Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Ferlag . Herter, Hottingen- Zürich Rafinoftraße 3. Poffendungen franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz foften Doppelporto. N: S. Der Sozialdemokrat Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie Donnerstag, 16. Februar. Avis an die Korrespondenten und Abonnenten des ,, Sozialdemokrat". Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterfordernig ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten 88 Abonnements werden nur beim Berlag and dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Fr. 2. für die Schweiz( Kreuzban I Mt. 3 für Deutschland( Couvert fl. 1. 70 für Oesterreich( Couver Fr. 2. 50 für alle übrigen Länd Weltpoftvereins( Kreuzband). Inserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Gt8. <-20 Pfg. 1882. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Desterreichs wenden, welche fich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten den Sozialdemokrat unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. An die Parteigenossen allerorten. Den Genossen in Deutschland wird in diesen Tagen ein Zirkulär zugegangen sein, mit der Aufforderung, die Sammlungen für den Unterstützungsfond nicht zu vernachlässigen. Die Verfolgungen unserer Feinde nehmen nicht ab, jeder Tag bringt uns neue Opfer, während die Mittel fast ganz erschöpft sind. Es ist unsere heilige Pflicht, diejenigen, die für unsere Sache leiden, nicht im Stich zu lassen. Wir richten daher auf's Neue einen Appell, Genossen, an Eure Opferwilligkeit! Thut, was in Euren Kräften steht, wenigstens die Mittel aufzubringen, welche nöthig find, um die Frauen und Kinder unserer Verfolgten und Gemaß: regelten vor Noth und Elend zu schützen.*) Genossen! Wir sind überzeugt, daß diese wenigen Worte genügen, Euch zu veranlassen, Euer Möglichstes zu thun. Die gesammelten Beiträge sind sobald als möglich an die bekannten Adressen in Deutschland zu übersenden; für die Genossen im Auslande übernimmt die Administration des„ Sozialdemokrat" die Vermittelung. mals selbst die Aufhebung des Sozialistengesetzes be antragen würden. Der Sinn dieser Erklärung im Zusammenhalt mit dem erwähnten Gesezentwurf ist einfach der:„ Wir fordern nicht die Beseitigung eines einzelnen, unter den übrigen herausgerissenen Ausnahmegesezes, obgleich wir durch dasselbe persönlich betroffen und zwar mehr betroffen werden, als alle übrigen durch ähnliche Ausnahmegeseze bedrückten Gruppen von Bürgern, Ständen und Bevölkerungstheilen. Wir wollen gleiches Recht für Alle und verdammen darum jede Ausnahmegesetzgebung. Auch wenn es daher unser Stolz und unsere Würde zuließen, selbst die Abschaffung eines infamen unsere Würde zuließen, selbst die Abschaffung eines infamen Unterdrückungsmittels zu beantragen, durch dessen noch gemeinere Anwendung sich unsere Feinde des letzten etwa noch vorhandenen Restes von Rücksicht unsererseits begeben haben, so können wir nicht die Aufhebung eines Ausnahmegesezes, sondern nur die prinzipielle Beseitigung der sämmtlichen Ausnahmegeseze fordern!" Die Redaktion und Expedition des„ Sozialdemokrat". find, um einen Antrag zur Berathung tommen zu lassen, so Erklärung. Um ein- für allemal falschen Auffassungen des Verhältnisses der deutschen Sozialdemokratie zu dem in Zürich erscheinenden ,, Sozialdemokrat" zu begegnen, erklären wir: " 1 Der Sozialdemokrat" ist das offizielle Organ der deutschen Sozialdemokratie und hat den Zweck und die Aufgabe, die Parteigenossen in Bezug auf die Parteibewegung auf dem Laufenden zu halten, und die Grundsäße der Partei, wie sie in unserem Programm niedergelegt sind, zu verfechten. Das Blatt soll ferner ein getreuer Spiegel der Anschauungen und Stimmungen sein, die unter dem Druck des Ausnahmegesezes innerhalb der Partei zu Tage treten, und demgemäß ist die Redaktion verpflichtet, allen derartigen Anschauungen und Stimmungen Raum zu geben, vorausgesetzt, daß dieselben den Prinzipien und Interessen der Partei nicht widersprechen. Indem wir also den„ Sozialdemokrat", der seit seinem Be stehen dieser seiner Aufgabe nach Möglichkeit gerecht geworden ist, rückhaltlos als das offizielle Parteiorgan anerkennen, übernehmen wir aber nicht die Verantwortlichkeit für jeden einzelnen Artikel oder jeden einzelnen Ausbrud. Eine so weit gehende Verantwortlichkeit hat auch den früheren Parteiorganen gegen über nicht bestanden, und kann jetzt um so weniger bestehen, als schon der Erscheinungsort des Blattes den Parteigenossen in Deutschland eine unmittelbare Einwirkung im Einzelnen zur Unmöglichkeit macht. J. Auer. Wilhelm Blos. J. H. W. Dieß. C. Frohme. Bruno C. Grillenberger. Geiser. Wilhelm Hasenclever. M. Kayser. Jul. Kräcker. M. Kayser. Jul. Kräder. W. Liebknecht. W. Stolle. G. Vollmar. A. Bebel. Die„ Eine reaktionäre Masse". Der Satz unseres Programms, daß uns gegenüber alle übrigen Klassen und Parteien nur eine einzige reaktionäre Maffe bilden, hat jüngst im Reichstag wieder einmal seine volle Bestätigung gefunden. Da des Falles im Parteiorgan bis jetzt nur ganz furz Erwähnung gethan wurde und derselbe sehr bezeichnend für das Wesen aller nichtsozialistischen Parteien Deutschlands ist, so lohnt es sich, nachträglich etwas ausführlicher auf denselben einzugehen. Am 11. Januar d. J. brachten die sozialdemokratischen Ver treter bekanntlich einen Gesetzentwurf an den Reichstag, durch welchen die Aufhebung der sämmtlichen in der deutschen Gesetzgebung vorhandenen Ausnahmegeseze erklärt werden sollte. Es war dies ein Akt von grundsäzlicher Bedeutung, der in unseren Prinzipien und unserm Programm seine Begründung findet. Und zwar tritt dieses prinzipielle Vorgehen unserer Abgeordneten um so mehr ins Licht, wenn man sich der kurz vorher von Hasenclever im Einverständniß mit den übrigen Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion vbgegebenen Erklärung erinnert, daß die Sozialdemokraten nie*) Bei dieser Gelegenheit machen wir noch darauf aufmerksam, daß in letzter Zeit unsere Unterstützung sowohl an einzelnen Orten als auch die des allgemeinen Fonds stark von Opfern der Londoner Propaganda in Anspruch genommen worden ist. Der Dank bestand gewöhnlich in verdoppelten Schmähungen und Verdächtigungen. Wir möchten daher die Genossen vor allzugroßer Vertrauensseligkeit warnen. Es ist nicht immer möglich, die Leute abzuweisen, man will sie wenigstens vor dem gröbsten Elend schützen, aber solange die Londoner Herren ihre Agenten darauf instruiren, überall Mißtrauen und Spaltung in unsere Reihen hineinzutragen, solange das infame Verdächtigungssystem, wie wir es mehrfach fennzeichnen mußten, fortdauert, solange müffen wir auch an dem Grundsatz festhalten, den Herren, die uns schädigen, wo sie nur können, die Sorge für ihre Gemaßregelten nicht abzunehmen. Da unsere Fraktion nun nicht über die nöthigen fünfzehn Unterschriften verfügt, welche nach der Geschäftsordnung erforderlich handelte es sich um Herbeischaffung von drei Unterschriften aus anderen Parteien. Man sollte nun denken, diese armseligen drei Unterschriften seien um so leichter zu beschaffen gewesen, als ja mit Ausnahme der offenen Reaktionäre( der konservativen Gruppen), sowie etwa noch der richtigen Nationalliberalen, jetzt eigentlich alle übrigen Fraktionen des Reichstages prinzipiell oder richtiger theoretisch gegen die Ausnahmegesetze sind-namentlich seitdem man die Zweischneidigkeit dieser Waffen an den Ultramontanen und neuestens an den Sozialdemokraten erfahren hat. Ihren politischen Glaubensbekenntnissen und ihrer ganzen Parteistellung nach hätten sich für den Antrag der SozialdemoParteistellung nach hätten sich für den Antrag der Sozialdemo kraten erklären müssen: das Zentrum, die Sezessionisten, die Fortschrittler, die Volksparteiler, die Polen, die Dänen und die Elsaß Lothringer. Aber rechne einer auf die Prinzipientreue der bürgerlichen Barteien, insbesondere wenn dabei der Sozialismus mit ins Spiel kommt! Mit Ausnahme von einzigen fünf Mann verweigerten diese sämmtlichen„ Oppositionsparteien" ihre Mitwirkung. Das Zentrum ist zwar jahrelang selbst verfolgt werden und müßte einigermaßen wissen, wie das Geheßtwerden thut; indessen müßte einigermaßen wissen, wie das Geheßtwerden thut; indessen stehen die feindlichen Brüder Staat und Kirche jetzt in Unterhandlung, um das einträgliche Geschäft der Volksbeschwindelung hinfort wieder vereint auszuüben, und da dürfen die künst= lichen Gewebe durch nichts gestört werden. Was von der jüngeren Linie der Nationalliberalen zu erwarten ist, kennt man ohnehin. Die so überaus freisinnige Fortschrittspartei hat über ihren taktischen" und„ staatsmännischen" Meisterzügen ( Richter'schen, Hänel'schen und Virchow'schen Fabrikats) keine Die Zeit, an solche Lappalien wie Prinzipien zu denken. Polen sind zwar eine richtige Proteſtpartei, wurden und werden auch von der preußischen Regierung genug geschunden, um grundsätzlich jede Bedrückung bekämpfen zu müssen; aber die Leute leisten dem Zentrum Heerfolge und haben als Vollblutausbeuter( unter 18 Abgeordneten 15 adlige Rittergutsbesizer) den größten Abscheu vor Allem, was von den Sozialisten kommt. Die zwei Dänen sind verbohrte Lutheraner, welche die Jesuiten wie das höllische Feuer scheuen und nicht unterzeichnen, weil die bösen Sozialdemokraten nicht einmal für die Kuttenträger Ausnahmegeseze wollen. Bleiben die Volksparteiler und die Elsaß= Lothringer, von denen man doch unbedingt erwarten mußte, baß fie dem Geſetzentwurf beistimmen würden. Sind doch die ersteren, Demokraten" und haben ausdrücklich in ihrem Programm den Satz:" Beseitigung aller Ausnahmegefeße". Was aber die Reichsländer anbelangt, so müssen sie sich in grundsätzlicher Opposition zu jedem im Reichstage in Frage kommenden staatlichen Hoheitsakt befinden, da sie gegen ihre Zugehörigkeit zum Staatsganzen selbst protestiren. Ferner müssen sie, die Unterjochten, mit jedem Unterdrückten sympathisiren und ihm gegen den gemeinsamen Knechter beistehen, namentlich, wenn es fich um eine Partei handelt, welche ganz allein und unter den schwierigsten Verhältnissen für sie und ihr altes Heimathsland eingetreten ist! Endlich aber befanden sich unter den Gesetzen, deren Aufhebung der sozialdemokratische Gesetzentwurf forderte, auch die für Elsaß- Lothringen so drückenden Bestimmungen, welche selbst die schlechte deutsche Reichsverfassung dort nur zum Theil einführt und der Regierung des Reichslandes diktatorielle Gewalten verleiht. Die elsässisch- lothringischen Abgeordneten hatten es bisher, aus unbekannten Gründen, nicht für gut befunden, einen Antrag auf Abschaffung der Diktatur: paragraphen zu stellen; es mußte angenommen werden, daß fie einem diesbezüglichen Antrag von anderer Seite mit Freuden zustimmen würden. Wohlan; auch diese beiden prinzipiellsten