wöchentlich einmal Zürich(Schweiz) Nerlag (1. Herter. Hattingen-Zürich Kaflnostraße Z. jZoSstu�ullgell sranco gegen sranco. Gewöhnliche Briese nach der Schweiz losten Doppelporto. Der VoMliieWkrat Jentrat-Krgan der deutschen Sozialdemokratie Aöonnemenr? werden nur beim Verlag uub dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzban Mk. 3— für Teutschland(Couvert fl. 1. 70 für Oesterreich(Couvert Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder dts Weltpostvereins(Kreuzband). Inserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 CtS.--- 20 Pfg. R?.52. Ionnerssag, 22. Dezember. 1881. An!« an die KorresPondenien und Adonueuten de»„Aoiialdemodrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist. bezw. versolgt wird, und die dortigen Behörden fich alle Muhe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briese von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äusjerste Vorficht im Postverlehr nothwendig und darf keine Vorfichtsmagregel versäumt werden, die Brieimarder Uber den wahren Absender und Empsänger, sowie den Inhalt der Sendungen ZU täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterfordernix ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. besten Verlag selbst adresfiren, sondern flch möglichst an irgendeine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche flch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadresten mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt flch behufs größerer Sicherheit Rekommandtrung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller cnt- gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. Zu Weihnachten. Er war es nicht, den man als Heiland preist! Er, der zum Himmel fromm den Blick gerichtet; Er lobte Gott und lästerte den Geist, Das Menschenelend hat er nicht vernichtet! Was half es auch, schuf er als Ideal Den jammersel'gen, reuzerknirschten Sünder. So starb das Elend nicht, das ohne Wahl, Der Bestie gleich, verschlingt die eignen Kinder. Erwache Volk! Von oben kommt sie nicht Erlösung den gebundnen Erdensöhnen! Wenn nicht der Sklave selbst die Fesseln bricht, So wird er ewig in den Ketten stöhnen! Genug der Zeit, die thatlos man verlor! Genug, geächtet Kind der Roth, erwache! Schrei Deinen Feinden laut in's taube Ohr Das Donnerwort, vor dem sie beben:„Rache!" Millionen Ihr, in Hunger, Kälte, Roth I— Beugt Ihr Euch ewig ihren Lllgenschergen? Much! leuchtend weht das Flammenbanner: Roth I So wagt den Kampf, Ihr Riesen, m>t den Zwergen! Exul. Moderne Saturnalien. Tie Tage der Wintersonnenwende feierte man im alten Rom als das Fest des Saturn, die Sanirnalien genannt. Mehrere Tage hindurch durften sich die Sklaven über ihre Lage erheben, durften sie sich einbilden, frei und Herren zu sein. Zur Erinne- rung an das„goldene Zeitalter", an den Urkommunismus, speisten Herren und Sklaven an denselben Tischen, man belustigte sich gemeinschaftlich, es herrschte Gleichheit. Das Christenthum über- nahm dieses Fest als Fest der Geburt Christi, das heutige Weihnachtsfest. Im Mittelalter ist es der Tag St. Stephans, de zweite Weih- nachtstag, welcher den Dienstleuten und Leibeignen gehörte. Und war es auch nur c i n Tag im Jahre, so war er doch bei der herrschenden Naturalwirthschaft ein wirklicher Festtag: frei von Sorgen durfte der arme Knecht sich tummeln, er durfte seine Mühe vergessen, sich voll und ganz seines Daseins freuen, denn wenn ihm der folgende Tag auch wieder die alte Last, das alte Joch brachte, so war er doch wenigstens sicher, daß er ihn nicht auf der Landstraße finden würde. Wie aber steht es heute aus? Das Weihnachtsfest, das Christfest findet man noch immer, noch immer singt man dem gläubigen Volke die glückverheißende Mähr:„Freuet Euch, denn Euch ist heute der Heiland geboren", die Freude des Festes aber ist heute verschwunden, es ist nicht mehr das Fest der Armen, der Geknechteten, es ist das Fest der Besttzend.n, der W hl- habenden, der Reichen. Frei ist heute der Arbeiter, der Sklave und Leibeigne von ehedem, frei und unabhängig. Kein Herr hat ihm zu befehlen, an keinen Ort ist er gebunden. Und doch ist er schlimmer daran, als der Sklave von ehedem, die Peitsche des Aufsehers fühlt er nicht mehr, aber rastlos ohne Unterbrechung treibt ihn die un- erbittliche Hungerpeitsche an; die Sorge, was wird das„Morgen" Dir bringen, gönnt ihm keinen ruhigen Genuß. Die Sorge verkümmert sein Dusein, die Sorge verdirbt seine Feste. Da hat sich der arme Handwerker geplagt und abgemüht für die Weihnachtszeit, was er nur kann, geschafft, denn sie soll ihn entschädigen für die stetig sich mehrenden Verluste des Jahres; am Vorabend des Festes aber sitzt er verzweifelnd unter einem Haufen unverkaufter Waaren, sie sind Plunder, haben keinen Werth mehr, seine Schulden aber sind gewachsen, kein Ausweg zeigt sich ihm. Was nun beginnen? ftagt er sich wieder und immer wieder, er zermartert sich dm Kopf,— für ihn gibt es keine Festesfreude. Da ist der Proletarier der Industrie, der vielleicht nach langer Arbeitslosigkeit endlich zum Winter Arbeit gefunden hatte. Jetzt kann er seinen Verpflichtungen wieder nachkommen, jetzt kann er hoffen, sich wieder einen Zehrpfennig zurückzulegen, er arbeitet mit Lust und Eifer, da wird ihm am Vorabend des Festes bei der Auslöhnung im geschäftsmäßigen Stil mitgetheilt: Von Reu- jähr ab wird das Personal reduzirt, Du kannst dann gehen— er zuckt zusammen— von Festfreude ist bei ihm keine Rede mehr. Andere Proletarier in den Zentren der modernen Groß- industrie sind so herabgekommen, müssen um solche Hungerlöhne frohnen, daß für sie die Festtage nichts sind, als Tage, an denen sie Zeit haben, sich ihres Elends so recht bewußt zu werden. Wer um die Weihnachtszeit hinausgeht auf die Straßm, der steht glänzende Lädkn und eine schau- und kauflustige Menge, wer aber hineinsieht in die Häuser, der sieht vorwiegend Kummer, Roth und Sorge. Die poetischen Darstellungen des fröhlichen Weihnachtsfestes, welche uns in Büchern und Gedichten entgegen- treten, sie schildern nicht das Weihnachten des Volkes, sie schildern das Weihnachten der Wohlhabenden. Der Gegensatz zwischen dem Weihnachten der Legende und dem Weihnachten der Wirklichkeit ist ein so krasser, daß ihn die herrschende Klasse selbst empfindet->nd sich daher eifrigst abmüht, ihn möglichst zu bemänteln. Auch sie arrangirt ihre„Satur- nalien". Diese modernen Saturnalicn, welche beißende Satire auf die heutige Gesellschaft stellen sie dar! So nüchtern, so„praktisch", so geschäftsmäßig wie die Bourgeoisie, so sind auch ihre Weih- nachtsveranstaltungen, vor Allem ihre„Cbristbescheerungen armer Kinder". Da wird vorher am Biertisch, im Bürger--c. Verein gesammelt, der Eine übt immer eiue sanfte Pression auf den Andern, und dann werden die Kinder der Armen der Stadt oder des Viertels zusammenbestcllt. um ihre mehr- oder minder zweck- mäßigen Geschenke entgegenzunehmen. Je nachdem die Geber fromm oder aufgeklärt sind, wird ein Choral oder ein Lied ge- jungen, ein Grbet oder eine Ansprache abgehalten, und in dem- selben Tone, wie etwa eine Auktion oder ein Ausverkauf, beginnt darauf die Vertheilung. Kinder sind leicht empfänglich und freuen sich wohl im ersten Moment der Geschenke, je näher sie aber der elterlichen Wohnung sind, um omehr empfinden sie den Cha- rakter dieser Geschenke. Im elterlichen Hause werden dann die „guten Sachen" beiseite gelegt, das Kind spielt eine Weile mit dem Spielzeug, die Elter sehen schweigend zu, bewußt oder unbewußt werden ihre Gedanken immer bitterer— das„schöne Fest" endet mit einer grellen Dissonanz. In den Zeitungen aber schildert irgend ein begeisterter Bericht- erstatter, wie die Kleinen beim Anblick der vielen Lichter auf- gejubelt haben und wie sie dann überglücklich nach Hause ge- stürmt seien, worauf ein Dithyrambus auf den humanen Sinn der Neuzeir, auf das praktische Christcnthum rc. je. erfolgt. Das sind die modernen Saturnalien. Freilich, auch der mittelalterliche Grundherr, der römische Grundbesitzer opferten wenig an den Saturnalien. Die Winter- saat war besorgt, auf einige Ruhetage kam es ihm daher nicht an, während unserer Bourgeoisie bestimmte, festgesetzte Ruhe- tage ein Greuel sind. Die Saturnalien und der Stephanslag des Mittelalters waren eben auch nur Mittel, das Volk,„den großen Lümmel", einzulullen, aber Herr und Sklave, Feudalherr und Leibeigner standen sich persönlich viel näher, als heute Bourgeoisie und Arbeiter. Ihr Fest trug daher einen all- gemeinen Charakter, und nicht den nackt geschäftlichen. Es fällt uns natürlich nicht ein, darüber zu klagen, daß es anders gekommen. Was wir anklagen, sind die heutigen Zu- stände, nicht aber die geschichtliche Entwicklung. Wenn wir aber nachweisen, daß die Letztere das Mißverhältniß zwischen den Mächtigen und Unterdrückten, zwischen Reich und Arm noch zu- gespitzt, noch krasser gestaltet hat, dann zeigen wir damit auch, daß sie den Konflikt seiner Lösung näher gebracht. Der„freie" Proletarier der Neuzeit kann nicht wieder zum Leibeigenen, zum Sklaven werden, es bleibt ihm daher keine Rettung, als mit kühner Faust den Gegensatz zwischen Reich und Arm, den er nicht mildern kann, ganz auS der Welt zu schaffen, die Gl eich- heit zur Thatsache zu machen. Das Weihnachten der Bour- geoisie ist nur noch eine klägliche Parodie der Saturnalicn der Alten, das befreite Proletariat aber braucht keine Saturnalien, denn es wird endlich zur Wahrheit machen, was am Weihnachten die christlichen Priester bisher vergebens versprochen: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Briefe eines Achtundvierzigers. Berlin, 16. Dezember 1881. Die Belagerungözustands-Debatte hat den üblichen Verlauf genommen — d. h. im Sande. Der Reichstag, in seiner bekannten Selbstentmannungs- wuth, hat ja dafür gesorgt, daß ihm die Hände gebunden sind und er blo« die Rechenschaftsberichte, der Regierungen„entgegenzunehmen" hat, ohne das Recht, über die Rechenschaftsberichte auch nur ein Urtheil aus- zusprechen. Da machen sich'S denn die Regierungen leicht und bieten zu ihrer sogenannten Rechenschast Gründe und Behauptungen, so unlogisch, so vernunftwidrig, so fadenscheinig, so ossenbar aus der Luft gegriffen, daß man sie— wäre es Ernst damit— nicht einer Gesellschaft von Schulknaben vorzulegen getrauen würde. Der Reichstag aber muß Alles schlucken— er hat sich durch sein samoses Sozialistengesetz ausdrücklich dazu verpflichtet, oder richtiger: sich eigenhändig den Knebel in den Mund gesteckt. Die skandalösen Thaffachen, die