Erscheint « ö ch«» t l i ch«inmal Zürich iTchweiz) slerlog tt. Herter, Hottingen. Zürich Kasinoftraße 3. Der SoMlkmoKrat PoZseiliüiuzr» franc o gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Toppelporto. Abonnements werden nur beim Verlag d».d dessen bekannten Agenten ent» gegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« VierteljahrSpreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzban Mk. 3— für Teutschland lCouvert fi. l. 70 für Oesterreich(Couvert Fr. 2. 50 für alle übrigen Länd des Weltpostvereins(Kreuzband). Kentrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie Inscritk Die dreigespaltene Petitzeile 25 StS. 20 Pfg. R? 3. Donnerstag, 12. Januar. 1882. Ali« au die Ksrrespoudeute« und Abouneutru de»„Soiialdemodrat". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland al3 auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an untz und unsere Zeitung?- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Brie'marder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adresfiren. sondern sich möglichst an irgendeine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größere, Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller ent. gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Unfern Abonnenten in der Schweiz zur gef. Kenntniß, daß wir diejenigen bisherigen Abonnenten, welche die Annahme unseres Blattes seit Beginn dieses Quartals nicht ablehnten, auch für das laufende Quartal als Abonnenten vortragen und Nachnahme mit Nr. 4 erheben werden, sofern bis zum 18. ds. M. die betreffenden Abonnementsbeträge nicht eingesandt wurden. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Für die Opfer des Sozialistengesetzes Igingen ein vom 16. November bis 31. Dezember 1881: Bieberich 4,—. Wiesbaden 26,50. Marburg Schiedsgericht 5,75. Köln, Vereintes Streben, Frohes Leben 30,—. Mars-Arnstadt 6,—. Altenburg 4,70. W. H. in W. 57,—. Potsdam 30,—. W. 2,—. Potsdam 15,—. Delitzsch 9,—. Gera 5,—. Brandenburg 25,—. Würzen 3,—. Breslau d. K. 65,60. Mittweida 6,—. Dresden 15,—. Karlsruhe 20,—. I. Leipzig 2,—. B. Kleinzschocher 2,05. Ludwigshasen 50,—. L. H. Leipzig 12,49 Zwickau 30,—. Schwarzenberg 5.—. Zwickau 30,—.(?) P. Leipzig 10,—. Schwerin i. Mecklenburg 14,50 und 22,36. Remscheid 31,60. L. H. Leipzig 11,54. Posen 15,20. Peine 6,05. Leipzig N. 315 C. 33,—. M. Gbb. Paris(Fr. 2,-) 1,60. F. W. F. Philadelphia, ges. bei der Leichenfeier des in Wilkesbarre ver- ungluckteu Gen. Gietzel ans Stötteritz(Fr. 51,80) 41,44 C. M. B. 5,— Kommerzienrath 2,-. B. d. Walfischen 2,—.„Weckuhr", urspriingl. siir Aufst. e. Soz. i. 23. sächs. Wahlkr. best. 3,—. Knorke 1,30. R. H. F, 5,—. H. N. H. 1,—. Gen. i. Paris d. O.(Fr. 14,—) 11,20. x. Sonntag i. W. D. �Fr. 2,40) 1,92. Deutsch. Arb.-Verein ZUrich, Ertrag e. Abendunierhaltung(Fr. 38,95) 31,16. Desgl. ges. beim Vor- trag v. Pros. K. Fr. 9,15) 7,32. Zürich Esr. für Bgr.(Fr. I,—) —,80. A. e. Pariser Atelier d. O. lFr. 10,—) 8,—. Johannes B. 3,—. K. Roßberg Cy.>Fr. 25,90) 20,72. B. W. i. A.(Fr. 1,—)—.80. O. E. i. B. 3,—. V. d. Walfischen ges. b. e. Abschiedsfeier 5,75. PH. R. i. Nzwl.(Fr. 1,-)-.80. Ph. H. i. F.(Fr.>,75> 1,40. Dr. W. A. 9,—. B. unserm„Deserteur"(Fr. 5,—) 4,—. C. A. B. B. London. Ertrag der Weihnachtsverloosung d. S. K.(Fr. 403,20) 322,56. D, Zürich, Meyerei(Fr. 1,20)— ,96. Deutsche Soz. Wthur.(Fr.— ,80) —,64. E. V. E. 2,—. Deutsche Soz. Zürich, Ertrag der Sounenwend- seier(Fr. 122, 15> 97,72. Onkel 1,—. Wthr. d. I. K. Uhrmacher (Fr. 2,—) 1,60. B. in B. 100,—. Skev 4,20. Mb. 4,-. Hei. 3,—. Drk. 5,-. Fr. in L. 26,20. F. T. 3,M. W. 1.—. Fr. 10,-. y. Adorf(Fr. 1,—)— ,80 Zusammen. Mk. 1518. 23 Allgemeiner Wahlfonds. S. V. E.�Mk. 1,—. W. B. Paris(Fr. 4,—) 3,20. Ä. H. Andel- vis(Fr. 1,—) fingen für Mainz(Fr. 2,—) 1,60. D. ZUrich s. 2 Anchovis —.80. Gen. Berviers d. G.(Fr. 3,—) 2,40. Ulm a. D. 8,—. I. C. in A. 4,—. Pariser Gen. s. Mainz(Fr. 25,—) 20,—. Deutsche Soz. Winterthnr'bei einem gesell. Vereinsabend ges.)(Fr. 6,— u. Fr. 8,25 11,40. PH. R. in 9k.'s. Mainz)(Fr. 2,—) 1,60. New-Dork, bei der N.-A. Volkszeitung eingegangene Beträge(Toll. 163,—) 674,82. New- Port, deutsche Gen. Doll. 57,—, desgl. v. Staiton und Storm's Zigarren- arbeitern Dllr. 3,—, desgl. Mendel u. Bro. Zigarren-Fabr. d. Paureis „Hoch die deutsche Sozialdemokratie!" Toll. 4,— d. Berggreen(zus. Doll. 64,—), 264,96. A. Sch. in Bes.(für Mainz)(Fr. 1,50) 1,20. O. B. Lyon(Fr. 5,— für Mainz) 4,—. Gen. in Stuttgart 50,—.— y.(für Mainz Fr. 1,—)—,80. G. Ravensburg 4)50. Gen. Amsterdam für Mainz, ges. d. L.(Fr. II,— i 8,80. Klmp. Wthür d. Schrdr. in R.(Fr. 2,—) 1,60. Serlow für Mainz 7,—. Armer in B. 10,—. Antwerpen, Reinertr. d. Festes v. Intern. Bild.-Ver. d. P.B.(125,—) 100,— desgleichen ges. aus Marken und Liste 55,—(Fr. 9,— u. 5,80) 11,84. Gen. in Pari« d. O.(Fr. 6,70) 5,36. Mz. Zürich ges. jür Mainz(Fr. 6,—) 4,80.„Leue"(Fr. 2,50) 2,—. Glaser Zürich für Main;(Fr. 3,30) 2,56. Chr. W. F.(Fr. 1,20)—.96. G. M. in Reu.(Fr. 1,05)—.84. Ii ante» ckos Lbenistss äs?ari8 d. O.(Fr. 1,60) 1,28. Johannes B. 1—. Deutsche Soz. Wthur(Fr.—.50)—,40. Arb.-W.-Chronik Pest 'Fr. 11,89) 9,51. Gr. Zürich d. K.(Fr. 1,—)—,80. Deutsche So;. Thür(Fr. 4,—) 3,20). Nürnberg 4,35. Sp. Cochem 3,—. Erfurt i„Die Fahne hoch!" 15,—. Stichwahl Leipzig R. 199 41,—. Nürnberg für Mainz 102,—. btto. 26,10. Braunschwcig in drei Raten 52,—. Z. Mainz 5,50. W. Goldlauter 5,—. Fürth 40,—. Schr. Karlsruhe 30,—. R. Limmer 50,—, Z. Zeitz 10,—. G. Braunschweig 50,—. A. H. Barmen 4,—. H. Crefeld 20,—. W. K. Saarbrücken 15,—. Hannover 100,—. Pr. Minden 15,—. Nürnberg für Mainz 191,—. Nürnberg 33,50. K Görlitz 10,05. Für die Mainzer Nachwahl gingen serner ein' Dresden 5,—. Müncheii�Gi,—. Jolingen 80,—. B. Dresden 20,—. Speyer 50,—. Halle a. S. 50.—. Mittweida 30,—. Forchheim 20,—. Naumburg 5,55. Rendsburg 10,—. Arnstadt 15,—. Wechselburg 2,70. Dessau 5,—. Merseburg 3,—. Ballenstädt 6,—. Zittau 20,—. Stuttgart P. 20,—. Schwerin 20,—. Calkar 10,—. Luxemburg 100,—. Zeitz 5,—. Baden-Baden 3,—. Apolda 12,—. Altenburg 10,—. Frankenthal 10,—. Kiel 25,—. Waldenburg i.®. 6,-. Dr. K. 2.—. Frankfurt a, O. 15,—. Erfurt 10,—� Dortmund 20,—.? 16,—. Oggersheim 5,—. Flensburg 20,—. St. Johann 15,—. Quedlinburg 6,50. Elberfeld 30,—. Buckau-Magdeburg 50,—. Potsdam 15,—. Güstrow 11,14. Braunschweig 30,—. Neviges 18,30. Pfersee 2,—. Bielefeld 25,36. FMedberg 12,54. Frankenhausen 6,—. Kommerzien rath 30,—. Halle.1. S. 25,—. Kehl 5,—. Rawitsch 6,20. Königsberg i. Pr. 16,—.*>kowawes 5,—. Reutlingen 10,—. Weimar 10,—. Brandenburg 15,—. Lübeck 20,—. Hirschberg in Schlesien 4,50. Frankfurt a. M. 6,50. Burgstädt 49,80. Gotha 4,75. Schw. Hall 25,—. Pforzheim 20,—. Framersbach 10.—. Osnabrück 25,—. Rostock 30,—. Ronsdors 15,—. Hanau 25,—. Apolda 10,—. Heilbronn 8,—. Kassel 20,—. Görlitz 1,30. Frankenthal 35,—. Würzburg 17,—. Lunzenau 2,—. Neumünster 9,—. Ossenbach a. M. 200,—. Berlin 300,—. Stuttgart B. 20,—. Zusammen. Mk. 3939 57 Bemerkt sei noch, daß Frankfurt, Ossenbach, Wiesbaden und Darm- stadt die Wahl dadurch noch unterstützten, daß sie auf eigene Kosten Mannschaften sür die Agitation stellten. Flugschriften-Fonds. Brutus(st. 5,—) 8,52. K. Paris, bei einer soz. Verlobung ges. (Fr. 8,—) 6,40. Gen. i. Paris d. O.(Fr. 14.—) 11,20. Zusammen Mk. 32. 12 Agitationsfonds. G. M. u. Gen. in K. Pik. 3,10. Hypokrates(Fr. 55,—. Ungenannt Fr. 17,-, I. 2,-, A. H. 2,-, F. K. 3,-, C. K. 3,-, F. Sch. 2,-, Sch. P. 3,-, C. C. 2,— El. K. 2,-, I. M. 2,—, Dh. W. 2,— F. C. 2,-, C. R. 3,-, Dh. D. 2,—, E. Sch. 2,-, P. 2,—, Vy. 1,—, Mz. 1,—, PH. Sch. 2,—) 44,—. Armer in B. 12,—.„Kohlheim" 15,-. Deutsche Soz. Wthur(Fr.—.20)—.16. W(Fr. 1,85) 1,48. Schneidergew. Wthur(Fr, 5,—) 4,—. Zusammen. Mk. 79. 74 Die„schönsten Hoffnungen". Zu den„schönsten Hoffnungen" berechtigt nach der in der vorigen Nummer besprochenen Petition der Essener Belgarbeiter die Bismarckische Schutzzollpolitik. Was 4st daran wahr? Deutschland ist in hervorragendem Grade ein Industrieland. Seine Getreideproduktion deckt schon lange nicht mehr seinen eigenen Bedarf. Es führt Getreide ein und exportirt In- dustrieerzeugnisse, ist daher aui den Weltmarkt angewiesen. Für die Konkurrenz auf dem Weltmarkie sind maßgebend Güte und Billigkeit der Produkte, oder Pieimehr lediglich die Billigkeit, denn die Güte oder richtiger die Zweckmäßigkeit ist Voraussetzung derselben, beide müssen im entsprechenden Verhältniß zn einander stehen. Die Billigkeit der Produkte wird bestimmt durch die Herstellungs- kosten, die sich zusammensetzen aus den Kosten des Rohmaterials, den technischen Herstellungskosten und den Arbeitslöhnen. Was die technischen Herstellungskosten anbetrifft,.so sind dieselben, ab- gesehen von der sogenannten Urproduktion, fast überall die gleichen. Jede neue Erfindung, welche den Fabrikationsmodus wesentlich vervollkommnet, d. h. die Fabrikation verbilligt, wird in allen Etablissements der gleichen Branche so schnell als möglich ein- geführt, diejenigen Etablissements, welche die Mittel zur Neu- cinrichtung nicht haben, sind dem Untergang geweiht. Wir können also von den technischen Herstellungskosten absehen, da sie von den Schutzzöllen nur indirekt beeinflußt werden. Bleiben die Arbeitslöhne und das Rohmaterial. Soll der Preis irgend eines Fabrikates nun bei erhöhtem Preise des Rohmaterials auf dem seitherigen Niveau bleiben, so bleibt kein anderer Ausweg übrig, als die Löhne hcrabzu drücken. Die Bismarckische Schutzzollagitation gipfelt nun vor allen Dingen darin, die Produktion des Rohmaterials und der Halb- fabrikate zu„schützen". Führer im Zollkamps waren seiner Zeit bekanntlich die Eisenindustriellen Gewonnen wurde er durch das Bündniß zwischen Eisenindustriellen, Spinnern und Groß- grundbesitzern. Diese haben denn auch die Beute davon getragen. Die Ganzsabrikation, die auch das gesammte Kleinhandwer? um- faßt, wurde im Wesentlichen nur nach Maßgabe der Vertheue- rung der Rohstoffe„geschützt". Daß die Rohstoffe durch die Schutzzölle vertheuert worden sind, bestreitet heute kein vertu listiger Mensch. Unsere großen Eisenindustriellen benutzen zum großen Thcil den Raub, den sie im In lande dem Publikum abnehmen, dazu, im Auslande ihre Konkurrenten zu unterbieten, d. h. dem Auslande be- deutend billiger zu liefem als dem Jnlande. Die nothwendige Folge davon ist, daß der inländische Produzent von Ganzfabri- katen, d. h. die große Masse der Klein- und