Krschetnt Wöchentlich einmal in Zürich iSchweiz) Verl»» Vl. Herter, Hottingen-Znrich Kafinostraße 3. jjoisendunsr« franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. Der SoMemKrat Zentral- Hrgan der deutschen Sozialdemokratie Nvonnemears werden nur beim Verlag lud dessen bekannten Agenten em- gegengenommen und zwar zum v o r a u A zahlbaren VierteljahrSpreiS von: Fr. 2.— fiir die Schweiz(Areuzban Mk. 3— für Deutschland(Couvert fi. 1. 70 für Oesterreich(Eonver Fr. 2. 50 für alle übrigen Länd' Weltpostverein«(Kreuzbands Inserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 EtS.= 20 Pfg. R? 11. DonnerKag. 9. März� 1882 MP* A,i»» die Karrespoudenten und Abmentei de»„Äoiialdemadrat".-MM Da in ,Ko,ialdemoKa>' sowohl in Dtulschland ali auch in Ok?«rrtich»«rbolin ist. b-,w.»ersolgt wird, und die dortigen ali mdglich an den.eozialdemoirat'. rejp, dessen Verlag selbst adresfiren, sondern fich mdglichst an irgend«ine unverdilchlig, Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst ju erichweren, resln Briese von dort an und Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uni in Verbindung setzt; anderseits aber,»atz und unsere Zeitung«, und sonstigen Sendungen na» dort abiusangen. so ist die äußerste Vorflcht im Postverkehr nothwendig und auch un« mdglichst nnversängliche ZustellungSadr-Isen mitgethei» werden. In zwciselhasten Fällen empfiehlt fich behus» gritzere, dar! t-ine Dorfichtimatzregel versäumt werden, die«rieimarder über den wahren Absender und Smpsänger, sowie den Inhalt Sicherheit zi-tommandirung. Soviel an UNS liegt, werden wir gewig weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller rar. der Sendungen ju täuschen, und letzter- dadurch ju schützen. Haupterfordernitz ist hie,» einersei«», datz unsere Freunde so selten geg-nst-h-nd-n Schwierigleiten den. Soiiald-molrat � unfern Abonnenten mdglichst regelmätzig ,u li-sern, Abonnements-Ginladung. Mit Nr. I-t beginnt ein neues Quartalsabonnement auf den„Sozialdemokrat". Wir ersuchen unsere Leser, ihr Abonnement rechtzeitig zu erneuern, sowie für Gewin- nung neuer Abonnenten unablässig thätig zu sein. Weder das Abonnement auf den„Sozialdemokrat" noch das Empfehlen desselben ist in Deutschland strafbar, sondern lediglich die direkte Verbreitung. Es ist deshalb Pflicht wie Interesse jeoes Parteigenossen, auf's eifrigste für die Verbreitung des.Sozialdemokrat' zu wirken. Da der.Sozialdemokrat' in Deutschland bekanntlich auf Grund des Ausnahmegesetzes verboten ist. so muß die Verbreitung selbstverständlich mit größter Vorsicht geschehen; letztere angewandt, ist die Sache übrigens durchaus ungefährlich und leicht ausführbar. Das blotze Abonnement ohne Weiterver» breitung ist gesetzlich erlaubt. Der„Sozialdemokrat" wurde vom letzten Parteikongretz einstimmig zum einzigen offiziellen Organ der sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch» lands erklärt. Der vorauszahlbare Abonnementspreis deS.Sozialdem.' beträgt viertelst. für Deutschland und Oesterreich 3 Mark(1 fl. 70 kr.), wofür das Blatt wöchentlich als verschlossener Brief versandt wird; für die S ch w e i z 2 Fr., für alle übrigen Länder des Weltpostvereins 2. Fr. 50 Cts.(unter Band). Dieser Preis k a n n i n d e s s e n. n a m e n t l i ch i n D e u t s ch l a n d. bedeutend ermäßigt werden, wenn sich die Genossen eines Ortes zum Bezug im Großen vereinigen. Wenn unverdächtige Empfangs- adressen gewählt werden und damit stets gewechselt wird, wenn ferner die geheime Vertheilung an die abonnirten Genosten vorstchtig geschieht: dann ist die Gefahr der Entdeckung beim Gesammtbezug weit geringer wie bei den Briefsendungen. Bis zu 16 Exemplaren können in Doppelbrief übermittelt werden; bei größeren Be- stellungen ist die Zusendung in Packet vorzuziehen. Bei Bezug von zehn Exemplaren an ist der Preis per Quartal auf M. 1. 80. franko inS Haus festgesetzt, und ist der Betrag monatlich mit 60 Pf. im Voraus einzusenden. Sämmtliche Sendungen werden gut verpackt, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland ausgegeben. Briefmarken aller Länder werden für voll angenommen; größere Beiträge in Papier- geld mittelst eingeschriebenem Brief oder Post-Einzahlung. Da nicht unbedeutende Kosten durch ungenügendes Frankiren entstehen, so machen wir darauf aufmerksam, daß einfache Briefe(bis 15 Gramm) nach der Schweiz 20 Pfg., resp. 10 Kreuzer ö. W. kosten, bei schwereren Briefen je 15 Gramm weitere 20 Pfg., resp. 10 Kreuzer. Man wende sich bei Einzelbestellungen an den Verlag von A. Herter, Kafinostraße 3, Hottingen-Zürich. bei gemeinsamem Abonnement und um Aufschlüste an die b e- kannten Agenten in Deutschland, oder an die Unterzeichneten durch Vermittlung in der Schweiz oder sonst im Ausland lebender Freunde. Monatliche Vorausbezahlung des«bonnementspreises an unsere Ber- trauensmänner und Ailialeverwalter ist unerläßlich: Parteigen osten? Sammelt Euch um Eure Fahne und benützt die Euch gegebene Waffe mit Eifer und Geschick; seid rührig und thut Eure Pflicht! Redaktion und Expedition des„Sozialdemokrat". Das Erbtheil der Enterbten. Endlich hat Bismarck die Hülle abfallen lassen, mit der er �er diskreter Weiie sein Tabaksmonopolprojekt bedeckt hatte. Das Tabaksmonopol soll bekanntlich den Grundstein bilden, auf welchem der Bau der„Sozialreforn�', des sogenannten Staats- sozialismus, stch erheben soll. Der Bismarck'sche Staatssozialismus, so sagten wir von An- fang an, hat keinen andern Zweck und kann keinen andern Zweck haben, als den Arbeitern das Doppeljoch der ökonomischen und politischen Sklaverei aufzulegen, und den wackelig werdenden Absolutismus zu stützen. Ein Blick auf den jetzt veröffentlichten Gesetzesentwurf, betr. die Einsührung des Tabaksmonopols, bestätigt nach allen Rich- tungen hin diese Äuffassung, Er riecht nach Juchten. Hinter jeder Zeile der Helm des Polizisten und die„nationale Peitsche". Zwanzig Paragraphen handeln ausschließlich von Strafbestim- münzen für alle möglichen und unmöglichen Fälle. Der Lenker und Leiter des Ganzen, der unbeschränkte Diktator des sozial- politischen VersuchS-Zuchthauses ist der Herr Reichskanzler. ER regelt Einkäufe und Verkäufe, ER setzt die Preise fest, ER be- herrscht nach persönlicher Laune den wirthschaftlichen Markt, wie er die politische Welt zu beherrschen sich einbildet. Keine Kon- trole. Keine Rechenschasl. ER thut einfach was er will, und Niemand hat nach den Gründen zu fragen. Mit den Kopfschmerzen, welche das Tabaksmonopol den Herren Bourgeois verursacht, beschäftigen wir uns hier nicht. Es reißt ein Loch in daS System der kapitalistischen Privatproduktion, und da ist der Schrecken und daS Gezeter der Leutchen sehr begreif- lich. Es gehl ihnen an den Geldbeutel, und in Geldsachen hört sprichwörtlich die Gemüthlichkeit auf. Auch die Einwendungen, welche die Herren Bourgeois gegen das Projekt machen, haben für uns keinen Werth. Zum Theil sind dieselben sehr kindisch. Wie lächerlich ist es z. B., daß gesagt wird, die Preise seien zu niedrig normirt,„denn die Privat industrie könne die Waaren nicht so billig liefe, n". Daß der Staat viel billiger produziren kann, als die Privatindustrie, das will den Herren Bourgeois nicht in den Kopf. Sie begreisen nicht, oder wollen nicht begreifen, daß der produzirende Staat als größter Groß. Produzent ihnen, den Großbourgeois, gegenüber ebenso im Vor- theil ist, wie sie, die Herren Großbourgeois, gegenüber den Kleinbürgern, und der Kleinproduktion. Also wenn der Staat w i l l— und natürlich auch über die nöthige Praxis und Intelligenz verfügt— kann er unzweifelhaft billigere Tabake und Zigarren liefern als die Privatfabrikanten. Will aber der Bis- marckische Staat, und kann er? Das ist eine andere Frage. Jedenfalls kommt es Bismarck blos darauf an, sich durch daS Tabaksmonopol eine Geldquelle zu eröffnen, die ihb von der Kontrole des Reichstags emanzipirt und zur Fortsetzung und weiteren Ausbildung des persönlichen Regimentes in Stand setzt. Er braucht Geld, viel Geld, und ob die Zigarren und Tabake gut sind oder schlecht, das geht die biederen Reichsbürger nichts an. Erweisen sich die Preise zu niedrig, je nun, wer hindert denn den Reichskanzler, sie beliebig zu erhöhen? Er ist Nie- wanden verantwortlich, von Niemanden abhängig. Ob die in Aussicht gestellten Entschädigungen genügende sind oder nicht, daS ist eine sekundäre Frage, die wir eigentlich gar nicht zu diskutiren haben, solange wir uns nicht prinzipiell auf den Boden des Tabaksmonopols stellen. Immerhin ist zur Kennzeichnung dieser„Grundlage" deS „Patrimoniums der Enterbten" darauf aufmerksam zu machen, wie auch hier hinter allen schönen Vorspiegelungen der Sch— alk steckt. Ganz besonders was die Enterbten, die Arbeiter, anbetrifft. Wie die Motive selbst angeben, sind laut der TabaksenquSte von 1878 in der deutschen Tabaksindustrie in den Betrieben, welche mit Gehilfen arbeiten, 99,714 Arbeiter beschäftigt. Von diesen werden, wiederum laut Motiven, nur etwa 80,999 Arbeiter herübergenommen. Nun heißt es, daß die„technisch ge- bildeten Tabaksarbeiter", welche keine Verwendung finden, mit einer Abfindungssumme bedacht werden sollen. Die Zahl dieser zu entschädigenden Arbeiter wird auf„höchstens" 8999 an- gegeben, macht mit obigen 89,999 anzustellenden Arbeitern zu- sammen erst 88,999. Wo bleiben die restlichen 11,714 Arbeiter? Sie fliegen unentschädigt auf das Pflaster!! Ganz unberücksichtigt sind dabei noch die 8432 Betriebe ohne Gehilfen. Was aus diesen werden soll, darüber schweigen die Motive sich aus. Wird der„Anwalt des kleinen Mannes" die Inhaber solcher„Betriebe" als„Fabrikanten" mit der fünf- fachen Höhe ihres durchschnittlichen Reingewinnes bedenken oder ihnen als„technisch gebildeten Arbeitern" den Einttitt in den Staatsbetrieb anheimstellen? Im letzteren, dem wahrscheinlicheren Falle, würde sich die Zahl der unentschädigt auf's Pflaster Fliegenden auf ca. 29,999, in Worten zwanzigtausend Arbeiter erhöhen. Nun ist es geradezu lächerlich, anzunehmen, daß beim Staats- betrieb in Wahrheit 89,999 technisch gebildete Arbeiter noth- wendig werden sollten. Man bedenke nur, daß in Frankreich nur 16,999(davon 14,999 weibliche), in Oesterreich nur 26,999(darunter 22,999 weibliche), in Italien nur 18,999(darunter 15,999 weibliche) Tabakarbeiter beim Monopol beschäftigt. Die Achtzigtauscnd werden nur ein- gestellt, um Entschädigungen an die Arbeiter zu sparen. Damit die Ueberschüsse auf der gewünschten Höhe bleiben — die Preise dürfen schon deshalb nicht erheblich höher gesetzt werden, weil sonst der Konsum zu sehr eingeschränkt würde— werden von Jahr zu Jahr mehr Arbeiter„überflüssig" gemacht und in aller Form Rechtens auf die Straße gesetzt. Dann mögen die„technisch gebildeten" Arbeiter sehen, wo sie sonst ein Unterkommm finden! Die auf den ersten Augenblick Manchem in die Augen stechenden Entschädigungsbcdingungen haben lediglich den Zweck, der Majo- rität der Interessenten, namentlich die Tabaks- und Zigarren- Händler, sowie die Tabaksarbeiter durch das verlockende Angebot einer runden Geldsumme v.'m Widerstand gegen das Monopol abzubringen. In wie weit dieses Manöver in den bürgerlichen Kreisen verfangen wird, das wissen