ein eint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Verlag A. Herter, Hottingen- Zürich Rafinoftraße 3. Poffendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz tosten Doppelporto. M: 1. Der Sozialdemokrat Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie Sonntag, 1. Januar. Avis an die Korrespondenten und Abonnenten des Sozialdemokrat". Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, jo ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf teine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schüken. Haupterfordernis ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten Abonnements werden nur beim Berlag and deffen bekannten Agenten ent. gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2. für die Schweiz( Kreuzban Mt. 3 für Deutschland( Couvert fl. 1. 70 für Oesterreich( Couvert Fr. 2. 50 für alle übrigen Länder des Weltpoftvereins( Kreuzband). Juferate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Ct. 20 Pfg. 1882. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung sett; anderseits aber, dah auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerei Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewig weder Mühe noch kosten scheuen, um trotz aller ent gegenstehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. 4 Abonnements- Einladung. Mit Neujahr beginnt ein neues Quartalsabonnement auf den Sozialdemokrat". Wir ersuchen unsere Leser, ihr Abonnement rechtzeitig zu erneuern, sowie für Gewinnung neuer Abonnenten unablässig thätig zu sein. Weder das Abonnement auf den ,, Sozialdemokrat" noch das Empfehlen desselben ist in Deutschland ftrafbar, sondern lediglich die direkte Verbreitung. Es ist deshalb Pflicht wie Interesse jedes Parteigenossen, aufs eifrigste für die Verbreitung des Sozialdemokrat zu wirken. Da der Sozialdemokrat" in Deutschland bekanntlich auf Grund des Ausnahmegesetzes verboten ist, so muß die Verbreitung selbstverständlich mit größter Vorsicht geschehen; lettere angewandt, ist die Sache übrigens durchaus ungefährlich und leicht ausführbar. Das bloße Abonnement ohne Weiterver: breitung ist gesetzlich erlaubt. Der Sozialdemokrat wurde vom letzten Parteifongreß einstimmig zum einzigen offiziellen Organ der sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch: lands erklärt. Der vorauszahlbare Abonnementspreis des Sozialdem." beträgt vierteljl. für Deutschland und Oesterreich 3 Mart( 1 fl. 70 kr.), wofür das Blatt wöchentlich als verschlossener Brief versandt wird; für die Schweiz 2 Fr., für alle übrigen Länder des Weltpostvereins 2. Fr. 50 Gts.( unter Band). Dieser Preis tann indessen, namentlich in Deutschland, bedeutend ermäßigt werden, wenn sich die Genossen eines Ortes zum Bezug im Großen vereinigen. Wenn unverdächtige Empfangsadressen gewählt werden und damit stets gewechselt wird, wenn ferner die geheime Bertheilung an die abonnirten Genossen vorsichtig geschieht: dann ist die Gefahr der Entdedung beim Gesammt bezug weit geringer wie be den Briefsendungen. Bis zu 16 Exemplaren tönnen in Doppelbrief übermittelt werden; bei größeren Bestellungen ist die Zusendung in Badet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplaren an ist der Preis per Quartal auf M. 1. 80. franto ins Haus festgesetzt, und ist der Betrag monatlich mit 60 Pf. im Voraus einzusenden. Sämmtliche Sendungen werden gut verpadt, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland aufgegeben. Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen; größere Beiträge in Papiergeld mittelst eingeschriebenem Brief oder Post- Einzahlung. Da nicht unbedeutende Koften durch ungenügendes Frantiren entstehen, so machen wir darauf aufmerksam, daß einfache Briefe( bis 15 Gramm) nach der Schweiz 20 Pfg., resp. 10 Kreuzer 5. W. fosten, bei schwereren Briefen je 15 Gramm weitere 20 Pfg., resp. 10 Kreuzer. Man wende sich bei Einzelbestellungen an den Verlag pon A. Herter, Kasinoftraße 3, Hottingen- Zürich, bei gemeinsamem Abonnement und um Aufschlüsse an die be. fannten Agenten in Deutschland, oder an die Unterzeichneten durch Vermittlung in der Schweiz oder sonst im Ausland lebender Freunde. Monatliche Vorausbezahlung des Abonnementspreises an unsere Ver trauensmänner und Filialeverwalter ist unerläßlich! Parteigenossen! Sammelt Euch um Eure Fahne und benützt die Euch gegebene Waffe mit Eifer und Geschick; seid rührig und thut Eure Pflicht! Redaktion und Erpedition des ,, Sozialdemokrat". Keinen Glückwunsch, wohl aber einen Mahnruf richten wir beim Jahreswechsel an das deutsche Proletariat. So lange Ihr noch wünschet, Männer der Arbeit, so lange Ihr noch hoffend blickt auf Hilfe von Oben sei es von dem Phantasiegebilde früherer Jahrhunderte, Gott genannt, sei es von denen, die Euch ausbeuten und mit Füßen treten, den Mächtigen und Gewaltigen auf Erden, so lange wird Euer Elend fortdauern, wird es nicht ab, sondern zunehmen. Was heißt denn heute„ Glück"? Die Dichter und Pfaffen sprechen von einem„ inneren Glück", welches sogar den Aermsten erhebe über alle Noth und Sorge, welches ihn reicher mache, als den größten Millionär. Aber dieses ,, innere Glück" des Armen ist ein Märchen, es eristirt nur in fahr, um so schreiender wurde das Mißverhältniß zwischen dem Lebensgenuß des in Arbeit stehenden Proletariers und der ihm dafür auferlegten Arbeit. Die Zunahme dieses Mißverhält nisses mindert aber in der Folge wiederum die Aussicht auf Arbeitsgelegenheit, auf das„ Glück", Arbeit zu finden. Aus diesem Labyrinth gibt es für die Arbeiter nur einen Ausweg: Sich vom„ Glüd" unabhängig zu machen. Und dazu rufen wir Euch auf, Männer der Arbeit! Vom Glück Euch unabhängig zu machen, wißt Ihr, was das heißt! Das heißt mit anderen Worten: Euer Geschick in Eure eigene Hand zu nehmen. Vom„ Glück" Euch unabhängig zu machen, das heißt auf: zuräumen mit denen, welche heute jenes verruchte Glücksspiel treiben, dessen Kosten, wie es auch immer ausfallen mag, lediglich Ihr Proletarier zu bezahlen habt. " Vom Glück" Euch unabhängig zu machen, das heißt ein Ende zu machen mit denen, welche auf Eure und Eurer Brüder Kosten jene glücklichen" Kriege führen, deren günstigstes Resulat eine Steigerung Eurer Abhängigkeit ist, welche über Eure Köpfe hinweg Bündnisse schließen und Verträge eingehen, für deren Folgen Ihr mit Eurem Leben aufkommen müßt. Kurzum, vom„ Glück" Euch unabhängig zu machen, das heißt: Abzuschütteln das Joch der sozialen Ausbeutung und politischen Unterdrückung, zu zertrümmern den morschen Bau der heutigen gleißnerischen Ausbeutergesellschaft, und auf ihren Trüm: mern zu errichten die Gesellschaft der freien und organisirten Arbeit! Schon haben hunderttausende von Arbeitern diese Aufgabe erkannt und ihr ganzes Leben und Streben derselben gewidmet. Aber sie sind noch eine kleine Minderheit gegenüber der großen Masse der Gleichgültigen, der Hoffenden und Harrenden, der Hoffnungslosen und Verzweifelnden. Muth, Ihr, die Ihr ver trüben Anschauung huldigt, es müsse immer Elend auf der Welt geben! Werft Eure Jllusionen ab, Ihr Träumer, die Ihr meint, Euch könne Hilfe von Außen her kommen, es müsse ,, von selbst" besser werden! Erkennt Eure Lage, die Ihr wähnt, Ihr seiet ge feit gegen das Elend, weil es bis heute an Euch vorüberging! schon heute den Mächtigen dieser Erde Furcht einjagt, die aber Schließt Euch an jener kühnen Armee entschlossener Kämpfer, die unwiderstehlich wird, wenn ihr angehören alle diejenigen, für deren Interesse sie eintritt und sich opfert, schließt Euch an den Kämpfern für die politische und wirthschaftliche Befreiung, tretet ein in die Reihen der Sozialdemokratie! Das ist unser Neujahrsgruß an Euch, deutsche Arbeiter! Es ist kein Glückwunsch, sondern es ist ein Mahnruf. Ein Mahn ruf an Eure Pflicht! Gedichten und Predigten, im wirklichen Leben laffen Noth und Die„ sittlichen Fundamente des christlichen Sorge es nicht aufkommen. Und es ist gut so, denn dieses ,, innere Glück" des Armen wäre sein schlimmster Fluch, würde ihn auf ewig zum Lastthier der menschlichen Gesellschaft herabdrücken. Und wie der glückliche" Arme, so ist auch der ,, unglückliche" Millionär von heute nur ein Gebilde der Phantasie von Dichtern und Pfaffen, ein Lug, ersonnen, um den schreienden Gegensatz von Reich und Arm, der heute herrscht, geschickt mastiren. " Die heutige Gesellschaft verbindet mit dem Worte Glück den Begriff des Zufälligen, des Außergewöhnlichen. Das Glück ist die Ausnahme von der Regel, darum spricht man auch heute von einer glücklichen Minderheit. Wenn sich die Vertreter der heutigen Ausbeutergesellschaft gegenseitig Glück wünschen, so thun sie das mit Recht. Unter der Herrschaft der Produktionsanarchie kommt für sie Alles auf Glüd an. Glück haben, heißt für den Bourgeois: ohne Arbeit Reichthum erwerben, der Proletarier aber kennt nur ein Glück: von der Arbeit leben zu können. " Der Maurer und Zimmerer, der Tischler und Schlosser, der Weber und Spinner, der Schuhmacher und Schneider, der Ackerknecht und der Fabrikarbeiter verrichten Tagaus, Tagein ihr bestimmtes Werk, wissen im Voraus, daß sie nur auf das zu rechnen haben, was sie durch Arbeit erwerben. Sie hoffen nicht auf„ Glück", aber sie fürchten das Unglück. Und das größte Unglück heißt für sie: Außer Arbeit zu kommen. In diesem Widerspruch liegt der fundamentale Gegensatz zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Weltanschauung. Daß der Proletarier von Glück" sagen muß, wenn er Arbeit findet, ist für ihn die schärfste Verurtheilung der heutigen Gesellschaft. Das Heer von Arbeitslosen, welches als unfreiwillige Bagabunden" das Land durchzieht, ist ein Heer von unerbittlichen Anklägern dieser Gesellschaft, deren Plaidoyer, wenn sie sich auch dessen noch häufig selbst nicht bewußt sind, auf Tod lautet. Tob einer Gesellschaft, in welcher der Arbeiter nur die Aussicht hat: arbeitend zu darben oder zu verhungern. Von Jahr zu Jahr hat sich diese Alternative immer ungünstiger für die Arbeiter gestaltet, immer drohender steht vor ihnen die Aussicht, arbeitslos zu verkommen. Und je größer diese GeVolkslebens" wurden in der Thronrede bei Eröffnung des deutschen Reichstages wieder ganz besonders betont. Das veranlaßt uns, unsere durch die Wahlagitation die Wahlagitation unterbrochene Beleuchtung dieser" Fundamente" wiederum aufzunehmen. Wir werden dabei nicht schulmeisterhaft pedantisch systematisiren, sondern frisch hineingreifen in das volle Menschenleben und die praktischen Fragen der Neuzeit in echt christlichem Sinn zu beantworten suchen, geleitet von dem kaiserlichen Worte:„ Die Religion muß dem Volte erhalten werden". Und nun gleich ans Werk: Der Herrgott und die Monarchie. Die christlichen Fürsten lieben es, sich von Gottes Gnaden zu nennen und damit die kühne Behauptung aufzustellen, daß der Herrgott ihnen das Recht verliehen habe, die Geschichte der Völker nach Willkür zu leiten, Kriege zu führen, Steuern zu erheben und auf Kosten des Volkes herrlich und in Freuden zu leben. Stellen wir uns nun auf den christlichen Standpunkt und sehen wir zu, was an diesem Gerede und Gethue eigentlich wahr ist. Ueber die Ansichten und den Willen des Herrgotts werden wir belehrt durch die Bibel, welche ja nach