltage, nach erfochtenem groß- artigem Siege der Sozialdemokratie, den gewählten Geiser, mitten aus den aufgeregten Massen heraus— ein heftiges Wort, eine unbedachte Geste und der Funke hatte da« Pulverfaß entzündet. Ein furchtbarer. Zusammenstoß mit obligatem Blutvergießem war unvermeidlich. Und weshalb die Verhaftung? Weil unter einem Flugblatte für Geiser eine falsche Firma stehen sollte— ein Bergehen, auf welches eine Geldstrafe sammen. Hier liegen sie auf dem Steppenboden zwischen herbstlich ent- blättertem Gestrüpp und hohen stachlichen Stauden. Diese da. sie spüren nimmer die Dornen, in die man sie gebettet, und nicht den plätschernden Regen, der aus sie herabfällt, und nicht den rauhen Wind, der Uber ihre nackten Leiber hinwegfegt— er trägt den Geruch der Verwesung über die Erde. Und da vor dem offenen Schachte steht ein Pope in reichem Priester- lichen Ornat; er murmelt Gebete und schwingt da« Rauchfaß über die Tobten. Willst Tu damit hinweg räuchern, was hier zum Himmel stinkt, oder betest Du für diese armen Sünder, die das Machtwort des Despoten in frühzeitigen Tod gejagt? Demüthig steht er da und wehmuthsvoll, aber wenn'« ihm auch das f erz zusammenschnürt, er ist doch ein Mensch, so beugt er sich doch als riester vor den„hohen unerforschlichen" Rarhschlüffen seines Gottes und seines Zaren. Ein Soldat, ihm asfistirend, steht neben ihm. Er ist der getreue Ausdruck des knechtischen Gehorsams.— Es ist bekannt, daß einige Zeit hindurch die stehende Meldung aus dem russischen Hauptquartier lautete:„Jm Schipkapasse Alles r u h j g." In drei kleinen Bildchen illustrirt nun Wereschagin das lakonische Telegramm. Eine graue Lust, ein heftiges Schneetreiben. Die Schildwache steht »uf ihrem einsamen Posten, das Gewehr in der Hand, die wollene Kapuze so weit über das jugendliche Gesicht gezogen, daß nur die gntmüthigen Äugen daraus hervorsehen. Auf dem Zweiten sehen wir den Mann, der erstarrt, keiner Bewegung' wehr fähig ist und dem der herangewehte Schnee weit Uber die Knie« deicht, noch immer aus seinem Posten. Er vermag sich nicht mehr auf- �ocht zu erhalten, er ist gebogen, gleich einer Weide, aber er steht noch; Und wenn er auch die Hände ineinander tief in die Aermel gesteckt, er hält pflichtschuldigst noch sein Gewehr im Arm. Der Kops ist tief gegen we Brust herabgesunken, die Kapuze verhüllt ihn ganz. Das dritte Bild zeigt einen Schneehügel— die Schildwache liegt darunter. Da guckt ein Zipfel der Kapuze und hier zwei Stieselsohlen uus dem Schnee. Eine Hand ragt daraus hervor— die tobten erstarrten -kinger umklammern das Gewehr. Nun, der gute Mann hat nur feine Pflicht gethan, wie so viele andere. saunte doch General Radetzky an den Oberfeldherrn rapportiren: Die wegimenler vermindern sich in unglanblichem Maße; fast die ganze Division ist erfroren.— A m Schipkapasse war Alles u h i g.-- J. S. gesetzt ist. Wegen einer solchen Lappalie Jemand zu verhaften, ist]|durch- aus unsinnig und ungesetzlich, und nun gar unter solchen Umständen! In Zwickau Aehnliches: Der Agitator Kleemann wurde am Wahltage vor Schluß der Abstimmung verhaftet. Hier war der Zweck offenbar, einerseits auf die Menge der Wähler einschüchternd zu wirken, anderseits einen Skandal hervorzurufen, der sich im Interesse der„Ordnung" hätte ausbeuten lassen. Nun, das ftevelhafte Spiel der Behörden ist mißlungen, und die Ar- beiter von Chemnitz und Zwickau haben durch die imposante Majorität, welche sie für die Kandidaten der Sozialdemokratie stellten, die Ehze Sachsens in dem heurigen Wahlkampf gerettet. Der Bann der Furckft- samkeit war gebrochen, „Nicht zählen wir den Feind, nicht die Gefahren all'," war die Loosung. Und diese siegesfreudige Stimmung hat sich über ganz Sachsen verbreitet; hätten die Erzgebirgler, die am 27. Oktober zum Theil verschüchtert waren, am 14. November nochmals zu stimmen gehabt, wir hätten nicht bloß die alten Bezirke behauptet, sondern noch neue dazu erobert. — Aus Chemnitz schreibt man uns noch: Hier ist der„Ordnungs- kandidat" Heck er(konservativ), obgleich er die Stimmen seines Ordnungs- Schwagers Roth(liberal), der in der ersten Wahl gegen ihn kandidirte, vollzählig erhielt, mit 3000 Stimmen Majorität geschlagen worden. In der für die Agitation günstigsten Zeit, von 1873 bis 1877, als hunderte von Volksversammlungen im Chemnitzer Wahlkreise gehalten werden konnten, brachte es die Sozialdemokratie bei ihren Siegen auf nicht viel mehr als 12,000 Stimmen. Diesmal, klnter dem Sozialistengesetz und unter der gewaltthätigen Herrschaft oes berüchtigten Polizeipascha's S i e b d r a t, ohne Presse und Versammlungen, führte sie beinahe 15,000 Wähler in's Feld und bewies damit: die Partei ist gewachsen unter der Aera der brutalsten Unterdrückung; sie ist gestählt worden im Feuer der Verfolgungen, und sie wirft hohnlachend den übermüthigen Feind zu Boden, der sie längst„vernichtet" glaubte. Dieses Resultat des Wahlkampfes war dem Chemnitzer Ordnungsretterthum geradezu ver- blllffend und es versuchte, gegen den Entscheid des Volkes an den Säbel und die Flinte zu apelliren. Am Wahltag bereits wurde Militär kon- signirt