Srichewt t ö d; t n 1 1 iranco gegen franco Sewdhnliche Briefe nctf der Schweiz kosten Toppelporto. Der SoMemoKmt Jentrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie Aöoanemenrs werden nur beim Verlug nnd desien bekannten Agenten ent» aegengenommen und zwar zum voraus zahlbare« Vierteljahrspreis von: Fr.?.— für die Schweiz Kreuzband Mk. 3— für Teutschland(Couvert fl. 1. 70 für Oesterreich(Couvert Fr. 2. 50 für alle übr'� � ander beS Weltpostverc(Kreuzband). Inf träte Die breigespaltene Petitzeile 25 Eis. � 20 Pfg. R? IS. Zkonnerliag, 4. Mai. 1882. Ziiii« sv die Ksnespoudeuten nab �bsnveatcu bto„Ss{talbemskist". Da der.Sozialdemokrat' sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw.»ersolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp, Briefe von dort an uns und unsere Zeitungi» und sonstigen Sendungen nach dort abzusaugen, so ist die äußerste Vorficht im Postverkehr nothwendig und darf keine VorfichtSmaßregel dersSumt werden, die Bricimarder Ldcr den wahren Absender und Smpsänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Hauptersordernitz ist hiezu einerseits, daß unsere Kreunde so selten als möglich an den.Sozialdemokrat', resv. dessen Verlag seloft adresfircn, sondern stch möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche nch dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfänglich- rjustellungSadrefien mitgetheilt werden. In zweifelhasten Köllen empfiehlt stch behufS größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch kosten scheuen, um trotz aller ent- gegenstehenden Schwierigkeiten den. Sozialdemokrat' unfern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liesern. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Die Räuber und die Beraubten. Wer hat sich nicht als Kind amüsirt über die Schilderungen der.verkehrten Welt", wo Alles auf den Kopf gestellt ist, wo der Fluß brennt und mit Stroh gelöscht wird, wo das Pferd auf den, Wagen sitzt und vom Kutscher gezogen wird, und wo das Rind den Metzger schlachtet! Ach, jenes Kinderbuch ist in Wahr- heit die schärfste Satire auf die heutige Gesellschaft, und auf welche Seite derselben immer wir den Blick wenden mögen, stoßen wir auf Zustände, die uns zu dem Ausruf veranlassen: Wir leben in der verkehrten Welt! Welches Kind lacht nicht hell auf, wenn man ihm von einer Gesellschaft erzählt, wo der Räuber zu Gericht sitzt über den Beraubten, der Dieb über den Bestohlenen, der Betrüger über den Betrogenen? Und doch ist das ein alltägliches Schauspiel in unserer besten der Welten! Gerade im gegenwärtigen Moment spielt sich dasselbe wieder vor aller Augen offen ab, und die große Masse, nicht der Kinder, sondern der Erwachsenen, sieht dem Schauspiel gelassen zu, als wäre das ganz in der Ordnung, als müßte das so sein. Denen freilich, welche den Widersinn desselben erkennen, ent- lockt es kein Helles, fröhliches Lachen,— die Parteigänger der Räuber und Betrüger lächeln sich heimlich gegenseitig an, wäh- rend sie vor der Oeffentlichkeit das ernsthafteste Gesicht machen, wir aber und alle die, welche auf Seite der Betrogenen und Beraubten stehen, haben nur den Schrei der Entrüstung, des verzehrendsten Ingrimms über solch eine Schmach! Und eine Schmach war es, als in der Presse der gesamnrten Welt verkündet wurde: die Werkbesitzer des Duxer und Teplitzer Kohlenreviers haben den Statthalter von Böhmen um Truppen- sendungen zum Schutze von Personen und Eigenthum ersucht. Zum Schutze von Personen und Eigenlhum! Ist etwa eine Bande von Strauchrittern ins Böhmerland eingedrungen, die raubend und verheerend von Ort zu Ort ziehen? Oder sind Diebsbanden aufgetaucht, welche bei Nacht und Nebel in die Häuser und Gehöfte einbrechen, alles mit- nehniend, was nicht niet- und nagelfest ist? Oder ist vielleicht der Mord an der Tagesordnung, sind die friedfertigen Bewohner ihres Lebens nicht sicher? Nichts da, nichts von alledem. Viel Unerhörteres ist ge- schchen. Seit Jahren in schamlosester Weise ausgebeutete, direkt und indirekt bestohlene Arbeiter, die Bergleute in den Kohlen- gruben, haben sich aufgerafft, dem Raub und Diebstahl, der an ihnen bisher verübt wurde— ein Ende zu machen? O behüte, das wäre zu viel verlangt— nein, ihm nur ein gewisses Maaß zu setzen, ihn nur so weit einzuschränken, daß ihnen von den Früchten ihrer mühe- und gefahrvollen Arbeit doch wenig- stens das zum Leben Nothwendigste bleibt. Seit Jahren sind sie bestohlen und beraubt worden. Nicht "ur auf Grund jenes„Naturgesetzes" der heutigen ProduktionS- �ise, dem ehernen ökonomischen Lohngesetz, unter welchem ihre �üder im ganzen Machtbcreich der kapitalistischen Gesellschaft �uszen, nein, noch außerdem hat man sie bestohlen, direkt und unter dem Schutze des Staates. In Form von Knappschaftskassen- und Bruderladenbeiträgcn hör man ihnen von ihren kargen Löhnen noch Abzüge gemacht und mittels derselben sie immer noch mehr zu ketten, noch fester rn das Sklavenjoch zu schmieden gewußt. Dieser Extradiebstahl aber schlug endlich dem Faß den Boden au dre Arbeiter der Duxer und Brüxer Werke beschlossen, ihm «n Ende zu machen. Und was thaten sie? Stürmten sie die Kassen, um das ihnen lahrelang Geraubte sich zurückzuerobern? Suchten sie sich durch räcbe��sm�"�". an ih�kn Peinigern und Zwingherren zu davon—- � � iragt. kennt die Arbeiter schlecht. Weit entfernt den Herr en' Ausbeutern"und � art r. und Regicrungsbeamten ihre Forderungen Z*Z'** au*> klären, daß sie sich nichl mit eeren Versprechungen h.nhal.en lasse» wollen, daß sie entschlossen I ren auszuharren mcht eher die Arbeit aufzunehmen bis sie diese ihre äußersten Forderungen durchgesetzt hätten Und vo Schacht zu Schacht, von Grube zu' Grube, von «"öu�t traten die geschwärzten Gestalten zusammen, dem Beschlüsse sich anschließend, der Streik verbreitete sich durch das �uuze nordwestliche Kohlenrevier Böhmens. iv �? �rie �isetzt der Chor der Ausbeuter, wie? Ihr wollt Euch nicht mehr bestehlen lassen? Was nützen uns unser- Gruvenanlagen, unsere Maschinen, wenn sie uns nicht in den �tand setzen, aus Euch, den menschlichen Maschinen, soviel Profit herauszuschlagen, als nur denkbar ist? Ihr wollt den Profit, den wir an Euch machen, einschränken? Das Eigenthum ist in Gefahr! Sende uns Truppen, Statthalter Sr. aposto- lischen Majestät! Und was, Ihr Arbeiter, wollt Euch nicht unbedingt unfern Anordnungen fügen? Ihr wollt bei der Verwaltung der mit Eurem Gelde gegründeten Kassen auch ein Wort dreinreden? Ihr wollt ein Haftpflichtgesetz haben, Ihr wollt uns haftbar machen für jedes Unglück, welches durch die Schuld der von uns eingesetzten Aufscher und Betriebsleiter entsteht? Ihr wollt einen Bergwerksinspektor haben, der ohne Rücksicht auf unser Interesse die Gruben untersucht, um sich von Euerer Arbeit, Sicherheil und Gesundheit zu überzeugen? Die Freiheit der Person ist in Gefahr. Sende uns Truppen, Statt- Halter, Truppen, Truppen und wieverum Truppen! Kompagnien, Bataillone, Regimenter! Und ihr Ruf erschallte nicht vergebens. Von allen Seiten rückte schleunigst Militär heran, Infanterie und Kavallerie. Es ging ja nicht gegen die verdammten Preußen, es ging ja gegen wehrlose Arbeiter! Alle Zentren, alle Straßen wurden von Soldaten besetzt, den Arbeitern wurde es unmöglich gemacht, mit einander zu verkehren, die Energischeren unter ihnen wurden als „Agitatoren" verhaftet, den Anderen wurde gedroht, baß sie als Landstreicher„abgeschoben" werden, wenn sie nicht gutwillig sofort die Arbeit wieder ausnehmen. Und Alles das um„Eigenthum" und„Freiheit der Person" zu schützen! Ist das noch nicht die verkehrte Welt? Nein, das Wort ist zu schön, zu ehrlich dafür! Es ist die verlogene, die verlotterte, die verrottete Welt. Es ist die Welt der niederträchtigen Lüge, des Hundssöttischen Betruges! Die Bestohlenen als Bedroher des Eigenlhums, die Unter- drückten als Feinde der Freiheit verfolgt— welche infame Spiegelfechterei! Ob das schändliche Manöver ohne Weiteres gelingen wird, oder ob es die Arbeiter erst noch auf einen blutigen Zusammen- stoß ankommen lassen werden? Im Augenblick, da wir dies niederschreiben, ist es noch unentschieden. Unmöglich ist es nicht, denn hinter den Arbeitern stehen, die Verzweiflung im Herzen, ihre Frauen— da sie die Frauen von Proletariern sind, nennt der Telegraph sie Weiber— ihre Männer zum Widerstand anfeuernd; und die Frauen, die Gedrücktesten unter den Ge- drückten, haben in solchen Momenten stets eine große Todesver- achtung gezeigt. Aber wenn die Soldaten nicht, ihrer Abstammung aus dem Volke gedenkend, mit ihren Brüdern im Arbeitskittel gleiche Sache machen, so wird das Manöver schließlich doch ge- lingen, die Arbeiter werden sich Einer nach dem Andern bedingungs- los ergeben müssen, die profitwülhigen Kapitalsbestien dagegen triumphiren! Mögen sie sich ihres Siege? indeß noch so sehr fteuen, er wird ihnen keinen Segen bringen. Die Saat des Hasses, welche sie in die Herzen der unterjochten Proletarier gesäet, wird schnell aufgehen, nicht immer aber werden sie Truppen zum Schutze, zur Unterstützung haben, nicht immer werden die Arbeiter ihnen die Zeit lassen, solche herbeizuziehen. Ist aber die Zeit gekommen da die Erndte reif, dann werden die Arbeiter, eingedenk dessen, wie man ihnen gegenüber die Phrase vom„Schutz des Eigenthums" und„Freiheit der Person" angewendet hat, gleich- falls verstehen, das Eigenthum und die Personen ihrer Feinde zu— schützen. Wer Wind gesäet hat, wird Sturm erndten! Zur Rechtsgleichheit in Deutschland. Während in Breslau und Leipzig unsere Genossen wegen der in Flug- blättern enthaltenen Kritik des Sozialistengesetzes verurtheilt wurden, hat das Landgericht in Hannover(vergl. unsere heutige Korrespondenz) eine aus gleichem Grunde erhobene Anklage, wie recht und billig, abgewiesen. Da in gleicher Angelegenheit noch mehr Prozesse schweben und bei dem Hyper- eiser der deutschen Staatsanwälte immer wieder neue eingeleitet werden durften, so wollen wir zu Nutz und Frommen Aller, die es angeht, hier die Begründung des Urtheils solgen lassen. Zunächst aber auch zu Nutz und Frommen verschiedener Leute die belressenden Stellen aus dem Flugblatt selbst. Es heißt da: „Mit wenigen Worten wollen wir nun noch unsere Stellung zu den neuen sozialpolitischen und wirthschastlicheu„Plänen" de» Reichskanzlers darlegen. „Nachdem man vor drei Jahren die A r b e i t e r init jenem bekannten —"einzig in seiner Art dastehenden— insumen Ausnahmegesetze „beglückt" hat, spielt man sich jetzt auf als der lreueste Freund des Arbeiters. Man will jetzt die Lage des Arbeiters„verbessern", seine Roth beseitigen, während man sich bis jetzt noch nicht um ihn geküm. mert hatte. „Während die Regierung und die Konservativen den Arbeitern mit der einen Hand die P e i t s che darbieten, reichen sie ihnen mit der anderen da« Zuck er brod! Die» Manöver ist denn doch zu plump. um bei den aus geklärten Arbeitern aus Beifall rechnen zu können., „Wir rusen unfern Gegnern zu:„Euer Zuckerb r od verachten wir, Euere Peitsche zerbrechen wir!"