Mittclindustriellen, auf dem Weltmarkt konkurrenzunfähiger werden. Das Handwerk, für welches die Konservativen eine so rührende Zuneigung vorgeben, hat man erst recht preisgegeben. Denn wie Bismarck-und Konsorten in Wahrheit über das Kleingewerbe denken, das verrieth unlängst in einer unglücklichen Stunde die „Norddeutsche Allgemeine", als sie im Aerger über die reni- tente Grüneberger Handelskammer ihrem Verdruß darüber Aus- druck gab, daß bei den Handelskammerwahlen Gevatter Schneider und Handschuhmacher dasselbe Wdhlrecht haben, als der aller- geheimste Königl. Kommerzienrath. Natürlich suchen, soweit sie es irgend können, die Klein- und Mittelindustriellen ihren Schaden abzuwälzen auf die Arbeiter. Die landwirthschastlichen Schutzzölle haben die nothwendigsten Lebensmittel vertheuert, in der Eisen- und Kohlenindustrie haben die Arbeiter nur durch stärkere Arbeitsleistungen ihre Löhne, die bekanntlich seit 1873 von Jahr zu Jahr gesunken waren, wenig- ftens den erhöhten Preisen anpassen können, in den meisten übrigen Jndustriebranchcn aber läßt die Lohnerhöhung noch immer auf sich warten. Die industrielle Reservearmee des Kapi- tals, das Heer der Arbeitslosen, ist in den letzten acht Jahren, trotz der Massenauswanderung, derart angewachsen, daß es jede ernsthafte Lohnbewegung unmöglich macht. Die Löhne der großen Masse der Arbeiter sind nicht gestiegen, die Lebensmittel aber sind theurer geworden; was ist die Folge davon? Die Arbeiter müssen sich immer mehr einschränken, können sich immer weniger Jndustrieerzeugnisse anschaffen, die große Masse der Käufer bleibt auch im Jnlande aus. Die Klein- gewerbtreibenden, soweit sie auf Arbeiterkundschaft angewiesen sind, spüren das zunächst und werden auch zunächst ruinirt. Der Mittelstand verschwindet immer mehr. Wer es vermag, ver- kauft seinen Kram und wandert aus, wer selbst das nicht kann, schleppt sich in der Heimath so lange hin, als es eben geht. Wie lange aber wird das gehen? Augenblicklich hat immer- hin die Großindustrie nach der langen Pause von 1874/79, Dank der allgemeinen Weltkonjunktur, nicht aber Dank den Schutz- zöllen— denn der„Aufschwung" ist international— zu thun, und zieht wenigstens einen Theil der Kleinindustrie nach sich. Aber die Tage dieses„Aufschwunges" sind gezählt, sie sind kürzer als die Tage des„Aufschwunges" von 1872/73, weil heute die Löhne weit geringer sind als damals, die Konkurrenz aber stärker. Produktionsanarchie und Kaufunfähigkeit der Massen— beide nicht hervorgerufen, aber„verschärft durch die Bismarckische Schutzzollpolitik— wirken zusammen auf einen neuen Krach, auf eine neue Krisis, die noch viel verheerender auftreten, viel größeres Elend im Gefolge haben wird, als die Krisis des Jahres 1873/74. Das sind die„schönsten Hoffnungen", zu denen der Schutz der nationalen Ausbeutung und die Vertheuerung der Lebens- mittel„berechtigen"! Soll man da nicht Protestiren, wenn Arbeiterführer, die sich„Sozialisten" nennen, bei ihren Anhängern Pen Glauben aufkommen lassen, daß diese„nationale" Wirth-. schaftspolitik diktirt worden sei von der Fürsorge für die arbei- tenden Klassen, bei den Arbeiter» somit den Glauben erwecken auf Hilfe von Oben? Ja, wenn es nichts kostete, da glauben wir wohl, daß Bismarck gern durch Reformen aller Art die Arbeiter sür sich gewinnen möchte! Aber mit ein paar Millionen Mark jährlich ist der Masse der Arbeiter blutwenig geholfen, da heißt's tiefer hineingreifen. Und das kann Bismarck nicht, und weil er es nicht kann, will er es auch nicht. Seine Unfallversicherung ist eine Halbheit und seine Alters- Versicherung— die vorläufig noch in der. Luft schwebt— wird noch weniger sein. Was aber nützen beide den auf die Straße geworfenen Massen, was den zu Hungerlöhnen sich abrackernden Proletariern, von denen nur ein ganz geringer Bruchtheil das 69. Lebensjahr erreicht? Blutwenig. Es ist eine Hoffnung, eine Illusion mehr für die Arbeiter, ein Wechsel auf unbestimmte Zeit, nachdem der Wechsel auf's Jenseits nicht mehr zieht. Aber auch dieser neue Wechsel zieht nicht, wie alle Wechsel, welche Bismarck und die herrschende Kapitalistenstppe sonst noch ausstellen mögen. Die zum Bewußtsein ihrer Klasscninteressen gelangten Arbeiter lassen sich nicht mehr hinhalten, immer stür- mischer verlange» sie ihr Recht, ihre volle Emanzipation. Und der Moment, wo ihr Anprall so stark sein wird, daß der„Herr- liche" Bau des moderne» Gescllschaftskörpers ihm keinen Wider- � stand zu leisten vermag, er ist nicht mehr fern— Dank der staats- erhaltenden Wirthschaftspolitik des genialen Kanzlers. Oft, wenn wir die Berichte lasen von den schändlichen Gewalt-. alten im deutschen Reiche gegen unsere Freunde, gegen die hoch- herzigen Vorkämpfer des a beiteuden Volkes, haben wir uns im gerechten Ingrimm gefragt: Wird sich der deutsche Arbeiter- stand auch das noch gefallen lassen? Wann endlich wird der Riese Volk aufwachen und seiner Dränger sich erwehren? Und immer wieder mußten wir uns schmerzlich sagen: das deutsche Volk ist so lammsgcduldig, ist so gewöhnt, sich von den Behörden schuh- riegeln zu lassen, daß es auch das noch erträgt. Es muß noch ärger kommen. Es muß eine noch tiefergchendere Erregung platzgreifen, bis das deutsche Volk: In die Ecke stellt den Pflug, Bis es ruft: Es ist genug! Nun, diese Erregung wird die Folge sein der nächsten Krisis, — der unausbleiblichen. Wenn wir zurückblicken auf die neuere Geschichte seit 1848, so finden wir, daß jedesmal nach einer großen Geschäftskrisis eine radikale tiefgehende Strömung im Volke um sich griff. Die Revolution von 1848 trat selbst im Gefolge einer Krisis ein, die Krisis von 1857/58 hatte fast in ganz Europa die„liberale Aera" im Gefolge, die Folgen der Krisis in der Mitte der sechsziger Jahre sind für Deutschland durch den 1366er Krieg etwas weniger prägnant hervorgetreten, in Preußen war im Frühjahr 1866 die bürgerliche Opposition so stark, wie nie zuvor— nach dem Kriege schloß sie bekanntlich ihren Kompromiß mit der Regierung. Der Liberalismus herrschte, und selbst die Siege von 1879/71 setzten die dann preußisch-deutsche Regierung nicht in den Stand, sich von ihm zu emanzipiren. Da kam die Krisis von 1873/74, von Neuem ging eine tiefe oppositionelle Strömung durch das deutsche Volk, diesmal aber gegen den _ -- _ wirthschaftlichen Liberalismus. Ein mächtiges Anwachsen der Sozialdemokratie auf der einen Seile, auf der andern ein Auf- raffen der wirthschaftlichen Reaktionspartcien aller Art war die Folge, das Sozialistenunterdrückungsgesctz und die„Wirthschafts- reform- kam zu Stande. Die nächste Krisis, die, wie wir oben gezeigt, eine noch weit intenstvere, noch weit verheerendere sein wird, als die früheren, findet die beiden Parteien der heutigen Ausbeutergesellschaft abgcwirthschaftct, auf wen soll daher die große Masse dcS Volkes anders blicken, als auf die bislang unterdrückte Partei der nelien PjestlKchuft, auf die Partei des demokratischen Sozialismus! Diese Krisis aber wird, wie ihre Vorläuferinnen, eine int er- nationale sein. Sie wird, Dank dem„revolutionären Korn" Amerikas, Australiens und Indiens, auch das heilige Rußland nicht verschone». In den zwei Nachbarländern Rußland und Deutschland wird sie die Verhältnisse überreif finden zu einer politisch-sozialcn Revolution. Und es sprechen viele Anzeichen dafür, daß es diesmal mit Recht heißen wird: Von Osten kommt uns das Licht! Von Osten wird die Revolution, oder richtiger die revolutionäre Erhebung ausgehen, von Osten, wo schon heute der Geist der Empörung täglich sich manisestirt. Und daß er nicht über Deutschland wirkungslos dahinrauschen wird, dafür hat vortrefflich gesorgt unser Revolutionär wider Willen: Bismarck. Ja diesem Sinne allerdings können auch wir, die revolutionäre Sozialdemokratie, von seiner Wirthschaftspolitik sagen, daß sie „zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft be- rechtigt!" Leo. Verbrecher- Album. ii. Die Idee eines Verbrecher-Albums für die Mitglieder der Ordnungs- bauditenzunjt ist eine so zeitgemäße, der Stoss ein so unerschöpflicher, daß ich glaube, diese Rubrik des Blattes wird für lange Zeit zu einer stehenden werden. Für heute liefere ich einige Beiträge über Persönlichkeiten aus dem schönen Schwabenlande. Da ist zuerst Herr S ch ö n h a r d t, der in diesem Blatte bereits mehrfach genannte Staatsanwalt am Land- gericht Stuttgart. Seine mit Vorliebe gepflegte Spezialität sind Sozialistenprozesse, in denen er sich als gehässigster und eifrigster Verfolger jeder freien Regung hervorthut. Er war es, der im Jahre 1878 die Verfolgung gegen D u l k und Genossen einleitete, weil in einem Wahlflugblatte, als dessen Verfasser sich Dr. Dulk freiwillig bekannte, die Behauptung ausgestellt war, die neue Zoll- und Steuerpolitik werde zu einer Mehrbelastung des Volkes führen. Schönhardt hatte die eiserne Stirn, dies für eine wissentlich erdichtete Thatsache zu erklären, seine Rede, die von den gemeinsten Ausfällen und Beschimpfungen strotzte- bestimmte in der That die Bourgeoisgeschworenen— die ja mit Vorliebe gegen Sozialisten ihre Klassenjustiz üben— zu einem„Schuldig", worauf der Gerichtshof den Genossen Dulk zu zehn, zwei Mitangeklagte als Beihelser zu je drei Monaten Gesängniß verurtheilte. Herr Schönhardt spielt nebenbei den Schöngeist und verübt bisweilen haarsträubend schlechte Gedichte, die bis dato ihn noch nicht zum be- rühmten Mann gemacht haben. Sei eS nun der Neid allein, oder Neid in Verbindung mit politischem Haß— genug, er beehrt noch immer Dr. Dulk, der sich als Dichter und Schriftsteller seit Jahrzehnten einen geachteten Namen erworben, mit seiner ganz besonderen Abneigung. Als vor einiger Zeit die Frage angeregt ward, ob nicht der Schillerverein dem betagten und schwer um die Existenz ringenden Dulk seine Hilfe zuwenden solle, bot der„Auchdichter" Schönhardt als Mitglied des Vereins Alles auf, die löbliche Absicht zu hintertreiben, was dem„schönen Herz" bei der sprüchwörtlich gewordenen politischen Versumpftheit unserer Literaturhelden auch nur allzugut gelang. Das Sozialistengesetz war für diesen Menschen selbstverständlich ei» gefundenes Fressen. Die Stuttgarter Genossen gehören zu den rührigste» in ganz Deutschland, namentlich auch hinsichtlich der Verbreitung von Flugblättern. Freilich ist ihnen schwer beizukommen, weil sie in der Regel schlauer sind, als die Polizei- und Justizscherge». Da kühlt nun Herr Schönhardt sein Müthchen dadurch, daß er stets, wenn nur eine Spur von Verdachtsgründen vorhanden, die Untersuchungshaft beantragt und gewöhnlich auch bei den feigen und gewissenlosen Richtern seinen Willen durchsetzt. So ließ er im vorigen Jahre einen Schriftsetzer aus Stuttgart und dessen Braut, beide geborene Stuttgarter, je vier Wochen in Untersuchungshaft setzen, weil er behauptete, die beiden hätten eine Korrespondenz im„Sozialdemokrat" versaßt, in welcher er und sein Spießgeselle Gottlieb Köhn nicht gerade glimpflich weggekommen waren. Die Gefangenen mußten schließlich als unschuldig entlassen werden zum großen Aerger der beiden Justizbanditen. Schönhardt liebt es ferner in Sozialistenprozessen unter allerlei nichtigen Vorwändcn den Ausschluß der Oeffentlichkeit herbeizuführen. Er packt seine Opfer am liebsten hinter verschlossenen Thürcn, weil ihn die Kontrole des Publi- kums zu sehr genirt. Seinem Beispiele ahmen die würdigen Kollegen in H e i l b r o n n, Tübingen und U l in nach.