" iörscheivt » i ch« nt l i ch einmal Zürich iSciiweiz) Perl»» vollSbuchhandlung Dötlingen- Zürich. xoisiudilngku n Rechnung gebracht werden. Während die liberalen Freunde °rr Herren„Zentralräthe" in jeder Verkündigung der Regierung, daß ihr dieser oder jener Kandidat angenehm sei, eine„empö- rende" Wahtbeeinflussung erblicken, wird auf der andern Seite von diesen selben Heuen Bourgeois stels höhnisch erklärt, der Arbeiter brauche sich ja nicht beeinflussen zu lassen, er sei ja „frei"— gefalle ihm der eine Arbeitgeber nicht, könne er zum andern gehen. Das möge sich der Hirsch-Duncker'sche Zentralrath sagen lassen, daß der Staat, und selbst der Bismarckische Staat, nicht schäm- loser, eine Arbeiter beeinflussen kann, als es die Privatindustrie d.e Bourgeoisgesellschaft jetzt schon thut. Und die Bourgeoisie wird davon nicht lassen, so laüge der heutige Staat, der in letzter Instanz stets ihre Interessen vertritt, ihr schützend zur L-eite steht. Sie sind einander würdig, und es ist einfach albern, die Bourgeoisausbeutung über die Staatsausbeutung zu stellen' ra™m w'r dem Staat kein Ausbeulungsobjekt apportiren. ,st (SWiim-nü 611 uns eben schier bedünken, daß der � b-w-»-„biich».d. - r, h- i m üosetzlichen Normalarbeitstag. Derselbe beschrankt d.e Freiheit des Individuums- so sagt der hochwohl- wohlwetsc Zentralrath. Gewiß-»her er beschränk, zu gleichc'- mL?uäbeirs be§ Individuums. Der Schul- ätoang, die Beschränkung der Kinderarbeit, das Verbot der SST'' b-schränkt die Freiheit des Individuums. ffwlT der z-ntralrithl.chen Logik derartige Ge- -tze durch die Bank nichts. Ja noch mehr; jedes Geieb be- dmn" n b'e persönliche Freiheit— und so hätte,, wir chlften Sn A"'ch u"d Konsorten die schönsten Ana r- ch en�getunden, die auf eine noch nicht entdeckte Insel gehören, matdera�"*1' Üf'n8Cn8""ch hatte oft genug von den staatlichen P»st- Anbi. b. Red. aber nicht in ei» Kulturland. Nur auf Ersterer würden sie sich die„Unsittlichkeit", die in jedem Gesetz liegt, nicht gefallen zn lassen brauchen. „Der gesetzliche Normalarbeitstag wird nicht von Nutzen sein, wenn nicht Minimalarbeitslohn und Recht auf Arbeit mit ein- geführt werden", so kalkulirt der Zentralrath weiter. Der Ge- danke ist vollkommen richtig, aber die Schlußfolgerung, nunmehr gegen den Normalarbeitstag aufzutreten, ist falsch. Wenn Jemand für die Interessen der Arbeiter einzutreten vorgiebt, dann muß er den Normalarbeitstag anstreben, damit— der Appetit kommt beim Essen— derselbe den Minimalarbeitslohn und das Recht aus Arbeit im Gefolge habe. Auch uns ist an und für sich der gesetzliche Normalarbeitsmg nicht viel Werth, aber es schlägt derselbe die Brücke zur allgemeinen Besserung der Lage der Arbeiter, und damit zum Sozialismus. Glaube man nur nicht, daß der Sozialismus aufblühe, wenn es den Arbeitern recht schlecht geht— Bescheidenheit, Muthlosig- keit und Demuth sind meist die Folge davon. Bei relativ gutem Geschäftsgang aber erhält der Arbeiter wieder Kourage, da er besser ißt und trinkt. Neue Bedürfnisse stellen sich ein, unter ihnen der Trieb zur Bitdung, und mit den neuen Bedürfnissen der Drang zur Befriedigung. Das gibt revolutionäre Stimmung.*) Deshalb billigen wir auch sämmtliche Bestrebungen der Ar- bciter, ihre momentane Lage zu verbessern— natürlich in der Gesammtheit. Die Verbesserung der Lage des Einzelnen erzeugt nur Spießbürger und Philister. Uebrigens will auch der Zentralrath eine Verkürzung der Arbeitszeit nach„freier Vereinbarung" zwischen Arbeiter und Ar- beirgeber. Also wieder einmal der Harmonieblödsinn. Diese „freie Vereinbarung" wird immer daraus hinauslaufen, daß bei guter Geschäftskonjunklur der Fabrikherr mit seinen Fabrik- sklaven eine 12- 14stündige, bei schlechter Konjunktur dagegen zunächst auf Grund des verstärtlen ArbeilsangcbotS eine noch höhere ArbeitSzeil„frei vereinbart", bis die Geschäfte ganz dar- niederliegen und er nur noch aus„Humanität"— d. h., um stch einen allezeit disponiblen Stamm zu halten— halbe und dreiviertel Tage arbeiten läßt— selbstverständlich immer nur auf Grund„freier Vereinbarung". Thatsächlich wirkt die Konkurrenz der Kapitalisten und Fabri- kanten unter stch viel mächtiger und bestimmender auf die Arbeitszeit, als eine„freie" Vereinbarung der Arbeitgeber und Arbeiter. Aber auch die Arbeiter werden in guter Zeit einen höheren Lohn und eine geringere Arbeitszeit fordern, und so löst sich das ganze Harmoniegedudel in Streit und Streik auf. Die Lebensstellung der Arbeiter bleibt eine ungewisse, und die Ausbeutung der Arbeitskraft besteht in alle Ewigkeit fort. Gesetzlicher Normalarbeitstag— Minimalarbeitslohft.— Recht auf Arbeit aber würden nach und nach hinführen zum Recht der Arbeit und zur sozialistischen Gesellschaft. Darum fordern wir sie von der heutigen Gesellschaft, und wenn dieselbe sie uns verweigert, nun so wird die sozialistische Gesellschaft eben auf anderem Wege verwirklicht werden— trotz Bismarck, Stöcker und Max Hirsch. Die soziale Frage und die Reichsregierung. Die Reichsregierung läßt fast ragtäglich durch ihre Organe erklären, daß es ihr um nichts Geringeres zu lhun sei, als um Aufbesserung der Lage des arbeitenden Volkes. Die Maßnahmen jedoch, durch welche sie dieses Ziel eudchen will, mllssen in jedem billig Denkenden die Ueberzeugung hervouusen, daß dieselben vielfach verkehrt find, und daß die Regierung damit nur bezweckt, unter dem Scheine einer Parteinahme für die Roth- leidenden, die monarchistische Gewalt zu stärken. Man wird in dieser Ansicht noch bestärkt durch das fortwährende Rütteln der regierenden Kreise an den im freiheitlichen Sinne gegeben sein sollenden Jnstilutionen de« Reiches. Vornehmlich ist das allgemeine Wahlrecht ihnen ein Dorn im Auge; noch mehr alle aus ihm hervorgehenden Wahlen, und sogar die aus einem Zensus beruhenden iverden gleichsam als umstürzlerisch, als gemeingefährlich hingestellt. Man entblödet sich nicht, die alten Ständevcrsammlungen, wenn auch mit einigen unwesentlichen Modifika- tionen, als einzige den Bedürsniffen des Staates entsprechende Volks- Vertretung anzupreisen. Mir ist es nun hauptsächlich darum zu lhun, die Veweise für meine erste Behauptung zu liesern, daß der Weg, den die Reichsregierung zur Aufbesserung der niederen Klassen eingeschlagen, vielfach verkehrt ist. •) Das zeigt sich gerade im gegenwärtigen Moment. Unleugbar ist seit dem Jahre 1880 in allen Industrieländern eine gewisse Ausbesserung der Geschäfte zu verzeichnen, und schon sehen wir parallel mit ihr die radikale Arbeiterbewegung einen neuen Ausschwung nehmen. Man könnte die Wirkung von GeschäftSkrisis und Jndustrieausschwung aus das Proletariat fast dahin charakterisiren, daß in der Ersteren die Arbeiter denken, beim Letzteren handeln lernen. So schult in ihrem Kreislauf die bürgerliche Gesellschaft selbst die Elemente, die ihr im gegebenen Momente den Garaus machen werden. Anmerkung der Redaktion. **) Dieser schlichte Artikel, der in der Hauptsache den'Rage! auf den Kops trifft, rührt von einem Weber aus dem entlegensten Distrikte des sächsischen Erzgebirges her, dessen ganze Lektüre, wie er uns klagt, im Ehcmnitzer Tageblatt" bestehl. Wir werden dafür sorgen, daß er in Zukunft bessere Lektüre erhält. Red. d.„Sozialdemokrat". Nicht, daß ich glaubte, ein Reichsunfall- oder ein Jnvalideiiversicheruugs- und Altersversorgungsgesetz hätten— vorausgesetzt, daß diese Gesetze aus alle Arbeiter ohne Ausnahme ausgedehnt würden— durchaus nichts Gutes. Aber die Reichsregierung würde sich ein wirkliches Verdienst um die Sache der Arbeiter erwerben, wenn sie sich den Bestrebungen der Schweiz(die Arbeiterverhältnisse auf internationalem Wege zu regeln) anschließen würde. Ein internationales Fabrikgesetz, enthaltend als Hauptbestimmungen den zehnstündigen Normalarbeitslag, respektive den achtstündigen für jugendliche Arbeiter und Frauen, soweit die letzteren überhaupt in Fabriken beschäftigt iverden dürfen, Verbot der Kinder- arbeit, das Institut der Fabrikinspektoren,(welches beiläufig bemerkt bei uns schon besteht, nur daß der Letzteren viel zu wenig und die Vollmachten viel zu geringe sind) u. s. w. u. s. w., würde von viel mohlthätigeren Folgen sein, als hundert Unfall-, Jnvalidenversicherungs- und Alters- Versorgungsgesetze. Der Normalarbeitstag würde die Ueberproduktion beseitigen und die Hausindustrie konkurrenzfähiger machen*), dadurch, daß die jugendlichen Arbeiter blas acht Stunden arbeiten dürfen, würden die Fabrikanten gezwungen, wieder mehr aus die Kategorien der älteren Arbeiter zurück- zugreifen. Das angeblich durch die Gewerbefreiheit vernichtete Familienleben würde sich wieder heben, der Manu wieder in seine frühere Stellung als Ernährer eingesetzt, während er jetzt in vielen Familien vor dem Ofenloch sitzen inuß und Frau und Kinder in die Fabrik gehen. Außer« dem würde sich durch diese Bestimiming, sowie durch die Beschränkung der Frauenarbeit, Moral und Sitte wieder heben. Kurz und gut, das gesammle Volksleben erhielte durch ein solches Gesetz einen neuen Auf- schwung, während die LerstcherungSgesetze nur, den Verunglückten und Untauglichen Etwas nützen. Diesem Probleme steht die Reichsregierung augeblich sympathisch gegen« über, aber— sie will sich„vor der Hand nicht daran betheiligen". So schreiben nämlich die Regierungsblätter. Darum ist da« Vorgehen der deutschen Regierung nur ein halbes, ein verkehrtes zu nennen, und im Hinblick darauf, daß sie die schwärzesten Reaktionäre zu Anhängern zählt, daß selbst ein Pnttkamer fester als je ein Minister aus dem Ministersessel sitzt, muß jeder Unparteiische zu der Annahme gelangen, daß es ihr blas darum zu lhun ist, die sreiheillichen Bestrebungen im Volke zu unter- drücken, daß also Himer dem volkssreundlichen Gesicht weiter nichts steckt als der nackte Absolutismus mit seiner Tyrannei. �ug.