� „Zwischen den Urhebern des Sozialistengesetzes und der deutschen Sozialdemokratie ist keine Versöhnung möglich. „Unsere L o o s n n g ist:„F o r t m i t d e in S y st e in B i« m a r ck", fort mit diesem System, welches das Volkswohl schon so viel geschädigt hat und— bleibt es bestehen— vollends ruiuiren wird. „Wir sind auch entschiedene Gegner des Tabakmonopols, da wir der Ansicht sind, daß durch dieses Projekt die ganze bis vor Kurzem noch so blühende Tabakindustrie, welche 140,000 Menschen in Deutschland er- nährt, vollständig ruinirt wird. Angeblich will man durch das Tabak- Monopol eine Altersversorgungsanstalt für die Arbeiter schaffen. Aber, Arbeiter, glaubt diesen glänzenden Versprechungen nicht! In Wirklichkeit will man blos eine Versorgnngsanstalt für ausgediente Unteroffiziere und lieue Hilssmittel, uni den Militarismus noch weiter ausdehnen zu können, schaffen! Das ist des Pudels Kern. Das Wenige, was von den„sozialistischen" Plänen der Regierung brauchbar nnd gut ist, hat sie lediglich ans dem sozialdemokratischen Prograinm entlehnt. Ist es nicht eine Ironie des Schicksals, daß in demselben Augenblick, Ivo die Regie- rung den theoretischen Sozialismus mit dem denkbar schärfsten Ans- nahmegesetze bekämpft, sie selbst den„Sozialismus" praktisch betteiben will V „Wir erkennen daraus, daß der Sozialismus bereits eine Macht ge- worden ist, mit der man rechnen muß, da selbst seine erbittertsten Gegner sich seine Prinzipien anzueignen suchen. „Wir sehen deshalb mnthig in die Zukunft, denn diese gehört uns! Mögen sich die Verfolgungen noch verzehnfachen; das kann uns nicht hindern, fest»nd unerschütterlich unser Programm im Auge zu be- halten nnd unser großes Endziel— die Besreiuug und Erlösung der darbenden Menschheil— zu versotgen. „Der ganze Staalssozialismus ist, bei Lichte besehen, nichts als der reine Schwindel. Er will das Wohl der Gesammtheit dadurch erreichen, daß er alle Staatsbürger zu bureaukratisch organisirten nnd geleiteten Beamten machen will. Würde dieses„Ideal" verwirklicht, so würde das deutsche Reich auch aus dem wirthschastlicheu Gebiete der reine Kasernen st aat werden— wie es die» in militärischer Beziehung schon lange ist. „Eine Z n k u n s t hat einzig und allein der demokratische S o z ia l i s in u S, welcher den Staat nnd die Arbeit der Staatsbürger aus demokratischer freiheitlicher Grundlage organisiren will! „Alles für das Volk! „Alles durch das Volk! „Das ist unser Feldgeschrei. Keine Rechte ohne Pflichten, keine Pflichten ohne Rechte!"— Man sieht, an Energie der Sprache läßt dieses Flugblatt nichts zu wünschen übrig. Und wie lautet der Entscheid des Landgerichtes V Man höre: „Ebensowenig erfüllt die Verbreitung des Flugblattes den Thatbestaud des tz 131 St.-G.-B.— Seinem Hauptinhalte nach enthält der Aufruf einen An- griff aus die in demselben einzeln ausgesührten parlamentarischen Parteien, und die in Beziehung auf dieselben vorgebrachten Aeußerungen würden, selbst wenn ihnen erdichtete. oder entstellte That- fachen zuGrukide liegen sollten, eineBerletzung des ß 131 eit. nicht einhalten, da eine parlamentarische Partei keine Staatseinrichtung ist.— Es gilt dieses namentlich von der angeblichen Aeußerung eines hervorragenden Mitgliedes der deutsch- konservativen Partei, „daß er die Freiheit de« Hundes höher stelle, als die Freiheit de« Staatsbürgers". ganz abgesehen davon, daß dieser Auffassung von der staatsbürgerlichen Freiheit entschieden entgegengetreten wird. Ferner gehört hierher die in Bezug aus alle bekämpsten Parteien gemachte Aeußerung:„Das Volk ist stets das betrogene gewesen."— Desgleichen fallen die Auslassungen Uber das Tabakmonopol und die sozialpolitischen Bestrebungen der Regierung nicht unter den Z 131 eit., weil es sich hier um Fragen cks lefjs ferenda(zu erlassende Gesetze) handelt. Aber auch da, wo bereits bestehende Staatseinrichtungen und Gesetze zum Gegenstand der Aeußerung gemacht worden, greift der tz 131 eit. nicht Platz. Derselbe erfordert die Verbreitung von That- fache n, mährend die bloße Ausübung einer Kritik, a l l g e m e i n e U r r h e i l e, s e l b st allgemeine Verdächtig- u n g e n nicht genügen, um denselben anwendbar zu mache n. Hierher gehören namentlich die in Bezug auf das Sozialisten- gesetz gemachten Aeußerungen, wie z. B.: „Die sozialdemokratische Partei ist deshalb die von der Regierung best gehaßte und am meisten verfolgte Partei, man hat uns für vogelfrei— außer dem Gesetz— erklärt." „Sodann sollen hierunter die über die deutsche Einheit abgegebenen Aeußerungen, wie: „die Einheil haben wir allerding«, sie ist aber im Wesentlichen nur die Einheit der Kaserne und des Zuchthauses, jede freie Regung wird unterdrückt."—--- Diese« Erkenntniß ist datirl vom 7.'Januar 1382 und unterzeichnet: Busse, Lindenberg, Hall. Ehre diesen Männern, hätten wir beinahe hinzugesetzt. Indeß, was haben sie denn eigentlich Großes gethan! Sie sind einsach keine noto- rischen Schurke» gewesen, sondern haben die Gesetze so angewendet, wie sie nach Sinn und Wortlaut angewendet werden müssen. Und daß man versucht ist, deutsche Richter deswegen noch besonders zu loben, gibt es ein drastischeres Kennzeichen der verrotteten Zustände im Reiche der Gottessnrcht nnd frommen Sitte? Vom Reichstage. Berlin, 28. April 1882. Da ist er wieder beisammen— der.Reichstag, und nur durch einen komischen Zusall entging er dem lrä'urigen Loo« der Beschlußunsähigkeit: beim namentlichen Aufruf waren gerade 108 Mitglieder anwesend, d. h. eins zu wenig. Bor Verkündigung des Resultats— die natürlich mög- lichst in die Länge gezogen wurde—, als der provisorische Präsident sich schon erhoben hatte, um das verhängnißvolle Wort„Beschlußunfähigkeit" auszusprechen und die Reichsboten für den Tag zu entlassen, trat der Elsäßer und Reichsfeind Grad herein, und rettete unter laute», Kalloh der vom Alp erlösten„Kollegen" den Reichstag. lieber die„Thronrede", die von Herrn Bötticher, Staatssekretär des Inneren, mit zu ihrem Inhalt passender Trockenheit maschinenmäßig ver« lesen ward, und zwar nicht im weißen Saal, sondern im Reichstagssaal — offenbar ist der neue Reichstag etwas in Ungnade gefallen— ist sehr wenig zu sagen, da sie selber sehr wenig sagt. Bemerkenswerth ist nur der Passus Uber das Tabakmonopol, welcher als Zweck des„letzten Ideals" unseres Herr» Reichskanzlers die Steuerreform hinstellt. Das „Patrimonium der Enterbten" ist durch eine Versenkung von der Bühne hinweggeschafft worden und ungenirt wird die nackte Wahrheit verkündigt: Das Monopol soll die Taschen des Bismarck'schen Reichs füllen, und die der Steuerzahler leeren. Voilä tout! Also die schönen Berspre- chungen vor der Wahl waren eitel Lug und Trug, um den„armen Mann" in das Bismarck'sche Garn zu locken; und jetzt, da man den „armen Mann" nicht mehr an der Wahlurne braucht, auch die Hoffnung, ihn zu fangen, wohl aufgegeben hat, hat die Lüge ihren Zweck verloren, und die Wahrheit wird zynisch eingestanden. Ob die— zum Glück sehr wenig zahlreichen— Thoren, die aus den Leim gegangen find, nun gewitzigt sein werden? Mit diesem Geständniß ist Alles das bestätigt, was im„Sozialdemo- trat" über den schwindelhasten Charakter des Staatssozialismus unseres Junkers Bismarck gesagt worden ist. Heute hat der Reichstag sein voriges Präsidium wiedergewählt: L e v e tz o w und Frankenstein mit großer, den berüchtigten Ackermann mit knapper Majorität. Der erste Beschluß des neukonstituirten Reichstages war: sich auf acht Tage zu vertagen. Warum hat man ihn denn aber so früh einberufen? Keine der wichtigeren Gesetzesvorlagen ist fertig. Die Berufung aus den gestrigen Tag war absolut sinnlos. Aber Herr Bismarck hat es gewollt, und da hatten denn die Abgeordneten acht Tage vor der Zeit zu kommen. Hoffentlich erzeugt diese skandalöse Fopperei in den Herren einige Galle, die ihnen sehr zuträglich wäre. Heute über acht Tage soll der Reichstag seine Arbeiten beginnen. Mögen sie recht kampsvoll sein, und möge es tüchtige Hiebe setzen!! Der Beschlußfähigkeit ist er beiläufig nicht ganz entgangen. Ein Hammelsprung über die Vertagungsfrist— ob acht oder zehn Tage— konstatirte die Thatsache, daß blas 196, also nicht die beschlußsähige Zahl von Mitgliedern anwesend waren, so daß es bei dem Vorschlag des Präsidium« schon in acht Tagen anstatt erst nach zehn Tagen wieder zu beginnen, sein Bewenden hat haben müssen! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 3. Mai 1882. — Auch ein S ch m e r z e n s s ch r e i. Nachdem wir in'Nr. 17 des„Sozialdemokrat" unsern guten Max Hirsch haben jammern lasten, wollen wir heute auch dein Schmerz unseres braven S t ö ck e r über die Verstocktheit der deutschen Arbeiter einige Zeilen widmen. Wilhelms Beichtvater ist mit dem Erfolge seiner Agitation gar nicht zufrieden. Den Köder haben wir ausgeworfen, jammert der biedere Hosprediger im„Christlich-sozialen Korrespondenzblatt", aber„wo blieb die Masse?" Die Masse war so„verblendet", nicht anzubeißen.„Doch nicht eine Strafrede" fährt Stöcker fort,„wollen wir den bedrückten Volksgenoffen halten, sondern sie jetzt noch mahnen zur Ein- und Umkehr. Roch ist's Zeit. Möge es genug sein an deni, was wir Alle bitter genug empfunden haben. Nach dem Gerichte und der Sühne kommt, d i e ernstliche Besserung vorausgesetzt, die Vergebung und Versöhnung. Noch ist's dazu Zeit, aber es ist, das wißt Ihr Arbeiter selbst sehr wohl, dazu die höchste Zeit. Ichlagt in die großmüthig und ehrlich dargebotene Hand der Regierung, Euerer Euch wahrlich nicht feindlich gesinnten übrigen Volksgenossen ein!--- -- Macht Euch los von unwürdiger, unvernünftiger Führung, deren Werth Ihr zu Eurem Schaden wohl erkannt habt, folgt dem Zuge der Vernunft und des nicht verderbten Herzeus, folgt der Stimme der Menschlichkeit und des Gewissens in Euerer Brust, stellt Euch ans die festen Fundamente unseres Staatswesens und der christlichen Religion, und wir iverden Euch einpsangen wie der Vater den zurückkehrenden verloren geglaubten Sohn. Dann macht in angemessener(!) Weise Euere verfassungsmäßigen staats- bürgerlichen Rechte gellend, erhebt Euere Stimme wieder und werft sie in die Wagschale zu Gunsten eines kulturhistorischen Riesenwerke», welches die Welt noch nicht gesehen und welches nur vollbracht werden kann in viribus uniti», durch die vereinte sittliche und materielle Kraft einer ganzen Nation!" Daß die„verblendeten" Arbeiter auf dieses nichtssagende Gewäsch hineinfallen und einsehen werden, daß es die„höchste Z e i t" ist, zu Kreuze zu kriechen und Abbitte zu leisten, bildet sich Herr Stöcker wohl selbst nicht ein. Aber daß er nach 3'/, Jahren Ausnahmegesetz noch eine so klägliche Sprache führen muß, darauf haben wir nur eine Antwort: Ein Hoch den deutschen Arbeitern! Uebrigens wollen wir aus dem hospredigerlichen Erguß wenigstens ein Sätzcheu uns als Lehre dienen lassen:„Nach dem Gericht und der Sühne kommt— die ernstliche Besserung vorausgesetzt— die Vergebung und Versöhnung",— meint der Man» Gottes.