Srschetul »Schentlich einmal Zürich iSchweiz) Sttlsj ». Herter, Hottingen Zürich ttafinostraße 3. gnftsuriuitgi» franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Toppelporto. Der ZoMlSemckrat Jentrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie R? I«. Donnerstag, 2. März. Ävonnemeuls werden nur beim Verlag r».d dessen bekannten Agenten ent» gegengenommen und zwar zun: voraus zahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzban Mk. 3— für Teutschland(Couvert fl.!. 70 für Oesterreich(Couver Fr. 2. 50 für alle übrigen Land' Weltpostvereins(Kreuzband). luff nf t Die dreigespaltene Petitzeile 25 StS.— 20 Pfg. 1882. VM" Ali» i» dir Kirns?imdt»teu und Adoullrutra de»„soiialdrmodrat"."MW Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen als möglich an den.Sozialdemokrat', resp. dessen Verlag selbst adresfiren, sondern fich möglichst an irgendeine unverdächtig) l Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, reso. Briefe von dort an unS Adreste außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß und unsere ZeitungS- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorficht im Poftverkehr nothwendig und auch unS möglichst unverfängliche ZustellungSadressen mitgetheilt werden. An zweifelhaften Fällen empfiehlt fich behufs größern darf keine Vorfichtsmaßregel versäumt werden, die Briermarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller em- der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten gegenstehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Fonds zur Unterstützung der Opfer des Sozialistengesetzes. Für die Opser des Sozialistengesetzes gingen ein vom 1. bis zum 31. Januar: Erfurt Mk. 15,—. H. Gößnitz 10,—. Altenburg 1,50. W. Leipzig 6,—. Gotha„Verlaufer der Flamberger" 10,40. Leipzig 370,— N. Frankfurt a. M. 10,—. Ungenannt 895,—. V. Miinchen IL,—. Arn« stadt 9,—. P. Leipzig 10,—. Forst i. L. 15,—. Dresden 100,75. Groitzsch 2,10. P. Leipzig 10,—. B. Dresden 12,—. Leipzig L. 315 C. 33,—. Würzen 3,50. Breslau 20,—. Frankfurt a. O. 12,—. Nürnberg 150,—. Dortmund 55,—. Danzig 30,—. Potsdam„Treu und unverzagt" 21,—. D. Schwerin 30,—. Rostock 9,—. S. Braunschweig 22,—. desgl. 13,—. B. daselbst 20.-. G. Nürnberg 1,—. L. daselbst 5,60. Ferner gingen bisher ein: A. B. in Bern(Fr. 2,—) Mk. 1,60. Kommerziellrath 9,—. Deutsche Soz. Chauxdesonds(Fr. 3,—) 2,40. Deutsch. Arb.-Verein Wädensweil (Fr. 10,—) 8,—. Psassenseind i. G. St.—,45. Deutscher Verein Frauenseld(Fr. 5,80) 4,64. K. A.-B.-V. London Rest der Weihnachts- verloosung 36,35. Deutsche Soz. Zug(Fr. 4,10) 3,28. A. B. Paris Fr. 1,—)—,80. Rother Paulus 4,70. P. Alegre 14,76. Thonberg. Leipziger Genossen in St. Louis 2. Rate 40,52. Genossen in Paris (Fr. 83,80) 67,04. Karlsruhe 15,—. Genossen in Lllttich(Fr. 10,50) 8,40. F. Ps. Chur(Fr. 1,25) I,—. Sekt, der So;. Arb.-Partei St. Louis(Fr. 45,55) 36,44. Deutsche Soz. Neuenburg(Fr. 3,—) 2,40. Deutsche Soz. Ntw-York d. H. Wuttke(Fr. 55,70) 44,56. Gen. in Frankfurt a. M. 1t»,—. Gen. in Buenos-Ayres d. R. M.(Fr. 70) 56,— Zusammen: Mk. 2431. 19 Allgemeiner Wahlfonds. (Nachtrag: München f. d. Stichw. i. Nürnberg 50,—.) Dtsch. Soz. Rheinfelden(Fr. 2,25) 1,80. Dän. u. dtsche Gen. in Kopenhagen (20 Kr. 5 Oe.) 21,36. Dtsche Soz. Lausanne(Fr. 2,—) 1,60. Zusammen: Mk. 74. 76 Agitationsfouds. Hdh. a. B. Mk. 1,—. Nr. 500 1.—. A. B. Paris Fr. 1,—)—,80. Rolhkragen a. d. C.—,55. Gen. in Buffalo, ges. bei einer„Freidenker- lause" im Hanse eines Ausgewiesenen(Fr. 20,25> 16,20. Genossen in Minden 17,75. O. B. in Lyon(Fr. 3,—) 2,40. Zusammen: Mk. 39. 70 Flugschriften-Fonds. Genossen in Paris(Fr. 86,80) 69,44.. Praktisches Chriftenthum. Der Stockei'schc„Reich sbote", diese Gesindestube der feudaljunkerlichen„Kreuzzeilung". brachte Ende voriger Woche einen Leitartikel,„Zeitgedanken" betitelt, in welchem er die „dunklen Punkte" des Herrn Puttkamer— Feinde von Außen und das unter dem Boden brennende Feuer des Revo- lutionsgeistes im Innern— zum Ausgangspunkt einer ebenso neuen wie tiefsinnigen Erörterung nahm. An allem Uebel in der Welt ist der„von Bildungs-, Toleranz, und Humanitäts- Phrasen triefende Naturalismus" Schuld, das Heil dagegen liegt einzig und allein in der Rückkehr zum„wahren Christenthum". Das„wahre Christenlhum" ist nämlich noch heilkräftiger als das Hoff'sche Malzextrakt, es ststrk Herz und Nieren, es heilt alle inneren und äußeren Kran'htiten. es ist das universelle Universalheilmittell Wir wollen uns nicht mit dem frommen Blatt in einen Streit darüber einlassen, ob es denn gerade sein Prophet ist, welcher dieses„wahre Christen thum" ganz echt und unverfälscht verzopft, sintemalen es doch mancherlei Sorten von diesem Ar- ickel gibt, als da sind: römisch-katholisches, griechisches, protcstan- tisches Christenthum und allerhand Variationen der Letzteren, wir haben wirklich kein Interesse daran, uns in diesen Geschäftsstreit einzumischen. Wohl aber erscheint es uns zweckmäßig, sein speziell„wahres Christenthum", wenn auch nicht auf die Echtheit, so doch aus die Heilkraft ein klein wenig zu untersuchen. Das„wahre Christenlhum", d. h. das königlich preußische Hoschristenthum, bessert vor allen Dingen den inneren Menschen, waS der böse Naturalismus nicht zu Wege bringt, denn„derselbe erklärt ja die Natur mit ihren Trieben und Neigungen für gut(scheußlich I) und erkennt keine über dem Menschen stehende sittliche Weltordnung an". Schön! Wie bringt nun aber das„wahre Christenthum" diese„innere Besse- rung" zu Wege? Etwa durch die Heilskraft seiner Lehre? Behüte, so einfach ist die Sache nicht, das wahre Christcnthum kann den Menschen nur eingetränkt— Pardon eingeflößt werden durch den— Knüppel. Unter allen Sünden, welche der Naturalismus, der so böse ist, die Natur als gut anzuerkennen, verübt hat, ist die schlimmste die, daß er den Knüppel aus Schule und Gefängniß verbannt hat. Prügelt die Kinder in der Schule und die„wahre, echt christliche Zucht und Sitte" wird wieder einkehren, haut die Ge- fangenen, daß es nur so kracht, und sie.werden geläutert und gebessert als„wahre Christen" das Gefängniß verlassen. Es sind die ultrafrommcn Kollegen des Herrn Stöcker, welche mit fieberhaftem Eifer für die Wiedereinführung der Prügelstrafe agitiren, es ist der christlich-konseroative„Staatssozialist", der mit freudiger Genugthuung konstatirt, daß in einem Berliner Verein, dessen Mitglieder„überwiegend" dem Kommunallehrerstande angehören, es bei Besprechung der„Katastrophe von der Jnvalidensäule"—„Katastrophe" wie unschuldig sich das an- hört—„lebhaft beklagt wurde, daß die städtische Schuldeputation das Recht der Lehrer zu Züchtigungen der Kinder im höchsten Grade beschränkt hat". Wie unchristlich! Nur wo die Knute ungehindert schaltet, Auch Gottesfurcht und fromme Sitte waltet! Darum wär's auch schade,„wollte man diese größte Kultur» und Bildungsmacht— nicht die Knute, sondern das knuten- bedürftige königlich- preußische Christenthum— in die engen Kirchengebäude einmauern." Sollten wir nicht vielmehr, heißt es,„alles versuchen, um mit dieser Geistesmacht die Menschen und die menschlichen Verhältnisse immer tiefer unv lebenskräftiger zu durchdringen?" Also praktisches Ch riste n t h u m. Letzteres wird uns eigentlich schon ziemlich lange verkündet, und das preußisch-deulsche Reich ist in der glücklichen Lage, nicht nur einen echt christlichen König nnd Kaiser, sondern auch einen vom praktischen Christenlhum durchdrungenen Kanzler, kurz eine Regierung ganz nach dem Herzen des Herrn Stöcker und seiner Freunde zu haben. Ist ja auch kein Wunder, denn„alle Obrig- keit ist von Gott". Selbstverständlich athmen auch alle Handlungen der Regierung den Geist des„wahren Christenthums". Man müßte blind sein, wollte man nicht in Bismarck's Strafanträgen den schönen christlichen Grundsatz:„Liebet Eure Feinde, segnet die Euch fluchen" praktisch belhäligt finds-v Bessere Christen als den deutschen Siaatslenker gibt es gar nicht, wir wollen deshalb aus der Bergpredigt gleich noch ein zweites Wort anführen, welches den Prüfstein des praktischen Christenthums bildet. Dasselbe lautet: „Welcher ist unter Euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet um Brod, der ihm einen Stein biete?" Die Regierungen sind bekanntlich die Väter der Völker, wenn also das Volk eine christliche Regierung um Brod bittet, so wird sie ihm auch Brod geben und nicht Steine. Das trifft nun in Preußen-Deutschland herrlich zu. Seit Zahren erhebt das Volk, welches eine wirthschaftliche Krifls von bisher unerhörter Dauer durchgemacht hat, den Ruf nach Brod. Die Regierung und ihre christlichen Freunde antworten ihm mit Einführung der Lcbensmittelzölle. Zu gleicher Zeit führen sie Schutzzölle für die Industrie ein, welche zwar das Kleingewerbe zu Gunsten der Großindustrie schädigen, von denen aber die Letztere wenigstens, unterstützt durch günstige Konjunkturen aus dem Weltmarkt, Vortheil hat, ihre Arbeiter bekomme» mehr zu thun,— nur die Löhne wollen nicht steigen, während die Lebensmittel theurer geworden. Da wenden sich die Arbeiter eines Hauptindustrieortes, christliche Arbeiter, vertrauensvoll an den Reichskanzler, um gesetzliche Herabsetzung der Arbeitszeit petitionirend. Und siehe da, der„christliche" Reichskanzler, der für jeden konservativen Winkelverein eine freundliche Antwort bereit hat, antwortet den Essener Bergleuten — durch beredtes Schweigen. Der christliche Reichskanzler hat in Preußen die Verstaatlichung der Eisenbahnen durchgesetzt. Dabei machten nach dem echt christlichen Grundsatz:„Wer da hat, dem wird gegeben, wer aber nicht hat, dem wird auch noch genor.men, was er hat", die oberen Beamten ein gutes, die Masse der unteren Beamten aber ein sehr schlechtes Geschäft. Als keine Besserung kam, ermannten sich mehrere derselben und beschlossen mit ihren Kollegen, eine Petition an den christlichen Minister um Abhilfe zu richten. Antwsrt; die Maßregelung der„Rädelsführer". Sollen wir noch mehr Beispiele anführen von dem praktischen Christenthum? Sollen wir erzählen von dem Beeren- und 'Zitzgesctz, welches den armen Wittwen und Waisen in echt christlich-Iiebevoller Weise Gelegenheit gibt, die Erlaubniß, die wildwachsenden Früchte des Waldes sammeln zu dürfen, an die reichen Forstbesitzer mit baarem Gelde bezahlen zu dürfen:c.:c. Wir denken»ein, aus den angeführten Beispielen geht ja bis zur Evidenz hervor, wie sich die erhabene HeilSlehre, welche „allein menschlichen Ringen und Streben erst seine volle Wahr- heit und rechte Idealität gibt", im praktischen Leben äußert. Denn daß Kaiser Wilhelm und sein Minister das„wahre Christenthum" erfaßt haben und praktisch ausüben, wird der königstreue„Reichsbote" doch nicht leugne» wollen? Die angeführten Gesetze und Maßregel» sind gewissermaßen Proben von dem, was eine Gesellschaft, in welcher„praktisches