(An letzterem Orte zeichnet sich besonders Staatsanwalt Pfass als Hauptjustizstegel aus.) Es ist überflüssig, über diese Ordnungssäule des Stuttgarter Parket« weitere Details zu geben; da« Vorstehende wird zu den Umrissen eines Porträts für unser Album genügen. Von der Justiz zur Polizei ist heute in Deutschland noch weniger als ein Schritt. Darum wollen wir als Pendant zu Herrn Schönhardt dem Stuttgarter Polizeiinspektor Kern ein Plätzchen in unserer Sammlung anweisen. Kern ist ein bornirter Kopf, hat nichts gelernt, besitzt eine große Portion Gewissenlosigkeit und Frechheit und ist also gerade der rechte Mann für die heutige„Ordnungs"wirthfchasl. Er war«, der im Jahre 1878 ohne jeden Schatten von Rechtsgrund das ganze Wahlkomite und da? Personal der GenossenschastSdruckerei in Stuttgart willkürlich verhastete, worauf„unser Gottlieb" einen Theil der Jnhas- tirten wochenlang unschuldig sitzen ließ. Die Lorbeeren de« Dr. Rumpf lassen den Hohlkopf Kern nicht schlafen. So verfiel er auf den Gedanken, sich auch„Spione" zuzulegen, beging aber den dummen Streich, gleich einen so nichtsnutzigen Spitzbuben verwenden zu wollen, daß er darob zum öffentlichen Gespött ward. Der Agent Kerns nämlich, sich als Theil der Sozialistenpartei und mithin allmächtig fühlend, ging alsbald in das nahe bei Stuttgart gelegene Dorf Gaisberg, nahm dort ganz un- molivirte Verhaftungen vor, ließ sich das Geld der Verhafteten aus- liefern, versoff dasselbe sogleich im WirthshauS und trieb noch sonst schmutzige Allotria, woraus er vom Schultheiß selbst verhaftet, seine Gefangenen aber in Freiheit gesetzt wurden. Die Sache halte ein-Nach' spiel, denn Kern'« Agent wurde vom Landgericht Stuttgart wegen wider- rechtlicher Freiheitsberaubung zc. zu zehn Monaten verdonnert, wobei Herr Schönhardt nicht als Staatsanwalt sungirle. Kern war als Zeuge geladen und spielte eine recht jämmerliche Figur. Noch ein kleines Histörchen über diesen Ehrenmann, und sein Porträt ist fertig. In Stuttgart war ein Wirlh, Namens O t t e r b a ly, Kassier eines Kriegervereins. Bei dem verkehrte Herr Kern sehr fleißig, denn Olterbach hatte eine hübsche und gefällige Frau, und Kern war „Hausfreund". Olterbach unterschlug einen bedeutenden Betrag aus der BereiuSkasse, wurde zur Untersuchung gezogen, worauf Kern ihm recht zeitig einen Wink gab, er solle verdusteu. Ganz Stuttgart wußte um diesen skandalösen Zusammenhang; trotzdem blieb Kern ruhig in feinem Amte. Später wurde Otterbach auswärts verhaftet und abgeurtheilt, Kern aber tröstete fleißig die verlassene Frau. Eine Heldenthat Kerns sei schließlich noch erwähnt. Im vorigen Jahre kam ein junger Schriftsetzer nach Stuttgart, der kurz vorher in Rottenburg zwei Monate wegen„Verbreitung" hatte brummen müssen. Gefundenes Fressen für die Polizei. Der arme Mensch erhielt die Aus- sorderung, sich auf dem Polizeibureau einzufinden, um dort den Leuten der heiligen Hermandad vorgestellt zu werden, damit diese sich seine Physiognomie als die eines„gefährlichen Subjektes" einprägen könnten. Auf Anrathen eines Freunde« ging er nicht, sondern erhob bei der höheren Stelle Beschwerde, ausführend, nach unserem Gesetze sei die Stellung unter Polizeiaufsicht nur zulässig, wenn ein richterliches Urtheil dies ausdrücklich feststelle. Doch was fragt die deutsche Polizei nach Gesetz und richterlichen Urtheilen! Der Schriftsetzer erhielt abermals eine Vorladung aus die Polizei, angeblich um Bescheid über seine Be- schwerde zu erhalten. Man bestellte ihn aus eine bestimmte Stunde und ließ ihndann so lange warten, bis diegleichsalls be- stellten Polizisten ihn alle beaugenscheinigt hatten. Dann sagte man ihm kurz und barsch, seine Sache sei erledigt. Als er über diese Behandlung ungehalten wurde, ließ man ihn sofort wegen „ungebührlichen Betragens" 24 Stunden einsperren, wobei er aus dem Wege zum Polizeiarrest noch von den Polizisten körperlich mißhandelt wurde. Das ist die deutsche Reichswirthschast in Schwaben, und Schön- Hardt und Kern sind ihre würdigsten Organe. Ehud. Briefe eines Achtundvierzigers. Berlin, 8. Januar 1882. Er st die Rücktrittsdrohung, dann die Auslösungs- d r o h u n g, das ist das alte Rezept Bismarcks bei Behandlung des deutschen Bürgerthums— ein Rezept, an dem keine Veränderungen an- gebracht werden, und das mir pedantischer, unterosfiziersmäßiger PUnkt- lichkeit seit nunmehr fast acht Jahren befolgt wird. Die Rücktrittsdrohung nach der vorjährigen Wahl hat nichts genützt, und da haben wir denn nun die Auflösungsdrohung. Wenn man sich erinnert, wie viel hundertmal dem letzten Reichstage mit Auflösung gedroht wurde, und wie er schließlich eines natürlichen Todes und sogar an Altersschwäche verstarb, so wird man den neuesten Auflösungsdrohungen keine sonderliche Wichtigkeit beilegen, zumal Bis- marck sich unmöglich der Illusion hingeben kann, eine Auflösung würde ihm bessere Wahlen bringen. Erleidet die ganze politische Lage und mit ihr die Stimmung de» Volkes, soweit es von bürgerlichen Ideen direkt und indirekt beherrscht ist, nicht einen vollständigen Umschwung, so hat Bismarck von einer Auslösung, selbst wenn die Neuwahlen unter dem denkbar höchsten Polizeidruck und Beamtenterrorismus erfolgten, nicht« zu erhoffen. Möglich indeß, daß er sich dem Wahn hingibt, durch seine „Sozialreform" einen solchen Umschwung herbeiführen zu können, allein diese„Sozialresorm" muß doch erst Hände und Füße haben, überhaupt greifbar sein, ehe das Mirakel eintreten kann, und vorläufig ist die Bis- marck'sche„Sozialresorm" noch ein neues Nebelgebilde, über dessen eigent- liche Natur kein Mensch im Klare» ist, am wenigsten Bismarck selbst. Es soll zwar, offiziösen Notizen gemäß, im Reichsministerium fabelhast „gearbeitet" werden, indeß das Bebrüten eines Windeis ist auch eine fabelhafte„Arbeit", und die Bismarck'sche„Sozialreform" ist und bleibt ein Windei. „D e u t s ch e S o z i a l i st e n in der Fremde" unter dieser Ueber- schrist veröffentlicht jüngst die Berliner„Tribüne"(Organ der„Sezes- sionisten") eine» seitdem in alle un« feindlichen Blätter übergegangenen Artikel(angeblich eine Korrespondenz aus New-2)ork), der sich mit den nach Amerika gegangenen deutschen Sozialdemokraten, insbesondere Grott- kau, Vahlteich, Walster und Fritzsche beschäftigt und speziell über die beiden letztgenannten ganze Kübel schüttet. Was bezüglich Walster's behauptet wird, ist entschieden unwahr. Walster hat in Amerika schon traurige Ersahrungen gemacht und lebt auch in nichts weniger als gün- stigen Verhältnissen, was aber der Urheber der„Ncw-Dorker Korrespon- denz" über die Lebensweise desselben sagt, ist von A bis Z erlogen. Das Gleiche gilt von dem, was Uber die Thätigkeit Fritzsche'« als Präsident des Vereins deutscher Tabakarbeiter und als Verwalter der Kasse dieses Vereins gesagt wird. Wir haben das Weggehen Fritzsche'« aus das Energischste getadelt, wir haben auch heute kein Wort der Ent- schuldigung und Beschönigung für seine Ausreißerei, allein politischer Deserteur und gemeiner Kassendieb, das ist denn doch etwas sehr Ver- fchicdencs, und, sind wir auch außer Stande, die Angabe des„New- Dorker Korrespondenten", so weit sie Fritzsche betreffen, in jedem einzelnen Punkt widerlegen zu können, so wiffen wir doch positiv, daß diejenigen Personen, welche Fritzsche'« Thätigkeit als Präsident des Tabakarbeiter- verein« am Genauesten kennen, ihm keine Unterschlagung zum Vorwurf gemacht, ja ihn ausdrücklich gegen diesen Vorwurf in Schutz genommen haben. Wir erwarten, daß Fritzsche durch die„Rew-Uorker Korrespondenz" der„Tribüne" veranlaßt wird, endlich einmal über seine Thätigkeit als Präsident des deutschen Tabakarbeitervereins und namentlich über die Kassenverwaltung einen— soweit nicht die deutschen Berhälmiffe Tis- krction gebieten— rückhaltlosen Rechenschaftsbericht zu veröffentlichen, durch dessen bisherige Nichtveröffentlichung er sich unzweifelhaft in ein schiefes Licht gestellt und den Verdacht förmlich großgezogen hat. Der Berliner„Tribüne" Möchten wir aber zum Schluß zurufen, sich von dem Thema der„Ausreißerei" fern zu halten. Im Hau« de« Er- hängten darf man sprichwörtlich n-cht vom Hängen reden, und in der Zeitung des Herrn Bamberger, der weiland bei K i r ch h e i m b o l a n- den(1849)„so kühn davon geloffen", soll man nicht von Ausreißerei und Fersengeld sprechen. Ist die Dummheit größer oder die Bosheit? so frag� man sich unwillkürlich, wenn man Notizen liest, wie die nachfolgende, welche soeben die Runde durch die deutsche Presse gemacht hat.„Inner- halb der Sozialdemokratie Deutschland s,„so lautet die fragliche, offenbar einem Reptilei entschlüpfte Notiz", bahnt sich wieder eine Spal- t u n g an,-welche, von den Führer» ausgehend, wohl bald sich über die Massen erstrecken wird. Schon gelegentlich der Debatte im Reichstage über die Denkschriften der Regierungen von Preußen, Sachsen und Ham- bürg betreffend die Ausführung des Sozialistengesetzes, fiel es auf, daß der Abgeordnete Hasenklever den züricher„Sozialdemokrat" zu ver- leugnen bestrebt war, trotzdem auf dem Wiedener Kongresse ausdrücklich beschlossen worden war, daß das Züricher Blatt als„Organ der Sozial- demokratie deutscher Zunge" gellen sollte. Während Hasenklever das „Organ" öffentlich verleugnete, steht Bebel starr auf dem von dem Blatte vertretenen radikalen Standpunkte. Aus dieser Spaltung erklärt sich auch zur Geniige, weshalb der Abgeordnete Geiser so energisch gegen die ihm zugemuthete Mandatsuiederlegung protestirte. Auffällig genug war es schon, daß Herr Liebknecht nicht„rechtzeitig" in Berlin sein konnte, um au der oben erwähnten Debatte Theil zu nehmen, welche die Verleugnung des züricher„Sozialdemokrat" gebracht hatte. Tie? das Machwerk.