-r. Vom Reichstage. Berlin, 5. Mai 188a. Heute, mit der Generaldebatte über die Gewerbcord nungs- Novelle, beginnt die Arbeit der Session. Als Vertreter der Sozialdemokratie wird K a y s e r sprechen, und natürlich aus'« Energischste die geplante Beschränkung des H a u s i r h a n d e l s bekämpfen und das projektirte Verbot der Kolportage mit politischen Schriften als ein schamloses Attentat auf die Preßfreiheit brand- marken. Die durch und durch reaktionäre Regierungsvorlage fällt wahr- scheinlich. Zum Sprecher gegen die M o n o p o l v o r l a g e ist in erster Linie B o l l m a r designirt; außer ihm werden auch Hasen clever und Geiser zum Wort zu gelangen suchen. Ueber das U n f a l l v e r. sich erungsgesetz werden Liebknecht und Uber das Kranken- kassengesetz Kräcker in erster Lesung sprechen. Der Antrag„Liebknecht und Genossen" auf Aushebung sämmt- licher Ausnahmegesetze ist schon eingebracht; wird aber wohl erst kurz vor Pfingsten, vielleicht noch später, zur Diskussion komme». Die fortschrittlichen Abgeordneten Wen dt, Lenz mann und Phil- l i p S, die schon in voriger Session den Antrag unterschrieben hatten — um die Zahl der nöthigeu 15 voll zu machen— haben auch diesmal bereitwilligst ihre Unterschrift gegeben, was anerkannt werden muß. An die Herren VolkSparleiler, die— mit Ausnahme des noch nicht an- wesenden Köhl— sich das letztemal höchst schäbig benahmen, haben wir uns gar nicht gewendet. Bezüglich der Monopolvorlage gedenken die Fortschrittler, Sezessionisten und ein Theil der Nationallibcralen einen Antrag aus P l e n a r- beralhung, also gegen Verweisung au eine Kommission, zu stellen. Da es uns darum zu thuu ist, daß dieser„Wurm, der nicht sterben kann", schließlich doch von seinen irdischen Leiden erlöst und rits, in Form parlamentarischen Rechten», abgemurkst wird, und da wir ja von sreihändlerischen Beklemmungen nicht» verspüren, so werden wir für kommissarische Berathung stimmen, die eine methodischere Abschlach- tung ermöglicht. Bei der zweiten und dritten Beralhung der vorliegenden Gesetz- entwürfe werden unsere Parteiauschauungen auch in allen Detailpunklcn zur Geltung gebracht werden; und es sind— im Einklang mit unseren jeden P e r s o n e n k u l t u« und natürlich auch jede Parlaments- aristo kralie ausschließenden Prinzipien— unsere Dispositionen so getrosten, daß jeder sozialdemokratische Abgeordnete die Gelegenheit erhält, seine Pflicht im Reichslage zu thun. Die reaktionären Parteien möchten für ihr Leben gern die zum größten Theil schon sertigen Berichte der W a h l p r ü s u n g s k o m m i s s i o n *) Der'Normalarbeitslag genügt allerdings nicht zur Beseitigung der „Ueberproduktion", die eine nothwendige Folge der kapitalistischen Produk- lionsweise ist und erst aushören wird, wenn Produktion und Konsumtion durch eine vernünftige Organisation der Arbeit in Harmonie gebracht sind. Was die Hausindustrie betrifft, so ist deren Erhattung durchaus nicht wünschenswerlh— schon deshalb, weil sie eine Kontrole de s Staates unmöglich macht. Die Konkurrenzsähigkeit der Hausindustrie ist also von unserem StaiiLpunkte durchaus nicht zu erstreben— es wäre auch eine Utopie— und die in der Hausindustrie Beschästigten haben kein höheres Interesse, als daß die Hausindustrie verschwindet, den in ihr Beschäftigten aber lohnendere»nd gesündere Arbeil geschafft wird. Red. d.„Sozialdemokrat". Uber die Wahlp roteste nicht aus dem Pulte heraustassen. Wir werden Alles aufbieten, um dieses nichtswürdige Manöver zu vereiteln. Ginge es diesen Herren Reaktionären nach, so würden— wie das in einem Fall ja tatsächlich vorgekommen ist— die Kassirungen der Mandate erst am letzten Tage der Legislaturperiode ausgesprochen, so daß die unrechtmäßig Gewählten ihr gestohlenes oder geraubtes Mandat ungestört bis zu Ende ausüben könnten. Nun— diesmal wird's sicherlich nicht gelingen. Es herrscht in diesem Reichstag eine e'was bessere Tempe- ratur als in den früheren Reichstagen— und die unverschämte Rück- sichtslosigkeit, mit welcher Bismarck soeben die Session des preußischen Landtags verlängert hat— bloß um Land- und Reichstag zu chika- niren— hat die„Verstimmung" zu positiver Erbitterung gesteigert. Nur noch ein paar brutale Fußtritte— und, wer weiß, der deutsche Reichstag erhebt sich zur Höhe des Wurms, der den Fuß sticht, von welchem er getreten wird. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 10. Mai 1882. — Irland, das nngeberdige, steht wieder einmal im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Die Taktik der irischen Landliga, alle größeren Zusammenstöße zu vermeiden, sonst aber ihre Gegner bei jeder Gelegenheit zu schwächen, hat über die famose G l a d st o n e- F o r st e r'sche Unterdrück- ungspolitik den Sieg davon getragen. Die konservativen Landlords sind schließlich so mürbe geworden, daß sie ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzogen und den Versuch machten, mit den Jr- ländern einen Kompromiß gegen Gladstone zu schließen, indem sie dessen Landbill zu Überbielen suchten und sich für eine Landreform in dem Sinne erklärten, daß den irischen Pächtern durch Gewährung von Staats- vorschüsien die Möglichkeit werden sollte, ihren Pachtzins abzulösen und freie Bauern zu werden. Auf diese Weise retten nämlich die Herren vermittelst des Staatssäckel« für sich, was überhaupt zu retten ist, ganz abgesehen von der Aussicht, Gladstone au« dem Sattel zu heben. Dieser alte Pfiffikus aber war schlau genug, den„Zuvorkommenden" zu spielen, und erklärte sich mit dem Grundgedanken der v orgeschlagenen Ablösungsbill einverstanden. Er berief seinen Sündenbock Forster ab und schickte an dessen Stelle den in jeder Beziehung unbedeutenden Lord Caven- dish als Staatssekretär nach Dublin. Ebenso mußte der Lord Statt- Halter von Irland, Cowper Templer, abdanken. Dagegen wurden die gefangenen Führer der Landliga auf freien Fuß gesetzt. Darob großer Jubel unter den Anhängern derselben, der übrigens ganz berechtigt war, denn sie durften sich eines großen Erfolges rühmen. Dieser Jubel wird nun plötzlich durch die Ermordung des neuen Staats- sekretär«, des obengenannten C a v e n d i s h, und des Unterstaatssekretärs B o u r k e sehr empfindlich gestört. Da zur Stunde, wo wir diese Zeilen niederschreiben, über die Motive der Ermordung noch nichts bekannt ist, so enthalten wir uns jetzt jeden Urtheils darüber. Wir stehen nicht auf dem abgeschmackten Standpunkte, in jedem politischen Morde eine revolutionäre „That" zn erblicken, sondern überlassen diese Verwechslung von Revolu- lionarismus und Brutalität anderen Leuten. Genug, die zwei zur Ein- leilung der„Versöhnungspolitik" abgeschickten englischen Beamlen sind er- mordet worden, und ist infolgedessen in England die Stimmung eine den Jrländern außerordentlich feindliche.'Nicht nur die Konservativen, sondern auch ein großer Theil der sogenannte» Liberalen, die Whigs, schreien nach entschiedener Aenderung der Politik den Jrländern gegenüber. Die Führer der irischen Landliga aber erlassen ein Manifest, in welchem sie ihre„Empörung" über das Attentat in Dublin aussprechen und ihre Landsleute aufsordern, ein Gleiches zu thun. Es wird nicht an Stimmen fehlen, welche dieses Vorgehen als einen „Verrath am irischen Volk" bezeichnen, und die Herren Parnell, D a v i t t rc. als von der englischen Regierung„g e k a u f t" hinstellen werden. Wir beurtheilen die Sache kühler. Wir haben in den genannten Herren niemals Revolutionäre in unserem Sinne erblicken können und auch deshalb nur ein mitleidiges Achselzucken gehabt, wenn sie anar- chislischerseits bald als„Parlamentshumbuger" niedergerissen, bald als „wahre Bolksmünner" unseren Abgeordneten gegenübergestellt wurden. Der Kampf der Jrländer ist so grundverschieden von dem Kampf unserer Partei, die Ziele gehen so weil auseinander, die Traditionen des Volkes, die ganze Situation überhaupt ist eine so grundverschiedene von der Situation in Deutschland, daß auch die Taktik naturgemäß eine andere sein muß. Die irische Erhebung ist ihrem sozialen Charakter nach eine rein agrarische, und zwar wesentlich eine Erhebung der kleineu Pächter, die unabhängige Bauern werden wollen. Bon unserem Standpunkt ist ihre Tendenz daher im Grunde eine reaktionäre, da wir den kleinen Grundbesitz als einen Fortschritt gegenüber dem Großgrundbesitz nicht anerkennen können. An Versuchen, den Jrländern den Gedanken einer Nationalisirung de« Grund und Bodens im Interesse der Gesammlheit nahezulegen, hat es nicht gefehlt, namentlich hat der Korrespondent der „Jrish World"(Irische Welt), Herr Henry George, Verfasser des auch in deutscher Sprache erschienenen sehr interessanten Buches„Fortschritt und Armuth", in diesem Sinne zu wirken gesucht, aber gegen die all- gemeine Strömung läßt sich eben nichts machen, die große Masse, auf welche es ankommt, will davon nichts wissen, sie muß erst durch Er- fahrung klug, durch den Gang der Ereignisse selbst weiter getrieben werden. Nehmen wir aber die Jrländer, wie sie sind, so können sie, wie gesagt, auf ihre bisherigen Erfolge stolz sein. Die ihnen verhaßten Beamten sind abgerufen, die Zwangsbill ist nicht erneuert worden, die rückständigen Pachtzinse sollen zum Theil den Pächtern ganz erlassen, zum Theil vom Staat gegen billige Amortisation übernommen werden, die Landlords suchen zn retten, was zu retten ist, ehe ihnen das Land von Feuilleton. Wruno Bauer uud das Archrilieuthum. Von Friedrich Engels. (Schluß.) Ueber die Ursachen, die dem Christenlhum zum Sieg und zur Welt- Herrschaft verholfen haben, gibt Bauer auch sehr werthvolle Daten. Aber hier tritt der Idealismus�» des deutschen Philosophen ihm in den Weg, verhindert ihn klar zu sehen und scharf zu formuliren. Die Phrase muß oft am entscheidenden Punkt statt der Sache Dienst thun. Statt also aus die Ansichten Bauer s im Einzelnen einzugchen, geben wir lieber unsere eigene, außer auf Bauer'« Ichristen auch auf selbständigen Studien beruhende Auffassung dieses Punktes. Die römische Eroberung löste in allen unterworfenen Ländern zunächst direkt die früheren politischen Zustände und sodann indirekt auch die alten gesellschaftlichen LebenSbedingnngen aus. Erstens, indem sie an die Stelle der früheren ständischen Gliederung(abgesehen von der Sklaverei) den einfache» Unterschied zwischen römischen Bürgern und Richtbürgern oder Staats unterthanen setzte. Zweitens, und hauptsächlich, durch die Er- Pressungen im Name» des römischen Staate«. Wurde der Bereicherungs- wuth der Statthalter unter dem Kaiserreich im Staatsinteresse möglichst ein Ziel gesetzt, so trat an deren Stelle die stets und mit wachsender Kraft wirkende, immer mehr angezogene Steuerschranbe für den Staats- säckcl— eine Aussaugung, die furchtbar auflösend wirkte. Drittens endlich wurde überall nach römischem Recht von römischen Richtern *) Unter„Idealismus" ist hier die Neigung verstanden, bei Be urtdeilung geschichtlicher ic. Vorgänge den Hauptwerlh auf den Einstuß bestimmter„Ideen" zu lege», bezw. dieselben als von„Ideen" abhängig darzustellen. Anm. der Redaktion. den Bauern genommen wird— und diese günstige Situation ver- danken die Jrländer der Energie, mit welcher sie gezeigt haben, daß sie entschlossen sind, zu wollen, und mit welcher sie ihrem Willen, wo es