„N a ch der Sühne" und„die ernstliche Besserung vorausgesetzt"— merkt Euch das, Ihr von den preußischen Halluuken in Noth und Elend Gejagte», ihr von Feuilleton. Druno Dauer und das Ilrchriltenthum. Von Friedrich Engels. In Berlin starb am 13. April ein Mann, der früher einmal als Philosoph und Theolog eine Rolle gespielt, seit Jahren aber, halbver- schollen, nur von Zeil zu Zeit als„literarischer Sonderling" die Aus- merksamkeit des Publikums auf sich gezogen hatte. Die offiziellen Theo- logen, unter ihnen auch Renan, schrieben ihn ab und schiviegen ihn deshalb einstimmig lodt. Und doch war er mehr Werth als sie alle, und hat mehr geleistet als sie alle in einer Frage, die auch uns Sozialisten inter- esstrl: in der Frage nach dem geschichtlichen Ursprung des Christenthums. 'Nehmen wir von seinem Tode Anlaß, den jetzigen Stand dieser Frage und Bauer's Beiträge zu ihrer Lösung kurz zu schildern. Die seit den Freigeistern des Mittelalters bis auf die Aufklärer des 18. Jahrhunderls, diese eingeschlossen, herrschende Ansicht, daß alle Reli- gioneu, und somit auch das Christenlhum, das Werk von Betrügern feien, war nicht mehr genügend, seitdem Hegel der Philosophie die Aufgabe gestellt halte, eine rationelle Eutmicklnng in der Weltgeschichte nachzuweisen. Es ist nun einleuchtend, daß wenn naturwüchsige Religionen, wie der Fetischdienst der Neger oder die gemeinsame Urreligion der Arier, ent- stehen, ohne daß Betrug dabei eine Rolle spielt, doch in ihrer weiteren Ausbildung priesterliche Täuschung sehr bald unvermeidlich wird. Kunst- religioneu aber können, neben aller ausrichtigen Schwärmerei, schon bei ihrer Stiftung des Betrug» und der Geschichtssälschung nicht entbehren, und auch da« Christeuthum hat schon gleich im Anfang hierin ganz hübsche Leistungen aufzuweisen, wie Bauer in der Kritik des neuen Testaments gezeigt. Aber damit ist nur eine allgeineine Erscheinung festgestellt, nicht aber der einzelne Fall erklärt, um den es sich gerade handelt. Mit einer Religion, die das römische Weltreich sich unterworfen und den weitaus größten Theil der zivilisirten Menschheit 180) Jahre lang beherrscht hat, wird man nicht fertig, indem mau sie einfach für, von der unersättlichen Kapitalshyäne bis aufs Blut Ausgesaugten und Ge- knechteten! Erst nach der Sühne die Vergebung! Dank, Jude, der Du uns da» Wort gelehrt! — Noch erbärmlicher als Hirsch und S t ö ck e r winseln jene elenden Jämmerlinge, welche unter dem Borwande strenger Befol- gung Lassalle'scher Lehren seit Jahren den schmachvollsten Gefinnungs- schacher betreiben. Wir meinen die in Hamburg-Altona lebende Handvoll Verräther an der Arbeitersache, welche schon vor dem Ausnahmegesetz bei geeigneter Gelegenheit den Meistbietenden— ob konservativ, ob liberal— ihre Stimmen verkauften und im Ansang vorigen Jahres in Körner und Finn zwar freudig begrüßte, aber desto weniger gewinn- bringende Geschäftsbrüder erhielten. In ihrem Sndelblatt, welches trotz Ausnahmegesetz das Recht hat, sich sozialistisch zu nennen, und welches trotz dieses Privilegiums nur durch den Reptilienfond sein Jammer- dasein zu fristen vermag, finden wir neuerdings ein Wehgeschrei, gegen das Hirsch's und Stöcker'S Klagen noch Triumphgesänge find. Da werden in einem„Ostergruß" die deutschen Arbeiter heruntergehuuzt, daß sie Lassalle nicht verstanden oder vergessen haben", sonst müßten sie blind- lings aus die famose Kaiserbotschast hineinpurzeln.„Und wenn nun", sährt das Reptil fort,„der große Staatsmann, der einen Lassalle besser begriffen hat als Ihr(!) Euch helsend zur Seite steht und bereit ist, Euch die Fesseln von den Füßen zu nehmen(!), da wollt Ihr noch zögern?"„Wachet aus!" Aber es weiß zu gut, daß die deutschen Arbeiter aus den Köder nicht anbeißen und darum beginnt es zu jammern. Und charakteristisch genug, adressirt es seine Henlmeierei au die antisemitische Sprenghorde von Berlin: „Macht uns Hamburger Soziölpolitikern an der Spree Luft(!), heißt es, daß wir auch hier an der Elbe gegen den T e r r o r i s m u» des sogenannten Fortschritts- und Manchesterthums losgehen können. An unserm guten Willen sehlt es nicht. Aber es muß von Berlin e i n m o r a l i s ch e r D r u ck(!) ans unsere hiesigen Berhälmisse kommen, damit die Rede- und Vereins freiheit aufhöre, bei uns gleichsam wie ein Privilegium der Bismarckhetzer dazustehen! Unser Verein kann sich nicht rühren außer in unserm kleinen Preßorgan, trotzdem wir dem hohen Senate nie eine kleinliche nörgelnde Opposition machen, noch zu machen Willens sind, wie es Fortschritt und St. Manchester thuen! Wir wissen selbst nicht, was es ist. Sind wir Sozialdemokraten? Nein! Sind wir poli- tische Vorschreier?'Nein! Sind wir spottwohlseile Lokalrevoluzzer? Nein! Wir stellen Kaiser und Reich höher, als den Kleinstaat Hamburg.— Ist das ein Verbrechen? Es muß wohl so angesehen werden. Der albernste schwatzwüthigste Schulmeister hat mehr Raum für den Flügelschlag seiner bismarckhetzerischen„Seele". Es mußte dieser„Schmerzensschrei" einmal ausgestoßen werden. Also macht uns Lust, Ihr„Fürst Bismarck» Pioniere" in Berlin, damit wir nicht mehr nach der preußischen Stadt Altona zu flüchten brauchen, wenn wir unsere sozialpolitische Meinung mündlich sagen wollen!...„Fürst Bismarcks Pioniere!" richtet Euer Augenmerk aus die zweite Stadt Deutschlands! Macht den r e i ch s t r e u e n Arbeitern Lust!" Und dieses charakterlose, feige Gewinsel— es kommt aus g e s u n d e n deutschen Arbeiterherzen", sagt Stöcker— steht in demselben Blatte, dessen notorischer Mitarbeiter der �„Sozialrevolutionär" Wolfs ist-- Eine nette Gesellschaft! — Ein vereiteltes Polizei Manöver. Aus Leipzig, 28. April, wird uns geschrieben; In zwei Monaten läuft das Jahr des „kleinen Belagerungszustandes" ab, und es ist nun Zeit, Gründe für die nolhwendige Verlängerung des„Kleinen" herbeizuschaffen. Die Polizei entwickelt deshalb jetzt eine fieberhafte Thüngkeit, und, Dank der„Schul- ung" durch die aus Chemnitz und Berlin importirten Ordnnngssänlen, gelangt der famose Grundsatz des französischen Spitzbuben in„Minna von Barnhelm":„II kaut corriger la fortune!"(Man muß das Glück verbessern) zu immer weiterer Anerkennung und praktischer Verwerthung. Man braucht einen„Geheimbund",„Geheime Zusammenkünfte",„Ber- schwörungen." Gut, was nicht ist, läßt sich machen, und ein H orsch findet sich ja überall und.obendrein sehr billig. Nebenbei bemerkt: diese Billigkeit der Hallunken steht eigentlich mit den bewährten Regeln der Nationalökonomie in Widerspruch, denn zu keiner Zeit>oar die Nach- frage nach Hallunken so groß, und steigende Nachfrage soll doch be- kanntlich, wie die Nationalökonomie lehrt, den Preis erhöhen! Doch ich will mich bei diesem Problem nicht aushalten. Genug— neulich wurde» mehrere Parteigenossen unter einem beliebigen plausiblen Vorwand brieflich nach einer Restauration in der Süd- sträße eingeladen; einige kamen, und, den Einlader erwartend, sprachen sie vom Wetter, von der Messe, von allem Möglichen, nur nicht von Politik— da erschien plötzlich die Polizei und„sistirte" die nicht wenig erstaunte Gesellschaft. Natürlich wurde nichts vorgesunden— wohl aber kam man dahinter, daß der Herr Einlader, der, wie nachher sich herausstellte, einen falschen Namen angegeben hatte, ein von der Polizei bezahltes Subjekt ist, dem indeß noch die nöthige Hebung fehlt. Diese wird jedoch mit der Zeit wohl, wenn auch nicht von ihm, dessen Rolle bereits ausgespielt ist—, aber doch von An- deren erworben werden. Hat also auch das„Komplot der Südstraße", die„südvorstädüsche Geheimversammlung" jc. die erwarteten Dienste nicht geleistet, so wird Aehnliches sich doch unzweifelhasl nächsten« wieder- holen. Die Polizei hat ja Geld, und nicht bloß die Dumme», sondern auch die Lumpen werden vorläufig„nicht alle". Betrügern zusammen gestoppelten, Unsinn erklärt. Man wird erst fertig mit ihr, sobald man ihren Ursprung und ihre Entwicklung aus den historischen Bedingungen zu erklären versteht, unter denen sie entstanden und zum Herrschen gekominen ist. Und namentlich beim Christenlhum. Es gilt eben, die Frage zu lösen, wie es kam, daß die Volksmassen de« römischen Reiches diesen, noch dazu von Sklaven und Unterdrückten ge- predigten Unsinn allen anderen Religionen vorzogen, so daß endlich der ehrgeizige Konstantin in der Annahme dieser Unsinnsreligion das beste Mittel sah, sich zum Alleinherrscher der römischen Welt emporzuschwingen. Zur Beantwortung dieser Frage hat Bruno Bauer bei weitem mehr beigetragen als irgend ei» Anderer. Die von Wille rein sprachlich nach- gewiesene zeitliche Reihenfolge und gegenseitige Abhängigkeit der Evangelien von einander wies er auch au» dem Inhalt derselben unwiderleglich nach, wie sehr auch die halbgläubigen Theologen der Reaktionszeit seit 1849 sich dagegen sperren mögen. Die verschwommene Mythentheorie von Strauß, bei der Jeder in den evangelischen Erzählungen soviel für histo- risch halten kann wie ihm beliebt, stellte er in ihrer ganzen Unwissen- schaftlichkeit bloß. Und wenn dabei von dem ganzen Inhalt der Evan- gelten sich fast absolut Nichts als geschichtlich erweisbar darstellte— so daß man selbst die geschichtliche Existenz eines Jesus Christus für fraglich erklären kann, so halte Bauer hiermit erst den Boden gereinigt, auf dem die Frage gelöst werden kann: woher stammen die Vorstellungen und Gedanken, die im Christenlhum zu einer Art System verknüpft worden sind, und wie kamen sie zur Weltherrschaft? Hiermit beschäftigte sich Bauer bis zuletzt. Seine Forschungen gipfeln in dem Resultat, daß der alexandrinische Jude Philo, der noch im 46. Jahre unserer Zeitrechnung, aber in hohem Alter, lebte, der eigem- liche Vater des Christenthums sei, und der römische Stoiker Seneca sozusagen dessen Onkel. Die uns unter dem Namen Philo's überlieferten zahlreichen Schriften sind in der Thal entstanden au« einer Verschmelzung allegorisch-rationalistisch aufgefaßter jüdischerTradilionen mit griechischer, namentlich stoischer Philosophie. Diese Versöhnung oecidenialischer und orientalischer Anschauungen enthält schon alle wesentlich christlichen Bor- stelluugen: die angeborene Sündhaftigkeit des Menschen, den Logo«, das Wort, das bei Gott uns Gott selbst ist, das den Mittler macht zwischen Gott und Mensch; die Buße nicht durch Thieropser, sonder» durch das Darbringen des eigenen Herzeus an Gott; endlich den wesentlichen Ich habe der an sich belanglosen Sache deshalb erwähnt, weil dies in Leipzig der erste Fall ist, wo nachweisbar ein richtiger agent provocateur zur Anzettelung von Geheimbündelei und sonstigem Polizeizeug verwandt worden ist. Pereat sequens! Tie Genossen find auf der Hut und haben vielleicht einmal Gelegen- heit zur Ertheilung einer kleinen Lektion! — Die österreichischePolizei im D i en st e der pre nßi- scheu. Als über Leipzig der kleine Belagerungszustand verhängt wurde, traf, wie vielen unserer Leser wohl erinnerlich sein dürste, das Loos der Ausweisung auch den Schriftsetzer Baum. Nach mancherlei Kreuz- und Quersahrten, wobei es an Rencontres mit der Polizei nicht fehlte, kam derselbe auf seiner Suche nach Beschäftigung auch nach W i en. Es gelang ihm, in der dortigen Staatsdruckerei Beschäftigung als Maschinenmeister zu erhalten und sich binnen wenigen Tagen durch tüchtige Leistungen in so hohem Grade auszuzeichnen, daß ihm der Direktor dauernde Kondition zusicherte. Die Freude Baum's über diese glück- liche Wendung seines Geschickes sollte jedoch nicht lange dauern! Eines Tages wurde er zur Polizei zitirt, woselbst man ihm eröffnete, daß die „Hochwohllöbliche" genau über seine Personalien unterrichtet sei. Zur Bestätigung dessen wurde ihm ein von der Leipziger KreiShauplmannschafr zugegangene« Schreiben vorgelesen, worin es U.A. hieß:„Wir haben uns g e n ö t h i g t gesehen, den Baum wegen seiner hervorragenden Thätigkeil für die sozialdemokratische Partei auszuweisen."