„Wieder eine Spaltung" innerhalb der deutschen Sozialdemokratie!„Wieder"? Aber hat es denn schon eine„Spaltung" gegeben? Hat die deutsche Sozialdemokratie nicht seit Erlaß des Sozia- listengesetzes gerade durch ihr Zusammenhalten die Ver- und Bewunde- rung ihrer Feinde hervorgerufen? Oder ist es eine„Spaltung", daß ein paar Feiglinge und Lumpen vom Schlachtfeld desertirt sind? Dann wäre auch die deutsche Armee 1870/71„gespalten" gewesen, denn sie hatte mindestens zehnmal so viel Deserteure aufzuweisen. Und nun gar jetzt das„Spaltungs"märchen aufzutischen, jetzt, wo die deutsche Sozialdemokratie in einem beispiellos schweren und heftigen Wahlkampf nach dem Eingeständniß aller Gegner einen großartigen Triumpf erfochten hat? Nach Riederlagen können in Parteien wohl Spaltungen eintreten, aber wahrhaftig nicht nach Siegen. Daß in Bezug auf die Stellung der Partei zum„Sozialdemokrat" innerhalb der Partei keine Differenzen existiren, die zu einer„Spaltung" führen könnten, das wissen unsere Genossen, und unsere Feinde würden es wissen, wenn sie sich die Mühe nähmen, statt über uns zu schimpfen, unserere Partei und ihre Thätigkeit erst zu studiren. Daß angesichts der blödsinnigen, seit Wochen in verschiedenen Formen austauchenden Behauptung, die sozialdemokratische Partei habe diesen oder jenen der gewählten Abgeordneten zum„Bettwärmer" für den leider nicht gewählten Bebel ausersehen, einem der zur Bettwärmerrolle Desig- nirten der Geduldsfaden zerriß, ist gewiß sehr natürlich. Wir können und wollen unsern Feinden nicht verwehren, sich mit uns zu beschäftigen— je mehr sie es thun, desto schmeichelhafter für un«— wir geben ihnen jedoch den Rath, etwas mehr gesunden Menschenverstand dabei zu verwenden. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 11. Januar 1882. — Das Ereigniß des Tages ist der„kleine" Staatsstreich in Deutschland, Bismarck-Wilhelm's Erlaß vom 4. Januar 1882. Da? liberale Bürgerthum der ganzen Welt ist sittlich entrüstet ob solchen Schlages in's Gesicht de«„konstitutionellen Gedankens", wir aber be- grüßen diesen neuesten Bismarck'schen Geniestreich mit Heller Freude. Das war un» einmal so recht aus dem Herzen gesprochen! Ein so rücksichts- loses, offenes Aussprechen dessen, was ist, ein so kräftiges Zerstören aller Illusionen vom Rechtsstaat, vom Verfassungsstaat und wie die schönen Träume des Liberalismus sonst noch heißen mögen, das kann in unserer Zeit des gegenseitigen Anlügens nur von Nutzen sein. Jahrelang ist dieses infame System von Beamtenkorruption geübt worden, fahre« lang ist das Volk künstlich in dem Wahne erhalten worden, die Beamten des Staates seien lediglich um seinetwillen da, von dessen saurem Schweiß sie bezahlt werden, dem man direkt und indirekt den letzten Heller aus der Tasche stiehlt, um fette Posten für„verdiente Staats- männer" und„geschulte" Kräfte a la Reichshundejunge zu schaffen, während thatsächlich die Beamtenmaschinerie immer mehr und mehr zum willfährigen Mittel des krassesten Absolutismus, der Volksknechtung, wie sie im Buche steht, dressirl wurde, jahrelang wurde die Phrase vom „unabhängigen Beamtenthum" dem Volke vorgeleiert— da kommt endlich wie ein reinigender Blitzstrahl die„nothgedrungene" Erklärung des edlen Brüderpaares Bismarck-Wilhelm, die sich heute stark genug wähnen, dem Volke ihr wahres Gesicht zu zeigen! „Es ist deshalb Mein Wille, daß sowohl in Preußen wie in den gesetzgebenden Körpern des Reiche« über Mein und Meiner Nach- folger verfassungsmüßiges Recht zur persönlichen Leitung der Politik Meiner Regierung kein Zweifel gelassen und der Meinung stets widersprochen werde, als ob die in Preußen jederzeit bestandene und durch Artikel 43 der Verfassung ausgesprochene Unverletzlichkeit der Person de« Königs oder die Nothwcndigkeit verantwortlicher Gegcnzeich- nung Meinen Regierungsakten die Natur s e l b st st ä n d i- g e r Königlicher Entschließungen benommen hätte." Himmelkreuzmillionendonnerwetter, noch bin Ich Herr! flucht es aus jeder Zeile uns entgegen. „Mir liegt es fern, die Freiheit der Wahlen zu beeinträchtigen, aber für diejenigen Beamten, welche mit der Ausführung Meiner Regie« r u n g s a k t e betraut sind, deshalb ihrer Dienste nach dem Disziplinar- Gesetze enthoben werden können, erstreckt sich die durch den Diensteid beschworene Pflicht der Vertretung der Politik Meiner Regierung auch bei den Wahle n." Der Teufel soll Euch holen, wenn Ihr nicht Ordre parirt! Und in dieser holden, duftigen Kasernensprache ist das ganze Ding gehalten! Nun, Herr Eugen Richter, was meinen Sie dazu? Wollen Sie immer noch„von den Hohenzollern regiert werden"? Ei freilich, Sie sind ja Seiner Majestät allergetteueste, verfassungsmäßige Opposition! Darum: „Es lebe unser allergnädigster Kaiser und König, Hoch, hoch, hoch!" Verdammt, das Hoch ist Ihnen wohl in der Kehle stecken geblieben, Herr Virchow? „Der König rief und Alle, Alle kamen!" so hieß es ja in dem Wahl- blatte Ihrer Partei. Nun, der König ruft jctft, also immer'ran, Ihr getreuen Diener des Königs, geniri Euch nicht! Oh, jetzt werden sie sich als wahre Helden zeigen, die Männer des Forlschritts; jetzt ist ja die Zeit de«„Verfassungskonfliktes" zurückgekehrt! Jetzt werden wir wieder die schönen Reden von 1883 ic. zu hören be- kommen, die Rechte des Volkes werden wieder aufgefrischt werden, daß es eine wahre Wonne ist. Bismarck aber kennt seine Leute; er weiß, daß die liberale Opposition nicht gefährlich ist. Mit dem stramm orga- nisirten Beamtenthum trotzt er allen Deklamatoren, und er hat nach Kräften dafür gesorgt, daß das Beamtenthum seit 1883 stattlich angewachsen ist. Er wird die liberalen Helden reden lassen und nach wie vor thun, was er will, bis-- bis auch seine Herrlichkeit ein Ende nimmt. Denn in Einem hat sich der große Staatsmann verrechnet, in dem modernen P r o letariate. Das Bürgerthum kennt er und weiß es nach seinem inneren Werthe zu be- handeln, in Bezug aus das moderne Proletariat aber ist er schon einmal hineingefallen und wird es auch diesmal. Die Arbeiter lassen sich weder kaufen, noch zurückschrecken, sie setzen auch nicht ihren Stolz darein,„gute Unterlhanen" zu sein, sie brauchen da« Königthum nicht„zum Schutze des Eigenthums", zur Aufrechterhaltung der heiligen„Ordnung", und an d ein W id erst an d e d e s P r o l e» a r ia t« wird der hohen- zolle rsche Absolutismus zu Grunde gehen. — Wenn wir den königlichen Erlaß als ein Bismarck'sche« Machwerk bezeichnen, so wollen wir damit nicht gesagt haben, daß der alte Heldengreis so ganz unschuldig an dem Ding sei. Wir haben niemals an das Märchen von dem„milden Kaiser" geglaubt, wir kennen Wilhelm, den Helden von 1849, besser. Gerade weil er alt und kindisch geworden, zeigt er sich heute in seiner wahren Gestalt als starrer AnhSn- ger de« Absolutismus. Nur nothgedrungen hat er bisher nachgegeben, und, wo er nur immer kann, wird er dem Volke ein Recht nach dem andern wegcskamoliren— lassen. Man erinnere sich nur des berüchtigten Hinterpförtchenparagraphen beim Zivilehegesetz*) welches„dem Kaiser zu Liebe" angcnomnicn wurde. Man braucht ja kein großer Geist zu sein, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Dummen haben das Glück, sagt das Volk und meint damit jene bornirten Gesellen, die, jeder höhe- ren Regung bar, nur aus ein Ziel losarbeiten, reich zu werden. Wilhelm kennt auch nur c i n Ziel, die hohenzollerschc Hausmacht zu vergrößern, und er hat unablässig daraus hingearbeitet. Deshalb paßte ihm der gewissenloseste Minister, der das Geld nimmt, wo er es findet, am besten, deshalb seine *))Bei welcher Gelegenheit HauSmeier Bismarck die loyale historischi Aeußerung that:„Will der Schimmel nicht von vorne'rein, so muß er von hinten." Anm. d. S. stete Sorge für sein herrliches Heer, das er braucht, wie Herwegh einst so beißend sang: „den gemeinen Mann Hochnäsig anzuschnorren Und, wenn er murrt, zeitlebens dann Im Zuchthaus einzuscharren. Er braucht es, ja! von Wacht- zu Wacht- Paraden hinzustrolchen Und dann in stiller Mitternacht Hausknechte zu erdolchen. Herr Wilhelm braucht ein großes Heer, Braucht Pulver und Patronen, An Jesum Christum glaubt er sehr, Toch mehr noch an Kanonen. Die Infanterie, die Kavallerie, Die Artillerie entfalten Die Gottesgnadenmonarchie In dreierlei Gestalten. Er kann o Volk, wie einen Hund Auf's Bajonett dich spießen Kann dich zusammenreiten und Kann dich zusammenschießen. Und daß er davor nicht zurückschreckt, hat er 1848— 49 gezeigt, Wilhelm, der Erste, genannt der Milde und Gütige! Nicht die„soziale Reform" ist sein Testament, sondern die Wiederherstellung der Allmacht der Krone! — M il Hosklatsch geben wir uns zwar nur sehr ungern ab, aber bei der gegenwärtigen Lage der Dinge in Preußen-Deutschland muß man wohl oder übel auch auf das Kliquenwesen, welches die„geheiligte" Person der Monarchen umgibt, Obacht geben. In der kleinen Welt der Lakeien und Hosschranzen heißt es noch immer: Kleine Ursachen, große Wirkungen, und auch die„großen Ereignisse" der letzten Tage haben ihre kleinen Ursachen. Daß Bismarck seit Langem mit der Hofpartei in den Haaren liegt, ist weltbekannt. Ebenso bekannt ist, wie er einen seiner Feinde nach dem andern zu„rommeln" und seine Werkzeuge an ihre Stelle zu setzen wußte. So gelang es ihm, die brave Landesmulter matt zu setzen, und jetzt muß nun auch der„liberale" Kronprinz an die Reihe. Die Dynastie Eulenburg, die früher mächtigste der Hoskliquen, welche sich einstweilen beim Kronprinzen eingenistet, muß auch von da vertrieben und durch Mitglieder der Dynastie Bismarck-Puttkamer ersetzt werden. Lange wurde mit allen Regeln der Kriegskunst minirt, aber auch die Eulen- burgs verstehen den Rummel und„unser Fritz" blieb„liberal". Das war eine nngemüthliche Situation für Bismarck, denn der alte Herr kann jeden Augenblick abschieben, und dann wär's mit der Herr- lichkeit zu Ende. Endlich kam er nun doch einmal auf einen glücklichen Einfall. Geht's nicht indirekt, so geht es einmal direkt. Wie wär's, wenn ich mir den Kronprinzen„kaufte"! Der Knabe ist jetzt über fünfzig Jahre alt und brennt darauf, einmal