und Abends gingen die Schergen Siebdrats an's Werk, um einen Konflikt zu provoziren, der zum Abschlachten des Volkes Gelegenheit geben sollte. Mitten aus der freudig erregten Volksmenge heraus wurde plötzlich in brutalster Weise der soeben gewählte Reichstagsabgeordnete für Chemnitz, Bruno Geiser, verhaftet, und der ganzen Wählerschaft damit gleichsam ein Schlag in's Gesicht versetzt. Auch der Vorwand zur Verhaftung war so frivol, daß man annehmen muß, die Polizei wollte den Gewallstreich ganz offen als einen solchen erkennen lassen, um das Volk seinerseits zum gewaltsamen Wider- stände herauszufordern, sosern nicht schon durch die Verhaftung selbst in den erregten Massen der Funke zündete, der den Zorn des Volkes zu unüberlegten Thaten entflammen sollte. Man verhaftete nämlich Geiser, weil auf einem, von ihm weder unterzeichneten, noch in Verlegerschaft genommenen Flugblatte eine falsche Druckfirma angegeben war. Daß für ein solches„Vergehen", auf welches übrigens nur eine Geldstrafe von 10—20 Mk. erfolgen kann, in diesem Falle lediglich der Buchdrucker verantwortlich zu machen ist, mußte die Behörde wissen, sie mußte auch wissen, daß Geiser nicht Buchdrucker ist, und folglich mit der Sache nichts zu thun haben konnte, sie mußte endlich wissen, daß Verhaftungen wegen so kleinlichen Anlässen überhaupt unstatthaft sind, aber sie wollte den Putsch um jeden Preis, denn sie hielt es für nöthig, die 15,000 soziali- stischcn Wähler durch Flintenkugeln zu dezimiren. Aber die Chemnitzer Arbeiter fielen darauf nicht hinein. Zie find geschulte Sozialisten und als solche nicht zum voreiligen Dreinschiagen zu bringen. Wenn sie den Zeitpunkt für gekommen erachten, dac.da» Balk seine Angelegenheiten selbst in die Hand nehme, dann werden sie es thun, ohne g>aß Herr Sicbdrat erst dumme Streiche zu machen braucht, vorläufig aber mögen die Herren Staatsretter ihre scharfen Patronen für sich behalten und sich selbst damit womöglich in ein„besseres Jenseits" befördern, wenn sie die Strase für ihre Schurkereien heranrücken sehen.— Die Stichwahlen in Sachsen haben gezeigt, daß der alte sozialistische Geist noch im Volke herrscht; wenn auch bei der ersten Wahl durch die eiserne Polizeifaust die Wählerschaft unserer Jndustriediftriktc niedergehalten werden kpnnte, so daß wir einige durch und durch sozialistische Kreise momentan ver- loren— bei den erneuten Wahlen erwachte bereit« das Selbstbewußtsein des Volke«, es zeigte den ernsten Willen, seiner Meinung Ausdruck zu geben, und vor dem thatkräftigen Willen des Volkes muß auch die perfideste Polizeiwirthschast die Segel streichen. — Genosse Bebel geht im sächsischen Landtage dem verpreußten Ministerium diese« Landes gehörig zu Leibe. Am 17. November zog er bei der Steuerdebatte den Herrn von Nostiz-Wallwitz wegen einiger in der Antwort auf seine Interpellation eingeflochtenen persönlichen Verdächtigungen so energisch zur Rechenschast, daß dieser vor Wuth zitternd nichts als eine faule Ausflucht zu stammeln vermochte. Als es sich in derselben Sitzung um die Festsetzung der Gehälter.der auswärngen Gesandten Handelle, beantragte Bebel, den Gehalt des Gesandten in Berlin von 30,000 aus 21,000 Mk. herabzusetzen, die Forderungen für einen Gesandten in München(15,000 Mk.) und Wien(18,000 Mk.) aber ganz zu streichen. Wenn der Wiener Gesandte mit 18,000 Mk. aus kommen solle, würden 21,000 Mk. für denselben Posten in Berlin ge- »ügen. Könne der Gesandte damit nicht bestehen, so möge er etwas w e n i g e r A u f w a n d m a ch e n. Die Gesandtschaftsposten in München und Wien seien überflüssig, weil Sachsen nur ein integrirender Theil de« Reiches ist, und seine auswärtigen Angelegenheiten durch das Reich besorgt werden. Es sei unnöthig, daß es sich«in Air zu geben suche, welches es nicht besitze. Die sächsische Staatsregierung möge Sachsens Selbstständigkeit lieber der Reichsregierung gegenüber wahren und den Muth haben, dem das Volk schädigenden Ansinnen derselben Widerstand zu leisten, worauf der Präsident unfern Genossen mit der echt kächsisch-naiven Erklärung zur Ordnung rief, die Staatsregierung habe den Muth. dessen Vorhandensein der Ab- geordnete bezweifle. Auch daraus wird Bebel den Herren die Antwort nicht schuldig bleiben. Es wird ihnen nichts geschenkt werden. — Jetzt weiß er auch, wie es thut. Am 3. Juni 1878, am Tage nach Nobilings Kaiserschuß, sollte in Merseburg eine Volks- Versammlung stattfinden, mit Hugo R ö d i g e r aus Halle als Referenten, die aber von dem verhetzten Spießbürgerthum k. Merseburgs unter Anführung des liberalen Abgeordneten W ö l t e l gesprengt wurde. Rödiger kam gar nicht zum Wort, Herr Wölsel aber goß noch Oel in's Feuer, indem er von der Unverschämtheit und Frechheit sprach, mit welcher am selben Tage, wo die Kunde gekommen, daß ein Sozialdemokrat abermals die Dtordwaffe auf den Kaiser gerichtet, diese Partei es wage"-c. jc., so daß Rödiger auf dem Wege zur Bahn von dem bis zur Raserei ausgeregten Troß ver- folgt und aufs brutalste gemißhandelt wurde. Dieser Vorgang kam uns wieder in Erinnerung, als wir jüngst fol- genden Bericht zu lesen bekamen: „In Löbnitz bei Delitzsch sollte, wie die„Saale-Ztg." mittheilt, am 7. November der liberale Kandidat, Rechtsanwalt Wülfel, sprechen. Den Saal des Lokales hatten lange vor Beginn des Vortrages mit Bier stark traktirte Ochsenknechte und einige Agrarier eingenommen, unter ihnen ein bekannter Antisemit, ein Pächter aus N. Als zur Wahl eines Vorsitzenden geschritten werden sollte, brüllte es durch den Saal: Amt- mann B.! Derselbe übernahm den Vorsitz, brachte ein Hoch auf Se. Majestät und den Landrath von Rauchhaupt aus, welches in wildes Gebrüll ausartete, erklärte dann, daß hier, wo nur konservatio gewählt würde, wohl Niemand Herrn Wölsel hören wollte und— schloß die Versammlung. Herr Wölsel rief Herrn B. zu, er sollte sich dieses Manövers schämen. Der Amtmann, kirschroth im Gesicht, schimpfte auf das Kräftigste. Der Gensdarm forderte ohne Erfolg zum Verlassen des Lokales aus. Alles umdrängte Herrn Wölsel mit Drohungen und Be- schimpfungen, allen voran jener Pächter. Herr P. aus Delitzsch, der das Lokal gemiethet hatte, wollte vom Hausrecht Gebrauch machen, da schrie der Pächter:„Herr Wirth, Sie heben den Miethkontrakt auf!" Der Wirth that es und nun trat der Pächter an den Vorstandstisch, schlug mit dem Stock darauf und schrie:„Liberalen raus, Bier her, jetzt sind wir Herren des Lokals." Natürlich verließ Herr Wölsel mit seinen beiden Begleitern den Saal und ging in das untere Lokal, wohin ihm aber wieder sofort die ganze Gesellschaft folgte, so daß Herr Wölsel nur mit Roth auf die Straße kommen konnte." Ob Herr Wölsel, als ihm die Ochseuknechte ihre Fäuste zeigten, sich nicht des 3. Juni 1878 erinnert hat? Wenn nicht, so wollen wir hiermit seinem Gedächtniß zu Hilfe kommen. — Liebknecht, der zweimal gewählt ist,(für Ossenbach-Dieburg und Mainz) hat das Mandat für Ofsenbach angenommen. Die Majorität war dort zwar eine weit größere als im Mainzer Kreis, und nach den gewöhnlichen Regeln der Parteitaktik hätte sonach das Mandat für Mainz angenommen werden sollen, allein, wie sich nachträglich herausstellte, hatte das Offenbacher Wahlkomite im Namen Liebknecht's Erklärungen abgegeben, durch welche dieser sich gebunden fühlte, obgleich er sie nicht autorisirt hatte. In Mainz wird nun Bebel als Kandidat auftreten. Die Aussichten sind günstig, und wir haben allen Grund, eine noch größere Majorität zu erwarten, als der 5. November uns ge- bracht hat. — Au« Hamburg wird uns geschrieben, stßß nicht nur H a r t m a n n und den Gebrüdern Kapell, sondern auch B r e u e l(unserm Kandi- daten im 3. Hamburger Wahlkreise), Eskelson, Weide mann, Hillmann u. A. die Rückkehr nach Hamburg gestattet worden sei, und zwar stehe es bei Einigen fest, daß sie keinerlei Schritte zur Er- langnng dieser Erlaubniß unternommen hätten. Was diese„wunderbare Wendung" in dem Verhalten des Hamburger Senates herbeigeführt hat, ist nicht ohne Weitere» ersichtlich. Der Aus- fall der Reichstagswahlen war zwar ein herber Schlag für die Herren Patrizier, aber darauf mußten sie doch einigermaßen vorbereitet sein. Eher ist die Annahme berechtigt, daß die Herren vielleicht in nächster Zeit der Unterstützung der gesammten Bevölkerung Hamburgs bedürfen zu müssen glauben, und daß die in den verschiedenen Arbeiterversammlungen gefallenen Aeußerungen ihnen die Augen darüber geöffnet haben, welchen Bockstreich sie begingen, als sie die Sozialisten opferten, um Bismarck's Sympathie zu gewinnen. Wie dem auch sei, soviel steht einmal sest, daß die Sozialdemokratie in Deutschland heute eine Macht ist, mit der jeder Politiker ernsthaft zu rechnen hat. Man haßt uns, man verfolgt uns, aber man respektirt uns, und das danken wir allein der Geschlossenheit unserer Partei, der den Anarchisten so sehr verhaßten Parteidisziplin. — In W ü r z b u r g ist der daselbst von den vereinigten Demo- k r a t e n und Sozialdemokraten aufgestellte Seifensieder Köhl in der Stichwahl gegen den Kandidaten der Ultramontanen, F r e i h e r rn von Zu-Rhein durchgedrungen, trotzdem die Letzteren Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatten, den Wahlkreis ihrer Partei zu erhaltene Köhl wird uns selbst von Leuten, welche mit dem Kompromiß nicht einverstanden waren, als ein durchaus achtbarer, charakterfester und ener- gischer Demokrat geschildet, was schon daraus hervorgehe, daß bei der Hauptwahl ihm von„fteisinniger" Seite der Fortschrittler Albert Träger gegenübergestellt worden war. — Schwabenstreiche. In Stuttgart wurden zwei Genossen, welche einer konservativen Parteiversammlung ohne Erlaubniß beigewohnt hatten, wegen Hausfriedensbruch zu 18 Tagen Gefängniß verurtheilt, obwohl sie sich in der betreffenden Versammlung ganz ruhig verhalten hatten. — Frankreich. In dem weiteren Verlaufe des Kongresses der Arbeiterpartei kam auch die Frage des Wahlprogramms derselben zur Verhandlung, welches von mehreren Rednern als der Verbesserung be- dürstig bezeichnet wurde. Unter voller Aufrechterhaltung der historischen und ökonomischen Grundlagen des Programms erklärt der Kongreß, daß dasselbe in gewissen Punkten Abänderung erheische, nahm aber diese Abänderung noch nicht selbst