Christenthum" unbestritten herrscht, zu leisten versuchen wird. Ten Proletariern lacht obendrein die erfreuliche Perspektive, in der obligatorischen Innung den koalirten Prinzipalen Widerstands- unfähig gegenüberzustehen, denn auch die obligatorische Innung ist „praktisches Christenthum". Genug von diesem widerlichen Gemisch von Unwissenheit und Niedertracht, von offenem und versteckte» Volksbetrug! Möge» seine Erfinder sich schmeicheln, in ihm den Wundertrank gefunden zu haben, welche die alte Phryne, kapitalistische Gesell- schaft genannt, zu verjüngen vermag; mögen sie wähnen, mit ihm das„Feuer des Revolutionsgeistes" auslösche» zu können, mögen alle diejenigen, welche ein Interesse daran haben, die alte AuS- beutungsge'ellschaft aufrechtzuerhalten, es mit diesem Universal- Heilmittel versuchen— so wenig als das ursprüngliche Christenthunr den Untergang des römischen Weltreiches zu verhindern vermochte, so wenig wird seine abgeschmackte Parodie den Untergang des kapitalistischen Weltreiches aufhalten. Je mehr das Hohenzollern'sche„wahre Christenthum" an An- hängern gewinnt,»in so unverhüllter muß es sich zeigen, und mit jeder Umhüllung, die es abstreift, stößt es immer mehr selbst die wenigen Arbeiter zurück, welche ihm bisher mit skeptischer Neugierde gefolgt waren, werden seine Aussichten immer geringer, jemals die große Masse der Arbeiter zu beeinflusse». Konnten unsere Abgeordneten schon im Reichstage den Gegnern siegcsgewiß zu- rufen: Mit Zuckerbrot und Peitsche werdet Ihr die deutschen Arbeiter nicht gewinnen; wie soll es einem Christenthum gelingen, dessen Praxis erfahrungsgemäß darin besteht, statt Brod Steine zu verabreichen, die Peitsche dagegen bei jeder Gelegenheit mit rasfinirter Grausamkeit zu schwingen? Mit Eurem„praktischen Christenthum" dämpft Ihr das unter dem Boden brennende Feuer des Revolutionsgeistes nimmermehr, noch werdet Ihr sein Ausbreiten verhindern. Rastlos pflanzt es sich fort, allen Unterdrückungsversuchen spottend, bis es, zur mächtigen Flamme angewachsen, hell auflodernd ausbreche» und Euch und Eurem mittelalterlichen Spuck im Fluge ein Ende machen wird. Vitellius. Wie die Parteigenossen urtheilen. Hamburg, 19. Februar 1882. An die Redaktion des„Z o z i a( d e in o k r a t". In Nr. 4 und 5 des„Sozialdemokrat" ist Uber den Brief de« Herrn Ernst Breuel bereits geniigend diskutirl, so daß es mir unnöthig er- scheint, näher aus den Inhalt desselben einzugehen. Nur zur Richtig- stellung de« Satzes, daß vor etwa einem Jahr in Hamburg eine Konferenz staltgesunden habe, wo die Mitglieder derselben eine ähnliche An- ficht Uber die Schreibweise de«„Sozialdemokrat" gehabt hätten wie Brenel und deshalb den Beschluß gesaßt hätten, die Verbreitung des- selben nicht mehr als Parteisache zu betrachten, einige Worte. Als Mitglied dieser Konserenz ist mir der betr. Beschluß genau be- kaum und werde ich— um den Genossen de« In- und Auslandes den Beweis zu liefern, daß die Hamburg-Altouaer Genossen nicht so un- demokratisch gehandelt, wie es nach Breuel's Darstellung erscheinen muß— ihn hier wörtlich wiedergeben. Er lautet wie folgt: „Die Parteigenossen von Hamburg-Altona, Ottensen und Wandsbeck fUhlen sich außer Staude, fernerhin die Kosten zu decken, welche die Verbreitung d e S„S o z i a l d e m o k r a t" bringt, und st e l l e n e« s o in i r I« d e ni a n h e i m, direkt zu a b o n n i r e»." Hiermit ist doch unbedingt nicht gesagt, daß die Schreibweise des „Sozialdemokrat" nicht gefällt, im Gegentheil die Finanzfrage, die un- .zähligen Kosten fllr Prozesse und die daraus erfolgten Ausweisungen führten de» Beschluß herbei. Daß seit Juli v. I. die Abonuenteuzahl sich w i e d e r» m da« Fünffache vermehrt hat, ist auch sicher kein Beweis, daß die Hamburg- Altonaer Genossen die Ansichten des Herrn Ernst Brenel theilen. Dieses im Auftrage der Hamburg-Altonaer G e- Nossen. R o t h b a r t. Gotha, den 22. Februar 1882. -- Mit der Haltung unseres Organs sind wir ganz und voll ein verstanden, die Angstmichel und an Größenwahn leidenden Menschen mögen zum Teufel gehen, wenn'» ihnen nicht paßt, wir verlieren nicht« an denselben.—— Chemnitz, den 23. Februar 1882. -- Mit der Schreibweise und Haltung desselben(d. h. des„Sozial- demokrat") sind wir Freund- und Gesinnungsgenossen vollständig zusrieden und wünschen, daß es ferner so bleiben wird. L ü t t i ch, im Februar 1882. Die Haltung des Organs in der Angelegenheit Breuel, Blo«:c. war ausgezeichnet. Unser Wunsch ist, daß Sie sich nicht beirren lasten, sondern nach wie vor den Liebhabereien, bezw. der Glaeeehandschuh-Ansasserei konseauenl entgegentreten.--- Wir sind keine Freunde von viel Geschrei und wenig Wolle auf der einen Seite, aus der andern aber auch kein Jora nachgeben. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 1. März 1882. — Die S t a a t s k ü n st l e r au der Arbeit. Niemals hat die sogenannte höhere Staacskunst, Diplomatie genannt, glänzender ihre voll- ständige Unfähigkeit an den Tag gelegt, als im gegenwärtigen Moment. Unter den ehrenwerlhen StaatSkünstlern selbst sind sicher Unterschiede in der Geschicklichkeit, in der größeren oder geringeren Weite des Blickes zu finden, aber die Diplomatie als solche erleidet in diesem Augen- blick gänzlichen Schiffbruch, das„Bischen Krivoszie" kann jeden Tag einen Weltkrieg hervorrusen, der in seinem Verlaufe mehr Menschenopfer verschlingen wllrde, als das ausständische Bergvölkchen Seelen zählt. Der russische Ezar, dem im Innern, Dank der unermUd- lichen Thätigkeit der russischen Revolutionäre, das Meffer an der Kehle sitzt, der— in seiner höchsteigenen Person das Prinzip des selbstherrlichen Absolutismus in geradezu klassischer Weise parodirend— ein willenloses Werkzeug ist in der Hand derjenige» Hoskliqne, welche am lautesten zu schreien vermag, dieser„selbstherrliche" Czar kann jeden Augenblick gezwungen werden, um seine Selbstherrlichkeit zu retten, sich dem Pan- slavismus ans Gnade und Ungnade zu ergeben, das heißt, Hehns«„Befreiung" der unterdrückten slavischen„Brüder", Oesterreich den Krieg zu erklären. Di« Panslavisten aber verstehen unter dem Erbfeind den Deutschen, Krieg mit Oesterreich heißt ihnen daher— wie auch S k o- b e l e s f offen bekannt— Krieg mit den Deutschen. Wie der Pan- slavismus keine nationale, sondern eine Rassen srage ist— der Russe versteht den südslavischen„Bruder" ebensowenig wie der Deutsche den Schweden oder Engländer— so muß der Krieg nach ihm nothwendig ans die deutsche Rasse ausgedehnt, d. h. auch an Deutschland erklärt werden. Krieg Deutschlands mit Rußland heißt aber auch Krieg Frankreichs mit Deutsch- land, und so steht Deutschland vor der trostreichen Aussicht, trotz oder besser Tank seiner genialen Staatsleitung in xinen noch viel blutigeren Krieg verwickelt zu werde», als es der 1870/71er war. Alles Friedensgeläute, alle offiziösen Abwiegelnngen helfen darüber nicht hinweg. Die verehrlichen Regierungen brauchen uns gar nicht so eindringlich ihrer Friedensliebe zu versichern, wir glauben es ihnen ohnehin, daß sie sich vor dem Kriege sllrchte». Haben sie doch Alle miteinander— sei es im Inner», sei es in den Kolonien oder auch hier wie dort— arge Geschwüre sitzen, die ganz bösartig ausbrechen könnten, wenn die Sache etwa schief gehen sollte. Aber mit der guten Absicht ist bekannt- lich in der höheren Staatskunst nichts gethan. Da haben sich die edlen Herrschasten so verfahren, daß, wenn ein Glied aus dem kunstvollen Gebäude heranssällt, die ganze Herrlichkeit durcheinanderpnrzelt. Und das wackligste aller Glieder ist, wie schon oben angedeutet, Rußland. Rußland steht am Vorabend einer Revolution oder befindet sich schon fast inmitten derselben. Für seine Regierung gibt es heute nur noch eine Rettung, den Panslavismns, d. h. den Krieg. Nun ist aber der Panslavismns im russischen Volke, d. h. bei den B a u e r n, durchaus nicht populär, der Bauer ist auch durchaus nicht für den Krieg be- geistert, das liberale Bllrgerthum will den Krieg auch nicht, d. h. es will den Sieg Rußlands nicht, da es von einer Niederlage nicht mit Unrecht die Erfüllung seiner Wünsche, eine Versassnng, erwartet. Pan- slavistisch sind nur die Offiziere und die durch und durch korrupte Bureaukratie. Mit solchen Elementen macht man aber keine Volks- b e w c g n n g, und aus diese kommt es hauptsächlich au. Ohne diesen Rückhalt im Volke kann Rußland sich in keinen Krieg einlassen, dieß der Grund seines ewigen Schwankens, seines steten Ausweichens. Zum Krieg zu schwach und zum Nichtkrieg auch zu schwach— denn in diesem Falle macht sich die Regierung auch die Panslavisten zu Feinden— so steht Rußland in diesem Augenblick da, und je nachdem schließlich die Wage sich neigt, ist das ein Glück oder ein Unglück für die Völker Europa'«. Damit dem Czarenthum der Ausweg aber offen bleibe, sorgt es durch seine Agenten, daß der Aufstand in den südslavischen Län- der» nicht einschlafe, liefert e« den dortigen„Brüdern" Geld und Was- fen, und die tapferen Krivoszianer und Herzegowzen, die da meinen, für ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu kämpfen, schlagen sich in Wahrheit im Interesse des heiligen, völkerunterdrückenden Absolutismus. So stehen die Dinge im Augenblicke. Die gewissenlosen Glücksritter aus und an den Thronen benutzen die günstige Gelegenheit, ihren Unterthanen Schrecken einzujagen und m e h r S o l d a t e n zu fordern, die sie natür- lich auch bewilligt bekommen. Dennoch dürfte ihnen die Freude arg vergällt werden. Wie wir oben entwickelt, ist für Rußland ein Ver- zichtleisten aus den Krieg gleichbedeutend mit dem rapiden Fortgang der Revolution im Innern. Die steigenden Militärlaste» werden dagegen in den Weststaaten die nächste Krisis nur noch stärker, noch intensiver machen. Und wenn dann in. Rußland die revolutionäre Entwicklung so- weit gediehen ist, daß das Czarenthum am hellen Tage zusammenbricht, dann wird auch im Westen die Saat gereist sein, dann wird der große Völkertag anbrechen— und dann adieu Staatskunst, adien Staats- künstler! — Wozu der Herrgott gut ist. Unter dem Gesang„W a s G o t t t h u t, das i st w o h l g e t h a n" ist der von dem Füsilier Werner erschossene Knabe Fritz P e e tz o l d zur Gruft gelragen worden. Am Grabe hielt der Prediger von Haustein die Traner- rede, der er die Worte der heiligen Schrift„Seid unterthan der Obrig- keit" zu Grunde legre. Also zu lesen in der christlich-konservativen„Kreuzzeitung". Und keine einzige der gottessürchtigen Christenseelen erhebt Protest gegen die vernichtende Kennzeichnung ihres Gotte«, welche in dieser infamen Demonstration enthalten ist.