— Das genügte der Wiener Polizeibehörde, dem solcherweise„Gestempellen" zu erklären, daß er binnen o i e r u n d z w an z i g Stunden Oesterreich zu verlassen habe; sei er im Besitz von Reisegeld, so wolle man ihn von einem Sicherheitsbeamten nur bis zum Bahnhofe begleiten lassen, von wo er dann seine Reise allein fortsetzen könne; habe er jedoch kein Geld, so müsse er sich gefallen lassen, eine„Marschroute" vor- geschrieben zu erhalten. Da nun Baum vollständig mittellos war, so be- gab er sich zum deutschen Konsul, um denselben zur Verabsolgung des nöthigen Reisegeldes zu veranlassen. Dieser würdige Repräsentant der Interessen seiner würdigen Brodgeber erklärte jedoch: einen Ver- b r e ch e r, möge er ein„politischer" oder„gemeiner" sein, nicht unter- stützen zu können!— So hätte denn Baum die gebundene„Marschroute" sich gefallen lassen müssen, wenn ihn nicht politische Freunde mit dem nöthigen Reisegeld versehen und so in den Stand gesetzt hätten, von der „ G r o ß in u t h" der Polizei,„nur bis zum Bahnhof" begleitet zu werden, Gebrauch machen zu können. Dieses ganze schmachvolle Vorkommniß zeigt wieder so recht deutlich die grenzenlose Erbärmlichkeit jenes Institutes, welches nach der Meinung von Pinseln und Narren berufen sein soll, die„Moralitär" und das „Recht" zu pflegen,— der Polizei und der mit ihr znsammenwir- I enden Elemente. Ein deutscher Konsul macht fich einem Arbeiter gegenüber, dessen ganze»„Verbrechen" darin besteht, mitgekämpft zu haben gegen das privilegirte Verbrecherthum, das im Namen der„Ord- nnng" und des„Gesetzes" Schandthat aus Schandthat häuft, zum Helfershelfer der Polizeigewalt, er degradirl sich selbst zu deren Büttel. Er kann den„Verbrecher", den die Polizei los sein will, nicht unter- stützen! Und da gibt es immer noch Thoren genug, welche von„Aufrechter- Haltung der Ehre des deutschen Namens im Ausland" faseln! Uns will bedünken, der Deutsche hätte alle Ursache, die ganze Bande der Gewaltmenschen, die sich im In- und Auslände auf Kosten des von ihnen mit Füßen getretenen deutschen Voltes breik machen, zum Teufel zu jagen, wenn« ihm ernst ist mit seiner Ehre! — Rechtsstaatliches aus dem Wupperthal e. Genosse O p p e n h e i m e r in Barmen befindet sich wieder aus freiem Fuße. Er war verhastet worden, weil man ans der Post Packete mit dem Parteiorgan geöffnet hatte— Stephan'» Postgeheimniß!— und darin befindliche Schriftstücke der Expedition desselben von einem unverständigen „Sachverständigen" als Oppenheimer's Handschrift erklärt wurden. Die vollständige Werthlosigkeit dieses Gutachtens stellte sich indeß bald heraus.— Vorige Woche wurde in E l b e r f e l d vom Polizeikommissar A r e n t s aus Denunziation von Außen ein im Orte selbst unbekannter Arbeiter wegen„sozialistischer Umtriebe" verhaftet, einige Tage hinterher— am 24. April— in Barmen Genosse L. S z i m m a t h, Ausgewiesener aus Berlin und Hamburg. Am 13. April wurde vom„Justizmörder" Q n 0 d t der Weber W e i d m ü l l e r zu vier Wochen Gesängniß ver- urtheilt, weil er bei der Wahlkampagne ein Wahlstugblatt verbreitet haben soll.„Kurz, die Wupperthaler Staatsretler sind seit Aushängen der rothen Fahne so wüthend wie ein andalusischer Stier, dem diese verhaßte Farbe vorgehalten wird", schreibt uns ein echter— Rother. — DasReichsgericht— mit welchem ähnlichklingenden Beinamen der Vollsmnnd diese ehrenwerlhe Körperschaft bezeichnet, entzieht sich der schriftlichen Wiedergabe— also das Reichsgericht hat die Berufung unserer Genossen I a n i s z e w s k i und Truskowski gegen die ihnen von den Posener Rechtsbanditen auserlegten exorbitanten Strafen— sie waren wegen Gründung eines„Geheimbundes" zum Zweck sozialistischer Reichstagswahlen(!!) zu mehr als zweijährigem Gesängniß verurtheilt worden— seiner schuftigen Praxis gemäß abgewiesen. Diese Strebergesellschaft verdient in der That befördert zu werden! — Noch einmal der Breslauer Prozeß. Charakterisch für die vielgerühmte„Findigkeit" der deutschen Post ist der Umstand, daß zweimal Briefe K r ä ck e r's an den Zigarren arbeiterAnton Kryczanowski, mit genauer Angabe der Adresse, an den F a b r i- kanten Anton Kryezanowski ausgeliefert wurden, welch' letzterer so Zug, daß die neue Religionsphilosophie die bisherige Weltordnung um- kehrt, ihre Jünger unter den Armen, Elenden, Sklaven und Berwor- jenen sucht und die Reichen, Mächtigen, Privilegirte» verachtet, und daß damit die Verachtung aller weltlichen Genüsse und die Abtödtung de« Fleisches vorgeschrieben sind. Anderseits hatte schon Augustns dafür gesorgt, daß nicht nur der Gottmensch, sondern auch die sogenannte unbefleckte Empfängniß von Reichs Wegen vorgeschriebene Formeln wurden. Nicht nur ließ er Cäsar und sich selbst göttlich verehren, er ließ auch verbreiten, er, Augustns Cäsar Divus, der Göttliche, sei nicht der Sohn seines menschlichen Vaters, sondern seine Mutter habe ihn vom Apollogolt empfangen. Wenn dieser Apollogott nur kein Verwandter des von Heinrich Heine Besungenen war! Man sieht, es fehlt nur noch der Schlußstein, und das ganze Christen- lhum ist in seinen Grundzügen fertig: die Verkörperung des mensch. gewordenen Logos in einer bestimmten Person und sein Sühnopfer am Kreuz zur Erlösung der sündigen Menschheit. Wie dieser Schlußstein geschichtlich in die stoisch-philonischen Lehren ein- gefügt, darüber lassen uns die wirklich zuverlässigen Quellen im Stich. Soviel aber ist sicher, von Philosophen, Schülern Philo's oder der Sloa, ist er nicht eingefügi worden. Religionen werden gestiftet von Leuten, die selbst ein religiöse« Bedürsniß empfinden und Sinn haben für das reli- giöse Bedürsniß der Massen, und das ist ä» der Regel nicht der Fall bei Schulphilosophen. Tagegen finden wir in Zeiten allgemeiner Auslösung — wie;. B. auch jetzt— Philosophie und religiöse Dogmatik in vulga- risirler Form verflacht und allgemein verbreitet. Führte die klassische griechische Philosophie in ihren letzten Formen— besonder» bei der epiknräischen Schule— zum atheistischen Materialismus, so die griechische Vulgärphilosophie zur Lehre vom einigen Gott und von der unsterblichen Menschenseele. Ebenso war das in der Mischung und dem Hingang mit Fremden und Halbjnden rattonalistisch-vulgarisirle Judenthum angekommen bei der Vernachlässigung der Geseyeszeremonien, bei der Verwandlung de« ehemaligen ausschließlich jüdischen Nationalgottes Jahwes) in *) Wie schon Ewald bewiesen, schrieben die Juden in pnnkttrten(mir Vokalen und Lesezeichen versehenen) Handschriften unter die Konsonanten de« Namens Jahweh, den auszusprechen verboten war, die Vokale des infam war, den zweiten auf solche Weise in seinen Besitz gelangten Brief— der erste war ihm unverständlich— sofort der Polizei zu überliefern. Sehr bezeichnend auch für den Freisinn der polnischen Bourgeoisie! Recht erfreulich ist das männlich entschiedene Verhalten unserer Ge- nossen vor Gericht. Kein Wort von dem in den inkriminirten Flug- blättern Gesagten wurde zurückgenommen, vielmehr lieferte Kräcker in längerer, zum Theil sehr erregter Rede den Nachweis für die volle Rich- tigkeit der in denselben gefällten Kritik, wobei er, wie später auch Zimmer, vom edlen Vorfitzenden mit dem Bemerken unterbrochen wurde, er könne die Schmähung einer staatlichen Institution(nämlich der Polizei) nicht dulden. Genosie Feltenberg, Zigarrenmacher, protestirte ganz euer- gisch gegen die Ausführungen des Staatsanwalts, daß er und der mit- angeklagte Genosse K u l t m a n n, Tischler, lediglich Strohmänner seien. Er übernahm die volle Verantwortlichkeit für den In« halt des Flugblattes, dasselbe gebe nur seiner innersten Ueberzeugung von der gegenwärtigen schlechten wirthschastlichen und politischen Lage der Arbeiter Ausdruck.„Wenn es meiner Partei von Nutzen ist," sagte er,„so will ich gerne die für mich beantragten 3 Monate Gesäugniß absitzen.(Bravo!) Fast möchte ich auf die Vermuthung kommen, ich fitze nicht wegen des strafbaren Inhalts des Flugblattes, also nicht wegen Verletzung des fj 131, sondern um deswillen hier, weil ich Sozialdemokrat bin." Der Vorsitzende verbietet den Angeklagten, hier in diesem Tone zu sprechen, die Anklagebehörde in solcher Weise herabsetzen zu wollen(!). „Nun gut", sagte Feltenberg mit höhnischem Lächeln,„ich sehe ein, ich bin hier, weil ich auf Grund von Z 131 des Strafgesetzbuches angeklagt wurde. Ich fühle mich unschuldig, deshalb erwarte ich meine Freisprechung." Taß diese nicht erfolgte, sondern daß unsere Genossen schuldig erklärt und verurtheilt wurden, haben wir schon in voriger Nummer gemeldet, ebenso die Namen der Verbrecher am Rechte. Wir werden sie uns merken! — Ein„Pflichtvergessene r", gelinde gesagt, ist der Artillerie- Hauptmann a. D. von Ehrenberg. Dieser„Verräther" an der Sache des heiligen Militarismus hat jüngst eine Arbeit veröffentlicht, in der er—„o der Schmach und Schande!"— nachwies, daß selbst unter den heutigen Verhältnissen Millionen und Abermillionen am Militäretal erspart werden könnten, wenn man nur aus gewisse alberne Spielereien, namentlich was die„Jarde" anbetrifft, verzichten wollte.