darauf ankam, durch die That Nachdruck verliehen haben. Ob und inwieweit die Sachlage durch die Ermordung von Cavendish eine Aenderung erfahren wird, läßt sich in diesem Augenblick natürlich nicht vorausbestimmen; wir glauben aber, daß das in England erhobene Geschrei nach„strengeren Maßnahmen", nach„energischer Unterdrückung" nicht viel auf sich hat. Die Jrländer haben John Bull gezeigt, daß sie keinen Spaß verstehen und schießen können. — Ein Kuriosum. Im Reichstag saß vor Jahren ein Abgeord- neter von wahrhaft phänomenaler Harmlosigkeit— ein Vertreter„des kleinen Mannes" in Hamburg, ein Herr Richter, trotz Eugen's eine durch und durch ehrliche Haut, in der Politik Fortschrittler der besseren Sorte, und in puncto Nationalökonomie seinem polternden, schein- bissigen Namens-(und Fraktion«-) Kollegen ungefähr gewachsen, wo nicht gar„über", was freilich sehr wenig sagen will. Wohlan— dieser harmloseste der Richter, den nach zehnjähriger Parlamentspause sein Unstern wieder in den Reichstag gebracht hat, wurde vor wenigen Tagen aus Requisition der Staatsanwaltschaft über eine angebliche maje- stätsbeleidigerische Aeußerung vernommen, die er, laut einer Denunziation, vor 4 Jahren, in der tollen Attentatsfieber-Periode gethau haben soll. Während dieser 4 Jahre hatte er von dieser angeblichen Aeußerung keine Ahnung gehabt, kein Sterbenswörtchen gehört, und nun plötzlich sieht er sich einem Denunzianten gegenüber, der, durch die Wahl auf ihn aufmerksam geworden, wegen irgend einer Privatdifferenz sein Mülhchen an ihm kühlen will und bereit ist, zu beschwören, daß der unglückliche Richter die fragliche Aeußerung, von der dieser, wie gesagt, nicht die leiseste Erinneruug hat, wirklich gethan, and daß er, der Denunziant, sie gehört habe. Das Ganze klingt grotesk lächerlich, wie ein schlechter Witz, und zwar ein recht schlechter. Es ist aber buchstäblich wahr, und für Herrn Richter auch durchaus nicht spaßig, denn wenn es ihm nicht gelingt— und dazu ist sehr geringe Aussicht nach so langer Zeit— einen Alibi-Beweis zu erbringen oder sonst die Unrichtigkeit der denunziatorischen Zeugenaus- sage zu beweisen, so muß er günstigsten Falles auf einige Monate in's Gesängniß. Eine Verjährung gibt's für derlei„Verbrechen" nicht, wenigstens nicht in absehbarer Zeit; ein majestätsbeleidigerisches Wort behält seine gefähr- liche Wirkung volle 10 Jahre lang— d. h. länger, als unser monar- chisches Europa Aussicht Hai, fortzubestehen— und gleicht jenem be- rühmten Klapperschlangenzahn aus Meidinger, der, in einem Stiefel stecken geblieben, noch nach vielen Jahren dem Eigenthümer de« Stiesels verderblich wurde. Daß die Majestätsbeleidigungsprozeffe sich wieder zu häufen beginnen, ist übrigens für unsere Feinde kem gutes Zeichen. Sagte doch schon T a c i t u s, nur wenn die Achtung vor der Majestät gesunken sei, könne es eine Majestätsbeleidigung geben. Und er hatte Recht: jeder Majestäts- beleidigungsprozeß ist ein tsstimonium paupertatis de« Majestätsbegrifses, eine Bankrouterklärung des Monarchismus. — Russisches aus Bayern. Ein Monstreprozeß, besser ein Stück schamlosester Polizeiinjamie, spielt sich im Augenblick in München gegen 13 unserer Parteigenossen ab. Vor mehr al« vier Monaten entdeckte die Münchner Hermandad unter Anführung vom „M eineidsmiche l", vulgo Michel Gehret, eine angeblich geheime Sozialistenvers ammlnng. Anfangs wurden die schauerlichsten Gerüchte über die Verhafteten, die an einem Sonnlag Nachmittag in Kelten von einem ca. dreiviertel Stunde von München entfernten Orte durch die Stadt hindurch in« Gesängniß transportirt worden waren, verbreitet• sie sollten schauerliche Mordpläne entworfen haben, namentlich hätten sie es auf Michel abgesehen, einMann, miteinemRevol- ver bewaffnet, habe aus Posten gestanden, um jeden unbefugten Eindringling über den Haufen zu schießen— kurz, über die Nihilisten konnten keine abenteuerlicheren Gerüchte im Schwünge sein, als Gehretmichel und seine Banoe über die 18 verhafteten Arbeiter verbreiteten. Unzweifelhaft war der Revolvermann ein guter Freund der Polizei, denn während alle übrigen Verhafteten in Ketten geschlossen transportirt wurden, behandelte man gerade diesen so freundschaftlich, daß er auf dem Transport nach der Stadt dem wachsamen Auge der so findigen Polizistenbande„un- bemerkt entwischen" konnte. Vergebens wiesen die Verhafteten nach, daß an dem ganzen Geschwätz kein wahres Wort, vergebens erklärten sie Mann für Mann, den verhängnißvollen Unbekannten mit dem Revolver gar nicht zu kennen, die Polizei hatte sie einmal in ihren Krallen und ließ sie nicht heraus. Jetzt endlich, nach löwöchentlicher Unter- s u ch u n g s h a f t, ist die Anklage gegen unsere Genossen aufgesetzt worden, und zwar „gestützt auf die nicht eidliche Aussage eines Unbekannten, welcher deni eidlichen Verhör des HerrnGehret zufolge, diesem die Belastung«- Momente schriftlich hinterbracht haben sol l". Auf gut deutsch heißt das: Aus die feige Denunziation eines ehrlosen Hallunken an einen noch ehrloseren P o lizeischust. Und worauf lautet die Anklage? Was ist das fürchterliche Verbrechen, wegen dessen 13 brave Arbeiter mehr als vier Monate hinler Schloß und Riegel gehalten werden? Verdacht der Betheiligung an Ver- bindungen,„deren Zweck, Dasein und Verfassung vor der bayerischen Staalsregiernng geheini gehalten werden sollte, und welche in Wirklichkeit dahin abgezielt.Härten, entgegen dem Sozialistengesetze Umsturzbestrebungen zu befördern und verbotene Schriften gleicher Tendenz zu verbreiten, um geurtheilt, die einheimischen gesellschaftlichen Ordnungen damit für un- giltig erklärt, soweit sie nicht mit römischer Rechtsordnung stimmten. Diese drei Hebel mußten mit ungeheuerer nivellirender Kraft wirken, namentlich wenn sie ein paar Jahrhunderte lang angesetzt wurden an Bevölkerungen, deren kräftigster Theil schon in den der Eroberung vor- hergehenden, sie begleitenden, und noch oft ihr folgenden Kämpfen nieder- gemacht oder in die Sklaverei abgeführt war. Die sozialen Verhältnisse der Provinzen näherten sich immer mehr denen der Hauptstadt und Italiens. Die Bevölkerung theilte sich mehr und mehr in drei, aus den verschiedensten Elementen und Nationalitäten zusammengewürfelte Klassen: Reiche, darunter nicht wenig freigelassene Sklaven(s. Petroniusl, Großgrundbesitzer, Zinswucherer oder Beides, wie der Onkel des Christenthums, Seneka; besitzlose Freie, in Rom vom Staate ernährt und belustigt— in den Provinzen konnte» sie sehen wie sie fortkamen; endlich die große Masse— Sklaven. Gegenüber dem Staat, d. h. dem Kaiser, waren die beiden ersten Klassen fast ebenso rechtlos wie die Sklaven gegenüber ihren Herren. Namentlich von Tiberiu« bis Nero war es Regel, reiche Römer zum Tode zu verurtheilen, um ihr Ber« mögen einzuziehen. Stütze der Regierung war, materiell, da« Heer, das einer Laudsknechtsarmee schon weit ähnlicher sah, als dem alten römischen Bauernheer, und— moralisch— die allgemeine Einsicht, daß aus dieser Lage nicht herauszukommen, daß zwar nicht dieser oder jener Kaiser, aber das auf Militärherrschaft gegründete Kaiserlhum eine un- abänderliche Nothwendigkeit sei. Auf welchen sehr materiellen Thatsachcn diese Einsicht beruhte, darauf einzugehen ist hier nicht der Ort. Der allgemeinen Rechtlosigkeit und Verzweiflung an der Möglichkeit besserer Zustände entsprach die allgemeine Erschlaffung und Demorali- salion. Tie wenigen, noch übrigen Altrömer patrizischer Art und Ge- sinnung wurden beseitigt oder starben au«; ihr letzter ist Tacitu«. Die übrigen waren froh, wenn sie sich vom öffentlichen Leben ganz fern halten konnten; Reichthumserwerb und Reichthumsgenuß füllten ihr Dasein aus, Privatklatsch und Privatkabale. Die besitzlosen Freien, in Rom Staatspensionäre, halten dagegen in den Provinzen einen harten Stand. Arbeiten mußten sie, und das obendrein gegen die Konturrenz so die Bollziehung de» fraglichen Reichsgesetzes durch ungesetzliche Mittel zu entkräften und zu verhindern."„Dagegen sind die An- geklagten nicht verdächtig, verboteneSchriften ver- breitet zu habe n." Das heißt, die Angeklagten haben weiter nichts verbrochen, als— ohne bei Gehrel anzufragen— ihrer 18 zusammen- zukommen. Das ist das ganze Verbrechen. Alles andere ist Polizeiflunkerei. Ist einer solchen Schandwirthschaft gegen- über unsere Einleitungsbemerkung„Russisches aus Bayern" zuviel gesagt? — Damit beim Ernst auch der Humor nicht fehle, hat Gehret- michel in der Untersuchung sich bitter darüber beklagt, daß unter den Sozialisten allgemein Spitznamen im Gebrauch seien, und es daher selbst seinem bekannten Scharssinn nicht gelingen wolle, die geheimnißvollen Fäden, denen er auf die Spur gekommen, zu entwirren. Armer, ver- wirrter Gehret, Du hast Recht! Man sollte die Spitznamen durch ein Reichsgesetz untersagen. — Polizeiliches aus Hessen. Aus D a r m st a d t wird uns geschrieben: Der Hochverrathsprozeß wäre also richtig wieder fertig. Wie ich in meinem Bericht in Nr. 14 mitgetheilt, wurde ein aus den Namen Jean Fischer gereister„fliegender Agitator" der Most'schen Richtung dadurch hier verhastet, daß man ihn von London aus an die Adresse eines Polizeispitzels sandte, der denn auch pflichtschuldigst seinen Rapport der Behörde überbrachte. Der Verhaftete hatte aber noch einige Briese an Gleichgesinnte in Bornheim und Hanau, die er, statt sie schon unterwegs oder doch wenigsten» selbst in den Briefkasten zu werfen, be- sagtem Spitzel(S e i b e r t) zur Besorgung übergab. Nicht etwa, daß die Briefe nun an die Polizei nolcns volens abgeliefert, resp. von ihr abgenommen wurden— Gott bewahre! Es wurde vom hohen Polizeirath beschlossen, um bei uns ja keinen Verdacht aufkommen zu lassen, bei Seibcrt eine ordnungsmäßige Haussuchung vorzunehmen, bei welcher dann die Briefe in der Tischschublade des Seibert vorgefunden werden mußten. Ja, ja, Herr Lampe, Sie wundern sich, daß wir Ihren Be- fehl so genau gekannt? O wüßten Sie, in welch' unmittelbarer Nähe von Ihnen wir unfern Berichterstatter haben! Doch wieder zur Sache. Die Polizei fand, wie geplant war, die Briefe vor, und nun gibt's Unter- suchungen auf Untersuchungen wegen„Hochverralh". Welches Glück die Polizei damit hat, wird sich vielleicht nach einemJahre finden. Freilich gibt da» der Polizei wieder neuen Muth, aus uns herum« zuHacken; die Polizeiseelen vergehen geradezu vor Wuth, weil es ihnen immer noch nicht gelang, einen der U n s e r i g e n zu kapern. Wie schlecht die Polizei ist, mögen die Genossen daraus ersehen, daß sie sogar in unseren eigenen