der einstimmigen Aussage aller christlichen Priester das reine, unverfälschte Wort Gottes enthält. In diesem Wort Gottes" wird uns nun er: zählt, wie das Königthum, die Monarchie, entstanden ist; nachzulesen im 1. Buch Samuelis Kapitel 8. Die Juden, welche bis dahin unter einer republikanischen Verfassung gelebt hatten, forderten von dem alt gewordenen Samuel: So sebe nun einen König über uns, der uns richte, wie alle Heiden haben. Diese Sache gefiel dem Samuel übel. Und Samuel betete vor dem Herrn. Der Herr aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volkes in Allem, das sie Dir gesagt haben; denn sie haben nicht Dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht soll König über sie sein. Sie thun auch Dir, wie sie immer gethan haben, von dem Tage an, als ich sie aus Egypten geführt habe, bis auf diesen Tag, da sie mich verlassen und anderen Göttern gedient haben. So gehorche nun ihrer Stimme, doch be= zeuge ihnen ausdrücklich und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird. Und Samuel sagte dem Volte, das einen König von ihm begehrte, alle Worte des Herrn und sprach: Das wird das Recht des Königs sein, der über Euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen und zu seinen Wagen und zu seinen Neutern verordnen, daß sie vor seinen Wagen hertraben, und daß er sie sich setze zu Hauptleuten über Tausend, zu Hauptleuten über fünfzig; und zu Ackerleuten, die ihm seinen Acker bauen und zu Schnittern in seiner Ernte; und daß sie seine Kriegswaffen machen und was zu seinen Wagen gehört. Eure Töchter wird er nehmen, daß sie Salbenbereiterinnen, Köchinnen und Bäckerinnen seien. Auch eure besten Aecker und eure Weinberge und eure Delbäume wird er nehmen und seinen Knechten geben. Dazu wird er von eurer Saat und euren Weinbergen den Zehnten nehmen und seinen Kämmerern und Knechten geben. Und er wird eure Knechte und eure Mägde und eure schönsten Jünglinge und eure Esel nehmen und sein Geschäft damit ausrichten. Er wird von euren Schafen den Zehnten nehmen und ihr müsset seine Knechte sein. Wenn ihr dann zu derselben Zeit über euren König, den ihr euch er: wählet habet, schreien werdet, so wird euch der Herr nicht erhören." Aber das Volk weigerte sich, die Stimme Samuels zu hören und sprach:„ Nicht also, sondern es soll ein König über uns sein, daß auch wir seien, mie alle Heiden!" Da haben wir den Salat! Der liebe Herrgott erklärt die Errichtung der Monarchie für einen Abfall von ihm und seinem Willen, die Monarchie ist elue hetonische, abgöttische, verwerfliche Institution. Könige sind nur gut für Völker mit heidnischen, gotteslästerlichen Ideen und Gewohnheiten! Durch den Mund Samuels ist uns kund geworden, daß die Rechte, welche die Könige haben, auf Anmaßung beruhen denn er sagt ja ausdrücklich: Das wird das Recht des Königs sein, er sagt nicht: Das soll das Recht des Königs sein. Habt ihr erst einen König, dann wird er sich dieses Recht nehmen, und ihr müsset seine Knechte sein. Die Monarchie ist also eine von Gott verabscheute, verwerf= liche Institution, welche die zur Freiheit bestimmten Menschen zu Knechten macht! So spricht sich der Herrgott selber aus! Wir aber, die wir durch den gezwungenen Aufenthalt in der Republik die republikanischen Einrichtungen kennen und würdigen gelernt haben, rufen: Unterstützt! Ein Ausgewiesener. Aus der Rede des Abg. Hasenklever über die Handhabung des Sozialistengesehes. Gehalten in der Sitzung des deutschen Reichstags am 10. Dezember 1881. Nach dem stenographischen Bericht. " Meine Herren, gehen wir nun zu den Motiven und zu den einzelnen Fällen über. Zunächst will ich bemerken, daß in den sämmtlichen Motiven betont wird und daß sie sich hauptsächlich stüßen auf Handlungen, die entweder im Ausland geplant resp. ausgeführt, oder aber auf Handlungen, die nach dem Sozialistengesetz entstanden sind. Die beiden in den Motiven angeführten Zeitungen, auf welche sich jedenfalls später wieder der Herr Minister von Buttkamer bei seiner Replik stützen und Auszüge verlesen wird, nämlich der Sozialdemokrat" in Zürich und die Freiheit" in London existirten vor dem Ausnahmegesetz nicht, sie sind nur die Kinder des Ausnahmegesetzes und nur durch dieses hervorgerufen worden. Das muß man bei allen Betrachtungen über das Ausnahmegesetz hauptsächlich im Auge behalten; vorher mag auch eine Presse existirt haben, die manchen von Ihnen unbequem war, deren Ton gerade nicht Allen gefallen hat, aber diese Presse stand direkt, weil sie im Inlande erschien, unter dem Staatsanwalt, unter den Augen der gesammten Bevölkerung. Wenn diese Presse nun nach Ihrer Meinung Unheil angerichtet hat, so waren ja so viele Mittel noch vorhanden, derselben näher zu treten, zum Beispiel die Widerlegung durch Ihre Presse, wäh rend Sie jetzt gar kein Mittel haben, den beiden im Auslande erscheinenden Organen einen wirksamen Damm entgegenzusetzen. Die Motive sagen überall, daß mit großer Schlauheit diese beiden Organe in das Volk hineingebracht, nach Deutschland hineingeschmuggelt würden. Dieselben wirken also zugestandenermaßen auf das Volk aufhezzend. Aber, für das, was im Auslande geschieht, sind wir nicht verantwortlich, da wir nicht kontroliren können, was zum Beispiel der Sozialdemokrat" schreibt; noch viel weniger aber für das, was die Freiheit" schreibt, di ein uns feindliches Blatt ist. Uebrigens wird ein Sozialdemokrat, der hier im Inlande auf dem vollen Boden des Gesetzes steht und agitirt, wenn er ein Jahr im Auslande ist, von ganz anderer Anschauung befeelt werden und sein, die Zustände in Deutschland vom Ausland her viel schärfer bekämpfen, als er es jemals thut ganz abgesehen von dem Strafparagraphen wenn er im Inland wohnt. Im Inland hat er immer Fühlung mit allen Verhältnissen, die fehlen ihm im Ausland, und schon deshalb wird im Auslande ganz anders geschrieben, als im Jiland. ' " Meine Herren, ich will aber nicht sagen, daß wir nich so radikal wären, wie die Most's und Hasselmann's. Nein, wir sind radikaler, weil unsere gesetzliche Agitation, die hauptsächlich darin ihren Ausdruck hat, das gesammte Volk von der Nothwendigkeit eines sozialistischen Staates zu überzeugen, viel wirksamer ist, als das ewige Revolutionsgeschrei. ewige Revolutionsgeschrei. Dieses Revolutionsgeschrei gleicht einem Hiebe in die Luft, während unsere Agitation allerdings intergra bend wirkt, aber nicht umstürzlich. Das Wort untergraben" ist da mals bei der Berathung des Sozialistengesetzes durch den Abgeordneten Lasker aus dem Entwurfe herausgebracht worden und fällt also nicht unter das Sozialistengesetz; die Polizei kümmert sich aber gar nicht darum, ob umgestürzt oder untergraben wird; sie hält beide Thätigkeiten für gleichbedeutend, und deshalb wäre es mir eigentlich lieber, wenn das Wort„ untergraben" im Sozialistengesetz stehen geblieben wäre; dadurch wäre wenigstens die Absicht der Regierung in ihrer vollen Blöße zu Tage getreten, während sie sich jetzt noch ein bischen verhüllen und jede sozialdemokratische Thätigkeit, das Wählen selbst und alle gesetzmäßigen Agitationen, die wir jetzt verbrechen", mit dem Wort Um sturz bezeichnen kann, um bei dem Volke gegen uns Grauen zu erwecken. Es wird in den Berliner Motiven besonders darauf hingewiesen, daß unsere Organisation noch nicht gebrochen sei. Ich will mich hier nicht darüber mit Ihnen länger unterhalten, was man unter Organisation versteht. Organisation kann man doch nicht darunter verstehen, wenn ab und zu gleichgesinnte Leute zusammenkommen, wenn diese gleichgesinnten Leute in Deutschland wieder zu gleichgesinnten bekannten Personen Zutrauen haben, wenn gelegentlich Sammlungen für die Familien der Ausgewiesenen veranstaltet werden, wenn ab und zu einzelne Personen für Wahlzwecke Gelder geben. Meine Herren, das kann ich keine Organi sation nennen. Wir hatten eine Organisation und zwar durch die Preffe, vor allen Dingen durch die Vereine; es wurde ein regelmäßiger Beitrag geliefert, wie dies in vielen Vereinen auch anderer Parteien geschieht. Diese Organisation haben Sie gründlich zerstört, das kann ich Ihnen versichern; wenn Sie sagen, dieselbe wäre nicht zerstört, so ist das nicht richtig; aber diese Zerstörung schadet uns nichts. Sie haben durch das Sozialistengesetz ein anderes Band um uns geschlungen, das Band aller Verfolgten, dies einigt uns, und deshalb ist das Sozialistengesetz so vollständig wirkungslos. Die gleiche Noth, das gleiche Elend, diese Bande schließen sich fester um uns, als eine äußere Organisation. Wir haben jetzt keine Organisation mehr nöthig; dazu haben Sie uns glücklicherweise verholfen. Herr Minister von Buttkamer, Sie haben uns zu einer wahrhaften Partei erst gemacht, und darüber sind wir froh. Meine Herren, ich bekam vor einigen Tagen einen Brief, ich lese ihn nicht ganz vor, nur zwei Stellen aus demselben; da schreibt mir ein Ausgewiesener, der jetzt in Westphalen ist, daß er bei der Kontrolversammlung den Feldwebel gefragt habe, warum die Ausweisung in seinen Militärpapieren vermerkt sei. Darauf antwortete der Feldwebel, das sei Befehl vom Kriegsministerium. Das ist nun auch so ein eigener Fall. Viele Leute legitimiren sich, wenn sie Arbeit haben wollen, mit den Militärpapieren; aber durch den Ausweisungsvermerk ist ihnen der Uriasbrief geschrieben, so daß sie keine Arbeit erhalten fönnen. Das aber kann doch nicht im Willen einer humanen Staatsregierung liegen. Nun schreibt der Ausgewiesene noch und darüber habe ich mich gefreut, Es ist mir gerade nicht unangenehm, ich bin stolz darauf, einer von denen zu sein, die verfolgt werden, und wenn die Gesellschaft uns noch mehr zusetzt, törnern" thun wir doch nicht. Es hat vorhin dort auf der linken Seite, als ich sagte, daß im Allgemeinen die liberale Presse uns nicht günstig gewesen sei, ein Sturm sich erhoben. Meine Herren( nach links gewandt) so unschuldig sind Sie doch nicht, daß ich Sie nicht angreifen sollte. Ich erinnere mich, und habe es schon einmal im Reichstag vorgebracht, daß vor dem Ausnahmegesetz die Fortschrittspartei gerade über meine Partei in einer Weise hergefallen ist, daß thatsächlich das Ausnahmegesetz die reine Konsequenz all jener Angriffe der Fortschrittspartei war. Der Kollege Hänel hat seiner Zeit die allgemeinen Gesetzesparagraphen verschärfen wollen; das wäre aber nicht allein für uns ebenso schlimm, wie das Ausnahmegesetz, ja vielleicht noch schlimmer, sondern auch für Sie auf der Linken theilweise selbst von bösen Folgen gewesen. Also das kann ich nicht sagen, daß Sie gerade sehr freundlich uns gegenüber gewesen wären, und deshalb bin ich auch gegen Sie nicht freundlich. Ich erinnere mich ferner, daß kurz vor dem Ausnahmegesetz das Berliner Wahlkomite vom 6. Wahlkreis, ich meine das fortschrittliche, in einem Flugblatt wörtlich gegen uns sagte: Jagtiie hinaus die vater landelosen Zuguägel, moher fie gekommen sind! Meine Herren, die Polizei hat ganz prompt den Wunsch des fortschrittlichen Wahlkomites erfüllt, sie hat die„ vaterlandslosen Zugvögel" mit Weib und Kind, so weit sie konnte, hinausgetrieben! Also so unschuldig sind auch die Fortschrittler uns gegenüber nicht gewesen, das beweist die eben angeführte Aeußerung