i Srfchew! «Sckentlich einmal in Zürich iSchweiz) Serliig K. Herter, Hottingen-Zürich Kannostraße 3. z?ztsk»!»!ugc» franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der Awäim Jentrat-Argan der deutschen Sozialdemokratie y??«. Donnerstag, 2. Februar. Aöollnemeul!! werden nur beim Verlag ru.d dessen bekannten Agenten ent- gegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz lKreuzban Mk. 3— für Teutschland lCouvert st. 1. 70 für Oesterreich(Couver Fr. 2. 50 für alle übrigen Land � Weltpostvereins lKrcuzband). luferatt Die dreigespaltene Petitzeile 25 Cts. � 20 Pfg. 1882 ia:»«5 dik fiorrefsonitnlt«»ud Abisaeutrii Ire„SoiinlinBoktsl" Da der.gojialbtmolrat" sowohl in Deutschland al! auch in Oesterreich verboten ist, bezw.»eriolgt wird, und die dortigen, Behörden stch alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp, Briese von dort an uns und unsere Zeitung?- und sonstigen Sendungen nach dort abzusaugen, so ist die äußerste Vorstcht im Postverkehr nothwendig und darf leine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Brieimarder über den wahren Absender und Emviänger, sowie den Inbalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauvtcrsorderniß ist hiezu einerseit». daß unsere Freunde so selten als möglich an den.Sozialdemolrat', rejd, dessen Verlag selbst adresflren. sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtig« Adresse außerhalb Deutschiandi und Oesterreich? wenden, welche sich dann mit NN? in Verbindung setzt; anderseits ab.e, daß auch uns möglichst unverfänglich- ZustellnngSadressen miigetheilt werden. In zweiselhasten Fällen empfiehlt fich b-huss größerer Sicherheit Zielomtnandiruug. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Ztosten scheuen, um trotz aller ent- gegeuftehenden Schwierigleiten den. Sozialdemolra«' unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern, Unser» auswärtigen Abonnenten. Filialen, Bertrauensleuten sc. legen wir ans Herz, Ab- rcchnnngen und Abonnementserneuerungen, soweit noch nicht ersolgt, ungesäumt zu bewirken, ebenso wollen alle A b o n- n e n t e n an unsere Vertrauensleute unbedingt während des e r st e n M o n a t s im Quartal Zahlung leisten, damit' keine Unter- brechung in der Lieferung eintreten muß. Unsere Vertrauensadressen sind bekannt. Alle Lieferungen erfolgen nur auf Gefahr der Besteller. Briefmarken aller Länder werden sllr voll angenommen. Größere Beträge in Papiergeld oder Post-Einzahluug. Da viele auswärtige Besteller, besonders in Deutschland, sowie in Oesterreich, ihre Briefe immer wieder ungenügend srankiren, wodurch uns erhebliche Verluste durch Strafporti entstehen, so bemerken wir hiemit wiederholt:' Einfache Briese(bis zu 15 Gramm) nach der Schweiz kosten: aus Deutschland(und dem übrigen Ausland). 20 Psg. aus Oesterreich-Ungarn....... 10 Krz. Bei schwereren Briefen kosten immer je15Grammweitere20Psg., bezw. 10 Krz. Die Genossen wollen hierauf in Zukunft um so mehr achten, als wir ungenügend srankirten Sendungen in der Regel die Annahme verweigern müssen. Sie Kiprditiou des„Sonaldemokrat". Nieder mit den Königen, es lebe die Republik! Wenn die Schreibweise des„Sozialdemokrat" selbst einigen Genossen in Deutschland eine gelinde Gänsehaut verursacht, so ist das eigentlich recht erklärlich. Schon vor dem Ausnahme- geseH Hr.- die Praxis der deutschen Gerichte die Handhabung der famosen Preß- und Strafgesetze des„heiligen preußischen Reiches deutscher Nation" die Leute daran gewöhnt, nur durch Umschreibungen ihre Gedanken auszudrücken, die Sprache und das geschriebene Wort dazu zu benutzen, ihre Gedanken nicht gerade zu verbergen, aber doch nur erralhen zu lasten. Seit aber gar das Sozialistengesetz in Kraft getreten und die sozia- listische Presse von der Bildfläche verschwunden ist, seitdem der Deutsche fast nur die Wahl hat zwischen der liberalen Presse und ihrer Loyalitätsheuchelei und der auf Alles, was nicht Bis- marckisch ist, losgcisernden Regierungsmeute, da ist nun bei Per- schiedenen vollends das Verständniß für die kühne Sprache eines wirklichen Oppositionsblatles in die Brüche gerathen. Diese guten Leute sind so daran gewöhnt worden, bei allem, was sie thun und lasten, an Staatsanwalt und Polizei zu denken, daß sie, ohne es zu wissen, selbst angefangen haben, mit dem Auge des Staatsanwalts zu lesen. Der Testendorf ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Es ist eine Krankheit, an der sie leiden, und die wir am Besten mit Staatsanwaltomanie be- zeichnen. Das beste Heilmittel gegen diese, dem deutschen Volke ganz besonders gefährliche Seuche ist nach unserer Ansicht, den Er- krankten und im Erkranken Begriffenen zu zeige», daß daS, was ihnen so unerhört klingt, nur im heutigen Preußen-Deutsch- land unerhört ist. ES gilt, ihnen zu zeigen, wie man früher bei uns schrieb, und wie man heute noch in andern Ländern schreibt, um sie so wieder an eine kräftige, rückhaltlose Sprache zu ge- wöhnen. Nehmen wir für den Anfang ein Beispiel aus unserem eigenen Paterlande. Am tt. Juni 1850, also zu einer Zeit, wo in Preußen schon die Nationalversammlung auseinandergesprengt, eine Verfassung, wie sie dem Könige paßte, aufoktroyirt und die aufoktroyirte Verfassung bereits kastrirt worden war, schrieb anläßlich der gewalt- samen Aushebung der sächsischen Verfassung Hermann Hein- rich Becker in der„Westdeutschen Zeitung": „Daß ein ConstiMtiönchen beseitigt ist, geht NN« wenig an. Wir kennen die Perfidie gottbegnadeter Unlerknäse nur zu gut, als daß wir uns über einen solchen Streich mehr oder weniger im Schandbuch der deutschen Ration wundern sollten.— Die Constitutionellen aber mögen jetzt Nase und Ohren aufsperren, dieselben liberal-gemäßiglen, wahrhasten Freunde des Vaterlandes, die vor einem Jahre in jeder Weise die Er- Hebung des Volkes für die Verfassung verriethen, und jetzt zum Dank von denselben Menschen, deren Herrschaft sie retteten, die� gottbegnadeten Fußtritte erhalten. Sie mögen jetzt sagen, ob eine Constitution, und wäre sie tausendmal von jenen Menschen, die den Meineid als ein von Gott überkommenes Privilegium vor be- schränkten Unterthanen vorauszuhaben glauben, beschworen, mehr als ein Papierwisch ist.— Zie werden es aber nicht sagen, sie werden als ächte, brave, gehorsame und doch sehr liberale Constitutionelle sich wieder zu- sammentrommeln lassen, um wieder nach dem vormärzlichen Wahlmodus zu wählen.- Die„Deutsche Allg. Zeitung" ist schon jetzt bange, das Volk möchte soviel Ehrgefühl haben, um der Constitulionswirthschast den Rücken zu kehren.— Unnütze Furcht. d i e s e i g e n G e l d s ä ck e. die willenlosen Bureaugesichter sind sich in der ganzen Welt gleich. Die wählen zu Allem, wozu sie kommandirt werden. Die Demokraten aber, das Volk, werden etwas Besseres zu thun wissen. Auch wenn der äugen- blickliche Zustand verschlimmert wird, unsere Partei wählt nicht auf solch- hochverrätherische Ordonnanzen hin; unsere Partei weiß, daß sie nicht wählen darf, damit die Wunde, die der gottbegnadete Schurke dem Rechtsbewußtscin schlug, offen bleibe und stündlich mahne, daß wir mit unsern Drängcrn aus keinem Rechtsboden stehen; daß das einzige Organ, durch welches wir mit den Säbelherrschern verkehren, das der Revolution ist, und daß die einzige Antwort, die wir auf alle Oktroyirungeu zu geben haben, nur der Eine Ruf ist: „„Nieder mit den Königen, es lebe die Republik!"" Nun, was meint Ihr dazu, Freunde? Das ist noch eine ganz andere Sprache, als sie der„Sozialdemokrat" führt! Und niäjt einmal in einem verbotenesi Blatte! Freilich Becker wurde ob dieses Artikels angeklagt und kam vor die Geschworenen. Es lohnte sich, die Berthe i- digungsrede gleichfalls wortgetreu abzudrucken, wir müssen uns das Vergnügen aber versagen und wollen nur einige er- frischende Stellen aus derselben wiedergeben. „Alle Dynastien streben dahin, die Zustände wie sie 1816 waren, wiederherzustellen; diese Zustände ruiniren Land und Leute, sie heinmen, aber hindern nicht die Entwicklung und Umwandlung der Gewaltsstaaten in soziale und zuletzt m einen einzigen Humanitätsverband. Darum ist es am besten, man faßt sein nächstes Ziel ins Auge, damit, wenn die Fürsten und ihre Diener die Staatskarren hin und her zerren und mir den Rädern in einander gerathen, wir gemeinen Leute, deren Verstand die Tugenden der Diplomatie nicht zu würdigen versteht, aussteigen und zu Fuß, langsam, aber unbeirrt dem Ziele zuwandern, wo man sich ohne Fürsten und Bureaukraten zu behelfen weiß— zur Republik; und wenn man unterwegs auch von einer jener Lokomotiven der Geschichte, wie Marx die Revolutionen nennt, eingeholt und mitgenommen wird, so ist das eben auch kein Unglück." „Nun noch ein Wort über die angebliche Majestätsbeleidigung. Es ist eine alle Geschichte, daß jeder Beamte, wenn man ihm das Unrecht vor- hält, das er ausführt, sich entschuldigt, es thue ihm leid, aber er könne nicht anders, es sei ihm so besohlen, im Uebrigen sei er ein sreifinniger Patriot. Wenn man diesen Heuchlern aber die gestohlenen patriotischen Lumpen vom Leibe reißt, damit das Volk sie iu ihrer Blöße fehe, dann gilt es nicht ihnen, dann gilt es dem Herrn Präsidenten, dem Herrn Minister, dem Könige." „Es wird ein schrecklicher Unfug mit den Prozessen wegen Majestät»- beleidiguug getrieben. Sage ich,„der König säuft", so ist das allerdings eine Beleidigung, die deshalb schwerer bestraft wird als bei einem Pri- vaten, weil dieser Borwurf seinen Heiligenschein angreist, weil den per- sönlichen Durst des Königs kein Minister tontrafignirt." „Es ist erfreulich, daß das Oeffentliche Ministerium sich über die „Unterknäse" so entrüstet. Ich theile diese Entrüstung, aber mit solchen Kriminal-Prozeduren ändert man das traurige Berhältniß der deutschen Zustände dem russischen Einfluß gegenüber nicht. Sie sind so bekannt, daß sie sprichwörtlich geworden sind; und mit Recht." „Den Ausdruck Knäs für deutsche Fürsten haben russische Soldaten aufgebracht, nach deren Anschauung der Czar der Obcrknäs und der König von Preußen ein Knäs ist, die kleinen Fürsten aber die Unter- knäse find." Und nach einem solchen Artikel und einer solchen Vertheidigung antworteten die Geschworenen aus die Fragen: Ist der-c. Becker schuldig 1) die Ehrfurcht gegen Se. Majestät den König verletzt, 2) öffentlich zum Umsturz und zur Veränderung der Königl. Regierung aufgefordert und angereizt zu haben, ohne daß indessen die Ausforderung und Anreizung einen Erfolg gehabt hat? nach einer Berathung von„einigen Minuten" mit„Nein, der Angeklagte ist nichtschuldig". So schrieb man damals, und so dachte man damals über Preßfreihcit. Und der Mann, der so trefflich die Lüge vom Konstitutiona- lismus, vom Verfassungsstaat zu geißeln wußte, dessen ganze Vertheidigung eine einzige Satire auf die Jammerrolle ist. welche damals die Konstitutionellen spielten, der mit revolutionären Kraftausdrücken, wie„gottbegnadete Schurken":c. um sich warf, ist heute— Oberbürgermeister von Köln und Mitglied des preußischen Herrenhauses. Schade eigentlich, daß er nicht auch im Reichstage sitzt, er hätte einen recht