wir nicht. Die Herren Tabaks- Produzenten, Tabaksfabrikanten und Tabakshändler, sind durch das grausame und raffinirte Experimentiren, durch das mechanische Hangen- und Bangenlassen der letzten Jahre so nervös geworden, daß Viele sicherlich denken werden: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! und die Entschädigungssumme einstreichen— vergnügt, daß sie überhaupt etwas erhalten. Darüber darf uns auch ihr Geschrei, das sie vorläufig aus- stoßen, nicht hinwegtäuschen. ES hat bei Vielen nur den Zweck, die möglichst besten Bedingungen herauszuschlagen. Es handelt sich für sie um eine Geld-, um eine Geschäftsfrage, und es wäre ebenso unbillig wie naiv, von den Bourgeois zu er- warten, daß sie dieselbe anderS als wie eine Geschäftsfrage behandeln sollten. Anders die Arbeiter. Für sie steht die Prinzipien- frage obenan. Das Tabaksmonopol des Fürsten Bismarck ist eine Waffe deS Absolutismus; es verletzt jedes demokratische Prinzip; es fügt, was wir von Anfang an gegen den Bis- minck'ichen StaatssozialismuS hervorgehoben,— zur politischen die ökonomische Sklaverei. Kein deutscher Arbeiter wird sich dazu verstehen, für das Linsengericht einer mehr oder weniger kärglichen Versorgung, um den Sold einer mehr oder weniger hoch bemessenen Abfindungssumme sich mit einem Projekt aus- zusöhnen, dessen Verwirklichung zur tiefsten Erniedrigung der Arbeiter führen würde, und daS Grab der Freiheit wäre. Jeder deutsche Arbeiter, der einen Funken von Freiheitssinn und Ehrgefühl in der Brust hat, wird mit unS ausrufen: Fort mit dem Monopol! Nieder mit dem Bis- marckischen StaatSsozialismus! Es lebe die Sozialdemokratie! „Von Gottes Gnaden." Wenn man alle die schönen Redensarten von„Gottes Gnaden", „Heldengcfchlecht",„legitimer Abstammung":c. hört und liest, so sollte man meinen, die Abstammung der Könige und Fürsten, die Reinheit ihres Blutes und Rechtmäßigkeit ihrer Geburt sei über jeden Zweifel erhaben. Sieht man sich die Sache jedoch etwas näher an, so erweist sich diese Reinheit der„erlauchten" Geschlechter als derselbe blaue Dunst, aus welchem der ganze mystische Nimbus besteht, mit dem sich die Monarchie zu umgeben liebt. Betrachten wir uns z. B. einmal die Borfahren„unseres Fritz" von mütterlicher Seite etwas näher, so brauchen wir gar nicht weit zurück- zugchen, um aus die absonderlichsten Dinge zu stoßen, die ein bedenkliches Licht auf die reinliche Abstammung des vielgeliebten preußischen Krön- Prinzen werfen. Wir wollen uns hier gleich dagegen verwahre», als ob wir ein beson- deres Gewicht aus diese Dinge legten; wir meinen aber, daß es Leuten gegenüber, wie der zukitiistige Heldenfritz oder seine aus ihren Stamm- bäum angeblich so stolze Mutter sehr gut ist, wenn mau sie einmal an ihre gottbegnadete Abstammung erinnert. Auch hoffen wir zuversichtlich, daß es ein Scherslein zur Steigerung des Autoritätssinnes beiträgt, wenn dieser. oder jener erfährt, wie es eigentlich mit der näheren Berwandtschast der erlauchten Häupter Deutsch- lands aussieht. Doch zur Sache. Von 1689—1725 regierte in Rußland Peter I., der sogenanute Große. Derselbe hatte eine rechtmäßige Frau, hielt sich nebenbei jedoch eine Mätresse, die Tochter eines leibeigenen Bauern. Von dieser wurde ihm zu Lebzeiten seiner rechtmäßigen Frau eine Tochter geboren, die also ein uneheliches oder auf gut deutsch ein Hurenkind war. Diese Tochter hcirathete später der Herzog von H o l st e i n- G o t t o r p, ihr Sohn war Peter III., der im Jahre 1762 de» russischen Thron bestieg. Kaum jedoch hatte er einige Monate regiert, als er von seiner eigenen Frau, einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Zerbst, entthrout und dann auf ihren Befehl im Gefängniß ermordet wurde. Diese Gattenmörderin war die berüchtigte Katharina II., die dann über gy Jahre Rußland regierte. Sie chatte im Lause dieser Zeit mehrere Hundert„Liebhaber", in der Regel ein halbes Dutzend gleichzeitig, war also eine der größten Lust- dirnen, die je existirt haben. Der Dichter Byron sagt von ihr: Zwei Welten künden ihres Ruhmes Spuren, Die größte aller Fürstinnen und Huren. Der Sohn dieser edlen Dame, desseu eheliche»ach alledem mehr als zweifelhaft ist, war der russische Kaffer P L Er war während seiner Regierung vollständig wahnsinnig, d. h. wahnsinniger noch, als es Königen ohnehin gestattet ist, ohne daß man sie in« Irrenhaus sperrt. Auch er wurde im Jahre 1891 ermordet, unter direkter Mit- Wissenschaft seines Sohnes, Alexander I. Von diesem Huren-Gattenmörder- und Batermördergeschlecht»un stammt„unser Fritz" durch.'»«« WßhgFrau Mutter in direkter Linie ab, und nicht nur er, sonder» auch noch eine ganze Reihe anderer deutscher und ausländischer Fürsten, als da sind: der Kaiser von Rußland, der regierende König der Niederlande, die regierenden Großherzoge von Mecklenburg- Schwerin und Sachseu-Weimar, der Herzog von Sachsen- Altenburg, Prinz Friedrich Karl von Preußen, die Königin von Württem- berg, die Großherzogin von Baden-c. ic. Rekapituliren wir also kurz diese erlauchte Ahneureihe„unseres Fritz", so ergibt fich folgende reinliche und liebliche Verwandtschast: Seine Ahnsrau war Katharina I., die Tochter eine« Leibeignen und Mätresse Peters de« Großen, seine Ureltermutter war die unehelich geborene Anna, sein Eltervaler, Peter III., wurde von seiner eigenen Frau ermordet, seine Elternmutter, eben diese Frau, war Gattenmörderin und Liebhaberin mehrer hundert Männer, sein Urgroßvater Paul I. war höchstwahrscheinlich unehelich erzeugt, war blödfinnig und wurde von dem eigenen Sohn ermordet, sein Großoheim, Alexander I., war Vater- mörder, sein zweiter Großoheim Nirolaus I. wurde höchstwahrscheinlich von seinem eigenen Sohn, dem„milden Zar" Alexander II., vergistet. Eine Tochter des wahnsinnigen Paul I. heiralhete dann den Großherzog von Weimar, und ihre Tochter ist A u g u st a, deutsche Kaiserin und Mutter des deutschen Kronprinzen. Das sind, an« dem Gröbsten betrachtet, die nächste» Borfahren unseres Fritz und einer ganzen Anzahl regierender Fürsten. Wir gratuliren zu der ehrcnwerthen Berwandtschast! Alle diese Leute sind natürlich„von Gottes Gnaden", wobei wir nur den Geschmack des lieben Gottes bewundern müssen, der indeß seil alten Zeiten historisch konstatirt werde» kann. Schon seine Erzlieblinge im alten Testament, ein Abraham, Jakob, David, Salomo sc. waren ja bekanntlich, was Morden und Ehebrechen anbetrifft, große Helden, und Christus, sein eingeborener Sohn, zählt ja, von seiner Jungfrau Mutter ganz abgesehen, unter seinen Ahnsrauen drei Huren(Rahab, Rutb und Bathseba). Der Geschmack des Herrgotts ist also nur konsequent geblieben, wie das von ihm bei seiner UnVeränderlichkeit ja auch nicht ander« zu erwarten war. Uebrigens ist es durchaus natürlich, daß unsere Herren Landesväter so wenig beneidenswerthe Familienverhältnisse haben. Ein Mensch au« einer anständigen Familie würde sich ja auch im 19. Jahrhundert schwerlich zum Repräsentanten einer so nichtsnutzigen miferabeln Einrichtung hergeben, wie die Monarchie es ist. Dazu gehören eben Leute au« anrüchigen Familien, wie das auch die ganze Weltgeschichte beweist. Alles das hat indeß wenig zu bedeuten, so lange das deutsche Volk mit seinen„erlauchten Heldengeschlechtern" zufrieden ist. Der Tausendste allerding« kennt wohl kaum die ehrwürdigen Vorfahren seiner verschiedenen Landesväter, und darum haben wir uns der loyalen Aus- gäbe unterzogen, diese Heldenreihe der„bewährten monarchische» Ge- sinnung" des deutschen Michels einmal vor die Augen zu führen. Möchte unser Bemühe», wie gesagt, ein Scherflein dazu beitragen, diese monarchische Gesinnung im Besonderen und den Autoritätssinn im Allgemeinen zu kräftigen und zu vermehren, damit sich die deutschen Landesväter vor der allzugroßen Liebe ihrer Unterthanen nicht mehr durch so kostbare stehende Heere zu schützen brauchen. Catilrnn. Aus der Rede des Abgeordneten Kayser Uber den liöeralen Kaftpfficht-Hesetz-Kntwnrf.*) Gehalten am IS. Januar 1882. (Nach dem amtlichen stenographischen Bericht.) —— Wir, als Arbeiterpartei,— wir sind gestern von dem Herrn Abgeordneten Lasker so geschildert worden, daß wir als Arbeiterpartei nur einseitige Interessen vertreten �— wir können uns nur freuen, wenn wir diese Rivalität um den armen Mann sehen, wenn wir sehen, wie von rechts und links am armen Mann gezerrt wird, um ihn zu sich herüberzuziehen. Aber das muß ich sagen, daß bis heute sUr den armen Mann nicht viel Nutzen herausgekommen ist. Wir sehen nämlich den bedauerlichen Zustand, daß die Frage des Arbeilerwohl« mitunter eine Frage der parlamentarischen Taktik wird, der Untergrund sUr die Machtbestrebungen der Parteien, zur Regierung zu gelangen. Es kommt uns mitunter so vor— wir haben wenigstens die Empfindung als seien die Arbeiter nicht Selbstzweck, sonder» nur Mittel zum Zweck, und deshalb haben wir schon wiederholt gesagt, daß ans parlamentarischem Wege nicht viel herausspringt, sondern— wie das mein Parteifreund Ritting- Hausen schon seit Jahrzehnten hervorragend vertritt— daß es fiir den Arbeiter einer direkten Volksgesetzgebung bedarf, soll wirk- lich seinen Interessen entsprochen werden.——— ——— Wir sehen heute die sogenannte große liberale Partei mit einem sozialen Reformwerk austreten, und ich muß sage», ich habe auch da die Empfindung, daß es weiter nichts als eine Paradestllck ist. ein Ausmarschiren aller drei„Abtheilungen" der sogenannten großen liberalen Partei. Hat uns doch der Abgeordnete Buhl gestern gesagt, daß er nicht mit der anderen Seite Übereinstimme in der Verpflichtung im einzelnen Fall, dag er gerade in Bezug aus die Verschuldung des Arbeiter»— bei einer Begriflsfeststellung, die von außerordentlicher Wichtigkeit dafür ist, ob der Arbeiter bei einer Verunglückung etwas erhält oder nicht—, indem er dem Arbeiter die Verschuldung ausladen will, sich trennt von dem übrigen Theil; und so glaube ich, wenn der Ausmarsch vorüber, die Parade zu Ende ist, daß dann wohl auch wieder der Zwiespalt der Interessen ausbrechen wird. Und dieser Zwiespalt wird gerade in Bezug ans die Einzelverpflichtungen eintreten, so daß zu befürchten steht, daß, käme der Entwurf zur wirklichen Behandlung, der im Entwurf vor- handene Nutzen au« dem Entwürfe alsdann jedensalls entfernt werden diirste. Meiner Freude muß ich dann Ausdruck geben, wenn ich sehe, wie jetzt bei der Regierung sowohl wie bei allen Parteien der Geist Lassa lle's eingezogen ist, auch bei dem Abgeordneten Lasker. Er hat zwar gestern gesagt, er stehe immer nur ans dem Standpunkt der Selbsthilfe. Der Standpunkt der reinen individuellen Selbsthilfe ist aber in dem Augenblick verlassen, wo man sagt � wir können das freie Ver- tragsübereinko m in enz wische» Versicherungsgesell- schaften und Versicherten nicht allein gelten lassen; der Staat muß Ordnung«- und Zwangsmittel für die Bersichcrungs- gesellschaften feststellen, damit auch der Arbeiter gesichert wird. Das ist immerhin ein Ansang zum Besseren, und ich glaube, wenn man die Nothwendigkeit der Staatshilje aus der einen Seite bei einem bestimmten Nothstand anerkennt, man auch bei dem allgemeinen Nothstand, welcher herrscht, immer mehr die Neigung zeigen wird, mit Hilfe der Staats- organisation die sozialen Beziehungen zu bessern. Wir können aber auch für uns den Ruhm in Anspruch nehmen, daß es ein Ersatz unserer vorhergegangenen politischen Arbeit war, wenn heule ein großer Theil der Arbeiter selb st bewußt austritt, mit bestimmten Anforderungen an die Gesellschaft hervortritt, und man deshalb glaubt seitens der Re- gierung, diese Forderungen nicht ganz unberücksichtigt lassen zu können, iind ihnen eine sogenannte„christliche" Rücksicht angedeihen läßt. Eni- schieden muß ich die gestrige Aeußerung des Herrn Abg. Dr. Hirsch für falsch erklären, als ob die Arbeiter irgend etwas, was Beschluß der Gesetzgebung wäre, wo ihnen eine Unterstützung mit Hilfe des Staate» und aus Staatsmitteln gesichert werden soll, als Almosen ansehen könnten. So wenig wie man die Pensionen der gewesenen Staatsminister, die Pensionen anderer hoher Beamten sür Almosen ansieht, so wenig ist irgend etwas, was der verunglückte Arbeiter nach gethaner Arbeiter empfängt, als Almosen anzusehen, noch je von ihm angesehen worden. - ,. r(Sehr richtig! links.) Meine Herr.