haarsträubenden Brutalitäten, die aus dem infamen Sozialistengesetz herausgewachsen sind, wurden von unseren Vertretern vorgeführt und der Verachtung jedes anständigen Menschen überliefert. Zu den anständigen Menschen gehörte natürlich nicht der Herr Puttkamer mit den StallknechtSmanieren, der all diese Polizei- schändlichkeiten für staatSrettende Thaten erklärte. Jedoch unter eisigem Schweigen des Hauses. Charakteristisch war die Haltung der F o r t s ch r i t t» p a r t e i, die durch den giftigen Syrupredner H ä n e l zwar das Sozialistengesetz ver- dämmen, dafür aber auch den Vorschlag wieder auftischen ließ, man solle da« allgemeine Sttasgesetzbuch verfchärseu uud die politischen Straf- Paragraphen so einrichten, daß jedes politische Vergehen, jede polittsche Ausschreitung vom Staatsanwalt und den Richtern gepackt werden könne. Ich bin Uberzeugt, Bismarck bereut es heute, daß er im Herbst 1878 den Hänel'schen Vorschlag nicht annahm. Dann brauchte er jetzt nicht darüber zu grübeln, wie er das Sozialistengesetz aus s ä m m t- 1 i ch e Oppositionsparteien anwenden könne. Er hätte sie sämmtlich iu der Tasche, die Unterdriickungs-Prozedur würde sich in Form Rechtens vollziehen, durch bezahlte servile Richter statt durch bezahlte servile Poli- zisten, und der Fortschrittspartei, die sich jetzt in dröhnenden Phrasen sittlicher Entrüstung ergeht, würde der Mund erfolgreich gestopft. Weit anständiger als der große Fortschrittler Hänel bewiesen sich die Sezessionisten Laster und Braun—„unser" Braun, der zwar aus einem Fallstaff noch keine ernsthafte Person, indeß entschieden etwas reputabler geworden ist. Er soll in Leipzig nicht mehr ganz so unmenschlich im Weinvcrtilgen sein— das mag den Grund bilden. Während Herr Laster so tapser, als eine Lasker'sche„Mannesseele" es zuläßt, sein ■Amatboma sit! über da« Sozialistengesetz wiederholte, sekundirte Herr Braun den sozialischen Rednern, indem er die schmachvolle Jnszenirung des„großen Leipziger(Polizei-) HochverrathSprozesses" brandmarkte. Die einzige Abwechslung wurde durch den sächsischen Minister des Inneren in die Verhandlungen gebracht. Dieser nervöse Diminutiv- Staatsmann bemühte sich nämlich, in die sonst gerade nicht sehr heilere Materie das komische Element einzuführen, und spielte die Rolle des Regierungs-Hanswurstes mit solchem Glück, daß schallendes Gelächter seine Anstrengungen belohnte. Einen glücklichen Anlauf in dieser Richtung machte übrigens auch Herr von Puttkamer, als er in seiner Replik auf die Anklagerede Hasenclevers diesem vorwarf, daß er sein Thema nicht von hohen Gesichtspunkten au« behandelt habe. Polizeischweinereien von hohen Gesichtspunkten behandeln Die Idee ist in der That originell. Ob Herr von Puttkamer die „hohen Gesichtspunkte" eines Zuchthauses oder Laternenpsahles meint? Gegen Hasenclever ist seitens der Fortschrittler und anderer Pseudo- demokraten ein entsetzliches Geschrei erhoben worden, weil er ihnen das Herz für die Sache des Volkes und der Unterdrückten absprach.„Unver- schämt!" schrie.der wohlerzogene Herr Hänel, und„wer hat denn Ihre Leute unterstützt? sekundirte Herr Sonneman». Das„unverschämt" lassen wir dem wohlerzogenen Herrn Hänel— das deutsche Volk muß doch wissen, wie„gebildet" seine Professoren sind: und was den Herrn Sonne- mann anbelangt, so scheint derselbe sich allen Ernstes einzubilden, die deutsche Sozialdemokratie lebe von den Beiträgen, die einige Mitglieder der Fortschritts- uud sogenannten Volkspartei zum Unterstützungssond gezahlt. Fern sei es von mir, diejenigen unserer politischen Gegner, die ihre Menschenpflicht Opfern des Sozialistengesetzes gegenüber ausgeübt haben, die gebührende Ailerkeilllung zu versagen, Herr Sonnemann darf mir aber glauben: wenn unsere Ausgewiesenen und deren Familien einzig auf diese Beiträge angewiesen gewesen wären, hätten die weitaus meisten von ihnen Hungers sterbe» können. Daß Herr Sounemann der Beiträge seiner Parteigenossen in so ostensibler, ja prahlerischer Manier erwähnt, zeigt beiläufig, daß der Takt und das Zartgefühl dieses Herrn im umgekehrten Verhältniß zu seiner Werthschätzung des Geldes steh». Jetzt einen Punkt, der speziell Sie angeht. Im Lauf der Debatte kam auch auf den„Sozialdemokrat" die Rede. Nach den Berichten der Zei- tungen könnte es scheinen, als sei da« Parteiorgan von zwei Sprechern der Partei, von Hasenclever und Blas desavouirt worden. Das i st n i ch t r i ch t i g. Es ist wahr, die Genannten haben die Beranl- wortlichkeit für den g e s a m m t e n Inhalt des„Sozialdemokrat" nicht übernehmen zu können erklärt, das ist denn doch weit entfernt von einem Desaveu.') Man wird sich erinnern, daß die preußische Regierung bei mehreren Gelegenheiten die Verantwortlichkeit für den Gesa mm t- Inhalt des„Slaatsanzeigers" abgelehnt hat, ohne den offiziellen Charakter dieses Organs zu bestreiten. Ich will nicht bestreiten, daß die Form, in welcher Hasenclever und Blas des Parteiorgans erwähnten, vielleicht geschickter hätte gewählt werden können, indeß im Fluß der Rede findet sich nicht immer die ganz korrekte Form. Ich kann übrigens versichern, daß, um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, die erste im Reichstag sich bietende Gelegenheit ergriffen werden wird, um den offiziellen Cha- rakter des„Sozialdemokrat" zu betonen. Wahrscheinlich wird' dies bei der dritten Lesung des Etat« sein, wo Liebknecht, der sich bisher in Folge der durch seine Doppelwahl ihm auserlegten agitatorischen Thätigkeit an den Sitzungen des Reichstags so gut wie nicht betheiligen konnte, in der Generaldebatte den Standpunkt unserer Partei zu vertreten den Auf- trag hat. Verbrecher-Album.�) Ein Richter des Leipziger HochverrathSprozesses. Unter den in Nr. 47 des„Sozialdemokrat" aufgesührten Richtern de» Leipziger Reichsgerichts, welche über Dave und Genossen„Recht" sprachen, befindet sich ein gewisser Dehnhardt. Dieser„Richter", in Stettin unter dem Namen Blutrichter bekannt, war vor der Ein- richtung der neuen Justizordnung in Pommerns Hauptstadt Polizei« richter. Als solcher hatte er über Strasmandate, gegen die Rekurs ein- gelegt wurde, endgültig zu entscheiden; d. h. einfach das Urtheil der Polizei zu bestätigen, denn er ging wie alle Streberseelen von dem Grundsatz aus, was die Polizei thut, das ist wohlgethan, und wenn sie wirklich Unrecht hat, dann darf man dies nicht vor dem Volke zugeben, >) Nach Einsicht in den stenographischen Bericht können wir das in Bezug aus H a s e n k l e v e r gelten lassen, nicht aber von Blas, mit dessen Ausführungen wir uns an anderer Stelle beschästigen. Anm. der.Redaktion. ') Unter dieser Rubrik gedenken wir dem deutschen Volke die V e r- b r e ch e r, welche in Amt und Würden und unter dem Scheine der Ehrbarkeit Recht und Gerechtigkeit mit Füßen treten, soweit es in unfern Kräften steht, zur Kenntniß zu geben. Wir fordern alle rechtlich Denkenden im deutschen Reiche auf, uns dabei zu unterstützen. Der wahre Beruf der politischen Presse ist es, Ankläger der öffentlichen Meinung zu sein, während diese das Urtheil zu fällen und zu exekutiren hat. Bei den herrlichen Zuständen in Deutschland können diese Anklagen nur vom Auslande aus erhoben werden, die Presse der herrschenden Klassen ist so durch und durch korrumpirt, daß sie die Schurkereien ent- weder noch beschönigt, oder durch Schweigen santtionirt. Desto euer- gischer muß der Prolest der Unterdrückten und ihrer Parteigänger sein ...*./ denn dadurch wird die Behörde in ihrer AutoritZt herabgesetzt, ergo wird gerade das Urtheil bestätigt, und der Appellant hat noch außerdem die Gerichtskosten zu bezahlen. Das ist nun im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte nichts Absonderliches, und wer es zur Leuchte des Rechts vnlgo Reichsgerichts- rath bringen will, der muß aus Extraleistungcn hinweisen können, sowohl was juristische Gewissenlosigkeit als was Charakterluinperci anbetrifft. Daß D e h u h a r d t diese Bedingungen vollständig erfüllt, dafür mag folgende Episode Zengniß ablegen. Es war im vergangenen Jahre, als ein alter Schuhmacher D ö r st- ling, der wegen angeblicher Uebertretnng einer Polizelverordnung mit fünf Mark Strafe belegt war, zu mir kam und mich um Rath anging, da er sich durch die Bestrafung beschwert fand. Ich las das Strafmandat durch und erinnerte mich dabei, daß in einem analogen Falle der Polizei- richler D e h n h a r d t— er war damals erst in das Amt eingeführt worden— zu Gunsten des Beschwerdeführers entschieden hatte. Deshalb rieth ich dem Dörstling, Rekurs anzumelden/ was dieser auch that. In- zwischen hatte ich auch das Erkenntniß des Richters in dem analogen Falle aufgetrieben und dem Dörstling eingehändigt, damit er es im Termin vorlegen und den Richter auf seine günstige Entscheidung auf- merksam machen könne. Es handelte sich nämlich um eine kommunale Polizeiverordnung, die gegen ein Reichsgesetz verstößt, und deshalb vom Richter Dehnhardt einst als nicht zu Recht bestehend anerkannt worden war. Dörstling gab ruhig seinen Verstoß gegen die Verordnung zu, bestritt aber die Legiti- mität der Verordnung. Dehnhardt glotzte den Dörstling erst eine zeitlang an, dann fragte er:„Wo haben Sie die Gesetzeskenutniß her?" Dörstling hielt nun dem Richter sein eigenes Erkenntniß hin und machte ihm be- greiflich, daß er ein freisprechendes Erkenntniß bestimmt verlange.„Was! Sie verlangen? Ich werde Ihnen zeigen, was es heißt, ein Recht verlangen!" Armer Dörstling, Recht verlangen ist ein Wort, das man einem Streber, wie Dehnhardt gegenüber, nicht gebrauchen darf. Der Edle steckte also mit dem Ankläger, dem Polizeirath M a n k o p f, seine Weis- heitsfabrik zusammen und erkannte dann„im Namen des Königs" dahin, daß die Strafe von fünf, weil zu„niedrig", auf zehn Mark zu er- höhen sei. Dörstling gab über diese Gemeinheit seinem gerechten Un- willen Ausdruck und erlaubte sich dem„edlen" Richter vorzuwerfen, auf jeden Fall eine Inkonsequenz begangen zu haben. Da griff der Dehn- Hardt zum Glockenzug, ein Nuntius erschien, und Dörstling wurde zu 24 Stunden Haft wegen ungebührlichen Betragens verurtheilt und zu sofortiger Berbllßung abgeführt. Dafür, daß Dehnhardt aber immer hübsch die Strafmandate des Königl. Polizei-Präsidenten„im Namen des Königs" sanktionirte, wurde er auch an hohen Stellen persona Aratissima und feine Verdienste blieben nicht unbelohnt. Bei dem Inkrafttreten der neue» Jnstizorgani- fation wurde er zum Landesgerichtsrath in Stettin ernannt, während alte Krcisgerichtsräthe Amtsrichter wurden. Diese un- erhörte Thatsache machte in Stettin seiner Zeit Aufsehen, zumal andere Richter, z. B. der Kreisgerichts rath Küster, der gleichfalls nur Amtsrichter wurde, sich über diese Besetzung der neuen Aemter beim Justizminister beschwerten. Die Antwort kam nach einigen Monaten von oben herab. Sie bestand in einer Beförderung des Landesgerichtsraths Dehnhardt zum Hilfsrichter beim Reichsgericht. N e w- U o r k, 14. November 1881. Georg H o t s ch i ck. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 21. Dezember 1881. — Durch die Presse des In- und Auslandes lief in den letzten Tagen die Notiz, daß unser großer Borkämpfer K a r l M a r x im Sterben liege. Nach eingeholter Erkundigung können wir unfern Genossen die erfreuliche Mittheilung machen, daß diese Nachricht unwahr ist. Karl Marx ist zwar noch sehr leidend und bedarf außerordentlicher Schonung, aber er befindet sich entschieden auf dem Wege der Besserung. Marx' Krankheit datirt übrigens nicht erst vom Tode seiner Frau, wenngleich die Pflege seiner sterbenden Lebensgefährtin ihn die Rücksicht auf das eigene Wohl außer Augen setze» ließ, und so zur Verschlimmerung seines eigenen Zustande« beigetragen haben mag. Uebrigens wird es unsere Leser doppelt interessiren, zu erfahren, daß wenn ein äußeres Er- eigniß auf die Wiederherstellung Marx's eingewirkt hat, es, wie wir einem Privatbrief entnehmen, die tapsere Haltung des deutschen Prole- tariats bei den letzten Wahlen gewesen ist. — Noch einmal die Debatte über den Belagerung s- zustand. Der stenographische Bericht über die Reichstagsverhandlungen vom 10. Dezember liegt uns nunmehr vor, und sind wir daher in der Lage, unsere Ausführungen über dieselben zu ergänzen, beziehungsweise zu berichtigen. Was zunächst H a s e n k l e v er' s Rede anbetrifft, so freuen wir uns, konstatiren zu können, daß unser Genosse eine ganze Reihe von Wen- düngen, welche ihm die Presse unterlegte, nicht gebraucht hat, und daß er im Allgemeinen den richtigen Ton getroffen hat, sowohl den Regierungen als auch den gegnerischen Parteien gegenüber. Wir werden in der nächsten Nummer die markantesten Stellen seiner Rede zum Abdruck bringen. Im Einzelnen haben wir freilich Mancherlei zu rügen, besonders die unpräzisen und der Mißdeutung fähigen Auslassungen über unsere Stellung zu den russischen sogenannten Nihilisten und zum Churer Sozialisten- kongreß. Daß in Bezug auf den letzteren die Ehre unserer Partei eine unzweideutige Erklärung nothwendig macht, liegt aus der Hand. Auf dem Wydener Kongresse wurde die Parteileitung mit der Entsendung zweier Vertreter beauftragt, dem ist einfach entsprochen und in Chur absolut nichts oerhandelt und beschlossen worden, was nicht schon viel energischer in Reden und Schriften in Deutschland ausgesprochen worden ist, und was unsere Partei irgendwie kompromittiren könnte. Eine Verleugnung des Churer Kongresses muß als eine Verleugnung der internationalen Solidarität der Sozialdemokratie betrachtet werden, ganz abgesehen von der Rücksichtslosigkeit gegen den Delegirten der eigenen Partei. Aber auch in Bezug auf die Nihilisten ist eine Erklärung Hasenclever's nothwendig, da seine dahingehenden Ausführungen der Mißdeutung fähig sind und theils unabsichtlich, theils böswillig bereits mißdeutet worden sind. Daß es Hasenclever fern lag, die Nihilisten zu beleidigen, geht aus dem Wortlaut seiner Rede unzweideutig hervor. Er sagte an der betr. Stelle: „So werden Nihilisten und Vagabunden erzogen; da soll man sich wundern, wenn diese Leute die Gesellschaft nicht mehr achten, den Krieg der Gesellschaft erklären?" Man hätte das besser, prinzipieller ausdrücken können, aber aus einer ungeschickten Redewendung Jemanden ein Verbrechen zu machen, vermögen wir nicht. Eine Richtigstellung halten wir indeß für geboten, und zwar folgenden Gründen: Die russischen Revolutionäre und Sozialisten, die selbst im Kampfe stehen und daher auch wissen, was Taktik ist, sind viel zu vernünftig, von uns Erklärungen und Demonstrationen zu verlangen, die unsere Situation in Teutschland schlimmer gestalten, als es uns durch die Um- stände geboten erscheint. Was sie aber von uns verlangen, ist, daß wir ihnen positiv nicht schaden. Jedesmal, wenn von unserer Seite eine absprechende Aeußerung Uber die Nihilisten im Reichstag gefallen ist, ist sie von der russischen abhängigen Presse mit hämischer Schadenfreude kolportirt worden, um die öffentliche Meinung gegen die Revolutionäre einzunehmen und diese selbst zu entmuthigen. Man urtheile selbst, was es für einen Eindruck auf einen Menschen, der seine ganze Existenz für seine Sache auf's Spiel setzt, machen muß, wenn er ersährt: Deine Gesinnungsgenossen im Auslande wollen nichts von Dir wissen, sie ver- höhnen Dich und sagen sich los von Dir! Andererseits aber, wie sehr auch die russische Regierung die Presse Uberwacht, so kann sie doch nicht verhindern, daß alle Sympathie-Erklärungen des Auslandes für die Nihilisten in irgend einer Form in's Land dringen und die wackeren Streiter für die Besreiung des russischen Volkes ermuthigen. Der ruf« sische Delegirte in Chur hat das ganz besonders betont. Es ist also sehr zu wünschen, daß in Zukunft gerade in dieser Frage das Vorurtheil der Spießbürger nicht mehr geschont, sondern lediglich der prinzipielle Charakter unserer Partei hervorgehoben werde, was in Deutschland ohnehin nicht oft genug geschehen kann. Was dann F r o h m e' s Ausführungen anbetrifft, so hätte derselbe nach unserer Ansicht, wenn er schon auf den Leipziger Hochverraths- Prozeß einging, das ehrenwerthe Reichsgericht nicht gar so glimpflich davonkommen lassen sollen. Was er dagegen in Bezug auf die Polizei sagte, unterschreiben wir selbstverständlich von A bis Z. Frohme hat durchaus Recht daran gethan, dagegen zu Protestiren, daß es Sache der Polizei sei,„erst ein Verbrechen groß ziehen'zu helfen, um es dann zur Verurtheilnng vor das Reichsgericht zu bringen". Der Polizei einen Vorwurf zu machen,„daß sie nicht rechtzeitig eingeschritten sei", ist Frohme gar nicht eingefallen. Genosse S t o l l e' s Ausführungen geben uns zu keinerlei Bemänge- lung Anlaß, wir bedauern nur, daß derselbe erst am Schluß der Debatte zum Wort kam. Seine Rede war kein rhetorisches Meisterstück, aber der Ton derselben entsprach der Situation unserer Partei. Das gerade Gegentheil aber ist bei der Rede des Abgeordneten Bios der Fall. Der süffisante, dickthuerische, staatsmännisch sein sollende Ton, den dieser anschlug, mag vom Standpunkt eine« oppositionellen Journa- listen sehr schön gewesen sein, für den Vertreter einer unterdrückten Partei, für den Vertreter von armen, ausgehungerten Webern paßte er ganz und gar nicht. Wir halten es für unsere Pflicht, das hier aus- drücklich zu konstatiren. Wir verwahren uns mit aller Entschiedenheit gegen das Vorgehen des Herrn Blos im Reichstage, das wir für einen Verstoß gegen die Ehre unserer Partei erklären. Kein Wort von dem, was im Leitartikel der vorigen Nummer gegen diese Art von Oppor- tunismus gesagt ist, nehmen wir zurück. In seiner Antwort auf Hasenclevers Rede hatte Herr Puttkamer auch folgenden Passus aus einem Artikel des„Sozialdemokrat" über die Tödtung des Wucherers S o t h c n durch dessen Diener H i e t l e r verlesen, in dem es in Bezug auf die Thatsache, daß das Wiener Volk am Grabe dieses Sothen tanzte, folgendermaßen lautet: „Das Volk hat damit ein Urtheil gesprochen, es hat erklärt, daß Hietler recht gehandelt hat, daß er nicht anders handeln konnte. Es hat erklärt, daß unter der anarchischen Herrschast des laisser faire, laisser aller der Proletarier dem Faustrechi des Kapitals gegenüber keine andere Waffe besitze, als das Faustrecht der bru- talen Gewalt. Und damit, daß es die Empörung gegen das Individuum Sothen feierte, feierte es die Empörung gegen die Gesellschaft, deren hervorragendes Mitglied er war, und insofern sind die Tänze um das Grab Sothcns ein ebenso bedeutsames Symptom als die Tänze um das Grab Ludwigs XV., welche das Nahen der französischen Revolution verkündeten." Mäßiger konnte sich ein Sozialist über dieses Faktum gar nicht aus« drücken, ja sogar nichtsozialistische Blätter haben ihrer Sympathie mit dem durch Sothen zur Verzweiflung getriebenen Hietler offen Ausdruck gegeben. Herr Puttkamer hielt es für passend, von unseren Vertretern zu verlangen, sie sollten„solche Ergüsse" mit„Indignation" desavouiren! Der nächste sozialistische Redner war Blos, anstatt nun, wie es die Ehre und die Grundsätze unserer Partei gebieten, diese Zumuthung Puttkamer's mit Indignation zurückzuweisen, oder sie wenigstens zu igno- riren, gefiel sich derselbe in folgender ganz unqualifizirbaren Auslassung: „Es ist ferner von dem Herrn Minister des Innern darauf hin- gewiesen worden, daß unter uns sozusagen zwei Parteien bestehen, eine gemäßigte und eine extreme oder revolutionäre, wie er sie genannt hat. Ich möchte diese Eintheilung etwa« anders machen. Es sind vielmehr die zwei Parteien eine ausländische und eine einheimische; so wird die Sache wohl liegen. Die ausländische Partei hat ihre Organe, die inlän- dische Partei hat keine mehr. Nun haben wir die eigenthümliche Erscheinung, daß jedesmal, wenn das Verfahren der Regktrung gegen uns motivirt werden soll, uns die sämmtlichen Sünde» der aus- ländischen Partei auf den Hals geladen worden." Was soll man dazn sagen? Auf dem Wydener Kongreß erklären die Delegirten der deutschen Sozialdemokratie den„Sozialdemokrat" ein- stimmig zum Organ der Partei, die Genossen in Deutschland ratifiziren diesen Beschluß durch reges Abonnement und stete Korrespondenz mit demselben, die Parteileitung benutzt i hn für ihre Mittheilungen; im Früh- jähr dieses Jahre? erkennen Auer und Bebel ausdrücklich an, für die allgemeine politische Haltung des„Sozialdemokrat" die Verantwor- tung zu übernehmen, alles das cxistirt sür Herrn Blos nicht, der „Sozialdemokrat" ist blos das Organ der„ausländischen Partei". Wir vertreten nicht das Interesse der Redaktion, sondern das der Partei, wenn wir gegen diese Anmaßung Verwahrung einlegen. Es bleibt Herrn Blos unbenommen, seiner allerhöchsten persönlichen Mißbilligung über die Existenz und Schreibweise des„Sozialdemokrat" Ausdruck zu geben, wir werden diesen Schlag zu überwinden wissen, mehr aber darf er nicht. Auch gegen die engherzig-spießbürgerliche Trennung von„ausländischer" und„inländischer" Partei legen wir im Namen der zahlreichen Genossen energischen Protest ein, welche, im Auslande lebend, bisher mit unaus- gesetztem Eiser für die Interessen der deutschen Sozialdemokratie gewirkt und Opfer gebracht haben, und welche die Aeußerung des Herrn Blos nicht abhalten wird, nach wie vor ihre Schuldigkeit gegenüber der Ge- sammtpartei zu thun. Es thut uns leid, daß wir den begeisternden Eindruck, welchen die ReichstagSwahlen allüberall aus unsere Genossen gemacht, durch so herbe Erörterungen stören müssen, aber wenn Vertreter unserer Partei nach einer so kräftigen Lebensäußerung derselben eine so kraftlose Sprache führen und da« an einer Stelle, wo sie rückhaltlos dem Unwillen und der Empörung der arbeitenden Klasse Ausdruck geben sollen, dann ist es unsere Pflicht, Einspruch dagegen zu erheben. Es ist hier ein wunder Punkt, über den wir uns nicht hinwegtäuschen dürfen, dem es gilt, herz« Haft entgegenzutreten. Prineipiis obsta, wie der Lateiner sagt, das Nebel muß im Keim erstickt werden. — Im deutschen Reichstage haben sich die Liberalen und Konservativen in Punkto Wahlsälschungen und Wahlbeeinflussungen gegen- seitig allerhand Artigkeiten an den Hals geworfen. Herr Puttkamer vertrat die Rechte der Dynastie Bismarck— Pardon!