selbst zu regieren. Wilhelm thut, was ich will, also los in's Geschirr. Und nun begannen die Konferenzen mit dem Kronprinzen. Schickst Du den Eulenburg fort, so verschaff' ich Dir die Regentschaft von Preußen. Ja, aber wohin mit ihm? Spaß, wofür habe ich denn das Auswärtige! Die Geschichte ist bald gemacht. Wir geben ihm ein Gesandtschaftspöstchcn, das ist noch immer besser als Re- gierungspräsident von Wiesbaden zu werden, wie fein gerammelter Vetter. Gesagt, gethan! Der Handel wurde abgeschlossen, und nun konnte Putt- kammer noch unverschämter auftreten als vorher. Damit„unser Fritz" aber nicht in die Verlegenheit kommt, mit seinen„liberalen" Tradi- tiouen in Widerspruch zu gerathen, wurde schnell der neue Erlaß vom Stapel gelassen, der die„Prärogative der Krone" feststellt und Fritzchen wird, wenn er in der nächsten Zeit— man spricht vom 22. März— Regent von Preußen wird, die Bahnen seines„erlauchten Vaters" inne- halten. So behält ihn die Sippe Bismarck-Puttkammer in den Klauen und die Kriegskosten— die Pension für den früheren Gesandten von Canitz— bezahlt wie immer, das Volk. — Hunde r t„deutsche"! Studenten waren natürlich die erste», welche den Ukas Seiner Sclbstherrlichkeit, des Zaren von Preußen- Deutschland pflichteifrigst bcfchweifwedelten. Die zu„ernstem" Thun— massenhaftem Biervertilgen nämlich— versammelten strebsamen-Jünglinge bitten den deutschen Reichs-Jgnatiess,„vor Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser in ihrem Namen das G e l ö b n i ß abzulegen, daß sie, eingedenk die- ser hohen Worte, j e tz t und immerdar, vor Allem aber in ihrer späte- reu Stellung als Beamte, sich als ihres angestammten Herr- scherhauses getreue Diener erweisen werden." Man sollte den braven Knaben, um sie„jetzt und immerdar" von anderen Menschenkindern besser gut unterscheiden zu können, eine königliche Erkennungsmarke auf die Stirne brennen, und— hol' uns der Teufel! wenn sie sich nicht auch dadurch noch ganz besonders geehrt fühlen werden. Es fehlt den Deutschen zum Hunde nur Ein richtiger Schwanz zum Wedeln;— O du grundgütige Mutter Natur, Du Spenderin alles Edlen, Gib doch den Menfchenhuuden ihr Recht, Ihr eigenstes Recht auf Erden, Und laß das nächste deutsche Geschlecht Mit Schwänzen geboren werden. O.Heine redivivus, wann wird dein„neues" Winter- märchen endlich einmal veralten! — Bei Bismarck. Das große Kunststück, die soziale Frage zu lösen, ohne den Kapitalisten wehe zu thun und dabei für den Nimmer- satt, Militäretat genannt, einen anständigen Bissen zu verdienen, läßt den Kanzler des deutschen Reiches keine Ruhe. Wagner hat's nicht zu Wege gebracht, und da hat er sich denn jetzt auch Schäffle kommen lassen, und mit ihm, wie das„Deutsche Tageblatt" meldet,„sehr ein- gehend konserirt". Herr Schäffle ist gewiß kein Tummkopf, aber wir fürchten, wir fürchten, das Kunststück, welches Bismarck von ihm ver- langt, bringt auch er nicht zu Wege, und wenn er darüber preußischer Minister werden sollte. — Die Interpellation H e r t l in g(Ultramontan) wegen Weiter- ausbildung der Fabrikgesetzgebung hat dem„Anwalt des armen Mannes" Gelegenheit gegeben, zu zeigen, wie wenig die Ar- beiter vom heutigen Klassenstaat zu erwarten haben. Große Worte und nichts dahinter, das ist die Signatur der großen Kanzlerrede vom 9. Jan. Tie ganze sozialökonomische Weisheit des Mannes, der nach den Versicher- ungen seiner Reptilien ganze Bände von wissenschaftlichen Werken über die soziale Frage studirt hat, gipfelt in dem Nachweis, daß es für die Arbeiter besser ist, bei hoher Arbeitszeit wenig zu verdienen, als gar keine Arbeit zu sinden. Infolgedessen können die Essener Bergleute nichts Besseres thun, als ihre Petition einstweilen zu beliebigen häuslichen Zwecken benutzen, denn bis die Herren Unternehmer freiwillig zugestehen, daß die Industrie einen kürzeren Arbeitstag ertragen kann, da wird's mit der guten Geschäftszeit wohl zu Ende sein. So geht's, wenn man sich an den Gönner der Herren Baare, Funke und Konsorten wendet! Der außergewöhnlich matten Rede Bismarcks gegenüber, hatte der Fortschrittler Eugen Richter leichtes Spiel, nachzuweisen, daß der „Anwalt des kleinen Mannes" in Wahrheit der Anwalt des Groß- kapital« ist, und ihm zugerufen:„Entweder gar nicht Sozialist oder ganz!" Im klebrigen ritt er feinen abgetriebenen Manchestergaul. Tie Debatte wurde am 10. Januar fortgesetzt, und gab Genosse Grillenberger Gelegenheit, den Standpunkt der Sozialdemokratie zu Bismarcks Sozialpolitik zu entwickeln. Wir werden über diese Rede, welche uns bis Redaktionsschluß nur im kurzen Auszuge vorliegt, in nächster Nummer ausführlich berichten. — Wasch' mir den Pelz und mach ihn mir nicht naß! Das war auch der Grundton der Rede des katholischen Arbeiterfreundes H e r t l i n g.„Ich weiß wohl", sagte dieser gute Mann,„daß nicht für alle Arbeiter die Verkürzung der Arbeit eine wirkliche Wohlthat sein würde; eine sehr kurze Arbeitszeit fordert intellektuell und moralisch hoch stehende Arbeiter, welche wissen, was sie mit der freien Zeit anfangen sollen."— Es ist in der That ergreifend, welche Sorge sich die hohen Herren um die Arbeiter machen. Schade, daß diese» schöne Argument so alt ist, wie der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit, und daß schon die englischen Ausbeuter so schlau waren, bei allen Enqueten die trost- reiche Versicherung abzugeben, daß sie die Arbeitszeit nur aus Fürsorge für das Seelenheil ihrer„Schutzbefohlenen"— auf Deutsch Ausbeutung«- Objekte— ins Bodenlose hinaufschrauben. Diese Flunkerei hätten sie sich also rubig sparen können, Herr Hertling, darauf fällt heute Niemand mehr hinein. — Wie fte sich wenden und drehen, die christlich- sozialen Arbeiterfreunde, wenn es gilt, wirkliche Forderungen der Arbeiter auf Besserung ihrer Lage zu vertreten, das zeigt Stöcker's Reichsbote bei Besprechung der Essener Bergarbeiterpetition. Wie Stöcker in seinen demagogischen Reden, so beginnt auch fein Blatt zunächst mit einem Salm von Schmeicheleien und Betheuerungen des guten Willens. Dann aber kommt sachte der hinkende Bote nach. Man höre nur, wie sich der christlich-konservative Mann aus der Affäre zieht: „Die Industriellen haben also eiue gewisse moralische Verbindlichkeit übernommen, von einem gewissen Punkte ab auch die Löhne zu erhöhen, und hiermit ist ixso facto(an sich schon) gesagt, daß, sobald die Lage der Industrie sich noch(!) weiter verbessert, diese Verbindlichkeit durch effektive Erhöhung der Löhne eingelöst werden muß." („Reichsbote" Nro. 3.) Kann man schamloser mit den Arbeitern spielen? Die Besserung, von der man ihnen alles Mögliche vorgeschwatzt, ist da, sie hat ihnen bis jetzt lediglich erhöhte Arbeitsleistungen verursacht, und nachdem ihnen nun endlich die Geduld reißt und sie— immer noch in überbescheidener Form um den versprochenen Antheil an der Besserung bitten, da kommt der wohlgenährte Hofpfaffe und sagt ihnen salbungsvoll: Eure Bitte wird in Erfüllung gehen, wartet nur aber, bis es noch besser kommt. Das heißt, selbst dann dürft Ihr nur auf die Einlösung der„moralischen|Itr- binMichkcit" rechnen, denn„ob es sich dann als zweckmäßig erweisen wird, die Frage des Normalarbeitstages in Erwägung(!) zu ziehen, darüber kann man, wir wiederholen es, verschiedener Meinung sein." Wie vorsichtig der Herr Hofprediger hier ist, wo es sich ernsthaft darum handelt, den Ausbeutern einen Zaum anzulegen.„Ob es zweckmäßig ist"—„In Erwägung zu ziehen"— welche Kastratensprache! Ja, wenn es sich um die„böse Presse" handelt, da kann er donnern und wettern, daß es eine Art hat, hier aber kann er, wie bescheiden,„verschiedener Meinung" sein. Den Teufel auch! je nachdem man vom Standpunkt des Arbeiters oder vom Standpunkt des Ausbeuters ausgeht, „kann" man das, Herr Hofprediger! Wenn Sie uns aber mit ihrer„moralischen Verbindlichkeit" beschwatzen wollen, so rufen Ihnen Ausbeuter und Ausgebeutete einstimmig entgegen:„W a t wir uns davor koofe n." — Genosse K a y s e r ist in den Reichstag eingetreten und hat demselben sofort Gelegenheit gegeben, zu zeigen, wie heute in jeder Be- ziehung mit zweierlei Maß gemessen wird. Das Kriegsschiff„Frey a" war auf den Grund gefahren, und zwar hatte die Havariekommission festgestellt, daß das Verhalten des Schiffskommandanten zu erheblichen Aus st ell ungen Veranlassung gab. Jetzt sollte der Reichstag die Kosten, die sich auf über zehntausend Mark be- laufen, bewilligen. Mit Recht stellte K a y s e r den Anttag, diese Posi- tion zu streichen und den betreffenden Seeoffizier, der an dem Unfall schuldig ist, zum Ersatz heranzuziehen, aber der hohe Reichstag fühlte sich nicht veranlaßt,� auf dieses gerechtfertigte Verlangen einzugehen, sondern bewilligte mit ungeheuerer Majorität die verlaugte Summe: da« Volk kann's ja zahlen. Wenn ein abgerackerter Arbeiter, der vor Müdigkeit fast zusammenbricht, einen noch so geringfügigen Schaden in der Fabrik anrichtet, dann heißt's gleich: Lohnabzug! aber so ein wohlbezahlter Schiffskommandant, ja Bauer, das ist ganz was Anders! — Meineid— eine Folge des Sozialistengesetzes! Unsere Genossen Joh. Baptist Dietl, Kolporteur, und Anton Z a u n e r, Schuhmacher, wurden vom Schwurgericht in Landshut (Bayern) des Meineide» für schuldig erklärt und unter Ausschluß mildernder Umstände zu 18'/,, resp. 19 Monaten Zuchthaus und fünfjährigem Ehrenverlust verur- t h e i l t, weil sie den wegen öffentlicher Vorlesung des Flugblattes: „Keine Schmarotzer mehr!" angeklagten Genossen Fuß dadurch hatten vor der Vernrtheilung schützen wollen, daß sie leugneten, ihn zu kennen. Wenn ein gewissenloser Fabrikant Leben und Gesundheit feiner Arbeiter fahrlässig auf's Spiel setzt, um nur recht viel Geld zu verdienen, so kommt er in der Regel mit einer Geldstrafe weg, im schlimmsten Falle setzt e« einige Monate Gefängniß ab, der Lebensmittelfälscher, der Medi- zinalpsuscher, der gemeine Gauner erhallen, wenn es nur irgend geht, mildernde Umstände bewilligt, für Arbeiter aber, die, um einen ihrer Gesinnungsgenossen vor den Folgen eines infamen Ausnahme- g e f e tz e s zu schützen, einen politischen Meineid schwören, wie er ihnen von den hohen und höchsten Personen im Reiche schon unzählige Male vorgemacht worden ist«man denke nur an die Rastatter Morde unter Leiwng des Kartätschenprinzen!), wie er ihnen in der Schule schon als eine unter Umständen patriotische That gepriesen worden ist(General Jork!) — ist keine Strafe zu hart, da arbeiten bürgerliche Geschworne und Be- russrichter Hand in Hand, um den politischen Gegnern auf möglichst lange Zeit das Brandmal der Ehrlosigkeit aufzudrücken. Nun, vor dem Gesetz, vor dem Spießbürger mögen Dietl und Zaun er jetzt ehrlos fein, vor uns, vor der Partei des arbeitenden Volkes, sind sie es ebensowenig wie unser Genosse Ibsen, der noch immer wegen eines gleichen„Meineides" im Zuchthaus schmachtet! Wenn die Landshuter Geschworne» nicht lediglich ihren blindwüthenden Parteihaß hätten sättigen wollen, so müßte ihnen schon die außerordent- liche Ungeschicklichkeit, mit der ihre armen Opfer vorgegangen waren, sagen, daß sie es mit unüberlegten Männern zu thun halten, die sich kaum recht klar waren, was sie durch ihr Abläugnen aufs Spiel setzten, aber was fragt der Bourgeois dem Proletarier gegenüber nach Motiven!