von den vaterlandslosen Zugvögeln! Mehr hat uns die Polizei auch nicht gethan, mehr sinnt sie uns auch nicht an, als das Hinausgeworfenwerden aus der Heimath. Daran sind also die Fortschrittler mitschuldig! Es soll auch in den in den Motiven angedeuteten geheimen Versammlungen gesagt worden sein, daß man sich an die bestehenden Gesetze nicht kehren solle. Ja, meine Herren, diese Ausführung ist mir sehr verständlich. Ueberall, wo wir mit einem Parteigenossen sprechen, sagen wir selbstverständlich: Achten wollen wir das gemeine Recht, achten wollen wir die allgemeinen Gesetze- aber ein auf unsere Per= fonen förmlich zugeschnittenes Gesetz achten wir nicht, wir achten es nicht und suchen es überall zu umgehen, wo wir nur können. Das erkläre ich auch an dieser Stelle ausdrücklich und stütze mich dabei auf zahlreiche klerikale Geistliche, die ausdrücklich gleichfalls erklärt haben die sogenannten Kulturkampfgesetze achten wir nicht, weil sie Ausnahmegesetze sind. Die Klerikalen, mit denen Sie, Herr Minister, ja jetzt immer mehr harmoniren, auch die haben also dieselbe Erklärung abgegeben, wie wir es thun. Also nochmals: alle andern Gesetze achten wir so gut, wie jeder andere Staatsbürger. Aber wenn ein Ausnahmegese gegen uns erlassen wird, wer möchte es uns dann verargen, daß wir, die direkt Angegriffenen, uns wehren?! Wir wehren uns eben mit aller Energie, denn so feige ist der Deutsche noch nicht geworden, daß er sich ruhig ohne Widerstand niederwerfen läßt. Die gewaltsame Revolution wird aber befördert nicht von unten auf, sondern von oben herab, wie uns die Geschichte lehrt. Immer Feuilleton. Die freie Gesellschaft. Sobald die Klassenunterschiede beseitigt sind, steht die Gesellschaft wieder auf derselben Basis, auf der sie stand, bevor die Klaffengegensätze sich entwickelten, auf der des urwüchsigen Stammes. Da nun Gleiches stets Gleiches erzeugt, dieselbe Ursache auch dieselben Wirkungen im Gefolge hat, so können wir wohl sagen, daß, insofern die Verhältnisse der sozialistischen flassenlosen Gesellschaft denen der urwüchsigen klassenlosen Gesellschaft entsprechen, sie auch gleiche Erscheinungen hervorrufen werden. Wir wollen demnach ein urwüchsiges Gemeinwesen näher betrachten, und zwar wählen wir zur Vergleichung dasjenige, welches von den technischen Fortschritten am meisten beeinflußt ist, welches demnach mit der sozialistischen freien Gesellschaft die größte Aehnlichkeit aufzuweisen hat: die indische Dorfkommune. Die indische Gemeinde ist unter den urwitchsigen Gemeinwesen dasjenige, welches am längsten den Einflüssen der Zivilisation ausgesetzt war, ohne ihnen zu erliegen. Während die germanische Dorfgemeinde rasch vor dem römischen Einfluß dahinschmolz, während die russische Dorfgemeinde heute schon, nach so kurzer und mangelhafter Bekanntschaft mit der westeuropäischen Zivilisation in Auflösung begriffen ist, hat die indische Dorfgemeinde Jahrhunderte lang einer Zivilisation Stand gehalten, die sich mit der römischen messen konnte, ja sie hat sich vielfach noch bis heute gegen den übermäßigen englischen Einfluß behauptet. Nur ihr ist es zu verdanken, daß die Inder nicht zu Fellahs geworden sind, sie ist es gewesen, welche dem indischen Landmanne, trotz des zügellofesten Despotismus ein gewisses Maß von Freiheit und Wohlstand bewahrte. Die Wechsel der Minister, der Fürsten, der Dynastien berührten sie nicht; Blünderung und Gemezzel der Eroberer vermochten sie für den Augenblick zu schwächen, nicht aber aufzulösen. Weder die Perser, noch Alexander von Makedonien, nicht die fanatischen Schaaren des Propheten, nicht die sengenden Schwärme der Mongolen haben dies Bollwerk indischer Freiheit und indischen Wohlstandes erschüttern können. Erst die nordischen Kulturträger", die Engländer, vermochten es, den Keim der Zerstörung in den urwüchsigen Kommunismus zu legen und damit Elend, Noth und Stupidität ins indische Volk zu tragen. Das ursprüngliche Gemeineigenthum an Grund und Boden bestand allerdings nicht mehr überall, als die Engländer indischen Boden betraten. hat der Druck von oben die gewaltsame Bewegung des Volkes von unten erregt. Jetzt bin ich allerdings sehr zweifelhaft geworden, ob nicht ein solcher blutiger Ausbruch einmal kommen kann, wenn auch vielleicht nicht in nächster Zeit, aber doch nicht in allzuferner. Bis zum Ausnahmegesetz habe ich allerdings nie daran geglaubt, da war ich einer derjenigen Leute, die die ganze Hoffnung darauf setzten, die von uns gewünschte soziale Umwälzung könne auf dem Boden des Gesetzes erfolgen. Jetzt habe ich großen Zweifel bekommen, ich glaube sogar an eine gewaltsame Umwälzung, aber dann sind nicht wir die Schuldigen, sondern Sie sind es, die das Ausnahmegesetz gemacht haben. Wir können mit viel leichterem Blut einer solchen Revolution entgegensehen, da unſer Herz und Gewissen rein ist, als diejenigen, die die eigentlichen Urheber eines gewaltsamen Ausbruches sind. Man hat eine Liste verfertigt, und diese Liste ist mit den Signalements der einzelnen Ausgewiesenen an alle Polizeibehörden Deutschlands gegangen. Wenn ein solcher Ausgewiesener nun in eine andere Stadt kommt und will Arbeit haben, da weiß die Polizei genau, was und woher er ist, die Polizei geht zum Arbeitgeber, wie es in Augsburg ein höherer Polizeibeamter gethan hat, ein früherer Abgeordneter sogar, und macht auf die Gefährlichkeit des Arbeitsuchenden aufmerksam, der auch in den meisten Fällen keine Arbeit erhält. So werden Nihilisten und Vagabonden erzogen; da soll man sich wundern, wenn diese Leute rabiat werden, wenn diese Leute die Gesellschaft nicht mehr achten, den Krieg der Gesellschaft erklären? Daß aber nicht blos untere Polizeibeamte so verfahren, geht daraus hervor, daß oft genug auch von höheren Beamten Ausdrücke gefallen sind, die darauf hindeuten, daß der Sozialdemokrat für schlechter gehalten wird, als ein Vagabond und Spiz bube. So passirte es vor gar nicht langer Zeit einem wegen Preßvergehens in Zwickau inhaftirten Sozialdemokraten, der um eine Vergünstigung bat, ich glaube, rauchen zu dürfen, daß der Herr Direktor, ich glaube d'Allinger heißt er, diese Vergünstigung abschlug mit den Worten: Nein, Sie sind schlimmer als ein Spitzbube und Vagabond. ( Ruf: Pfui!) Ja, das Pfui" ist hier jedenfalls gut angebracht. Wenn solche Sachen vorkommen, dunn müssen ja Menschen entstehen, die ihr Leben für nichts achten, die schließlich keinen Respekt mehr vor sich selber haben, wenn sie in so niederträchtiger Weise von den Beamten behandelt werden. In einem Aufruf für die Wahl des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Stübel zu Dresden, unterzeichnet von Herrn Ackermann, Hofrath, Finanzprokurator, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Dibelius, Konsistorialrath, von Einsiedel, Kreishauptmann, von Mangold, Landdie Namen gerichtsdirektor und von Ziegler, Staatsrath, Professor ziehe ich aus den Unterschriften, weil sie mit den Verhältnissen vertraut sein mußten- heißt es: Wollt Ihr nicht endlich die Anmaßung zurückweisen, daß eine dreiste Minderheit ihre staatsgefährlichen Bestrebungen für die Euren ausgibt und damit den guten Ruf Dresdens und Eure materiellen Interessen schädigt, ja sogar die Gefahr der Anwendung der Ausnahmemaßregel über unsere Stadt herauf beschwört. Mit diesen Worten erkennen die Herren an, daß die sozialdemokratischen Wahlen ein Grund seien für den Belagerungszustand. Das erkennt Herr Ackermann auch mit an, und so glauben wir, daß die sächsische Regierung nur den Standpunkt vertreten hat, uns das Wählen so schwer wie möglich zu machen. Auch die„ Dresdner Nachrichten" schrieben gleich nach dem Siege des Herrn Stübel: Nun ist der Belagerungszustand vermieden worden, nachdem Bebel unterlegen ist. Man sieht also immer wieder, daß nicht die sogenannten verbotenen Bestrebungen den Hauptausgangspunkt für derartige Maßregeln bilden, sondern die erlaubten Bestrebungen, das Wählen für den Reichstag, für die Gemeindevertretung und das Sammeln für die Opfer des Sozialistengesetzes. Nebenbei wird nur darauf hingewiesen, daß zu gleicher Zeit verbotene Broschüren vertheilt worden wären. Ich sagte aber schon, daß in Leipzig von allen Ausgewiesenen nur ein einziger gefaßt und bestraft morden ist. Ich komme nun zum Schluß, und Sie mögen entschuldigen bei dem reichen Material, daß die Rede etwas lang andauert. Ich habe schon angedeutet, daß durch das Spionagesystem die meisten Auszuweisenden erst zur Ausweisung desiguirt werden, daß deren Vergangenheit wenigstens bei der Hälfte der Ausgewiesenen gar nicht hervorragend sozialdemokratisch war. Daß unter diesen Personen, die von der Polizei zum Spioniren gebraucht werden, es recht verächtliche Subjekte gibt, das hat uns der jüngste Hochverrathsprozeß zur Genige gezeigt. Kann man denn sich ein verächtlicheres Subjekt denken, als der Schneider Horsch ist, der in Frankfurt am Main sein Wesen getrieben hat und der verschiedene Leute durch Lug und Trug auf die Anklagebank geführt hat, die später freigesprochen worden sind? Ebensogut, wie man auf Grund solcher Spionage Personen auf die Anklagebank wegen Hochverraths schleppen faun, fann man auf derartige Denunziationen hin eine Ausweisungsordre erlassen und, meine Herren, das ist in der That auch oft genug geschehen. Redner erzählt die näheren Details über den Fall Büttner und fährt dann fort: Büttner wurde infolge der Verbreitung jenes Blattes in Untersuchungshaft genommen, und als er nun zur Gewißheit gelangte, daß seine Frau und Kinder wiederum brodlos geworden seien dadurch, daß er vielleicht 2-3 Monate Gefängniß erhalten könnte, und daß dieselben in Verzweiflung schon nach Berlin abgereift seien, nimmt er sich das so zu Herzen, daß er sich im Gefängniß erhängt. Ja, meine Herren, das war eine recht weiche Natur. Wenn es aber eine härtere, stählerne Natur gewesen wäre, ein Mensch, der mehr haßerfüllt gewesen wäre als dieser weiche Mann, so hätte er gedacht, die drei Monate kannst du ganz gut noch absitzen, aber wenn du aus dem Gefängniß kommst, wirst du dich rächen an den Zerstörern deiner Ehe, an den Leuten, die immer von der Heiligkeit der Ehe sprechen, die sie aber dir gegenüber zerstört haben. Seitdem hat es sich immer mehr in die unzugänglichsten Gegenden zurückgezogen. Aber noch Nearchus, der Admiral Alexanders, des sogenannten Großen, von Makedonien, berichtet, daß der Boden in Indien nicht nur Gemeineigenthum sei, sondern auch gemeinsam bebaut und der Ertrag vertheilt werde. In einigen Gemeinden hat man dies noch vor Kurzem gefunden. Im Ganzen und Großen ist jedoch nicht nur die gemeinsame Bebauung des Bodens verschwunden, sondern auch die periodische Theilung desselben, wie wir sie zu Tacitus Zeiten bei den Germanen, heute noch in Rußland und auf Java finden. Die Ackerlose sind bereits festes Eigenthum der Familien geworden, welche sie jedoch nach bestimmten Regeln zu bebauen haben. Weide, Wald und unfuftivirtes Land sind heute noch Gemeineigenthum, an dem alle Gemeindemitglieder gemeinsames Nutzungsrecht haben. Der Vorstand des Dorfes ist entweder ein Schulze, Pateel, oder ein Verwaltungsrath von filnsen, Pantsch genannt, der die Gemeinde nach Außen hin zu vertreten und die Dorfpolizei zu besorgen hat. Er wird ebenso, wie alle anderen Funktionäre, von der Gemeinde gewählt, welche sich von Zeit zu Zeit unter einem großen Baume versammelt, um Wahlen vorzunehmen, Streitigkeiten zu schlichten und ihre Interessen durch Beschlüsse der verschiedensten Art zu wahren. Kompetenzstreitigkeiten gibt es da nicht. Soweit ist die indische Dorfkommune von anderen urwüchsigen Gemeindewesen durch nichts verschieden. Aber sie hat eine höhere Kulturstufe erklommen, als die anderen, und sie hat sich deswegen gezwungen gesehen, die Arbeitstheilung dem urwüchsigen Kommunismus einzufügen. Dies ist ihr denn auch in der glücklichsten Weise gelungen. Zunächst sorgt sie natürlich für des Leibes Nothdurft, vor Allem dafür, daß der Ackerbau, der wichtigste Erwerbszweig des Jnders, wohl von Statten gehe. Neben dem Rechnungsführer, welcher die geschäftlichen Angelegenheiten der Kommune zu ordnen hat, finden wir zwei Männer der Wissenschaft", welche, soweit es die indische Wissenschaft eben erlaubt, den Ackerbau zu regeln haben. Den Einen würden wir einen Ingenieur nennen. Er hat das Land zu vermessen und dafür zu sorgen, daß die Bewässerungsanstalten in Ordnung sind und gehörig gebraucht werden, eine Sache, welche angesichts der großen Dürren in Indien und der großen Wassermenge, welche der Reisbau erfordert, von ungemeiner Wichtigkeit ist.