— der Regierung Sr. Majestät des Kaisers und Königs mit ebensoviel Unverschämtheit als Ungeschick. Wilhelm soll über die grobe Abfertigung der Liberalen vor Wonne ganz aus dem Häuschen gewesen sein, was diese natürlich nicht abhält, nach wie vor„in unverbrüchlicher Treue" zu ihrem„geliebten Heldenkaiser" zu stehen, und„entrüstet" dagegen zu Protestiren, daß sie— aus den Thronwechsel spekuliren. Die Schwärmerei sür den Kronprinzen, die Lobpreisungen seines GünstlingS, des Herrn Botho Eulenburg, geschieht also nur um der schönen Augen derselben willen. Wer'« nicht glaubt, verdient— Herrn H ä n e l zum Justizminister. — Der milde Kaiser Wilhelm hat dem Medizinalpsuscher Becker, der die Tänzerin Adele Grantzow durch unerhörten Leichtsinn zu Tode kurirt hatte, den Rest seiner ohnehin niedrigen Strafe in Gnaden erlassene Das muß selbst den verstocktesten Republikaner rühren. — Christlicher Staat und jüdische Börse. Nach der Bergisch-Märkischen kommt jetzt die„Berlin-Anhaltische" an die Reihe. Die Aktionäre dieser Bahn sollen eine Rente von sechs Prozent erhalten, und die Börse ist ihrer Sache so gewiß, daß sie, um im Börsenjargon zu reden, sofort die Größe des Kaufpreises eskomptirte, das heißt eine fröhliche Courssteigerung inszenirte.„Als nächste Verstaatlichungsobjekte," wird der„Franks. Ztg." geschrieben,„gellen nun neben der Berlin-Hambnrger die Oberschlesische, Rechte Odernfer und Altona-Kieler Eisenbahn. Die Eskomptirung der Verstaatlichung trieb sofort ihre Blüthen in einer viele Prozent umfassenden Courssteiger nng dieser Aktien. Die Annahme aller Verstaatlichungsvorlagen seitens des Landtags wurde mit solcher Gewißheit vorausgesetzt, daß es nichts nothwendig er- schien, die M ö g l i ch k e i t der Ablehnung derselben(und an diese muß man doch denken) mit einer Prämie zu decken. Jedenfalls gebührt diesmal dem„Reich sanzeiger" die Anerkennung, der Speku- l a t i o n einen großen Dienst geleistet zu haben. Unter solchen Umständen stecken die jüdischen und christlichen Börsen- matadore mit Vergnügen den„Gistbaum" in die Tasche. Und das Volk ist überglücklich ob seines staatssozialistischen großen Kanzlers. Was will man noch mehr 1 — Die Mainzer Wahl hat leider nicht den Ausgang genommen, den wir Alle erhofft hatten. Der Kandidat der Mischmasch-Parteien hat mit 238 Stimmen Uber Bebel gesiegt, der nun vorläufig keine Aussicht hat, in den Reichstag zu kommen. Wir hatten 200 Stimmen mehr als bei der ersten Stichwahl— ein Beweis dafür, wie tapfer sich unsere Genossen gehalten, denn es ist eine bekannte Erfahrung, daß bei Nach- Wahlen die in der ersten Wahl siegreiche Partei nicht mehr vollzählig ans dem Kampsplatz zu erscheinen pflegt. Namentlich pflegt dies der Fall zu sein, wenn die Nachwahl in Folge einer Doppelwahl stattfinden muß, weil der gewählte Kandidat zu Gunsten eines anderen Wahlkreises optirte. Unter solchen Umständen haben wir früher Altona verloren und Glau- chau-Meerane nur mühsam behauptet, das aber diesmal auch verloren ging. Es kann nicht geleugnet werden— und liegt ja in der Natur der Dinge—, daß die Ablehnung oder Niederlegung eines Mandats geeignet ist, aus Diejenigen, welche das Mandat crtheilt haben, verstimmend zu wirken. Uebrigens muß den braven Mainzer Genossen zu ihrer Ehre nachgesagt werden, daß sie, sobald sie vom Sachverhalt unterrichtet waren, nur noch an ihre Pflicht dachten und sich mit selbstverleugnender Begeisterung und rastloser Energie den Anstrengungen und Opfern der neuen Doppel- Wahlschlacht unterzogen. Die Frage, ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn Liebknecht Offen- bach anstatt Mainz aufgegeben hätte, ist zwar jetzt eine vollkommen müssige, zumal das bekannte Versprechen der Offenbacher Genossen ein fait accornpli geschaffen hatte, das keine Wahl mehr zuließ. Trotzdem sei hier darauf aufmerksam gemacht, daß der Offcnbach-Dieburger Kreis weit mehr als der Mainzer durch Liebknecht's persönliche Agitation gewonnen worden war, und daß er außerdem, schon wegen der dreimal größeren Flächenausdehnung, trotz der größeren Majorität weit schwerer für einen neuen Wahlkamps zu organisiren gewesen wäre, als der Mainzer Wahlkreis. Wir haben sonach keinen Grund, anzunehmen, daß im Fall der Annahme des Mainzer Mandates durch Liebknecht Bebel sicher in den Besitz des Offenbacher Mandates gelangt sein würde. Man darf— abge sehen von den bereits gemeldeten Erwägungsgründen— nicht vergessen, daß der Offenbach-Dieburger Kreis ebensogut ein neu eroberter ist wie der M a i n z- O p p e n h e i m e r. — In Bezug auf die Mainzer Stichwahl sind uns ver- schiedene Berichte zugegangen, die wir gelegentlich verwenden werden. Der Gesammtbericht steht noch aus. So viel wollen wir indeß heute schon feststelle», daß die elende Verdächtigung, es sei in Mainz unserer- seit« um die Stimmen der Klerikalen gebuhlt worden, absolut au« der Luft gegriffen ist. Nirgends haben diePriester so leiden- schaftlich gegen unfern Kandidaten agitirt als ge« rade im Mainzer Wahlkreise. Die Bebel'sche Erklärung,„wir erstreben aus dem, was man heute das religiöse Gebiet nennt, den Atheis- mus", seine Broschüre„Christenthnm und Sozialismus", verschiedene Artikel des„Sozialdemokrat" sc. wurden immer wieder herangezogen, um die gläubigen Christen gegen ihn zu Hetzen, und Bebel gehört, es sreut uns doppelt, das hier konstatiren zu können, nicht zu den Männern, die um eines Mandates willen ihre innere Ueberzcugung bemänteln oder gar verläugnen. In W e i ß e n a u bei M a i n z z. B. hatte in einer von den Ultramontanen einberufenen Versammlung der fanatische Jesuiten- Zögling R a ck 6 mit Bebel's Broschüre in der Hand gegen den Antichrist gedonnert, das Erste, was Bebel als er die Tribüne bestiegen, that, war die Erklärung, daß er wirklich diese Broschüre geschrie- den habe und dieselbe noch heute vertrete. Und als ihm der anwesende Ortspfaffe Pfui! zurief und deshalb zur Rede gestellt behaust« tete, er müsse seinen Gott gegen Lästerung schützen, da rief ihm unser wackerer Genosse zurück:„Schützen Sie Ihren Gott in Ihrer Kirche aber nicht in der Versammlung. Da aber hier meine Ansicht von Religion und Christenthum in die Debatte gezogen worden ist, so werde ich die- selbe auch motiviren," und nun zeigte Bebel in seiner klaren, rllckhaltslosen Weise den erstaunten Landleuten, wie das Christenthum entstanden ist, wie es seine Moral aus anderen früheren Religionen gezogen hat, wozu es stets von den Mächtigen und Herrschern benutzt worden sei sc. sc. Er mag durch dieses Auftreten manche Stimme verloren haben, ja inan kann behaupten, daß er bei ein wenig mehr Geschmeidigkeit wahrschein- lich gewählt worden wäre, so aber hat er viele, bisher Gläubige, zum Nachdenken gebracht, was sicher mehr werth ist. Der im deutschen Volke heute grassirenden Pest der Prinzipienverläugnung muß mir äußerster Energie entgegengewirkt werden. — Wiederum sind vier Genossen aus Leipzig ausgewiesen worden: Schneider Franz Mahlmeistcr au« Kissingen, Buchbindergeselle Karl Friedrich Grimm aus Waiblingen, Markthelfer Karl Herrmann Schuster aus Plethe, und Schuhmacher Franz Schmidt aus Leipzig— alle vier wegen ihrer Thätigkeit bei den Wahlen. Die Wahlen, die Wahlen! nichts ist den deutschen Regier- ungsschuften fataler, als daß die Sozialisten aus dieses„gesetzliche" Kampsmittel nicht verzichten wollen. — Aus Sachsen, 15. Dezember. Die Polizei in Chemnitz ist noch die alte, und Siebdrat noch so frech wie früher. Tie sächsisch- gemüthliche Nachsicht, mit welcher der Landtag über seine Streiche bei der letzten Landtagswahl hinweggegangen ist, hat den Polizeihelden ver- anlaßt, bei der jüngsten Chemnitzer Stadtverordnetenwahl ein Seilenstück zur Leinen-Affaire aufzusühren. Er überfiel diesmal das Wahlkomite der freien Bürgervereinigung in einer Privatwohnung. Auf dem Tische lagen couvertirte Briefe mit Stimmzetteln, die den Wählern per Post zugesandt werden sollten, was natürlich ein guter Fund sür die polizeilichen Langfinger war, welche sich schleunigst die Briefe an- eigneten. Der Schuhmachermeister W a l t h e r, der sich in dem polizeilich belagerten Komite befand, fragte an, ob das wieder eine kleine Leinen« Affaire werden solle. Dafür wurde er sofort arrelirt und nach der Polizeiwache gebracht. Inzwischen brachte man au« der Vorstadt Schloß- ch e m n i tz drei andere Sozialisten herüber, welche ebenfalls gemein« gefährliche, auf den Umsturz der bestehenden Stadtrathsklique gerichtete Stadwerordnetenwahlagitalion getrieben hatten. Auch du, Brutus? sagten sie zu Walther, der von mehreren Polizisten umlagert wurde, aus daß er keinen Umsturz unternehme. Aber die drei Schloßchemnitzer waren auf der Polizei kaum warm geworden, da kam das ganze Komite der freien Bürgervereinigung, sieben Mann hoch, anmarschirt und wnrd gleichfalls in den trauten, allen Chemnitzer Genossen längst bekannten Hallen einquartirt. Nun hieß es: der Rädelsführer vor! Und August Walther wurde zur Audienz bei Sr.