Oppo= sitionsparteien haben es die Volkspartei mit einziger löblicher Ausnahme des Würzburger Abgeordneten Köhl rundweg abgelehnt, den Antrag der Sozialdemokraten auf Aufhebung sämmtlicher Ausnahmegeseze zu unterstützen! Und wenn nicht außer Köhl noch die Fortschrittler Lenzmann, Phillips, Rée und Wendt ihre Unterschriften gegeben hätten, so wäre der Antrag nicht einmal gedruckt worden; daß er nicht zur Verhandlung kam, dafür wurde ohnedieß gesorgt. " Indessen hat die Einbringung des Gesezentwurfs nichtsbestoweniger ihren Nutzen gehabt: derselbe hat als Prüfstein der prinzipiellen Stellung der Parteien gedient und insbesondere das Wesen der beiden nächst uns reichsfeindlichsten" Parteien in die rechte Beleuchtung gesetzt. Er hat unwiderleglich gezeigt, daß die Herren, Demokraten" und Elsaß- Lothringer ebensogut echte Bourgeois und uns gegenüber Reaktionäre sind, wie die Fortschrittler und alle übrigen Parteien. Nebenbei gesagt, ist dies übrigens weder bei der einen, noch bei der andern der genannten Parteien das erste Zeichen ihrer reaktionären Gesinnung, noch wird es das letzte sein. Der „ Demokrat" Karl Mayer erklärte, daß die Volkspartei auf dem Boden der monarchisch absolutistisch militärischen Reichsverfassung stehe. Und der Elsäßer Grab beantragte, zusammen mit einem Unterwerfer des Elsasses, Moltke, und den Konservativen, die Errichtung einer Soldaten- Zuchtanstalt im Elsaß, welche zur Entwicklung des militärischen Geistes der Reichs lande bestimmt sein sollte, ein Antrag, den bereits die Regierung gestellt hatte, der aber vom Reichstag abgelehnt worden war. Alle unsere Gegner, welches auch im Uebrigen ihre augen=" blicklichen Sonderinteressen und politischen Parteimeinungen sein mögen, sind im Grund ihres Wesens Mitglieder der Einen herrschenden Klasse, deren Existenz auf unserer Unterdrückung bafirt. Und darum schließen sie sich, sobald sie sich uns gegen über befinden, schnell zu einer einzigen reaktionären Masse zusammen. V. Revolutionäre Kraftphrasen" und ,, gemäßigte Form des Ausdrucks" streiten neuzeitlich in der Partei vielfach um den Vorrang. Es fragt sich, ob auf der Tribüne und in der Presse die revolutionäre Leidenschaft und agitatorische Aktion oder die Objektivität und akademische Diskussion das Wort haben dürfen. Scheinbar theilt sich die Partei in eine Partei des modernen Klassenkampfes und eine Partei des wissenschaftlichen Sozia lismus. Daß ich gleich Farbe bekenne: ich bin weder für noch wider, sondern halte mit beiden zumal. Beide mögen das Wort haben und Beiden das Recht der Existenz anerkannt sein. In der Demokratie gehört Niemanden ein Vorrang; sie herrscht durch die Verbindung der Kräfte. In diesem Sinne bitte ich, mir die Theilnahme an der Diskussion zu erlauben, und ein Wörtchen einlegen zu dürfen zur Versöhnung des Streites nicht des akuten, der hoffentlich schon beigelegt ist. Meiner Erfahrung gemäß schleicht der erwähnte Gegensatz schon lange, gleichsam wie ein chronisches Uebel in unseren Reihen herum, und mag da ein ,, objektives" Urtheil vielleicht zur Beschwichtigung beitragen. Die Redaktion des„ Sozialdemokrat" ist durchaus im Recht:„ Wir sind nicht nur die Partei des wissenschaftlichen Sozialismus, sondern wir find als solche die Partei des modernen Klassenkampfs zwischen Kapital und Arbeit, ein Kampf, der mit akademischen Diskussionen nicht ausgefochten werden kann." Und unser Organ spricht sicherlich uns und der großen Masse aus dem Herzen, wenn es dieser Gesellschaft, die unsere Menschenrechte mit Füßen tritt, ein baldiges Ende mit Schrecken wünscht. Aber Wünschen und Erwirken ist sehr zweierlei; und kann es sich nur um die Frage handeln, was führt zum Zweck: rebellische Gemüthserregung oder objektive Belehrung? Ich möchte nun geltend machen, daß solche Fragestellung verkehrt, und wie unbestreitbar zweckmäßig es ist, nicht nur zu belehren, sondern auch den revolutionären Geist zu weden, nota bene ohne das Moment der Belehrung allzugering zu schätzen. Wir dürfen weder die revolutionäre Kraftphrase noch die gemäßigte Form des Ausdrucks als Zweckmittel hintenansetzen. Man mißverstehe nicht, als wollte ich die Gegensätze vertuschen und verquicken und dafür sprechen, sowohl die politische Leidenschaft abzufühlen als auch die Objektivität der akademischen Diskussion mit Ausbrüchen der Entrüstung zu schmücken. Auch liegt es mir sehr fern, an der Redaktion oder an einem Parteigenossen irgend etwas rügen zu wollen. Dagegen glaube ich wohl im Allgemeinen die Erfahrung gemacht zu haben, daß zu wenig Verständniß vorhanden ist für die Mannigfaltigkeit der Mittel und Talente, welche die Propaganda unserer Sache erfordert. Wenn ich nicht irre, war es auf dem Kongreffe in Eisenach, wo ich mit Bedauern gewahrte, wie unverständig weit man den Unterschied zwischen Hand- und Kopfarbeit, zwischen den Männern der Praxis und den Männern der Theorie, auseinander zu schieben suchte. Dieselbe Bewandtniß hat es jetzt mit der revolutionären Kraftphrase und der akademischen Diskussion. Nicht sowohl die Wortführer der Debatte, als die große Masse der Zuhörer verlieren gar sehr aus den Augen, die Einen, wie unerläßlich zweckmäßig es ist, die Gemilther zu erregen und den rebellischen Geist zu schüren, und die Andern, welch' großen Werth die hinreißende Beredtsamkeit der Theorie hat. Nicht so, als wenn ich damit sagen wollte, die revolutionäre Erbitterung und die kontemplative*) Objektivität sollte von jedem Genossen zu**) Beschauliche. mal praktizirt werden. Wohl aber möchte ich wünschen, daß von allen Parteigenossen die agitatorischen sowohl, wie die didaktischen Talente, welche in verschiedenen Persönlichkeiten verkörpert sind, als Blüthen am Baume der Partei betrachtet werden. Ebensowenig wie wir erwarten dürfen, mit wissenschaftlichen Gründen unsere Feinde zu überzeugen sie wollen nicht belehrt, sondern gehauen sein ebensowenig dürfen wir verkennen, daß die Wahrheit eine Macht ist, welche vorab aus der Mittelklasse, die zwischen Hangen und Bangen schwebt, manchen Indifferenten zu uns herüberzieht. Ja, die Macht der Wahrheit ist so groß, daß sie auch im Heere der Widersacher noch manchen Verstockten zu bekehren vermag. Und über solche Sünder, die Buße thun, ist dann mehr Freude, wie über tausend Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Denen, die so geringschäßig von der akademischen Diskussion denken und es gibt deren Viele erlaube ich mir die Erwägung zu unterbreiten, wie affenartig geschwind sich die Völker bekehren, wenn irgend ein höheres Thier" dergleichen vormacht. Wir dürfen uns deshalb angelegen sein lassen, auch höhere Thiere" einzufangen. Wer einem Professor ein sozialdemokratisches Licht aufsteckt, der führt uns mit einer solchen Autorität" die Proselyten duizendweise zu. " J. Dietgen. Guten nichts aus, und dann: Was wollen die Herren denn eigentlich? Die preußisch- deutsche Armee steht in Feindes Land und mit dem Feinde wird bekanntlich nicht lange gefackelt. Der Feind ist das deutsche Volk, von dem zirka zwei Millionen unter dem Banne des Belagerungszustandes sich befinden. Die Kriegskontributionen werden mit äußerster Strenge erhoben, ein scharfer Kordon ist um das Land gezogen, um Nichts hereinzulassen, was Denen, die es besetzt halten, etwa mißfällt. Je unentbehrlicher dem Volke die einzuführende Waare ist, um so schärfer der Zoll, den sie an die Kriegsherren zu entrichten hat; gesunde geistige Nahrung wird gar nicht herübergelassen. " Der Kriegsherr unterhandelt mit dem Feinde durch die von demselben unter Kontrole der Beamten dieses Kriegsherrn gewählten Vertreter. Wehe aber diesen, wenn sie es wagen, dem Willen des Kriegsherrn nicht sofort zu entsprechen!„ Es ist Mein höchsteigener Wille", herrscht er ihnen zu, und des besonderen Nachdrucks wegen läßt er seinen Willen" im ganzen besetzten Gebiet öffentlich anschlagen. Seine Drohungen werden prompt ausgeführt, seine Versprechen dagegen, Botschaft" genannt, ebenso gehalten, wie sein Versprechen von 1870:" Ich führe keinen Krieg mit dem französischen Volk!" das heißt, sobald es an's Einhalten geht, ver- geffen. " Eine Armee im Feindesland muß aber ihre ganzen Dispositionen danach treffen, dem Feind Respekt einzuflößen. Daher bekommen die Ein Brief aus den Bergwerken Sibirens.*) ausgestellten Wachen auch scharfe Patronen und den Auftrag, niederIch weiß nicht, ob der Brief in Deine Hände kommt. Bis jetzt schrieb ich nicht, weil ich durch die hiesige äußerst strenge behördliche Aufsicht daran verhindert war. Im Dezember 1880 erschienen neue Instruk tionen" von Loris- Melitow, worin unter anderen äußerst strengen Maßregeln folgende speziell auf uns, die aus politischen Gründen zu Bergwerfarbeit Verurtheilten, gemünzt waren: Wir haben nicht das Recht, wie es die gemeinen Verbrecher haben, nach Ablauf der Prüfungsfrist ins Freie" zu gehen; wir haben nicht das Recht, zu irgend einer Zeit die Ketten abzulegen. Kurz, es ist uns alles verboten, was uns in einer mehr oder weniger entfernten Zukunft das Leben leichter gemacht und zum Mindesten die Hoffnung nicht geraubt hätte, in der Freiheit( und sei es auch eine fiktive) zu sterben. Ja, diese liberalen Maßregeln" haben uns selbst das Recht geraubt, welches, glaube ich, noch nie irgend einem Verbrecher genommen wurde, das Recht nämlich, unseren nächsten Angehörigen, dem Vater, der Mutter, der Frau, von uns Kunde zu geben. Weißt Du, daß ich aller Rechte verlustig erklärt worden bin, und daß buchstäblich unser Leben und unsere Ehre von der Willkür, von der Gnade der Beamten abhängig ist? Ich habe keine Hoffnung mehr, irgend jemals das Sonnenlicht zu erblicken; denke nicht, daß ich mich beklage. Ich wußte von Anfang an, was mich erwartet und habe mich längst mit dem Gedanken an den Tod befreundet. Wir arbeiten von 6 Uhr früh bis 7 oder 8 Uhr Abends. Wir arbeiten in den Gruben inmitten von eiskaltem Wasser, das manchmal bis an die Knie reicht. Der Grund besteht fast ausschließlich aus kleinen und größeren Steinen, die erst mit dem Spaten aufgewühlt werden müssen, bevor sie abgehoben werden können. Unser regelmäßiges Arbeitspensum besteht in zwei Kubiksaschen**), aber wir arbeiten für Lohn oft bis zu drei Kubiksaschen, was uns gestattet, 2-3 Mal die Woche eine Grüße und ungefähr 3/4 Pfund Fleisch zu erhalten. Letzteres zwar nicht ganz frisch, aber es ist doch besser als das trockene Gefängnißbrod. Abends kehren wir von der Arbeit ganz erschöpft zurück, so daß wir fast gleich schlafen gehen: lesen und geistig zu arbeiten ist ganz unmöglich. Eine solche Arbeit dauert übrigens nur bis zur kalten Zeit; dann werden wir für den Staat arbeiten und werden mehr Muße haben, aber dann werden wir auch nichts verdienen. Der Postverkehr ist ein sehr unregelmäßiger. Im Herbst und Frühling kommen sogar die