*) Neben dem Jugenieur fungirt ein Mann, den wir *) Jede Dorfkommune hatte in Indien ihre Bewässerungskanäle und ihr großes Wasserreservoir für die Zeiten der Dürre. Die Engländer Ich deutete schon an, daß sich in Deutschland mit 3. am brot und Peitsche nicht regieren läßt. Man hat das versucht im alten Rom, wo der Staatssozialismus allerdings in anderer, direkterer Gestalt auftrat, in Form von Almosen und Spenden; man hat es versucht in Frankreich unter Napoleon III. Aber die Völker haben dies nur kurze Zeit ertragen. Das alte Rom ist gerade an einem solchen System zu Grunde gegangen, und auch Napoleon III. hat seinen Sturz hauptsächlich dieser zäsaristischen Neigung zu verdanken. Das deutsche Volk, an viel ruhigeres Nachdenken gewöhnt, wird überhaupt gar nicht auf derartige Zumuthungen eingehen. Solange die Peitsche des Ausnahmegesetzes in der einen Hand vom Regierungstische geschwungen wird, nimmt kein deutscher Arbeiter aus der anderen das Zuckerbrot an. Diese Blamage, die sich die Herren Körner und Finn zugezogen haben, die so stark iſt, daß kein Berliner Arbeiter mehr mit ihnen umgehen mag, ist ja hauptsächlich dem Umstande zu verdanken, daß man einer Regierung nicht traut, die derartige Maßregeln nicht bloß gegen die Sozialdemokraten anwendet, sondern auch gegen die Arbeiter überhaupt, denn die denkenden Arbeiter, die politisch thätigen Arbeiter sind in der Hauptsache alle Sozialdemofraten ( Ruje: Oho!) die politisch thätigen Arbeiter meine ich, andere nicht. Es glauben nämlich die Massen der Arbeiter, daß das Gesetz in der Hauptsache gegen sie gerichtet sei. Sie nennen es ein Arbeitergesetz, aber kein Arbeiterschutzgesetz, sondern ein Arbeiterschutzlosigkeitsgesetz, und solange wie dieser Gedanke im Volfe ist, kann die Regierung noch so oft das Zuckerbrot zur Hand nehmen und noch so schmeichelnd locken, kein Arbeiter folgt diesem Locken. Vorhin las ich schon aus einem Arbeiterbriefe vor, daß man sich nicht verförnern" lassen wolle. So wie der Briefschreiber, genau in demselben Sinne denken hunderttausend und aberhunderttausend Arbeiter, auch die nicht für uns gewählt haben, besonders die jungen Arbeiter, die gerade die feurigsten Anhänger der Sozialdemokratie find. Hundedemüthig ist wenigstens unser deutscher Arbeiter nicht, und deshalb möge man erst die Peitsche begraben, ehe man das Zuckerbrot anbietet. Dann läßt sich wenigstens in aller Ruhe über Vorschläge seitens der Regierung diskutiren, die angeblich das Arbeiterwohl bezwecken sollen. Die Diskussion hört aber im Großen und Ganzen auf, weil man immer die drohende Peitsche sieht. Wie kann ernsthaft ein Arbeiter oder Sozialdemokrat jetzt über das Unfallversicherungsgesetz oder das Alterversorgungsgesetz mit dieser Regierung in Unterhandlung treten, solange das Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter existirt? Bis das Ausnahmegesetz nicht verschwunden ist, müssen wir den Regierungsanschauungen gegenüber Nein sagen, solange müssen wir mit aller Entschiedenheit gegen der artige Zuckerbrotgeschenke uns verwahren, obwohl wir auch sonst dieselben nicht strikte annehmen würden. Aber man könnte ohne Ausnahmegesetze wenigstens in Ruhe über dieselben berathen und sie genau prüfen. Meine Herren, ist nun nach Ihrer Meinung das Sozialistengesetz nöthig ich habe schon ausgeführt, daß wir nichts dagegen haben so mag es bestehen bleiben, der Belagerungszustand aber trifft nicht unsere politische Partei, sondern er trifft lediglich die einzelnen Personen, besonders die Familien; und meistens sogar trifft er Unschuldige. Deshalb halte ich den Belagerungszustand, der uns, ich wiederhole es, als Partei gleichfalls nicht genirt, für äußerst verwerflich; ich halte ihn für demoralisirend, ich halte, wie ich schon ausgeführt habe, dafür, daß er den Nihilismus erweckt. Trotzdem der Belagerungszustand also ein großer Schaden für das deutsche Vaterland ist, welches ich ebensosehr liebe wie irgend Einer von Ihnen im Hause, stellen wir keinen Antrag auf Aufhebung desselben. Dazu sind wir zu stolz. Wenn Sie nicht genirt werden durch den Belagerungszustand, durch das Sozialistengesetz, so mögen Sie es aufrecht erhalten; aber was daraus entsteht, nehmen wir nicht auf uns. Alles Unheil, was geschieht und geschehen ist, das legen wir auf das Haupt Derjenigen, welche das Sozialistengesetz geschaffen und aufrecht erhalten haben und besonders der Regierung! Sozialpolitische Rundschau. " Zürich, 28. Dezember 1881. Unser Artikel„ Entweder Oder" hat, wie zu er warten war, eine Reihe Zuschriften an die Redaktion des Sozialdemofrat" zur Folge gehabt, bis jetzt, wie wir mit Genugthuung konstatiren können, nur prinzipiell zustimmende. Ferner ist in einer Frattionsfigung unserer Abgeordneten einstimmig be= schlossen worden, daß überden offiziellen Charakter des Sozialdemokrat" einfach fein 3 weifel besteht, und daß die erste Gelegenheit benutzt werden wird, um öffentlich zu erklären, daß unsere Vertreter mit der Gesammthaltung des„ Sozialdemokrat" vollkommen einverstanden sind. " Der Verfasser der„ Briefe eines„ Achtundvierzigers" schreibt uns in dieser Angelegenheit:*) -Oder" war zwar „ Ihr Artikel mit der Ueberschrift„ Entweder nicht ganz ,, opportun", aber er war ganz korrekt. Nicht ganz„ opportun", weil sie ihn schrieben, ehe Sie den stenographischen Bericht über die Reichstagsverhandlungen betreffend den kleinen" Belagerungszustand hatten, denn dieser Bericht würde Ihr Urtheil modifizirt haben. Ganz forrekt, weil jeder Sozialdemokrat, ohne seine Prinzipien zu verleugnen, *) Wir bedauern, seinen Brief Raummangels halber nur zum Theil abdrucken zu können. einen Meteorologen nennen würden. Aber bei den naiven Anschauungen des Inders ist es nicht zu verwundern, daß es ein Astrologe ist, der Kalenderbrahmane, welcher die glücklichen und unglücklichen Tage für Säen, Ernten, Dreschen und andere wichtige Vornahmen auszukundschaften hat. Neben diesen beiden Männern der Wissenschaft" hat die Kommune ihre Handwerker: den Schmied, den Zimmermann, den Radmacher, den Töpfer. Die Gemeinde sorgt aber auch dafür, daß man neben den Erzeugnissen des Reisbaues noch etwas anderes zu essen habe. Jede hat ihren Kuhhirten und viele, namentlich früher, außerdem noch einen Fischer, einen Jäger und einen Vogelsteller. Seit dem 8. Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung verbieten allerdings die brahmanischen Speisegesetze den Genuß des Fleisches, doch werden Ausnahmen gestattet; das Fleisch haben die Dorfkommune aufgelöst, namentlich dadurch, daß sie die Steuern nicht nach Dörfern, sondern nach Individuen vertheilten, sowie dadurch, daß sie den Grund und Boden der Gemeinden den bisherigen Steuererhebern, den Zemindars, als Eigenthum zuwiesen, um aus diesen eine Stütze der Regierung nach Art des englischen Adels zu machen. Die Bauern wurden plötzlich aus Mitgliedern und Miteigenthümern einer Kommune zu besitzlosen Pächtern gemacht von denselben Leuten, die in London ein elfjähriges Mädchen hängen ließen, weil es ein Taschentuch gestohlen hatte. Der einzelne Bauer hat jetzt nicht mehr die Mittel, die Bewässerungskanäle und Reservoirs in Stand zu halten. Die englische Regierung ihut nichts dafür, so verfallen sie, und wenn Zeiten der Dürre kommen, bricht eine jener entsetzlichen Hungersnöthe aus, wie sie jetzt fast jedes Jahr vorkommen, die aber unter der Herrschaft des Kommunismus unbekannt waren. Warren sagt in seinem L'Inde Anglaise II. 310:„ Die Engländer haben keinen Brunnen gegraben, keinen Teich angelegt, keinen Kanal gezogen, feine Brücke gebaut zum Wohle ihrer indischen Unterthanen. Sie haben keine Straßen gebaut, außer für das Militär. Man unternimmt nicht nur nichts Neues, sondern läßt das Alte verfallen. Mit den Teichen und Kanälen verschwindet auch die Kultur und die Bevölkerung, das Land wird eine Wüste. In einem einzigen Distrikt der Präsidentschaft Madras, in North Arcot, war die Zahl der in einem Jahre zu Grunde gegangenen Teiche nicht weniger als 1,100, nachdem der Distrikt nicht länger als ein Vierteljahrhundert unter englischer Oberhoheit gestanden." Wie segensreich wirkt doch das Privateigenthum! zu einem anderen Urtheil über die Stellung und Haltung unserer Partei nicht gelangen kann. Im Die Abgeordneten unserer Partei werden durch die Thatsache, daß sie ein Mandat besitzen, nicht zu einer Verletzung des Parteiprogramms, nicht zu einer Verleugnung der Parteibeschlüsse berechtigt. Gegentheil, gerade der Besiz des Mandatslegt ihnen erst recht die Pflicht auf, das Parteiprogramm auf das Gewissenhafteste einzuhalten, die Parteibeschlüsse auf das Gewissenhafteste zu befolgen. Das Partei programm kommt hier nicht in Frage. Es ist von keinem Parteigenossen, sei er Abgeordneter oder nicht, in Frage gestellt worden. Und konnte und kann nicht in Frage gestellt werden, aus dem sehr einfachen Grunde, weil die Anerkennung des sozialdemokratischen Programms die Mitgliedschaft der sozialdemokratischen Partei bedingt. Wer dieses Programm nicht anerkennt, ist einfach kein Sozialdemokrat, habe er ein Mandat oder nicht. Was in Frage kommt, ist ein Partei beschluß. Der Wydener Kongreß, welcher die oberste, die maßgebende Vertretung der deutschen Sozialdemokratie so lange ist, bis ein anderer allgemeiner Parteikongreß tagen wird, hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, daß der in Zürich erscheinende„ Sozialdemokrat" das offizielle Organ der deutschen Sozialdemokratie ist. An diesem Beschluß läßt sich nicht rütteln. Möglich, daß der Eine oder Andere, der sich für einen guten Sozialdemokraten hält, vielleicht auch es ist, dies und jenes an der Haltung des Sozialdemokrat" auszusetzen hat allein das kann an dem Verhältniß des„ Sozialdemokrat" zur sozialdemokratischen Partei Deutschlands nichts ändern. Der„ Sozialdemokrat" ist und bleibt, kraft Kongreßbeschluß, das offizielle Organ der deutschen Sozialdemokratie. Und diese unumstößliche Thatsache muß von jedem deutschen Sozialdemokraten anerkannt werden. Wenn ein deutscher Sozialdemokrat diese Thatsache in Abrede stellt, so setzt er sich in Widerspruch mit dem vollgültigen Kongreßbeschluß und verletzt diesen. Durch eine solche Verläugnung ist nicht die Stellung des " Sozialdemokrat" zur Partei berührt, sondern höchstens die Stellung des Verlängners zur Partei. Was nun Hasenclever aubetrifft, so wird Ihnen ein Blick in den stenographischen Bericht zeigen, daß derselbe weit davon entfernt gewesen ist, den„ Sozialdemokrat" zu verläugnen. In dem Brief, den ich Ihnen vergangene Woche schrieb, wurde schon zugegeben, daß einige Ausdrücke in der Rede Hasenclever's glücklicher hätten gewählt sein können, allein Sie selbst haben ja, und mit Recht, gesagt, daß es im Feuer der Debatte nicht immer möglich ist, den treffenden Ausdruck für einen richtigen Gedanken zu wählen. Der einzige Fehler, den Hasenclever begangen hat, und den er bedauert, ist ein lapsus linguae, eine Unterlassungs sünde, indem er an der Stelle, wo er sagt, daß die deutsche Sozialdemokratie keine Organe habe, vergaß hinzuzu fügen: im Inland. Mit diesem Zusatz ist die Erklärung durchaus forrekt." In Bezug auf Blos ist unser Mitarbeiter gleich uns der Ansicht, daß dessen Ausführungen nicht korrekt waren und einer Richtigstellung bedürfen. Wir wissen nicht, ob Blos der obenerwähnten Fraktionsfizzung beigewohnt hat. Ist dies der Fall oder erklärt Blos ausdrücklich seine Zustimmung zu dem betreffenden Fraktionsbeschluß, so ist dieser Zwischenfall für uns erledigt. Ueber die Fraktionssitung unserer Abgeord neten, in welcher die Stellung zu den staatssozialistischen Plänen Bismarcks berathen wurde, laufen verschiedene Berichte durch die Zeitungen. Wir können hier nur konstatiren, daß an der prinzipiellen Stel lung unserer Partei, wie sie in der letzten Reichstagssession durch Bebel und Liebknecht, gelegentlich des Unfallversicherungsgesetzes ausführlich dargelegt wurde, nach wie vor festgehalten wird. Unsere Abgeordneten werden den Gegnern nicht den Gefallen thun, sich mit dem bloßen Neinsagen zu begnügen, sondern wie bisher, wo es ihnen zweckmäßig erscheint, durch passende Amendements die Herren ,, Arbeiterfreunde" zwingen, Farbe zu bekennen. Gelegenheit dazu wird sich bald bieten. Die Jnterpellation Hertling betr. der Fabrikgesetze wird in der ersten Sitzung nach den Ferien zur Debatte kommen, und wird von unserer Seite, wie wir hören, Grillenberger dazu das Wort nehmen. Ferner bereiten bekanntlich die Fortschrittler einen Entwurf auf Aufhebung des Haftpflichtgesetzes vor, und die Regierung wird es sich auch nicht nehmen lassen, ihre Arbeiter unfallversicherungsvorlage auf's Neue zu präsentiren. Bei allen diesen Veranlassungen werden unsere Freunde im Reichstage am Platze sein und verhindern, daß unter der Maste von sozialen Reformen" irgend welcher Humbug dem Volke aufoktroirt wird. Aus Dresden wird uns unterm 21. Dezember geschrieben: Die Polizei und Justizschurkereien sind in Sachsen noch immer an der Tagesordnung. Deutsche Volksvertreter werden hier wie Vagabonden von Ort zu Ort gejagt und ehrliche Arbeiter werden in's Gefängniß geworfen und von der Polizei geschunden, selbst dann, wenn sogar sächsische Richter ihnen nichts in die Schuhe schieben können. So wurde der Genosse Kayser, nachdem er bereits aus Dresden ausgewiesen war, auch noch aus dem ganzen Distrikt unserer Landespolizeibehörde ausgewiesen, damit er sich ja nicht in Pieschen oder Striesen aufhalten könne. Unser Kreishauptmann, den während der letzten Hundstage ein toller Hund gebissen hat, und der deshalb zuweilen ſeltder Raubvögel, einiger Fische, des Rhinozeros und Krokodils darf gegeffen werden. Der Mensch verlangt aber nicht nur nach Essen und Trinken, sondern auch nach Sicherheit. Die Herrschaft des Privateigenthums außerhalb der Kommune erzeugt Diebe und Räuber. Der Tallier hat daher das Dorf vor denselben zu bewahren und für sicheres Geleit der Reisenden bis zur nächsten Gemeinde zu sorgen. Zur Sicherung vor schädlichen Thieren dient der Schlangentödter. Wer trotzdem Malheur hat, wird vom Arzt der Dorfkommune geheilt. Zur Gesundheit gehört indeß nicht nur der Arzt, sondern auch Reinlichkeit. Ein Wäscher und ein Barbier sind da, diesem Bedürfnisse zu genügen. Ist der Mensch satt und sicher, dann erwachen weitere Bedürfnisse in ihm. Er sucht die ihn umgebende Welt zu erforschen, ihre Gesetze zu erkennen, er will wissen. Auch diesem Wissensdrang wird die Gemeinde gerecht, natürlich in der ihrer Kulturstufe eigenen Weise. Der urwüchsigste Versuch, die uns umgebende Welt zu erklären, ist die Religion. Der Inder ist daher mit einem Brahmanen zufrieden. Neben ihm hat er aber einen Schullehrer für die heranwachsende Jugend.*) Aber mit alledem ist die Dorfgemeinde noch nicht zufrieden. Sie verschafft ihren Mitgliedern Kunstgenüsse, soweit sie für ihre Kulturstufe nur möglich find: Oper, Ballet und Schauspiel. Die Kommune hat einen Musiker, ein Tanzmädchen und einen- Dichter, der theils selbst bei festlichen Gelegenheiten Gedichte zu machen, namentlich aber Abends, nach der Arbeit, der versammelten Gemeinde die alten Epen und Legenden vorzutragen hat. Analog dieser Gemeinde wird auch die freie Gesellschaft konstituirt sein. Eine Regierung eristirt in der indischen Kommune nicht. Auch der Dorsvorstand ist nur einfacher Beamter der Gemeinde, dem die anderen Funktionäre beigeordnet, nicht untergeordnet sind. Jedem wird vom Gemeinwesen sein Wirkungskreis bestimmt, für dessen Ausfüllung er ihm wiederum verantwortlich ist. Von einer Anarchie ist keine Spur. *) So lange die Dorfkommune in Indien intakt bestand, hatte jedes Dorf seine Schule. Jetzt ist es anders geworden. Die Engländer thun nur äußerst wenig für den Unterricht der Kinder der Weißen und Eurasier ( Mischlinge). Für den Unterricht der Eingeborenen wird so gut wie gar nicht gesorgt. Im englischen Indien, welches an 200 Millionen Menschen zählt, besuchten 1858 166,742 Kinder die Schule! Wie barbarisch und fulturfeindlich ist doch der Kommunismus! same Anfälle bekommt, fürchtete, Kayser könne von Dresdens Umgebung aus die hiesige öffentliche Ordnung und Sicherheit untergraben. Damit Kayser dies nicht schon vor seiner Abreise thun möge, folgten ihm, als er aus dem Kerker entlassen war, stets zwei Mann, darunter der durch seine Frechheit berüchtigte Gendarm Fichtner nach und gingen in jedes Restaurant, ja in jedes Pissoir, welches Kayser betrat, um seine umstürzlerische Thätigkeit zu beobachten. Nahm Kayser eine Droschke, so fuhren sie ihm nach, und als sie durch unsern Parteigenossen, dem die Sache schließlich Spaß machte, einmal mystifizirt wurden und den Verfolgten aus den Augen verloren, waren sie ganz unglücklich. Der Minister des Innern wird mit diesen ihren unglücklichen Gefühlen wahrscheinlich auch die projektirte Anstellung von 40 neuen Polizisten motiviren, damit fünftig 10 Mann statt nur zwei für solche Spürhundsdienste vorhanden find. Schlimmer noch als Kayser erging es dem Arbeiter Tröger. Derselbe hatte seinem Schwager den„ Sozialdemokrat", den er mit jenem abonnirte, zugesandt, im vollen Bewußtsein, damit etwas durchaus gesetzlich Erlaubtes gethan zu haben. Aber das Gesetz schützt nicht vor polizeilichen Brutalitäten. Die von Tröger versandte Nummer wurde auf der Post gestohlen und an die Polizei abgeliefert. Darauf wurde bei Tröger eine große Haussuchung gehalten und derselbe, als er eben zur Arbeit gehen wollte, verhaftet und in's Polizeigebäude geschleppt. Dort wurde er mit Vagabonden zusammengesperrt und seine Taschen nochmals visitirt. Bei diesem Geschäft schrie der Kommissär Paul, welcher sich in Gesellschaft gern als anständiger, fast gebildeter Mann aufspielt, im Amte aber seinen wahren Charakter zeigt, den Gendarmen zu:„ Habt Ihr ihn schon untersucht, ob er Läuse hat?" Ueber diese Rohheit einem anständigen Manne und politisch Sistirten gegenüber errötheten selbst die gemeinen Gendarmen. Nachher wurde Tröger an die sogenannte Justiz abgeliefert, welche ihn bereitwilligst einsperrte und eine„ Untersuchung" begann, um den Gefangenen in Haft behalten zu können. Die Untersuchung dauerte vier Wochen, wäh rend derselben blieb Tröger seiner Familie entzogen, konnte derselbe kein Brod verdienen und wurde als Verbrecher eingesperrt gehalten. Vorige Woche endlich fand die Verhandlung gegen ihn statt, und er mußte selbstverständlich freigesprochen werden, da absolut nichts Strafbares auf ihn zu bringen war, ja von der Amtsanwaltschaft etwas Strafbares nicht einmal als vorhanden behauptet werden konnte. Und deshalb vier Wochen Untersuchungshaft, während eine hiesige Bourgeoisehefrau, welche wegen Verleitung zum Meineid ein Jahr Zuch thaus erhielt, sowohl vor als nach der Verurtheilung frei herumläuft. Einer unserer Untersuchungsrichter, welche solche Streiche verüben, hat übrigens bald ausgespielt. Der Assessor Dr. Flech sig, sehr gesinnungsverwandt mit dem im Zuchthause fizzenden Chemnitzer Assessor Dr. Böhmert, hat, wie dieser, Schulden halber Unterschlagungen im Amte gemacht, und wenn die Sache auch bis jetzt noch vertuscht wird, dürfte sie doch bald durch die Uneinigkeit der juristischen Spizbuben untereinander an's Licht gezogen werden. Kanaillen! Genosse D. Lehmann in Pforzheim, den Polizei und Bourgeoisie in edlem Bunde systematisch um seine Eristenz zu bringen bestrebt sind, war vor Jahresfrist von dem„ Sozialrevolutionär" Christian Mayer denunzirt worden, daß er der Zürcher Richtung angehöre und den Vertrieb des„ Sozialdemokrat" sowie verschiedener verbotener Flugblätter geleitet habe. Am 10. Dezember fand nun vor der Karlsruher Strafkammer die Verhandlung statt, in welcher " Zeuge" Mayer, nachdem er den Eid geleistet, behauptete, daß er von dem Angeklagten nichts wisse, er habe damals verschiedene Angaben nur deshalb gemacht, um vor den ungebührlich in ihn dringenden Polizeiorganen Ruhe zu haben. Er konnte sich der theilweise verlesenen Angaben entweder nicht mehr erinnern oder stellte sie ganz in Abrede. Die Zeugen Polizeikommissär Häußer, Kriminal- Sergeant Stier und Gendarmeriewachtmeister Guggenbühler von Pforz heim konstatirten, daß Mayer damals selbst wegen nachgewiesener Verbreitung verbotener Schriften verhaftet, verschiedene Angaben über den Angeklagten freiwillig gemacht habe, daß aber sie selbst bei der eifrigsten Nachforschung keine dem Angeklagten zur Last zu legende Spur entdeckt hätten; Polizeikommissär Häußer betonte ausdrücklich, daß er den Angeklagten als soliden und anständigen Mann kenne. Herr Staatsanwalt Arnold von Pforzheim führte kurz aus, daß er zwar nicht glaube, daß der Angeklagte so unschuldig sei, wie er sich hinstelle, indem derselbe Hauptführer der Sozialdemokraten in Pforzheim sei, da jedoch ein Beweis nicht erbracht sei, so sei nur der angeführte Brief nach Neuenbürg in Betracht zu ziehen, er erblicke darin eine strafbare Handlung und wenn der Gerichtshof derselben Meinung sei, beanspruche er eine angemessene Gefängnißstrafe. Der