Reihen Spione dingen will. Namentlich gilt dies vom Kommissär Rinn, der alle Minen springen läßt, und dem es— nach eigener Aussage— auf ungezählte« Geld nicht ankommt, wenn er nur von den Genossen B i n k e r t und Müller etwas erfahren kann. Natürlich wurde dieses Ansinnen von dem Betreffenden zurückgewiesen, ob aber alle Eingeweihten derartigen schuftigen Anerbietungen gegenüber standhast bleiben, ist eine Frage, die zwar nicht beantwortet werden kann, welche aber immerhin zur größten Vorsicht mahnt. Man lasse ja nicht den Gedanken aufkommen, die Polizei- scherzen seien Produkte der heutigen Gesellschaft, und man dürfe über sie als solche kein allzustrenges Verdikt fällen. Daß fast Jeder ohne Aus- nähme neben ehrloser Gesinnung auch eine gehörige Portion Denunzianten- sinn hat, geht aus Folgeodem hervor: Hat da ein Wirlh, dessen Lokalitäten sich von anderen Wirlhshäusern dadurch vortheilhaft unterscheiden, daß in ersteren kein Militär verkehren darf, eine schwarze Katze. Irgend ein Kind hatte aus Spielerei dieser Katze ein rothes Bändchen um den Hals geknüpft. Vielleicht im Bewußtsein, ein rothes Bändchen zu haben, wurde die Katze dermaßen von hochverrälhersschen Gedanken erfüllt, daß sie sich bis auf die Straße wagte. Flug« fand sich so ein Schnllffelinski und dem Wirth wurde em Protokoll gemacht,„weil seine Katze in demonstrativer Weise die rothe Farbe tru g." Es wird vielleicht mancher Genosse das Gesagte für unglaublich halten, wer aber die unverschämte Dummheit unserer Polizei kennt, den wird so etwa« nicht befremden. Apropos! Gestern fand auch die Gerichtsverhandlung gegen Frau Anna Lesser von hier und Frau Gräfin Guillaume-Schack aus Beuthen statt, weil sie sich beikommen ließen, gegen unsere sitteu- polizeilichen Zustände zu sprechen und das Verhalten der Behörden zur Prostitution einer scharfen Kritik zu unterziehen. Der Staatsanwalt wies darauf hin, daß der brittisch-lontinentale Bund destruktive Ziele verfolge und die heutige Gesellschaftsordnung ändern wolle. O staatsanwaltliche Weisheit, die wohl nur in einem Bordell zu solcher Blüthe kommen konnte! Wer also gegen die gesetzliche Prostitutton eifert, will die Gesell- schaflSordnung umwälzen, verfolgt destruktive Ziele!?! Wahrlich, drasti- scher könnte unser bester Agitator die Zustände nicht kennzeichnen, als es hier— allerdings von einem gelbschnabeligen Jungen, der kaum sein juridisches Examen absolvirt— geschehen ist. Doch wie kam das? Ich will es den Lesern noch kurz mittheilen zur N-cheiferung für die, so zu un« gehören, zur Schande für die staatsanwaltliche, richterliche und polizeiliche Sippschaft. Frau Lesser bewohnte mit Genosse Müller dasselbe Haus. Die Anklage gegen sie war nicht gut aufrecht zu halten. Bielleicht hat Müller sein Versteck in ihrer Wohnung, kalkulirte die Polizei in ihrer Polizei- widrigen Dummheit, darum einmal gehaussucht bei ihr; und natürlich wurde hiezu ein Tag gewählt, an dem- Frau Lesser nicht da, also ihre Wohnung geschlossen war. Dieselbe wurde nun mit Gewalt ausgebrochen, und das hat Frau Lesser in der Verhandlung gebrandmarkl, indem sie ausführte, daß die Polizeier wie D i e b e bei ihr eingebrochen seien und energisch gegen solch' schmachvolle Beleidigung p r o t e st i r t e, wofür sie vom Richter mit einer Strafe von 3 Mk. wegen Ungebühr bedacht wurde. Das ist der Sklavenarbeit. Doch waren sie auf die Städte beschränkt, vt-d«» ihnen gab es in den Provinzen noch Bauern, freie Grundbesitzer(hie und da wohl auch noch in Gemeineigenthum) oder, wie in Gallien, Schuldhörige großer Grundherren. Diese Klaffe wurde von der gesell- schaftlichen Umwälzung am wenigsten berührt; sie stellte auch der religiösen den längsten Widerstand entgegen.*) Endlich die Sklaven, rechtlos und willenlos, in der Unmöglichkeit sich zu befreien, wie schon die Niederlage des Spartakus bewiesen; aber dabei großentheils selbst ebemalige Freie oder Söhne Freigeborener. Unlek ihnen mußte also noch am meisten lebendiger, wenn auch nach Außen ohnmächtiger Haß gegen ihre Lebens- läge vorhanden sein., Dem entsprechend werden wir auch die Ideologen iener Zeit geartet finden. Die Philosophen waren entweder bloße gelderwerbende Schul- meister oder bezahlte Possenreißer reicher Prasser. Manche waren sogar Sklaven. Was aus ihnen wurde, wenn es ihnen gut ging, zeigt Herr Seneka. Dieser Tugend und Enthaltung predigende Stoiker war erster Hofintriguant Rero's, wa» ohne Kriecherei nicht abging, ließ sich von ihm Geld, Güter, Gärten, Paläste schenken, und während er den armen Lazarus des Evangeliums predigte, war er in Wirklichkeit der reiche Plann desselben Gleichnisses. Erst als Nero ihm an den Kragen wollte, bat er den Kaiser, alle Geschenke zurückzunehmen, seine Philosophie genüge ihm. Nur ganz vereinzelte Philosophen, wie Persius, schwangen wenig stens die Geißel der Satire über ihre entarteten Zeilgenossen. Was aber die zweit« Art der Ideologen angehl, die Juristen, so� schwärmten diese für die neuen Zustünde, weil die Verwischung aller Standes unterschiede ihnen erlaubte, ihr geliebte« Privattecht in aller Breite auszuarbeiten, wofür sie dann dem Kaiser das hündischste Staatsrecht verfertigten, da« je existirl hat., Mit den politischen und sozialen Besonderheiten der Völker hatte das römische Reich auch ihre besondere Religion dem Untergang geweiht. Alle Religionen des Alterthum« waren naturwüchsige Stammes- und *) Nach Fallmereqer wurde noch im 0. Jahrhundert in der Maina (Peloponnesi von den Bauern dem Zeus geopfert. allerdings in den Augen der Richter Ungebühr, wenn man sich nicht auf Gnade und Ungnade in die Hände der Polizei ergibt. Wahrhaft groß- artig war der Eindruck, als Frau Leffer dem Gerichtshof gradheraus erklärte:„Ich habe von Sozialdemokratie früher nichts gewußt, jetzt aber werde ich die sozialistische Literatur studiren!" Zum Schluß sei noch bemerkt, daß Frau Lefler und Gräfin Schack von der Anklage des„groben Unfugs" freigesprochen wurden. Ludwig V. von Gottes Gnaden. — Das schwarzeKabinet, eine anerkannte Institution in Oesterreich! In unserem Bruderorgan„Wahrheit" erzählt ein Arbeiter, I. Z i e g r o s s e r, das Schicksal eines an ihn von Paris gesandten Brieses, welchen er fich vom Hauptzollamte hatte abholen müssen. Es hat erst vieler Kreuz- und Querfahrten bedurft, ehe der Adressat überhaupt erfahren konnte, daß der für ihn bestimmte Brief beim Finanzwach-Oberkommissär liege. Nach verschiedenen bureaukratischen Zermonien empfing er ihn endlich dort mit der Weisung, ihn in Gegenwart der Beamten zu öffnen. Aber in welchem Zustand befand sich derselbe?„Beim Leffnen des Couverts", schreibt der ge- nannte Arbeiter,„vernahm ich nicht das gewöhnliche Rauschen, ich nahm den Inhalt heraus und entfaltete das zusammengelegte einfache Schreiben, mehr war nicht im Couvert. Nun sah ich aber an den geösf- neten Rändern e i n e n s ch m a l e n, von Klebestoff her- rührendenAnstrich, und nachdem derOberkommissär ihn gesehen, mußte er zugeben, daß dieser Brief widerrechtlich geössnet war, man sich mit dem In- halt vertraut gemacht undihn dannwiederzugeklebt h a t t e." Es wird sofort ein Protokoll aufgenommen und in Gegenwart des Adressaten dem Reklamations-Bureau zu näherer Untersuchung über- geben. Bei der Gelegenheit bemerkt ein Beamter ganz trocken:„Der Briefwirdwohldas schwarzeKabinet passirt haben." — An der Glaubwürdigkeit dieser Aeußerung wird gewiß Niemand zweifeln", setzt der Einsender mit unbeabsichtigter Satire hinzu. Ja, wer wird noch au der Glaubwürdigkeit zweifeln, wenn aus Oesterreich irgend eine Niedertracht gemeldet wird! Wer aber bezüglich der Wahrung de« Briefgeheimnisses in Oesterreich noch Illusionen hatte, sei hiermit gewarnt. — Aus Leipzig, 6. Mai, wird uns geschrieben:„Die Ausweisung«- nkase gegen Eisengarten und die beiden George sind nun doch endgültig bestätigt und auch bereits ausgeführt worden— zur allgemeinen Verwunderung und Entrüstung des„großen" Publikums, welche«, aus die notorische Thatsache fußend, daß die drei Genannten das Opfer einer niederträchtigen und lügenhasten Privatdenunzia- tion sind, mit Bestimmtheit die Rücknahme des Ukas erwartet hatte. Jndeß— der Belagerungszustand muß verlängert werden, und die Polizei ist unfehlbar. Die Staatsraison und das Polizeirennomee erheischten den Ruin dreier Existenzen, und so wurden diese denn kalten Bluts und heiteren Herzens ruinirt. Die„Dresdner Nachrichten" haben nun neuen Stoff für einen Lobgesang auf die Milde der sächsischen Regierung, die„in ihrer Humanität" von der„schneidigen Waffe" des Belagerungszustands„nur den schonendsten Gebrauch macht". Sela! Es ist ja wahr, statt drei Personen frivoler Weise zu Grunde zu richten, hätte man drei Dutzend, drei Hundert, drei Tausend zu Grunde richten können! Welche„Humanität", daß man das nicht gelhan und sich mit drei lumpigen Existenzen begnügt hat! Sie wundern sich vielleicht, daß ich gerade mit diese m Fall mich so ausführlich beschästige. Es sind schon Hunderte und Taufende durch dieses infame Sozialistengesetz ruinirt worden— da sollte unsereins eigentlich an solche Schandthalen gewöhnt sein. Ganz recht, aber es ist doch ein Unterschied. Den Standpunkt unserer Feinde begreise ich, daß sie sich sagen:„Wir stehen mit der Sozialdemokratie aus dem Kriegs- s u ß, und— i la gmerre cornrne ä la guerre— im Krieg muß man den Gegner mit allen Waffen niederzuwerfen suchen". Gut! Nur muß es mit ehrlichen Waffen sein; und nur dürfen die Waffen sich nicht gegen Unschuldige, gegen Nichtkombattanten richten. Das ist durch das Völkerrecht und durch internationale Ver- einbarungen für den Krieg festgesetzt worden. Wer mit unehrlichen Waffen(vergifteten Kugeln jc.) kämpft und aus Frauen, Kinder, Un- bewaffnete— kurz Nichtkombattanten schießt, stellt sich damit außerhalb des Völkerrechts und wird mit Recht als elender Bube betrachtet, als ein gemeingefährliches Subjekt, da« todtgeschlagen werden muß wie ein toller Hund. Und im politischen Krieg gegen uns achten unsere Feinde der Regeln nicht, welche das Völkerrecht sür den militärischen Krieg, um dessen Schrecknisse zu mildern, ausgestellt hat. Man bekämpft un« mit unehrlichen Waffen und man schießtauch aus die Nicht- k o m b a t l a n t e n. Das ist in demFalleEiseugarten-George geschehen, und darum verweile ich bei diesem Falle, der die sittliche Verkommenheit, die absolute Gefühl- und Gewissenlosigkeit unserer Feinde plastisch und drastisch zum Ausdruck bringt. Tie Fälle frivoler Ausweisung werden sich in den nächsten fünf bis k�ch« Wochen unzweifelhaft häusen. Da unsere Genossen nicht so dumm Und, nach dem bekannten Londoner Polizeirezept zu konspiriren, und �'Üttdem, von allen Geboten, sich das eilfte mit ganz besonderer Sorgfalt eingeprägt haben, so kann das Material, mit welchem die be- Ichlosiene Verlängerung des„Kleinen" in usrnn Philistrorura— für den Spießbürger-Gebrauch— zu„motivircn" ist, nicht auf ehrlichem Wege beschafft werden, und da müssen die braven Vertreter der„Ord- "ung und Moral" denn pflichtgemäß auf unehrlichen Wegen wan- dein. Die auswärtigen Freunde dürfen sogar nicht erstaunt sein, wenn 'Väter Nationalreligionen, hervorgesprossen aus, und verwachsen mit den lWellschasiiichen und politischen Zuständen des jedesmaligen Volkes. Ein- mal diese jhre Grundlagen zerstört, die überlieferten Gesellschaftsformen, nebvmifi rai. n konnten andere Nationalgötter neben sich dulden, und xLTnLZ aD9e,neme. Regel im Alterthum: aber nicht über sich. Die rßmKrfi ni sp.r onen'al'i. 1 v«0 geschah es überall(abgesehen von den vulqsrv'bilos�.