artigen Kommentar liefern können zur„staats- männischen" Rede seines jetzigen Gesinnungsgenossen, des Fort- schrittlerS Hänel, deren ganze Weisheit darin gipfelte, die „schöne" Devise: „dem Könige jeden Ruhm, dem Minister jede Gefahr" in allen Tonarten zu verherrlichen, d. h. die„gottbegnadeten Schurken" als unnahbare Götter zu erklären. Es wäre eine wahre Freude gewesen. Aber, es Hai nichr sollen sein. So haben wir es denn für unsere Pflicht gehalten, da wir es, Mangels jeglichen Talents dazu, noch nicht bis zum Oberbürgermeister gebracht haben, unsern Gesinnungsgenossen von damals ins Feld zu führen gegen seine großmäuligen und unsere kleinmüthigen Freunde von heute. Immer feste druff, Jungens, nur nicht verblüffen lassen! Einer von den„Alten". Briefe aus dem Reichstage. Berlin, 27. Januar 1882. •Im Reichstag ging's diese Woche lebendig zu. Wenn das ein gün- stiges Urtheil ist, so findet nach dieser Richtung hin das Sprüchwort Anwendung: Ende gut, Alles gut. Denn das Ende ist da, und ohne den fatalen Umstand, daß ein Richter'scher Antrag vorhin in die Kom- Mission verwiesen wurde, würde der Reichstag noch heute schließen. Interessante Debatten sind nicht mehr zu erwarten, und wäre noch einige Hörfähigkeit in den todtmüden Abgeordneten, so würde das letzte Restchen erschöpft durch die grauenhast langweilige Debatte, welche im Augenblick, wo ich dies schreibe, mit der Langweiligkeit eines Leierkastens oder Mühlrads abgeleiert wird und— mit Ausnahme eines Dutzends fana- tischer Steckenpserdereiler das gesammte„Haus" aus dem Haus oder wenigsten« dem Sitzungssaal hillausgetrieben hat. Es handelt sich nämlich um das famose Thema von der D o p p e l w ä h r u n g. Die Doppel- Währung! Bimetallismus! Wunderbare Zauberworte! Es ist merkwürdig, welche Neigung die Menschen haben, alle ihre Gebresten auf irgend eine mit Händen zu greifende Ursache zurückzuführen, und ein mit Händen zu greifende« Mittel zur Beseitigung dieser Ursache und zur Heilung aller G-bresten vorzuschlagen. Jener berühmte Schuh- macher, der alle Uebel der Well mit Leder kuriren wollte, war der klas- fische Typus dieser sozialpolitischen und Wunderdoktoren, von denen jeder seine fixe Idee, nud seine unfehlbare Allerwelts- Medizin hat. Der Bimetallist oder Doppelwährungsmann erblickt in der Goldwährung die Ursache aller Uebel, an denen die heutige Gesellschaft leidet, nud in der Doppelwährung(Gold- und Silberwährung) da« unfehlbare Mittel zur Beseitigung aller dieser Uebel. Mit dem dieser Menschenspezies eigen- thümlichen Talent, Ursache und Wirkung zu verwechseln, leiten sie den Rothstand aus der Seltenheit des Goldgeldes her, während doch die Seltenheit des Goldgeldes eine Folge des Nothstandes ist, und in para- diesischer Unkenntniß der Natur des Geldes, verkündigen sie das Evange- lium, daß die soziale Ungleichheit, die Massenverarinung u. s. w. durch die Goldwährung hervorgebracht sei, und mit der Doppelwährung ver- schwinden werde. Nun— diesen Narre», die von dem Wesen der bürgerlich-großkapita- listischen Gesellschaft keine Ahnung haben, ist nicht zu helfen. Man über- läßt sie am besten sich selbst. Schaden können sie nicht anrichten, denn die Logik der realen Verhältnisse stellt sich ihnen in den Weg. Am Dienstag brachte die Fortschrittspartei bei der dritten Lesung de« Etats den Utas des Kaiser- Königs Wilhelm zur Debatte. Herr Hänel ' irailffNr Line S runde lang dir stlgestou Tyrn�ir.iseti Alis das„Hau«', da« übrigens— und es gereicht ihm das nicht zur Schande— sehr schlecht besetzt war. Das ganze Arsenal des konstitutionellen„Prinzips" wurde erschöpft, die Legende vom König, der regiert aber nicht herrscht, breit- getreten. Der Herr Professor schenkte uns nichts. Er schwelgte beim Anhören seiner tönenden Tiraden in einem Meer von Wonne. Die Wonne dauerte indeß nicht lange. Fürst Bismarck, der seine Pappen- heimer kennt, erschien plötzlich im Reichstag, und zerzauste, als Hänel sich endlich gesetzt hatte, unbarmherzig dessen Spinnfaden-Gewebe konsti- tutioneller Dogmatil.„In Preußen herrscht u n d regiert der König, so war es und so wird es bleiben; wer mir sagt, ich verstecke mich hinter der Person des Königs, klagt mich der Feigheit an"— und da redete und soff sich der Herr Reichskanzler in eine solche Theaterwuth hinein, daß man einen Moment glauben konnte, er wolle aus die Fortschrittler losspringen und sich mit ihnen prügeln— wozu er selbstver- ständlich nicht die leiseste Neigung halte. Und nachdem er diese kleine Zorneskomödie aufgeführt, wurde er plötzlich mild, und meinte, der Utas werde ja ganz falsch ausgefaßl, die Freiheit der Wahl solle durch die Beamten nicht beeinträchtigt werde». Ans diesen Leim ging natürlich der Liberalismus, fortschrittlicher und sezessionistischer Sorte, der„Konflikt" war glücklich vermieden, die Prin zipienfrage wurde vertuscht. Liebknecht, der in unserem Namen sprach, hob dies hervor, und gab der Fortschrittspartei die Schuld, durch ihre Halbheit während des Konflikts der>!Oer Jahre solche Aeußerungen de« persönlichen Regiinents, wie diesen Utas, möglich gemacht zu haben. Lieb- knecht, dessen Rede Ihne» im stenographischen Bericht zugeht, sprach hie- rauf über die allgemeine politische und wirthschaftliche Lage, über unsere Stellung zur reichskanzlerischen Sozialreform, und begründete, ävarum wir dem herrschenden System keinen Pfennig bewilligen können und gegen den Etat in seiner Gesammtheit stimmen müßten. Unsere Abgeordneten kamen in dieser Woche ziemlich oft zum Wort: F r o h in e und K r S ck e r zur Berussstatistik,*) K a y s e r, Grillen- b e r g e r und Liebknecht zum Spezialetat(Ausweisungen aus Sachsen, Spionage gegen die sozialistischen Reichstagsabgeordneteu, und Post); Liebknecht, Kräcker und K a y s e r zu WahlprUsungeu (Reichenbach-Neurode und Ludwigshasen-Speyer). Eine geradezu erbärmliche Rolle spielten in der Dienstagssitzung die Herren Bolksparteiler. Ein französische« Winkelblatt hat den angeblichen Brief eines angeblich deutschen Reichstagsabgeordneten S... veröffent- licht, welcher S... besagt, Deutschland werde Republik werden und Elsaß-Lothringen dann sein Selbstbestimmungsrecht zurückerhalten. Bei- läufig ein ganz vernünftiger Wunsch und Gedanke. Der„Republikaner" Sonnemann, auf welchen man rieth, hatte nichts Eiligeres zu thun, als zu erklären, e r sei nicht der S.... Das ginge allenfalls noch an. Daß er aber am Dienstag den„großen Volkstribunen" Karl Mayer au« Schwaben auf die Rednerbühne des Reichstags steigen und feierlich er- klären ließ, der Brief könne überhaupt nicht von einem Mitglied der Volkspartei herrühren, da diese aus dem Boden der Reichs- Verfassung stehe— das war niederträchtig. Man sieht, an monar- chistischer Servilität wetteifern die Demokraten der„Volkspartei" würdig mit den„Demokraten" des Fortschritts. i. Wie geschwindelt wird. ii. Der Jahresbericht der„Dortmunder Union" beschäftigt sich eingehend mit den Arbeiterlöhnen und bemüht sich, nachzuweisen, welche ersreuliche Steigerungen dieselben erfahren haben. Es heißt in dem Bericht wörtlich: *) lieber das Verhalten des hohen Hause« zu den sehr berechtigten Borschlägen unserer Abgeordneten in nächster Nummer. „Scholl der Geschäftsbericht pro 1879,80 ergab für die Union eine Steigerung der gezahlten Löhne pro Kopf des Personalbestandes auf Mk. 818. 39 gegen Mk. 802.— im Jahre 1878 79. Im abgelaufenen Geschäftsjahre betrug dieser Satz pro Kopf des Personalbestandes Mk. 884. 33, ergibt mithin gegen das Jahr 1878�79 eine Verbesserung pro Kopf des Personalbestandes von Mk. 82.— Dieser geschäftsberichtliche Hinweis der„U n i o n" wird sekundirt durch das Telegramm, welches der Verein zur Wahrung der industriellen Interessen im Rheinland und Westphalen vom 29. November 1881 an Bismarck richtete, in welchem ebenfalls mit Betonung auf eine Besserung der Lage der Arbeiter als eine Folge der neuen Wirthschastspolitik hin- gewiesen wurde. Diesen Auslassungen steht gegenüber die in Nr. 2 des„Sozialdem." besprochene Petition der Essener Bergarbeiter-Versammlung; zwar wider- spricht sie durchaus nicht den Angaben der„Dortmunder Union", daß der Lohn pro Kopf des Arbeiterbestandes von Mk. 818. 39 im Jahre 1879j80 auf Mk. 884. 33 im Jahre 1880�81 gestiegen ist; aber sie hebt hervor, was die„Union" verschweigt, daß die Löhne sich nur dadurch gesteigert haben, daß die Leistungen des einzelnen Ar- beiters grüßer geworden sind, weil dieselben zu Ueber schichten gezwungen sind, daß aberdieSchicht- löhne nicht erhöht worden sind. Stellen wir aus den Geschäftsberichten beider Jahre folgende Zahlen zusammen: 1880j81 1879180 Kohlenförderung Ctr. 5,320,216 4,573,020 Eisensteinförderung Kilo 85,367,405 71,507,965 Roheisenproduttion„ 115,290,508 88,068,287 Walzsabrikate wurden produzirt„ 140,515,505 133,643,071 Sonstige Fabrikate„ 11,773,561 11,999,758 Arbeiter am Jahresschlnsie 6,615 6,750 Im Jahre gezahlte Löhne Mk. 5,849,811 5,524,155 oder pro Kops„ 384,33 818,39 Die gesammte Produktion betrug darnach in 1880181: Ctr. resp. Kilo 358,267,195 gegen 309,792,101 in 1879180, sie hat also zugenom- men um 48,475,074— 1 5'/i Proz. Die Löhne dagegen haben zu- genommen von Mk. 5,524,155 in 1879,80 auf Mk. 5,849,811 in 1880|81 also um Mk. 325,656 dies ist noch nicht ganz 6 Proz., d. h. die Kosten der Arbeitsleistung sind also bei der Dortmunder Union im 1880181 gegen 1879M nicht unerheblich billiger geworden. Die Arbeitsleistung hat um reichlich 1 5'/, Proz., der Lohn aber noch nicht ganz 6 Proz. zugenommen, d. h. um un- gesähr so viel, als nach den nicht wiederlegten Angaben des Lüdenscheidter Konsumvereins die Preise der Lebensmittel für eine fünfköpfigc Arbeiter- samilie durch die neuen Zolltarife vertheuert worden sind. Mit dem besseren Verdienst ist es also trotz bedeutender Ueberschichten reiner Schwindel. Diese Thatsache muß man sich vergegenwärtigen, um sich voll und ganz der armseligen Flunkerei bewußt zu werden, bieg in folgenden pomphaften Sätzen des letztjährigeu Geschäftsberichts der Dortmunder Union sich breitmacht. „Wenn wir mit größerem Vertrauen als seit längerer Zeit aus das neue Geschäftsjahr und auf die weitere Entwicklung unseres Unternehmens blicken dürfen, so fühlen wir uns verpflichtet, an dieser Stelle, das be- reits in unserem vorjährigen Bericht niedergelegte Zeugniß zu bestätigen, daß diese Wendung zum Bessern zum großen Theil der veränderten wirthschaftlichen Gesetzgebung und der Wiederherstellung des Vertrauens zu verdanken ist, welches in Folge derselben bei der Industrie zurück- gekehrt ist. Wir haben uns in früheren Jahren Uber die hiefür maß- gebenden Gesichtspunkte so oft eingehend geäußert, daß wir uns hierauf beziehen und somit auf das oben ausgesprochene wiederholte Zeugniß beschränken dürsen. Nur einen Umstand möchten wir auch an dieser Stelle ganz besonders hervorheben: Wir meinen die erfreuliche Verbesser n ngder Lohn Verhältnisse, welche ganz-in derjenigen Weise eingetreten ist, wie sie von denen vorhergesagt wurde, die den Schutz der nationalen Arbeit nicht sowohl im Interesse der zahlreichen, vo.n der Erhaltung der deutschen Eisenindustrie abhängigen und in ihrer Existenz auf's Schwerste be- drohten Arbeitcrbevölkerung befürwortete n." Schamloser Schwindel und Humbug, die Sorge,„dem armen Mann, dem Arbeiter und kleinen Handwerker aufzuhelfen", und schamloser Schwindel und Humbug die ausposaunte Verbesserung der Lohnverhält- nisse! Nichtswürdiger Schwindel! Die schon früher mitgetheilte und besprochene Petition der Essener Bergleute wird aber denselben Erfolg haben, wie eine ähnliche Petition derselben vom Jahre 1863, welcher Schreiber dieses nahestand, und welche mit einigen schön sthlisirten Phrasen von der warmen Fürsorge der Regierung für das Wohl der Bergarbeiter abgespeist wurde. A u s W e st p h a l e n.