vor, sondern empfahl den Mitgliedschaften, die Frage bis zum nächsten Kongreß noch einmal reiflich zu diskutiren. In Bezug auf das Parteikomite wurde beschloffen, daß dasselbe vor- läufig in Paris seinen Sitz nehmen, und daß jeder Regionalverband durch fünf jederzeit absetzbare Delegirte in demselben vertreten sein solle. Das macht also bei sünf Regionalverbänden die stattliche Zahl von sünf- undzwanzig Borstandsmitgliedern. Das ist ein Luxus, von dessen Zweck- Mäßigkeit wir nicht überzeugt sind, unv von dem man wohl bald ge- zwungen sein wird, Abstand zu nehmen. Als offizielles Parteiorgan wurde, wie schon gemeldet' der Pariser„P r o l e t a i r e" anerkannt. Als Ort des nächsten Kongresses wurde St. E t i e n n e bestimmt. Vom Schlachtselde des wirthschaftlichen Klassenkampfes werden fast täglich neue Streiks gemeldet. In den meisten derselben wird mit Recht von Seiten der Arbeiter das Hauptgewicht auf die Herabsetzung der Arbeitszeit gelegt. Die Bourgeoisrepublik beweist ihre Arbeitersreund- lichkeit dadurch, daß sie, wo es nur angeht, die Arbeiter durch Aufbie- tung der Militärgewalt einzuschüchtern sucht, womit sie aber erfreulicher- weise selten Glück hat. Ueber die Jntriguen, die sich in den oberen Regionen abspielen, ein andermal. — Polen. Die aus den 30. Oktober nach Lemberg einberufene allgemeine galizische Arbeiter-Versammlung ist von der Statthalterei ver- boten worden. Die Ausregung unter den Arbeitern Galiziens über dieses Verbot ist groß, und wenn"der weise Statthalter geglaubt hat, der Aus- breitung des Sozialismus durch dasselbe entgegen zu wirken, so hat er sich bitter getäuscht. Seit sast zwei Monaten sitzen nun unsere in der Provinz Posen verhasteten Genossen und noch immer hört man nichts von ihrem Prozeß. Wie der„Precurseur" in Genf erfährt, beklagen sich die Ver- hafteten bitter über die Untersuchungsrichter, welche sie schlechter behandeln als die galizischen und russischen Richter. Wie Zuchthäusler müssen sich die Untersuch ungs gefangenen der strengsten militärischen Disziplin unterwerfen! Wenn sie aus gewisse Fra- gen Antwort verweigern, so werden sie wegen Widersetzlichkeit bestraft sc. — Letzteres scheint sast unglaublich, doch wäre es nicht das erste Mal, daß preußische Richter Ausländern gegenüber ihre Vorschriften über- schreiten. Von den im Jahre 1878 in Berlin verhafteten Russen wurde uns des Bestimmtesten erzählt, daß sich der berüchtigte Polizeikommissar Krüger und der Herr Hollmann ihne n gegenüber in einer Weise be- nommen hätten, die aller Beschreibung sp ottet. Leute, gegen die nicht das geringste Beweismittel vorlag und die dann auch später freigelassen werden mußten, wurden wie Zuchthäusler angeschnauzt:„Nach Sibrien wird man Euch schicken! sc.:c.", so daß sogar— Herr Tessendors em- pörl war. Ja, es gibt noch Richter in Berlin! — Aus Rußland. Der Marineosfizier S u ch a n o w, welcher den zu dem Altentat auf Alexander II. verwendeten Dynamit heimlich aus dem Depot der kaiserlichen Marine gegeben haben soll, ist vor Kurzem in Petersburg hinter verschlossenen Thüren ermordet worden. Beschönigend setzt die„Nordd. Allgemeine" hinzu, es sei dies die erste Hinrichtung, welche in Rußland im geschlossenen Räume stattfinde! Die Erste! Und die Tausende und Abertausende, welche in den Bergwerken Sibiriens und in den Zentralgesäuguiffen hingemordet worden sind und noch hingemordet werden? Nein, Suchanoff ist der Erste, der offiziell auf diese Art im Stillen abgethan wurde, die Abthuerei hinter ver- schlossenen Thiiren aber ist in Rußland von jeher an der Tagesordnung. Eine neue Nummer der„Narodnaja Wolja" ist erschienen, Str. 6. Unter Anderem veröffentlicht sie folgende Erklärung: „Vom Exekutivkomite. Indem wir dem amerikanischen Volke unser tiefes Mitgefühl über den Tod seines Präsidenten Garfield ausdrücken, halten wir es für unsere Pflicht, im Namen der russischen Revolutio näre gegen Gewaltthaten wie die Guiteau's zu Protestiren. In dem Lande, in welchem die persönliche Freiheit die Möglichkeit eines ehrlichen Kampfes der Ideen gestattet und in welchem der freie Willen des Volkes nicht allein die Gesetze schafft, sondern sogar die Person des Regieren den bestimmt, in solch' einem Lande ist der politische Mord als Kampfesmittel eine Erscheinung desselben Despotismus, dessen Aus rottung in Rußland wir uns zur Ausgabe gestellt haben. Despotismus eiuer einzelnen Person oder Despotismus einer Partei— beide find gleich verwerflich, und Gewaltthätigkeit ist nur dann gerechtfertigt, wenn sie sich gegen Gewalthätigkeit richtet. Das Exekutiv-Komite am 10/22. September." Das ist eine würdige Antwort auf das Geschimpfe jener erbärmlichen Schreiberseelen, welche die Entrüstung des amerikanischen Volkes über das Attentat Guiteau's benützten, einen H a r t m a n n mit dem ver lumpten Glücksritter aus eine Stufe zu stellen, um seine Auslieferung an Rußland zu bewirken.