Erscheint wöchentlich einmal in Zürich( Schweiz) Verlag Bolfsbuchhandlung Hottingen- Zürich. Follendungen franco gegen franco Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz fosten Doppelporto. N: M: 26. Der Sozialdemokrat sind Zentral- Organ der deutschen Sozialdemokratie Donnerstag, 22. Juni. Avio an die Abonnenten und Korrespondenten des„ Sozialdemokrat". Da der Sozialdemokrat" sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich verboten ist, bezw. verfolgt wird, und die dortigen Behörden sich alle Mühe geben, unsere Verbindungen nach jenen Ländern möglichst zu erschweren, resp. Briefe von dort an uns und unsere Zeitungs- und sonstigen Sendungen nach dort abzufangen, so ist die äußerste Vorsicht im Postverkehr nothwendig und darf keine Borsichtsmaßregel versäumt werden, die Briefmarder über den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt der Sendungen zu täuschen, und letztere dadurch zu schüßen. Haupterfordernig ist hiezu einerseits, daß unsere Freunde so selten 館 Abonnements werden nur beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Fr. 2. für die Schweiz( Kreuzband) Mf. 3. für Deutschland( Couvert) fl. 1. 70 für Oesterreich( Couvert) Fr. 2.50 für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband). Inserate Die dreigespaltene Petitzeile 25 Gta. 20 Pfg. 1882. als möglich an den Sozialdemokrat", resp. dessen Verlag selbst adressiren, sondern sich möglichst an irgend eine unverdächtige Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche sich dann mit uns in Verbindung setzt; anderseits aber, daß auch uns möglichst unverfängliche Zustellungsadressen mitgetheilt werden. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich behufs größerer Sicherheit Rekommandirung. Soviel an uns liegt, werden wir gewiß weder Mühe noch Kosten scheuen, um trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten den„ Sozialdemokrat" unsern Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Jubeln oder protestiren? Alles, was Federn hat, fliegt hoch! Tauben fliegen hoch! Spaßen fliegen hoch! Enten fliegen hoch! Haifische fliegen halt, hineingefallen, ein Pfand her! Wer kennt nicht dieses geistreiche Pfänderspiel, an welchem wir uns in unserer Jugend ebenso weiblich ergötzten, wie es schon unsere Großeltern und Urgroßeltern zu ihrer Zeit gethan! Es tam uns jüngst wieder in's Gedächtniß, als wir das Steno: gramm der großen" Rede des grroßen Kanzlers vom 12. Juni d. J. in die Hand bekamen, diese Rede, deren Zwed weniger darin bestand, das Tabakmonopol zu retten, als vielmehr zu den demnächst stattfindenden Wahlen zum preußischen Landtag Stimmung für die Partei Bismarc sans phrase zu machen, und welche in hunderttausenden von Exemplaren ins Land geschleubert, vom Landrath und seinen gefügigen Kreaturen bis in das elendeste Kofsäthendorf hineingetragen werden wird. In dieser Rede kommt der Urheber des Sozialistengesetzes auch auf den, allerdings sehr unverdienten Vorwurf zu sprechen, daß seine Projekte sozialistisch seien, und da er weiß, welch guten Klang - Dank unserer jahrelangen Agitation das Wort Sozialisdas Wort Sozialis mus in weitesten Kreisen des deutschen Volkes hat, so sucht er mit dem schlauen Instinkt der ihm sonst so antipathischen Haufirjuden diesen guten Ruf für seine schlechten Waaren nußbringend zu verwerthen, unter der Devise: So ein bischen Sozialismns macht sich ganz wunderschön! Seine frautjunkerlichen und schornsteinritterlichen Freunde wissen ja doch, wie es gemeint ist, und singen zum Theil selbst mit: très aimable, Schnedderengtengteng! Sozialismus, sagt der 30fache Millionär, der Besitzer des Sachsenwaldes, ei, warum denn nicht? Sozialistisch sind viele " Maßregeln, die wir getroffen haben, die wir zum großen Heile des Landes getroffen haben." Sie werden genöthigt sein, dem Staate ein paar Tropfen sozialen Deles im Rezepte beizusetzen"; und darauf erfolgt nach dem Muster des obigen „ Alles fliegt hoch!" ein ebenso geistreiches„ Alles ist sozialistisch." ,, Sozialistisch war Herstellung der Freiheit des Bauernstandes; sozialistisch ist jede Expropriation zu Gunsten der Eisenbahnen; sozialistisch im höchsten Grade ist z. B. die Kommassation, die Zusammenlegung der Grundstücke, die dem Einen genommen wer den in vielen Provinzen ist das Gesetz und dem Andern gegeben, blos weil der Andere sie bequemer bewirthschaften kann; sozialistisch ist die Expropriation nach der Wassergesetzgebung, wegen der Berieſelung u. s. w., wo dem Einem sein Grundſtück genommen werden kann, weil es der Andere beſſer bewirthschaften kann; sozialistisch ist die ganze Armenpflege, der Schulzwang, der Wegebau, indem ich auf meinem Grundstück einen Weg für die Durchreisenden unterhalten muß. Das ist alles sozialistisch." Sind das nicht alles sehr schöne Sachen? Bauernemanzipation, Expropriationsgesetz, Kommafsationsverfahren, Bewässerungsgefeße, Armenpflege, Schulzwang, Wegebau 2c.? Darum nur ja keine Furcht, liebe Leute aus Stadt und Land, nur heran, was ich führe, ist gute Waare, alles echter Sozialismus. Indirekte Steuern sind sozialistisch, Abwälzung der Haftpflicht auf die Krankenkassen ist sozialistisch, Erhöhung der Offizierspensionen ist sozialistisch, Polizisten find sozialistisch, neue Regimenter sind sozialistisch- alles ist sozialistisch. Ein reizendes Spiel, nicht wahr? Und die Pfänder, die hat natürlich nicht der Ausrufer zu zahlen, die zahlen, wie überall die Dummen, die auf seinen Ruf hineinfallen. Alles heilsame ist sozialistisch! Das ist der Köder, auf den biese bei den nächsten Wahlen anbeißen sollen. Sollen wir darüber jubeln oder dagegen protestiren? Wir denken, Beides. So stolz wir einerseits auf diesen Erfolg unserer Agitation auch sein können, so haben wir doch andererseits allen Grund, gegen diesen Mißbrauch unseres guten Namens energische Verwahrung einzulegen, uns dagegen zu wehren, daß der ehrliche Begriff Sozialismus für so zweifelhafte, oder vielmehr für so unzweifelhaft nicht sozialistische Dinge in Anwendung gebracht wird. Unterlassen wir das, so liegt die Gefahr sehr nahe, daß die geflissentlich erzeugte Verschwommenheit über das Wesen des Sozialismus schließlich auch noch in die Kreise der Arbeiter einbringt. auch Immer wieder auf's Neue müssen wir betonen, daß das Wort Sozialismus ein historisch entstandener Begriff ist, das nur in dieser historisch entstandenen Bedeutung ge braucht werden darf, das heißt als Bezeichnung für die Umwandlung der heutigen privatkapitalistischen Produktion in die gesellschaftliche, planmäßig geregelte, für die Umwandlung des heutigen Privateigenthums an Grund und Boden und Arbeitsinstrumenten in gesellschaftliches Eigenthum, und somit für die Aufhebung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Das Eingreifen des Staates in die privat wirthschaftlichen Verhältnisse ist erst dann sozialistisch, wenn es nach diesem Ziele hin geschieht. Eine Maßregel z. B., welche das Privateigenthum an Grund und Boden von der einen Hand in die andere gehen" läßt, ist in keiner Weise sozialistisch so nüßlich sie zu ihrer Zeit auch gewesen sein mag. Es ist eigentlich einer der besten Witze der Geschichte, daß nachdem man uns früher immer den albernen Vorwurf gemacht hat, wir wollten theilen, sich heute, vier Jahre nach Schaffung hat, wir wollten theilen, sich heute, vier Jahre nach Schaffung des Sozialistengesetzes, der Mann, der dieses infame Gesetz vor Allen betrieben, der damals von„ verbrecherischem Wahnsinn" gesprochen hat, vom Ministertisch herab dem deutschen Reichstag, und durch diesen dem deutschen Volke das Theilen wenn - als soziales Heilauch nur zu seinen demagogischen Zwecken mittel anpreist. Man höre nur: " 1 Wir werden den Bedürfnissen auf dem Gebiete des Sozialismus reformirend entgegenkommen müssen, wenn wir dieselbe Weisheit beobachten wollen, die in Preußen die Stein- und Hardenberg'sche Gesetzgebung bezüglich der Emanzipation der Bauern beobachtet hat. Auch das war Sozialismus, dem Einen das Gut zu nehmen und dem Andern zu geben, ein sehr viel stärkerer Sozialismus als das Monopol.( Bruber Bauer, beiß' an!) Ich freue mich, daß es so ge= tommen ist, daß man diesen Sozialismus geübt hat; wir haben dadurch einen sehr wohlhabenden, freien Bauernstand erhalten, und ich hoffe, wir werden mit der Zeit Aehn= liches für die Arbeiter erreichen." Was meint Ihr dazu, Proletarier? Das ist einmal ein Mann, der es gut mit Euch meint! Aus Eurer Mitte heraus einen sehr wohlhabenden, freien sagen wir, Unternehmerst and entwickeln, ist das nicht verlockend? Und wie einfach das Rezept ist! Man nimmt den Einen und gibt den Andern: man theilt. Einen Vorgeschmack davon liefert Euch die Steuerreform; die nimmt den Grundbesitzern die unbequeme Grundsteuer ab und gibt Euch dafür indirekte Steuern.„ Das ist auch Sozialismus!" Damit wäre denn das bequeme Auskunftsmittel gefunden, welches für alle sozialen Schäden Heilung schafft. Man tauft irgend eine alte verdorbene Flüssigkeit um und klebt ein neues Etiquett auf: Sozialistische Tropfen. Die herrschenden Klassen sind entzückt, daß ihnen das Ding so wenig Schmerzen macht, sie finden den Sozialismus gar nicht so übel, und dem Volt macht man weiß, daß es das Ziel seiner Wünsche erreicht hat, daß nun die Zeit des Sozialismus getommen ist. Daß es allmälig auch hinter diesen Schwindel tommen wird, daß sich die sozialistischen Tropfen", soweit sie dem Volke nicht direkt Schaden zufügen, sehr bald als Tropfen auf den heißen Stein erweisen, die, kaum niedergefallen, in nichts, Schwindel merkt, ist schon wieder ein neuer ausgeheckt, der den in Luft verpuffen, das thut nichts zur Sache. Bis das Volk den alten vergessen macht. Darum also vorläufig: Es lebe der S- ozialismus! Es gibt ein Gesetz gegen Lebensmittelfälscher, die Münz- und Banknotenfälschung wird mit Zuchthaus bestraft, wir haben ein Marken, ein Musterschutzgesez, aber gegen Ideenfälschung gibt es keinen Schutz, es steht jedem hergelaufenen Pfuscher auf dem Gebiete des öffentlichen Lebens frei, seinen Schwindel mit irgend einem Namen, der in der öffentlichen Meinung guten Kurs hat, zu belegen. Es gibt nur ein Mittel gegen solchen Unfug, und das ist ein energischer Protest von Seite der Geschädigten, und darum erheben wir immer wieder auf's Neue unsere Stimme gegen den Mißbrauch, der mit dem Worte Sozialismus heute von Oben her betrieben wird. Es gibt nur einen Sozialismus, und das ist der der demo= kratische; seine Grundlage ist die Beseitigung der Ausbeutung, des heutigen Lohnsystems. Wo dieses Fundament fehlt, ist auch tein Sozialismus vorhanden; was sich als Sozialismus ausgibt ohne es zu sein, ist ganz gemeiner Schwindel. | Verbrecher an Recht und Menschlichkeit eine heilige Pflicht ist. Das Volf muß die Elenden kennen lernen, welche es sich zum Beruf machen, seine Vorfämpfer zu mißhandeln, zu