„Was Gott thut, das ist wohlgethan". Gott hat also den Wachtposten scharfe Patronen gegeben, Gott hat sie dazu gedrillt, auf wehrlose Knabe» zu schießen, Gott hat den vorzeitigen Tod zweier Menschenleben auf dem Gewissen, Niemand sonst. Murrt daher nicht, liebe Brüder,„was Gott lhnt, das ist wohlgethan". Und die„lieben Brüder in Christo" murren nicht, sie sind sogar sehr erbaut davon. Ihr Gott ist dazu da, jede Infamie, die von der lieben Obrigkeit kommt, gutzuheißen, denn„die Obrigkeit ist von Gott". Die Obrigkeit kann so schuftig sein, wie sie will, so lange sie mit den Pfaffen Hand in Hand geht, deckt der Herrgott jede Niedertracht, jeden Betrug am Volke. Der Herrgott ist für indirekte Steuern, vermittelst deren die Armen die Steuern für die Reichen aufbringen müssen, der Herrgott ist für den Militarismus mit seinen verheerenden Folgen, der Herrgott ist für die Vernichtung der Bolksrechte, der H e r r g o t l ist mit einem Wort der Gott der Herren. Darum werden auch alle Hebel angesetzt, um den„christlichen" Charakter des Klaffenstaates ausrechtzuerhalten. Das Christenthum heißt Gewalt, Laune, Willkür. Willkür im Aussaugen, Willkür im„Wohlthun", wie es gerade in„Gottes unerforschlichem Rathschluß" beschlossen ist. Was die Obrigkeit thut, deckt Gottes Wille, da« Volk aber soll christlich ge- horchen, nicht Rechte soll es beanspruchen, sondern um Gnade betteln. So will es das Christenthum, so will es der H e r r g o t t. Und wer da« nicht einsieht, ist ein Ungläubiger, ein Gottesleugner, ein Anhänger des— Antichrist. Das ist die Moral der Geschichte. Volk, an Dir ist es, sie zu be- herzigen! — Die K u l l u r f c i» d l i ch k e i t der heutigen Eigen- t h u m s v e r h ä l t n i s s e ist während der letzten Wochen in dem säch- fischen Landtag geradezu drastisch demonstrirt worden, und zwar bei drei verschiedenen Gelegenheiten. Bei der ersten handelte es sich um die Fortbildungsschulen, Die Institution der Fortbildungsschule ist natürlich keineswegs unser Ideal. Sie ist nur eine nothdürftige, äußerst unvollkommene Ergänzung und Korrektur unserer mangelhasten und kläglich ungenügenden Volksschule. Immerhin ist e« ein kleiner Fortschritt und würde die Beseitigung der Institution, ohne daß Besseres au die Stelle gesetzt, oder richtiger: ohne daß die Volksschule zu dem gemacht wird, was sie sein sollte, die Sache der Volksbildung und-Er- ziehnng aufs Empfindlichste schädigen. Trotzdem herrscht unter Jndu- striellen und Grundbesitzern die größte Abneigung gegen die Fortbildungs- schulen; und gelegentlich einer Petition kam die Opposition in dem Lanotage zum Ausdruck und Ausbruch. Vertreter der Industrie, namentlich aber des Grundbesitzes, machten ihrem Grimm in den hef- tigsten Angriffen Luft und gerirten sich so reaktionär, daß sogar die reaktionäre Staatsregierung ihnen gegenüber für die Sache der Volk«- bildung einstehen mußte. Und was war und ist der Grund der Angriffe? Die Vertreter des heiligen Eigenthums nahmen gar kein Blatt vor den Mund und auch kein Feigenblatt vor die Lenden. Die Fortbildungsschlller verbummeln ihre Zeit; sie sollten die Zeit, welche sie in der Schule zubringen, der Arbeit für die Herren Industriellen und Gutsbesitzer widmen. Mit anderen Worten, die Zeit der arbeitsfähigen Jugend gehört den industriellen und landwirthschastlichen Herren Ausbeutern; Bildung ist Unsinn, Ausbeutung Alles. Eine zweite Institution, welche den Zorn der Eigenthums-Vertreter erregt hat, ist die freiwillige Feuerwehr. Die freiwillige Feuerwehr ist zwar keine so demokratische Einrichtung wie die all- gemeine obligatorische Feuerwehr, indeß ist sie doch unzweifelhaft eine der nützlichsten und schönsten Früchte des Gemeinsinns; sie verfolgt ein edles Ziel und erheischt von den Mitgliedern Muth und Aufopferung. Nichtsdestoweniger befindet sich die freiwillige Feuerwehr auf der schwarze» Liste der Herren Eigenthumsfanatiker. Und warum? Sehr einfach: weil Arbeiter bei der freiwilligen Feuerwehr sind, und weil der Feuerwehrdienst eine gewiffe Zeit in Anspruch nimmt, welche die Herren Eigenthumsfanatiker für s i ch s e l b e r zu Ausbeutungs- zwecken in Anspruch nehmen. Die ganze Zeit de« Arbeiters gehört dem Arbeitgeber, und dieser hat keine Lust, sich durch die freiwillige Feuer- wehr um sein„Eigenthum" betrügen zu lassen. Daher der große In- grimm. Die dritte Gelegenheit zur Entfesselung des reaktionären Eigenthums- fanatismus wurde durch eine Debatte über das Gefängnißwesen geboten. „Die Behandlung in den Gesängniffen und Zuchthäusern ist zu gut; es müßte tüchtig geprügelt werden— zur Abwechslung auch etwa« geköpft und gerädert— dann würden die Verbrechen seltener werden und Nie- mand würde mehr ein Verbrechen begehen, um im Gefängniß oder Zuchthaus ein Unterkommen zu finden. Das war der langen Reden kurzer Sinn. Und ein, obendrein zur Fortschrittspartei gehöriger Ab- geordneter krönte die rhetorischen Leistungen, indem er erklärte, das Eigen- thum müsse wirksamer gegen die Verbrecher gesichert werden; das könne nur durch größere Strenge geschehen; die jetzigen Humanitäts- be strebungen hätten den berechtigten Zorn des Lan- des erregt. Soll heißen der Herren Eigenthumsfanatiker. Deutlicher konnte nicht konstatirt werden, daß das Eigenthum mit der Humanität im Widerspruch steht. Die Fortbildungsschule den Interessen des Privateigenthums anta- gonistisch. Das gemeinnützige Institut der freiwilligen Feuerwehr den Interessen de« Privateigenthums antagonistisch. Die Humanität den Interessen des Privateigenthums antagonistisch. Mein Liebchen, was willst Du noch mehr? Man wird uns zugeben müssen, daß die Vertreter des Eigenlhums im sächsischen Landtage es vortrefflich verstanden haben, den kulturfeindlichen Charakter des Eigenlhums in seiner heutigen Gestalt nachzuweisen. Und wie in der sächsischen Kammer, so sind die Herren Eigen thums- Vertreter überall. — Die Liberalen empfangen jetzt dafür, daß sie die Sozialdemo- kratie als eine geächtete Partei erklärten und sie rechtlos machen halfen, ihren wohlverdienten Lohn. Kaum hat der famose Erlaß vom 4. Januar den Liberalismus als Feind der absoluten Monarchie getadelt und die Beamten zur Hetze gegen die Königsfeinde angestachelt, so sucht die Meute schon ihr Wild. Der sezessionistische Reichstagsabgeordnete A. Kutsch- b a ch war von konservativen Hetzaposteln öffentlich denunzirt worden, er habe eine MajestätSbeleidi gung gegen den sogenannten König von Sachsen begangen. Er klagte l deshalb wegen Beleidigung, aber die Beleidiger wurden freigesprochen und der Kläger mit folgender schlechten Zensur heimgeschickt:„Es ist anzunehmen, daß Kutschbach sich wirklich einer Majestätsbeleidigung schuldig gemacht hat, und will man einwenden, daß ihm die zur Strasbarkeit erforderliche Abficht der Beleidigung nicht nach« gewiesen sei, so genügt der Hinweis, daß der Privatkläger im Reichstag einer Partei(der„liberalen Vereinigung") sich angeschloffen hat, welche die Autorität des Königtbums und die versaffungSmäßigen Rechte der Krone zu untergraben bestrebt ist." Dieses„unparteiliche" Urtheil fällte da« Amtsgericht zu Z ö b l i tz zur größeren Ehre der Unparteilichkeit der sächsi« sche» Justiz. Es geht daraus die Moral hervor i Wer nicht Reptil und Stöckerianer ist, der findet kein Recht mehr vor Gericht, denn er ist ein Geächteter, den man als Feind von der Schwelle weist! O Laster, hättest Du Dir das träumen lassen, als Du den Volksver- rath begingst, für das Sozialistengesetz zu stimmen! — Hand in Hand mit der Polizei arbeiten die Staats- a n w ä l l e und Richter an dem Sysiphuswerk der Vernichtung der deutschen Sozialdemokratie. Und gleich der sächsischen Polizei thun es auch die sächsischen Staatsanwälte und Richter allen anderen voraus. Es ist in Sachsen offenbar die Ordre ausgegeben worden, jeden sozialdemokratischen oder doch von sozialdemokratischer Seile herrührenden Wahlaufruf, nachdem er vorher»ans faz-on polizeilich lonfiszirt worden, richterlich unter Anklage zu stellen und Verfasser, Drucker und Verbreiter mit drakonischen Strafen zu belegen. Das Reichsstrasgesetzbuch enthält ja genug Paragraphen, die sich leichter biegen und dehnen als Kautschuk und bei einigem Geschick auf Alles und Alle anwenden lassen. Da nehme man z. B. den famosen ß ISI. Mit welcher Sorgsalt halten die Herren Gesetzgeber durch Hinzufügen der Worte:„wider bessere« Wissen" jeglichem Mißbrauch durch reaktionäre und streberhaste Staatsanwälte und Richter vorzubeugen geglaubt! Die für wunderkräflig erachteten drei Zauberworte sind durch eine einfache Jnter- pretation*) thatsächlich entfernt worden. Staatsanwälte und Richter „nehmen an", daß der Angeklagte seinem Bildungsgrad nach die be- haupteten„Thatsachen" auch richtig, d. h. so, wie die Staatsanwälte und Richter sie auffassen, gekannt haben muß, und daß er also, indem er sich in anderem Sinn ausdrückte,„wider besseres Wissen" gehan- delt hat. Das ist eine so simple und unwiderstehliche Logik, daß ihr gegenüber die Vertheidigung vollständig gelähmt ist. Und daß der§ 131„Thatsachen" erheischt und mit der Kritik oder dem Ausspruch eines U r t h e i l s absolut nichts zu thun hat, bildet für die Herren Staatsanwälte ebenfalls kein Hinderniß, denn sie brauchen blas „anzunehmen", blos„davon überzeugt" zusein, daß die Kritik, das Urtheil,„Thatsachen" betrifft oder eine Thatsache enthält, und die Verurtheilung ist fertig. Was man mit solcher Interpretation zu leisten vermag, das haben die beiden Monstreprozeffe gezeigt, welche sich zu Ansang dieses Jahres in Dresden abgespielt haben. Indeß die damaligen Leistungen genügen den sächsischen Staats- anwälten und Richtern noch nicht. s 131 ist ja nicht der einzige Paragraph, der sich gut ausnützen läßt. Haben wir nicht die famosen„Beleidigungsparagraphen"? „Beleidigung" ist nach dem deutschen Strafgesetz jede irgend einer Person nicht gefallende Aeußerung. Ob sie wahr ist oder nicht, kommt gar nicht in Betracht. Das kommt nur in Bewacht, wo es sich um Verläumdung handelt. Und wie herrlich sind diese Beleidigungsparagraphen— von den Maje- stätsbeleidigungsparagraphen bis hinunter zu den gewöhnlichen Beleidi- gungsparagraphen— zu verwerthen, und zwar in Gemeinschaft mit *) Auslegung. § 131 zu verwerthen! Man denke nur: Ein Wahlflugblatt nennt das Sozialistengesetz ein„infames" oder„empörendes" Gesetz. Natürlich s 131. Aber außerdem noch wie viel andere Strasparagraphen und Vergehen! Ein Gesetz ist vom Bundesrath ausgearbeitet, vom Reichs- tag beschlossen, vom Bundesrath sanktionirt, vom Kaiser und Reichs- kanzler gezeichnet und promulgirt(verkündet). Es sind sonach Bundes- rath, Reichstag, Kaiser und Reichskanzler an der Urheberschaft jedes Gesetzes betheiligt; und sintemalen nun jeder Angriff auf ein Gesetz in- direkt ein Angriff auf dessen Urheber ist, so gestaltet sich jeder Angriff auf jegliches Reichsgesetz zu einem Angriff auf Bnndesrath, Reichstag, Reichskanzler und Kaiser, und damit zN einer Bundesraths-, Reichstags-, Bismarck- und Majestätsbeleidigung. Das ist die neueste Entdeckung der sächsischen Staatsanwälte. Dank derselben ist gegen Bebel und gegen Liebknecht wegen verschiedener Wahlflugblätter außer auf§ 131 auch auf Beleidigung Anklage erhoben worden, und zwar gegen Bebel aus Majestät«- und Bundes- rathsbeleidigung, gegen Liebknecht auf Bismarckbeleidi- gung. Es fragt sich jetzt, welches Glück die Entdeckung bei den sächsischen Richtern haben wird. Oder vielmehr es fragt sich»ich t. Die bisherigen Erfahrungen lassen nicht den geringsten Zweifel zu, daß die säch- fischen Richter mit den sächsischen Staatsanwälten ein Herz und eine Seele sind. Ucbrigens zeigt sich bei dieser Gelegenheit wieder, daß der heutige Klassenstaat eigentlich der Ausnahmegesetze gar nicht bedarf. Thut die Polizei, thun Staatsanwälte und Richter brav ihre Schuldigkeit, dann kann ohne Schwierigkeit Alles erreicht werden, was durch das Sozm- listengesetz erreicht worden ist, und noch viel mehr.