� J!"®ef,ir0)- Was in Rom und Griechenland die nismu«, da« � lärung' ich hätte beinahe gesagt der Boltairia- Ersetzung ireikm«»!, die römische Unterjochung und die selbstsüchtige xumpe? Männer durch verzweifelnde Unterthanen und erttälftich��die �nkimh"™� xUr � uioralische Lage. Die Gegenwart un- AS Sf«r* D-ne n wenigstens, die sich?a» Ä � füiuluhen Genuß- bei meine Scnmiitt» V" �'IC ��kosophien also nicht sür das ge» wandel iwr»nd dann zweitens.»eil der Lebens- -( r Junger die Lehren der schule in Mißkredit brackite Der Ä.«.**m.«-•<<• ÄÄ und nick b?ä in--- 17'«ligioser Form auftteten. wie damals Wr lLnLn Jl'r 3a Wundert, Alles, was die Massen packen sollte. Wir brauchen wohl kaum zu bemerken, daß von den. nach einem Ihnen nächstens aus Teutschland die Nachricht kommt, es sei irgendwo ein„A t t e n t a t" verübt worden. Unsere Vertreter der„Ordnung und Moral" sind in so großer Verlegenheit und der„Staat" ist in so dringender„Gefahr", daß außerordentliche Rettungsmaßregeln sich bald nothwendig erweisen dürsten. Apropos: um den Eifer der Polizeiorgane zu schärfen, wird amtlich die Schauermähr kolportirt, die Sozialdemokratie habe die Ermordung gewisser hervorragend mißliebig gewordener Beamten dekretirt. Natürlich kann jeder Beamte fich unter die hervorragend mißliebigen zählen, und ist dann natürlich im Interesse seiner Selbsterhaltung gezwungen, sein Möglichstes zur Vernichtung der„Mordbande" zu thun. Daß diese Schauermähr amtlich kolportirt wird, kann ich verbürgen. Details zu geben,»erbietet die Diskretion.— Zum Schluß etwas Heitres. Unser Herr Oberbürgermeister, der, von unserer nationalliberalen Pfeffersackklique gewählt, ein dreimal in der Wolle gefärbter Nationalliberaler ist, hatte am 23. April zu„Königs Geburtstag" eine Festrede aus unseren Albert zu halten. Dieser, ein strammer Fünfziger, hat sich von jeher einer kräftigen Gesundheit, d. h. was den Körper anbettifft, erfreut, und faßt jeden Zweifel an seiner körperlichen Rüstigkeit als eine schwere Beleidigung auf. Wohlan, in seiner Festrede aus den sächsischen Albert passirte es nun dem natioualliberalen Bürgermeister— Georgi heißt der Mann—, daß er in seinem nationalliberalen Eifer statt an den engern Landesherrn, an den„Heldengreis" Wilhelm dachte, und, den 35jährigen Kaiser und Preußen- könig vor seinen— wenn der Ausdruck erlaubt ist— geistigen Augen, dem 50 jährigen Sachsenkönig die unglaubliche Sottise sagte,„Gottes ganz besonders gnädiger Schutz habe über seinem(Albert's) Haupte gewaltet, und ihn(Albert) in körperlicher und geistiger Frische erhallen. Zum Glück war Albert blo» in einer Gypsbüste anwesend, sonst würde er wohl eine Grimasse des Aerger« gezogen, oder einen Lachkramps be- kommen haben— je nachdem. —„Wenn!" In ihrem wonneseligen Artikel über die Geburt eines angeblichen Hohenzollernsprößlings verkündet die Berliner„National- zeitung" ihren Lesern, daß das„hohe" Wickelkind dereinst die Geschicke des deutschen Volkes lenken werde,„wenn ihm— dem Wickelkind— das Geschick günstig" sei.— Du ahnungsvoller Engel, Du! Diesmal hast Du das Rechte gettoffen! Dein„Wenn" ist mehr wie berechtigt. — Warnung! Bei der allgemeinen Auswanderungswuth im herrlichen Teutschland richten sich noch vielfach die Blicke der Aus- Wanderer nach Australien, in der Meinung, dort müsse es eher möglich sein, sich eine Existenz zu gründen. Bestärkt wird diese Ansicht noch durch die tendenziösen Berichte der englischen Regierung und der australischen Landagenten. Wie es aber in Wahrheit dort aussieht, darüber gibt nachstehender, uns von einem Genossen zur Verfügung gestellter Brief eines seit vier Jahren in Reusüdwales lebenden Arbeiters beherzigen«- werthe Auskunst. Derselbe lautet: „Lieber Bruder und liebe Freunde! „So herzlich gern ich Euch hier haben möchte, bin ich doch froh, daß Ihr nicht gekommen seid. „Ich kann Niemand, der in Europa noch im Stande ist, tr ocken Brod und Käse zu verdienen, rathen, nach Australien zu kommen. Die von . gewissen Zeitungen kolportirte Ansicht, es sei hier leicht, Arbeil zu be- kommen, ist eine große Unwahrheit. Ich arbeite noch immer in demselben Geschäft hier in Sudney, welches als das beste im ganzen Lande bekannt ist. Ich habe jetzt 2 Pfund 10 Sch. die Woche, doch was ist da« sür ein Lohn gegenüber der riesigen Theuerung der Lebensmittel! „Ganz abgesehen von verschiedenen europäischen Lebensbedürfnissen, die Einem ganz und gar abgehen, zahlt man für die nothwendigsten Dinge nicht auszubringende Preise. Zum Beispiel sür einen Kohlkops(Cabagge) 10 Pence(85 Psg.). Das Trinkwasser, welches 200 Mikes aus dem Lande geholt wird, ist gleichfalls sehr theuer. „Dabei bin ich noch immer einer von den Glücklicheren, ich habe wenigstens Arbeit. Hunderte aber lungern monatelang arbeitslos herum. Wird nur e i n Arbeiter gesucht, so wird das Haus förmlich gestürmt, bis die Polizei einschreitet. Und wenn diese Armen dann monatelang vergebens versuchten, Arbeit zu bekommen, müssen sie nachher noch froh sein, wenn sich ihnen die Chance bietet, von einem Squatter viele hunderte von Miles mit in den„Bush" genommen zu werden, zu Arbeiten, die ihr sicherer Ruin sind, und welche sie in Europa nie machen würden. „An den Küsten, wo das Klima noch erttäglich wäre, wird es un- erträglich gemacht durch die heißen Sandwolken im Sommer; diese machen es geradezu zu einer H ö l l e."— So der Briefschreiber, der, wie unser Genosse mittheilt, einer der besten Arbeiter in seiner Branche ist und perfekt englisch spricht. Für den nicht englisch sprechenden Arbeiter sind die Aussichten natürlich noch viel ungünstiger. Darum, Ihr Europamüden, seid gewarnt! — Eine zeitgemäße Anfrage. Wir erhalten folgenden Offenen Brief: Hamburg, im April 1882. „In Erwägung, daß unter dem Sozialistengesetz die Agitation sür die Ausbreitung des Sozialismus eine wesentlich andere sein muß, als zu der Zeit, in welcher unsere Presse, Vereine und Versammlungen das Agitiren besorgten— „In Erwägung serner, daß auch die heutigen veränderten Zeitverhält- niffe eine sich der Zeit mehr anpassende und die Zeitverhällnisse berück- sichligende Agitation fordern— „In Erwägung drittens; daß es gerade jetzt eine günstige Zeit ist, da alle Welt sich mit Sozialismus befaßt, den wahren Ideen des Sozia- solchen Bewußtseinslrost, nach dieser Flucht aus der äußeren Welt in die innere, sich sehnenden Leuten die Mehrzahl sich finden inußte— unter den Sklaven. In diese allgemeine ökonomische, politische, intellektuelle und moralische Auslösung trat nun das Christenlhum. Zu allen bisherigen Religionen trat es in entschiedenen Gegensatz. Bei allen bisherigen Religionen waren die Zeremonien die Hauptsache. Nur durch die Theilnahme an Opfern und Umzügen, im Orient noch dazu durch die Beobachtung der umständlichsten Diät- und Reinheitsvor- schristen, konnte man seine Angehörigkeit bekunden. Während Rom und Griechenland in letzterer Beziehung tolerant waren, herrschte im Orient eine religiöse Berbotswuth, die zum schließlichen Verfall nicht wenig bei- gettagen dat. Leuie zweier verschiedener Religionen(Egvpler, Perser, Juden, Chaldäer) können nicht zusammen essen oder trinken, keinen alltäglichen Akt gemeinsam begehen, kaum zusammen sprechen. An dieser Scheidung des Menschen vom Menschen ist der alte Orient großentheils mir untergegangen. Das Christenthum kannte keine scheidenden Zeremo- nien, nicht einmal die Opfer und Umzüge der klassischen Welt. Indem es so alle Rationalreligionen und das ihnen gemeinsame Zeremoniell ver- wirft, an alle Völker ohne Unterschied sich wendet, wird es selbst die erste mögliche Weltreligion. Auch das Judenthum hatte mit seinem neuen Universalgotl einen Anlauf zur Weltreligion genommen; aber die Kinder Israels blieben immer eine Aristokratie unter den Gläubigen und Beschnittenen; und selbst das Christenthum mußte die Vor- stellung von dem Vorzug der Judenchristen(die noch in der sog. Offenbarung Johannis herrschte) erst los werden, ehe es wirkliche Weltteligion werden konnte. Anderseits hat der Islam, durch Beibehaltung seines spezifisch orien- talischen Zermoniells, selbst sein Ausbreitungsgebiet aus den Orient und das eroberte und von arabischen Beduinen neu bevölkerte Nordafrika be- schränkt: hier konnte er herrschende Religion werden, im Westen nicht. Zweitens schlug das Christenlhum eine Saite an, die in zahllosen Herzen wiederklingen mußte. Auf alle Klagen über die Schlechtigkeit der Zeiten und das allgemeine materielle und moralische Elend antwortete das christliche Sündenbewußtsein: So ist es, und so kann es nicht anders lismus— wenn auch nur mehr privatim— Anhänger und begeisterte Freunde zu werben— „richten wir an die Parteigenossen aller Orten folgende Anfrage respektive Bitte: „1. Sind Sie mit uns der Anficht, daß die Brochüren, welche früher zur Ausbreitung des Sozialismus geschrieben sind, ihrem Zwecke nicht mehr ganz entsprechen, daß vielmehr eine Broschüre erscheinen müßte, welche, ausgehend von einer populären Schilderung der heusigen ver- rotieren Zustände, in packender populärer Sprache die Endziele des Sozialismus Jedem, der fich dasür interessirt, klarlegte? Sind Sie serner mit uns der Ansicht, daß in einer solchen Broschüre den heutigen Tagesfragen besondere Berücksichtigung gewidmet werden müßte, damit Mancher, der jetzt hm und her schwankt, im Gewühle der Partei- Meinungen feste Stellung nehmen könnte, die sich gründet aus die Prin- zipien des Sozialismus? „2. Sind Sie mit uns der Ansicht, daß— bei aller Hochachtung vor dem Genie Lassalles— seine