Zeitungen nur einmal in 3-4 Wochen, von Packeten und Briefen nicht zu reden. Briefe gehen über„ Tschita", d. h. sie kommen hierher, werden dem Gouverneur zugeschickt, liegen bei ihm lange Zeit und kommen erst dann zurück in unsere Hände. Alles dies nimmt zwei bis drei Monate, manchmal auch mehr in Anspruch. Wie schlimm es um uns steht, kannst Du schon daraus sehen, daß wir im Jahre 1881 vier Genossen zu Grabe trugen. Semjanowsky und Rodin haben ihrem Leben selbst ein Ende gemacht. Der Unbekannte***) und Krivoschejin sind gestorben. Die Kowalewskaja ist wahnsinnig geworden. Dasselbe Schicksal erwartet Viele, und unzweifelhaft wird es ihrer je länger je mehr geben. Wir leben in zwei ziemlich engen und schmutzigen Zellen. Medizinische Hilfe gibt es keine. Im September oder Oktober werden wir in ein anderes Zentralgefängniß übergeführt werden, das tief im Gebirge liegt, fern von jedem Verkehr. Hier in der mittleren Kara sehen wir wenigstens manchmal Menschen, dort wird auch dieses fehlen. Im Oktober erwarten wir Zuzug. Jetzt sind unserer 80 Mann, die Frauen nicht eingerechnet, welche in einem besonderen Gefängniß internirt sind. Wir haben Mangel an Allem, Büchern, Wäsche, Schuhwerk und Geld. Unsere Qualen sind groß; wir wären zufrieden, nur ein Stündchen im Freien verbringen zu dürfen, nur ein einziges Stündchen; wir brauchen fein Erbarmen, kein Mitleid, wir haben die Kraft, ebenso zu endigen, wie wir angefangen haben.... Ich persönlich fühle jetzt viel mehr Haß als ich bis jetzt fühlte. Früher habe ich ja mehr geliebt als gehaßt. Lebt wohl, theure Freunde, das ist mein letzter Brief. Wer weiß, was uns noch erwartet. Wenn Du unsere Zelle beträtest, so würdest Du im ersten Augenblick bei weitem nicht dieselbe Stimmung finden, der ich soeben Ausdruck gegeben. Lachen, Spaß und Gesang. Je schrecklicher, verzweifelter die Lage, desto mehr äußerlicher Frohsinn und Lachen. Wenn die Arbeit aufhören wird, d. h. am 15. November, will ich versuchen, zu lernen. Sozialpolitische Rundschau. 3ürich, 15. Februar 1882. In Feindesland. Die Berliner Knabenerschießung saffaire, über die wir in voriger Nummer bereits kurz berichteten, ist jetzt klargestellt. Es ist Alles in schönster Ordnung. Der Soldat hat nur seine Pflicht gethan. Ja noch mehr, er hat seine Pflicht mit außerordentlicher Bravour erfüllt, denn drei Knaben mit einem Mal zu treffen, darunter zwei tödtlich, das ist keine Kleinigkeit. Er verdient also offene Anerkennung und ist daher auf Allerhöchsten Befehl" Se. Majestät, Kaiser Wilhelm der Mildherzige, soll vor Entzücken ganz bes- eeligt gewesen sein vor versammeltem Kriegsvolk freigesprochen worden. Eine Auszeichnung wird nicht auf sich warten lassen. Einige fortschrittliche Zeitungen haben angesichts der erregten Stim mung des Volkes schwache Versuche in„ Entrüstung" gemacht, es ist ihnen aber nicht gelungen. Wider den heiligen Militarismus richten die *) Dieser Brief ist erst vor wenigen Wochen, natürlich auf Umwegen, in die Hände unserer russischen Freunde gelangt. Er rührt von einem jungen, eifrigen und opferwilligen Propagandisten her, der ein Leben voll der glänzendsten Aussichten für seine Ueberzeugung in die Schanze schlug. Näheres über ihn dürfen wir nicht mittheilen, um seine Lage nicht noch zu verschlimmern. **) Ein Kubitsaschin ca. 15% Rubikmeter. ***) Einer der Vielen, die vor den russischen Gerichten ihren Namen anzugeben sich weigern. zuknallen, was ihnen nicht Ordre parirt. Bei Feinden nimmt man es mit dem Menschenleben nicht so genau. Man denke nur, was im obigen Falle auf dem Spiele stand. Der Soldat hatte die sogenannte Invalidensäule, ein Denkmal von 60 Meter Höhe und 21/2 Meter Umfang, zu bewachen. Wie leicht konnte diese Säule gestohlen werden! An Taschendieben fehlt es in der Großstadt ohnehin nicht. Der Soldat mußte schon aus diesem Grunde mit scharfen Patronen versehen werden. Die dumme Bevölkerung sieht das nicht ein, deshalb wurden auch in allen Schulen, von der Abc- Klasse der Volksschule bis zur Oberprima der Gymnasien, sofort nach der Erefution die Kriegsartikel vorgelesen. Kinder sind bekanntlich am bildungsfähigsten, sie werden es daher auch leicht begreifen, welchen Respekt die Besatzungsarmee verlangen kann in Feindesland. In Feindesland! Die Instruktionen der Soldaten, die Privilegien der Offiziere, die Furcht der Hohen und Allerhöchsten" Personen vor dem Volke beweisen es, daß sie sich wie in Feindesland fühlen. Wann endlich aber, o Volf, wirst Du einsehen, daß Du den Feind im Lande haft? Daß, wie Dir Herwegh schon im Jahre 1870 zurief, Du Dich gleich Kindern läßt betrügen, o weh! Bis Du zu spät erkennst Die Wacht am Rhein kann nicht genügen, Der schlimmste Feind steht an der Spree! An der Spree erschießt man heute Deine Kinder, deutsches Volk! Auf Allerhöchsten Befehl! Er hat so geendet, wie wir vorausgesagt, der Feldzug gegen die Börse nämlich mit einem großen Fiasko. Auf der ganzen Linie wird zum Rückzuge geblasen, nur Stöcker's Meute bellt noch nach Verbot des" unfittlichen" Börsenspiels um Gimpel zu fangen. Der verlogene Pfaffe macht jetzt wieder stark in Judenheze und reitet dabei auf der frechen Lüge herum, Mary und Lassalle hätten die Arbeiter nur gegen das christliche produktive Kapital der Fabrikanten gehetzt, nicht aber gegen das jüdisch- unproduktive der Börse. Die studentischen Saufgenies und die armen Teufel von halbruinirten Handwerksmeistern, welche seinen Heerbann bilden und natürlich nie einen Blick in die Schriften der Genannten gethan, flatschen begeistert Beifall und triumphirend steigt der Vernichter" der jüdischen Sozialisten von der Tribüne, seinem strebsamen Kampfgenossen Adolph Wagner herablaffend auf die Schulter klopfend, als wollte er ihm sagen: Siehst Du, mein Bruder in Christo, was der Glaube gegen das Wissen vermag? Du hast zu viel gelesen und stolperst alle Augenblicke über Dein besseres Wiffen. Mir fann das nicht passiren. Meine hofpredigerliche Unwissenheit schützt mich vor solchen Schwächen. Wenn ich auf der Tribüne stehe, so bilde ich mir ein, ich hätte mein Allerdurchlauchtigstes, Allergnädigstes Pfarrkind vor mir, und da schwatze ich das Blaue vom Himmel herunter, je sinnloser, um so besser. Lassen wir aber den widerlichen Dompfaffen und kehren wir zu unserem Schmerzenskind, dem Kulturkampf gegen die Börse, zurück. Man verhehlt sich in maßgebenden Kreisen die Schwierigkeiten nicht, heißt es offiziös, auf welche das Eingreifen des Gesetzgebers stößt, wenn es gilt, das unsolide Geschäft zu treffen, ohne das solide dabei zu schädigen. Stimmt auffallend mit dem, was wir in voriger Nummer voraussagten. Wo hört das solide" Geschäft auf und wo fängt das unsolide an, das ist die Preisfrage, vor der die Weisen der heutigen Gesellschaft so rathlos stehen wie Buridans Esel vor den zwei Heubündeln. Aber nehmen wir nun einmal an, sie hätten das Kunststück fertig gebracht und mit mehr oder weniger Ungeschick eine Grenze statuirt. Wie nun eingreifen? Neue Rathlosigkeit, die sich nicht klassischer kennzeichnen läßt, als durch den Umstand, daß man in Deutschland dem„ unsoliden" Differenzspiel den Todesstoß dadurch zu versetzen meint, daß man die Differenzschulden für nicht einflagbar erklärt, in Frankreich aber, wo sie heute nicht einklagbar sind, dasselbe Kunststück dadurch verrichten will, daß man sie für einklagbar erklärt. Wieder die berühmten zwei Heubündel, zwischen denen unsere gesetzgeberischen Esel sich die Köpfe zerbrechen. Laffen wir sie bei dieser nützlichen Beschäftigung! Bravo! rufen wir aus vollem Herzen unsern Genossen im sächsischen Landtage zu, und mit uns gewiß jeder Genosse im In- und Auslande. Es ist eine wahre Freude, zu sehen, wie scharf unsere Freunde dort gegen Polizei und Unternehmerthum zu Felde ziehen, wie sie es verstehen, immer und immer wieder die Aufmerksamkeit des Volkes auf die schmachvollen Brutalitäten zu lenken, deren Opfer die sächsischen Arbeiter seit mehreren Jahren sind, wie sie durch ihre fühne und energische Sprache nicht nur das Rechtsgefühl, sondern auch das Rechts bewußtsein des Volkes zu wecken wissen, den heutigen Machthabern aber die heuchlerische Maske der„ Schützer von Recht und Freiheit" vom Gesicht reißen und sie dem Volke in ihrer wahren Gestalt als Unterdrücker der Freiheit, als Verächter des Rechtes bloßstellen. Wenn die schändlichen Gewaltakte damit auch nicht gefühnt find, so ist doch der Entrüftung über die Vergewaltigung in so wuchtigen Hieben Ausdruck gegeben worden, daß die Schuldigen sich in eine wahrhaft klägliche Defensive flüchten mußten. „ Am 9. Februar", schreibt uns unser Korrespondent aus Sachsen ,,, hielt die Sozialdemokratie im sächsischen Landtag wieder einmal Abrechnung mit ihren Unterdrückern." „ Die Sigung dauerte den ganzen Tag und begann mit einem Renkontre zwischen Bebel und dem Justiz minister. Der Letztere suchte Bebel's Angaben über Justizwillkür, die derselbe vorige Woche bei der Budgetberathung gemacht hatte, zu widerlegen. Zuerst stellte er die Behauptung des Sozialdemokrat", daß eine der großen Prozeßverhandlungen durch den Präsidenten Wehinger eröffnet und nach Ausschluß der Deffentlichkeit von Mangoldt fortgesetzt worden wäre, pathetisch in Abrede; es sei dies durchaus nicht wahr, sondern Mangoldt worauf es nämlich ankam habe die Sigung von Anfang an geleitet. Da die Sache auch den Korrespondenten des" Sozialdemokrat" berührt, so kann derselbe hier nur erklären, daß, wenn ein Frrthum vorliegt, das Gericht denselben selbst verschuldet hat, indem es die Oeffentlichkeit ausschloß, so daß die Berichterstattung auf's Hörensagen angewiesen war. Wenn der Gerichtshof gerechte Sache hatte, brauchte er die Oeffentlichkeit nicht zu schenen. Wenn aber Euere Abwürgung politischer Gegner und Mangoldt hat gegen Sozialisten kandidirt und agitirt! hinter spanischen Wänden stattfindet, so ist für die Beurtheilung des Verfahrens ziemlich gleichgiltig, ob dabei ein oder zwei Gerichtspräsidenten mitschuldig geworden sind, die erste Berichtigung des Ministers ist also ganz unwesentlich. Die übrigen Berichtigungen aber sind nur Zustimmungen für das Gesagte. Der Minister gab zu, daß Genosse Pasch ky gefesselt durch die Straßen der Stadt und an seinem Geschäfte vorüber geschleppt worden und daß seine Frau, die ihn gesehen, vor Schrecken und Schmerz ohnmächtig hingesunken ist; er gab ferner zu, daß Genosse Lange nach Verbüßung einer 18wöchentlichen Untersuchungshaft, auf welche Freisprechung erfolgte, sich aus Tiefsinn das Leben genommen, er behauptete nur, daß Lange schon früher tiefsinnig gewesen sei. Ferner gab der Minister zu, daß der Staatsanwalt einem auf anonyme Denunziation in Untersuchungshaft genommenen Kaufmann, der als Leiter der Wahl in Freiberg besonders mißliebig war, gesagt hatte:„ Wären Sie nicht