— Wiederum ist eine„große Kommission" eingesetzt worden, um eine vollständige Neuorganisation der Verwaltung auszuarbeiten. Die wie- vielte Kommission das jetzt ist, die Rußland vor der Versumpfung retten soll, das mag der Teufel wissen, wir wissen es nicht. Ein Gutes ist übrigens doch dabei, nämlich die Thatsache, daß die ganze offiziöse Preß- meute Alles das für durch und durch unzeitgemäß, abgelebt und verfault erklärt, was sie bis vor Kurzem als„jedem echten Russen heilig und unantastbar" hingestellt hat. Das ist zwar wenig, aber es ist imnierhin Etwas. Der Ausfall der Wahlen in Deutschland hat die Bewunderung Alexander'« III. für den großen Sozialistentüdter Bismarck merklich herab- gestimmt.„Mit dem„Kleinen" ist es also nichts!" soll er wehmüthig ausgerufen haben. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. — Meerane, im November. Der älteste Wahltreis der Sozial- demokratie, Glauchau-Meerane, ist in die Hände der Gegner gefallen. Mit etwas über 7000 Stimmen schlug der politisch vollständig unbedeutende, nur durch einen kolossalen Reichthum sich auszeichnende Fabrikant und Ritter- gutsbesitzer L e u s ch n e r unseren bisherigen Vertreter, Genossen Auer, aus dem Felde. Mit Verwunderung und Bedauern haben die Genossen dieses Resulat gewiß überall vernommen, und unsere Pflicht ist es, den- selben die Gründe vorzuführen, die es möglich machten, daß der sicherste Kreis der Partei derselben verloren ging. Der„Sozialdemokrat" hat die Vermuthung ausgesprochen, daß die Niederlage durch Optimismus und große Siegeszuversicht unsererseits, verursacht sei. Das Gegentheil ist richtig. Durch die seit Jahren in dem Kreise nun schon andauernde, in Folge von Arbeitslosigkeit herbei- geführte Hungersnoth, ist der Muth der Arbeiter gebrochen, die Mittel aber, die Leule von dieser pessimistischen Ausfassung der Dinge zu knriren, sehlten uns. Versammlungen wurden verboten, da» von uns verbreitete Flugblatt durch Schandarmen und Gemeindediener wieder aus den Stuben abgeholt, die Verbreiter aber, soweit man deren habhast werden konnte, verhaftet und, Gesetz und Recht zum Hohne, mehrere Tage in's Gesängniß gesteckt. Unserm Kandidaten Auer, welcher die letzten acht Tage vor der Wahl sich im Kreise aushielt, folgte die ganze Zeit auf Schritt und Tritt die Polizei und Schandarmerie. Der Brigadier von E r n st t h a l, gegen den augenblicklich eine Untersuchung wegen Ehebruch schwebt und der infolgedessen vom öffentlichen Dienst suspeudirt ist, war dazu kommandirt, Auer im Zivil zu observiren, und so hatte denn unser Kandidat das Vergnügen, diesen sauberen Vertheidiger der Ehe und der Familie stet« m einer Entsernung von 20—30 Schritt hinter sich zu haben. So- bald aber Auer das Weichbild einer Stadt oder eines Dorfes betrat, gesellte sich zu dem Herrn Brigadier die gesammte Polizei des Ortes oder der Stadt, so daß wir während der Wahlkampfperiode nicht selten das Vergnügen hatten, Auer mit auf dem Rücken gekreuzten Händen langsam durch die Straßen unserer Städtchen marschiren zu sehen, hinter ihm herlrabend aber den ganzen Heerbann unserer Polizei. Ein Glau- chauer Blatt erzählte aus diesem Anlaß, daß Auer— das Blatt nannte den Namen nicht, sondern begnügte sich mit der Redewendung:„ein fremder Herr"— bei solchen Anlässen stets ein Stück Wurst in der Hand trug, und daß dieses das Lockmittel war, dem die„Verkappten" auf Schritt und Tritt folglew Diese Notiz, sowie ein paar Annoncen, welche das Blatt brachte und in denen nicht etwa zur Wahl Auers ausgefordert wurde, sondern worin die Einsender nur verlangten, daß der Kandidat der Ordnungspartei sein Programm in öffentlicher Ver- sammlung darlege, genügten, daß der Verleger des Blattes vor die Polizei zitirt und ihm eröffnet wurde, daß wenn er noch das Geringste in seinem Blatte bringe, was als eine Theilnahme für Auer gelten könne, das Blatt unterdrückt würde. Natürlich hatte die Drohung ihren Ersolg. Neben diesem Terrorismus, der gegen alles, was einer Unterstützung der Wahl Auer's ähnlich sah, angewandt wurde, lies eine zwar stille, aber um so intensivere Thätigkeit des gesammten Verwaltungsorganismus für die Wahl Lenschners. Durch Zirkuläre wurden seitens des Amts- Hauptmanns die Gemeindevorstände zusammenberusen und erhielten die nöthigen Austräge, wie sie die Agitation zu betreiben hätten. So kam es denn, daß am Tage vor der Wahl die gegnerischen Stimmzettel von den Gemeindedienern im„Auftrage des Herrn Amlshauptmann" ausgetragen wurden. Etwa vier Wochen vor der Wahl äußerte ein Glauchauer Fabrikant in Bezug auf die Wahl:„Nun, der Herr Amtshauptmann wird dieses Mal seinen Apparat schon spielen lassen." Der Mann halte Recht; was an amtlicher Beeinflussung und Terrorismus uns gegenüber zu leisten möglich war, das ist geschehen. Trotzdem wäre der Sieg uns zugefallen, wenn der demokratisch und sozialistisch gesonnene Theil der Wähler nur seine Pflicht erfüllt hätte und an die Wahlurne geschritten wäre. Ein Vergleich der Stimmenzahl zwischen der vorjährigen Wahl, wo Auer zum ersten Male ausgestellt war und dem jetzigen Wahlresultat zeigt dies. Damals erhielten in runden Ziffern Auer 3200 und sein Gegner 7200 Stimmen. Dieses Mal aber fielen auf Auer 6300 und auf Leuschner 7300 Stimmen. Die Zahl der Gegner hat sich also in nennenswerther Weise durchaus nicht vermehrt, unsere Nieder- läge