-1. Aus der Rede Liebknechts über den Reichsetat. Gehalten am 24. Januar 1882. (Nach dem amtlichen stenographischen Bericht.) Meine Herren, der Herr Abgeordnete Richter hat darauf hingewiesen, daß die Anschauungen, welche soeben von dem Herrn Reichskanzler hier vertreten wurden, bereits zu den Zeiten der Reaktion in den fünfziger Jahren und früher von Gerlach und von anderen vertreten worden seien. Neue« haben wir hier allerdings nicht gehört. � Aber wie ist es über- Haupt möglich, daß diese allen Anschauungen hier noch auftauchen können? Da muß ich allerdings der linken Seite des Hauses den Vorwurf machen, daß es ganz wesentlich ihrer Haltung zu verdanken ist, daß der- artige Anschauungen heute noch hier am Regierungstisch zum Wort gelangen können. Als in den sechziger Jahre» der Kampf mit dem Abso- lutismns von der Fortschrittspartei aufgenommen wurde, stand das Volk hinter der Fortschrittspartei; trotzdem wagte sie es nicht, den Kampf bis auf's Aeußerste zu führen, bis sie gesiegt hatte. Sie ließ sich durch die auswärtige Politik des Fürsten Bismarck blenden und ertheilte ihm Indemnität für seine innere Politik; und jetzt, nachdem der Kamps Jahrzehnte lang vertagt war, finden wir, daß er von Neuem auf- genommen werden muß. Dieselben Prinzipien, die Sie damals bekämpft haben, stehen Ihnen heute wieder gegenüber. Das p e r s.ö n l i ch e Reg i m e n t, ob es sich verkörpert im Monarchen, ob es sich verkörpert im Reichskanzler, es steht Ihnen gegenüber, ob man es Selbstregierung nennt oder Selbstherrschast, es ist das autokratische persönliche Regiment, mit diesem müssen sie abrechnen, wenn nicht der V e r s a ss u n g s st a a r gerade so ein Gegenstand de» Gelächters sein soll, wie es neulich hier im Reichstag der Rechtsstaat mit Recht gewesen ist. -- Meine Herren, ich komme nun zum eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung: zur Generaldebatte über den Etat. Ich hatte und habe nicht die Absicht, akademisch über die Frage des kaiserlichen Erlasses zu reden, die sich, wie jetzt schon zu sehe», im Sande verlausen wird. Wie dem aber auch sei, Sie kommen nicht zwischen den Hörnern des Dilem- mas hindurch, entweder müssen Sie das absolute Regiment, das Ihnen in der Person des Reichskanzlers gegenübertritt, durch einen inneren Versassungskampf, durch einen siegreich durchgeführten Konflikt brechen, oder Sie müssen es hinnehmen, sich unterwerfen, und höchstens den Konflikt durch allgemeine Redensarten vertuschen. Man wird vielleicht das Absolutistische dieses Erlasses vom 4. Januar weginterpretiren, ihm die Spitze scheinbar abstumpfen— es ist dies im Lauf der Debatte iheil- weise schon geschehen—, aber da» absolute, das persönliche Regiment steht da, es bleibt und wzrd bei jeder Gelegenheit Ihnen wieder ent- gegentreten.------ -— Die ungeheure Mehrzahl der Summe», um deren Verfügung es sich handelt, sind ausgeworfen für militärische Zwecke. Ten Mili- tarismus müssen wir aber prinzipiell bekämpfen; im Militarismus er- blicken wir den Feind jeder freiheitlichen Entwicklung, den Krebsschaden, der an unserem Wohlstande frißt, kurz den Ruin unseres Vaterlandes. -- Wozu brauchen wir denn das große Heer? Ist uns nicht in der Thronrede gesagt worden, daß wir friedliche Beziehungen mit allen Mächten haben? Sind von irgend einer Seite kriegerische Verwicklungen zu erwarten? Ist etwa Rußland, welches vom Nihilismus zerfressen ist, und welches vor wenigen Jahren als es noch stärker war, nicht ein- mal seinen Krieg mit der Türkei, einer Militärmacht dritten Ranges, ohne Hilfe zu siegreichem Ende führen konnte,— ist etwa Rußland im Stand, uns anzugreifen? Ist bei Oesterreich der Wille und die Macht anzunehmen, uns mit Krieg zu überziehen? und droht uns etwa von Frankreich eine Gefahr? Meine Herren, man hat Gambetta, der viel- fach mit dem Fürsten Bismarck verglichen worden ist, den Diktator Frankreichs genannt; man hat darauf hingewiesen, daß in Gambetta's Person der Gedanke der Revanche sich verkörpere; jetzt sehen Sie, wie ohnmächtig dieser Mann in Frankreich ist, Sie sehen, daß Frankreich, weil es entschlossen ist, sich zur demokratischen Republik zu entwickeln, auch mit diesen chauvinistischen Traditionen, mit dieser engherzigen Revanchepolitik gebrochen hat. Das Schicksal Gambettas zeigt, daß Frankreich einen Krieg nicht will.------ -- Sie begreifen, meine Herren, daß wir schon allein unserer Stellung zum Militarismus wegen nicht für den Etat stimmen können, da der größte Theil der Summen, welche in demselben ausgesetzt sind, für nach unserer Anficht verwerfliche und gemeinschädliche Zwecke, die Zwecke des Militarismus, ausgesetzt ist. Man hat auch in oberen Regionen begriffen, oaß es in der bisherigen Weise nicht fortgehen kann mit der Steigerung der Lasten, welche dem Volke auferlegt werden, und man hat sich darum entschlossen, etwas zur Hebung des allgemeinen Wohlstandes zu thun. Da ist denn die sogenannte„Steuer- und Wirthschaftsreform" sind die„sozialpolitischen P l ä n e" des Reichskanzlers aufgetaucht. Meine Herren, zu diesen Plänen und angeblichen Reformen habe ich Stellung zu nehmen. Ich werde es thun, so kurz wie möglich, aber es zu thun, bin ich verpflichtet. Was die Frage der direkten und indirekten Steuern betrifft, so stimmen wir in derselben bis zu einem gewissen Punkt vollständig mit der Linke» dieses Hauses überein, und ich brauche daher über dieses Thema nicht weiter zu reden. Wir sind der Ansicht, daß die indirekten Steuern weit schwerer auf dem Volke lasten, als die direkten Steuern, und daß die einzig vernünftige Besteuerung eines Volkes geboten wird durch die progressive Einkommensteuer. Diese beste aller direkten Steuern und überhaupt aller Steuern fordern wir in unserem Parteiprogramm, und wir sind darum enschiedene Gegner der Politik de« Reichskanzlers, die direkten Steuern durch indirekte zu ver- drängen.—----- —— So will man der Industrie aushelfen. Dem Hand- werk will man aushelfen, dadurch, daß man die Innungen wieder herstellt. Meine Herren, was sind Innungen? Innungen, soweit sie überhaupt irgend etwas sind, sind verschämte Zünfte. Entweder sind die Innungen nichts, oder sie müssen zu Zünften werden. Das ist aber nicht möglich. Und daß wir Sozialdemokralen, die wir die moderne bürgerliche Entwickelung als historische Rothwendigkeit anerkennen, und in der Beseitigung der Mißstände und Ungerechtigkeiten, die sich heraus- gestellt haben, die konsequente Fortentwicklung über die bür- gerliche Gesellschaft hinaus erstreben— daß w i r keine Rückkehr in das Zunftwesen des Mittelalters wollen können, liegt von vornherein auf der Hand. Wir müssen also auch auf diesem Gebiete die Bestrebungen der Reichsregierung und jener, welche sie unterstützen, bekämpfen. Run kommen wir zu dem sogenannten„armen Mann", dem durch die sozialpolitischen Reformen aufgeholfen werden soll. Ja, meine Herren, wenn es so weiter geht mit dem deutschen Reich, dann wird es in Deutschland bald nur noch arme Männer geben; der arme Mann, dem aufgeholfen werden soll und muß, das ist jetzt schon beinahe das gesammte Volk. Daß diesem Hilfe geschaffen werde, ist aller- dings sehr nothwendig; geschieht es nicht sehr bald, so wird es zu spät sein. Worin besteht nun die in Aussicht gestellte Hilfe? Da redet man von positiven Maßregeln. An diesen positiven Maßregeln, die man uns ver- sprachen hat, habe ich bisher noch nichts Positives entdeckt, als den Nebel, in den sie eingehüllt sind. Und der Herr Reichskanzler, der noch vor Jahresfrist so kühn, ich möchte sagen, wie Ziethen aus dem Busch, auf die soziale Frage lossprengtc, wie kleinlaut hat er sich in der Sitzung vom 10. Januar d. I. geäußert! Er halte inzwischen angefangen, die soziale Frage etwas zu studiren und da war es ihm klar geworden, daß an jedem Zipfel, wo er sie anfaßt, das Ganze hängt, die ganze Umhüllung und der ganze Organismus der heuligen Gesellschaft, daß, wer einmal A gesagt hat, auch B sagen muß, kurz, daß die soziale Frage sich nicht im Detail, nichr in einzelnen willkürlich herausgegriffenen Detailpunkten lösen läßt. Er hat gefunden, daß mit der Unsallverfiche- rung und mit der Altersversorgung, falls sie überhaupt von ihm durch- gesetzt werden kann, den Arbeitern nock lange nicht gedient ist. Heißt es dem Arbeiter helfen, wenn man ihm nur hilft, nachdem er ver- unglückt oder invalid geworden ist in Folge der Ausnutzung durch die kapitalistische Produktion? Ter Mann will vorher, will auch sonst vom Staate unterstützt sein— nicht in Form von Almosen—, und Sie müssen ihn unterstützen, wenn er nicht zu Grunde gehen soll. Sehen wir doch, in welcher Lage die ungeheuere Mehrzahl der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland sich befindet. Da gilt es, für Hunderttausende Verdienst schaffen, Arbeil schaffen und der Herr Reichskanzler hat vor einem Jahre ja auch erklärt i es kann nothwendig werden in konsequenter Verfolgung meiner Pläne, daß der Staat für die Beschaffung von Arbeit eintreten muß. Ja, meine Herren, das ist nicht blas möglich oder wahrscheinlich, das ist nothwendig; denn wenn man einmal die soziale Frage in die Hand nimmt, dann muß sie auch vollständig und gründlich gelöst werden. Was die Gesetzesvorlagen betrifft, welche die Regierung bisher aus diesem Gebiete gemacht hat, so hat sie mit denselben nichts weiter be- kündet, als ihre vollständige Rathlosigkeit. (Sehr richtig!)' Speziell vom Unjallversicherungsgesetz kann ich nur sagen, daß der be- scheidenste Arbeiterverein in Deutschland ein besseres, praktischeres Gesetz zuwege gebracht hätte, als das war, welches in der vorigen Session dem Reichstag vorgelegt wurde. (Rufe: Sehr richtig!) Mit solchen Gesetzentwürfen löst man die soziale Frage nicht und gewinnt man das arbeitende Volk in Deutschland wahrlich nicht. Es ist ein großer Unterschied zwischen rein politischen und ökonomischen Fragen. Politische Fragen lassen sich unter Umständen mit dem Schwert lösen, mit Gewalt, durch gewaltsames Eingreisen,— mit ökonomischen Fragen ist dies nicht möglich; und so wenig einst jener deutsche Kaiser sich über die Grammatik stellen konnte, eben so wenig kann ein Reichs- kanzler— und verfüge er Uber eine zehnfache Macht wie Fürst Bis- marck— sich über die Gesetze der Nationalökonomie hinwegsetzen. Die ehernen Gesetze der Nationalökonomie bestehen für den Fürsten Bismarck gerade so gut wie für uns, und wenn er an die Lösung der sozialen Fragen geht, so zählt sein bon plaisir, sein Wille für nichts,— die soziale Frage muß vor Allem st u d i r t sein. Als im vorigen Jahre von Bewunderern des Reichskanzlers, die an seine gesellschaftsretterische Mission glaubten, das Wort ausgesprochen wurde, Fürst Bismarck sei der Ocdipus, welcher das Räthsel der Sphinx„soziale Frage" lösen werde, da haben die Gläubigen sicher nicht vorausgesehen, daß der Oedipu« vor wenigen Tagen hier gestehen mußte, daß er in Bezug auf die soziale Frage jetzt weniger klar sei als früher, daß er mir einem Wort das Räthsel der Sphmx nichl gelöset hat— und auch nicht lösen wird. Sie wiffen aber aus der griechischen Mythologie, mit der Sphinx war kein Spaß zu machen; diejenigen, die sich unterfangen hatten, ihr Räthsel zu lösen, und e5 nicht lösten, gingen elendiglich zu Grunde. Die R-ichsregierung ist also bisher auf dem Felde der Sozialreform weder praktisch, noch auch nur. theoretisch- durch Tarlequnq ihrer Ziele— in einer Weise vorgegangen, welche geeignet wäre, den Arbeitern irgend Verlraucn emzuflöize». Es ist wahr.