-.,, wenn ich nun von dieser allgemeinen Einleitung über- gehe zu dem Entwürfe selbst, so muß ich zunächst sagen, daß wir auf dem Standpunkte der Rcichsversicherung stehen. Wir können un« mit dem Prinzip der Privatversicherung, das die Vorlage der Liberalen ausspricht, nicht eillverstanden erklären aus einem ähnlichen Grunde, wie ihn auch der Herr Ackermann angeführt hat. Nach unserer Auf- fassung soll man nämlich am Unglück des N e b e n m en s ch e n nicht« verdienen, und daß die Versicherungsgesellschastcn doch Gewinn machen wollen, daß das indem ganzen liberalen, individualistischen Prinzip liegt, daß man n n r aus Nutzen und Gewinn irgend welchen Betrieb über- nimmt, steht unbedingt fest. (Sehr richtig! rechts.) —— Was nun die Rente anlaugt, so hat Herr Lasker gesagt: ja, wir geben deshalb keinen vollen Ersatz, damit das die Entschädigung sür den Arbeitgeber ist, weil er allein die Prämie zahlt. Da« richtige Prinzip besteht doch darin, daß der völlig erwerbsunfähig Gewordene— und viele Kategorien hatten einen solchen Anspruch nach dem jetzigen Haft- pflichtgesctz— den vollen Arbeitsverdienst als Entschädigung erhält. In den Motiven zum vorjährigen Regierungsentwurf ist gesagt wor- den: ja, der Staatsbeamte u. s. w. bekommt nicht das an Pension, was er sonst an Gehalt bekommen habe, selbst wenn er völlig erwerbsunfähig wäre. Nun liegt aber die Sache so, daß selbst die Motive zum vorjährigen Regierungsentwurs e« ausgesprochen haben, daß eine große Anzahl Arbeiter aus dem äußersten Lebensniveau stehen, so daß jede Verringe- rung des Erwerbes sie der absoluten Nothlage aussetzt. Da« war wört- lich so in den Motiven, und es wurde als Christenpflicht erklärt, daß man das nicht zulassen dürfe. Nun würden aber alle die Arbeiter, die bei dem vollen Arbeitsverdienst auf dieser Grenze stehen, und 66'/, Pro- zenl ihre« früheren Verdienstes bekommen, in eine völlige Nothlage ge- rathen und die Armenpflege würde hier eingreifen müssen. Ich will nicht zu ausführlich sein, ich will mich nur dagegen aus- sprechen, daß bei einer Wittwe mit vielen Kindern eine Beschränkung eintrete, wie sie dieser Entwurf in Uebereinstimmung mit der Regierungs- vorläge de« vorigen Jahres hergestellt hat. Diese ganzen Abschnitte sind einfach dem vorjährigen Regierungsentwurs wörtlich entnommen, und e« sind diejenigen, die gerade unsere Opposition zu dem vorjährigen Regie- rungsentwurs begründet haben, weil sie den Arbeiter, der jevt unter dem Hastpflichtgesetz steht, absolut beuachtheiligen, weil er den Anspruch, die verringerte Erwerbssähigkeil völlig ersetzt zu erhalte», verliert, und von nun an sein gewesener Verdienst um bedeutende Prozente v e r r i n- g e r t wird. Es ist dann als eine vortheilhafte Neuerung de« Entwurfes anzusehen, daß der böse Vorsatz de« Unternehmer« besonders bestraft wird dadurch, daß der Unternehmer nachher den vollen Ersatz für den verlorenen Lohn zu leisten hat. Meine Herren, wenn wir weiterhin uns ansehen, in welcher Form das Gesetz Sicherung schafft, so muß ich mit dem Herrn Geheimen Regie- rungsrath Lohmann darin übereinsiimmen, daß eigentlich nichts Bestimmtes festgesetzt ist, und die sachlichen Einwendungen, welche gestern der Herr Geheimrath Lohmann gemacht hat, waren so ausführlich und gründlich, daß man dazu nicht viel hinzufügen kann. Ich muß sagen, daß der Entwurf durchaus unfertig, alles dem Bundesrath Überlassen ist. Wir wissen nicht, in welcher Weise diese Regelung später geschehen soll, und wir vergessen ganz, daß, wenn die Veiordnungen dem Bundes- rath überlassen bleiben und erst später in das Gesetz kommen sollen, wir dann durch diese Verordnungen des Bundesrathes gebunden sind, weil, wenn einmal solche Versicherungsgesellschaften sich vereinbart haben mit *) Da der dem„Volkswirthschastsrath" zugegangene Entwurf auch die Unfallversicherung wieder zur Sprache bringt und die Liberalen selbst- verständlich mit großem Geschrei darüber hersallen und sich aus die Brust klopfen werden: Seht, wir Wilden sind doch bessere Menschen, so sehen wir uns veranlaßt, noch nachträglich die Rede unseres Genossen Kayser über das Machwerk der Liberalen zum Abdruck zu bringen. Wir dürfen Niemand zu kurz kommen lassen. den Unternehmern, nachher nicht durch ein Gesetz diese ganze Vereinbar- ung aufgehoben werden kann; denn es würde sonst eine zu große Per- wirrung entstehen. Bei dieser Gelegenheit ist von Herrn Lasker daraus hingewiesen worden, daß eine Art von Privatverficherung geschehen könne durch Fabrik- k a f s e n. Ich weiß nicht, wie er sich das eigentlich denkt, denn Fabrik- lassen— und von den Dingen verstehen wir etwa«— find doch so ein- gerichtet, daß nicht der Arbeiter sie in Händen hat, sondern umgekehrt der Fabrikant, ja daß dieser einen Gewinn für sich findet, daß er dem Arbeiter Arbeitsabzüge macht und in seine Kasse, als Fabrikkasse, legt. Alle Arten von Fabrikkassen find in der Hand des Fabrikunternehmer», und wodurch er Sicherheit bestellt, ist mir nicht recht klar; er zahlt nur an sich selbst und wird höchstens in seinem Geldschrank eine Extraabthei- lung machen mit der Auffchrist: Geld für Unglücksfälle, die in meiner Fabrik entstehen werden. (Heiterkeit rechts.) Dann ist auch auf die K n a p p s ch a s t« k a s s e n verwiesen worden. Da muß ich sagen, daß die Erfahrung, die wir in Sachsen mit den Knappschaftskassen gemacht haben, dieselben, trotz des Widerspruches des Herrn Abgeordneten Ackermann, nicht günstig erscheinen lassen, um diese Art Kassen als Grundlage etwa einer solchen Selbstverficherung anzusehen. Ich kann ja heute nicht auführlich aus diesen Gegenstand zurückkommen, aber ansühren kann ich, was der Herr Abgeordnete Ackermann trotz alles Sträubens zugestehen mußte, daß die früher schon hohen Prämien noch erhöht und die Jnvalidenunterstützungen erniedrigt worden sind, wie auch die neuen. Wir haben wiederholt es in Sachsen erlebt, Kassen zu haben, die bei größeren Unglücksfällen zahlungsunfähig wurden. (Widerspruch des Abgeordneten Ackermann.» Ich weiß, daß in dem Wahlbezirke, den der Herr Abgeordnete Acker- mann vertritt, die Knappschaftskassen in einem besseren Zustande sind, wenigstens sind von dort nicht so große Klagen an uns gekommen. Aber in Freiberg, in Zwickau sind über die Knappschaftskassen ganz bedeutende Klagen erhoben worden; bei großen Unglücksfällen ging stets der Klingel- beute! herum, und überall schaffen sie eine große Bevormundung des Arbeiters. Jetzt hat iijt sächsischen Landtag eine Erörterung über die KnappschastSkaffen stattgefunden, und der sächsische Justizminister Herr von Nostiz-Wallwitz hat sich schließlich zu dem Zugeständniß genölhigt gesehen, von den sozialdemokratischen Abgeordneten Lieb- knecht uud Bebel die Einbringung eine« Gesetzentwurf« über die Knappschaftskassen zu verlangen, welchem Verlangen diese auch entsprochen haben. Aber eine Zeitlang hat man ruhig einen Roth- stand existiren lassen aus diesem Gebiet, und erst nach vielen Angriffen durch die Sozialdemokratie dagegen wird in Sachsen unter der ange- rusenen Mithilfe der Sozialdemokraten, indem ihnen der Minister die Funktionen von Geheimräthen vindizirt (Heiterkeit) ein Gesetzentwurf vielleicht zu Stande kommen, welcher die Uebelstände mildert. Sozialpolitische Rundschau. Z Ü r i ch. 8. März 1882. — Attentate und„Attentate". Am 13. März ist der Jahrestag der Hinrichtung Alexander'« des Zweiten von Rußland. Welch' ein Unterschied zwischen diesem Attentat und dem jüngst stattgehabten auf die Königin Viktoria! Welch' ein Jubel in allen freiheitlich gesinnten Kreisen, als die Nachricht eintraf, daß die Erde einen Tyrannen weniger zählt— welche Indifferenz gegenüber dem Pistolenschuß von Windsor! Höher schlug das Herz, al« die Namen der kühnen Bombenwerser und ihrer Freunde bekannt wurden! Man drückte den Braven, die ihr Leben sür die Wohlfahrt ihres Volkes, für die Sache de« Fortschrittes kühn preisgegeben, im Geiste warm die Hand, mit Ehrfurcht gedachte man ihrer— für den„Attentäter" Mac Lea» hat außer den gewerbsmäßigen Neuigkeitsjägern Niemand Interesse— mit einem Worte, die Thal am Katharinenkanal war ein Akt von weltgeschichtlicher Bedeutung— das „Attentat" vom 2. März d. I. gehört von Rechtswegen unter die Rubrik Vermischtes. So„entrüstet" die englischen Zeitungen auch über die übrigens noch sehr zweifelhaften Versuche, sie ihrer„graciems" Mrs. Brown zu be- rauben, sind, daran denkt keine einzige, das„abscheuliche" Verbrechen zu frnktifiziren, wie e« auch der englischen Regierung in keiner Weise ein- gefallen ist, durch mysteriöse Andentungen Stimmung zu machen. Die Untersuchung ist eingeleitet und geht ihren Gang, und da« politische Leben wird in keiner Weise davon berührt. Wie ander« wäre da« in Deutschland gemacht worden I Da äugen- blicklich die Fortschrittspartei dem Kanzler einige Schmerzen verursacht, und jeder Hieb auf diese auch die gesammte weiter links stehende Oppo- sition mittreffen würde, so hätte sich unbedingt irgend ein Zusammenhang des„Attentäters" mit der Fortschrittspartei herausgefunden. Eine in die„Parlamentarische Korrespondenz" eingewickelte Blutwurst hätte ge- nügt, den Zusammenhang des Verbrechers mit den„fortschrittlichen Nihilisten" zu konstatiren. Irgend ein„königstreuer deutscher Mann" hätte sich erinnert, den Missethäter in einer Versammlung, wo Virchow sprach, gesehen zu haben, wo er— schon ein gravirendes Moment!