Schristen weit mehr ihrem Zweck entsprechen würden, wenn sie umgearbeitet und der heutigen Zeit mehr angepaßt würden? Wir erinnern speziell an die„Indirekten Steuern", die in einer Umarbeitung, wobei die neueren statistischen Nachweise des Stati- stikers Dr. Engel berücksichtigt würden, ein noch viel überzeugenderes Agitationsmaterial bieten würden. „3. Sind Sie mit uns der Ansicht, daß nach dem Satze:„Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen", auch die Verbreitung kurzer, kräftig gehaltener Flugschristen, mehr als bisher stattfinden müßte? In diesen könnten auch gerade die Tagesfragen eine Besprechung finden. Wir sind der Meinung, daß nickt blas bei Wahlen, sondern jahraus, jahrein, in gewissen Zwischenräumen Flugschriften unter das Volk ge- streut werden müßten, damit es endlich einmal aus der Dienstbarkeit der reaktionären Parteien— wozu wir selbstverständlich auch die Fortschritts- Partei rechnen— herausttäte. „Wir wollen in diesen Zeilen nur eine Anregung geben und bitten um Aeußerung hierüber im Parteiorgan. Es ist Zeit, daß wir uns gegenseitig anspornen zu frischen erneuten Anstrengungen und mit Rath- schlügen an die Hand gehen, damit wir ein Gegengift werden gegen die heutige geistige und materielle Reaktion. Mit sozialdemokratischem Gruß! Mehrere Hamburger Parteigenossen." Wir übergeben diese, nach unserer Ansicht sehr berechtigte Anregung den Genoffen allerorts zur eventuellen Diskutirung. Um auch unfern Standpunkt hier kurz zu entwickeln, so sind wir im Wesentlichen mit der Auffassung der Fragesteller einverstanden. Daß eine ganze Reihe unserer früheren Broschüren nicht mehr zeitgemäß sind, haben wir bereits in einer früheren Nummer des„Sozialdemokrat" aus- gesprochen und wir glauben, daß es wohl kaum einen Genossen gibt, der anderer Ansicht wäre. Man ziehe nur in Betracht, daß es sich bei den meisten unserer Agitationsschriften seinerzeit darum gehandelt hat, das damals allmächtige Manchesterthum zu bekämpfen und die Nothwendigkeit des Sozialismus im Allgemeinen nachzuweisen, daß es heute aber außer- dem und zwar dringend nöthig ist, die inzwischen versuchten Bersül- sch un gen des Sozialismus als solche zu kennzeichnen, den Arbeitern zu zeigen, daß Antimanchesterthum noch lange nicht Sozialismus ist, vielmehr unter Umständen ein noch schlimmerer Feind des Arbeiters als die reine unverfälschte Manchesterlehre, die wenigstens das eine Gute hat, klare Situation zu schaffen. Die Erkenntniß, daß heute andere Anforderungen an unsere Agitation«- schristen gestellt werden, als v 0 r dem Sozialistengesetz, ist auch die Ursache, daß von mehreren derselben— trotz lebhafter Nachfrage— noch keine Neuauflagen veranstaltet worden sind. So wird z. B. Bebe l's „Unsere Ziel e", das seit zirka zwei Jahren vollständig vergriffen ist, noch immer lebhast verlangt, aber Bebel selbst hat vor mehr als Jahresfrist den Wunsch ausgesprochen, daß eine Neuauflage einstweilen nicht gemacht, sondern damit gewartet werde, bis er Zeit gesunden, eine zeitgemäße Umarbeitung vorzunehmen. Bielleicht trägt der Umstand, daß Bebel diesmal nicht im Reichstag sitzt, dazu bei, daß dies recht bald geschieht. Was aber die Umarbeitung der Lassalle'schen Schristen anbetrifft, so können wir uns dafür nicht erwärmen. Diese sind gewissermaßen histo- rische Dokumente, an denen man nicht rütteln soll. Das Einzige, dem wir in dieser Beziehung zustimmen könnten, wäre, dieselbe mit erläuternden Anmerkungen und Zusätzen zu versehen. Ob die» aber nicht ihren agita- torischen Charakter beeinträchtigen und z. B. gerade die Broschüre über die indirekten Steuern zu umfangreich gestalten würde, ist eine andere Frage. Sehr einverstanden sind wir wiederum mit dem Vorschlag der Heraus- gäbe kräftiger, packender Flugblätter, welche entweder die Fragen des Tages in unserem Sinne zu besprechen oder, an solche anknüpfend, das Volk aus die Nothwendigkeit der sozialen Revolution hinzuweisen Hütten. Nur meinen wir, daß diese Flugblätter entweder in Deutschland selbst oder mindestens auf Veranlassung oder nach Angabe der Genossen in Deutschland verfaßt werden sollten, sollen sie den gewünschten praktischen Erfolg haben. Wir müssen auch in dieser Beziehung planmäßig vorgehen. Hauptsache aber ist, daß rüstig gearbeitet wird. Das selbstzufriedene Bärenhäuterthum, wie es hier und da gepflegt wird, muß aushören. Es ist nicht genug, daß wir das eroberte Terrain zu erhalten streben, wir müssen rastlos bemüht sein, Neue« dazu zu erobern! — Oesterreich. Aus D ux erhalten wir von einem Arbeiter eine Schilderung der Zustände im dortigen Kohlenrevier, aus der wir ersehen, daß die Habsburgischen Beamten sich noch viel infamer gegen die armen Bergleute aufgeführt haben, als es aus den Zeitungsberichten hervorging. Die von den Arbeitern der verschiedenen Gruben gewählten Komitee- Mitglieder, welche das Staatsverbrechen begangen hatten, die Resolution der Arbeiter dem Bczirkshauptmann zu überreichen, sind fast sämmtlich sein, an der Verderblheit der Welt bist Du schuld, Ihr Alle, Deine und Euere eigene innere Verderbtheit! Und wo war der Mann, der Nein sagen konnte? Zllsa culpa! Die Erkenntniß des eigenen Schuldantheils jedes Einzelnen am allgemeinen Unglück war unabweisbar und wurde nun auch Borbedingung der geistigen Erlösung, die das Christenthum gleichzeitig verkündete. Und diese geistige Erlösung war so eingerichter, daß sie von den Genossen jeder alten Religionsgemeinschaft leicht ver- standen werden konnte. Allen diesen alten Religionen war die Bor- stellung des Sühnopsers geläufig, durch das die beleidigte Gottheit ver- söhnt wurde; wie sollte die Borstellung von dem ein sür alle Mal die Sünden der Menschheit tilgenden Selbstopser des Mittler« da nicht leicht Bgden finden? Indem also das Christenthum das allgemein verbreitete Gefühl, daß die Menschen am allgemeinen Verderben selbst Schuld seien, als Sündenbewußtsein jedes Einzelnen zum klaren Ausdruck brachte, und gleichzeitig mit dem Opfertod seine« Richter» eine überall leicht ersaßliche Form der allgemein ersehnten inneren Erlösung von der verderbten Welt, des Bewußffeinstrost's lieferte, bewährte es wieder seine Fähigkeit, Welt- religion zu werden— und zwar eine für die gerade vorliegende Welt passende Religion. So ist es gekommen, daß unter den Tausenden von Propheten und Predigern in der Wüste, die jene Zeit mit ihren zahllosen Religions- Neuerungen erfüllten, allein di» Stifter de» Christenihums Erfolg gehabt haben. Nicht nur in Palästina, im ganzen Orient wimmelte e« von solchen Religionsstistern, unter denen ein— man kann sagen— darwi nistischer Kamps um die ideelle Existenz herrschte. Dank vornehmlich den oben entwickelten Elementen, siegte'das Christenthum. Und wie es all- mählig im Kamps der Sekten, unter einander und mit der heidnischen Welt durch natürliche Zuchtwahl seinen Charakter als Weltreligion immer weiter ausbildete, das lehrt im Einzelnen die Kirchengeschichte der ersten drei Jahrbunderte. eingekerkert worden, und zwar wurden sie ausdrücklich einzeln verhastet und von zwei Polizisten, zwei oder drei Schandarmen und zwei Mann Infanterie— in Summa sechs oder sieben Mann— durch die Straßen von Teplitz ins Gefängniß geschleppt. Am 1. Mai verkündete ein „U k a s", daß„Z u s a m m e n r o t t u n g e n von mehr als v i er Mann" strengstens verboten und, wenn nöthig, mit Gewalt auseinanderzujagen sind. Die Besatzung der Festung Theresienstadt reichte nicht aus, und wurden daher noch Truppen aus Jungbunzlan und Prag herangezogen, welche die Schachte bewachen und einzelne Fuhren Kohlen, die theils aus dem Vorrath in den Schachten gesammelt, theils von Bauern aus der Umgegend aus kleineu Tagschachteu geliesert worden waren, an ihren Bestimmungsort geleiten mußten— weil Letzteres einen höchst lächerlichen Eindruck machte. Alle beschäftigungslosen Arbeiter wurden schonungslos in ihre Heimath „abgeschoben". „Mehr zu berichten, erlaubt meine Zeit nicht", schließt der Einsender, „da ich jeden Augenblick erwarten muß, als„Agitator" verhaftet zu werden. Darum nur noch eine Bitte: Wenn Sie etwas zur Unter- stützung für die am meisten bedürftigen Streikenden senden können, so bitte ich Sie recht dringend, das zu thun." Der Bries, der uns auf Umwegen zugeht, ist vom 3. Mai datirt, der Briesschreiber hoffte noch, daß der Streik trotz Polizeibrutalität durch- geführt werde, inzwischen ist er jedoch zum Vortheil der Ausbeuter beendet worden— die Arbeiter sind„pazifizirt" worden. (Sendungen zur Unterstützung der Opfer des Streiks werden wir an zuverlässige Adreffen besördern. Red. d. Sozld.) — Belgien. Die vlä mischen Genossen feierten zu Ostern ein erhebendes Fest. Die Genter Webergenossenschaft feierte nämlich ihre 25-jährige Stiftungsfeier, und es waren aus allen Theilen Belgiens die Ge- nossen herbeigeströmt, um an derselben theilzunehmen. Der Festzug zählte trotz Beeinflussung der allmächtigen und rücksichtslosen Fabrikanten über 3000 Theilnehmer. Die Meisten derer, welche demselben au« Furcht vor Maß- regelung fern geblieben waren, stellten sich aber zu der arrangirten Volks- Versammlung ein. Die Stimmung unter den Genossen war eine begeisterte, und wird das Fest für das Wachsthum dü- Partei in ganz Belgien von großer Bedeutung sein. Am 28. und 29. Mai findet in Servier« der Jahreskongreß der sozialistischen Arbeiterpartei Belgiens statt. Zur Debatte stehen unter- Anderem die Frage der Schaffung eines neuen Parteiorgans in französischer Sprache, die sozialistische Agitation im Lande, sowie die Bewegung für das allgemeine Stimmrecht. Wir senden unser» Brüdern, die unter so schwierigen Umständen un- ermüdlich fortkämpsen, unfern besten Glückwunsch! — Frankreich. Weitere Wahlersolge der sozialistischen Arbeiter- Partei: In Aldi wurden die Genossen I o l i b o i s(Archivar) und F a b r e(Hutmacher) mit 1760. bezw. 1546 Stimmen gewählt, gegen 1151, bezw. 1086, welche die republikanischen Bourgeoiskandidaten er- hielten; ebenso siegten in B a g n o l s die beiden Kandidaten der Partei. In R o u b a i x ist die Stimmenzahl der Sozialisten von 490 aus 1530 ge- stiegen, in T r o y e s erzielten sie eine Stimmenzahl von 1200, während die republikanische Bourgeoisie nur 1100 Stimmen aufbrachte; Sieger blieben diesmal leider noch die Bonapartiften. In La Ferts-sous-Jou- a r r e stellte im zweiten Wahlgange der zur Partei gehörige Fachverein der Mühlsteinarbeiier seinen Präsidenten St. Martin gegen dessen Arbeitgeber auf; nur mit der knappen Majorität von 62 Stimmen siegte der Letztere, und sein erster Akt war— getreu der auf seinem Wahl- manifest figurirenden Devise: Freiheil, Gleichheit und Brüderlichkeit— den unverschämten Arbeiter sofort zu entlassen. Mit den Erfolgen wachsen auch die Verfolgungen. Der„ P r o l e t a i r e" kündigt da« Erscheinen eines neuen täglichen Blattes an, welches, auf dem Boden des Klasseukampfes stehend, die Interessen der Arbeiter vertreten wird. Das Blatt heißt:„ L a B a- taille politique et soziale"(„Die politische und soziale Schlacht") und hat zum Chefredakteur den unseren Lesern wohlbekannten Schriftsteller L i s s a g a r a y. Wir heißen den neuen Mitstreiter bestens willkommen! Vom 14.