- und alle meine Freunde haben, ,o weit die Arbeitermteressen berührende Fragen hier zur Debatte kamen, dies erklärt- wir sind bereit, alles zu diskulire». und jeder Vorschlag, der.m Interesse der Arbeiter ist. wird von un« unterstützt werden. Wir nehmen aber vom heurigen Staat keine A b f i n d u n q»- nun m-, s.ndern nur Absch I° g s; a h l u.. g e„. weil wir wissen, '1 iai 5 r„ 1 Abschlagszahlungen lein mögen, wir schließlich doch im«lande sind, den Zahler— und sei er ein noch so schlechter -Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 1. Februar 1882. — Aus Berlin schreibt man uns: Wiesehr die herrschende Gesell- schaft aller Scham bar geworden ist, und wie zugleich ein großer Theil unserer sogenannten„Volksvertreter" gar keine Ahnung davon hat, was sie mit dem gemeingefährlichen Gesetz vom Oktober 1878 eigentlich angestellt, dafür lieferte die heutige Reichslagssitzung einen deutlichen Beweis. Es ist ja Thalsache, daß mit den Machtbefugnissen, welche der Polizei durch das famose Ausnahmegesetz in die Hand gegeben sind, der scheußlichste Miß- brauch getrieben wird, denn der Appetit kommt mit dem Essen, und was die Polizei gegen Sozialisten in punkto Haussuchungen, Spionage und ähnlichen Geschichten verübt, das wird ihr mir der Zeil so zur Gewohn- heit, sie glaubt so sehr in ihrem Rechte zu sein, Alle« als vogelfrei zu betrachten und demgemäß zu behandeln, daß dadurch eine für uns höchst erfreuliche Gefährdung der gesammren„bürgerlichen" Ordnung entsteht. Wird doch durch dieses Gesetz und seine Handhabung ein ganz verächtliches Lumpengesindel von Mouchards großgezogen, welches bereii ist, für 20 Silberlinge jeden seiner Mitmenschen zu bespitzeln, zu verrarhen, falsch zu deuunziren, und eventuell auch mittelst etlicher„amr- sicher" Meineide, die heutzutage sozusagen wild wachsen, in's Zuchthaus zu bringen. Und d a« i st r e ch t. So mußte es kommen. Die Früchte dieser hübschen Saat werden wir noch ernten. In der heurigen Reichs- tagsfitzung benützte Parteigenosse G r i l l e n b e r g e r die Gelegenheit bei der dritten Etatsberalhung, um die schamlose, niederträchtige Spionag«, welcher die zur Zeit hier weilenden sozialdemokratischen Abgeordneten aus- gesetzt sind, in recht verständlichem Deutsch zu geißeln. Zunächst schilderte er die Art dieser Spitzelei, und es dürste auch die Parteigenossen allenthalben interesfircn, hierüber Einiges zu erfahren. Es ist jedem unserer Abgeordneten ein sogenannter„Zwanziggroschenjunge" als Schutz- engel beigegeben. Der Dienst desselben beginnt Morgens 6 Uhr und endet Nacht« gegen 12 Uhr, wenn der letzte Zug von hier weg ist; unter Umständen passirt es jedoch auch, daß die Abgeordneten Nachts 2 Uhr noch solche Begleitung haben. Verläßt Einer der unter Polizei- aufficht Gestellten Morgens das Hau«, um sich nach dem Reichstag zu begeben, so löst sich irgendwo in einem gegenüberliegenden Hausstur oder in einem benachbarten Keller eine verdächtige Gestalt ab, um auf der andern Seite der Straße in einiger Entfernung dem Betreffenden ununterbrochen zu folgen. Betritt derselbe unterwegs ein Bierlokal, einen Zigarrenladen, besucht er einen Freund oder macht er einen ge- schäftlichen Gang— sein Schatten bleibt vor oder sonst in der Nähe der Thüre stehen, bis Jener wieder heraustritt. Dann beginnt das alte Spiel. Besteigt er einen Pferdebahnwagcn, so springt der Andere rasch hinten auf, um den Wagen nicht früher wie sein Schützling zu verlassen. Da diese Subjekte nicht? bezahlen, sondern blos ihr Hundezeichen vor- Zahler— zur Zahlung der vollen Summe zu nöthigen. Wie kann aber angesichts dessen, was bisher geschehen und nicht geschehen ist, innerhalb der deutschen Arbeiterklassen Vertrauen in die sozial- politischen Pläne des Fürsten Bismarck bestehen? Und wären diese Pläne auch vertrauenerweckender und weniger nebelhaft, dann steht immer noch als tiefe unüber steigliche Kluft zwischen uns und der Bismarck'schen Sozialreform das Sozialistengesetz. Nun, meine Herren, die Unterdrückung hat nicht vermocht, uns als Partei zu vernichten— das zeigt schon das Wahlresnltat— und ebenso wie das Zentrum durch die Ausnahmegesetze nur gekräftigt worden ist, so ist die Sozialdemokratie als Partei durch das Sozialistengesetz nur gekräftigt worden. An uns werden Sie nichts ändern; die einzige Folge dieses Gesetzes für die Partei ist, daß es sie weiter nach links gedrängt hat und fortwährend drängt; daß die Furchtsamen ausgeschieden worden sind, und daß jetzt Strömungen in der Partei hervortreten, die lange nicht in der Stärke vorhanden waren, ehe das Sozialistengesetz kam, Strömungen, welche erst in dieser Stufe möglich geworden sind durch das zornige Gefühl der Unterdrückung. Sie haben durch den Belagerungs- zustand, überhaupt durch die Handhabung des Sozialistengesetzes eine Summe des Elends und des Unrechts geschaffen, der nur gleichkommt die Summe desHasses, den Sie da- mit erzeugt haben. Mit diesem Haß, meine Herren, werden diejenigen zu rechnen haben, welchen wir das Sozialistengesetz verdanken. „Aha!" denkt mau hier vielleicht:„das ist eine Drohung mit der Revolution." Meine Herren, vor dem Wort„Revolution" schrecke ich nicht zurück. Unsere Partei hat sich stets als eine revolu- lionäre Partei bekannt. Aber wir haben niemals gesagt, daß wir eine revolutionäre Partei seien in dem Sinne, daß das Wort„re- volutionär" prinzipiell die Anwendung physischer Gewalt, das Anstreben des gewaltsamen Umsturzes bedeute. Im Gegentheil, gegen diese Unter- schiebung haben wir uns stets auf das energischste verwahrt. In dieser Beziehung haben wir schon vor 10 Jahren, im Leipziger Hochverrath»- Prozeß, und später während der Sozialistengesetzdebatte und bei anderen Gelegenheiten die biindigsten und unzweideutigsten Erklärungen abgegeben; allein man hat un« nicht glauben wollen. Nun, meine Herren, das ist Ihre Sache, mögen Sie es glauben oder nicht glauben; das eine aber will ich Ihnen sagen, daß die Hoffnungen derer, welche glaubten, daß die Entwickelung Deutschlands auf dem Wege der Reform sich vollziehen könne, durch das Sozialistengesetz sehr heradgestimml worden find. Durch das Ausnahmegesetz haben Sie gerade der reformalorischen Entwickelung einen Riegel vorgeschoben. Der Weg zur Revolution, zum gewaltsamen Umsturz ist zu allen Zeiten mit Ausnahme- gesetzen gepflastert gewesen. (Sehr wahr!) Es wird ja jetzt auf dem Gebiet der Sozialreform von allen Parteien ein förmliches Kirchthurm Wettrennen abgehalten; allseitig wird anerkannt, daß die jetzigen Zustände unhaltbar sind, daß eine neue Welt im Geburtsprozeß begriffen ist. Aber, meine Herren, so wenig wie im vorigen Jahrhunderl die bürgerliche Welt auf das Kommando von oben entstehen konnte, ebenso wenig kann die neue sozialistische Well aus Kommando von oben, sei es eines Kaisers, sei es eines Königs, sei! es eines Reichskanzlers, entstehen. Das gewaltige soziale Problem kann nur gelöst werden durch das Volk. Die JnternationaleArbeiter- a s s o z i a t i o n, auf die neulich schon hier hingewiesen ward, hat dies in ihrem Programm ausgesprochen. Die Befreiung der Arbeiterklassen und die Erlösung der Menschen von dem sozialen Elend ist blos möglich durch die Arbeiterklassen. Bloß von unten herauf kann die Umgestaltung der Gesellschaft sich vollziehen. Diese Umgestaltung ist eine Revolution. Ob die soziale Revolution aus dem Wege der Reform oder auf dem Wege des gewaltsamen Umsturzes durchgeführt wird, das hängt nicht von uns ab, sondern von der Majorität der Volksvertretung, von der Staatsklugheit der Regierungen. Nach meinen bisherigen Ausführungen ist unsere Stellung zum Etat klar. Wir mißbilligen und bekämpfen das System, welches durch den Fürsten Bismarck vertreten wird; wir sind prinzipielle Gegner de« Militarismus, wir sind prinzipielje Gegner des vom Reichskanzler ver- tretenen Steuersystems, wir sind prinzipielle Gegner seiner gesammte» Wirthschastspolitik, und wir haben uichi den geringsten Grund, zu seiner sogenannten Sozialreform Vertrauen zu haben. Unter diesen Umständen müssen Sie es durchaus logisch und konsequent finden, daß wir sagen; für das System, welches uns den Militarismus bescheen hat, und welches mit dem Militarismus identisch ist, für das System, unter dem Deutsch- land verarmt, welches die Freiheil in Deutschland unterdrückt, welches uns die Ausnahmegesetze gebracht hat, welche« hunderttausende von braven fleißigen Bürgern jährlich aus dem Lande treibt,— sür dieses System wollen wir keinerlei Verantwortlichkeit Ubernehmen,— diese» System bekämpfen wir, und für die Aufrechterhaltung dieses Systems können wir keinen Pfennig bewilligen. Wir werden also gegen den Etat in seiner Gesammtheii stimmen und ich hoffe, daß diejenigen Herren auf der Linken, welch« vorhin so eifrig gegen den Absolutismus geredet haben, ebenfalls die Konsequenz besitzen werden, mit uns gegen den Etat und damit gegen das in Worten von ihnen bekämpfte System in seiner Gesammtheit zu stimmen. weisen, so weiß sosort der Kondukleur und da« sonstige Fahrpublikum, daß es sich hier um einen Beaufsichtigren, vielleicht um einen verfolgten gefährlichen Verbrecher handelt. Abends gehen sie sogar bis in die Kneiplokale nach und scheuen sich auch nicht, in's Parlamentsgebäude ein- zudringen, um dort nachzufragen, ob der oder Jener noch da oder schon fortgegangen sei. Während der Sitzungen treiben sie sich auf den TribUnen des Hauses unter den Zuhörern herum, um ihre Opfer besser von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Doch auch diese benutzen jede Gelegenheit, theils um den Elenden ab und zu einmal auszukommen, theils um sie gleichfalls genau kennen zulernen, und so gelegentlich auf der Hut sein zu könneu. Es hat dabei schon die ergötzlichsten Szenen, zum Theil auch ganz schroffe Zusammenstöße und Auseinandersetzungen mit dem Gesindel gegeben. Die natürliche Folge eines gelungenen„Ver- setzens", wie der Berliner Kunstausdruck für Irreführen lautet, ist natür- lich, daß die Kerle, um ihr trauriges Brot nicht zu verlieren, ihren Auf- traggebern irgend etwas über den Aufenthalt der ihnen aus den Augen Gekommenen vorlügen. Da werden dann die Berichte über angebliche geheime Zusammenkünfte und wer weiß was noch konstruirt, und diese Falsifikate dienen dann bei Ausweisungen und sonstigen Maßregeln als „Beweismaterial". Dies Alles schilderte Grilleuberger, der sich einige Tage ganz besonder» auf die Beobachtung dieser merkwürdigen Garde verlegt hatte, in schärfster Weise, nannte das Verfahren einen unerhörten Skandal, der die Würde des ganzen Parlaments verletze, denn es handle sich hier nicht darum, daß die Verfolgten sozialdemokratische, sondern daß sie Uberhaupt Abgeordnete sind. Der Mehrzahl des„hohen Hauses" erschienen diese niederträchtigenChikanen, wie Redner die polizeilichen Frechheiten nannte, ohne dafür einen Ordnungsruf zu erhalten, ganz unglaublich. Ihr Erstaunen und zum großen Theil doch auch Entrüstung machte sich in unzweideutigster Weise Lust. Die Herren Regierungsvertreter schwiegen zu den Angriffen, gestanden also einfach ihre Schuld ein; aus der„linken Seite" aber, bei den Herren Fortschrittlern:c., fand sich keiner, der es der Mühe wcrth gefunden hätte, eine Debatte über diesen wichtigen Punkt zu veranlassen. Das Praktischste wird wohl sein, wenn einer der chikanirten Abgeordneten einmal nachdrückliche Selb st Hilfe übt, um den groben Unfug vor Gericht und damit vor das Forum der ganzen politisch denkenden Well zu ziehen. — Wer ist der Verbrecher?