— Darum immer wieder: Nieder mit dem Klassenstaat k — Die Bewilligung des preußischen Korruptions- Fonds im Abgeordnetenhause zeigt wieder einmal recht deutlich, welche schuftigen Mittel doch nothwendig sind, um die heutige Gewaltherrschast noch aufrecht zu erhalten. Man braucht einen umfänglichen Apparat von Gesetzen und Ausnahmegesetzen, von willfährigen Richtern und wohl- dressirten Polizeischurken, um nur zu verhüten, daß ein Wort der Wahr- heil über Staat und Gesellschaft gesagt wird. Jede Zeitung, welche den Standpunkt der Wahrheit in sozialen und politischen Fragen, wenn auch noch so vorsichtig, vertritt, wird unterdrückt; Versammlungen, Reden, Flugblätter— Alles die« wird verböte», jeder ehrliche Mann, der seiner Ueberzeugung gegenüber der Polizeiwirthschaft Ausdruck geben will, wird in den Kerker geworfen, aber— dies Alles reicht noch nicht! Es müssen auch noch Zeitungen aus Staatsmitteln erhalten werden, welche das gewaltsam stumm gemachte Volk anlügen und ihm betrügerische Dinge anpreisen, die der Herrschsucht der Gewalthaber, aber nicht dem Volks- wohl nützlich sind. Das Unterdrücken der Wahrheit reicht nicht, es muß noch die Lüge zur ständigen Staatsinstitution gemocht, es müssen der Regierung die Mittel gegeben werden, Zeitungen, Wahlagitationsmittel u. s. w. zu beschaffen, durch welche die Korruption, die in den oberen Kreisen schon herrscht, in's Volk getragen, der sittliche Halt desselben gebrochen und eine blöde Masse erzogen werde, die mit sich nach Gutdünken verfahren läßt. Zu diesem edlen Zwecke hat der preußische Landtag soeben 3 3,1) Ol) Mark bewilligt. Und angesichts dieser Zustände wun- der n sich sanftmüthige Philister noch, daß das Wort der Wahrheit, welches vom Auslände her oft scharf und hart in's Land hinüberklingt, daßdieAn«drücke des Zornes und der sittlichen Entrüstung unge- schminkt in schroffer Form sich darbieten? Sollen wir etwa auch in das„staatssozialistische" Friedensgedudel einstimmen, mit welchem durch den Korruptionsfond seitens der offiziösen Presse da« Volk eingelullt werden soll? Nein— wir erinnern daran, daß der Dichter der bürgerlichen Revolution, Freiligrath, mit Recht klagt: O wäre so dem Volk der Grimm, Der rothe Grimm geblieben! Wir wollen sorgen, daß der Grimm bleibt! — Für den„ollen Willem" wird schon wieder einmal im ganzen Reiche gebettelt. Sogar in Zürich sind au die meisten Deutschen Zir- kulare herumgeschickt, in denen Beiträge erbeten werden. Dafür soll zu Kaisers Geburtstag eine neue Auslage einer Biographie des ollen Wil- lern gedruckt und gratis an aktive und gewesene Militärs, Beamte, Bür ger, Schüler und— Arbeiter vertheilt werden. Wie rührend, daß auch Arbeiter,— wenn auch erst hinter den Schülern!— die Ehre haben solleif, ein solches Büchlein zu erhalten. Hoffentlich werden sie den Wisch dahin tragen, wohin er gehört, nämlich auf den Mist. Uebrigens sollte man sich in eigenem Interesse mit solchen Betteleien etwas zurückhaltender zeigen. Denn da« sieht doch auch der Dümmste ein, daß sie weiter keinen Zweck haben, als die Anhänglichkeit an Mo- narchen und Monarchie aufzufrischen und zu stärken. Wenn dieselbe aber einer Auffrischung bedarf, so muß sie doch ziemlich abgeblaßt sein und so klingt au« solchen Betteleien nur immer der Refrain hervor:„Der Monarchismus ist auf dem Hund!"— was uns sehr angenehm ist. — Wie gewisse Volksvertreter ihr Mandat aus- fassen! In der Sitzung der sächsischen Kammer vom 15. Februar wurde über die Errichtung neuer Eisenbahnen debattirt und jeder Ab- geordnete suchte für seinen Wahlkreis, resp. seinen Grundbesitz einen Schienenweg herauszuschlagen. Dieses Bestreben galt auch für selbstver« ständlich, und es siel daher nicht wenig aus, daß der famose„Fortschritt- ler" Dr. Heine für eine Bahn sehr eifrig focht, an welcher er keine Besitzthümer liegen hatte. Er machte sich den Schein der Unparteilichkeit in dieser Frage auch sehr zu Nutze und versicherte ausdrücklich, nur geo- graphische Beobachtungen bestimmten ihn, so warm gerade für diese Bahn einzutreten. Man glaubte es,— bis am andern Tage bekannt wurde, daß H e i n e' s Schwager sich in jener Gegend angekauft hat! Und da räsonnirt man noch Uber amerikanische Korrupsion! — Merkst Du was? Der mit großem Pomp angekündigte und vom Slöcker'scheu Reichsboten mit einem wahren Freudentaumel begrüßte „Gesetzentwurf zur Revision der Gewerbeordnung"(Beschränkung des Hausirhandels ie.) ist dem Bismarck'schen„Volkstpohl- verrath" zur Begutachtung zugegangen. An dem Ding fällt uns gleich beim ersten Anblick folgender liebliche Passus in's Auge: „Ausgeschlossen vom Feilbieten find serner: 10) Druckschriften, andere Schriften oder Bildwerke mit Ausnahme von Bibeln, Bibel- theilen, Schriften oder Bildwerken patriotischen, religiösen und erbaulichen(I) Inhalts, Schulbüchern, Landkarten und landesüblichen Kalender n." Damit aber unter die erbaulichen Schriften sich nicht etwa solche ein- schleichen, welche etwa andere als Polizeiseelen erbauen könnten, muß von allen Druckschriften vorher„ein Verzeichniß der Behörde zur Genehmigung" eingereicht werden. Die gute Absicht, welche diesem Paragraphen zu Grunde liegt, liegt zu klar aus der Hand, als daß sie mißverkannl werden könnte. Das aufrührerische Gift— Gifte dürfen nach Absatz li ohnehin nicht feilgeboten werden— soll um jeden Preis von den Staats- bürgern ferngehalten werden. Nun, uns läßt dieser krampfhafte Versuch, den„verdammten Kerl, den Geist", wie Glasbrenner in seiner besten Zeit sang, unterzukriege», sehr kühl. Wir werden unser„Gijt" trotzdem an den Mann bringen. Ebenso wie derjenige, welcher in Deutschland „explosive Stoffe, insbesondere Feuerwerkskörper, Schießpulver und T Y n a m i t", deren Feilbieten natürlich gleichfalls versagt ist, zu anderen als polizeilich erlaubten Zwecken gebraucht, sich diese auch ohne Hausirer zu verschaffen wissen wird. Mit solchen Mittelchen rettet man im 19. Jahrhundert„den Staat, der niemals sicher war" sicherlich nicht. lieber den sonstigen Inhalt des famosen Revisionsenlwurfes ein anderes Mal. — Dummheit oder Infamie? Die uns unbekannten Her- ausgeber des„Rebell" haben ihr Blatt auf Grund einer in der „Neuen Tischler-Zeitung" veröffentlichten Liste sämmtlichen dort verzeich- neten Beamten der„Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler und verwandten Berufsgenossen" zugesandt, eine Mastregel, welche nur geeig- net ist, auf die, 7000 Mitglieder umfassende Arbeiterorganisation Polizei- liche Chikanen heraufzubeschwören, bezw. der Polizei eine Handhabe zur Auflösung derselben zu liefern. Wenn die Veranstalter durch solch' schlaue Manöver den Geist der Rebellion in Deutschland zu fördern meinen, so sind sie arg auf dem Holzwege, wie ein uns zugesandtes Zirkular des Vorstandes der obigen Kasse beweist. Dasselbe athmel einen geradezu Uber polizeilichen Geist, der selbst durch die Empörung Uber das„Attentat auf die Kasse" nicht entschuldigt wird. Tie besorgten Vorstandsmitglieder fluchten sich aus Furcht vor der Po- lizei freiwillig unter die Fittige derselben, sie„hoffen": „daß e« der Behörde gelingen wird, denSchul- digen zu entdecken und die Motive zu erfahren, welche denselben zu dieser frivolcnHandlungs- weise veranlaßt haben", und fordern ihre Beamten auf: „Falls es nochmals vorkommen sollte, daß Sendungen von staatsgefShrlichen(!) oder ver- botenen Schriften o d e r D r u ck s a ch e n a n d i e B e- amten unserer Kasse gesendet werden, so sind die Sendungen sofort nach Erkennen ihres staatsgefährlichen Inhaltes an die betreffende Polizeibehörde ab zuliefer n." Da hört dmn wirklich Alles auf. Wir wUrden einen Verrath an dem deutschen Proletariat begehen, wollten wir diesen Akt erbärmlichster Feigheit nicht energisch brandmarken. Dieser Ukas wUrde, wenn er wirk- lich befolgt wUrde, die Beamten der Tischlerkasse zu einfachen Polizei« spitzeln herabwürdigen. Man verstehe wohl, es handelt sich nicht nur um verbotene, sondern auch um jede„staatsgesährliche" Sendung, und was ist heute in Deutschland nicht alles st a a t S g e- f S h r l i ch? Eine Sammelliste für Gemaßregelte, ein Wahlflugblatt u. f. w. u. s. w. Und sofort der Polizei anzeigen! Warum, wenn Ihr schon so ängstlich seid, begnügt Ihr Euch nicht einfach, die Vernich- t u n g anzuempfehlen? Das sogar wäre schon mehr, als die Polizei verlangt. Aber es ist noch nicht genug. Sofort hinlaufen und je nach Umständen der Polizei einen braven Sozialisten, der das Herz auf dem rechten Flecke hat, an's Messer liefern— Pfui Teufel! Noch einmal: Wir mißbilligen das Verfahren der„Rebell"-Heraus' geber, wir begreifen, daß der Borstand der genannten Kasse sich dagegen verwahrt, aber wenn diese Verwahrung soweit geht, die deutschen Arbeiter zu Jämmerlingen erbärmlichster Art herabwürdigen zu wollen, dann legen wir im Namen der Arbeiterschaft öffentlich und rückhaltlos Protest dagegen ein, und wir sind überzeugt, unser Protest wird seine Wirkung nicht v e r s e h l e n. — A u den Unrechten g e r a l h e n. Aus Königsberg theilt uns ein Genosse folgendes beherzigen« werthe Stückchen mit:„Bor kurzem saßen zwei Litthauische Bauern nebst der Tochter des einen in dem Wartesaal des hiesigen Bahnhofs, den nächsten Zug erwartend, nm nach ihrer Heimath zu fahre». Während die beiden Männer sich unterhielten, hörte ihnen die Tochter zu. Nach einer Weile trat der dort stationirte Schutzmann Richter, ein ganz elende« Subjekt, ein und näherte sich den Sitzenden. Mit der Hand eine verdächtigende Bewegung nach dem Mädchen machend, fragte er ironisch, ob diese vielleicht die Freudendirne der beiden sei. Der Vater des Mädchens erwiderte ihm, es sei seine Tochter, er möchte sie gefälligst ungeschoren lassen. Ob dieser kecken Ant- wort eines einfachen Bauer» fühlte sich der zum Menschenschinder dres- sirte Schutzpatron gewaltig