„Ersparungen am Militäretal? Dieser Hauptmann ist ein Vaterlandsverräther", er- scholl es sofort„soweit der Preuß' Soldaten drillt und's Fluchen als Kommando gilt", und sofort wurde vom preußischen Kriegsministerium ein Ketzer-— Pardon Kriegsgericht über den Schändlichen eingesetzt. Dieser aber setzte seiner Verworfenheit die Krone aus und bestritt die Zuständigkeit des preußischen Militärgericht«, da er als geborener Badenser durch die bekannte Militärkonvention feiner Zeit in eine Zwangslage versetzt worden und daher nicht freiwillig in preußische Dienste getreten sei. Tami l kam er natürlich schön an. Ohne Angabe von Grün- den wurde die Berufung von höchster Stelle— Wilhelm der„Gerechte"— abgelehnt und der Verbrecher von dem Preußischen Kriegsgericht inKassel„wegen Beleidigung des Kriegsministers, der Garde, des Regiments der Garde du Corps— dessen vollständige Zwecklosigkeit er nämlich nachgewiesen— der Offiziere in besonderer Stellung in Bezug aus ihren Berus, sowie wegen Verspottung von An- ordnung der Obrigkeit zu drei Monaten Gefängn iß und in die Kosten verurtheilt, welchem Urtheil Wilhelm der Mildherzige sofort seine oberkriegsherrliche Sanktion ertheilte. Außerdem ist der pstichtvergesfene Hauptmann wegen seiner vaterlandsverrätherischcn Kritik der weißen Helmbüsche und anderer schöner Einrichtungen aus der Ossi- ziersliste gestrichen worden. Zu letzterer Maßregel könnte man Herrn von Ehrenberg, der, wie wir hören, auch sonst seinem Namen Ehre macht, nur gratuliren. In d i e Gesellschaft gehört ein Mann wie er nicht hinein. Ist doch eine nette Gegend, dieser heilige preußische Militarismus! Nebt einmal ein gewöhnlicher Sterblicher Kritik an derselben, so brüllt das ganze Spießbürgerchor: Davon verstehst Du nichts, Moltke weiß das besser, und kommt ein Fachmann und legt die kritische Sonde an, so läßt ihn Moltke durch seine Kreaturen einsperren. Und da schimpft man noch auf die katholische Kirche mit ihrer päpstlichen Unfehlbarkeit! — Bestialisch!„Die Kaiserin von Oesterreich", schreibt der„Bor- böte",„ritt bei ihrer ersten diesjährigen Fuchsjagd in England ihr Roß, eine dunkelbraune Stute, 1 Stunde und 20 Minuten lang in so furcht- barem Tempo über Stock und Stein und Gräben hinter dem Fuch» her, daß das Pferd zusammenbrach und getödtet werden mußte! Die letzten Sprünge der brutalen Amazone waren so verwegen, daß ihr nur drei »an allen Fuchsjägern zu folgen wagten." Und das läßt sich von dem speichelleckerischen Lileratentroß als Muster„holder Weiblichkeit" an- fingen! — Ueber die As faire des„einäugigen Wolf" wird nn« aus Deutschland geschrieben:„Während sich sonst Richter, Staats- nnwälle und Polizei trefflich in die Hände arbeiteten, ist es jetzt zur Abwechslung einmal passirt, daß sie einander in die Quere gekommen find und auch leicht sich in die Haare gerathen können. Der Lumpazius o l f(weiland wegen Spitzbüberei in Oesterreich inhastirt, nach länge- «M Aufenthalt in Leipzig, wo die Genosienschaftsbuchdruckerei ihm da« ben einzig wahren Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, und bei der Annahme der dem Judenthum ursprünglich fremden Unsterblichkeit der �eele. So begegnete sich die monotheistische Bulgärphilosophie mit der Bulgärreligion, die ihr den einigen Gott fix und fertig präsentirte. Und somit war der Boden präparirt, auf dem bei den Juden die Verarbei- tung ebenfalls vulgarisirter, philonischer Vorstellungen das Christen- thum erzeugen und das einmal erzeugte bei den Griechen und Römern '"nähme finden konnte. Daß es popularisirte philonische Vorstellungen mi' und nicht Philo'« Schriften unmittelbar, aus denen das Christen- �."V�Jv�ging, ist bewiesen dadurch, daß das'Neue Testament den ,tl.,e'ev Schriften fast vollständig vernachlässigt, nämlich die ■ ��"bhisch« Deutung alttestamentlicher Erzählungen. Es ist eine«eile, die Bauer nicht hinreichend beachtet hat. 8 Christenthum in seiner ersten Gestalt ausgefehen�hat, davon r e"le Vorstellung machen, wenn man die sog. Offenbarung AnfSn?«8 verworrener Fanatismus, von Dogmen erst die aeaen Vin!?,!' 6ei'08- christlichen Moral nur die Fleischesabtödtung, da- Dogmm?.nd p« �L���ihnnge,. d.e Menge. Die Ausbildung der Evanaelien und iL � gehört emer späteren Zeit an, m der die wurde— für die Episteln geschrieben wurden. Und da -."«.ich SLKSs. es?« 7 Mi-'--«» 7» .uchmta, Sa. S!r1!''" i"';,""«'* den Rechtgläubigen aufgefX ob V � b~ «n seiner Stelle gelesenen Wortes Adonai. Die» fmVi di? zznäteren sond-rn°einwck?�-s Wor- ist also nicht der Name eiues�Gottes. einfach unmöglich!" gramma-.sch-r Schnitzer:-s ist im Hebräischen Gnadenbrod gab, in Hamburg zum preußischen Spitzel geworden) ist den Genossen sattsam bekannt. Wohlan, im Auftrag seiner Berliner Brod- geber, die ihm ein regelmäßiges Gehalt zahlen, hatte der saubere Kum- pan, da er bei den deutschen Sozialdemokraten kein Geschäft machen konnte, für die Londoner„Freiheit" zu korrespondiren und dieselbe mit Berichten im Sinne und Interesse der Puttkamer, Madai, Bismarck und Konsorten zu versorgen; und außerdem auf Grund seiner Verbindungen mit der„Freiheit" einige Gimpel aus den„anarchistischen" Leim und in einen„Geheimbund" zu locken. In Folge allzu lauten und renommisti- scheu Vorgehens des der Flasche oft stark zusprechenden„Einäugigen" wurde die in das Geheimniß nicht eingeweihte Hamburger Polizei und Staatsanwaltschaft auf ihn aufmerksam. Allerhand gravirende That- fachen kamen an den Tag; namentlich entdeckte man die Spuren ver- dächtiger Geldsendungen, die laut schriftlichen Angaben, für Rechnung der Londoner„Freiheit" von Berlin aus an Wolf gegangen waren, der daraufhin, nach Verständigung mit der Berliner Staatsanwaltschaft, nach Berlin abgeliefert wurde. Da sitzt er nun, und wenn es Herrn v. Madai nicht gelingt, seinen Schützling und Stipendiaten durch irgend einen Koup aus der Schlinge zu befreien, oder sich— ä k Leipziger Reichsgerichts- Hochver- rarhsprozeß— mit Staatsanwälten und Richtern zu verständigen, so wird die nicht gerade für die weiteste Oeffenllichkeit geeignete Thatsache amtlich an's Licht der Sonne gezogen werden, daß die angeblich von der Londoner„Freiheit" herrührenden Geldsendungen direkt aus dem Berliner Polizeipräsidium stammen. Daß diese Geschichte nicht blos spaßhaft, sondern auch nach mancher Richtung hin lehrreich ist, brauchen wir nicht besonders auseinander- zusetzen."— Ob aber die Lehre gerade von Denen, welche sie zunächst angeht, be- griffen wird, ist eine andere Frage. Wahrscheinlicher ist. daß man, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt, den gläubigen Lesern auseinander- setzt, daß Wolf gleich Nathan Ganz nur ein„unglückliches Produkt der Verhältnisse" ist, und daß, da alle Moral wandelbar ist, sehr wohl auch die Zeit kommen kann, wo Berkäuflichkeit und Verrätherei als ehrenhaft gelten werden, Wolf somit im schlimmsten Falle nur seiner Zeit voraus ist. E« wäre das Aergste, was man von d e r Seite seinem Publikum geboten und was dieses auch geduldig hingenommen hat. — W i e die Sozialdemokratie ihrer Vorkämpfer gedenkt. Während die in N e w- U o r k lebenden Berliner Aus- gewiesenen unfern verstorbenen Genossen H e i n s ch und D e n t l e r Kränze mit erhebenden Inschriften auf das Grab legen ließen, haben die Berliner Arbeiter durch regen Besuch der Gräber an den Todestagen der Betreffenden gezeigt, daß sie noch von den gleichen Gesinnungen be- feelt sind, wie damals, als sie den Leichenzügen unserer zu früh verstor- benen Freunde folgten. In B r e s l a u ist am 11. April trotz strömenden Regens das Grab Lassalle's sehr zahlreich von unfern Genossen besucht worden. Unsere Brauns chweiger Genossen gingen am 27. April, am Todes- tage W. B r a ck e's zum Grabe des wacker» Kämpfer'«, dasselbe mit Kränzen und Schleifen zu schmücken. Am 1. Mai war der Geburtstag unseres unvergeßlichen Borkämpfers Johann Jacob y. Die deutschen Sozialisten Zürichs ließen dem Vater der Demokratie in Preußen einen Kranz mit großer rorher Schleife, auf der eine entsprechende Widmung gedruckt war, auf das Grab legen. Mögen diese Manifestationen zu Ehren unserer Vorkämpfer die lebende Generation anfeuern, ihnen nachzueifern in Aufopferung und Prinzipien- treue! — An den Schandpfahl! In Gera hat der Scheermeister K a r l W ü n s ch m a n n, ein Schmarotzer und Liebediener nicderträch- tigster Sorte, einen an den Arbeiter Emil Friedrich, mit dem er sich überwarfen, gerichteten Brief, in welchem er den„Sozial- demokrat" witterte, hinterrücks erbrochen, um Friedrich und dessen Logiswirth G o g l e r durch Denunziation bei dem Fabrikbesitzer außer Arbeit zu bringen. Wir überantworten dieses Subjekt unfern Geraer Genossen zur gebührenden Züchtigung. — Oesterreich. Was in unserem Leitartikel bereits angedeutet, ist inzwischen wirklich eingetroffen. Der Streik der nordwestböhmischen Kohlenarbeiter ist erdrückt werden; die Arbeiter sind geschlagen. Zuletzt hat auch noch der„Arbeiterfreund" T a a s e seine arbeiterfreundliche Ge- sinnung dadurch dokumeulirt, daß er ankündete, er werde, wenn der Streik nicht binnen zwei Tagen zu Ende ist, über den ganzen Distrikt den Belagerungszustand verhängen. Thatsächlich ging es übrigens so arg her, daß es unter dem Belagerungszustand kaum schlimmer werden konnte. Die Arbeiter sind geschlagen, ihre Besten sitzen im Gefäugniß oder sind auf die Straße geworfen— dem Hunger überliefert, mit dem in den Augen der Bourgeoisie todeswürdigen Stigma der„Aufwiegelei" behaftet. Ihr Elend soll eine Warnung sein für die„gnädig" in« alte Joch Aufgenommenen. Wird es ihnen eine Warnung sein? Werden sie aus dem Loos ihrer Brüder lernen, was sie von den heutigen Machthabern, vom Heuligen Staat, dem angeblichen Schutz der Schwachen, zu erwarten haben? Wird es ihnen den Gedanken nahe legen, das nächstemal wirksamere Kampfmittel anzuwenden V Wird ihnen der Gedanke kommen, daß Pulver und Dynamit nicht blos zum Sprengen von Felsstücken gut sind? Die Arbeiter sind geschlagen— wehe den Siegern! — In Brün« fand während der Ostertage ein von 35 Orten durch 60 Delcgirte beschickter mährisch-schlesi scher Arbeitertag statt. Derselbe nahm einen ausgezeichneten Verlauf, czechische und deutsche Arbeiter tagten in brüderlicher Eintracht neben einander. In längerer Schlußresolution sprach sich der Kongreß für allgemeines Wahl- recht, Preß«, Vereins- und Versammlungsfreiheit, Normalarbeitstag, Haftpflichtgesetz, HilsSkassen mir Selbstverwaltung der Arbeiter, achtjährige Schulpflicht bei Uebernahme aller Schulauslagen durch den Staat, Ab- schassung des stehenden Heeres, der indireklen Steuern, Einführung der progressiven Einkommensteuer, Errichtung von Produktivgenossenschaften mit Staatshilfe und Anftrebung internationaler Fabrikgesetzgebung aus. Der Kongreß empfahl die Unterstützung der Arbeiterbildungsvereine, Fachvereine und Gewerkschaften, das Halten der Arbeiterblölter, und verurtheilte alle nationalen und religiösen Hetzereien als einer nach Freiheit und Aufklärung ringenden Partei unwürdig. Diese Resolution wurde in einer acht Tage später in Brünn statt- gehabten, von ca. 5000 Personen besuchten Volksversammlung einstimmig gutgeheißen. In P r a g wurden in einem vom 11. bis zum 17. April geheim ge- führten Monstreprozeß 23 Genossen wegen Geheimbündelei K. abgeurtheilt. 