vergewaltigen, zu- verrathen. An der Spitze dieser schändlichen Gesellschaft steht in Posen der Mann, der seinem Amte nach der Wahrer des Rechts sein sollte, der Staatsanwalt Müller. Dieser Mensch ist, was Willkür, Grausamkeit und Ehrlichkeit anbetrifft, würdig, türkischer Pascha oder Staatsprokurator zu werden. Müller, der neben seinem Amt die Leitung des Gefängnisses hat, hat unsere Freunde, noch als sie in Untersuchungshaft saßen, auf das Grausamste zu quälen gesucht. Er gab gegen sie den Befehl aus: die Mörder, Räuber, Einbrecher, Sozialdemokraten und andere Verbrecher auf's Strengste zu überwachen und bei Tag wie bei Nacht stündlich deren Zellen zu revidiren. Daraufhin wurde die ganze Nacht hindurch Gas in den Zellen gebrannt, infolgedessen die Gefangenen bald von Augenentzündung und Kehlkopfleiden heimgesucht wurden. Die Prügelstrafe ist bekanntlich aus den Gefängnissen offiziell verbannt, an ihre Stelle sind die berüchtigten Stockprügel auf den Magen" getreten. Aus dem Maße, in welchem diese, für unsere Afterkultur und falsche Humanität aber nicht falsch im Sinne der Herren Prügelpädagogen bezeichnende Maßregel zur Anwendung kommt, erfieht man, was die Henker im Frack leisten würden, wenn Tortur und Beitsche noch herrschten. Unter dem Regiment und auf Anordnung des Herrn Müller wurde den Gefangenen wegen der geringsten Verstöße gegen das mit äußerster Raffinerie ausgearbeitete Reglement die Kost entzogen. Auf solche Weise gelang es Müller im vergangenen Jahre, 12,000 Marf an der Kost zu er- sparen, welche er als getreuer Beamter nach Berlin schickte. Das Geld tam mitsammt einer Belobigung, der die Hundemarke folgen soll, zurück, unter der Anweisung, es zu Remunerationen für die Unterbeamten 2c. zu verwenden. Die Unterbeamten haben indeß nie etwas davon zu sehen bekommen, Müller und einige obere Gerichtsbeamten haben es in ge- eigneterer Weise zu verwenden gewußt. Ueberhaupt ist in Bosen nahezu die ganze Gesellschaft käuflich und stiehlt ganz à la Rußland. " Dem ,, Wahrer des Rechts" stehen würdig zur Seite die ,, Anwälte des Rechts"; die Advokaten halten mit Polizei und Staatsanwaltschaft Stange" und spielen mit vertheilten Rollen die beliebte Komödie ,, Kampf um's Recht". So fing am Eröffnungstage der Verhandlung, kurz vor Eröffnung derselben, der Advokat Fahle( nach vorheriger Verständigung durch Augenzwinkern mit einem Polizeiinspektor) ein Gespräch mit Frau Jankowska über die Attentate an und fragte die Angeklagte um ihre Ansicht. Der Polizeiinspektor aber stand auf dem Posten, um zur Verwendung geeignete Aeußerungen sofort zu notiren. Der Advokat La Viseur, der Vertheidiger Trusz kowski's, bekam eine Antwort auf einen hinausgeschmuggelten Brief desselben in die Hände, und sein Erstes war, sie sofort dem Untersuchungsrichter auszuliefern. Bei solchen Gesinnungen ist es nur zu begreiflich, daß das Gericht mit der preußischen Regierung an Liebesdiensten schändlichster Art für den russischen Despotismus wetteifert. Frau Jankowska und Micha lowski wurden vom Untersuchungsrichter in Gegenwart eines russischen Spions vernommen, und zwar über lauter russische Angelegenheiten. Später sagte der Untersuchungsrichter mit zynischer Offenheit: dieses Protokoll ist nicht für das Gericht, sondern lediglich für Rußland. Der Spion wohut in Posen und nennt sich: Baron Frankenberg von Dobrowolski. Der Gipfel der Infamie ist es, daß es jetzt Regel ist, die Auslieferung aller russischen Gefangenen ohne Ausnahme Rußland anzubieten! Und wenn es nicht Rußland selbst wäre, welches meist auf die Auslieferung verzichtet, so wären die deutschen Gerichtshöfe thatsächlich nur die Vorhöfe der russischen. An Knechtseligkeit der Gesinnung sind die meisten ja den russischen noch weit über. Einer unserer verurtheilten Genossen, der zu einem Monat Haft verurtheilt gewesene Zigarrenarbeiter Krasniewski, der 1863 am polnischen Aufstande theilgenommen hatte, ist in der That an Rußland ausgeliefert worden. Ist eine größere Schmach denkbar? Wie die Leser schon erfahren haben werden, sind unsere Genossen Mendelssohn, Janiszewski und Truszkowski der größeren Sicherheit halbernach Plößensee übergeführt worden; sie waren mit Ketten belastet und hatten doppelte und dreifache Bewachung. Daß in Plötzensee die schönen Tage, wie sie Most in seiner Bastille" mit sehr überflüssiger Offenheit ( Er hat ja selbst dafür büßen müssen. Anm. d. Red.) schildert, längst nicht mehr vorkommen, ist bekannt. Das Hotel zum freundlichen Wirth" ist für politische Gefangene das, was für gemeine Verbrecher das Zuchthaus ist. Ja, es ist noch schlimmer, der Zuchthäusler leidet nicht die Seelenqualen, welche die scheinheiligen Beamten durch falsche Nachrichten, Drohungen 2c. den politischen Gefangenen zuzufügen wissen. Ueber dieses O deutsches Volf, wann wirst du einmal deine Bastillen stürmen! Freuen wir uns, daß man zu diesem Mittel gezwungen ist, um der sozialistischen Agitation in ihrem fiegreichen Vorwärtsdringen entgegenzuwirken, aber vergessen wir nicht, den Schwindel Thema bei anderer Gelegenheit. als solchen zu brandmarken, dem Volf einzuprägen, daß es nie vergesse, nachzuforschen, ob das, was ihm als Vogel angepriesen wird, auch Flügel hat. Haifische können nicht fliegen, und Ausbeuter werden ihr Lebtag feine Sozialisten. Vor Bauernfängern wird gewarnt! Verbrecher Album. Nachträgliches zum Prozeß unserer polnischen Genossen. Von einem zuverlässigen Freunde geht uns folgender Bericht zu, den wir nicht anders als im Verbrecher Album abdrucken können: Die Behandlung, welcher unsere Freunde in Posen ausgesetzt waren, ist eine so außerordentlich infame, daß eine Geißelung der betreffenden Briefe aus dem Reichstage. Berlin, 16. Juni. Bekanntlich hat der deutsche Reichstag eine Kommission niedergesetzt, um die Krankenkassen- und Unfallversicherungsvor lage für das Plenum vorzubereiten. Diese Kommission hat einen großen Theil ihrer Arbeiten schon erledigt und wird bei Wiedereröffnung im Herbst dem Reichstag ihre Beschlüsse unterbreiten. Die Manchestermänner im Reichstage, die Fortschrittler und Sezessionisten, haben nun bei der Frage, ob der Reichstag vertagt oder geschlossen werden solle, gegen die Vertagung gestimmt, um dadurch die Vorlage bezüglich der Krankenkassen und der Unfallversicherung zu verschleppen. Wenn der Reichstag nämlich geschlossen worden wäre, so witrde die bis jetzt geleistete Arbeit der Kommission einfach in den Papierkorb geworfen. Wenngleich nun auch unsere Abgeordneten mit den vorliegenden Kranken, kassen- und Unfallversicherungsentwürfen durchaus nicht einverstanden sind, so ist es aber im höchsten Interesse der Arbeiter gelegen, wenn diese Entwürfe so schnell als möglich einer eingehenden Debatte unterliegen. Manche in denselben enthaltenen Gedanken sind entschieden zu verwerthen, besonders die gegenseitige Verpflichtung der Krankenkaffen. Dann aber können auch Verbesserungsvorschläge zu den Gesetzentwürfen in ausgiebigfter Weise gestellt werden. Aus dem Verhalten der wahrhaft" Liberalen aber geht hervor, daß dieselben trotz ihrer arbeiterfreundlichen Phrasen lediglich darauf bedacht sind, die gegenwärtigen Zustände beizubehalten und somit der Ausbeutung der Arbeiter jeden Vorschub zu leisten. Die Monopolberathung in zweiter Lesung hat durch das Eingreifen Otto's des Streitsüchtigen" in weiteren Kreisen großes Inter| reciten groines Tuters effe erregt. Alle Parteien haben in die Debatte eingreifen können, da man volle vier Tage zur Erledigung des Gegenstandes brauchte. Es war eine Luft, zu hören, wie der„ todtmüde" Reichskanzler die Herren Liberalen und Fortschrittler abkanzelte und in bekannter Unverschämtheit sich selbst als den einzig wahren Repräsentanten des Volkes hinstellte. Ungemein lahm waren die Entgegnungen der Abgeordneten Bamberger und Richter. Beide verhimmelten nunmehr zum tausendsten Male den äußeren Reichskanzler, während sie ihrer Unzufriedenheit mit dem inneren Reichskanzler nur matten Ausdruck verliehen. Für so einfältig kann man diese beiden Leute doch nicht halten, daß sie nicht wissen sollten, daß gerade durch die Verherrlichung des äußeren Bismarck der jetzige innere so geworden ist, wie er ist. Diesem Gedanken gab Genosse Hasenclever( aus dessen Rede wir in nächster Nummer die bemerkenswerthesten Stellen zum Abdruck bringen werden. Anm. d. Red.) ganz besonders Ausdruck, indem er unter großer Heiterkeit des Hauses erklärte, daß jeder Mensch das Resultat seiner Erziehung sei, und daß die Liberalen durch ihr fortwährendes Bücken und Ducken sich diesen Reichskanzler erzogen hätten, und zwar zu einem Halbgott, der fie nunmehr mit Keulenschlägen trattire. Uebrigens ist es auch ungemein albern, die äußeren" Verdienste Bismarcks in den Himmel zu erheben; der Mensch hat lediglich Glück gehabt. Wäre bei Königgräß die preußische Armee geschlagen worden, und es war nahe daran, so würden dieselben Liberalen denselben Bismarck einen Esel nennen, die ihn von da ab gleich einem Gözzen verehrt haben. Der sozialistische Redner erklärte, daß die Sozialdemokraten gegen das Tabakmonopol stimmten, weil dasselbe nicht sozialistisch sei, wäre es sozialistisch, so würden sie, trotzdem Bismarck es darbiete, natürlich für dasselbe stimmen. Auf den Appell Bismarck's an den Patriotismus des Reichstags, erwiderte Hasenclever, daß der Kanzler das Vaterland mit der gegenwär tigen Reichsregierung verwechsele. Das Vaterland liebten auch die Sozialdemokraten, um so mehr, je unglücklicher und geknechteter es sei, aber ein Reich, in dem Ausnahmegesetze, Militarismus, Polizeiwirthschaft, kurzum völlige Reaktion herrschen, sei kein Vaterland, sondern eine Rabenmutter für die solchermaßen Geächteten und Geknechteten. Mit Polizeiwirthschaft aber würde man nimmermehr die Menschen zum Patriotismus erziehen. Bim Bam- Bamberger hatte mit großem Pathos die Erklärung abgegeben, durch die Ablehnung des Monopols schützten die Liberalen ein Stück bürgerlicher Freiheit dieser selbe Mensch will die bürgerliche Freiheit schützen, der für das Sozialistengesetz gestimmt hat. Diese freche Anmaßung wies Hasenklever mit der Erklärung zurück, daß Bamberger sich nur versprochen habe, es müsse anstatt bürgerlicher Freiheit heißen: bürgerliche Ausbeutung. Die ganze Berathung des Monopols war eine für die Sozialdemokratie äußerst nützliche und interessante: tertius gaudet wenn sich zwei in den Haaren liegen, freut sich der Dritte. Und dieser Dritte, die Sozialdemokratie, gab solcher Freude auch genügenden Ausdruck. Da über den Antrag der Monopolkommission nach der endgiltigen Verwerfung des Tabakmonopols noch besonders abgestimmt werden mußte, war es nothwendig, daß die sozialdemokratische Fraktion auch zu diesem rag Stellung nahm. Mußte man sich nun dafür entscheide daß unter den gegebenen Verhältnissen für den Antrag zu stimmen war, so war es doch angesichts der Fassung desselben dringend geboten, dieses Votum zu motiviren. Ein Blick auf den Antrag der Monopolkommission bekannter unter dem Namen Resolution Lingens" das sofort zeigen. Derselbe lautete oder lautet: Der Reichstag wolle beschließen: wird 1) Den Gesezentwurf, betr. das Reichstabakmonopol, in allen seinen Theilen§§ 1-72, abzulehnen; 2) zu erklären: Daß nach der erst durch Gesetz vom 16. Juli 1879 erfolgten Erhöhung der Tabakstener eine weitere Belastung und Beunruhigung der Tabakindustrie um so mehr unstatthaft erscheint, als die vorhandenen und in Zunahme begriffenen Einnahmen, sowohl im Reiche als auch in den Einzelstaaten, bei angemessener Sparsamkeit voraussichtlich Mittel bieten, die öffentlichen Be dürfnisse zu befriedigen und bestehende Mängel in der Steuerund Zollgesetzgebung auszugleichen." Unsere Vertreter einigten sich über folgende Erklärung, die im Namen der Fraktion von Geiser verlesen wurde: In Bezug auf den Kommissionsantrag erklären wir: daß wir für den ersten Theil desselben, der das Reichstabaksmonopol einfach ablehnt, ohne Vorbehalt und Zusatzbemerkung stimmen Tönnen. Den zweiten Theil des Kommissionsantrags können wir jedoch nicht anders als unter ausdrücklichem Vorbehalt annehmen. Der Passus, daß sowohl im Reiche als in den Einzelstaaten, bei angemessener Sparsamkeit hinreichend Mittel zur Befriedigung der öffentlichen Bedürfnisse vorhanden seien, stimmt mit unseren Anschauungen nicht überein. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß es sich keineswegs allein darum handeln sollte, unter Beibehaltung der herrschenden Regierungsgrundsätze verhältnißmäßig geringfügige Ersparnisse zu machen, sondern durch Aenderung des Systems die gegenwärtigen Staatsausgaben im großen Maßstabe zu beschränken, hauptsächlich dadurch, daß der herrschende Militarismus durch ein volksthümliches Wehrsystem ersetzt wird. Ferner sind wir der Ansicht, daß zur Befriedigung der öffentlichen Bedürfnisse Mittel gehören, über deren Umfang von vornherein nicht geurtheilt werden kann, die wir aber bewilligen würden, wenn wir von der Ehrlichkeit und Zweckmäßigkeit der betreffenden Maßregeln überzeugt wären. Dabei halten wir für nothwendig, zu betonen, daß wir unter Befriedigung der öffentlichen Bedürfnisse die radikale Aufhebung des Masserelends durch Beseitigung der tapitalistischen Produktion und unter wirksamen Bürgschaften der politischen und pers sönlichen Freiheit verstehen. Wir stimmen trotz dieser Ausstellung für den ganzen Kommissionsantrag, weil er die Grundlage, welche sich die Regierung für ihre fogenannten Reformen gewählt hat, das Monopol, auf das entschiedenste ablehnt; weil er sich, wenn auch nur andentungsweise, gegen die Mittel zur Ausführung dieser Maßregeln: die gesammten indirekten Steuern, fehrt, die wir gleichfalls als ungerecht und gemeinschädlich verwerfen; und weil wir in ihm überhaupt ein Mißtrauens votum gegen das ganze bisherige Regierungs. system erblicken. Am Freitag, am letzten Sigungstage, fam auch die Jnterpellation Grillenberger wegen der Spigelei gegen die sozialistischen Abgeordneten zur Sprache. Dieselbe lautete: „ Geschieht es im Auftrage der Reichsregierung oder der Kgl. preußischen Regierung, daß die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichstages, sowie mit ihnen verkehrende Personen durch geheime Agenten der Berliner Polizei in der zudringlichsten Weise auf Schritt und Tritt verfolgt und überwacht werden? Und was gedenkt die Reichsregierung zu thun, um die Würde des Reichstages und die betreffenden Mitglieder des Hauses gegen dies Behandlung zu schützen?" Grillenberger zog in seiner bekannten Manier ganz gehörig vom Leder und geißelte mit fräftigen Worten die niederträchtige Art und Weise, mit der er und seine sozialistischen Kollegen von Madai's Spürhunden auf Schritt und Tritt verfolgt, abgeschnüffelt und belästigt werden. Er drohte ganz offen mit rücksichtslofer Selbsthilfe, wenn dieses standalöse Treiben nicht ein Ende nehme. Herr von Bötticher, als Regierungsvertreter, wußte von gar nichts und erwartete den Gegenbeweis. Die Reichsregierung hat einen Auftrag, die sozialistischen Abgeordneten zu verfolgen, nicht gegeben, ich kann daher dem Herrn Interpellanten mur rathen, einen solchen Mann einmal zur Feststellung seiner Persönlichkeit zu veranlaffen and eventuell bei der preußischen Polizei bezw. Regierung im Instanzenweg Beschwerde zu führen. Diese lendenlahme Antwort wurde von Lasker( Liberal), Günther( Fortschritt) und Frohme als in jeber jeder Beziehung angenügend bezeichnet, und von allen drei Rednern die Spigelei scharf verurtheilt. Buttkamer, der Vorgesetzte und Mitschuldige Madai's, hatte es vorgezogen, während der ganzen Debatte über diesen Gegenstand, sich in irgend einem Nebenraum des Hauses zu verkrümeln, erst als sie vorüber war, erschien er wieder. Das Resultat war übrigens das gleiche. Er und seine Helfershelfer waren ganz gehörig blosgestellt worden, und durch sein Fernbleiben hat er nur sein schlechtes Gewissen dokumentirt. Die unverblümte Drohung unserer Genossen, sich eventuell selbst zu helfen, hat übrigens doch gefruchtet. Am Tage nach der Debatte hielten sich die Madai'schen Schweißhunde in respektvollster Entfernung. Die Sozialdemokratie kann mit dem Verlauf der gegenwärtigen Seffton zufrieden sein. Unsere Vertretung im Reichstage. glaube, daß, wenn einmal der Gegenstand behandelt wird, man immerhin die Frage aufwerfen muß, ob der Bundesrath überhaupt eine Auskunft verweigern durfte oder nicht, und ich glaube, das bestreiten zu dürfen. Es handelt sich gegenwärtig um kein Gesetz; es wurde nichts anderes gethan, als daß man die Vermittelung des Bundesraths angerufen hat. Bei der Verhandlung dieses Gegenstandes vom 14. Januar 1882 erklärte der Herr Staatssekretär v. Schelling, daß es dem hohen Hause gewiß zustehen würde, sich eine Auskunft zu erbitten, wenn irgendwie die Deforgniß vorläge, daß der Immunität( Inverletzlichkeit) der Abgeordneten durch die Verhaftung des Abgeordneten Dietz zu nahe getreten sei". Diese Auskunft ist erbeten worden durch die Form des Beschlusses des Reichstags; eine Auskunft ist aber durch den Beschluß, den der Bundesrath gefaßt hat, gar nicht gegeben worden, er hat uns seine Vermittelung versagt; und daß der Immunität des ganzen gesetzgebenden Körpers nahe getreten ist, das glaube ich später noch durch die detaillirte Darstellung des Vorgangs beweisen zu können. Wenn man sich die Thatsachen vergegenwärtigt, so muß man sich sagen, daß es schon die Würde des Reichstags erfordert, diesen Gegenstand näher zu erörtern, und daß eben aus der Behandlung heute der Grund gefunden werden kann, späterhin bestimmte Anträge zu formuliren. Man glaubt so oft die Würde des Reichstags verletzt, wenn Mitglieder die Auszählung beantragen, wenn Kommissionen nicht lange genug über Regierungsentwürfe verhandeln; ich halte es aber für weit schlimmer an der Würde des Reichstags gefehlt, wenn man den einzelnen Abgeordneten, ohne Rechtsgründe zu haben oder überhaupt ohue nach den Bestimmungen der Verfassung sich zu richten ,. plötzlich verhaftet und ihn so verhindert, seiner Pflicht, hier an den Sitzungen Theil zu nehmen, nachkommen zu können. Der§ 31 der Reichsverfassung ist im vorliegenden Fall verlegt worden und er schafft kein Privileg für den einzelnen Abgeordneten, sondern für den ganzen Reichstag. Er soll eben ein Schutz gegen Vergewaltigung während der Sitzungsperiode sein, und dieser Schutz ist gewiß ſehr gering. Ich erlaube mir nur beiläufig zu bemerken, daß wir den einzigen Arbeiterabgeordneten des Zentrums, den Abgeordneten Stöbel, vermissen müssen, weil er im Gefängniß gehalten wird auf sign Grund eines rechtskräftigen Erkenntnisses, und daß die sonst so starke Partei des Zentrums sich noch nicht veranlaßt gesehen hat, irgend etwas für die Freilassung ihres Gesinnungsgenoffen zu thun, damit er mitarbeiten fann und die Ansichten der katholischen Arbeiter rein hervortreten.. Außerdem find ja unsere Privilegien im Vergleich zu denen des Reichstanzlers außerordentlich gering; wir fönnen furz vor und nach der Session verhaftet und eingesperrt werden; wir können nicht, wie der Reichskanzler, das eine Mal hinter den Beamtenposten, das andere Mal hinter den Militärposten uns verstecken, um uns vor Prozessen zu wahren. Im Nachstehenden geben wir aus verschiedenen Reden unserer Abgeordneten Auszüge nach dem stenographischen Bericht, da für vollständigen Abdruck derselben uns der Raum mangelt. Am 9. Juni nahm bei Gelegenheit des Antrages Schmidt auf Herabsetzung der Zölle für Westgarn Genosse Stolle Gelegenheit, die ganze neue Wirthschaftspolitit Bismards zu tenn zeichnen. Wir entnehmen seiner Rede folgende Stellen: - Meine Herren, es ist sogar von einem anderen Redner, es war der Abgeordnete Leuschner( Eisleben), damals kühn behauptet worden, daß durch dieses neue Wirthschaftssystem des Herrn Reichskanzlers sogar die Arbeitslöhne gestiegen wären. Dieser Herr führte unter anderem an, und zwar aus dem Bericht des Bochumer Vereins für den Bergbau und die Stahlfabrikation, daß die dortigen Arbeitslöhne vom Jahre 1877, wo sie 912 Mart betrugen, im Jahre 1881 auf 960 Mt. Durchschnittslohn gestiegen seien. Dieser Bericht hat nun auch einzelne meiner Freunde veranlaßt, sich bei den Arbeiten des dortigen Werks zu erkundigen, ob denn wirklich ein so gewaltiger Ausschwung eingetreten ist und ob eine Verbesserung der Arbeiterverhältnisse eingetreten sei, und hat man gerade das Gegentheil erfahren, wenn auch zugestanden werden muß, daß ein etwas größerer Export stattgefunden hat. Aber zunächst muß mit vollem Recht konstatirt werden, daß der Arbeitslohn nicht um einen Pfennig besser geworden ist. Man hat da, wo die Arbeiter im Hüttenwerke im Tagelohn standen, eine oder zwei Stunden mehr Arbeitszeit auferlegt. Da wo sie auf Stüd arbeiteten, hat man so zu sagen etwas mehr Arbeitskraft aus den Arbeitern herausgepreßt. Der Arbeitslohn hat im Jahre 1878/79 pro Kopf 802 Mark betragen, dagegen im Jahre 1881/82 884 Mart. Nun, meine Herren, durch die Ueberanstrengung der Arbeiter ist es natürlich möglich geworden, daß ein paar Mark mehr verdient worden sind, aber die Stunden hat er nicht besser bezahlt bekommen; ebenso ist der Lohn für die Stückarbeit nicht beffer geworden, nur hat der Arbeiter mehr Stückarbeit liefern müssen, ähnlich wie der Manufakturarbeiter im sächsischen Erzgebirge. Jm vorigen Jahre hat der Reichstag eine Erhöhung des Eingangszolles auf fertige Webwaaren angenommen. Als dies bekannt wurde, setzten die Arbeiter eine leise Hoffnung darauf; fie glaubten, daß auch für sie eine Zeit kommen werde, wo ihre Lage sich verbessern würde. Aber die Ar beiter haben sich schwer getäuscht. Man hat die Stücke, die früher eine Länge von 70-80 Ellen hatten, jetzt auf 112-120 Ellen hinaufgeschraubt; man hat zwar für das Stück ungefähr eine Mart mehr Lohn gezahlt, aber wenn man in Betracht zieht, daß die Stücke um 30 bis 40 Ellen länger geworden sind, hat sich der Arbeitslohn nicht verbessert, sondern im Gegentheile noch verringert. Nun, meine Herren, in Anbetracht dieser Thatsachen ist vollständig bewiesen, daß diese neue Wirthschaftspolitik nicht im Stande ist, unsere Verhältnisse dauernd zu verbessern, auch nicht im kleinsten Maße zu verbessern, wenn man die gesammte Lage in's Auge faßt. Wohl ist hier und da in einzelnen Branchen ein kleiner Aufschwung eingetreten, aber was soll das heißen dem großen Ganzen gegenüber, wenn so viele andere Branchen leiden! Wir haben auch bis jetzt, und namentlich durch die jenige Richtung, die der Schutzzollpolitik zugethan war, einen Interessenfampf im schlimmsten Sinne des Wortes erlebt. Noch bei der zweiten Lesung hier hat man erleben müssen, daß ein Abgeordneter, der zugleich Ritterguts befizer und Großfabrikant ist, wohl für eine Verringerung des Eingangszolles auf Hartgarne stimmte, aber gegen die Verringerung des Schmalzzolles stimmte, damit seine Arbeiter, die nicht in der Lage find, fich theure Butter kaufen zu können, doch theures Schmalz kaufen müssen; gerade mit seiner Hilfe ist der Antrag auf Verringerung des Schmalzzolles zu Falle gekommen. Nun, ich kann ja den Namen nennen, es war der Herr Abgeordnete Leuschner( Sachsen). Seine Wähler, die zu Hunderten im Weberstande zu suchen sind, werden sich bei ihm dafür bedanken. Ich will nur noch einen Punkt herausgreifen, den der Herr Abgeordnete Leuschner( Eisleben) angeführt hat. Der Herr Abgeordnete sagte, die hohen Getreidepreise, die wir in den letzten Jahren hatten und zum Theil noch haben, stehen nicht im geringsten Zusammenhange mit dem Zoll, sie sind Folgen von Mißernten und es kann in der That nicht als richtig angesehen werden, wenn diese Verhältnisse immer und immer wieder dazu benügt werden, die Schuld von der Erhöhung der Preise auf den so unschuldigen Zoll zu schieben. Nun, meine Herren, wenn also der Zoll nicht die hohen Getreidepreise gebracht hat, wie kommt denn direkt dieser Zoll der Landwirthschaft zur Hilfe? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Schutzölle werden niemals unserer Landwirthschaft helfen, im Gegentheil werden durch sie alle Artikel, die der Landwirth für sich und seine Familie braucht, vertheuert, so daß, wenn er selbst durch die Getreidezölle einen Nutzen bekäme, er auf der anderen Seite viel mehr zahlen muß. Ja, man kann sagen, daß die Thatsachen Alles widerlegt haben, was bis jetzt an Lobreden über die neue Wirthschaftspolitik gehalten worden ist. Ich kann aus voller Ueberzeugung sagen, daß, wenn man man gril no fich brechen wirklich unsere Zustände dauernd beſſern will, mit unserem jetzigen politischen und wirthschaftlichen System. Soll es wirklich anders werden, dann, meine Herren, muß ein gründlicher Umschwung geschehen, ſonſt sind unsere Reden nichts, ist unsere Arbeit ein Flickwerk und wird auch immer ein Flick wert bleiben. Der Fall Diet" fam am 10. Juni auf's Neue zur Sprache, und zwar war es Genosse Kayser, der bei dieser Gelegenheit eine Lanze gegen den Bundesrath und, die deutschen Richter einlegte. Folgende Stellen scheinen uns die bemerkenswerthesten, da wir die Einzelheiten über die Verhaftung von Dietz als bekannt voraussetzen:> Der Antrag, welcher von den Herrn Abgeordneten Hasenclever eingereicht ist, ging dahin, daß die Auskunft des Bundesraths über den Beschluß des Reichstags wegen Verhaftung des Herrn Abgeordneten Diez eine unvollständige sei, und daß verschiedenes vom Reichstage Beschlossenes nicht die gehörige Erledigung durch den Bundesrathsbeschluß gefunden habe. Ich Der Fall Diez erfordert auch deshalb ganz besondere Erwägung, weil das ganze Verfahren, wie es damals gerichtlich erhoben wurde, niebergeschlagen werden mußte. Der Vertreter der Bundesregierung, Herr von Bötticher, hat uns damals gesagt, es müßte Hochverratha vorliegen, eine solche plöbliche Verhaftung tönne bei einer gewöhnlichen Verlegung des Ausnahmegesezes gar nicht eintreten. Es hat sich aber thatsächlich nur gehandelt um eine Verbreitung verbotener Druckschriften, und es hat sich herausgestellt, daß überhaupt gar keine strafbare Handlung vorliegt, daß einfach der Leichtsinn eines Amtsrichters, dienicht genügende Prüfung des vorliegenden Materials, der sogenannten„ Ueberführungsstücke", dahin geführt hat, daß mitten während einer Reichstagssession ein Reichstagsabgeordneter durch eine Verfügung eines noch obendrein nicht kompetenten Richters in Haft gehalten wurde. Es fehlt nun völlig an einer Auskunft des Bundesraths, ob der Herr Reichskanzler irgendwie einen Versuch gemacht hat, die Sache zu prüfen, ob nicht disziplinarisch oder strafrechtlich gegen den Stuttgarter Amtsrichter eingeschritten werden müffe. Der Herr Staatssekretär von Schelling ist seinerzeit von soviel Rechtsgefühl getragen gewesen, hier ausdrücklich zu sagen, daß die Frage geprüft werden müßte, ob die Verhaftung nach§ 31 zulässig wäre oder nicht, und er hat dann beigefügt: Und wenn der Amtsrichter, der den Haftbefehl erlaffen, gegen das Gesetz gefehlt hat, dann ist der Disziplinarweg oder strafgerichtliche der geeignete, der von dem Gesetz geforderte Weg. Das ist das, was der Herr Staatssekretär uns als Vertreter des Bundesraths erklärte, und darum können wir uns nicht mit der Auskunft befriedigt erklären, die gegeben worden ist. Die gewöhnliche Abehnung des Beschlusses genügt nicht; es hätte uns gesagt werden müssen: was ist geschehen, hat der Amtsrichter recht verfahren, oder mußte eine disziplinarische oder Strafhandlung gegen den Amtsrichter eintreten? Ich werde nun, da ich weitere Ausführungen nicht machen kann, und das ganze Haus sich bei dieser Frage seiner Zeit durch den Beschluß um Auskunft interesfirt hat, der ja fast mit zwei Drittel Majo rität angenommen worden ist, einen selbständigen Antrag einbringen, und ich hoffe dann nicht nur auf die Unterstützung für den Antrag sondern ich hoffe auch noch, daß er trotz unserer schwierigen Geschäftslage hier zur Verhandlung kommen wird. So wie ich jetzt beschränkt bin, ist es unmöglich, das wichtige Inter effe, welches das ganze Haus an diesem Fall hat, genügend erörtern zu können, ich glaube nur das eine muß noch hervorgehoben werden, daß der Reichstag sehr wohl ein Interesse daran hat, die heut zu Tage fo ungeheuer start auftretende Anmaßung des deutschen Richter standes etwas zu dämpfen, diripisy ( sehr richtig!) und wenn der Fall Diez dazu beiträgt, dann entspringt aus diesem nicht nur ein Vortheil für den Schutz unserer Privilegien, sondern für die ganze Nation, weil hoffentlich unsere Richter daraus ler' nen, bescheidener und gefeßmäßig aufzutreten. ( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Präsident: Ich kann nicht zulassen, daß der Herr Abgeordnete den deutschen Richterstand beschuldigt, nicht gesetzmäßig zu verfahren; ich muß den Herrn Abgeordneten wegen des bezüglichen Ausdrucks zur Ordnung rufen.ba:80 dr Sozialpolitische Rundschau. doubts and 3 trich, 21. Juni 1882. Proletarier, vergeßt Eure Todten nicht Mit diesem Mahnruf wollen wir die heutige Rundschau beginnen. Es sind die Junikämpfer von Paris, deren wir am Jahrestage ihrer Niedermezelung mit denselben Gefühlen gedenken, welche uns erfüllten, als wir zum ersten Male von denselben erfuhren. Mit Bewunderung und Liebe gedenken wir Eurer, Ihr tapferen Proletarier, die Ihr Euer Leben kühn in die Schanze schlugt, um die Republik, welche Ihr in den Februartagen des Jahres 1848 erkämpft, und der Ihr drei Monate des Elends geopfert hattet, zu einer wirklichen, zu einer sozialdemokratischen zu gestalten. Ihr saht Euch getäuscht, verrathen von der Bourgeoisie, die durch Euch an's Ruder gekommen war. Sie hatte ihr Ziel erreicht, ste saß im Sattel und beeilte sich, Euch den Fußtritt zu geben, Euch zu sagen: ich brauche Dich nicht mehr! Da erfaßte Euch Verzweiflung, noch einmal stiegt Ihr auf die Barrikaden, aber Eure Feinde hatten wohl gewußt, was sie thaten, sie hatten den Kampf vorbereitet, und die Sol daten der„ Ordnung" marschirten, aufgehetzt durch geflissentlich verbreitete Lügen, tampfluftig gegen Euch, Ihr Soldaten der Verzweiflung". Drei Tage wehrtet Ihr Euch heldenmüthig, bis Ihr besiegt am Boden lagt, mit Euch die Republik. Eure Feinde wateten triumphirend in Eurem Blute, mit teuflischer Grausamkeit mißhandelten sie Diejenigen von Euch," die ihnen lebend in die Hände gefallen waren. Deportation und Bagno waren das Schicksal Eurer Ueberlebenden.spiti po puldin Eine Ermahnung aber sei uns Euer Gedenktag, daß Eure Niedermegelung noch nicht gefühnt ist. Eure Mörder deckt zwar großentheils gleichfalls das Grab, aber die Klasse, welche Euch ermorden ließ, welche nach Verlauf taum eines Menschenalters in der blutigen Maiwoche das entsetzliche Morden in verstärkter Auflage wiederholte, die Bourgeoisie, " ist noch immer am Ruder, die Republit, für die Ihr Euer Leben hingabt, in der es keine Herrscher mehr und keine Beherrschte, teine Ausbeuter und teine Ausgebeutete gibt, die Republik, in der die Worte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit keine Lüge find, diese Republik gilt es noch immer zu erringen. bolsid Und daß wir im Kampf für diese Republik nicht nachlassen, alle Opfer, die er uns auferlegt, freudig tragen, dazu begeistert uns Euer Gedächtniß, hr, siegenden Geschlagenen!" - Ja, unsere Sache ist unbesiegbar, unüberwindlich die Sache des Proletariats. Ob man, wie in Frankreich, seine Vorkämpfer niedermezzelt, ob man sie, wie in Deutschland, in Noth und Elend hinausjagt, immer treten kühn und unverzagt neue Streiter in die Lücken, immer wieder sehen sich unsere Gegner einer neuen, kampfbereiten Armee gegenüber. Die Nachrichten, welche uns aus dem gefährdetsten Punkte in Deutschland, aus Berlin, zugehen, erfüllen uns mit hoher Begeisterung, mit freudiger Siegeszuversicht. Unsere waderen Genossen in Berlin find unverzagt auf dem Posten und wo immer sie nur können, legen ste furchtlos Zeugniß dafür ab, daß sie fest und unerschrocken zur rothen Fahne halten. Am Sonntag, den 11. Juni, sollte im Saale des Handwerkervereins eine allgemeine Versammlung der vereinigten Gewerkschaften stattfinden, um die bekannte Resolution zu Gunsten des Normalarbeitstages zu berathen. Schaarenweise strömten die Berliner Arbeiter nach der Sophienstraße, denn schon hatte sich das Gerücht verbreitet, daß unsere Abgeordneten in der Versammlung anwesend sein würden. Aber auch der Vorstand des Handwerkervereins hatte so etwas gemerkt und daher echt liberal! beschlossen, seinen Saal nicht herzugeben, sondern zum Schuße deffelben Polizei requirirt, die auch sofort, und zwar in berittenen und unberittenen Exemplaren, zur Stelle war. Die Arbeiter fanden das Lokal verschlossen, aber sie machten nicht Kehrtum, sondern in kaum einer halben Stunde hatten sich mehr als fünftausend Menschen in der Sophienund Rosenthalerstraße angesammelt. Und als unsere Abgeordneten Frohme, Grillenberger, Kayser, Liebknecht und Vollmar erschienen, da brachen die Massen, unbekümmert um geheime und uniformirte Polizei, in ein mächtiges, Hoch die Sozialdemo tratie!" aus. Die zwei größten Lokale der Rosenthalerstraße waren im Augenblicke von unseren Genossen besetzt, und alsbald ertönten die Marseillaise und andere sozialistischen Lieder. Wir halten aus! riefen die Arbeiter unseren Abgeordneten zu, wir laffen Euch nicht im Stich! Und als es Zeit zum Scheiden war, geleiteten sie sie bis zur Droschke Vollmar muß bekanntlich fahren und schieden von ihnen unter fortgesetzten Hochs! Der Eindruck war auf alle Betheiligten ein überwältigender, die Baffanten auf der Straße- es war Sonntag und in Folge der Eröff nung des Schüßenfestes sehr belebt sammelten sich gleichfalls in erheblicher Zahl an und gaben ihr Erstaunen und vielfach auch ihre Sympathie deutlich zu erkennen, die Lokalberichterstatter sprachen einstimmig von einer großen sozialdemokratischen Demonstration"- mit einem Wort, unsere Berliner Genossen haben wieder einmal gezeigt, daß sie, wo es darauf ankommt, wacker ihren Mann stellen. Und wir glauben im Namen aller aus Berlin Ausgewiesenen und Hinausgemaßregelten, aller Derer, welche in Berlin mitgewirkt, zu sprechen, wenn wir der wackeren Besatzung in der Hauptstadt des deutschen Reiches ein dreifaches Hoch! zurufen. Bravo, Ihr unerschrockenen Mitstreiter! Eine historische Erinnerung. Also die Stein- Hardenberg'sche Gesetzgebung bezüglich der Bauernemanzipation war Sozialismus, meint Bismard! Daß diese Analogie nur mittels eines Mißbrauchs des Wortes Sozialismus möglich ist, ist in unserem Leitartikel nachgewiesen worden, wir wollen uns nicht weiter damit beschäftigen. Aber die Emanzipation der Bauern war zu ihrer Zeit unzweifelhaft etwas Gutes, und darum ist es ganz interessant, an die Umstände zu erinnern, unter denen fie damals vor sich ging. Wenn Bismarck sich nämlich heute freut, daß es so gekommen ist", so war das seiner Zeit durchaus nicht die Ansicht seiner Standesgenossen. Die preußischen Junker waren damals gar nicht erfreut, daß es so gekommen war, sie boten vielmehr Alles auf, um die Bauernemanzipation zu hintertreiben, und als ihnen das nicht gelang, sie wenigstens so viel als möglich zu beschränken, den Bauern und dem Staat dabei das Fell über die Ohren zu ziehen. Mit dem Einen geben, dem Andern nehmen" hatte es nämlich seine ganz eigene Bewandtniß; so wie Bismarck die Geschichte hinstellt, ist sie nämlich nicht hergegangen, die Bauern haben für ihre„ Emanzipation" ganz gehörig blechen müssen. Aber sie wurde doch bewerkstelligt. b Nehmen wir das Faktum hin und fragen wir lieber: unter welchen Umständen wurde sie bewerkstelligt? Die Antwort lautet: Infolge der französischen Revolution und Jena! Die französische Revolution hatte den mächtigen Anstoß gegeben, in Frankreich war die Emanzipation der Bauern auf revolutionärem Wege erfolgt, unter dem Rufe: Friede den Hütten, Krieg den Palästen!" hatten die wackeren Jaques den„ Seigneurs" so eindringlich die Nothwendigkeit ihrer Emanzipation gepredigt, daß diese entweder ganz und gar davonliefen oder, um im Lande bleiben zu können, hochherzig" auf ihre Privilegien verzichteten. Es waren zum großen Theile die befreiten Bauern, die das reaktionäre Europa, welches die„ Ordnung" in Frankreich wiederherstellen wollte, zum Lande hinaustrieben, sie bildeten die Kerntruppen der Napoleon'schen Armeen, und sie waren es, welche im Jahre 1806 bei Jena die preußische Armee, welche noch immer von dem Ruhme Friedrich's II., von den glorreichen Siegen bei Roßbach und Leuthen zehrte, so total in die Pfanne hauten, daß es mit der ganzen Herrlichkeit des„ herrlichen Kriegsheeres" total vorüber war. Erst nachdem es bei Jena geschlagen war, und auch da noch sehr widerwillig, ließ sich das preußische Königthum herbei, die Bauernemanzipation in die Hand zu nehmen. aba godognel Wir sind Bismarck sehr dankbar, uns diese Thatsache in's Gedächtniß gerufen zu haben, in einer Rede, deren steter Refrain darauf hinauslief: Nur die Hohenzollern haben ein Herz für das Volk! Aus Leipzig, 16. Juni, schreibt man uns: Der Belagerungszustand ist todt, es lebe der Belagerungszustand! wird in wenigen Tagen, wenn das erste Jahr des„ Kleinen" herum ist, die Losung sein. Alle Gefahr für den kleinen" ist glücklich beseitigt. Der Staat, das heißt der Belagerungszustand, ist gerettet Dank der staatsretterischen Thätigkeit unferes Richter's und unserer Richter. Von der Erbärmlichkeit des Ha as habe ich bereits erzählt. Enders und Rauscher sind der denunziatorischen Verlogenheit dieses Lumpen zum Opfer gefallen. Die Sache hat aber vor dem Gerichte( noch ein recht hübsches Nachspiel gehabt. Auf die Denunziation des Haas hin wurde ein hiesiger Schriftsetzer angeklagt, Geld für Parteizwecke gesammelt und den„ Sozialdemokrat" verbreitet zu haben. Zum Glück hatte aber der Haas seine Denunziation so ungeschicht gemacht, daß er selbst mitangeklagt werden mußte. Der Prozeß, welcher vor etwa 14 Tagen zur Berhandlung kam, hatte nun kuriosen Verlauf. Der Haas verwickelte sich in allerlei Widersprüche, kompromittirte die Polizei entsetzlich, indem er beichtete, daß er Geld von ihr für denunziationen erhalten habe fland 4 Mark ein, was wohl nicht Alles ist indeß, unsere Polizei zahlt mitunter sehr schlecht); kurz, ritt sich und seine Polizeigönner so herein, daß das Gericht den Denunzianten wegen verbotenen Sammelns zu 4 Wochen Gefängniß verurtheilte, den Denunzirten dagegen freisprach. ( er ge Hatte das Gericht in diesem Falle der staatsrettenden Polizei nicht die gewünschten Handlangerdienste geleistet, so zeigte es sich acht Tage später des Vertrauens der Polizei um so würdiger. Es handelte sich um die auf Grund von Privatdenunziationen und Polizeischnüffeleien gegen die Parteigenoffen Künzel, Lauschte und Apisch erhobene Anflage des Geldsammelns für Parteizwecke. Die Geldsammlung wurde unumwunden eingeräumt. Aber das Geld war für die Familien der Ausgewiesenen gesammelt worden, und das ist denn doch nichts Strafbares. Soweit sind wir noch nicht. Leider beging einer der Angeklagten, der sich der Nothwendigkeit, den Zweck der Geldsammlungen scharf zu präzifiren, nicht genügend bewußt war, die allerdings unverzeihliche Unvorsichtigkeit, im Verhör zu sagen, der Ertrag der Sammlung sei für die Ausgewiesenen statt für die Familien der Ausge wiesenen bestimmt gewesen. Und hieran klammerten sich Ankläger, Schöffen und Richter, und alle drei Angeklagten wurden schuldig befunden und Künzel und Lauschke je zu 2, Apitzsch zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt. Natürlich haben die Verurtheilten appellirt, das wird ihnen jedoch sehr wenig helfen; jedenfalls werden sie, sobald ihre Haftzeit zu Ende ist, aus Leipzig und Umgegend ausgewiesen, d. h. in ihrer Existenz rui nirt werden. Die Thatsache dieser Verurtheilung kennzeichnet so recht die Nichtswürdigkeit unserer herrschenden Zustände und Personen. Ich sage ausdrücklich und wohlüberlegt: Personen. Denn es ist absolut nothwendig, daß wir die Zustände persönlich nehmen und uns auch an die Personen unserer Verfolger halten. Doch nun zur Verurtheilung. Weshalb erfolgte dieselbe? Weil nach Feststellung" des Gerichtes für die Ausgewiesenen Geld gesammelt worden war. Das gesammelte Geld sollte zu ihrer Unterstütung verwendet werden. Daß sie, richtiger: viele von ihnen, der Unterstützung bedürftig sind, ist unzweifelhaft. Viele der Ausgewiesenen sind notorisch durch ihre Ausweisung existenzlos gemacht, in das größte Elend versetzt worden. Wer diese Unterstützungsbedürftigen unterstützt, erfüllt eine einfache Menschenpflicht. Und für die Erfüllung dieser Menschenpflicht 1 Monat, 2 Monate Gefängniß! Und das in einem Staate, der sich„ Rechtsstaat“ und„ chriftlicher Staat" schimpft; zu einer Zeit, wo das praktische Christenthum" von der Reichsregierung und auch speziell von der sächsischen Regierung zum leitenden Staatsgrundsatz proklamirt worden ist. Zwischen den Worten und Thaten, welcher Kontrast! Läßt die niederträchtige Verlogenheit unserer heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung sich drastischer zum Verständniß bringen! " Sage man nicht: Die Richter sind unschuldig, sie waren an das Gesetz gebunden. Richtet Euren Zorn gegen das Gesetz!" Gegen das Gesetz richtet sich allerdings der Zorn, aber nicht ausschließlich und nicht in erster Linie. Die Gesetze fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Werk von Menschen Menschen, welche die heutige Weltordnung vertreten, unsere Unterdrücker und Ausbeuter sind. Und die Richter gehören ihrerseits zu der heutigen Weltordnung! Es ist wahr, daß sie für die Gesetze nicht direkt verantwortlich und daß sie in ihrem Urtheilsspruch an die Gesetze gebunden sind. Allein ebenso wahr ist, daß der Richter auch über dem Gesetze steht und demselben, wenn es seinem Menschen und Rechtsgefühl widerstreitet, durch Freisprechung oder mildes Urtheil die Spize abbrechen kann. Auf dem Richterstuhl soll nicht geist und herztödtender Buchstabenglaube fizzen, sondern vor Allem: Menschen- und Rechtsgefühl. Und Urtheile, wie das gegen Künzel, Lauschke und Apitsch treten Menschen- und Rechtsgefühl mit Füßen. Genug der Belagerungszustand muß verlängert werden, und man brauchte Gründe". " Ein weiterer Prozeß schwebt gegen einen der ältesten und treuesten Genossen: Taute, der angeklagt ist, für den Sozialdemokrat" einen Artikel geschrieben zu haben. Man sieht Polizei und Richter sind hier sehr thätig. Herr Richter, aus Chemnitz, läßt es an Eifer nicht fehlen. An Stelle des humanen Nienhold( Nachfolger des unglücklichen Bausch, dem das Sozialistengesetz zum Sargnagel wurde) ist ein rücksichtsloser Streber, Namens Hohlfeld, zum Kriminalkommissar ernannt worden, ein Individuum, deffen Feigheit nur durch seine Verfolgungswuth übertroffen wird. Kurz, Herr Richter thut sein Möglichstes, um die infamen Berliner und Chemnitzer Polizeipraktiken nach Leipzig zu importiren. Der Mann hat auch Erfolg. Wir wollen ihm im Vertrauen mittheilen, daß der Sozialdemokrat", der hier vor Verhängung des Belagerungszustandes 189 Abonnenten hatte, heute deren 340, also beinahe die doppelte 3a hl, hat! Noch ein Jahr des„ Kleinen" und wir werden Herrn Richter falls er bis dahin nicht verflossen ist mit 600 aufwarten. Brauchen wir es noch zu erwähnen? Die sächsische Regierung ist beim Bundesrath um die Erlaubniß eingekommen, den ,, Kleinen" über Leipzig und Umgegend verlängern zu dürfen, und der Bundesrath, nett wie immer, hat ihr diese Erlaubniß bereitwilligst ertheilt. Die Dynastien sind es heute, welche den Reichsgedanken hochhalten, jagt Bismard. Er hat Recht. Sie fressen ihm aus der Hand und apportiren auf Kommando. Es find wohldressirte Hu- ldſpender. - Ein Reichstagsabgeordneter ohne Obdach. Gegen keinen unserer Genossen werden die Ausweisungsparagraphen in so schamloser Weise gehandhabt als gegen unsern Genossen Max Kayser. Aus Dresden, aus Chemniz, aus Zwickau, aus Leipzig, aus seinem Wahlkreise Freiberg- Hainichen, von Ort zu Ort hatte man in Sachsen unsern Genossen auf Grund der verrotteten sächsischen Polizeigesetze verwiesen, als er sich schließlich nach Breslau wendete, wo seine Familie wohnt. Aber siehe da, noch während er im Reichstage fizzt, erhält er einen Liebesbrief der Breslauer Polizei, wonach er auf Grund des§ 22 des Sozialistengesetzes auch aus Stadt und Bezirk Breslau ausgewiesen wird. Dieser famose Paragraph lautet: Gegen Personen, welche sich die Agitation für dle in§ 1, Absatz 2 bezeichneten Bestrebungen( sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische) zum Geschäfte machen, kann im Falle einer Verurtheilung wegen Zuwiderhandlungen gegen die§§ 17-20 ( Theilnahme an einem verbotenen Verein, Sammlungen? c.) neben der Freiheitsstrafe auf die Zulässigkeit der Einschränkung ihres Aufenthalts erkannt werden." Da die Verfügung in der Zeit, während welcher Kayser seinen Pflichten im Reichstag nachlam, erlassen wurde, so scheint der Polizeipascha von Breslau anzunehmen, das diätenlose Sizen im Reichstage sei ein Geschäft. Ob diese polizeiliche Denkweise dem„ Sinn" des§ 22 entspricht ist übrigens eine sehr müßige Frage. Derselbe stellt die Auslegung dem' Belieben der Polizei anheim, von Sinn oder Unsinu kann also feine Rede sein, sondern lediglich von der niederträchtigen Anwendung eines niederträchtigen Gesetzes. So mag denn Genosse Kayser seine Odyssee durch das deutsche Reich weiter antreten, vielleicht findet er noch in Mecklenburg oder Schaumburg- Lippe, den verrufensten Reaktionsländchen, die Unterkunft, welche ihm die Rechts" staaten verweigern. Also doch! Genosse Bebel ist am 15. Juni in Dresden thatsächlich wegen Bundesrathsbeleidigung, begangen durch Verächtlichmachung des Sozialistengesetzes, zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. In den Urtheils grinden" heißt es: ,, Greift man ein Gesetz an und bedient man sich dabei verächtlichmachender Ausdrücke, so beleidigt man, auch ohne eine gesetzgebende Körperschaft namhaft zu machen, den Gesetzgeber, als welcher sich im vorliegenden Falle der Bundesrath qualifizirt 2c." Nach diesem famosen Erkenntniß wäre in Zukunft jede Gesetzeskritik in Deutschland unmöglich gemacht. Bezeichnenderweise befindet sich unter den Machern dieses Erkenntnisses auch der saubere Herr Mangold. Bebel hatte diesen konservativen Agitator, der ein gegen ihn gerichtetes, überaus gehässiges Wahlflugblatt unterzeichnet hatte, als„ nicht unbefangen" zurückgewiesen, der Gerichtshof Mangold aber doch zugelassen, weil derselbe das Flugblatt ,, unbesehen" ein Landgerichtsrath! unterschrieben habe. Eine recht hübsche Juustration des obigen Rechtsspruches"! -" Das staatsgefährliche Reichsgericht. In Han nover ist die dort erscheinende Zeitschrift„ Haus und Welt" wegen Abdrucks eines Erkenntnisses des Reichsgerichtes verboten worden. „ Der Wiederabdruck solcher Säße", heißt es im Verbot ,,, ist geeignet, Unzufriedenheit bei den Lesern zu erregen und die Eintracht der Bevölterungsklassen zu gefährden." C'est un Comble! Das ist der Gipfel polizeilicher Unverfrorenheit. Das Gesindel hat nicht einmal soviel Scham, einen anständigen Grund für seine niederträchtigen Handlungen vorzuschieben. Jeder beliebige Vorwand ist ihm recht, und der Umstand, daß in dem Erkenntniß des Reichsgerichts eine Stelle aus einem Wahlaufruf wiedergegeben war, genügte ihm, nicht nur die betreffende Nummer zu konfisziren, sondern das wegen seiner unabhängigen Haltung ihm mißliebige Blatt vollständig zu unterdrücken. So schäbig dieser Vorwand auch ist, so ist er eben doch nichts anderes als ein Vorwand.„ Haus und Welt" wurde in Arbeiterkreisen start gelesen; ohne manchesterlich zu sein, kritisirte es scharf die Bismarck'schen Steuerprojekte das genügte. Es mußte verboten werden. In der Tabatmonopolfrage hat sich wieder einmal recht deutlich gezeigt, daß unsere großen" politischen Parteien vollkommen unfähig sind, der jezigen Reaktionswirthschaft wirksam zu steuern. Nachdem sich die Majorität durch ihre Vertreter in der Kommission fast einstimmig zu einem Mißtrauensvotum gegen das Bismarck'sche System aufgeschwungen hatte, verlor fie plötzlich, als ihr die Konsequenzen dieses Beschlusses klar wurden, den Muth, und brach eigenhändig ihrem Mißtrauensvotum die Spitze ab. Das Monopol wurde zwar mit überwältigender Majorität abgelehnt, und dadurch Bismarck eine schwere Niederlage beigebracht, aber vor den Folgen der Niederlage durch die Feigheit und Charakterlosigkeit seiner Gegner bewahrt. Unsere herrschenden Klaffen sind nicht einmal mehr im Stande, die einfachsten Grundsätze der bürgerlichen Freiheit zu verwirklichen und die absolutistischen Gelüste eines verbohrten Junkers unschädlich zu machen. Der Kehraus wird nur durch die Sozialdemokratie erfolgen können. Von den Anträgen unserer Reichstagsabgeord neten die Grillenberger'sche Interpellation zählt nicht als Antrag konnte nicht einer mehr zur Verhandlung kommen. Nach Ablehnung des Tabatsmonopols war der Reichstag nicht mehr zusammenzuhalten. Alle diese Anträge der Liebknecht'sche auf Abschaffung aller Ausnahmegesetze steht an der Spitze sämmtlicher Privatanträge gelangen nach der Vertagung, in der Reihenfolge wie sie gestellt worden sind, zur Verhandlung. Stieber im Reichstage. In neuester Zeit sind, wie der Abgeorduete Dr. Dohrn am 16. Juni im Reichstage konstatirte, im Zimmer der Wahlprüfungskommission mehrmals höchst wichtige Wahlakten zeitweilig verschwunden, die, wie konstatirt wurde, in der Zwischenzeit den Regierungsfreisen zur Einsicht vorgelegen haben müssen. Wir sind darüber in keiner Weise entrüftet, der Brief- c.- Diebstahl wird in Preußen Deutschland seit Jahren mit immer größerer Schamlosigkeit betrieben, so daß es durchaus heilsam ist, wenn die schuftige Diebsbande endlich da einbricht, wo ihr schimpfliches Gewerbe bisher beschönigt, ja ganz offen gebilligt wurde. Also nur immer so weiter, Ihr königlich preußischen Spigbuben! Das verfluchte Einmaleins! Herr Bitter, der Nachfolger Hobrecht's, ist den Weg aller preußischen Finanzminister gegangen. Trotz besten Willens war es ihm nicht möglich, die großartigen Steuerpläne seines genialen" Herrn und Meisters gegen das verfluchte Einmaleins zu vertheidigen, weshalb er mittels eines kräftigen Fußtrittes aus dem Ministerium hinausspedirt wurde. Wie es heißt, soll Monopolmayr sein Nachfolger werden. Der hat in der Kommissionsverhandlung gezeigt, daß er vor nichts zurückschreckt, namentlich wenn er sein gehöriges Quantum Hofbräu" hinter die Binde gegossen hat. Gelingt auch diesem das Kunststück nicht, größere Einnahmen zu erzielen und dabei noch den Erekator abzuschaffen, so geben wir seinem Herrn und Meister den Rath, ein Ausnahmegesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der vier Spezies" zu beschließen und alle Rechenbücher in Deutschland zu verbieten! Versuchen Sie es einmal, Durchlaucht, find ja sonst auch nicht blöde! Prinz Karl von Preußen, der sich jüngst das Bein gebrochen, wird in verschiedenen Zeitungen als großer Raucher vor dem Herrn dargestellt. Gewöhnlich raucht er zwanzig Zigarren im Tage und manchmal drei zu gleicher Zeit aus einer Spitze mit drei Oeffnungen. Diese Prinzen, sagt hierzu die Bataille", sind doch stets über die anderen Sterblichen erhaben. Prinz Karl zum Beispiel ist schon gar kein Mensch mehr, sondern ein preußischer Rauchfang. Preßfreiheit in der bürgerlichen Gesellschaft. Da die Londoner Freiheit" nach den letzten Anklagen in ganz London keinen Drucker finden konnte, der den Druck nicht den Satz!- ihres Blattes übernehmen wollte, so hat sie ihr Weitererscheinen vorläufig einstellen müssen. Diesem Schicksal ist natürlich jedes Blatt ausgesetzt, welches sich die Ungnade der Kapitalherren zuzieht und über keine eigene Druckmaschine verfügt! Oesterreich. Wozu die Polizei gut ist. Die Affaire der unglücklichen jungen Schauspielerin Dama in Dalmont, welche von dem Grafen Coudenve verführt, dann sammt ihrem Kinde verlassen wurde und in Folge dessen sich den Tod gab, bildet jetzt hier das allgemeine Gesprächsthema. Daß der Herr Graf sich scheute, eine„ Mißheirath" einzugehen, ist seine Sache; vielleicht hatte er Recht, ein ehrenhaftes Mädchen paßt nicht hinein in die durch und durch korrupte Aristotratie Desterreichs. Aber der edle Graf begnügte sich nicht damit, das Mädchen zu verführen; er wollte sie auch entehren. Und zu diesem Zwede diente ihm die Polizei. Noch vor der Entbindung im Herbst vorigen Jahres bekam Fräulein Dalmont eine amtliche Vorladung von einem Polizeikommissär in Döbling, und als es diesem nicht gelungen war, durch brutale Drohungen seinen 3wed zu erreichen, erfolgte eine weitere Vorladung vor den Polizeirath Landsteiner, dessen Fahrlässigkeit und Feigheit beim Ringtheaterbrande den Tod von 380 Menschen zur Folge hatte. Dem wehrlosen Mädchen gegenüber legte der edle Hüter von„ Sitte und Recht" eine ganz andere Energie und Kourage an den Tag. Ju seinem Bureau, in voller Uniform, also als Amtsperson, und nicht, wie man beschönigen möchte, als" guter Freund" der gräflichen Familie, suchte er durch alle möglichen Mittel von dem Mädchen eine schriftliche Erklärung dahingehend zu erpressen, daß Graf Coudenhove nicht der Vater ihres Kindes sei. Dafür bot er ihr 4000 Gulden. Fräulein Dalmont schreibt darüber in ihrem letzten Willen: Bevor ich diese Reise antrat, ließ mich Graf Franz von einem Polizeikommissar in Döbling vorladen, der mich beleidigte, so daß ich gezwungen war, mich zu meinem Schutze an einen Advokaten zu wenden. Dann in Wien vor Herrn Landsteiner, der in der Form zwar viel artiger war, vielschroffer aber in der Sache selbst. Er bot mir nämlich 4000 fl. an, wenn ich eine schrift liche Erklärung ausftelle, daß Graf Heinrich Coudenhove nicht der Vater meines Kindes sei. Ich wies diesen Vorschlag mit Entrüstung zuriid. In dieser ganzen Angelegenheit haben weder Vater noch Sohn begreifen wollen, daß eine Frau fallen tann, ohne daß sie deshalb aufhört, honnet zu sein. Ich ging nach Florenz und kehrte nach der Geburt des Kindes nach Wien zurück. Jest bot mir Graf Heinrich selber Geld an, wenn ich mich zur Lüge verstände und seine Vaterschaft leugnete. 14 Dieser Schimpf ist mehr, als ich ertragen kann. Mir noch nach der Geburt meines Sohnes vorzuschlagen, daß ich das Leben dieses unſchuldigen Geschöpfes in dieser Weise bemakle( ich spreche nicht von meinen eigenen Gefühlen, denn ich zähle hier auf Erden nicht mehr) das ist zu viel! Seine Geburt ist zwar illegitim, aber sie ist nicht schimpflich." Und das 17 jährige Mädchen gab sich lieber den Tod, ehe sie auf einen so schimpflichen Handel einging. Wir wissen aber jetzt, warum Landsteiner, derjenige Angeklagte im Ringtheaterprozeß, deffen Schuld am Klarsten zu Tage lag, freigesprochen wurde; einen so verwendbaren Beamten durfte man nicht fallen lassen. Man hätte ihn überhaupt nie angeklagt, wenn nicht die Volksstimme sich drohend gerade gegen diesen Beamten gewendet hätte, so daß das ergste zu befürchten stand, wenn man ihn, den guten Freund des Erzherzogs Albrecht, nicht durch die spanische Wand der Gerichtskomödie geschützt hätte. das Wir wissen aber auch, wozu die Polizei gut ist: Prassende Ausbeuter vor Mehrforderungen verhungernder Arbeiter zu bewahren, hochgestellte Wüstlinge bei der Entehrung wehrloser Mädchen zu unterstützen ift ihre hohe Aufgabe. Die Polizei ist die gefügige Handlangerin der großen Schurken, das lehren uns Dur und Marie Dalmont. to B. J. Korrespondenzen. Augsburg. Es ist schon lange her, seit von Augsburg und Umgebung etwas im Parteiorgan zu lesen war, ich will daher heute den Beweis liefern, daß es sich bei uns auch noch regt, trotz Sozialistengesetz und Hungerpeitsche. Seit Erlaß des berüchtigten Fabrikantenutas vom Juli 1878, wonach jeder Arbeiter verpflichtet war, bei Strafe der Entlaffung sich nicht nur jeder sozialistischen Thätigkeit zu enthalten, sondern auch keine sozialistische Zeitung zu lesen, war es bei uns, als wäre der Belagerungszustand proklamirt, denn es tam in Folge des genannten Utas und der dadurch entfesselten Denunziationswuth soweit, daß die meisten Fabritarbeiter sich nicht mehr getrauten, mit einem bekannten Sozialisten auf der Straße oder im Wirthshaus beisammen zu sein, weil sie von einem Mitarbeiter gesehen und denunzirt, in Folge dieses furchtbaren Verbrechens" ihren Platz einbüßen würden. Daß wir unter solchen Umständen die Polizeiplackereien nicht gerechnet, denn diese find zu dumm mit unserer Bewegung nicht recht vorwärts kamen, läßt sich denken, und die letzte Reichstagswahl lieferte anscheinend den Beweis, daß unsere Partei hier bedeutend kleiner geworden sei. Heute nun habe ich einen Fall zu berichten, der beweist, daß die größten Gewaltmaßregeln mit der Zeit ihren Schrecken verlieren. Seitdem nämlich die sozialistische Agitation öffentlich verboten ist, sorgen andere Leute dafür, daß die zur Abschaffung der bestehenden Ordnung" so nothwendige Unzufriedenheit gefsteigert wird, was folgender Fall beweist: In der mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei dahier haben nämlich am Dienstag den 23. Mai d. J. ca. 700 Weber die Arbeit eingestellt. Die Ursache war, daß man einen neuen Lohntarif einführen wollte, der angeblich eine beffere Regelung der Löhne und Abschaffung des Prämienunwesens bezwecken sollte, in Wirklichkeit aber nichts weiter war, als eine Reduzirung der Löhne von durchschnittlich 2-3 Mark pro Zahltag ( 14 Tage). Sobald der genannte Tarif in den Arbeitssälen angeschlagen war, stellten sämmtliche Weber und Weberinnen ihre Stühle ab und sammelten sich vor dem Comptoir, wo man ihnen bedeutete, sie möchten nur an die Arbeit gehen, es würde schon geregelt werden; allein sie antworteten: Gerant Frommel muß her, vorher wird nicht gearbeitet. Derselbe befand sich in der eine Viertelstunde von genannter Weberei entfernten und zu dieser gehörigen Spinnerei; bis derselbe herbeigeholt wurde, begaben sich die Arbeiter in den Hof und erwarteten ihn. Nach seiner Ankunft erklärte genannter Herr, daß er vor Mittwoch Mittag feine Antwort geben könne; die Leute sollten einstweilen weiter arbeiten. Doch die Arbeiter, welche die Schandthaten der Polizei beim letzten Streit der böhmischen Kohlenarbeiter noch zu gut im Gedächtniß hatten, und welche wußten, daß es seit Erlaß des Sozialistengesetzes bei uns immer mehr österreichisch" zugeht, gingen nicht darauf ein, denn sie fürchteten, andern Tags würde Polizei und Militär requirirt werden, um die Arbeiter zu verhindern, die Fabrik zu verlassen. Ob sie Recht hatten, mag man daraus beurtheilen, daß als Tags darauf die Arbeiter sich wieder vor dem Fabrikhof versammelten, um die versprochene Antwort zu hören, Herr Gerant Frommel erklärte, er könne hier nicht verhandeln und- den verblüfften Arbeitern den Rücken wendend, sich entfernte. Doch diese waren wegen dieses Einschüchterungsversuches nicht erschrocken, sondern kehrten sämmtlich mit Ausnahme der Meister oder sonst abhängigen Leute wiederum der Fabrik den Rücken. Als man nun seitens des Direktoriums sah, daß sich die Arbeiter durch leere Redensarten nicht einschüchtern ließen, und der Polizei welche sich ausnahmsweise bei dieser Gelegenheit anständig betrug feinen Anlaß zum Einschreiten gaben, wurden selbigen Abend zwei Meister beauftragt, mit den Streifenden Fühlung zu suchen und ihnen zu sagen; fie möchten eine Deputation von ca. 20 auf das Hauptkomptoir schicken, damit die Direktion mit diesen unterhandeln könne. Als nun andern Tages früh 8 Uhr sich sämmtliche Arbeiter versammelten und die betreffende Deputatton wählten, wurden diese 20 Mann vom Gerant Frommel empfangen und nach längerer Diskussion die Forderung der Arbeiter: Bestehenbleiben des alten Lohntarifs, Halten der ganzen Mittagspause, bewilligt. Es war bis dahin allerdings jedem Arbeiter freigestellt, die Mittagspause zu halten oder nicht, aber indirekt waren sie gezwungen, zu arbeiten, denn Diejenigen, welche nicht jede Minute ausnüßten, machten wenig Prämie, und da die Meister ihren Lohn von den Prämien haben, s gaben diese solchen Arbeitern, welche ihre freie Zeit genossen, auch schlechtere Arbeit. Außerdem wurde noch vereinbart, daß jeden Samstag Abend 6 Uhr Feierabend zu machen sei. Die Sache ist somit zu Gunsten der Arbeiter entschieden, und der Eindruck, welchen dieser Sieg macht, ist für die ganze Arbeiterschaft Augsburgs ein wohlthuender. Sie werden sich vielleicht wundern, daß bei dieser Gelegenheit der Unterhandlung zwischen Arbeitern und Direktorium von keinem Direktor die Rede ist. Nun, die Sache ist einfach so: Der betreffende Herr Direktor ist erst seit einem Monat in genannter Fabrik und hat sich in dieser furzen Zeit bei den Arbeitern schon so beliebt gemacht, daß sich die ganze Wuth derselben bei dieser Gelegenheit gegen ihn kehrte, so daß er sich bei der Unterhandlung gar nicht zu betheiligen getraute. Dieser saubere Herr hat nämlich in der zu genannter Weberei gehörigen Spinnerei und Carderie, nebst anderen Liebenswürdigkeiten, die Anordnung getroffen, daß bei der eine Viertelstunde währenden Frühstückspause die Arbeiter nicht mehr niederfiyen dürfen, sondern ihr Hungermahl im Stehen verschlingen müssen. Daß solche Maßregeln, welche die Arbeiter noch unter die Zuchthäusler stellen, sie anstacheln, sich ihrer Haut zu wehren, ist begreiflich. Nun die Haltung unserer Schmutzpresse gegenüber diesem Vorkommniß. In erster Linie trat der Augsburger Moniteur, genannt ,, Abendzeitung", als Leithammel der hiesigen Käsblätter in einem Verläumdungsartikel gegen die Arbeiter auf; dieser Artikel wurde von der„ Neuen Augsburger Zeitung" mit Hinweglassung der gehässigen Stellen reproduzirt, worauf die Betheiligten sofort eine Entgegnung an die Redaktion der lettgenannten Zeitung einsandten, da dies der erste Bericht war, der den Arbeitern in die Hände kam. Die Winkelblättchen„ Kurier", und ,, Neueste Nachrichten" brachten den Artikel der„ Abendzeitung" nicht nur ganz, sondern bemühten sich extra noch, den Arbeitern Eins anzuhängen und ihre Sache in ein schiefes Licht zu stellen. Doch diesmal hatten sich unsere Inseratenjäger gewaltig verrechnet. Sie waren nämlich der Glasgow. In dem Bericht in Nr. 20 ist irrthümlich Hubert Flint mit unter den Knechtsseelen aufgeführt. Derselbe arbeitete zwar weiter, aber nur unter den alten Bedingungen und zeugte bei Gericht zu Gunsten der Arbeiter, was Rabs von vornherein verweigerte. Die Uebrigen, welche unsere Genossen aus der Arbeit drängten, sind junge Leute von 18 und 19 Jahren, fie arbeiten die Woche für 15 Schilling und billiger. Ansicht, daß die sogenannte öffentliche Meinung" wie gewöhnlich gegen die Arbeiter Front machen und daß folglich die Verunglimpfung derselben den Zeitungsschmierern den Beifall der bessern Gesellschaft" verschaffen würde. Diesmal täuschten sich die Edlen indeß. Unsere Spießbürger fühlen nämlich instinktiv, daß mit der völligen Verarmung der Arbeiter ihre eigene Existenz auch immer prefärer wird, daß, wenn die ohnehin schon erbärmlichen Löhne noch weiter reduzirt werden, der Mittelstand auch vollends ruinirt wird. Aus diesem Grunde wurde die Schreibweise dieser Blätter allseitig gemißbilligt und die Arbeiter gaben häufig die beiden genannten Blätter, welche sich am schmutzigsten benommen hatten, auf. Da aber doch jeder einigermaßen aufgeklärte Arbeiter d die Tageserreignisse wissen will und muß, in Augsburg aber gar fein nur halbwegs freisinniges Organ erscheint, so nehmen sie natürlich höchstens statt der beiden unverschämten Blätter die etwas weniger unverschämte„ Neue Augsburger Zeitung". Zur Aufklärung trägt der Inhalt der Letztgenannten nicht viel mehr und nicht viel weniger bei, als der der beiden erstgenannten Blätter. " Bei dieser Gelegenheit war es wohl zum ersten Male, daß mancher dieser streikenden Arbeiter als sie daran erinnert wurden, daß seit dem Eingehen der Volkszeitung" tein freifinniges Blatt mehr am hiesigen Blaze sei, welches seine Spalten ganz der Vertheidigung der Untererh. Weiteres beachtet. mit Schamröthe im Gesichte daran dachte, daß das drückten öffnet einzige Blatt, welches sich der Arbeiter annahm, an dem Indifferentismus derselben zu Grunde ging. Wie aus dem Vorgegangenen zu ersehen ist, hat sich der FabrikantenUtas so ziemlich überlebt, und ebenso wird sich das Ausnahmegesetz überleben; bis dahin haben wir zu sorgen, daß ein geschulter Kern vorhanden ist, der die Massen, welche durch die kapitalistische Ausbeutung oder durch polizeiliche Schurkereien den Geschmack an der heutigen Schandwirthschaft gründlich verloren haben, sicher und unerschrocken dem freien Volksstaat entgegenführt. Nach Beendigung dieses Schreibens erfahre ich soeben, daß auch in der Buntweberei von L. A. Riedinger, der Streife ausgebrochen ist. Details fehlen. Das Nähere später. Aus Thüringen. Ueber Thüringen schreibt uns ein Parteigenoffe aus der Schweiz, der vor Kurzem daselbst zum Besuche war: Da ich länger als acht Jahre nicht in meiner Heimath war, richtete ich vor Kurzem meine Schritte dahin und zwar über Ingolstadt, Neuburg und Eichstädt in Bayern, wo freilich vom Sozialismus verflucht wenig zu hören und spüren war, so sehr ich auch darauf sondiren mochte. Auf meinem Wege heimwärts aber berührte ich auch Erfurt, Weimar und Jena, zuvor Nürnberg und Umgegend, wo ein unserer Sache durchaus günstiger Geist herrscht und ich aus dem Munde„ gewöhnlicher" Leute( also von Nichtsozialisten) viele zustimmende Urtheile hörte, welche von der guten Wirkung unserer Agitation lebhaft Zeugniß gaben. In meiner Heimath ich bin vom Dorfe waren die Bauern zu meiner nicht geringen Ueberraschung ganz entzückt für die Republik! Die Dorfschenke war bei meiner Anwesenheit ganz überfüllt und lauschte man meinen Worten mit der größten Aufmerksamkeit. In Erfurt fand ich ein besonders gut beackertes Feld. Bei vielen Privatgesprächen, welche ich hatte, wurden die Fenster geschlossen, damit nicht etwa ein Polizist oder sonstiger Horcher und Spitzel zuhören könne. Um so deutscher gings aber dann auch von der Leber. Die Spigelwirthschaft macht die einfachsten Leute„ rabiat" und es treibt sie zu Haß und Verachtung, ohne daß wir ein Wort zu verlieren brauchen. Den Sozialdemokrat" habe ich überhaupt öfter in Deutschland getroffen als ich erwartetet hatte. Sogar unter Kreuzband macht er vielfach seine Runde. " Wo ich nur halbwegs ankommen konnte, habe ich denselben auch in weiteren Kreisen zu lesen gegeben und damit großen Anklang gefunden. Ich bin überzeugt, daß unsere Genossen hier ein dankbares Feld offen haben, zu wirken. Das Thüringer Landvolk besonders muß man nur zu packen verstehen und„ Bruder Bismarck" mit den Agrariern hat ja famos vorgearbeitet. Also immer vorwärts! Erfurt, Ende Mai. Vor Kurzem stand ein hiesiger Genosse vor dem Schöpfen- pardon Schöffengericht unter der Anklage, sich gegen die§§ 16 und 24 des Sozialistengesetzes vergangen zu haben, wofür er zu 60 Mt. Geldbuße oder 10 Tagen Haft verurtheilt wurde. Gegen dieses Urtheil ist Berufung eingereicht worden. Als bei der Verhandlung unser Genosse nachwies, daß er sich in keiner Weise gegen die obengenannten Paragraphen vergangen, sondern nur gelegentlich für die Familien der Ausgewiesenen einige Groschen entgegengenommen habe, letzteres aber laut Reichstags- und Bundesrathsbeschluß erlaubt sei, da antwortete ihm der Schöpfenrichter, daß sie das Schöffengericht Reichstags- und Bundesrathsbeschlüsse gar nichts angingen! So ist es recht, edler Staatsretter! Was braucht Ihr auch nach Reichstags- und Bundesrathsbeschlüssen zu fragen. Wo es sich, um die Verurtheilung eines der verhaßten Rothen handelt, da gibt es nur ein Gesetz für Euch: Es muß Alles verknurrt werden! Sonstige Spitzeleien und Gemeinheiten gibt es hier wie überall. Die Briefsperren, welche unser Oberstaatsanwalt, der aus früheren Prozessen rühmlichst bekannte Erzschurke und Mucker Jesse über 12 Genossen verhängte, hat ebensowenig das gewünschte Resultat ergeben als die Haussuchungen, mit welchen wir vor dieser Maßregel bedacht worden sind. Unsere hiesige Bewegung schreitet trotzdem rüftig vorwärts, das Parteiorgan wird in ziemlicher Anzahl gelesen. Daß wir versuchen, unsere Schuldigkeit zu thun, beweisen wohl die 200 Mt., welche wir in einem Jahre für die Opfer des Sozialistengesetzes ausgegeben haben, außerdem haben wir noch Geld für Wahlund andere Zwecke aufgebracht. Das bisher Erreichte soll uns ein Sporn sein, trotz Verurtheilungen und sonstigen Verfolgungen muthig vorwärts zu schreiten! Durch diese Zeilen möchte ich mir erlauben, bei unseren Genossen in Suhl, Goldlauter und den anderen Orten Thüringens anzufragen, ob sie denn alle todt sind? Warum suchen dieselben sich nicht mit den In Suhl und Erfurter Genossen in brieflichen Verkehr zu setzen? Goldlauter, wo wir früher bei den Wahlen die Majorität hatten, haben 1 Briefkasten And dall der Expedition. Merkurius: Mt. 12, Ab. Juni, Juli, August erh. G. geht nach B. Frdm. 3.: Fr. 5, d. Ufds. dkd. zugew. x. 9. 3.: Fr. 10,- pr. Ufds. u. Fr. 20,- pr. Wfds. dkd. erh. Rother Franz: Fr. 10, à Cto. erh. Ist das Reklamirte von H. nun endlich gefunden? Bf. v. 18/6 kreuzte mit unserer Postkarte. Kopenhagen: Fr. 5,30 erh. u. hievon Chargé u. Fr. 2,80 P.- Beiträge gebucht.- Y. 3.: Bf. v. 19. erh. Agricola: öwfl. 10, à Cto. eingestellt. Dant f. Nachr. Bfl. mehr. E. W. Nms.: Fr.-85 per Reſt v. G. Peter Waldus: Bf. v. 16/6 erh. Weiteres erwartet. C. Werner: Mt. 136,20 Ab. 1. Qu. u. Ggrchng. gutgebr. Bfl. Näheres. H. Nzsch. N.- Y.: Fr. 101,25 à 1o. Ab. 2c. gutgebr. H. Rtw. London: Fr. 50,40 à Cto. Ab. Mai erh. Geldsdg. fürs„ r.+" hierher. Bfl. Weiteres.. Commzrath.Mt.-, 60 Coursdiff. dkd. erh. H. J. Paris: Fr. 7,50 Ab. 1., Zugl. Dank für Mtthlg. i S. Mi. 2. u. 3. Qu. erh. Unigenitus: Fr. 88,50 à Cto. am 17/6 erh. Bf. erwartet. 2. Martin Lawrence:( 5 Doll.) Fr. 22,95 á Cto. Ab. u. Fr. 2,55 f. d. Ufds. dkd. erh. Weiteres beachtet. Lucius: Nachr. v. 16. ds. dkd. erh. C. Stiebeling N.- Y.: Bf. u. Sdg. eingetr. u. besorgt. Bespr. folgt. B. u. S. Porto Alegre: P.-K. v. 23/5 erh. Alles abges. Ersatz am 20/6 fort. 15 Millreis gelten nur Fr. 27,75. Also Fr. 3,30 dem Ufds. weniger gutkommend, als in Nr. 8 quittirt. Sdg. geht ganz regelmäßig ab hier. Th. L. Vltch. Bitten Erped. d. S. u. Vibholg. nicht zu verwechseln. Ihr Cto. bei der Exped. ist glatt bis Ende 2. Qu. 82. Silberstein jr.: Fr. 2,50 Ab. 4 Mt. Ende Sept. durch Jgdl. erh. Blutiger: Mt. 16,20 à Cto. Schft. durch Jgdl. erh. Sdg. abgg. G. Lke. London: Rechnen mit Zuversicht auf Zugesagtes. Auszg. folgt. H. Lz. P. i. S.: Mt. 3,- Ab. 2. Qu. erh. Addr. vorgem. Gebr. Hmghs. St. Louis: Fr. 101,25 à Cto. erh. Avifirtes gewärtigend. Statistik haben wir baar fest getauft u. geliefert. Müssen sich also direkt an Verleger wenden. Vom bekehrten Nagelschmidt: Fr. 3,- pr. Ufds. dkd. erh. R. H. Nrchst.: öwfl.-, 60 f. Schft. u. Bld. erh. G. E. Richd.: Mt. 3, Ab. 3. Qu. erh. Addr. vervollstdgt. h: Fr. 50,- pr. Athl. erh. Bfl. Weiteres. Fr. 2,50 à Cto. gutgebr. Mitgldschft. 3ch.: Fr. 10, pr. Ufds. durch E. K. dkd. erh. Brenner: Fr. 1,- pr. Üfds. dkd.. verwendet.- P. M. London: P.-K. dkd. erh. Weitere Nachr. angenehm. A. Hr. Zürich: Fr. 2, Ab. 3. Qu. erh. Johannes B.: Mt. 8, Ab. 2. u. 3. Qu. erh. u. Mt. 2, dkd. dem Ufds. zugew. Neues Geld zu neuen Auflagen ist Vorbedingung. Gruß! Zürich. Samstag, den 24. Juni, Abends 8 Uhr, im kleinen Saale des alten Schützenhauses da Oeffentliche Versammlung der deutschen digim Sozialisten. Tagesordnung: Die beendigte Reichstags- Session und die sozialpolitische Lage in Deutschland. Wrist Referent: Reichstagsabgeordneter Vollmar. Jedermann hat Zutritt. Der Lokalausschuss der deutschen Sozialisten. Abonnements auf den ,, Sozialdemokrat" 80werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten wohl auf einzelne Monate als ganze Quartale- jederzeit entgegengenommen bei folgenden Filialen: Zürich Zürich Volksbuchhandlung, Casinostrasse 3, Hottingen. Schneidergenossenschaft, Kuttelgasse 3. Basel Deutscher Verein. Genf 0. Fechner, rue d'Entrepôt 9, IV. Paris Albert Vogel, rue des Maronites Nr. 3. Kopenhagen K F. Möller, Klerkegade 7, 2 Sal til Gaden. Antwerpen P. Baum, 2 rue St. Gommaire. Ph. Coenen, Dammbrüggenstraat 11. Gent Jan Finjaer, Belgradstraat 36. Brüssel Bertrand, librairie, Rue du Gazomêtre 14. Verviers J. Elias, Buchhandlung, 136 rue Spintay. Charles Picreaux, 20 rue de Luxembourg, Andrimont. wir diesmal nur ſieben Stimmen bekommen. Auf alle unsere Briefe Liège I. F. Guery, rue Hors- Château 98 und Anfragen haben wir keine Antwort bekommen. Hoffentlich findet sich durch dieses einer der dortigen oder mit dort in Verbindung stehenden Genossen veranlaßt, einmal etwas von sich hören zu lassen. Vorwärts mit dem Rufe: Hoch das Banner! 1 Der Rothe. Aus Böhmen, Mitte Juni. Samstag, den 10. ds. war Genosse Bebel in Reichenberg, um, wie alljährlich, seinen Kunden einen Besuch zu machen und Geschäfte abzuschließen. Die Polizei, von seiner Ankunft jedenfalls unterrichtet, empfing unſeren Freund am Bahnhofe, ohne sich jedoch ihm direkt vorzustellen und begleitete ihn durch die Stadt. Als Bebel sich in die Expedition des„ Arbeiterfreund" begab, siieg die schreckliche Gefahr, in der das Haus Habsburg und Umgegend während der Anwesenheit des bösen Petroleumhäuptlings schwebte, auf den Gipfel, und entschlossen, den Staat um jeden Preis zu retten", raffte sich unsere Hochwohlweise auf zur entscheidenden That! Der Polizeikommissär Knirsch( sonst kein übler Mann) erschien und forderte Bebel auf, sich zu legitimiren. Nachdem dies geschehen, ersuchte er Bebel im Auftrage des Bürgermeisters, die Stunde der Abreise mitzutheilen und entfernte sich beruhigt, als er erfuhr, daß Bebel mit dem nächsten Zuge wieder abzureisen in der angenehmen Lage sich befinde. Das Vaterland war zum duzendsten Male gerettet und die guten böhmischen Schildaer konnten ruhig weiterschlafen. Die Arbeiter aber haben recht herzlich gelacht, als sie den Hergang erfuhren. Ueber die Durer Affaire habe ich bis jetzt nur so viel erfahren, daß von Aussig bis Komotau im Ganzen ca. 600 Bergarbeiter( ohne die verhafteten Weiber) während des Streiks verhaftet worden sind. Von diesen wurden, nachdem sie protokollarisch vernommen waren, 400 per Schub in ihre Heimathsgemeinden geschickt, die Uebrigen behielt man in Haft und leitete gegen sie die Untersuchung ein. Nach 3-4wöchentlicher Haft wurde wieder eine Anzahl entlassen und per Schub nach Hause geschickt, so daß gegenwärtig noch 100-130 inhaftirt sein dürften. Das Elend unter den Bergarbeitern ist riesengroß. Schnelle Hilfe thut noth!*) Wir haben bereits Sammlungen eingeleitet und Geldmittel aufgebracht; es sind aber zuviel Unterstützungsbeditrstige, so daß unsere Kräfte nicht ausreichen. Nächstens mehr über diese Sache. Mit brüderlichem Gruß! F. *) Die Redaktion ist bereit, Beiträge entgegenzunehmen und der Administration des Reichenberger Arbeiterfreund" zu übermitteln. London Communist. Arb.- Bild.- Verein, 49 Tottenham Street, Tottenham Court. Road, W. H. Rackow, 35 Charlotte Street Fitzroy Square W. Glasgow Ernst Köhler, Glebestreet 81, II. New- York F. Jonscher, 335 6. Street. H. Nitzsche, 548, 9. Avenue, City. Jos. Strauss, 356 East. 19 Street. A. Höhne, care of ,, New- Yorker Volkszeitung", 184 William Street P. O. Box 3560. Brocklyn N.-Y. EA. Engelbrecht, 56 Lorimer Str. E. D. N.-Y. Philadelphia W. F. Schmidt, Nr. 613 Callowhill Street, care of Philad. Tageblatt. F. W. Fritzsche, 325 Callowhill Street. Chicago Jl. A. Lanfermann, 107 5 the Avenue. Cincinnati, 0. c. Schumann, 16 Mercer Street St. Louis Mo. Gebr. Herminghaus, 1805 Franklin Avenue. Lawrence Mass. Louis Martin, 35 Park Street. Scranton Pa. John Goebel, Maschinist. Pittsburg S. S. Pa. Aug. Frank, 110, 18 Street. Buenos- Aires Rudolfo Mücke, Calle 25 de Mayo 241. Die Expedition des ,, Sozialdemokrat". Schweizerische Vereinsbuchdruckerei Hottingen- Zürich.