Sozialist, so wären Sie nicht in Haft genommen worden." Um seine Niederlage zu verdecken, half sich der Minister mit Ausfällen gegen den Sozialdemokrat", von welchem er sagte, derselbe predige den Meineid, und er hoffe, Bebel werde unter solchen Umständen der weiteren Verbreitung desselben hindernd in den Weg treten. " " Unser Vertreter konstatirte hinsichtlich der„ Berichtigungen“ nur, daß der Justizminister Alles in den Hauptsachen bestätigt habe. Hinsichtlich des Sozialdemokrat" erklärte er: es falle ihm gar nicht ein, das Blatt zu desavouiren. Wenn es eine gereizte Sprache führt, so erklärt sich das aus den maßlosen Verfolgungen, denen unsere Partei ausgesetzt ist, und welche eben die Leidenschaften des Volkes auf's Höchste erregen. Für jedes einzelne Wort des im Auslande erscheinenden Blattes könne er die Vertretung ebensowenig übernehmen, wie Bismarck dies bei seiner sogar direkt unter amtlicher Mitwirkung erscheinenden Presse im Stande sei, im Ganzen aber billige er die Haltung des Parteiorgans, des, Sozialdemokrat". Es ergriff darauf Genosse Liebknecht das Wort, um den Minister des Innern, v. No stiz, über die gegen unsere Partei verübten Gewaltthaten zur Rechenschaft zu ziehen. In zweistündiger, glänzender Rede kennzeichnete er alle jene Verfolgungen und Rechtsbrüche, mit denen in Sachsen die Wahlen gefälscht, Eristenzen vernichtet und Racheafte gegen Sozialisten verübt worden sind. Der Landtag krümmte sich unter der Wucht der Thatsachen, mit denen Liebknecht aufwartete. Er zeigte, wie die Versammlungen und Blätter unterdrückt, wie Wahlaufrufe und Stimmzettel gestohlen worden, wie die Agitatoren unserer Partei gehetzt wurden wie wilde Thiere( der Präsident hielt für nöthig, diesen Ausdruck zu rügen, Liebknecht hielt ihn aber aufrecht und führte Belege dafür an) und wie durch Verhaftungen, Durchsuchungen 2c. das Volk eingeschüchtert wurde. Unser Genosse erwähnte ferner, wie in 3 wickau eine schwangere Frau durch unittliche Handgriffe der haussuchenden Gensdarmen entehrt worden sei.( Lachen.) Ja, lachen Sie nur, rief Liebknecht den Sittlich keitsheuchlern zu, es war ja„ nur“ eine Frau aus dem Volke. Die Frau hat nicht gelacht, sie hat aus Verzweiflung über die ihr angethane Schmach einen Selbstmordversuch unternommen, durch den eine Frühgeburt und der Tod des Kindes herbeigeführt wurden.*) Die Ausweisungen, die nichtswürdige Polizeispionage, welche die Sozialisten auf Tritt und Schritt umschleicht, die Existenzen, welche durch diesen Unfug vernichtet wurden, dies Alles wurde den Gegnern vorgehalten. Der Präsident, sonst ein ziemlich unparteiischer Mann, bekam schließlich Angst und forderte, der Redner solle maßvoller über die Regierung und die Polizeiorgane sprechen. Liebknecht beharrte aber auf seinem Rechte der Redefreiheit und rief den Kammermitgliedern zu: Wenn Sie nicht Redefreiheit walten laffen, degradiren Sie sich zu Puppen!( Sturm der Entrüstung seitens Aller, die sich getroffen fühlten 7/8 der Kammer.) Der Präsident ertheilt den Ordnungsruf. Liebknecht: Es ist die Sprache des beleidigten Rechtes, der fitt lichen Entrüstung, die ich führe und führen muß. Er weist darauf hin, daß er jeden Vorwurf mit einer Fülle von Thatsachen belege, und fährt mit der Vorführung einzelner Gewaltthaten fort. Hiebei bemerkte er, es verbreite sich allerdings die Ansicht immer weiter, daß alle Gesetzlichkeit nichts helfe, und wenn die Polizei es ordentlich darauf anlege, blutige Katastrophen zu provoziren, wie dies in Chemnitz und Dresden an den Wahltagen geschehen, so habe man es nur der verständigen Einsicht und der guten Organisation unserer Partei zu verdanken, wenn die Metzeleien nicht eingetreten. Die Leidenschaften, ja der Fanatismus werde auf's Höchste entflammt und man solle sich hüten, den Funken in das Pulverfaß zu werfen. Trotz aller Verfolgungen, fuhr der Redner fort, behauptet die Sozialdemokratie ihre Stellung und wird kämpfen, bis sie zum Siege gelangt. Wenn der Minister das Versprechen verlangt habe, daß wir nicht zur Revolution kommen, so können wir dieses Versprechen nicht geben, denn wir werden zur Revolution tommen. Dafür, daß sie sich friedlich vollzieht, gibt es nur ein Mittel, die Freiheit! An freien Staaten seien die früheren Revolutionsstürme ohne vernichtende Wirkung vorübergebraust, in Polizeistaaten haben sie den blutigen Kampf erzeugt. So wird es auch künftig sein. Ich weiß jedoch, schloß Liebknecht, daß diese Mahnung nichts nügt, verfolgen Sie uns also weiter, aber tragen Sie die Folgen! Nach dieser Rede fanden selbst der freche Ackermann und der geckenhafte Minister No stiz ihr gewöhnliches Pathos nicht und blieben den ganzen Tag kleinlaut; selbst dann noch, als in der Abendsizzung der Abg. Freytag die ungesetzlichen Haussuchungen rügte und Bebel die Dresdener Polizeiwirthschaft und ihre Provokationen z. B. bei der Wahl, in vernichtender Weise brandmarkte. Man suchte schandenhalber die Polizei in Schutz zu nehmen, aber das geschah in so täppischer Weise, daß dadurch der Eindruck der sozialistischen Rede nur erhöht wurde. Der 9. Februar gehörte der Sozialdemokratie! Ferner haben unsere Ageordneten im sächsischen Landtag den Entwurf eines Berggefeßes und Knappschaftsgesetzes, sowie einen Antrag gegen die polizeilichen Ausweisungen eingebracht. Kurz, der Kampf wird auf der ganzen Linie geführt. Die Thätigkeit der sozialistischen Abgeordneten in der verflossenen Reichstagssession, schreibt uns einer unserer bewährtesten Vorkämpfer, hat innerhalb der Partei hier und da nicht denjenigen Erwartungen entsprochen, welche nach dem unerwartet günstigen Ausfall der Wahlen gehegt wurden. Abgesehen von gewissen Begehungs- und Unterlassungsfünden, die in dem Parteiorgan ja genügend zur Sprache gekommen sind, können wir die Berechtigung zu ernsthaften Vorwürfen nicht anerkennen. Das unleugbar hier und da vorhandene Gefühl der Enttäuschung hat wesentlich in dem Kontrast zwischen dem Ringen des Wahlschlachtfeldes und der parlamentarischen Arena seinen Grund. Unsere Partei hat diesmal einen Wahlkampf geführt mit solch gewaltiger Kraftanstrengung, mit solch riesigen Opfern, daß der darauf folgende parlamentarische Kampf nothwendiger Weise an sich schon zwerghaft und unwichtig erscheinen mußte. Unsere Genossen im Reichstag hatten außerdem theils keine Gelegenheit, theils keine Veranlassung, an den sensationellsten Debatten des Reichstags Theil zu nehmen. Diese fanden statt zwischen der Regierung und den großen alten Parteien; und durch unser Eingreifen würde der uns so vortheilhafte Zersetzungsprozeß der alten Parteien nur aufgehalten und die widerhaarigen Bourgeoisparteien der Regierung zugedrängt worden sein. *) Der Bürgermeister von 3 widau, welcher später das Wort ergriff, mußte den tragischen Vorfall bestätigen und konnte als Beschönigung nur anführen, die Frau habe den Selbstmord wohl(!) nur aus Furcht vor ihrem Mann, dessen Eigenthum der Polizei in die Hände gefallen war, versucht. Bedenkt man, daß die Mehrzahl unserer Abgeordneten parlamentarische Rekruten, daß Bebel und Auer bei der Wahl unterlegen waren, daß Liebknecht in Folge seiner Doppelwahl und seines Doppelmandats vor Weihnachten nur wenige Sitzungen des Reichstags besuchen konnte, und daß Hasenclever, der einzige geübte Parlamentarier, der zur Verfügung stand, häufig durch andere Arbeiten abgehalten war bedenkt man dies, so wird man zugeben müssen, daß unsere Vertreter ihre Schuldigkeit gethan haben. Soviel steht fest, an Arbeit haben sie es nicht fehlen lassen an Arbeit im Dienste der Partei. Und die parlamentarische Arbeit war nur ein kleiner Bruchtheil dieser Arbeit. Wenn wir die Debatte über das Sozialistengesetz in einigen Partien und einige nicht hinlänglich scharfe Aeußerungen über die Bismarc'sche Wirthschafts- und Sozialreform ausnehmen, wird indeß anerkannt werden müssen, daß die Reden unserer Genossen den an solche Reden zu stellenden Anforderungen vollkommen entsprochen haben, daß in allen Fragen, wo unsere Abgeordneten zu reden verpflichtet waren, der Standpunkt unserer Partei würdig vertreten worden ist. Jedenfalls ist es recht thöricht, wegen einiger Fehler und Ungeschicklichfeiten, die in den Verhältnissen ihre natürliche Erklärung finden, den Vorwurf der Charakterlosigkeit, wo nicht gar des Verrathes zu erheben. Alles ist einig darin, daß das Wahlresultat ein großartiges war. Wohlan, haben denn nicht gerade diejenigen Männer, über die jetzt von verschie denen Seiten so ungerecht geurtheilt wird, zu diesem großartigen Wahlresultat beigetragen? Unter den jetzigen Reichstagsabgeordneten ist kein einziger, der nicht mit dem Aufgebot aller seiner Kräfte in der Wahltampagne mitgestritten, und die ärgsten Strapazen gehabt hätte. Für verschiedene der Abgeordneten haben die Anstrengungen und Aufregungen noch nicht überwundene Gesundheitsschädigungen nach sich gezogen. Die Ankläger haben zweifelsohne vom wahren Sachverhalt keine Kenntniß und haben sich nicht die Thätigkeit der Abgeordneten im Wahlkampf zurückgerufen, sonst würden sie nicht so leichten Herzens die Steine gegen pflichttreue, hart arbeitende Genossen erhoben haben. Und hätten unsere Abgeordneten während der verflossenen Session auch wirklich einige Ermüdung und Abgespanntheit gezeigt, wäre das etwa nach diesem furchtbar aufreibenden Wahlkampf zum Verwundern gewesen? Es war jedoch nicht der Fall und um so thörichter und ungerechter sind die erhobenen Vorwürfe. Nicht als ob wir der Kritik Zügel anlegen wollten; fritifire man so scharf und so viel man will. Allein bleibe man stets gerecht, und hüte fich, den Charakter anzugreifen, wo höchstens Irrthümer und Taktlosigkeiten vorliegen. Soweit der Einsender. Nachdem wir im Parteiorgan, wo es uns geboten erschien, an dem Verhalten unserer Genossen im Reichstage Kritik geübt und ebenso der Kritik der Genossen unsere Spalten geöffnet, glaubten wir uns verpflichtet, auch der Vertheidigung der Angegriffenen gegen übertriebene Vorwürfe das Wort geben zu sollen. Wir glauben aber ferner im Interesse unserer Sache zu handeln, wenn wir damit die Debatte über diesen Gegenstand im Speziellen vorläufig schließen. Unsere Abgeordneten haben jetzt Gelegenheit, mit den Parteigenossen, bezw. ihren Wählern direkt zu ver tehren und deren Wünsche und Urtheile zu vernehmen, und die Partei selbst wird in hoffentlich nicht allzuferner Zeit gleichfalls die Stellung ihrer Vertreter im Parlament zu diskutiren haben. Insoweit wir es jedoch nicht lediglich mit Unterlassungs- 2c. Sünden, sondern auch mit ganz wesentlichen grundsätzlichen Meinungsverschieden heiten über die Stellung unserer Partei gegenüber der heutigen Geſetzgebung zu thun haben, halten wir es auch fürderhin für Sache des Parteiorgans, in Ruhe und mit sachlichen Gründen diese Prinzipienfragen zu diskutiren. Es