Vertheidiger des Angeklagten beantragte nach kurzer, der Beweisaufnahme entsprechender Vertheidigung Freisprechung. Nach halbstündiger Berathung, während welcher das zahlreich anwesende Publikum auf Freisprechung wettete, wurde das Urtheil verkündigt, das auf 5 Monate Gefängniß lautete. In den Gründen ist hervorgehoben, daß zwar dem Angeklagten eine direkte Verbreitung nicht nachgewiesen werden könne, derselbe sei aber früher hervorragendes Mitglied, sogar Vorstand der sozialistischen Partei, des verbotenen Arbeitervereins, Gewerkvereins 2c. 2c. gewesen, habe eine Wirthschaft gehabt, in welcher die Sozialdemokraten verkehrten, somit sei mit Be stimmtheit anzunehmen, daß er um die Verbreitung Sowie jede Familie verpflichtet ist, den ihr zugewiesenen Grund und Boden nach den Vorschriften der Gemeinde zu bebauen, so ist auch jeder Funktionär verpflichtet, sein Amt gewissenhaft zu verwalten, ebenso gewissenhaft, als es heute ein Beamter verwalten muß. Blos die anarchische Willkür der Regierung, den Beamten im Interesse der herrschenden Klassen zur Unterdrückung des Proletariats zu benutzen, fällt weg, und ebenso die anarchische Willkür jedes Besitzenden, seine" Leute nach Belieben zu benutzen und auszubeuten. Jeder hat an seinem Posten im Interesse des Großen und Ganzen zu wirken. Soweit sind sich die Verhältnisse der indischen Dorfkommune und der sozialistischen freien Gesellschaft gleich. Soweit gleichen sich auch die Erscheinungen, welche beide zu Tage fördern. Aber die historische Entwicklung hat Verhältnisse geschaffen, die der indischen Dorfgemeinde unbekannt sind, die jedoch von der freien Gesellschaft der Zukunft nicht ignorirt werden dürfen. Es wäre demnach Wahnsinn, die letztere ganz auf dem Fuße der ersten einrichten zu wollen. Das Gemeinwesen hat die Produktion zu organisiren. Wie ganz anders als in der Dorfkommune muß sich aber diese Organisation heutzutage gestalten, angesichts der kolossalen Entwicklung moderner Technik. Die Arbeitstheilung erstreckt sich nicht mehr auf einzelne Personen, nicht einmal auf einzelne Gemeinden, nein, auf die ganze Nation, ja auf den ganzen Kreis der Nationen, die der modernen Kultur angehören. Soll die Waarenproduktion beseitigt und an ihre Stelle wieder die Erzeugung von Gebrauchswerthen gesetzt werden, so müssen auch, wie in der Familie oder der indischen Gemeinde, sämmtliche Arbeitszweige wieder vereinigt, unter eine höhere Einheit gebracht werden. Dies ist nicht möglich innerhalb der Kommune oder Gruppe, sondern nur innerhalb eines größeren Kreises. Diesen größeren Kreis bietet uns die historische Entwicklung, welche die provinzielle Abschließung beseitigt hat, in der Nation, mit dem Hinweise auf die kommende Vereinigung der Nationen zu einer noch höheren Einheit. Nur auf nationaler Grundlage, mit Beseitigung der nationalen Abschließung, kann die freie Gesellschaft die Produktion organisiren. Und wie mit der Produktion, ist es mit Kunst und Wissenschaft. Die freie Gesellschaft tommt mit einem Schullehrer und einem Brahmanen nicht aus, die Kommune hat aber namentlich, wenn der Dualismus von Stadt und Land verschwunden ist, unmöglich die Mittel, ihren Mitgliedern alle Hilfsmittel der modernen Wissenschaft, Hochschulen, Laboratorien, Sternwarten, medizinische und agrikulturelle Versuchsstationen, der verbotenen Schriften wisse, daß sie sogar von ihm ausginge und er Andere nur als Werkzeug be nützte u. f. w. Nach Begründung des Urtheils bemerkte Genosse Lehmann:„ Jetzt bin ich überzeugt, daß ich umsonst an das Gerechtigkeitsgefühl der Herren Richter appelirt habe, worauf ihm der Präsident unter Androhung sofor tiger Verhaftung Ruhe gebot. Die„ Südd. Post", der wir diesen Bericht entnehmen, fügt hinzu, daß sogar von den anwesenden Rechtsanwälten allgemein ausgesprochen wurde, daß hier die Gesinnung und nicht die That bestraft worden sei. Für die Elenden, welche ihr Richteramt zu so schmachvoller Klassenund Parteijuſtiz ausbeuteten, haben wir nur das eine Wort, welches wir dieser Notiz voransetzten: Kanaillen! Und wir machen es unseren Genossen in Karlsruhe zur Ehrenpflicht, dafür zu sorgen, daß die Namen dieser Kanaillen im Parteiorgan gebührend an den Pranger gestellt werden unter dem Motto: Nieder mit der Kanaille! Einen alten Schwindel tischt ein Soldschreiber der herrschenden Klassen in der ,,, arbeiterfreundlichen"„ Norddeutschen Allgemeinen" auf. Dieser Bursche, der sich Bruno Walden nennt, schreibt in seinem ,, Wiener Briefe": „ Daß ,, der Lurus der Reichen das Brod der Armen" sei, illustriren diese zauberhaft duftigen Gewebe, die eher aus den Händen der Fee Mab, als aus jenen armer Erzgebirglerinnen zu stammen scheinen, und wenn Prinzessin Ypsilanti die interessanteste Braut der Saison, die sich demnächst mit dem Prinzen Philipp von Hohenlohe- Schillingsfürst vermählt sich mit ihrer Spizengarnitur schmückt, so mag sie das Bewußtsein erfreuen, damit sechszig Personen ein Jahr lang Unterhalt gewährt zu haben! Nach dieser Salbaderei sollte man wirklich meinen, es sei ein besonderes Verdienst der„ interessanten" Prinzessin Ypsilanti, eine so kostbare Spizengarnitur zu tragen. Wenn statt 60 etwa 600 Personen ein Jahr lang für das eitle Frauenzimmer gearbeitet hätten, so wäre sein Verdienst noch zehnmal größer. Daß die 60 Personen statt dieses Lurus sehr nützliche Dinge anfertigen und absetzen konnten für die Millionen, die an den nothdürftigsten Kleidungsstücken Mangel leiden, wenn die„ interessante" Prinzessin Ypsilanti und die übrige fürstliche Sippschaft nicht den Schweiß jener Millionen eingeheimst hätten und noch einheimsten, das genirt so einen Lohnschreiber nicht. Wofür wird er denn bezahlt? Wenn diese verlogene Darstellung nur innerhalb des herrschenden Gesindels verbreitet wäre, wollten wir noch gar nichts sagen, aber leider finden sich im Volke immer noch Dumme, welche auf den Leim gehen und den Schwindel glauben! Die fortschrittlichen Hohenzollernknechte haben wieder einmal von ihrem Gößen einen allerhöchsten Fußtritt erhalten. Der geliebte Kaiser Wilhelm" hat seinem Puttkammer aus Anerkennung über seine Vertheidigung der Wahlschweinereien das Kreuz mit dem Komthurstern des Hausordens von Hohenzollern" verliehen. Profit Neujahr! Aus Hamburg wird uns entgegen einer von uns gebrachten Notiz berichtet, daß der Reichstagskandidat des dritten Hamburger Wahlfreises, Ernst Breuel, nicht zu denen gehört, welche die Erlaubniß erhalten haben, sich wieder in Hamburg aufzuhalten. Aus Oesterreich. Franz Joseph, der in seinem Leben keinen selbständigen Gedanken zu fassen vermocht hat, ist seit einiger Zeit eifrig bemüht, seinen„ erlauchten Bruder" Wilhelm, wo er nur kann, zu kopiren. Was dem Hohenzoller Bismarck, das ist dem Habsburger Taafe, nur mit dem Unterschied, daß der Erstere Kaiser von Bismarcks Gnaden ist, Graf Taafe aber Minister von seines Milchbruders Gnaden. Wie Wilhelm der„ königstreuen" Fortschrittspartei durch Bismard Fußtritte verabfolgen läßt, so Franz Joseph durch seinen Taafe der sogenannten Verfassungspartei. Neulich ist er sogar noch einen Schritt weiter gegangen und flegelte in allerhöchster Person eine Deputation der Triester Handelskammer ob der„ faktiösen Opposition" der Triester Abgeordneten au. Er hatte ja von Wilhelm gesehen, was man der liberalen Bourgeoisie heute Alles ungestraft bieten kann und richtig, die erschreckten Triestiner Abgeordneten betheuerten hoch und heilig, daß sie durchaus keine Aufrührer", sondern gute und getreue Unterthanen Sr. Majestät seien, und der Eine von ihnen legte sogar verzweifelnd sein Mandat nieder. Und so etwas nennt man Volks vertreter! " 1 So sicher er sich aber gegenüber der Bourgeoisie fühlt, um so größere Furcht hat Franz Joseph vor dem arbeitenden Volke. Daß er bei der Beerdigung der Verunglückten des Ringtheaters die Truppen konfigniren ließ, ist bekannt. Die Stimmung in den Massen war auch eine so drohende geworden, selbst der Philister rebellirte, daß nicht viel am Ausbruch eines offenen Aufstandes fehlte. Zum Glück für die Oberen hält die Erregung des Philisters nicht lange vor, und seit nun gar Franz Joseph angeordnet hat, daß an der Stelle des Ringtheaters eine Schule gebaut werden soll, ist er ganz aus dem Häuschen über den ,, guten Kaiser". Denn ,, Bildung muß sein!" Der Abgrund von Korruption und Gevatterschaftsunwesen, den der Feuerschein des brennenden Ringtheaters so grell beleuchtete, daß er selbst dem blödesten Auge sichtbar wurde, ist wieder vergessen, und die großartige Untersuchung, von der Anfangs geschwefelt wurde, wird mit der Abschlachtung einiger untergeordneter Opferlämmer zur Museen, Bibliotheken 2c. zu bieten. Dieß kann wiederum nur die Nation. Und nur die Nation vermag es, die Kunst auf der Höhe zu halten, welche sie erflommen, und sie weiterer Vervollkommnung entgegenzuführen. Es wäre absurd, von der indischen Kommune zu verlangen, sie solle ein Etablissement nach Art des Borsig'schen einrichten und die hiezu nöthigen Maschinen und Rohstoffe selbst liefern. Es wäre absurd, von ihr zu zu verlangen, sie solle Eisenbahnen zu den Nachbargemeinden bauen und im Betriebe halten; es wäre absurd, von ihr zu_ver= langen, sie solle eine Universität mit allen nöthigen Hilfsmitteln errichten, und ein Theater, sowie eine Kunstgallerie allen Anforderungen der modernen Kunst gemäß ausstatten. Ebenso absurd, als diese Forderungen aber ist es, die Kommune als die Basis der freien Gesellschaft hinzustellen. Nicht die Kommune, sondern die Nation wird die Basis derselben bilden. Weder die Judividuen, noch die Kommunen werden nach Belieben so viel von ihrer Freiheit an die Nation abzugeben haben, als sie es zu ihrem Wohlbefinden für nöthig erachten, sie werden nicht eine freie" Föderation mit einem modernen contrat social*) bilden, sondern die Nation wird den Kommunen und Individuen so viel Freiheit geben, als sie zu ihrem eigenen Wohlbefinden für nöthig erachtet. Nicht das Wohl des Einzelnen, nicht das Wohl der Gemeinde, das Wohl der Nation wird der höchste Zweck der freien Gesellschaft sein, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Salus reipublicæ suprema lex esto. Die freie Gesellschaft wird eine Föderation von Nationen und nicht von Gruppen oder Kommunen sein, deren Produktion nicht dem freien Belieben und der freien Gruppirung oder der sozialen Attraktionskraft überlassen sein, sondern unter der Leitung einer wohlorganisirten Verwaltung stehen wird. Die Beseitigung des Staats, die Entwicklung der freien Gesellschaft bedeutet also nichts weniger als eine Konzession an die Anarchisten. Symmachos. *) Gesellschaftsvertrag. allseitigen Befriedigung endigen. Der Tanz geht luftig fort, die Korruption greift immer weiter um sich, bis das arbeitende Volt sich stark genug fühlt, mit kräftiger Fauft der Schandwirthschaft ein Ende zu machen. Nachschrift. Franz Joseph hat sich zu guter Letzt noch eines Besseren besonnen und anstatt der Schule eine Kapelle an der Stätte des Ringtheaters gestiftet. Thut nichts, der Spießbürger läßt sich auch das gefallen. Vom 1. Januar ab wird unser belgisches Bruderorgan, Die, Voix de l'ouvrier", wieder erscheinen. Ein herzliches Willkommen dem tapfern Streiter! Aus Frankreich. Die Bourgeoisrepublik macht sich. Der Schwindel blüht noch ärger als unter dem Kaiserreich, und die heilige" Ausbeuterfreiheit feiert ihre wüftesten Orgien. Der Streif der Grubenarbeiter von Grand- Combe( Departement Gard) hat wieder einmal gezeigt, wie unersättlich die Kapitalistenbestie ihr Aussaugungswerk betreibt. Die Aftien dieser Gesellschaft im Nominalwerthe von 500 Franten standen im November über 2650 Franken. Das genügte aber den Ausbeuterseelen noch nicht. Schon hatten sie durch allerhand Manipulationen die Löhne herabgeschraubt und die Arbeitszeit verlängert, die Arbeiter grollten, aber sie fügten sich. Das ermunterte die Direktion und plötzlich ließ sie den Arbeitern bekannt machen, daß sie auf jedes geförderte Quantum Kohle den vierten Theil für Abfälle, Steine 11. s. m.