— nicht geschlasen habe. Und Pindter, der Norddeutsche, hätte sich hingesetzt und geschrieben: „Die Verwilderung der Moral, welche Hand in Hand geht mit der Emanzipation der Massen von den ewigen Grundlagen aller zeitlichen Ordnung, hat wie- derum ein Abscheu erregende« Lebenszeichen von sich gegeben" u. s. w., u. s. w., worauf da« übliche Schimpfen auf die verderblichen Volks freiheiten gefolgt wäre. Glaubt Ihr das etwa nicht? Nun dxim, den obigen Satz h a t Pindter verübt, und er hat zur „Fruktifikation" des Attentates des Weiteren losgelegt, wie folgt: „Ans England, der klassischen Heimstatt moderner VolkSfreiheiten, kommt die Nachricht von einem wider die geheiligte Person der Souverainin verübten Mordanfalle, der, Dank dem Walten der göttlichen Vorsehung, sein erhabene» Ziel zwar verfehlt hat, aber aufs Neue erkennen läßt, daß den glän- zenden Lichtseiten unserer Zivilisation noch ungleich schwärzere Schatten gegenüberstehen." Die edle Absicht leuchtet au« jeder Zeile heraus, und wenn sie dem großen Kanzler zum Verdruß diesmal nicht in Erfüllung geht, so ist die« nur dem Umstand zuzuschreiben, daß die beschränkten Engländer für so„geniale" politische Kampsmittel kein Verständniß haben. — Wenn zwei Spitzbuben sich zanken. Die„Norddeutsche Allgemeine" ist seit einiger Zeit sehr ungnädig auf ihre Spießgesellen von ehedem, die russischen Panslavisten, zu sprechen. Dabei entfahren dem edlen Blatt kostbare Geständnisse. Der„Moskauer Telegraph" hatte anläßlich Stobelew'S Rede geschrieben: „Die Rede des Generals Ikobelew enthält nicht« Wunderbares, nicht« TadelnSwerthes. Er hat nur das ausgesprochen, was er fühlt und was Millionen verschweigen"— worauf die„Norddeutsche" giftig aber treffend erwidert: „Dazu möchten wir bemerken, daß wenn man in Rußland von Millionen Menschen spricht, zunächst an die Bauern zu denken ist, welche die Lasten des letzten Krieges getragen haben und sich nicht bereichern konnten, wie es in der allgemeinen Kalamität nur den Lieferanten, Journalisten und Jntendantur-Beamteu gelang." Wie gesagt, sehr richtig, und nicht nur für Rußland. Es sind zwar nicht immer n u r die Lieseranten, Journalisten und Jntendantur-Beamten, welche sich durch den Krieg bereichern, wie das Organ des jetzt nahezu vierzigsachen Millionär« Bismarck wissen muß, dagegen sind es stet« die großen Massen de« Volke«, da« ländliche und städtische Proletariat, welches alle Lasten des Kriege« zu tragen haben, ohne die eventuellen Vorcheile zu genießen. Diese sacken, je nach den lokalen Verhältnissen, immer Andere ein; gewöhnlich, wie die„Norddeutsche Allgemeine" sehr richtig bemerkt, die Lieferanten, Jntendantur-Beamten und deren hohe nnd allerhöchste Komplizen. — Preußisch-deuts che Sozialresorm. Eine höchst lehr- reiche Aufklärung über dieses mit so großem Pomp ansgeschriene Bis- marck'sche Wunderkind liefert der in den Motiven zum Tabaksmonopol veröffentlichte Voranschlag über die voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben der Tabaksmonopol-Verwaltung. Wir finden da unter den Ausgaben: General-Direktion Mk. 385,000 Fabrik-Magazin-Berwallung„ 2,314,000 Arbeitslöhne: für 81,000 Arbeiter durchschnittlich 577 Mk.„ 46,737,000 .. 1000 Arbeiter durchschnittlich 1200 Mk.„ 1,200,000 Das sind Alles in Allem für Arbeiter sc. Löhne Mk. 50,636,000. Der Reinertrag des Monopol» soll nach Abzug der Zinsen des Anlage-, Betriebs, Entschädigung»- und Amortisationskapitals: Mk. 165,487,907 ergeben. Die Arbeitslöhne, inklusive der Gehalte der„höheren" Beamten, machen somit noch nicht den vierten Theil de« Reinertrage» aus. Die übergroße Masse der Arbeiter wird mit einem Durchschnittseinkommen von577Marr, das heißt von 1 Mark 60 Pfennigen pro Tag abgespeist, damit die Gemeinde- und Kreisverbände in den Stand gesetzt werden, die Grund-, Gebäude- steuer herabzusetzen, mit anderen Worten den befitzenden Klassen Steuererleichterungen zu gewähren. Ein kleines Restchen wird zu den Reichszuschüffen für die Arbeiter- Unfallversicherung verwendet werden. Und das ist die ganze„wohlthätige Fürsorge" ve« preußischen Reiche« deutscher Nation für die Invaliden der Arbeit. Den Tabakarbeitern wird der letzte Bluts- tropfen ausgepreßt und vom Ertrage— nein von dem Raube ein Theilchen großmüthigst als„Geschenk" hingeworfen. Mit Scheffeln gestohlen, mit Löffeln gegeben, das ist die deutsche Uebersetzung des hohenzollern'schen Suum ouigue. Und auf diesen— christlichen Handel, bildet man sich ein, werden die deutschen Arbeiter hineinfallen! Schon diese Zumuthung ist eine Infamie! — Aus Berlin wird uns geschrieben: Aujust, du jammerst mir! möchte man den biederen Seelen im„Volkswirthschastsrath" zu- rufen, wenn man die Berathungen des Tabaksmonopols von Seiten dieser erleuchteten Körperschaft zu lesen bekommt. Eine elendere, hilflosere Rolle als die Bismarckischen Marionetten dort spielen, ist gar nicht denkbar. Am possirlichsten sind natürlich die Kapriolen derer, welche nicht nach der Schnur tanzen wollen, aber durch ihr krampfhaftes Sträuben dem Parade- marsch der wohlabgerichteten Mehrheit nur als Folie dienen. Ja, ich habe doch Bedenken wegen der Verwendung der Erträgnisse, wirst schüchtern ein liberalisirender„Rath der Voliswirthschast" ein.— Mach' dir darüber keine Sorgen, lieber Freund, weist ihn Herr M a y r freundlich zurecht, das Geld wird gebraucht, wozu, das geht dich gar nichts an, du hast der Regierung nur vorzuschlagen, wie es am bequemsten durch Mehrbelastung des Tabak« beschafft wird. Könnte man denn nicht lieber den Spiritus mehr heranziehen? ruft ein Tabaksfabrikant vom Rhein wehmüthig aus. O, lieber Freund, fertigt ihn Mayr vorwurfsvoll ab, du erinnerst mich an das verwerfliche Sprichwort: Heiliger St. Florian, beschütz mein Haus, zünd andere an. Uebrigens sei unbesorgt, der Spiritus kommt auch noch an die Reihe. Und so theilt der biedere Schwabe Jedem eine Gabe au«, Dem Ver- sprechungen, Jenem Hohn. Köstlich ist auch die Abfertigung de«„Rathes" Kochhann, der eine Lanze sür die zum Ruin gebrachten Zwischenhändler einlegte. Für Viele derselben, meinte der neugebackene Unterfiaatssekretär, wäre es am Besteu, wenn sie eine Schaufel zur Hand nehmen und Kanäle graben würden. Diesen menschenfreundlichen Rath werden zpir nn« merken, wenn wir einmal in die Lage kommen werden, verschiedene heute höchst überflüssige Posten abzuschaffen und ihre Inhaber versorgen zu müssen. Dank, Mayr, der du un« da« Wort gelehrt! Für die Arbeiter versuchte der Gewerkvereinler Kamieu eine Lanze einzulegen, da er indeß die manchesterliche Rosinante„der Staat darf keine Industrie betreiben" ritt, so wurde auch er mit Grazie aus den Sand gesetzt. Die„Norddeutsche" aber ist von dem Volkswirthschastsrath, der seine jämmerliche Rolle mit so überaus edler Grandezza spielt, ganz entzückt. Er hat's redlich verdient! — Immer besser. Auch ein neues Unfallversichcrungs- g e s e tz ist dem BiSmarck'schen„Volkswirthschastsrath" zur Begutachtung zugegangen. Da« Ding weist einen erheblichen Borzug gegen die� früher» Entwürfe auf: die armen Fabrikanten kommen bedeutend besser fort, und auch des heiligen Reiches Mittel werden erfreulichst im Interesse anderer Kulturzwecke, al« da sind Krupp'sche Kanonen, Torpedoboote-c., geschont: an« der 4 wöchentlichen Karrenzzeit ist eine 13 wöchentliche geworden. Für die ersten 13 Wochen fällt der verunglückte Arbeiter den obligatorischen Krankenkassen zur Last, zu denen die Arbeiter zwei Drittel, die Unternehmer ein Drittel beisteuern, letzteres auch nur dann obligatorisch, wenn in ihren Betrieben Dampfkessel oder durch elementare Kraft bewegte Triebkräste zur Verwendung kommen.(Die Bauunternehmer also nicht.) Da« wären vorläufig so die Hauptschönheiten des„arbeiterfreundlichen" Entwurfes, de« großen„Resormwerkes". Und damit dieser Wechselbalg in'« Leben gefetzt werden, damit die Haftpflicht zum großen Theil auf die Arbeiter abgewälzt werden kann, sollen diese dem Bismarckischen Reiche, welche« sie rechtlos gemacht hat, eine Einnahme von über 160 Millionen au« dem Tabaksmonopol bewilligen, von denen höchstens ein ganz verschwindender Brnchtheil zum„Erbtheil der Enterbten" verwendet werden soll, wie der Unterstaatssekretär Mayer im Volks- wirthschaflsrath mit zynischer Offenheit konstatirt hat, und wie au» dem obigen Entwurf bis zur Evidenz hervorgeht. Wenn Herr Adolph Wagner noch einen Funken von Ehrgefühl im Leibe hat, so muß er jetzt mit dem offenen Geständniß: man hat mich zum Besten gehabt! von der Bühne verduften, denn einen schamloserenHumbug, als das durch ihn in den Wahlkampf geworfene Versprechen, das Tabaksmonopol soll das Patrimonium der Enterbten werden, gibt es sobald nicht wieder. — Au» dem nationalen Zuchthau«. Gegen die drei Unter- zeichner de« bekannten Leipziger Flugblattes über den Belagerungszustand ist nachträglich noch die Anklage aus Beleidigung undBerleum- dung de« Bundesrathes erhoben worden. Ob aus Grund an- derer Flugblätter noch besonders gegen Bebel Anklage auf Beleidigung des Bundesrathes erhoben ist, wissen wir nicht. Vorläufig sind unsere Mittheilungen in der vorigen Nummer also wie folgt zu berichtigen: H a s e n c l e v e r ein§ 131- Vergehen und eine Bundesrathsbeleidigung (beides hervorgegangen au» dem Leipziger Flugblatt), Liebknecht zwei § 131- Bergehen, eine Bismarck-, eine Bundesraths' und eine Polizei- beleidigung; Bebel drei§ 131- Vergehen, 1 Bundesraths, nnd eine Majestätsbeleidigung. In Großenhain sollte vergangene Woche eine Volksversammlung zur Besprechung des Tabaksmonopol« abgehallen werden; als Referent war Liebknecht ausersehen. Au» der Versammlung wurde jedoch nicht», wie aus nachstehendem amtlichen Protokoll erhellt: „Rathhaus Großenhain, am 16. Februar 1882. An Kanzlcistelle er- schien heule Herr Zigarrenarbeiter Hermann Kunze von hier und gab zur Erläuterung der von ihm mitunterzeichneten Anzeige(einer Bolksversamm- lung) auf Befragen zu vernehmen, daß in der beabsichtigten Versamm- lung Herr Reich«, und Landtagsabgeordneter Liebknecht al« Vortrag- erstatter(sie) auftreten werde. Auf eingeholte direklorielle Beschlußfassung de« Herrn Bürgermeisters Herrmann wurde daraus der Erschienene beschieden, „„daß unter so bewandten Umständen die beabsichtigte össent» liche Versammlung polizeilich nicht gestattet werde, weil bei der bekannten hervorragenden Thätigkeit de« in Ausficht genommenen Bortragerstatters(sie) bei den gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, die ja auch seine Ausweisung ans Leipzig zur Folge gehabt habe, die Annahme gerechtfertigt erscheine, daß von demselben die Versammlung zur Förderung sozialdemokratischer, sozialistischer und kommunistischer, auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichteter Bestrebungen werde benutzt werden, „„und daß nach§ 4, Absatz 2 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Ok- tober 1878 derartige Versammlungen zu verbieten seien"»c.:c. „Ter Erschienene bat um Zustellung einer Abschrift dieser Nieder- schrist und bemerkte, daß die hiesigen Zigarrenarbeiter ein lebhafte« In- teresse an der Frage des Tabaksmonopols, das möglicherweise ihre Existenz gefährde, hätten und deshalb über diese Angelegenheit sich genau zu unterrichten wünschten. Sie hätten sich, da sie einen eigenen Referenten in ihrer Mitte nicht hätten, deshalb an Herrn Liebknecht gewendet, weil dieser Gegner des Monopols sei. Es werde daher darauf Bedacht ge- nommen werden, die beabsichttgte Versammlung etwa acht Tage später abzuhalten, und werde für solche einen andern Vortragerstatter(sie) zu gewinnen suchen. „Vorgelesen, genehmigt und Hermann Kunze mitunlerzeichnet. Stadtsekretär K u n a t h, v. Protok." Welch letztere adelig aussehende Unterschrift eine Abkürzung sein soll für„verpflichteter(oder vereidigter) Protokollant". Privatim wurde Kunze bedeutet:„Jeder Referent ist uns recht, nur nicht Liebknecht und