ist das sicher besser, als daß wir uns jedesmal, wenn sie in greifbarer Gestalt an uns herantreten, entweder durch gereizte Vorwürfe oder durch Beschönigungsversuche dem berechtigten Spott unserer Feinde aussetzen. Aus der Frühjahrssession des Reichstags scheint nichts werden zu wollen. Herr Bismarck, der verunglückte Oedipus, merkt, daß er mit seiner Arbeitergesetzgebung", sintemalen er nichts davon versteht, elendes Fiasko machen würde, und er möchte dies Fiasko möglichst hinausschieben. Verdenken kann ihm das Niemand. Die offiziösen Blätter versichern zwar jetzt wieder, der Gedanke der Frühjahrssession sei noch keineswegs aufgegeben, nur werde dieselbe statt im April erst im Mai stattfinden können, allein das ist offenbar nur eine Rückzugslüge. Weshalb sollte Herr Bismarck überhaupt den Reichstag einberufen, ehe es geschehen muß? Die Kämpfe, welche ihm dort auf politischem wie auf sozialreformatorischem Gebiete bevorstehen, sind keineswegs anlockend; das Geld zur Schmierung und Unterhaltung der Staatsmaschine hat er auf ein Jahr in der Tasche vor Februar des künftigen Jahres braucht er den Reichstag nicht, der dann noch vor Ablauf des nächsten Budgetjahres( 31. März 1883) Zeit hat, die Bewilligungen für 1883/84 zu machen. Und zu Anderem braucht Bismarck doch den Reichstag nicht! „ Die Loyalität" in der Handhabung des Sozialistengesetzes ist unseren Lesern zur Genüge bekannt. Wir hatten uns von vorneherein teine Jllusionen gemacht, wir wußten von vorneherein, daß die Polizei, deren Willkür wir überliefert wurden, ihrem Wesen entsprechend, die brutalfte Willkür gegen uns würde walten lassen. Und so kam es auch natürlich. Allein obgleich feierlich im Reichstag gemachte Versprechungen schamlos mit Füßen getreten wurden, ließ die ausschließlich in Händen unserer Feinde befindliche Preffe doch Alles geschehen und mit Ausnahme eines oder zweier Organe haben sämmtliche Zeitungen die an uns verübten Schandthaten entweder mit Gleichgiltigkeit betrachtet oder gar ihre Billigung ausgesprochen. ,,,, Loyalität" gegen Sozialdemokraten?" Gegen Sozialdemokraten ist Alles erlaubt, ihnen gegenüber gibt es keine Pflichten der Treue, der Menschlichkeit. Wenn nur uns gegenüber die von Eulenburg so pathetisch verbürgte„ Loyalität" beobachtet wird! Nun, auch diese Loyalität hat ein Loch; während der Wahlbewegung ist das Sozialistengesetz vielfach auf andere Parteien angewandt worden, und es hat auch an Versuchen nicht gefehlt, die nichtsozialistische Oppofitionspreffe unter das Fallbeil des Sozialistengesetzes zu bringen. Indeß bisher ohne Erfolg, oder beffer ausgedrückt, noch ohne den richtigen Ernst. Ende des vorigen Monats ist aber ein Schlag gefallen, der Schrecken in die bürgerliche Oppositionspresse geworfen und das Gefühl der Sicherheit stark erschüttert, wo nicht zerstört hat: wir meinen das Verbot des„ Glauchauer Beobachters" auf Grund des Sozialiftengesetzes. Der Glauchauer Beobachter" ist notorisch das Eigenthum des Rechtsanwalts und früheren Reichstagsabgeordneten Schraps, eines„ Großdeutschen" aus der Wuttke'schen Schule. Mit Scharfsinnigkeit konfus, hat Herr Schraps vielfach hin und her geschwankt, bis er endlich, nach allerhand Irrfahrten, in den Hafen volksparteilicher Verschwommenheit einlief. Feste Grundsätze hat der Mann nicht die Beschaffenheit seines Hirnes und nur zwei feste politische Anhaltspunkte: macht es unmöglich 1) Haß gegen Preußen und die preußische Wirthschaft; und 2) Haß gegen die Sozialdemokratie im Allgemeinen und Bebel und Liebknecht im Besonderen. Vom„ Joche" der Letzteren und vom Gifte des Sozialismus die sächsischen und deutschen Arbeiter zu befreien, das betrachtet Herr Schraps seit Jahren als seine Mission, und er hat auf der Trümmerstätte verbotener und schmachvoll unterdrückter sozialdemokratischer Lokalblätter seinen„ Glauchauer Beobachter" ausschließlich in der Absicht gegründet, seinem Doppelhaß gegen Preußen und die Sozialdemokratie Luft zu machen und die fozialdemokratischen Arbeiter für die„ Volkspartei" einzufangen. Und dieser Beobachter" ist auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden. Vorwand: sozialdemokratische Umsturzbestrebungen. Grund: ein Leitartikel, in welchem die famose Aeußerung des säch sischen Ministers v. Nostiz- Wallwitz: er ziehe die Annexion der atheistischen Republik vor, vom partikularistischen Standpunkt aus als eine Art von Landesverrath bezeichnet war; und zwei oder drei Artikel, welche das Knappschaftstassenwesen einer, obendrein recht stumpfen, Kritik unterwarfen und das Vorgehen der sächsischen Regierung in dieser Angelegenheit mißbilligend beurtheilten. Deshalb Verbot des„ Beobachters". Einfache politische Opposition und halbwegs freimüthige Besprechung von Arbeiterfragen konstituirt also:„ Umsturzbestrebungen" im Sinne des Sozialistengesetzes. Erhält die Beschwerdekommission, was höchst wahrscheinlich, das Verbot aufrecht, so ist die gesammte Oppositionspresse, welche den Bismarck'schen Staatssozialismus bekämpft, dem Sozialistengesetz verfallen. Was ihr gar nichts schaden wird. Und uns erst recht nichts. Es lebe die Staatshilfe für die Besitzenden! Die Grund- und Hausbesitzer in Aachen haben sich an den großen Sozialreformer" mit der Bitte gewendet, er möge doch dahin wirken, daß die Aermsten aus der Lage befreit werden, die Steuern der Nichtgrundbesitzer decken zu müssen“.„ Wir beehren uns noch", heißt es weiter ,,, darauf hinzuweisen, daß die stets steigende Einschätzung und Gemeindeumlage die Häuserwerthe von einem veränderlichen Elemente abhängig macht, ein Umstand, welcher dem Wesen des Grundbesitzes zuwiderläuft". Auf gut Deutsch heißt das: Wenn infolge Anwachsens der Städte, verbesserter Straßen 2c. der Werth der Häuser und Grundstücke steigt, so ist das ganz gut und schön, nur darf man von uns armen Haus- und Grundbesitzern nicht verlangen, daß wir, die wir den Löwenantheil schöpfen, dann auch mehr Steuern bezahlen sollen. Ein solches System führt zur Verarmung der Nation". Dieser rührenden Bitte hat der für das Wohl der„ Nation" so bedachte Reichskanzler denn auch ein geneigtes Gehör geschenkt. Ich halte meinerseits", antwortet er den armen verhungerten Hausbesitzern,„ Eure Klagen bezüglich der Grund- und Gebäudesteuer für berechtigt", Abhilfe aber, liebe Freunde, wird sich erst dann beschaffen lassen, wenn die Einnahmen des Staates durch eine entsprechende Vermehrung des Reiches aus der indirekten Besteuerung gehörig hinaufgeschraubt find. Und Jubelgeschrei ertönt in den Reihen der Haus- und Grundbesitzer. Es lebe der politische und wirthschaftliche Führer der Nation hoch, hoch, hoch! Der Masse der Enterbten wird das Geld indirekt in jeder Weise abgezapft, um direkt die Besitzenden zu entlasten, kann man wirksamer entgegentreten der Verarmung der Nation"? Nein, das kann man nicht, denn die„ Nation", das sind nur die besitzenden Klassen, die„ nationale" Wirthschaftspolitik ist die Wirthschaftspolitik im Interesse der Besitzenden, der christlich- nationale " Sozialismus" heißt Staatshilfe für die Besitzenden. Darum ist Bismarck der Wohlthäter der„ Nation",- Volk, wann wirst Du endlich einsehen, daß Du nicht zur„ Nation" gehörst? Gegen die Judenverfolgungen in Rußland haben in England und Amerika verschiedene Massendemonstrationen stattgefunden. Wenn dabei auch, soweit dieselben von den herrschenden Klassen ausgehen, viel Pharisäerthum mitspielen mag, so ist die Sache, um die es sich handelt, doch der Sympathie aller Freunde der Unterdrückten werth. Es ist für das„ Christenthum", welches sich heute in Deutschland so gewaltig breit macht, bezeichnend, daß die Träger desselben, die Stöcker, Distelkamp, Förster und Konsorten mannhaft für die- Unterdrücker eintreten. Wir sind wahrhaftig die Letzten, welche die Juden als die reinen Tugendengel hinzustellen geneigt sind, dem Schwindel aber, daß man die Opfer der ebenso seigen wie grausamen Hetzpolitik der russischen Tyrannei als die Schuldigen an den grauenhaften Erzessen in Süd- und Mittelrußland hinstellt, können wir nicht scharf genug entgegentreten. In keinem Lande der Erde sind die Juden so rechtlos, so der Willkür preisgegeben, wie in Rußland, in keinem Lande herrscht unter ihnen so großes Elend wie im Zarenreiche. Die Spitzbuben, die das Volk bestehlen und berauben, es schinden und ausbeuten, ihm den letzten Blutstropfen auspressen, Ihr„ chriftlich"-sozialen Volksfreunde, das sind die frommen Diener des Zaren, das sind die Beamten, vom Generalgouverneur bis zum Gensdarmen herab! Dieselben brauchen die Juden als Ableiter der gerechten Wuth des Volkes und stiften daher auch die Hetzen an, denen sie mit schadenfrohem Händereiben zusehen, so heuchlerisch schadenfroh, wie Ihr den Hetzen in Hinterpommern. Und wie in Hinterpommern die eigentlichen Hetzer frei ausgingen, während die Gehetzten bestraft wurden, so auch im heiligen Rußland. Die scheinheiligen Hinweise der russischen Regierung auf die zahllosen Verhaftungen, welche ihre Subjekte vorgenommen, beweisen für ihre eigene Schuldlosigkeit gar nichts. Es glaubt ihr auch Niemand in der Welt als einzig und allein Stöcker, der Wahrheitsliebende. - Echt liberal. Das fezessionistische Leipziger Tageblatt", Organ für Schweinsknöchel, Denunziationen und Sauerfraut, bricht aus Anlaß der mannhaften Reden unserer Abgeordneten in lautes Wehklagen darüber aus, daß der Präsidenten nicht strengere Mittel zur Verfügung gestanden hätten, den verruchten Sozialisten das gottlose Maul zu stopfen. Das edle Blatt gibt sich aber der sicheren Hoffnung hin, daß diesem Uebelstand bald abgeholfen werde. Und das charakterlose Gesindel wundert sich noch, daß in Sachsen Alles, was nicht sozialistisch ist, zu den offenen Konservativen läuft! Schreit jeden Augenblick nach der Polizei und heult nachher über„ Reattion". In der That, gemein und brutal ist die Bourgeoisie in anderen Ländern auch, aber eine gleichzeitig so bodenlos feige, wie die deutsche, findet sich nirgends. Das ist ein Spezifikum des Landes der Gottesfurcht und frommen Sitte. Noch etwas von der Armee in Feindesland! In Hanau war's, und zwar am 24. Januar dieses Jahres. Auf dem Paradeplatz wurden die Söhne des Volkes in der hergebrachten Manier zu brauchbaren Unterdrückungswerkzeugen geschunden oder, wie man das in Hanau nennt, gestriezt. Ein 62jähriger Mann blieb stehen und sah dem„ Striezen" mit Stechschritt und anderen Hanswurstereien zu. Das paßte dem Hauptmann nicht, er kommandirte einem„ Gefreiten", dem lästigen Zuschauer mit dem Gewehrkolben den Weg zu weisen. Der Gefreite kam natürlich diesem Befehle pflichteisrigst nach und stieß dem Greise mit heldenmäßiger Bravour eine Rippe entzwei! Ja, Volk der Denker, so geht's eben zu im Kriege. Nach der Wahl! Am letzten Sonntag, Abends 5 Uhr, haben unsere Genossen