— 21. Mai findet in Paris der K o n g r e ß der mittel- sranzöfischen Sektion der Arbeiterpartei statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1) die Frage der Streiks, 2) Zweck und Nutzen der Gewerkschafts- kongresse und 3) die Eroberung der politischen Gewalt im Staat, und der administtativen in der Gemeinde als Mittel zur Befreiung.; sowie me Aufgabe der sozialistischen Gemeindevertteler im Befreiungskämpfe des Proletariats. In Bezug auf letztere Frage dürsten die Geister ziem- lich hart auf einander platzen. Hoffentlich führt der Kongreß zur Beseiti- gung der bedauerlichen Spaltung in der Partei. Es liegen wieder eine ganze Reihe von Berichten über Streiks:c. vor. In Paris find die Eisengießer(Lohnerhöhung von 50 Cts. pro Tag, Abschaffung der Akkordarbeit) und die Goldschmiede zAbkürzung der Arbeitszeit), in Bourges die Sattler(Lohnerhöh- ung von 20 Cts. pro Palroulasche), in Nantes die Tischler(Lohn- erhöhung 15 Proz.), in Grenoble die P a p i e r a r b e i t e r im Aus- stände. Die Bautischler von Pari« bereiten eine Bewegung zu Gunsten einer Lohnerhöhung von 10 Cts. pro Stunde vor. So wogt die Schlacht thatsächlich aus dem wirthschaftlichen wie auf dem politischen Gebiete! Die Maler und Anstreicher von Pari«, welche seit mehr als 5 Monaten in Lohndifferenzen mit ihren Prinzipalen stehen, bitten die Kollegen allerorten dringend, Zuzug fernzu- halten! Ein weiterer Sieg! In Pari« ist bei der zweiten Stichwahl im Quartier Grandes Carrivres der sozialistische Kandidat I o f f r i n mit 1504 Stimmen zum Gemeinderath gewählt worden. Seit dem 21. August vorigen Jahres ist die Stimmenzahl dort von 446 nach und nach auf 918, 1246 und jetzt 1504 gestiegen. Da kann man wirklich von Grandes Carriöres reden! Korrespondenzen. — Hannover. Situationsbericht.(Schluß). Ueber das llrtheil gegen H a r t m a n n, der au« dem Grunde, weil er einen Freund nicht denunziren wollte, wegen„Meineids" zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt worden ist, haben wir schon früher eine Notiz eingesandt. Hanmann ist nicht unser Parteigenosse, sondern Mostianer; aber da« kann hier gar nicht in Betracht kommen. Da» Reichsgericht hat jetzt das Unheil b e st ä t i g t und als„erschwerenden Um- stand" in den Motiven erwähnt, daßHarlmann„Sozialdemo. k r a t" sei! Wir rufen deshalb aus: Schmach über die H a l- tunken, die solche infame„Urtheilssprüche" fällen! Beiläufig sei hier erwähnt, daß die Führer der hiesigen„Mostianer" ihre„Taktik der That" dadurch gezeigt haben, daß sie nach Amerika aus- gewandert sind. Glückliche Reise! Weit davon ist gut vor'm Schuß. Der Most'sche Anhang dürste hier somit als verschwunden betrachtet werden. Am 23. März hatten wir eine„Nachfeier" von K a i s e r s G e b u r t s- I a g. Der hiesigen Polizei— die sich mehr durch ihren Eifer als durch ihre Schlauheit auszeichnet— war nämlich ein Packer mit dem„Sozialdemokrat" iu die Hände gefallen, da« höchstwahrscheinlich ein Polizei- spitzet an einen harmlosen Spießbürger' Hierselbst abgeschickt hatte. So wird die Polizei von ihren eigenen Leuten hinter'« Licht geführt! Kurz und gut: in Folge dessen also Haussuchungen bei sämmtlichen der heiligen Hermandad als Sozialdemokraten bekannten Personen! Der Polizei-Jnspekror C r u s i u s(nach dem Polizeipräsidenten v. Brandt hier am Orr die höchste„Säule der Ordnung") war— behaftet mit einem vom Kaisersoff herrührenden kolossalen-„Brand"(ohne t) mit 13 seiner Untergebenen, von denen Jeder mit einem respektablen„Kater" versehen war, den ganzen Tag vom frühen Morgen bis zum späten Abend auf den Beinen, um den preußischen Staat vor dem„Umsturz" zu retten. 38 Haussuchungen sind von uns konstatirt worden— möglich, daß noch etliche mehr stattfanden. Sämm tliche Personen, bei denen gehaussucht wurde, mußten nach polizeilichem Diktat sowohl in lateinischer als auch in deutscher Schrift„Schreibllbungen" anstellen, welches harmlose Vergnügen man auch den Polizisten machte. Dieselben glaubten in ihrer salomonischen Weisheit aus diese Weise den Absender der verbotenen Waare ermitteln zu können, fanden sich jedoch in ihren Erwartungen getäuscht. Das Resultat war überall: Null. Partei- genösse Sturm wurde sogar den ganzen Tag polizeilich bewacht; ge- sunden wurde indessen Nichts, und wo nichts ist, hat selbst der Kaiser sein Recht verloren. Einige Tage später wurde Sturm's Frau auf dem Markte von einem Polizisten angehalten, als sie ein altes Zeitungsblatt in ihren Korb legen wollte' und mußte dasselbe vorzeigen. Als der be- treffende„Staatsretter" nun sah, daß es blos ein Käsepapier war, sagte er zu Frau Sturm:„So, ich glaubte, Sie hätten da etwas gesunden!" Welche Schlauheit! Für die Opfer des Sozialistengesetzes wird hier eifrig gesammelt, und zeigen die hiesigen Genossen eine große Opferfreudigkeit.(Bravo!) Letz- tere ist aber auch wirklich geboten, denn es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Ausgewiesener hier ankommt oder durchreist. Darum, Parteigenossen, verdoppelt eure Anstrengungen, damit wir allen Anfor- derungen gerecht werden können! Unser Jahresabschluß vom 1. Oktober 1881 bis zum 22. April 1882 ergab: eine Einnahme von Mk. 1213. 73 und eine Ausgabe von Mk. 1076. 50. Von einem„Unverbesserlichen" gingen noch 35 Mk. ein. Zum Schluß noch einige Worte über unsere Stellung zum Parteiorgan. Der bekannte„Zwischenfall" ist durch die Erklärung unserer Reichs- tagsabgeordnetcn im„Sozialdemokrat" für uns erledigt. Wir sind mit der Redaktion des„Sozialdemokrat" voll und ganz einverstanden. Die Sprache des Parteiorgans kann an- gesichts der zahllosen Regierun gsschustereie» und Polizei- schweinereien nicht scharf genug sein. Wir können uns aus diesem Grunde mit der„Objektivität"— oder vielmehr Philisterhaftig- keit"— des Herrn B r e u e l nicht befreunden, müssen es vielmehr für eine S ch m a ch erklären, daß sich solche u n t e r st ö ck e r i s ch e Ideen in der Partei breit machen. Aus einen groben Klotz gehört bekanntlich ein grober Keil. Darum zum Teufel mit der sog.„Objektivität"! Die soziale Frage wird nun einmal nicht gelöst mit Rosenöl und Moschus. Wir wünschen— im vollen Einverständniß mit den Genossen in Dresden—, daß unsere Bertteter im Reichstag eine schärfere Sprache führen als in der letzten Zeit, denn der Reichstag ist allein noch der Ort, wo Bismarck und die übrigen Regierungsstrolche überhaupt an den Schandpfahl geschlagen werden können. Darum immer tapfer vorwärts! Fort mit aller Angstmeierei! Hoch lebe die Sozialdemokratie! Mit sozialdemokratischem Gruß! Die Parteigenossen Hannovers. — Zwickau, 5. Mai. Die Genoffen des 18. sächsischen Reichstags- Wahlkreises erklären sich mit der Haltung des Parteiorgan» durchaus einverstanden und wünschen, daß der angettetene Standpunkt auch ferner beibehalten werde. Die Bezirkskonferenz. — Ludwigshafen, Ende April. Bericht. Am vergangenen Sonntag, den 23. ds., hatten unsere Genossen in Oggersheim unter der Firma Tabaksmonopol eine Versammlung, die sehr zahlreich besucht und von dem besten Geiste getragen war. Als Referenten waren die Genossen Dreesbach und Grillenberger anwesend, die es denn auch verstanden, das Monopol sowie überhaupt die neuen Stenerprojekte in das richtige Licht zu stellen. Die den Lesern jedensalls bekannte Magdeburger Resolution wurde einstimmig angenommen, jedoch mit dem Zu- satze, daß jede neue Steuer zu verwerfen und die Reichsregierung auszu- fordern sei, ihren Haushalt sparsamer einzurichten. Mit Berttetung dieser Resolution wurde, in Anbetracht, daß der Ab- geordnete unseres Kreises, Herr Groß, jeder Fühlung mit seinen Wählern absichtlich ausweicht, unter dem stürmischen Beifall der Ber- sammlung Genosse Grillenberger betraut, der uns das Versprechen gab, voll und ganz für diese Resolution im Reichstage eintreten zu wollen. Unter einem dreifachen Hoch auf Grillenberger wurde die Ver- sammlung geschlossen. Vor Kurzem wurde hier ein Schurke entlarvt, der in liberalen Kreisen eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hatte. Es war dies der Schlosser- meister der Badischen Anilin- und Sodafabrik(dasselbe Geschäft, dem „unser" Groß seine nochmalige Wahl zu verdanken hat), der früher öfters in unsere Versammlungen gekommen war, und, da er mit seiner Weisheit nichts ausrichten konnte, dieselben mittelst gedungener Subjekte zu stören suchte. Es hat sich nun herausgestellt, daß dieser liberale Schreier seil einer Reihe von Jahren nicht unbedeutende Unterschlagungen theils zum Nachtheile der Fabrik, theils zum Nachtheile der Arbeiter gemacht hat. Sobald die Herren Kenntniß von der Sache erhielten, waren sie so freundlich, ihren werthen Kollegen zu warnen, so daß derselbe gemüthlich am hellen Tage abreisen konnte. Tags darauf kam die Polizei, um seine Verhaftung vorzunehmen, der saubere Vogel war aber schon ausgeflogen. Bemerkenswerth ist noch, daß im obigen Musterinstitut kapitalistischen Ausbeuterlhums in letztem Jahre ein Reingewinn von 6'/, M i l- lionen Mark erzielt wurde, während die Arbeiter, die sich in den giftgettänkten Räumen einen frühzeitigen Tod holen, mit einem Hunger- lohn von 2, sage zwei Mark pro Tag abgespeist werden! — Glasgow, 13. April. Die Ausbeuter an der Arbeit. Unserem erst kürzlich ins Leben getretenen Verein scheint Göttin Fortuna nicht besonders hold zu sein, denn zu unserem größten Leidwesen haben wir schon einen herben Schlag, der ganz unverhofft an uns heranschlich, zu verzeichnen. Vor ungefähr 6 Monaten lockte ein hiesiger Ausbeuter, in Firma Warren and Jon, Glas Bottle Manufacturer, in Glasgow, Scotland, 15 Familien mit Gehülfen ans Deutschland unter annehmbaren Bedingungen hierher zur Flaschenfabrikatiou nach deutscher Manier; er verpflichtete sich selbstverständlich, sämmtliche Werkzeuge, sowie auch das Material den Arbeitern derart zur Verfügung zu stellen, wie sie es in Deutschland gebrauchten. Die Kontrakte werden ausgefertigt, alle