11 Angeklagte wurden schließlich freigesprochen, die andern bis zu sechs- wöchentlichem Gefängniß verurtheilt. Und der Staat war wieder einmal gerettet! Ueber das entschiedene Eintreten der Wiener Arbeiter gegen den Versuch, die Antisemitenbewegung auch dort zu importiren, ist in der Tagespresse ausführlich berichtet worden. Die Herren Schönerer und Konsorten haben wider ihren Willen unserer Sache einen guten Dienst geleistet, sie haben unseren Genossen Gelegenheit zu glänzenden Demonstrationen gegeben. Im Uebrigen sind in Oesterreich Haussuchungen, Konfiskationen, Ver- Haftungen k. nach wie vor an der Tagesordnung. _ Frankreich. Die sozialistische Arbeiterpartei hat am letzten und vorvorigen Sonntag bei den Gemeinderathsersatzwahlen noch weitere Erfolge errungen. In R o a n n e ist die Liste unserer Genossen voll- ständig durchgedrungen. In B- s s ö g e s siegle der Sozialist I o u r d a n mit 1308 gegen 958 Stimmen, in A l a i S in der Stichwahl der Sozialist Lalauge mit 1254 gegen 918 Stimmen. Nachdem die Provinz so siegreich vorangegangen, ist auch Paris nicht zurückgeblieben. Am letzten Sonntag fand im 18. Arondiffements (Wahlkreis Clemenceau's) im Viertel Grand Carriöre Nachwahl für den Gemeinderath statt. Die sozialistische Arbeiterpartei hatte Genosse I o f f r i n aufgestellt, gegen ihn kandidirte der Radikale S i m o u n e a u und der Kandidat der sozialistisch-republikanischen Allianz, L. Lucip ia, letzterer lebhaft unterstützt von Clemenceau's„Justice", also ein nicht zu unterschätzender Gegner. Und das Resultat? I o f f r i n er- hielt 1246 Stimmen, Simonneau 1139 und Lucipia nur 1070. Bei der Nachwahl im Dezember vorigen Jahres hatte die Arbeiterpartei in diesem Viertel nur 918 Stimmen erhalten. Man sieht, es geht wacker vorwärts. Die van der Bourgeoispresse vielbesprochene Kandidatur Florion war nicht von der sozialistischen Arbeiterpartei, sondern von den Blanquisten ausgegangen. Es war eine sogenannte Protestkandidatur. — Spanien. Die Aufregung in Katalonien ist noch immer nicht vorüber. Die katalanische Bourgeoisie, Groß- wie Kleinindustrielle, wollen es aufs Aeußerste ankommen lassen, ehe sie auf Schutzzölle ver- zichten, und drohen daher mit dem Ruf: Losreißung von Spanien. Sie werden sich indeß noch sehr besinnen, ehe sie ihre Drohung zu verwirklichen versuchen werden. „Wir wissen sehr wohl", schreibt ein sehr guter Kenner der spanischen Verhältnisse in der„Egalitö", daß einerseits das von den Bourgeois- theoretikern des Federalismus und den Anarchisten und sogenannten Ar- beiterautonomisten in die Massen geworfene Schlagwort:„L o s r e i ß u n g" die Geister für die Idee eines katalonischen Einzelstaate« bearbeitet hat, indem man die provinziellen Eifersüchteleien und Gehässigkeiten schürte, welche seinerzeit die ehemalige demokratische Partei und dann die Internationale zu beseitigen versucht halten." Andererseits sind die Karlisten(Ultraklerikale), die in den Bergen Kataloniens noch viel Au- Hänger haben, sofort bereit, mit den Federalisten Hand in Hand zu gehen. „Aber die Gesetze der modernen Produktion, die Interessen der Produ- zenten, sind der Autonomie der Provinzen in so hohem Grade entgegen— sie werden es bald auch her Autonomie der Nationen fein—, daß die Leiter der gegenwärtigen Bewegung, wenn sie nicht blind oder politische Abenteurer sind, über kurz oder lang den Wahnsinn ihre« Beginnens einsehen und vor der Gefahr, Alles das zu verlieren, was sie heute nur zum Theil riskiren, zurückschrecken werden. „Nehmen wir an, daß vermittels eines Bürgerkrieges oder eines mehr oder weniger langen Kampfes mit der Zentralregierung ein Vertrag der verschiedenen spanischen Provinzen untereinander zu Stande käme und die Katalonier ihre politische und ökonomische Unabhängigkeit, ihre „theuere" Autonomie, erhalten würden. Da nun die Interessen der katalonischen Industrie zur Zeit den Interessen der anderen spanischen Distrikte gegenüberstehen, was würde die Folge sein? „Diese Provinzen würden sich natürlich das Recht vorbehalten, die aus« ländischen Produkte zollfrei über ihre Grenzen zu lassen, und Kala- lonien würde, Dank seiner„Unabhängigkeit", den doppelten Vortheil haben, einen Wall von Zollwächtern an den Pyrenäen aufstellen zu können und am Ebro eine noch schwerer zu passirende Mauer aufgerichtet zu sehen: Die ausländische Konkurrenz, gegen welche, nach dem eigenen Geständniß der Schutzzollapostel, die katalonische Industrie nicht auszukommen vermag; ihnen bliebe nur ein Trost, ihre Produkte selbst zu verbrauchen. „Zu solch blödsinnigen Konsequenzen führt die Theorie von der Autonomie.---„Was die so zahlreiche, so intelligente, im ökono- mischen Kampf so erfahrene Arbeiterklasse Kataloniens anbetrifft, so wiederholen wir, daß sie sich nicht von den autonomistischen Deklamationen und Emanzipationsvorspiegeleien— womit die Emanzipation ihrer Ausbeuter gemeint ist— täuschen lassen würde, auf Grund deren sie nur noch mehr unterdrückt, noch schamloser ausgebeutet würde als zuvor; sie weiß zugut, daß sie sich allein nicht befreien kann, daß Alles, was sie von ihren Brüdern in den andern Provinzen trennt, nur ihr Befreiungswerk auf- hält, daß dasselbe nicht im Kantonalismus der bürgerlichen Autonomie, sondern in der Zentralisation und der Arb eiterso lidarität liegt." So die„Egalitö". Wenn trotzdem hier und da noch von Arbeiter- tnmulten aus Barcelona berichtet wird, so betrifft das nur die unorga- nifirren, den demagogischen Aufhetzungen der jBourgeoisie leichter zugäng- lichen Elemente. Die klassenbewußten, organisirten Arbeiter geben sich zu diesen Manövern nicht her. Und diese geben in Barcelona den Aus- schlag. Die gewerkschaftliche Bewegung macht in Spanien große Fortschritte. Während der Ostertage fand in Reus(Katalonien) ein Kongreß der spanischen Nianufakturarbeiter statt, der von 47 Delegirten besucht war, die 8549 organifirle Manufakturarbeiter(davon 6216 Männer und 2333 Frauen) verlraten. Er beschloß die Gründung eines Mannfakturarbeit-rbunde«, der sich an den allgemeinen Arbeiterbund von Spanien anschließen soll. Zum 17—19. Mai ist nach Madrid ein allgemeiner Metallarbeiterkongreß, nach Barcelona ein Kongreß de« Bauarbeiter Verbandes einberufen. Letztere Orga- nisation zählt bereit» 62 Mitgliedschaften. Korrespondenzen. — Hannover. S i tu a t i o n s b e r i ch t. Wenn vom hiesigen Or»e nur böchst selten ein Bericht im Parteiorgan erscheint, so wolle man daraus nicht schließen, daß wir hier auf der Bärenhaut liegen und den„Herrgott" und feinen—„Propheten" Bismarck gute Leute fem ließen. Im Gegentheil: es herrscht unter den hiesigen Genossen eme rührige Thätigkeit; allein es gibt bekanntlich Dinge im„Himmel und auf Erden", von denen sich nicht blos unsere„Philosophie", sondern auch unsere Polizei nichts„träumen" läßt. Letztere ifl bekanntermaßen sehr neugierig; wir dagegen haben keine Neigung, ihr Dinge auf die Nase zu binden, die sie nicht« angehen. Aus diesem Grunde müssen wir auch darauf verzichten, unsere Thätigkeit hier im Zentralorgan näher darzulegen—; denn man kann heute mit einer leichten Verände- rung der Göthe'schen Verse sagen: Den Stieber sind wir los, Die S t i e b e r sind geblieben. Es ist im gesegneten Zeitalter des neuen heiligen preußisch-drulschen Reiches der„Gottesfurcht und frommen Sitte" glücklich so weit glommen, daß man keine zehn Schritt mehr machen kann, ohne Uber einen Poli- zisten zu stolpern oder auf einen Gensdarmen zu spucken. Es ist nur zu wahr, das Wort unseres Parteigenossen Liebknecht, welches dieser im Dezember 1870 im Reichstage sagte:„Die Krönung des modernen Kaiser», um ihr eine symbolische Bedeutung zu geben, sie wäre vorzunehmen da draußen auf dem Gens- d' a r in- n m a r k t. Das ist der passendste Ort für die Krönung des modernen Kaisers, denn dieses Kais er thum kann in der Thal nur durch den Gensdarmen aufrecht erhalten werden." Wen» es in der bisherigen Weife fortgeht, so kann es noch dahin kommen, daß jeder„Reichsbürger" von einem eigenen Polizisteu am Schritt und Tritt beaufsichtigt wird. Doch nun zur Sache. � Ta wir feit der be— rühmte». Stöckerversammlung im Marz v. I. nichts von uns haben hören lassen, so beginnen wir unfern Bericht mit der letzten Reichstagswahl. In nur wenigen— besonder»„gottbegnadeten"— Städten und Wahlkreisen de« preußisch-deutschen Reiches gibt es ein so buntes Gemisch von Parteien wie hier in der alten Welsenstadt Hannover. Welsen, Nationalmiserable, Konservative, Fortschrirtler und Sozialdemokraten ringen hier um die Palme des Sieges:— fehlen blos noch die Sezefsionisten, dann ist das halbe Dutzend voll. Recht so! Je toller desto besser. Da uns hier(in Preußen) jede öfientliche Wahlagitation durch das famose Ausnahmegesetz unmöglich gemacht ist, so ließen wir die anderen Parteien ruhig gewähren und sich nach Herzenslust„austoben", indem wir uns scheinbar in den „Schmollwinkel" zurückzogen. Am Sonntag vor der Wabl verbreiteten wir dann unfern*) Wahlaufruf in 30,000 Exemplaren binnen drei Stunden im ganzen Wahlkreise Derselbe kam für unsere Gegner wie ein Blitz- schlag aus heiterem Himmel. Mau denke sich das Erstaunen und den Schreck unserer Mast- und Spießbürger, als sie nun das rothe Gespenst wieder leibhaftig vor Augen sahen; denn diese Schlaumeier— die genau so schlau sind wie der Vogel Strauß— hatten sich allen Ernstes ein- gebildet, daß die bösen Sozialdemokraten, von denen sie seit 1878 weder etwas sahen noch hörten, längst todt und begraben seien. Von diesem Wahn wurden sie jetzt gründlich kurirt. Das Wablresultat war: M e ist e r(Sozialdemokrat) 5515, Brüel (Welse) 10,120, Hornemann(Nationalliberal) 3272, Träger(Fort- schritt) 2,005, v. L o e b e l(Konservativ) 1,437 Stimmen. Also Stich- wähl zwischen Brüel und Meister! Bei der Stichwahl erließen wir keinen neuen Wahlausruf, sondern beschränkten uns nur auf die münd- liche Propaganda. Resultat: Meister 5,890, Brüel 10,205 Stimmen. Wir glauben, daß wir mit diesem Resultat zufrieden sein können, an- gefichts der schwierigen Verhältnisse, mit denen wir zu kämpfen hatten. Wir waren nur auf unfern Wahlaufruf und auf die geheime mündliche Propaganda angewiesen, während unsere Gegner nach Herzenslust agitiren konnten und weit verbreitete Zeitungen zu ihrer Verfügung hatten: die Nationalmiserablen ein täglich zweimal erscheinendes Organ, die Welsen nnd Konservativen je eine täglich erscheinende Zeitung, selbst die Fort- schrittler besaßen ein Wochenblättchen(das inzwischen wieder selig ent- schlafen ist). An einen Sieg war für uns nicht zu denken; allein so viel steht fest: wenn erst die w e l s i s ch e Partei den Weg alles Fleisches gegangen ist— und das ist nur noch eine Frage der Zeit—, dann wird der Wahlkreis H ann o v e r stets nur einen Sozialdemo- kraten in den Reichstag schicken; denn die„Reichstrene" ist hier verflucht dünn gesäet. Die Natioualmiserablen haben gründlich ab- gewirthschastel, die Konservativen(hier im Volksmunde spottweise die „preußischen Kolonisten" genannt) werden in Hannover mit ihrer Bauern- fängerei n i e Glück haben, nnd für die