in Barmen Elberfeld und Umgegend ein ausgezeichnetes Flugblatt,„ Nach der Wahl" betitelt, in Tausenden von Exemplaren verbreitet. Es konstatirt die Bedeutung der großartigen Lebensäußerung der Sozialdemokratie bei den letzten Reichstagswahlen, und entwickelt in kurzen, schlagenden Sätzen die Gründe, weshalb selbst unter den heutigen Verhältnissen das Wählen nothwendig war. Einige der Verbreiter sollen verhaftet worden sein. Man wird ihnen aber ebensowenig anhaben können, wie den Verbreitern des Flugblattes zur Stichwahl, die trotz aller Bemühungen der als Zeugen" aufmarschirenden Elberfelder Schnüffelgarde, Oberschnüffler Borchard voran, vom Landgericht freigesprochen werden mußten. Uebrigens ist es schon infam genug, daß sich die Polizei herausnehmen darf, die Arbeiter ohne Weiteres in Untersuchungshaft zu nehmen. Wollte man nur die unschuldig verbüßte Untersuchungshaft politisch Mißliebiger seit Bestehen des Sozialistengesetzes in Deu tschland zusammenrechnen, es kämen Jahrhunderte zusammen. Thut nichts, wir leben doch in einem Rechtsstaat. Wer lacht da? „ Der Rebell", gedruckt in der„ Ersten freieu Druderei"," Deutschland" ohne Angabe des Verlegers, Herausgebers oder Verfassers"- ist vom Regierungspräsidenten zu Stettin verboten worden. Hat sich was zu verbieten, wovon man nichts kennt als den Titel! Der aus Berlin ausgewiesene Sozialist Priet ist, wie die Zeitungen melden, als„ muthmaßlicher Verbreiter" sofort verhaftet worden. So logisch es nun auch von der Polizei war, anzunehmen, daß ein Ausgewiesener rebellisch werden muß, so scheint sie diesmal doch den Rechten nicht erwischt zu haben. Dem deutschen Spießbürger graust es. In Deutschland, der frommen Kinderstube, tauchen jetzt allerorts nihilistische Schriften auf. Der„ Rebell" in Stettin kann doch nur von " Nihilisten" ausgehen, und nun hat auch der Stadtrath von Gotha notabene ein ehrendes Zeichen seiner Intelligenz die Subskriptionsliste zu Gunsten der Opfer der russischen Tyrannei offiziell als, nihilistische Schrift st ü cf e" verboten. In Deutschland der Nihilismus man denke nur, welcher Gräuel vor dem Herrn! Wie man im Auslande schreibt. Die neueste Nummer des in London erscheinenden„ Republican" hat als Titelbild eine Karrikatur über die Anbettelung des englischen Volkes zur Bewilligung einer Aussteuer für den jüngsten Sprößling der Königin Viktoria. Er läßt den Prinzen mit einem Plakat, hungrig, arbeitsunfähig" am Arme seiner Braut betteln gehen, während Viktoria vom Fenster hinabschielt, ob John Bull auch gehörig blecht. In der Erklärung des Bildes heißt es u. A.: Man behauptet, das britische Volk sei ein wahrer Krösus, wie viele Millionen von gequälten, leidenden, halbverhungerten Männern und Frauen sind in diesem betrügerischen Ausdruck inbegriffen? Diese sind es, welche, da sie die große Majorität ausmachen, Leopold und seine Braut erhalten sollen, und in ihrem Interesse erheben wir einen energischen Protest gegen die Anwendung der Gelder des Volkes zur Erhal tung der Sprößlinge eines unnützen Königthums in Müssiggang und Verschwendung!" Und die deutschen Offiziösen sind„ entrüstet", weil der Londoner " Bunsch" neulich Wilhelm als Bismarcks Marionette abgebildet hatte. Das Gesindel möchte die deutsche Preßsuchtel am Liebsten allen Ländern aufoktroyiren. Aber leider! gibt es noch einige Flecken auf der Erde, wo Bismarck ,, nir to seggen hett". Die Ordnungsblätter entsetzen sich darüber, daß dem preußischen Gouverneur von Sachsen, dem„ König" Albert, bei seiner jüngsten Anwesenheit in der Seestadt Leipzig mehrere Nummern des „ Sozialdemokrat" in einem„ Bittschrift" überschriebenen Kouvert überreicht worden seien. Das sei der Gipfel der Frechheit und könne nicht hart genug bestraft werden, notabene, wenn man nur den verschmitzten Bittsteller" hätte. " Einige radikal angehauchte Fortschrittsblätter drücken sich etwas milder aus und bezweifeln den Nutzen dieser Demonstration, d. h. sie sagen mit anderen Worten, daß die Könige unverbesserlich sind. ,, König" Albert mag sich dafür bei ihnen bedanken. Neueste Nachricht vom Kriegsschauplaze. In Berlin wurde am letzten Montag dem Tischler August Kramer, der sich erfrecht hatte, durch ein Astloch dem Drillen der Rekruten des Kaiser Alexander Regimentes zuschauen zu wollen, vermittelst eines Bajonnetstich es dieser Unfug gründlich versalzen. Fortschrittliche Blätter nennen das ein ,, beklagenswerthes Ereigniß", während in Wahrheit der Verbrecher von Glück sagen kann, daß ihm das Bajonnet nicht, wie es beabsichtigt war, direkt in's Auge gegangen ist, sondern dies unter demselben in's Gesicht fuhr, so daß er vielleicht mit dem starken Blutverlust davon kommt. Der tapfere Soldat soll noch am selben Tage die Kriegsdenkmünze als Belohnung erhalten haben. C'est la guerre, sagt der Franzose. Das ist' mal so Brauch im Kriege. Liebknecht's zu Schutz und Truz" ist soeben in pol= nischer Uebersetzung erschienen, und zwar als neuestes Bändchen der in Genf erscheinenden polnischen sozialdemokratischen Bibliothek". Dasselbe ist mit einer Vorrede, eine kurze Biographie Liebknechts enthalten, versehen. Beides, Uebersetzung wie Biographie, rührt wahrscheinlich von unserm Genossen, Dr. Bol. Limanowski, her. -Aus Frankreich. Die Ausweisung des russischen sozialistischen Gelehrten P. Lawroff, eines der hervorragendsten Schriftsteller des heutigen Rußland, eines Mannes, dessen selbst die offiziöse Presse Rußlands, die sonst Alles begeifert, was nach Sozialismus oder Revolution riecht, nur mit Anerkennung seines wissenschaftlichen Werthes gedenkt, die Ausweisung dieses Mannes, lediglich weil er sich an der Spitze eines Unterstützungskomite's zu Gunsten der Opfer des politischen Freiheitstampfes in seiner Heimath gestellt, ist ein neuer Schandfleck auf dem Konto der dritten Republik. Wie haben sie es doch herrlich weit gebracht, die ehrenwerthen Bourgeoisrepublikaner! In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts nahm das monarchische Frankreich nicht nur die politischen Flüchtlinge aus anderen Ländern gaftlich auf, sondern ein Guizot zahlte sogar mehreren derselben jährliche Unterstützungen aus. Die„ demokratischen" Republikaner aber, die sich die Erben der französischen Revolution nennen, jagen einen Mann aus ihrem Lande, weil er ein autofratisches Regiment bekämpft, wie es Frankreich selbst unter Ludwig XIV. nicht gekannt hat. Die lahme Entschuldigung, daß die französischen Gesetze die Regierung der Republik zwingen, dem Gesuche Rußlands auf Ausweisung Folge zu geben, ist eitel Flunkerei. Es ist die kurzfichtige Eintagspolitik der profitwüthigen Geschäftsmenschen, welche diesem Akt feiger Kriecherei zu Grunde liegt. Mit preußischer Erlaubniß Tunis, mit russischer Egypten aussaugen, das wollen die Herren Bourgeois, und wenn es sich um ein gutes Geschäftchen handelt, dann Adieu Grundsätze, Adieu Menschenrechte, Adieu Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! Ganz und gar hinfällig ist auch die Ausrede, das Ministerium& am betta habe die Ausweisung zugesagt, deshalb müsse das neue Ministerium sie halten. Hat sich denn sonst dieses Ministerium nicht gerade überstürzt, alle Maßnahmen seines Vorgängers wieder aufzuheben? Nein, die Herren Goblet und Freycinet wußten sehr wohl, was sie thaten, als sie dem Zaren den Liebesdienst erwiesen. Lawroff, der am 13. Februar Paris verlassen hat, hat vor seiner Abreise noch einen ebenso würdig wie scharf gehaltenen Brief in der " Justice" veröffentlicht. Leider geht uns die betr. Nummer erst bei Redaktionsschluß zu, so daß wir von einem Abdruck desselben für diesmal absehen müssen. In Roanne haben 11 große Webereien ihre Arbeiter au& gesperrt, weil dieselben einen neuen Tarif, der eine Lohnreduktion von 15 Prozent bedeutet, nicht anerkennen wollen. Dadurch kommen 4000 Arbeiter außer Arbeit. Daß die Regierung gegen die Herren Fabrikanten eingeschritten wäre wegen Eingriffes in die Freiheit der Arbeit", wie sie es gegen die streikenden Bergarbeiter von Grande Combe gethan, davon steht nichts geschrieben. Unsere Freunde von der„ Egalité" haben auf Sonntag, den 12. Februar, eine allgemeine Arbeiterversammlung zu Gunsten der Ausgesperrten in dem Salle Graffard, Paris, einberufen. Am 11. Februar sind vom Gerichtshof in Alais sieben Bergs leute von Grande Combe zu je einem Monat Gefängniß verurtheilt worden, weil sie versucht haben sollen, ihre Kollegen von der Arbeit zurückzuhalten. Die Belastungszeugen bestanden aus 3 Ingenieuren, die faft nur von Hörensagen berichteten, dem Direktor, mehreren Frauen und einem Arbeiter. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. " München, Jahreswende 1881/82. An der allgemeinen Sozialisteuhatze betheiligte sich zum Schlusse des Jahres auch der Tod. Drei von unseren besten Genossen suchte er sich aus. Joseph Hörmann, ein junger, ebenso fleißiger wie strebsamer Familienvater, eröffnete den traurigen Reigen. Sein eigener Schwager war von Stuttgart hieher gereist, um ihn aus Rache zu ermorden. Leider gelang ihm die unheilvolle Absicht; durch den Tod soll der Mörder seine That nun sühnen. Doch für die Familie blieb der Vater verloren, wie für uns der trene Genosse. Als der König von Bayern von dem Unglück erfuhr, welches die Familie betroffen, spendete er 200 Mart, woraufhin die hiesigen öffentlichen Wohlthäter" eine Substription für die Hinterbliebenen Hörmanns eröffneten und ihren Wohlthätigkeitssinn" in auffälliger Weise in den hiesigen Lokalblättern verkün deten. Kaum war aber bekannt geworden, daß am Grabe Hörmann's ein Kranz mit rother Schleife niedergelegt wurde, derselbe also ein Angehöriger der sozialdemokratischen Partei sei, schlossen auch schon furchtsamst die hiesigen Blätter ihre„ Sammlungen", und entsetzt darüber, diesesmal an der Familie eines der in Acht Erklärten Wohlthätigkeit" verübt zu haben, zerstob das prahlerische Gesindel. Auf Hörmann folgte Josef Hoffman, Weißgerber, ein Mitbegründer unseres hiesigen Parteiorgans Zeitgeist", der ununterbrochen mit freudigem Eifer seine Aufgabe als Arbeiter und Sozialdemokrat erfüllt hatte. Er gehörte zu jenen edlen hochwerthigen Genossen, die still und unverzagt an und in ihrer Umgebung wirken und lösen, wie das tropfende Wasser am Felsen, ohne jemals nach außen zu glänzen. Auch er hinterließ eine größere Familie, die mit außerordentlicher Liebe an ihm hing. Der dritte war Vitus Maag, der sich redlich als Schuhmacher ernährte und trotzdem sich viel Zeit zu erpressen wußte, der sozialdemokratischen Lebensanschauung ausgiebige Bahn zu brechen. Insbesondere ließ er sich seit Erlaß des Sozialistengesetzes angelegen sein, die hiesigen Genossen anzuspornen. Schon frank, ermüdete er nicht, während der letzten Reichstagswahlperiode eifrigst für die Wahl Bebels hier einzutreten und zu gleicher