verschulden wir nur der Muthlosigkeit unserer Anhänger, die sie bestimmte, von der Wahlurne ferne zu bleiben. Daß trotz der diesmaligen Niederlage der Wahlkreis nicht sür alle Zeiten verloren ist, darüber können unsere auswärtigen Genossen beruhigt sein; wäre die Wahl heute, wir würden mit großer Majorität siegen. Ter Ausgang des Wahlkampfes am 27. Oktober hat die Säumigen auf- geschreckt und auch in denen, welche glaubten, aus ihre Stimme komme es nicht au, das Bewußtsein der Pflichtversäumniß wachgerufen. Von den einzelnen Orlen wählten Meerane und der Mülsengrund wieder sehr glänzend sür uns, dagegen brachte uns Glauchau diesmal eine Minorität von 300 Stimmen. Herr Leuschner, der in Glauchau die größte Fabrik besitzt und durch schamlose Ausbeutung der Arbeiter und durch Betrügereien aller Art bei Herstellung der Waaren es zum Millionär gebracht hat, schenkt heute einer Anzahl von Webermeistern, die sich sür das Leuschner'sche Geschäft zu Krüppeln gearbeitet haben, jährlich ein paar Mark. Aus Dankbarkeit dafür haben diese„Pensionäre" in ihren Kreisen aus das Eifrigste sür Leuschner gewirkt. Die armen Teufel sürchteten, wenn Leuschner unterliege, würde er ihnen die Gnadenbrocken entziehen. �_"'_ � Wir gedenken einen Wahlprotest einzureichen und wollen uns dabei hauptsächlich darauf stützen, daß einer großen Anzahl von Wählern, nach unserer Aussassung mit Unrecht, das Stimmrecht entzogen ist. In Folge der seit Jahren andauernden Krisis sind eine große Zahl der Wähler, besonders solche mir starker Familie, mit ihrem Schulgeld und theilweise auch mit den Gemeindeabgaben im Rückstände geblieben. Diese rück ständigen Abgaben haben nun die Gemeindeverwaltungen den Armen kassen überwiesen und die Summe den betr. Schuldnern als— Armen Unterstützung angerechnet. Auf diese Weise sind hunderte unserer Wühler um ihr Stimmrecht gekommen. Daß der Protest im Reichstag einen Erfolg haben wird, glauben wir zwar nicht, denn wir kennen den Schwindel, der bei den Wahl- Prüfungen getrieben wird, aber der Protest soll ein Beitrag werden zu dem reichen Material, da« unseren Abgeordneten im Reichstag zur Ver fügung steht, um die Niedertracht und Infamie unserer politischen Gegner und der mit ihnen verbundenen Bureaukratie ins rechte Licht zu stellen. Im Uebrigen aber werden wir unsere Kräfte sammeln und dafür Sorge tragen, daß am Abend des nächsten Wahltages der elektrische Funke den Genossen die altgewohnte Botschaft wieder bringen kann: Sieg im 17. sächsischen Wahlkreis. Textor. — Marburg, 5. November. Der Wahltag ist vorüber, die Schlacht ist geschlagen, und ich halte es daher für meine Pflicht, das Resultat der Wahl und die Art unserer Thätigkeit im Parteiorgan zu berichten. Ich muß zu diesem Zweck etwas zurückgreisen. Also, es war in diesem Sommer, als in einer schönen mondhellen Nacht da« Flugblatt„Die Herrschast der Verbrecher" hier verbreitet wurde, und zwar so, daß Niemand Grund zur Klage hatte: jedes Haus war versehen, in der ganzen Umgegend, eine halbe Stunde weil, waren alle nach Marburg ein- lausenden Straßen und Gassen geradezu überschwemmt, alle Bäume waren ausgeschmückt, ja es sah bald aus, als ob Frau Holle ihr Bett aus- geschüttet hätte. Auch der Herr Landrath war nicht vergessen worden: die Säulen am Eingangsthor seines Hauses waren geschmackvoll aus- tapezirt. Wer beschreibt aber das Entsetzen und die Verwunderung, als die Beschcerung kund ward. Natürlich mußte nun die heilige Hermandad alle Hebel in Bewegung setzen, um die frechen Banditen, wie sich ein hiesiger Mastbürger ausdrückte, zu entdecken. Alle Spitzel wurden auf- geboten, jedoch vergebens. Endlich, nach Verlauf von acht Wochen, fand man es sür angemessen, bei zwei Genossen, Tuchmacher Behrän rjer und Töpfer Klein, auf Besehl des Herrn Landraths Haussuchungen vorzunehmen, die indeß total fruchtlos waren. Doch damit noch nicht genug, 14 Tage darnach wurden obengenannte Genossen vor das hiesige Amtsgericht geladen und verhört, aber die Kerle wollten nichts bekennen und die Sache mußte ad acta gelegt werden. Nachdem nun von da ab unser erzdummer Polizeileiter und Landrath, der übrigens schon aus der Irrenanstalt ent- sprungen sein soll, sämmlliche ihm bekannte Genossen durch seine Polizei- kreaturen auf Schritt und Tritt hatte Uberwachen lassen, mußte demselben nochmals das Unglück Passiren, daß zwei Tage vor der Wahl in Mar- bürg und Umgegend in nächtlicher Stille ein weiteres Flugblatt ver- breitet wurde, in welchem unsere jaulen Zustände klargelegt und am Schlüsse die Wahl Bebel'« empfohlen wurde. Darob wiederum großes Geschrei bei allen Spieß- und Mastbürgern über die unverschämte Frech- heil der Umsturzrotte. Unsere heilige Hermandad aber, die nur Handwerksburschen beim Betteln abzufassen weiß— ganz besonders zeichnet sich dabei der Polizei- schuft K ö p r i ch au«— und ihre rothgebrannten Schnapsnasen in alle Ecken steckt, hatte auch diesmal das Pech, nicht die geringste Spur der Missethäter auszuspüren, daher auch die schon längst erhoffte Knopfloch- Verzierung des Polizeioberschustes noch lange aus sich warten lassen wird. Genug davon, und nun in