Bebel." Es scheinen indeß auch noch Andere nicht„recht" gewesen zu sein, wenigstens ist bis dato die beabsichtigte Versammlung noch nicht zu Stande gekommen. Man sieht aus diesem Borgang, der die deutsche Polizeiwirthschast so hübsch kennzeichnet, daß es deu deutschen Zigarrenarbeitern, die beim Tabaksmonopol so lebhast interessirt sind, nicht erlaubt ist, diese brennendste der Tagessragen, die in Wahrheit eine L e b e n s s r a g e für sie ist, zu diskutiren. Sie sollen schweigend den Hals unter das Fallbeil de» Bis- marck'schen Monopol-Sozialismus legen. Ein charakteristisches Moment ist noch, daß der Großenhainer Bürger- meister und Gemeinderath vom liberalen Bourgeoisstandpunkt aus Gegner des Tabakmonopols sind, somit, indem sie die Versammlung verboten, gegen sich selber vorgingen. Aber die Angst vor der Sozialdemokratte ist stärker al» die Furcht vor dem Tabaksmonopol. Und darauf dürste Bismarck auch spekuliren. — Paragraph 131. Früher war es der„Haß- und Verachtungs- Paragraph", mit dem man alle mißliebigen Bestrebungen und Personen zu fangen suchte; jetzt ist es der§ 131. Die Herren liberalen Gesetzesmacher, die in früheren Zeiten an sich selber, in corpore vili, die Unannehmlichkeiten de« Haß- und Verachtungsparagraphen erfahren hatten, und für die Zukunft„Garantieen" gegen ähnliche„Mißbräuche" schaffen wollten, glaubten bekanntlich durch Einfügung der Worte:„Thatsacheu", „Staat seinrichtnngeli„ und„wider besseres Wissen" jede Möglichkeit zur Einleitung von„Tendenzprozessen" der alten Schule schlau abgeschnitten zu haben. Diese guten Leutchen und schlechten Musikanten rechneten nicht mit den deutschen Staatsanwälten und Richtern. Mit welcher Leichtigkeit diese zwei Menscheusorten sich über die„Thatsachen", die „StaatSeinrichlungen" und das„bessere Wissen" hinwegzusetzen wußten und wissen, da« haben wir in Dutzenden von Beispielen erlebt; und § 131 ist jetzt seiner Anwendung und seinen Wirkungen nach faktisch in nichts mehr von dem berüchtigten Haß- und Verachtungsparagraphen unterschieden. Er dient genau denselben Zwecken, thut genau dieselben Dienste. Und die„nationale Einheit" des Nationalzuchthause», welches im Jahr 1871 ausgebaut worden ist, bringt es mit sich, daß er sie überall thut, in sämmtlichen„Vaterländern", in Preußen, Sachsen und den übrigen, zu denen auch das Großherzogthum Hessen, vulgo „ D a r m h e s s e n", gehört. Wie in dem Kinderspiele der„Fuchs herumgeht", so geht gegenwärtig der§ 131 herum. Bon anderen Exempeln hier nicht zu reden, ist da in dem großen Darmhessen, und zwar in dessen Haupt- und Residenzstadt D a r m st a d t auf Grund des „8 131" Anklage erhoben worden gegen ein Wahlflugblatt, welche» da« Verbrechen begangen hat, folgenden Passus zu enthalten: „Hunderte braver Familienväter werden ausgewiesen von Hau» und Hof, von Weib und Kind, weil sie nicht, wie die Söldlinge der Reaktion, ihre Gesinnungen je nach Wunsch von Oben ändern, sondern, ihrer Ueberzeugung getreu, immer und immer wieder gegen die Knecht- schast in jeder Gestalt ankämpften, um bessere Zustände herbeizuführen." Die gesperrten Worte sollen einen Verstoß gegen„§ 131" involviren. Nun ist es zwar für jeden mit seinen fünf Sinnen versehenen Menschen klar, daß das„Oben" keine„Staatseinrichlung" ist; daß der Wunsch, wir sollten unsere Gesinnung ändern, vom Standpunkt unserer Feinde ein durchaus berechtigter ist, also den Begriff der„Schmähung", welchen der§ 131 erheischt, unzweifelhaft ausschließt; und daß die Behauptung, unsere Feinde hegten diesen Wunsch, unmöglich„wider besseres Wissen" aufgestellt sein kann, wenn man unsere Feinde nicht für heuchlerische Hallunken hält; allein Richter wie Staatsanwälte haben häufig nicht blos s U n s Sinne, sondern noch einen sechsten Sinn: den Sinn der Servilität und Niedertracht. Und unter solchen Umständen würden wir uns einer großen Unvorsichtigkeit nnd Naivetät schuldig machen, � wenn wir die Ueberzeugung aussprechen wollten, der Staats- aowalt, der diese Anklage ausgetüftelt, werde in's Irrenhaus ge- steckt. Viel wahrscheinlicher ist, daß die biederen Richter, kraft ihres sechsten Sinn«, die Angeklagten zwar nicht in'« Zuchthaus, aber doch in's G e s ä n g n i ß schicken werden. Wozu haben wir Richter in Deutschland? — Der Bourgeois st aat ist sich überall gleich. Im r e p u b l i- konischen Frankreich ein Strike der Kohlenarbeiter. Kurmittel: etliche Bataillone Soldaten. Im kaiserlichen Oesterreich ein Strike der Kohlenarbeiter. Kurmittel: etliche Bataillone Soldaten. Die schönen Bourgeoisseelen finden sich unter republikanischer wie unter monarchischer Verfassung überall den Arbeitern gegenüber in demselben Gedanken:„Pulver und Blei, wenn die Canaille sich nicht»ach unserem Belieben ausbeuten läßt I" Wozu ist der Arbeiter denn anders aus der Welt, als um von dem Herrn Bourgeois ausgebeutet zu werden? — Ein schlauerStaatsretter. Was für gescheidle Leute es doch in der Welt gibt, das ist unglaublich. Jammerschade ist es, wenn so ein kapitale« Genie verkannt wird und in untergeordneter Stel- lung durch'« Leben wandeln muß; vielleicht tragen die folgenden Zeilen dazu bei, einem solchen verkannten Genie eine seinem Scharssinn wür- digere Karriere zu eröffnen. „Ich kam", schreibt uns ein Arbeiter,„mit meinem Reisekollegen, einem Sattler, nach Buttstädt im Weimarischen, wir fanden Abends kein Nachtlager und mußten daher bis zum nächsten Dorfe wandern. Unterwegs begegnete uns ein Gensdarm, der uns auch sofort anhielt nnd unsere Papiere abverlangte, um zu sehen, was wir für Landsleute seien. Nachdem er ermittelt, daß ich ein Preuße, mein Begleiter ein Sachse, sprach er zu mir: Sie müssen mir folgen. Wir marschirten bis zum zweiten Dorf; dort angelangt, meinte der kluge Gesetzeswächter:„So, jetzt können Sie gehen, ich habe Sie blos aus dem Grunde mitgenom- men, weil Ihr Kollege ein Sachse ist. Das sind lauter Sozialdemo- traten, welche die Leute zu allerhand Schlechtigkeiten verführen." Sprach's und schlug sich seitwärts in die Büsche. Ich aber traf am nächsten Morgen natürlich mit dem fürchterlichen Sachsen wieder zusammen, der hell auslachte über diesen vorsündfluthlichen Polizeie— ngel." Unser Freund ist im Jrrthum, der Gensdarm hatte vollständig Recht. So ein böser„Sozialdemokral" kann zehn gute Unterthanen zu„aller- Hand Schlechtigkeiten" auswiegeln. Und so lange die Regierungen nicht dafür sorgen, daß die Arbeiter wieder einzeln arbeiten, einzeln durch's Leben wandeln, so lange werden sie dieser Pest nicht Meister werden, die großen Werkstätten, die Fabriken, die Gruben, das sind die Brut- stätten der kommunistischen Verschwörung. Darum nieder mit der modernen Entwickelnng! — Infame Manöver oder? Um die Knabenerschießungen zu rechtfertigen, veröffentlichen die reaktionären Zeitungen jetzt allerhand Berichte über„Rohheiten der Berliner Straßenjungen" gegenüber Sol- baten. Man könnte sich über die Abnahme der stupiden Anbetung des Militarismus, welche in Preußen den Kindern systematisch eingebläut wird, eigentlich freuen, wenn wir nicht die Verlogenheit der meist im Solde der Polizei stehenden Berliner Zeitungsreporter zum Ueberdruß kennen gelernt hätten. Jedenfalls stehen unsere Gegner vor der Alter- native: Entweder infame Polizeimanöver oder bedenkliches Wackeln! —„Du gut's unschuldig Ding!" Der„Reichsbote", der da Wind hat, wie das Volk über das Tabakmonopol denkt, schreibt seufzend: „Eine Börsensteuervorlage von 100—120 Millionen wäre so populär, daß auch der Reichstag dazu nicht nein sagen könnte. Man begreift nicht, warum der Kanzler hier nicht zugreift, wo das Geld in Massen liegt, und wo eine Abzapfung sehr wohlthätig wirken müßte." Warum der Börse nichts geschieht? O, unschuldiger„Reichsbote", hast du denn nicht erst vor wenigen Tagen gelesen, daß der Reichskanzler, obwohl er so krank war, daß er vor Heiserkeit nicht sprechen konnte, eine Konserenz mit seinem Freunde, dem Herrn Geheimrath„von" Bleichröder, hatte? Seinen Freunden thut ein Bismarck nichts zn Leide, das Herz würde ihm bluten, wenn er sie bluten lassen müßte. Und darum muß der Tabak, oder vielmehr müssen die Tabakarbeiter bluten, denn die können'« vertragen. Und darum, edler Bote des Reiches der Gottesfurcht und frommen Sitte, laß dein Drehen und Winden, das Einem Bauchweh verursachen kann, wenn er verurtheilt ist, es mitanzusehen, und beiß' hinein in den sauren Apfel. Dein großer Kanzler verlangt's, und der Bien muß! — Ein schönes Lob stellt die russische erzpanslavistische„Peters- burger Zeitung" den in Rußland lebenden Deutschen aus.„Ganze Vierteljahrhunderte", ruft sie,„wirthschaften die Deutschen bei uns, wie bei sich zu Hause, sie pflanzten ein oben die deutsche Zwilisation und unten den Nihilismus".-- Die Deutschen al« Väter des Nihilismus— man könnte ordentlich stolz darauf werden. Wenn'« nur nicht an das berühmte„Polen, Juden und Franzosen" erinnerte! „Ausländer, Fremde sind es zumeist, Die unter uns gesät den Geist Der Rebellion. Dergleichen Sünder, Gottlob, sind selten Landeskinder!" —„Lieber ins Zuchthaus, als in die K a fern e", äußerte sich der Soldat I. Pröbstle von Kleinkötz in Bayern zu seiner Umgebung, und damit sein Wunsch auch in Erfüllung gehe, zündete er seinem ehe- maligen Dienstherrn das Haus über dem Kops an. Er erhielt vier Jahre Zuchthaus. Deutschland, Deutschland über Alles! — Vom„milde n" Preußeutönig.„Des König« Majestät", lesen wir in den offiziellen Blättern,„haben Allergnädigst geruht, den Regierungspräsidenten von Wnrmb zu Wiesbaden an Stelle des Oberpräsidentcn Grafen z u E u l e n b u r g zu Kassel zum königlichen Kommissarius für den Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wies- baden zu ernennen." Dieser Wnrmb ist dasselbe Scheusal, welches in seiner Eigenschaft als Polizeipräsident von Berlin die unglückliche Elise Hessel« in brutalster Weise gemißhandelt hat, weil sie sich nicht seiner viehischen Wollust preisgeben wollte. Elise Hessels— man lese nur ihre Broschüre„Franenloos in Preußen"(Bern, E. W. Krebs)— ist um ihr ganzes Lebensglück betrogen, der schändliche Zerstörer desselben aber, der damals nothgedrungen in Berlin abdanken mußte, sitzt— Dank der„Milde" seines König«— ruhig in Amt und Würden und wird bei jeder Gelegenheit„Allergnädigst" ausgezeichnet. Freilich, Wnrmb war jahrelang Polizeipräsident von Berlin und als solcher über die geheimen Abenteuer der hohen nnd höchsten Herrschasten ganz besonders gut unterrichtet. Einem solchen Mann verzeiht man einen kleinen„Fehltritt" gern, nach dem Worte der heiligen Schrift: Richtet nicht aus daß Ihr nicht gerichtet werdet! — Aus Oe st erreich.