Thätigkeit die hiefigen Genossen zusammenzufassen. Und das war nicht leicht. Außerdem wendete er auch seinen gewerblichen Institutionen sorgsame Aufmerkſamkeit zu. Kein Wunder, daß der Mann trotz seiner Jugend dieser aufreibenden Thätigkeit zum Opfer fiel. In ihm verloren wir eine junge Blüthe voll Intelligenz und Thatkraft, eine Zierde des jungen Zuwachses. Ein ehrendes Geleite gab Zeugniß bei allen dreien, wie hochgeachtet die Dahingeschiedenen bei ihren Genossen waren. Mit tiefem Schmerz sahen wir diese treuen männlichen Streiter zu Grabe senken, doch andere Männer werden deren Stellen wieder ausfüllen; darauf gaben wir uns die Hand. " Sonst gäbe es manches zu berichten, wäre es nicht allzu lokaler Natur und anderwärts ebenso. So werden obige Begräbnisse mindestens einen Prozeß nach sich ziehen. Auf die Gräber der Verstorbenen wurden Kränze mit rothen Schleifen niedergelegt. Weil nun die Polizei wissen wollte, wer die staats- und ordnungserschütternde That verübt, hieß sie ihre " Organe", darunter den bekannten Sozialistenpolizisten Michel Gehret, zu verschiedenen„ amtsbekannten" Sozialisten gehen und ausforschen. Bei dieser Gelegenheit ließ der genannte Gehret Michel) seine weitbekannte Unhöflichkeit gegen den Schuhmachermeister Dußmann los und steigerte sie bis zur Thätlichkeit. Dußmann ließ sich solche Ungezogenheiten noch dazu im eigenen Hause nicht gefallen, wies den Flegel zur Ruhe und soll nun Widerstand gegen die Staatsgewalt" dadurch verübt haben, daß er einen Beamten" in der„ Ausübung seiner Dienstpflicht" verhinderte! Gemüthlich beginnt es nun auch bei uns zu werden! Daß während der Wahl die Polizei Alles aufbot, um die Leute einzuschüchtern, Stimmzettel konfiszirte, nach der Wahl aber wieder freigab; Genossen, die Stimmzettel für Bebel vertheilten, per Gensdarm durch die Stadt führte und auf ein paar Stunden sistirte u. s. f., war bei dem Eifer der Münchener Polizei erklärlich, umsomehr als man allgemein theils erhoffte theils befürchtete, Bebel werde statt des Liberalen zur Stichwahl kommen. So etwas wäre nach Ansicht der Schwarzen ein, untilg barer Schimpf" für die gute Stadt München, und um dies zu verhindern, schimpften sie weidlich auf den ungläubigen Bebel, der niemals die katholische Hauptstadt des katholischen Bayerns vertreten könne. Und sie zogen hin, München wählte in beiden Wahlfreisen schwarz, für dieses Mal aber nur. Wohl hatten wir Mühe, die alte Stimmenzahl wieder aufzubringen, da die Agitation auf dem Lande und damit die dortigen 500 Stimmen ausfielen und außer dem die Volkspartei, die das letzte Mal mit uns stimmte, einen eigenen Kandidaten aufstellte, der etliche 700 Stimmen erhielt aber das nächste Mal wollen wir es besser machen. Vor der Wahl glaubten die Arbeiter, Alles sei für die Sozialdemokraten verboten, sogar das Wöhlen. Nun hat aber die letzte Wahl- unsere erste unter dem Ausnahmegesetz das Eis dieser dumpfen Resignation gebrochen, und allmählig beginnt die Münchener Arbeiterschaft sich wieder zu regen. Stadtilm, 29. Januar. Bei der Reichstagswahl hatten wir in unserem Städtchen 23 Stimmen auf unseren Kandidaten vereinigt, was bei der hier großartig betriebenen Agitation der Fortschrittler, zu denen unsere gesammten Arbeitgeber gehören, immerhin bemerkenswerth ist. Daß Stadtilm das einzige Städtchen unseres Rudolstädter Wahlkreises ift, wo sozialistische Stimmen abgegeben wurden, ärgert die hiesigen fortschrittlichen Spießbürger sehr, und Ausdrücke, wie„ Lumpe, Bummler" u. dergl. bekommen wir sehr häufig zu hören, was uns jedoch natürlich nicht abhalten wird, unsere Pflicht zu erfüllen. Auch Post und Polizei widmen uns große Aufmerksamkeit und sind die Briefe, welche an uns gelangen, meistens geöffnet! Hainichen, 29. Jan. Die Ausweisung des Reichstagsabgeordneten Kayser aus der Zwickauer Kreishauptmannschaft hat hier große Entrüstung unter den Arbeitern hervorgerufen. So äußerten einige ländliche Arbeiter, als sie die Ausweisung gelesen hatten:„ Der Teufel wird die H.... auch noch holen!" und Tausende haben gleiche Gedanken. Der Faustschlag dieser Ausweisung gilt hauptsächlich den Arbeitern, denn er trifft ja einen Mann, welcher das unbegrenzte Vertrauen von Tausenden aus der Arbeiterklasse genießt. Wir stimmen ganz den oben erwähnten ländlichen Arbeitern bei, und werden mit aller Kraft dafür wirken, daß deren Ausspruch recht bald in Erfüllung gehe. Denn wer Wind säet, wird Sturm ernten. Die Geschäfte liegen am hiesigen Orte gänzlich darnieder. Hunderte von Webern haben keine Arbeit, und die Auswanderung nimmt auch dieses Jahr wieder große Dimensionen an. Vergangenes Jahr sind über 200 Personen von hier nach Amerika ausgewandert, wovon ein großer Theil Genossen; doch die Lücken füllen sich immer wieder, und immer wieder treten neue Kämpfer in die Reihen, was auch die letzten Reichstagswahlen hier bewiesen, wo Max Kayser 738 Stimmen, Oehlschlägel 261 Stimmen erhielt. Auch besteht in Hainichen ein Vehmgericht, welches sich bei 100 Mark Strafe verpflichtet hat, keinen Sozialisten in Arbeit zu nehmen. Der Polizei will ich keine Erwähnung thun, selbige ist dumm und frech wie allerorts. " Hans Zeitgeist. Meineids- Michel" und *) Bekannter unter dem Namen Bismards Kissinger Leibgensdarm". Michel scheint seine neulichen ,, Hiebe erster Sorte" schon wieder verschwitzt" oder im Bier ersäuft zu haben. An die Redaktion des„ Sozialdemokrat". Der Tag der Entscheidung ist vorüber! Auch wir können mit dem Resultat einigermaßen zufrieden sein, zeigt es doch, daß die deutsche Sozialdemokratie trotz Ausnahmegesetz, trotz Polizeiwillkür trotzdem man sie aller Kampfmittel beraubte, noch widerstandsfähig und noch angriffsfähig ist! In den Kreisen, wo unser Genosse Aug. Dreesbach kandidirte, haben wir ganz erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen: Dreesbach erhielt Stimmen vor drei Jahren: jetzt: 1600 im Ludwigshafen- Speyerer Kreise ca. " 1 " 1 Karlsruher Mannheimer " " " " 750 2376 2956 1387 2517 und hat sich somit die Stimmenzahl in den beiden erstgenannten Kreisen beinahe verdoppelt. Im Mannheimer Kreise fand am 8. November d. J. eine Stichwahl zwischen dem demokratischen W. Kopfer und dem nationalliberalen A. Lamey statt. Ausschlaggebend war hier die Sozialdemokratie, und wurden namentlich von demokratischer Seite alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Stimmen der Sozialisten zu ködern. Leider waren diese Mittel sehr verwerfliche, wie aus nachstehendem Bericht hervorgehen wird. Um darüber zu berathen, welche Stellung wir bei der Stichwahl einzunehmen haben, fand erstmals am 30. Oktober d. J. im engeren Kreise von Parteigenossen eine diesbezügliche Besprechung statt, deren Resultat der Beschluß war, sich der Stimmabgabe vollständig zu enthalten, doch sollte derselbe noch einer größeren Anzahl Wähler unterbreitet und erst nach deren Genehmigung zum Parteibeschluß erhoben werden. Diese größere Versammlung fand am 5. November statt, und wurde nach ge= nauer Erwägung aller einschlägigen Punkte definitiv vollständige Wahlenthaltung einstimmig beschlossen. Man einigte sich dahin, daß dieser Beschluß durch Annoncen und durch ein am Tage vor der Wahl zu erlassendes Flugblatt den Wählern kundgegeben werde. Daß man für den nationalliberalen Kandidaten nicht stimmen könne, darüber war sich Jeder klar bewußt, und Jeder sah ein, daß ein Zusammengehen mit der an die Wand gedrückten" Partei ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Wir hatten daher die Pflicht, unsere Stellung hauptsächlich der sog. demokratischen Partei gegenüber, von welcher man stets behauptete, sie stehe der sozialistischen am nächsten, zu präzisiren. Vor Allem sei hier erwähnt, daß die„ Mannheimer Demokratie" nicht mit einer großen, prinzipientreuen, volksthümlichen Partei verglichen werden darf, und nur, wer die lokalen Verhältnisse dieser Partei kennt, fann sich ein Urtheil über deren Werth bilden. Die Mannheimer demokratische Partei ist eine Sefte, eine Abart einer Volkspartei, eine demokratisch übertünchte Gesellschaft serviler Heuchler, Fürstendiener und Streber, die, wenn sie ihr egoistisches Ziel erreicht haben, der Demokratie, welche ihnen nur Schemel zum Emporsteigen war, den Rücken wenden. Die Beweise dafür sind geliefert! Diese Partei schlägt einen Mann als Reichstagsabgeordneten vor, der es unter seiner demokratischen Würde hält, neben einem allseitig geachteten Sozialisten im Stadtverordnetenvorstande zu sitzen, den seine Hochmüthigkeit sogar soweit trieb, aus diesem Kollegium auszutreten, nur weil ein Sozialdemokrat hinein berufen wurde. Andere treffende Gründe, welche uns bei dem Beschluß:„ Wahlenthaltung" maßgebend waren, sind in unserem Flugblatt vom 7. Nov. angegeben, und wird jeder denkende Mensch unsern Beschluß als den einzig richtigen anerkennen. Kurze Zeit vor der Stichwahl erschien der Redakteur der„ Neuen Bad. Landeszeitung", Organ der sog. demokratischen Partei, bei unserm Genossen Aug. Dreesbach, und überbrachte ihm einen Brief des Herrn W. Liebknecht folgenden Inhalts: ,, Lieber Freund Dreesbach! " Ihr müßt für Kopfer stimmen. Wir haben in allen ähn,, lichen Fällen denselben Rath gegeben. ,, Mit sozialdemokratischen Gruß „ Ihr W. Liebknech t." mit der Drohung, daß wenn Herr Dreesbach seine Wähler nicht auffordere, für den demokratischen Kopfer zu stimmen, Liebknecht ihn öffentlich desavouiren müsse. Dreesbach erklärte dem betreffenden Redakteur, daß seine Partei Wahlenthaltung beschlossen habe, und daß es bei diesem Beschluß bleiben müsse und auch bleiben werde. " Am Abend vor der Wahl, als gerade unser Flugblatt vom 7. Nov. fertig gestellt war, erschienen von demokratischer Seite große Plakate, enthaltend: einen Wahlaufruf an die Gesinnungsgenossen der Sozialdemokratie", unterzeichnet von sechs zu diesem Zwecke offenbar übertölpelten und, mit Ausnahme eines Einzigen, durchaus nicht der sozialdemokratischen Partei angehörenden Personen, welche sich als Sozial demokraten gerirten und ein„ Mahnruf" Liebknechts folgenden Inhalts: Wenn Herr Kopfer sich verpflichtet, im Reichstag für Auf,, hebung des Sozialistengesetzes eintreten zu wollen,( diese Verpflichtung hat Herr Kopfer durch sein gegebenes Wort bereits ,, übernommen), so kann ich meinen Mannheimer Parteigenossen ,, nur rathen, bei der bevorstehenden Stichwahl für Herrn Kopfer ,, gegen den Reaktionär Lamey zu stimmen! Offenbach, 6. November 1881. W. Liebknecht." Wir waren nun gezwungen, sofort nach Erscheinen dieses Plakats, das in tausenden und abertausenden von Exemplaren in Stadt und Land verbreitet wurde, nochmals ein Flugblatt vom Stapel zu lassen, und den Eingriff Liebknechts in unsere Rechte zurückzuweisen. Natürlich tamen die sogenannten Demokraten nochmals mit einem Pamphlet, das von solch niederträchtig gemeinen