�Bornirtheit, Herrn Siebdrat, befohlen. Wenn nämlich in Chemnitz etwas passirt, ist allemal August Walther Schuld. Bei der Landtagswahl wurde er mit in die Leine ge- bunden, bei der Reichstagswahl, als Geiser gewählt war, wurde neben Geiser sofort auch Walther eingewickelt, denn er und der Kandidat, die beiden trugen ja doch Schuld an dem ganzen Unglück. So auch hier. Siebdrat ließ Walther vorführen und sagte ihm, daß er die durch seine Beamten geraubten Briefe der Staatsanwaltschaft übergeben werde. Von dem weiteren Verhör erfuhr man so viel, daß Walther dem Polizeidirektor mittheilte, die Briese gingen ihn gar nichts an, und es gäbe doch so- zusagen ein sogenanntes Briefgeheimniß. Daraus war Siebdrat ärgerlich geworden, hatte klein zugegeben, endlich aber doch wenigstens einen Theil der Brief-Einlagen, eine Aufforderung zur Wahl, konfiszirt, um die recht- zeitige Absendung zu verhindern. Vorwand dazu gab ihm die sehlende, bei geschlossenen Privatbriefen durchaus unnöthige Druckfirma. Die Druckfirma als Strick zum Erwürgen von Wahlausrufen ist überhaupt jetzt sehr modern geworden. Wenn die Polizei an einem Aufruf ab- solut nicht« auszusetzen weiß, behauptet fie: die Druckfirma ist falsch, konfiszirt die Blätter untz sperrt den Drucker ein. Nachdem Siebdrat seinen Appetit durch die besagte Konfiskation gestillt hatte, gab er das verhaftete Komite frei, behielt aber die Briefe, ließ fie während der Nacht von seinen Polizisten öffnen, und die Zirknlaire an die Wähler heraus- nehmen. Für die öffentliche Sittlichkeit in Chemnitz war diese Polizei- thätigkeit sehr vortheilhast, denn es war Sonntag Abend und auf den Tanzsälen machte man sich das Ausbleiben der polizeilichen Aufsicht weidlich zu Nutze, und segnete Siebdrat. Letzterer hatte seinen Zweck erreicht; als die ausgerissenen Couvert« und Stimmzettel am andern Morgen— dem Wahltage— zurückgegeben wurden, konnten sie nicht mehr neu couvertirt und ausgegeben werden, die Wahlbeeinflussung war geglücjj und hunderte von Stimmen gingen uns verloren. Aber damit war Siebdrat« Müthchen noch nicht gekühlt. Er bedurste einer Rache- that gegen Walther, der ihn so geärgert hatte. Außer Brot konnte er ihn nicht bringen, wie unfern Genossen Zeisig, der vom Werkstätten- bahnhofe hinausgemaßregelt wurde, denn Walther ist selbstständig. Aber er hat eine Wohnung, diese konnte ihm die Polizei wenigstens ver- kümmern. Walthers Hauswirthin ist gleichzeitig Gastwirthin, und die Gastwirthe find Krast unserer miserablen Lokalgesetze und-Verordnungen die Sklaven der Polizei. Siebdrat legte daher der Wirthin Polizei- stunde auf, und sie muß ihr Lokal um 1v Uhr Abends schließen, d. h. fie wird geschäftlich ruinirt, mit der ausdrücklichen Motivirung, daß dies geschehe, weil ein Sozialdemokrat in ihremHause wohnt!— Die Kreishauptmannschaft Zwickau, welche Herrn Siebdrat für alle nichtswürdigen Streiche im Voraus Absolution ertheilt hat, sanktionirte auch diese alberne Maßregelung. Und das Resultat derselben? Walther sucht sich einsach eine andere Wohnung in Chemnitz. — Die der Polizei besonders mißliebigen Dresdener Sozial- de mokraten wurden bekanntlich vor der Wahl unter den ver- schiedensten Vorwänden, aber alle zur selben Zeit sammt und sonders eingesperrt— ein Kabinetstück von Polizeijustiz, welches nur in Eugen Sue's Roman„Der ewige Jude" ein Pendant findet, in dem der geistvolle Verfasser dieselbe Art der Beseitigung von Menschen aus der bürgerlichen Gesellschaft heraus einer ausgefeimten Jesuitenklique zuschreibt. Jetzt ist die Wahl vorüber und nun kommen auch die Gefangenen, die von der Wahl gewaltsam ferngehalten worden waren, wieder zum Vorschein. So kebrte vorige Woche unser wackerer Genosse H. S ch l ü t e r nach zehnmonatlicher Haft wieder zurück. Schlüter war eingesperrt worden, weil er der Expedition der„Abendzeitung", welche als Zentralpunkt der hiesigen sozialistischen Bewegung angesehen wurde. vorstand. Nach ihm wurde ohne Ausnahme jeder verhastet, der die Expedilionsthätigkeit Schlüters fortsetzte; die Zeitung wurde unterdrückt, die Eigeuthümer der Druckerei wurden verhaftet, dann auch ihre Stell- Vertreter, aber jeder stets mit einem andern Vorwande, damit das„An- sehen der Justiz" gewahrt werde. Eben so heftig richtete sich die Ver- folgung gegen unfern Genossen Max K a y s e r, und auch er wurde vor der Wahl noch rechtzeitig verhaftet. Nächsten Sonntag kommt er wieder in Freiheit, aber wie das Druckerei- und Zeitungsgeschäft durch die Verhaftungen u. s. w. ruinirt wurde, so ist nun auch Kaysers Existenz vernichtet. Er hat seine Zigarrenhandlung aufgeben müssen, und da er obendrein aus Dresden ausgewiesen ist, steht er nun wieder existenz- und heimathlo« da, nachdem er hier zwei Jahre redlich daran gearbeitet hatte, sich eine bürgerliche Existenz zu gründen. Und dieses Schicksal trifft ihn, weil er seiner Gesinnung treu geblieben, weil er auf gesetzlichem Boden weiter arbeiten wollte für unsere Sache, durch Förderung der Wahlen. Die Polizei erhob eine Anklage, ein gesälliger Richter windizirte ihm, er habe von Würzburg ein Paket mit sozialistischen Schriften nach Dresden gesandt, und so unhaltbar, so ersichtlich erfunden die Anklage war, sie genügte, um Kahser seine Freiheit, seine Existenz und seine Heimath zu nehmen. Das sind die Zustände in Deutschland! — Bildung macht frei, be hauptet ein bekanntes Sprichwort' Aber was ist Bildung? Darüber hat der österreichische Finanzminister, Gras D u n a j e w s k i, in der Debatte über die Länderbank-Jnterpel- lation, ganz unzweifelhafte Auskunft ertheilt, indem er den denkwürdigen Ausspruch that:„Wer sich einLoos zulvvFr., das noch drei Prozent trägt, kaust, gehört zur gebildeten Klasse, welche weiß, was sie kauft." So, nun wissen wir's doch. Wer also gebildet und durch Bildung frei werden will, der braucht nur aus die Reklamen der Länderbank hiueinzusallen und Serbenloose zu kaufen, dann ist er's. Man sieht, der edle Pole Dunajewski, nebenbei der Stolz der Konservativen Oesterreichs, geht noch über den Delbrück mit seinem: man kann die Dummen nicht hindern, ihr Geld los zu werden,— er erklärt es für «in Privilegium der„Gebildeten", über's Ohr gehauen zu werden. Auch nicht schlecht. Uebrigens, Spaß bei Seite, wie gleichen sie sich doch im Grunde aus ein Haar, die konservative und die liberale Finanzgröße! _ Aus der„freien" S ch w e i z. Wenn die Liberalen in Deutsch- land und anderwärts die Summe ihrer politischen Weisheit auskramen wollen, dann weisen sie mit Emphase auf die Schweiz hm und rufen triumphirend aus: Dort, wo die Freiheit herrscht, verschwinden die Sozialdemokraten! Aus gut deutsch heißt das: Wo die Arbeiter sich in den Glauben wiegen lassen, sie seien freie Männer, da lassen sie sich wirthschasllich um so williger knechten. Es ist zweifelsohne ein Körnlein Wahrheit in diesem Satze enthalten, wenngleich die Tbatsache, daß unter den Schweizern die Sozialdemokratie sich so langsam entwickelt, damit noch lange nicht hinreichend erklärt ist. Noch eine ganze Reihe anderer Faktoren, auf die wir vielleicht ein andermal noch zu sprechen kommen, lähmen die Energie der Schweizerischen Arbeiter und machen fie zu weit willjähigeren Kapitalsklaven als es z. B. ihre nordischen Brüder sind. Die Schweizerische Fabrikgesetzgebung ist die vorgeschrittenste der Reu- zeit, sie schreibt unter andern den elfstündigen Normalarbeitstag für den erwachsenen Arbeiter vor,— aber sie hat ihr Hinterpförtchen. Bei be- sonders dringenden Arbeiten können die Kantonsregierungen auf Empfeh- lung der Orts- und Kreisvorstände ausnahmsweise Verlängerung der Arbeitsstunden bewilligen. Die„Liberalität", mit welcher die Behörden solchen Gesuchen entgegenkommen, grenzt an's Unglaubliche und bildet ein ständiges Kapitel der radikalen Arbeiterpresse. Ein ganz besonders drastisches Bild lieferte vor Kurzem der„Grütlianer". Es ist so charak- teristisch, daß es die weiteste Verbreitung verdient. „Ein mechanisches Etablissement in Winterthur", heißt es da.„ersreut sich nach den Jahren der Stockung, während welcher die Arbeiter bei 7— 8stündiger Arbeitszeit zu Küchenmeister Schmalhans in die Kost mußten— flotten Geschäftsganges. Man kann nicht genug liesern. Um es doch zu können, und zwar mit der gleichen A r b e ite r z a h l, ist die gesetzliche Ueberzeitbewilligung nöthig. Das Gesuch wird ausgesetzt. Die Fabrikanten vergessen nicht, darin besonder« zu betonen, daß die Arbeiter, die lange nichts verdient, diese Gelegenheit gerne benutzen, um sich wieder„emporzuschwinge n". Der Gemeinderath hat Mit- gefühl für die— armen und reichen Teufel, er empfiehlt das Gesuch. Den Statthalter rührt das kardiale Verhältniß zwischen Arbeiter und Besitzer— er empfiehlt auch. Und die Regierung sagt ja, erst für drei, vier Monate, auf wiederholtes Verlangen nochmals um drei, dann — wahrscheinlich aus Besorgniß, der Arbeiter könnte durch so vieles Arbeiten am Ende reicher werden als der Herr— noch für zwei und auf anständiges Telegraphiren nur noch für einen Monat. Als„Zustnpf" bewilligen sich schließlich Herr und Arbeiter selbst noch einen Monat. So hat man glücklich vom Januar bis Dezember ohne gegenseitigen Groll am„vereinten" Wohl über die gesetzlich normirte Zeit gearbeitet. Der Arbeiter sühlt's auch richtig in den Knochen und der Fabrikant im Beutel...!" Während in anderen Ländern die Arbeiter in richtiger Erkenntniß ihrer Klasseninteressen vor Allem für Abkürzung der Arbeitszeit ein- treten, sehen wir hier— ein trauriges Bild engherziger Unterwürfigkeit— die Arbeiter ihrer und ihrer Genossen offenbarsten Interessen direkt in's Gesicht schlagen. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, wenn die Herren Arbeitgeber in der Schweiz„ihren" Arbeitern immer unverschämter entgegen- treten, sich ihnen gegenüber Dinge erlauben, die selbst bei den Gedul- digsten dem Faß den Boden ausschlagen müssen. Die Kapitalhyänen kennen, wo man sie ungestört schalten und walten läßt, keine Mäßigung, sie sind unersättlich und dabei feige und gransam bis zum Exzeß. Unter- stützt durch die langandauernde Krisis haben sie ununterbrochen die Löhne herabgedrückt, soweit als es überhaupt nur möglich war. Aber in ihrem Eifer für die gute Sache des Leuteschindens haben sie schließlich über das auch ihnen gesteckte Ziel hinausgeschossen, auch die Geduld des Nachgiebigsten hat ihre Grenzen, und trügen nicht alle Anzeichen, so regt sich unter den schweizerischen Proletariern wieder das Gesühl des Widerstandsgeistes, welcher ihre Vorfahren auszeichnete. Die in voriger Nummer erwähnten Vorgänge in der„Neuniühle" sind ein bedeutsames Anzeichen. — Arbeiterrisiko. Am 8. Dezember wurden durch schlagende Wetter in der Kohlengrube Marie in Seraing bei Lüttich 66 Grubenarbeiter getödtet. Wenn man doch ein Gesetz erließe, wonach immer einer der Herren Verwaltungsräthe in der Grube anwesend sein müßte, diese„Unglücksfälle" würden bald abnehmen. Damit hat's aber noch lange Wege, und das Menschenfleisch ist ja so billig. Genosse B e r t r a n d theilt in der„Egalito" mit, daß der Lohn für einen Grubenarbeiter drei Franken pro Tag beträgt. — Frankreich. Den Radikalen, welche ob der Freisprechung Rochefort's in dem von Herrn R o u st a u, dem sranzösischen Ge- neralkonsul in Tunis, gegen ihn angestrengten Verleumdungsprozeß jubeln, denn diese Freisprechung ist ein arger Schlag für die Herren Opportu- tunisteu— verabfolgt PaulLafargue in der„ E g a l i t«5" folgende kleine Touche: „Apropos Tunis, weshalb neuerdings der Lärm in gewissen man- arch istischen uud radikalen Bourgeoisblättern? Weil die Affaire linkisch geführt wurde, weil sie ein Reinfall ist!