an die Ehre gegriffen, er fing einen heftigen Wortwechsel an, der damit endete, daß der elende Schuft den Mann für seinen Arrestanten erklärte und ihn ausforderte, ihm nach dem Polizeibureau zu folgen. Unser Bäuerlein leistete in seiner Unbefangenheit auch gut- willig Folge. Auf dem Bureau angelangt, schloß Richter die Thür hinter sich zu und holte au« der einen Ecke ein in Bereitschaft liegendes Tauende hervor, um damit dem Manne die ganze Schwere seines Amtes fühlbar zu machen. Der Bauer jedoch, von ächt litthauischem Schlage, sah, daß dieses Ding zwei Enden hatte; ehe Richter noch de- ginnen konnte, es zu handhaben, setzte jener es schon auf des Gegners Kops und Rücken in Bewegung, und bald konnte man draußen ein dem Gebrüll eine« Esel« ähnliches Geschrei vernehmen, denn der„Engel des Schutzes" hat eine ziemlich versoffene Kehle. An diesem Frühstück hat er sich nun ziemlich den Magen verdorben und wird wohl für die Zukunft den Appetit auf derartige Erquickungen verloren haben. Gut wäre es, wenn allen Geistesverwandten des edlen Dieners der Ordnung stets in gleicher Weise heimgezahlt würde, denn von den Brutalitäten, welche sich diese Gesellschaft hinter verschlossenen Thüren erlaubt, dringt nicht der zehnte Theil in die Oeffentlichkeit. Und wo aus Staatshülfe nicht zu rechnen ist, da heißt e«: Es lebe die„Selbsthülfe"! — Ein Denunziant. Aus Kr im mi tschau schreibt man uns; Nach erfochlenem Siege der Sozialisten wünscht die löbl. Polizei in diesem preußischen Sachsen regelmäßig einen Sllndenbock zu haben, und einen solche» zu suchen, hatte dieselbe diesmal nicht nöthig, indem ein gewisser Spinner Klingner, in L e i t e l s h a i n bei Krim- mitschau wohnhaft, ihr bereitwilligst zuvorkam und den Genoffen Ernst Emil Klötzer in Krimmitschau denunzirte, er habe ver- boteneSchrifte n verbreitet, Majestätsbeleidigungen ausgestoßen und sogar eine Kiste erhalten, worin s i ch D y n a m i t b e s u n d e n h a b e, um damit das Reichs- tagsgebäude in Berlin, sowie den Ver einshos und Kürzel'« Fabrik(die Fabrik des Kandidaten Kürzel, welcher mit Stolle in Stichwahl kam) in die Luft zu sprengen.(Huhuhu—!— mitsammt dem„redlich Erworbene u"??) Nach erfolgter Denunziation von Seiten dieses Kling» er wurde Klötzer sofort verhaftet, gleichzeitig aber von 5 Polizeidienern nebst 1 Gensdarmen behaussucht und das Resultat war— Nicht». Damit aber die Anklage recht großartig in's Werk gesetzt werde, erhielt dieser Klingner von seinem Arbeitsherrn, mit Namen Pfau(ein„geistvoller" Bierpolitiker renommirtester Sorte und ein„a n si ä n d i g e r Man n", der besonders das schöne Geschlecht hoch zu schätzen weiß,— das Reisegeld nach Berlin mit dem Ersuchen, diese Angelegenheit dort zur Anzeige zu bringen. Und richtig, ganz kurze Zeil darauf war auch schon ein Kriminalbeamter au» Berlin in Krimmilschau eingetroffen mit dem Auf- trage, diese Angelegenheit zu untersuchen. Die Anklage wurde selbstredend mit aller Energie gegen Klötzer ge- sührt, Erdumgrabungen vorgenommen, um das angeblich vergrabene Dynamit zu suchen, aber e« half Alles nichts, nach dreiwöchent- l i ch e r Haft mußte Klötzer wieder entlassen werden. Den Klingner aber empfehlen wir den dortigen Genossen auf's Nachdrücklichste. — Vierzehn Ausweisungen au« Berlin hat Herr M a d a i neuerdings verfügt, und zwar, wie unsere Leser au» der weiter unten veröffentlichten Warnung ersehen, auf Grund von Denunziationen des verrätherischen Schurken Heinrich Beck. Unsere Berliner Ge- Nossen, welche zum Entsetzen der gesammten Spießbürger und den an- wesenden Schutzengeln Madais zum Trotz die Ausgewiesenen bis zur Bahn geleitete» und beim Abschiede ein donnernde« Hoch auf die Sozial- demokratie ausbrachten, werden ihren brutal aus der Existenz heraus- geschleuderten Genossen Genugthuung zu verschaffen wissen. — Die Ordnungsbanditen in Posen sind mit den un- erhörten Strafen, welche gegen unsere polnischen Freunde verhängt worden sind, nicht zufrieden, besonders aber kränkt sie der eine Frei- gesprochene. Zum Glück für diese edlen Seelen hat die preußische Polizei herausgekriegt, daß GoryczowSki russischer Militärflüchtling sei und denselben sofort, als er, eben freigesprochen, aus dem Gerichtssaal heraus- trat, wieder verhastet. Die„liberale"„Posener Zeitung" schreibt darüber schadensroh: Der uns lästige UeberlSufer soll ausgeliefert werden, besitzt er aber die nöthigen Mittel, so kann er sich auch an die österreichische oder eine andere Grenze transportiren lassen. Das saubere Blatt weiß nämlich sehr gut, daß G. nach 5'/, monatlicher Untersuchungshaft diese Mittel nicht hat. Nun, unsere Genossen in Posen werden ihre Schuldig- keil thun, und den menschenfreundlichen Plan vereiteln. Mendelssohn, Truszowski und Janiszewski haben, wie man uns schreibt, gegen ihre Berurtheilung Berufung eingelegt. Wird ihnen leider wenig nützen. Unter den Arbeitern aber hat der Prozeß besser agitirt als Fluglätter und Broschüren. Die Staatsretter können auf ihr Werk stolz sein. — In deutschen Blättern wird der Mannheimer Protest als ein Beweis dafür angeführt, welche„Diktatur" innerhalb der sozialdemokratischen Partei seilen« der„Führer" ausgeübt werde. Die Schlußsolgerung zeugt von der Unfähigkeit unserer Gegner, die ein- fachste auf uns bezügliche Thatsache richtig zu verstehen. Für jeden denksähigen Menschen ist jener Protest, sowie dessen Abdruck im Partei- organ umgekehrt der schlagendste Beweis dafür, daß innerhalb unserer Partei von den„Führern" keine Diktatur ausgeübt wird und werden kann. — Aus Sachsen, 24. Febr. Nachdem der sächsische Landtag kürz- lich sehr eingehend über Schutz oder Vernichtung der Sperlinge und Krähen verhandelt und in Bezug aus letztere ein Abgeordneter mit sittlicher Entrüstung hervorgehoben hatte, daß sie so schändlich sind und dem Fürsten Bismarck die Kibitzeier wegfressen, also vertilgt werden müßten, brachte Genosse Bebel zum Aerger des hungrigen Landtags noch die AusweisungS-Jnfamie der sächsischen Behörden zur Sprache. Genosse Bebel begann seine Rede damit, an die vorhergehende Sperlingsdebatte anschließend, zu bemerken, daß auch dieser Punkt von sächsischer Vogelfreiheit handele, es solle nur hier statt der Jagd auf Thiere die Jagd aus Menschen möglichst eingeschränkt werden. Tann führte er an der Hand von Thatsachen aus, wie der deutsche Volksver- treter in Sachsen als Vagabond gejagt und gehetzt wird, wie die Staats- angehörigkeit, ja da» Bürgerrecht Dresdens z. B., den Abg. Volkmar nicht vor dieser Polizeichikane schützte, wie ein geborner Sachse, weil er eine Polizeistrafe von drei Tagen verwirkt, aus Dresden hinaus- geworfen, seine Existenz vernichtet, seine Familie in Roth gebracht wurde u. s. w. Und dies Alles geschah, obgleich die Kammer schon 1874 einen Antrag aus Beseitigung dieses Unfugs angenommen und der Minister gesetzliche Regelung versprochen hatte.(Der Minister ist wortbrüchig ge- ' worden, denn es ist trotz jenes Versprechen» absolut nichts ge- scheben, ja die Polizeibehörden werden wie die Spatzen alle Tage frecher.) Aber, bemerkte Bebel im Anschluß an seine vorgeführten Thatsachen, diese Willkür hat blo« zum Haß gegen die Behörden geführt. Gewählt werden die Abgeordneten doch, wenn man sie auch ausweist, die Maß- regelung nützt den Behörden gar nichts, sie reizt nur das Volk auf, und wenn das der Zweck der Regierung ist, so beuge ich mich vor dieser Weisheit, die ich nicht begreise. Weiter führte Genosse B e b e l au, daß der Minister v. Nostiz-Wall- witz öffentlich im Reichstage de» Leipziger Ausgewiesenen Fischer ver- leumdet habe, indem er ihm nachsagte, er hätte Mündelgelder unter- schlagen und böswillig Schulden gemacht und nicht bezahlt, auch obgleich jahrelang Gemeinderathsmitglied,"fortwährend seine Steuern hinterzogen. Der Redner legte zunächst die Steuerquittungen Fischer's vor, aus denen hervorgeht, daß noch im Mai 1881, also kurz vor der Ausweisung, die regelrechte Steuerzahlung erfolgt ist, er führte serner an, daß Fischer, um seinen Verbindlichkeiten gerecht zu werden, sein Geschäft, welche« 1500 Mark Werth war, für 200 Mark losschlug, und die vorgelegten Quittungen bezeugten, daß er dieses Geld zur Schulden- zahlung verwendete. Weiter wurde durch Quittungen und Briefe nach- gewiesen, daß die Mündelangelegenheit durch Fischer ganz legal geregell worden, kurz, der Minister stand als Berläumder da. Er hals sich Uber diese fatale Situation durch einen faulen Witz hin- weg, indem er sagte, er freue sich, daß Fischer wenigstens nicht(wie es anfangs hieß« am gelben Fieber gestorben sei. Weiter hatte er darüber nicht« zu bemerken; in Bezug aus die Ausweisungen versprach er, die- selben nur da anzuwenden, wo die Anwesenheit des Betreffenden G e- fahr bringe. Ob Gefahr vorhanden, dies zu riechen, bleibt natürlich der Polizeigewalt überlassen, und die Willkür wäre damit so gut wie bisher erhalte». Außerdem meinte der Minister, die Sozialdemokraten sollten doch dahin gehen, wo sie ungeschoren blieben. Herr Ackermann sekundirte ihm bei dieser läppischen Behandlung der Sache und Abg. Heine versäumte wunderbarerweise diesmal die Gelegenheit, die Sozialdemokraten durch reaktionäre Phrasen dafür zu strafen, daß sie sich nicht zur Religion des Bimetallismus bekennen. Bebel wie« den Minister und dessen Kakadu, Herrn Ackermann, in die Schranken des Anstandes zurück, indem er fragte, ob sie sich nicht schämten, sächsische Staatsbürger durch das Prädikat der„Fremd- lingschast" zu beleidigen, und kennzeichnete den Vorschlag des Ministers al« unbrauchbar zur gesetzlichen Regelung der Sache. Für den dem Minister ertheilCen Verweis produzirte der Präsident pflichtschuldigst einen Ordnungsruf. Damit ist die Sache wieder für 2 Jahre hinaus„erledigt". — Die„Ziorddeutfche Allgemein e", oder vielmehr ihr Dresdner Oberspitzel kann sich über die mannhaften Reden unserer Abgeordneten gar nicht beruhigen. In seiner Ver- zweislung schlägt er vor, den Zeitungen zu verbieten, von den aus- rührerischen Reden der sozialistischen Abgeordneten Bericht zu erstatten. Den liberalen Schreiern werde eine solche Ausdehnung des Gesetzes zwar nicht gefallen, aber darauf könne e» doch nicht ankommen, wenn es sich um die Erhaltung des Staates handle.