„Knos ist einer der- jenigen Menschen, welche nur aus dem verwerflichen Motive ein Verbrechen verüben, um für längere Zeit im Zuchthaus untergebracht zu werden." Also beginnt der„Dresdener Anzeiger" vom 21. Januar d. I. seinen Bericht über die Gerichtsverhandlungen des vorhergehenden Tages und erzählt mit Behagen, wie der„verwerfliche" Knof, der einen Heuschober in Brand gesteckt, seinen Wunsch, im Zuchthaus untergebracht zn werden, von den mitleidigen Geschwornen erfüllt bekommen hat(sie schenkten ihm vier Jahre Zuchthaus nebst 8 Jahren Ehrverlust als freundliche Zugabe). Es fällt uns nicht ein, über den Zeitungsschreiber, der diesen mora- tischen Ausspruch verübt hat, die Zornesschaale sittlicher Entrüstung aus- zugießen. Der Mann hat sich bei der Sache aller Wahrscheinlichkeit nach gar nichts gedacht und nur gedankenlos nachgeplappert, was die„gute Gesellschaft" von so„verwerflichen" Subjekten, wie diesem Knos, denkt oder doch zu denken behauptet. Aber welcher Abgrund von Elend und Frivolität enthüllt sich uns in dem abgedruckten Satze des Penny-a-liners! In welchem Zustande des Elends muß der unglückliche Knof gewesen sein, daß er das so mächtige Gefühl der persönlichen Freiheit in sich erstickte und in der öden Sklaverei des Zuchthauses Retwng suchte! Wie furchtbar muß der Wols Hunger ihn zerfleischt haben, daß ihm die Hungerdiät des Zuchthause« als verlockender Luxus erschien!" Aus der anderen Seile aber, welch' bodenlose Frivolität, dies grauen- hasle Selbstopfer aus„verwerfliche Motive" zurückzuführen! Worin be- stehen die„verwerflichen Motive"? Einfach in dem ersten und obersten aller Triebe: dem Selbsterhaltungstrieb— in dem alles Andere zurück- drängenden Streben, den nagenden Hunger zu stillen, für den frierenden, müdgehetzten Körper ein warmes Obdach zu finden. Kann es eine furchtbarere, wuchtigere Anklage gegen die heutige Gesellschaft geben, al» dieses tragische Selbstopser zum Zwecke der Selbst- erhaltung? Um das nackte Leben zu retten, auf die goldene Freiheit, auf jede Bequemlichkeit de« Leben« verzichten— das ist die eherne Roth- wendigteil, vor welche die mit ihrer„Freiheit" und„Zivilisation" sich brüstende Bourgeoisie-Gesellschaft ihre im Konkurrenzkampf unterlegenen Glieder stellt; Hungertod, Verkommen in Schmutz, Nässe und Kälte— oder da« Zuchthaus! Das ist da« Dilemma, in welchem die gerühmte „Humanität" der besten aller Welten gipfelt, so lautet das letzte Wort, welche« die Bourgeoisie-Gesellschaft für die verzweifelnde Armuth hat— das ist, der Heuchlerphrasen entkleidet, in feigenblattloser Nacktheit„die Lösung der sozialen Frage" im Sinne der Bourgeoisie-Gesellschaft. Ein berühmter englischer Arzt sagte vor einigen Jahren, da« Gesäng- niß sei die einzige, den bescheidensten Anforderungen der Gesundheilslehre entsprechende Wohnung der Armen. Da« ist wahr. Die Bourgeoisie-Gesellschaft degradirt den Menschen, drückt ihn unter das Niveau primitivster Lebenshaltung herab, läßt ihn unbarmherzig lieser und tiefer sinken und schließlich zu Grunde gehen, und erkennt eine Verpflichtung der Humanität nur in den seltensten Ausnahmefällen an, wo der gehetzte Mensch entweder ein Verbrechen begehl oder körperlich und geistig gebrochen sich auf Gnade und Ungnade ergibt oder sonst in eklatanter Weise die öffentliche Aufmerksamkeit aus seine Nolh, auf sein Unglück lenkt. Abgesehen vom Hospital ist das Gejängniß und Zuchthaus die einzige halbwegs menschliche Zuflucht, die sie der gehetzten Armuth bietet. Und der böse Knof mit seinem„verwerflichen Motive" hat dies be- griffen und sich„aus Bosheit" in's Zuchthaus stecken lassen. Schade, daß das Mitlelstädt'schc Prügelregime noch nicht in's Straf- gesetzbuch aufgenommen ist— dann könnte man dem bösen Knof für sein„verwerfliches Motiv" jeden Morgen und Abend„Fünfundzwanzig" aufzählen. Einige gelegentliche Hiebe wird's freilich auch so setzen! Denn nur auf diese Wesse erzieht die heutige Gesellschaft„gute Staat«. bürger". _©in objektiver Staatsanwalt! In Freiberg stand dieser Tage vor Gericht der Betriebsdirektor der Himmelfahrt Fundgrube W e n g l e r, und der Kunststeiger S ch m, d l�, beide angeklagt der fahrlässigen Tödtung. Durch Unterlaffen der nöthigen Schutzvorrichtungen hatten die Angeklagleu das bekami e ru en- Unglück, den T o d von, wenn wir uns recht erinnern, über 30 Arbeitern v- r s ch u l d- r. Die Schuld war, was W e n g l e r anb-trinl, ,o evidenl, daß sie nicht abzuleugnen ist. Und nun höre man die, wie das man- bürgerliche„Leipziger Tageblatt" meldet,„sehr ruhig und"0®' e 10 gehaltene Anklagerede des Staatsanwaltes" Bernhard ticiRt e. Biedermann—: m, ---„er. der Staatsanwall, wäre der Letzte, der dem Betuebs- direktor einen Vorwurf daraus machen wollte, wenn er sich cht um jeden Nagel, jede Schwinge, jede Fahrkunslstange bekümmert hatte. Natürlich, denn ein Betriebsdirektor erhält d-- �0- und /nehrfache Bezahlung wie der Arbeiter nur, damit er sich um solche einig ii" tümmcrc 1 Wunderbarerweise macht aber kurz hinterher d-rs-lbe« a°. anwal. alsdann dem Anklagte-. Wengler zum Borwur,. dag er ftmer Pflicht, die Grub- zu revidiren und se.ne Unt-rg-ben-u zu k° �l-r u nur ganz ungenügend nachgekommen sei und daß er durch s-m ganzes hitzige«, auffahrendes Wesen, das keinen aqprnch g i, I-ine Leute scheu und ängstlich gemacht habe, so daß s, s. ch g e- fürchtet hätten,-dm M i. t h e. l u n g e n Uber noth.ge Reparaturen im Schachte zu mache n."— Was ist denn das, da Hörle ja doch jede„Objektivität" aus? Wenn das wahr ist, so ist ja W e n g l e r schuldig, schuldig in erschwerendem Grade! O, nein, ein„objektiver" Staatsanwalt findet auch für so offenbare Pflichtverletzungen seine„mildernden Umstände". Es heißt nämlich weiter: „Der Staatsanwalt gab schließlich dem Gerichtshof im Falle(!) der Verurtheilung Wengler's als mildernde Gesichtspunkte anHeim, daß er erstens eine qualvolle Zeit durchgemacht, seitdem das Unglück(!) passirt sei, daß er sich in den letzten Jahren dem Grubenvorstande gegenüber in einer schwierigen Lage befunden, denn dieser habe Ausbeute haben wollen, Wengler habe sie aber nicht geben können wegen der Silber- preise, die in hohem Grade zurückgegangen waren und daß Wengler end- lich, wenn er verurtheilt werde, auch auf dem Zivilwege für den ent- standenen Schaden werde belangt werden können." Das find doch gewiß Gründe, den armen Wengler freizusprechen. Die Tobten bleiben ja doch todt, und schließlich waren es ja eigentlich nur Proletarier! Ja, wenn W e n g l e r in Verzweiflung einen Heuschober angezündet hätte, das wäre ganz etwas Anderes. Vier Jahre in's Zucht- haus mit ihm! Aber ein„Unglück" durch grobe Pflichtverletzung ver- schuldet zu haben, dafür genügt doch eigentlich die qualvolle Zeit, die Wengler seither durchgemacht, vollkommen als Sühne, denn wenn Sie ihn verurtheilen, meine Herren, dann kann der arme Wengler auch noch zivilrechtlich haftbar gemacht werden, und das wollen Sie doch gewiß nicht! Solchen Argumenten wird der Gerichtshof hoffentlich sein Ohr nicht verschlossen haben(das Urtheil ist uns bis zur Stunde noch nicht be- kannt). Erfreulich bleibt es jedenfalls, wie„objektiv" die Staatsanwälte sein können, wenn e« sich um ein Mitglied der„besseren Stände" handelt. E« i st eine herrliche Gesellschaft, in der wir leben! — Zu dem„B o r f a l l" in K o n st a n z ist ferner nachzutragen: „I r r t h ü m l i ch" in« Zuchthaus gesteckt und i r r t hü m l i ch erschossen zu werden, gehört zu dem Reichssegeu neuesten Dalums. Kurz nach Erschießung des angeblichen Festungssträflings R i e g, kurfirte das Gerücht, der Erschossene sei gar nicht der eigentlich verfolgte R i e g! In der That war dieses Gerücht nicht unbegründet; denn nach dem ausgegebenen Signalement sollte derselbe hellblondes Haar- Haben, während der Erschossene dunkles hatte, ferner differirte die Körperlänge, welche im Signalement angegeben war, um drei Eenti- meter mit der des Erschossenen! Bon U l m aus wurde als sicheres Kennzeichen eine am Arme sich befindende Tätowiruilg relegraphisch ge- meldet,„was jeden Zweifel aufhob", wie die„Konstanzer Zeitung" be- merkte. Wenn man aber bedenkt, daß diese Tärowirungen bei der Armee sehr häufig vorkommen, ja daß sogar, wie Schreiber Dieses aus Er- sahrunq weiß, ein förmlicher Kulms damit getrieben wird, so ist hier die Möglichkeit, daß man einen Unschuldigen erschossen hat, durchaus nicht ausgeschlossen. Freilich, es wäre nicht der Erste in Deutschland! — Ein Pfaffenstückchen. Unter den, Ende 1880 in der„Hoch- verraths"- Angelegenheit Verhafteten befand sich auch der Kaufmann M e tz k o w in Berlin. Irgend ein Beweismittel gegen ihn war nicht vorhanden, und er hätte, wie die Mehrzahl der mit ihm zugleich Verhafteten, schießlich aus der Haft entlassen werden müssen, wenn nicht— ja wenn nicht Gottes wunderbare Fügung selbst dafür gesorgt hätte, daß die schwere Schuld Metzkows schon auf Erden gesühnt werde. Meykow's Mutler war schwer erkrankt und fühlte sich dem Tode nahe. Erzogen im religiösen Aberglauben und beunruhigt über das Schicksal ihres Sohnes ließ sie sich den Gefängnißgeistlichen kommen. Was der Gottesmann ihr Alles vorge— betet, wissen wir nicht, kaum war er aber nach der Stadtvogtei zurückgekehrt, als er den„verlornen Sohn" in der Zelle aufsuchte und ihm den„letzten Wunsch der sterbenden Mutter" mit- theiltc, er solle ihm— dem Geistlichen— wenigstens sein Herz erleichtern und ihm Alle« mittheilen, was er verbrochen, er, der