--- Anfangs, als Alles wie am Schnürchen ging, bejubelte die Marseiller Bourgeoisie de» Held des Bardo, die gesammte Presse schäumte über vor Entzücken; kaum wagten es einige Wenige schüchtern von möglichen Verwicklungen mit Italien zu sprechen. Nur die Arbeiterpartei hielt, von der Gruppe„Egalite" veranlaßt, am SO. Juli ein Meeting ab, um gegen den schamlosen Jubel der Bourgeoisie zu protestiren und die Tunesische Expedition zu geißeln. Heute sind die goldenen Luftgebilde verblichen, man sucht daher eifrigst nach einem Sündenbock, Roustan, Ferry, Gambetta. Die Arbeiterpartei nimmt keinen Wechsel an, wenn sie, wie die Radikalen, die Bestrafung der Hauptschuldigen verlangt, sie weiß, daß die Verantwortung für das in Afrika vergossene Blut und für die verübten Infamien ans das Haupt der gesammten Bourgeoisie als Klasse fällt." „Aber die Tunesische Affäre, welche die von der sozialistischen Allianz (einer unfern Volksparteilern ziemlich gleichwerthigen Gruppe. Anm. d. Red.) patronisirten sozialistischen Radikalen entrüstet, ist nicht einzig in ihrer Art, ist kein Phönix. Sie war nicht das erste finanzielle Abenteuer der Bourgeois- republik und wird nicht ihr letztes sein. Wie war es denn mit der Egyp- tischen Affäre, mit der Absetzung des Khedive? Waren es nicht die Regie- rungen von Frankreich und England, welche die Bezahlung der dem Khedive von dem Credit Foncier, den Rothschilds und den anderen Königen des „Wundertempels" abgepreßle» Wucherzinsen sorderten? Diese ehrlichen Leute hatten zu 30— 60% dargeliehen. In Egypten fand mau keine Nomadenstämme wie in Tunis, welche noch nicht von der europäischen Zivilisation durchseucht sind und ihre Freiheit mit einem Muthe ver- theidigteu, den die Bourgeois von der„nationalen Vertheidigung" nicht sassen können. Die Geschichte war mit einem Handstreich abgemacht, der Khedive wurde entthront, und zwei große europäische Regierungen, das republikanische Frankreich und das konstitutionelle England setzten Steuer- einnehmer ein, um die armen egyptischen Fellahs im Interesse der hohen internationalen Finanzsippe auszupressen. Wo ist der monarchische, radi- kale oder opportunistische Bourgeois, der gegen diese Expedition, die den diplomatischen Einfluß von Frankreich und England Wucherern zur Ver-' sügung stellte, protestirt hätte? Zu jener Zeit bekamen die Radikalen erst Milchzähne. „Noch ist nicht abzusehen, wie die Tunesische Geschichte ausgehen wird, und schon fordern Bourgeois neue Expeditionen in die Ferne. Die Händler von Iokohoma haben den Verkaus der für das Ausland be- stimmten japanesischen Seide monopolisirt, was ihnen zusteht. Am 21. Oktober sorderte nun die Handelskammer von Lyon rückhaltslos von der Regierung, sie solle auf diplomatischem Wege interveniren, sich in die inneren Angelegenheiten Japans einmischen und das Monopol der Händler von Iokohoma brechen. Wie es keinen philanthropischen und republikanischen Fabrikanten gibt, der nicht bereit wäre, um des Ver- dienstes von einigen Centimes willen Kindern und Frauen 10— 12 Stunden Zwangsarbeit aufzuerlegen, so gibt es keine Handelskammer, keine Finanzgesellschast, die nicht bereit wäre, um ihrer 4 Sons Interessen oder des Kurses ihrer Aklien willen, Frankreich in einen Finanz- oder Handelskrieg zu stürzen. Die Lyoner Kansleute, welche so laut gegen das Monopol der japanesischen Händler, das„den Gewohnheiten der zivilisirten Völker so sehr widerspricht", schrieen, haben selbst den Handel mit aus- ländischer Seide monopolisirt und benutzen ihr Monopol, um die Seiden- industrie Frankreichs zu ruiniren und ihren spinnenden und webenden Mitbürgern unerhörte Preise abzuzwacken. Vor der Verschmelzung der neuen Provinzialbanken iu die Bank von Frankreich stellte die Lyoner Bank gerade in der Zeit der Seidenkäuse ihre Abrechnungen mit den kleinen Geschäftsleuten ein, um alle ihre Fonds den großen Seidenhänd- lern zur Versügung zu stellen, die so die Mittel erhielten, die Seiden- ankäufe von Frankreich und Italien zu monopolisiren. Die Unverschämt- heit der Lyoner Bourgeoisie geht noch über die von Lakaien. „Der in Rede stehende Brief der Lyoner Handelskammer an den Handels- minister wurde ohne Zusatz in der„Justice" vom 25. Oktober abge- druckt, wie eine Sache, die sich von selbst versteht..... Man glaube nur nicht, daß ehrenhafte Männer, wenn sie an der Spitze der Regierung stehen, die Bourgeois verhindern könnten, sich auf das Budget zu stürzen wie Drohnen aus eine Honigschüssel. Guizot war ein ehrlicher Mann, und er ermuthigte die Korruption ebenso wie der schamlose Dieb Thiers. Der Diebstahl ist die herrschende Leidenschaft der Bourgeoisie, und dieselbe will ihrer Leidenschaft unbedingt fröhnen können..... Um sich am Ruder erhalten zu können, wird ein fleckenreiner Radikaler, wie Herr Clemenceau, gezwungen sein, ganz wie Gambetta, eine Morgan-Anleihe zu gestatten oder die Bourgeois werden ihn wie Glas zerbrechen." Das sind Keulenschläge, gegen welche Herr Clemenceau und seine Freunde noch so laut Protestiren mögen, sie treffen sie an der empfindlichsten Stelle. Die Bourgeoisie, ob radikal, ob liberal, ob konservativ, will ausbeuten, will spekuliren, will Profit machen. Wie der Profit gemacht wird, kommt für sie erst in zweiter Linie in Frage. Und wer nicht die Profitmacherei an der Wurzel angreift, der wird auch der Korruption nicht Herr, mag er noch so schöne Reden gegen dieselbe halten, noch so fest an die Macht seines Wortes glauben.— Wie der„Proletaire" mittheilt, befindet sich Genosse M a l o n seit Ende voriger Woche im Gefängniß St. P e l a g i e. Malon hatte Ansang dieses Jahres im„C i t o y e n" die klerikalen Fabrikanten von Jujurieux scharf wegen der Kinderausbeutung angegriffen uud war dieserhalb zu 1500 Franken Strafe und 2000 Franken Entschädigungsgelder verurtheilt worden. Später— Ende August— trat Malon aus der Redaktion dieses Blattes aus, das bald darauf Bankrott machte. Die Herren Jujurieux legten auf die Kaution Beschlag, welche ein gewisser Canuel, der Annoncenpächter des Blattes, gestellt hatte. Dieser, ein echter Spitz- bube, versprach, daß Malon, dem die Verwaltung des„Citoyen" noch 1300 Franken Honorar schuldet, die ganzen Entschädigungsgelder zahlen werde und erwirkte zu gleicher Zeit einen Verhastsbefehl gegen Malon und eine Beschlagnahme aus seinen Gehalt beim I n t r a n s i g e a n t, an dem Malon gegenwärtig mitarbeitet. Aller Proteste gegen dieses un- geheuerliche, dem Rechlsgrundsatz des non bis in iäem(nicht zweimal für dasselbe) ins Gesicht schlagende Verfahren ungeachtet, muß Malon jetzt auf 15 Monate ins Gesängniß. Die Abenteurer vom„Citoyen" aber, welche sich Sozialisten nannten, gehen frei aus. Eine gute Lehre für die französischen Sozialisten. Der Z i m m e r e r st r e i k ist noch immer nicht beendet. Die Londoner Zimmerer haben jüngst ihyen Genossen in Paris einen Beitrag von 250 Franken geschickt, und'eine zweite Sendung von gleicher Höhe in Aussicht gestellt. Ob der Streik mit einem Siege der Arbeiter enden wird, ist noch sehr fraglich. Ein Theil derselben hat sich an die Ge- meinderäthe und die Vertreter von Paris in der Deputirtenkammer um Intervention zu ihren Gunsten gewendet, wogegen sich der sozialistische Zimmererverband verwahrt hat. Glücklich für die Arbeiter beendet ist dagegen der Streik der Piano- f o r t e a r b e i t e r, fast beendet, und zwar auch zum Vortheil der Arbeiter der der B i l d h a u e r. Zum Theil durchgesetzt haben ihre Forderungen die Goldschnittarbeiter. — Aus Italien. Im nächsten Jahre soll auf der Insel Sizilien, uud ganz besonders in P a l e r m o der sechshundertste Jahrestag der sogenannten sizilianischen Vesper gefeiert werden, jener blutigen Erhebung der Sizilianer gegen die französische Herrschaft. In seiner neuesten Nummer nun richtet der„Avant i" einen eindringlichen Mahnruf an das sizilianische Volk, sich nicht an der Feier zu betheiligen, die von Oben her befördert werde, um das Volk gegen die Franzosen aufzuhetzen. Der Aufruf schließt mit folgenden Worten:„Wir müssen bis auf den Grund gehen und dem sizilianischen Volke sagen, daß es sich enthalte, die Vesper zu seiern; daß sie diejenigen feiern sollen, die ein Juteresse daran haben, den nationalen Haß zu schüren, um unbeschränkt zu herrschen. Unter den heutigen politischen Verhältnissen, nach Tunis, nach Marseille, nach der Wiener Reise kann die Vesper nur einen dem französischen Volke feind- lichen Charakter annehmen. „Deshalb rufen wir aus voller Ueberzeugung dem stolzen Volke Siziliens zu: Genossen, Brüder! Feiert nicht die Vesper des Jahres 1282, aber bereitet Euch vor, die neue Vesper zu feiern— die Vesper des Volkes, das sich erhebt, um seine Rechte in ihrer Gesammtheit geltend zn machen, seine wirthschaftlichen, politischen und sozialen Rechte! „Wenn indeß Eure Vereine, Eure Gemeinden um jeden Preis am Feste theilnehmen wollen, so erhebt auch Ihr Eure Fahnen, aus welchen mit flammenden Worten geschrieben steht: Friede den Völkern! Krieg den Privilegien! Bereits hat der Verein der Nichtwahlberechtigten von M e s s i n a auf seiner Generalversammlung einstimmig einen gegen die Abhaltung dieser Feier gerichteten Protest angenommen. Die sozialistische Agitation in Italien schreitet rüstig vorwärts, das Programm der Sozialisten der Romagna findet allgemeine Zustimmung. Auf den 3. Dezember war nach Alexandrien ein Kongreß der in Egypten lebenden italienischen Sozialisten einberufen, aus dessen Tages- ordnung u. A. auch die Diskussion des genannten Programmes stand. Bekanntlich ist die Auswanderung von Italienern nach Egypten eine sehr starke, so gibt es in Alexandrien allein zwischen 12 bis 13,000 Italiener, fast sämmtlich Arbeiter. Aus Reggio d'Emilia wird die Gründung eines neuen soziali- stischen