— Was für ein wacklige« Ding dieser„Staat" der„Norddeutschen" und ihrer Freunde doch sein muß, daß er dem Eindruck einiger kräftigen Reden nicht gewachsen ist! Da war die Stadt Jericho eigentlich noch außerordentlich stark befestigt, zu dem Sturze ihrer Mauern bedurfte e« wenigsten« mächtiger Posaunen- stöße. Und Jericho war von Heiden bewohnt, während im Staate der „Norddeutschen Allgemeinen" Gottesfurcht und fromme Sitte wallet, und an seiner Spitze ein Fürst steht, mindestens dreifach so fromm und tapser wie weiland I o s u a, der Held von Askalon! — Abschaffung de« allgemeinen Wahlrechte« predigt die„Norddeutsche Allgemeine" und findet ein liebevolles Echo in der „Kölnischen Zeitung" und anderen liberalen Blättern. Sollen sich nur dran machen, die Herrschasten, und abschaffen, wa« einigermaßen nach Volksrechten aussieht. Um so näher wir der Tag sein, wo das Volk sie selbst und ihre Auftraggeber abschafft. — Au« Frankreich. Heber die Verhandlung der Aus- Weisung Peter Lawroff's in der französischen Kam- mer schreibt uns unser Pariser Korrespondent: „Die Schmach des Falles Lawroff ist durch die Interpellation Clovi« Hugue« noch um vieles größer geworden. Und zwar weiß man nicht, welchem der beiden Schuldigen man hiebei die Krone zuer- theilen soll, der Regierung oder der Kammermehrheit. Der auf der äußersten Linken stehende junge radikale Abgeordnete H u g u e s(Mar- seiller, Freund des von den Versaillern gemordeten Gaston Cre« m i e u x) verurtheilte die Fortsetzung der napoleonischen Ausweisungs- praxi« durch die Republik energisch und erinnerte die„Republikaner" der Mehrheit daran, wie sie unter dem Kaiserreich ganz dasselbe als einen Schimpf für Frankreich erklärten, was sie jetzt ungestört geschehen lassen, ja wohl sogar billigen. Gambetta selbst griff damals als„radikaler" Ad- vokat und Abgeordneter die bonapartistische Regierung wegen der Aus- Weisung des Italieners Cernuschi auf's Heftigste an, wies die Ungesetz- lichkeit der Maßregel nach und warf der Regierung vor, daß sie den Büttel Europa'« mache. Und derselbe Gambetta that zugestandenermaßen die ersten Schritte zur Ausweisung Lawroff'«! Die Ausnahme der Rede H u g u e s' seitens der weitaus über- wiegenden Mehrheit der Herren„Republikaner" war eine jeder Kritik spottende. So oft der Redner die Worte:„Ausweisung",„Verfolgung", „Gewaltmaßregel" u. dgl. aussprach, so oft er von der Gastfreundschaft al» einer Pflicht der Republik und eines zivilisirten Landes Uberhaupt sprach, erhob sich ein andauernder Lärm, so daß die zunächst folgenden Sätze der Rede ganz unverständlich blieben. Die Frage des Redner», ob denn Freiheit und Brüderlichkeit auch unter der Republik Chimäre, bloße Worte bleiben sollen, wurde mit einem homerischen Gelächter beantwortet. Als aber Hugues die„Söhne der Revolution" auf die Praxi« des Kon- vents hinwies und erklärte, daß es für ihn überhaupt keine Fremden gebe, da war dem Faß der Boden ausgeschlagen. Gambettisten und Grevisten erhoben sich und machten durch hundert durcheinander geworfene Zurufe,„unartikulirte Laute'" und sonstiges Geräusch einen minutenlang dauernden Heidenlärm, in den schließlich ein Gambettist(diese Klique sucht sich jetzt durch das Revanchegeschrei wieder aufzuhelfen) den Brand- ruf schleuderte:„Sind die Preußen auch keine Fremden?" Es ist wahr, daß man an die erregten Verhandlungen der französischen Kammer einen andern Maßstab anlegen muß als an die ruhigeren des deutschen Reichstages. Aber ich kenne nur eine einzige parlamentarische Verhandlung, welche der gelegentlich der Interpellation Hugue« an Würde- losigkeit gleichkommt: das ist die Behandlung der Elsässer bei ihrem ersten Auftreten im Reichstag. Die erdrückende Mehrheit aller Bourgeois- Parteien zeigte bei beiden Gelegenheiten ihre ganze Herzensrohheit und Gesinnungsgemeinheit. Gerade der eigentliche Bourgeois zeigt sich da, wo er von keiner anderen Macht beschränkt ist, so rücksichtslos, so widerlich brutal(ein weiteres Beispiel ist Amerika), daß es Einem bisweilen wirk- lich eine gewisse Annehmlichkeit bereitet, wenn die Leute durch die Heber- bleibsel der früheren herrschenden Klassen einigermaßen davon abgehalten werden, ihren Gefühlen allzufreien Lauf zu lassen. Jedenfalls muß diese jeder Rücksicht und Verschämtheit bare Brutalität der Bourgeoisie für uns ein Stachel sein, alles in unseren Kräften Liegende zu thun, damit nach dem Sturz der jetzigen Gewalt in Deutschland nicht etwa als Uebergangsstadium die volle politische Herrschast des Bürgerthums folge, möge sich dieselbe nun in konstitutioneller oder republikanischer Form Präsentiren! Es wäre damit in mehr als einer Hinsicht verdammt wenig gewonnen! Um wieder auf die Kammerverhandlung zurückzukommen, so bot der weitere Verlaus nur noch dadurch Interesse, daß der Ministerpräsident seine Ausweisungstheorie mit anerkennungswerther Offenheit darlegte. Bis jetzt glaubte man, daß die Ausweisungen politisch verfolgter AuS- länder auf Ansuchen ihrer resp. Regierungen stattfänden. Freyeinet erklärte aber, daß es eines förmlichen Ansuchens der auswärtigen Regie- rung gar nicht bedürfe, sondern daß es genüge, wenn„entweder durch seine eigenen Informationen oder aus freundschaftlichen Ge- sprächen mit d e n G e s a n d t e n e r w i s s e, daß die betreffende Person und ihre Verbindungen den Gegenstand der Beobachtung der aus- wärtigen Regierung bilde."„So a v i s i r t, treffen wir dann die ent- sprechenden Maßregeln", d. h. verfügen die Ausweisung al« Liebesdienst für den Zaren, Bismarck-c., setzte der würdige Ministerpräsident der französischen Republik hinzu. Und die große Mehrheit der Kammer rief ihm Beifall zu und würde offenbar auch strammen Maßnahmen gegen den französischen Sozialismus Beifall spenden, wenn ihm derselbe gefährlicher erschiene, als es derselbe bei der vorläufig noch ziemlich be- schränkten Zahl seiner Anhänger thut. Wird doch offenbar selbst die skandalöse Einmischung der Staatsgewalt in eine vollständig gesetzmäßig verlausende Arbeitseinstellung, durch die Absendung von Infanterie- und A r t i ll er ie- Truppen nach dem Gard, des Beifalles der Kammer- Mehrheit nicht entbehren. Die Bourgeoisie bekämpft die Gewaltmittel des Staates nur, wo sie ihr selbst gefährlich oder unangenehm sind; sobald sie über dieselben zu ihrem eigenen Vortheil verfügen kann, ver- gißt sie schnell ihre früheren Freiheitsphrasen.— Soeben erhalte ich Nachricht von einer That, welche die würdige Krönung des Verfahrens gegen Lawroff bildet. Auf dem Weg von Paris nach der Grenze sind die im Eisenbahn- Gepäckwagen aufgegebenen Koffer gewaltsam er- brochen und aus ihnen Papiere geraubt worden. Da ein gewöhnlicher Diebstahl nach Lage der Sache ausgeschlossen erscheint, so bleibt blo« zweierlei: entweder geschah die Beraubung, gleich der s. Z. an Tscherkesoff ausgeführten, durch französische Polizei- b e a m t e oder aber auch durch russische Agenten, die aber nur im Einverständniß mit der französischen Polizei handeln konnten. Jeden falls haben die Veranstalter der ganzen Affäre jede zarische Belohnung" — vollauf verdient. Eine am letzten Sonntag staltgehabte Versammlung der Arbeiterpartei prolestirte energisch gegen die politischen Ausweisungen und erklärte die Partei als international und mit den sozialistischen Parteien aller Länder im Kamps für die Prinzipien der gesellschaftlichen Gleichheit solidarisch. Der Streik in R o a n n e dauert fort, die Streikenden erhalten von allen Seiten Unterstützungen und haben aus de» Rath Jules Guesde's Bon« ä 1 Franken ausgegeben, welche— von der organisirten Arbeiterschaft Raonne's garantirt— sehr viel Abnehmer finden. Im Kohlenrevier des Departement Gard ist der Kampf zwischen Arbeit und Kapital wiederum hell entbrannt. Diesmal sind es die Nebengruben von G r a n d- C o m b e, die Gruben von Bessöges, Morliäres Je-, deren Arbeiter der Ausbeutung ein Halt! zurufen. Die Regierung hat natürlich sofort Truppen hinbeorden, angeblich um die bedrohten Ventilatoren zu schützen, in Wahrheit aber, um die Proletarier einzuschüchtern. Diesmal dürste sie sich aber verrechnen, denn der Streik greift immer mehr um sich— die Zahl der Streikenden beträgt schon über 4000— und die Stimmung ist eine viel muthigere als s. Z. in Grand-Tombe. Das Komite der Arbeiterpartei hat sein Mitglied Four« n iö re hingeschickt, der öffentliche Vorträge zum Besten der Streikenden hält. Bei den letzten Nachwahlen hat sich in Pari« gezeigt, daß die Arbeiter- partci zwar langsam aber stetig wächst. Der Kandidat derselben, John Labusquiäre, erhielt im 11. Arrondissement 3258 St. gegen 1900 Stimmen bei den Wahlen im August vor. Jahres. Obwohl Labus- quiere einer der entschiedensten Gegner der„Egalitä" ist, war diese doch, da sein Programm ein durchaus revolutionär- sozialistisches, rückhaltlos für ihn eingetreten, wa« wir mit Genugthuung konstatiren. Im Uebrigen aber hat der Konflikt an Heftigkeit noch nicht nachgelassen. — Aus Rußland. So haben die feigen H a l l u n k e n sie doch zu Tode gemartert, die unglückliche I e s s e H e l f m a n n! Der entrüstete Schrei de» zivilisirten Europa hat den Henkern zwar den Muth benommen, ihr Opfer öffentlich zu hängen, dafür haben sie sich aber durch doppelt und dreifache Grausamkeiten an der kranken Frau gerächt, bis dieselbe schließlich, wie die gesammte Ordnungspresse beschönigend meldet,„an den Folgen des Wochenbettes" gestorben ist. Und diese halbasiatifche Mordgesellschaft will sich jetzt al»„Befreier" ausspielen! Der Prozeß Trigonia-Suchanow, von dem unsere Leser durch die Zeitungen unterrichtet sein werden, hat auch scheußliche Dinge an s Tageslicht gebracht. Die Anklage gegen T i t s ch i n i n ist wegen Gestörtheit des Geistes zurückgezogen, meldet der Telegraph, das heißt, Titschinin ist im Kerker wahnsinnig geworden. Eine zweite An- geklagte, O l o w e j n i k o w a, ist den Qualen, welchen sie in der Untersuchungshaft unterworsen wurde, bereits erlegen. Aus den Aus- sagen M i ch a i l o w' S geht hervor, daß der Gutsbesitzer L i s s o g u b s. Z. lediglich auf eine falsche Denunziation hin aufgehängt worden ist. Die meisten der Angeklagten benehmen sich im höchsten Grade tapfer, was von der gutgesinnten Presse natiirlich als„frech" in die Welt hinaus- posaunt wurde. Wir werden hoffentlich in der nächsten Rummer einen Originalbericht Uber diesen Prozeß veröffentlichen können. Soeben beiRedaktionsschluß meldetnns derTele- graph die schmachvolleVerurtheilung der russischen Revolutionäre. Zehn heldenmilthige Volkskämpfer (darunter eine Frau) zum Tode verurtheilt, zehn wackere Streiter für Recht und Freiheit zum lang- samen Tod in den sibirischen Bergwerken! Und dieses Rußland wagt sich als Befreier auf- zuspielen! — Leipzig. SV. Februar. Wir genügen der traurigen Pflicht das Hinscheiden eines Braven zur Kenntniß der Genossen zu bringen. Otto Hildebrand, Steindrucker, starb am 14. Februar im hiesigen Hospital an der Erbkrankheil der Proletarier, der Schwindsucht, im Alter von 31 Jahren. Trotz seiner mehrjährigen Krankheit war er ein stets eifriger und thätiger Genosse. Selbst am Tage der Wahl stand er vom Krankenbett auf und verließ da» Hospital, um sein Wahlrecht auszuüben, obwohl ihn der Arzt, der rauhen Witterung halber, am Ausgehen verhindern wollte. Zum Begräbniß solgte eine Anzahl Genossen; einer derselben hielt am Grabe eine kurze Ansprache, in