Pfaffe, werde dann die Mutter davon unterrichten, denn daß ihr Sohn Verbotenes gethan, das wisse sie leider. Natürlich weigerte sich Metzkow; der Pfaffe wußte ihm aber solange zuzusetzen, ihm so rührsam vorzumalen, welche Beruhigung es der kranken Frau gewähren würde, ein Geständniß ihres Sohnes in Händen zu haben, daß Metzkow sich schließlich erweichen ließ und auf einem Zettel der Mutter schrieb, er habe weiter nichts gethan, al« einige ihm übersandte Flugblätter an Soldaten geschickt. Mir diesem Zettel in der Tasche ging der sromme Mann von dannen; schwer bedrückt es ihn, der Mitwisser einer solchen Frevelthar zu sein, indeß er hatte sein Wort gegeben, nichts zu verrathen, und Priester halten stets ihr Wort. Aber„Gottes Wege sind oft wunderbar"— noch wanderte der Priester sinnend den Korridor entlang, da stieg leise, ganz leise der Engel Gottes vom Himmel herab, nahm mit unsichtbarer Hand den Zettel aus des Gottergebenen Tasche und warf ihn auf den Boden. Dort wurde er— der Zettel, nicht der Priester— von einem Aufseher ge- sunden und dem Untersuchungsrichter übergeben. Nicht länger vermochte jetzt Pketzkow zu leugnen, man behielt ihn in Haft, bis er vom frommem Reichsgericht zu der in seinem Falle hoch st zulässigen Strafe von zwei Jahren Gefängniß ohne die geringste Anrechnung der e l f m o n a t l i ch e n Untersuchungshaft verdonnert wurde. stiichl wahr, ein hübsches Pfaffenstückche», dieses„Wunder" de« 18. Jahrhunderts? — S l i e b e r, unser S t i e b e r, die Seele des preußischen Regie- rungssystems, der noch als alter gelähmter Mann, wie sich im Leipziger Hochverrathsprozeß gezeigt hat, das Mausen nicht lassen konnte, der privi- legirte Staats- und Gesellschaftsretter S t i e b e r ist gestorben. Sein Tod ist jür da« neue preußisch-deutsche Reich ein großer Verlust. In Scham- und Gewissenlosigkeit gibt ihm zwar da« Heer seiner Nachfolger nichts nach, aber so plump, so tölpelhaft, wie die heutigen Ober- und Unlerstiebers, war das Original denn doch nicht. In ihm starb ein vollendeter Schuft, seine Nachfolger sind nur Lumpe. Bemerkeuswerth ist es aber doch, welch' hohes Aller in Teutschland Lumpe wie Schufte erreichen. Sie sterben alle im Bett. — M a d a i und Konsorten brüsten sich ungemein damit, daß es ihnen Dank der Wachsamkeit ihrer Subjekte gelungen ist, zwei größere für Berlin bestimmte Sendungen des„Sozialdemokrat" abzufangen. Um diese großartige Leistung des orgamsirten Spitzelthums von Berlin in ihrer vollen Bedeutung zu würdigen, heben wir hervor, daß seit Bestehen des„Sozial- demokrat", d. h. seil mehr als zwei Jahren dies der erste Fang ist, der, abgesehen von einigen Knochen, die man den Spürhunden hin und wieder zur Ablenkung hingeworfen hat, ihnen in die gierigen Tatzen g e- fallen ist— von„abfange n" ist nämlich gar nicht die Rede. — In unsere Arme, wackere Freundin!„Wir erin- n e r n d a r a n, daß es d e u t s ch e P r o f e s s o r e n waren, welche Teutschland im Jahre 1848 im Frankffirrer Parlament um seine schön- sten Hoffnungen brachte"— schreibt die„Nord d. Allge- meine" in ihrer Sonnabend-Nummer. Das ist uns au« der Seele gesprochen! Die Professoren waren es bekanntlich, welche die Errichtung der deutschen Republik hintertrieben haben mit ihrer— wie die „Norddeussche" wiederum sehr treffend sagt— theoretischen Pro- sessoren- Rechthaber ei. —„Bon sehr zweifelhafter Farbe" ist nach der„Berliner Bolkszeitung" das Wasser gewesen, welches jüngst im Reichstage dem durstigen Reichskanzler präsenlirt wurde.„Auch der Laie erkannte auf den ersten Blick die Gefahr, welche mit dem Genuß derartiger Flüssig- keileu verknüpft ist, zumal bei dem st a r k e u Bedarf des F ü r st e n." Die Angriffe, welche der r e i ch s k a n z l e r i s ch e Anli- fortschritt gegen die städtischen Behörden in Berlin erhebt, scheinen daher doch nicht ganz unbegründet zu sein, wenigstens was die— Wasser- l e i t u n g anbetrifft. Er muß ihnen doch sehr wehe gethan haben, den guten Fortschrittlern, mit seiner Zerstörung der konstitutionellen Legende, sonst würden sie nicht so böse werden! — Aus Dresden, 27. Januar, schreibt man uns: Die Schand- thaten der sächsischen Justiz fanden endlich einmal an„maß- gebender Stelle", im sächsischen Landtage, ihre entsprechende Rüge. Genosse Bebel ergriff bei Berachung des Justizetats das Wort und wies nach, daß die sächsische Regierung seit Ansang 1880 allein in Dresden nicht weniger als 90 ihrer politischen Gegner verhaften ließ. Davon wurden 23 in der bekannten hier üblichen Weise verurtheilt, die übrigen konnten selbst bei der hiesigen leichtfertigen Auslegung von Ge- setzen und Ausnahmegesetzen nicht bestraft werden, ihre Verhaftung erwies sich als durchaus grundlos. Diese 67 grundlosen Verhaftungen von Gegnern der Regierung beweist, daß wir uns in Zuständen befinden, die selbst hinter russischer Rechtspflege nicht zurückbleiben. Selbst den sonst so indolenten Kammermitgliedern standen gleichsam die Haare zu Berge, als Bebel einzelne Proben der unerhörtesten Brutalitäten und Gewaltakte der Justiz vorführte.'�) Bebel erzählte, wie der Abgeordnete K a y s e r nebst 12 Freunden in einer Delikatessenhandlung verhastet und wegen Hochverrath denunzirt wurde, wiewohl ihm weiter nichts unlerzu- schieben war, als daß er das Geschäft eines verhafteten Genossen mit seinen Freunden frequenlirt und daselbst Fische gegessen hatte. Weiter führte Bebel den Fall T r ö g e r an: Nachdem das Reichsgericht längst entschieden, daß Weitergabe einer einzelnen verbotenen Zeitungsnummer nicht strafbar ist, wurde der Schlosser Tröger nicht nur wegen eines solchen Falles angeklagt, sondern von Arbeit und Familie weg verhastet und vier Wochen eingesperrt unter dem Vorgeben, es sei Untersuch- ungshaft nöthig. Dabei lag der Fall so einfach, daß es gar nichts zu untersuchen gab! Nachdem diese Untersuchungshaft vier Wochen ge- dauert hatte, erfolgte erst die Verhandlung und selbstverständlich Frei- s p r e ch u n g. Dann hielt Bebel der sächsischen Volksvertretung den tragischen Fall Lange vor. Nach der Verhaftung des Fischhändlers Pasch ky wegen Anklebens der Plakate:„An das deutsche Volk" trat, um das Geschäft zu erhalten, der Maschinenbauer Lange als Kom- pagnon in die Firma Paschkq ein und die Polizei, welche Andern immer Schlechtes zutraut, glaubte, dieser Eintritt erfolge zum Zwecke der Hinter- ziehung der Gerichtskosten. Obgleich dieser Verdacht an sich sehr unbe- gründet war und das gewitterte Bergehen ebenfalls nur ein geringfügiges ist, wurde Lange verhaftet und vier Monate in„Untersuchungs- hast" gehalten. Sodann erfolgte seine Freisprechung und Ent- l a s s u n g. Die Nerven des unglücklichen Opfers hatten aber im Ge- fängniß und unter dem Einfluß der vom Zaune gebrochenen, unendlich in die Länge gezogenen„Untersuchung" so sehr gelitten, daß Lange in Verfolgungswahn verfiel und bald nach seiner Entlassung durch einen Sprung in die Elbe seinen Tod fand. Endlich führte Bebel an, daß ein Dresdener Kaufmann wenige Tage vor der Freiberger Stichwahl, bei welcher er den Wahl- kämpf für K a y s e r leitete, auf anonyme, grundlose Denunziation hin verhaftet wurde, und der Staatsanwalt ihm selbst sagte: Wären Sie nicht Sozialist, so würden Sie nicht verhaftet worden sein. Nach der Wahl wurde der Betreffende auch wirklich wieder freigelassen. Neben dieser gewaltthätigen Justiz rügte Bebel auch die rohe BeHand- lung, welche man politischen Gefangenen hier angcdeihen läßt. Gewöhnlich werden sie mit Stricken gebunden über die Straßen geführt, den Sozia- listen P a s ch k y belastete man aber sogar mit Ketten und schleppte ihn so durch die Stadt bei seinem Geschäftslokal vorüber, so daß seine Frau, welche den Transport sah, ohnmächtig zusammensank. Dem Justizminister waren diese Enthüllungen höchst unbequem, er mochte sich schon der Hoffnung hingegeben haben, daß nach der Unter- drückung der sozialistischen Presse in Dresden solche Fälle nicht mehr öffentlich gebrandmarkt werden könnten. Er hals sich mit der allen Mi- nistern, deren Ministerbank zur Anklagebank wird, geläufigen Ausrede, er wisse von diesen Fällen nichts und müsse erst recherchircn. Letzteres wird er höchstens lhun, um den betreffenden Beamten eine„persönliche Zulage" zu ihrem Gehalte zu bewilligen, denn die Korruption der Richter wird hier von oben herab gefördert. Die Kammcrdirektoren sind blinde Werkzeuge des Justizministers, die Landgerichtsräthe als Untersuchungs- richter sind angewiesen, nach polizeilichen Inspirationen und staarsanwalt- lichen Spitzfindigkeilen zu handeln, und die untersten Amisrichter sind noch die selbstständigsten Beamten in der Dresdener Justiz. Außer dem Angeführten geißelte Bebel auch die Thatsache, daß mächtige Justizbeamte gleichzeitig Parteiagitaloren sind, und führte das eklatante Beispiel von M a n g o l d t an, der die mit jesuitischen Ver- drehungen und Lügen gespickten Wahlaufrufe der Konservativen unter- zeichnet und als reaktionärer Wühler schlimmster Sorte dennoch den Richtcrstuhl einnimmt, um über seinen politischen Gegner„Recht" zu sprechen. Wenn man in einem Rechts st aale, in welchem wir ja angeblich leben sollen, dem Justizminister in der Kammer solche Dinge über seine Beamten sagte, er würde das ganze Gesindel fortjagen und selbst hinterher gehen. Hier sind wir bereits so tief in die Korruption versunken, daß ein Kopfschütteln der ehrlichen Leute und möglichstes Todrschweigen dieser Enthüllulchen in der Presse die ganze Folge ist. Auf parlamentarischem Wege kommen wir aus diesem Sumpfe nicht heraus. — Aus Oesterreich schreibt man uns: Die Nachrichten vom Kriegsschauplatze laufen spärlich ein, trotz aller offiziösen Verdrehungen gehl aber doch soviel aus ihnen hervor, daß die In surgenten die Offensive ergriffen haben und die kaiserlichen Truppen allenthalben zurückdrängen. Ferner steht fest, daß das Caleul der Regierung in der Kreditvorlage an die Delegationen sich schon während des Drucke« derselben als verfehlt herausgestellt hat. Diese Vorlage spricht die Hoffnung au«, daß a ch t M i l- lionen Gulden zur Deckung der Kosten des Keldzuges genügen wer- den: kaum ist sie gedruckt, erklärt der Kricgsminister, er müsse viel mehr verlangen. Er wird auch mit dem Doppelten und Dreisachen nicht auskommen. Schon der Occupationsseldzug kostete enorme-Opfer. Damals hatte es Oesterreich blo» mit den mohamedanischen Begs zu thu». Außerdem traten damals die Montenegriner die beiden Bezirke Bilek und Gazko freiwillig an die Oestcrreicher ab. Dießmal sind diese beiden Bezirke mit in der Empörung begriffen, und diese geht von den Christen aus— ohne die Mohamedauer auszuschließen. So schroff die Gegensätze zwi- schcn beiden in Friedenszeiten sein mögen, dem gemeinsamen Feinde gegen- über sind sie einig. Vorzüglich bewaffnet, abgehärtet, mit den Bodenverhältuisscn wohl vertraut, dabei begeistert von einein urwüchsige» wilden Freiheitsdrange, könneu die nomadisirenden Bewohner der Herzegowina wohl erdrückt, nicht aber besiegt werden. Erstere« ist aber nicht leicht möglich, da die Unfruchtbarkeit