Blattes„L o Scamiciato"(der Entblößte) gemeldet. Ein Streik der Bäcker in Turin, an welchem ca. 1500 Arbeiter theilnahmen, ist vor mehreren Wochen beendigt worden, die Arbeiter, welche die arbeiterfreundliche Regierung durch Massenverhaftungen u. s. w. einzuschüchtern versucht hatte, hielten tapfer aus, haben indeß nur einen sehr geringen Theil ihrer Forderungen durchgesetzt. Jetzt hat sich eine Bäckergehilfenunion gegründet, welche durch Beiträge von 5 Lire die Mittel zur Errichtung eigener Bäckereien aufbringen will. In denselben sollen zunächst die durch den Streik außer Arbeit gekommenen Genossen beschäftigt werden. — Aus Rußland. Es geht uns folgender Ausruf zu, den wir um so lieber zum Abdruck bringen, als er uns Gelegenheit gibt, auf's Nene unserer Sympathie für die Freiheitskämpfer in Rußland Ausdruck zu geben: B Ü r g e r I Seit mehreren Jahren sind wir Zeugen jenes mörderischen Kampfes, der in Rußland zwischen der Regierung und jenen tapferen Leuten statt- findet, welche es sich zur Aufgabe gestellt haben, das Land von dem Despotismus, der dessen zahlreiche Bevöllkcrung erdrückt, zu befreien. Mit jedem Tag nimmt der Kampf an Umsang zu, infolgedessen auch die Zahl der Opfer. Schaffst, Zwangsarbeit, Deportirung und Ber- bannung auf administrativem Wege richten in allen Klassen der russischen Gesellschaft Verheerungen an. Bemittelte Leute ebenso wie Arbeiter und Bauern fallen unter den Schlägen der Versolgungen der Regierung, und wie viele dieser Leute waren die einzigen Stützen ihrer Familien! Sind diese Opfer des Kampfes für die Freiheit weniger der Theil- nähme werth, als etwa Wittwen und Waisen, welche die Kriege der Regierungen miteinander schaffen? Haben die Leiden und das Elend, welche dieser Kampf erzeugt, weniger Anspruch aus unser Mitgefühl? Schon seit Langem werden in Rußland Anstrengungen gemacht, um diese täglich sich steigernden Leiden zu lindern, aber unorganisirt erfüllten sie ihren Zweck nur unvollständig. Der„V o l k s w i l l e"(„N a r o d- naja Wolja") hat die Jniziative ergriffen, diese Bemühungen zu organisiren, indem er eine Unterstützungsgesellschaft sür die Opfer der Versolgungen der Regierung gründete. Er hat ihr den Namen„Berein des rothen Kreuzes des Volk swille" geben zu müssen ge- glaubt, um schon durch den Namen den Zweck der Thätigkeit darzu- legen. Der„Verein des rothen Kreuzes" beabsichtigt, Allen denen Unterstützung zu verschaffen, welche im Kampfe sür die Freiheit des Gedankens und des Gewissens, für das Wohl des russischen Volkes gelitten haben, ohne Unterschied der Partei. Ebenso appellirt er an die Sympathie der Biirger des Auslandes und rechnet aus die Unterstützung Aller derer, welchen die Leiden, die der Kampf für die Freiheit, sei es in welchem Lande immer, mit sich bringt, zu Herzen gehen, welche die hervorragende Bedeutung eines Freiheits' kampfes in Rußland für die gesammte zivilisirte Welt und die kultur- feindliche Rolle des russischen Despotismus begreifen, und welche bereit sind, den Kämpfern für den wahren Fortschritt ohne Unterschied der Nationalität die Hand zu reichen. Es hat deshalb die Zentralverwaltung des Vereins des rothen Kreuzes Delegirte beauftragt, eine Sektion dieses selben Vereins im Auslande zu errichten, um die für seine Zwecke ein- gehenden Summen in Empfang zu nehmen. Diese Delegirten sind die Bürgerin Vera Sassulitsch und der Bürger Peter Lawrofs. Den Zwecken dieses Vereins entsprechend, beabsichtigen diese Delegirten: 1) Subskriptionslisten, welche mit Nummern und Stempel, sowie mit ihren Unterschriften versehen sind, auszustellen, auf welchen die Beiträge der Geber einzuzeichnen sind. 2) An die mit unserer Sache sympathisirenden Redaktionen einen Ausruf zu richten und sie einzuladen, durch die Stimme ihres Organes Sammlungen zu Gunsten des Vereins zu eröffnen und die so erhaltenen Summen an die Delegirten abzuliesern. 3) In den Blättern Abrechnung über die empfangenen Summen und deren Verwendung zu veröffentlichen. Bürger I Indem wir diesen Aufruf an Euch richten, rechnen wir auf Eure Ergebenheit für die Sache der Freiheit. Die Leiden, welche unsere Freunde in Rußland erdulden, verdienen die Theilnahme aller Menschen, die ein Herz haben— und ihnen zu Hilse kommen, heißt einen Beweis jener Solidarität ablegen, ohne welche die Sache der Menschheit nicht zum Siege geführt werden kann. Die Delegirten: Vera Sassulitsch. Peter Lawrosf. Die Redaktion des„Sozialdemokrat" hat eine solche Liste übernommen und ist bereit, Beiträge und die Besorgung weiterer Listen zu vermitteln. Erklärung. Der redselige Statthalter von Elsaß-Lothringen, Herr von M a n t e n s f e l, hat jüngst aus einer Soiräe, welche er dem lendenlahmen Landesausschuß der sogen. Reichslande gab, unter anderen„Ge- ständnissen" auch eine Rechtfertigung der gegen mich und Genossen Schilde verhängten Ausweisung zu Tage gefördert, welche mich zu einer Gegenerklärung nöthigt. Die Genossen sollen unsere Feinde einmal von einer neuen Seile kennen lernen. Zunächst schmeichelte der preußische General den sogenannten Protestleru und wohlgenährten Bourgeois damit, daß es nur zwei auf dem jenseitigen(d. h. dem deutsche n) Ufer des Rheins geborene Individuen seien, die er ausgewiesen habe, und wie froh er sei, daß es keine Eingeborenen seien. Was soll man nun mehr bewundern an dem frommen und strammen Charlatan aus dem„Staate des deutscheu Be- rufes", die ekelhafte und plumpe Schmeichelei den Elsäffern gegenüber, oder die bodenlose Gemeinheit, mit der er behauptet, daß die Ausweisung von zwei sogenannten Schwaben, die in Straßburg ihre Existenz hatten und denen mau nicht« beweisen konnte, als daß sie Sozialdemo. kraten sind und bei ihren Freunden als solche gelten, nicht gefährlich sei? Bon„Schwaben", die nach dem Glauben der meisten Elsässer ja doch nur Halbmenschen sind, brauchten Sie, Herr Feldmarschall, da« nicht erst ausdrücklich zu erklären, ja, je mehr„Schwaben" Sie ausweise», desto mehr werden Ihnen die„Eingeborenen" zujubeln. So, deutsche Arbeiter, spricht und handelt der erklärte Günstling„Eures" Kaisers. Euch schwindelt man vor, Elsaß-Lothringeu müsse wieder deutsch werden, in Wahrheit aber macht man alle Anstrengungen, es zu korrumpiren, es zu v e r p r e u ß e n. Darum werden die unabhängig denkenden Arbeiter hinausgewiesen, und das Spitzelthum und Denun- ziantenthum befördert! Woher,„frommer" Herr Statthalter, nehmen Sie sich das Recht. ehrliche Arbeiter, die bereits Uber acht Jahre im Lande ihrem Berufe nachgehen, aus die Straße hinauszuwerfen, ohne denselben auch nur die geringste Uebertretung der Gesetze nachweisen zu können? Ich kenne Ihre Antwort im Voraus: Mit so einem Arbeiter braucht man es nicht so genau zu nehmen. Ja, wenn es sich um den Händedruck eines elfäs- fischen Psaffen oder Fabrikanten handelt, da ist der preußische Held ä In Mac Mahon zu allen möglichen Liebesdiensten bereit. Aber ein deutscher Arbeiter! Dem gibt man, wenn er sich nicht ducken will, einfach einen Fußtritt. Was Sie Recht nennen, Held von Bapaume, ist die brutalste Gewalt, das wirkliche, da« sittliche Recht steht auf unserer Seite. Ferner schmierte der Edle den Bourgeois vom Landesausschuß die alte Legende von der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit um den Mund. Darüber will ich kein Wort verlieren. Geht, ihr gläubigen Seelen, in Fabrikdistrikte des Elsasses, seht Euch die Wohnungen der Arbeiter in Straßburg an, und wenn Ihr dort das Elend geringer findet als ander- wärt«, dann will ich ein Lügner sein. Nein, Herr Manteuffel, die Sozialisten in Straßburg gingen nicht daraus au«, die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu zerstören, denn die existirt nicht. Sie gingen viel» mehr daraus au«, zu konstatiren, wie von Seiten der Verwaltung die Löhne der Arbeiter und die Gehalte der niederen Beamten immer mehr herabgedrUckt werden, wir konstatirten auch, daß Preußischerseits das Volk mit dem Fusel, den Ihre Standesgenoffen, die preußischen Junker, fabri- ziren, vergiftet wird, denn wir aufmerksamen Sozialisten sehen, wie die Arbeiter, welche an der Stadt-Umwallung arbeiten, von Ihren guten deutschen„Patrioten" betrogen werden. Daß Sie uns auswiesen, weil wir bei den dam als bevorstehendn Reichstagswahlen die miserable Handlungsweise Ihrer Verwaltung und den Humbug einer Bismarckischen, unter der falschen Firma„Arbeiter- freunde" austretenden Kandidatur gehörig zu kennzeichnen gedachten, daß Sie uns auswiesen, um die Elsässer um so ungestörter zu nassühren, da« verschwiegen Sie wohlweislich in Ihrer Tischrede, denn Sie kennen Ihre Leute. Und die lendenlahmen Protestler ließen sich Ihre faden- scheinigen Argumente auch wirtlich gefallen. So wird das Volk doppelt betrogen. Und nun, Sie gottesfürchtiger Statthalter, der Sie mit dieser Aus- Weisung nicht nur die beiden bösen Sozialisten, sondern auch deren An- gehörige getroffen, laufen Sie weiter in die Kirche, verdrehen Sie sal- bungsvoll die Auge», wir kennen Ihr Christenthum und wissen seinen Werth zu schätzen. Es steht bei uns in gleicher Achtung wie Ihre Polizei. Rnsen Sie Ihren Gott an, so viel Sie wollen, verdoppeln und verdrei- fachen Sie Ihre Polizisten, Sie werden die Saal des Sozialismus trotz- dem in Elsaß-Lothringen nicht ausrotten, die Versicherung können wir Ihnen geben. Nach wie vor, trotz der Ausweisung, werden wir Aus- gewiesenen dahin wirken, daß da« erst von der Bonapartistischen und dann von Hohenzoller'scher Korruption vergiftete Elsaß-Lothringen in der Sonne der politischen und sozialen Freiheit wiedergewonnen werde, nicht für Deutschland, auch nicht für Frankreich, sondern für die internationale Solidarität der Völker. Kämpfen Sie dagegen soviel Sie wollen, in unsern Augen find Sie doch nichts als ein abgeschmackter Don Quixote oder ein preußischer Polizeibüttel. Oder auch Beides. Franz Siegle. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. — Aus drm 18. sächsischen Wahlkreise.