Kürze noch das Wahlresultat. Gewählt wurde der konservative Professor Dr. Arnold dahier. Auf unfern Kandidaten erzielten wir 159 Stimmen. Wenn die Zahl der Genossen hier gegenwärtig auch noch klein ist, so können wir doch mit dem Resultate zufrieden sein, wir haben einen ganz hübschen Ersolg errungen, da sich diese 159 Stimmen blas auf Marburg und die nächsten Ortschaften vertheilen, während wir vor drei Jahren aus dem ganzen Wahlkreise nur 152 Stimmen erhielten. Da es uns indeß diesmal vollständig an agitatorischen Kräften, sowie an finanziellen Mitteln fehlte, so war es uns auch unmöglich, den Wahlkreis wie in früherer Weise zu. bearbeiten. An einen Sieg unsererseits ist hier vorläufig noch nicht zu denken, wir fühlten uns aber trotzdem veranlaßt, dem Beschlüsse des Wydener Kongresses Folge zu leisten. Der konservative Schnaps- säuser Arnold, ein würdiger Genosse des Schnapsbrenners Bismarck, verdankt seinen Sieg den vereinigten Bestrebungen der Landrälhe, Bürger- meister, Pfaffen, Schandarmen und ähnlichem Gelichter. An Wahlbeeinflnssungen scheußlichster Art sehlte es nicht. Landräthe und Schandarmen, wie schon erwähnt, suchten sämmtliche Dörfer zu haranguiren, Pfaffen benutzten Kanzel und Beichtstuhl, um die Sozial- demokratie zu beschimpfen, den Arbeitern, welche sich in der elendesten Lage befinden, wurde mit dem Hungertuche, welches ja, wie bekannt, ein probates Mittel ist, gedroht u. s. w. Welchen Begriff die verschie- denen Wahlkominissäre und Bürgermeister in den kleineren Orlschasten von dem Wahlgesetz und Wahlreglement haben, dafür mögen folgende Pröbchen dienen: In dem benachbarten Dorse Wehrda kam ein Wähler Bebels in da« Wahllokal, welches sich im Hause des Bürger- Meisters befand. Es war daselbst Niemand anwesend, als die alle, halb erblindete Mutter des Bürgermeister«, die Wahlurne war somit voll- ständig preisgegeben. In dem Dorfe Kappel dagegen, wo gleichsall» ein Wähler für Bebel zu stimmen entschlossen war, war zwar der Bürgermeister nebst Pfaffen anwesend, als aber der Wähler seinen Stimmzettel dem Bürger- meister eingehändigt hatte, entfaltete dieser denselben mit der größten Frechheit und gab ihn geöffnet dem Pfaffen. Von Seiten de» Wähler« wurde natürlich sofort Beschwerde erhoben. Der Mastbürger von Bürger- meister aber erlaubte sich obendrein noch die gröbsten Beleidigungen. Mögen nun die Genossen daraus ersehen, wie man in Deutschland die Wahlgesetze von Seiten der Beamten handhabt. Es mögen noch eine Unzahl derartiger Fälle vorgekommen sein, besonders in den kalho- tischen Dörfern. Für die Wahrheit der beiden oben angeführten Fälle kann sich Unterzeichneter verbürgen, auch haben sich die zwei Wähler be- reit erklärt, die angeführten Thatsachen eidlich zu erhärten. Mit sozialdemokratischem Gruß! Der Reichs- Uhu. — Kopenhagen, 5. November. William Fleuron, wie er wirklich heißt, hat ein gleiches Schicksal wie Most zu tragen gehabt. In„Brix' Blatt" Herolden, dessen Redaktion er nach dem Tode von Brix übernommen hatte, verüble er Mitte März ein zweites aber unblutiges Altentat aus Alexander II., mit Seirenhieben aus den„Heldengreis" und seinen großen Kanzler. Die russische und deutsche Gesaudtschast stellten infolge- dessen Sttasantrag gegen ihn, welcher nach halbjähriger Untersuchungs- hast mit„sechs mal fünf Tage Wasser und Brod" endigte. Diese Strafe wird einem Jahr Zuchthaus gleich gerechnet und besteht darin, daß der Gesangene jedesmal süns Tage hinter einander nur Wasser und Brod, die dann folgenden fünf Tage aber einfache Gesangenenkost erhält, die er sich unter Umständen aus eigene Kosten verbessern kann. Jetzt hat Fleuron seine Strafe verbüßt und tritt in Versammluugen in seiner früheren Weise wieder auf. Doch scheint ihm das Geschäft nicht lukrativ zu sein, so daß schon verlautet, er wolle seine Vaterstadt wieder verlassen und sich einen andern Wirkungskreis suchen. Der Schiffszimmererstreik, der beim Abgang meines letzten Berichts noch in vollem Gang war, ist durch Organisation und Einigkeit glänzend gewonnen worden. Die Person, welche ihn verursacht hatte, O l e Hansen, ging„freiwillig" ab, und nun waren die Arbeiter bereit, die Arbeit wieder zu beginnen und es war klug von der Direktion, daß sie dem„Wunsche" derselben„bereitwillig" entgegen kamen, denn die furcht- baren Stürme, welche bald darauf rasten, hätten die Arbeit von hier weg nach Malmö, Helsingör u. s. w. geführt, was ein empfindlicher Schaden für die„armen" Aktionäre gewesen wäre. Die politische Thätigkeit der hiesigen Partei ist jetzt aus die Errichtung von sozialdemokratischen Wahlvereinen in der Hauptstadt gerichtet. Später sollen die Provinzen an die Reihe kommen. Wenn die Erwartungen Mancher auch nicht sogleich in Erfüllung gehen, so ist doch ein Ansang gemacht, eine einheitliche Organisation zu schaffen und Klarheit in die Massen zu tragen. Die nächsten Wahlen werden zeigen, ob es auf die- fem Wege gelingen wird, den Jndisserentismu» der Wähler zu brechen und neue Kräfte in den geseßgebenden Reichstag zu bringen. Jörgen Gaardmand. letzte Nachricht. per kleine LelazernnggznSand über Herli» iü vom pimbesrolh auf Ansuchen der prenhischeu Regierung ans ein weiteres Jahr verlängert warben. per bellt Keweis, wie ernst es den Auftraggebern der Herren Stocher nnb siousarte» mit ihrer persöhnungspolitik ist. pie Arbeiter solen in Kreuze kriechen, zu allem Hnmdnz Ja nnb Amen sagen, dann wirb man sie in Gnaden anfuchmen. Pas ist Kismarchische persähulichkeit! Wer Inst hat, mag darauf anbeißen. Am 12. November. (Aus dem Offenburger„Volksfreund".) Zu Berlin am zweiten Martinitag, Was war da ein heftiges Ringen! Schwer wiegt die Ensscheidung. Die Losung lag: „Hie Träger, hie Bebel!"