„Thut nichts, der Jude wird verbrannt!" das ist die politische Maxime dieser Ordnungsfreunde. Wir werden sie uns merken. — Aus Sachsen, ti. Januar. Gestern hat die sächsische Justiz wieder an einer Anzahl unserer Genossen ihr Müthchen gekühlt. Es handelte sich nm das Wahlflugblatt im Dresden-Neustädter Kreis, welches am 25. Septbr. durch etwa 40 Genossen verbreitet worden war. 17 von diesen 40 hatte man erwischt, und diejenigen, welche der Polizei am bekanntesten als Sozialisten waren, wurden al» Rädelsführer der Wahlagitation denunzirt. Da Verbreitung unverbotener Flugblätter nicht strafbar ist, erfolgte die bekannte Manipulation der Unterstellung unter§ 131, welche im„Sozialdemokrat" schon mehrfach gewürdigt worden ist. Gestern nun hatten die ländlichen Spitzbuben einen gut Tag, denn von Kötzschenbroda bis Pillnitz gab's keinen Gendarm; die Landgendarnien waren sämmtlich als Be- weismittel(in Ermangelung besserer) in den Gerichtssaal kommandirl, um unsere Genossen als„Zeugen"„verknacken" zu helfen. Auf eine» Meineid kam's ihnen dabei nicht an, wie wir weiter unten nachweisen werden. Die Verhandlung wurde vom Gerichtspräsidenten W e h i n g e r eröffnet, damit die Sache.anständig aussehen sollte. Aber das erste, was er that, war, die Oeffentlichkeit auszuschließen. Was hier beabsichtigt war, vertrug das Licht der Oeffentlichkeit nicht. Das Publikum wurde an die Luft gesetzt, und die 17 Angeklagten blieben wie Daniel in der Löwengrube zurück, links die„Richter", rechts die Garnitur der Gens- darmen. Nun verließ auch der Präsident Wehinger seinen Platz, ver- duftete, und machte dem berüchtigten M a n g o l d t Platz, dem Würg- engel der letzten Schwurgerichtsperiode, der jeden reichen Spitzbuben laufen läßt, aber jeden Arbeiter und vor Allem jeden Sozialisten rück- haltlos verknurrt. Damit war der juristische Schein abgestreift, es be- gann die Inquisition. Mangoldt schrie die Angeklagten an:„Was wollen Sie? Was haben Sie zu sagen? Seien Sie doch ruhig!" Kurz, von Verhör und Beweisaufnahme war gar nicht mehr die Rede. Selbst die wenigen nichtpolizeilichen Zeugen wurden erst gefragt, ob sie Sozialdemo- traten feien, und wer bejahte, wurde nicht vereidet, weil auf seine Aus- sage kein Gewicht gelegt werde. Es wurde gar nicht erwogen, ob denn der Inhalt des Flugblattes wirklich strafbar sei, es wurde kein Angeklagter gefragt, ob er das Sozialistengesetz nach bester Ueberzeugung für schlecht und infam halte; über diese nothwendigen Borbedingungen zur Be- urtheilunq setzte sich Mangoldt ruhig hinweg. Obgleich der§ 131 durch wissentlich falsche Angaben über Staatseinrichtnngen-c. erst in Betracht kommen kann, wurde hier weder ein Wort darüber verloren, ob die Angaben, daß das Sozialistengesetz Existenzen ruinire zc., falsch feien, noch— diese absurde Annahme wirklich vorausgesetzt— ob sie wissentlich falsch behauptet wurden. Auch der Umstand, ob die ein- zelnen Angeklagten überhaupt Kenntniß von dem Inhalte hatten, wurde nur sehr liederlich erörtert. Genosse H ll n i g bestellte einen Omnibus für die Austräger, folglich kannte er den Inhalt des Flugblattes und ist Hauptschuldiger. Genosse Gärtner hatte die Blätter eine Nacht in Verwahrung, folglich mußte er sich davon überzeugt haben, daß der Inhalt nach Dresdener Rechtsbegriffen strafbar fei. Genosse Schreiber hatte andere, hier gar nicht in Frage kommende Druckschriften, u. A. ein Liederbuch aus Zürich,„verbreitet", folglich mußte er auch den Inhalt des Flugblattes kennen. Genosse Pflaum hatte zwei Mappen an Austtäger verliehen, und man hatte einige Zettel mit geographischen Notizen über den Wahlkreis bei einem Andern gefunden, der sie an- geblich von Pflaum hatte, folglich war auch Pflaum für den Inhalt verantwortlich. Drei andere Genossen hatten ihre Flugblätter in die Stiefel oder auf der Brust versteckt, weil erfahrungsgemäß die behördlichen Schnapphähne, jedes auch das harmloseste Flugblatt während der Wahl- agitation raubten, der„Zeuge" Kommissar Paul konstatirte auch aus- drücklich, daß er Ordre gehabt habe, jedes auftauchende Flugblatt ohne Unterschied wegzunehmen, aber trotzdem wurde aus dem Verstecken der Flugblätter seitens jener drei Austräger gefolgert, daß sie sich der Sttafbarkeit des Inhalts bewußt gewesen. Unter den Zeugen trat auch ein Gensdarm auf, der bei der Flugblätter-Wegnahme einem Genossen eine Ohrfeige gegeben hatte. Auf Vorhalt der Angeklagten stellte er diese Rohheit in Abrede, und beschwor ausdrücklich, keine Ohrfeige gegeben zu haben, obgleich sechs Augenzeugen den Vorfall mit angesehen haben. Daraus kann man sehen, was es mit den Zeugnissen und Eiden der Gendarmen auf sich hat und warum ge- rade Polizeileute immer als„Beweismittel" gegen uns vorgeführt werden. Die Burschen beschwören Alles, was der Präsident haben will. Das war die„Beweisaufnahme", die durch das brutale, parteiische Gebahren des Vorsitzenden, welcher gar nicht schnell genug fertig werden konnte, ihren Charakter als lästige Formalität offen zur Schau trug. Der Staatsanwalt hielt eine jener schablonenmäßigen Belastungsreden, die schon durch ihre Langweiligkeit tödtlich wirken, der Vertheidiger Dr. E y s o l d hielt eine wirklich gute, treffende und überzeugende Rede für die völlige Straflosigkeit der Angeklagten, während welcher der Präsident unruhig, wie ein ungezogenes Kind, auf dem Präsidentenstuhle herumrückte, dann folgte die Verknurrung. Genosse Hänig(Familienvater) wurde zu sechs Monaten verurtheilt und von der Anklagebank weg verhaftet. Genosse Pflaum(schon feit Mouaten in Haft, w ährend seine Frau jede Stunde ihrer Niederkunft entgegensieht) erhielt sechs Monate und blieb gefan gen. Genosse Gärtner(Familienvater und mehrere Monat bereits inhaftirt) bekam vier Monate, Genosse S ch r e i b e r ebenfalls vier Monate. Den letzten beiden und Pflaum wurden je ein Monat Untersuchungshaft angerechnet. Die drei Genossen, welche die Aufrufe vor den Spitzbuben versteckt hatten, bekamen für diese Vorsicht je zwei Monate Gefängniß. Die Motivirung dieser Urtheile gipfelt in dem oben geschilderten Sachverhalt, und hatte man sich gar nicht Mühe gegeben, dieselben im Erkenntniß auch juristisch zu begründen. Die übrigen zehn Mann wurden freigesprochen. Man halte sie überhaupt blos mit an- geklagt, um durch theilweise Freisprechungen der Sache einen Schein von Unparteilichkeit zu geben.— So spricht man„R e ch t" im deutschen Reiche! Und so frei ist die Wahlagitation! — U e b e r d i e B e h a n d l u n g des im obigen Prozeß zu sechs Monaten— eigentlich a ch t Monaten, denn von 11 Wochen Unter- suchungshaft wurden ihm nur vier als„verbüßt" angerechnet— ver- donnerten Genossen Pflaum während der Untersuchungshaft entnehmen wir einem Privatbriefe noch folgende Mittheilungen: „Seit jeher hatten die Insassen des Dresdener Untersuchungsgefängnisses bitter über die schlechte Behandlung zu klagen, insbesondere die„poli- tischen". Gegen jetzt aber war es früher golden. Früher war es den Untersuchung» gefangenen wenigstens vergönnt, hin und wieder den Besuch ihrer Angehörigen zu empfangen, es war möglich, ihnen gewisse Erleichterungen ihrer Haft zu vers«chaffen, das ist alles nicht mehr der Fall. Trotzdem P f l a u m's Gattin laut ärztlichem Attest sich in einem Zustand befindet, der keinerlei Aufregung oder Unruhe verträgt, wurde ihr weder erlaubt, ihren Mann zu besuchen, noch dem Gesuch, Pflaum gegen Kaution vorläufig zu ent- lassen, Folge gegeben, obwohl der Staatsanwalt selbst ihr zugestand, daß unter solchen Umständen eine Ausnahme zulässig sei. Aber die Herren Richter, die Männer der„Gerechtigkeit", mißbrauchen ihr Amt mit frechstem Cynismu» dazu, an ihren politischen Gegnern, die ihnen in die Klauen fallen, ihren Haß auszulassen, sie ihre Macht fühlen zu lassen. Knirschend fügen wir uns heute der Macht, aber den festen Entschluß im Herzen, uns Genugthuung zu verschaffen, sobald nur die Gelegenheit sich bietet"....... — Das vierte Gebot! Der Kreisschulinspekior des Kreises Fried- lan d(Ostpreußen), Corsepiu« ist der Name dieses Biedermannes, hat eine rllhrfame Epistel über die„allerhöchste" Botschaft des deutschen Kaisers an die gefammte Lehrerschaft feines Kreises gerichtet, in der er seine Schutzbefohlenen in allen Tonarten ermahnt, doch ja dafür zu wirken, daß nicht wieder ein böser Fortschrittsmann in diesem Kreise gewählt werde.