( barjac) vom Lohne in Abzug bringen werde. Diese Unverschämtheit schlug dem Faß den Boden aus, und 4,000 Bergleute stellten entrüstet die Arbeit ein. Um die„ bethörten" Arbeiter wieder zu willigen Kapitalsklaven zu machen, schickte man zunächst Pfaffen und Priester vor; Die Arbeiter aber rochen Lunte und empfingen die Gottesmänner mit dem Rufe: A bas la calotte!( Nieder mit der Priestermütze), worauf dieselben im Bewußtsein ihrer gerechten Sache verdufteten. Im Uebrigen aber bewahrten die Arbeiter die äußerste Ruhe, denn sie kannten ihre Pappenheimer. Und richtig, von allen Seiten trafen auf Anordnung der Regierung Truppen ein, um wer lacht da! die ,, bedrohte Freiheit der Arbeit zu schützen". In Wahrheit aber sollten die Arbeiter zum offenen Aufstand gereizt werden, damit sie um so wirksamer zur Ruhe gebracht werden konnten. Die Ordnungsbestie leckt schon längst nach Arbeiterblut. Es wurden daher zunächst die willkürlichsten Verhaftungen vorgenommen, die zahlreich Verhafteten in einen Stall eingesperrt und geradezu empörend behandelt. Trotzdem hielten die Arbeiter die Rnhe aufrecht ihre Frauen aber veranstalteten eine große Demonstration, indem sie im großen Zuge, die Fahne voran, von den Höhen von Grand Combe herabzogen, allüberall mit dem Rufe: Es leben die Arbeiter, es lebe der Streif!" empfangen. Die Sympathie des Volkes ist natürlich auf Seite der Streifenden, sogar der radikale Deputirte des Departements, Herr Desmons, hat sich in anerkennenswerther Weise für die Arbeiter ins Zeug gelegt. Als dieser Herr mit seinen Kollegen Bousquet eine Audienz bei Gambetta nachsuchten, um von diesen eine Verfügung behufs Zurückziehung der Truppen zu erwirken, ließ sie der edle Börsenmatador gar nicht vor. Er, der unter dem Kaiserreich bei dem großen Streik in Creuzot vor edler Entrüstung überschäumte, als der Präfekt Napoleons III. dieselbe Schufterei beging, als jetzt sein Präfekt; er, der damals eine seiner großartigsten Reden gegen derartige Provokationen, gegen die Verletzung der Gerechtigkeit redete! Freilich, heute sieht er die Sache von der anderen Seite an, und da scheint es ihm gerecht", die Arbeiter im Zaume zu halten, damit er und seine Raubgenossen sich besser mästen können! Leider scheinen die Manipulationen der Behörden, die Einschüchterungen aller Art ihren Zweck zu erfüllen, ein Theil der Arbeiter ist schon wieder zur Arbeit zurückgekehrt. Schuld daran scheint vor Allem der Umstand zu sein, daß die Verwaltung der Gesellschaft den Zwischenhandel abgeschafft, d. h. selbst in die Hand genommen hat und die Arbeiter so doppelt ausbeutet und um so wirksamer fnechtet. Eine Einrichtung, welche den Ausbeutern jährlich 350,000 Franken einbringt. Für die Arbeiterpartei wird dieser Streik ein weiterer Sporn für die raftlose Agitation und Organisation sein. Sie hatte in jüngster Zeit verschiedene kleinere Erfolge zu verzeichnen. In Dijon hat sie bei der Wahl zum Gemeinderath ihren Kandidaten durchgesetzt, bei der Nachwaht im 18. Arrondissement von Paris ist ihre Stimmenzahl seit der Augustwahl von 977 auf 2774 Stimmen gestiegen. Das ist ein sehr erhebliches Resultat, wenn man berücksichtigt, daß der Gegenkandidat Lafont, seiner Zeit Opfer des Staatsstreiches, ein fast sozialistisches Programm aufgestellt hatte und auch von den Zeitungen als Sozialist bezeichnet wurde. Genosse Malon befindet sich wieder auf freiem Fuß, da Rochefort die Kaution für ihn gestellt hat. Aus Rußland. Weniger bekannt, als das Umsichgreifen des revolutionären Geistes in den Städten ist die Bewegung in der ländlichen Bevölkerung Rußlands. Die Agenten der„ Narodnaja Wolja" theilen darüber aus den Provinzen bedeutsame Thatsachen mit. Im ganzen Wolgagebiete wurden die Aufrufe des Exekutivkomites eifrig verbreitet. Sie erregten in der Bauernschaft die lebhaftesten Diskussionen. Jede Gelegenheit, die Aufrufe zu lesen, wurde benutzt, oft dieselben sogar in den Gemeindeversammlungen( 3schod) öffentlich vorgelesen. Ja, sie gaben selbst Veranlassung zur Wahl von Deputirten, die mit Geld versehen wurden, um nach Petersburg zu gehen. Die Beamten suchten natürlich solche Unternehmungen durch alle nur möglichen Mittel zu hintertreiben, nicht immer aber ließen sich die Bauern von ihrem Vorhaben abbringen. Aus Sarato w wird gemeldet, daß dort der Aufruf den Weg in eine Kaserne fand, wo er einen äußerst günstigen Eindruck auf die Soldaten macht. In Woronesch erwartet nach den Mittheilungen dortiger Genossen die Bauernschaft des ganzen Gouvernements eine demnächstige Neutheilung des Bodens, und im Gegensatz zur älteren Generation erwartet die junge die Initiative dazu nicht mehr vom Zaren. Die Attentate und politischen Vorgänge der letzten Zeit werden hier lebhaft besprochen und mannigfach gedeutet. Die Familie des Zaren ist in Woronesch wohlbekannt, da sie in diesem Gouvernement mehrere Güter besitzt, welche sie, namentlich wegen Jagden, öfters besucht. Schamloſe Angriffe auf die Sittlichkeit der Bauernfrauen und Bauernmädchen zeichnen jeden dieser Besuche ,, Väterchens" aus und machen eben nicht Propaganda für ihn und seine Leute. Im Gouvernement Jaroslaw wurden bei der Durchreise des Kaisers im Sommer alle irgendwie Verdächtigen verhaftet, im dortigen Lyceum sämmtliche dort anwesenden Studenten, die man im Gemeindehause einsperrte. Aus der Krim, dem Geburtsorte der Perowskaja und Sheljabow werden zahlreiche Verhaftungen berichtet, unter Anderen die des Bruders der Perowskaja, Wassil, der noch bis jetzt in Untersuchungshaft sitzt, obgleich sein einziges Verbrechen darin besteht, der Bruder seiner Schwester zu sein, In Simferopol wurden mehrere mehr oder weniger hochgegestellte Beamte wegen des Verbrechens politischer Umtriebe ver haftet. Als charakteristisch wäre noch zu erwähnen, daß der Neffe des Marineoffiziers Suchanow, ein fünfjähriger Knabe, verhaftet und einem ausführlichen Verhöre unterworfen wurde. Von Väterchens Milde und Gerechtigkeitsfinn zeugt sein Verhalten gegenüber den Anklagen wegen Majestätsbeleidigung. Im Departement der Staatspolizei waren vom 1. März bis zum 1. September nicht weniger als 2508 solcher Anklagen und Denunziationen eingelaufen. Um dieser Ueberbürdung der Gerichte abzuhelfen, beschloß Alexander III. alle Angeklagten zu begnadigen? nein, sondern ohne Urtheils spruch auf administrativem Wege nach Sibirien zu senden, das sind die„ Reformen" des neuen Zaren. An Beiträgen sind vom 1. März bis zum 25. Juli 1881 in der Kaffe der„ Narodnaja Wolja" 22,987 Rubel eingegangen, darunter zwei Spenden von je 2000 R., mehrere von je 500, viele von 100 und 200 bis zu einem Rubel herab. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. Bielefeld, 25. November. Nachdem sich die Wogen des Wahlsturmes etwas gelegt, dürfte es wohl am Platze sein, auch über die Wahl, sowie deren Gang und Bewegung aus hiesiger Gegend Näheres zu berichten. Wie ich schon im vorigen Bericht erwähnte, hatten unsere gemeinsamen Gegner, die Fortschrittler und Liberalen sowohl als auch die KonservativUltramontanen feine Ahnung davon, daß auch wir uns selbstständig an der Wahl betheiligen würden, doch irren ist menschlich, das sollten auch unsere gemeinsamen Gegner erfahren, denn zum nicht geringen Schrecken dieser Angstmeier wurde unserseits am Sonnabend vor der Wahl, den 22. Oftober Abends, das erste Flugblatt im ganzen hiesigen Wahlkreise Bielefeld Wiedenbrück planmäßig Haus für Haus verbreitet, in welchem der Tischler Wilh. Pfannkuch aus Kassel als Kandidat proklamirt und zu dessen Wahl aufgefordert wurde, und am Sonntag den 20. Oft. trat Genosse D. Hegemann in einer Wählerversammlung in dem nahegelegenen Dorf Schildesche dem fortschrittlichen Kandi daten des hiesigen Kreises, Herrn Justizrath Bachmann II., unter allgemeinem Beifall entgegen, was zur Folge hatte, daß diese Helden des Fortschritts, nachdem sich Genosse D. Hegemann zum dritten Male zum Wort gemeldet hatte, die weitere Diskussion abschnitten und die Versammlung plötzlich schlossen! Den Bericht, den das hiesige fortschrittliche Blatt( der Wächter) über die erwähnte Versammlung brachte, war, wie zu erwarten stand, ganz entstellt. Als nun gar am Dienstag den 25. Oktober Abends das zweite Flugblatt von uns verbreitet wurde, welches die jetzigen Zustände und Parteistellungen noch schärfer beleuchtete, war die Wuth dieser Spießer und Angstmeier bis auf Höchste gestiegen und verschiedene dieser Volksbeglücker sahen schon im Geiste den Galgen errichtet oder den Richtblock aufgestellt, wo die Verfasser dieser Flugblätter, welche noch obendrein die Dreiftigkeit hatten- ihren Namen unter die Flugblätter zu setzen, unschädlich gemacht würden. Doch zu ihrem Aerger geschah nichts von Alledem, als daß das zweite Flugblatt von der Regierung zu Minden auf Grund des Sozialisten Gesetzes verboten wurde, und zwar am 1. November. Am 7. Nov. wurde noch bei Genossen D. Hegemani wieder einmal gehaussucht und nichts gefunden, auch wurde Hegemann einige Tage nachher zum Verhör vorgeladen und vernommen, indeß erfolglos. Welche Aufregung in spießbürgerlichen Kreisen unser Vorgehen bei der Wahl hervorrief, geht aus Folgendem hervor. Das hiesige Bielefelder Tageblatt schrieb unterm 26. Oktober: " Die Sozialdemokraten überschwemmen jetzt förmlich Bielefeld mit Wahlaufrufen. Im Laufe des gestrigen Tages ist wiederum ein neues Blatt erschienen, welches wie das erste gleichfalls bei A. Vogel u. Co. in Braunschweig gedruckt sein soll, dagegen diesmal von D. Hegemann als im Auftrage der Wähler des Wahlkreises BielefeldWiedenbrück unterzeichnet ist. Der Wahlaufruf ermangelt nicht der kräftigsozialen und aufreizenden Stellen, von welchen wir nur die eine mittheilen wollen. Sie lautet:„ Denn wohl wissen sie es recht gut( die Ordnungsparteien und die Regierung), daß jene jeigen Attentäter( gegen das Leben Sr. Majestät unseres Kaisers) und namentlich der letzte derselben( Nobiling) ihre eigene Kreatur, ihr Nobiling war, mit dem die Arbeiterpartei auch nicht die geringste Gemeinschaft gehabt hat." Auffallend dreiste Geschichtsfälschung das! Der Wahlaufruf ist, wie uns mitgetheilt worden, fast von Haus zu Haus getragen, sowie auch unzählige Stimmzettel mit dem Namen des sozialistischen Tischlers in Kassel sind den Leuten in die Hand gedrückt worden, ja, sogar Frauen hat man damit beschenkt. Die Polizei ist