und Unwegsamteit des Landes erfordert, daß alle Heeres- bedürfnisse, im Sommer selbst Wasser, den Truppenkörpern aus Trag- lhieren nachfolgen. An eine Entfaltung großer Massen ist unter solchen Umständen nicht zu denken. Und selbst dann, wenn es den österreichischen Feldherrn gelingen sollte, aller dieser Schwierigkeiten Herr zu werden— was zu glauben bei der bekannten Genialität unsere Generäle nicht die mindeste Veranlassung vorliegt— ist der Ausstand unfaßbar, so lange ihm die Rückzugslinien Serbien, Albanien und die Gegend von Mittowitza, namentlich aber Montenegro offen stehen, von wo aus die zurückgedrängten Insurgenten bei günstiger Gelegenheit wieder hervorbrechen können. *) Eine deiaillirte Statistik der sächsischen Justizinfamien bringen wir in nächster Nummer zuin Abdruck. Albanien und die Pforte sehen dem Aufstande mit Wohlgefallen zu. Die stammverwandten Serben und Montenegriner aber nehmen den leb» haftesten Antheil an dem Kamps; bei letzteren hat sich der Fürst bereits gezwungen gesehen, nach Antivari zu flüchten, weil seine Bemühungen, die Neutralität aufrecht zu halten, seine eigene Sicherheit gefährdeten. So lange den Insurgenten der Rückzug nicht abgeschnitten, ist an eine Beendigung des Ausstandes ansier durch eine zweite Auslage des Friedens zu Kneslac— nicht zu denken: in diesem Falle verblutet Oesterreich an dem Pfahle, den es sich selbst ins Fleisch gestoßen. Ver» sucht es, um diesem Loose zu entgehen, Montenegro und Serbien zu zwingen, der Insurrektion jede Hilfeleistung zu entziehen, dann ist die orientalische Frage wieder aufgerollt, und dann kann, Angesichts der vielen guten Freunde, die auf die Beute lauern, Oesterreich in die Lage kommen, um seine eigene Existenz kämpfen zu müssen. Angesichts des revolutionären Zündstoff» allüberall fürchtet sich heute jede Macht, einen größeren Krieg zu beginnen, denn jede weiß, daß die Niederlage die Revolution nach sich zieht: das„bischen Herzegowina" scheint der Funke werden zu wollen, an dem der große Wellbrand sich entzündet. Schon geben die russischen Offiziere ihre Sympathien für die Jnsur- genten unverhohlen zu erkennen, schon hat der diplomatische Krieg zwischen Oesterreich und Rußland begonnen. Da» absolutistische Frankreich war es, welches kurz vor der großen Revolution für die Unabhängigkeit der amerikanischen Republik eintrat— aus Haß gegen England. Heute tritt das absolutistische Rußland für die Unabhängigkeit der Südslaven in die Schranken. 1783 wurde der Friede zu Versailles geschlossen. Sechs Jahre später brach die Revolution ans. Wenn heute der Weltkrieg losbricht, wird ihn kein Friede zwischen Monarchen mehr schließen. — Frankreich. Das„große" Ministerium G a m b e t t a ist ge- stürzt und zwar in jämerlichster Weise. Jämmerlich der Verlierer und ebenso jämmerlich die Gewinner. Nicht ein großes, politisches Prinzip siegte über ein anderes, es ist eine Klique von Geschäsrspolitikern, welche einer anderen Klique unterliegt. Man muß sich nur die Sippschaft näher betrachten, welche durch den Stur; Gambetta's an's Ruder kommt, um die„Rettung" Frankreichs vor den Diktaturgelüsten desselben in ihrer ganzen Tragweite zu würdigen. Da ist vor Allen der schuftige Renegat A n d r i e u x, unter dessen Polizeiregime die Ausweisungen politischer Flüchtlinge aus Frankreich in unerhörtester Weise betrieben wurden. Dieser geschmeidige Knecht der auswärtigen Regierungen hat die gute Gelegenheit benutzt, sich für seine Absetzung als Polizeidireklor zu rächen und seinem ehemaligem Gönner den Eselssußtritt versetzt. Ein würdige» Gegen- stück ist Herr L e o n S a y, der„wissenschaftliche" Agent der großen Finanz- Männer, dessen erhabene Mission es ist, die Interessen des Hauses Rothschild in der Presse wie im Parlament zu vertreten. Sein„Programm" besteht auch darin, daß erstens die Verstaatlichung der Bahnen, zweiten« die Konvertirung(Herabsetzung) der Rente unterbleibe. Die Börsenkönige verzich- ten lieber aus den Gewinn, den sie bei der Verstaatlichung in die Takche stecken würden, als daß sie sich ein Spekulacionsobjekl entziehen lassen. Erst muß die Zitrone vollständig ausgepreßt sein, ehe sie ihr Anrecht aus dieselbe dem Staate abtreten. Noch mehr aber liegt den Börsenwölfen daran, daß die Rente aus der schönen Höhe erhalten bleibe, welche das französische Volk im Jahre 1871 bewilligen mußte. Bei dem ausgebil- deten System indirekter Steuern, welches in Frankreich herrscht, ist es die große Masse des Volkes, welches die hoben Wucherzinsen aufzubringen hat. Gambetta wollte sich durch die Herabsetzung der Staatsschuld populär machen, der hohen Finanz paßt das nicht, also— weg mit Gambetta! Und die chrenwerthen Volksvertreter stürzen ihren Abgott— zur größeren Ehre Rothschild'«! Und während so die Bourgeoisie aus'« Neue ihre politische Unsähigkeit an den Tag legt, benutzt ein großer Theil der Pariser Sozialisten diese Gelegenheit, um zu zeigen, daß sie auch nicht besser sind, daß sie wie die alten Legitimisten nichts gelernt und nichts vergessen haben. Da« ist ein hartes Wort, aber angesichts der jüngsten Vorgänge nur zu gerechtfer- tigt. Wir haben bereits in Nr. 2 mitgetheilt, daß ein Konflikt zwischen der„E g a l i t&"(Gleichheit) und ihren Freunden und den Anhängern des„P r o l e t a i r e" ausgebrochen ist. Da Letztere insbesondere in Pari» die Oberhand haben, j,o haben sie nunmehr die Redakteure der E g a l i t e und die Mitglieder der E g a l i t e aus der Fedcrativunion des Zentrums ausgeschlossen, d. h. eine Anzahl hervorragender und be- gabler Vorkämpfer des Sozialismus auf den Index gesetzt. Wir wollen nicht untersuchen, in wie weit letztere durch ungeschicktes Borgehen diesen lhörichten Beschluß selbst gefördert haben, aber soviel ist sicher, daß aus Allem, was der„P r o l e t a i r e" über ihre„Verbrechen" ansührt, die Berechtigung oder Nothwendigkeit dieses Ausschlusses nicht hervorgeht. So ist es z. B. mit dem Hauptvorwurf, daß die Ausgestoßcnen die Be- schlüsse des letzten Kongresses von Reims nicht etwa nicht gehalten, nein nur angegriffen haben. Und dieser Borwurf stammt von Leuten, die sich Autonomisten nennen und ihre Gegner als„autoritär" bekämpfen! Wir kennen mehrere der Ausgeschlossenen persönlich und wissen, daß sie nicht nur sehr gute Sozialisten sind, die für die Sache des Proletariats große Opser gebracht haben, sondern wissen auch, wiederum au» dem „P r o l e t a i r e", daß eine ganze Reihe von Arbeitervereinen s ü r sie ein- tritt. Die„Sieger", unter denen wir gleichsall« Freunde haben, haben also mit diesem Beschluß die junge Arbeiterpartei in zwei Lager ge- spalten, die sich in Zukunft gegenseitig bekämpfen werden, anstatt ge- meinsam die Bourgeoisie zu bekämpfen. Jeder Freund der Arbeitersache wird mit uns diese Spaltung bedauern und mit uns wünschen und hoffen, daß die Erkennmiß des Besseren sich recht bald bei den Genossen in Frankreich bahnbrechen möge. — Die neueste— siebente!— Nummer der Naroduaja W o l j a, am 5. Januar(23. Dezember alten Stiles) erschienen, äußert sich in einem Leitartikel an der Spitze des Blattes in folgenden Worten über die am Churer internationalen sozialistischen Kongreß gefaßte Reso- lution zu Gunsten der russischen Bewegung:. Unsere Leser können ersehen, daß die Repräsentanten des internationalen Sozialismus die Lage ihrer russischen Mitbrüder und die unumgängliche Nothwendigkeit unseres systematischen Kampfe» gegen den Absolutismus begreifen. W i r hassen den Gefühlen der gesammten Partei der „Narodnaja Wolja" einen richtigen Ausdruck zu ge- ben, wenn wir die Erklärung des Kongresse« mit unserem ausrichtig st en Da nkesllr diese moralische - Unterstützung beantworten. Mögen die Bedrücker der Völker wissen, daß, wenn die Despoten sich zu gegenseitiger Hilfe vereinigen, das Band der Solidarität auch die Revolutionäre der verschiedenen Länder vereinigt, der Solidarität, welche in Zukunft unter allen Völkern existiren wird, die ihrer wahren Interessen sich bewußt sein, ihre wahren Freunde und Feinde erkennen werden!" Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. � Dortmund, 11. Januar 1882. Am vergangenen Samstag hielt hier der sorlschrittliche Abgeordnete L e n z m a n n vor einer Versammlung von etwa 2000 Mann, meisten« Arbeiter, ei»en Vortrag Uber Unfall- Versicherung. L. trat so radikal /aus, daß ihm in den meisten Punkten beigepflichtet werden konnte. Der von unseren Genossen zu dieser Versammlung geladene M. Oppenheimer aus Barmen, welcher nach L. das Wort ergriff, beschränkte sich deshalb darauf, die Praxis der Privatversichernngsgesellschaften— die Herr L. sortbestehen lassen will— in'« richtige Licht zu stellen und eine für da« ganze Reich organisirte Anstalt zur Arbeiterversicherung zu fordern. Er betonte indeß scharf, daß gegen Willkür und Beamtenmißbrauch ausreichende Schranken errichtet werden müßten. Weiter führte O. dann au«, daß man bei der Unfallversicherung nicht stehen bleiben könne; es müßte vielmehr auch für Invalidität, Arbeits- losigkeit, Krankheit und Reiseunterstützung eine Versicherung geschaffen werden. Die Darlegungen, mit welcher Redner die gerechten Ansprüche der Arbeiter auf Alterversorgung begründete, sausen sehr starken Beifall. Dies veranlaßte den fortschrittlichen Vorsitzenden I u ch o, die beabsichtigte ansführlichere Begründung der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit da- durch zu hintertreiben, daß er den Redner zur Sache rief und mit Wort- entziehung bedrohte, obwohl derselbe aus Lenzmann's eigener Rede den Zusammenhang der verwandten Materien nachwies. Lenzmann, der sehr anständig auftrat— im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten seiner fortschrittlichen Freunde— mpchte wohl merken, wie die Strömung war, denn er erklärte sich mit der von O. erhobenen Forderung aus Aus- dehnung der Arbeiterverficherung einverstanden, worauf O. ihm erwiederte, dieser Standpunkt würde Herrn L. in seiner Partei isoliren, denn letztere fürchte in der Alter»- und Arbeitslosigkeitsversichernng die Anfänge der Verwirklichung des sozialistischen Staates. Nach einigen unwesentlichen sortschrittlichen Bemerkungen— ein Herr Week;. B. be- hauptete zum tausendsten Male, wir erstrebten die Knechtschaft— schloß die Versammlung. Das Hoch auf Lenzmann wurde mit einem Hoch aus Oppenheimer erwiedert, woraus die Sozialisten unter den brausenden Klängen der Arbeilermarseillaise den Saal in gehobener Stimmung verließen. Auch in Dortmund ist der Geist unter der alten Garde ein vortrefflicher. Revell Schisser au den dichtertichen Reimschmied Staatsanwalt Schönhardt in Stuttgart. O Strafwart, steck die Flöte ein, Und führ' nicht zwei Gesichter! Ein Dichter soll kein Trachter sein, Ein Schmachter sei kein Richter. Die Flöte laß! Genug des Spiels Humaner Reimereien, Der Du in Prosa schlimmsten Styl« Dem Kerker weihst die Freien! Als Tu sein Todtcusest beehrt Mit einem Freiheitstriller, Hat er im Grab sich umgekehrt, Der angesungene Schiller. Wohl mir, so dachte er, daß ich Geborgen in der Bahren, Denn platzgeregnet hält'? aus mich