„Denn", sagt der Gute,„wenn ich auch gewiß glaube, daß Sie, meine Herren, alle königstreu sind, und daß ohne Zweifel nur wenige Lehrer unseres Kreises sich dazu hergegeben haben, für den Fortschritt und gegen die Regierung unseres Kaisers förmlich zu agitiren— was sich, beläufig gesagt, sehr schlecht mit dem vierten Gebot Gottes verträgt—" u. s. w. u. s. w. Das vierte Gebot Gottes! O, Herr- Kreisschulinspettor, damit hätten sie doch nicht kommen sollen. Denn wie die Könige von Gottes Gnaden bis jetzt Vater und Mutter„geehrt" haben, das ist ein gar böses Kapitel. Wollen'« aber trotzdem nächstens behandeln. — Trotz kleinen Belagerungszustandes haben beiden letzten Gemeinderathswahlen in Volkmarsdorf bei Leipzig unsere Genosse glänzend gesiegt. Bravo! — Sozialistische Presse. Wir erhalten die erste Nummer von„La Sentinelle(Die Schildwache!), sozialistisches Organ." Das Blatt erscheint 14tägig in Verviers(Belgien) und dankt seine Entstehung dem Streik der dortigen Spinner. Es bekämpft die Spal- tungen unter den Arbeitern, insbesondere die Uebertreibungen des Prin- zips der Autonomie. Wir begrüßen diesen Mitkämpfer gegen kapitalistischen Uebermnth auf's Wärmste. — Aus Frankreich. Die Erneuerungswahlen zum Senat haben eine weitere Verstärkung der republikanischen Partei ergeben. Diese Siege zeigen so recht, was es mit der monarchistischen Gesinnung der Völker auf sich hat. Diese Leute in Frankreich, welche da heute alle republikanisch wählen, wären zum großen Theil treuergebene Diener der Monarchie, wenn— die Monarchie am Ruder wäre. Sie würden der Monarchie alle möglichen, guten Seiten abgewinnen, wie sie es heute mit der Republik thun. Die$roße Masse der Spießbürger, und diese geben bei den Senatswahlen den Ausschlag, hält es eben mit der Macht. Da« rum glaube man auch gar nicht an die monarchistischen Gefühle des deutschen Spießbürgers. Derselbe ist nur etwas schwerfälliger als der Franzose, er wird sich aber den Teufel um sein angestammtes Herrscher- haus kümmern, wenn es ihm in der Republik besser geht. Am 8. Januar wollte eine größere Anzahl Verehrer Blanqui's— man schätzt ihre Zahl auf gegen 500— zu Ehren der Jahresfeier des Todes dieses großen Revolutionärs einen Zug mit Kränzen zum Pore Lachaise marschiren, sie wurden aber auf dem Wege wiederholt von Spitzeln und Spitzeln angefallen und mißhandelt. Gegen hundert Theil- nehmer des Zuges wurden verhaftet, unter ihnen gerade diejenigen, von denen man revolutionäre Ansprachen„befürchtete": Louise Michel, Eudes, Cournet, Granger, Vallds und Andere. Die Gambettistische Republik war wieder einmal gerettet. Der ganze Skandal war, wie jetzt feststehe, aus Anordnung Gambetta's in Szene gesetzt worden. Der große Volkstribun, der im Jahre 1368 seine politische Karriöre durch die Vertheidigung des wegen der Demon- stration zu Ehren Baudin's verurtheilten Delescluze begründete, wollte den französischen Mastbürgern zeigen, wie sehr er von seinen „Jugendsünden" zurückgekommen. Die republikanischen Richter zeigten sich übrigens ihres großen Vor- bildes würdig und verurtheilten die Verhafteten lediglich auf die Aus- sagen der Polizisten hin zu mehrwöchentlichen Gesängnißstrafen. Die Republik wird dem Kaiserreich immer ähnlicher. — In Serbien haben jüngst verschiedene Nachwahlen zur Skupt- schina stattgefunden, bei welcher, außer in B e l g r a d, dessen Bevölkerungs- Zusammensetzung eine dem Sozialismus von jeher sehr ungünstige ist, nnd Kragujevatz, überall die sozialistischen Radikalen siegten, in einigen Wahlbezirken hatten die Gegner nicht einmal Kandidaten aufgestellt. Unter den Gewählten befindet sich unter Anderen auch M i l i j a M i l o w a n o w i t s ch, der Freund des vor Jahren vergifteten braven Bolkskämpsers Adam B o g a s a w l j e w i t.s ch. In Belgrad erhielt der Redakteur des„Radnik"(der„Arbeiter"), M i t a Z e n i t s ch, die zweitgrößte Stimmcnzahl. Eine der aufopserndsten und begabtesten Borkämpserinnen des Sozia- lismus in Serbien, Militza Theodorowitsch, geb. R i n k o- witsch ist im Monat Dezember nach längerem Leiden der Schwindsucht erlegen. Bon zartem, schwächlichen Körper, vereinigte die Verstorbene eine außerordentliche Willenskraft mit einem sanften hingebendem Gemüth, ein seltenes Wissen mir einer fast übertriebenen Bescheidenheit. Von Hause aus Sprachlehrerin, widmete sie sich, da sie bei ihrer Gesinnung als solche aus Anstellung in Serbien nicht rechnen durste, und da man ihr nnd ihrer gleichgesiunlen Schwester die Errichtung einer eigenen Schule unmöglich machte, dem Studium der Medizin, welches sie zuerst in Petersburg, dann in Zürich und zuletzt in Paris betrieb. Schon hatte sie in letzterer Stadt die ersten Examen abgelegt, als sie heftig er- krankte und in die Heimath zurückkehren mußte, wo sie bald darauf starb. Militza Theodorowitsch interessirle sich auch lebhaft für die deutsche Sozialdemokratie. Den Lesern de»„Volksstaat", des„Vorwärts" und des„Sozialdemokrat" ist sie durch Korrespondenzen über die Vorgänge in Serbien näher getreten. Sie gehörte zu jenen heroischen Frauen- naturen, welche aus der Schule des russischen Denkers Tschernischewski hervorgegangen, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Wohl, ohne Ruhm- und Ehrsucht, ihr ganzes Leben der Propaganda des Sozialismus weihen und, wenn Uberhaupt, erst durch ihre Einkerkung oder ihren Tod bekannt werden. Möge das Proletariat ihr ein ehrenvolles Andenken bewahren! — Rußland. Der Ausruf des Unterstützungsvereins der„Narod naja Wolja", den wir in Nro. 52 des„Sozialdemokrat" abdruckten, ist jetzt im Separatabdruck erschienen und wird mit beigefügter Zeichnungs- liste auch unfern deutschen Genossen zugehen. Obwohl dieselben durch den Kamps im eigenen Lande, der ihnen so viele schwere Opfer auserlegt, überaus stark in Anspruch genommen sind, und obwohl sie, in der über- wiegenden Mehrzahl Proletarier, ohnehin eher der Unterstützung bedürfen, als solche zu geben vermögen, so sind wir doch überzeugt, daß sie diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen werden, den wackeren Freiheit»- kämpsern Rußlands ihre Sympathie durch die That auszudrücken. Der Arme ist von jeher des Unterdrückten bester Freund gewesen, das wird sich auch hier zeigen. Wir wollen die Frage, in wie weit die russischen Revolutionäre Sozialisten in unserm Sinne sind, hier nicht aufwersen, so viel aber steht fest, dag sie sich durch die vernichtenden Schläge, welche sie dem Todfeinde aller sreiheitlichen Regungen in Europa, dem russischen Despotismus, versetzt haben und fernerhin zu versetzen bestrebt sind, An- sprucb aus den Dank und die Anerkennung aller revolutionären Parteien erworben haben. Die deutschen Sozialisten Zürich's haben beschlossen, zu Gunsten des russischen Unterstützungsvereins in Kürze eine gesellige Abendunterhaltung zu veranstalten. — Aus N e w- V o r k erhalten mir kurz vor Redaktionsschluß folgende Nachricht: Soeben wird der gut beschickte Kongreß der sozialistischen Arbeiterpartei der Vereinigren Staaten von Amerika in der„Steuden Halle" eröffnet. Weiterer Bericht folgt. Aus der neuesten Nummer des Chicagocr„Vorboten" ersehen wir ferner, daß zwischen den beiden Fraktionen der Sozialisten Nordamerika'« eine immer größere Annäherung stattsindet. Was wir in einer der letzten Nummern vorausgesagt, dürfte bald verwirklicht werden, denn unsere New-Iorker Genossen verwerfen die Kompromißpolitik ebenso energisch als die Chicagoer. Parteigenossen I Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. — Zwickau, 21. Dezember. Heute hatten sich vor der 2. Strafkammer des Königl. Landgerichts Genosse Hermann Schmidt, sowie dessen Mutter K a r o l i n e Schmidt von hier und der Weber Julius Z s ch e m i s ch in M e e r a n e wegen Verbreitung verbotener Druckschriften zu verantworten. Ten beiden Ersteren wurde zur Last gelegt, öfters Packete mit Exemplaren des„Sozialdemokrat" zur Post befördert zu haben und sollten beide in mindestens zwei Fällen über- führt sein. Zschemisch ward beschuldigt, ein im September, vermuthlich von Schmidt, erhaltenes Packet geöffnet und dann an Weber Rödel abgegeben zu haben. Schmidt wurde zu 50 Mk., eventuell 14 Tagen Gefängniß verurtheilt, dessen Mutter aber freigesprochen und Zschemisch zu 30 Mk. oder 9 Tagen Gefängniß und beide in die Kosten verurtheilt. Die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt C u b a s ch selbst, wahrscheinlich aus Besorgniß, die Angeklagten könnten freigesprochen werden. Bereits bei Eröffnung der Verhandlung gab es dem Herrn einen Stich, man konnte es aus der unwillkürlichen Bewegung, die er auf seinem Stuhle machte, ersehen, denn der Präsident des Gerichtshofes verwies die An- geklagten nicht auf die Anklagebank, sondern ließ sie dort Platz nehmen, wo sonst die Vertheidiger sitzen. Der Herr Oberstaatsanwalt suchte in einer langen Rede— der Sinn war kurz— die Schuld der Angeklagten nachzuweisen und wollte alle drei gehörig verdonnert wissen, der Gerichts- hos trat dem jedoch nicht vollständig bei und verkündete nach langer Be- rathung obiges Urtheil. Aus diesem Fall geht abermals hervor, wie dringend nothwendig es ist, Briese nnd Karten, überhaupt alle Schriftstücke, nach Kenntnißnahme sofort zu vernichten. Leider wird dies noch zu wenig befolgt, trotz der vielen Aufsorderungen, die darüber ergangen. Erwähnen will ich noch, daß der genannte Staatsanwalt gegen zehn Genossen in Zwickau und zwei aus Planitz wegen Verbreitung von Wahlaufrufen, deren In- halt seiner Ansicht nach gegen§ 131 des Strafgesetzbuches verstieß, Anklage erhoben hatte. Dieselbe wurde jedoch in der Voruntersuchung auf Be- schluß der 1. Strafkammer niedergeschlagen. Hiergegen erhob nun „unser" C u b a s ch Beschwerde beim Oberlandesgericht; dieselbe wurde jedoch ebenfalls verworfen und die Kosten auf die Staatskasse Ubertragen. — Armer Oberstaatsanwalt. B. O. T. — Landkreis Köln, im Dezember. In dem Theile unseres Wahlkreises, wo die Industrie vertreten ist, wurden für unfern Kandi- baten A. Bebel 1514 Stimmen abgegeben, in dem anderen Theil des Wahlkreises, welcher durchgehend von der Landbevölkerung bewohnt sst, fast keine. Im Stadtkreis Köln erhielt A. Bebel 2474 Stimmen. Wir sind trotz des Sozialistengesetzes an Stimmenzahl gestiegen. Ge- wühlt wurde im Landkreise Köln Clemens August Menke(Zentrum), von dem ich nur berichten kann, daß er seine Wahl den Leuten mit den langen Röcken, den Bonisazius-Vereinen und der schwarzen Presse, welche in jeden Winkel vertrieben wird, zu verdanken hat, seine Thätigkeit hat ihm bisher noch wenig Lorbeeren getragen. Die Schreier von Liberalen, welche sich das Armuthszeugniß gaben, keinen Kandidaten aufzustellen, wurden in der Nacht vor der Wahl Uber ihre Dummheit und Feigheit belehrt, indem ein Häuflein Kommis und Komptoirjungen sogar zwei Kandidaten aufstellte, die Herren Dr. Grüneberg und I. Maier, beide Fabrikbesitzer. Ersterer war schon früher Kandidat, doch könnte das Volk sich daran gewöhnen, Kartoffelschaalen und alte Schuhsohlen zu ver« bauen, falls es solche Leute ins Parlament schickte. I. Maier ist ein etwas populärer Mann, doch besitzt er zum Volksvertreter durchaus nicht die genügenden Kenntnisse. Ich möchte fast behaupten, daß diese Kandi- dalen-Aufstcllung die Folge eines Rausches war und beide Kandidaten bekamen auch zusammen nur einige hundert Stimmen. Da? Sozialisten- gesey thut, wie überall, auch hier seine Wirkung; Haussuchungen sind an der Tagesordnung. Im Stadtkreis wurden zwei Genossen wegen Verbreitung eines Wahlslugblattes verhaftet, doch nach einigen Stunden wieder freigegeben, alle