allem Anscheine nach bemüht, dem Unfuge zu steuern. Am einfachsten wäre es, wenn das Druckereinest ausgenommen werden könnte. Doch wo befindet sich das? Unseres Wissens gibt es in Braunschweig gar keine Druckerei von Vogel u. Co." In Betreff des zweiten Angstrufs des Bielefelder Tageblatts sei erwähnt, daß diese Schlaumeier vor lauter Angst die zitivte Stelle aus dem Flugblatt noch gefälscht haben, denn in dem Flugblatt hieß es nicht, wie da berichtet, gegen das Leben Sr. Majestät unseres Kaisers, sondern einfach gegen das Leben des Deutschen Kaisers. Und was die Bemerkung in Betreff der Druckerei von Vogel u. Co. anbelangt, so war dieselbe nur darauf abgesehen, die Wähler gegen uns aufzuhetzen und glauben zu machen, wir betrieben eine Art fürchterlicher Verschwörerei. Doch die Wähler ließen sich nicht graulich machen, denn die Abstimmung ergab, daß für unsern Kandidaten, Tischler Wilhelm Pfannkuch in Kassel, 1148 Stimmen abgegeben waren, gegen 823 im Jahre 1878. Als besonders erfreulich ist zu bezeichnen, daß auch die Landbevölkerung sich mehr zu uns herüberneigt. So wurden in dem Dorfe Schildesche und Umgegend, wo bei dem günstigsten Wahlgange 1877 zirfa 40 Stimmen auf unsern Kandidaten gefallen waren, diesmal 79 Stimmen für uns abgegeben, und in Wiedenbrück, wo es die Fortschrittler bis auf 14 Stimmen brachten, erhielten wir 50 Stimmen, gewiß ein erfreuliches Resultat. Hätten sich nicht einige hiefige Tabaksarbeiter auf die fortschrittliche Leimruthe locken lassen und für den Fortschritts Kandi daten gestimmt, um die Einführung des Tabakmonopols dadurch zu verhindern, und wären nicht mehrere tüchtige Genossen, namentlich aus Rheda, ausgewandert, so hätte sich die Zahl der für uns abgegebenen Stimmen noch um ein Bedeutendes erhöht. Das Gesammtresultat des hiesigen Wahlkreises Bielefeld- Wiedenbrück ist: V Geheime Justizrath Marcard, konservativ- ultramontan 7930 St. Justizrath Bachmann II., liberal- fortschrittlich, Tischler W. Pfannkuch, Sozialdemokrat 3819 1148 " 11 Ist auch die Zahl der für uns abgegebenen Stimmen gegenüber denen unserer Gegner noch klein, so gehört doch die Zukunft uns. Frisch auf, beginnen wir den Reigen, ist auch der Boden rauh und hart! Der Bielefelder Landkreis wird von orthodoren evangelischen Pfaffen beherrscht und im Kreise Wiedenbrück sind die Ultramontanen am Ruder, unsere Aufgabe ist daher nicht so leicht. Doch voran, voran die kühne Bahu, h- n. zu unserem Ziel hinan! Jever, 22. November. Die Wahlschlacht ist geschlagen, das Schlachtfeld zu übersehen. Ueberall, wohin wir auch blicken mögen, haben unsere Genossen sich trefflich bewährt. Auch wir im fernen Norden sind nicht müssig geblieben. Wir haben gezeigt, daß wir am Platze sind, wenn es gilt, für unsere Sache zu kämpfen. Es wurden in Wilhelmshafen und Umgegend 1100 Stimmen für Genosse Frick abgegeben, während die Gegner 1200 Stimmen auf sich vereinigten. Hier in Jever wurden 29 Stimmen für Frick abgegeben. Das GesammitResultat ist: Jm 2. oldenburgischen Wahlkreise 770 Stimmen, im 2. hannoverischen 448. Unsere Stadtväter wunderten sich nicht schlecht, daß unsererseits die Wahlurne bewacht wurde, es war das aber dringend nöthig, denn man ging so weit, daß man die Stimmzettel, welche mehrfach zusammengefaltet waren, aufrollte, so daß sie nur noch einmal zusammenlagen. Nun waren die Stimmzettel für Roggemann mit Fettschrift gedruckt, so daß man den Namen deutlich durchlesen konnte. Die Fortschrittspartei hat sich während des Wahlkampfes auch hier miserabel nannte Bartels dazwischen und meinte, er habe keine Zeit, dies Alles anzuhören! Das sind die Leute, die für das arbeitende Volk zu sorgen vorgeben. Wir aber gehen muthig vorwärts und kümmern uns um ihre Reden gar nicht! Und wenn jene Herren noch so ungern den bittern Stimmzettel in die Hand nehmen, er muß' raus aus der Urne. Diesmal waren es 29 bittre, das nächste Mal giebt's mehr, und dann fann so ein Herrchen recht oft sagen:„ Noch einen Bitter." Wir lachen dazu. Die Getreuen in Fever. Aus dem 23. sächsischen Wahlkreise. Die Anklagebank besetzen wiederum zwei Charakterlose. Es handelt sich um einen gemeinen Treubruch, begangen an unserer Partei, indem dieselben, entgegen dem auf dem Wydener Kongresse gefaßten Beschlusse, sich nach dem ersten Wahlgang, offenbar gegen flingende Münze, in den Dienst der Liberalen stellten, in der Absicht, dem Kandidaten derselben siegen zu helfen. Betreffender Kandidat aber war der Superindentent Landmann, ein schwarzkuttiger Jünger Bismarck's, der im Reichstage für das Sozialistengesetz gestimmt hatte und nach Erfüllung dieser seiner höchsten christlichen Pflicht bei der diesmaligen Wahl glänzend durchfiel, der konservative Staatsanwalt Dr. Hartmann rutschte an seine Stelle. Die Burschen, welche unsere Partei durch ihre ehrlose Handlungsweise öffentlich blosstellten, find: Rudolf Rammig und August Hartenstein. Wir haben es bei denselben mehr mit jenen überzeugungslosen, der brutalen Sinnlichkeit zuneigenden und mit der Sittlichkeit nicht genau nehmenden Individuen zu thun, welche die bloße Erkenntniß ihres eigenen überaus erbärmlichen Daseins in die Reihen der äußersten Opposition trieb, welche aber der Charakteranlage nach zur Bourgeoisie gehören. Um so gemeinggefährlicher können sie uns werden gegenüber den. Verlockungen des wohlfituirten Pöbels, und da wäre es wohl an der Zeit, daß das auf Treubruch bezügliche Urtheil, schon zur Warnung für noch ganz Andere nicht bloß auf Deffentliche Brandmarkung" lautete. Weckuhr. Nachschrift. Sende hiermit 3 Mark für 1. Quartal 1882 nebst drei Mark in den Inhaftirtenfond, bitte gefälligst zu quittiren. Letzteres ist der für die Aufstellung eines Sozialisten bewilligte Betrag, der fich natürlich unnöthig machte, nachdem man ohne mein Wissen einen Wuthschrei jedes radikalen Sozialisten provozirend mit den Fort schrittlern und Liberale gemeinsame Sache machte. Leider sind die Arbeiter auf den Leim gegangen und haben sich als Stimmvieh benutzen lassen, eine für ihre politische Heise sehr ungünstiges Zeichen. Wer aber einen Blick auf die bleichen, eingesunkenen Wangen und die hohl und düster blickenden Augen wirft, wer die in Lumpen gehüllten Kindergerippe mit den Kaffeewasserkrigen in die Fabrik wandern sieht, für den entsteht nicht erst die Frage: Wer trägt in erster Linie die Schuld? Briefkasten der Redaktion: Genossen in Stuttgart und Freiburg: Die Angelegenheit wird demnächst im Parteiorgan erledigt wer den, Ihr werdet dann ersehen, daß die Redaktion Niemanden das Recht der Vertheidigung abgeschnitten hat. der Expedition: Br. Lbrs. i. d. Haag: Fr. 4,85 Ab. 1. Qu. 82 2c. d. D. erh.-J. B. H. a/ B.: M. 3, Ab. 1. Qu. erh. Der Bekannte C. a/ Rh.: M. 50,- à Cto. Ab. erh. Weiteres bfl. am 22./12. 81. Lamezan: ö. fl. 10,92 à Cto. Ab. erh. B. wird weiter berichten. P. G.. Arnh.: Fr. 5,- Ab. 1. Semester 82 erh. F. R. R.: ö. fl. 3,40 f. Jhrb. erh. t- e Paris: Fr. 11,50 f. Schft. d. O. erhalten. 2 Bldr. v. Pt. mit 52 abgg. R. O. Paris: Fr. 10, d. Ufds. dkd. zugew., ebenso Fr. 1,60 d. Wfds.( siehe Fdsqttg.) Johannes B.: M. 6, Ab. 4. Qu. 81 u. 1. Qu. 82 erh. M. 4, lt. Fdsquttg. dkd. eingereiht. ,, Gleiches Recht f. Alle": M. 2,80 Ab. per Jan. u. Febr. erh. 50 nachgel. Adreßveränderung fünftig pünktlicher aumelden! Michael Stieber: M. 43, f. Abon. u. Schft. in Baar u. Gegenrech nung gutgebr. Mehrbestllung ab Januar vorgemerkt. Weshalb so tra gisch? M. B. Ehf.: Fr. 2, Abon. Januar 82 erhalten. -0- Hu: M. 59,30 à Cto. Ab. 2c. erh. Rothbart: Fr. 67,55 i. Gegenr. gutgebr. Ro ( statt M. 55,-) à Cto. Ab. erh. M. 2, K. Roßberg Court.: M. 25,90 bertsen: Fr. 2,- Ab. 1. Qu. 82 erh. durch B. i. S. Francisco erh. u. d. Ufds. dkd. eingereiht. G. E. Bldghs. M. 3, Ab. 1. Ou. 82 erh. Kohlheim: M. 15, durch H. erh. u. d. Agfds. dkd. zugewiesen. Rother Wolkenschieber: M. 75, à Cto. Ab. u. Schft., nebst M. 20,40 i. Gegent. gebucht. Weiteres It. Bf. vom 27./12. O. E. B.: M. 3,-- Ab. 1. Ou. erh. " " B. Liège: Bf. v. 26. am 28./12 beautw. Stets gradaus und dabei bleibts. Gruß! B. Justinus: Fr. 2, Ab. 1. Qu. 82 erh. V. W. Ahbdf.: Fr. 1, durch Notiz im Schw. M." nicht bekannt. Vbhdlg. f. d. Ufds. dkd. erh. Mrne Folgen fortan 60 u. 6 f. W. A. B. Bern: Zahlung müßt Ihr veranlassen, da keine Addr. dahin. Fr. 2, Ab. 1. Ou. 82 erh. Die Partei der fonzessionirten Ehrabschneider" hat Sie gerichtet? Herzl. Glückwunsch dazu! Feldhüter: Fr. 75, à Cto. u. Bf. v. 25. u. 26. erh. u. am 27./12. beantw. Weiteres in nächster Nr. Ferd.: Bf. v. 24./12 hier. Stimmt, wie mit 52 notifizirt. J. St. N.-Y. Gewisse„ Geschäftsrevolutionäre" plündern Freund und Feind gleichmäßig, natürlich uur im Namen der Rein erhaltung" des revolutionären Prinzipes". R. Sdl. hier: Fr. 2, Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Ph. Rcfr. Nuzwl.: Ph. Heidenr. Fr. 5, p. Ab. 1. Qu. 82 u. Ufds. dkd. benützt. Frontignan: Nur Fr. 5,25( nicht 5,50) Ab. 1. Qu. 82 u. Schft. erh. Geht hier stets pünktlich ab. Dorten bei der Post reklamiren! Frl. M. R. St. Gall.: Fr. 2, Ab. 1. Qu. 82 erh.-N. Y. Vtzg. NewYork.: Agit. Material von März 81 anlangend, wäre Aufschluß erwünscht Dank für Empfhlg. Gruß! Peter Knauer N.- York.:„ Kassiere mit Eile u. bezahle mit Weile"; haben Sie nicht Lust eine schwungvolle Abhandlung darüber im Bumbum" loszulassen? Die„ Spizbuben silhouetten" darin fangen ohnedies au recht sozialrevolutionäre Frisuren zu tragen. V. d. Walfischen 5,75 d. Ufds. dfd. zugew. Bgrmann: Mf. 1,60 Ab. 1. Qu. 82 d. B. erh. Durch uns zu beziehen: " Photographie von Sophia Perowskaja, der heldenmüthigen Vorkämpferin des russischen Volkes. Gestorben durch Henkershand am 15. April 1881. Preis: 1 Mark; für Arbeiter: 50 Pfennige. Der Reinertrag ist für Propagandazwecke der russischen Revolutions partei bestimmt. Ferner liefern wir: Der erste Hochverrathsprozess. vor dem Reichsgericht in Leipzig. Auf Grund der stenographischen Niederschrift der Verhandlungen herausgegeben von E. Künzel, Stenograph u. Red. der ,, Reichsgerichts- Korrespondenz", Preis: Mk. 1.20. Fr. 1.50 per Einzelexemplar. Bei Entnahme von 3 Exemplaren u. mehr: Mk. 1. Fr. 1.25. Franko, nur gegen baare Vorauszahlung. Expedition des ,, Sozialdemokrat". Zur Beachtung! benommen. Unter verschiedenen Vorwänden entzog sie unseren Genossen London Comm. Arbeiter- Bildungs- Verein in den von ihr einberufenen Versammlungen das Wort. So z. B. unserem Genossen Kuhn in Wittmund, sowie einem anderen Genossen in Trettens. Ju letzterem Orte hatte ein gewisser Bartels, Thierarzt, aus Jever den Vorsitz. Unser Genosse betonte, daß es nothwendig wäre, daß durchgreifende soziale Reformen im Interesse der Arbeiter nöthig wären, denn sich selbst zu helfen, dazu sei der Arbeiter heute viel zu gedrückt. Wenn der fortschrittliche Redner die gewerbliche Ausbildung hervorgehoben, möge er auch sagen, wo die gewerblich ausgebildeten Arbeiter Verwendung finden sollten. Das fönne er aber nicht. Da fuhr der ge49 Tottenham Street. Tottenham Court Road. Die Wirthschaft des Vereins ist geöffnet von Morgens 9 bis Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unsere Adresse zu achten. Der Vorstand. Schweiz. Vereinsbuchdruckerei Hottingen- Zürich.