— Es dringen Zur Urne die ringenden Schaaren Der Bourgeois und Proletarcn. Und wie so Alle gaßaus, gaßein Nach einem Ziele sich drängen, Da mischt sich mutterseelenallein Ein Kind in die wandelnden Mengen, Ein neunjährig Mädchen, die Wang' gebleicht Vom Hunger, das Auge, das hohle, Vom Darben, vom bitteren Elend zeigt.— Das Händchen trägt eine Kohle, Und damit an des Palastes Wand „Wählt Bebel!" kritzelt der ärmliche Fant Bedächtig mit kräftigen Zügen. Der Schutzmann erschaut's; entbrennt vor Wuth Ob des Frevels der zitternden Kleineu: „Wer bist Du, Sozialistenbrut?" „„Man nennt mich Lieschen, bin krank und arm,' Erwidert das Kind ohne Weinen.-- Und weiter examinirt der Gensdarm: „Wer ist Dein Bater, was sein Beruf?" Ernst mustert die Kleine den Riesen: „„Erfahre es, wer dieses Elend schuf: „„Mein Vater ist— ausgewiesen!"" Zu Berlin an jenem Tage der Schlacht Wohl Zwanzigtausend haben bedacht Des Kindes Mahnung:„W ä h l t Bebel!" A. G. Briefkasten der Redaktion: An unsere Leser: Wiederum mußten wegen Raummangels mehrere Einsendungen, sowie ein Theil der Rundschau zurückgelegt werden.— Z. in V.: Warum der„Sozialdemokrat" nicht mehr belehrende Artikel bringt? Lieber Freund, Niemand bedauert das mehr als wir, aber inter arma silent artes. Lassen Sie den Wahlkampf erst vorüber sein, so wird auch Ihr Wunsch in Erfüllung gehen. Uebrigens, meinen Sie nicht auch, daß die Präzisirung unserer Stellung■ zu den politischen Kämpfen der Jetztzeit für das Parteiorgan heute die Hauptsache ist?— Warnender Freund: Ihre Furcht ist unbegründet, wir werden nicht ant- Worten. der Expedition: Robertsen: Fr. 2,— Ab. 4. Qu. f. d. S. erh. u. Fr. 5,— pr. Wsd.— C. B. Hg.: M. 3,— Ab. 4. Qu. erh. Nach- Lsrg. mit 47 sort.— L. B. P.: M. 3,— Ab. 4. Qu. erh. Muß Alles landen.— Z. al. D.: M. 3,— Ab. 4. Qu. erh. Scheint so, deshalb mit 47.- Rasi: M. 80,- k Cto. gutgebr.- F. St. Hf.: ö. fl. 1,85 Ab. 4. Qu. u. Schst. erh. Wird stets gewechselt.— I. B. P.: M. 2,— Ab. Nov. u. Dez. erh. Nachlfrg. mit 47.— C. B. Kg.: M. 4,10 sür Ab. 4. Qu. u. Photgr. erh. 46 war schon fort. Dp; Andere nunmehr gelöscht.— Paiterlesbou: Fr. 3,— nach Vorschr. verwendet.— F. H. H.: No. ist abgeändert.— Antwerpen: Liesrg. bewirkt. Empfhlg. betr. O. abgeg. am 17./11. nach St.— F. H. Hg., P. London, H. V. Pz., Rettigbruder i. Du., Colombus: Diesem Strasportoquintett sei unser „Achtung" am Kopfe de« Bl. besonders aus die Nase gebunden!—— o— Hu.: Gewünschtes am 16. abgeg. Nur nicht„zu stark ausgetragen!"— B. B. London: Fr. 50,40 ä Cto. erh.— Serlow: M. 5,— erh. und sür Ab. v. Nov. 15 81— Febr. 15'82 sür R. benützt. M. 2,— s. d. Agfds. — Louis Wgr. N.-A.: Fr. 51,80 k Cto. Klässig erh. Bfl. mehr!— Rob. Jäcklin Lawrence: Fr. 20,— über Schaffhs. erh. u. dahin quittirt. — Frd. Bloch; Fr. 92,50 ä Cto. erh. ebenso Bf. v. 18/11.— ttthtm- mel--: Bs. v. 17/11. hier. Der hlg. Erze— gel mag endlich vom Geiste der Klarheit erfüllet werden!— VineficuS: Wahlges. haben w i r dem Betreffd. nicht geliefert. Gewünschtes folgt.— Ferd.: Bf. v. 17. erh. Alles beachtet.— Hansen: Bitten künftig bei Reklam. deutlicher. Sie schrieben in der Mehrzahl!— Frbg.: M. 8.— ä Cto. mit Val. verrechnet.— Rothbart: Fr. 49,13 k Cto. erh.— Schrm. Besan?.: Fr. 3,75 Ab. pr. 4'/, Mt.— Ende März 82 erh.— Feldhüter: Ab- rechng. erh. u. M. 3.— s. Ab. 3. Qu. H. gutgebracht. Schuldet noch 4. Quart. Alles vorgemerkt.— An die Genossen in New-Dork�: Ist Peter Knauer todt oder will er mit Schiller singen:„Unser Schuld- buch sei vernichtet!"—?— Kalauer Hamburg; Die Zuchthausliteratur im„Bumbum" enthält noch eine Lücke: Jeder von den„Hallunken" hat nemlich auch noch ein Dutzend silberne Löffel verschluckt, die er— nicht mehr herausgeben will!— Bleiben wir bei der Sorte.— Verlag d«S„Sozialdemokrat" (A. Herker, Kasinostraße 3, Holiingen-Zürich). In unserem Berlage ist erschienen und durch uns sowie durch die Volksbuchhandlung in Hoitingeu zu beziehen: programmbro schäre �Wus die Sozialdemokraten sind u. was fie wollen). 1'/, Bogen 8°-broch. Preis per Einzelexemplar: 10 Tis. sür die Schweiz 10 Pfg.„ Deutschland gegen Baarvorauszahlung nnter Beilage de» Porro. Bei größeren Partien entsprechender Rabatt. Ferner: Das Parteiprogramm. (In Einzelabzug— neueste Auslage.) Preis per Exemplar: I Cent, für die Schweiz 1 Pfg. ,. Deutschland. Da« Porto ist der Baarvorauszahlung beizufügen. Ferner empfehlen wir unser reichhaltiges Lager in unter- haltenden und belehrenden Schrislen., Kataloge werden gratis versandt. Schwei», vereinsbuchdruilerei Honinaen.zsri«. t.Ir' i- i i