(Schluß.) So rückte der Wahltag heran. Die Konservativen und Liberalen hatten sich tüchtig gewaschen, alle« war gespännt. Es standen uns am Wahl- tag selbst wenig Genossen zur Verfügung, so daß wir nicht alle Wahllokale, wir haben deren 14, besetzen konnten. Nachdem die Aus- Zählung vorüber war, begaben wir uns in Winters Restaurant. Die Städte und Arbeiterortschasten brachten ein ansehnliches Plus, während die Bauerndörfer stets Minus aufwiesen. Bis Abends 10 Uhr hatten wir einen Borsprung gegen beide Gegner zusammen von 700 Stimmen, jetzt glaubten wir, die noch außenstehenden Ortschaften können uns nicht mehr aus dem Sattel heben, es wurde der Sieg proklamirt. Da herrschte große Freude über die Wiedereroberung unseres Wahlkreises, und sofort wurden an Liebknecht, Stolle und nach Chemnitz Tele- gramme gesendet, die Gegner zogen die Köpfe ein, denn Stalles Sieg schien gewiß. Nachdem am andern Tag die Resultate von anderen Wahlkreisen einliefen, waren wir stolz, der einzige Wahlkreis in Deutschland zu sein, der einen Vertreter der Partei gewählt hatte. Den zweiten Tag, nach- dem unsere Ortschaften so ziemlich bekannt waren, munkelte man von Stichwahl, wir wollten nicht daran glauben, mit desto größerer Spännung harrten wir der offiziellen Auszählung, wir glaubten noch an keine Stichwahl, aber die Herren Wahlvorstände hatten ihr möglichstes gethan, so viel Stimmen als nur möglich ungültig zu machen und siehe da, das Resultat war folgende«: Stolle 7327, Kürzel 4396, Hermes 2645. 11 Stimmen waren zersplittert, 72 ungültig, mithin fehlten uns noch 13 Stimmen zu der erforderlichen Majorität. Kaum hatten wir das Amtshauptmannschaftliche Gebäude hinter uns, so wurde zum Kampf aufs Neue gerüstet und alle erforderlichen Dis- Positionen getroffen. Jetzt spürte man aber auch einen anderen Geist unter den Arbeitern, viele, die bei der ersten Wahl nicht ge- wählt, gaben jetzt das Versprechen, diesmal zu wählen. Man kann sagen, diesmal bettieben die Arbeiter selbst die Agitation, von allen Seiten wurde jetzt angefeuert; die Gegner, die bei der ersten Wahl sich Giftmischer titu- lirten, lagen sich jetzt brüderlich in den Annen; die reichstreuen Vereine zu Crimmitschau und Werdau waren bei der ersten Wahl für den Konfer- vativen öffentlich eingetteten, während der freisinnig reichstteue Verein zu Zwickau für den Fortschrittler Hermes eingetreten war. Aber Konseqnenz undJJHarakrer sind nicht Sache dieser Ordnungswaschweiber. Jetzt bei der Stichwahl erklärten die Vorstände der reichsttcuen wie der Fortschrittsvereine, daß d i e M i t g l i e d e r g e s ch l o s s e n s U r den Konservativen stimmen sollen.„Ihr Arbeiter", tönte es aus ihren Aufrufen,„sagt Euch los von den falschen Propheten, viele Tausende von Mark habt Ihr umsonst für die Agitatoren gesteuert; kommt endlich einmal zur Einsicht Ihr lieben Arbeiter" u. s. w. u. s. w. Blos die Werdauer Fortschrittler hatten noch so viel Ehrgefühl, öffentlich zu erklären, daß dieselben es nunmehr unter ihrer Würde hielten, für den Konservativen zu stimmen, und sich der Abstimmung zu enthalten. Kurz und gut wir waren auf uns allein angewiesen. Es wurden uns von Dresden und Fr ei b er g drei recht wackere Genossen gesandt, welche ihre Schuldigkeit voll und ganz thaten, auch aus M eerane hatten sich einige wackere Streiter gesunden, so ging denn unser Austragen (nattirlich blo« Stimmzettel, von einem Wahlausruf wurde gänzlich ab- gesehen) sehr gut von Statten. Die Gegner bemühten sich Tag für Tag. den Bürgern und lieben Arbeitern zu beweisen, daß es blos in ihrem Interesse liege, wenn der Konservative gewählt werde und das liebe Sachsen nur»och reichstreue Abgeordnete sende; die Sozialdemokratie müsse ausgemerzt werden. Dem denkenden Wähler war aber doch die Sache cnvas zweifelhaft; namentlich wenn er die Wahlausrufe der Ordnungsparteien vor der ersten Wahl mit den jetzigen verglich. So nahte denn der 14. November, der Wahltag. Mehrere Berg- werke, z. B. Brücke nberg, ließen ihre Mannschaft nicht ausfahren. Wer wählen wollte, mußte s i ch den Abend zuvor entschuldigen und die ganze Schicht versäumen. Nur sehr wenige verstehen sich dazu, ein solches Opfer zu bringen, dazu fehlt den Leuten doch noch etwas Verständniß. Es gingen uns infolgedessen wohl 1000 Stimmen verloren, die Gegner hatten sich die Wählerliste» abgeschrieben, saßen mit im Wahllokal— diese Herren können sich das doch leisten— und wer um 2 Uhr noch nicht gewählt hatte, bekam einen Boten geschickt, mit der Aufforderung, der Wahlsieg sei in Gefahr, er solle sofort seine Stimme Herrn Kürzel geben; hatte derselbe um 4 Uhr noch nicht gewählt, bekam er noch einen, mit der Aufforderung, daß d e r W a h l s i e'g in großer Gefahr fei. Infolge dieses Treibens wurde nun doch die Situation für uns eine ernstere. So mancher, der gar nicht gewählt hätte, wurde von den Gegnern herangezogen. Diese Scharte mußten wir wieder auswetzen; alle» wa« auf die Beine zu bringen war, mußte mit. Bei ein- getretener Dunkelheit wurden Handarbeiter, die von auswärts, Fabrik- arbeiter. welche von der Arbeit kamen, kurz und gut Jeder, der von der Arbeit nach Hause ging, angehalten und gefragt, ob er schon ge- wählt habe; wenn noch nicht, dann angefeuert, feine Schritte zu be- schleunigen; wenn in der Nähe sein Wahllokal war, wurde der Be- treffende sofort an die Urne geführt. Die Genossen flogen in den Straßen umher, wie Adjudanten im Kriege, damit Jeder seine Schritte beschleunige. Diese letzten 1'/, Stunden, ein wahrer Verzweiflungskampf, brachten uns noch einen kollossalen Stimmenzuwachs, bis endlich die Glocke 6 Uhr verkündete und dem Treiben ein Ende machte. Das Resultat war überraschend. So einen Sieg hatten wir nicht erwartet. Zum erstenmal halten wir in Zwickau-Stadt die Majorität für uns. Und als nun die naheliegenden Ortschaften ihre Resultate schickten, wie Schedewitz, Planitz u. s. w. wollte der Jubel kein Ende nehmen. Als die Resultate von Werdau und Crimmitschau einttasen, war es bereits 10 Uhr. Wir hatten die imposante Majorität von 5000. Diesmal war es nicht möglich, uns den Sieg mit Ungiltigmachung von Wahlzetteln wieder zu entreißen, wir konnten den Sieg proklamiren. Der 18. sächsische Wahlkreis gehörte, nach einer Legislaturperiode, wieder unsrer Partei, der er seit 1867 bis 1878 stets gehört hatte. Die Szenen, die sich diesen Abend abspielten, vermag die Feder nicht zu schildern. Auch unseres früheren Abgeordneten, Julius Motteler, wurde gedacht. Dem treuen Kämpfer, von dem wir wissen, daß er unsere Fahne nicht verlassen hat, sondern an schwieriger Stelle rastlos für uns wirkt, wurde ein donnerndes Hoch gebracht und beschlossen, ihm sofort ein Telegramm zu senden. Karl Rothschild. — Pirna, 7. Dezember. Bei der Wahl hatten wir auf Max Kaiser 564 Stimmen vereinigt, melr war unter diesen Verhältnissen hier nicht zu erwarten, denn keine Annonce, kein Flugblatt konnte von uns verbreitet werden. Die Stimmzetteln wurden an drei verschiedenen Orten konfiszirt und die Aus- träger verhaftet. In Glashütte wurden allein 500— 600 Stimmzettel beschlagnahmt. In de» kleinen Städten wie Neustadt, Sebnitz, wo wir in den Versammlungen der Gegner unsern Kandidaten prokla- miren konnten, halten wir relativ guten Erfolg. Es gehören zu diesem Kreis Uber 170 Ortschaften. — Zürich. Die hiesigen Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands haben am Sonntag den 18. Dezember einstimmig eine Re- solntion angenommen, in welcher sie gegen verschiedene Aeußerungen der Genoffen Blos und Hasenclever im Reichstage Verwahrung ein- legen. Diese Resolution ist der Fraktion eingesandt worden. Brieflasten der Redaktion: Ein Theil der Rundschau, verschiedene Einsendungen, sowie dag Feuilleton mußten Raummangels halber für die nächste Rummer zurückgestellt werden. der Expeditione Louis Sonntag Warner Town e Kr. 25.20 am 15/12. erh. und hievon Fr. 2.40 d. Ufd». zugew. Abonn. bis Ende 32 glatt. Gruß!—„Leue": Mk. 2.— durch B. f. d. Wfd. dkd. erh.— K. Wormser: Mk. 74.50 a Cto. erh. Adr. richtiggestellt. Weiteres dkd. be- nützt— Reutl.: Mk. 15.— Ab. 4 Qu. für 5 Expl. durch St. erh.— Rk. Lond.: Pik. kommt. Auswahl laut gesandtem Katalog selber treffen. Gruß!— O Schreck: Bs. vom 16/12. am 17. beantw. Bstllg. folgt. Er- satz soweit Vorrath reicht.— Fr. Roth Zg: Fr. 2.— Ab. 1. Qu. 82 erh. P.-K. abgeg. am 13/12.— Arb.-W'chronik, Pest: Fr. 9.54 eingett. Etwa gar für Cada oder erinnert sich etwa Mich. Frankel seiner uralten Fr. 14.60? u. A. w. g.; Gruß!— E. G. Flunt.: Fr. 2.— Ab. 4. Qu. erh.— B. d. Glasern in Z.: Fr. 3.30 d. Wfd. dkd. zugew.— Dtsch. Arb. B. Zürich: Fr. 38.95 v. d Abendunterh. dkd. vr. Ufd. erh.; ebenso Fr. 9.15 durch Vortrag von Prof. K. Fdsqttg. folgt.— Esr. Z.: Fr l. d. K. f. B. erh.; aber wie hinbringen?— Chr. Wblgr. Ffld.: Fr. 3.— für Kol. erh. Die Fr. 1.20 folge» in d. späteren Fdöqttg— O. E. B.: Mk. 25.— f. Schrft. erh. Bist, am 21/12. mehr.—— Du: Mk. 20.— (PostkurS Fr. 24.—) a Cto. Ab. erh Rest auf 4. Qu. Mk. 14.40. Abrch. folgt.— G. M. Renan: Fr. 1.05 pr. Wfds. durch Vbhdlg. dkd. erh.— B— k. G— a. d. B. in O.: Mk. 6.— Ab. 4. Qu. dkd. erh. Alles jn Ordng. — W. B. O.: Fr. l.�- dkd. erh.— A G. H.: Mk. 5.— Ab. 1. Qu. 82. erh.— Fr. Hbt: Zch.: Fr. 2.— Ab. 4. Qu. erh.— Or ätzigt werden, wenn sich die Genossen eine« Orte» zum Bezug im Grotzen vereinigen. Wenn unverdächtig« Empsang!- adreijen gewählt werden und damit stet« gewechselt wird, wenn ferner die geheime Vertheilung an die adonnirten Genossen vorsichtig geschieht: dann ist die Gefahr der Entdeäung beim Sesammtbezug weit geringer wie be den Briessendüngen. Bis zu 16 Exemplaren tönnen in Doppelbries übermittelt werden; bei grötzeren Be- stellungen ist die Zusendung in Paltet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplaren an ist der Preis per Quartal aus M. 1. SO. franko in« HauS sestgesetzt, und ist der Betrag monatlich mit 60 Ps. im Borau« einzusenden. Sammtliche Sendungen«erden gut verpaitt, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland ausgegeben. Briesmarken aller Länder werden für voll angenommen! grötzer« Beiträge in Papier» geld mittelst eingeschriebenem Bries oder Post. Einzahlung. Da nicht unbedeutende Kosten durch ungenügende» Franliren entstehen, so machen wir daraus aufmerksam, datz einfache Briese(bis 15 Gramm, nach der Schweiz 20 Pfg.. relp. 10 Kreuzer ö. W- losten, bei schwereren Briese» je 15 Gramm weitere 20 Psg., resp. 10 Kreuzer._„„. Man wende sich bei Sinzelbestellungen an den Berlag von A. Herter, Kastnostratze S, Hottingen-Zürich, bei gemeinsamem Abonnement und um Ausschlüffe an die be- kannten Agenten in Deutschland, oder an die Unterzeichneten durch B-rmiNlung in der Schweiz oder sonst in, Ausland lebender Freunde. Monatliche Vorausbezahlung des«bonnemen,«Preises an unser««er- trauensmänner und Filialeverwalter Ist«»«rlützlsch: Parteigenosien! Sammelt Euch um Eure Fahne und denützt die Euch gegebene Wage mit Elser und Geschilt; seid rührig und thut Eure Pslicht! «edaktion und Expedition»es„Sozialdemokrat". Schweiz. BereinSbuchdrulkerei Vottingen-Zllrich