„Aus dem Lande der Niedertracht und Infamie", schreibt die Budapester„Arbeiter-Wochenchronik",„ist wieder etwas Schönes zu vermelden. Ein Zeitungsblatt, das in dem genannten Lande erscheint, liegt vor uns, die„Zukunft", und wahrlich, es flimmert uns vor den Augen, wenn wir die unzähligen weißen Flecke und„kon- fiszirl" sehen. So hat nicht einmal der Rothstift des tobsüchtigsten Zensors im allernärrischsten Polizeistaat gewüthet, wie der Staatsanwalt bei diesem Blatt. Jede weiße Stelle bezeichnet einen Schandfleck der österreichischen Schandwirthschast, und wenn man in Oesterreich noch erröthen könnte, so müßten die österreichischen Polizeikorporale so oft roth werden, so oft der Passus„k o n s i s z i r t" in der letzten Nummer der„Zukunft" vorkommt." Das wäre nach der„Arbeiterstimme", welche die weißen Stellen ge- zählt hat, netto 29 Mal. Uns ist die betreffende Nummer der„Zukunsl" überhaupt nicht zugegangen. Auch der neueste Nummer der„Wahrheit", des Brünner„Volksfrennd" und des Reichenberger„Arbeitersreund" weisen drastische Beispiele der „Freiheit wie in Oesterreich" aus. Vom„Arbeiterfreund" ist fast die ganze erste Seite in der Farbe der Unschuld erschienen und auch der „Volksfrennd" läßt an„Weisheit" nichts zu wünschen übrig. Der „Wahrheit" hat man ein wissenschaftliches Feuilleton„Die Formen der Ehe im Alterthum" verboten, weil dasselbe„die Einrichtungen der Ehe, speziell der Monogamie, herabzuwürdigen sucht und somit geeignet erscheint, den Thatbestand des Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung zu begründen." Dieser Infamie gegen die Presse steht würdig an der Seite das schuftige Borgehen gegen die streikenden Bergleute von N ü r s ch a n(Böhmen). Jeder Berichterstatter, von dem zu erwarten ist, daß er einigermaßen unparteiisch urtheilt, wird sofort verhastet und poli- zeilich„abgeschoben", die Vertrauensmänner der Arbeiter wurden ver- hastet, die Arbeiter selbst und die mit ibnen sympathisirende Bevölkerung in jeder Weise eingeschüchtert. Alles das hat aber bis jetzt nichts ge- fruchtet, die in schamloser Weise ausgebeuteten Proletarier sind entschlossen, auszuhalten und ihre Forderungen durchzusetzen. Unter diesen Forderun- gen figurirt auch— bezeichnend für das katholisch-sromme Oesterreich— die Beseitigung der Sonntagsarbeit! Während so in Nürschan die fleißigen Hände, welche die Schätze der Erde an das Tageslicht fördern, seiern müssen, um nur die allernoth- dürstigsten Bedingungen einer menschenwürdigen Existenz zu erringen, begräbt in Prohn ein der Gesellschaft Saxonia gehörender, zusammen- stürzender Schacht 40 bei der Arbeit im Dienste des Kapital« begriffene Proletarier. Sicher hätte dieser Unglücksfall vermieden werden können, wenn die Habgier der Kapitalisten es zugelassen hätte, die Sicherheit«- Vorrichtungen entsprechend in Stand zu halten. Aber da» denkt nur an Geldherausschlagen, und wenn darüber eine ganze Generation in Roth nnd Elend verkommen, Tausenden und Abertausenden da« Leben gewalt- sam verkürzt werden sollte. Was kommt es aus ein Arbeiterleben an, das Menschenfleisch ist ja so billig! — Aus Frankreich. Der Streik in B es sog es ist doch schneller beendigt, als es Anfangs schien. Die Einschüchterungen der Truppen und vor allen Dingen der Hunger hat die Arbeiter gezwungen, sich den Kapital- bestien auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Der Zwischenhandel ist nämlich, wie wir s. Z. bei Besprechung des Streiks von Grand-Combe berichteten, im ganzen Distrikt abgeschafft;„im Interesse der Ar- beiter" hat die Gesellschaft den Handel mit Lebensmitteln in ihre Hände zentralisirt, und als nach Ausbruch des Streiks die Arbeiter Lebensmittel einkaufen wollten, fanden sie sämmtliche Lager geschlossen. Ein Stürmen derselben war gegenüber der schußbereiten Militärmacht nicht möglich, nnd so mußten die Proletarier, Einer nach dem Andern, sich durch den Hunger gebändigt in« alte Joch begeben. Glücklicher als der Streik in Bessöges scheint der Streik in R o a n n e für die Arbeiter zu verlausen. Die stolzen Herren Fabrikanten, welche Anfangs verlangten, daß die Delegirten der Arbeiter in ihr, der Fabri- kanten, Versammlungslokal behuf» Unterhandlung sich einfinden, d. h. dadurch bereits ihre Unterwerfung bekunden sollten, haben sich bequemen müssen, sich ans Verlangen der Arbeiter in das von diesen bestimmte neutrale Präfekturgebäude zu begeben. Da die große Masse der Bevöl- kerung mit den Arbeitern sympathisirt und namentlich die Kleinhändler die Bons derselben gutwillig in Zahlung nehmen, so werden die Herren Fabrikanten sich noch zu größeren Konzessionen herablassen müssen. — Aus Italien. Die am 26. Februar stattgehabte Konserenz der Sozialisten der R o m a g n a war von 42 Vertretern au« 32 Orten und Distrikten besucht. Beschlossen wurde nach dem„Avanti!" sowohl in den politischen Wahlkamps einzutreten, als auch an den Gemeinde-Wahlen aus agitatorischen Gründen theilzunehmen. Die Wahlen sollen den Charakter des Protestes tragen und die zu wählenden Genossen sich verpflichten, den zum Eintritt in die Kammer nöthigen Eid zu verweigern. Ein Zusammengehen mit den Republikanern und Demokraten wurde nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern dem Ermessen der einzelnen Wahl- kreise überlassen. Letzterer Beschluß erklärt sich dadurch, daß gerade die industriellen Wahlkreise zusammengelegt sind und nach der Listenwahl zu wählen haben, so daß bei einer Zersplitterung der republikanischen Ele- mente der Sieg den monarchischen Parteien gesichert wäre. Als Beding- ung wurde festgesetzt, daß aus der zu vereinbarenden Liste eine entspre- chende Anzahl Sozialisten figuriren. Wir wollen nicht in eine Kritik diese« Beschlusses eingehen, der sich ohne genaue Kenntniß der eigenartigen Parteiverhältnisie in Italien, wie sie die revolutionäre Geschichte dieses Lande« gezeitigt hat, nicht gut beur- theilen läßt, unsere italienischen Genossen, welche jetzt zum ersten Male aus die politische Arena treten, werden ja durch den Kampf selbst darüber belehrt werden, welches Vertrauen die demokratisch-republikanische Partei verdient. Auch noch andere Illusionen werden sie im praktischen Kampfe abstreifen lernen, u. A. die, daß man nur in den städtischen Gemeinderäthen sozialistische Mehrheiten zu haben brauche, um bereits die städtischen Gemeinden in sozialistische umzuwandeln sc. Immerhin ist es mit Freuden zu begrüßen, daß sie ihre Kräfte im praktischen Kampfe zu erproben und zu üben entschlossen sind. Wir wünschen ihnen den besten Erfolg! — England. Für die Petition der republikanischen Liga gegen die Bewilligung einer Mitgist für den Prinzen Leopold sind bereits mehr als 18,000 Unterschristen gesammelt worden. Für eine antimonarchische Demonstration im königstreuen England gar nicht so übel. — Au« Rußland. Die Namen der im Prozeß„Trigonja und Genossen" verurtheilten Revolutionäre sind: Zum Tode verurtheilt: Michailoff, Suchanow, Frolenko, Koldewitsch, Jssajefs, Emeljanofs, Tetrka, Kle- t o l s ch n i k o s f und die Frauen Lebedcwa und I a k i m o w a. Zu Zwangsarbeit in den Bergwerken ohne Termin(d. h. auf Lebenszeit): Barannikoff, Merku loff, Arontschik, Moros o s f nnd L a n g h a n s. Zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit in den Berg- werken: Trigonja, Friedensohn, Slatopolski und Lustig. Zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit in denFabriken: Terentjewa. Unsere Genossen in Paris haben bereits am Sonntag vor acht Tagen in der untenstehenden Resolution ihrer Gesinnung dem grausamen Despoten- reich gegenüber Ausdruck gegeben. Wir sind überzeugt, daß derselbe im deutschen Proletariat allerorten freudige Zustimmung finden wird. Die wackeren Bekämpser zarischen Willkür haben diese Anerkennung reichlich verdient: Beschluß. Angesichts des gegenwärtig vor einem zarischen Scheingericht statt- findenden Monstreprozesses gegen russische Freiheitskämpfer; angesichts der internationalen Verfolgung der russischen Revolutionäre; angesichts der glücklich gelungenen Befreiung der muthigen Bürgerin Sofia Bardina aus den Händen der Zarendespotie; serner im Hinblick auf die gegenwärtig zu dynastischen Interessen be- triebenen schmachvollen Hetzereien zwischen Deutschen und Slaven— sprechen die Sozialdemokraten deutscher Zunge in Paris ihren thatkrästigen nnd opserkühnen Brüdern von der ruf- fischen Revolutionspartei auf's Neue ihre volle Sympathie nnd ihre wärmsten Wünsche für den Erfolg ihrer Anstrengungen im Kampfe für das Beste ihre« Volke« und für da« gemeinsame Ziel, den internationalen Sozialismus, aus. P a r i s � den 25. Februar 1882. Die Sozialdemokraten deutscher Zunge. — A ni e r i k a. Die Vereinigten Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen von New-Uork haben am 30. Januar d. I. in einer im Cooper-Jnstilut abgehaltenen großartigen Versammlung ein energisches Manifest zu Gunsten des irischen Ausstande» erlassen. Dasselbe beginnt folgendermaßen: „An alle Gewerkschaften und Arbeiter-Verbindungen; an die Bauern von Deutschland und Frankreich; an die unterdrückten Völker Rußlands nnd Oesterreichs; an die Farm- Arbeiter und die Jndustrie-Arbeiter von England und Schottland; an die Enterbten in Italien, Spanien und Portugal; an die Arbeiter in Belgien und Holland; an Alle, die unter dem Drucke von Monarchen, Tyrannen und Monopolisten leben und arbeiten müssen. „Wir grüßen Euch als Brüder und Freunde!"— Räch einem kurzen Hinweis aus die große Bedeutung de» von der Landliga ausgegangenen Rufes: „Bezahlt keine Renten mehr!" wendet das Manifest sich nach einander an die Ausgebenteten aller Kultur- staaten. In Bezug aus Deutschland heißt es: „Und Ihr, Arbeiter und Landleute Deutschlands, Ihr wißt vielleicht besser als wir Alle, was es heißt, durch ein System bedrückt zu werden, dessen hauptsächlichste Stützen „Kanonen, Bayonuette und Polizei sind. Ihr solltet es fühlen, daß Etwas gethan werden muß, eine ver- elendete Nation vor der Verzweiflung zu retten. Obwohl Euer Volk in eine Anzahl ohnmächtiger politischer Parteien zersplittert ist, solltet Ihr dennoch Eure Sympathien aus ein Volk vereinigen, welches sich wie ein Mann erhoben hat und mit heldenmllthiger Aufopferung an der einzigen Maßregel festhält, die es vor dem Verhungern schützen kann. Indem sie die Zahlung ihrer Pachtgelder verweigern, erheben die Jrländer ihren recht- und naturgemäßen Anspruch aus den Grund und Boden, der nur durch Arbeit werthvoll wird und deshalb dem gehören sollte, der ihn bearbeitet. Die Söhne Irland'« haben ihr Herzblut vergossen in den Schlachten Englands für dessen Macht und Ruhm; die englische Regie- rung hat dagegen das irische Volk zu Bettlern gemacht. Seht nur ein- mal her, wie die irischen Bauern von ihren Peinigern mißhandelt werden: die Herren Adeligen, Gutsbesitzer, Faullenzer und Par-Force-Jäger sor- dern mehr Pachtgeld, sobald die Pächter das Land mit Fleiß und schwerer Arbeit verbessert und ertragfähiger gemacht haben. Der Pächter hat kein Recht, für Ställe oder Häuser, die er reparirl oder neu aufgebaut hat, Entschädigung zu fordern, ob er nun freiwillig geht oder ob er mit Gewalt von seiner Scholle verlrieben wird. Wenn der Pächter in Folge einer Mißernte gezwungen ist, sein Pachtgeld schuldig zu bleiben, schützt da« englische Gesetz nicht etwa den hungernden, armen Pächter, sondern den nichtsnutzigen, reichen„Gutsbesitzer". Die Jrländer sind Eure Brüder, und da sie vielleicht schlimmer unterdrückt sind, wie Ihr selbst, ist es Eure heilige Pflicht, ihnen zu Hilse zu eilen. Irland bedarf der Unterstützung aller freiheitsliebenden Völker. Die Führer der irischen Nation sind im Gesängniß, damit das Volk sich nicht rühren möge. Seine Standhastigkeit jedoch, und die moralische Beihülse der Arbeiter