großmäuligen, aber furchtbar feigen Fortschrittlcr— die jetzt fortwährend ihre„Treue" gegen das Haus der Hohenzollern im Munde führen— ist auch hier kein Boden. Das hannoversche Volk befitzt einen gründlichen— sozusagen„instink- tiven"— Haß gegen das ganze preußische„System". Charakteristisch für die Wahl in der Stadt Hannover dürfte jedenfalls der Umstand sein, daß der Kandidat der Regierungspartei nur den fünfzehnten Theil sämmtlicher abgegebenen Stimmen erhielt! Und da« 15 Jahre nach der Annexion, unter einem Drucke, den nur derjenige würdigen kann, der selbst diese Zeit hier in Hannover durchlebt hat. Wahrhaftig, ein kläglicheres Resultat hat der„geniale" Bismarck mit seiner brutalen Polizeiwirthschaft und seinem„eisernen" Pickelhauben« system wohl in ganz Deutschland nicht zu Wege gebracht! In den ländlichen Wahlkreisen der Provinz Hannover— wo die Konservativen noch keinen Fuß gefaßt haben— iverden die Nationalmiserablen von den Behörden als„Regierungspartei" betrachtet, und sie verdanken es auch in der That nur der Unterstützung der Polizei und Schandarmerie, daß sie noch 6 von den 19 hannoverschen Wahlkreisen inne haben; aus wie lange noch— darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Die Zukunft gehört uns! Die„Reichstreue" ist hier selbst dadurch nicht vermehrt worden, daß der Kartätschenprinz— auch„Heldengreis" genannt— der Stadt Hannover im September v. I. die unverdiente—„Ehre" seines Besuchs zu Theil werden ließ und selbst einige Tage in dem Schlosse residirte, aus dem er 1806 seinen„Vetter" Georg V. durch „Gottes gnädige Fügung" verjagt halte. Bon„Begeisterung" für den„Heldengreis" war nirgends etwa« zu spüren, wohl aber wimmelte es hier in diesen denkwürdigen Tagen von Geheimpolizisten, bepickelhaupten Schutzmännern und berittenen Schandarmen. Die Reichstagswahl hatte für uns noch ein kleine« Nachspiel. Zunächst sei erwähnt, daß die Vertheilung des Wahlaufruf« ohne jede Störung von statten ging— nicht ein einziger unserer Austräger wurde von der heiligen Hermandad„geschnappt"—, wohl aber wurden zwei Genossen gesaßt beim Ankleben von Plakaten, und zwar wurden dieselben denunzirt von einem Nachtwächter. Letzlerer erhielt einige Tage später von einigen „Unbekannten" eine derartige Tracht Prügel, daß er 14 Tage im Bette liegen mußte.(Zur'Nachahmung in ähnlichen Fällen bestens zu empfehlen!) Gegen unsere beiden denunzirteu Genossen, ferner gegen den(nach Amerika ausgewanderten) Verleger, sowie gegen den Trucker und die Setzer unseres Wahlflug. blattes— im Ganzen acht Personen— wurde unterm 4. November von der Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen Verletzung der zZ 130 und 131 des Strafgesetzbuches erhoben. Das hiesige Landgericht wies jedoch durch„Beschluß" vom 7. Januar d. I. die Staatsanwalt- schaft mit ihrerAnklage abund setzte diesämmtlichen Angeklagten außer Verfolgung. Ter erste Fall der Art in unserem Hause! Nicht so glücklich verlief für uns ein zweiter Prozeß. Am 7. August v. I. wurde die Frau unseres Parteigenossen L o g e s begraben, und folgten dem Leichenzuge zahlreiche Freunde und Parteigenossen mit rotheu Blumen im Knopfloch. Auch hielt einer der Leidtragenden am Grabe eine Rede; jedoch konnte später dessen Name nicht ermittelt werden. In Folge dessen erhielten nun 10 Personen von der Polizei Strafmandate, und zwar Genosse Rudolph ein solches von 00 Mk. Geldbuße, die übrigen solche von je 20 Mk. wegen— man staune!— Theil- nähme a n einem polizeilich nicht angemeldeten öffentlichen Aufzuge— als ob Leichenbegängnisse überhaupt polizeilich angemeldet zu werden brauchten! Die Sache kam am 25. Nov. vor dem Schöffengericht zur Verhandlung. Resultat: Rudolph wurde zu 45 Mk., die übrigen 15 zu je 10— 20 Mark(inklusive Kosten) verurtheilt. Die„Perbrecher" legten jedoch Berufung ein, und fand am 14. Februar d. I. die Verhandlung vor dem Landgericht statt. Trotz sehr geschickter und energischer Vertheidigung der Angellagteu durch den Rechtsanwalt Fischer II. wurden Rudolph zu 20 Mk. und elf andere Genossen zu je 5 Mk. Strafe verurtheilt, vier Personen wurden freigesprochen, w e i l s i e erklärten, sie seien keine Sozialdemokraten. Rothe Blumen sind also nur dann„staatsgefährlich", wenn sie von Sozialdemokraten getragen werden! Es geht doch nichls über die„Logik" preußischer Richter, die bekanntlich jetzt alle ihre Reservelieutenants- Examen absolvirr haben müssen! Die gesammten Prozeßkosten belaufen sich aus 170 Mark!!! Revision beim Reichsgericht wurde nicht beantragt, da der Bertheidiger dies für nutzlos erklärte. O, Volk der„Denker"' wann kommt endlich der Tag, an dem du dich ermannen und diese Lumpenhunde� mit Stumpf und Stiel ausrotten wirst?(Schluß folgt.) — Potsdam im April. Die hiesigen Genossen sind mit der Schreibweise des„Sozialdemokrat" vollständig einverstanden. — NowaweS, 10. April. Am 1. September v. I. haben die pri» vilegirten Räuber abermals 0 Spitzelgardisten zu Genosse Karl Her- ling gesandt, um seine Wohnung zu durchschnüffeln. Das Resultat war R u l l. Am 23. November waren sie bei P a tz s ch k i und Weiß. Letzterem wurden Stimmzettel, Flugblätter, Zeitungen und andere Schriften gestohlen, er selbst nebst seinem Kinde zum Räuberhaupt- mann H a n d j e r y nach Berlin geschleppt, wo Weiß der brutalsten Behandlung ausgesetzt war. Von da wurde Weiß nach Böhmen trans- portirt, wo man ihn mit gewerbsmäßigen Landstreichern zusammensperrte. Nach seiner Haftentlassung reiste er nach Dresden und von dort hat man ihn jetzt wieder wie eine wilde Bestie hinweggejagi. Weiß ist ein sehr tüchtiger Sattler und haue in Berlin eine hübsche Existenz gehabt; nun ist er ruinirl. Seil 1874 war Weiß in Berlin ansässig; da plötzlich wie« man ihn als„mißliebigen Ausländer" aus, weil er für Recht und Freiheil kämpfte und für unsere Sache thätig war; er hat unablässig für die Familien der Ausgewiesenen gewirkt, und dies war der Grund, daß man seine Existenz zerstörte. In N o w a w c s sprach Weiß in einer Ver- sammlung und empfahl Bebel zum Reichstagskandidalen, worauf ihm das Wort entzogen und die Versammlung aufgelöst wurde; in einer *) In jeder Beziehung vortrefflichen. Ahm. d. Red. anderen Versammlung wurde ihm, als er um's Wort bat, bedeutet, daß er das Wort nicht erhalten könne, weil er ein Ausländer sei, und nach- dem er das freche Ansinnen des Pfaffen W e n d l a n d und des Weber- Meisters Schnell, gegen seine Ueberzeugung für H a n d j e r y zu wirken, mit gebührender Verachtung zurückgewiesen, erfolgte die obener- wähnte Abschiebung nach Böhmen. Aber auch dort war für Weiß kein Bleiben. Er wurde— Weiß ist ungarischer Staatsangehöriger— aus dem Bezirk Reiche nberg ausgewiesen, weil- man höre und staune!— die„Wahrscheinlichkeit" vorliege, daß Weiß in Oester- reich mit Sozialdemokraten Verbindungen anknüpfen werde. Weiß ging nun nach Dresden und fand dort nach mehreren Wochen Suchens endlich Arbeit. Aber kaum in Arbeit getreten, wird er auch von dort fortgehetzt, angeblich, weil er Parteileiter sein soll. Seine Familie, welche noch in Berlin weilt, ist der bittersten Roth preisgegeben; vor einigen- Wochen ist ihm ein Kind gestorben, und wurde ihm aus dieser Veranlagung ein dreitägiger Aufenthalt in Berlin gestattet; aber während dieser Tage hatte Weiß ununterbrochen 4 Schergen hinter sich. So werden ehrliche Arbeiter behandelt, welche für Freiheit und Recht kämpsen, während allerhand Diebsgesindel in Amt und Würden herum- läuft. Es ist wahrlich die höchste Zeit, daß der„jüngste Tag" kommt, an welchem die Verbrecher ihre gerechte Strafe erhalten! Noch will ich der Lumpen und Schufte erwähnen, welche uns in den Versammlungen verleumdeten und beschwindelten. Dies waren besonders der berüchtigte Nathan Schlesinger, welcher sagte, die sozial- demokratischen Führer reizten nur das Volk aus, sie versprächen Tinge, welche sich nicht verwirklichen ließen, lebten von dem Gelde, welches von den Arbeitern in ihre Taschen fließt, herrlich und in Freuden und thun nichts, um die Lage der Arbeiter wirklich zu bessern. Hessel aus Berlin schwindelte uns vor, die deutsche Industrie müsse zu Grunde gehen, weil die Arbeiter zu viel Lohn fordern; Frankreich Produzire billiger, weil die Fabrikanten die Kinder mehr zur Arbeit heranziehen dürfen. Der Pfaffe W e n d l a n d sagte, die indirekten Steuern seien für die Arbeiter besser wie direkte, man könne sie bezahlen, wie man wolle, man brauche kein Bier, Schnaps oder Kaffee zu trinken, man könne das Rauchen meiden sowie die besteuerten Speisen; er sagte ferner wie sein Spießgeselle Koller, die Regierung meine es gut mit den Arbeitern, sie wolle denselben helfen, mau solle es nur noch einmal versuchen. L o h r e n, welcher das Gehirn erfroren haben muß, meint, es müssen obligatorische Innungen geschaffen werden, um dem Handwerker empor- zuHelsen. Die Redner der Fortschrittspartei wollten wieder Gewerbe- freiheit, sie versprachen, für Beseitigung der Ausnahmegesetze zu stimmen, ebenfalls gegen Brausteuer, Getreidezoll, Frauen- und Kinderarbeit und noch anderes mehr, woran sie natürlich hintendrein gar nicht mehr denken. Es waren dies Wöllmer, Waldow, Kühne und P a t h e, welche uns die Stimmen vieler Wähler durch diese Borspiegelungen ge- raubt haben. Wir konnten in unserem Wahlkreise nur sehr wenig thun, da die ge- nügende Verbindung fehlte, auch haben die Wähler sehr wenig politische Erfahrung; unter den heutigen Umständen ist es sehr schwer, das arbei- tende Volk aufzuklären. Wir werden aber dafür sorgen, daß dies soviel wie möglich geschieht. Es haben hier von 45,040 Wahlberechtigten nur 27,780 gewählt, H a n d j e r y erhielt 14,237, Wöllmer 12,032 und Bebel 1205 Stimmen. Einige Orte, welche sonst Uichtig für uns gewählt hatten, lieferten uns diesmal gar keine Stimmen, es wollte sich eben Niemand ausweisen lassen. Auch war das Gerücht verbreitet, Bebel dürfe nicht gewählt werden. In Schöneberg hatte man die Stimm- zettelverbreiter verhaftet und die Stimmzettel konfiszirt. Dies sind die Ursachen unserer geringen Stimmenzahl, infolge deren die Genossen etwas niedergeschlagen sind. Wir arbeiten aber trotzdem immer weiter, damit der Tag der Abrechnung bald kommt, welchen wir alle so sehnlichst erwarten. R-z. - Rorschack, 10. April. Die Nr. 1«! des.