gleich- lautend auf zwei volle Jahre, unterschrieben und von einem deutschen Rechtsanwalle gestempelt. Die Leute kommen hier an, nehmen die Arbeit aus, finden aber zu ihrem größten Erstaunen Alle« in solch' verlottertem Zustande und da« Material so schlecht, daß es nicht möglich war, die Arbeiten dem Versprechen gemäß auszuführen. Die Leute stellten dieses dem Fabrikanten vor, und er versprach, Alles wieder in Stand zu setzen, aber es wurde eben nur versprochen. Die Leute arbeiteten weiter, so gut es eben möglich war, b e i n a h e f ü n s M o n a t e. Da ging Plötz- lich der Krach los, es wurde einer der Arbeiter von der Fabrik aus- gesperrt, dann ein anderer, dann wurde angekündigt: die fehlerhaften Flaschen werden nicht mehr bezahlt. Unsere Genossen dachten jedoch, das bleibe bei der bloßen Drohung, und arbeiteten ruhig weiter, bis die Drohung ausgeführt wurde. Sie machten nun dem Fabrikanten Bor- stellungen im Guten und sagten, sie hielten sich an seinen Kontrakt, der bis dato immer innegehalten worden sei. Es wäre eine reine Unmög lichkeit, mir den gelieferten Arbeitsinstrumenten die Arbeiten besser aus zuführen. Gleichzeitig erkundigten sie sich beim deutschen Konsul hier, was sie machen sollten; der aber sagte kurz: Ich kann Euch nicht helfen, Ihr müßt zu einem Advokaten gehen. Als einer der Genossen zum zweiten Male zu ihm ging, um ihn um einen Rath zu fragen, da rief dieser lümmelhafte preußische Offizier: Der Kerl war ja schon einmal hier! worauf ihn unser Genosse sofort fragte, wen er eigentlich mit seinem K e r l meinte, und der Herr klein beigab. Unsere Freunde gingen nun zu einem Advokaten und legren ihm die Kontrakte vor. Dieser sagte, daß sie nach hiesigem Gesetze ganz im Rechte seien, er werde die Angelegenheil in seine Hände nehmen, wenn sie ihm dieselbe übergeben wollten, was sie auch ihaten; er rielh ihnen noch, die Arheit ja nicht auf- zuii-hlnen, bis nicht ihr Fabrikant aus die kontraktlich ausgemachten alten Sedingungen wieder eingegangen sei. Diesem Rathe folgten sie, und der Advokat setzte sich mit Warren and Jon in Verbindung. Aber diese Kapitalhnäne wollte nichts von köntraltlichen Verpflichtungen hören. Und nun geschieht das Unerwartete: In der Zwischenzeit nehmen zwei der streikenden unter Anführung eines Johann Finkbeiner ihre Arbeit wieder auf, obwohl sie von allen Seiten ermahnt wurden, nicht gegen die Interessen ihrer Mitarbeiter schädigend zu wirken. Ja, es war ihnen nicht genug an einem Verrath. Besagter I. Finkbeiner und sein Schwager R. R a p s suchten sich auf eine infame, niederttächtige Art in die Gunst ihre« Brodherrn einzuschmeicheln. Sie erboten sich, die Gehilfen der Streikenden durch verschiedene Versprechungen von jenen wegzulocken und ihrem Herrn zuzuführen, dadurch würde er sehr viel ge- Winnen und hätte bedeutend billigere Arbeitskräfte. Dieses speichellecke- rische Entgegenkommen der beiden Subjekte paßte dem Ausbeuter in den Kram, und die Schurken erhielten ihren Judaslohn. Es gelang ihnen auch faktisch, die Gehülsen herüberzulocken,— und so waren neun Fa- milienväler und zwei unverheirathele Männer durch diesen gemeinsten aller Schurkenstreiche brodlos gemacht, und zwei der verheiralhetenMän- ner mußten noch jeden Augenblick die Niederkunst ihrer Frauen erwarten. I. Finkbeiner ging dann im Auftrag seine« Arbeitgebers nach Deutsch- land und Belgien ic., um neue Sklaven anzuwerben, doch sollte er dies- mal nur unverheirathele Leute mitbringen. Alles dies geschah natürlich auf die Einflüsterung dieses besagten Agenten Finkbeiner und seiner Spießgesellen hin. Unsere Genossen traten natürlich sofort in Kommuni- kation mit den betreffenden Glasdistriklen, um Zuzug fernzuhalten, und veröffentlichten gleichzeitig die Sachlage in einem Gewerkschaslsorgan der Glasmacher. Als besagter Agent in den verschiedenen Glashütten ankam, wurde ihm an verschiedenen Orten die Thüre gewiesen, und in C h a r- l o t t e n b u rg bei Berlin wurde ihm. wie uns zu Ohren gekommen, das Fell tüchtig durchgebläut. Bravo! Es gelang ihm jedoch trotz alledem, ungefähr acht Personen herüberzulocken. Der Prozeß wurde von einer Woche zur anderen verschoben, natürlich zu Gunsten des Fabrikanten, angeblich weil sein Hauptzeuge noch nicht von der Reise zurückgekehrt sei; wäre da» Umgekehrte der Fall gewesen, daß die Arbeiter einen Hauplzeugen erwartet hätten, so hätten selbstver- ständlich weder Advokat noch Fabrikant darauf Rücksicht genommen, der Prozeß hätte ungehiudert seinen Fortgang gehabt. Es ist dieses eben leider auch wieder ein Stück der vielgerühmteu englischen Justiz. Endlich aber erschien der Hauptzeuge für Warren and Son in Gestalt des ver- kommenen Subjektes I. F i n k b e i n e r, der sich nicht scheute, mit der bodenlosesten Gemeinheit unseren Genossen die unverschämtesten Lügen in's Gesicht zu schleudern und— Ende gut, Alles gut— die Bibel zu küssen und zu schwören, daß Alles, was er hier ausgesagt, seine Richtig- keit habe. Unsere Genossen wurden nur theilweise verhört, ihr Advokat schlief bei der Bertheidigung geradezu ein, während natürlich der Gegner mit größter Redegewandtheit seine Beweisgründe gegen sie in's Feld führte. Das Urtheil fiel dann auch danach aus: die Gerichtsbarkeit stellte die ganze Klage als eine verfehlte dar, die Kontrakte seien als ausgelöst zu betrachten, der Fabrikant wurde von allen Verpflichtungen unseren Ge- nassen gegenüber freigesprochen, und letztere lagen nach einem vierwöchent- lichen Streik mit ihren Familien auf der Straße. Alle Bemühungen, inzwischen Arbeit zu bekommen, waren vergebens gewesen; der Ausbeuter wurde durch seine Agenten unterrichtet, und er schnitt unseren Genoffen auch in bekannter Weise den Broderwcrb ab, indem er an alle betreffenden Orte schrieb und telegraphirte, man solle diese Leute nicht einstellen. Ber- mittelst diese« betrügerischen Borgehens trug das Kapital abermals den Sieg über die Arbeit davon— hoffentlich wird der saubere Patron einstens seinen wohlverdienten Lohn für seine Schurkerei empfangen, denn es ist nicht das erste Mal, daß er so schuftig vorgeht, es ist nur bis dato nicht der Oeffentlichkeit übergeben worden. Zur Ehre unserer streikenden Genossen aber müssen wir sagen, daß sie trotz Unkenutniß der Sprache und der Verhältnisse de« Landes wie Männer bis zum letzten Augenblick fest zusammenhielten, wiewohl sie ihr gapzes Hab und Gut verkaufen mußten, um die Weiterreise anzutreten. Wir glauben uns verpflichtet, im Interesse unserer schwer geschädigteu Genossen und um ihnen wenigstens eine Genugthunng zukommeu zu lassen, die Namen sämmtlicher verkommenen Subjekte, welche sie ver- riechen, der Oeffentlichkeit zu übergeben. Sie lauten wie folgt: Johann Finkbeiner. Roberl Raps. fuberl Flink. Hermann Hetze. Paul Sickert. Hermann Wünschmanu. arl Kleber. Max Hule. Wilhelm Dausacker. Ernst Köhler. Fritz Eberl. Matthäus Finkbeiner. Wenzel Grüneck. Unfern scheidenden Genossen und deren Familien rufen wir zu ihrem Abschiede ein herzliche« Lebewohl»ach und Glückaus auf die Reise! Der deutsche Arbeiter-Bildungsverein Glasgow. Warnung. jlarteigelloffen, die an ihre kreunde, die al« Sassalbcmokralcii«der gar als Ansgewiesene bekannt find, ins Anstand Lriese in schreiben haben, «erden ersncht, dieselben stets entweder per„Eingeschrieben" aber nnter vekadreffr in senden. E° ist eine nietfach festgestellte Thaisache, daß satche Kriete fast immer „nertaren" gehen, zn dentlch gestiebert»erden nnd in die Hände der ssotiiei gerathen. Diese Sorte von Kriefdiebstaht wird in ganz besonderem Krade in Dertin betrieben nnd erstreikt stch fetbknerständtich auch ans die jamilienbriefe. Deispiet: Der krön eines Dertiner An»ge»icsenrn. der gegenwärtig in Dew-Hork lebt, sind in knner Zeit nicht«eniger als nier Ariefe an ihren Mann, Irak der genancsten Adreste„nertaren" gegangen. Dali dieser Der- last nnr gemeinem Diebstahl in verdanken ist, bedarf keines Dewrises. Die deutsche Doliiei nnd spe>iell die Dertiner erfährt dnrch diese Art»an sgstematisch betriebenem Ariefdiebstaht vieles, was ihr fsnst jn erfahren nn- moglich wäre. Atf» Vorsicht in jeder fiichtnng! Briefkasten der Redak-tiou. Korrespondenzen aus M ü h l h a u s e n, Gens, I c r a n t o n ec. in nächster Nummer. Ehud: Ausschnitt aus der „Kölner Ztg." dankend empfangen; wird verwendet. Brief gleichfall» erhalten, die betr. Briefkastennoliz galt nicht Ihnen, sondern einem ?!amensvetter von Ihnen. Im Uebrigen leiden wir immer noch am alten Uebel: Stoffkongestion. der Expedition. Gwlsch. Ostrß.: Fr. 1,35 Ab. Mai u. Juni erh.— Eylinderfritze: Mk. 2�,40 Ab. 2. u. Rest t. Qu. hier.©ff. mehr.— Kautabak: Mk. 5,— Ab. 2. Qu. f. d. beiden Sch.'s erh. Alles beachtet u. besorgt. Bfl. Weitere«.— Brln.: Mk. 5,— erh. u. lt. Nota verwendet.— Garibaldi: Nachr. v. 6/5 u. Bf. v. E. am 7/5 erh. Bk. sofort benachrichtigt.—-f-j-f- Himmel---; Mk. 101,60 pr. 1. Qu. i. Ggr. Ufds. gebucht. Weiteres erwartet u. bfl. am 6/5 erledigt.— Manchester: Mk. 66,— Ab. 1. Qu. erh. Bfl. mehr.— Catilina: Fr. 2,— Ab. 2. Qu. erh.— Dtsch. Arb.-V. Winterlhur: Fr. 15,— pr. Ufds. dkd. erh.— L. u. Gen. i. Lsn.: Mk. 6,— Ab. 2. u. 3. Qu. erh.— O. Mhrl. Amsterdam: Fr. 8,25 eingetr. u. nach Vorschr. pr. 1. u. 2. Qn. Ab. S. rc. verw.; also Fr.—,42 d. Ufds. dkd. zugew.- Tie Getreuen i. Jever.: Mk. 6,35 Ab. 2. Qu.(nicht 3te« Qu.!) u. Ichft. erh. Bfl. mehr.— St. Emmh.: Fr. 2,— Ab. 2. Qu. erh.— Vom Main: Mk. 9,— Ab. 2., 3. u. 4. Qu. erh. Addr. ergänzt.— B. Sch. Bttrp.: Fr.—,65 f. Nchlfrg. erh. Die Schuld trifft Kphgn.— Von d. Thonberg- Lpzgr. Gen. St. Louis:(3. Rate Doll. 10,—) Fr. 50,65 d. Usds. dkd. zugew. Gruß!— F. Jonsch. N.-York: Fr. 303,80(Doll. 60,—) k Cto. Ab. u. Schst. am 8/5 eingetr. Auszug abgeg.— Rothkrageu a. d. CiSlar: Fr. 17,— pr. Ab. 2. Qu. f. 3 Expl. u. Ufds.(Mk. 5,—) dkd. erh.— Von 3 Arb. d. Bbchdr.: Fr. 3,— pr. 11(6«. erh.— Unigeniws: Bf. erh. Addr. richtig gestellt. Alle« i. Ordng.— Rother Greif: Mk. 25,-— Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Bfl. mehr.— Dtsch. B. Zür.: Fr. 2,— Ab. 2. Qu. erh.— H. Fbr. Obstrß.: Fr. 2,— Ab. 2. Qu. erh. Nachlfrg. fort.— Rasi: Mk. 60,—« Cto. Ab. durch K. erh. Auszug längst fort. Bfl. Näheres— F. Bloch: Bf- mit Addr. v. 7/6 eingetroffen— Llanc Ga.: Mk. 3,10 Ab. 2. Qu. f. Gr. erh. Fehler liegt an Dir. Bfl. am 2/5 mehr berichtet.— Roland; Beide Bfe. hier. Erster kreuzte mit unsrer Anrw. Bravo!„Es lebe die Denkschrift!" Serlow; Sdg. nach B. besorgt.— Ferd.: Bf. v. 7. erh. Wird Alle« flott betrieben. Erwarten— z in Bälde.— uminfibudjDcukfrrd Hottinaeu-ZAr»ch.