Lügen stroßt, daß es jeder Beschreibung spottet. Durch diese letzte Kundgebung hat sich die Mannheimer Demokratie im wahren Lichte gezeigt. Dieses ungerechtfertigte Auftreten Liebknecht's hat das zum großen Theile wieder zerstört, was wir in jahrelanger, mühevoller Arbeit erbaut haben. Heute schon reiben sich die sogenannten Demokraten die Hände, endlich einen Zwiespalt in unserer Partei zu Stande gebracht zu haben, und posaunen mit sichtlichem Behagen in den Zeitungen aus:„ der Sozialdemokratie etwas durch die Parade gehauen zu haben!" Das Eingreifen Liebknecht's ist um so verwerflicher, als derselbe hinter dem Rücken der hiesigen Partei, ohne diese um ihre Motive zu befragen, die Partei und deren Beschluß vollständig ignorirend, mit dem Redakteur der demokratischen N. Bad. Landeszeitung" verhandelte und dieser scheinheiligen Heuchlerbande eine Waffe gegen seine eigenen Parteigenoffen in die Hand gab, eine Waffe, die, von den Gegnern gut benützt, wohl im Stande war, die Sozialdemokratie und deren hiesige Leitung der Welt gegenüber in ein sehr schiefes Licht zu bringen und sie herabzuwürdigen. Es handelt sich aber hier nicht allein um individuelle Beleidigungen, wie wir überhaupt die Personenfrage in den Hintergrund stellen; nein, es handelt sich hier um eine sehr weittragende prinzipielle Frage: Entgegen dem Beschlusse des Wydener Kongresses, wonach es den Sozialdemokraten vorgeschrieben ist, sich bei Stichwahlen zwischen anderen Parteien der Stimmenabgabe zu enthalten, Entgegen den allgemeinen sozialdemokratischen Prinzipien, die darauf hinausgehen und hinausgehen müssen, in jeder Beziehung in erster Reihe die Selbstständigkeit der Partei zu wahren und die Fahne der Partei vor feiner andern zu beugen, nach denen alle andern Parteien als eine reaktionäre Masse zu betrachten sind, Entgegen dem Artikel in Nr. 42 des„ Sozialdemokrat", welcher ausdrücklich vor jedem Kompromiß hauptsächlich mit der heuchlerischen sog. Volkspartei warnt und es als einen Doppelverrath bezeichnet, wenn die Sozialdemokratie sich mit dieser Bande alliirt; Entgegen dem Grundsaye der Gleichberechtigung hat Liebknecht, wozu wir ihm das Recht entschieden abstreiten, befohlen, daß man sich einer anderen Partei prostituire und hat seine eigenen Parteifreunde zu Marionetten degradirt, indem er sie zwingen wollte, nach den Sprüngen seines Willens zu tanzen. Wir glauben kaum, daß Herr Liebknecht überlegte, was er that! " Ihr müßt für die demokratische Partei stimmen!" Ihr müßt? Dies fann im sozialistischen Staate wohl zur Anwendung kommen, wenn es gilt, den Gesetzen Achtung zu verschaffen; aber wer sagt: ihr müßt eure Meinung fnebeln, ihr mit ßt gegen eure Ueberzeugung handeln, der schlägt den sozialdemokratischen Prinzipien in's Angesicht. Die Demokraten freuen sich über ihren gelungenen Coup und preiſen heute Liebknecht als einen rechten, einen braven" Mann. Wem fällt da nicht das bekannte Wort Bebels ein: ,, Wenn die Spießbürger lachen, können wir darauf rechnen, daß wir einen Schnitzer gemacht haben!" und daß Herr Liebknecht nicht nur einen Schnitzer", sondern einen kaum zu verbessernden Fehler gemacht hat, ist Jedem klar! Wir haben im Wahlkampf bis auf den letzten Mann unsere Schuldig feit nach bestem Wissen und Gewissen gethan, wir haben trotz aller uns entgegenstehenden Faktoren die Fahne der Partei hoch gehalten, verlangen aber unter allen Umständen, daß Herrn W. Liebknecht durch die Parteileitung öffentlich eine Rüge ertheilt wird, daß uns Herr Liebknecht eine rechtfertigende Erklärung über sein Verhalten gegen uns abgibt und uns hauptsächlich der demokratischen Partei gegenüber Genugthuung verschafft. Mannheim, den 17. November 1881. Sämmtliche Leser des„ Sozialdemokrat". Genosse Liebknecht, dem wir eine Abschrift dieses Protestes zugeschickt, sendet uns seinerseits nachstehende Erklärung: 1) Die ganze Sache, soweit ich darin thätig war, dauerte 5 Minuten. 2) Es war keine Zeit, mit den Mannheimer Genossen direkt zu verkehren. 3) Von den Streitigkeiten der Mannheimer Genossen mit Kopfer wußte ich nichts; die Kenntniß derselben würde indeß mein Urtheil über den Wahlenthaltungsbeschluß nicht alterirt haben, da es mir nicht auf die Wahl des volksparteilichen Kandidaten, sondern auf die Verhinderung der Wahl eines Bismärckers ankam. 4) Ich bedang ausdrücklich, daß nicht über die Köpfe meiner Parteigenossen hinaus gehandelt werden dürfe. 5) Das Stimmen gegen Lamey war kein Bündniß oder Kompromiß mit der Volkspartei; es handelte sich überhaupt nicht um eine prinzipielle, sondern nur um eine taktische Frage, und es wäre ein schwerer taktischer Fehler gewesen, durch Wahlenthaltung einen Mann des Sozialistengesetzes in den Reichstag zu bringen. Daß der Wydener Beschluß betreffend die Stichwahlen von mir verletzt wurde, glaube ich nicht, und ich weiß, daß alle meine Freunde in ähnlichen Fällen den gleichen Rath ertheilt haben. 6) Der sonderbarer Weise Bebel zugeschriebene Satz, daß man das Lob seiner Feinde nicht verdienen dürfe, würde, falls es bei dem Enthaltungsbeschlusse geblieben wäre, ſeine Spitze gegen die Mannheimer Genossen gewandt haben, denn durch die Enthaltung würden sie Lamey zum Siege verholfen und sich das begeisterte Lob der Nationalliberalen verdient haben. 7) Das„ muß", welches die Verfasser der Mannheimer Erklärung so verschnupft hat, ist hundertmal von mir gegen Freunde und von Freunden gegen mich gebraucht worden, ohne daß je der Gedanke an Diktaturgelüfte gekommen wäre; ich glaubte eben mit dem Adressat als einem Freund verkehren zu können, was ein Frrthum gewesen zu sein scheint. 8) Ich habe den Mannheimer Genossen längst private Aufklärungen gegeben und ihnen die Hand dargeboten. 9) Ich biete ihnen nochmals die Hand, und das ist mein letztes Wort. Dresden, 3. Februar 1882. Wilhelm Liebknecht. Wir haben zu dieser Angelegenheit noch zu bemerken, daß der Wydener Beschluß, auf den sich die Mannheimer Genossen berufen, folgendermaßen lautet: " Für den Fall von Stichwahlen empfehlen die Anwesenden den deutschen Parteigenossen im Allgemeinen Wahlenthaltung." Von einem gänzlichen Verwerfen der Betheiligung bei Stichwahlen sah der Kongreß ab, um den Genossen für außerordentliche Fälle nicht die Hände zu binden. Wenn also Liebknecht der Meinung war, daß hier ein derartiger Fall vorlag, so hatte er auch unzweifelhaft das Recht, den Mannheimer Genossen einen dahingehenden Rath zu ertheilen, es ihnen was sie selbstverständlich überlassend, diesen Rath zu befolgen oder in diesem Falle auch gethan nicht zu befolgen. Ein prinzipielles Vergehen gegen den Wydener Beschluß liegt hier also nicht vor, in wie weit ein taktischer Fehler zu rügen ist, wird die Partei auf dem nächsten Kongresse zu entscheiden haben, dem wir, d. h. die Redaktion des Sozialdemokrat", nicht vorgreifen wollen. In Bezug auf die Mannheimer Volksparteiler aber schließen wir uns nach Einsicht in die zum obigen Protest beigefügten Aktenstücke den Ausführungen der dortigen Genossen voll und ganz an. Die Herren haben fich, was ja auch schon aus dem Mißbrauch des von Liebknecht erbettelten Briefes hervorgeht, als eine Gesellschaft charakterloser Intriguanten gezeigt. Die Redaktion des„ Sozialdemokrat". Berichtigung. In unserer vorigen Nummer bezieht sich in der Notiz„ Aus Frankreich" der am Schlusse angegebene Vierteljahresbericht auf die organisirten Tischler des Seinedepartements. In der Rundschaunotiz, 245,898" muß es Zeile 10 heißen Wohlstand, nicht Nothstand, was unsere Leser ohnehin aus dem Zusammenhang ersehen haben werden. Briefkasten der Redaktion. Ehud: Beide Einsendungen empfangen, werden auch zur Verwendung kommen. Bitten nur um ein wenig Geduld. A. B. T.: Jn nächster Nummer. Jul. Vahlteich in New York, Mar Stöhr in St. Louis: Für diese Nummer zu spät. W der Expedition. C. M. 3.: Mt. 10,- Ab. 4. Qu. 81 u. 1. Qu. 82 verspätet eingetroffen. Mt. 1,20 à Cto. 2. u. gutgebr. 6 ging indirekt. A. Hhne. N.- Y.: Bf. v. 18/1 am 1/2 u. P. R. v. 27/1 erh. Mehrbstllg. vorgem. Nchlfrg. bewirkt. Nota fort. Alles beachtet. J. Kr. K.: öwfl. 1,70 Ab. 1. Qu. erh. Nchlfrg. folgt. A. K. O- Lb.: Mt. 6,- Ab. 1. u. 2. Qu. erh. Uebergewicht von uns nicht verschuldet. Sie haben anderswoher bezogen. M. K. H. a. Bz.:„ Eingeschrieben" genügt. Bummelfriße: Bf. v. 9. erh. u. am 11. beantw. Weiteres folgt nebst Nachlfrg. Rother Greif: Nachr. v. 7. erh. Mehrbstllg. folgt. W. P. Vborg. Alles abges. Dänische u. deutsche Postmarder scheinen gleich eifrig nach Ihrer Lektüre speziell zu fingeriren. Rother Paulus: Mt. 4,70 pr. Ufds. durch Valentin dkd. erh. J. H. T. K.: Sie sind gerettet" u. wir sollen in Teufels Schlund fahren?", d. h. unser Abonnementsgeld ist zum Teufel u. wir haben Ihnen das Reisegeld in den Himmel bezahlt. Macht 1 fl. 70 fr. österr. Währung. Gott wie billig kann man bei Ihnen in den Himmel kommen! Lamezan: ömfl. 10, ( Fr. 20,90) durch Frdshand. à Cto. erh. Bfl. mehr. Carl: Mt. 10, Schftcto. erh. Bf. erwartet.-F. Agst. Bürglen: öwfl. 1,80 u. 30 Pfgfür F. St. i. Hdf. erh. Alles beachtet. A. 2. B.: Mt. 24,- Ab. 1. Qu. erh. C. H. R.: Mt. 1,50 Ab.- Rest erh. 2. Mzr. Genf: Fr. 2, Ab. 1. Qu. erh.--u Abg. i. Pr.: Mt. 3, f. Schft. 2c. erh. Antw. am 11/2 abgg.- Porto Alegre: 15 Millreis( Fr. 31,05 Nennwerth) Ab. pr. 82 u. Ufds. dfd. erh. Sendg. u. Bf. abgg. 2. Rate v. d. Thonberg- Lpzgr. Gen. i. St. Louis: Fr. 50,65 pr. Ufds. dkd. erh. Brief Nr. 1008: Mt. 3,50 folgt.- O.W. E.: Fr. 1.50 f. Schft. erh. Sdg. fort. Ab. 1. Qu. u. Sept. 81 erh. Alles i. Ordnung. Addr. brieft. Gen. i. Paris: Fr. 170,60 pr. Ufds. u. Flgfds. dkd. erh. Fdsqttg. später. Fr. 10, hat D. zu verrechnen. W. K. Neuchatel: Fr. 2, Ab. 1. Qu. erh. Prolog muß fest bestellt werden. Bayr. Hiesel: Mt. 14,40 pr. Ab. Maulwurf: 1. Qu. gutgebr. Mt. 2,30 dem r. † dkd. zugew. Mt. 11,60 Ab. Febr.- Mrz. erh. Gewünschtes folgt. Glück auf! Grachus: Mt. 6,- Ab. Febr.- Mrz. erh. Folgen Alle zusammen. Dant u. Gruß! J. F. in F.: Wenn Sie durchaus genöthigt sind, Deutschland zu verlassen und in Amerika eine andere Eristenz zu suchen, so können wir Ihnen sowohl wie andern in derselben Lage befindlichen Genoffen empfehlen, sich wegen Ueberfahrt 2c. an L. Eskelson in Hamburg, Paulstraße 40, zu wenden. Durch T.: Fr. 9, Erlös f. verf. Prologe bei der Russfeier dkd. erh., davon Fr. 4,- als Ueberschuß d. rothen+ zugew. Carlsruhe: Mt. 15,- d. Ufds. pr. Gegurchng. dkd. zugew. M. R. Bern: Bf. v. T. erh. u. d. Red. behändigt. B. Lg.: Bf. v. 14. am 15/2 erh. Zahlg. noch nicht. Carl Sgl.: Mt. 1,- f. Schft. Sichre Filialaddr. bald erwartet. v. B. erh. Klgr.: Mt. 1,52 f. Schb. erh. K. H. A.: Bf. v. 8. +++ himmel am 14. eingetr. Alles rechtztg. abgg. an bek. Addr. Wird Alles besorgt, wenn nur erst der Knoten" gelöst ist. Schweiz. Bereinsbuchdruckerei Hottingen- Zürich. ―: