Grschciut � �> Äbonnemlnts werden»>» r beim Verlag und dessen belannte» Agenten entgegengenommen und zwar zum vorauK zahl bare ii » ö-h c»> l i ch einmal in Zürich«Lchwei;) llerliz BoltHbuchhandluttg franco gegen franco. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Toppelporto. _ Der Soiialöemolirnt..... Fr. 2.50 für alle übrigen Länder des NoKstlldnugtU» Weltpostvereins(Kreuzband). Bierteljahrsprcis von: Fr. 2.— für die Schweiz(Kreuzband) Mk. 3.— für Teutschland(Couvert) Zentral- Grgan der deutschen Sozialdemokratie Z n s e r a t e Tie drcigespaltene Petitzlile 25(Sil.— 20 Pfg. 9J? 22. Donnerstag, 25. Mai. 1882 {MT Ali« in die Jkanacnttii nuk SarrtfjiaaktatcH kr«„A«jilllkkmi>krat". MW Da der.Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist. dezw. verfolgt wird, und die dortigen i Behörden fich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonnigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Poüverkehr nothwendig und> �_............... darf keine Vorsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegen» der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schützen. Haupterforderniß ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten stehenden Schwierigkeiten den.Sozialdemokrat" unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Fünfzig Jahre später. Immer mehr zeigte sich, daß Preußen und Oesterreich Hand in Hand arbeiteten, um das Streben des deutschen Volkes nach Erweiterung seiner Rechte zu hintertreiben, und daß sie darin von den Mittel- und Kleinstaaten willig unterstützt wurden. Alle Konzessionen. welche einzelne Regierungen nach den Er- eignissen in Frankreich hier und da dem Volke gemacht hatten, wurden nach einander zurückgenommen, mit jedem Tage wurden die Regierungen anmaßender, die Polizei frecher, brutaler. Aber trotzdem fanden sich Männer, welche es wagten, eine freie, kühne Sprache zu führen, welche rückhaltlos die Rechte des Volkes vertraten; und ihre Worte fanden begeisterten Widerhall, wohin sie nur drangen. Und als diese Männer aus Anlaß eines Gedenk- tages das Volk in ein entlegenes Städtchen des Westens zusammen- riefen zu einer Feier zu Ehren seiner Rechte, da wagte es selbst die Regierung nicht dasselbe zu verbietm. Es fand unter ganz kolossaler Betheiligung des Volkes statt, und die Redner des Tages führten eine Sprache gegen die Regierungen, wie sie bis- her für unmöglich gehalten worden war in Deutschland. Das geschah— vor fünfzig Jahren. Fünfzig Jahre sind es her, daß I. G. Wirth, der muthige Redakteur der„Deutschen Tribüne" und Siebcnpfei ffer, der Herausgeber des„Wcstboten", das deutsche Volk einluden, am 27. Mai nach dem pfälzischen Städtchen Hambach zu ziehen, um unter der dortigen Schloßruine den Jahrestag der Verleihung der baierischen Verfassung zu feiern. Gern hätte der Bundestag, gern die baierische Regierung das Fest verboten, aber die Behörden von Hambach erklärten, angesichts der aufgeregten Stimmung des Volkes dann nicht für die öffentliche Ruhe garantiren zu können, und das Fest fand trotzdem statt. Auf dreißigtausend Mann wird allseitig die Zahl seiner Be- sucher angegebm. Kühn und rückhaltlos, sagten wir, war die Sprache, welche auf dem Feste geführt wurde.„Es wird kommen der Tag", sagte Siebenpfeiffer,„wo der Deutsche an den Alpen und der Nordsee, vom Rhein, von der Donau und der Elbe den Bruder im Bruder umarmt, wo die Zollstöcke (Szepter?) und die Hoheitszeichen der Hemmung und Bedrückung wmmt den Konstitutiönchen verschwinden, die man etlichen mürrischen Kindern der großen Familie als Spielzeug verlieh; wo der Beamte und der Krieger, statt mit der Bedienten- i a ck e des Herrn und Meisters, mit der Volksbinde sich schmückt; wo nicht 34 Städte und Städtlein von 34 Höfen um den Preis hündischer Unterwerfung das Almosen empfangen;—— — wo die deutsche Flagge allen freien Völkern den Bruder- A'wß entbietet. ES wird kommen der Tag, wo das deutsche P�eib nicht mehr die dienstpflichtige Magd des herrschenden Mannes, sondern die freie Genossin des freien Bürger», unsern Löhnen und Töchtern schon alS stammelnden Säuglingen die Freiheit einflößt."—— Und Wirth sprach von Königs» �uab en und Hoch v erräth crn und brachte ein dreifaches Hoch aus auf das vereinigte republikanische Europa! Freilich, c» blieb damals noch bei den Reden. Die Begeiste- welche alle Theilnehmer beseelte, wich bald einer anderen �-uinmung; unerhörte Verfolgungen brachen herein, die Ein- berufer de» Festes wurden in den Kerker geworfen, die wenigen rch'.e bei Volke» wurden vollends gemeuchelt, und al« ein dif«" 0 ch i)fm Hambacher Fest der Versuch, das Volk durch � opagan da der That zur Erhebung zu bewegen. los tn toar' da ging die Hetze aus die„Demagogen" bell V8'" Zweitausend Personen, meist dem i'-r Ntmrtm. dem gebildeten Bürgerstande angehörig, unk"nS Gefängniß geworfen, viele derselben geistig in'« auf'fi grausamste mißhandelt, zum Wahnsinn und bruiou t ber darmstädtische Pfarrer Weidig durch d,e Selbstmo seine» Untersuchungsrichter» Georgi zum .. �rieben. «toaaf d'r S",? � Hambacher Festes hatten es wenigstens nu? inen fT iU'"dm. sie hatten es gewagt, wenn auch eine«, Vrt,f 5U ftin- Und obgleich begeisterte Anhänger ™ LTT�T�lanb». h°"-"''ch dÄ srei von jeder " B-schränktheit g-z-jg,. �-b..hr uns die Fr-'h-ft ftM J i'8''""" e8 au8'hren Reden heraus,.so holen wir tdie.'"'i G e w a l t— wenn e» sein muß, mit Hilfe der Franzosen" Pole« öwei Jahre vorher die Bourbons verjagt hatten). und.• �""Zosen"ahmen an dem Hambacher Feste Theil, > u k e"l-bfr gefeiertsten Gäste desselben war der„bleiche reichte°rne, dem man ein Schwert al» Ehrengabe über- U"d heute? Und fünfzig Jahre später? * ü.?"°iution. welche die Männer des Hambacher Festes ue> tiefster Seele herbeigewünscht hatten— denn sie trugen sich nicht mit der lächerlichen Illusion, die Freiheit von den Be- drückern des Volkes als Geschenk freiwillig hingeworfen zu er- halten— die Revolution hat stattgefunden, gerade im badischen und pfälzischen Lande war das Volk am hartnäckigsten für dieselbe eingetreten, aber die Fürsten blieben schließlich Sieger über die- selbe, sie brachte dem deutschen Volke die ersehnte Freiheit nicht. Die Einheit Deutschlands ist steilich errungen, aber nicht mit Hilfe der steiheitlich gesinnten Franzosen, indem man„die 34 Fürsten" verjagte, sondern durch den Kampf gegen die Franzosen, und das halbe Schock Fürsten„regiert" noch immer. Fünfzig Jahre sind seit dem Hambacher Fest verflossen, man hat seitdem viel von dem„Erwachen des deutschen Volksgeistes" gesprochen, vor zehn Jahren sprach man auch davon, wie sich Alles so„Herr- lich" erfüllt habe. Ja es hat sich„herrlich" erfüllt t Vor fünfzig Jahren hatte die Regierung nicht gewagt, das Hambacher Fest zu verbieten, heute wagt sie es ohne Scheu. Vor fünfzig Jahren mußte die Regierung befürchten, daß das Fest eventuell gegen ihren Willen abgehalten werde, heute versuchen es die Einberufer mit einer Rekurseingabe. Schlägt diese fehl, so findet das Fest gar nicht oder hinter verschlossenen Thüren statt; wird aber das Fest huldreichst bewilligt, so wird auf demselben schwerlich ein Wirth sich finden, der ein Hoch auszubringen wagte auf das vereinigte republikanische Europa! Sollte das wirklich der ganze Unterschied sein zwischen heut und damals? Sollte wirklich das deutsche Volk sich soweit rück- entwickelt haben? Rein, schildern wir die Verhältnisse nicht schlimmer als sie in Wirklichkeit sind. Wohl wagt die Regie- rung heute, die Feier des Hambacher Festes zu verbieten, aber sie kann das nur, gestützt auf eine Militärmacht, wie man sie damals noch nicht kannte, und auf einen großen Theil des Bllrgerthums, der mit ihr gemeinsame Sache macht gegen die Masse des Volkes. Auch sind es nicht die geistigen Erben jener Männer von 1832, welche heute die Jubiläumsfeier arrangirt haben, so wenig, als es die waren, welche vor zehn Jahren, begleitet von einer preußischen Militärmusik, den Hambacher Schloßberg hinauszogen, um sich der neuen preußisch-deutschen Herrlichkeit zu erfreuen. Rein, ebensowenig als die National- liberalen dürfen sich die Volksparteiler rühmen, den Geist zu vertreten, der die Männer des Hambacher Festes von 1832 be- seelte. Sie sind deren Nachbeter vielleicht, aber was damals echter Fortschritt, ja man kann sagen revolutionär war, ist es heute nicht mehr, ist heute reaktionär, zum mindesten Stillstand. Heute gibt es nur eine revolutionäre Partei, und das ist die Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie aber ist gewaltsam unterdrückt, gegen sie herrschen Ausnahmegesetze, zum Theil jenen gleich, zum Theil schlimmer als jene, unter welchen die Freiheitskämpfer der dreißiger Jahre zu leiden hatten. Aber aller Verfolgungen un- geachtet trägt die Sozialdemokratie stolz und ungebeugt ihr Haupt, trotzig schaut sie dem mächtigen Gegner in's Gesicht, sie weiß, daß ihr die Zukunft gehört. Die Zukunft, die nicht fern mehr ist. Denn was auch die Kleinmüthigen und Verzagten einwenden mögen, immer stärker erwacht im deutschen Volke der Geist des Widerstandes gegen den Druck von oben, immer deutlicher zeigt es das Bestreben, sich seiner politischen und sozialen Bedrücker zu entledigen. Und je unverschämter diese ihr Unterdrückungs- werk betreiben, je schamloser sie das Volk wirthschaftlich aus- saugen und politisch knechten, um so stärker wächst auch die Er- kenntniß, daß dieser Druck nicht beseitigt wird durch schöne Reden und Beschlüsse, fondern durch energische Hand- lungen, daß die soziale und politische Befreiung des arbeitenden Volkes dessen eigenstes Werk sein» muß, und daß das deutsche Volk nicht eher Freiheitsfeste wird feiern können, als bis es fest entschlossen ist. sie abzuhalten ohne obrigkeitliche Er- laubniß! Briefe aus Berlin. «erlin. 19. Mai 1882. Der Reichstag ist glücklich in die Ferien gegangen, und zwar schon einen Tag vor der festgesetzten Zeit, weil sonst blamabler Schluß in Folge von Befchlußunfähigkeil eingetreten wäre— wo nicht gar der Tod durch Langeweile, oder Mundsperre. So viel gegähnt und geschlafen hat noch nie eine parlamentarische Körperschaft, al» der deutsche Reichstag in dieser ersten Abtheilung seiner jetzigen„außerordentlichen" Session. Neun Zehntel und mehr sümmtlicher Mitglieder wollten von vorn- herein keine Frühjahr- und Sommersession, die blos durch eine persönliche Laune des Herrn Bismarck herbeigeführt wurde. Der eiserne Kanzler wollte durchaus den Reichstag chikaniren, den Parlamentarismus dis- Iredi'iren, indem er ihn zu unfruchtbaren Debatten zwang. Die außer- ordentliche Session sollte in der That eine Art Straf session sein. Drei, vier Monate im Sommer zu Berlin— da« ist wahrhastig für die biederen Herren Volksvertreter kein Pläsir. Einen anderen Zweck hatte und hat die Session nicht. Daß da« Tabakmonopol jetzt nicht durchzusetzen ist, weiß Bismarck so gut wie wir es wissen, und die andern Gesetzentwürfe(Unfall- und Krankenkassen- gesetzt sind ja blo« AnstandSzugaben, durch welche der arbeiterfreundssche. Ichein nvthdürstig gewahrt werden soll. Unter solchen Verhältnissen kann man es de» Herren Volksvertretern nicht verargen, daß sie sich sagten: „Willst D u uns chikaniren, so wollen wir D i ch chikaniren!" und daß sie, statt sich der Strassitzerei demüthig zu unterziehen, einen parlamentarischen Streik machten und entweder gar nicht in den Reichs- tag kamen, oder in dem Reichstag schliefen. Gegen diesen p a s s i v e n W i d e r st a n d in snperlativo war nicht auszukommen, und so mußte der refraktäre Reichstag denn am Dienstag auf drei Wochen in die Ferien geschickt werden. Die Tabakmonopoldebatte war die einzige, die ein Bischeu Interesse erweckte: indeß herrschte auch während ihrer die schläfrige Stimmung vor, welche bisher die Signatur der anßerordeutlichen Session bildete. Nur e i n Redner wurde mit allgemeiner Aufmerksamkeit gehört, uud das war P o l l m a r, der Sprecher der Sozialdemokraten. Seine Erscheinung, seine Lebensgeschichte, der Inhalt und Vortrag seiner Rede — Alles vereinigte sich, ihm das Ohr des Hauses zu gewinnen und den Erfolg seines �laidsnspseob(Jungfernrede) zu sichern. Vollmar vertrat scharf und mit rückhaltloser Offenheil den Standpunkt unserer Partei, und wir haben alle Ursache, mit dem zweiten Tag der Monopol- debatte zufrieden zu sein. Nach Vollmar, dem offiziellen Fraktion«- redner, hatten sich für den Fall einer verlängerten Debatte noch Hasen- clever, Geiser und F r o h m e zum Wort gemeldet— der Reichstag schloß aber schon am dritten Tag die Debatte. Dank der Ungeschicklichkeit Richter'»(Eugen'»), der seinen nach den Erklärungen des Zentrums aussichtslosen Autrag aus Berathung im Plenum nichk zurückziehen wollte, erlangte da« Monopol bei der Ab- stimmung einen formellen Tri»un p h durch Verwerfung des fort- schrittlichen Antrags. Freilich von reellem Nutzen ist dieser Triumph nicht. Trotz der diplo- malischen Winkelzüge der kleinen Excellenz von Windthorst, der die Ver- tagung des Reichstags bis zum Herbst erstrebt, und die Monopolsrage bis dahin offen halten möchte, wird der Reichstag dem Monopol noch vor Pfingsten in der Kommission den Hals umdrehen. Recht kläglich verlies die Debatte über bie beiden„Arbeitergesetze". Die zwei Entwürfe waren zu einer Berathung vereinigt, und uns dadurch die Möglichkeit genommen worden, zu jedem der Entwürfe min- destens einen Redner zu stellen. Da es sich in erster Linie uin Kassen- wesen handelte, und sich andere Gelegenheit zur Kritik de» Bisinarck'schen Staatssozialismus bietet, so verzichtete Liebknecht, der eigentlich zum Un- sallgesetz sprechen sollte, zu Gunsten K r ä ck e r' s, der für da« Kranken- kassengesetz als Redner designirt war, und im Kassenwesen viel praktische Erfahrung hat. Um Kräcker zu ergänzen, meldete sich noch Grillen- b e r g e r zuin Wort. Kräcker konnte sich seines Auftrag« entledigen; er zeigte die zahlreichen Mängel des Regierungsenlwurfs und die Hohlheit der Max-Hirsch'schen Manchesterphrasen; er wurde mit großer Ausmerksamkeil angehört, weil die Herren Reichsboten sofort merkten, daß er von der Sache etwa« verstand— was von keinem der übrigen Redner gesagt werden kann. Grillenberger kam nicht mehr zum Wort— es waren am zweiten Tag der Debatte höchstens ßO— 70 Abgeordnete im Hau«, uud um einen „Unfall" zu verhüten(Auszählung), wie Herr Bamberger sich scherzhaft ausdrückte, mußte der Reichstag schon am Dienstag vertagt werden.— Gleich nach den Ferien werden WahlprUsungen vorkommen; darunter auch die von sächsischen Wahlen. Bei mehreren derselben wird Kassation beantragt, und wohl unzweifelhaft auch beschlossen werden. Einstweilen sei blo« die im G l a u ch a u- M e e r a n e r Kreis genannt, den Leuschner zu räumen haben wird. Die Ersatzwahl wird Auer in den Reichstag bringen.— Die hiesigen Genossen sind aus dem Posten. Am vorigen Sonntäg wurde ein Flugblatt au die Berliner Arbeiter in 20,000 Exemplaren vertheilt. Ein Packet init 1000(nicht 5000, wie die Zeitungen sagen» Exemplaren wurde.von der Polizei„geschnappt". Um sich für diese Niederlage zu rächen, wird die Polizei wieder verschiedene Ausweisungen vornehmen.— Es fällt hier sogar in bürgerlichen Kreisen ans, daß über das B o ch u me r Koh lengrnben-,, U» g l ü ck" zbesser Verbrechen!) absolut keine Berichte in die Oeffentlichkeit gedrungen sind. Wir haben nur zwei fast gleichlautende, an« derselben amtlichen Quelle stammen- den Meldungen, nach denen die Behörden keine Schuld trifft. Tie Behörden haben offenbar alle Mittheilungen verboten, und befolgen ein an Rußland erinnernde» Verluschungs- und Todtschweige-S»steni, welche« das schlechte Gewissen verräth, und daraus schließen läßt, daß da«„Unglück" verbrecherischer Mißwirthschaft und Pflicht- Vergessenheit zu danken ist. Briefe aus Oesterreich. Wie», 18. Mai 1882. Die Ringthealerprozeßkomödie hat endlich, nach zwauzigtägiger Dauer, ihr Ende erreicht, ein Ende, schamloser und niederträchtiger, wie es' kaum gedacht werden kann: Die Hauptschuldigen, die B e a in- t e n, namentlich aber der P o l i z e i b e a m t e L a n d st e i n e r, welcher, wie selbst die Richter zugeben mußten, au« purer Feigheit alle Rettungsmaßregeln unterließ, ja verhinderte, obwohl er w u ß i e, daß noch Menschen im brennenden Theater seien— die werden frei- gesprochen. Die Arbeiter werden verurtheilt � obgleich ihnen nichts zur Last gelegt werden kann: das Oeffnen der Rollthür war nothwendig, um die Arbeiter beim Gasmotor zu retten, weil sie nicht mehr über die brennende Bühne konnten. Außerdem behaupten Sachverständige, gerade das durch..das Oeffnen der Rollthür verursachte Ausrauschen des Borhanges habe vielen Menschen das Leben gerettet, da es sie auf die Gefahr aufmerksam machte, weil sonst das Publikum ahnungslos sitzen geblieben wäre, bis die Flammen in den Zuschauer- räum drangen. Schandenhalber wurde auch noch der Direktor Jaunec verurtheilt— um vom Oberlandesgericht freigesprochen zu werden. Er hat nämlich an dasselbe appellirt. Dieses Ende ist der ganzen Gerichlskoanvdie würdig Sie man da aus- gejährt hat. Auch sonst zeigen sich unsere Rechtsverdrehungs-JuMrute ihrer hohen Aufgabe würdig. Bis jetzt galten die im Parlament gehaltenen Reden für immun(strassrei). Das Ober-LandeSgerichl belehrt uns jetzt eines Besseren, indem es die Konfiskation des Abdrucks einer Rede Schonern*'» bestätigt. Der eine Grund der Konfiskation ist nicht originell, er ist in Deutschland bereit« wiederholt angewendet worden: Die Immunität er- strecke fich blos auf den Abdruck von ganzen Verhandlungen, nicht aber von einzelnen Reden. Der zweite Grund ist aber originell. Auch de- wahrheitsgetreue Abdruck der ganzen Parlamentsverhandlungen kann kon. fiszirt werden, da ihre Immunität blos eine subjektiv-, nicht aber eins objektive sei, d. h. es kann Niemand wegen der Verbreitung einer solche» Verhandlung bestrast, wohl aber sie selbst konfiszirt werden! Angesichts solcher österreichischen„Gemiithlichkeit" im Handhaben de? Gesetze sino hier Ausnahmegesetze wohl überflüssig. Wir bleiben in der Beziehung den Deutschen immer noch über. Wir würde» uns kaum mehr wundern, wenn auch die in der Staats- druckerei erscheinenden stenographischen Protokolle der Reichsrathsver» Handlungen eine« schönen Tages konfiszirt würden.— Daß so schamlose Beamtenkerle dort, wo ihnen Niemand aus die Finger sieht, d. h. in Bosnien und der Herzegowina,»och viel schamloser vor- gehen als bei uns, ist einleuchtend. Die Debatte im ungarischeirAbgeord- uetenhause über die bosnischen Kredite hat da ganz sonderbare Thalsachen an s Tageslicht gebracht. Die äußerste Linke in Ungarn will nämlich die bosnischen Kredite nicht bewilligen und verlangt die Räumung der okku- pirten Provinzen, an deren Festhaltung Oesterreich kein Interesse habe. In der aus Anlaß dieser Haltung- entstandenen Debatte wurde iinn dar- gethan, daß der Ausstand wesentlich der Habsucht, Niederträchtigkeit und Dummheit der österreichischen Bureaukratie zuzuschreiben sei, welche das Volk in der schamlosesten Weise aussaugte, ihm unser ganz unverständ- licheö und unzweckmäßiges Recht ausoktrohirte und endlich die Großgrnnd- besitzer, die Aga'ß, in ihrem Besitze schützte. Die Latifundien sind in gleicher Weise in den olkupirteu Provinzen wie in Irland die Ursache steter Unruhen. Zeitigt doch dieses Grundbesitzshstem auch in Italien den Brigantaggio und ebenso in Südnngarn das Räuberwesen. So wenig als es dort durch das Standrecht beseitigt werden kann, so blutig auch letzteres gehandhgbt wird, ebensowenig in Bosnien und der Herzegowina. Die Leute verhungern und haben demnach keine andere Wahl als Auf» stand oder„Räuberei", und so, wie sie sich gegen die Türken erhoben, mußten sie sich gegen die Oesterreicher erbeben und werden es gegen jede nachfolgende Regierung thun, solange Grund und Boden dem Volke nicht zurückgegeben worden. Daß der panslavistische Zarismus diese Zustände für sich ausbeutet, ist sicher, aber ebenso unbestreitbar ist, daß dem Ausstande in erster Linie agrarische, also soziale Ursachen zu Grunde liegen. Oesterreich hat selbst dem Panslavismus da unten ein willkommenes Objekt des Wühlens geliefert. Es ist bezeichnend, daß der Ausstand in d e n Provinzen aus- brach, in denen die Bureaukratie am meisten in die Agrikulturverhält. nisse sich einmischte— natürlich zum Schutze der Agas. �Gerade in den drei insurgirien Bezirken der Herzegowina sind unter dem„Einflüsse" der Beamten die meisten Pachtkmitraktc— 4(XK) an der Zahl— ge- schloffen worden. Was die Krivoschje anbelangt, so hätte sich die n i e erhoben, wenn sie nicht an der Herzegowina und Bosnien einen Rückhalt, gehabt hätte. Ebenso schuftig und dumm, als man den Ausstand herausbeschwor, sucht man ihn jetzt zu unterdrücken. An den Eigenthnmsverbältnissen darf nickt gerüttelt werden— also macht man das Land lieber zur Wüste. In allen Dörfern des insurgirten Gebietes, die zu entlegen oder exponirt sind, um dauernd von de» Truppen besetzt werden zu können, werden sämmtliche Häuser und Zisternen(!!) mittelst Dvnamil ge-sprengt. Natürlich, wo Niemand wohnen kann, kann es auch keine Aufständischen geben. Von den Zisternen hängt in jenen wasserarmen Gegenden die Kultur ab, die meisten derselben sind uralte Bauten, zum Theile noch aus der Römerzeit stammend, heilig jedem Bewohner: sie haben unverletzt alle die Invasionen der Barbarenschwärme der Völkerwanderung über- dauert— jetzt werden sie von den„Kultur-nach-Osten-Trägern" für immer vernichtet. So pazifizirt man in Oesterreich! L. J. Unsere Vertretung im Reichstage. Nedr miffffs oirnolTtii Usllmar über ins ssaliakmonopol, gehalten am l2. Mai 18#!. (Abdruck aus dem stenographischen Bericht.) Angesichts des Interesses, welche die Rede V o l l m a r's verdienter- maßen allgemein erregt hat, haben wir uns entschlossen, sie ihrem vollen Wortlaute nach im Parteiorgan zum Abdruck zu bringen, womit wir unsere Leser einverstanden hoffen. Dasselbe hoffen wir von unserem Entschluß, die Rede in einer Nummer, al? ein Ganzes, zu bringen, trotz des Raumes, den sie beansprucht. Meine Herren, meine Partei, die Sozialdemokratie, ist in diesem Kampfe um das Monopol so oft für und wider angezogen worden, und über ihre Stellungnahme haben so viele� Zweifel geherrscht, daß ich Ihnen wohl ausinue» kann, selbst bei dcr'vorgeschrittenen Stunde mir einige Aufmerksamkeit für meine, allerdings von den Ihrigen wesentlich abweichenden, Gründe zu schenken. Meine Partei hat beschlossen— und sie hat es es schon in der vorigen Session versprochen—, die Borlagen, welche von der Regierung an uus kommen würden, ruhig und sachlich zu prüfen. Ich muß Ihnen nun gestehen, daß bei der gegeuwärrigeu Vorlage diese ruhige und sachliche Prüsung jür uns etwas sehr Schwieriges ist, und zwar um deswillen, weil mir die Vorlage in allen ihren Berechnungen und Ausstellungen von einer wahrhast großartigen Oberflächlichkeit zu sein scheint. In früheren Sessionen ist uns oft gesagt worden, daß wir nur„eloquente Streber" seien— wie sich unter anderem der Herr Reichskanzler einmal ausdrückte—, daß wir in der Politik eigentlich nur Dilettanten seien, die wenig von der Sache verstehe». Run, ich muß Ihnen aus Grund meiner Erfahrungen sagen: wenn Sie diese Tabakvorlage von einem be- liebigen Arbeiterverein hätten machen lassen, so versichere ich Sie, daß Sie keine so unreife Vorlage bekommen hätten, wie es diese und eine Reihe von anderen Gesetzentwürfen sind. (Sehr richtig! links.) Wenn ich nun die Sache an sich beurtheile, so nehmen ja wir Sozial- demokraten, wie gewöhnlich, eine wesentlich von allen Parteien abgesonderte Stellung ein. Daß wir mit der Regierung in dieser Sache nichts zu thun, nichls init ihr gemein haben, das versteht sich wohl ganz von selbst. Aber ebenso wenig haben wir in Bezug aus die Gründe, die uns zu unserem Votum bewegen, zu thuu mit den bürgerlichen Parteien. Wenn wir opponiren— wie wir es thun—, so oppo- niren wir dabei keineswegs als Anhängsel der alten bürgerlichen Parteien, sondern aus ganz anderen Gründen. Sie alle, die Sie gegen das Tabakmonopol find, Sie sind— ob Sie es nun wissen oder nicht wissen, ob Sie es zugestehen wollen oder nicht— Sie sind dagegen wesentlich aus p r i v a t r e ch t l i ch e n Gründen, wesentlich deshalb, weil das Monopol einen großartigen gewaltigen Eingriff in das Privatrechl darstellt. Wenn ich nun von meinem Stand- Punkt aus nur diesen Grund in Betrachr ziehen wollte, so muß ich Ihnen sagen, daß ich aus diesem Grunde r ü r das Monopol wäre. Abstrakt, an sich genommen, müßten wir Sozialisten ja für das Monopol ein gewisses Faible(Schwäche, haben, denn das Monopol ist entschieden ein Stück geiellschastlicher Gütererzeugung,— es zeigt deren Mög- lichkeil und Winhichastlichleit und es stellt— im Prinzip wenigstens— den Staat aus als den allem berechligien Anordner der Produktion. (Hört, hört! link«.). Es wird durch das Monopol— ob man das nun zugestehen will oder nicht— im Prinzip festgestellt, daß dem öffentlichen Interesse gegenüber ein berechtigtes Privatinteresse in Bezug auf die Gütererzeugung überhaupt nicht besteht, (Sehr richtig! links) und das„heilige unverletzliche Eigenthum", wegen dessen Bekämpfung w i r so häufig bestrast worden sind, dieses„heilige unverletzliche Eigen- thum" bekommt durch das Monopol einen gründlichen Stoß-j (Sehr wahr! links)� Kurz und gut, wenn Sie heutzutage irgend ein Monopol einführen gleichviel welches, so wandeln Sie auf sozialistischen Wegen. Richtig ist ferner von unserem Standpunkte aus ganz entschieden die Behauptung in den Motiven— welche allerdings von der Regierung«- b a n k aus mich sehr frappirt hat— richtig ist, daß den Leuten, welche von dem Erwerb in der Tabakindustrie hinweggedrängt werden, kein R e ch t s g r u n d aus Entschädigung zur Seite stehe. Dieser Grundsatz ist ein durchaus sozialistischer. (Heiterkeit links.) Nach unseren Griindsätze'n gehört der Gesellschaft die Gütererzeugung und die für sie bestimmten Werkzeuge, und die Entfremdung irgend eines Theiles derselben kann niemals durch Wirkung der Zeit rechtmäßig ge- macht werden. Wir stehen nicht aus dem Standpunkte der„erworbenen Rechte", und aus diesem Grunde ist für uns ein Rechtsanspruch auf ein Ausbeutungsrecht überhaupt nichi vorhanden. Aus diesem Grunde werden Sie es wohl selbstverständlich finden, daß wir nicht den Grund- satz des Rückkaufs ausstellen, sondern einfach den Grundsatz der Rück nähme. (Lachen links. Bewegung.) Höchstens können dabei„Politische" Gründe, oder— wie der Regiernngs- entwurf uns sagt— Gründe der Billigkeil mitsprechen in Bezug auf das Nebergangsstadium. Für Sie, meine Herreu, sind allerdings derartige Theorien, wie mir scheint, sehr gefährlich. Der Begrisf des Eigenthums, dieser Begriff, der heute ohnehin schon sehr streitig ist, kommt dadurch immer mehr ins Gedränge (sehr wahr! links), und wenn die Herren auf der Rechten— wie ja schon vorhin gesagt worden ist von einem Redner auf der linken Seite— glauben, daß es ungefährlich sei, das Prinzip des Eigenthums in der Gestalt der Industrie zu verletzen, so täuschen sie sich darin ganz gewallig. (Hört! hört! links.) Es gibt Leute, die Logik genug besitzen, um die nöthigen Konsequenzen hieraus zu ziehen, Konsequenzen, welche den Herren da drüben(rechts) nichts weniger als erfreulich sein werden. (Heiterkeit links.) Welchen Grund immer man ansühren möge für da« Tabakmonopol, aus alle Fälle wirken Sie dabei destruktiv,— ich gebrauche ein Wort, was gewöhnlich uns gegenüber gebraucht worden ist— destruktiv für das Eigenthum, u n d S i e kommen dabei ausdieschieje Fläche, welche zu uns führt. (Heiterkeit links.) Wenn Sie, wie geschehen ist, den P r o f i t als maßgebend betrachten, ich meine, wenn Sie die Behauptung aufstellen: weil das Tabakmouopol so viel Profit abwirft, deshalb habe der Staat das Recht, diesen Fabri- kationszweig in seine Hände zu führen, nun, so muß ich sagen, daß Sie in all unserem Wirken niemal» einen so grob materiellen Grund finden können. Uns ist es niemals eingefallen, zu sagen, wir wollen deswegen den Uebergang der Güterzeugung in die Hände des Staates, der All- gemeiuheit, weil sich dabei Profit herausschlagen läßt. Nein, wir haben einen anderen idealeren Grund aufgestellt, den ich Ihnen schon vorhin andeutete, und den ich deshalb nicht nothwendig habe, zu wiederholen. Aber, meine Herren, wenn Sie diesen Grundsatz des Profits einmal ausstellen, so frage ich Sie, wohin Sie dann eigentlich kommen? Ich denke doch, mit ganz demselben Rechte und demselben Grunde können Sie jedes übrige Eigenthum entreißen, sobald es verspricht, dem Staate Gewinn einzubringen. Ganz dasselbe ist der Fall in Beziehung auf den„Schutz vor Aus- b c u t u n g", von dem hier gesprochen wurde. Es hat geheißen: es ist besser, man führt die Tabakindustrie in den Staatsbesitz Uber, weil dann weniger Fälschungen vorkoinmen. Nun, ganz derselbe Grund— und das hat, wie mir scheint, schon der Herr Abgeordnete von Stauffenberg überzeugend nachgewiesen— ganz derselbe Grund läßt fich ansühren in noch viel berechtigterer Weise für eine ganze Reihe anderer Industrien. Warum geht man denn zuerst an ein Genußmittel, welches doch bis zu einem gewissen Grade ein Luxu« ist, insofern als es entbehrt werden kann,— warum geht man da nicht viel lieber au die absolut nothwendigen Lebensmittel? Ich verweise Sie da z. B. hin auf den Getreidehandel — warum koinmeii Sie nicht auf den staatlichen Gelreidehandel und anderes mehr? (Zustimmung links.) Der R e ch t s g r u n d, welcher allen diesen Gründen für das Monopol zu Grunde liegt, ist immer wie- derum, daß die Gesellschaft allein die Quelle alles Rechtes sei, und wir Sozialisten können selbstverständlich nur zu- frieden sein, wenn wir hören, wie Grundsätze, welche man an unseren Personen Jahrzehnte lang gestrast, theilweise siegreich geworden sind und ihren Weg zu den Bundesrathssesseln gefunden haben. (Große Heiterkeit und Bravo links.) Meine Herren, wir haben, wie Sie bei mir und bei uus ganz von selbst voraussetzen werden, keine Ursache, für da« bedrängte Kapital einzutreten; im Gegcniheil. Wenn wir Bosheit«- und Gefllhlspolitik treiben wollen, so würden wir bei der vorliegenden Bekämpfung des Kapitals eher helfen, denn die bürgerlichen Parreien haben uns ja auch alle Zeit her nicht sehr glimpjlich behandelt; Sie brauchen da blos an die Geschichte des Sozialistengesetzes zurückzudenken. Aber meine Herren, wir treiben keine Gesühlspolitik, und da« bestimmt uns, eutschiedcnc Gegner dieses Gesetzes zu fein. Ich will Ihnen die einzelnen Gründe sagen, die uns dazu bestimmen. Ter erste Grund ist ein ökonomischer. Nach unseren Grundsätzen müssen zuerst die k o n z e n t r i rt e n Betriebe in das Eigenthum und den Betrieb des Staates übergeführt werden. So z. B. die Bahnen, die Bergwerke, die Stahlindustrie, die Zuckcrsabrikalion u. s. w.; vor allem gehört hierher auch der Großgrundbesitz. (Sehr gut! links.) Man zäumt das Pferd nicht beim Schwänze auf; man darf nicht an- sangen bei zersplitrcrlen Betrieben, welche zur Ueberführung in den Staalsberrieb noch wenig geeignet sind, sondern man muß beim Groß- betrieb beginnen, und es ist ja auch in den Motiven wiederholt an- geführt, daß die Tabakindustric— wie es thatsächlich der Fall ist— noch eine der zersplittertsten ist. Aber wir sehen, wie allenthalben, so auch hier- wiederum die Tendenz, den Kleinen bluten zu lassen, nicht aber den Großen; von unserem LKiandpunkt aber soll das umgekehrt sein. Tann, meine Herren, kommen die politischen Gründe. Zunächst ericheint uns— was ja auch zugestanden ist— der Grund des Bestrebens der kleberjührung der Tabakindustrie in das Staatseigenlhum vor allem als ei» fiskalischer. Es Handell sich darum, eine gewal- tige Geldquelle zu bekoinmeu und dabei nebenbei auch die Einzelstaats- lasten, im wesentliche» die preußischen Staatslasten, auf das Reich abzu- wälzen. Wir haben ja die bekannieu 116 Millionen, welche schon recht vielversprechend sind! Außerdem sind schon eine ganze Reihe von neuen Ausgaben bereit; die Motive sprechen verständlich von den wachsenden Bedürsniffen de» Staats- beziehungsweise des Reichselais, und ich bin sehr zweifelhaft, wenn die Regierung all das Geld wirklich bekäme, das sie sich verspricht, ob sie damit weil reichen würde. Ich glaube, es würde das wahrscheinlich eine zweite Auslage de« bekannten Milliarden- topses werden. Was uns betrifft, so sind wir keineswegs von denen, welche stet» und an sich schon gegen wachsende Staatsbedürsniffe schreien. Ich nieiu» das von dem Staudpuiikte aus, daß die wirth- schastliche Entwicklung dahin drängi, immer weitere Betriebe aus de» Händen der Prioatthätigkeit in die der öffemlichen Thätigkeit überzu- führen, woraus sich von selbst ergibt, daß sich die öffentlichen Ausgadei: stets steigern müssen. Das find aber kulturelle Ausgaben, gegen die nichts einzuwenden ist. Aber hier handelt es sich um solche kulturelle Ausgaben in kemer Weise, wenigstens hat man bis jetzt noch nichls davon bemerkt, und die Ersahrungen, die wir bis jetzt gemacht haben, bewegen uns am allerwenigsten dazu, derartiges anzunehmen. Es handelt sich eben in erster Reihe wiederum um die bekannte Hauptreichsausgabe, das Militär. Da allerdings würden die Herren sehr zufrieden sein, wenn sie noch mehr Geld zur Verfügung bekämen, und die neuen Regimenter und die neuen Kanonen würden sich mit Schnelligkeit finden und alles absorbireu. Daß w i r hierfür nicht eintreten, ist klar, und das bekannte Elickje des Herrn Staatssekretärs Scholz von der Bedrohniß von außen, von einer äußeren Gefahr, mag seine Freunde im Hause finden,— bei uns verfängt es in leiner Weise. Wir wsszen ganz genau, daß, wenn von einer Bedrohung die Rede ist, diese viel mehr aktiv von uns ausgehl, als daß sie uns leidend trifft; zudem ist der Zustand der Armeen in den beiden vor allem in Frage kommenden Staaten, in Frankreich und m Rußland, kein derartiger, daß wir uns darob besonders graulich macheu lassen sollten. In diesen Ausgaben liegt überhaupt der Haken des Ganzen, und da muß ich Ihnen allerdings sagen, daß, wenn man sich auf den Stand Punkt derjenigen Herren auf allen Seiten des Hauses stellt, welche fortwährend— zum Theil leichten Herzens, zum Theil mit Wider- streben— zu bewilligen bereit sind, daß man es dann allerdings be- greislich finden muß, wenn man aus alle möglichen Abwege gerälh, um sich Geld zu verschaffen. Wenn man es einmal als eine seststehende Thatsacke annimmt, daß Geld überhaupt nothwendig ist, dann komm: das Mittel zur Herbeischaffung nur erst in zweiler Linie. Wer e« also unmöglich machen will, daß überhaupt in Zutunsl derartige Anforde rungen gestellt werden,— diese Mahnung wird bei den Herreu ja nicht verfangen, ick weiß das wohl— derhatauchdiePslichi, die Ausgaben zu beschränken. Wir sind gegenwärtig hierzu natürlich nicht in der Lage; wären wir es, Sie sollten sehen, daß es gar nicht nothwendig wäre, Tabak- und andere Monopole einzuführen. Sodann, ist anzusühren, daß wir gegen die indirekte Be- st e u e r u n g s f o r m überhaupt sind. Die Regierung führt ja selbst an, daß das Monopol eigentlich nichls weiter als eine andere Form der Steuererhebung sei. Es ist angeführt, um uns das Tabak I Monopol genießbarer zu machen, daß„wir in Deutschland im Vergleich mit anderen Kulturstaaten in der indirekten Besteuerung noch sehr zurückgeblieben seien". Meine Herren, ich meine nun, wenn man schon ein- mal einen Blick über die Grenzpfähle hinweg auf andere Kulturstaaten richtet, daß man ganz andere Dinge zu lernen hätte, als die indirekte Besleuerungssorm. Geben Sie uns z. B. von Frankreich herüber dieRepublik oder vonderSchweiz die direkte Gesetzgebung des Volkes, gebe»Sie uns politische Freiheit— dann, meine Herren, werden wir vielleicht weiter über d i e s e n P u u k t m i t I h n e n sprechen. Borläufig aber glauben wir, daß man um der indirekten Besteuerung willen nicht nach dem Ausland zu sehen habe. Nun hat der Herr Staatssekretär Scholz vorgestern etwas angeführt, was mich sehr erstaunen gemacht hat, weil es nicht stimmt zu dem, was sonst immer als Grund sür die indirekte Steuer gesagt wird. Es ist heute wiederholt worden: eigentlich wird diese indirekte Besteuerung wesentlich zu Gunsten des armen Mannes eingeführt, dem soll es recht gut gehen, der soll womöglich gar keine Steuern bezahlen und dergleichen mehr. Vorgestern aber hat der Herr Staatssekretär Scholz— wahr- scheinlich in Folge vielfacher Beschäftigung— ganz darauf vergessen, daß dies einer seiner Hauptgründe sein sollte, und hat dabei aus der Schule geplaudert, daß sich hauptsächlich auch um deswillen die indirekte Besteuerung empfehle, weil bei der direkten Besteue rungs- form man die armen Leute nicht auspfänden könne, weil man sie stets fruchtlos exekutiren müsse. Ich konstalire hiermit zur Erbauung de« arbeitenden Volkes in Teutschland diese so„arbeitersreundliche" und„volksfreuudliche" Anschauung des' Herrn Staatssekretärs. Ich habe auch eine Bemerkung zu machen in Bezug auf das Wahl- recht, und das bezieht sich auf eine Aeußerung des Herrn Abgeordnelen Windthorst. Herr Windthorst hat den Ausspruch gethan, daß er es für nothwendig hatre, das Wahlrecht in eine direkte Verbindung zur Steuer- fähigkeir de» Bürgers zu bringen,— ich glaube wohl, ich habe da nicht falsch verstanden. Herr Windthorst ist da ganz und gar aus hie Sprünge I derer gekommen, welche eine„Korrektur des allgemeinen Wahlrechts" für nöthig halten. Ich will daraus nicht eingehen, sondern begnüge mich damit, das für eine spätere Gelegenheit zu ionstatiren. Ein zweiler politischer Grund, den wir gegen das Tabakmouopol haben, ist die kolossale Machtver mehrung, welche die Regierung hieraus ziehen würde. Politisch genommen, ist dies indirekte Steuersystem nichts anderes, als der Kamps d e r Monarchie gegen die st euer bewilligen de Bour- g e o i s i e. E» wird das zwar vielfach verkannt, aber es ist nichts desto weniger so; es dreht sich hauptsächlich darum, von dem nnimgeuthmen Kontrolrecht— nicht des Volkes, denn das ist sehr wenig daran be- theiligt— aber dem des Bürgerlhums sich loszumachen. Wir baden nun allerdings, wie ich vorher schon sagte, gar keinen Grund, der Bourgeoisie als unserer besonderen Freundin zu helfen— durchaus nicht; wir könnten schließlich eher höhnisch lächeln, wenn das Bürgerlhum mii den von ihm selbst geschmiedeten, von ihm selbst der Regierung gelieferten Waffen einigermaßen gezüchtigt wird. Aber auch für uns ist es wichtig, daß der Regierung, die jetzt schon zum Theil.die ganze Gewalt des Staates, die möglichsten Hilfskräfte der'Nation zur Verfügung hat, die jetzt schon übermächtig ist, in keiner Weife noch mehr Macht zur Verfügung ge- stellt wird. Wenn Sie das Tabakmouopol— und andere Dinge werden nicht verfehlen, bald hinterher zu kommen— bewilligen, wenn die Regierung einmal Geld genug in Händen hat, dann, meine Herren, dürfen Sie doch nicht glauben, daß der Reichstag etwa mächtiger wird, als er es jetzt ist. Ihre Macht ist ja schon nicht sehr bedeutend, aber dann werden Sie noch weit weniger nothwendig sein, als es bisher der Fall ge- wesen ist. Kommi ferner hinzu die ganze Gewalt, welche die Regierung gegen die im Tabakmonopol Beschäftigten in ihrer Hand hat. Tie Tabak- arbeiler, die Tabakverschleißer und Tabalbauer— zusammengenommen wohl über eine halbe Million der Bevölkerung— würden in direkte, unerhörteste Abhängigkeit zur Regierung kommen. Auf Einzelheileii will ich mich nicht einlassen— es ist das ja theil- weise bereits von anderen Rednern geschehen und wird wohl auch noch weiter geschehen. Ich will mir nur noch erlauben, Ihre Aufmerksamkeit aus zwei Punkte hinzulenken. Da hahen wir zunächst den T a b a k a r b e i l e r! Tie Begründung agl uns, daß in Deutschland— so viel ich mich erinnere— einige neuilzigtauseud Arbeiler vorhanden seien, von denen ca. achlzigiauseud im Monopol beschäftigt würden. Meine Herren, ick mache nichi den Anspruch aus Unfehlbarkeit, den die Herren aus der Ministerbank zu machen scheinen, ich kann demnach nicht behaupten, daß meine Zahlen genau sind, denn eine sichere Statistik existirt darüber überhaupt nicht; aber so viel ist zweifellos, daß die Zahl der Tabakarbeiter in Teutschland eine bei weitem größere ist als die von der Regierung angegebene, und daß dem- nach die Zahl derer, welche durch das Monopol ihre Arbeil verlieren würden, ganz bedeutend höher itzsire. Nehmen wir noch hinzu, daß beim Monopol ganz dieselben Grundsätze herrschen müssen, wenn Sie Profil machen wollen— und die ganze Geschichie läuft doch nur darauf hinaus—,] daß Sie ganz diefelbeu Grundsätze annehmen müssen, welche in Frank- reich und Oestereich bestehen; und in dieser Beziehung weise ich ganz besonders auf etwas hin, was noch nicht erwähnt worden ist: da» ist. die Frauenarbeit. In Frankreich und Oesterreich besteht der weitaus überwiegende Theil der Arbeiter au« Frauen, und nur eine geringe Anzahl von Männern sind in den Fabriken beschästigl. Oder nehmeu Sie doch einmal die berühmte Versuchsstation des Tabatuionopols an, die Straßdurgcr Manufaktur, in welcher fünf j Sechstel der Arbeiter Frauen und nur ein Sechstel Ri ä u n e r find. (Hört! hört! links.) Wenn Sie sich nun denken, was entstehen würde nach Einführung de? Monopols, und im weiteren Verlauf, wie viele Arbeiiereiitlaffmigen da erfolgen müßten, so wird das Resultat keineswegs so optimistisch aus- sehen, wie die Herren es un» vorgeführt haben. W a s f o I l in it d e n -___ lieber zähligen, was soll insbesondere mit all den Leuten von der Hausiuduslrie, die verschwinden muß, geschehen? Tie Entschädigungen, welche da auf- gefUhrt sind, kann ich nicht anders— ich weiß freilich nicht, ob es parlamentarisch ist-- denn als komisch bezeichnen. Wenn man das noch Entschädigungen heißen will, daß man nur den geringsten Theil der Leute, und die nur sehr gering entschädigen will, dann weiß ich nicht, was man unter„Entschädigung" verstehen soll. Das kann ich nur als eine Beihilfe oder als B e l t e l g r o s ch e n bezeichnen, aber von einer Entschädigung kann in keiner Weise die Rede sein. Dann kommt noch etwas Weiteres hinzu. Sie finden im Gesetzent- wnrf die Worte,„daß derjenige entschädigungsberechligte Arbeiter, welcher ohne genügende Gründe nicht in den Monopolbetrieb übertritt, oder aus demselben austritt, jeglicher Entschädigung verlustig sein soll". Nun möchte ich wissen, was das heißt;„ohne genügende Gründe"? Nach einem bekannten Worte ist es gar nicht schwer, genügende Gründe zu finden; wenn man sie nur haben will, dann find sie billig wie Brom- beeren, und die Herren am Regierungstisch haben sich immer sehr findig erwiesen, wenn es sich darum gehandelt hat,„Gründe" zu finden, und sie würden sie daher auch in diesem Falle finden. Ein ähnlicher Punkt ist der Satz von der„selbständigen Erwerbsquelle". Es soll nur derjenige entschädigt werden, für welchen die Tabaksabrika- tian eine selbständige Erwerbsquelle ist. Nun, meine Herren, wer die Tabaksabrikation nur einigermaßen kennt, weiß ganz genau, daß es in ihr mehr als anderswo eine Reihe von Arbeitern und kleinen Fabrikanten gibt, welche nur zum Theil mit dieser Fabrikation beschäftigt sind; ich meine da besonders die Hausindustrie. Diese Leute leben nicht aus- schließlich von der Zigarrenmacherci, sie sind häufig Besitzer eines kleinen Grundstücks, eines Häuschens oder treiben sonst ein Nebengewerbe, und die Regierung wird es sehr leicht haben, zu finden, daß dieses kleine Grundstück, dieses Häuschen, das Nebengewerbe, die eigentliche Erwerbs- quelle ist und das übrige nur Nebensache. Man wird diese Leute dann nicht entschädigen und so selbstverständlich um so mehr Profit für den Staat herausschlagen. Der Herr Staatssekretär Scholz hat uns dann gesagt, daß„allerdings die mangelhaften Arbeiter aus dem Staatsbetriebe verschwinden würden". Nun wäre es mir sehr wünschenSwerth, zu wissen, was er denn unter „mangelhaft" versteht? Sollte da nicht vielleicht politische„Mangel- hasligkeit" darunter zu verstehen sein? Ich glaube, daß das ganz be- sonders darunter zu verstehen sein wird. Man versteht es ja schon heute in den Staatswerkstätten recht wohl, einen mißliebigen Arbeiter, wenn man will, fortzumaßregeln, und das wird in Zukunft selbstverständlich noch mehr der Fall sein. Dann habe ich noch ein Wort an jene Seite des Hauses(rechts) zu richten. Herr von Minnigerode hat vorgestern, wie mir gesagt worden ist — ich war nicht im Saale anwesend, aber ein Parteigenosse, der genau ausgepaßt hat, hat es mir hinterbracht—, gesagt, daß die„Reinigung des Tabakarbeiterslande«", welche bewirkt wird durch die Entlassung von einigen tausend oder zehntausend Arbeitern, dem Stande sehr gut thue, denn„die Tabakarbeiler seien ganz besonders ver- wilder t". Run, meine Herren, ich weiß nicht, woraus Herr von Minnigerode seine Behauptung gestützt hat— denn man muß doch ver- muthcn, daß ein Mann, welcher hierherkommt, um ernst über solche Dinge zu berathen, nicht auf's Geradewohl spricht. Hat er viel- leicht im Auge gehabt unter dieser besonderen„Ber- w i l d e r t h e i t", daß die Zigarre narbeitcr die best- organisirte sozialdemokratische Gewer kschasr ge- h a b t h a b e n? In diesem Falle tvürde ich mich selbstverständlich für befriedigt erklären, denn ich kann gar nicht unzufrieden sein, wenn man das von jener Seile(rechts) als„Verwilderung" bezeichnet. Aber im llebrigen muß ich doch im Namen der deutschen Zigarrenarbeiler dagegen protestiren, daß sie im Parlamentssaale in einer derartigen Weise b e- schimpft werden. (Bravo!) Meine Herren, Sie reden immer vom Ä l e i n g e iv e r b e, und e« gibt Leute, welche glauben, sie hätten den Schutz des Kleingewerbes allein gepachtet. Es wundert mich nur, daß jeneGeneral- Pächter zugleich die sind, welche da« Kleingewerbe in der T a b a k i n d u st r i e am allermeisten schädigen. Es gibt wenige so lebensfähige Kleingewerbe in Deutschland, als es gerade in der Tabakindustrie der Fall ist. Wenn Sie diese vernichten, so proletar isiren Sie sie eben und arbeiten uns selbstverständlich in die Hände. Wir können nichts dagegen einwenden; ich meine aber, daß die>enigen Herren, welche das thun, nicht das Recht haben, sich zu Vorkämpfern und Beschützern de« Kleingewerbes auszuwerfen. Dann, meilie Herren, im Anschlüsse an die Arbeiter wäre auch ähnliches zu sagen in Beziehung aus die Tausende von Äaufleuteii, aus die Magazinangestelllen, die Angehörigen der Nebengewerbe u. s. w., welche überflüssig werden. Daraus kann ich indessen nicht weiter eingehen. Vergegenwärligeu Sie sich aber einmal, welche ungeheure Gewalt die Regierung in die Hände bekommt gegenüber den Arbeitern. Es ist uns, meine Herren, erst vorhin von dem Herrn Staatssekretär Scholz gesagt worden— wenigstens so ähnlich lautete es, glaube ich—, die Regie- rung habe nicht die Absicht, einen derartigen Einfluß zu üben. Meine Herren, die Absichten der Regierung sind mir sehr gleichgiltig,— ihre T h a l e n beurtheile ich(Bravo! Red.); und ihren Thaten nach hat sie kein Recht daraus, den Anspruch zu erheben, daß wir ihre Worte unbedingt auf guten Glauben hinnehmen sollen. Erinnern Sie sich doch einmal— ich führe hier an, was ja schon von einem Borredner geschehen ist— an den bekannten Erlaß vom 4. Januar. Man hat damals den Staats- beamten gegenüber sehr wohl Zwangsmaßregcln anzuwenden, ihnen eine gebundene Marschroute für die Wahlen zu geben gewußt. Nun, meine Herren, wenn man schon diesen Herren gegenüber, die doch so hoch- respektable sind in Ihren Augen, das thut, so möchte ich sehen, was Sie mit armen Tabakarbeitern ansangen würden! Noch ärger als mit den Tabakarbeilern verfährt der Entwurf mir den T a b a k p s l a n z e r n, und ich muß gestehen, daß ich den— Mulh bewundere, mit dem die Regierung sich dabei noch als„Beschützerin" der Tabakpflanzer ausgibt. Meine Herren, Sie machen den Tabakpflanzer ganz einfach zum SlaalSarbeiter, zum gewöhnlichen AlaatSarbeiter, ohne aber ihm auch die Vortheile solcher zu geben. Wenn Sie sich eine sozialistische Gesellschaft vorstellen— Sie mögen sie sich von Ihrem Standpunkt so schlimm vorstellen, wie Sie wollen— so werden Sie >»ir doch zugeben, daß der Arbeiter, der ja nicht für seine eigene Rech- imng. sondern für diejenige des Staates arbeitel, zwar nicht die Annehm- iichkeiten, welche Sie dem Eigenrhum znschreibeii, aber auch nicht seine Unannehmlichkeiten hat. Aber hier nehmen Sie dem Tabakpflanzer sämmt- sich- Voriheile des Eigenlhums und lassen ihm Alles, wa» es ihm unan- 9«iiehm macht. Wenn Sie folgerichtig wären, dann müßten Sie gcsammren Tadakboden inDeutschland expro- priiren und in Staatsbesitz übernehmen. Das ist die �"zige Konsequenz, die Sie ziehen könnten. Dann würde der Pflanzer einfach Staatsbeamter oder Sraatsarbeiter— wie Sie es nennen wollen ?�cr cv hätte keine Verantwortung für etwas, was ihm nicht gehört. aus Üch mir darum unwillkürlich ein Beispiel aus Feindesland cm-' uuium uuiuiuiumui»-»»»-wir---<-»- cheidiamm ÖVi'1 Grundbesitz von den Truppen besetzt, der zur Ver- und er rni»°'w-udig ist. etwa gegenüber den gegnerischen B-s-sttgung-n, und b-xpropriirt. so halt- ich da« für we.t angenehmer und ÄZTi; aic öem B-sitz-r Hunderte von Soldaten hm-gen und Alles zu b-;ah°->t möf"1<1'cn Umbauten und Neubauten anszuzühren Da« thun Sie aber thalsächlich bei dem Tabakbauer; der Tabakbeamte wird ja geradezu zum unumschränkten Komniandanlen in Haus und Feld. Ja dem Pflanzer gegenüber verschwinden soaar die qeringen Schutzmaß. w, mcld)e ba0®efefe den gewöhnlichen Bürger getrosten hat. Es lou bei ihm gehaussucht werden können mitten in der Nacht, ohne Haus- mmungsbesehl, lediglich wie es die Interessen de« Zlaaies, d. h. des neu dn» x.'.S n. ä u drücken; denn Sie werden mir Nicht leug fceroi.amiAf Regierungsinleresse ist, aus dnn Monopol möglichst viel ? 3ln-- in Frankreich geschieht die« in der rücksichtsloiesten „- i mon druckt die Löhne herunter, man sucht die Herstellungskosten > � 5" verringern, und ich befürchte das auch hier, besonders wenn ich mir noch die Personen vorstelle, welche die Sache machen werden. lHeitcrkeit. Meine Herren, das ganze Berhällniß, insbesondere bei dem Tabak- Pflanzer,— Sie können mir das um so eher glauben, da ich kein Freund des Privateigenthums bin— ist ein Hohn aus das E i g e u t h u m, und wenn Sie einmal das Eigenthum so gering schätzen, wie es hier geschieht, wäre es in der That viel besser und ehrlicher, dem privaten Tabakbau ein für allemal den Garaus zu machen und nicht so langsam, sozusagen ratenweise. Wir Sozialisten, das will ich noch hinzufügen, wir ziehen diese Kon- sequenz; uns wird es nicht einsallen, den Leuten das Eigenthum, wie es hier geschieht, erst möglichst unangenehm zu machen, um es dann möglichst billig zu bekommen. Rein, wir sind ja grundsätzlich gegen das Privat- eigenthum, wir würden es vollkommen enteignen. Aber vergessen Sie nicht, wir wisten dann auch, was wir mit den Enteigneten anzufangen haben. Wir sagen ihnen nicht, wie es in der Gewerbeordnungsnovelle geschehen ist und hier an alle» Ecken und Enden wieder auftritt: Marsch, fort mit euch von dieser Stätte und sucht, wie ihr weiter kommt! Wenn man sich das Recht anmaßt, den Eigen thumserwerb des Bürgers einzuschränken, dann muß man auch die Mittel in der Hand haben, ihm einen anderen Erwerb zuzuweisen,— das aber haben Sie nicht! Sie sagen immerwährend nur: dem Manne soll in Zukunft verboten werden, zu kolportiren, der darf nicht mehr Tabak bauen, der nicht mehr Hausiren u. s. w. Was mit den Leuten weiter geschieht, darum kümmern sie sich wenig, darum lassen Sie sich keine grauen Haare wachsen! Man denkt da unwillkürlich an ein Wort, welches in den Motiven der Gewerbeordnungsnovelle dem Verfasser entschlüpft ist, indem es einmal heißt, daß die und die Leute in der und der Branche „beseitigt" werden müssen. Ja, meine Herren, da« Einsachste wäre freilich, wenn Sie diese Leute gleich ganz todt schlügen. Ich habe nicht nothwendig, Ihnen Ausführlicheres zu sagen über das ungeheure Maß von Polizeispitzelei, von Denunziationen, vom Wachrufen aller schlimmen Leidenschasten, welche dabei zu Tage treten müßten. Jeder Einzelne, welcher keinen Tabakverschleiß bekommen hat und gerne einen haben möchte, hätte natürlich ein Interesse, daß er den Besitzer anschwärzt u. s. w. Oder aber, die Verschleißer sind nicht„gesinnungstüchtig"— was man nämlich so gesinnungStüchlig heißt— so würde ihre Anstellung jederzeit widerrufen werden können, und es würde sich mit Leichtigkeit ein Grund finden, sie aus ihrem Erwerb hinauszuiverfen. Ganz dasselbe ist bei den Tabakpftanzern der Fall. Ich habe keine Lust, schon Gedrucktes zu reproduziren, aber ich will Sie doch einmal an die bekannte Thatsache erinnern, daß zur Zeit, als das Elsaß noch zu Frankreich gehörte, alljähr- lich ganz große Quantitäten von Tabak zu sogenanntem Nichtkaufgut erklärt, aber dann ganz ruhig in Deutschland und anderswo verarbeitet worden sind. In wessen Händen liegt es aber, die Tabakernte als Kauf- gut oder Nichlkausgut zu erklären, in die 1., 2. oder 3. Güterklasse eiu- zmheilen oder sie gar vor den Augen des Bauers, der sich mit der Kultur im Schweiße seines Angesichtes abgemüht hat, zu verbrennen, ohne daß er auch nur selbst eine Pfeife davon rauchen dürste? Das liegt wiederum in den Händen Derer, welche e i n I n t e r e s s e daran haben, möglichst gering abzuschätzen und dem Manne möglichst wenig da- für zu geben. Hieran schließt sich ideal von selbst die Beseitigung des Rechtsweges durch den administrativen Weg. Indessen ist das gar nichts Neues, das ist ja ein System, da« sich seit dem Sozia- listengesetz überall einschleicht; allenthalben sollen an Stelle der Gerichte Kommissionen treten, und man weiß gar nicht, wie weit das noch gehen wird— vielleicht kommen wir auch noch zu den napoleonischcn commis- sions mixtes! Ich bin nun mit den Gründen, welche ich gegen das Tabakmouopol anzuführen habe, im Wesentlichen zu Ende. Wenn es zu einer Spezial- debatte kommt, so werden sich ja von unserer Seite Redner finden, die noch mehr vorbringen, als ich es bisher gethan habe. Ich meinerseits wünsche nicht, daß das geschehe; ich wünsche vielmehr, daß die Vorlage einfach breri niumi der Regierung zurückgegeben werde, und zwar aus dem guten Grunde, weil ich will, daß der Regierung einmal eine Lehre gegeben wird darüber, daß sie uns nicht fortwährend Vorlagen macht, von denen sie im Voraus wissen kaiin und wissen muß, daß sie ver- warfen werden. Auch vom Tabakmonopol hat sie es längst im Voraus gewußt. Freilich ist die Vorlage zu einem ganz anderen Zwecke gemacht. Ich meine aber, daß man die„Vertretung der deutschen Nation" nicht Tagelang mit einer Arbeit hinhalten soll, welche von vorneherein eine vollkommen fruchtlose ist. (Sehr richtig! links.) Ich meine, man sollte die ganze Vorlage kurzweg der Regierung zurück- geben und dabei— sei es ausdrücklich oder schweigend— um mich mit dem Herrn Staatsminister v. Putlkamer auszudrücken— s i ch für die Zukunft derartige Vorlagen„verbitten". Was den Antrag Ausfeld anbetrifft, so läßt sich ja dagegen materiell nichts einwenden. Wir unsererseits sind auch der Meinung, daß es noch nicht damit gethan sei, daß man das Tabakmonopol ablehut; nein, es muß auch überhaupt jede höhere Best euer ung des Tabaks unmöglich gemacht werden! Nun habe ich allerdings bei der betresseuden Stelle der Rede des Herrn Staatssekretärs Scholz den Ruf„nieinals" gehört, d. h. das Tabakmonopol wird niemals be- willigt werden. Wir haben aber in Bezug auf das„niemals" in diesem Hause sonderbare Erfahrungen gemacht; ich möchte sagen, daß es viel- leicht für die Herren besser gewesen wäre, wenn sie nicht„niemals" ge- rufen hätten. Ich meinerseits stehe ja aus dem Standpunkt des Niemals, aber andere Leute stehen nicht so fest wie wir. Auch die Erhöhung der Steuern muß ausgeschlossen bleiben, schon aus dem einfachen Grunde, weil endlich einmal d e r B e u n r u h i g u n g, iv e l ch e in d e r Tabakindustrie vorhanden ist, und welche seilJahren künstlich erregt wird, ein Ende gemacht werden muß. Meine Herren, oder sind wir denn so reich, sind denn unsere Erwerbs- Verhältnisse und unsere Handelsverhältuisse so glänzende, daß wir uns herausnehmen könnten, einen blühenden Erwerssszeig zu ruiniren, daß wir ihn fortwährend beunruhigen dürfen? Eben deshalb wäre es noth- wendig, wenn dem Dinge ein Ende gemacht würde durch einen energischen Beschluß des Reichstages. Run, meine Herren, habe ich noch einen anderen Grund gegen das Tabakmononopol, welcher bis jetzt sehr wenig oder fast gar nicht ange- führt worden ist, ich meine nämlich den Zusainmcnhang des Tabakmonopols mit der Wirthschafts- oder Sozial- R e s o r m. Es ist wahr, daß in der Begründung das bekannte, berüch- tigte„Patrimonium der Enterbten" nicht wieder aufgetaucht ist, nachdem es nämlich seine Zwecbz als Wahlröder erfüllt oder auch nicht erfüllt hat. Aber es ist vollständig zweifellos, und der Herr Staats- sekretär Scholz hat es selbst schon angeführt, daß die Sozialresorm innig zusammenhängt mit dieser Finanzresorm— zu welcher ja auch da» Tabak- Monopol gehört—, daß ein Theil des Geldes, welches hier herauskommt, utizweifelhast zu den Zwecken dieser Reform verwendet würde. Deshalb sind die Finanz- und die Sozialresorm etwas Zusammenhängendes. Meine Herren, das ist für mich ein weiterer Grund, mich zu erklären als Gegner der Vorlage, weil ich mich nicht zum M i t s ch u l d i- g e n a n e i u e in p o l i l i s ch e n B a u e r n f a n g machen lassen will— denn das und nichts Anderes ist die Sozial- r e s o r m. (Heilerkeit). Wenn man sonst gesprochen hat von Enterbten, vom Elend, der Aus- beutung des Volks und dergleichen, dann ist es ein„Verbrechen" gewesen. Meine Herren, erinnern Sie sich einmal an die sozialistische Agitation— was haben wir denn anderes gesagt und gelehrt? Ganz dasselbe und bis zu einem gewissen Grade sogar mit denselben Worten, wie es aus jener Seite(rechts) jetzt geschieht. Wir haben den Arbeitern gesagt, daß sie Enterbte, daß sie Beherrschte sind, daß sie ausgebeutet werden vom Kapital,— alles Redewendungen, wolche Sie(recht?) sich gegenwärtig angeeignet haben. Große Heiterkeit). Damals hat man es Aufreizung zum Klasjenhaß geheißen, und es ist bestraft worden, unter Umständen bis zu zwei Jahren; heutzutage gilt es als Patriolismus und findet seine entsprechende Belohnung. (Sehr richtig links.) Früher hat m a n s i ch s e h r wenig g e k ü m ni- r t u m d i e Arbeite rgesetzgedung. man mußte c r st von uns dazu gezwungen werden. Aber als man gesehen hat, welche Wirkung unsere Agitation und unsere Lehre auf die Massen hatte, da hat man sich gesagt: wenn diese Leute eine solche Wirkung erzielen, d e n Profit köiint-k wir ja für uns in Anspruch nehmen— ähnlich wie jetzt mit dem Tabak- Monopol! (Sehr gut!) Man hat gesuchl, sich der Sympathien der Arbeiter, des Volkes zu be- mächtigen. Zuerst hat man die Handelspraxis gebraucht, sich unsere Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Dies ist durch das Sozialistengesetz geschehen, welches uns mundtodt macht. Und nun konnte es mit der Sozialreform drauf los gehen. Meine Herren, der Gedanke der Sozialreform ist nichts weniger als neu und keineswegs genial. Auch haben wir im Boraus gewußt, daß man damit nicht weit kommen würde. Meine Herren, ich gestehe ja in manchen Dingen der Regierung große Geschicklichkeit zu,— aus diesem Gebiete aber hat sie verwünscht wenig Geschick gezeigt. Die Herren aus jener Seite(rechts) sind ja sonst in der Reitkunst sehr groß, aber in dem Wettrennen um den armen Mann haben sie sich als schlechte Reiter erwiesen, (Heiterkeit) da sind sie gewaltig hinter uns zurückgeblieben und werden uns auch niemals erreichen. Man hat die gute Absicht gehabt, uns beim Volke aus dem Sattel zu heben, indem man ihm einige anscheinende Zu- geständnisse machte. Und dies Bestreben zeigt sich ja auch jetzt wieder in den Motiven zu den Vorlagen über die Unfallversicherung. Ueberall ist besonders die„sozialpolitische Wirkung" betont, d. h. der Arbeiler soll einsehen lernen, daß ihm der Staat etwas gibt, ihm sozusagen einen Beschwichtigungsknochen hinwirft, damit er wieder eine Zeitlang zufrieden sein und nicht mehr weinen und klagen und schimpfen, sondern ein gutes Kind machen soll. Meine Herren, man hat damit aber herzlich wenig Erfolg gehabt. Man hat ja vielleicht im Ansang manche irregeleitet, allein diese Wirkung ist längst wieder vorbei. Ich brauche blos anzuführen, daß trotz des für Sie günstigen Umstandes des Sozialistengesetzes, trotzdem wir keine Presse haben, das leitende Organ in dieser Beziehung, der„Staats- sozialist", vor einiger Zeit das Zeitliche gesegnet hat. Das Spiel mit dem Feuer, das dabei getrieben wurde, hat uns nicht geschadet, wohl aber dürsten Sie damit sich selbst die Finger ver- brennen. Wenn man fortwährend gegen das Kapital im allgemeinen hetzt und gegen das jüdische insbesondere, (hört, hört! links) so gehen solche Phrasen keineswegs spurlos am Volke vorüber; das Volk macht nicht so feine Distinktionen(Unterschied), daß es das jüdische Kapital für schlecht, das christliche aber für gut hält; sondern wenn man ihm sagt, das Kapital ist schlecht, so versteht es darunter das ganze Kapital. Wir können Ihnen nur dankbar dafür sein, daß Sie das dem Volke zu einer Zeit gelehrt haben, wo wir dafür bestraft wurden. Wenn Sie aber glauben, daß Sie durch derartige halbe Zugeständ- nisse unsereBewegungaushalten, so irrenSie sehr: Sie gießen damit nur Oel ins Feuer und arbeiten für uns. Zu gleicher Zeit hat sich auch die Unfähigkeit der Polizei gegen uns in hervorragender Weise— wie Sie jetzt wohl alle zugestehen werden— gezeigt. Die Verfolgung hat uns gar nichts geschadet, und, meine Herren, wenn Sie auch gegenwärtig nur wenig von unserer Bewegung sehen, so hören Sie doch an dem einen oder anderen Ende bisweilen das Hohnlachen des Zauberers, auf den der Riese losschlägt ohne ihn zu sehen. So stehen Sie denn, meine Herren, rathloser als jemals vor der Lösung der sozialen Frage, vor der sozialen Sphinx. In diesem Augen- blick, wo Sie mit der gegenwärtigen Vorlage das Spiel auf's neu« beginnen, wo das Wettrennen um den armen Mann wieder fortgesetzt werden soll,— in diesem Augenblick erlauben Sie mir, daß ich Ihnen noch ein offenes Wort sage. Meine Herren, es gibt zwei Arten der Lösung der sozialen Frage, zwei Arte», wie man sie auffassen kann: als Knlturfrage oder als Gewaltsrage. Die Auffassung als Kulturfrage ergibt sich ja leicht, sie besteht darin, daß mau die Hindernisse, welche der Entwicklung des Volksgeistes im Wege stehen, nach Möglichkeit beseitigt, daß man den dringendsten Bedürfnissen, welche sich im Volke zeigen, nach und nach, gradweise, nachgibt, und dadurch eine ununterbrochene Reform-Aera herbeiführt. Dieser Weg ist ein langsamer, aber er ist ein zivilisatorischer und wahrhast menschlicher; aus diesem Grunde haben wir auch niemals versäumt— und ich fordere hierüber das Zeugniß Aller auf—, zu er- klären, daß wir zu diesem Wege, zum Wege des Sieges de» Gedankens, vollkommen bereit sind. Die Auffassung als Gewaltfrage charakterisirt sich einfach durch die Worte„Blut und Eisen". Man oerschließt sich aller Einsicht; man verschanzt sich hinter den Besitz der Vorrechte, welche man nun einmal hat; man bekämpft bis aus das Messer diejenigen, welche auch vom Leben Etwas haben wollen; man steht schließlich mit dem größten Theil des Volkes auf dem Kriegsfuß und läßt es eher daraus ankommen, daß eine Katastrophe herbeigeführt wird, als daß man das Geringste von seinen Vorrechten nachläßt. Meine Herren, leider haben Sie, als Sie die Wahl hatten zwischen diesen beiden Wegen, den letzteren gewählt, und ich muß Ihnen sagen, daß ich der Meinung bin, daß Sie schon viel zu weit vor- geschritten sind auf diesem letzteren schlechteren Wege, als daß Sie noch zurück könnten! Der Weg, den Sie zu gehen haben in dieser Beziehung, dieser Weg ist Ihnen damit vor- gezeichnet. Er ist aber nicht nur Ihne» vorgezeichnet, sondern auch uns. Und das macht sich besonders auch geltend in Bezug auf den Antheil, welchen das Volk nimmt an den gegenwärtigen Verhandlungen. Erinnern Sie sich noch daran, wie wir uns früher verhalten haben in unserer Presse gegenüber derartigen Gesetzen und Vorlagen. Damals haben wir Sozialisten uns mit Forschungen beschäftigt, damals sind viele Broschüren und Bücher geschrieben' worden über die allmähliche Entwicklung und gradweise Verstaatlichung, Uber Monopole, und was irgend im Entfern- testen zur Verbesserung führen könnte. Damals, meine Herren, wenn sozialreformatorische Entwürfe vorgelegt worden wären, damals hätte das Volk und hätten wir bedeutenden Antheil daran genommen. Heute aber ist das wesentlich anders. In weilen Kreisen des Vol- kes verzweifelt man daran, überhaupt noch etwas Ersprießliches von der Regierung und dem Parla- mente zu erhalten, und weite Volkskreise hat in an in der Thal, wie es bei der Begründung des Bela- gerungszustandes angeführt ist, daran gewöhnt, eine Erlösung nur allein vom Volk, von einer aus d e m V o l k k o m m e n d e n B e f r e i u n g s t h a t zu erwarten. Das ist die Quittung auf das Sozialistengesetz! Demnach werden Sie es begreiflich finden, wenn auch ich an den Be- ralhungen, wie sie gegenwärtig Uber die Wirthschaftsreform hier statt- finden, nur ein sehr getheiltes Interesse nehme, weil ich nach der �ganzen Sachlage nicht mehr daran glaube, daß auf diesem Wege etwas Frucht« bares geleistet wird, weil ich glaube, daß die Entscheidung wo ganz anders liegt. Meine Herren, schon in der früheren Zeil, so lange wir im Hanse anwesend sind, ist von einem parlamentarischen Parteikampse meiner Partei gegenüber im eigentlichen Sinne des Wortes niemals die Rede gewesen. Aber heute ist es weniger als jemals der Fall, heute b e- finden w i r u n» im o f f e n e n K r i e g s z u st a n d e, u n d z>v a r sind es Sie, welche den Krieg uns erklärt haben. Meine Herren, jetzt handelt es sich nicht um Gründe, nicht um das „ob" oder„wie", sondern— und das ist seit vier Jahren der Fall— es gilt einfach, uns zu vernichten, und zwar mit allen Waffen. Vom realpolitischen Standpuiik'e aus— denn es würde vergeblich sein, hier ein pathetisches Wort zu sagen— vom realpolitischen Standpunkte aus habe ich nichts dagegen einzuwenden; ich kann es Ihnen nur über- lassen, zu sehen, wie weit Sie auf dem Wege kommen. Aber, meine Herren, wenn Sie kämpfen, wenn Sie herschlagen, so wollen Sie doch die ehrliche Soldatenlogik gegen uns beobachten, daß auch der Gegner das Recht hat, hinzuschlagen und sich ebenfalls die Waffen zu wählen, wie sie ihm passend erscheinen, und nicht blos die, welche S i e ihm geben. Aus diesem Grunde möchte ich wünschen, daß wir hier o f f e n als Gegner einander gegenüberstehen; lassen Sie aber gefälligst die Moral-, Friedlichkeit«- und„Gesetzlichkeils"predigten bei Seite, meine Herren. Bei Ihnen hat die Wahl der Waffen gelegen, Sie sind auch verantwortlich für die Wunden! (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Daß Holtmar'« Rede über da« Tabakmanopol der schärfste Augrifs war, den diese« im Reichstag auSznhalten harre, wird all- seirig zugestanden; die heftigsten Gegner desselben, die Fortschriltler und Sezessionisten, kamen daher auch nach Vallmar's Rede zu unseren Ge- nassen und boten ihnen einen Sitz in der Kommission an, welche« menschenfreundliche Anerbieten aber selbstverständlich keine Gegenliebe fand. Unsere Abgeordneten verzichteten auf die Ehre, einer Kommission anzugehören, deren Ausgabe e« ist, Bismarck Rathschläge zu ertheilen, wie er am schmerzlosesten dem Tabak„Blut" abschröpfen kann. Wir bemerke» noch, daß neben den in voriger Nummer Genannten auch die Genossen D i e tz, R i t t i n g h a n s e n und Stolle gegen die Kommission stimmten. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 23. Mai 1882. — Ein allerlieb sie« G e st ä n d n i ß. Ter Streit um da« Dabakmonopol fördert doch für einen Sozialisten wahrhast herzstärkende Dinge zn Tage, wir können unserm Freunde Bismarck— oder Bucher V— gar nicht dankbar genug sein, daß er der Bourgeoisie diese Frucht vom Baum der sozialistischen Erkenntniß vorgesetzt hat. Am 12. Mai hatte im Reichstag Herr von Stausfenberg mit sittlicher Entrüstung darüber losgedonnert, daß im preußischen Volk«- wirthschastSrath einige Banmwollspinnereibesitzer für da« Monopol ge- stimmt hatten, und ihnen zugerufen: Wie würde Euch zu Muthe sein, wenn der Staat die Baumwollspinnerei monopolisirte! Flugs kommt nun einer dieser baumwollenen Monopolfreunde, der BolkSwirthschastSrath Wolfs, mehrfacher Fabrikbesitzer und Kommerzienrath und antwortet dem bayrischen Freiherrn in der„Norddeutschen Allgemeinen": „Tiefe« kann sich nur auf den Herrn Dr. Jansen und mich beziehen, e« scheint mir somit eine Pflicht der Schuldigkeit(?) zn sein, dem Herrn von Staussenberg"diese Frage zu beantworten, und die(die Frage?) geht dahin, daß, trotzdem in den Spinnereien wieder mit Nutzen gearbeitet wird, ich gern bereit bin, unter den Bedingungen, wie sie bei den T a b a k i n d u st r i e l l e n vorgesehen sind, mich jederzeit mono- polisiren zu lassen, weil, nun, weil der neue Zolltarif die Ausnahme vieler FabrikationSzweige ermöglicht, welche mir größerem Nutzen al« eine Baumwollspinnerei zu betreiben sind, welche aber vor der Zollreform lediglich im Auslande betrieben wurden. Ob Tabakindustrieller oder B a u m w o l l s P i n n e r e i> B e s i tz e r, als Unternehmer sind nicht immer Fachkenntnisse n o t h w e n d i g, besser ist allerdings besser." Nicht wahr, ein reizendes Geständuiß? Herr Wolff ist Großunternehmer und spricht natürlich vom Standpunkte eine« solchen au«. „Ob Tabakindustrieller oder Baumwollenspinnereibesitzer, als Unter- nehmer sind nicht immer Fachkenntnisse nothwendig"— was ist das anders als eine Bestätigung dessen, was wir Sozialisten immer gesagt ilnd vertreten haben! Das„nicht immer" ist natürlich nur eine be- schönigende Beigabe für den dummen Plebs— denn soviel sieht jeder Tenkende ein, daß es hier nur ein Entweder— Oder gibt, entweder Fach- kcnnlnisse sind nothwendig oder nicht. Herr Wolss, selbst Unternehmer, läugnet Ersteres und gibt also Letzteres zu. Im Eiser, Bismarck seinen Dank für die Garnzölle abzutragen, reißt er sich und seinen Genossen den strahlenden Nimbus, mit welchem die bürgerliche Oekonomie sie zu umgeben liebt, vom Haupt und präsentirt sie der— eingeweihten— Welt als ganz gewöhnliche profitwüthige Kapitalisten. Der Unter- nehmergewinn zerfließt in sein Nichts, er löst sich aus in den zwar weniger lieblich duftenden, aber doch sehr angenehm schmeckenden(oou oletl) Kapicalprofit. Vom Unternehmer bleibt nur übrig der Spekulant, der heute in Tabak, morgen in Baumwolle, übermorgen in Schiefer „macht", alles klebrige besorgen Angestellte: Techniker oder Chemiker, Direktoren oder Werkführer, und die eigentlichen Arbeiter. Unter den antisemitischen, argrarischen und kleinbürgerlichen Sozial- quacksalbern ist es seit einiger Zeit Mode, aus den Kapitalgewinn los- zuschlagen, den Unternehmergewinn aber als berechtigt hinzustellen. Hier kommt nun ein Unternehmer und erklärt mit dürren Worten beide für identisch— sollen wir dem Manne, welcher ihm dieses für uns Sozialisten so werthvolle Geständuiß entlockte, nicht vom Grunde unseres Herzen« ans dankbar sein? Wir denken, ja! — Aus Dresden, 12. Mai, wird uns geschrieben: Heute vor acht Tagen(durch ein bedauerliches Mißverständniß wurde sofortiger Bericht verhindert) wurde an einem unserer Parteigenossen wieder eine jeuer Zchandthaten verübi, welche das— Rennomee der Dresdener Justiz und Polizei begründet haben. Die Leser erinnern sich des schmachvollen Prozeße« wegen de« ersten Wahlflugblatte« im Dresden-Neustädter Kreis. Unter den zahlreichen Berurtheilten befindet sich auch Pflaum, ein hiesiger Hausbesitzer, der als„Verbreiter" de« Flugblattes eine Ge- fängnißstrafe von sechs Monaten erhielt. Der größte Theil der Strafe ist jetzt abgesessen— daß der Mann Fluchtgedanken hegen könne, ist ein> fach undenkbar. Wohlan— vorige Woche bekam Pflaum einen im Auf- trag seiner Frau geschriebenen Brief, in welchem ihm deren schwere — ärztlich bezeugte!— Erkrankung gemeldet und er gebeten wurde, in Anbetracht ihres Hülflosen Zustande« und außerdem zur Regelung einer wichtigen Geldangelegenheit, sich einen kurzen Urlaub zu erwirken. Pflaum, dessen Gemllthszustand man sich vorstellen kann, suchte um einen drei- st ü n d i g e n Urlaub nach, der ihm auch bewilligt ward. Heut vor acht Tagen Vormittags trat er demgemäß in Begleitung eines Beamten der Staatsanwaltschaft den Weg vom Gesängniß nach seiner Wohnung an— eine Entsernung von mindestens 20 Minuten. Ein Parteigenosse, der ihm begegnete, sab, daß Pflaum etwas schwerfällig ging; er blickte näher, und überzeugte sich, daß demselben eine eiserne Kette um den Leib gelegt und die rechte Hand angeschlossen war. Pflaum bestätigte die«; ein Gespräch verhinderte der Beamte. Hunderte von Menschen haben da» schmachvolle Schauspiel mit angesehen. Sollten die Behörden Ableugnungsversuche machen, so haben wir eine Anzahl von Zeuge». Also geschlossen wurde�Pflauni zu seiner schwerkranken Frau geführt. Wie der Anblick auf sie gewirkt hat, das brauche ich nicht auszumalen. Das arme Weib war so erschüttert, daß, statt der erhofften Besserung, eine wesentliche Verschlechterung ihres Zuständes eingetreten ist. Natürlich mußte Pflaum auch den Rückweg in Ketten zurücklegen.' Tie Kette, mit der er geschlossen war, ist von dem nämlichen Kaliber und der nämlichen Konstruktion, wie jene, die zu Ansang diese« Jahre« auf dem„Tische" des Landtags deponirt war, um den Herren Volks- Vertretern aü ocnlos zu demonstriren, daß das niedliche Spielzeug, von weichem unser braver Herr Jusffzminister in einem Anfall von unfrei- willigem Humor gesprochen hatte, ein« ganz ächt eiserne Kette ist, würdig, den Reliquien der Marterkammern de« 18., 17. und 18. Jahrhunderls angereiht zu werden. Die Infamie des Vorgehens gegen Pflaum ist um so größer, al« da« Schließen beurlaubter Gefangenen durchaus nicht Regel ist. In allen Fällen, wo kein Fluchtverdacht vorliegt— und, wie gesagt, bei Pflaum, der nur noch zwei Monate zu„sitzen" hat, und durch Familie, Geschäft, Hausgrundstück an Dresden gebunden ist, kann ein Fluchtgedauke auch von dem argwöhnischsten Staatsanwalt nicht vorausgesetzt werden— in allen Fällen, wo kein Fluchtverdacht besteht, werden die Gefangenen nicht gefesselt. Dem Sozialdemokrat gegenüber wurde also eine Ausnahme gemacht. Sozialdemokraten verdienen keine Rücksicht, haben keine menschliche Behandlung zu beanspruchen. Ja wäre Pflaum ein gemeiner Verbrecher. Hätte er gestohlen, be- wogen oder ein SittlichkcitSverbrechen verübt— dann wäre er besser gefahren. Ein gewisser Steinbach z. B., der neulich wegen Unzucht mit Kindern zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden ist, wurde f e f s e l l o« nach Waldheim transportirt. ES ist das charakteristisch für das herrschende System, daß es den gemeinen Verbrecher humaner behandelt als den sogenannten politischen Verbrecher. In letzterem erblickt es— mit Recht!— seineu Feind, den es zu vernichten sucht; in dem gemeinen Verbrecher dagegen erkennt es seinen e i g e n e n S o h n, für den es seine Sympathien nicht ver- leugnen kann. — Polizeiliche» aus Thüringen. Genosse H e r m a n n Fischer aus Gera ist wegen Verbreiten« des Flugblattes„An da» deutsche Volk", desseu Verbot ihm nicht bekannt war, nach 84tSgiger Untersuchungshaft zu sünf Wochen Gesängniß und Tragen sämmt- licher Kosten verurtheilt worden. Was in Fischer'« Heim nicht niet- und nagelfest war, wurde von den polizeilichen Langfingern„beschlagnahmt", mit besonderer Hast die Bilder von Bebel, Liebknecht, Hepner, Geib, Freiligrath u. s. w. Die lange Untersuchungshaft wurde von der Polizei dazu benutzt, wo es ihr paßte, Haussuchung abzuhalten, unter dem lüg- nerischen Vorwand, daß nach Fischer'S Angaben an den betr. Orten sich verbotene Schriften befänden. Für Verpflegung in der Untersuchungshaft wurden Fischer von dem ihm ges— etzlich abgenommenen Gelde pro Tag 1 Mk. 98 Psg. in Abzug gebracht. Wie billig! In Gera hatte die Hochlöbliche unserem au« Leipzig ausgewiesenen Genossen Fink aus Grund de« z 24 des Sozialistengesetze«„die Be- fugniß zur gewerbsmäßigen oder nicht gewerbsmäßigen öffentlichen Ver- breitnng von Druckschriften, sowie die Besugniß zum Handel mit Druck- schriften im Umherziehen" entzogen. Da sie Fink nicht gleichzeitig das Rezept verabfolgte, gleich Heinrich XXII. ohne Arbeit leben zn können, so trat derselbe nunmehr bei seiner Frau, welche da« Geschäft übeniommen, als Prokurist ein. Das paßte aber den Staatsrettern von Gera nicht in den Kram, der gefährliche Fink sollte mit Gewalt ausgehungert werden, man verknurrte ihn also wegen„Zuwiderhandelns gegen eine ans Grund von jc. erlassene Verfügung zu einem Monat Gesängniß. Fink ap- pellirte an das Reichsgericht, und da es sich um eine in da« bürgerliche GeschästSleben einschneidende Frage handelte, so halte dieses ein Einsehen— es gibt also noch ein Reichsgericht— und hob das Urtheil der Geraer StaatSretter auf.§ 24 betreffe nur den Gewerbebetrieb im Umherziehen. Jndeß, Gott verläßt die Seinen nicht. Jetzt ist Fink wegen Beleidi- gung des Staatsanwaltes angeklagt worden, dessen bei Gelegenheil der Haussuchung bei Fink ausgestoßene Drohungen, wie u. A., daß er es versuchen will, Fink auf Grund des Sozialistengesetzes hineinfallen zu lassen u. s. w.", dieser in der Gerichtsverhandlung festgenagelt halte. Für dies hochverrätherische Vergehen wird Fink demnächst vor der Geraer Gerechtigkeit sich zu verantworten haben, die guten Seelen können also hoffen, daß die irdische Nemesis den Gottlosen doch noch erreicht. Fink ist zwar so ver- ruckt, daß er den Staatsanwall schon zn dem Geständuiß gezwungen hat, e» sei„möglich", daß er„ähnliche" Worte gebraucht habe, indeß— guter Rath kommt über Nacht. — ES geht uns folgender Aufruf zur Veröffesitlichung zu: Aufruf der sozialistisch-revolurionären Gruppe der Hochschule zu Paris. Bürger, Kommilitonen! Die sozialistischen Studenten zu Pari», von dem Wunsche beseelt, an der großen sozialen Bewegung ihrerseits mitzuwirken, haben sich seit ihrer zu Ehren der Proklamirung der Kommune von Paris stattgehabten Manifestation zn einer sozialistisch-revolutionären Gruppe konstituirt. Wir wenden uns heute an alle unsere revolutionären Kameraden rankreichs und de« Auslandes und laden sie ein, auch ihrerseits sick in ruppen zu organisiren. Wir bitten Euch um Euren brüderlichen Beistand in unserem Be- streben nach Gründung einer anSgedehnten internationalen Federation aller sozialistischen Studenten. Wir drücken Euch brüderlichst die Hand. Hoch die soziale Revolution! Die sozialistisch-revolutionäre Gruppe der Pariser Hochschule. Alle Mittheilungen und Beitrittserklärnngen wolle man an den Sekre- tär der Gruppe— Ouai St.-Michel 9, Paris— adressircn. — England. Nichts kennzeichnet besser die verzweifelte Situation der englischen Regierung als ihr Vorgehen gegen die Londoner„Freiheit". In England, dem Lande der Preßsreiheit pur excsllsncv, wird ein deutsche«, also der großen Masse des englischen Volke« nicht einmal verständliches Blatt versolgt wegen eines Artikels, der bei Weitem noch nicht das Schärfste enthält, was in dieser Richtung schon geschrieben und gesagt wurde. Aber freilich, der Artikel betraf englische Verhältnisse, und das Klatschblatt„Ihrer Majestät der Königin", die„St. James Gazette", hatte ihn denunzirt. Folglich mußte Etwa«„gethan" werden. Und ein deutscher Spitzel— ob auch von der deutschen Polizei bezahlt, wird nicht hinzugefügt— begab sich in die Druckerei und verhastete in Ermangelung einer anderen Person den— Setzer des Blatte«. Zn einer Neuauflage des Prozesses Most dürfte es wohl nicht kommen, denn schon ist Merten«— der verhaftete Setzer— gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden.— Die Reaktionäre sind sich doch überall gleich. Sobald e« sie betrifft, schreien sie bei der geringsten Veranlassung heuchlerisch über Gewalt, sie selbst aber brennen vor Begierde, gegen ihre Gegner die äußerste Gewalt anzuwenden. Unter den Mitgliedern der englischen Regierung vertritt Herr C h a m b e r l a i n den Standpunkt einer Bersöhnungspolitik den Jrländern gegenüber, ihm schreibt man die Abmachungen mit Parnell zu, und gegen ihn richtet sich natürlich der Haß der reaktionären Meute. Nun, in einer kürzlich stattgehabten konservativen Versammlung in B o l t o n rief der Friedensrichter(!)Penningtoll:„Wenn Joe l Abkürzung für Joseph) Chamberlain im Phönix- Park ermordet worden wäre, so wäre ihm nur geschehen, was er verdient! Und al« ihm seine konservativen Zuhörer— alle natürlich„Feinde der Gewalt" und Freunde de«„Gesetzes"— applau- dirten, fügte er hinzu, daß e«„zwecklos sei, die Dinge zu bemänteln." Und nun bedenke man, daß Irland großentheil« von Frieden«- richtern regiert wird, gegen welche dieser Pennington noch ein Engel an Janftmulh ist, und welche sich nicht auf fromme Wünsche beschränken, sondern die Macht, die sie haben, auszunutzen wissen, und man wird die Stimmung des irischen Volke« begreisen, man wird ermessen können, was es mit den„irischen Greuelthaten" aus sich hat! Die Unterdrückungsbill ist auch in zweiter Lesung angenommen worden, aber die Minorität gegen dieselbe ist eine größere al« in der ersten Lesung. Neben den irischen Depntirten stimmten auch acht englische Radikale gegen dieselbe. Die irischen Deputirten erklärten durch ihr Mitglied S e x t o n, daß e« von der Art der Anwendung des Unter- drückungsgesetze» abhänge, ob sie noch länger die parlamentarische Ver- antwortlichkeir auf sich nehmen könnten, oder ob es ihre Pflicht fein werde, die Regierung und da« irische Volk sich Aug in Auge gegenüber- stehen zu lassen. Die Entscheidung über den Gang der Ereignisse liegt also bei den irischen Revolutionären. Wir führten in unserer vorletzten Nummer auch Michel D avitt al« Anhänger des privaten Grundbesitzes aus. Es war da« ein Jrrthum. Dawilt ist ein Anhänger der Uebersührung des Grund und Bodens in den Gesammtbesitz de« Volkes, und wird sogar al« solcher demnächst eine Agitationsreise durch England und Schottland unternehmen. Korrespondenzen. — Großenhain, 18. Mai. Unsere Fortschrittler— 8 Mann und keine Männer— wollten heule ihren großen Trumpf auSsvielen. Der große Eugen Richter war zn einem Bortrag in einer„öffentlichen Versammlung des fortschrittlichen Wahlvereins" geladen und auch ge- kommen— nachdem die Reklametrommel tüchtig gerührt worden war. .Natürlich waren wir sehr erfreut, einmal den großmäuligen Eugen, der in Berliner und anderen Volksversammlungen unseren„Agitatoren" stets so sorgsam aus dem Wege gegangen, vor die Klinge zu bekommen, und Liebknecht, von dem freudigen Ereigniß in Kenniniß gesetzt, eilte sofort hierher, um mit seinem alten Bekannten einmal„parlamentarisch" abzurechnen. Das war nun freilich nicht nach dem Geschmack des Herrn Eugen und seiner fortschrittlichen sechs Mann. Die Versammlung war auf halb 8 Uhr anberaumt. Da die Nachricht der bevorstehenden Redeschlacht sich weit verbreitet halte, war der Ver- sammlungssaal schon um 5 Uhr überfüllt, wobei unsere Genossen mindestens eine Zweidrittelmajorität bildeten. Da die Fortschrittler nur eine öffentliche Versammlung ihres Wahl- verein», nicht eine allgemeine Wählerversammlung angekündigt hatten, so verzichteten wir auf die Bureauwahl. In unserem Namen aber meldete sich Genosse P r e i ß e r zur Geschäftsordnung ums Wort, um anzufragen, ob nach Richter'« Bortrag eine Diskussion gestattet sei. Darob sittliche Entrüstung des Richter und seiner 8 Manu. Fort- schrittliche Rufe: Hinaus mit dem Ruhestörer! Das ist Hausfriedensbruch! u. s. w. Wir bestanden aber auf Antwort. Ein Versuch gewaltsamer Exmission scheiterte unter homerischem Gelächter an der fatalen Thatsache, daß bei Fortsetzung des Versuchs der Spieß umgedreht und die 8 Fort- schrittler samml ihrem verdutzten Engen elegant„an die Lust gesetzt" worden wären. Herr Eugen macht mehrmals vergebliche Anstrengungen, seinen Vor- trag vom Stapel zu lassen. Die gewünschte Diskussion zn gestatten, fällt der biederen Fortschrittsseele gar nicht ein. Und da mußte denn das Verhäugniß die fortschrittlichen Herren Bauern- sänger ereilen: der überwachende Polizeibeamte erklärte die Versammlung für geschloffen! Und betrübt zogen die Herren Fortschrittler in das beste Hotel, wo sie beim besten Wein einigen Trost gefunden haben mögen. Einer der Herren Fortschrittler, ein Fabrikant, bereitete sich in seiner Wuth noch das kindliche Vergnügen, P r e i ß e r durch einen Sladtpolizisten verhaften zu lassen. Das kindliche Vergnügen dauerte jedoch blo« eine Minute, denn der— konservative, also über das fortschrittliche Fiasko keineswegs entrüstete— Bürgermeister von Großenhain, der sofort von dieser skandalösen Gesetzesverletzung in Kenntniß gesetzt ward, eilte herbei, verordnete die augenblickliche Freilassung Preißer's und ertheiltc dem Stadtpoliziften einen tüchtigen Rüffel vor Zeugen. Der Schlachtplan der Herren Fortschrittler wurde uns nachträglich ver- rathen. Herr Eugen wollte um 8 Uhr wieder nach Berlin zurückfahren. Wäre min Alle« programmmäßig gegangen, so hätte er seinen Vortrag um 8 Uhr begonnen, bis halb 8 Uhr perorirt und dann, nachdem er mit einem Knalleffekt geschlossen, die Uhr herausgezogen und gesagt:„Meine Herren, ich bedauere, Sie so früh verlassen zn müssen; aber meine Zeit ist mir zugemessen— ich muß mich unverzüglich nach deni Bahnhof be- geben. Ich danke Ihnen von Herzen für die freundliche Ausnahme!"— der Vorsitzende erklärte die Versaminlnng für geschlossen, und wir hätten da« Nachsehen. Gerade die Herren Fortschrittler haben sich mit besonderer Vorliebe auf diese Taktik geworfen, sie wiederholt gegen uns ausgeübt und eine bedeutende Virtuosität darin erlangt. Die Herren werden nun gelernt haben, daß ihre Bauernfängerkniffe an uns nicht verfangen. Im Ganzen steht e« im Kreise gut für unsere Sache. Di« Genossen V o l l m a r, K r ä ck e r und F r o h m e haben hier, in Riesa und in Meißen in mehreren fortschrittlichen Versammlungen geredet, und überall mit Erfolg. Die letzten Tage werden wir nns noch gehörig in'« Zeug legen und bei der uns günstigen Stimmiing erwarten wir fest, in die Stichwahl zu kommen. Und dann haben wir die besten AnSsichten auf einen definitiven Wahlsieg. Warnung. Vor einiger Zeil trieb sich hier ein Sübjekt herum, welches auf den Namen unsere» Genossen W. H a s e n e l e v e r die hiesigen Genossen zu brandschatzen suchte, aber großentheils abblitzte. Auch bei der Frau unseres verstorbenen Genossen W. Bracke versuchte sich derselbe als der Reichslagsabgeordnete Hasenclever einznsühren. Bon derselben, welche Hasenclever persönlich kennt, der Lüge geziehen, erklärte der Schwindler, der Bruder Hasenclever'« zu sein und bettelte um eine Unterstützung. Da der- selbe sich von hier verduftet hat, so wird er wahrscheinlich versuchen, an anderen Orten sein Manöver fortzusetzen und sich bei den Genossen dadurch einzusiihren suchen, daß er ihnen vorsviegelt, in einer geheimen Mission zn kommen. Signalement: Kaden, Zigarrenarbeiter aus Magdeburg, mittlere Statur, melirter Bollbart, schiefer Mund. Wir ersuchen die Genossen, eventuellen Falles dem sc. Kaden die n ö t h i g e Unterstützung angedeihen zu lassen. Die Braun schweizer Genossen. tverichtigung. Der harmlose Fortschritt«-Richter, der den unsterblichen MajestätSbeleidigungsprozeß dritthalb Jahre post ksstum bekommen bat, ist nicht der Hamburger, sondern der Bunzlau-Lübbener Richter, was übrigen« auf dasselbe hinauskommt, und— bloß der historischen Genairigkeir wegen konstatirt wird. Briefkasten der Redaktion: Raummangels halber mußte ein Theil der Rund- scha», verschiedene Korresponoenzen für die nächste Nummer zurückgelegt werden. der Expedition. Baron Juchzer: W. sendet keine Addr., deshalb liegen 3 Sdgn. fest in Zwischenhand. Bitten Abhilfe!— G. L. St. Gilles: Fr. 2,50 Ab. 2. Qu. erh. Rest auf 1. Qu. war nur Fr.—.85.— Der Bekannte i. G.: Mk. 20,40 ä Cto. Ab. erh. Jrrthum unerklärl. 18 halte Ausenth. bei Zwischenhand. Unserseits wird stet« prompt spedirl.— H. F. Ebg.: Mk. 3,25 Ab. 2. Qu. erh. u. nachgelieiert. Sdg. an H. H. abgg.— Rother Hau«: Mk. 13,70 Ab. Mai u. Schfl. erh. Bfl. mehr.— Rothschwanz: Mk. 15,50 Ab. u. Schft. erh. Sdg. abgg.„S. u. D." folgt später.„O." nochmals beordert.— T. Liöge: Fr. 29,25 erh., f. Ab. Fr. 18,75, Rest dem„r. f" Liste 392 dkd. zugeiv. Mahnung erfolgte irrthümlich.— H. Besenstiel in Knopfloch: Mk. 2,— Ab. Mai u. Juni durch C. erh.— Ag. d. Br. M.-Pillcn: Mk. 12,— Ab. 2. Qu. erb. R. gelöscht. Weitere« besorgt.— I. P. Luzern: Fr. 1,40 Ab. 2 Mt. erh. Beilage der Red. behändigt.— P. Sch. Brpp.: Mk. 1,80 Ab. u. Schs». erh.— A. Kettenleimer: Miltheiliing betr. der „rothen Pl." zu harmlos.— Rother Franz: Alle« beachtet. Was sollen wir mit der Liste ohne——?— Roland: Erste Antwort durch Zwischenhand verhaut. Weitere« nachgeholt lt. Bf. v. 20/5. Mk. 15,— ä Cto. Ab. eingetr.— Rothbarl: Nachr. v. 19. d«. erh. u.„Räthsel" briesl. aufgeklärt.— Ferdinand: 3 Bs. in Sachen„My." u.„C. G." prompt eingetr. 2 b-antw. Von Dz. ohne Lebenszeichen, trotz brsl. Enld. G.— Bayr. Hiesel: Mk. 14,40 Ab. 2. Qu. erh. Weitere« wird be- sorgt.- Schorfe: Belasten für L. ab Mär; u. 2. Qu. Mk. 4,— n. für D. 1. u. 2. Qu. Mk. 8.— Weiteres lt. Bs. v. 20. d«.— ü-j- Himmel---: Brn. fand frdge. Aufnahme. Weitere« an E. besorgt. Mit dem„Leib- monileur" sür Tte. hapert« noch immer. Ei. ei!— K. Worms: Bs. v. 20/5 nebst Beil. erh. Ldrb. u. Karaloq mit 19 abgg.— Ulm. u. Lttck).: Warum gebt Ihr keine Antwort an St.?— Fldhptm.: Ersatz 20 abgg. In St. nochmals betr. Jhrb. 1/1. reklamirt.— M. B. B.: Mk. 3,— Ab. 3. Qu. erh.— Fliegender: Mk. 47,— �..sür das bck. Kleeblatt abgerundet", den Flgfd«. dkd. zugew. Ab. Opf. pr. 1882 damit ausgeglichen.— F. Sz. Mrn.: Fr. 3,57 Ab. 1. Qu. erh. Restirt 2tes.— O. Mhrt. Amsterdam: Trucksehler. Sie haben 2. u. 3. Qu. bez.— Schnürung: Nachr. v. 19 hier. Sonstiges erwartet.— Or.:— Bf. v. 19. erh. Weitere« gewärtigen u. notiren wir.— Von deutschen Turnern aus einer Turnsahrt gesammelt: Fr. 5,— (Mk. 4,—) d. Usds dkd. zugew.___ Gustav Faust, Schneider, gebürtig aus Greiz, Fürstenthum Reuß, sich aufhaltend in England oder Amerika, ist gebeten, seine Adresse an seinen Bruder Louis Faust, Weber, Schleisetobel, H o r q e n (Schweiz) zu senden. 3-1[100 Zchwefterilchc Stteiiistiurfibtutfetti Hollmqen-Mnch.