Mühe unserer Allgewaltigen ist umsonst. Er- wähnen muß ich, daß im Nachbarkreise Mühlheim a. Rh. unsere Genossen fast jede Woche einen behelmten Besuch erhalten, natürlich immer resul- tatlos. Sogar ganz unschuldige Vireine, wie Krankenkassen werden, sobald die Spürnasen nur einen Genossen wittern, strenge bewacht, natürlich immer mit dem jesuitischen Bemerken: Wir stellen Euch nichts in den Weg, sondern wollen uns nur überzeugen, ob nichts staatsgefäbrliches getrieben wird. Unter diesem Vorwand werden Bücher und Material mit- genommen, nach Wochen erst wieder zurückerstattet, gefunden wird indeß von den Superklugen nichts. Daß es eine Infamie ist, in Kassen, welche zur Unterstützung in AranheitSfällen dienen, solche Störung zu machen, kümmert die Herren wenig. Auf diue Infamie mehr oder weniger kommt es ihnen nicht an. Es wird nämlich blas aus dem Grunde gethan, die Sozialdemokraten zu verdächtigen und mürbe zu machen. Doch die Herren irren sich gewaltig, unsere Organisation steckt nicht in Bereinen, nicht in Krankenkassen, sie sitzt im Volke, das Sozialistengesetz bat unsere Agitation aus den Vereinen unter das Volk geschleudert, hier thut es seine Wirkung. Die hiesigen Genossen sind wie immer thätig, doch wäre denselben zu empfehlen, im Land- wie Stadtkreis die weiterliegenden Dörfer zur Agitation mehr vorzunehmen. Mit Rücksicht auf den� Raum unseres Parteiorgans will ich hiermit schließen. Nächstens mehr. Kodes vom Rhein. — Gießen, 12. Dezember. Unser Wahlresultat kann nicht mil anderen verglichen werden, denn außer von engeren Parteigenossen haben wir fast keine einzige Stimme erhalten. Zum Theil mag Schuld daran sein, daß an Stelle des konservativen von Rabenau uns ein ziemlich beliebter und als freisinnig geltender Advokat, Dr. Gut fleisch, gegenübergestellt wurde. Die Wahl desselben halte ich übrigens als für unsere hiesige Bewegung ganz vortheilhast. An unfern Sieg war dies- mal nicht zu denken, so war es gut,. daß diesmal ein Liberaler dran kam. Meint Gntfleisch es ehrlich, so muß er, der ein gescheidter Kopf ist, immer mehr nach links vorrücken und uns bei dem Gros der Wähler den Boden ebnen, im umgekehrten Falle ist es mit dem hiesigen Liberalismus ganz zu Ende und unser Weizen blüht erst recht. Vielleicht hätten wir immerhin auch diesmal mehr Stimmen erhallen, wenn uns ein Organ zur Verfiigung gestanden hätte. So waren wir nur auf ein von uns vertriebenes Wahlflugblatt, das mir zwar zu zalnn war, aber von der Bevölkerung gut aufgenommen, wurde, angewiesen. Ferner haben wir es vorgezogen� unser Geld andern Kreisen, wo die Aussichten besser waren, zu geben, und die Erfolge von Hanau, O f f e n b a ch und Mainz, die gewiß glänzend sind, rechtfertigten dieses Borgehen. Außerdem haben bedeutende Wahlbeeinslusinngen stattgefunden, infolge- dessen viele unserer Leute, namenckich Bergleute, Enthaltung vorzogen, und dann besteht der Kreis aus 220 Ortschaften, u. A. Nestern im Vogels- gebirge, wo nie ein Sonnenstrahl hingedrungen. Dessenungeachtet rechnet man mit uns. Thuen wir darum unsere Pflicht und blicken wir getrosten Muthes in die Zukunft! Der Sieg muß uns doch bleiben! I a r t o r i u s. Warnung. Die Parteigenossen werden vor dem Schneider Genthc aus O st e rode gewarnt. Derselbe hat hier durch falsche Denunziation und Meineid dem Genossen D a b e r s zu vier Monaten verHolsen. Der Genosse Harlmann ist durch seine falsche Denunziation seit zehn Wochen hier im Zellen- Gefängniß in Untersuchungshaft. Ter Genthe ist ein wegen Diebstahl und Betrügerei für das Zuchthaus reifes Subjekt, ist auch schon bestraft, wird aber trotzdem von der Polizei in Schutz genom- men. Der Polizeikommissariu« hatte ihn zu der Hauptverhandlung im Dabers'schen Prozeß mit den Worten gesucht, er hätte 3 0 T h l r. für ihn gesammelt. Jedenfalls wird Genthe sich jetzt wohl in polizeilicher Mission ander- weitig aufhalten, sollte er, was nicht unmöglich ist, unter falschem Namen reisen, so diene folgendes Signalement zur Beachtung: G. ist von Statur klein und schwächlich, lahm, hat dunkles, struppiges Haar, kleine, schräg und tief liegende Augen und einen scheuen Blick. Hannover, 19. Dezember 1881. Organisation der dentschen Soziatilien in jder Schwei; und dem übrigen Ausland. Im Laufe dieser Woche ist die Ouartals-Abrechnung nebst Zirkular zur Versendung gelangt. Dieselbe enthält die bis 31. Dezember eingegangenen Beträge. Nachträglich Eingegangenes kommt in die nächste Abrechnung. Bei Bedarf von Karten für 1832 und sonstigen Utensilien wolle man an das Sekretariat Mittheilung machen. In der Sitzung der Zürcher Mitglieder am 8. Januar wurde der neue Landes-Ausschuß gewählt. Näheres im Zirkular. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Landes-Ausschuß. Weihnachtsgruß der Ausgewiesenen an die Herrschenden. (Verspätet aber nichr zu spät.) Jetzt sitzen sie jubelnd im festlichen Saal, Ihres Heilands Geburtssest zu Ehren, In lärmendem Kreise beim üppigen Mahl. Wir darben indeß und entbehren. Jetzt heben sie lustig den vollen Pokal, Jetzt klingen die Gläser zusammen-- W i r aber, wir wollen in Elend und Qual Verfluchen sie wild und verdammen! I i e schwelgen— wir irren landaus jetzt, landein, Aus der Heimath gewalssam oertrieben: Nichts blieb als der Haß uns, der Haß nur allein, Verlernt haben längst wir das Lieben. So taumelt und schwelgt!-- Wir niiihn uns in Roth— Bis einst wir das Banner erheben, Dann springt Ihr vom Sessel auf, bleich wie der Tod; Die feigen Gebeine erbeben Das ist der Vergeltung heiliger Tag, Die Zukunft mit donnernden Wettern! Dann schwingen das Schwert wir, statt müssiger Klag', Die Tyrannei zu zerschmettern! Ein Vagabund. Briefkasten der Redaktion. I. D. in Sg.: Besten Dank. Kommt in nächster Nummer mit kleinen Aenderungen, mit denen wir Sie einver- standen hoffen, zum Abdruck. R. B. F.: Vollkommen mit Ihnen ein- verstanden; kommt in einer der nächsten Nummern zum Abdruck. Valentin: In dieser Nummer absolut nicht mehr möglich, in nächster aber bestimmt. der Expedition: M. P. Rbg.: Mk. 6,— Ab. I. u. 2. Qu. 82 crh. Prtk. folgen.— C. Rhr. Mkch.: Mk. 3,— Ab. 4. Qu. 81 erh.— Rother Franz: Fr. 5,— a Cto. erb. u. Fr. 3,75 f. d. Neuen gut- geschr.— Rmm. Zllkn.: Fr. 2,— Ab. 1. Qu. durch U. erh.—„W.; Fr. 1,85 d. Agfds. dkd. zugew.— fff Himmel---: Mk. 102,40 5 Cto. Ab. 2—4. Qu. 81 u. Schft. erh. Mk. 6,— davon für C. i. B. 3. u. 4. Qu. 81 verwendet. Mk. 57,30 in Gegenr. gutgebr.— R. Z. O.: Mk.: 3,- Ab. 1. Qu. crh.- C. H. Pz.: Mk. 2,— f. Schft. erh. Sdg. abgg.— R. B. F.: Bf.-c. v. 6/1. erh. u. inhaltl. vkd. be- nützt.— K. Wormser: Die Berk-auensleuie in Fg. behaupten, von der bekannten Reklamation gar Nichts zu wissen. Bescheid war schon am 8 12. 81 dahin abgegg.— A. II. u. H. N. Paris; Fr. 5,— Ab. 1. Qu. erh. Bei„Gott" und den deutschen Reichsstiebern ist kein Ding unmöglich. Das Kgl. Bayr. Postamt III. in München hat z. B. einem hiesigen Genoffen Mk. 62,— kurzweg gar nicht zugehen lassen, obschon Bries hieher ganz korrekt addressirt war und weder innen noch außen Strafbares enthielt. Reklamationen für die Katze, obschon zugegeben wird, daß der Werthbrief noch in M. liegt und obschon Addressat hier wiederholt reklamirle. Da sind S i e also noch ganz„gnädig" weg« gekommen!— R. H. Gens: Fr. 2,— Ab. 1. Qu. erd.— G. Th. Schbg.: Pik. 3,80 f. Schst. erh. Sdg. abgegg.— F. W. Schmidt i. Phikad.: Fr. 25,— durch Z. Basel erh. u. Cto. geebnet.— Ruprecht: Mk. 3,—' Ab. 1. Qu. erh.— Rosa Beck: Mk. 20,— ä Cto. Ab. erh. Abr. folgt.— Onkel: Mk. 10,— durch Nichte erh. u. pr. Ab. 1. Qu. sowie UfdS. verw. Weiteres benützt.—— x— l. W.: Mk. 9,— Ab. 1. Qu. erh. Addr.— n geändert.—— r Stn.: Mk. 20,21» Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Autw. auf sämmtl. Fragen Bfl. am 14/1.— Ferdinand: Bf. v. 7/1. erh. Alles beachte: und besorgt.— Weckuhr: Mk. 6,— Ab. 1. Qu. erh. Sdg. nach Wunsch bewirk!. Nachr. betr. d. Anderen erwartet.— John. G.©tränt: Bf. u. Bestllg. v. 27/12. 81 erh. Sdg. bewirkt. Glück auf!— Rothschwanz: Mk. 9,— Ab. 4. Qu. 81 n. 1. Qu. 82 erh. Ers. 50'folgt. Weitere« i. Bfk. daselbst.— Columbus: Alles nach Vorschr. verrechne: u. abgegg. Bpost durch Zwischenhand verzijgert. Ist Wandel geschafft. Prgr. kommen.— Karl Lehmann: Mehrbestllg. vorgem. Anszg. folgt. Bfl. mehr.— Bekannter C. a Rh.: Mk. 50,— ü Cto. erh. Am 10/1. Bst. mehr.— Reichsmaulwurf P.: Mk. 2,50 alter Rest pr. 3. Qu.»U erh. Bf. sofort besorgt.— A. B. Cl.: Mk.3,— Ab. 1. Qu. 82 erh.- H. K. Bk.: Mk. 4.3»» Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Gestohlenes mit Neubestllg. außer 41 nochmal fort.— Engelbrecht Broklvn.: Sdg. nebst Nachliefrg. abgg. Sendgn. an Klässig und Knauer mi: Nr. 42 eingestellt, weil an uns nicht bezahlt wurde. Kl. hängt noch mit Fr. 28,25 u. Peter K. mit Fr. 38,15.— Serlow; Bp. nun zun: drittenmale abges.— Jörg. Gaard. Kphgn.: Reklamation sofort nach Empf. d. K. bewirkt. Noch keinen Bescheid. Ersatz folgt. B. soll Forff'chrittler geworden sein. K. L. ist ein Anderer.— G. F. Mbg.: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh.—!— y) Ads.: Fr. 3,— Ab. 1. Qu. u. Ufds. dkd erh.— A. B Paris: Fr. 2,50 Ab. 1. Qu. erh.— Schw. Jackel N.-Y.: Fr. 2,50 Ab. 1. Qu. erh.- I. B H. a. B.: Mk.— ,20 erh. Gewünschtes nebst Mtthlg. abgg.— B. Justinus: Bitten um Re- lournirung des„Armen Konrad" 1876.— Revolte: Ans hunderttausend kommt es euch nicht an, wenn nur die Lüge ihren Dienst gethan. Durch uns zu beziehen: Photographie von Lophia Perowskaja, der heldenmüthigen Vorkämpserin des russischen Volkes. Gestorben durch Henkershand am 15. April 1881. Preis: 1 Mark; für Arbeiter: 50 Pfennige. Der Reinertrag ist für Propagandazwecke der russischen Revolution«- Partei bestimmt. Börner liekern vir: Dei' erste Hocliyerratlisprozess vor dem• Reichsgericht in Leipzig. Auf Grund der stenographischen Niederschrift der Verhandinngen. herausgegeben von E. Künzel, Stenograph u. Red. der„Reichsgerichts-Korrespondenz". Preis: Mk. 1.20. Fr. 1.50 per Einzelexemplar. Bei Entnahme von 3 Exemplaren u. mehr: Mk. 1.— Fr. 1.25. Franko,— nur gegen haare Vorauszahlung. Expedition des„Sozialdemokrat". Kur llearhtunis! Iaanelon Comm. Arbeiter-Bildungs- Verein 49 Tottenham Street. Tottenham Court Road. Die"SVirthschaft des Vereins ist geölfnet von Morgens 9 bis Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reizenden Genossen auf unsere Adresse zu achten. Der Vorstand. Ufttmsbutbcuartti �gltinaen-SIdA.