der er die Einfachheit Und Biederkeit des Dahingeschiedenen, sowie die Festigkeit und unwandelbare Treue bis zum Tode für die Sache des arbeitenden Volkes, der auch er seine ganze Kraft gewidmet hatte, den Anwesenden als nachahmenswerthes Muster vorführte. Darauf senkten wir unfern armen Freund in die Gruft. Ehre seinem Andenken! Parteigenossen I Vergesst der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. — Leipzig. Eine sehr spaßhafte Wahlepisode hat hier jüngst ihr tragi- komisches Ende gesunden. Die Helden derselben sind unser Gosenmänn- cheu Hüttner, Redakteur des„Leipziger Tageblatt", und Ahnert, Bürgermeister von Zwenkau. Zur Aus- klärung diene Folgendes: Damit vor der Wahl am 27. Oktober v. I. unser Kandidat des Leipziger Landkreises, I. D i e tz g e n, sich seinen Wählern persönlich vorstellen konnte, hatten mir einen Ausflug von Leipzig nach Gaschwitz und per Fnß nach Zwenkau veranstaltet. Auf dem Zwenkauer Bahnhof angelangt, um unsere Retourreise anzu- treten, trafen wir unglücklicherweise mit Herrn Ahnert, Bürgermeister von Zwenkau, zusammen. Da der Bahnhof überfüllt wurde und eine heitere Stimmung unter uns herrschte, wurde das Oberhaupt von Zwenkau bald gewahr, daß der Kandidat des Leipziger Landkreises, Ge- nasse I. Dietzgen, sich unter uns bcsand. Es dauerte nicht lange, so sahen wir uns, damit uns kein Leid angethan werden könne, von zwei Mann in Säbel und Gewehr beschützt, welche uns bis Leipzig das Geleite gaben. Dienstag darauf war im Leipziger Ichweinsknöchelblatt zu lesen: Zwenkau. Ich, Herr Ahnert, habe geahnt, daß der Leip- ziger Turnverein am vorigen Sonnlag einen Auiflug machte, worunter der Kandidat des Leipziger Landkreise«, I. D i e tz g e n, sich befand.— Für unser deuunziationswüthiges Gosenmännchen war das Wasser aus die Mühle und schleunigst denunzirte er den Leipziger Turnverein nach schönster Art. Darob große Entrüstung im braven Turnverein, Plakate wurden angeklebt, eine öffentliche Mitgliederversammlung einberufen und beschlossen, Anklage ob der entsetzlichen Verdächtigung zu erheben. Und richtig, die„ Ahnung", wurde ein bischen thener und der Gosenrausch noch theurcr geahndet. Herr Ahnert mußte 75 Mark, Herr H ii t r n e r 120 Mark schwitzen. Die Turner aber stehen glänzend gerechtfertigt da, „kein Engel ist so rein!" — Aachen. In der Nummer 2 des„Soz.-Dem." wurden neben der Kölner Wahl auch die Parteiverhältnisse Aachens besprochen. Einsender diese« gibt dem Kölner Genossen Recht, wenn er behauptet, hier könnte auch unter dem Sozialistengesetz mehr geschehen. Unsere 35, iX» Einwohner bilden für sich allein(ohne Burtscheidt) einen Wahl- kreis, derselbe ist in Folge dessen leicht zn übersehen. Bor allem ist aber zu bemerken, daß wir hier abseits der Heerstraße liegen, indem wir von der Parteiorganisation wenig berührt werden. Die Aachener Ärbeilerbevölkeruug ist zudem sehr gedrückt, unselbstständig und muß noch sehr viel aufgeklärt werden, um für öffentliche und ideale Bestrebungen empfänglich zu werden. Als Beweis hierfür kann die dies- malige Wahl dienen. Samstag Morgens 7 Uhr waren wir die Ersten, die die Aachener Bevölkerung zu ihrer größten Verwunderung mit einem Wahlaufrufe überraschten, nachdem wir Abends vorher es fertig gebracht hatten, eine kleine Annonce als Aufforderung an die Arbeiter, Hand- werker:c. ins Tageblatt einzurücken. Auch' die hiesige ch r i st I i ch- soziale Partei unter Anführung des Kaplau Cronenberg(der nebenbei vorigen Sommer nach 2 jährigem Gesängniß wegen wider- natürlicher Unzucht und Betrug als Direktor der Arbeiterbaugenossenschaft entlassen worden., die es im Jahre 1877 zur engeren Wahl und bei dieser es auf 4070 Stimmen brachte und bei 70 Stimmen mehr sogar ihren Kandidaten, L a a f in Essen, gegen das Zentram zum Abgeordnelen ge- bracht hätte, verzichtete dieses Mal auf jede Wahl, erließ aber nach unser m Wahlaujrui eine Bekanntmachung, daß die katholischen Arbeiter einem Atheisten nicht ihre Stimme geben könnten und sich deshalb der Wahl enthalten sollten. Wir hatten 1874 zum ersten Male hier 50 Stimmen, 1877 aar keine, 1878 908, 1881 nur 588. 1878 wählten von 14,012 eingeschriebenen Wählern 7001, davon ultramontan 4035, liberal 1152, Bebel 908, christlich-sozial 380— 1881 wählten von 15,000 Wählern nur 5027, davon nllramontan 4200, liberal 030, Bebel 588, verichiedene 150, wovon die meisten aus einen Brauereibesitzer D i tz e n siele». Tie letztere Kandidatur ist für die hiesigen Verhältnisse bezeichnend; dieselbe wurde von 2—3 Personen als Wirths- hansscherz empsohlen, dann wurde ans dem Scherz Ernst, man ließ 20,000 Stimmzettel drucken und alle Wahllokale besetzen. Ditzen wurde als Arbeitersreund empsohlen, der der einzige Kandidat sei, der Aachener sei und ein Herz sür die Arbeiter und Kenntnisse habe. Trotz alledem brachten sie es nur auf 110 Srinimen. Nicht abzuleugnen ist, daß die Moslianer uns viel geschadet haben. Sie verbreiteten hier massenhaft das bekannte Flugblatt gegen das Wählen, llebrigens werden sie bald ausgelebt haben und verdanken ihren Einfluß nur unserer Lauheit. Sie benahmen sich sehr gemein, streuten allerhand Gerüchte aus, z. B. daß jeder, der sich mit der Wahl befasse, verhaftet werde, jeder Wahlzettel für Bebel als ungültig erklärt werde, daß wir keinen einzigen Ab- geordneten durchbekümen jc., ivodurch nicht nur die Indifferenten, sondern unsere eigenen Genossen verwirrt wurden, Angstfieber hatten und sich die letzten Wochen und Tage vor der Wahl nicht blicken ließen. Daß die Arbeiter-Bevölkernng hier aber nur durch öffentliche Volks- Versammlungen aufgerüttelt werde» kann, beweist die Wahl 1878, wo solche von den Christlich-Soziale» mehrsach veranstaltet wurden und wir nur ausnahmsweise das Wort ergriffen, gegenüber der Wahl 1881. In den fast ausnahmsweise von Arbeitern bewohnten Wahlbezirken fielen Sliminen aus: 1878__ 1881 Aus dieser Aufstellung kann jeder ersehen, daß der Rückgang nur in obigen Bezirken für alle Parteien liegt, während llltramontane und wir in sämmtlichen anderen Bezirken, wo besser gestellte Handwerker und Bürger wohnen, eine noch größere Stimmenzahl hatten. Die Liberalen haben einen viel größeren Verlust als wir, die llltramontane» dagegen etwas mehr, was nicht zn verwundern ist, wenn man die Agitation der Pfaffen und katholischen Vereine, die hier dutzendweise bestehen, kennt. lind daß die Zentrnmsmänner zuletzt Alles aufboten, um nicht ain Ende in die engere Wahl mit einem Sozialdemokraten zu kommen, weiß hier Jeder. Schon der Wuthausbruch im„Echo der Gegenwart" ist komisch genug; zwei Tage vor der Wahl brachte dieses an Hanptstelle folgenden Erguß: Wer wagt es hier in Aachen dem katholischen Volke einen Erz-Sozialdemokraten, einen Christusfeind wie Aug. Bebel zum Reichs- tagsabgeordneten zu empfehlen u. s. w. Auch die Aachener Zeitung erließ nach unserm Wahlaufruf eine extra Bekanntmachung, worin sie alle liberalen und reichstreuen Wähler auffordert, sämmtlich zur Urne zu gehen, damit sie es nicht erleben, in der Stimmenzahl hinter einem Sozialdemokraten zu figuriren. Anlangs hatte man es allgemein für vollständig unmöglich gehalten, daß wir uns an der Wahl betheiligen würden, sogar viele unserer Parteigenossen erklärten es für zu gewagt, überhaupt für die Wahl etwas zu thun. Wenn wir es trotz Alledem auf beinahe 000 Stimmen brachten, so können wir zufrieden sein. Daß wir aber bei einer stärkeren Agitation und allgemeineren Organisation es trotz der hiesigen Priesterherrschast, auf 1500 bis 2000 Stimmen hier bringen würden, wird keiner zu gewagt halten, der Aachen kennt. Zum Schluß Einiges über unsere Wahlgeschichte und die Polizei. Im Sonntagsblatt hatten wir nach vieler Mühe einen Aufruf eingerückt bekommen, worin August Bebel in einigen Worten dem Arbeiter- und Handwerkerstande empfohlen wurde. Sonntags 7 Uhr Morgens ging dann die Verbreitung des Wahlaufruf's lo«, der, ziemlich schwach gehalten, die Wahl Bebels empfahl, von einem hiesigen Genossen unterzeichnet, auch hier gedruckt war, der einzige, der wahrscheinlich nicht verboten worden ist. Es waren jedoch nur vier Genossen bereit, die Vertheilung zu übernehmen, wovon sogar noch zwei Kölner, extra hieber berufen, uns aus Parteiinteresse halsen. Tie zwei Hiesigen wurden bis Mittag in einem Viertel fertig, ohne belästigt zn werden. Ein Auswärtiger wurde jedoch um 9 Uhr verhaftet. Da derselbe nur einen Aachener Genoffen kannte und sich zur Feststellung seiner Person am diesen berief, so wurde da« ganze Viertel, wo man ihn anfgegrifien hatte, durch ein Dutzend Schutzleute abgesucht und schließlich der zweite Kölner nebst dem Aachener, der ihm noch Aufrufe überbrachte, in einem Wirthshause ebenfalls zur Polizei sistirt. Trotzdem hier nun sogleich erklärt wurde, dieser Wahl- aufruf werde und könne nicht verboten werden, wurden zunächst bei dem Aachener, bei dem Drucker— der gar nicht zu uns gehört— und im Wirthshause, wo die beiden Kölner logirten, resultatlose Haussuchungen vorgenommen, dann wurde der Aachener nach Protokoll-Vernehmung entlassen, die beiden Andern jedoch hielt man unter dem Vorwand, ihre Person müsse zuerst festgestellt werden, bis den nächsten Abend in Hast. Den beiden auswärtigen Genossen gebührt volle Anerkennung für ihren Muth, der bei dem Jüngern soweit ging, während der Aachener beim Kommissär war, ganz gemüthlich dessen Verhör anzuhören, nachher sogar noch ein Studentenlied zum Besten zn geben, wofür er dann zum Dank unten ins Loch zu allerhand Volk gesperrt wurde. Sehr spaßhaft ist noch, daß bei dem Aachener K. die Brochüre von L e u s ch n e r in Magdeburg gegen uns(nicht der verbenerte Nachdruck)„Deutschland als Republik oder der Sieg der Sozialdemokratie" beschlagnahmt wurde, die derselbe gerade Morgens früh auf sein Schreibpult gestellt hatte. Die Verhaftungen hatten natürlich nur de» Zweck, die Verbreitung zu verhindern, was denn auch bei der Lauheit der übrigen Genoffen theil- weise gelungen ist. Da« nächste Mal werden wir jedoch mit menr Energie ans Werk gehen»nd hoffentlich ein besseres Resultar erzielen. Gerhard. — Karlsruhe, 14. Febr. Schon wieder muß ich verschiedene Vor- kommnisse am hiesigen Orte der Oeffcntlichkeit übergeben. Zunächst sei mitgetheilt, daß der vom Schöffengericht zu 14 Tagen verurtheilte Ge- nosse H o s f a r l h auf seine Berufung an das Landgericht freigesprochen wurde. Hoffarth war von der Polizeiseele D o h l a n d denunzirt, daß er das Flugblatt„Der Wähler"(Organ zur Orientirung der Reichstags- wähl» nach dem Verbote desselben verbreitet habe. Beim Schöffengericht nahm es die Polizeiseele aus den„Diensteid", beim Landgericht war die ganze Sache ein„ M i ß v e r st ä» d n i ß"! Donnerstag, den 9. d., fand bei einem hiesigen Genossen Haussuchung statt; es war angeblich eine Kreuzbandsendung mit