Mit Bismarcksormularen. Und der mein Grab mit Reimen spickt, Der dichterliche Schächer Hütt' mich in'« Hundelock geschickt Als schnöden Reichsverbrecher. Äicht einen Liebling kann, o Pein, Im Tod ich vor Dir wahren, Mit Deinem Krokodilsgegrein Muß er zur Grube fahren. Der Küche trag Dein Reisig zu Und Deine Lorbeerdüfte, Und laß die Dichter mir in Ruh', Entweiher meiner Grüfte! Fort aus dem Tempel freier Kunst Mit Deinem Bolksgebuhle, Und warte Du der Herrengunst Aus dem Profoßenstuhle! ES sind uns anläßlich der Erklärungen der Genossen Blas und B r e u e l eine größere Anzahl Zuschriften zugegangen. So vortrefflich dieselben zum größten Theile gehalten sind, möchten wir doch die betr. Genossen bitten, im Interesse der Sache auf eine Berössentlichung derselben verzichten zu wollen, bezw. sich mit den, Resume, welches wir in nächster Nummer bringen werden, zu begnügen. Sämmtliche Zuschriften sind im Sinne des von der Redaktion des„Sozialdemokrat" vertretenen Standpunktes geHallen, wir hätten also keinen Grund, der Veröffentlich- ung aus dem Wege zu gehen, wir fürchten aber, daß wenn wir erst ein- mal mit derselben begonnen haben, wir schließlich durch die Diskussion, wie der„Sozialdemokrat" schreiben soll, von unserer eigentlichen Aus- gäbe mehr abgehalten werden, als uns und den Genossen lieb sein wird. Wir werden keine Stimme unterdrücken, aber wir müssen den uns so knapp zugemessenen Raum zusammenhalten, wo es nur irgend möglich ist. Ferner wollen wir auch die Diskussion nicht über die Gebühr aus- dehnen. Wir haben unserm Standpunkt gegenüber den Reden einzelner unserer Abgeordneten Ausdruck gegeben, in der nächsten'Nummer werden wir die Erklärung der Fraktion veröffentlichen, so daß die Genossen aller- orten in der Lage sind, Stellung zu nehmen und ihren Beschlüssen an geeigneter Stelle Geltung zu verschaffen. Zuschriften über die Haltung des Organs sind uns, auch wenn sie tadelnd sind, natürlich stets er- wünscht. Die Redaktion des„Sozialdemokra t". Sprechsaal. v — Barmen» 22. Januar. Die Diskussion über die Haltung de« „Sozialdemokrat" und die Stellung einzelner unserer Reichstagsvertreter zn demselben, insbesondere aber der in Nr. 4 abgedruckte Brief de» Herrn Wilhelm B l o S, veranlaßt die Vertrauensmänner der hiesigen Genossen zn folgender Erklärung: 1. Wenn Herr Bios behaupiel, seine Wähler hätten ihn nach Berlin gesandt, nm sich an der Gesetzgebung zn betheiligen und im Sinne de« sozialdemokratischen Programms aus dieselbe einzuwirken, so können wir diese Auffassung al« eine korrekte n i ch l ansehen. Wir glauben, daß es dem Standpunkte der Partei widerstreitet, wenn man das„Parlamenreln" als Hauptgrund oder gar als die einzige Ursache der Wahlthätigkeit bezeichnen will. Wir unserer- seit« haben gewählt: ». aus agitatorischen und propagandistischen Rücksichten; >,. um durch unsere Stimmen lauten Protest zn erheben gegen die heutige Klassenherrschaft; e. um unsere Vertreter eventuell in die Lage zu versetzen, diesem Protest aus der Tribüne entschiedenen Ausdnick zu verleihen. Dabei gingen wir zugleickf von der Anschauung au«, daß unsere Vertreter sich zwar an der eigentlich gesetzgeberischen Thätigkeit betheiligen, diese Betheilignng jedoch nicht als ihre Hauptausgabe ansehen sollten. In dieser Aussassung waren die thätigsten Leser der„Freiheit" wie de«„Sozialdemokrat" mit unserem Kandidaten einig. 2. Wir erklären serner, daß wir den Artikel über den Fall Hietler durchaus billigen und bedauern, daß nicht auch im Reichstage dem Minister Putlkamer nach dieser Richtung hin klarer Wein eingeschenkt wurde. 3. Wir mißbilligen auf's Entschiedenste die verletzende Form, in welcher der Abgeordnete Hasenklever im Reichstage von den ruf« fischen Freiheitskämpfern gesprochen. 4. Wir hallen es für zweckmäßig, wenn der„Sozialdemokrat" in Zukunsr mehr wissenschaftliche Artikel bringen würde; evenwell regen wir den Gedanken an, dem Blatte von Zeit zn Zeit eine wissenschastliche Beilage zu geben, welche sich speziell zu propagandistischen Zwecken verwenden läßt, oder wie srüher beim „Vorwärts" besondere Nummern herzustellen. 5. Drücken wir den Wunsch aus, daß noch im Lause des Jahres 1882 ein Parteikongreß einberufen werden möchte, jedoch m der Weise, daß den Genossen an den einzelnen Orten Gelegenheit geboten werde, aus die Feststellung der Berathungsgegenstände einzuwirken und sich über die wichtigsten Fragen vor dem Kon- greß schon mit ihren Delegirten zu besprechen. 6. Wir fordern die Parteigenossen an andern Orten auf, Angesichts der von Blos ausgeworfenen Streitsrage klar und unumwunden Stellung zu nehmen, damit über die Haltung der Gesammtpartei schon vor dem Kongreß jeder Zweifel schwinde. Die Vertrauensmänner der zu Barmen. ! e n o s s e n Wir brauchen wohl kaum noch hinzuzusügen, daß wir den in obiger Erklärung entwickelten Standpunkt durchaus theilen. Dem Wunsch unserer Barmer Genossen nach mehr wissenschaftlichen Artikeln werden wir g eich- salls nachkommen, nachdem nunmehr der Reichstag geschlossen iü. In erster Reihe ist allerding» der„Sozialdemokrat" nach unserer Ansicht Kampsorgan, unsere Hauptaujgabe die Geißelung der politischen und sozialen Zustände im Reich, die Brandmarkung der Verbrecher an Freiheit und Wohlstand des Volkes. Erklärung. In Rr. 5 de« Parteiorgans, wo die neue Wendung der Bünger'schen Angelegenhe t zur Besprechung gelangt, heißt es, der Ankleber des Pla- kates sei der„Manchem der Leser bekannte Schneider Szimmath, einer der Berliner Ausgewiesenen, notorisch ein Anhänger Most'»". Dies ist nach allen Richtungen hin falsch. Der bereit« ins Ausland gegangene Ankleber istHeinrichSzimmath, Schreiner, nicht aus Berlin, sondern nur au« Hamburg ausgewiesen, ein jüngerer Bruder von mir, welcher zur Most'schen Richtung gehörte, während ich meinerseits im ver- stohlenen Ankleben einzelner halbverrückter„Revolutions"platate keine revolutionäre Heldenthat zu erblicken oermag, sondern nach wie vor zur Taktik der deutschen Sozialdemokratie stehe, wie meine hiesigen Bekannten wissen. Auch bin ich nie in Frankfurt a. M. gewesen. Den Einsendern von Notizen für das Parteiorgan kann ich nur rarheu, bei Anführung von Thalsachen und Personen gewissenhafter zu sein, als derjenige, welcher den Stoff zu der grundlosen, meine Person verdächtigenden Notiz lieferte. Barmen, 23. Januar. 1881. Ludwig Szimmath, Ausgewiesener aus Berlin und Hamburg. Zur Bcachtung für die Genossen in Deutschland. Wir ersuchen wiederholt, daß solchen Genossen, welche wegen ihrer Thätigkeit sür unsere Sache ausgewiesen oder sonst verfolgt werden, seitens bekannter Genossen am betr. Orte eine Legitimation ausgestellt wird, damit man weiß, ob denselben mir Vertrauen entgegen gekommen werden kann. Wie bekannt, hat man sowohl in Berlin wie auch in den übrigen unter dem kleinen Belagerungszustand stehenden Orlen zuweilen auch Personen ausgewiesen, welche eine zweideutige Stellung einnahmen. Aus eine bloße Ausweisungsordrc oder sonstiges amtliches Aktenstück hin, kann man nicht Uber eine Person urtheilen, und deshalb ist die Aus- fertigung einer Legitimation von Parteiwegep geboren. Berichtigung. Folgende in Nr. 3 unter W a h l f o n d qnitlirten Beträge gehören unter Unterstütz nngSsondS: Nürnberg Mk. 4,35. Sp. Cochem 3,—. Sch. Karlsruhe 30,—. R. Limmer 50,—. A. H. Barmen 4,-. H. Crefeld 20,—. W. K. Saarbrücken 15,—. Hannover 100,—. Minden 15,—. Nürnberg 33,50. K. Görlitz 10,05. Nürnberg 26,10. B. Braunschweig(in drei Raren) 52.—. Z. Mainz 5,50. W. Goldlauter 5.—. Fürth 40.—. Z. Zeitz 10,—. G- Braunschwcig 50,—. Briefkasten der Redaktion: Ehud: Briefe empfangen, bin zwar noch nicht vollständig übezeugt, will aber Niemandem meine Ansicht mit Gewalt ausoklroiren. Mir sonstigem Inhalt Ihre« Schreiben« durchaus ein- verstanden, freut mich sehr, daß Sch. in S. ebenso denkt. Gruß! Leo. der Expedition. R. H. Halifax: Mk. 2,50 Ab. 1. Ou. erh. Haben Sie pr. 2. Qu. gut: Fr.— ,62.— N. Salzstadt; Mk. 3,— Ab. 4. Qu. 81 erh. E. gelöscht.— Michel Slieber: Mk. 53,50 i. Verl. u. baar p. Dez. u. Schst. gurgebr. Mehrbstllg:c. folgt. Bs. am 25. abgg. „10 Gebote" gibt» nicht.— Dtsch. V. Franild.: Fr. 5,80 d. UsdS. dkd. zugew.— A. Lauf. Chicago: Fr. 202,55-1 Cto. gutgbr.— Pilgrim: öwfl. 3,40 Ab. 4. Qu. erh. Hievon öwfl. 1,70 Ihrem neuen Lieseranten gut- gebr. Preis weiß dieser. Rechnen Sie mit ihm. Weitere» besorgt.— Or. �: Mk. 23,40 p. Ab. Dez.:c. benützr. Alles vorgem.— Peter Knauer N. D.: Ihre Abonnenten behaupten an Sie bezahlt zu haben. Nach uns. ursprgl. Lsrgsbedingungen war spätesten« Mitte jedes Quartals Pränum. zu senden. Vom 15. März bis 4. Aug. 81 lassen Sie sich gemüthl. senden, mahnen-c. u. zahlen auch das Kassirte nicht u. nun?—„hat Nr. 27—32 gar keinen Werth für mich",— schreiben Sie„Pfiffikus ex proseffo!" Ob wir verrückt seien, fragen Sie wahrscheinl. im Geiste mit London beschäftigt.„Dorthin, dorthin lapsrer Streiter---!"— F. Jousch N.-Z).: Bestllg. v. 13/1 am 28. abgg.— I. H. K. b. K.: Mk. 3.— Ab. 1. Qu. erh. Gewünschtes fort.— W. u. P. K. i. P.; Mk. 6,— Ab. 1. Ou. erh.— F. St. Kbg.: Mk. 2,— Ab. Febr. u. Mrz. erh.— E. P. u. Gen. i. L«n.: Mk. 3.— Ab. 1. Qu. erh.- Ungewasch. Hilf«- man.; Mk. 3,— Ab. 1. Ou. erh.„Psaffcnpeitsche„ v. Z. kostet Ml. 1,60 baar.— Commerzienrath: Mk. 10,— f. Schst. erh. Sdg. mit 5 abgg. an H. Fdsqttg. später.— L. Wegner N.-D. Spezifiz. Nota über Lsrg. an Klässig am 22/11 81 abges. Wo bleibt sofort versprochene Begleichung- Schorfe: Fr. 73,63(pr. Ml. 60.—) st Cto. gutgebr. Gewünschtes nachgel.— Felix: Mk. 50,— Baar u. i. Ggr. f. Ab. 4. Qu. u. Schst. gutgbr.„?" wahrscheinl. f. Mk. 16.— haben angefragt. Gruß!— Tb. L. V.; Mk.—,20 gutgebr. Gedickte in betr. Mundart nicht verwendbar.— C. Arb. V. London; Mk. 36,35(Fr. 45,43) d- Usds. dkd. zugew. Fr. 51,62 st Cto. gutgebr. Mk. 3.—(Fr. 3,75) an W. abgegb.- Getreue i. I.: Mk. 8,05 Ab. 1. Ou. u. Zchrst. erh. Jrrthum unserseits durch'Namenswechsel entstanden.— A H. B.: Mk. 5,— Ab. Nov. u. Dez. u. 1. Qu. erh. Reklamirtes mit 6 abgg. Mahng. bei Jahresschluß Ublick.— O. M. Amsterdam: Fr. 7,22 Ab. 1. Qu. u. Schst. erh. Fr. 1,47 hievon d. Agsd». dkd. zugew. Beide sind immer aus Posten, einer ist nur Redner. Freunde in Sti. wollen am 2/1 an Sie geschickt haben.— Zt.: Alle« erh.— Nr. 1105: Mk. 8,60 Ab. 4. Qu. u. 1. Q«. erh.— D. Soz. Zug: Fr. 4,10 d. Usds. dkd. zugew.— I- H. G.: öwfl. 5,— Ab. 4. Qu. 81 u. 1. Qu. 82 erh. Zchst. f..d. Rest folgen.— F. M. Kbln.: Mk. 5,— Ab. 1. Qu. u. Schst. erh.— Bummelfritze: Mk. 13,20 Ab. 1. Qu. erh. Alles vorgem.— Crfld.: Fr. 15,— st Cto. Ab. erh.—(500) Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh, bei M. war Nichts eingetroffen.— Mk. 1,— d. Agsds. dkd. zugew. Mhng. betr. 4. Qu. war irrig durch'Namenswechsel.— fff Himmel--: Mk. 73,35 st Cto. 4. Ou. 81 erh. Ggrchng. gutgebr.— h. n.: Mk. 6,35 Ab. 2 Expl. Febr.-Mär, u. Schst. erh. Bfi- mehr.— C. P-s— a: Mk. 5,30 erh. u. nach Vorschr. verw.— A. Br. Pari«: Fr. 7,— pr. Ab. 4. Qu. 81 u. 1. Qu., sowie Usds. u. Agsd«. dkd. verw. Bfl. mehr.— EtbwO,. verein»biltddr>!«tt«i Hottmam-zirt». — __