und Landbewohner aller zivilisirten Länder wird es bewirken, daß die Jrländer sich erholen und daß sie schließlich den Sieg erringen. In allen Ländern sollten große Demonstrationen stattfinden; Irland'« Elend sollte in seiner ganzen Schrecklichkeir blosgestellt werden, damit die eng- lische Regierung ihr Haupt vor Scham verbergen möge. Wenn die englische Tyrannei vernichtet ist, wird dies eine Warnung für Euren Kaiser, sür Eure Fürsten und für ihre schlimmen Rathgeber sein! Bauern und Arbeiter Deutschland«! Denkt daran, daß der Abschaffung de« Gutsbefitzerthums in Irland die Abschaffung der Lohnsklaverei und der Bauern-Bedrückung in Eurem eigenen, armen Vaterlande bald solgen wird!" Das Manifest schließt mit folgenden Worten: „Im Namen de« uns Alle umschlingenden Bandes der Brüderlichkeit flehen wir Euch an, uns die Hand zu reichen! Beim Andenken unserer Väter beschwören wir Euch und im Hinblick auf die Hoffnungen und Bestrebungen für die Zukunft fordern wir Euch herzlichst aus, mit uns zur Förderung der Zwecke und Ziele der Nationalen Landliga der Jrländer beizutragen." — anarchistische«. Wir haben die Liebenswürdigkeiten, welche uns der Moniteur der Anarchisten, der in Gen f erscheinende„Revolte" in jeder Nummer an den Kopf wirst, seit längerer Zeit unbeantwortet gelassen, wie wir ja auch seinen verschämten Nachbetern in sammt und sonders das Vergnügen ruhig gegönnt haben, uns aller möglichen schönen Eigenschaften zu beschuldigen. Wenn wir heute einmal wieder eine Ausnahme machen, so geschieht dies nur aus dem Grunde, weil sich die„Anarchie" der Herren Krapotkin»nd Genossen in der letzten Nummer des„Revolte" in einem ganz besonders vortheilhasteu Lichte präseptirt. Es ist die Rede S k o b e l e f s's, des Deutschenfressers, auf welche der „Revoltö" in einem besonderen Artikel zu sprechen kommt. Nach einer von besonderer Geschichtskenntniß zeugenden Einleitung— so ist es z. B. das westliche„Europa" gewesen, welches, als die Türkei zerfiel, die Fllrstenthümer Montenegro, Serbien, Bulgarien gegründet hat, a«« Isaß gegen den lwumunikischen regnblikanikihen födetalismus; das unschuldige Rußland stand dabei und könnt es hall nicht hindern— nach dieser Einleitung beginnt ein Loblied aus— Stobeleff: „Ein Mann von einer Tapferkeit, einer Kühnheit und einem Freimuth, den man nicht umhin kann, zu bewundern", leider nur noch in einigen Regierungsvorurlheilen besangen,„hat Herr Skobeleff nur halb Recht, wenn er den serbischen Studenten sagt:„Der Feind, das ist der Deutsche, erinnert Euch dessen und wisset, daß ein schrecklicher Konflikt zwischen S laven und Deutschen ausbrechen wird."— Nur h a l b R e ch t! Der Schürer de» Rassenhasses, des einzigen Mittels, die Revolution in Rußland aufzuhalten,„nur halb Rech t". Der Mann, dessen Organ die„Nowoje Wremjq"(Neue Zeit), den ver- haßten Deutschen vorwirst, daß„sie den Nihilismus in Rußland ein- geführt",„nur halb Recht", das heißt, er hat im Grunde ganz Recht: der Feind ist der Deutsche. Man höre weiter: „Ja, der Feind des Slaven, der Feind des Prinzipes, welches sie der Revolution entgegenbringen, da« ist der deutsche Staat, die deutsche Bourgeoisie, der deutsche Arbeiter, der ihn unterstützt." (Wohlgemerkt, nicht das deutsche Reich, wie es heute ist, sondern der deutsche Staat überhaupt.)„Mit diesen Feinden werden die Slaven einen sürch terlichen Krieg zu führen haben, wenn das deutsche Volk nicht seine Regierungen und mit ihnen seine Regierungsideale über Bord wirft"— der Bien muß! sagt der Anarchist, der Mann der„absoluten Freiheit".„Der deutsche Staat, welchen Titel er immer sich geben möge"(d. h. auch der sozialistische Volksstaat), ist der Feind jeder Freiheit und besonders der natürliche Feind(d. h. der Erbfeind) der freien Gruppirung der slavischen Völker". Folgt eine Einlenkung, daß das deutsche Volk, welches so denkt, wie die Genfer ec. Anarchisten, eine Ausnahme macht und daher gnädigst von dem sürchter' lichen Krieg verschont bleibt. Die Revolutionäre aller Länder müssen den gegen Oesterreich ausständischen Slaven zu Hilse kommen,„die« ist auch da» einzige Mittel, um zu verhindern, daß der russische Zarismus den Aufstand zu seinem Vortheil ausbeute". Und das sagt ein vermeintlicher Revolutionär in einemZAugenblick, wo es feststeht, daß der russische Zarismus diesen ganzen Ausstand nur schürt, um die Aufmerksamkeit des russischen Voltes nach außen hin abzulenken, und wenn nöthig, oder wenn möglich, durch einen Krieg zu absor- biren. Anstatt die schamlose Komödie der Jgnatieff, Panjutin, Fadejew und Konsorten rücksichtslos bloSzulegen, anstatt den revolutionären Ele- menten Rußlands zuzurufen, sich durch diesen Scheinbesreiungskampf nicht abhalten zu lassen, den Zarismus im Innern zu schwächen, sordert ein „ultrarevolutionäre»" Blatt sie noch aus, sich auf einen Kampsplatz zu begeben, wo sie im günstigsten Falle den Ausstand so lange hin- ziehen können, bis da»„völkerbefreiende" Väterchen an der Newa einen schicklichen Grund findet, einzuschreiten. Und hat einmal der f ü r ch t e r- l i ch e Krieg zwischen Slaven und Deutschen, d. h. zwischen dem Czaren- thum und dem— mag er auch sonst noch so korrupt sei»— in der bürgerlichen Entwicklung vorgeschrittenem Westen begonnen, ist der deutsche Chauvinismus, den die dem Revoltä so verhaßte deutsche Sozialdemokratie so energisch bekämpft hat, wieder entsacht, dann ade aus Jahrzehnte hinaus revolutionäre Erhebung des deutschen Proletariats, dann habt Ihr Leben und Freiheit umsonst eingesetzt, Ihr kühnen Helden der russischen Revolution, dann können Eure Nachsolger wieder von vorne anfangen und abwarten, bis sie noch einmal einer so revolutionären Situation gegenüberstehen, als sie das zerrüttete Zarenreich heut darbietet! Wir wissen zu gut, welchen Werth die russischen Revolutionäre aus die Ansichten des Redakteur« de« Revolte legen, um zu fürchten, daß seine Aussührungen nach d e r Richtung hin Schaden bringen könnten. Aber angesichts der Versuche, diesen, mit allen möglichen Schrullen behasteten Anarchisten den deutschen Arbeitern als revolutionäre und antiauloritäre Autorität aufzuschwatzen, sehen wir uns doch genöthigt, zu zeigen, wie es um die„Jnternationalität" diese»„echten" Internationalen beschaffen ist. Ja, der internationale Mann haßt die Deutschen, nicht nur die deutschen Reaktionäre, sondern vor allen Dingen die deutschen Sozialisten, welche da« große Verbrechen begehen, den Klassenkampf des modernen Proletariats nicht mit den sreiheitStriesenden Phrasen der bürgerlichen Literatur zu korrumpiren. Um ihm nicht Unrecht zu thun, wollen wir hier von vorneherein kon- statiren, daß der Haß nicht erst seit der Rede Skobeleff's zum Ausbruch gekommen ist. Schon vor vier Wochen predigte der„Revolte" das Bündniß der die„Autonomie" hochhaltenden lateinischen und slavischen Völker gegen die„autoritären" Germanen. Uns wundert nur, daß er die Indianer Amerikas oder die Negerstämme Afrikas nicht in da« Bündniß auf- genommen hat. Mehrere derselben erfreuen sich doch einer sehr aus- gebildeten Autonomie, die ihnen sogar gestattet, sich gegenseitig anszu- fressen oder an Sklavenhändler zn verkaufen. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. — Planitz bki Zwickau. Hier bei uns gehl es hübsch zu. Das Ausnahmegesetz kommt gwissen Leuten sehr zn statten, weil nach Unter- drückung unserer Presse Vieles nicht an die Oeffentlichkeit gelangt und vertuscht wird. Es sei deshalb Einiges hier berichtet, was die hiesigen Zustände charakterifirl. Am 13. Febr. schlug der Lehrer L. Schmidt einen Knaben von 8 Jahren in der Schule zu Oberplanitz mit einem Rohrstock dermaßen aus den Kopf, daß derselbe am zweiten Tage darauf starb. Die Untersuchung ergab als Resultat: Der Knabe sei an Lnng en- k r a n k h e i t gestorben. Besagter Schmidt leistete schon, ehe er Lehrer wurde, Großes im Trinken, und jetzt, da er hier Stellung hat, bildet er sich vollends nach dem Muster hiesiger Lehrer in der edlen Trinkkunst aus. Wie es die hiesigen Volksbildner treiben, das übersteigt wahrhaslig alle Begriffe. Bis L und 3 Uhr und noch länger in die Nacht hinein saufen sie im Wirthshaus(nicht etwa trinken), der Herr Direktor an der Spitze, und den folgenden Tag üben sie ihren Mißmuth an den Kindern aus, da setzt es oft unvernünstige Prügel. Ein hiesiger Lehrer, der schon oft in der Trunkenheit sich flegelhaft betragen, war letzthin derart im Rausch, daß er, nachdem er sein Wasser abgeschlagen hatte, seine Kleidung nicht mehr in Ordnung brachte, sondern seine Blöße offen präsentirte. Was soll für ein Geist über die Kinder von Planitz kommen, wenn der Herr Direktor säust, der Herr Bizedirekror betrügt (er halte 300 Mark mehr genommen als seine Stelle trug, ist ihm später wieder abgezogen worden) und die andern Lehrer meist Gott Bacchus in überschwenglicher Weise huldigen? Die Kinder haben keine Achtung vor dem Lehrer— der Lehrer hat keine Achtung vor dem Direktor, welcher zugleich Lokalschnlinspektor ist, und in dieser Eigenschaft hinwiederum alles vertuscht. Der Herr Gemeindevorstand F r i tz s ch e und seine beiden Schreiber, Herr Gemeindeältester W i n k l e r und Restaurateur F ü l l m i ch, thun ebenfalls ihr Möglichstes, um die jetzige Situation auszunützen. Der Herr Vorstand fährt Tag ans, Tag ein spazieren, kümmert sich wenig um sein Geschäft, und dann wird alle« Uber'« Knie gebrochen und es heißt: „Wir können nicht fertig werden". Zo sind z. B. die Gemeinderech- nungen vom Jahre 1880 noch nicht fertig gestellt, wie mag es da in den Kassen aussehen? Besonders mißtrauenerregend ist der Umstand, daß Herr Fritzsche mit seinem Anhang es durchgesetzt hat, daß ein Mann aus dem Gemeinderathe als Kaffenrevisor gewählt wurde, welcher nicht rechnen kann. Um die Ehrlichkeil des Herrn Fritzsche ist es ebenfalls schlecht bestellt. So z. B. kassirte er vom Hüttenwerke(Königin Marienhütte), welche da« Schulgeld sür die Kinder seiner Arbeiter bezahlt, lustig das Schulgeld sür solche Kinder ein, welche schon aus der Schule waren, bis der Betrug entdeckt wurde und die Hütte kein Schulgeld mehr an Herrn Fritzsche zahlte, sondern es nunmehr den Arbeitern selbst gegen Quittung aus- bezahlt. Die Bildungsstätte der hiesigen edlen OrdnungSmänner ist der Tauben- Verein. Er bietet alles auf, um Einfluß aus die Wahlen u. s. w. auszuüben. Bei allen derartigen den Angelegenheiten werden die Mit- glieder zu Versammlungen und Besprechungen zusammengerufen und von dort au« die Gemeinde gewissermaßen miwegiert. Die hervorragendsten Männer— die Spitzen— sind ja auch im Taubenverein, ja in letzter Zeit ist sogar Herr Pastor S e g n i tz(ein Staat»sozialift)>Mitglied ge- worden. Der Vereinsbote ist ein schon viele Jahre im Konkubinat lebender Mann, Namens Gläser, welcher anch noch nach anderer Seite hin in üblem Leumund steht. Doch solche Leute sind dem Verein willkommen, wie denn überhaupt das Leben im Konkubinat hier gehegt und gepflegt wird. Herr Pastor Segnitz als guter Christ sreut sich gewiß Uber letzteres, sowie, daß er gleich Gläser Ehrenmitglied des Taubenvereins ist. Bezüglich des Herrn Gemeindeältesten W i n k l e r sei noch erwähnt, daß derselbe zugleich Friedensrichter für Niederplanitz ist und also Ehezwistigkeiten schlichten und richten soll. Wie soll die« derselbe aber thun, da er sogar die Frau seine« Schwagers— allerdings vergebens— zum Ehebruch zu verleiten suchte, also selbst Ehestörung machen will? Zum Lohn sür dieses richterliche Stückchen warf der betreffende Schwager den Herrn Friedensrichter bei einer Fuhre in einen Seiten- graben, indem er zuvor den Stecken, welcher den Border- mit dem Hinderwagen verbindet, herausgezogen hatte, so daß er umwerfen mußte.— Das find für diesmal einige Stückchen von unfern Vertretern der Ordnung und der höhern„M o r a l". Ein andermal mehr. K •w. Speyer(Rheinpsalz), 23. Februar. Es wird die Leser des „Sozialdemokrat" freuen, zu vernehmen, daß auch in der Rheinpsalz die Anhänger der Sozialdemokratie täglich sich mehren. Die letzte Reichs- tagswahl dokumentirle, daß besonder« im Wahlkreis Ipeyer-Frankenthal die sür unseren Genossen Treesbach abgegebenen Stimmen gegen die vorhergegangene Wahl sich sast verdoppelten. Besonders Speyer, die alte Todtenstadt der früheren deutschen Kaiser, jetzt Sitz der höchsten Behörden und eines Bischof«, ging zum Schrecken de« reaktionären Gesindel« mit gutem Beispiel voran. Darob Heulen und Zähneklappern besonders bei den Pfaffen, die einige Hunderl Stimmen an die Sozialdemokraten verloren. Kandidat derselben war der allbekannte reaktionäre Redak- teur Dr. E. Jäger. Um nun die Katholiken wieder in den alleinselig- machenden Stall zurückzubringen, gründeten die katholischen Pfaffen noch am Schluß de» Jahre» 1881 ein Blätlchen, benannt„Der Rheinbote". Als Redakteur muß ein Faktor herhalten, der den Gehalt eines mittel- mäßigen Setzers—- 24 Mark pro Woche— erhält und doch für feine Kennwisse noch zu gut bezahlt ist. Tie eigentlichen Redakteure sind natürlich katholische Pfaffen, darunter zwar die heißspornigsten, aber auch hinsichtlich ihres Lebenswandel« die anrüchigsten. Besonders ein Pfaffe aus Preußen, welcher in Plaudach eben die Leute anschwindelt, ist ein Hauprmitarbeiter und Sozialdemokratensresser. Dann kommen noch einige ausgeschämte Kapläne und besonders ei» früher in Liederlichkeit jeder Art machender Gymnasiast, jetzt Bruder im Hämorrhoiden-Kloster in Oggersheim. Nach verschiedenen Kraflleistungen dieser Swpe gegen die Sozialdemokralen verstieg sich ein Korrespondent„? Oggersheim" in Nr. 33 des„Rheinboten" zu solgendem Artikel: „Dem Korrespondenten von Oggersheim im„Frankenthaler Tageblatt" Nr. 19 zur gefälligen Kenntnißnahme, daß alle Spitzbuben Sozialdemokraten, aber nicht alle„Sozialdemokraten" Spitzbuben sind. Was den Bericht im„Rheinboten" über die drei Diebstähle in Mutterstadt betrifft, so müssen wir dabei bleiben, daß diese Diebe praktisch die Theorie der Sozialdemokratie aus- führten und daher tonsequent gehandelt haben." Eine solche Sprache erlaubt sich ein katholischer Pfaffe. Wenn alle Spitzbuben Sozialdemokraten sind, so müßten alle die katholischen Pfaffen Sozialdemokraten sein, welche dem armen Volk das Geld aus der Tasche sür Seelenmessen stehlen, damit die Verstorbenen au» dem Fegfeuer erlöst werden, obwohl diese Professionsschwindler sehr gut wissen, daß es weder Himmel noch Hölle gibt und es nur dem Volke vormachen, um die geistige Herrschaft Uber dasselbe zu behalten. Da ein katholischer Pfaffe eine solche Sprache gegen die Sozialdemokraten führt, so wird e« wohl erlaubt sein, den Spieß herumzudrehen und aus obige Lüge den aus Wahrheit beruhenden Satz aufzustellen: Alle katholischen Pfaffen sind Meineidige, aber nicht alle Meineidige sind katholische Pfaffen! Beweis: Bei der Priesterweihe legen dieselben das Gelübde(Eid� der Keuschheit ab; wer aber die größten Schürzenjäger sind, das sind eben die katholischen Pfaffen. Allerdings heirathen dieselben nicht, dafür haben sie ja ihre Köchinen, Nichten und ihre Schwestern. Und in diesem speziellen Falle glänzen die katholischen Pfaffen in der Pfalz in hervorragender Weise. Nur ein Fall von Hunderten: Ein Pfarrer in der Nähe von Speyer hatte einen Kaplan, dem ein schönes Mädchen auch lieber war als sein Brevier. Der Pfarrer hatte hübsche Köchinnen und das Ende vom Lied: Wo zwei Hahnen in Streit gerathen, da muß der eine weichen. Mein guter Kaplan verübte nun aus Rache seine Lust an einer verhei- ratheten Frau zum Skandal der Gemeinde, und nun konnte der alte Gockel sich rächen; der Kaplan mußte einige Wochen in's Kloster, nimmt jetzt in anderen Orten die Beichte der Mädchen und Frauen ab und macht sich im Kreise seiner hochwürdigen Amtsbrüder darüber lustig. Soll ich dem„Rheinboten" noch mehrere Siücklein von seinen Gönnern erzählen? Weiter: Alle katholischen Pfaffen find Heuchler und Schwindler, aber nicht alle Heuchler und Schwindler sind katholische Psaffen. Beweis: Unter den 400 bis 500 katholischen Geistlichen in der Psalz sind noch keine zehn, die aus innerer Ueberzeugung Geistliche wurden; die übrigen wurden eben Pfaffen, weil es ihrer Fähigkeit nach das beste Handwerk für sie war. Diese Psaffen glauben so wenig an einen Gott und eine jenseitige Wiedervergeltung, wie der sortgeschriltenste Atheist. Aber aus der Kanzel und im Beichtstuhl, da machen sie dem dummen Volk noch den Schwindel mit Himmel und Hölle vor. Und besonders im Beichtstuhl, da ist der„liebevolle" Psaffe ihr Hauptheld. Dort werden die jungen Mädchen hauptsächlich verdorben, und wenn ein Mädchen in den Mysterien der Liebe verttaut werden will, da darf sie nur alle acht Tage beichten gehen. Wir wollen für heute schließen, vielleicht greisen die frommen Herren den Handschuh auf, und dann wollen wir ihnen weiter ausspielen, daß es eine Lust sein wird. Zum Schluß noch eine Frage an den Bock im Mönchshabir in Oggersheim: War der Geistliche Dr. Lambert in Würzburg, Abgeordneter der katholischen Fraktion im Landtag, welcher so viele Tausende Mark Unterstützungsgelder stahl und vor einigen Tagen zu ein paar Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde, auch ein Sozialdemokrat? Und wie sieht es denn mit dessem Eide aus, den er vor seinem Bischöfe ablegte: Er habe seiner Schwester kein Kind gemacht! Nun, tugendhaste Betschwester, antworte! Warnung. Joseph Fleischhauer, Schlosser 42 Jahre alt, aus T e p l i tz in Böhmen gebürtig, wegen Unterschlagung von über 600 fl. bei der Allgem. steierm. Arbeiterkrankenkasse, Filiale K n i t t e n s e l d, mit zwei Monaten schwerem Kerker bestrast und zum Schadenersatz verurtheilt, hat am 5. Januar seine Strafe verbüßt und warnt man von Graz aus alle Arbeitervereine und Parteigenossen vor diesem Individuum a u s's Nachdrücklichste. Wir warnen die amerikanischen Genossen und Vereine vor dem früheren hiesigen Diätisten an der sächsischen Staatsbahn, Traugott Gärtner, welcher sich in New-Iork befindet. Der-| selbe hat sich der Unterschlagung eine« bedeutenden Bettages von Parteigeldern schuldig gemacht, Rechnungslegung verweigert und dann noch zum Hohn öffentlich erklärt, er wolle mit der rohen, ungebildetenMasse derArbeiter nicht« mehrzuthun haben! Wahrscheinlich wird er drüben diesen löblichen Entschluß wieder an den Nagel hängen— als o aufgepaßt! Abdruck in der befreundeten Presse in Amerika und periodische Wieder- holung der Warnung ist dringend geboten. Löbtau-Dresden, im Februar 1882. Die Vertrauensmänner de« 6. sächsischen Wahlkreises. Briefkasten der Expedition. Weckuhr(D.): Mk. 4,— pr. Ab. 2. Qu. u. Phtgr. erh. Mk. 2,— d.„r. f" dkd. zugestellt. Weiteres benützl.— ÜmgenituS: Bs. v. 2 3 kreuzte mit dem unsrigen. Recherchen veranlaßt.— Garibaldi: Neu eingereiht. Bstllg. folgt.— Schorfe; Avis v. 4/3 eingg. Notiz betr. St. nach H. w-itergegeben.— Schnürung: Bestllg. u. Nachlsrg. besorgt. Bon S. war noch Nichts zu hören.—— h: Nachr. v. 2/3 am 4. beantw.— Panzerschiff: Wunsch wurde am 4-3 erfüllt.— Reichs-Uhu: Alles fort, wie am 4. d«. berichtet. Wm. solgen; Alles notirt.— Grachu«: Bersdg. ersolgte wie ain 6. berichtet. Reihenfolge wird festgehalten.— Die braven Märker: Bestllg. folgt. Weiteres be- nützt. Quittg. siehe Nr. 8 unter„Carl".— Hippokrate«; Arb. N. Kalender solgen ab Verlag. Liederb. müssen erst gebunden werden. Nr. 6 sr. Z. abges. Ist total vergriffen.— ttt Himmel—--: Verlangtes kommt. Bs. v. 6. erh. Borname muß C heißen.— Georg: Bf. v. 2/3 am 6. beantw. Lsrg. vorgem.—„Franziska": Macht Mk. 3,55. „Frau" i s n i ch! Wenden. Sie sich also gettost an I H N. Adresse so richtig. Grüße erwiedert!— Fchr. Genf: Fr. 4,— f. Ichst. durch D. erh. Sdg. abgg. Gut gearbeitet! Gruß.— Feldhptm.: Mk. 26,85 dem Usd». Mb. zugewiesen. Spezialqtlgn. später.— Vorwärts f; Berechnen rund 1 öwfl. p. Expl. u. Qu. Also öwfl. 5,— p. 4. Qu. 81 u. öwfl. 3,— aus 1. Qu. 82 eingestellt. Bei den Addr. fehlt Wohnort.— St. H. K.: Mk. 4,— Ab. März— Ende Juni erh. Addr. fehlerhaft chiffrirt.— Aug. Kettenleimer: Mk. 130,— i» Cto. erh. Nachr. ec. erwartet.— F. Sch. Gz.: öwfl. 3,— ü Cto. Ab. 1. Qu. gutgedr. Weiteres lt. Bs. v. 4. ds.„Freiheit" abonnirt man in Ldn., 252 Totten- ham Ct. Rd. W.- A. I. C.: Mk. 3,— pr. Ab. 1. Qu.(n i ch t 2. Qu.) gebucht, da im 4. Qu. 81 nachgel. wurde.— K. T. Paris: Fr. 5,40 pr. Schfl. er. erh. Werden d. S. also nur bis Ende März pr.-hbd. liefern. Dank s. Notiz i. S. W.— Z. Rlbr.: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh. 6 wurde mehrfach geplündert, wahrschl. wegen d. schönen Leit- artilels. Nachlsrg. unmögl.— Rother: Mk. 18,— f. Ab. 1. Qu. u. Mk. 7,50 s.„r. t" dkd. verw. Bstllg. folgt.— Mercuriu«: Mk. 3,70 f. Schst. erh. Sdg. folgt.— A. G. H.: Mk. 5,— Ab. 2. Qu. u. Mk. 1,— f. Schfr. gurgebr.„Frauenloos" folgt.— F. I. Nzku.: Mk. 3,— Ab. 1. Qu. erh.— Commerzienrath: Mk. 12,— Ab. 1. Qu. durch Bdr. erh.— Rothbarth; Fr. 89,05 durch I. erh. Bs. erwartet.— Lbg. Z.; Fr. 15,— s. Ichsr. n. Fr. 3,75 Ab. 2. Qu. ins Reich erh.— Pickelhaube: Fr. 2,50 f. R. 358. erh. Bsl. mehr.— Bertr. Löbt. Drsd.: Warnung auch an die besreund. amerik. Blätter abges.— Columbu«: Alle« lt. Bs. v. 6. d«. besorgt.— Eglbr. Brocklyn.: Bsl. am 7/3 ge- antw. Katal. kommt mit 11.— Vlksztg. N. Zjork: Am 7. ds. haben Gewünschte« berichtet.— Rother Franz: Fr. 19,— d.„r.-h" dkd. zugew. Fr. 5,— a Cto. gutgebracht.— M. Kg. Alz.: öwfl.—,30 f. Ichst. erh.— Der Bekannte C. a/R.: Mk. 45,— ä Cto. erh. Alles beachtet.— Rothschwanz: Qnartalabr. siehe Bfk. 3. Einen Bs. v. 25/1 haben nicht erh. Ktlg. folgt.— Lke. London: Bf. u. Manuskript erh. Statuten werde» bis in 14 Tagen fertig gestellt. Das Gereimte v. Sch.„ooch»ich übel!" Nachlsg. fort.— E. i. Z.: Fr. 4,— d. Agfd«. dkd. einverleibt.— Valentin: Mk. 8,— u. Fr. 1,— durch Bdr. erh. Bs. erwartet.— Th. Vlkl. Glasgow: Mk. 7,— f. Ab. u. Schst. erh. Sdg. folgt. Bericht willkommen. Bse. sür Fr. B. köune» durch uns gehen.— H. Neum. Wilmingl: Fr. 7,60 Ab. 1. Qu. erh. Davon Fr. 2,60 auf 2. Ou. vorausbezahlt. Unter„Verschleiß" war Colportage von uns gemeint.— E. H. Du.: Fr. 26,—(Mk. 21,—?) k Cto. 4. Ou. 81 u. 1. Qu. 82 gutgebr.— C. Shum. Cincinn: Deine Complimente habe G. mitgetheilt, ebenso das Weitere. Nur ruhig Blut Anton, e« kommt Alles!— A. K r ü g e r iu St. Louis wird gebeten, seine Adresse an E. Engel- brecht, 56 Lorimer Str., Brooklyn E. D., N.-I. zu übermitteln. echaei». vrretn»buchdrucker«> HoUinoni-zKrt».