verbotenen Schritten von Stettin aus an ihn ausgegeben. Das Resultat war Rull. Alles, was die Polizei bei ihm mitnahm, konnte derselbe am Samstag wieder abholen. In dem benachbarten T n r l a ch wurde ebenfalls auf 2 Stellen Haussuchung vorgenommen, jedoch ohne Erfolg. Die ganze Sache scheint die Polizei selbst sabrizirt zu haben, um etwas Anderes zu angeln— so nebenbei. Montag, den 0. d., gaben die hiesigen Genossen einem ihrer lang- jährigen Kollegen das leyie Geleite. Es ist dies der auch in weiteren Kreisen bekannte Genosse Wilhelm Bräutigam; ein Herzschlag hatte seinem Leben aus der Arbeitsstelle ein Ende gemacht. Durch die Ungunst der sozialen Verhältnisse von Werkstatt zu Werkstatt geworfen, ausgebeutet, abgehärmt und abgedarbt, fand er nach 8tägiger Arbeits- losigkeit wieder eine Stelle, sie sollte jedoch nicht lange währen; am Samstag Morgens fing er an und Mittags'/tS Uhr war er todt. Trotz Kamps, Mühe und Sorgen sür sich und die Seinen stand er stets treu zur Fahne und darum Ehre seinem Andenken! Am Grabe sprach der Prediger Z i t t e l neben den handwerksmäßigen Tröstungen mir dem lieben Gott warme Worte zu den Versammelten für die Hint.rbliebenen des im Kampf um« Dasein Gefallenen. Ob der Herr Z i t t e l wohl geahnt, daß er größtentheils zu Männern sprach, die jftels ein warmes Herz für die Leiden die Gedrückten hatten, weiß ich nicht, jedenfalls beim Vorsteher des hiesigen Armenrathes. beim„großen" S p e e m a n n hätte seine Rede keinen so günstigen Buden gesunden. M. — St LouiS, L5. Januar. T e r L i n g e» a n' s ch e?! a ch l a ß. Seit dem letzten Bericht über diese Angelegenheit ist eine, wenn auch noch nicht rechtskräftige Entschädigung seitens des Hinterlassenschast»- gerichtes in Aachen des Lingenan'schen Nachlasses erfolgt. An das Ver- mögen, etwas über 30,000 Mark, harte außer den vom Konsul aufge- triebenen Erben auch eine Frau O l i v i a Schmied, die frühere Gallin Lingenau'«, welche mir ihm im Jahre 1852 nach Amerika auswanderte, 1855 aber in Ehitago von ihm geschieden wurde, Zlnfprüche erhoben. Trotzdem sie wieder verheirarher war, behauptete sie doch, die rechtmäßige Wittwe Lingenan'S zu sein. Richter Wörner wies ihre Ansprüche endgiltig ab: Zum Schlüsse der Entscheidung bemerkte derselbe, die einzig recht- mäßigen Erben seien Franziska Klara Lingenau, Bertha Hedwig Lingenau und?Naria Theresia Lingenau, die Enkelinnen des Bruders Andreas Lingenau, und Julius Mohl, der Sohn der Schwester Henriette. Jede der Enkelinnen habe von der Hälfte den 3. Theil, Julius Mohl aber die Hälfte des Vermögens zu bekommen. Zugleich erließ der Richter die Ordre, daß der'Nachlaß vom öffentlichen Administrator nicht eher aus- bezahlt werden solle, bis die vor dem Kreisgerichl schwebende Appellation gegen seine UngiltigkeitSeiklärziug des Lingenan'schen Testamentes er- ledigt sei. E« ist mir nicht gelungen, ausflndig zu machen, welcher Advokat die Sache der Testaren, d. h. unserer Genossen, vor dem Kreisgerichle ver- tritt. Die ganze Angelegenheit scheint mir so verkehrt als möglich ange- saßt worden zn sein, und soll ein großer Theil der Schuld Otto- W alster, den Redakteur der früheren„Volksstimme des Westens", jetzigen Mitarbeiter der„Amerika", treffen. Seil dem 14.'November 1881 wurde der G u i t c a u p r o; e ß in Washington verhandelt und hat endlich heule, 25. Januar, seinen vor- ')' 002 Arbeilerstimme».*) 230 Arbeiterstiuunen. läufigen Abschluß gefunden. Guiteau hat große geistige Verwandtschaft mit Hödel, welcher im Prozeß„Lehmann contra Lehmann" so außerordentliche Frechheit(? Redaktion.) entwickelte, die jedoch im Vergleich mit Guiteau als Sanftmuth höchster Potenz erscheint. Vor- gestern nennt er den Richter Porter einen miserablen Lügner und nichts- würdigen Schurken, welchem er wünsche, daß ihn Gott nebst dem Mise- rablen stinkigen Geschöpf Staatsanwalt Corkhill baldigst abthun möge. Seinen Schwager und Bertheidiger nennt er einen Dummkops und ersucht ihn, nach Hause zu gehen. Dem Richter Davidge empfahl er, das Maul zu halten und es nicht auszureißen wie ein aller Catsisch. Gestern sagte er zu Porter:„Du bist ein Lügner und Du weißt, daß Du lügst; Gott wird Dich bald umbringen, ich wollte, ich könnte Dich und Corkhill hieraus dem Fenster werfen, Du Schuft" u. s. f. Sämmtliche Zeugen wur- den von ihm angegriffen und ihre Vergangenheit oft unbarmherzig an's Licht gezogen. Zum Staatsanwalt sprach der Bertheidiger:„Ich weiß, warum Sie gegen den Zeugen Moß eingenommen sind, Sie waren seiner Frau 3 Dollars für Ihre Wäsche schuldig, wurden von ihm ver- klagt und mußten das Geld nebst den Prozeßkosten bezahlen. G r a n t, C o n k l i n g und Präsident Arthur sind moralische Urheber der That Guiteau'«." Die Juri, einigte sich über das Verdikt in 10 Minuten und verurtheilte Guiteau wegen Mordes im ersten Grade zum Tode. Der Vertheidiger wird an den im April stattfindenden Generaltermin appel- liren, so daß eine eventuelle Urtheilsvollstreckung oder Begnadigung nicht vor Mai oder Juni erfolgen dürste.— In Washington regiert jetzt thatsächlich Graut, dessen Hand in allen Maßnahmen Arthur'« zu erblicken ist. Grant als geistiger Rathgeber des von Hopes abgesetzten fliewyorker Zollkollekteurs, welcher durch Garfield's Schacher Vizepräsident und durch Guiteau's Schuß Präsident wurde, sorgt dafür, daß alle seine Kreaturen, die— wie er— Geschenktes und Nichtgeschenktes nehmen, wieder einträgliche Stellen er- hallen. Und trotz alledem, trotz öffentlichem Diebstahl und Defraudationen, wieder 70 Millionen Dollars Ueberschuß im Vorjahre. Es scheint, die Vereinigten Staaten sind nicht zu ver— regieren! Max Stöhr. Sprechsaal. A« die Redaktion des„Sozialdemokrat". Mit Rücksicht auf ein von den Zigarrenfabrikanten in M i l w a u k e (Wisconsin), respektive deren Agenten in Deutschland, verbreitetes Zirkular, welches den Zweck hat, Zigarrenarbeiter nach jener Stadt zu locken, in- dem man denselben goldene Berge verspricht, aber sorgfältig verschweigt, warum man auf diesem etwas ungewöhnlichen Wege Arbeitskräfte sucht, glauben die Unterzeichneten sich verpflichtet, die deutschen Kollegen davon in Kenntniß zn setzen, warum Zigarrenmacher in Milwauke gesucht werden. Zu Ansang dieses Winters wurden in sämmtlichen Zigarren-Fabrikeu der Stadt die Arbeiter ausgeschlossen, weil sie sich nicht Bedingungen' fügten, die, wenn angenommen, ihre Ehre verletzt hätten; man versuchte es dann, Chinesen an ihre Plätze zu bekommen, wurde aber durch den Druck dee öffentlichen Meinung davon abgehalten, und versucht es des- halb, anderwärts willige und billige Arbeitskraft zu bekommen. Es wurde der Kunstgriff gebraucht, die Zahlen imposanter zu machen, indem man nach Mark rechnet, aber laßt Euch nicht in die Falle locken, Kollege», denn das alte Sprichwort soll hier eine neue Auflage erhalten. Denkt, bevor Ihr handelt! ?! e w- V o r k, den 7. Februar 1882. Im Auftrag der Zigarrenmacher-Union 144: I. P f r o m m e r, Präsident. M. D a in p s, Sekretär. S. S ch i m k o w i tz. Warnung. Die letzte Ausweisung von ca. 1 5 P a r t e i g e n o s s e n aus Berlin ist, wie jetzt unzweifelhaft feststeht, das Werk de« Denunzianten Heinrich Beck, Tischler, der als Spion im Dienste der Polizei steht und insbesondere auch die Aufgabe hatte, unser« Abgeordneten während ihrer Anwesenheit in Berlin auszuhorchen. Es ist dies derselbe Heinrich Beck, der an der Spitze des letzten Tischlerstreiks in Berlin stand und dessen Unreellitäl in Geldsachen seit- dem zu allerlei Mißtrauen gegen ihn Veranlassung gab. Mit dem Denunzianten Heinrich Beck ist nicht zu verwech- s e l n der Tischler Theodor Beeck, der sich mit unter den 'Ausgewiesenen befindet und nach Amerika auszuwandern beabsichtigt. Der Schuft Heinrich Beck wird hiermit unscrn Berliner Partei- genossen aufs Wärmste empfohlen. Läßt sich der Kerl irgendwo sehen. so zahle man ihm den verdienten Lohn. Briefkasten der Redaktion: Br. G. in St.: Ihre Erklärung kann erst in nächster'Nummer Ausnahme finden, da von L. noch ohne'Nachricht. Sie schreiben von„anderen Abg.", worüber wir uns nicht informiren wollen, um nicht weitere Erklärungen und Gegenerklärungen zu provoziren.— Fr. Roth: Brief empfangen, Inhalt sehr zeitgemäß, wird baldigst ver- wendet.— Pariser Resolution wegen der russischen Bcrurtheilungen in nächster'Nummer. der Expedition. H. Wuttke Rem- Jork: Fr. 55,70(11 Doll.) sind mit falscher Addr. richtig e i n g e t r. u. dem llfd». dkd. zugew. Haben Postkarte mit Erwähnung des Zweckes, deponirl u. erwarten Erbetenes.— Pichl. Stieber: Mf. 100,— d. Ufds. dkd. zu- gewiesen. Mk. 47,35 pr. Ab. 1. Qu. u. Schst. nebst Ggrchng. gebucht.— K. Wormser: E. marschirt nicht mehr getrennt. Gebundene Liederbücher wurden früher ohne Preisaufschlag st a t t b r o ch i r t geliefert, weil Brochirtes bälder vergriffen war, als Gebundenes und Behufs'Neuauflage Alles geräumt werden mußte. Neuauflage reich. haltiger u. deshalb lheurer.— Ttsch. V. Bern: Fr. 2,— Ab, 1. Qu. s. 2te» Expl. erh.— O. B. Lyon: Fr. 2,50 s. Ab. 2. Qu. u. Fr. 3,— f. Agsds. dkd. verw.— Der Bekannte; Mk. 3,— Cto. Str. Ihnen belastet. Auszg. jolgt.— Lucius: Allerdings ziehen wir da« Gewiss« vor. L. gelöscht.—(— i): Erste Nachr. war verspätet.'Alles bis 7 fortgewesen. Wünsche nunmehr erfüllt. 3 Addr. vorgem.— O. P. L.: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh. Fehlendes vergriffen.— Schnürung: Mk. 40,— ä Cto. erh. Gewünschtes mitgetheilt.— V. d. Gen. i. Elberfeld: Mk. 40,— dem„R. f" dkd. zugew.— Kiel: Mk. 4o,8<> Ab. 1. Qu. u. 2 Einzelexpl. März— Mai erh. Antw. am 27. abgg.— A. Sch. C.: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. zc. erh. u. dkd. verw.— G. i. G.: Mk. 13,80 Ab. 1. Qu. u. Schft.-Cto. erh. Gewünschtes folgt durch Frdeshand.— Der Alte i. A.: Lebenszeichen v. 22/2 über Z. fand frdl. Aufnahme. Gruß!— G. C. Zg.: Bf. v. 20 2 erh.— Gen. i. flg.: Fr. 7,45(Mk. 5,90; durch Bdr. erh. D.— Ferd.: Bf. v. 22. u. 20. erh. All right: Mk. 59,— wofür?— Garibaldi: Bf. v. 28/2' erh. Inhalt notir't. Bestllg. folgt.— C. P. Paris: 18 ist nicht gestrichen. Jrrthum i. klebrige» nun ausgeklärt. Addr. L. geordnet.— Lkc. London: Ausschluß benützt. Weiteres wird besorgt, hatten auf be- kannten Preis gerechnet. Gruß!— Pickelhaube: Bs. erh.?!. W. ic. folgt, Nachnahme dorthin u n m ö g l i ch, Briefmarken erbeten. Ba. u. Co. reisen vielleicht jetzt sür Madai.— O. Schreck: Nachr.». 27/2 erh. Sdg, fort.—„Gleiches Recht für Alle": Mk. 2,80 Ab. Mz.-Apr. erh. Addr. geordnet.— Xur Beariiiiing! atalätm* Comm. Arbeiter-Bildungs-Verein .ist» t(i«a xb xottenham Street. Tottenham Court Road. Die Wirthecbaft Joe Verein« ist geöffnet von Morgen« 9 bis Nachts 12 Uhr. Wir ersuchen die reisenden Genossen auf unsere Adresse zu achten. Der Vorstand. Schwel,.» tt tinltuchbt utferet HoMnani-Kürich.