�Sozialdemokrat" ver- anlaßt mich, einige Reflexionen über die Taktik der sozialdemokratischen Partei anzustellen. Ich habe mit Freuden den Leitartikel„Bekennt Farbe" gelesen und wünsche recht sehr, daß sich die Sozialdemokraten recht oft die« zu- rufen möge» und Alles entschieden zurückweisen, was von irgend einer Seile geschehen mag, zum Zweck, unsere Farbe zu bemänteln. Und wenn ein Genosse aus Ubergroßer Angst vor der Polizei unsere Bestrebungen zu verdunkeln sucht, so nenne man ihn mit dem Namen, den er dadurch verdient: Feigling. Die Zeit ist vorbei, wo man die Partei als eine Milchkuh betrachten konnte. Wir brauchen Leute, die bereit find, Opser für die Sache zu bringen und nicht solche, deren Hauptzweck es ist, ihre eigene„werthe Persönlichkeit" zu pflegen. Es ist gewiß nur im Interesse der Partei, wenn die Genossen die« energisch verlangen, besonders von solchen Genossen, welche sich als leitende Persönlichkeiten betrachten oder betrachtet werden. Lassen wir un« verleiten, wie dies bisher so vielfach versucht worden ist, unsere Prinzipien zu bemänteln und zu verdunkeln, so werden wir gar bald einen Rückschritt in der Bewegung zu verzeichnen haben, qualitativ und noch mehr quantitativ. Denn der Arbeiter wird sich nie und nimmer ftir spießbürgerliche Reformen begeistern, während die Genossen selbst von der Bahn des uns einzig möglichen Rettungsweges, den uns die berr- schenden Klassen gelassen haben, die Revolution, entfernt werden. Zu dieser Verwässerungspolitik gehört unzweifelhaft die Kompromißsucht bei den Wahlen. Während immer und immer wieder bewiesen wird, daß „der Sozialdemokratie gegenüber alle anderen Parteien nur eine einzige reaktionäre Masse find", so ist doch gegen keinen Punkt unseres Programms mehr gesündigt worden, als gerade gegen diesen, darum aufgerafft und direkt auf unser Ziel gesteuert: auf die soziale Revolution! Schließlich möchte uk; noch aus die Korrespondenz von Verden zurück- kommen. Der Genosse spricht dort soviel von„Führern" und verläßt sich soviel auf eben diese„Führer". Ich Halle es aber auch wieder sür eine Pflicht ganz besonder« unseres Parteiorgans, darauf hinzuweisen. daß die Partei keine Führer haben soll und haben darf, wollen wir nicht an eben den„Führern" zu Grunde gehen, wie dies bei so vielen früheren Bewegungen der Fall gewesen.*) Die Gesammtheit muß der Führer jedes Einzelnen sein, aber nicht Einzelne die Führer der Gesammtheit. Dies ist früher schon oft betont worden, und gerade von unseren hervor- ragendsten Genossen. Und besonders in den gegenwärtigen Verhältnissen wollen wir die« doch ja beherzigen. Macht Euch selbständig, wie dies ja allerdings auch die Mehrzahl ist, und es werden so traurige Zustände, wie sie von Bremenjius geschildert werden, nicht möglich sein Darum Mit Sturmschritt vorwärts in den Streit, Wenn auch der Feind Kartätschen speit! C. - Niemes in Böhmen. Ende März. In einein Augenblick, wo die österreichischen Soldaten, die Söhne de« Volke«, in der Herzego- wiua und der Crivoscie gezwungenerweise gegen„Räuber"(??) kämpsen, wo sie dort für ein ihnen fremdes Interesse, sür das Interesse der Habsburger Kamarilla ihr Blut, Leben und Gesundheit opfern müssen, während sie daheim gewiß lieber den Hobel oder die Feile als dort den Schießprügel bandhaben, obliegt der Kronprinz Rudolph sammt seiner „erlauchten" Gemahlin in hiesiger Gegend dem edlen Jagdvergnügen, um *> Wir find hier nicht der Ansicht unseres Genossen. Mag man da« Ding nennen, wie man es will, ob„Führer", ob Beamte, oder sonst- wie, es werden in jeder känipfendeu Partei einzelne Personen eine her- vorragende Stellung einnehmen, sei es infolge ihrer größeren Energie, ihrer Umsicht, ihrer Kenntnisse oder sonstiger wirklicher oder vermeintlicher Borzüge. Nicht in dem Vorhandensein solcher Führer liegt die Gefahr, sondern in der welche ihnen eingeräumt' wird, und welche bei den Anarchisten die denkbar größte ist, weil sie sich hier hinter dem Wahne versteckt, es seien überhaupt keine Führer vorhanden, und daher jeder Kontrole und Verantwortlichkeit entbehrt. Das richtige Verhältniß besteht nach unserer Ansicht vielmehr darin, die Machtbefugnisse der Führer zwar aus da« Unerläßlichste einzuschränken, es dagegen mit der Verantwortung so streng als nur möglich zu nehmen. Was der Führer ist, sei erjnirch die Masse— mit ihr Alles, ohne sie Nichts. Erfüllt er seine Schuldigkeit, so ehren wir uns selbst, indem wir seine Ehre wahren und nicht jedem hergelaufenen Buben erlauben, ihn zu be- schimpfen, erfüllt er sie nicht, so sei strenge Kritik unsere Pflicht. Damit ist bereits gesagt, daß wir mit der Schlußaufforderung de« Einsender« voll und ganz einverstanden sind. Selbständig sollen die Genossen sein selbständig nach Sachlage der Dinge die Maßnahmen prüfen, welche ihnen' sei es von welcher Seite immer, anempfohlen werden. Unsere Partei soll— um ein naheliegeude« Bild zu gebrauchen— keine stehende Armee wohl aber ein bewaffnetes Volkshcer darstellen. Aumerkuug der Redaktion. seine Kampf- und Mordlust an Auer- und Birkhähnen zu kühlen, anstatt in Neu-Oesterreich die eigene Haut zu riskiren. Rudolph ist ja doch als leidenschaftlicher und vortrefflicher Schütze(eine der vorzüglichsten modernen Herrschermgenden) bekannt. Mag er also hingehen und dort seine „Kunst" erproben! Was haben aber die österreichischen Soldaren, was hat das Volk für ein Interesse daran, daß die Habsburger 1000 Quadratmeilen und 100,000 Seelen mehr ihr Eigen nennen können, daß diese okkupirten Länder Oesterreich erhalten bleiben? Was haben die Arbeiter sür ein Interesse daran, daß die Pfaffen alldort neue Heimstätten und Bisthllmer auf Kosten der Völker errichten, um die Macht der Klerisei auszubreiten und zu befestigen? Gewiß nicht das Mindeste. Und doch werden die Söhne de» Volkes von ihrer Familie, von ihrem Berufe, ihrer Arbeit weggerissen, um dort in jenen unwirthlichen Gegenden allen Unbilden der Witterung nnd jeglichen Gefahren ausgesetzt, entweder ihr Leben zu lassen oder als Krüppel, mit siechem Körper, sich später in ihrer Heimath als invalide Bettler von Haus zu schleppen und schließlich als fuscltrinkende„Vagabonden" von Ort zu Ort sich hetzen zu lassen. Die Dynastien sollen ihr Interesse selber verfechten, sollen ihre eigene Haut zu Markte tragen und die Völker ungeschoren bei ihrer Arbeit und ihrer Familie lassen. E» wäre wirklich an der Zeit, daß die Völker zur Besinnung kämen nnd den Herrschern„von Gottes Gnaden", sowie der Diplomatenbande da« Auslöffeln ihre« Hexenbreies allein überließen und ihre Angelegenheiten selber ordnen würden. Veritas. Achtung! In Paris steht ein Streik der Schuhmachergehilfen bevor, da die Lage derselben eine unleidliche geworden. Bor Zuzug wird gewarnt. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck dieser Notiz ersucht. Warnung. Ein gewisser Franz G. Spilberger, Schuhmacher aus Ungarn, hat sich unter Hinterlassung bedeutender Schulden an Kostleute, Arbeiter u. s. w.— er beschwindelte u. A. ein armes deutsches Dienstmädchen um 40 Franken— von Paris nach London gewendet. Ich warne hier- mit vie Londoner Genossen vor diesem Subjekt, und bitte sie, diese Warnung im dortigen Oesterreichischen bezw. Ungarischen Verein bekannt zu machen. Für Mittheilung der Adresse des k. Spilberger würde ich sehr dankbar sein. Spielberger ist groß und schlank, hat blonde« Haar, blonden Schnurr- bart und trägt meist eine Brille. Albert Unsinn, Paris, Ruc Billedo 12. Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands. Organisation in der Schwei; und dem übrigen Ausland. Vor Kurzem ist an die Mitgliedschaften die Abrechnung über das 1. Quartal abgegangen. Etwaige Reklamationen wolle man an den Bor- sitzenden des Landesausschusses richten. Adresse: E. Beck, Kuttelgaffe 3, Zürich. BritragSlisten. Den Genossen im Ausland zur Notiz, daß Sammellisten zu Beiträgen für die gemaßregelten Genossen in Deutschland stets zur Verfügung stehen. Bestellungen sind zu richten an L. T a u s ch e r, Hottingen, Kanton Zürich. Vriefkaften der Redaktion: Hamburger Genossen: Ihr„Offener Brief" kommt in nächster Nummer zum Abdruck. Korrespondenzen au« Mülhausen, Glasgow, Darmstadt, Sc ran ton, aus Schlesien:c. kommen in nächster Nummer zum Abdruck. Kreuz- band aus Heil bronn: Dank sür den Beitrag zum Kapitel„die Gauner hinter einander". Wird gelegentlich verwendet. d e r E x p e d i t i o n. W. Wkr. Lond.: Mk. 4,— Ab. 1. u. 2. Qu. erh.— Ernst Wilhelm L.: Bf. mit Postftempel v. 25/4 erh. Juh. an feine Addr. besorgt.—„Alte Flagge": Mk. 0,— Ab. 2. Qu. erh.— Sturmvogel: Mk. 3,— Ab. 2. Qu. erh.— Gen. i. Pari«: Fr. 23,45 durch O. erh. u. nach Vorschrsi. d. Ufds. u. Agitfds. dkd. zugew. Spezialqtlg. später.— P. i. B.: Nach Wunsch besorgt.— Gottlieble: Fr. 5,— Ab. 2. Qu. erh.— W. Kbrg. Neuscharel: Fr. 4,10 s. Schft. erh.-„Gleiches Recht sür Alle": Mk. 2,80 Ab. Mai u. Juni erh. Nachlsrg. mit 18 abgg.— A. Höhne N.-Y.: Fr. 50,05 k Cto. Ab. erh. Auszug folgt.— Ehud: Mk. 5,— nach Vorschr. benützt. Weiteres beachtet.— Sch. H. O.: Mk. 4,40 Ab. 2. Qu. erh.— F. M. Rtz.: Mk. 3,— Ab. 2. Qu. erh. Alle« besorgt.— Wtt. Zürich: Fr. 2,— Ab. 2. Qu. erh.— Karlsruhe Rothholz: Mk. 4,30 Ab. 2. Qu. erh. Ja. Wenigstens gehl noch immer Sdg. nach—— Rosa Beck: Mk. 5,— d. Ufds. dkd. zugew. Weiteres an I. P. B. berichtet u. vor- gem.— L. Sch. E.: Mk. 3,— Ab. 2. Qu. erh. Schft. folgen.— Brdmann: Mk.—,20. Schft. erh.— Rother Albertinu«; Addr. N«. geordnet. Wörrlein u. Co. Buchhdlg. m Nürnberg wissen vielleicht Bescheid. Wir nicht.— Schw. Jockel: Fr. 2,50 Ab. 2. Qu. eingetr.— „Kommunist" Pest: Tausch erfolgt, obwohl wir uns der„Freiheit" im Original erfreuen, chband kostet aber 3 u. nicht blos I tr. ö st er r. per SO Gramm. Seudgu. unter Strafporto werden refüsirt.— Blanc: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. am 17/4 erh. Bfl. Näheres.— — b— n: Mk. 4,80 Ab. Mai u. Juni, Nachbestllg, sowie Mk. 15,— sür's„r. f" dkd. erh. Bfl. Weiteres.— Viktoria: öwfl. 10,20 Ab. 4. Qu. 81 u. 1. Qu. 82 mit R. Tbe. verrechnet.— Gen. i. Innsbruck: öwfl. 5,— dem„r. ch" dkd. zugew.— Nr. 1089: Mk. 4,50 Ab.-Rest 1. u. 2. Qu. erh.— Pp. Paris: Fr. 77,— für«„r. ch" auf Liste 344, 40, 47 dkd. erh. Spezialqltg. unmögl., da über 70 Namen u. großer Raummangel; Fr. 5,— Ab. 1. u. 2. Qu. f. O. u. Fr. 2,— pr. Flgfd«. dkd. verwendet.— Valentin: Fr. 23,50 erh. Bf. erwartet.— Lawrence: Fr. �3,35(Doll. 14,49) Reinertrag d. Tonimunefeier d.„Soz. Arbver." durch M. p. Ufds. dkd. erh.— R. H. Halifax: Fr. 2,00 Ab. 2. Qu. erh. Ab. Mai folgen 2.— Glühwurm: Rßw.: Mk. 3,— Ab. 2. Qu. erh.— C. D. C.: Mk. 3,— Ab. 2. Qu. erh.— W. S. Pari«: Bf. erh. Frlgrth hier nicht zu haben. Weiteres wird besorgt. kMT* Um zu räumen"MW verkaufen wir einen Posten unseres als Notizbuch während de» ganze» Jahres verkäuflichen, sehr praktisch eingerichleien Arbeiter- Notizkalender pro 1882, der uns in Folge zu späten Abli-sern« durch den Buchbinder, über die Kalendersaison hinaus liegen geblieben ist. zum halben Prei«; nämlich in Partien k 15 Pfg-, m Einzelexemplaren zu 25 Psg. franko. Bestellungen erbitten direkl, für die Schweiz werden solche durch die Expedition des„Sozialdemokrat" effekluirt. Nürnberg. Wörlein h» Co. „...-i Samstag, den 0. Mai, Abends 8 Uhr, im Caf4 /jUPlCn. Kessler Oeffentliche Versammlung der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Charles Darwin nnd seine Bedentnng für die Sozialdemokratie. Relerent: Bg. Bernstein. Jedermann hat Zutritt. Der Lokalaussc huss der deutschen Sozialisten. «chacl, Bmln«bu46tu